Titanen: Hengstschau der Kaltblüter

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Hengstschau in Schwartmecke im Sauerland. Auch im winterkalten März glühen die Herzen der Fans. Mit Charme und schwungvollen Bewegungen wird aus dem starken Arbeitspferd ein treuer Begleiter in der Landwirtschaft und Freizeit.

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Sanfter Kraftprotz

Das Kaltblutpferd passt auch heute gut zum Menschen,

selbst nachdem die starken Pferden weite Teile ihres

ursprünglichen Einsatzgebietes als ausdauerndes

Arbeitspferd verloren haben. Als Kutschpferd und zum

Bewegen schwerer Lasten wie beim Holzrücken sind sie

weiterhin erste Wahl. Durch ihren ausgeglichenen

Charakter und ihre schwungvollen Gangarten gewinnen

sie immer mehr Freunde im Freizeitbereich. Wer das

geduldige Pferd gerne reiten möchte oder aber

anstrengende Aufgaben vor sich hat: der Kaltblüter ist auf

jeden Fall ein verlässlicher Begleiter.

Gute Freunde kann das Kaltblut gebrauchen. Die rasche

Mechanisierung nach dem 2. Weltkrieg hatte die starken

Pferde überflüssig gemacht. Das Rheinisch-Deutsche

Kaltblut steht inzwischen auf der Liste der gefährdeten

Tierarten. Das sah zu Anfang des 20. Jahrhunderts ganz

anders aus. Vor allem in der Landwirtschaft war der

Bedarf an schweren Kaltblütern größer als der Bestand.

Das Ende des Ersten Weltkrieges läutete einen Boom ein,

der in den 1930er Jahren zu einem über 50-prozentigen

Anteil dieser Rasse am gesamten deutschen

Pferdebestand führte.

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Im Rheinland hatte man schon im 19. Jahrhunderte gute

Erfahrungen mit importierten Belgiern gemacht. Die

vorhandenen alten Landschläge, die Gelderländer und

der Eifeler, mit diversen schweren Warmblütern oder

auch englischen Kaltblütern einzukreuzen, hatte der

Zucht keine Verbesserung gebracht. Das 1839

gegründete Landgestüt Wickrath stellte belgische

Beschäler auf und die Züchter importierten eine große

Zahl belgischer Stuten. 1892 wurde das Rheinische

Pferdestammbuch auf der Basis dieser belgischen Linie

begründet und noch zwischen den Weltkriegen war das

Rheinland einer der bedeutendsten Lieferanten

erstklassiger Zugpferde. 1949 zählte man noch 26 000

Zuchtstuten, heute sind noch einige Dutzend im

Zuchteinsatz.

Auch die Westfalen holten sich die Belgier ins Land.

Engagierte Züchter und das 1904 gegründete

Westfälische Pferdestammbuch trieben die Zucht Mit

Stuten aus dem Rheinland und Belgien voran. Das

brachte bis zu den 1940er Jahren den „westfälischen Typ“,

der als Rheinisch-Westfälisches Kaltblut immer mehr an

Bedeutung gewann. Als das Wickrather Landgestüt 1956

aufgelöst wurde, zogen die verbliebenen Zuchttiere ins

Landgestüt Warendorf um.

Gezielten Züchtungen von Liebhabern ist es zu

verdanken, dass diese außergewöhnliche Pferderasse bis

heute überlebt hat. Eine kleine Rennaissance erlebt das

Rheinisch-Deutsche Kaltblut heute in der Forstwirtschaft

mit dem umweltschonenden Baumtransport.

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Freude an der Bewegung

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Begegnung auf Augenhöhe - Der will nur spielen (links).

Gelassenheit in jeder Lebenslage prägt das Wesen der Kaltblüter.

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Herr und Hengst


Im Schwarzwwald trägt man die Haare lang.

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Besuch aus dem Süden: Schwarzwälder im Sauerland


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Mehr als viertausend Jahre wurden Pferde hauptsächlich

in Kriegen eingesetzt. Es gab natürlich auch friedliche

Verwendungszwecke. Pferde konnten Lasten ziehen oder

einen Reisewagen, Menschen auf der Jagd tragen oder

Hirten um ihre Herden, doch es dauerte sehr lange bis die

ersten Pferde zum Urbarmachen von Land eingesetzt

wurden.

