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Naturfreund 3 | 2017

WANDERN MIT BLICK AUFS

WANDERN MIT BLICK AUFS MATTERHORN Im Spätherbst nach Zermatt Es gibt Tage und Routen, da hat man als Wanderer das Matterhorn fast gänzlich für sich allein. Prädestiniert dazu ist die Spätherbst-Höhenwanderung von Zermatt via Trift, Höhbalmen und Arben nach Zmutt. Es ist eine Tour grandioser Ausblicke. Text und Fotos: HERBERT GRUBER

ZERMATT | UNTERWEGS Man kennt’s, man hört’s allenthalben. Und es klingt so: «Was, du gehst nach Zermatt?! Dort ist Kommerz total. Zudem ist’s überlaufen und überbaut». Nun, was soll man dazu sagen? Es war im letzten Jahr, 5. Oktober. Späte Ankunft in Zermatt. Vor dem Bahnhof ein paar Kutscher mit ihren Pferden, es sind auffallend wenige – Zwischensaison. Beim Hotel Monte Rosa (Belle Époque vom Feinsten), respektive in der ebenerdigen Whymper-Stube einen Kaffee; kein Gedränge, am Tisch vorne am Fenster sind zwei Männer und eine Frau am Essen, Käsefondue, es riecht einladend; sie plaudern und nippen am Weisswein; die Frau vom Service ist freundlich und lässt mich wissen, dass die Hütte auf Fluhalp bereits dichtgemacht hat – die Wandersaison ist zu Ende. Nun, soll ich in der Stube sitzen bleiben und ebenfalls Fondue essen? Stattdessen in die Triftschlucht. Erst durch eine schmale Gasse (bei der Grampi-Bar), danach geht’s steil hoch. Neuste (Hotel-)Architektur und uralte bäuerliche Holzbauten stehen sich auf engstem Raum gegenüber; auf dem Giebel eines noch unfertigen Neubaus sitzen Arbeiter und verzehren ihr Mittagsbrot; ihnen zu Füssen breitet sich einer der bekanntesten Kurorte des Alpenbogens aus; ein feiner Schleier liegt über dem Dorf – ist’s Herbstnebel? Kommt’s von den Cheminées? Ich vernehme das Bimmeln kleiner Glocken; langhaarige Ziegen rupfen an trockenem Gras; die Sonne scheint schräg und mild in den Hang, man heisst sie gerne willkommen, auf der gegenüberliegenden Talseite sitzen sie im Schatten. Exklusiv für Wandernde Es geht weiter bergauf; doch das Wandern auf diesem lichten Waldweg ist eine Wohltat, der von Lärchennadeln übersäte Boden federt jeden Tritt sanft ab. Auf Alterhaupt ist die Pension Edelweiss ebenfalls bereits geschlossen – Spätherbst, Saisonschluss. Hier nach links abschwenken, weiterhin aufwärts, und weiterhin auf menschenleerem Pfad. Der Wald bleibt zurück, ein schmaler Pfad, mitten durch einen Alpenrosen-Hang. Und urplötzlich, als hätte jemand ein Fenster aufgerissen, sieht man’s vor sich: das Matterhorn. Der Anblick ist grandios und unweigerlich pflichtet man jenen bei, die sagen: den schönsten Blick aufs Matterhorn gibt’s auf Höhbalmen! Dort (auf 2675 m) hat’s ein Holzbänklein; es wirkt etwas staksig, aber ein zweites mit einer derartigen Aussicht gibt’s nirgends auf Erden: vor einem das «Horu», der Hörnligrat, die gewaltige Matterhorn-Nordwand. Zudem Breithorn, Liskamm, Castor, Pollux, Rimpfischhorn, Rothorn, Täschhorn, Dom… Was diese linke Seite von Zermatt, respektive die Seite um die Trift ebenfalls derart speziell macht: sie ist nicht mit Seilbahnen erschlossen. Wer zum Holzbänkli auf Höhbalmen mit dieser grandiosen Aussicht will, geht zu Fuss. Höhbalmen, das ist das Privileg der Wandernden. Ein Geschenk an Fussgängerinnen und Fussgänger – und obwohl kaum zu glauben: es gibt Tage, da ist man da oben mutterseelenallein. Mutterseelenallein auf weiter Flur: Blick auf den Zmuttgletscher, Richtung Schönbielhütte. 3 | 2017 Naturfreund 7