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Berner Kulturagenda 2017 N° 45

Berner Kulturagenda 2017 N°

DO 16. – MI 22.11.2017 45 / www.bka.ch Seite 3 Der Swiss Live Music Marathon gibt eine Übersicht über das Schweizer Musikschaffen T.C. Boyle liest im National aus seinem neuen Roman «Die Terranauten» Pegelstand, Kolumne von Sibylle Heiniger Seiten 4 bis 11 Agenda, Ausstellungen und Kino Seite 12 Der Schlagzeuger Mario Hänni erhält von Bee-flat die Carte Blanche «God's Own Country» läuft bei Quinnie Im Progr werden die Auszeichnungen der Literaturkommission Stadt Bern vergeben Drei Ausstellungstipps in der Übersicht Dwight Eschliman Gewappnet für das Ende der Welt Im Naturhistorischen Museum befasst sich eine neue Ausstellung mit der Apokalypse. In «Weltuntergang - Ende ohne Ende» treffen naturwissenschaftliche Fakten auf künstlerische Denkweisen. 3 Als es brodelte Gegenpol Yvonne Böhler Kulturtipps von Tabea Steiner Vor über zehn Jahren initiierte die Autorin Tabea Steiner das Thuner Literaturfestival Literaare. «Es ist ein Herzblutprojekt», so die gebürtige Thurgauerin zur «BZ». An der Literaare Herbstlese in der Halle 6 in Thun (Sa., 18.11., 12 Uhr) lesen unter anderem Kia Mann und Hartmut Abendschein. Machen Sie den ersten Satz: Vielleicht kann man das alles ja fortsetzen: Bunt, schrill, politisch: Im Bernischen Historischen Museum eröffnet die Ausstellung «1968 Schweiz». Ein Schwerpunkt liegt auf Berns lebendiger Kulturszene. Die Welt brannte, und auch in der Schweiz kamen Wasserwerfer zum Einsatz. Zahnbürstenkontrollen, die in Wohnungen von unehelich zusammenlebenden Pärchen stattfanden, Frauen, die nicht mitbestimmen durften und die Registrierung von Homosexuellen; dies alles gehörte zur «Spiesserhölle» der Nachkriegszeit in der Schweiz. Die Wut darüber entlud sich im Globuskrawall vom Sommer 1968 oder im Marsch auf Bern im Frühjahr 1969. Es waren Initialzündungen, für autonome Jugendzentren wie auch für Bürgerinnenrechte. «Eine ganze Generation war betroffen, profitiert davon haben alle», erzählt Fabian Furter, Co-Kurator der Ausstellung «1968 Schweiz» im Bernischen Historischen Museum. Ein Nachhall aus der Romantik: Das Berner Kammer orchester spielt Werke von Schoeck, Pfitzner und Strauss. «Der Wandrer schweigt. Doch jene Felsen bringen mir seinen Widerhall in dunklen Chören, als wollten sie sein Lied zurückbeschwören», lautet eine Passage aus dem Lied «Nachhall» des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck. Es ist das erste Stück des Liederzyklus für Singstimme und Orchester aus den Jahren 1954/55. Der Berner Bariton Rudolf Rosen interpretiert am Konzert «Nachhall» des Berner Kammerorchesters (BKO) die tiefsinnige Vokalpartie dieser zwölf Lieder. Und was soll der letzte sein? «Nun musste er als erstes die Situation retten und dann die Welt. Ende.» Wohin gehen Sie diese Woche und wozu? 1. In die Dampfzentrale ans Saint Ghetto zu Zola Jesus (Do., 16.11., 20 Uhr). Sie singt wie in der Oper, tanzt wie bei Woodstock und dröhnt wie im Club. Auch die anderen Acts höre ich mir an - an diesem Festival entdecke ich immer vieles, was ich noch nicht kenne. 2. An die Lesung von Lutz Seiler an der Universität Bern (Di., 21.11., 18.15 Uhr). Hoffentlich liest er nicht nur aus «Kruso», dem Roman, für den er den deutschen Buchpreis erhalten hat, sondern auch aus seinen Gedichten und insbesondere den Essays. 3. Am Mi., 22.11. ans Gin-Tasting in der Matte Brennerei (20 Uhr). Weil: Gin, und wegen des Datums. Keystone Das Globus-Provisorium in Zürich wurde 1968 von Demonstranten besetzt. Treffpunkt der Nonkonformisten Zu Wort kommen Zeitzeugen, Kontext geben die Historiker Brigitte Studer, Damir Skenderovic und Jakob Tanner. Dem Kuratorenteam war es wichtig, möglichst viele Gesichter von 1968 abzubilden: Von der Idealistin bis zum Antipoden. Schwerpunkt ist Bern und dessen lebendige Kulturszene, repräsentiert von der Kunsthalle, Kleintheatern oder der Junkere 37. In diesem Kellerlokal trafen sich Nonkonformisten und Intellektuelle, darunter auch Theodor W. Adorno. Aber auch die Westschweiz, die mit Filmexperimenten nach Frankreich schielte, spielt eine Rolle. Durch eine vielseitige Vermittlung taucht man in die Zeit ein, in der es brodelte. Marie Gfeller Bernisches Historisches Museum Do., 16.11. bis 17.6.2018 www.bhm.ch Elegante Melodielinien Inmitten der atonalen Musikästhetik des 20. Jahrhunderts gab es gleichwohl Komponisten, die mit manchen Werken einen Gegenpol zu den musikalischen Modeströmungen setzten. Wie ein Nachhall vergangener Epochen etwa erscheinen die Harmonien der kleinen Sinfonie in G-Dur von Hans Pfitzner und des Oboenkonzerts in D-Dur von Richard Strauss. Jene eleganten Melodielinien und weichen Orchesterklänge gestalten das BKO und der Oboen-Solist Martin Frutiger unter der Leitung von Philippe Bach. Konservatorium, Bern Fr., 17.11., 19.30 Uhr www.bko.ch Stephan Ruch