2017-04-db
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durch<br />
blick<br />
Nr. 4/<strong>2017</strong><br />
Seit 1986<br />
kostenlos<br />
Autorenzeitschrift<br />
... nicht nur für Senioren<br />
MEINUNGEN<br />
INFORMATION<br />
PERSPEKTIVEN<br />
UNTERHALTUNG<br />
KULTUR<br />
Titelfoto: Fotolia<br />
Die Zeit<br />
Seite 81
Inhaltsübersicht<br />
Kurz berichtet6<br />
Der neue Seniorenbeirat 14<br />
Jubiläum der Senioren-Service-Stellen 16<br />
Die Christianisierung 20<br />
Bleibende Eindrücke/ Besinnliche Zeit 22<br />
Lieber böser Nikolaus 24<br />
Weihnachtsfachkräfte 25<br />
Es ist ein Ros entsprungen 26<br />
Mundart 27<br />
Das Orakel 30<br />
Auch online ein Erfolg 31<br />
Das kleinste Beatles-Museum der Welt 32<br />
Etwas über einen regen Wohnungsbau 34<br />
Der Maler und die Ärztin 38<br />
Manchmal müssen es die Alten machen 40<br />
meine documenta 42<br />
Hinters Werkstor geschaut – Zepter Neunkirchen 44<br />
Spurensuche 46<br />
Das Portrait 48<br />
„Dein ist mein ganzes Herz“ 50<br />
Quotenhits von Damals 52<br />
Dichterviertel 54<br />
Der wilde Tanz der Schneeflocken 56<br />
Spuren im Schnee 57<br />
Mein Winterblues 58<br />
Buchbesprechung 59<br />
Gedächtnistraining 60<br />
Christine von Diez 62<br />
Die Gretchenfrage 65<br />
Weihnachtsmärkte in Siegen-Wittgenstein70<br />
durchblick verlost Karten für Konrad Beikircher70<br />
Veranstaltungen im Haus Herbstzeitlos 71<br />
Veranstaltungen in Siegen-Wittgenstein 72<br />
Die Zeit 81<br />
Es fiel uns auf / Lösungen 82<br />
Zu guter Letzt / Impressum 82<br />
Aus der Redaktion<br />
In unserem Portrait über Eberhard Freundt auf Seite 49 würdigt unsere Kollegin<br />
Tessie Reeh seine 15jährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der ökumenischen Hozpizhilfe<br />
in Siegen. Sein Engagement für den durchblick ist hier nur in einem Nebensatz<br />
erwähnt. Eberhard Freundt begeistert seit ebenfalls 15 Jahren Sie, liebe Leserinnen<br />
und Leser mit feinsinnigen, gut recherchierten philosophischen Beiträgen, die er<br />
vorzüglich versteht in eine Sprache umzuwandeln, die auch von einem breiteren<br />
Leserkreis verstanden wird. Er wird auch künftig in unregelmäßigen Abständen mit<br />
seinen Gedanken im durchblick präsent sein.<br />
Aus einer besonderen Perspektive lenkt unsere Leiterin der Bildredaktion den<br />
Blick auf die diesjährige documenta. Nicht die Vorstellung der Werke stehen bei<br />
ihr im Mittelpunkt, das haben zuvor schon tausende Kulturredakteure getan, Rita<br />
Petri betrachtet die „Betrachter beim Betrachten“ der Kunstwerke. Kunst liegt halt<br />
im Auge des Betrachters.<br />
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir eine besinnliche Weihnachtszeit<br />
und ein unbeschwertes neues Jahr. Viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.<br />
2 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 3
– der besondere Wintermarkt<br />
bis zum 14. Januar<br />
Programm in der Vorweihnachtszeit<br />
Montag, 20.11.<strong>2017</strong> 17.30 Eröffnung<br />
Montag, 20.11.<strong>2017</strong> bis – 18.30 Uhr „TraumExpress Chor und Musiktheater“<br />
Freitag, 24.11.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr One-Man-Band Steve Karnath<br />
Sonntag, 26.11.<strong>2017</strong> TOTENSONNTAG Winterzauber geschlossen!!!<br />
Freitag, 01.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr Klangwerk<br />
Samstag, 02.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr neXt generation<br />
Sonntag, 03.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Rothaarsteig Alphornsolisten<br />
Freitag, 08.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr The Flatbugs<br />
Samstag, 09.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Musikverein Eiserfeld<br />
Sonntag, 10.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Stahlberg Quintett<br />
Freitag, 15.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr Voice Attack<br />
Samstag, 16.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Schellengruppe Wilgersdorf<br />
Sonntag, 17.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr SnackBox<br />
Freitag, 22.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr One-Man-Band Steve Karnath
Kurz berichtet<br />
Erfolgreicher Abschluss<br />
Staatsexamen für examinierte Pflegefachkräfte<br />
Thomas Kellner<br />
als Wellenbrecher<br />
Wilnsdorf. Ende September war es<br />
endlich soweit, drei Jahre intensive<br />
Ausbildung zum examinierten Altenpfleger<br />
wurde von den Auszubildenden<br />
des DRK-Häusliche Pflege in Wilnsdorf<br />
und Burbach erfolgreich zum Abschluss<br />
gebracht.<br />
Bei der Abschlussfeier des Auditorium<br />
Südwestfalen bekamen die frisch<br />
examinierten Pflegefachkräfte Silvia<br />
Matura und Mike Neeb aus den Händen<br />
von Auditorium-Geschäftsführer<br />
Manfred Erb und Schulleiterin Yvonne<br />
Fromm die heiß ersehnten Staatsexamen<br />
überreicht. Neben den offiziellen Reden<br />
hatten sich die unteren Kurse viel Mühe<br />
bei der Gestaltung der Festlichkeit<br />
gemacht und schafften es durch ihr abwechslungsreiches<br />
und unterhaltsames<br />
Programm, die rund 100 Gäste zu unterhalten.<br />
Die dreijährige Ausbildung zum<br />
staatlich examinierten Altenpfleger umfasst<br />
einen praktischen und einen theoretischen<br />
Teil. „Wir sind stolz, zusammen<br />
mit den ausbildenden Einrichtungen eine<br />
so anspruchsvolle Ausbildung ermöglichen<br />
zu können.“ sagt Yvonne Fromm,<br />
Leitung des Fachseminares für Altenpflege<br />
Auditorium Südwestfalen.<br />
Bei Interesse stehen die Pflegedienstleitungen<br />
für Beratungsgespräche zur<br />
Verfügung.<br />
•<br />
Mentorin Stefanie Solbach, die frisch gebackene examinierte Pflegefachkraft Silvia Matura,<br />
Pflegedienstleiter Helmut Gerdesmeier, der examinierte Pfleger Mike Neeb,<br />
Mentorin Jacqueline Schumacher (von links)<br />
Freude über Spende<br />
Dunkelcafé Siegen begünstigt<br />
Siegen. Medica-Technik GmbH aus<br />
Brachbach spendete 30 Hilfsmittel an<br />
den außerschulischen Lernort Dunkelcafé.<br />
SchülerInnen vom Berufskolleg<br />
Olpe im Ausbildungsgang „Sozialassistenz“,<br />
die das Dunkelcafé besuchten,<br />
konnten die Hilfsmittel ausprobieren.<br />
Es handelt sich um Faltrollstühle, Pflegerollstühle,<br />
Rollatoren und Gehilfen,<br />
die für die Bildungsarbeit des Dunkelcafé<br />
zur Verfügung gestellt werden.<br />
Es gehört zum Bild der Siegener<br />
Oberstadt, dass Schülergruppen auf<br />
einen Blinden-Erlebnisgang durch die<br />
Fußgängerzone geführt werden. Die<br />
Sehbehinderungsrallye kann nun um<br />
eine Gehbehinderungsrallye erweitert<br />
werden. Zur Blindenstock-Rallye gesellt<br />
sich jetzt die Rollstuhl-Rallye. Das<br />
erweiterte Angebot ermöglicht es, sich<br />
besser in die Situation von Menschen<br />
mit Behinderung hinein zu versetzen.•<br />
Siegen. Seit Anfang November wird<br />
in der Kooperation von Hees Bürowelt<br />
und Kunstverein Siegen unter dem Titel<br />
„Flucticulus“ die Ausstellung von Thomas<br />
Kellner gezeigt, die bis Ende Februar<br />
2018 besucht werden kann. Mit<br />
Glas- und Keramikobjekten, Aquarellen<br />
und Collagen erweitert Kellner<br />
seine bisherige Kunstform – die Fotografie.<br />
Unterschiedliche Oberflächen,<br />
Materialien und Darstellungsweisen<br />
prägen die Ausstellung „Flucticulus“.<br />
Er widersetzt sich zum Teil dem, was<br />
in der Fotografie vorherrscht und agiert<br />
als Wellenbrecher. Tanzend, schaukelnd<br />
und schwingend bewegen sich<br />
seine abgebildeten Objekte und brechen<br />
das mit den bisher gesehenen Architekturfotografien.<br />
Für den durchblick gestaltete Kellner<br />
im Jahr 2015 ein Titelbild.<br />
In den vergangenen zwei Jahren hat<br />
sich Thomas Kellner von dem architektonischen<br />
Eisberg-Gebäude (Isbjerget)<br />
in Aarhus, Dänemark, zu immer neuen<br />
Ansätzen inspirieren lassen. Es handelt<br />
sich dabei um einen am Hafen liegenden<br />
Wohnkomplex. Die Architektur des<br />
Gebäudes ähnelt stark der durch Kellners<br />
Arbeit hervorgerufenen Realitätsverzerrung.<br />
Außerdem dienten außergewöhnliche<br />
Gebäude im Siegerland als<br />
Motive für Arbeiten wie Wellenbrecher<br />
oder Feuerwelle. Seit Beginn seiner<br />
künstlerischen Karriere stand die Bewegung<br />
im Vordergrund der Kunstwerke<br />
Thomas Kellners. •<br />
6 durchblick 4/<strong>2017</strong>
Kurz berichtet<br />
Waldeslust mit einem Falken<br />
Jag<strong>db</strong>läser auf der Hohenroth<br />
Vorhang zu<br />
Ein herber Abschied<br />
Kurz berichtet<br />
Tanzen macht fit<br />
Bewegung ist das beste Gedächtnistraining<br />
Bei gutem Wetter genossen viele Besucher die Veranstaltung der Senioren-Service-Stelle<br />
Netphen. „Waldeslust, Jagdhorn trifft<br />
Flügelschlag“, so das Motto eines nachmittags<br />
im Waldland Hohenroth, der für<br />
Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen<br />
und Freunde stattfand.<br />
Es war die erste Veranstaltung in der<br />
Region zum diesjährigen Welt-Alzheimertag.<br />
Knapp 80 Besucher waren<br />
der Einladung der Seniorenbeauftragten<br />
der Stadt Netphen und dem Verein<br />
„VergissMeinNicht Netphen e.V.“ gefolgt.<br />
„Mit diesem ganz besonderen Angebot<br />
möchten wir die Menschen, die<br />
vergessen, nicht vergessen und sie in<br />
besonderer Weise am gesellschaftlichen<br />
Leben teilhaben lassen“, so Eva Vitt<br />
von der Senioren-Service-Stelle. „Horn<br />
auf! Blast an!“, hieß es zum Start des<br />
anschließenden Programms in dem der<br />
Falkner, Tierzeichner und Tierpräparator<br />
Hartmut Gerlach aus Herzhausen<br />
heimische Tierarten vorstellte.<br />
Im Wechsel bläst dazu der Jag<strong>db</strong>läserchor<br />
die entsprechenden Jagdsignale.<br />
Zum Staunen der Gäste hatte Hartmut<br />
Gerlach noch einen abgerichteten Falken<br />
mitgebracht, den er den anwesenden<br />
Besuchern hautnah präsentierte.<br />
Im Anschluss wurde gegrillt und gemeinsam<br />
gesungen. Mit dem Schlusslied<br />
„Kein schöner Land“, bei dem die Anwesenden<br />
aus voller Brust mit einstimmten,<br />
war das Ende eines gelungenen Walderlebnistages<br />
eingeläutet.<br />
•<br />
Siegen. Senthesie – die Seniorentheatergruppe<br />
Siegen – wer hätte nicht schon einmal<br />
von ihr gehört oder gar einen besonderen<br />
Theaterabend mit dieser begeisternden<br />
Gruppe von zehn Damen und einem ebenso<br />
engagierten Herrn unter der Regie von<br />
Beate Gräbener erlebt. In siebzehn Jahren<br />
fiel ihnen immer etwas Neues ein, das sie<br />
in Theater-Form brachten und damit ungezählte<br />
Besucher auf so manchen Bühnen<br />
ringsum begeisterten.<br />
Nun gibt es sie nicht mehr, weil das<br />
Übungszentrum mitten in der Stadt anderweitig<br />
genutzt werden musste, und der<br />
neue Standort, weit außerhalb, für viele<br />
Nichtmotorisierte nur schwer erreichbar<br />
ist. Schade für viele, die euch mit euren<br />
besonderen Theaterideen geschätzt haben,<br />
ist eine Lücke entstanden. Danke, dass es<br />
euch gab. Hartmut Hering, Burbach<br />
Fahrer gesucht<br />
Siegen. Das durchblick-Team sucht<br />
zur Unterstützung Fahrer oder Fahrerinnen.<br />
Der Einsatz erfolgt gelegentlich<br />
oder auf Wunsch auch regelmäßig. Die<br />
Hilfe ist ehrenamtlich, jedoch wird eine<br />
Aufwandspauschale gezahlt. Auskünfte<br />
erteilt die durchblick-Redaktion,<br />
Eva Herrmann: 02739/301551. •<br />
Netphen. Die Senioren-Service-Stelle<br />
der Stadt Netphen bietet in Zusammenarbeit<br />
mit der erfahrenen Seniorentanzlehrerin<br />
Barbara Kerkhoff aus<br />
Siegen wiederholt das beliebte Tanzangebot<br />
„Mitmachtänze für Jung und<br />
Alt“ an. Auf dem Programm stehen<br />
internationale Geselligkeitstänze zum<br />
Mitmachen. Das Tanzangebot erfordert<br />
keinen festen Partner. Es werden<br />
einfache Schrittfolgen zu einer Musik<br />
einstudiert, die direkt ins Ohr und in die<br />
Beine gehen.<br />
Bewegung und geistiges Training,<br />
durch das Behalten der Schrittkombinationen,<br />
durchgeführt in fröhlicher<br />
Gemeinschaft, ist ein perfektes Training<br />
für Körper, Geist und Seele. Es<br />
hält jung und dynamisch. Musik und<br />
Rhythmus wecken die Lebensgeister<br />
und animieren zum Tanzen. Die Freude<br />
am Mitmachen steht dabei im Vordergrund.<br />
Eingeladen sind jüngere und<br />
ältere Tanzinteressierte, die Lust haben,<br />
gemeinsam das Tanzbein zu schwingen<br />
und Spaß zu haben.<br />
Los geht es am 1. Februar 2018,<br />
jeweils donnerstagnachmittags von<br />
14.30 Uhr bis 15.30 Uhr in der Aula<br />
der Grundschule Niedernetphen. Insgesamt<br />
sind fünf Tanznachmittage vorgesehen.<br />
Ein geringer Kostenbeitrag<br />
wird erhoben.<br />
Um eine Anmeldung wird bis Ende<br />
Januar 2018 gebeten. Weitere Infos bei<br />
der Senioren-Service-Stelle der Stadt<br />
Netphen 02738/603-145 oder per<br />
E-Mail an e.vitt@netphen.de. •<br />
„Omas Siegerländer Küche“<br />
Siegen. Sieben<br />
Hobbyköche<br />
aus<br />
Siegen und<br />
Umgebung<br />
haben es mit<br />
ihren Rezepten<br />
ins neue Regionalkochbuch Omas<br />
Siegerländer Küche geschafft. Für die<br />
Neuauflage ihres über hundert Seiten<br />
starken Küchenbegleiters hatten die<br />
Siegener Versorgungsbetriebe (SVB)<br />
alle Freizeitköche dazu aufgerufen, ihre<br />
besten siegerlandtypischen Rezepte einzuschicken.<br />
Aus den zahlreichen Einsendungen<br />
hat der lokale Versorger schließlich<br />
die leckersten Gerichte ausgewählt.<br />
Für zehn Euro ist der Küchenhelfer im<br />
SVB-Kundenzentrum in der Morleystraße<br />
erhältlich. Die kompletten Einnahmen<br />
kommen immer zum Jahresende sozialen<br />
Projekten in der Region zugute. „Kulinarisch<br />
hat unsere Region vieles zu bieten,<br />
darum haben wir in den vergangenen Jahren<br />
etliche positive Rückmeldungen für<br />
Omas Siegerländer Küche bekommen“,<br />
freut sich Jessica Peter, Marketingverantwortliche<br />
bei den SVB •.<br />
8 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 9
Neunkirchen. Intensive Beratungen,<br />
angeregte Gespräche und entspanntes<br />
Netzwerken – das waren die positiven<br />
Resultate des ersten Demenztages, zu<br />
dem die Senioren-Service-Stelle in das<br />
Neunkirchener Otto-Reiffenrath-Haus<br />
eingeladen hatte. Seniorenberaterin<br />
Bettina Großhaus-Lutz hatte die Veranstaltung<br />
in das Angebot des diesjährigen<br />
Weltalzheimertags eingebettet: Mehr<br />
als 20 Aussteller aus Neunkirchen und<br />
Umgebung stellten sich vor und boten<br />
Dienstleistungen und Produkte an. Ziel<br />
war es, die umfangreichen Hilfs- und<br />
Kurz berichtet<br />
Demenztag in Neunkirchen<br />
Ein Konzept mit Wiederholungswert<br />
Susanne Roth und Heike Dielmann, Senioren- und Pflegeberatung, Kreis Siegen-Wittgenstein<br />
und Bettina Großhaus-Lutz von der Senioren-Service-Stelle Neunkirchen.<br />
Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen,<br />
die es den betroffenen Bürgern<br />
ermöglichen, auch mit der Diagnose Demenz<br />
gut versorgt zu leben. Und dies im<br />
besten Fall in den eigenen vier Wänden.<br />
Ob Fahr- oder ambulanter Hospizdienst,<br />
Pflegeangebote, Demenzbetreuung,<br />
Krankenkasse, VdK oder Entlastungsangebote<br />
für die Angehörigen<br />
- die Hilfsangebote stießen bei den Besuchern<br />
auf großes Interesse. Die Kombination<br />
aus umfassender Information<br />
und Beratung kam gut an. Wie wertvoll<br />
die Veranstaltung für die teilnehmenden<br />
Organisationen und Einrichtungen war,<br />
zeigte sich auch noch im Nachhinein. So<br />
verzeichnete beispielsweise das Hilfsangebot<br />
„Hand in Hand“ auch in den Folgetagen<br />
noch viele Anfragen von Bürgerinnen<br />
und Bürgern.<br />
•<br />
Filmprojekt<br />
macht Mut<br />
Siegen. Der 2012 entstandene Film aus<br />
dem Hause „Medienprojekt Wuppertal“<br />
zeigt zwei Seniorinnen und einen Senior,<br />
die es vollbracht haben, Scham und<br />
Zweifel zu überwinden. Sie haben es<br />
geschafft, sich professionelle Hilfe zu<br />
suchen. Alle drei finden mit therapeutischer<br />
Unterstützung einen Weg in ihr<br />
Leben zurück. Sie nehmen es wieder in<br />
die eigenen Hände und gestalten es auf<br />
ihre eigene Art.<br />
Der Film begleitet die erzählenden Protagonisten<br />
auf eine sehr einfühlsame<br />
Art und Weise. Das Filmprojekt macht<br />
vor allem Mut und zeigt, dass auch<br />
jenseits der 60 eine Depression gut zu<br />
überwinden ist.<br />
Am 3. Dezember ist der Internationale<br />
Tag der Menschen mit Behinderung.<br />
Heute fällt auch die Depression dann<br />
unter den Begriff Behinderung, wenn sie<br />
länger als ein halbes Jahr andauert. Die<br />
Beauftragten für Behindertenfragen der<br />
Universitätsstadt Siegen laden daher in<br />
Kooperation mit dem „Bündnis gegen<br />
Depression“ zu dieser kostenfreien Filmvorführung<br />
in das Haus Herbstzeitlos ein.<br />
Im Anschluss an den Film ist ausreichend<br />
Zeit für Gespräche. Die Veranstaltung,<br />
die am 4. Dezember um 15 Uhr<br />
stattfindet, ist kostenlos. Eine Anmeldung<br />
ist nicht erforderlich. Veranstaltungsort<br />
ist das Begegnungszentrum der<br />
Stadt Siegen, Haus Herbstzeitlos, in der<br />
Marienborner Straße 151.<br />
Der Zugang zur Vorführung ist barrierefrei,<br />
ein Behinderten-WC ist vorhanden.<br />
•<br />
Kurz berichtet<br />
Kraftvoll und eigenwillig<br />
„Wiederholungstäterin“ im Kreisklinikum<br />
Weidenau. Unter dem Titel „Meine Farben,<br />
meine Pinsel, meine Bilder“ stellt<br />
Hanna Warmers im Café Sohler aus. Vier<br />
Jahre nach ihrer letzten Ausstellung zeigt<br />
die Kunstlehrerin Acrylarbeiten auf Leinwand<br />
in kräftigen expressiven Farben. So<br />
entstehen wie zufällig Bilder von Menschen,<br />
Landschaften und Phantasiewesen.<br />
Die Ideen entwickeln sich aus Zufallsbeobachtungen,<br />
aus Entdeckungen, die<br />
plötzlich da sind und verwertet werden<br />
wollen. Das Motiv folgt der Stimmung.<br />
Die Ausstellung ist bis Mitte Dezember<br />
zu üblichen Öffnungszeiten zu sehen. •<br />
Generationen miteinander<br />
Neues Bilderbuch dient als Grundlage<br />
Erndtebrück. Im letzten Jahr wurde das<br />
Benefizkonzert „Seraphines größter Weihnachtswunsch“<br />
