Landkreis Friesland

neomedia

Faszination. Sehnsucht. Heimat.

Faszination.

Sehnsucht.

Heimat.

Landkreis Friesland


Landkreis Friesland

Faszination. Sehnsucht. Heimat.


Wangerooge

Wangerland

KIEL

Landkreis Friesland

Jever

BREMEN

HAMBURG

Schortens

AMSTERDAM

HANNOVER

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NIEDERLANDE

ANTWERPEN

BELGIEN

DÜSSELDORF

Zetel

Bockhorn

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Faszination.

Sehnsucht.

Heimat.

Landkreis Friesland

neomediaVerlag GmbH

in Zusammenarbeit mit dem

Landkreis Friesland


| 4 5

Impressum

Herausgeber

neomediaVerlag GmbH

Industriestraße 23, 48653 Coesfeld

Tel. 02546 9313-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

In Zusammenarbeit mit:

Landkreis Friesland

Lindenallee 1, 26441 Jever

Tel. 04461 919-0

landkreis@friesland.de

www.friesland.de

Idee und Konzeption

Rainer Wendorff

Redaktion/Lektorat

Landkreis Friesland

Nicola Karmires

neomediaVerlag GmbH,

Marc Hankmann

Günter Poggemann

Grafik/Layout

Kerstin Katemann

Projektakquise

Andreas Dreßler

Bildnachweis

Klaus Schreiber, Titelbild

Ulrich Sprengel, S. 16, 17, 18, 21, 23, 24,

25, 30, 31, 32, 36, 38, 47, 61, 63, 64, 79, 80,

82, 83, 88, 90, 97, 98, 100, 102, 113, 120,

122, 123, 126, 130, 133, 137, 140, 141

Herbert Ahlers, S. 49, 50

Helmut Behrends, S. 53

Designpraxis, Wilhelmshaven, S. 26

Margret Finkenstädt/

Lebensweisen e. V., S. 76

Oberstabsfeldwebel Gerhard

Groeneveld, S. 136

Theresia de Jong, S. 36, 37

Stefan Lange, S. 60

Patric Leo, S. 77

Oberstabsfeldwebel Peter Meenen, S. 136

Gunnar Meister, OOWV, S. 94

Ina Rosemeyer, Regionales

Umweltzentrum Schortens, S. 34, 35

Michael Schulz, S. 116

Martin Stöver, S. 39, 54, 67

www.ostfriesland.de, S. 14, 55, 121, 131, 139

Schlossmuseum Jever, S. 124, 127

Gemeinde Bockhorn, S. 51

Stadt Jever, S. 63, 111, 117

Gemeinde Sande, S. 124, 127

Gemeinde Schortens, S. 99, 119

Stadt Varel, S. 103

Gemeinde Wangerland, S. 121

Gemeinde Zetel, S. 20

Porträt- und Firmenfotos stammen,

soweit nicht anders vermerkt, von den

jeweiligen Personen und Unternehmen.

Printed in Germany 2017

Das Manuskript ist Eigentum des

Verlages.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen

der Autoren Darstellungen und Bilder

der Firmen und Einrichtungen

zugrunde, die mit ihrer finanziellen

Beteiligung das Erscheinen des

Buches ermöglicht haben.

Druck

Brune-Mettcker Druck- und

Verlags-GmbH, 26382 Wilhelmshaven

Bibliographische Information der

Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet

diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliographie; detaillierte

Daten sind im Internet über

http://dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3-931334-79-6

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen

verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für beiderlei Geschlecht.

Das Landkreisbuch „Landkreis Friesland – Faszination.Sehnsucht.Heimat“ wird herausgegeben in einer

Buchreihe der neomediaVerlag GmbH, in der bisher folgende Bücher erschienen sind:

- Der Landkreis Ravensburg – ganz persönlich

- Der Ostalbkreis – ganz persönlich

- Das Coburger Land – ganz persönlich

- Landkreis Lörrach – ganz persönlich

- Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald - AugenBLICKE

- Kursbuch Zukunft – Landkreis Ravensburg

- Der Ortenaukreis – ganz persönlich

- Der Landkreis Schwäbisch Hall – ganz persönlich

- Landkreis Heidenheim – ganz persönlich

- Bottrop – meine Stadt

- Rhein-Pfalz-Kreis – rein persönlich

- Landkreis Göppingen – Überraschend.Persönlich.

- 200 Jahre – Landkreis Merzig-Wadern – ganz persönlich

- Rheingau-Taunus-Kreis – ganz persönlich

- Landkreis Aichach-Friedberg – ganz persönlich

- Landkreis Oberallgäu – ganz persönlich

- Hagen – ganz persönlich

- Der Landkreis Marburg-Biedenkopf – ganz persönlich

- Kreis Plön – ganz persönlich

- Der Landkreis Gifhorn – ganz persönlich


Faszination. Sehnsucht. Heimat.

Landkreis Friesland

Inhalt

8 Friesland

Faszination. Sehnsucht. Heimat.

Landrat Sven Ambrosy

14 Eine Region voller Geschichte

Hans-Georg Buchtmann

18 Ein Weltmeister im Boßelverein

Johannes Bitter

22 Das Gefühl von Heimat

wiedergefunden

Maeve Carels

25 Vom Fuhrunternehmen zum

Full-Logistikdienstleister

Albers Logistik Varel GmbH

26 Ein Stück Friesland für

die ganze Welt

biopin Vertriebs GmbH

27 Vom Kolonialwarenhandel zum

Warensicherungssystem

certus Warensicherungs-Systeme GmbH

28 Leidenschaft für Papier und

Karton

Papier- und Kartonfabrik Varel

GmbH & Co. KG

30 Premium-Qualität zu exzellenten

Preisen

Meienburg GmbH & Co. KG

31 Bau-Spezialisten in vierter

Generation

Wilhelm Meyer GmbH & Co. KG

32 Einzigartige Natur und Umwelt

Udo Borkenstein


| 6 7 INHALT

36 Friesland: Medizin für meine

Großstadtseele

Theresia Maria de Jong

39 Natur pur für einmalige

Urlaubserlebnisse

Die Nordsee GmbH

40 Europaweit unterwegs,

regional verbunden

Bruns Omnibusverkehr GmbH

42 Gesundheitsversorgung auf

höchstem Niveau

Friesland-Kliniken gGmbH

44 Friesland hoch zu Ross

Michaela Albrecht

48 Wir sind nordisch-klar und

authentisch

Herbert Ahlers

51 Vielfältige Natur für Jung und Alt

Die Gemeinde Bockhorn

52 Traditionssport, der uns ausmacht

Hans-Georg Bohlken

55 Hohe Qualität, Härte und

Langlebigkeit

Bockhorner Klinkerziegelei Uhlhorn

GmbH & Co. KG

56 Ein Dauerbrenner

„made in Friesland

Friesland Porzellanfabrik GmbH & Co. KG

58 Wie das Land, so das Jever.

Friesisches Brauhaus zu Jever

60 Eine Halskette im Sand

Wiebke Eden

63 Jever ist anders! Lebendig.

Überraschend. Vielseitig.

