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TIM_nov_2017

Jazz ’n’ Wein Statt

Jazz ’n’ Wein Statt Elektronik darf es nun Swinging Jazz sein, denn auf „ReJazzed“ gibt’s bekannte Groove-Knaller mit neuem Bouquet. Weshalb hat sich DelaDap-Mastermind Stani Vana davor in den Weinbergen verkrochen? TEXT: ALEXANDER HAIDE Die bunte Truppe um Groove-Guru Stani Vana serviert seit einem Dutzend Jahren funky Dance-Beats gewürzt mit Ethno-Untertönen, die mal im Vordergrund, mal dezent im Hintergrund eingesetzt waren. Zumindest der Ethno-Teil gehört der Geschichte an. Zusätzliche Verwirrung in den Soundwechsel bringt das neue Album „Re- Jazzed“, auf dem sich DelaDap acht ihrer bekanntesten Songs zur Brust nahmen und ihnen einen Jazz-Mantel umhängten. Doch Moment, da war noch etwas anderes: Wer Stani Vana in den Sommermonaten gesucht hat, musste schon den Weg in die steirischen Weinberge auf sich nehmen: In Vino Veritas? Was hat dich so lange in ein Weinbaugebiet verschlagen? Konkret war es Tischen bei Bad Radkersburg. Räume schaffen. Inspiration. Umerziehung. Drang nach handfestem Gestalten. Ich habe die letzten zehn Jahre den Drang gehabt, weil ich ja am Weinberg wohne – wo es aber leider keinen Wein gibt. Ich wollte einfach schauen, wie das mit dem Wein funktioniert – ich möchte mir ja selbst einen Weinberg anlegen. Außerdem wollte ich jegliche Verantwortung aus der Hand geben, meine Entscheidungen nicht selbst treffen. Das hat die Natur erledigt und der Chef, der Weinbauer Simon Engel. Du bist jetzt ausgebildeter Winzer? Nein, nur Weinpraktikant. Verstehen tu ich die Grünarbeit von Juni bis Ende August aber ganz gut. Was bei mir jetzt ansteht, ist die Kellerarbeit, dann schauen wir weiter. Brauchst du so dringend einen Zweitjob? Der Gang in den Weingarten war rein privater Natur: Handarbeit zelebrieren und die Suche nach dem, wo man mit Kreativität Spuren hinterlassen kann. Weinarbeit ist definitiv kreativ. Du hast Zigtausende Entscheidungen zu treffen, bevor das Gute in die Flasche kommt – und die Natur spielt viel mit. Eine Analogie zur Musik? Absolut! Harmonie, Geschmack, Bouquet und Geschmacksnoten sind genauso, wie ein Song gestaltet ist. Das hat so viel Ähnlichkeit mit Wein, wie man einen Weinstock pflegt, wie man sich eine Grundharmonie ausdenkt, wie man eine Melodie pflegt. Ich habe über die Parallelen zwischen Weinund Musikmachen viel sinniert. „ReJazzed“ entstand aber noch vor deinem Ausflug in die Weinberge. Das Album war tatsächlich schon fast fertig, die Philosophie dahinter ist aber erst am Weinberg entstanden. Dort konnte ich den Fokus wechseln, habe Zeit genug gehabt, Abstand zu finden. Es gibt nicht nur Musik in Form von Vinylschallplatten zu pressen, es gibt auch Wein zu pressen. Ganz in der Nähe von Tischen haben sich übrigens drei Jungs getraut, ein neues Vinylpresswerk zu gründen. Ich bin da mit „ReJazzed“ die Produktionsnummer eins bei Austro-Vinyl. Gibt’s einen roten Faden? Es ist entspannt, es ist rund. Wir kreieren jetzt einen Wein zum Album, der sich dann auch „ReJazzed“ nennt. Das wird ein Cuvée, für den wir uns einen Riesling und einen Traminer aus dem Jahr 2015 ausgesucht haben. Bei beidem geht es aber nicht um den akademischen Begriff Jazz, sondern ich meine den Ursprung, als Begriff für „ausgeflippt“. Der Sound ist neu, es darf swingen? Ich wollte nicht die Sound-Ästhetik der 30er- und 40er-Jahre treffen. Mir ging es wieder einmal um das Handwerkliche. Wir haben dieses Mal keine Loops und keine Samples verwendet, das komplette Album wurde mit Musikern eingespielt. Wir haben die Takes wie früher bis zum Erbrechen geübt, Foto: Doris Heinrich 34 |

damit das im Studio richtig klappt. Auschecken bis zum Umfallen im Proberaum und dann einmal aufnehmen. Die Ethno-Elemente hast du bewusst weg gelassen? Absolut, das Thema ist für mich seit sechs, sieben Jahren eigentlich abgeschlossen. Du hast für „ReJazzed“ acht DelaDap-Songs neu arrangiert: Ein Türöffner zu einem zukünftigen Sound? Ich will mir die Tür nicht zumachen. „ReJazzed“ ist eine Zweitschiene, die ich mir früher mit stilistischen Vorgaben verbaut habe. Ein guter Song ist ein guter Song. Die unterschiedlichen Produktionsweisen sind wie Mäntel. Ist damit die Tür zum alten DelaDap-Sound zu? Alte Liebe rostet nicht. Man kann sich auf Augenhöhe treffen. Insofern ist „ReJazzed“ eine Parallelschiene zu DelaDap, wie man es beim roten Album gehört hat. Dort sind viele Türen Richtung Pop, Richtung große Flächenund Synthie-Sounds geöffnet worden. „ReJazzed“ ist DelaDap unplugged, ohne Strom. Das muss auch gehen. Wie wird sich DelaDap 2019 anhören, zum 15. Gründungsjubiläum? Daran arbeite ich gerade. Ich glaube, da gibt es ein paar Überraschungen. Ich habe vor, das alte Dreamteam wieder zusammenzutrommeln. Da ist auch ein Album geplant, eine durchkonzipierte Pop-Show. Bei den Shows warst du immer der MC, der über allem thronte und GEWINN SPIEL Wir verlosen zwei Flaschen Wein und das Album „ReJazzed“. Mehr Informationen und Teilnahmebedingungen siehe ticketmagazin.com! elektronisch dirigierte. Das geht jetzt nicht mehr. Das stimmt nicht! DelaDap live ist Elektronik, ist Dancefloor-Feeling. Wir schalten jetzt nicht alles auf „Re- Jazzed“ um. Ich bleibe der dröhnende DJ dahinter. termine „ReJazzed“ wird am 22. November im ORF RadioKulturhaus präsentiert. | 35