in der evangelischen Kirche<br />
Erndtebrück uraufgeführt. Das war ein<br />
erfolgreiches generationsübergreifendes<br />
Projekt, bei dem die evangelischen Kindergärten<br />
„Sonnenau und Martin Luther<br />
Straße“ und das AWO Seniorenzentrum<br />
mitgewirkt haben. In diesem Jahr wird es<br />
ein ähnliches Projekt geben. Hierzu wurde<br />
von Sabine und Michael Rothenpieler,<br />
Vorstandsmitglieder des AWO Ortsvereins,<br />
ein Bilderbuch mit dem Titel „Sarahs<br />
Traum“, als Grundlage für das neue Benefizkonzert<br />
gemalt und geschrieben.<br />
Schon jetzt haben sich viele ehrenamtliche<br />
Helfer entschlossen, das Konzert aktiv<br />
zu unterstützen. Hierzu zählt auch der<br />
AWO Kindergarten „Pfiffikus“ und das<br />
AWO Seniorenzentrum Erndtebrück.<br />
Als musikalische Unterstützung wirken<br />
Alexander Klose am Klavier und<br />
Orgel sowie Sabine Rothenpieler, Sopran-<br />
und Altblockflöte und der Gesangsverein<br />
Balde-Melbach mit. Die<br />
Hauptrolle für die kleine Sarah wird von<br />
Laura Wegener übernommen und für die<br />
große Sarah wurde Michelle Seiferth<br />
gewonnen. Sabine Rothenpieler: „Mir<br />
ist es wichtig, dass die Generationen<br />
miteinander in Berührung kommen und<br />
voneinander lernen. Ein weiterer Grund<br />
für dieses Projekt ist die Vernetzung<br />
der Vereine im Ort. Die Aufführung findet<br />
am Samstag, dem 2. Dezember um<br />
16 Uhr in der Evangelischen Kirche<br />
Erndtebrück statt. Die Einnahmen des<br />
Konzertes gehen an den AWO Kindergarten<br />
„Pfiffikus“ sowie an das AWO<br />
Seniorenzentrum.<br />
•<br />
10 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 11
Kurz berichtet<br />
Ältere Menschen in der digitalen Welt<br />
Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen bezieht Position<br />
Kurz berichtet<br />
Was bringt uns das?<br />
Als Senioren ins Internet<br />
Internetschulung im Siegener Senec@fé, im Haus Herbstzeitlos<br />
Bonn. Älteren Menschen eine möglichst<br />
selbstständige und selbstbestimmte<br />
Lebensführung und gesellschaftliche<br />
Teilhabe zu ermöglichen, ist eines der<br />
wichtigsten Ziele der 1989 gegründeten<br />
BAGSO *) . Das Internet gewinnt dabei<br />
eine immer größere Bedeutung. Die<br />
BAGSO hat in den vergangenen Jahren<br />
zahlreiche Initiativen entwickelt, um älteren<br />
Menschen den Einstieg in dieses<br />
Medium zu erleichtern und ihre Medienkompetenz<br />
zu fördern, etwa durch den<br />
Einsatz technikaffiner Lotsen, die selbst<br />
bereits im Seniorenalter sind. Der 2008<br />
erstmals erschienene Wegweiser durch<br />
die digitale Welt konnte bereits mehr als<br />
300.000 Mal kostenlos verteilt werden.<br />
Mit Unterstützung des Bundesministeriums<br />
der Justiz und für Verbraucherschutz<br />
(BMJV) erscheint der Ratgeber<br />
im Dezember <strong>2017</strong> in einer achten Auflage.<br />
Neben der Hilfestellung für ältere<br />
Internetnutzerinnen und-nutzer stellt die<br />
BAGSO auch Forderungen an die Politik<br />
und die Unternehmen der Informations-<br />
und Kommunikationstechnik. So<br />
erwartet sie, dass Strategiekonzepte auf<br />
Bundes- und Landesebene zur Digitalisierung<br />
der Gesellschaft um verbindliche<br />
Ziele und konkrete Maßnahmen für<br />
die digitale Bildung älterer Menschen<br />
ergänzt werden. Diese und weitere Forderungen<br />
sind in dem aktuellen Positionspapier<br />
Ältere Menschen in der digitalen<br />
Welt zusammengefasst. Sie finden<br />
es auf der Internetseite der BAGSO<br />
unter www.bagso.de. Weitere Informationen<br />
BAGSO e.V. Ursula Lenz,<br />
Pressereferat Thomas-Mann-Str. 2-4,<br />
53111 Bonn 0228 / 24 99 93 18<br />
Pressetext der BAGSO<br />
*)BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen)<br />
ist die Dachorganisation<br />
von 115 Verbänden.<br />
Siegen. Dieses Thema bildete den<br />
Schwerpunkt beim Tag der offenen Tür<br />
am 30. Oktober im „Senec@fé“ von<br />
ALTERaktiv Siegen-Wittgenstein e.V..<br />
Neben allgemeinen Vorträgen erhielten<br />
die zahlreichen Besucher*innen vielfältige<br />
Informationen.<br />
Die Mitarbeiter des „Senec@fé“ im<br />
städtischen Begegnungszentrum „Haus<br />
Herbstzeitlos“ gaben Tipps, wie man<br />
sich am besten kundig macht, wenn<br />
man ein neues Smartphone oder Tablet<br />
anschaffen möchte und was beim Kauf<br />
beachtet werden sollte. Zahlreiche praktische<br />
Anwendungen der smarten Geräte<br />
wurden ebenso demonstriert, wie auch<br />
der Umgang mit Laptops.<br />
Im „Sene@fé – Treffpunkt neue Medien“<br />
werden bereits seit vierzehn Jahren<br />
Senioren im Umgang mit der neuen<br />
Technik unterrichtet. Die mittlerweile<br />
erfahrenen Mitarbeiter im Ruhestand<br />
helfen beim Einstieg, führen in kleinen<br />
Rege Teilnahme beim Tag der offenen Tür des Senec@fés im Haus Herbstzeitlos<br />
Schritten an den Umgang mit den Geräten<br />
heran und vermitteln das notwendige<br />
Wissen über das Internet.<br />
Computer, Smartphone & Co verwandeln<br />
die Kommunikation und den Alltag<br />
erheblich. „Ältere sollten sich unbedingt<br />
aktiv mit den neuen Medien auseinandersetzen.<br />
Nur so können sie auch in Zukunft<br />
ihr Leben noch unabhängig und selbstbestimmt<br />
gestalten“, davon ist Antonie Dell,<br />
Leiterin der Einrichtung zutiefst überzeugt.<br />
Das Lernen Spaß machen kann<br />
weiß man. Dass das Lernen im Bereich<br />
der modernen Medien viele neue Anwendungsgebiete<br />
mit ungeahnten Horizonten<br />
eröffnet, kann man erfahren, wenn man<br />
bereit ist sich darauf einzulassen. Die<br />
Mitarbeiter*innen des „Senec@fé“ im<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. 151 helfen auf dem Weg dorthin. ●<br />
Fremde Hilfe in Haushalt und Garten<br />
Warum eine Anmeldung so wichtig ist<br />
Siegen-Wittgenstein. Älter, gebildet<br />
und gutverdienend – Senioren verlassen<br />
sich immer öfter auf helfende Hände<br />
im Haushalt. Aus der hilfreichen Unterstützung<br />
für Haus und Garten werden<br />
oft „heimliche Helfer“: unangemeldete<br />
Haushaltshilfen, die schwarzarbeiten.<br />
Doch es gilt: Nur wer anmeldet, ist sicher<br />
und kann Steuervorteile nutzen.<br />
Mit zunehmendem Alter gehen die<br />
anfallenden Arbeiten in Haus und Garten<br />
nicht mehr so einfach von der Hand.<br />
Trotzdem gibt es täglich jede Menge zu<br />
tun: Einkaufen, Kochen, Putzen oder Unkraut<br />
jäten. Viele Senioren wünschen sich<br />
Unterstützung im Haushalt und würden<br />
gern auf eine Hilfe vertrauen, die sie bei<br />
anstrengenden Tätigkeiten entlastet. So<br />
können Senioren ihren Tagesablauf in<br />
vollen Zügen genießen – frei von täglichen<br />
Lasten. Doch wer seine Helfer<br />
bezahlt, muss sich auch um eine ordentliche<br />
Anmeldung kümmern. Diese ist die<br />
Basis einer guten Zusammenarbeit und<br />
bietet sowohl für Arbeitnehmer als auch<br />
Arbeitgeber zahlreiche Vorteile.<br />
Anmeldung:<br />
Beide Seiten profitieren<br />
Haushaltshilfen können monatlich<br />
bis zu 450 Euro verdienen. Minijobber<br />
können sich jederzeit von der Rentenversicherungspflicht<br />
befreien lassen. Der<br />
Pauschalbetrag des Arbeitgebers beträgt<br />
fünf Prozent, so dass die Haushaltshilfen<br />
auch ohne Einzahlung geminderte Rentenansprüche<br />
erwerben. Darüber hinaus<br />
ist die Anmeldung eine Entscheidung<br />
für mehr Rechte, Sicherheit und Steuervorteile.<br />
Während Minijobber Anspruch<br />
auf Urlaub und Entgeltfortzahlung im<br />
Krankheitsfall haben, ist der Arbeitgeber<br />
über die Unfallversicherung vor Ansprüchen<br />
bei Unfällen einer Haushaltshilfe<br />
geschützt. Zudem kann er jährlich bis zu<br />
20% der Kosten – maximal 510 Euro im<br />
Jahr – steuerlich absetzen. Die Summe<br />
der pauschalen Abgaben des Arbeitgebers<br />
beträgt maximal 14,8 % des gesamten<br />
Arbeitsentgelts. Im Gegensatz droht<br />
jedem Arbeitgeber ein Bußgeld von bis<br />
zu 5.000 Euro, wenn die Haushaltshilfe<br />
nicht bei der Minijob-Zentrale angemeldet<br />
ist. Verdient die Haushaltshilfe bis zu<br />
450 Euro im Monat, ist ihre Anmeldung<br />
ein Fall für die Minijob-Zentrale.<br />
Finden statt Suchen:<br />
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Doch wie kommen Haushaltshilfen<br />
und private Arbeitgeber zusammen? Auf<br />
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und gilt deutschlandweit. Infos unter:<br />
0355 / 290 270 799 oder direkt im Internet<br />
unter: www.minijob-zentrale.de •<br />
12 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 13
Aus dem Siegener Seniorenbeirat<br />
Der neue Siegener Seniorenbeirat<br />
Nachfolgend die Beiratsmitglieder<br />
und deren Stellvertreter*innen, die für<br />
die städtischen Ausschüsse gewählt wurden.<br />
(Die notwendige Bestätigung durch<br />
den Rat ist wahrscheinlich, war aber bis<br />
Redaktionsschluss noch nicht erfolgt).<br />
Fachausschüsse<br />
Ausschuss für Soziales,<br />
Familien- und Seniorenfragen:<br />
Dr. Maria Czell / Dr. Horst Bach<br />
•<br />
Ausschuss für Schul- und Bildungswesen:<br />
Ernst Göckus/Magdalene Sörries-Meister<br />
•<br />
Jugendhilfeausschuss:<br />
Karin Piorkowski / Helga Mücke<br />
•<br />
Bauausschuss:<br />
Dr. Jochen Münch / Elke Lohmeier<br />
•<br />
Verkehrsausschuss:<br />
Peter Schiffmann / Heinrich Killet<br />
•<br />
Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung,<br />
Stadthallen und Liegenschaften:<br />
Dr. Horst Bach / Klaus Leukel<br />
•<br />
Kulturausschuss:<br />
Christel Henke / Marlene Müller<br />
•<br />
Sport- und Bäderausschuss:<br />
Dr. Horst Uzar / Michael Horak<br />
•<br />
Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit<br />
und Ordnung:<br />
Hans Amely / Armin Maxeiner<br />
•<br />
Ausschuss für Umwelt,<br />
Landschaftspflege und Energie:<br />
Dr. Wolfgang Bauch / Brigitte Burk<br />
Bezirksausschüsse<br />
Bezirksausschuss I Siegen-Geisweid<br />
Klaus Leuckel / Magdalene Sörries-<br />
Meister<br />
•<br />
Bezirksausschuss II Siegen-Weidenau:<br />
Dr. Jochen Münch / Christel Henke<br />
•<br />
Bezirksausschuss III Siegen-Ost:<br />
Armin Maxeiner / Eberhard Schäfer<br />
•<br />
Bezirksausschuss IV Siegen-Mitte:<br />
Dr. Bernd Knapp / Peter Schiffmann<br />
•<br />
Bezirksausschuss V Siegen-West:<br />
Helmut Plate / Dr. Maria Czell<br />
•<br />
Bezirksausschuss VI Siegen-Süd:<br />
Michael Horak / Rolf Steinemann<br />
Sonstige Gremien<br />
Pflegekonferenz Kreis Siegen:<br />
Dr. Bernd Knapp / Karl-Adolf Fries<br />
•<br />
Integrationsrat:<br />
Alfonso Lopez-Garcia / Brigitte Burk<br />
•<br />
Interkulturelles Seniorennetzwerk:<br />
Elke Lohmeier / Ernst Göckus<br />
•<br />
Beirat für Menschen mit Behinderung:<br />
Dr. Wolfgang Bauch / Marlene Müller<br />
•<br />
Beirat Neukonzeption Weihnachtsmarkt<br />
Karl Adolf Fries / Marlene Müller<br />
•<br />
Projektbegleitender Arbeitskreis: „Entwicklung<br />
eines Radverkehrskonzeptes<br />
für Siegen in Anlehnung an den Nationalen<br />
Radverkehrsplan 2020“<br />
Hans Amely / Dr. Bernd Knapp<br />
•<br />
Siegen. In seiner ersten Sitzung am<br />
11. September <strong>2017</strong> wählte der Seniorenbeirat<br />
der Universitätsstadt Siegen einen<br />
neuen Vorstand. Unter der Leitung von<br />
Bürgermeister Steffen Mues wurde Dr.<br />
Horst Bach in seinem Amt als Vorsitzender<br />
einstimmig bestätigt. Als stellvertretende<br />
Vorsitzende wurden Dr. Maria Czell<br />
und Michael Horak sowie Pressesprecher<br />
Ernst Göckus ebenfalls wiedergewählt.<br />
Neue Schriftführerin ist Brigitte Burk, die<br />
damit die Nachfolge von Hans Amely antritt.<br />
Ein besonderer Dank des Bürgermeisters<br />
richtete sich an Rotraud Ewert, Rolf<br />
Holdinghausen und Dr. Dieter Stündel,<br />
welche nicht erneut kandidierten.<br />
Zu Beginn der Sitzung würdigte Mues<br />
die Arbeit des Seniorenbeirates als<br />
Sprachrohr der älteren Generation und<br />
dankte im Beisein von Dezernent Andre<br />
Schmidt und dem Seniorenbeauftragten<br />
Lars Dörr für die Übernahme der künftigen<br />
5-jährigen Tätigkeit. Für die kommende<br />
Amtsperiode wünschte er viel<br />
Beharrlichkeit, Erfolg, aber auch Freude<br />
an der gemeinsamen Arbeit. Besonders<br />
hob er den wohltuenden Umgangsstil<br />
zwischen Seniorenbeirat, Verwaltung<br />
und Politik hervor.<br />
Die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger<br />
machen gegenwärtig bereits rund<br />
ein Viertel der Siegener Gesamtbevölkerung<br />
aus. Deswegen sei es wichtig,<br />
Sichtweisen, Anliegen und Wünsche<br />
der älteren Menschen zu erfahren und in<br />
künftige Entscheidungen einfließen zu<br />
lassen. „Mit erhöhtem Alter nimmt die<br />
Weisheit zu. Es ist besser zu sagen, was<br />
man will, als bloß zuhause zu sitzen und<br />
sich zu ärgern“, so der Bürgermeister.<br />
Am 10. Oktober <strong>2017</strong> traf sich der<br />
neugewählte Seniorenbeirat im Rathaus<br />
Geisweid zu seiner ersten Arbeitssitzung.<br />
An diesem Tag wurden die<br />
Beiratsmitglieder für die städtischen<br />
Ausschüsse benannt. Anzahl und Besetzung<br />
der neuen Arbeitskreise bildeten<br />
einen weiteren Schwerpunkt. Hier gab<br />
es gleich eine Änderung bzw. Erweiterung<br />
gegenüber der vorangegangenen<br />
Wahlperiode. Nicht mehr drei, sondern<br />
vier Arbeitskreise wurden einstimmig<br />
beschlossen. Neu hinzugekommen ist<br />
der Arbeitskreis IV Bauen und Wohnen.<br />
Wie Beiratsvorsitzender Dr. Horst Bach<br />
mitteilte, komme diesem Thema in der<br />
Stadt eine besondere Bedeutung zu, da<br />
preisgünstiger und barrierefreier Wohn-<br />
raum für ältere Menschen Mangelware<br />
in der Krönchenstadt sei. Mehrfach habe<br />
der Siegener Seniorenbeirat bereits<br />
in der Vergangenheit schon an die Stadt<br />
appelliert, diesem Thema eine verstärkte<br />
Beachtung zu schenken.<br />
Die drei anderen Arbeitskreise haben<br />
im Wesentlichen ihre Schwerpunkte<br />
behalten. So wird der Arbeitskreis I,<br />
der sich in der Vergangenheit in der<br />
Hauptsache mit dem Besuch von Krankenhäusern<br />
und Pflegeeinrichtungen<br />
befasst hatte, sich auch in Zukunft der<br />
Themen Gesundheit, Bewegung, Pflege<br />
und Soziales annehmen. Kultur, Veranstaltungen,<br />
Partnerschaften und Öffentlichkeitsarbeit<br />
werden weiterhin<br />
die originären Schwerpunkte des Arbeitskreises<br />
II sein. Schließlich gehören<br />
auch Sicherheit, Mobilität und Verkehr<br />
zu den Themen, die gerade für ältere<br />
Menschen zunehmend wichtig sind. Sie<br />
werden weiterhin im Arbeitskreis III in<br />
enger Abstimmung mit den zuständigen<br />
Verwaltungsgremien bearbeitet. Bis<br />
etwa Mitte November werden die vier<br />
Arbeitskreise in eigenen Sitzungen ihre<br />
künftigen Sprecher und Stellvertreter<br />
wählen. <br />
Ernst Göckus<br />
14 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 15
Zehn Jahre Senioren-Service-Stellen<br />
Zehn Jahre Senioren-Service-Stellen<br />
Bettina Großhaus-Lutz<br />
Neunkirchen<br />
Birgit Meier-Braun<br />
Burbach<br />
Jutta Schmidt<br />
Winsdorf<br />
Vertrauensvolle Ansprechpartner<br />
im südlichen Siegerland<br />
Neunkirchen, Wilnsdorf, Burbach<br />
Senioren-Service-Stellen sind wichtige<br />
Anlaufstellen für ältere und pflegebedürftige<br />
Menschen sowie deren Angehörige.<br />
Vor zehn Jahren wurden sie im Rahmen der<br />
Zukunftsinitiative „Leben und Wohnen im<br />
Alter“ in allen kreisangehörigen Städten<br />
und Gemeinden eingerichtet. Die Seniorenberaterinnen<br />
im südlichen Siegerland,<br />
Birgit Meier-Braun, Bettina Großhaus-<br />
Lutz und Jutta Schmidt, arbeiten in vielen<br />
Belangen eng und sehr erfolgreich zusammen.<br />
Da im vergangenen Jahrzehnt viele<br />
hundert Seniorinnen und Senioren von<br />
diesem engagierten Angebot profitiert haben,<br />
feierten die drei Gemeinden Burbach,<br />
Neunkirchen und Wilnsdorf ihren runden<br />
Geburtstag.<br />
Bei einem Glas Sekt und einem Stück<br />
Kuchen ließen die Verwaltungschefs und<br />
Seniorenberaterinnen der drei Gemeinden<br />
die Entwicklung der letzten zehn Jahre<br />
Revue passieren. Im vierten Quartal 2007<br />
öffneten im Kreis Siegen-Wittgenstein<br />
elf Senioren-Service-Stellen. Als zentrale<br />
Anlauf- und Vermittlungsstelle in jeder<br />
Stadt bzw. Gemeinde haben sie seitdem<br />
die Aufgabe, als Bindeglied zwischen den<br />
Beratungsaktivitäten des Kreises und den<br />
Kommunen zu fungieren. Ältere und pflegebedürftige<br />
Menschen, aber auch deren<br />
Angehörigen finden in den kommunalen<br />
Einrichtungen kompetente und vertrauensvolle<br />
Ansprechpartnerinnen für Fragen<br />
rund ums Alter und Älterwerden.<br />
„Als die Senioren-Service-Stellen ihre<br />
Arbeit aufnahmen, war das Interesse der<br />
älteren Bürgerinnen und Bürger noch recht<br />
zurückhaltend“, erinnert sich die Neunkirchener<br />
Seniorenberaterin Bettina Großhaus-Lutz.<br />
Um den Bekanntheitsgrad der<br />
neuen Einrichtung im Rathaus zu erhöhen,<br />
ging die Sozialpädagogin auf ihre Zielgruppe<br />
zu, besuchte Seniorenrunden und<br />
Frühstückstreffs. Auch ihre Kolleginnen<br />
in Burbach und Wilnsdorf wurden initiativ<br />
und referierten über seniorenspezifische<br />
Themen. Seit dem füllen sich ihre Büros<br />
regelmäßig mit Senioren, die qualifizierte<br />
Hilfe erwarten können.<br />
Wer versorgt mich, wenn ich auf Hilfe<br />
angewiesen bin? Wer kauft für mich ein?<br />
Und wie komme ich zum Arzt? Wo gibt es<br />
seniorengerechte Wohnungen? Oft sind es<br />
Fragen zur Alltagsbewältigung, mit denen<br />
die Seniorenberaterinnen konfrontiert werden.<br />
Hier informieren die Senioren-Service-<br />
Stellen über Hilfsangebote. Wohnen die<br />
Angehörigen im Haus, haben die Seniorenberaterinnen<br />
die Telefonnummer von Entlastungsdiensten<br />
zur Hand, auch Besuchs- und<br />
Begleitdienste können vermittelt werden.<br />
Den älteren Menschen ist es zumeist ein<br />
großes Anliegen, möglichst lange selbständig<br />
und selbstbestimmt in den eigenen vier<br />
Wänden zu leben. Zugleich steigt die Zahl<br />
der allein lebenden Menschen kontinuierlich<br />
an. „Unser Beratungsangebot reicht<br />
von der Vermittlung von Fahr- oder Besuchsdiensten<br />
