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Fränkisch-Hohenlohischer Wochenspiegel

Ausgabe 08.11.2017

Fränkisch-Hohenlohischer

FRÄNKISCH-HOHENLOHISCHER WOCHEN Verbreitungsgebiet: Rothenburg Stadt und Land, Uffenheim, Ulsenheim, Wallhausen, Schnelldorf, Gerabronn, Schrozberg, Rot am See, Blaufelden, Kirchberg/Jagst, Creglingen mit angrenzenden Ortschaften. Jede Woche kostenlos Auflage 32 000 Mittwoch, 8. November 2017 Jahrgang 35 Nummer 45 Anzeigenannahme 91541 Rothenburg/T. Erlbacher Str. 102 Tel. 09861/400-100 Fax 400-119 E-Mail: anzeigen@rotabene.de In deutschen und schweizerischen Karnevals-, Fastnachts- und Faschingshochburgen wird der 11. November als Elfter im Elften um 11:11 Uhr als Beginn der Karnevalssession oder Fastnachtskampagne gefeiert. Am 11. November wird Sankt Martin mit regional verschiedenen Martinsbräuchen gefeiert. In ganz Deutschland ziehen die Kinder mit Laternen durch die Straßen. Die Martinsgans wird aufgetischt und der Pelzmärtel bringt Geschenke. Der Martinstag ist von der Grablegung des Bischofs Martin von Tours am 11. November 397 abgeleitet. Martin von Tours lebte in der Zeit von 317 bis 397 nach Christus. Als Sohn eines römischen Offiziers war er überall im Land für seine Großzügigkeit bekannt und beliebt. Die am besten überlieferte Geschichte ereignete sich an einem Februarmorgen, als der 22-jährige Martin mit seinem Burschen von einem nächtlichen Ritt heimkehrte. Am Stadttor stand ein zerlumpter Bettler. Martin nahm seinen weiten Mantel und halbierte ihn mit einem Schwertstreich. Die eine Hälfte warf er dem Bettler über die Schultern, damit dieser nicht mehr frieren musste. St.-Martins-Umzug In vielen Regionen Deutschlands sind Umzüge zum Martinstag üblich. Bei den Umzügen ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen der Dörfer und Städte. Begleitet werden sie häufig von einem auf einem Schimmel sitzenden Reiter, der mit einem roten Mantel den heiligen Martin als römischen Soldaten darstellt. Die Laternen werden oft vorher im Unterricht der Grundschulen und in Kindergärten gebastelt. Die heutige Form des Martinszuges entstand nach dem Ersten Weltkrieg im Rheinland, nachdem es schon vorher Lichterzüge in Form von „Lärmumzügen mit Lichtern“ oder als geordneter, von Erwachsenen geleitete Umzüge gab. Martinsgans Als Brauch ist heute vor allem das traditionelle Martinsgansessen verbreitet. Ein historischer Erklärungsversuch für dieses Brauchtum geht davon aus, dass in Zeiten des Lehnswesens eine am Martinstag fällige Lehnspflicht, eine Abgabe namens Martinsschoß, der Ursprung war. Da diese häufig aus einer Gans bestand, bildete sich die Bezeichnung Martinsgans heraus, und weil der Martinstag traditionell mit einer Kirmes oder einem Tanzmusikabend gefeiert wurde, bot es sich an, die Gans zum Festessen zu machen und an diesem Abend festlich zu verspeisen. Gern wird in Legenden erzählt, dass die Martinsgans ihren Ursprung in Martins Leben habe: Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. Asketisch und bescheiden, wie er sein Leben führte, hielt er sich unwürdig für solch ein hohes Amt und habe sich deshalb in einem Gänsestall versteckt. Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Sie lesen heute Eröffnung des Ausstellungsraums Firma Eggler Seite 5 Ist Ihr Auto winterfit? Seite 6 Tag des Schreiners Seite 7 Stellenmarkt Seite 9 Abfischen am Schwarzenbronner See Seite 10 Brauchtum am 11. November Martinszug auf dem Düsseldorfer Marktplatz, Aquarell v. Heinrich Hermanns, 1905 Der heilige Martin und der Bettler (El Greco, 1597/99, National Gallery of Art, Washington D.C.) Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte. Nach einer anderen Erzählung griffen die Bürger von Tours zu einer List: Ein Rusticus (Bauer) sei zu Martins Versteck gegangen und habe diesen gebeten, seine kranke Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, habe er seine Sachen genommen und den Rusticus nach Hause begleitet. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus – als habe er eine Zeit lang in einem Gänsestall gelebt. Eine weitere Geschichte besagt, dass eine schnatternde Gänseschar in den Kirchraum gewatschelt sei und dabei Bischof Martin bei seiner Predigt unterbrochen habe. Sie sei gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet worden. Solche Legenden sind allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Sie gelten als „Sekundärlegenden“, die ein Brauchtum im Nachhinein zu erklären versuchen. Die Verbindung der Gänse mit dem Pachttermin des Martinstages wird in der Forschung als älter angesehen als die Legenden. Pelz-/Nussmärtel In manchen überwiegend protestantischen Gegenden Süddeutschlands bringt der Pelzmärtel oder auch Nussmärtel am Martinstag Geschenke. Narrenzahlen, Fasten oder einfach die Besonderheit der Zahl – Theorien, warum am 11.11. die Karnevalssaison beginnt Nach dem 11. November, dem Martinstag, begann früher eine Fastenzeit. Diese dauerte bis Weihnachten. Deshalb sollte man es sich an diesem Tag nochmals richtig gut gehen lassen. Eine weitere Vermutung basiert auf dem offensichtlichen. 11.11. um 11.11 Uhr – das ist eine Schnapszahl, eine Narrenzahl, wie man im Mittelalter gesagt hätte. Elf ist auch mehr als die zehn Finger und einer weniger als die zwölf Apostel. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Und so hat heute in den Karnevalshochburgen sehr vieles mit der Zahl Elf zu tun. Sitzungen beginnen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später, und geleitet werden sie vom Elferrat.