Die Stadt Jever

65 Zwischen der See und den

Weiten des Himmels

Walter Eichhorn


INHALT

Faszination. Sehnsucht. Heimat.

Landkreis Friesland

67 Alles, was das Leben ausmacht

Die Gemeinde Sande

68 Kompetenz für die Energie

der Zukunft

Deutsche WindGuard GmbH

69 Saubere Energie aus Friesland

Friesenenergie GmbH

70 Die Zukunft der Energie und

Telekommunikation

EWE-Geschäftsregion Oldenburg/Varel

72 Innovative Ideen für die

Luftfahrtindustrie

Premium AEROTEC

74 Oh, wie schön Friesland ist

Margret Finkenstädt

78 Von einer Behörde zum

bürgernahen Dienstleister

Karl-Heinz Funke

81 Kompetente Beratung und

professioneller Service

Ford Hippen/Netcel

82 Modernste Technik für

hochwertige E-Installation

Elektro Burmann

84 Menschen eine Zukunft geben

Die LzO im Landkreis Friesland

86 Engagiert weltweit

und für die Region

Dr. Karl Friedrich Harms

88 Beifall für einen Bocksprung

Elke Hinz

91 Rundum-Service mit Herz und

Verstand

Autohaus Claas Penning GmbH

92 Erfahrener Partner für Stadt

und Land

Thalen Consult GmbH


| 8 9 INHALT

93 Nicht nur wohnen,

sondern zu Hause sein

Wohnungsbau-Gesellschaft Friesland mbH

94 Wasser? Sicher!

OOWV im Landkreis Friesland

95 Höchste Qualität in Service

und Beratung

Wohnwelt von Harten GmbH & Co. KG

96 Verantwortung und Mut

bringen uns voran

Fritz Kleinsteuber

99 Eine Stadt für die ganze Familie

Die Stadt Schortens

100 Kleiner Kreis im Fußball ganz groß

Heinz Lange

103 Das ist Varel: herzlich und

unkompliziert

Die Stadt Varel

104 Hightech mit frischem Geschmack

Dry Control Technologies GmbH & Co. KG

106 Hochfester Metallguss aus Varel

Alexander Speith GmbH & Co. KG

108 Hightech-Spezialist gleich

hinterm Deich

Carstengerdes Modellbau GmbH

109 Vorbild für Innovation und

Ausbildung

Theilen Maschinenbau GmbH

110 Eine Region mit enormen Chancen

Olaf Lies

114 Ein kreatives Glück in Jever

Christa Marxfeld-Paluszak

118 Hilfsbereitschaft, Mut und

Lebensfreude

Rolf Mrosek


INHALT

Faszination. Sehnsucht. Heimat.

Landkreis Friesland

121 Dort leben, wo andere

Urlaub machen

Die Gemeinde Wangerland

122 Hand in Hand für Tier und Land

Renke Theilen GmbH & Co. KG

123 Wenn der äußere Schein trügt

Walter Gerdes Landmaschinen und

Industrieservice

124 Wie ein Lottogewinn

Prof. Dr. Antje Sander

128 Immer auf das Bauchgefühl gehört

Angelika Reichelt-Feldhusen

131 Dynamik in allen Bereichen

Die Gemeinde Wangerooge

132 Abschiednehmen auf ganz

besondere Weise

Reederei Huntemann GmbH

133 Fester Kurs für weiteres Wachstum

Werft Hooksiel GmbH & Co.

134 Bei Sonnenaufgang, wenn

die Natur erwacht

Wieland Rosenboom

137 Kunst und Kultur zwischen

Wald und Wattenmeer

Die Gemeinde Zetel

138 Ein Traum, der in Erfüllung ging

Stefanie Nu-Ra Towarnicki

141 Informationsfreiheit durch

flexible IT-Lösungen

DATEC Netzwerk- und

Systemtechnik GmbH

142 Multitalente aus Schortens

Arvato Direct Services Wilhelmshaven GmbH

144 Übersicht der PR-Bildbeiträge


| 14 15 HANS-GEORG BUCHTMANN

Im Laufe der Geschichte hat der Vareler Hafen viele Veränderungen erlebt, seine Romantik ist ihm

dennoch erhalten geblieben. Heute ist der Hafen ein beliebter Anziehungspunkt, um bei frischer

Brise den bunten Fischkuttern zuzuschauen.


HANS-GEORG BUCHTMANN

Eine Region

voller Geschichte

Hans-Georg Buchtmann, geb.

1938 in Varel, verhei ratet, 2 Söhne |

seit 1981 Vorsitzender des Heimatvereins

Varel | 1981 Gründer des

Shanty-Chors „De Freesen ut Varel“

| 1985 Gründer der Volkstanzgruppe

„Rund ümto“ des Heimatvereins

Varel | 2011 Verleihung des

Verdienstordens am Bande des

Niedersächsischen Verdienstordens

| 2014 Auszeichnung als

„Mann des Jahres“ | 2014 Verleihung

des Verdienstkreuzes am

Bande des Verdienstordens der

Bundesrepublik Deutschland | Halter

einer großen botanischen

Sammlung, u. a. mit über 400 Ilex-

Arten und -Sorten | Verfasser

vieler botanischer Fachartikel |

Initiator vieler heimatgeschichtlicher

Bücher und Schriften

Wer hätte gedacht, dass es in meiner Jugend ein

Buch war, das mir die Faszination für unseren

Landkreis vermittelte.

D

en ersten indirekten, aber doch prägenden

Kontakt zum Landkreis Friesland erhielt ich

als 13-jähriger Schüler im Jahre 1951. Nach

krankheitsbedingtem einjährigem Unterrichtsausfall

habe ich damals als Buchspende vom

Kreistag des Landkreises Friesland „als Anerkennung

für besondere Leistungen, vorbildlichen Fleiß und gute

Haltung“ das Buch „Friesland – ein Heimatbuch“ erhalten.

Auf gut 500 Text- und Bildseiten wurde in diesem

Werk unsere friesländische Heimat in all ihren reizvollen

Facetten vorgestellt.

Schon als Schüler fand ich unsere friesländische Heimat

ausgesprochen geschichtsträchtig, vielseitig und

interessant. Der über 2.000 Jahre währende Kampf

mit dem Meer, die Zeit der Christianisierung, das Freiheitsempfinden

der Friesen, die sturmflutbedingten

geologischen Veränderungen sowie die wechselnden

territorialen Zuordnungen haben mich in ihren Bann

gezogen.