bis zur Unterstützung beim<br />
Beantragen einer Pflegestufe“, erläutert<br />
Jutta Schmidt, Seniorenberaterin in Wilnsdorf.<br />
Auch wenn sich die häusliche Situation<br />
durch eine Krankheit oder einen Unfall<br />
plötzlich ändert, sind die Mitarbeiterinnen<br />
der Senioren-Service-Stellen gefordert,<br />
mit einer schnellen Lösung auf die neuen<br />
Herausforderungen zu reagieren.<br />
Das Angebot hat sich im Lauf der vergangenen<br />
zehn Jahre den Bedürfnissen der<br />
Senioren angepasst: „Die Freizeitgestaltung<br />
war anfangs ein großes Thema“, weiß<br />
Großhaus-Lutz. Die drei Kommunen boten<br />
Fahrsicherheitstrainings an und informierten<br />
in Kooperation mit der Polizei über Sicherheitsmaßnahmen<br />
in Haus und Wohnung. Eine<br />
ganze Reihe verschiedener Vorträge und<br />
Veranstaltungen wurden organisiert. „Inzwischen<br />
sind Fragen rund um das Pflegestärkungsgesetz<br />
und die Finanzierung der Pflege<br />
in den Vordergrund gerückt“, erklärt ihre<br />
Wilnsdorfer Kollegin. Angehörige, Nachbarn<br />
oder die Betroffenen selbst möchten<br />
über die Leistungen der Pflegeversicherung<br />
informiert werden und wissen, welche Unterstützung<br />
sie erwarten können.<br />
Neben der persönlichen Beratung bieten<br />
die Seniorenberaterinnen ein vielfältiges<br />
Kommunen übergreifendes Vortragsangebot<br />
an: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht,<br />
Demenz oder seniorengerechtes<br />
Wohnen werden darin thematisiert. Alle drei<br />
Gemeinden haben eine Taschengel<strong>db</strong>örse,<br />
bieten regelmäßig Gedächtnistraining an<br />
und führten vor kurzem Notfallpässe und<br />
Notfalldosen ein. Zum dritten Mal wurde<br />
im vergangenen Jahr ein gemeinsamer<br />
Seniorenwegweiser mit allen wichtigen<br />
Kontakten und Informationen herausgegeben.<br />
„Daneben gibt es in allen drei Gemeinden<br />
individuelle Angebote, die vom<br />
Rollator- oder Demenztag über Demenzführungen<br />
bis zu der Veranstaltungsreihe<br />
„Geborgenheit im Alter“ reichen“, erläutert<br />
die Burbacher Seniorenberaterin Birgit<br />
Meier-Braun.<br />
Angesichts der demografischen Entwicklung<br />
ist es uns wichtig ein zukunftsfähiges<br />
Angebot für die Menschen in<br />
unseren Kommunen vorzuhalten“, so<br />
Christa Schuppler, Bernhard Baumann<br />
und Christoph Ewers, die Verwaltungschefs<br />
aus Wilnsdorf, Neunkirchen und<br />
Burbach. Um die Bedarfe der Seniorinnen<br />
und Senioren zu ermitteln, werden<br />
in den Kommunen regelmäßig Befragungen<br />
unter den Seniorinnen und<br />
Senioren durchgeführt. So können die<br />
Verwaltungen schnell reagieren.<br />
Seit zehn Jahren finden in den Senioren-<br />
Service-Stellen Tag für Tag zahlreiche<br />
beratende und informative Gespräche<br />
Feiern zehn Jahre erfolgreiche Arbeit. Seniorenbeauftragte und<br />
Verwaltungsleitungen der Gemeinden Burbach, Neunkirchen und Wilnsdorf<br />
statt. Mit den Seniorenberaterinnen hat<br />
jede Anlaufstelle ein Gesicht bekommen.<br />
Die Vernetzung innerhalb der drei Kommunen<br />
funktioniert vorbildlich. Durch<br />
den regelmäßigen Austausch können die<br />
Angebote ständig optimiert werden. Die<br />
Bürgerinnen und Bürger schätzen das<br />
persönliche und vertrauensvolle Verhältnis<br />
während der Beratungssituation und<br />
darüber hinaus. „Die Senioren-Service-<br />
Stellen haben während der vergangenen<br />
zehn Jahre an Dynamik gewonnen und<br />
sind zweifellos ein Erfolgsmodell“, sind<br />
sich die Verantwortlichen einig. ●<br />
16 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 17
18 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 19
Die Christianisierung<br />
an Eder, Lahn und Sieg<br />
Felsenkirche St. Lubentius in Dietkirchen an der Lahn<br />
Im Grenzgebiet der früher selbständigen Kreise Siegen<br />
und Wittgenstein, am Fuße des Rothaargebirges,<br />
entspringen drei bedeutende deutsche Flüsse, die bis<br />
zum Beginn des achten Jahrhunderts an ihren Oberläufen<br />
nicht von christlichen Missionaren besucht worden<br />
waren. Es handelt sich um<br />
► Eder, 177 km lang, mündet in Guntershausen in die Fulda,<br />
► Lahn, 245 km lang, fließt in Lahnstein in den Rhein,<br />
► Sieg, 130 km lang, verstärkt bei Bergheim den Rhein.<br />
Die Frage, wann und wie die Botschaft von Gott und<br />
Jesus Christus nach Europa und später in die Quellgebiete<br />
der vorbezeichneten Gewässer gelangte, soll in dieser Darstellung<br />
näher betrachtet werden.<br />
Paulus, ein im jüdischen Glauben und in Philosophie<br />
hoch gebildeter Mann mit römischem Bürgerrecht, geboren<br />
in der römischen Provinzstadt Tarsus, heute in der Türkei<br />
gelegen, hatte sich der Lehre von Jesus Christus angeschlossen<br />
und eine rege Verkündigungstätigkeit entfaltet. Er befand<br />
sich mit Timotheus auf seiner zweiten Missionsreise in<br />
Kleinasien, als ihm im Traum ein Mann erschien, der ihn bat,<br />
nach Mazedonien (Griechenland) zu kommen (Apg. 16,9).<br />
Dorfkirche von Arfeld<br />
2 Fotos: Archiv Stötzel<br />
Die beabsichtigte Reiseroute<br />
wurde geändert und<br />
mit dem Schiff gelangten<br />
sie nach der in Griechenland<br />
gelegenen Hafenstadt<br />
Neapolis, nicht Neapel in<br />
Italien. In Philippi, einer<br />
weiteren bedeutenden Stadt<br />
auf dem griechischen Festland,<br />
setzten sie ihre Missionstätigkeit<br />
fort. Es folgten<br />
Thessaloniki, Korinth und<br />
Athen.<br />
In Griechenland bildeten<br />
sich christliche Gemeinden,<br />
ebenso in Kleinasien<br />
und Italien. Unter<br />
Konstantin dem Großen,<br />
von 306 bis 337 Kaiser,<br />
schritt die Christianisierung<br />
voran. Über Griechenland<br />
und Italien gelangten die ersten Missionare ins<br />
damalige Reich der Franken, welches sich von Spanien<br />
über Frankreich bis nach Thüringen erstreckte. Im zweiten<br />
Jahrhundert hatten Missionare bereits den Rhein erreicht 1) .<br />
Es dauerte Jahrhunderte, bis christliche Boten an den<br />
Oberläufen von Eder, Lahn und Sieg angekommen waren.<br />
Zuvor waren Bischofsitze in Trier, Köln, Mainz und Worms<br />
entstanden. Als maßgeblicher Missionar für die Region Siegerland/Wittgenstein<br />
wird weitgehend Bonifatius genannt.<br />
Dieser um 672 in Crediton (Südengland) geborene Wynfreth<br />
wurde als Benediktinermönch zum Priester geweiht<br />
und erhielt am 15.5.719 von Papst Gregor II seinen neuen<br />
Namen: Bonifatius, ins Deutsche übersetzt: Wohltäter.<br />
Er gründete 721 im Marburger Becken, auf dem Hochplateau<br />
von Amöneburg, ein Kloster, welches Ausgangspunkt<br />
der Missionierungen an den Oberläufen von Eder,<br />
Lahn und Sieg wurde 2) . Auf Pilgerwegen zogen die Mönche<br />
lahnaufwärts und wie andernorts entstanden christliche<br />
Gemeinden in Biedenkopf, Laasphe und Feudingen.<br />
Die Städte Marburg an der Lahn und Frankenberg an<br />
der Eder sind durch das Münchhausener Tal miteinander<br />
verbunden. Es ist zu vermuten, daß ein Teil der Mönche aus<br />
Amöneburg von Frankenberg ederaufwärts zog und Ende<br />
des achten Jahrhunderts Erndtebrück und die Außenweiler<br />
des oberen Edertals erreichten.<br />
Etwa zeitgleich erfolgte, vermutlich vom Gebiet der<br />
mittleren Lahn, die Christianisierung des Dilltals. Dies<br />
belegt eine Schenkungsurkunde vom 13.3.778, in der die<br />
fränkische Freifrau Theutbirg dem Kloster Lorsch an der<br />
Bergstraße Grun<strong>db</strong>esitz im Lahn- und Dilltal überträgt 3) .<br />
Arfeld, zwischen Hatzfeld und Berleburg gelegen, hatte<br />
sich früh der „neuen Lehre“ angeschlossen, wie eine Urkunde<br />
vom 25.7.800 beweist. Eine Adelsfamilie übertrug in<br />
diesem Vertrag ebenfalls Grundstücke an das Benediktiner-<br />
Kloster in Lorsch, die in Arfeld, oberhalb der Eder, gelegen<br />
sind 4) . Arfeld liegt nur sechs Kilometer von Bad Berleburg<br />
entfernt und war ab Mitte des dreizehnten Jahrhunderts<br />
Dekanatssitz im Bistum Mainz. In beiden vorbezeichneten<br />
Urkunden wird ausdrücklich der Name der Märtyrers Narzarius<br />
erwähnt, dessen Gebeine im Kloster Lorsch ruhen.<br />
Auch Siegen und die dort im dreizehnten Jahrhundert<br />
errichtete Martini-Kirche war diesem Dekanatssitz zugeordnet<br />
5) und von dort ca. 46 – 48 km Fußweg entfernt.<br />
Bei den holprigen Handelsstraßen, Hohlwegen und<br />
Waldpfaden waren zur Durchführung der kirchlichen Visitationen<br />
ein oder zwei Zwischenübernachtungen notwendig.<br />
Dies war an den Standorten der weiteren Martini-Kirchen<br />
in Raumland, Feudingen oder Netphen möglich. Die Ortspriester<br />
bewohnten dort jeweils kleine Pfarrhäuser und der<br />
reisende Dekan konnte dort kostenfrei nächtigen. Der von<br />
1303 bis 1349 in Netphen amtierende Pfarrer Heinrich war<br />
gleichzeitig Dekan von Arfeld und musste seine Besuche<br />
bis dorthin ausdehnen 6) .<br />
Die Missionierung des unteren Lahntales von Lahnstein<br />
bis in die Region um Limburg wird dem heiligen Lubentius<br />
zugeschrieben, dessen Gebeine sich in der Kirche seines<br />
Namens in Dietkirchen befinden sollen. Sein Geburtsdatum<br />
ist nicht bekannt, der Todeszeitpunkt wird um 370 vermutet<br />
7) . Er darf nicht mit Laurentius verwechselt werden,<br />
der als Märtyrer im Jahr 258 in Rom auf einem glühenden<br />
Rost zu Tode gefoltert wurde.<br />
Bonifatius und die Mönche des Klosters Amöneburg haben<br />
vermutlich die Christianisierung am Oberlauf der Sieg<br />
Historisches aus Siegen-Wittgenstein<br />
vorgenommen. Von der Siegmündung flußaufwärts erfolgte<br />
die Missionierung vermutlich einige Jahrhunderte zuvor.<br />
Im Verlauf der Geschichte entstanden in der Region<br />
Siegen-Wittgenstein die Urkirchen, in denen kleine<br />
Gotteshäuser aus Holz erbaut wurden. Gemauerte Kirchen<br />
entstanden in Siegen, Netphen, Feudingen und Raumland<br />
im dreizehnten Jahrhundert. Die Bewohner aus den nahen<br />
und fernen Ansiedlungen besuchten sonntäglich die dort<br />
stattfindenden Gottesdienste.<br />
Der Lahnhof, in dessen Nahbereich die Quellen der<br />
drei genannten Flüsse liegen, war der Urpfarrei Netphen<br />
zugeordnet. Der Kirchweg nach dort ist 14 km lang und<br />
erfordert eine Gehzeit von ca. drei Stunden. Für den ausschließlich<br />
ansteigenden Rückweg müssen viereinhalb bis<br />
fünf Stunden eingeplant werden.<br />
In wenigen Wochen ist Weihnachten. Die Botschaft der<br />
Engel hat für Christen weiterhin Gültigkeit: „Ehre sei Gott<br />
in der Höhe und Frieden auf Erden.“<br />
Heinz Stötzel<br />
Urkunden- und Literaturverzeichnis: 1.) Jürgensmeier, Dr. Friedhelm, Das Bistum Mainz,<br />
Verlag Josef Knecht, Frankfurt, Seite 11. 2.) v. Loewenich, Walter, Geschichte der Kirche I,<br />
Siebenstein Taschenbuch, 1960, Seite 99. Schmidt, Kurt Dietrich Kirchengeschichte, 1984,<br />
Seiten 168 ff. wie 1.) Seiten 28 ff. 3.) Urkunde vom 13. März 778 Urkundensammlung „Lorscher<br />
Codex“, registriert unter der Nr. 1375, Original im Staatsarchiv Würzburg, abgedruckt<br />
in „Stadtkirche Haiger“, 1998, Seiten 8/9. 4.) Urkunde vom 25. Juli 800 Urkundensammlung<br />
„Lorscher Codex“, Original unter der Nr. 3796 registriert, abgedruckt im Buch „Der Perner<br />
von Arfeld“, 1983, Seiten 9+10. 5.) Hoeynck, Franz Anton Geschichte des Dekanats Siegen,<br />
Paderborn, 19<strong>04</strong>, Seite 5. Groetehen, Dr. Friedrich Albert Das katholische Siegerland, Siegen,<br />
1915, Seite 18 6.) Vollmer, Caspar Al. Pfarrgeschichtliche Chronik von Netphen, begonnen<br />
1870, Seite 8. 7.) Datenbank Wikipedia Todeszeitpunkt um 370 in Kobern an der Mosel.<br />
20 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 21
Weihnachten<br />
Weihnachten<br />
Bleibende Eindrücke<br />
Eine Siegener Kurzgeschichte<br />
Er blickte von seinem Buch auf und schaute aus dem<br />
Fenster, als die Dunkelheit vollends die Szenerie beherrschte.<br />
Die Abenddämmerung hatte zwar seit dem<br />
letzten Halt schnell zugenommen, und so brauchte er ein<br />
paar Sekunden, um zu realisieren, dass der Zug sich nunmehr<br />
in einem Tunnel befand. Offensichtlich hatte das Abtauchen<br />
in die Lektüre seine feierabendliche Entspannung befördert.<br />
Er kannte die Bahnstrecke gut und wusste, dass der<br />
Regionalexpress nach Verlassen des Tunnels in Kürze den<br />
Siegener Bahnhof erreichen würde. Die verschneite Mittelgebirgslandschaft<br />
strahlte eine geradezu pastorale Harmonie<br />
aus, die Proportionen von Hügeln und Tälern zeigten sich in<br />
einer beruhigenden Ordnung. Als der Tunnel den Zug wieder<br />
ausspie und dieser die kleine Schlucht hinter dem Tunnelportal<br />
passiert hatte, gewannen die Lichter der abendlichen<br />
Stadtszenerie Oberhand. Der Mann nahm die Lichtbänder<br />
der Autos unter der Brücke auf der Bundesstraße, eines in<br />
Weiß, das andere in Rot als pulsierendes Zeichen von Mobilität<br />
wahr. Die Lebensader der Stadt, er genoss den Blick, so<br />
lange er konnte, auf die winzig erscheinenden Elemente, die<br />
zusammen den Fluss in der Ader aufrecht erhielten.<br />
Im Gegensatz zur Landschaft vor der Tunnelpassage war<br />
eine seltsame Mixtur aus Groß und Klein entstanden. Dieser<br />
Kontrast hatte schon immer eine Faszination auf ihn ausgeübt<br />
und er wandte den Blick zur anderen Talseite, dem<br />
Schlossberg zu, an dessen Hang eine neuerliche Vielzahl<br />
von kleinen Lichtpunkten die Stadt einrahmte. Ganz oben<br />
thronte das angestrahlte Schloss, von dem er als Kind immer<br />
gedacht hatte, dort residiere der Besitzer dieser Stadt,<br />
der Bürgermeister, ein großer Mann, zu dem alle Bürger<br />
aufzublicken hatten. Der Reisende war in dieser Stadt geboren,<br />
zwar nicht aufgewachsen, sondern im ländlichen Umfeld<br />
groß geworden, und regelmäßig hatte er sie mit seinen<br />
Eltern aufgesucht.<br />
Abseits der Straßen war die Stadt zugedeckt von einer<br />
kristallinen, weißen Fläche, der Schnee der vergangenen<br />
Tage war infolge der frostigen Temperaturen liegen geblieben.<br />
Auf dem ländlichen Teil der Strecke hatte vorhin diese<br />
fast künstlerisch anmutende Verpackung der Landschaft bei<br />
dem Reisenden ein angenehmes Gefühl ausgelöst, welches<br />
man friedlich nennen konnte. Jetzt aber war dieses Weiß<br />
über-formt von den für eine Großstadt typischen Gebäudegrößen:<br />
Wohnblocks, Geschäfts- und Bürohäuser, Einkaufszentren,<br />
Parkhäuser.<br />
Der Mann fühlte sich fast ein wenig gestört in seinen Gedanken,<br />
an das bevorstehende Weihnachtsfest, die damit einhergehende<br />
Ruhe durch die freien Tage bis zum Jahresanfang.<br />
Er hatte sich vorgenommen, jetzt noch schnell ein Weihnachtsgeschenk<br />
für seine Frau zu kaufen, verspürte jedoch<br />
keinerlei Lust auf einen Bummel in der großen Einkaufsgalerie,<br />
wenn er an die durch das Gebäude hetzenden Menschen<br />
und an die üppige, übergroße Dekoration in den langen<br />
Ladenzeilen dachte. Stattdessen fasste er den Entschluss, das<br />
Mosaik der kleinen Lichtimpulse noch eine Weile auf sich<br />
wirken zu lassen. Verstärkt wurde das sich ihm bietende Bild<br />
noch, als er sich nach dem Halt des Zuges auf dem Bahnsteig<br />
befand und seinen Blick über das Bahnhofsgelände schweifen<br />
ließ, dessen Lichtpunkte bahntechnisch begründet waren:<br />
Signale, Weichen, Lichter der Fahrzeuge kreierten eine neue<br />
Szenerie, die ihn an seine Modelleisenbahn erinnerte. Zu<br />
Weihnachten hatte er sie damals bekommen und er fühlte<br />
sich zurückversetzt an jenen Heiligabend, als er endlich das<br />
abgedunkelte Zimmer betreten durfte, in dem die Anlage<br />
fertig aufgebaut war. Seit diesem Tag tauchte er ein in diese<br />
Welt im Kleinen und er hatte sich diese Vorliebe bis heute<br />
bewahrt. Er war immer wieder aufs Neue fasziniert von der<br />
Miniaturisierung in der Technik, die er, beruflich wie privat,<br />
in den letzten Jahren betrachtet und genutzt hatte.<br />
Er trat auf den Bahnhofsvorplatz, sog die kühle Abendluft<br />
ein und fasste den spontanen Entschluss, erst den späteren<br />
Zug in Richtung Köln zu nehmen und einen Spaziergang<br />
durch seine Geburtsstadt dazwischenzuschieben.<br />
Schnellen Schrittes strebte er durch die Bahnhofstraße<br />
der Sieg zu, schaute kurz den der Kälte trotzenden Menschen<br />
zu, die in Decken gehüllt und unter Heizstrahlern sitzend,<br />
anscheinend die aktuelle Jahreszeit ignorieren wollten. Auf<br />
der Brücke über die Sieg hielt er inne und betrachtete die<br />
beiden lebensgroßen Bronzefiguren, jene Monument gewordenen,<br />
identitätsprägenden Respektspersonen, die er, früher<br />
am anderen Platz stehend, schon immer wegen ihrer Größe<br />
mit Ehrfurcht, fast mit einem bisschen Angst, betrachtet<br />
hatte. Offensichtlich hatte diese schwere Bürde bei der den<br />
Bergmann darstellenden Figur die tätigkeitsbedingte leicht<br />
gebückte Haltung noch verstärkt.<br />
Man hatte ihm damals erklärt, das seien große, bedeutende<br />
Männer des Siegerlandes gewesen. Von da an glaubte er eine<br />
Vorstellung von groß zu besitzen und beschloss zugleich, so<br />
nicht zu werden. Begeistert las er in seiner Kindheit Gullivers<br />
Reisen und das Aufeinandertreffen der Tielfigur mit<br />
den Riesen. Später am Gymnasium war Grass‘ Blechtrommel<br />
Pflichtlektüre und Oskar Matzerath, der beschlossen<br />
hatte, klein zu bleiben, avancierte zu seinem Helden.<br />
„Hier vorne müsste es gewesen sein“, sagte er sich, als er<br />
auf die Sandsraße stieß. Er überquerte die Straße, um von<br />
der gegenüberliegenden Seite einen besseren Überblick zu<br />
haben. Er suchte die Hausnummer 1, konnte sie jedoch nicht<br />
entdecken, nahm aber die dort befindlichen Läden in den<br />
Blick. Ein eigenartiges Gefühl überkam ihn, als er den Ort<br />
wiedererkannte. An dieser Stelle müsste sich „sein“ Geschäft<br />
befunden haben, dessen Schaufenster für ihn als Kind der<br />
Eingang zum Schlaraffenland zu sein schien: Modelleisenbahnen,<br />
Modellautos, jene kleine Welt der Spielzeuge, die<br />
auf jedes Kind der Welt eine besondere Faszination ausüben.<br />
In diesem Moment erinnerte er sich an den kleinen Jungen,<br />
der sich am Schaufenster die Nase platt gedrückt hatte sowie<br />