In Nordeuropa gibt es zwar Felszeichnungen aus der

Bronzezeit, die Pferde vor dem Pflug zeigen, doch das

bedeutet nicht, dass sie diese Arbeit auch tatsächlich

leisteten, denn Pferde spielten auch in der Religion eine

Rolle und genau darauf verweisen diese Zeichnungen.

Die Pferde wurden vor den Pflug gespannt, um

symbolisch die erste Furche zu ziehen. Den Rest der

Arbeit erledigten Ochsen.

Im Mittleren Osten wurden Pferde lange Zeit so hoch

geschätzt, dass es undenkbar gewesen wäre, sie für

niedere Arbeiten einzusetzen. Ochsen und Esel

verrichteten solche Arbeiten zufriedenstellend.

In Europa lösten die Pferde erst im 18. Jahrhundert die

Ochsen vor dem Pflug ab. Den Kampf um die

landwirtschaftliche Zugkraft hat das Pferd im

Nordwesten Europas schließlich gewonnen. Als sich die

Landwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert so weit

entwickelt hatte, dass sie in der Lage war, den Bedarf der

stetig wachsenden Bevölkerung an Nahrungsmitteln zu

stillen, wurde das Pferd ein fester Bestandteil der

Landwirtschaft und sein Einsatz wurde von ständigen

Neuerungen auf dem Gebiet der Maschinen und Geräte

begleitet und unterstützt.

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Keine Angst vor Zweibeiner-Aufläufen.

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Genießer: Jede Streicheleinheit ist willkommen.

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Um die Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der

Landmaschinen rapide zu. Es gab Dreschmaschinen,

Mahlwerke, Speicher mit Hebewerken, mehr scharige

Pflüge, Mähmaschinen, Schneide- und Bindemaschinen

in den USA sogar Mähdrescher, die von 40 Pferden

gezogen wurden.

All diese Maschinen bedeuteten für die Pferde eine

Schwerarbeit, die manchmal die Grenzen ihrer Kraft

überstieg. Es wurden also besonders schwere und starke

Tiere gebraucht. In Frankreich, den Niederlanden,

Deutschland und Skandinavien gab es bereits eine ganze

Reihe von Kaltblutrassen. Besonders bekannt waren die

Belgischen Kaltblüter, die im 19. Jahrhundert in großer

Zahl in die USA und nach Kanada exportiert wurden.


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Das Kaltblutpferd muss bleiben! Doch wie

rettet man die charmanten Dicken vor dem

Aussterben? Die Zuchtverbände haben

darüber nachgedacht, und den

gewichtigen Kalibern ein mittelschweres

body-lifting verschrieben – weit entfernt

von einer Radikalkur. Kraft und Masse

bleiben auf jeden Fall erhalten. Zwar geht

es leichter und eleganter in eine vielseitige

Zukunft als Arbeitspferd in der Land- und

Forstwirtschaft sowie im Tourismus, als

Freizeitpferd im Geschirr und unter dem

Sattel, als Sportpferd in Fahrwettbewerben

– auch auf langen Distanzen und als

Teilnehmer in der wachsenden Zahl der

Pflüge-und Holzrückewettbewerbe.


Die kurze Formel lautet: Genügend Masse

mit Adel und Schwung. Auch der

hippologische Laie soll auf den ersten Blick

erkennen können: Dies ist ein Kaltblut.

Und das imponiert zuerst einmal mit seiner

Größe. Bei einem Stockmaß bis 1,70 m und

einem Gewicht bis zu 850 kg ist das

Großpferd nicht zu übersehen.

Ausgeprägte Muskulatur und ein massiger

Körper zeigen schon optisch, wofür die

Tiere früher zum Einsatz kamen. Das Ganze

harmonisch proportioniert. Ein guter Schub

aus der Hinterhand schafft einen

raumgreifenden Trab und einen lockeren

Galopp. Ein relativ kleiner Kopf, ein schönes

Gesicht und ausdrucksvolle Augen lassen

die üppige Pracht noch sympathischer

rüberkommen.

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Gabriele Arndt

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Fotos: Gabriele Arndt


Text-Quellen:

Elwyn Hartley Edwards

Pferde - Begleiter des Menschen durch die Geschichte

London, 1987

Zuchtprogramm Rheinisch-Deutsches Kaltblut

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