Bereits in den Grundschulklassen wurden unsere Jahrgänge

im Fach Heimatkunde an die Besonderheiten

unserer Landschaft und ihrer Bewohner herangeführt.

Uns die Augen für Geographie, für Pflanzen- und Tierwelt

in Wald, Moor, Heide, auf der Geest sowie im Außen-

und Innengroden zu öffnen, sah man damals als

eine wichtige Aufgabe an. Die Teilnahme an Grabungen

gehörte stets zu den Höhepunkten für mich. Ich


| 16 17 HANS-GEORG BUCHTMANN

Weiter Horizont, blauer Himmel, klare Meeresluft: Das maritime Flair kann man am Strand von Schilling so richtig genießen

erinnere mich noch an die Ausgrabung einer Chaukensiedlung

aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. in Varel-

Oldorf, einen der bedeutendsten Funde in Friesland.

Wir fanden vom germanischen Volksstamm Umrisse

einer Behausung, Überreste von Feuerstellen, Topfscherben

und vieles mehr.

Landkreis Wittmund und den Südteil dem Landkreis

Ammerland zuordnen wollte. Das Vorhaben scheiterte

am Urteil des Staatsgerichtshofs in Bückeburg, das

weitsichtige Friesländer erstritten hatten. Das ist eines

von vielen Beispielen, die belegen, wie ausgeprägt das

Bewusstsein ist, Friesländer zu sein.

Schon damals war es für die Menschen schwer, wegen

der sumpfigen Moorlandschaft passende Siedlungsgebiete

zu finden. Das einmal gewonnene Land gibt man

natürlich nur ungern auf. So erklärt sich das große

Identitätsgefühl der Friesländer, das insbesondere das

Land Niedersachsen zu spüren bekam, als es den

Landkreis Friesland aufteilen und den Nordteil dem

Die Umgangssprache vor dem Zuzug der vielen Ostvertriebenen

war in Friesland Plattdeutsch (Oldenburger

Platt), das im Jeverland teilweise etwas vom ostfriesischen

Platt eingefärbt war. Plattdeutsch lernte

man im Elternhaus beziehungsweise von den Großeltern.

Auch nach 1945 wurde in der Landwirtschaft, in

den Betrieben und auf dem Bau von Wangerooge bis


HANS-GEORG BUCHTMANN

Das ist eines von vielen Beispielen, die belegen,

wie ausgeprägt das Bewusstsein ist,

Friesländer zu sein.

Hans-Georg Buchtmann

zehnten Flurnamenforschung. So fanden wir zum Beispiel

heraus, dass die Bezeichnung des bei Varel gelegenen

Mühlenteichs nicht etwa auf eine Wasser- oder

Windmühle zurückzuführen ist, sondern vom plattdeutschen

Wort „Molle“ für Mulde abstammt. Im 14.

Jahrhundert haben Mönche in dieser Gegend sogenannte

Muldenteiche, auf platt „Möllndieken“, zur

Fischzucht angelegt. Später machten ortsunkundige

und des Plattdeutschen nicht mächtige Landvermesser

daraus Mühlenteich. Inzwischen haben wir über

1.800 Namen mit Quellenangaben erklärt und kartiert.

Spohle überwiegend „Platt gesnackt“. Der Gebrauch

der Plattdeutschen Sprache ging im Laufe der letzten

Jahrzehnte immer weiter zurück. Im Heimatverein

kämpfen wir für den Erhalt des Plattdeutschen, indem

wir zum Beispiel Vortragsabende abhalten. Und auch

der Landkreis ist bemüht, die Sprache zu bewahren.

So gibt es zwei Plattdeutsch-Beauftragte, die das

Plattdeutsche auch in die Schulen bringen. Davon

kann sich die Landesregierung in Hannover durchaus

eine Scheibe abschneiden.

Aus diesen Arbeiten ist beispielsweise auch die frühe

Siedlungsstruktur im Landkreis Friesland abzuleiten.

Über den Heimatverein habe ich Kontakte zu allen

friesländischen Heimatvereinen, die sich ebenfalls

dem Ziel verschrieben haben, den Menschen die Geschichte

unseres Landstrichs, seine Kultur und Natur

näherzubringen. Sie ist so einmalig wie die Friesländer

selbst.

Urige Cafés und beliebte Fischrestaurants am Vareler Hafen

verwöhnen ihre Gäste mit friesischen Spezialitäten (Alter

Standort des Restaurants „To´n Appelboom“)

Im Altertums- und Heimatverein Jever sowie im Heimatverein

Varel betreiben wir außerdem seit Jahr-


| 18 19


JOHANNES BITTER

Ein Weltmeister

im Boßelverein

Als die Sirene zum Abpfiff ertönte, brach der Jubel los.

Wir waren Handball-Weltmeister! Und ich, der Friesländer

Junge aus Zetel, mittendrin.

I

n so einem Moment entlädt sich die ganze Anspannung.

Die Schufterei im Training, der Druck,

vor dem heimischen Publikum nicht zu versagen

– das alles fällt von einem ab und die pure Euphorie

bricht sich Bahn. Doch bis dahin, bis zum

Weltmeistertitel 2007 war es ein langer Weg, auf

dem mich Freunde begleitet, Trainer geformt und

meine Familie geerdet hat. Als Friesländer neige ich

ohnehin nicht dazu, abzuheben. Dieser Eigenschaft

verdanke ich es, dass ich nach dem WM-Titel und

dem damit verbundenen Medienrummel mit beiden

Beinen fest am Boden blieb.

Johannes Bitter, geb. 1982 in Oldenburg, verheiratet, drei

Kinder | 1989 bis 1999 bei der HSG Neuenburg/Bockhorn |

2002 bis 2003 beim Wilhemshavener HV | 2003 bis 2007 beim

SC Magdeburg | 2007 bis 2016 beim HSV Hamburg | aktuell

beim TVB 1898 Stuttgart unter Vertrag | Handball-Weltmeister

2007 | Europapokalsieger 2007 | Auszeichnung mit der Friesland-Medaille

2007 | DHB-Pokalsieger 2010 | Deutscher

Meister 2011 | Champions-League-Sieger 2013

Dass ich zum Handball und nicht wie viele andere

zum Fußball gekommen bin, schreibe ich meiner

sportbegeisterten Familie zu (und vielleicht auch

meinem überschaubaren fußballerischen Talent).

Ich bin mit zwei Schwestern und einem Bruder in

Zetel aufgewachsen, die ebenso wie mein Vater

Handball spielten. Zu meinem ersten Verein, der

HSG Neuenburg/Bockhorn, die damals noch SSV

Neuenburg hieß, bin ich jedoch durch einen Freund

gekommen, der mich einmal zum Training mitnahm.