an drei Zeilen des Gedichtes „Kinder vor einem weihnachtlichen<br />
Schaufenster“ von Manfred Hausmann, das sie in der<br />
sechsten Klasse gelesen hatten:<br />
Leise wird es Winter werden,<br />
leise, weiß fällt bald der Schnee,<br />
Stille legt sich über Wälder,<br />
bald zugefroren ist der See.<br />
Das erste Kerzchen auf dem Kranz,<br />
brennt so schön auf Tannenmoos,<br />
DAS ist jetzt für uns das Zeichen:<br />
Auf die Plätze, fertig, los!<br />
Schnell machen wir uns auf die Socken,<br />
um das Weihnachtsfest zu rocken.<br />
Wofür, um alles in der Welt,<br />
ist denn sonst das Weihnachtsgeld?<br />
Wir Frauen uns die Haare raufen,<br />
was muss man nicht noch alles kaufen,<br />
perfekt soll alles wieder sein,<br />
bei Bratenduft und Kerzenschein.<br />
Man rennt und rennt, vergleicht und shoppt,<br />
(letztes Jahr ist bald getoppt!),<br />
Besinnliche Zeit<br />
Sie staunten sinnender in das Geblitz,<br />
als ahnten sie, dass immer doch der Hauch<br />
der Sehnsucht süßer ist als der Besitz.<br />
Wie damals verweilte der Mann lange an diesem Ort und<br />
erst der Blick auf die Uhr veranlasste ihn, wieder dem Bahnhof<br />
zuzustreben, um den Rest der unterbrochenen Heimreise<br />
anzutreten.<br />
Uli Hoffmann<br />
in der lauten, schrillen Stadt,<br />
dass auch jeder alles hat!<br />
Zwischendurch mal innehalten,<br />
überlegen und den Kopf abschalten,<br />
Zeit für sich muss auch mal sein,<br />
bei Bratwurst, Crepes und heißem Wein.<br />
Nun steht man eng und dicht gedrängt<br />
an des Budens vollen Rängen,<br />
modern im schicken Daunenlook,<br />
bei Kirmesduft und Weihnachtsklängen.<br />
Weiter gehts, die Zeit wird knapp,<br />
für Ruhe bleibt noch später Zeit -<br />
nach der ganzen Herrlichkeit.<br />
So wollen wir mal weiter rennen,<br />
rennen, shoppen und bestellen,<br />
damit auch in der heil'gen Nacht,<br />
besinnlich-schön die Lichtlein brennen ...<br />
Eva Schumacher<br />
Foto: © Miniatur Wunderlan<br />
22 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 23
Gesellschaft<br />
Gesellschaft<br />
Lieber böser Nikolaus<br />
Nikolaus oder Weihnachtsmann<br />
Besuch von Nikolaus und Knecht Ruprecht<br />
Bestimmt erinnerst du dich nicht mehr an mich, denn<br />
die Geschichte liegt fast 70 Jahre zurück. Als du<br />
damals am sechsten Dezember kamst, war ich fünf<br />
Jahre alt und ging mit meinen zwei jüngeren Schwestern<br />
in den Kindergarten. Wir saßen an unseren Tischchen und<br />
hatten unseren Kakao und die Jause vor uns stehen. Da<br />
klopftest du an die Tür, kamst mit deinem großen Sack<br />
herein, der Knecht Ruprecht polterte hinter dir her und hieb<br />
mit seiner großen Rute zischend durch die Luft. Ich hatte<br />
Angst vor dir und noch viel mehr vor dem Knecht Ruprecht.<br />
Was würde in deinem großen Buch über mich stehen. Sicher<br />
würde ich Hiebe bekommen und kein Geschenk, ich war<br />
ja furchtbar böse. Das hörte ich täglich viele Male zu Hause<br />
und Hiebe waren sowieso an der Tagesordnung. Also<br />
würdest du das auch wissen.<br />
Während ich das noch dachte, kamst du als erstes an<br />
meinen Tisch. Du lasest den einzelnen Kindern aus dem<br />
goldenen oder dem schwarzen Buch vor. Wer im goldenen<br />
Foto: wikimedia commons<br />
Buch stand, bekam ein Geschenk, die im schwarzen Hiebe<br />
mit der Rute. Jetzt stehst du vor mir, natürlich mit dem<br />
schwarzen Buch, liest mir vor, dass ich in diesem Jahr unfolgsam,<br />
böse und dickköpfig gewesen bin. Mein schlimmstes<br />
Vergehen war „Hanni kommt mit den zwei Kleinen, für<br />
die sie verantwortlich ist, viel zu spät vom Kindergarten<br />
nach Hause. Alle drei Kinder sind komplett durchnässt. Es<br />
hat zwar geregnet, aber nicht so schlimm, um davon so<br />
nass zu werden“. Was war geschehen? Wir hatten neue<br />
Lodenmäntel bekommen mit Kapuze. Wir fanden sie wunderschön<br />
und freuten uns, sie anzuziehen. Darin werdet ihr<br />
nicht mehr nass, die sind wasserdicht – sagten die Eltern.<br />
Toll fanden wir das.<br />
Auf dem Rückweg vom Kindergarten kamen wir an einer<br />
Regenrinne vorbei, aus der ordentlich Wasser auf die<br />
Pflastersteine plätscherte. Ich freute mich, jetzt können wir<br />
darunter stehen und werden nicht nass, sagte ich zu den<br />
Schwestern. Wir zogen also die Kapuzen auf und hielten<br />
die Köpfe in den Wasserstrahl, es war wunderbar. Pünktlich<br />
zu Hause zu sein war vergessen. Wir genossen den<br />
nassen Guss zu sehr. Endlich machten wir uns doch auf<br />
und kamen, wie gesagt, tropfend an, wollten aufgeregt den<br />
Eltern von unserem Abenteuer erzählen, doch dazu kam<br />
es nicht mehr. Die ersten Ohrfeigen regnete es noch im<br />
Mantel, dann kamen die Prügel überall hin, und weinend,<br />
ein Häufchen Elend, fand ich mich auf dem Fußboden in<br />
der Küche sitzend wieder.<br />
Als ob das nicht schon genug Strafe gewesen wäre,<br />
kommst jetzt du, Nikolaus, und drohst mir die allerschlimmste<br />
Strafe an. „Wir gehen noch zu den anderen Kindern“<br />
sagtest du, „und wenn wir fertig sind und der Sack leer ist,<br />
stopft dich Knecht Ruprecht dahinein und wir nehmen dich<br />
mit in den dunklen Wald. Da können dich dann die wilden<br />
Tiere fressen“ und du gehst weiter. Ich bleibe steif vor Panik<br />
und in Todesangst sitzen. Ich werde sterben und niemand<br />
zu Hause weiß, wo ich bin, denke ich und, ob ich wohl in<br />
die Hölle kommen werde wegen meiner vielen Sünden?<br />
Unsäglich ist meine Angst, während im Raum alles normal<br />
weiter geht. Endlich bist du, Nikolaus, beim letzten Kind<br />
angelangt, kommst zwischen den Tischen zurück auf mich<br />
zu. Ich bin erstarrt, kann überhaupt nichts mehr fühlen und<br />
denken. Dann sagst du „Na, für dieses Jahr verschonen wir<br />
dich noch, aber wenn du nächstes Jahr nicht ganz, ganz lieb<br />
bist, holen wir dich ab“.<br />
Damit gehst du hinaus und ich bin für dieses Mal gerettet.<br />
Doch was ich in der halben Stunde mitgemacht habe,<br />
löst in mir noch heute Zorn gegen dich aus.<br />
Ganz schlimm wird aber meine Wut und noch größer meine<br />
tiefe Traurigkeit und Enttäuschung, als ich später begreife,<br />
dass es den Nikolaus gar nicht gibt, sondern meine Eltern mir<br />
das Ganze eingebrockt haben.<br />
Johanna Kreuz<br />
Bei der Frage scheiden sich schon oft die Geister.<br />
Manche glauben sogar, dass das doch ein und dieselbe<br />
Person ist. Ganz so einfach ist es natürlich<br />
nicht. Der Bischof Nikolaus ist eine historisch belegte Persönlichkeit,<br />
die tatsächlich in der Hafenstadt Myra gelebt<br />
und gewirkt hat und der Weihnachtsmann ist zwar ein entfernter<br />
Verwandter des Nikolaus, aber ist in letzter Konsequenz<br />
doch eine fiktive Figur, die in seinem Äußeren<br />
wesentlich durch die Firma Coca-Cola geprägt wurde.<br />
Unter dem Namen „Siegener Weihnachtsengel“ bietet ein<br />
neuer Service in Siegen Weihnachtsmänner und Nikoläuse<br />
für Feiern aller Art an. In professionellen und aufwendig gearbeiteten<br />
Kostümen und Gewändern kann man „ausgebildete“<br />
Nikoläuse und Weihnachtsmänner buchen, die nicht<br />
nur Bescherungen für Kinder übernehmen, sondern auch<br />
mit besinnlichen wie auch fröhlichen Programmpunkten<br />
Weihnachtsfeiern (auch für Erwachsene) bereichern.<br />
Hinter den „Siegener Weihnachtsengeln“ steht der Siegener<br />
Kulturmacher Martin Horne, der schon seit 27 Jahren den Nikolaus<br />
in seiner Heimatstadt Limburg spielt. Die Brauchtumspflege,<br />
abseits des Kitsch und Kommerz, liegt ihm besonders<br />
am Herzen. Der Nikolaus als Schutzpatron der kleinen Kinder<br />
eignet sich für Martin Horne und seinem Team so überhaupt<br />
nicht als angstbesetzte Erziehungsfigur für Kinder.<br />
Natürlich gibt es auch bei ihnen das Goldene Buch und<br />
die Listen mit den guten und den schlechten Taten der Kinder,<br />
doch niemals mit erhobenen oder drohenden Zeigefinger!<br />
In Siegen sucht Martin Horne engagierte Männer, die<br />
das Team der Nikoläuse und Weihnachtsmänner erweitern.<br />
Jeder, der mitmachen möchte, wird geschult und von einen<br />
Foto: Martin Horne<br />
erfahrenen Nikolaus und Weihnachtsmann so lange begleitet,<br />
bis er sich selbst sicher fühlt. Der Einsatz wird auf der<br />
sogenannten 450 Euro Basis entlohnt.<br />
Wer für sich eine unterhaltsame Aufgabe wünscht, kann<br />
weitere Infos unter: 0177-6508832 erfragen oder sich unter<br />
www.siegener-weihnachtsengel.de informieren. •<br />
24 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 25
Weihnachten<br />
Mundart von Helmut Stähler<br />
Es ist ein Ros entsprungen<br />
En Advendsjeschechte<br />
Seit Wochen lag etwas Geheimnisvolles in der Luft.<br />
Es roch so herrlich im ganzen Haus und überhaupt,<br />
war alles voller Spannung. Endlich war der<br />
24. Dezember, der Heilige Abend gekommen. Wie lange<br />
sich doch so ein Tag hinzog mit der immer wiederkehrenden<br />
Frage: Wann ist es endlich soweit?<br />
Am Nachmittag hatte ich Opa schon in den Ställen geholfen,<br />
denn auch die Tiere sollten den ruhig-besinnlichen<br />
Zauber erleben. „Weihnachten ist es auch für die Tiere“,<br />
sagte Opa. Recht zeitig am Nachmittag wurden schon<br />
die Kühe gemolken und bekamen eine extra Portion Heu.<br />
Für die Pferde nahm sich Opa mehr Zeit als gewöhnlich,<br />
tätschelte ihnen nacheinander den Hals und dann gab es<br />
eine Handvoll Hafer mehr. Oma hatte vorsorglich schon<br />
eine zusätzliche Portion Pellkartoffeln gekocht. Nachdem<br />
sie für uns den obligatorischen Kartoffelsalat zubereitet<br />
hatte, zerdrückte sie die Reste für das Federvieh mit einer<br />
ordentlichen Portion Körnern. Laut gackernd stürzten sich<br />
die Hühner auf den besonderen Schmaus.<br />
Und, ... es wurde doch noch Abend! Voller innerer<br />
Unruhe saß ich nun zwischen Oma und Opa im Gottesdienst.<br />
Draußen war es dunkel und im hell strahlenden<br />
Schein des Tannenbaumes überkam mich langsam ein ermüdendes<br />
Gefühl. Ich duselte vor mich hin, denn der Pfarrer<br />
redete und redete, als wolle er einfach kein Ende finden.<br />
Doch was war das?<br />
Wortfetzen waren an mein Ohr gedrungen und rissen<br />
mich aus der Monotonie. Laut tönte die Orgel, stimmgewaltig<br />
der Gesang. In der schläfrigen Stimmung hatte ich<br />
nur „ein Ross entsprungen“, „Wurzel“, „der alte Jesse“,<br />
„mitten im kalten Winter“, und „zur halben Nacht“, mitbekommen.<br />
Unvermittelt und plötzlich war ich hellwach.<br />
Vor meinem kindlichen Auge spielte sich eine Tragödie ab.<br />
Ach, du Elend! Hatte etwa Nachbar Erich Jesse die Stalltür<br />
nicht richtig geschlossen? Nun war ein Pferd ausgebrochen<br />
und irrte verstört und frierend durch die Nacht. Oh Schreck,<br />
oh Graus! Jetzt im kalten, tiefverschneiten Winter! Womöglich<br />
war es gestürzt, hatte sich an einer Wurzel den Fuß auf<br />
dem gefrorenen, vereisten Boden verletzt. Ich spürte den<br />
Schmerz, den das arme Pferd nun durch litt, ich spürte die<br />
klirrende Kälte des Winters, ich spürte die Not und Einsamkeit,<br />
in der sich das Tier befand. Und! Es schien, als interessiere<br />
sich niemand dafür! Keiner sah erschreckt auf, keiner<br />
machte Anstalten zum Aufbruch. Wollte denn niemand dem<br />
armen Tier zu Hilfe kommen, sich darum kümmern?<br />
Zaghaft und voller Mitgefühl drehte ich<br />
mich um. Einige Reihen hinter uns saßen Erich<br />
und Martha Jesse, beide ganz in ihren Gedanken<br />
versunken. Ich wollte ihnen ein Zeichen geben,<br />
ihnen zurufen „Geht mal hin, seht mal nach“. Sie<br />
reagierten nicht. Aufgeregt zog ich an Opas Ärmel,<br />
raunte ihm zu, „was ist mit dem Pferd?“. Er schien<br />
mich nicht zu verstehen, hob den Zeigefinger vor<br />
den Mund und macht leise „Psst“. Oma, nun von<br />
meiner Unruhe aufgeschreckt, blickte etwas bösebrummig<br />
und signalisierte „Nu sitz doch stille!“<br />
Ich war aufgewühlt und entgeistert! Ja! Ich<br />
wurde zornig, bockig und auch ein wenig Schadenfroh!<br />
Wenn denn niemand dem armen Tier<br />
helfen wollte, dann sollten sie hinterher aber ordentlich<br />
suchen! So waren meine Gedankengänge.<br />
Alle sangen noch „Oh du fröhliche“ und nach einer<br />
gefühlten Ewigkeit war der Gottesdienst zu Ende!<br />
Vor dem Kirchenportal wünschten sich die<br />
Besucher untereinander „Frohe Weihnachten“,<br />
lachten, mummelten sich tiefer in ihre Jacken oder<br />
Mäntel und traten den Heimweg an.<br />
Endlich konnte ich Opa fragen, „Was ist denn<br />
nun mit Jesses Pferd?“ Er sah mich entgeistert<br />
und zugleich amüsiert an, „Ach Kind, das ist doch<br />
nur ein Lied! Glaub mal, die Pferde stehen überall<br />
im Stall!“ und jetzt war wirklich Weihnachten!<br />
Eva-Maria Herrmann<br />
Ahfangs Dezember 1944 koam dr Vadder vam doamoalije<br />
Ortsbauernführer ah nem Oawend noah ohs<br />
on meinde, de Koh, de mir verkaufe wölle, mössde<br />
mir am 16. Dezember bes ömme zwoo Uhr eh Sejje am<br />
Schlachthof afgäwe. Dat woar domoals so. Min Vadder<br />
woar bi dr Bah. Hä mossde ser de Schechd dusche on alles<br />
ging sin Wäch. Eh paar Dag spärer koam dä Ahl werrer on<br />
meinde: „Fritz, de ha eh Sejje Versorjungsschwierigkeite,<br />
ihr mosst schoh en Woche fröher noah Sejje.“ Dr Vadder<br />
wur zwersch on schande: „Itz han<br />
ech extra de Schecht verduscht<br />
on da sowat, we sall dat da goah?“<br />
„Joa,“ meinde dä Ahl Ferwerscht,<br />
„dä Patt´s Julius moss och eh Dier<br />
dorunger bränge, ihr konnt jo zesame<br />
goah, da bruch nur dä Jung bet.“<br />
Also am 9. Dezember 1944, morjes<br />
ömme acht Uhr koame de Dierer<br />
ah de Streck on ab ginget, ze Foos,<br />
öwer de Stroass noah Sejje. Eijentlich<br />
hadde ech mer dat schlömmer<br />
vörjeschdalld. De Lisscher marschierde<br />
godd. Awer eimoal sie mr<br />
wahne jeschand wurn. Eh Kloawend<br />
hadde ohs Lorche den Schwanz<br />
jehurwe on ob de Bürjersteich geschesse.<br />
Mir ginge wierer, awer en<br />
Frouw hadde us dm Fejster jeseh. Dat<br />
Schbekdagel hädde mr hörn mosse.<br />
Em Nu woar de ganze Nochberschaft<br />
ob de Bäng. „Dat hie moss wechjemacht<br />
wern, so en Souerei.“ Dr Onkel<br />
Julius frowde nur: „We da, bet de<br />
Finger? Loast dat drüjje on kehrtet<br />
wech.“ De Noachberschaft lachde.<br />
Wierer ginget eh Rechdung Sejje.<br />
Pünktlich wur alles öwergäwe, Abschied<br />
va dän Diercher jenomme on<br />
dr Vadder rejelde dat Jeschäftliche.<br />
Hä woar noch schwing noahkomme.<br />
Jedenfalls so gäje dreij Uhr worne<br />
mr om Bahnhof. Doa stung en Personezoch<br />
bet Vierlingsflack, de ech<br />
erschd emoal bestaune mossde. De<br />
Flack woar doamoals nürich, weil de<br />
Reisende gäje de Tieffliejer jeschötzt<br />
wern mossde. Medde eh minner Betrachtung<br />
reef min Vadder: „Jung<br />
komm, dr Zoch kömmd!“ Ech römm,<br />
in Baaf, bet dem Kobb för en Bahnhofslöchde.<br />
Dänn Knust ob dr Stern<br />
hadde ech am Chresdaach noch.<br />
Weh noh dr Owend vam 16. Dezember röm woar, dä<br />
Füürschie va Sejje löchdede witt eh det Land, mr hadde<br />
och Radio Luxemburg jehoard, wat alles passiert woar,<br />
doa meinde de Mudder: „ Doa had ihr awer Glöcke jehadd,<br />
wennet net Vorsehung woar, wo ihr om Bahnhof woard,<br />
härret ahjefange.“ Wenn mir am 16. Dezember eh Sejje<br />
worne, hädde ohs de Bombe jenau am Bahnhof erwöschd.<br />
Helmut Stähler<br />
Foto: Eva-Maria Herrmann<br />
26 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 27
Mundart<br />
von Bruno Steuber<br />
102,792<br />
Dt Johr es röm, de Uhr schliert zwölle,<br />
verbi ess’t plötzlech bet dr Schdelle.<br />
Rakede fleje, Böller krache,<br />
Prost Nöjjohr röft mr, on döt lache,<br />
ech drenke usnoamswies hö Sekt,<br />
dä sösd dt ganze Johr net schmeggt.<br />
Selbst Lüh, die mr net liere ka<br />
Silvester<br />
si hö emoal bet Knutsche dra.<br />
Dr Noachber häd Silvesderpunsch,<br />
doch ech ha nur dän eine Wunsch:<br />
dat ech , so wie em ahle Johr,<br />
si unge decht on ourwe klor,<br />
och dat ech veel ze Lache ha,<br />
on e bessje meh Rende wör och net scha’.<br />
Foto: Hartmut Reeh<br />
Plan B<br />
Sin Frou es stets am braggeziern, wat mr verschüernern ka,<br />
kum es se dörch bem Renoviern, fängt se va vörne ah.<br />
Dt meisde moß jo wüerklech si, god, dat se sech dröm kömmert,<br />
doch machde hä net alles bet, hä es doch net behämmert!<br />
Net alles, wat sin Frou sech wönscht, jefällt äm och ganz god,<br />
se meint se hädde en Idee, doch hä es ob dr Hot.<br />
En nöjjer Schrank wör doch ganz schüer, doa woar hä strikt doagäje:<br />
„Dä ahl es jo noch net kabutt, dän moß mr nur god fläje.“<br />
„Wonn mr net moal,“ so froawde se, „de Möbel angersch rögge,<br />
dr Fernseh’ moal doahinge he, dt Sofa eh de Ägge?“<br />
Begeisderung süd angersch us, hä schdellt de Ohrn ob Dörchzoach,<br />
on sädde nur: „ech denke noa, verlechds bes kord vör Chresdaach.“<br />
Jesagt - jetan, et woar verschbroche, nur net wie se’ t gern hädde,<br />
wat funkzioniert on noch lang god es, dat bliebt, wat gilt de Wedde?<br />
Am Heilichoawend koam wie stets noam Esse de Bescherung,<br />
etwas wor angersch hö wie sösd, et goaw en Öwerraschung:<br />
Tradizionell wie jedet Johr wur wer’ dr Baum jeschmöggt,<br />
dat häd sin Vadder alt jedoah, on stets esset jeglöggt.<br />
Dr Oawend es noch lang net röm, denn etz kömmt sin Plan B,<br />
han ech da nix meh loa ze sä? Dat wonn mr doch moal seh!<br />
Hä häd, wie ech schur äwe sädde, Jedanke ser jemacht,<br />
on sinner Frou en Wonsch erföllt, on sech doabi belacht.<br />
Dt ganze Johr häd se jeporrt, va wäje ängern, ömschdelln,<br />
hä koam är no entgäje hö , dat moß mr sech moal vörschdelln:<br />
Dt Glöggche klingelt, de Dör giert ob, am Chresbaum löchde Kerze,<br />
nur si kä Kouweln hö am Baum, dat wüerd se wourl verschmerze,<br />
dr Chresbaum hängt voll Oursderaijer, ganz veele schüerne bonde,<br />
„Es dat moal’n schüerne Abwechslung“? froawde hä eh de Ronde,<br />
„Ech si och för Veränderunge, dat hanech no beweese.“<br />
Sin Frou häd vör Begeisderung dr Chresbaum ömjeschmesse.<br />
Zom nöjje Johr<br />
Mir ha dat nöjje Johr begrößt<br />
bet Sekt on Feuerwerk, wat söst?<br />
On doch, de Welt wüerd sech net ängern,<br />
se wüerd rejiert va Schleckefängern.<br />
Am Wahldaach da, bim Krüzzje mache,<br />
