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Die Reise nach Nimoron - Die Hüter der vier Elemente_Kapitel 1

Aaron nahm den Vorschlag

Aaron nahm den Vorschlag gerne an, da ihn der Geruch von Rührei, Speck und frischen Brötchen sehr hungrig gemacht hatte. Nachdem sie sich rundum satt gegessen hatten, lehnte Aaron sich zufrieden zurück und beobachtete seine Mutter, die jetzt Spülwasser in das Waschbecken einlaufen ließ. Leider besaßen sie keine Spülmaschine, sodass Aaron und Judy sich beim Abtrocknen immer abwechseln mussten. Gott sei Dank war Judy heute dran. Judy schien gerade genau denselben Gedanken zu haben und verzog das Gesicht. Doch dann stand sie mit einem kurzen Murren auf und nahm das Handtuch von der Heizung. Da es in der Küche sehr eng war, wartete Aaron, bis die beiden zu Ende gespült und abgetrocknet hatten, und stand anschließend auf, um Wurst, Marmelade, Butter und Milch in den Kühlschrank zu stellen. Die Küche bestand aus einer einzelnen Küchenzeile mit einem alten Backofen, einem Gasherd, einem Spülbecken und einem Kühlschrank mit einem kleinen Gefrierfach. In der hinteren Ecke standen eine kleine Eckbank, davor ein wackeliger Esstisch und zwei Stühle. Sie hatten das Haus mit den Möbeln von Mrs Darnleys Vater, Aarons und Judys Großvater, vor fünf Jahren geerbt. Mr und Mrs Darnley hatten beim Einzug zwar alle Räume renoviert, aber für neue Möbel, insbesondere für eine neue Küche, hatte das Geld nicht gereicht. Dennoch war das Haus für die Darnleys ein Segen. Ihr Großvater hatte die Elektrik, sämtliche Wasserleitungen und die Dämmung kurz vor seinem Tod noch einmal komplett erneuern lassen, sodass das Haus für die Familie nun keine zu große finanzielle Belastung darstellte. Es war ein wunderschönes altes Häuschen mit Spitzdach. Ein Knusperhäuschen, wie Judy es nannte. Aaron blickte von Judy auf den Fan-Schal vor sich auf dem Tisch, und plötzlich fiel ihm ein, dass er ja noch ein Geschenk bekommen hatte. »Mum, wo liegt noch mal das Geschenk von Großmutter?« »Im Flur, Schatz, auf der Kommode neben der Haustür.« Mrs Darnely war bereits dabei, ihre Putzsachen zusammenzulegen, da sie gleich zu Mrs Quip fahren wollte. Auf dem Weg in den Flur war Aaron in Gedanken bei seiner Großmutter. Seit der Beerdigung seines Vaters, ihres Sohnes, hatte er sie nicht mehr gesehen. Sie lebte auf einem kleinen Hof mit Pferden, Hühnern, Kühen und Schweinen. Um den Hof herum gab es weit und breit nichts außer Weiden, ein paar Wälder, Berge und Seen. Der nächste Ort lag kilometerweit entfernt. Aber seine Großmutter hatte das nie gestört. Im Gegenteil. Sie konnte von dem, was der Hof abwarf, sehr gut leben. Aaron bog um die Ecke des Flures und wäre fast über Mr Jings gestolpert, der wieder einmal mitten im Weg auf dem Rücken lag und schlief. Mr Jings war Judys Kater. Er war schwarz, bis auf die Pfoten und den Bauch. Die waren weiß. Er war ein gemütlicher Kater, der leidenschaftlich gerne und viel schlief und noch viel leidenschaftlicher fraß. Egal wo es etwas zu essen gab, nichts war vor ihm sicher. Was dazu führte, dass er ziemlich übergewichtig war. Judy bevorzugte das Wort »plüschig«. Mr Jings fauchte Aaron an. Er hatte ihm auf den Schwanz getreten. Nachdem Aaron sich entschuldigt hatte, trottete der Kater beleidigt ein paar Meter weiter, sprang auf das 6

Fensterbrett neben der Haustür – wobei er Mühe hatte, sein Hinterteil mit hochzuziehen – und rollte sich nach dieser Anstrengung erneut zu einem Nickerchen zusammen. Auf der Kommode gegenüber lag Großmutters Geschenk. Aaron hob es hoch. Es war recht schwer und in Packpapier eingewickelt. Oben drauf stand: »An das Geburtstagskind Aaron Darnley«. Keine Adresse. Keine Briefmarke. Lediglich ein Stempel in Form eines verschnörkelten N. Aaron entfernte das Papier und hob vorsichtig den Paketdeckel ab – und blickte auf ein Buch. Der Einband schimmerte in einem silbrigen weiß, und in der Mitte befanden sich vier gleich große, farbige Einkerbungen, die sternförmig angeordnet waren und sich an ihren Spitzen in der Mitte berührten: weiß, rot, blau und grün. Aaron strich mit dem Finger darüber und zog ihn direkt wieder zurück. Der Einband des Buches war eiskalt. »Was hat Großmutter dir geschickt?« Judy stand plötzlich neben ihm und versuchte angestrengt, einen Blick in das geöffnete Paket zu werfen. Aber mit ihren ein Meter zehn war sie zu klein. Sie reichte Aaron gerade mal bis zur Hüfte. Aaron hob das Paket noch etwas höher. »Nur ein Buch, Judy. Dafür bist du noch zu jung.« Judy reckte beleidigt das Kinn in die Luft. »Im Januar werde ich schon sieben«, sagte sie. »Und selbst dann wärst du noch zu klein hierfür.« Aaron legte den Deckel wieder auf das Paket. Mit dem Geschenk unter dem Arm eilte Aaron die Treppe hinauf in sein Zimmer und schloss die Tür hinter sich. Aus welchem Grund hatte er seiner Schwester das Buch nicht einfach gezeigt? Schließlich wusste er selbst nicht, wovon dieses Buch handelte. Dennoch hatte er ein seltsames Gefühl bei der Sache. Er blickte auf das Paket in seinen Händen. Unsicher warf er einen Blick auf die Zimmertür und überprüfte, ob Judy sich nicht wieder heimlich angeschlichen hatte. Aber die Tür schien nach wie vor geschlossen zu sein. Er ging hinüber zu seinem Bett und setzte sich. Das Paket legte er vorsichtig neben sich ab. Aaron öffnete es erneut und betrachtete das darin liegende Buch aufmerksam. Es schien nichts Ungewöhnliches daran zu sein. Vorsichtig hob Aaron das Buch heraus und legte es auf seinen Schoß. Es fühlte sich immer noch unnatürlich kalt an. Er fuhr mit seiner flachen Hand darüber. Und dann geschah es. Die silbrig weiße Farbe des Einbandes schien sich in Bewegung zu setzen. Wie wenn man einen Stein in stilles Gewässer wirft und dann immer größer werdende, kreisförmige Wellen entstehen. Aaron erstarrte. Wie konnte man sich diesen Effekt erklären? Jetzt wünschte er sich, in den letzten Physikstunden ein wenig besser aufgepasst zu haben. Denn um was sollte es sich hierbei sonst handeln – als eine durch Körperwärme ausgelöste Reaktion? Er nahm sich vor, später noch einmal in seine Schulbücher zu schauen und nach einer logischen Erklärung für diesen Effekt zu suchen. Aber zunächst wollte er sich noch ein wenig mit dem Buch beschäftigen. Aaron holte tief Luft und legte seine rechte Hand flach auf den Einband, genau über die vier 7

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