In dieser Zeit haben mich besonders Horst Otten

und Bernd Frosch als Trainer geprägt. Doch meine

Karriere hätte beinahe ein abruptes Ende genommen,

als ich im Alter von 14 Jahren nicht für die We-


| 20 21 JOHANNES BITTER

Das Naturfreibad war für uns Kinder in jedem Sommer

das absolute Highlight: mit seinem Sandstrand, der flach ins Wasser

läuft und der wunderschönen, idyllischen Lage am Driefeler Esch.

Johannes Bitter

ser-Ems-Auswahl nominiert wurde. Ohne die Intervention

meines damaligen Kreisauswahltrainers Rolf

Jenkel hätte ich den Sprung zum Handballprofi vielleicht

nicht geschafft. Er sagte damals zum Trainer

der Weser-Ems-Auswahl, dass er soeben einen möglichen

zukünftigen Nationalspieler nicht gesichtet

hätte. Rückblickend betrachtet spricht das natürlich

für Jenkels Sachverstand, aber damals habe ich nur

gedacht, dass er doch erheblich übertreibt. Der Profihandball

und vor allem die Nationalmannschaft

waren für mich so weit entfernt wie der Mond von

der Erde.

Bevor ich nach Wilhelmshaven wechselte, stand ich

für die SG/VTB Altjührden in der zweiten Liga Nord

zwischen den Pfosten. Ausgerechnet Wilhelmshaven,

Altjührdens sportlichen Erzrivalen. Der Lokalpatriotismus

ist ja bei uns im Norden bekanntlich sehr

Eines der schönsten

Freibäder des Landkreises

ist das Naturfreibad

Südliches

Friesland in Zetel.

Umgeben von altem

Baumbestand, bietet

es viel Platz für Sonnenhungrige,

Familien

und Freizeitsportler.

ausgeprägt. So war der Wechsel alles andere als einfach

für mich. Aber damals ergab es sich, dass der

Wilhelmshavener HV mitten in der Saison eine Verstärkung

im Tor suchte und Altjührden das Geld für

meinen Vereinswechsel gut gebrauchen konnte. Außerdem

war die sportliche Herausforderung sehr

verlockend. Wilhelmshaven hatte ein ambitioniertes

Team und tatsächlich gelang uns sogleich der Aufstieg

in die erste Liga.

Mit meinem Wechsel zum SC Magdeburg verließ ich

erstmals meine norddeutsche Heimat. Dieser

Schritt fiel mir aber keineswegs schwer, denn ich

kannte aus den Auswahlmannschaften viele Spieler,

die in Magdeburg aktiv waren. Natürlich sucht man

in Sachsen-Anhalts Hauptstadt vergeblich nach einem

guten Grünkohl mit dampfenden Kartoffeln,

Kassler und vor allem sehr viel Senf – mein absolutes

Leibgericht, dicht gefolgt vom Rhabarberkuchen,

den man so nur im alten Kurhaus Dangast bekommt.

Absolut empfehlenswert.

Doch nicht nur wegen der kulinarischen Genüsse

zieht es mich immer wieder in die Heimat zurück.

Ich habe immer noch sehr viel Kontakt zu alten

Schulfreunden. Ich halte es für sehr wichtig, Menschen

an der Seite zu haben, die einen noch aus

Zeiten kennen, als man kein Profisportler war. Und

natürlich gibt mir auch meine Familie viel Rückhalt.

Gerade nach meinem Kreuzbandriss im Jahr 2012

war ich immer wieder mal während der Reha da-


JOHANNES BITTER

heim in Zetel, um Energie zu tanken und die Natur

zu genießen. Dann fahre ich wie damals als Schüler

mit dem Rad zum Naturfreibad Zetel, eines der bekanntesten

in ganz Friesland. Das Naturfreibad war

für uns Kinder in jedem Sommer das absolute Highlight:

mit seinem Sandstrand, der flach ins Wasser

läuft und der wunderschönen, idyllischen Lage am

Driefeler Esch. Einen solchen Ort der Erholung habe

ich in meinen weiteren Stationen als Profihandballer

in Hamburg und Stuttgart nicht finden können.

Und wenn es meine Zeit zulässt, schaue ich bei Alexandre

„Sascha“ Vorontsov in Oldenburg vorbei. Er

hat mich als 15-Jährigen unter seine Fittiche genommen,

mich ausgebildet und trotz des Altersunterschieds

von gut 20 Jahren sind wir schnell Freunde

geworden und bis heute geblieben. Ich schätze ihn

als Mentor sehr, weil er für mich immer einen guten

Rat zur Hand hat, wenn ich einmal nicht mehr weiterweiß.

Ich wäre gerne häufiger in Friesland, als es mein Job

zulässt, da unter dem Handball meine „Boßeln-Karriere“

ein wenig leidet. Ich komme nur noch selten

dazu, mir mit meinem Vater die Kugel zu schnappen

und ein paar Würfe zu machen. Ich käme aber nie

auf den Gedanken, meine Mitgliedschaften im Boßelverein

„Bahn rein“ Zetel-Osterende und „He löpt

noch“ Bohlenbergerfeld zu kündigen (auch wenn ich

eigentlich nur noch ein passives Mitglied bin). Ein

Friesländer ohne Boßelverein. Wo gibt’s denn

sowas?

Volkssport der Friesen: Egal ob Jung oder Alt, Boßeln ist für jeden etwas


| 74 75 MARGRET FINKENSTÄDT

Die Accumer Mühle ist eine Galerieholländerwindmühle in Schortens


MARGRET FINKENSTÄDT

Oh, wie schön

Friesland ist

Es war ein bisschen so, wie es Janosch in „Oh, wie schön

ist Panama“ beschreibt – wieder zu Hause, sehen wir

unsere Heimat erst richtig glänzen und strahlen.

Margret Finkenstädt, geb. 1953 in Wilhelmshaven

| 1996 Mitbegründerin des Vereins Lebensweisen

und im Vorstand aktiv | seit 2002

ehrenamtlich tätige Mitinitiatorin und Projektleiterin

vielfältiger Freizeitangebote, Initiativen und

Unternehmungen | im Rahmen der integrativen

und inklusiven Arbeit mit Jugendlichen und jungen

Erwachsenen mit Behinderung aktiv: Freizeitprojekt-Gruppen

für junge Erwachsene mit

Behinderung, Nordic-Walking- und Schwimmgruppe,

Leseclub, ein rollendes Museum und ein

selbstgebautes Floß, die Gestaltung der Langsamstraße

und des Cafés Suutje | Mit-Initiatorin

im Verein Lebensweisen für den Bau einer Einrichtung

mit Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten

für behinderte Menschen in Schortens (Werkstatt

Barkel 2011, Wohnstätte Barkel 2016) |

mehrere – auch bundesweite – Projektauszeichnungen

für den Verein Lebensweisen | 2016

Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens

der Bundesrepublik Deutschland

M

ein Mann ist im Barkeler Busch in Schortens

geboren, ich komme aus Wilhelmshaven. Wir

lebten sechs Jahre in Bielefeld. 1986 kamen

wir zurück. Es ist dieses Leben hier, das Lebensgefühl,

was uns fehlte – diese Ahnung von Vertrautheit.