vergiert einem werrer dt Lache...<br />
Ech ärjern mech, wann ech et well,<br />
hale dt Mul on denke schdell:<br />
ech well vör minner Husdör kehr’n,<br />
on doabi sall mech keiner schdör’n.<br />
Wat eh dr wiere Welt passiert –<br />
ech kann’t net ängern, garantiert.<br />
För Schbaß moß mr alt selwer sorje,<br />
on wat ech denke bliewt verborje!<br />
Doch görret wat, wat ech gern hädde<br />
em nöjje Johr, si domme Schwädde,<br />
doabet mr wat zom Schmunzeln häd.<br />
Loa häd moal’n Freund va mir jesäd:<br />
Ech räje mech öwer nix meh ob,<br />
on wenn ech vör Woot platze ...<br />
Dröm guggt, wat ech hö funge ha,<br />
on fängt alt moal ze Schmunzeln ah:<br />
Allet wat Schbaß macht häd en Hoach,<br />
on führt net nur zom Glögge,<br />
’t es omoralisch, net erlaubt,<br />
örrer et macht degge ...<br />
örrer<br />
Dt einzije Problem bim Nixdoh es,<br />
dat mr net weiß wann mr ferdich es.<br />
on hiddat könn och wohr si:<br />
Dr lewe Gott weiß alles,<br />
nur Noachbersch Marda weiß noch meh ...<br />
Nöjjohrschkonzert<br />
Dr Dirijend marschiert a’t Bolt,<br />
es konzentriert, häd noch Jedold,<br />
bet Schwung hierwt hä dän Taktschdogg ah,<br />
da gieret los, Tata, Tata.<br />
Begrößt wüerd hö dat nöjje Johr<br />
als nächsdes bet däm Jäjerchor.<br />
Dt Publikum es hejeresse,<br />
on häd dän Alldaach schwing vergesse.<br />
Noam Händel, Haydn, Mozart, Strauß<br />
görret en Pause bet veel Applaus.<br />
Ahjedoah bet äre besde Klamodde,<br />
läsdern fönf Groaköbbe öwer Fagotte,<br />
on öwer dat Cello, dat net schdömmich woar,<br />
och am Hornisde leß mr kä goret Hoor.<br />
Öwer Oboe, Klanedde on Bratsche<br />
worne die Gnütze och wahne am Quaatsche.<br />
Vam Chor dä Tenor, dat doa rechdech weh,<br />
droaf werrer moal net dat hohe C.<br />
Bet wechdijer Mine als döa än wat fähln<br />
hörn die Experde sech selwer gern lälln,<br />
on do so als hädde se Ahnung vam Fach,<br />
weil, einer schbeelt Blockflöde jeden Daach,<br />
dä anger schbeelt Schnuddehöwwel, sech doa,<br />
die mosse jo veel va Musik verschdoah!<br />
Daachsdrob konn mr eh dr Zeidung da läse,<br />
dat Konzert wör e grourßer Erfolch jewäse,<br />
de Solisdeleisdung en Hochjenuss,<br />
de erschde Geij’ krej en Bloomeschdruss,<br />
dr Dirijend moßde drejjmoal us dm Vörhang komme,<br />
on die Kritiker worne moal werrer de Domme.<br />
Foto: Rita Petri<br />
28 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 29
Satire von Uli Hoffmann<br />
Das Orakel<br />
In eigener Sache<br />
www.durchblick-siegen.de<br />
Auch online ein Erfolg<br />
Unser wöchentliches Treffen stand an und so machte<br />
ich mich auf zu unserem Stammcafé in der Siegener<br />
Unterstadt. Mein Freund Henner war bereits vor Ort<br />
und schaute mich mit seinem unnachahmlichen süffisanten<br />
Lächeln an, als ich auf seinen Tisch zuhielt. „Schur!“, sagte<br />
er. „Bist du auch schon in adventlicher Stimmung?“<br />
„Nee, so richtig will sich diese bei mir noch nicht einstellen.<br />
Ist ja auch noch ein bisschen Zeit“, entgegnete ich.<br />
Henner behielt sein Grinsen bei, was mich wiederum allmählich<br />
irritierte. Also fragte ich ihn: „Na komm schon! Ich<br />
sehe doch, dass du Neuigkeiten hast. Was für eine zündende<br />
Idee brütest du aus?“<br />
Diesen Moment kostete mein Freund immer wieder aus,<br />
wenn er mich mit einer seiner skurrilen Einfälle verblüffen<br />
konnte.<br />
„Vorab eine Frage: Was gehört nach deinem Empfinden<br />
zu einem schönen Weihnachtsfest?“<br />
Ich überlegte meine Antwort, denn ich ging davon aus,<br />
dass Henner und ich aus dem Alter heraus waren, in dem<br />
man zu sagen pflegte: Viele schöne Geschenke, ein Festessen,<br />
ein beeindruckend geschmückter Tannenbaum. Also<br />
antwortete ich: „In erster Linie Ruhe und Besinnlichkeit<br />
und, wenn es ginge, einen dekorativen Rahmen, nämlich<br />
eine tief verschneite Landschaft.“<br />
„Siehst du, den letzten Punkt hätte ich auch genannt. Wer<br />
wünscht sich keine weiße Weihnacht!“<br />
„Aber du weißt schon, dass dies in den letzten Jahren<br />
bei uns im Siegerland selten geworden ist. Mit Prognosen<br />
halten sich sogar unsere Starmeteorologen sehr bedeckt.“<br />
„Klar, manche Leute führen das auch auf den Klima<br />
wandel zurück.“<br />
Henner schien nachzudenken und führte dann in bedeutungsvollem<br />
Tonfall aus: „Und damit das Hoffen und<br />
Warten auf eine weiße Weihnacht hier bei uns einen neuen<br />
Stellenwert bekommt, möchte ich daraus ein spannendes<br />
Event machen.“<br />
„Ein Event zum Thema weiße Weihnacht? Wie habe ich<br />
mir das denn vorzustellen?“<br />
„Eine Frage zur Allgemeinbildung vorweg: Sagt dir der<br />
Murmeltiertag etwas?“<br />
Stolz antwortete ich: „Da gab‘s doch mal einen Kinofilm<br />
drüber: ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Das putzige<br />
Tierchen fungierte als Orakel für irgendwas, so viel ich weiß.“<br />
„Richtig. Jedes Jahr am 2. Februar treffen sich in der Tat<br />
Massen von Menschen in der amerikanischen Kleinstadt<br />
Punxsutawney, um zu schauen, ob das Murmeltier Phil das<br />
Ende des Winters vorhersagt.“<br />
„Und was hat das jetzt mit uns im Siegerland zu tun? Wir<br />
haben zwar Wisente, aber keine Murmeltiere!“<br />
„Weiß ich, wir machen das auch ganz anders. Wir lassen<br />
ein liebenswertes Siegerländer Tierchen orakelmäßig darüber<br />
entscheiden, ob es weiße Weihnachten gibt oder nicht.<br />
Immer am 1. Dezember.“<br />
„Und an welches Tier hast du so gedacht?“<br />
„An Helmut?“ – „Helmut?“<br />
„Ja, Helmut ist der Dackel von meinem Onkel in Obersetzen!“<br />
Ich schwankte noch zwischen Kopfschütteln und mitleidigem<br />
Lächeln. „Wie soll das Event denn ablaufen?“<br />
„Also, mein Onkel ist mit Helmut im Wohnzimmer. Dann<br />
reißt meine Tante die Tür zum Garten auf, Helmut rennt<br />
raus bis zum Zaun und bleibt auf Zuruf stehen. Wenn er<br />
dann seine Ohren auf links hat, gibt es weiße Weihnacht.“<br />
„Auf links?“<br />
„Mann, hast du denn noch nie einen Dackel rennen sehen,<br />
wenn seine Ohren im Gegenwind hin- und herfliegen und<br />
sich dabei wenden und man deren Innenseite sieht. Bleiben<br />
Helmuts Ohren dagegen in der Ausgangsposition, wird es<br />
nichts mit weißer Weihnacht. Fertig. Kann ich denn davon<br />
ausgehen, dass du am 1. Dezember dieses Jahr nach Setzen<br />
kommst und dem Ereignis beiwohnst? Wir rechnen mit einem<br />
Riesenansturm. WDR und Radio Siegen übertragen<br />
live. Schließlich bewegt diese Frage im Advent die Leute<br />
und außerdem ist der Siegerländer Dackel ein Sympathieträger.<br />
Und Setzen wird weltbekannt wie Punxsutawney.“<br />
Ich traute dem System noch nicht: „Habt ihr das Ganze<br />
schon mal getestet?“<br />
„Klar. In den letzten drei Jahren lag Helmut immer richtig.“<br />
Eine Frage hatte ich noch: „Wie kriegt ihr den Dackel<br />
denn auf Kommando dazu, wie ein Irrer durch den Garten<br />
zu rennen?“<br />
Auch daran hatte Henner gedacht: „Der Nachbar meines<br />
Onkels wirkt mit. Er geht in dem Moment, wenn Helmut<br />
Wetterorakel spielen soll, mit seinem Kater am Gartenzaun<br />
entlang. Dann laufen Helmut und seine Ohren zur Höchstform<br />
auf. Hoffentlich auf links.“<br />
Un s e r<br />
Freund<br />
Heinz in<br />
München (über<br />
80 Jahre) gebürtiger<br />
Siegener ist<br />
ein begeisterter<br />
Silver-Surfer. Zu<br />
seinem Morgenritual<br />
gehören<br />
sein Frühstück im<br />
Bett und gleichzeitig<br />
das Lesen<br />
der neusten<br />
Nachrichten und<br />
Skandale auf seinem<br />
Tablet. Bequem<br />
und papierlos.<br />
Kein Gang durchs Treppenhaus zum Briefkasten, keine<br />
Zeitungsstapel mehr. Und seit einigen Jahren klickt er sich<br />
hin und wieder auch im Internet unter www. durchblicksiegen.de<br />
ein, um zu lesen und sehen, was die Senioren in<br />
Siegen so beschäftigt.<br />
Die erste Version, des Internetauftritts des durchblick<br />
gibt es seit Ende 2003. Thomas Benauer hatte sich zuvor<br />
schon monatelang mit dem Projekt beschäftigt, bis es<br />
dann reif für das Netz war.<br />
2016 kam der zweite Thomas ins Spiel. Thomas Greiner,<br />
ein studierter Diplom-Designer, der sich beruflich mit Industrie-<br />
und Webdesign beschäftigt, wurde nun der zweite<br />
Mann im Internet-Team des durchblick. Rund fünf Monate<br />
dauerten die Arbeiten an der neuen Web-Gestaltung, die nun<br />
auch einen Zugriff auf das Archiv, die Kontaktaufnahme per<br />
Mail und den Zugang für einen internen Bereich ermöglicht.<br />
Die aktuellen Arbeiten können nun von allen Redakteuren<br />
Thomas Benauer und Thomas Greiner<br />
verfolgt werden, egal<br />
ob von zu Hause aus<br />
oder aus dem Urlaub.<br />
Thomas Benauer<br />
ist seit fünfzehn Jahren<br />
beim durchblick<br />
aktiv, auch als Bildredakteur.<br />
Als IT-Systemelektroniker<br />
hat<br />
er es gemeinsam mit<br />
anderen Redakteuren<br />
geschafft, mit dem<br />
Computerprogramm<br />
„In-Design“ erfolgreich<br />
das Layout der<br />
Zeitung zu entwickeln.<br />
Für Technik und<br />
Design des Internet<br />
auftritts ist jetzt Thomas Greiner zuständig, der übrigens<br />
auch als Designer von Filzobjekten oder aktuell als Gestalter<br />
von praktischen Alltagsdingen, wie Papierkörben<br />
aus Metall fürs Büro, aktiv ist. Den Inhalt des Internetauftritts<br />
fügt Thomas Benauer ein, der gleichzeitig der „Feuerwehrmann“<br />
bei Problemen mit vereinseigenen Computern,<br />
Laptops, Smartphones und Tablets ist.<br />
Auf unsere Frage: „Wird das gedruckte Heft Eurer<br />
Meinung nach schon bald verschwinden?“ sagen beide<br />
„Niemals, also in den nächsten zehn Jahren sicher nicht“.<br />
So kann nicht nur unser Freund Heinz auch in Zukunft<br />
nach Lust und Laune auf dem Tablet im durchblick surfen,<br />
auch der gedruckte durchblick wird wie gewohnt an den<br />
bekannten Verteilstellen ausliegen und wenn gewünscht,<br />
unseren ABO-Leserinnen und Lesern bequem zugeschickt<br />
werden.<br />
Text: Tessie Reeh<br />
Foto: Rita Petri<br />
30 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 31
Das kleinste<br />
Beatles-Museum<br />
der Welt<br />
Roll up for the Mystery Tour<br />
The Magical Mystery Tour<br />
Is waiting to take you away<br />
(The Beatles, Magical mystery tour, 1967)<br />
Die im Song angesprochene Zauberreise<br />
führt uns nach Geisweid in die Sohlbacher<br />
Straße, wo Harold Krämer das „kleinste Beatles-Museum<br />
der Welt“ betreibt. Auf knapp<br />
27 qm in seiner Wohnung hat er, in jungen<br />
Jahren selbst aktiver Musiker, einige tausend<br />
Erinnerungsstücke der legendären Gruppe aus<br />
Liverpool zusammengetragen. Zahlreiche Besucher<br />
aus vielen Ländern haben Harold Krämers<br />
Ausstellung besucht, so manch bekannter<br />
Name darunter. Aber auch viele namenlose<br />
Beatles-Fans:<br />
Her name was Magill, and she called herself<br />
Lil, but ev‘ryone knew her as Nancy.<br />
(The Beatles, Rocky Racoon, 1968)<br />
Text: Uli Hoffmann<br />
Fotos: Rita Petri
Aus dem<br />
Siegerland<br />
Etwas über einen regen Woh nungsbau in der Nachkriegszeit<br />
Von der Angst vor einer Gefäß – Einengung bis zum Spendenskandal<br />
Es gab einmal eine Zeit, da gab sich in einem Siegener<br />
Haus am Fischbacherberg ein Teil der politischen<br />
Prominenz unserer Republik die Türklinke in die<br />
Hand. Die Position des Hausherrn war entsprechend, denn<br />
er herrschte als Schatzmeister der Bonner Staatspartei CDU<br />
über deren Finanzen. Dieser hohe Funktionär wollte so gerne<br />
Abgeordneter im Bundestag werden – doch irgendwie<br />
ging in dieser Richtung alles schief. Bei der Bundestagswahl<br />
1953 überging man ihn gänzlich, vier Jahre später<br />
setzte ihn die Landes-CDU lediglich auf den drittletzten<br />
Platz der Liste von Nordrhein-Westfalen – eine aussichtslose<br />
Position. Dabei hatte er seine Partei bei einer Wahlversammlung<br />
doch sogar als „ein Geschenk Gottes für das<br />
deutsche Volk“ bezeichnet. Zu den Ursachen für die Ablehnung<br />
kommen wir später.<br />
Autor Raimund Hellwig bezeichnet in<br />
seinem Buch „Dorf mit Krone“ Ernst Bach<br />
– denn um ihn geht es in diesem Beitrag – als<br />
„durchaus volkstümlich“ und führt hierzu an,<br />
dass dieser Socken nicht mochte. Das war<br />
in der Tat so. Bach selbst behauptete, dass<br />
er sich damit gegen eine Gefäß-Einengung<br />
wehre. Ein damaliger Chauffeur schilderte<br />
oft und gerne Bachs Marotte: „Kaum war er<br />
in den Daimler eingestiegen, da zog er auch<br />
schon die Schuhe aus, legte die nackten Füße<br />
auf das Armaturenbrett und steckte sich eine<br />
Zigarre nach der anderen an. Wenn wir im<br />
Zielort Düsseldorf ankamen, dann war ich von<br />
dem Aroma halb bewusstlos, denn gelüftet<br />
werden durfte unterwegs höchstens während<br />
einer Pause.“ Sogar der „Spiegel“ berichtete<br />
über diese Gepflogenheit in einer Kurzmeldung:<br />
„Ernst Bach, 53, Oberbürgermeister<br />
von Siegen und Bundesschatzmeister der<br />
Christlich-Demokratischen Union, trug auf<br />
dem Stuttgarter CDU-Parteitag zwar elegante<br />
Halbschuhe, aber keine Strümpfe.“ Ein halbes<br />
Jahr später konnte man im größten deutschen<br />
Nachrichtenmagazin folgende Sätze lesen:<br />
„Ernst Bach, 54, … erschien zum Empfang<br />
des Bundesministers Gerhard Schröder, 46,<br />
anlässlich einer Tagung … entgegen seiner<br />
Gewohnheit in Strümpfen. Seinen fragenden<br />
Parteifreunden erklärte Bach: Zum dunklen<br />
Anzug, den er diesmal angelegt hatte, pflege<br />
er stets Socken zu tragen.“<br />
Eine andere aus dem Rahmen fallende<br />
Handlung Bachs lässt sich ebenfalls noch gut<br />
in der Schublade „Provinz-Folklore“ ablegen.<br />
Anlässlich des 80. Geburtstags von Konrad Adenauer<br />
am 5. Januar 1956 ließ er an alle städtische Mitarbeiter und<br />
an Siegener Honoratioren einen Neujahrsgruß auf Oberbürgermeister-Amtsbogen<br />
mit folgendem Inhalt verteilen: „Wir<br />
haben uns vorgenommen, ihm (Adenauer) dadurch eine besondere<br />
Freude zu bereiten, dass wir den Mitgliederstand<br />
der CDU verdoppeln. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich<br />
entschließen würden – soweit Sie verheiratet sind – mit ihrer<br />
Frau Mitglied der CDU zu werden.“ Man kann sich wirklich<br />
sehr gut vorstellen, wie der „Alte“ in Rhöndorf sich vor Freude<br />
auf die Schenkel geklopft hätte, wenn sich der Mitgliederstand<br />
des Stadtverbands Siegen, dessen Vorsitzender Bach<br />
war, verdoppelt hätte. Aber leider wurde nichts daraus. Die<br />
Nicht-CDU-Stadtverordneten wollten den Bach`schen Plan<br />
einfach nicht unterstützen. Überhaupt überwog im Stadtrat<br />
Foto: DER SPIEGEL 36/1956<br />
das Kopfschütteln, eine Sondersitzung wurde verlangt. Der<br />
Betriebsrat verfasste ein Protestschreiben, weil Nachteile für<br />
die Nicht-Folgsamen zu befürchten seien - schließlich habe<br />
der Oberbürgermeister in Personalsachen ja eine Entscheidungsbefugnis.<br />
Der „Spiegel“: „Eine groteske Silvesterkampagne.“<br />
Bach entschuldigte sich: „Jeder politisch aktive<br />
Mensch hat einmal bewusst oder unbewusst Fehler gemacht.“<br />
So viel einstweilen zum Thema „Volkstümlichkeit“. Ab<br />
hier nämlich ist Schluss mit lustig. Bach, Jahrgang 1902, hatte<br />
als junger Mann zwischen den beiden Weltkriegen schon<br />
so manches hinter sich gebracht. Als Kreisvorsitzender der<br />
„Deutschnationalen Volkspartei“ geriet er in Essen bei einer<br />
Saalschlacht mit den Gardisten der „Roten Ruhr-Armee“<br />
aneinander. „Zwölf Eichenknüppel und sieben Bierflaschen<br />
wurden auf meinem Kopf zerschlagen“, berichtete er später<br />
laut „Spiegel“ – und: „Ich trug eine Verletzung des Kleinhirns<br />
davon.“ Aber nicht nur seine Nehmerqualitäten waren<br />
enorm – er konnte auch austeilen. Historiker Ulrich F. Opfermann<br />
schrieb: „Vor Straf- und Gewalttaten zur Verwirklichung<br />
seiner politischen Ziele schreckte Bach nicht zurück.<br />
Während der sogenannten Ruhrbesetzung 1923 gehörte er<br />
‚zu den Sprengkommandos‘ (Bach). Als Terrorist wurde er<br />
steckbrieflich gesucht. Auf der Flucht habe er – so 1926 auf<br />
einer politischen Veranstaltung in Eisern vor großem Publikum<br />
– einem Kripobeamten ‚sechs Zoll Eisen zwischen die<br />
Rippen gejagt‘. Verurteilt wurde er nie.“<br />
Bei einem Schützenfest anfangs der 50er Jahre machte<br />
sich eine Abordnung des Siegener Schützenvereins auf den<br />
Weg zum Haus des Oberbürgermeisters. Wie traditionell üblich<br />
sollte Ernst Bach mit einem „Ehrenschuss“ das Königsschießen<br />
eröffnen. Doch man traf ihn in der Rosterstraße nicht<br />
an. Seine Gattin beschied den Schützen,<br />
dass ihr Mann nicht mehr bei ihr wohne,<br />
man könne ihn aber auf der anderen<br />
Talseite im Haus der Elisabeth Schmidt<br />
antreffen. Diese Auskunft schlug ein<br />
wie eine Bombe. Das Schützenfest<br />
hatte sein Thema und danach die Stadt<br />
und das ländliche Umfeld. Schließlich<br />
war Bach nicht nur das Stadtoberhaupt,<br />
sondern zugleich auch in einigen kirchlichen<br />
Gremien aktiv. Im April 1953<br />
wurde die 27 Jahre zuvor geschlossene<br />
Ehe geschieden und sechs Wochen<br />
später heiratete Bach die Witwe des<br />
Pfarrers Schmidt. Diese brachte neun<br />
Kinder mit, die Bach seine „Adoptivkinder“<br />
nannte und denen er eine rosige<br />
Zukunft verhieß: „Ich will für jedes<br />
meiner Kinder ein Haus bauen.“<br />
Foto: Ulli Weber<br />
Auch in seiner Partei, in der - wie bei fast allen Deutschen<br />
- die Ehe grundsätzlich als eine Verbindung fürs Leben galt,<br />
war die Scheidung Bachs zum brisanten Thema geworden. In<br />
jenen prüden Tagen der beginnenden Wirtschaftswunderzeit<br />
war ein solcher Schritt vor allem bei Personen des öffentlichen<br />
Lebens eigentlich undenkbar. Umso mehr, wenn diese<br />
gemeinhin ein frommes Gebaren an den Tag legten und die,<br />
wie Bach, in der Öffentlichkeit auch schon mal das „Vaterunser“<br />
vorbeteten. Und so fanden sich in der CDU rasch<br />
Christenmenschen, die seine angestrebte Kandidatur für den<br />
Bundestag und auch für den Landtag verhinderten.<br />
Das Versprechen, jedem Stiefkind ein Haus zu bauen,<br />
schien ein Vorhaben ohne jegliche Brisanz in finanzieller<br />
Hinsicht zu sein. Schließlich gehörte Bach die Hälfte der Firma<br />
„Siegener Großanstrich Müller & Bach“. Und dieses Unternehmen<br />
mit zeitweise mehr als 100 Beschäftigten hatte gut<br />
zu tun. Vor allem, weil das RWE als wichtigster Auftraggeber<br />
seine Strommasten von den Siegenern streichen ließ. Neben<br />
weiteren großen Firmen hatte auch die Bundesbahn etliche<br />
Daueraufträge erteilt. Aber als Oberbürgermeister verfügte<br />
Bach naturgemäß über ein fundiertes Wissen, wie zusätzlich<br />
außerbetriebliche Geldquellen angezapft werden konnten.<br />
Und diese Kenntnis und der hieraus gezogene Nutzen sollte<br />
ihn in letzter Konsequenz seinen OB-Job kosten.<br />
Es begann damit, dass im Kommunalwahlkampf 1956<br />
der SPD-Vorsitzende, Aloys Hüllen, in einem Flugblatt den<br />
OB einen „politischen Geschäftemacher“ nannte. Hüllen:<br />
„Während noch viele zerstörte Häuser wegen fehlender<br />
Landesmittel nicht erstellt werden konnten, hat er (Bach) es<br />
verstanden, Wohnhäuser in allen Teilen der Stadt mit Hilfe<br />
öffentlicher Gelder zu errichten, obwohl er keinen<br />
Hinter dem Siegener Bahnhof, am Fischbacherberg<br />
<br />
34 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 35
Aus dem Siegerland<br />
Aus dem Siegerland<br />
Rathaus Siegen Mitte der 1950er Jahre<br />
Kriegsschaden zu beklagen hat.“ Bach fühlte sich beleidigt<br />
und stellte spontan einen Strafantrag gegen seinen Widersacher.<br />
Das Amtsgericht ergriff eine in solchen Fällen ungewöhnliche<br />
Maßnahme, bestellte einen Sachverständigen und<br />
gab ein Gutachten in Auftrag.<br />
Gutachter Pohl beschränkte sich auf die Untersuchung<br />
von fünf Bauprojekten, für die öffentliche Gelder zwischen<br />
12.480 und 61.400 Mark auf das OB-Konto geflossen waren.<br />
Bei diesen Beträgen sollte man wissen, dass das durchschnittliche<br />
Jahreseinkommen eines Arbeiters in jenen Tagen<br />
unter 5.000 Mark lag. Obwohl die Stadtverwaltung es<br />
ihm so schwer wie möglich machte und die Suche nach<br />
Dokumenten einer Sisyphusarbeit glich, kam Pohl zu einem<br />
Ergebnis. Da der uns zur Verfügung stehende Platz begrenzt<br />
ist, können wir auf Einzelheiten nicht eingehen, aber so<br />
viel: Bei allen untersuchten Bauvorhaben wurden massive<br />
Verstöße in vielerlei Hinsicht gegen das geltende Recht<br />
und die Gemeindeordnung begangen. Bei einer Maßnahme<br />
hatten die prüfenden Beamten gleich sieben Unrichtigkeiten<br />
durchgewinkt. Der von Pohl recherchierte Gipfel freilich<br />
war, dass Bach an Beschlüssen als Antragsteller selbst<br />
teilgenommen und den Vorsitz des jeweiligen Gremiums<br />
geführt hatte. Das Gutachten liest sich beinahe wie ein<br />
Kriminalroman und veranlasste das Gericht zu folgendem<br />
Beschluss: „Er (Bach) hat … seine Stellung in der Kommunalpolitik<br />
genutzt, um zu seinen oder seiner Angehörigen<br />
Gunsten Vorteile zu erlangen, die ihm nicht … zugestanden<br />
haben. Mit anderen Worten: er hat seine Stellung … benutzt,<br />
um persönliche Geschäfte zu betreiben.“<br />
Bachs Versuch, durch die Anzeige als Ehrenmann dazustehen,<br />
war nicht nur gescheitert, sondern seine unredlichen<br />
Machenschaften waren nun gerichtsfest. Ein Verfahren gegen<br />
Hüllen wurde nicht eingeleitet, denn die Behauptung,<br />
Bach sei ein politischer Geschäftemacher, war keine üble<br />
Nachrede und keine Beleidigung, sondern entsprach laut<br />
Urteil den Tatsachen. Doch warum hatten deutsche Beamte<br />
in einer deutschen Stadtverwaltung<br />
Handlungen getätigt, die den<br />
Grundsätzen einer ordnungsgemäßen<br />
Gemeindewirtschaft völlig<br />
widersprachen und warum hatten<br />
sie dazu alle möglichen Manipulationen<br />
wider besseres Wissen durchgewinkt.<br />
Gutachter Pohl formulierte<br />
eine trübsinnige Entschuldigung:<br />
„Alle wichtigeren Beamten werden<br />
durch den Stadtrat befördert, dessen<br />
Vorsitzender (der OB) hat großen<br />
Einfluss … und auch Verwaltungsbeamte<br />
sind Menschen.“<br />
Während der Gutachter noch<br />
nachforschte, musste der politische<br />
Geschäftemacher nach achtjähriger<br />
Amtsführung als Oberbürgermeister<br />
abtreten. Die CDU hatte<br />
gemeinsam mit der FDP bei der Kommunalwahl 18 Stimmen<br />
erhalten, ebenso viele die restlichen drei Parteien SPD,<br />
GVP und die „Soziale Bürgergemeinschaft“. Letztere wollte<br />
für einen CDU-OB stimmen, doch wegen der in Siegen<br />
die Runde machenden Gerüchte dürfe dieser nicht Ernst<br />
Bach heißen. In der ihm eigenen Selbstsicherheit verzichtete<br />
Bach nicht auf seine Kandidatur. Entweder er – oder<br />
keiner! In drei Wahlgängen gab es ein 18:18-Stimmenpatt.<br />
Der nun vorgeschriebene Losentscheid fiel zu Gunsten von<br />
Erich Pachnicke (SPD) aus. Die anschließend durchgeführte<br />
Wahl des Siegener Vertreters für den Landschaftsverband<br />
Westfalen-Lippe verlief ebenso: dreimaliges Patt und Ernst<br />
Bach, der bisher den Verband sogar als „Präsident“ führte,<br />
hatte erneut kein Losglück. Dr. Walter Buhl (SPD) bekam<br />
den Posten. Bei der einige Monate später durchgeführten<br />
Wahl des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden trat Bach – endlich<br />
einsichtig geworden – erst gar nicht mehr an. Rechtsanwalt<br />
Dietmar Pheiffer wurde gewählt.<br />
Nun war es keineswegs so, dass Ernst Bach durch den<br />
Verlust einiger Ämter in seinem Wirken erschüttert gewesen<br />
wäre. Mehr als anderthalb Dutzend weitere Posten hatte<br />
er übernommen, saß in Aufsichts- und Verwaltungsräten.<br />
Da gab es Arbeit genug. Seine wichtigste Funktion war<br />
ohnedies – wie eingangs schon geschildert – das Amt des<br />
CDU-Schatzmeisters. Doch auch hier drohte Ungemach,<br />
denn die ganze Reihe der Unregelmäßigkeiten war auch<br />
in Bonn nicht unbemerkt geblieben. Der „Spiegel“: „Der<br />
CDU-Bundesvorstand ist in der peinlichen Lage, einen<br />
hohen Parteifunktionär unter sich zu wissen, den man ungestraft<br />
einen ‚politischen Geschäftemacher‘ nennen darf.“<br />
Im Jahr 1950 hatte Bach das Amt übernommen und wie<br />
jeder eifrige Kassierer war er von Beginn an bestrebt, „seine“<br />
Kasse zu füllen. Der einfachste Weg hierzu war für eine<br />
Partei seit jeher das Einsammeln von Spenden. Und der<br />
Schatzmeister hatte einen Einfall, wie dies am besten und<br />
so diskret wie möglich zu bewerkstelligen sei. Er beriet sich<br />
Foto: Stadtarchiv Siegen<br />
mit dem Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard und gab<br />
nachfolgend gemeinsam mit dem späteren Kanzler die Wochenschrift<br />
„Das Wirtschaftsbild“ heraus. Diese umfasste<br />
16 DIN-A-4-Seiten, die mittels einer Matrize hektografiert<br />
wurden. Der Inhalt bestand aus Kommentaren und Nachrichten,<br />
die sich kaum von denen in einer Tageszeitung unterschieden.<br />
Das Missverhältnis zwischen den Herstellungskosten<br />
und dem Verkaufspreis indes war enorm, denn die<br />
monatlichen Bezugsgebühren betrugen 50 Mark. Zahlreiche<br />
industrielle Unternehmen gehörten zu den Abonnenten, bezogen<br />
teilweise über 100 Exemplare. Die Urheber klopften<br />
sich auf die Schultern, eine der Partei viele Millionen in die<br />
Kasse spülende Einnahmequelle war eingerichtet.<br />
An die Öffentlichkeit kam die getarnte „Spenden-Transfer-Station“<br />
im Jahr 1956 durch den Hamburger Bundestags-<br />
Abgeordneten Helmut Schmidt. Der spätere Kanzler legte<br />
der Bundesregierung folgende Frage zur Beantwortung vor:<br />
„Entspricht es den Tatsachen, dass das Volkswagenwerk für<br />
monatlich 5.000 Mark Bezieher des CDU-Dienstes ‚Wirtschaftswoche‘<br />
ist?“ Diese Frage war legitim, zumal im Artikel<br />
21 des Grundgesetzes stand: „Die Parteien … müssen<br />
über die Herkunft ihrer Mittel öffentlich Rechenschaft geben…“<br />
Und tatsächlich, die Wolfsburger hatten 100 Exemplare<br />
abonniert und in ihrer Eigenschaft als „öffentliches<br />
Eigentum“ damit öffentliche Gelder quasi-gespendet. Zeitweise<br />
hatten sie monatlich sogar 12.000 Mark überwiesen.<br />
Der erste schwerere Parteispendenskandal der noch jungen<br />
Republik nahm Fahrt auf und es endete letztlich damit, dass<br />
neue Gesetze künftig derartige Erfolgsmodelle verhinderten.<br />
In der CDU freilich nahm man Bach keineswegs übel,<br />
dass er auf diese Art und Weise zur Füllung der Kasse beigetragen<br />
hatte. Andere Praktiken indes stießen auf enorme<br />
Kritik. So lagen die von ihm abgerechneten Spesensätze<br />
jährlich im fünfstelligen Bereich, an Familienmitglieder<br />
zahlte er Tausende für angeblich erfolgreiche Abonnentenwerbung.<br />
Die Bonner Staatsanwaltschaft strengte nach<br />
einer entsprechenden Anzeige ein Ermittlungsverfahren<br />
wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn an. Unmittelbar<br />
darauf wurde im Bonner Büro der „Wirtschaftswoche“<br />
eingebrochen. Alle Akten und Belege, die für ein Verfahren<br />
von Bedeutung hätten sein können, wurden geklaut. Selbst<br />
die Portokasse hatten der oder die Täter nicht verschmäht.<br />
Für die Parteioberen war nun endgültig das Maß voll. Ernst<br />
Bach musste nach neunjähriger Tätigkeit von seinem Amt<br />
als CDU-Bundesschatzmeister zurücktreten.<br />
Das hatte der Siegener nach seiner eigenen Einschätzung<br />
nicht verdient. Im CDU-Organ „Deutsches Monatsblatt“<br />
(auch dessen Geschäftsführer war Ernst Bach) tat<br />
er den Lesern mit schlichten Worten kund: „Die fromme<br />
evangelische Frömmigkeit (Bachs) und seine stille Liebe<br />
für die Armen, von der niemand etwas weiß und die er auch<br />
hier nicht angesprochen wissen möchte, vervollständigen<br />
das Bild dieses Mannes, der seinem Land und seiner Partei<br />
ein unentbehrlicher und rastloser Arbeiter ist.“ Dass freilich<br />
auch noch Reste des alten Kampfgeistes in seinem Inneren<br />
schlummerten, zeigte sich spätestens, als er gefragt wurde,<br />
ob er den „Spiegel“, der ja eine Vielzahl seiner Mittel und<br />
Wege publik gemacht hatte, nicht verklagen wolle. Bach<br />
kündigte hierauf an, dass er stattdessen Selbstjustiz üben<br />
werde, wenn er einmal Spiegel-Redakteuren begegne.<br />
Als ihm seine Partei bei der Landtagswahl 1958 erneut<br />
keinen Listenplatz zugestehen wollte, stellte ihn kurzerhand<br />
die heimische CDU als Kandidat des Wahlkreises auf. Und<br />
siehe da: Ernst Bach bekam im Siegerland die meisten Stimmen.<br />
Als Abgeordneter durfte er in Düsseldorf den Kreis<br />
Siegen bis zu seinem Tod im März 1965 vertreten. Im „Siegerländer<br />
Heimatkalender 1966“ stehen in einem Nachruf<br />
wie üblich vor allem lobende Worte. Wer freilich zwischen<br />
den Zeilen zu lesen versteht, der wird auch Zweideutigkeiten<br />
feststellen. So wird ihm ein entscheidender Einfluss auf den<br />
Wiederaufbau der Stadt bescheinigt. Wohl wahr! Seine wichtigste<br />
Tätigkeit – die Führung der Bundes-CDU-Kasse - wird<br />
hingegen gar nicht erwähnt. Stattdessen schließt der Nachruf<br />
mit dem so oder so auslegbaren Satz: „Was Siegen ihm<br />
darüber hinaus zu danken hat, kann hier leider nicht aufgeführt<br />
werden.“ Historiker Opfermann indessen ziert sich<br />
nicht, sondern zieht eine eindeutige Bilanz: „Außerhalb des<br />
Siegener Gebirgskessels von seiner Partei abgelehnt, verurteilt,<br />
verlacht, blieb er hier eine Größe. Eine Straße wurde<br />
nach ihm benannt.“<br />
Ulli Weber<br />
36 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 37
Aus dem<br />
Siegerland<br />
DER MALER und die ÄRZTIN<br />
Karl Jung Dörfler aus Obersdorf<br />
Von Ende<br />
November<br />
<strong>2017</strong><br />
bis Mitte Januar<br />
2018 findet<br />
im „4Fachwerk<br />
Museum“ Freudenberg<br />
eine<br />
Gedächtnisausstellung<br />
zu Ehren<br />
des verstorbenen<br />
Malers<br />
Jung Dörfler<br />
statt.<br />
Karl Jung,<br />
Karl Jung Dörfler<br />
am 29. Januar<br />
1879 in Obersdorf<br />
bei Siegen geboren, wuchs als ältestes Kind gemeinsam<br />
mit sieben Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen<br />
auf. Die Familie schlief auf Strohsäcken, ein Brunnen<br />
im Keller sorgte für Wasser, lediglich in der Küche verbreitete<br />
ein offenes Feuer Wärme. Karbidlampen boten ein<br />
trübes Licht.<br />
Von der Mutter haben die Kinder eine strenge, bewusst<br />
katholische Erziehung erhalten. Der Vater starb im Alter<br />
von nur 53 Jahren als Berginvalide an Tuberkulose. Die<br />
Familie war mittellos, so musste der älteste Sohn Karl mit<br />
13 Jahren die Schule vorzeitig verlassen und gleichfalls für<br />
einen Hungerlohn im Bergbau arbeiten. Jede freie Minute<br />
nutzte er, um zu malen, um mit wenigen Bleistiftstrichen<br />
einen Gegenstand oder eine Person aus seiner täglichen<br />
realen Lebenswelt bildlich darzustellen. Zunächst erkannte<br />
niemand seine Begabung. Erst im Alter von 29 Jahren<br />
erhielt er die Chance, an der Königlichen Kunstakademie<br />
in Düsseldorf ein Studium aufzunehmen. Vermittelt hatte<br />
dies ein katholischer Geistlicher, der auf die künstlerischen<br />
Fähigkeiten des jungen Mannes aufmerksam geworden war<br />
und die Bewilligung eines Stipendiums durch die „Schatullverwaltung“<br />
des Kaisers in Berlin bewirkte.<br />
Der Wechsel aus der begrenzten ländlichen Umgebung<br />
und dem Dunkel der Gruben in die lichte Welt der Großstadt<br />
fiel dem Siegerländer Maler schwer, einen größeren<br />
Kontrast konnte man sich nicht vorstellen! Dass Karl Jung<br />
den Zusatznamen „Dörfler“ annahm, zeigt, dass er trotz<br />
allem der im Dorf verwurzelte Künstler blieb. Der Heimatort<br />
war eines seiner Lieblingsmotive in der Malerei.<br />
Er trennte sich nicht von der Siegerländer Landschaft, die<br />
ihm vertraut war in ihren Naturschönheiten und auch in der<br />
Denk- und Lebensart der Menschen.<br />
In der Malschule machte er in kurzer Zeit große<br />
künstlerische Fortschritte. Das zeigte sich vor allem in<br />
späteren Bleistiftskizzen, Landschaftsbildern und Portraits.<br />
Die erworbene technische Perfektion ermöglichte es ihm,<br />
Charaktere in scheinbar vollkommener Natürlichkeit wiederzugeben.<br />
„Der Mann mit der roten Jacke“ von 1912,<br />
zählt ohne Zweifel zu den eindrucksstärksten Charakterdarstellungen,<br />
die Jung-Dörfler hinterließ. Die Plastizität<br />
des von Krankheit oder Mühsal ausgezehrten Gesichts löst<br />
Betroffenheit aus.<br />
Das Stipendium war nicht üppig bemessen. Da die<br />
Studenten für Farben und Leinwand aufkommen mussten,<br />
litt Jung-Dörfler unter ständiger Geldnot und musste<br />
seinen Lehrern Bettelbriefe schreiben, denn die<br />
Kontinuität der Zahlungen aus Berlin beruhte auf deren<br />
Wohlwollen. Er war ein introvertierter Meisterschüler<br />
der Kunstakademie, nahm zwar an Karnevals- und<br />
Sommerfesten im „Malkasten“ teil, hielt jedoch nicht<br />
viel vom geselligen Leben, das ihm zu oberflächlich war.<br />
Im Sommer 1912 begegnete er seiner späteren Frau<br />
Hedwig Danielevicz. Eine Freundschaft entwickelte sich,<br />
doch es dauerte vier lange Jahre, bis der gläubige Katholik<br />
und die gedemütigte Jüdin, – der sensible Maler und die<br />
vereinsamte Ärztin – zueinander fanden.<br />
Hedwig Danielevicz, am 15. Dezember 1880 in Berlin in<br />
eine jüdische Familie geboren, war seit frühester Kindheit<br />
traumatisiert durch Diskriminierung und Antisemitismus.<br />
Im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung, Schulzeit, Medizinstudium<br />
und Arbeit als Ärztin, im Umgang mit Kollegen<br />
fühlte sie sich als Jüdin geächtet und nicht akzeptiert. Sie<br />
fasste den Entschluss, selbstständig zu werden, und eröffnete<br />
1912 in Düsseldorf eine Praxis als Frauen- und Kinderärztin.<br />
Durch ihre bisherigen Begegnungen und Erfahrungen<br />
verunsichert und leicht verletzbar traf Hedwig Danielevicz<br />
erstmalig in Jung-Dörfler auf einen Mann, der ihr Verständnis<br />
entgegenbrachte, sie verehrte und liebte. Die standesamtliche<br />
Hochzeit fand im Mai 1916 statt und die kirchliche<br />
Trauung im Dezember des gleichen Jahres, nachdem<br />
die Ärztin zum katholischen Glauben konvertiert war.<br />
Zwischenzeitlich war Jung-Dörfler zum Kriegsdienst<br />
einberufen worden. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes,<br />
der sich in Schlaflosigkeit und Halluzinationen<br />
äußerte, wurde er ins Lazarett eingewiesen und von dort als<br />
dienstuntauglich entlassen.<br />
Der elfjährigen Ehe war kein Glück beschieden. Der<br />
Maler litt zunehmend an einer Depression und suchte die<br />
Einsamkeit und Isolation. Der psychischen Isolierung folgte<br />
der körperliche Zerfall. Ein Knochensarkom am linken Unterschenkel<br />
erforderte Operationen mit Teilamputation. Am<br />
1. September 1927 starb Karl Jung Dörfler im Alter von<br />
48 Jahren. Beigesetzt<br />
wurde er<br />
in seiner Heimat<br />
Obersdorf im<br />
Siegerland.<br />
Kurz nach<br />
seinem Tod fanden<br />
in Siegen<br />
und in Düsseldorf<br />
Gedächtnisausstellungen<br />
statt. Die von<br />
der Witwe gewünschte<br />
dauerhafte<br />
Präsentation<br />
der Hedwig Danielevicz<br />
Kunstwerke ließ<br />
sich aus politischen Gründen nicht verwirklichen. Die Bilder<br />
sind auf Veranlassung von Hedwig Danielewicz überwiegend<br />
in Privatbesitz übergegangen, vielfach als Schenkung<br />
an die Familie des Verstorbenen.<br />
Die Ärztin litt sehr unter dem frühen Tod ihres Mannes.<br />
Hinzu kamen die Schikanen, denen sie im Nationalsozialismus<br />
ausgesetzt war. Durch den Boykott jüdischer Arztpraxen<br />
stellten sich finanzielle Probleme ein. Der Medizinerin<br />
wurde die ethische Zuverlässigkeit abgesprochen, deutsche<br />
Volksgenossen zu behandeln; am 1. Oktober 1938 musste<br />
sie ihre Praxis in Düsseldorf schließen. Sie lebte fortan in<br />
bitterer Armut.<br />
Im November 1941 wurde sie gemeinsam mit ihrer<br />
Schwester Else nach Minsk/Weißrussland deportiert. Wann<br />
und wie sie dort im Ghetto ermordet wurde, ist nicht bekannt.<br />
<br />
Siegerländer Landschaft Dorfschule Bleistift skizzen<br />
Grube Eisern Mann mit der roten Jacke<br />
38 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 39
Aus dem Siegerland<br />
Um an ihr tragisches<br />