Gekannt werden, erkannt werden – das man wahrgenommen

wird. Ein „Moin“ und ein Lächeln tun gut – auch

wenn man sich oft gar nicht kennt.

Und wie sehr brauchten wir unsere Heimat. Unser Sohn

war damals ein Jahr alt und aufgrund Sauerstoffmangels

bei der Geburt begleiteten Therapien und das tröstliche

Wort Entwicklungsverzögerung unser gemeinsames Leben.

Für mich war dieses Wort damals sooo wichtig, es

war der Strohhalm, der die Hoffnung signalisierte und der

den Horror verdrängte, den Horror „Behinderung“. Es ist

alles gut geworden, sogar sehr gut – und trotzdem ganz

anders als erhofft. Der Sohn ist geistig behindert und entwickelte

zudem autistische Züge. Bis wir das akzeptieren

konnten, gingen wir, jeder auf seine Weise, einen langen eigenen

Weg durch die Trauer.

Ich weiß noch genau, wie schwach und klitzeklein ich in

den ersten Jahren nach der Geburt unseres Sohnes war.

Bei einer ganz normalen Vorstellungsrunde der Elterngruppe

war ich total zittrig, mein Herz pochte tatsächlich

sichtbar unter dem T-Shirt. Aber irgendwie hat das Miteinander

mit den anderen Müttern, die vielen Lacher – aber


| 76 77 MARGRET FINKENSTÄDT

auch Trauer, Umarmungen und Tränen – mir wieder

Normalität gegeben, die Welt sah wieder besser aus!

Wir taten uns mit anderen Eltern zusammen und

gründeten den Verein Lebensweisen mit dem Ziel, eine

Einrichtung mit Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten

für behinderte Menschen im ländlichen Umfeld zu

schaffen. In der Gemeinschaft mit den Müttern wurde

ich dann selbst aktiv. Mit unserem Partner VHS Friesland-Wittmund

bilden wir bis heute eine schwungvolle

Initiative innerhalb des Vereins. Wir setzen uns mit

vielfältigen Projekten – zusammengefasst als „Die Türöffner

von Schortens“ – für ein selbstverständliches

Miteinander im Landkreis ein. Wir sind frei, haben

schräge Ideen und sind durchaus hartnäckig, wenn es

um die Umsetzung unserer Pläne geht.

Bei Seminaren unseres Verbandes BVKM treffen wir

unterschiedlichste in der Republik verstreute Mitgliedsorganisationen.

Wir sind die Exoten vom Lande – aber

alle staunen: Was bei uns möglich ist, scheint in Großstädten

wohl nur schwer umsetzbar zu sein. „Das ist

ein Traum, was ihr da macht!“ und „Keine unserer Organisationen

hat ein eigenes Museum“, sind Sätze, die

wir oft hören.

Auf den Heimfahrten überlegen wir, wie es kommt und

woran es wohl liegen mag, dass sich hier in Friesland

unsere Energie so frei entfalten kann. Welcher Zauber

bewegt und beflügelt uns zu immer wieder neuen auf-

Die Langsam straße,

eine Erlebnis- und

Verweilstation in

Schortens, ein

Projekt des Lebensweisen

e. V.

regenden und dann auch so erfolgreichen Projekten?

Es muss an den Menschen hier liegen, die sich auf die

„Abenteuer“ mit uns einlassen können. Was anfangs

durchaus kritisch gesehen wird, führt später zu unaufgeregten

Begegnungen – wo es vollkommen egal ist,

ob jemand behindert ist oder nicht. Das spürt man bei

den Museumsauftritten und im Café Suutje ganz besonders.

Das Café liegt versteckt am Ende der Langsamstraße in

Schortens. Die Bezeichnungen lassen Schlimmes erahnen.

„Langsam? Das kann schon mal vorkommen.

Langweilig? Sicherlich nicht!“ So steht es auf den Bestellzetteln.

Einen Gang runterschalten. Doch damit

nicht genug. Mitten in der Hauptgeschäftszeit um 15

Uhr wird der gesamte Betrieb ausgeschaltet. Keine Bewirtung

mehr, die Geräte werden gestoppt und die

Servicekräfte mit und ohne Behinderung stellen ihre

Arbeit ein: das „Viertelstündchen“ ist dran. Hier können

mutige Bürger etwas vorlesen, von ihrem Hobby erzählen,

eine Story zum Besten geben oder auch etwas vorführen.

Das Café ist unglaublich. Keiner von uns wollte

je ein Café betreiben und keiner konnte das. Wir freuen

uns wie die Schneekönige über den Erfolg.

Apropos Erfolg: Unser rollendes Museum fährt von

Dorf zu Dorf und zeigt Dinge, die Menschen mit und

ohne Behinderungen im Alltag sammeln und bewahren.

Die Vitrinen werden vom Kindergarten, von den

örtlichen Vereinen und von Menschen mit Behinderungen

bestückt. Es ist es eine Herausforderung, das

Dorf zu begeistern. Wir sehen uns der gesamten Dorfgemeinschaft

gegenüber und versuchen, all diesen

unterschiedlichen Menschen unsere Idee mit dem

Museum im Bauwagen näher zu bringen. („Was ist

denn da drin in den Kästen?“) und schließlich ist dann

das ganze Dorf auf den Beinen – ein Fest für alle.

Ich empfinde all das, was wir durch unsere Projekte,

durch die Aktivität und Arbeit erleben als eine wunderbare

Bereicherung. Ein Stück vom Glück. Das Leben

ist so bunt und aufregend hier in Friesland!


MARGRET FINKENSTÄDT

Musikfest Bremen zu Gast in Friesland beim Konzert in der Schlosskirche Varel

Wir setzen uns mit vielfältigen Projekten für ein selbstverständliches Miteinander

im Landkreis ein. Wir sind frei, haben schräge Ideen und sind durchaus hartnäckig,

wenn es um die Umsetzung unserer Pläne geht.

Margret Finkenstädt


| 110 111 OLAF LIES

Eine Region mit

enormen Chancen

Ich fühle mich wohl in meiner Heimat und bei aller

Freude an der politischen Arbeit im Land und international

ist es einfach das Schönste, wieder zu Hause

bei meiner Familie zu sein.

Olaf Lies, geb 1967 in Wilhelmshaven,

aufgewachsen in

Sande, verheiratet, zwei Töchter

| nach einer Lehre als

Funkelektroniker Studium der

Elektrotechnik und Tätigkeit

als Entwicklungsingenieur,

wissenschaftlicher Mitarbeiter

und Dozent an der Jadehochschule in Wilhelmshaven |

außerdem Engagement im Personalrat und als Personalratsvorsitzender

der Fachhochschule | Einstieg in die

Politik 2001 als parteiloser Kandidat der SPD in Sande für

den Gemeinderat | nach dem Eintritt in die SPD 2002 bis

2005 Vorsitzender des Ortsvereins | 2002 Wahl in den

Gemeinderat | 2005 bis 2013 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks

Friesland | 2006 Wahl in den Kreistag | 2008

Wahl in den Landtag des Landes Niedersachsen | 2010

bis 2012 Landesvorsitzender der SPD Niedersachsen |

seit Februar 2013 Niedersächsischer Minister für Wirtschaft,

Arbeit und Verkehr

G

ott schuf die Zeit. Von Eile hat er nichts gesagt.“

Dieses Motto – es ist am Anleger auf der Insel

Wangerooge zu finden – lässt mein Terminkalender

im Grunde nicht zu. Ein Landesminister

in Niedersachsen ist eigentlich immer im Dienst, und wenn

es beispielsweise bei Volkswagen drüber und drunter geht

oder ein wichtiger Betrieb große Probleme hat, dann kann

ich mich nicht einfach ausklinken. Umso wichtiger sind mir

die kleinen Auszeiten zu Hause in Friesland. Wenn ich freitags

bei der Heimfahrt über die Huntebrücke in Oldenburg

fahre, komme ich langsam zur Ruhe und habe das

Gefühl, ich könnte Sande schon am Horizont sehen. Dann

freue ich mich auf unser Zuhause mitten auf dem platten

Land, wo der nächste Nachbar noch nicht einmal in Rufweite

wohnt, und mein kleiner Urlaub mit meiner Frau Astrid

und den Töchtern Jenny und Sarah beginnt. Natürlich

gehört unser kleiner Heimtierzoo dazu. Mittlerweile sind

es vier Esel, drei Hunde, zwei Katzen, die zwei Göttinger

Minischweine Erika und Anneliese, ein Meerschweinchen,

fünf Hühner und zwei Laufenten („Unsere Schneckenfresser,

die ich nicht missen möchte“, sagt meine Frau immer).

Auch im Garten des alten Landarbeiterhauses, das auf

gräflichem Grund steht, ist immer genug zu tun. Und dann

gibt es natürlich noch den alten Trecker… Hier kann ich

auftanken und neue Kraft schöpfen.


OLAF LIES

Handwerkskunst in Jever – Blaudruckerei

Ich bin in dieser Region geboren, aufgewachsen und

so tief verwurzelt, dass es mich nie in die Fremde gezogen

hat. Warum auch. Geboren bin ich im ehemals

preußischen Wilhelmshaven, aber zur Schule gegangen

im oldenburgischen Sande. Diese beiden Orte waren

und sind Fixpunkte in meinem Leben. In ihnen habe

ich das Fundament gelegt für meine heutige Tätigkeit

als Minister, die viele internationale Bezüge hat.

Aber die Provinz, wenn man Sande und Wilhelmshaven

so nennen will, hat die Grundlagen dafür geboten,

dass ich mich in Ruhe entwickeln und dann die entscheidenden

Schritte machen konnte, um persönlich,

beruflich und auch politisch voranzukommen. Daran,

dass ich einmal Minister sein würde, habe ich natürlich

nie gedacht, als ich meine Lehre als Funkelektroniker

im Marinearsenal in Wilhelmshaven begonnen habe.

Als bekennender Friesländer ist mir bewusst, dass wir neben notwendigen

Investitionen und neuen Arbeitsplätzen auch weiterhin Wert darauf legen

werden, dass unsere wunderschöne Region erhalten bleibt.

Olaf Lies


| 124 125 PROF. DR. ANTJE SANDER

Blick auf die Stadt Jever und das Schloss Jever: Umgeben von einem idyllischen englischen Garten

zählt das Schloss Jever zu den schönsten Baudenkmälern in Nordwestdeutschland. Als Herrschersitz

des Jeverlandes kommt dem Schloss besondere historische Bedeutung zu.


PROF. DR. ANTJE SANDER

Wie ein

Lottogewinn

Prof. Dr. Antje Sander, geb. 1962

in Varel, aufgewachsen in Neuss,

verheiratet, zwei Kinder | 1981 bis

1987 Studium der mittelalterlichen

Geschichte, Archäologie, Volkskunde,

Ur- und Frühgeschichte an der

Universität Münster | im Rahmen

verschiedener Praktika, u. a. 1985

Praktikum am Schlossmuseum

Jever, 1991 Promotion zum Dr.

phil. | 1989 bis 1993 Tätigkeiten

als wissenschaftliche Hilfskraft

und Mitarbeiterin | 1993 bis 1996

wissenschaftliche Mitarbeiterin

des Historischen Museums in

Schwerin | seit Januar 1996 Leiterin

des Schlossmuseums Jever |

2007 Berufung zur Honorarprofessorin

an der Carl von Ossietzky

Universität Oldenburg

Das Meer war und ist für mich Sehnsuchtsort:

Ich liebe die Natur und die Weite des Wattenmeeres.

Meer – das bedeutet für mich Freiheit.

W

enn Antje auf das Gymnasium

kommt und Wibke in die Grundschule,

dann gehen wir zurück“, haben

meine Eltern immer gesagt. Friesland

blieb für sie der Sehnsuchtsort, nachdem sie mit

mir kurz nach meiner Geburt aus beruflichen Gründen

nach Neuss gezogen waren. Regelmäßig verbrachten

wir den Urlaub in Dangast und besuchten

die Verwandten in der Heimat. Und obwohl ich meine

gesamte Kindheit und Jugend im Rheinland erlebt

habe, dort meine Freunde hatte, die Schule besucht

und das Abitur gemacht habe, zog es auch mich immer

in den Norden, ans Meer. Als ich schon etwas

älter war, habe ich zum Beispiel geschaut, wann eine

Sturmflut angesagt war, bin mit dem Zug zu meiner

Großmutter und mit dem Fahrrad nach Dangast gefahren,

nur um den Wind, die Wellen und das Meer

zu spüren. Das Meer war und ist auch für mich Sehnsuchtsort:

Ich liebe die Natur und die Weite des Wattenmeeres.

Meer – das bedeutet für mich Freiheit.

1981 – als meine Eltern zurück nach Friesland zogen

– ging es für mich dann allerdings nach Münster an

die Westfälische Wilhelms-Universität. Dort konnte


| 126 127 PROF. DR. ANTJE SANDER

ich meiner zweiten Leidenschaft nachgehen: der Geschichte.