Schicksal<br />
zu erinnern und<br />
über das gemeinsame<br />
Leben des<br />
Malers und seiner<br />
jüdischen Ehefrau<br />
zu berichten, wird<br />
das 4Fachwerkmuseum<br />
als Begleitveranstaltung<br />
zur<br />
Ausstellung eine<br />
Lesung anbieten.<br />
Zusätzlich findet<br />
am Freitag,<br />
dem 5. Januar 2018<br />
um 19 Uhr, in der<br />
evangelische Kirche<br />
Freudenberg<br />
ein Klezmerkonzert statt. Das Ensemble Klezmer Chai<br />
spielt traditionelle jiddische Lieder und Tänze, Melodien<br />
aus der jüdischen Liturgie, aus dem New York der 20er<br />
Jahre, sowie Neukompositionen.<br />
Dr. Ingrid Leopold, stellvertretende Vorsitzende<br />
des 4Fachwerk-Museumsvereins in Freudenberg<br />
Das 4Fachwerk-Museum im Alten Flecken,<br />
Mittelstraße 4-6, ein Haus für Kunst,<br />
Geschichte, Kreativität und Tradition, wird<br />
seit Januar 2014 ehrenamtlich von einem<br />
Museumsverein geführt. Es beherbergt ein<br />
Kunstforum mit wechselnden Ausstellungen<br />
und attraktivem Rahmenprogramm, – die<br />
Etage Stadtgeschichte, – das Uhrenkabinett<br />
mit historischen Standuhren – und eine Werkstatt<br />
als Atelier für kreatives Arbeiten. Präsentiert<br />
werden Bilder aus verschiedenen<br />
Epochen, Skulpturen, Fotografien und kunstgewerbliche<br />
Arbeiten.<br />
Das Siegerland hat ungewöhnlich viele<br />
Begabungen in der darstellenden Kunst aufzuweisen.<br />
Das Bemühen des Museumsvereins<br />
geht dahin, auch verstorbene Künstler<br />
durch Präsentation ihrer Bilder, die meist<br />
in Archiven verborgen sind, zu würdigen. So<br />
wurden bereits Ausstellungen mit Kunstwerken von Siegfried<br />
Vogt und Adolf Saenger durchgeführt.<br />
Das Museum mit der Ausstellung „Der Maler und<br />
die Ärztin“ kann vom 24. November <strong>2017</strong> bis 14. Januar<br />
2018 mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr<br />
besichtigt werden. Der Eintritt beträgt drei Euro.<br />
Fotos: Autorenarchiv<br />
Der Kommentar<br />
Manchmal müssen es die Alten machen<br />
Aufsehen erregte kürzlich die Nachricht, dass der<br />
72-jährige Jupp Heynckes neuer Trainer bei Bayern<br />
München wurde. Als der bisherige Trainer Carlo<br />
Ancelotti entlassen wurde, kehrte „Don Jupp“ an seine<br />
frühere Wirkungsstätte zurück. Dabei suchte er sich als<br />
Assistenztrainer Peter Hermann und Hermann Gerland aus,<br />
die beide auch schon im Rentenalter sind.<br />
An dem Tag, an dem ich diesen Kommentar schreibe,<br />
wird der 75-jährige frühere Bundesfinanzminister Wolfgang<br />
Schäuble gerade zum Bundestagspräsident gewählt.<br />
„Das Alter ist im Kommen“<br />
liest man in der Presse.<br />
Werbung und Film, Funk<br />
und Fernsehen hätten<br />
die ältere Generation zunehmend<br />
im Blick. Ein<br />
langes und glückliches<br />
Leben ist heute kein<br />
Wunschtraum mehr. Die<br />
Lebenserwartung der<br />
Menschen steigt weiter.<br />
Die Forscher errechneten<br />
mithilfe eines statistischen<br />
Modells und Heute von Horst Mahle<br />
an-<br />
hand der Geburts- und Sterbedaten die Lebenserwartung<br />
in den 35 Industriestaaten. Das Ergebnis: Für Männer wird<br />
die Lebenserwartung in allen Ländern mit einer Wahrscheinlichkeit<br />
von 85 Prozent ansteigen, für Frauen um<br />
65 Prozent. Dabei gibt es regionale Unterschiede.<br />
Auch in Deutschland werden die Menschen weiterhin älter.<br />
Aktuell liegt die Lebenserwartung für Männer bei 78 Jahren.<br />
Bis 2030 wird sie der Studie zufolge auf fast 82 steigen.<br />
Deutsche Frauen werden im Jahr 2030 eine Lebenserwartung<br />
von knapp 86 Jahren haben – ein Anstieg um drei Jahre.<br />
„Na schön, das ist die Statistik, und vom Einzelfall kann<br />
man nicht unbedingt auf alle schließen“ mag mancher Leser<br />
einwenden. Und was ist, wenn ich krank werde? Ja, die<br />
Wahrscheinlichkeit einer Krankheit im fortgeschrittenen<br />
Alter ist höher. Ob man im Alter glücklich ist, hängt auch<br />
viel mit der Lebenseinstellung zusammen. Blickt man traurig<br />
auf das zurück, was man nicht mehr kann ? Akzeptiert<br />
man Krankheit und Einschränkungen? Die Ärztin Margot<br />
Kempff-Synofzik sagt, dass Gesundheit im Alter auch viel<br />
mit einer positiven Lebenseinstellung zu tun hat. Wir müssen<br />
ja nicht alle so große Aufgaben wie Heynckes und Schäuble<br />
übernehmen, aber wir sollten uns noch was zutrauen und<br />
Dinge in Angriff nehmen – vielleicht im Ehrenamt?<br />
Horst Mahle<br />
40 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 41
meine<br />
documenta<br />
Gefangen von der Atmosphäre der documenta 14 in Kassel haben mich<br />
Besucher besonders in den Bann gezogen. So kam es, dass sich das Auge<br />
eher dem Betrachter näherte, als sich nur auf die Kunst zu konzentrieren.<br />
Die Fahrt gemeinsam mit Kollegen kurz vor Toresschluss hat sich gelohnt.<br />
100 Tage lang blickte die Kunstwelt auf Kassel. So entstand die Idee, meine<br />
„eigene documenta“ zu kreieren und eine kleine Auswahl zu dokumentieren.<br />
Rita Petri<br />
42 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 43
Hinters Werkstor geschaut<br />
Zepter Neunkirchen<br />
Werksfoto<br />
Einst eine kleine Schmiede und Schlosserei, heute<br />
Erbauer modernster Tower in der Flugtechnik und<br />
internationaler Hersteller von Flughafenkontrollturmkanzeln.<br />
Beim Besuch der Firma Zepter in Neunkirchen erkennt<br />
man sofort an der Architektur des achteckigen Verwaltungsgebäudes<br />
die Form eines Towers von Flughafenkontrolltürmen,<br />
das Markenzeichen des Unternehmens.<br />
Die Unternehmensgruppe Zepter besteht aus der Zepter<br />
GmbH + Co.KG die ihren Ursprung im Jahre 1929<br />
durch den Firmengründer Albert Zepter hat und sich bis<br />
in die heutige Zeit mit verschiedensten Arten von Verkleidungen<br />
aus Metall befasst und der Zepter Flugtechnik, die<br />
Tower und deren Einrichtungen für Flughäfen herstellt.<br />
Friedrich Zepter, Sohn von Albert Zepter war ein begeisterter<br />
Hobbypilot und so wurde er im Jahre 1967 von<br />
der Flughafenverwaltung angesprochen: „Ihr seid doch<br />
ein blechverarbeitendes Unternehmen? Wäre es euch<br />
nicht möglich, einen Tower für den Siegerlandflughafen<br />
zu bauen?“ Diese Frage musste in Friedrich Zepter etwas<br />
ausgelöst haben. So entstand auf dem Siegerland- Flughafen<br />
der erste Tower der Marke Zepter und im Jahre<br />
1975 wurde, resultierend daraus, die Zepter Flugtechnik<br />
GmbH gegründet.<br />
Die Tower werden nach internationalen Richtlinien der<br />
ICAO sowie den Vorgaben der Deutschen Flugsicherung<br />
(DFS) hergestellt. So wurde z.B. im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes<br />
in Masar-e Sharif in Afghanistan<br />
ein Tower errichtet. Sowohl technisch als auch logistisch<br />
war dieser Tower eine Besonderheit. Von Neunkirchen<br />
aus wurde die Kanzel in ihre Einzelteile zerlegt, mit drei<br />
Sattelzügen zum 5000 km entfernten Standort transportiert<br />
und dort aufgestellt.<br />
Ein weiteres interessantes Projekt war der Bau des Towers<br />
auf dem Airport im Addis Abeba. Dort wurde ein Turm<br />
mit einer Grundfläche von ca. 120 Quadratmetern errichtet.<br />
Auf den Solomon Islands<br />
wurde ebenfalls in den 80er<br />
Jahren ein Tower der Marke<br />
Zepter montiert, man kreierte<br />
dort sogar eine eigene Briefmarke<br />
mit Abbildung des<br />
Bauwerkes.<br />
Die Neunkirchener Firma<br />
ist weltweit tätig, Mittlerweile<br />
wurden weit mehr als 200<br />
mobile und stationäre Kanzeln<br />
hergestellt und international<br />
vertrieben.<br />
Carolin Schulz, die Urenkelin<br />
des Firmengründers,<br />
berichtet von den vielfältigen<br />
Produktlinien, mit denen die<br />
Zepter Unternehmensgruppe<br />
aufgestellt ist. „Ich bin sehr<br />
stolz auf unser Familienunternehmen,<br />
das in einer klei-<br />
44 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />
Werksfoto<br />
Aus dem Siegerland<br />
nen Halle seine Geburtsstunde hatte. Heute arbeiten in<br />
unserem Unternehmen rund 80 Mitarbeiter. Wir sind mit<br />
unseren Projekten in mehr als 50 Ländern vertreten“.<br />
Der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe Zepter,<br />
bestehend aus Hartmut Ginsberg und seinem Schwiegersohn<br />
Timm Schulz, ist es ein großes Anliegen, mit der Zeit<br />
zu gehen, das heißt in jeder Geschäftssparte innovativ zu<br />
sein. So wurde im Laufe der Jahre die Produktionsfläche<br />
des Unternehmens und der Maschinenpark stetig ausgeweitet.<br />
Die Materialien werden mittels neuester 2D- und<br />
3D Lasertechnik, automatisiertem Schweißen, aber auch<br />
nach traditionellen Verfahren durch Nibbel-, Abkant- und<br />
Stanzanlagen verarbeitet. Ebenso wurden die Produktlinien<br />
des Unternehmens stetig ausgeweitet und den Bedürfnissen<br />
des Marktgeschehens angepasst.<br />
Neben den Towern für Flughäfen fertigt die Zepter Flugtechnik<br />
sogenannte Einsatzleitcontainer. Diese finden bei<br />
Feuerwehren, Hilfsorganisationen z.B. in Krisenregionen<br />
sowie auch beim Militär als Kommando- und Einsatzzentrale<br />
Verwendung. Zum Lieferumfang gehört die komplette<br />
Innenausstattung wie Mobiliar und das notwendige<br />
IT-Equipment. Alle Einrichtungsgegenstände können auf<br />
ein Minimum geklappt und verstaut werden und so für den<br />
Transport auf ein geringes Maß komprimiert werden. Die<br />
Container können im Bedarfsfall durch ein mobiles Zeltsystem<br />
in kürzester Zeit vergrößert werden.<br />
Werksfoto<br />
Das Schwesterunternehmen, die Zepter GmbH und<br />
Co. KG bedient verschiedenste Produktbereiche wie z.B.<br />
die Medizintechnik. Diese stellt Funktionsmöbel her, die<br />
weltweit für Krankenhäuser, Labore und Arztpraxen unter<br />
der Eigenmarke „medi-conzept“ vertrieben werden.<br />
Zepter ist ein im Siegerland verwurzeltes Familienunternehmen<br />
mit weltweiten Geschäftsbeziehungen. ●<br />
4/<strong>2017</strong> durchblick 45
Gesellschaft<br />
Gesellschaft<br />
Spurensuche<br />
Meine Familie vor dem Hintergrund der Geschichte<br />
Das alte Haus von Rocky Docky / hat vieles schon erlebt / Kein Wunder dass es zittert / Kein Wunder dass es bebt<br />
Das in der Bildunterschrift genannte Lied war Mitte<br />
der 50er Jahre ein Gassenhauer. Der Niederländer<br />
Bruce Low besang ein altes und hässliches Gebäude,<br />
das schon so viel erlebte, dass es zitterte und bebte. Das<br />
im Bild gezeigte Haus im schlesischen Schmidtsdorf (heute:<br />
Kowalowa) hat ebenfalls schon so manches erlebt. Im Gegensatz<br />
zu Rocky Dockys Haus aber zittert und bebt es immer<br />
noch nicht. Mein Cousin brachte das Foto kürzlich mit,<br />
als er auf Spurensuche das Elternhaus seines Vaters finden<br />
wollte. Seine Familie war nach dem zweiten Weltkrieg nach<br />
Sachsen verschlagen worden. Das gezeigte Haus ist auch<br />
mein Geburtshaus. Die Zugehörigkeit zu vier verschiedenen<br />
Nationen hat es erlebt: Nach den Böhmen und den Habsburgern<br />
kamen die Preußen und nun herrschen dort die Polen.<br />
Das Haus war das Gemeindehaus des Dorfes und von etlichen<br />
Familien bewohnt, wie es damals durchaus üblich war.<br />
Meine Mutter, die mit ihren Eltern in dem Gemeindehaus<br />
gelebt hat, zog es als ca. 21jährige Frau gerne und häufig<br />
mit ihrer Freundin Trudl zum Tanzen in das nahegelegene<br />
Bezirks-Städtchen Friedland. Hier versammelte sich das gesamte<br />
Jungvolk der Region in der ,,Burg“, einem beliebten<br />
Tanzlokal. Dort lernten beide auch ihre zukünftigen Ehemänner<br />
kennen. Den Rest ihrer Freizeit verbrachten sie im Sommer<br />
auf der ,,Hohen Heide“ und den schlesischen Wäldern<br />
beim Wandern und im Winter beim Ski-Laufen im Riesengebirge.<br />
Häufig gingen sie auf das nahegelegene Flugfeld und<br />
sahen meinem späteren Vater beim Segelfliegen zu.<br />
Foto: Erna Homolla<br />
Eines Tages bemerkte meine Großmutter, dass ihre<br />
Tochter immer rundlicher wurde und ermahnte sie, doch<br />
etwas mehr auf ihre Figur zu achten und nicht so viele Kartoffeln<br />
zu essen. Sie selbst — ganz die Unschuld vom Lande<br />
– wusste, damals im 7. Monat schwanger, noch nicht, dass<br />
sie „in anderen Umständen“ war. Sie hatte die Vorgänge<br />
in ihrem Körper wohl für Magengrummeln gehalten. Als<br />
ihr Umstand immer offensichtlicher wurde, fielen beide<br />
Elternpaare aus allen Wolken, denn sie waren davon ausgegangen,<br />
dass ihre jungen Leute ,,anständig“ geblieben<br />
waren. Da zum Aushängen des Aufgebotes keine Zeit mehr<br />
blieb, nutzten sie eine Gruppentrauung anlässlich Hitlers<br />
Geburtstag am 20. April 1936, um ihre Situation zu legalisieren.<br />
So kam es, dass ich als Super-Turbo-Baby einen<br />
Monat nach der Trauung meiner Eltern, an einem Sonntag<br />
im Wonnemonat Mai, in einem Alkoven der Wohnstube<br />
meiner Großeltern das Licht der Welt erblickte. Im gleichen<br />
Jahr fand auch in Berlin die Olympiade statt. Jetzt,<br />
statistisch gesehen, in meinem letzten Lebensjahrzehnt angekommen,<br />
kann ich rückblickend sagen, dass ich schon<br />
immer das Gefühl hatte, durchs Leben ,,gerannt“ zu sein<br />
wie Jesse Owens damals bei der Olympiade in Berlin.<br />
Meine Großeltern Mathias und Maria waren aus der<br />
Grafschaft Glatz erst Anfang des 20. Jh. nach Schmidtsdorf<br />
gezogen und hatten dort ihre Familie gegründet. Wahrscheinlich<br />
wollten sie sich von der ,,Oberherrschaft“ ihres<br />
vorherigen gräflichen Arbeitgebers freimachen.<br />
Mathias, eigentlich Fleischhauer (Metzger) in der familieneigenen<br />
Metzgerei, war nach der Schlacht bei Königgrätz<br />
aus Linz/Donau als Arbeitsuchender beim Straßenbau<br />
in Niederschlesien untergekommen. Weil Mathias<br />
kein ,,Kraftprotz“, sondern eher ein leptosomer Typ war,<br />
der Tiere und Pflanzen liebte, war er für diese Art Arbeit<br />
eigentlich ungeeignet. Er nahm deshalb gerne eine Anstellung<br />
als ,,Herrenfahrer“ auf dem gräflichen Rittergut<br />
in der Grafschaft Glatz an. Seine Tätigkeit bestand darin,<br />
zum einen der gräflichen Familie zur Verfügung zu stehen<br />
zum anderen die unterschiedlichsten Kutschen zu warten<br />
und die dazugehörigen Pferde zu betreuen. Er trug eine<br />
Livree, die ihm als schlankem Mann auch gut stand. Und<br />
seine österreichische Sprachmelodie tat ein Übriges um die<br />
Mädchen des gräflichen Haushaltes zu verwirren.<br />
Maria Langer, Häuslerstochter* aus Glasendorf, Köchin<br />
im gräflichen Haushalt, hatte wohl auch ein Auge auf Mathias<br />
geworfen. Und weil, wie man sagt, die Liebe durch<br />
den Magen geht, ist es kein Wunder, dass er sie für sich<br />
auserwählte.<br />
Schmidtsdorf, mein 400-Seelen-Geburtsort, hat seinen Namen<br />
wahrscheinlich von einem verdienten Mann, vielleicht<br />
sogar einem Dorfschulzen mit Namen Schmidt erlangt.<br />
Das Dorf stellte eine Verbindung zwischen dem bekannten<br />
Lungenkurort Görbersdorf und dem Bezirksstädtchen<br />
Friedland dar. Bürgermeister Tilch war bemüht, etwas von<br />
dem Glanz der beiden Orte auf Schmidtsdorf zu übertragen.<br />
Neben der gepflasterten Dorfstraße wurden Rabatte an dem<br />
Bürgersteig angelegt und mit unterschiedlichsten, farbenprächtigen<br />
Dahlien angelegt.<br />
Erna Homolla<br />
*Häusler oder Kleinhäusler waren Kolonisten, die vor einigen<br />
hundert Jahren, also unter Herzog Heinrich I. von<br />
Schlesien (1201 —1238) und seiner Gemahlin Hedwig von<br />
Andechs-Meran (gest. 1243), nach Schlesien kamen. Sie<br />
betrieben einen dynamischen Landesausbau durch Klostergründungen<br />
und Ansiedlungen deutscher Kolonisten.<br />
Sie durften ein Haus bauen und so viel Land um das Haus<br />
herum erwerben, dass sie dort für den Eigenbedarf Kartoffeln<br />
und Gemüse anbauen konnten. Als Nutztiere hielten sie<br />
Ziegen, Geflügel und Kaninchen. Manchmal fütterten sie<br />
sogar ein Schwein zum Schlachten. Den großen Grun<strong>db</strong>esitz<br />
aber durfte nur der Adel erwerben.<br />
46 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 47
Das Portrait<br />
Das Portrait<br />
Tieneke Parartini Abt<br />
Eberhard Freundt<br />
Zur Person: Geboren 1948 in Solo/Java/Indonesien.<br />
Studium der Rechtswissenschaften. Stipendium in<br />
Salzburg. Seit ihrer Heirat im Siegerland zu Hause.<br />
Mit einem feinen Lächeln und strahlenden Augen begrüßt<br />
Tieneke Parartini Abt das durchblick-Team.<br />
Ein harmonischer Mix aus indonesischen und<br />
modernen europäischen Möbeln, Kunstwerken und einigen<br />
Antiquitäten bestimmt das Ambiente und gleichzeitig die<br />
Themen im Hause Abt: Kunst, Musik, Literatur und Religion.<br />
Gleich beim Eingang liegt rechts das Herzstück: der Raum des<br />
Gamelan-Orchesters Siegen, dessen Mitbegründerin Tieneke<br />
ist. Hier wird seit 1991 einmal in der Woche geprobt und die<br />
meisten Aufführungen finden hier statt. Frau Abt schlägt die<br />
Trommel. Sie ist also die Dirigentin des kleinen Orchesters.<br />
Gamelan ist die traditionelle Musik von Indonesien und begleitet<br />
die Javaner mit Gongs, Trommeln und Flöte durch das<br />
ganze Leben. Gestaltet ihre Feste und prägt ihre Lebensweise.<br />
1985 gründete Tieneke Abt die Deutsch-Indonesische Gesellschaft<br />
Südwestfalen in Siegen (DIG): Für die gebürtige<br />
Javanerin eine wunderbare Gelegenheit, ihre alte mit der neuen<br />
Heimat zu vernetzen. Hier wurden und werden seitdem<br />
Kontakte gepflegt in enger Zusammenarbeit mit der indonesischen<br />
Botschaft, damals in Bonn, mit Universitäten und<br />
Studenten. Denn junge Menschen aus dem Ausland liegen<br />
Tieneke Abt besonders am Herz. Fernweh kennt sie ja aus<br />
eigener Erfahrung. Studierende aus Indonesien fanden hier in<br />
vielen Belangen im Alltag, an der Universität und beim Berufseinstieg<br />
Unterstützung. Der Kontakt blieb oft auch noch<br />
später – dank der modernen Medien – erhalten. Und manch<br />
ein Student schaut nach Jahren gern bei den Abts vorbei.<br />
Über das Projekt „Slumkinder“ spricht Tieneke besonders<br />
gern. Pateneltern (inzwischen über 60) aus dem Siegerland<br />
übernehmen die Schulkosten für arme Kinder in Jakarta, um<br />
ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Zwar<br />