Sich mit der Geschichte zu befassen, bedeutet

für mich, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Geschichte ist keineswegs Selbstzweck. Gerade heute,

wo wir das Gefühl haben, dass sich alles rasend

schnell verändert, kann uns die Beschäftigung mit

Geschichte einerseits sagen, dass es Veränderung

immer gegeben hat, andererseits kann ich – selbst

wenn ich die Dinge hier in unserem Museum betrachte

– Lehren für politisches Handeln aus der

Geschichte ziehen.

Vor allem die Forschung hat mich interessiert, insbesondere

auch die norddeutsche Landesgeschichte,

aber ebenso hatte ich immer den Wunsch, die

gewonnenen Erkenntnisse weiterzutragen. So war

schon die Arbeit am Historischen Museum in

Schwerin, dann aber vor allem die Übernahme der

Leitung des Schlossmuseums hier in Jever vor jetzt

mehr als 20 Jahren wie ein Lottogewinn für mich.

Im Schlossmuseum findet man heute eine umfassende

bäuerliche, bürgerliche Sammlung aus rund

300 Jahren Landes- und Kulturgeschichte der Region,

die sich ständig verändert und fortlaufend erweitert

wird. So sind uns gerade in jüngster Zeit immer wieder

Dinge aus Nachlässen von Bauernhöfen zugeflossen,

die im Zuge der Veränderung der Landwirtschaft

aufgegeben werden mussten.

Darüber hinaus spiegelt das Schloss selbst die ge -

samte europäische Geschichte seit dem Mittelalter

wider. Ob der Feudalismus und die Häuptlingsherrschaft

im Mittelalter, die französische Revolution oder

der 1. Weltkrieg – mehr als 300 Jahre werden im

Schlossmuseum lebendig, zum Beispiel wenn Schüler

mit ihrem Lehrer uns hier besuchen, weil eines der

Themen im Geschichtsunterricht behandelt wird.

In Sonderausstellungen greifen wir regelmäßig auch

aktuelle Themen auf. Zuletzt ging es in der Ausstellung

„Fremd in Friesland“ um die Frage: Was ist eigentlich Heimat?

So zeigt das Beispiel der Teetasse, dem Inbegriff


PROF. DR. ANTJE SANDER

Im Schlossmuseum Jever zeigt sich in vielen Räumen die

Prachtentfaltung der einstigen Residenz: Im Audienzsaal

hat sich eine eichene, geschnitzte Holzdecke aus der Zeit

der Renaissance (um 1564) erhalten.

friesischer Heimat, dass die Teetasse eigentlich aus

Thüringen stammt, der Tee aus Indien kommt und

die Kultur des Teetrinkens aus dem Orient. So wurde

aus zuvor Unbekanntem und Neuem Heimat. Gleichzeitig

führt die Ausstellung uns – gerade in Zeiten

wachsender Multikulturalität – vor Augen, wie wichtig

ein Stück der alten Heimat in einem fremden Land

sein kann.

Eine Ausstellung unter der Überschrift „Was bedeutet

das Meer für die Menschen?“ erzählte von den

Ängsten der Menschen und ihrem Bestreben, den

Gefahren des Meeres zu begegnen, aber auch von

den Möglichkeiten, Handel zu treiben, in die Welt hinauszugehen

und neue Einflüsse aufzunehmen. Dabei

stellt man unweigerlich fest, dass die Friesen gar

nicht hinterwäldlerisch sind, wie man ihnen vielleicht

nachsagt, sondern immer äußerst weltoffen waren.

Zuletzt haben sich unter dem Thema „Starke Frauen

– mutige Mädchen“ geflüchtete Mädchen gemeinsam

mit Frauen aus der Region im Schlossmuseum mit

Frauenpersönlichkeiten beschäftigt. Dabei konnten

die jungen Frauen aus der Fremde zum Beispiel über

handwerkliche Tätigkeiten die Kultur Frieslands kennenlernen.

Geschichte zum Leben zu erwecken – das

ist mein Wunsch und das Ziel unserer Arbeit im

Schlossmuseum.

Manches hat sich in den rund 20 Jahren, in denen ich

das Schlossmuseum leite, in der Region verändert. Die

Infrastruktur hat sich gewandelt, neue Straßen wurden

gebaut, der Hafen in Wilhelmshaven erweitert,

Windräder bestimmen das Landschaftsbild und Maisfelder

immer mehr das Grünland. Der Tourismus ist

mehr geworden, hat sich aber auch verändert. Die älteren

Gäste werden weniger, jüngere müssen mit neuen

Angeboten gewonnen werden. Dabei sehe ich es

als meine Aufgabe an, dabei zu helfen, die Poten ziale

der Ursprünglichkeit aufzuschließen. Nur ein Beispiel:

Friesland hat viele wunderschöne, große Kirchen. Deren

Zauber zu entdecken, dazu möchte ich beitragen.

Geschichte zum Leben zu erwecken – das ist mein Wunsch

und das Ziel unserer Arbeit im Schlossmuseum.

Prof. Dr. Antje Sander

Faszination Friesland – das heißt für mich: Meer,

Wattenmeer, Natur, Kulturland. Wenn ich am Morgen

von Varel nach Jever fahre, der Blick über die mit

Raureif überzogenen Felder schweift, hinter mir die

Sonne rosa aufgeht und ich in die Weite schaue,

dann ist das zum Träumen schön. Und ich wünsche

mir, dass meine Kinder das auch noch so erleben

und ähnliche Empfindungen spüren können.


| 128 129 ANGELIKA REICHELT-FELDHUSEN

Immer auf das

Bauchgefühl

gehört

Wie kommt jemand wie ich, der in Wilhelmshaven

aufgewachsen ist und die Stadt noch immer

seine Heimat nennt, nach Friesland?

E

s waren einerseits wirtschaftliche Gründe,

die mich veranlassten, mit Reichelt Elektronik

nach Sande umzuziehen. Andererseits

gab es zu diesem Zeitpunkt keine adäquaten

Möglichkeiten für eine Erweiterung in Wilhelmshaven.

Es war eine schwere, wenngleich auch kluge

Entscheidung, bei der ich mich auf mein Bauchgefühl

verlassen konnte.

Als Unternehmerin auf das eigene Bauchgefühl zu

hören, ist in Zeiten von allerlei Kennzahlen etwas ungewöhnlich.

Allerdings ist mir das Unternehmertum

alles andere als in die Wiege gelegt worden. Als

jüngstes von vier Kindern, und als Mädchen dazu,

blieb es mir aus finanziellen Gründen versagt, eine

weiterführende Schule zu besuchen. So begann ich

mit 14 Jahren eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau

in Wilhelmshaven.

Nach der Geburt meiner Töchter arbeitete ich als

Bürokraft im Elektronik-Versandhandel meines damaligen

Ehemannes. Der Start dieses Betriebes entsprach

dem eines Garagenunternehmens. 1969 im

Wohnzimmer als Versandhandel gegründet, ohne

Angelika Reichelt-Feldhusen,

geb. 1945 in Neuhaus

(heute Holzminden),

verheiratet, zwei Töchter |

1969 Beginn des Elektronikhandels

| 1990 Übernahme

des Betriebs |

1996 Umzug nach Sande |

2002 Auszeichnung als „Unternehmerin der Region“ |

2006 Verleihung des Unternehmerpreises „Mutmacher

der Nation“ | 2010 Rückzug aus dem Unternehmen

und Verkauf an die Dätwyhler AG | 2010 Verleihung

des Verdienstkreuzes am Bande des

Niedersächsischen Verdienstordens | unterstützt seit

2013 das Kinder- und Jugendhospiz „Joshuas Engelreich“

ausreichendes Lager, ohne vernünftigen Warenfluss,

ohne externen Kundenstamm, ohne Eigenkapital,

ohne Controlling und ohne Öffentlichkeitsarbeit. Die

Betriebsausstattung umfasste gerade einmal einen

Firmenstempel, eine Reiseschreibmaschine und eine

Küchenwaage. Bei unserer ersten Umsatzsteuerprüfung

staunte der Finanzbeamte nicht schlecht, als er

zu Papier und Bleistift greifen musste, weil wir

schlicht keine Rechenmaschine besaßen.

1972 zogen wir in ein Einfamilienhaus und nutzten

den Keller und die Garage für den Versandhandel.

Wir vergrößerten uns ständig und bezogen im Jahre

1984 Geschäftsräume mit einer Größe von 750 Quadratmetern

in der Innenstadt Wilhelmshavens. Nach

der Trennung von meinem damaligen Mann im Jahr

1989 entschloss ich mich, über den eigenen Mut hinauszuwachsen

und die zum Verkauf stehende Firma

zu kaufen. Auch hier vertraute ich meinem Bauchgefühl.

Ich hatte keine Ahnung von Spulen, Widerständen

und elektronischen Bauteilen. Ich hatte die Wahl,

mich in die Welt der Elektronik zu stürzen, oder das,


ANGELIKA REICHELT-FELDHUSEN

Historisches Gut Altmarienhausen mit dem Marienturm

Wir wurden in Sande sehr gut aufgenommen, so dass ich noch heute

dankbar für diese Zeit bin und mich der Gemeinde Sande und dem

Landkreis Friesland nach wie vor sehr verbunden fühle.

Angelika Reichelt-Feldhusen


| 130 131 ANGELIKA REICHELT-FELDHUSEN

was ich kann, das Kaufmännische, noch besser zu

machen. Ich entschied mich für das Letztere. Ohne

die große Unterstützung meiner Mitarbeiter, insbesondere

von Ulf Timmermann, Friedel Grunwald und

meines späteren Ehemannes, würde Reichelt Elektronik

heute nicht so dastehen. Besonderen Wert legten

wir auf reibungslose Arbeitsabläufe.

Der Erfolg gab uns recht, so dass wir schon bald

nach einem neuen Grundstück Ausschau hielten. Sowohl

die Wirtschaftsförderung Sande als auch der

damalige Gemeindedirektor Hermann Pichert sowie

Oberkreisdirektor Lothar Knippert haben sich sehr

um uns bemüht, uns die Wege nach Sande zu ebnen.

1995 bauten wir in Sande eine große Versandhalle

und ein Verwaltungsgebäude und zogen Anfang

1996 um. Schon ein paar Jahre später vergrößerten

wir durch Zukauf das Grundstück für einen

Erweiterungsbau mit einem Hochregallager, weiteren

Büroräumen und einen eigenen Shop für den Direktverkauf.

Wir wurden in Sande sehr gut aufgenommen, so

dass ich noch heute dankbar für diese Zeit bin und

mich der Gemeinde Sande und dem Landkreis Friesland

nach wie vor sehr verbunden fühle. Daher wünsche

ich mir, dass unser Denken und Handeln nicht

vor den Kommunalgrenzen haltmacht. Wilhelmshaven

und Friesland sollten sich als eine Region verstehen

und nach partnerschaftlichen Abstimmungen

und arbeitsteiligen Gesamtlösungen suchen. Gemeinsam

wären wir stärker.


WANGEROOGE

Dynamik

in allen Bereichen

WANGEROOGE

So dynamisch wie das

UNESCO Weltnaturerbe

Wattenmeer sind auch die

Menschen auf Wangerooge: offen, vielfältig, nach

vorne orientiert, manchmal dickköpfig, aber

immer liebevoll und direkt.

Dirk Lindner,

Bürgermeister und Kurdirektor

D

as schätzen insbesondere unsere Gäste,

wie ich aus vielen Gesprächen weiß. Mit

knapp einer Million Übernachtungen pro

Jahr ist Wangerooge ein touristisches

Schwergewicht. Zu Erholung und Entspannung gehören

nicht nur der schöne Strand, die Wattwanderungen,

die Vogelzüge und traumhafte Sonnenuntergänge.

Die Wangerooger bieten außerdem für jeden

Gast die passende Unterkunft in Hotels, Pensionen,

Ferienwohnungen, Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen,

Schullandheimen und Jugendherberge. Von den

gastronomischen Betrieben mit ihrem vielfältigen

kulinarischen Angebot kann ich nur schwärmen. Die

kleinen Wangerooger Einzelhandelsbetriebe laden

zum individuellen Shoppen ein. Kirchen und Kurverwaltung

stellen zusammen mit vielen insularen

Kulturgruppen ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm

auf die Beine.

Durch die Tideabhängigkeit benötigen wir insulare

Lösungen: Kindergarten, Beschulung von der 1. bis

zur 10. Klasse in allen Schulformen, ärztliche Versorgung,

eine Feuerwehr und vieles mehr wäre ohne das

großartige Engagement der Inselbevölkerung nicht

möglich. Ein umtriebiger Bürgerverein, ein engagierter

Seniorenbeirat, aber auch die Wangerooger

Menschen, die sich eher still um hilfsbedürftige

Mitmenschen kümmern, machen der Insel täglich

wunderbare Geschenke.

Als Bürgermeister und Kurdirektor bin ich stolz darauf,

Teil einer über 200-jährigen Seebad-Tradition zu

sein. Überzeugen Sie sich von einem wunderschönen

und einzigartigen Ort ganz in der Nähe. Wir freuen

uns auf Sie!

Sonnenuntergang an der Strandpromenade auf der Insel Wangerooge

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