herrscht in Indonesien allgemeine Schulpflicht. Doch viele<br />
Familien können nicht die Mittel für Prüfungsgebühren, Uniform<br />
und Bücher aufbringen. Ein Widerspruch!<br />
Immer wieder leidet auch Indonesien unter zerstörenden<br />
Naturgewalten. 20<strong>04</strong> halfen Mitglieder der Gesellschaft nach<br />
dem Tsunami spontan mit der Sammlung von Hilfsgütern und<br />
Geldspenden. Zwei riesige Container wurden persönlich von<br />
Helfern und dem Ehepaar Abt nach Aceh gebracht, wo der<br />
Tsunami ein Trümmerfeld hinterlassen hatte.<br />
Trotz ihrer bescheidenen doch temperamentvollen Art<br />
merkt man, Tieneke ist ein Organisationstalent, eine Netzwerkerin,<br />
eine Frau der Tat und die auf jedem gesellschaftlichen<br />
Parkett zu Hause ist.<br />
Der wichtigste Termin der Gesellschaft im Jahr war früher<br />
der Jahresabschluss, der mit Vorträgen und Musik sowie einem<br />
gemeinsamen indonesischen Essen gefeiert wurde. „Und seit<br />
kurzem“, erzählt Tieneke mit leuchtenden Augen, „steht auch<br />
hin und wieder die Betreuung des ersten Enkelkindes im fernen<br />
München auf dem Programm.“<br />
Texte: Tessie Reeh, Fotos: Rita Petri<br />
Auf You Tube schaut sich Eberhard Freundt gerne theologisch/naturwissenschaftliche<br />
Streitgespräche an.<br />
Natürlich liest er auch seit Jahren Fach- und Sachbücher<br />
über Theologie, Philosophie und (Welt)-Religionen<br />
Zu seinen Lieblingsautoren zählen u.a. die streitbaren katholischen<br />
Theologen Hans Küng sowie der Kirchenkritiker Eugen<br />
Drewermann. Beruflich machte er von 1954 bis 1957 zunächst<br />
eine dreijährige Lehre als Industrie-Kaufmann. Bereits<br />
Ende der Sechziger/Anfang der siebziger Jahre erweiterte er<br />
sein kaufmännisches Wissen durch intensive Weiterbildungsmaßnahmen<br />
und wechselte als EDV-Berater in die Computer-<br />
Branche, in der er bis zum Eintritt in das Rentenalter als Selbstständiger<br />
tätig war. Erst nach seiner intensiven Berufs- und<br />
Familienphase mit vier Kindern konnte sich Freundt vertiefend<br />
mit den Grenzfragen zwischen Religion, Philosophie und<br />
Naturwissenschaften beschäftigen. Über viele Jahre besuchte<br />
er bei der UNI Siegen die Mittwochs- Akademie und belegte<br />
die Fächer Philosophie und Theologie.<br />
durchblick-Leser schätzen seine anspruchsvollen Essays. Seit<br />
dem Ruhestand stand auch soziales Engagement hoch im Kurs<br />
bei Eberhard Freundt. Er war ein Mann der ersten Stunde des<br />
heutigen Senecafés im Haus Herbstzeitlos und Gründungsmitglied<br />
des Vereins ALTER Aktiv. Außerdem war er Mitglied<br />
einer Gefangenenkontaktgruppe in Siegen.<br />
„Eher zufällig bin ich vor 16 Jahren zu der ehrenamtlichen<br />
Tätigkeit bei der „Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen“<br />
gekommen“, erzählt Eberhard Freundt. Aber wir wissen<br />
ja, es gibt keine Zufälle. Erst besuchte er eine Ausbildung, in<br />
der geprüft wurde, ob er überhaupt für so ein Amt geeignet<br />
war. Dann folgte der erste Einsatz, der es gleich in sich hatte.<br />
Plötzlich war er allein in einem fremden Haus mit einem<br />
über Achtzigjährigen, der blind, beidseitig beinamputiert und<br />
schwerstkrank war. Nach dem ersten Schreck gelang es ihm<br />
dann schnell, Kontakt zu diesem Sterbenden aufzubauen - mit<br />
Feingefühl und Empathie. Mit den Worten „In dieser schweren<br />
Zeit waren Sie für mich wie ein Fels in der Brandung“ würdigte<br />
eine Ehefrau nach dem Tod ihres Mannes den Einsatz<br />
seiner Hospizarbeit. Im Laufe der Jahre hat Eberhard Freundt<br />
viele Patienten und deren Angehörige auf der letzten Reise<br />
begleitet. Trotz aller Ernsthaftigkeit im Gespräch blitzt auch<br />
immer wieder ein gewisser schwarzer Humor bei ihm durch.<br />
Um auch sehr belastende Momente der Sterbehelfer/innen<br />
zu bewältigen, tauschen sie sich einmal im Monat bei einem<br />
Gruppentreffen aus und geben einander Tipps. Übrigens: von<br />
den über 60 Aktiven der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe<br />
Siegen sind die allermeisten Frauen. Die Zeitspanne einer<br />
Sterbebegleitung liegt erfahrungsgemäß zwischen nur wenigen<br />
Tagen und ein bis zwei Jahren.<br />
Wie heißt es in einem aktuellen Song von Adel Tawil „Ist da<br />
jemand, der dein Herz versteht und mit dir ans Ende geht?“<br />
Der Jemand könnte auch Eberhard Freundt sein.<br />
Zur Person: Jahrgang 1939, geboren in Siegen, Beruf:<br />
Industrie-Kaufmann, Spezialgebiet EDV, Familie mit vier<br />
Kindern, sieben Enkeln und demnächst mit zwei Urenkeln.<br />
48 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 49
Foto: wikimedia commons<br />
Auf einem kleinen Bahnhof in Südwest-England saß<br />
ein junger deutscher Kriegsgefangener neben einem<br />
ungesund aussehenden Mann, der zwischen 50 und<br />
60 Jahren alt sein mochte. Er hatte ein aufgedunsenes Gesicht<br />
und wirkte müde. Das war an einem trüben, kühlen Tag<br />
im Dezember 1947 anlässlich eines bewachten Arbeitseinsatzes<br />
einer Gruppe von Gefangenen. Man kam ins Gespräch,<br />
und der erschöpft scheinende Mann fragte auf Deutsch, ob<br />
sein Gegenüber sich an Musiker aus dem Berlin vor dem<br />
Krieg erinnern könne. Der Jüngere bejahte dies und antwortete:<br />
„Aber selbstverständlich. An den großen Tenor Richard<br />
Tauber!“ Daraufhin von nebenan ein kurzer Satz: „Ich bin<br />
Richard Tauber.“ Ein paar Tage später gab der kranke Sänger<br />
mit Unterstützung der britischen Militärverwaltung ein<br />
kleines Konzert im Gefangenenlager – sein letztes.<br />
Jene Begegnung und das Konzert fanden nur ein paar Wochen<br />
vor dem Tod Richard Taubers statt, eines der bedeutendsten<br />
Tenöre des 20. Jahrhunderts, der im Deutschland der<br />
zwanziger und frühen dreißiger Jahre der einzigartige, vom<br />
Publikum gefeierte klassische Sänger gewesen war. Er erhielt<br />
seine Ausbildung in Deutschland, sang sowohl Opernpartien<br />
als auch Kunst- und Volkslieder und nicht zuletzt Operettenrollen,<br />
trat auf der Bühne auf, war im Radio zu hören und<br />
im Film zu sehen. Nicht nur seine betörende, lyrische Tenorstimme,<br />
die ihn als Belcanto-Sänger und perfekten Mozartinterpreten<br />
auswies, sondern auch seine absolut treffsichere,<br />
Kultur<br />
„Dein ist mein ganzes Herz“<br />
Vor 70 Jahren starb der Tenor Richard Tauber<br />
Ein kleiner Bahnhof in Südwest-England<br />
„außergewöhnliche Musikalität“ (Jürgen Kesting) sowie eine<br />
faszinierende, unwiderstehliche persönliche Präsenz brachten<br />
ihm die uneingeschränkte Bewunderung der Fachwelt<br />
und aller Musikliebhaber ein. Die Berliner Auftritte des Sängers,<br />
auch in Freiluftkonzerten, sind legendär. Gelegentlich<br />
betätigte er sich ebenso souverän und erfolgreich als Pianist,<br />
Komponist und Dirigent. Eine seiner Kompositionen ist die<br />
Operette „Der singende Traum“; darin das Lied „Du bist die<br />
Welt für mich“, gewidmet dem befreundeten jüdischen Tenor<br />
Joseph Schmidt, einem in der Vorkriegszeit sehr populären<br />
Sänger von kleiner Gestalt und unvergesslicher Stimme.<br />
Der auf den meisten Fotos mit Monokel zu sehende Tauber<br />
wurde im Jahre 1891 am 16. Mai in Linz an der Donau<br />
als unehelicher Sohn einer Operetten-Soubrette geboren<br />
und hieß zunächst Richard Denemy nach dem Mädchennamen<br />
seiner Mutter. Später nahm er durch Adoption den<br />
Namen seines Vaters an, eines Schauspielers und späteren<br />
Opernintendanten von Chemnitz, wo Richard Tauber 1913<br />
als Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ debütierte und seinen<br />
ersten großen Erfolg feierte. Von Seiten des Vaters war Tauber<br />
jüdischer Abstammung („Halbjude“), und darunter hatte<br />
er bei einem Vorfall im Jahre 1933 auf der Straße in Berlin<br />
zu leiden: Von einer Gruppe von SA-Schlägern, die den berühmten<br />
Sänger wahrscheinlich nicht einmal kannten oder<br />
nicht erkannten, wurde er niedergeschlagen und als Jude beschimpft:<br />
„Judenlümmel, raus aus Deutschland!“ Dass er von<br />
Geburt an römisch-katholischen Glaubens<br />
war, nützte ihm bei den Nationalsozialisten<br />
wenig, zumal diese die Religionszugehörigkeit<br />
im Falle der Juden ohnehin absichtlich<br />
mit Rassenzugehörigkeit verwechselten<br />
und die „jüdische Rasse“ vernichten wollten.<br />
Insbesondere jener Vorfall am Hotel<br />
Adlon bewog Tauber, an seiner Sicherheit<br />
zu zweifeln; er blieb nicht mehr lange in<br />
Deutschland, ging nach Österreich und auf<br />
Übersee-Tourneen, und nach dem sogenannten<br />
„Anschluss“ seines Heimatlandes<br />
im Jahre 1938 emigrierte er nach England,<br />
wo er 1940 die Staatsbürgerschaft annahm<br />
und seine Karriere durchaus erfolgreich<br />
fortsetzen konnte, obwohl ihm das Erlernen<br />
der englischen Sprache nicht leicht fiel. Die<br />
nicht akzentfreie Aussprache auf den zahlreichen,<br />
in England produzierten Langspielplatten<br />
störte dennoch die Einheimischen ob des weichen,<br />
berauschenden Stimmtons wenig.<br />
Zur Zeit seiner höchsten Triumphe in Berlin wurde Tauber<br />
als Lebemann und Liebling der Damenwelt angesehen.<br />
Er feierte gern und oft, gab viel Geld aus und war der Mittelpunkt<br />
manch öffentlicher und privater Festlichkeit. Er<br />
war zweimal verheiratet: in Deutschland mit der Soubrette<br />
Carlotta Vanconti und in England bis zuletzt mit der schönen<br />
britischen Schauspielerin Diana Napier, hatte aber auch<br />
etliche Affären. Kinder hatte er nicht.<br />
Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit dem<br />
österreichisch-ungarischen Operettenkomponisten Franz<br />
Lehár, der in Bad Ischl im Salzkammergut wohnte, wo sich<br />
Tauber nicht weit von dessen Wohnsitz ein Haus kaufte, in<br />
dem er sich jedoch selten aufhielt. Taubers Haus ist heute<br />
bewohnt, aber in Lehárs Haus, einem Museum, sind u.a.<br />
Erinnerungsstücke an Richard Tauber zu besichtigen. Als<br />
Tauber Mitte der 20-er Jahre so sehr an Rheuma erkrankte,<br />
dass er erhebliche Schmerzen bei Gehbewegungen hatte,<br />
schrieb Lehár eigens mit Blick auf ihn die überwiegend in<br />
China spielende Operette „Das Land des Lächelns“, in der<br />
Tauber sich, in lange Gewänder gehüllt, als der seiner Liebe<br />
entsagende Protagonist Prinz Sou-Chong langsam bewegen<br />
konnte. Das Lied „Dein ist mein ganzes Herz“ war und ist nahezu<br />
untrennbar mit Tauber verbunden, brachte seinen Ruhm<br />
auf den Höhepunkt und wurde und wird bis heute von großen<br />
deutschen Tenören wie Peter Anders, Rudolf Schock, Fritz<br />
Wunderlich, René Kollo und Jonas Kaufmann, aber auch von<br />
Ausländern wie Mario Lanza, Plácido Domingo, Luciano<br />
Pavarotti und José Carreras gern gesungen.<br />
Mit Geld konnte Tauber nicht gut umgehen. Dies führte<br />
dazu, dass er, der in Berlin ein stattliches Haus und Automobil<br />
mit Chauffeur besessen hatte, zunächst auch in England<br />
auf großem Fuße lebte, aber zusehends von seiner Frau unterhalten<br />
werden musste und am Ende seines Lebens fast<br />
verarmt war und hohe Schulden hinterließ.<br />
Als er mit dem deutschen Kriegsgefangenen zufällig zusammentraf,<br />
war Richard Tauber schon todkrank. Er hatte<br />
Lungenkrebs, und ein Lungenflügel war ihm bereits entfernt<br />
Foto: wikimedia commons<br />
Richard Tauber<br />
worden. Knapp drei Monate vorher, am 27. September 1947,<br />
hatte er anlässlich des ersten Gastspiels der Wiener Staatsoper<br />
nach dem Kriege in Londons Royal Opera House Covent<br />
Garden seine Abschiedsvorstellung gegeben. Er sang<br />
noch einmal, an der Seite der jungen Sopranistin Elisabeth<br />
Schwarzkopf, seine Paraderolle in Mozarts „Don Giovanni“,<br />
den Part des für Gerechtigkeit eintretenden Don Ottavio, des<br />
Verlobten der Donna Anna und Widersachers der Titelfigur,<br />
und muss „um sein Leben gesungen“ haben, wie es ein Kritiker<br />
ausdrückte. Er verkörperte die Rolle so einfühlsam und<br />
mit so wunderbarer Gesangskunst, dass die Zuschauer am<br />
Ende aufstanden und sein Lied „You are my heart’s delight“<br />
aus Lehárs Operette anstimmten.<br />
Nur wenige Wochen nach dem Gespräch auf dem kleinen<br />
Bahnhof starb der Tenor am 8. Januar 1948 im Alter von<br />
nur 56 Jahren. Eine Trauerfeier mit Auftritt von Elisabeth<br />
Schwarzkopf wurde in der Royal Albert Hall in Kensington<br />
abgehalten, in dem riesigen, runden Konzerthaus der Promenade<br />
Concerts. Richard Taubers Grab befindet sich auf<br />
dem Brompton Cemetery, ebenfalls im westlichen Londoner<br />
Stadtteil Kensington. <br />
Horst Feger<br />
Quellen: K.H. Bülter: Begegnung eines deutschen Kriegsgefangenen mit Richard Tauber in<br />
England, www.richard-tauber.de/wp-content/pdf/begegnung.pdf. Jürgen Kesting: Die großen<br />
Sänger, 3 Bde, Düsseldorf (Claassen), 1986. Evelyn Steinthaler: „Morgen muss ich fort von<br />
hier“, Richard Tauber – die Emigration eines Weltstars, Wien (Milena), 2011. wikipedia.org<br />
50 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 51
Kultur<br />
Kultur<br />
Quotenhits von damals<br />
„Familie Schölermann“<br />
– die erste Familienserie im Deutschen Fernsehen<br />
sondern über die Identifikation mit der „Musterfamilie“,<br />
in der Problemlösungsstrategien im Dialog entwickelt<br />
wurden. Wie auf dem Bild zu sehen ist, scharen sich die<br />
Schölermanns immer wieder in vielen Szenen zusammen<br />
und verhandeln durchaus kontrovers, aber respektvoll das<br />
anstehende Problem.<br />
Es ist ein Mittwoch im Herbst 1954, kurz nach 20:00<br />
Uhr. Eine Siegerländer Familie versammelt sich im<br />
Wohnzimmer vor dem neuen Fernsehgerät. Sie erwarten<br />
„ihre“ Nachbarn, zwar nicht im realen, eigentlichen<br />
Sinne, sondern vermittelt vom neuen Medium Fernsehen.<br />
Im Programmheft steht: „Unsere Nachbarn heute Abend<br />
– Familie Schölermann“. Der Titel steht für die erste Familienserie<br />
im Deutschen Fernsehen. Vorbilder für dieses<br />
neue Sendeformat waren Serien im Radio sowie Beispiele<br />
aus den USA. Wichtig war den Verantwortlichen beim<br />
NDR (damals noch NWDR), dass es sich um eine deutsche<br />
Durchschnittsfamilie handelte, mit der sich die Zuschauer<br />
identifizieren konnten. Gezeigt wurde das Alltagsleben<br />
mit all seinen Freuden und Kümmernissen, den gelegentlichen<br />
Sorgen mit den drei Kindern, auch die Fragen von<br />
der Entwicklung des Wohlstandes. So gesehen gelang den<br />
Machern der Serie ein Einblick in eine typische Familie der<br />
fünfziger Jahre, der Jahre des Wirtschaftswunders. Der Zuschauer<br />
begleitete die Entwicklung dieser Familie mit dem<br />
Oberhaupt Matthias Schölermann (Willy Krüger), seiner<br />
Frau Trude (Lotte Rausch) und den Kindern Heinz (Charles<br />
Brauer, der mit dieser Rolle seine Fensehkarriere begann),<br />
Eva (Margit Cargill) und Joachim (Harald Martens) auch<br />
im Hinblick darauf, dass man sich zunehmend etwas leisten<br />
konnte: Fand der erste Urlaub 1955 noch im Schrebergarten<br />
statt, reiste man später an die Ostsee, fuhr danach mit dem<br />
Wohnwagen und dem vom Chef ausgeliehenen Mercedes<br />
an die Nordsee und unternahm im Jahre 1958 sogar eine<br />
Schiffsreise, die man in einem Preisausschreiben gewonnen<br />
hatte.<br />
Bewusst angelegt wurde auch ein pädagogisches<br />
Motiv: Ausgehend von den Alltagsproblemen der Schölermanns<br />
wollte man den Zuschauern Lösungsmöglichkeiten<br />
anbieten, nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger,<br />
Bild: NDR (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion (<strong>04</strong>0) 4156-3762, Fax: -2199<br />
Schmunzelnd verfolgt man heute manche Dialoge dieser<br />
ersten deutschen Familienserie, die einem ein Stück heile<br />
Welt ins Wohnzimmer brachte. Hier ein kurzer Ausschnitt:<br />
Sohn Heinz, Automechaniker, holt seine Mutter in einem<br />
von ihm selbst in Stand gesetzten Auto ab:<br />
Und was ist das?<br />
Das ist die Lichthupe.<br />
Und was machste damit?<br />
Damit gibt man Signal.<br />
Du, das ist gut. Dann hört endlich mal die Huperei auf.<br />
Das ist ne vernünftige Erfindung.<br />
– Heinz hupt –<br />
Ich denke, du hupst mit Licht.<br />
Also Mutti, von technischen Dingen ...<br />
Ja ich weiß, davon hab ich keine Ahnung.<br />
Der Wagen fährt doch prima, oder? Also, den Motor habe<br />
ich ganz auseinander gehabt. Ich hab den ganzen Wagen<br />
überholt.<br />
Aber, war das nicht furchtbar viel Arbeit?<br />
Das ist doch keine Arbeit für mich, das ist ein Feierabendvergnügen.<br />
Junge, ich bin ja so froh, dass dir der Beruf so viel Freude<br />
macht. Weißt du, es gibt ja nichts Schrecklicheres, als morgens<br />
aufzustehen und ungern zur Arbeit zu gehen.<br />
Da brauchst du bei mir keine Angst zu haben.<br />
...<br />
Gnädige Frau, wie wärs denn mal mit einer kleinen Urlaubsreise?<br />
...<br />
Sehr interessant aus heutiger Sicht war die Art, wie der<br />
NDR die einzelnen Episoden präsentierte: Ausgelöst durch<br />
die Tatsachen, dass die Serie zu Anfang live produziert wurde,<br />
die Namen der Schauspieler nicht genannt wurden und<br />
die Handlungen meist zur realen Sendezeit (20:15 bis 21:00<br />
Uhr) angesiedelt waren, entstand bei manchen Zuschauern<br />
die Frage, ob es sich um Schauspieler handele oder hier<br />
eine reale Familie dargestellt werde. Heute würde man dies<br />
Reality-TV nennen.<br />
So wurde die Serie zum ständigen Begleiter der Familien<br />
an den Bildschirmen der fünfziger Jahre. Im Jahre 1960<br />
war nach 111 Folgen Schluss. Man fand, dass die Schölermanns<br />
nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen und in mancher<br />
Hinsicht spießig wirkten.<br />
Uli Hoffmann<br />
52 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 53
Kultur<br />
Kultur<br />
Dichterviertel<br />
Der Spaziergang<br />
Franz Grillparzer • Gelebt von 1791 bis 1872<br />
Das sind die Starken,<br />
die unter Tränen lachen,<br />
eigene Sorgen verbergen<br />
und andere fröhlich machen.<br />
Foto: wikimedia commons<br />
Ich schrieb mir dieses Gedicht auf und verwende es<br />
manchmal auf einer Fotokarte für einen lieben Menschen<br />
in einer ganz besonderen Lebenssituation.<br />
Nicht weit davon entfernt komme ich in die Ganghoferstraße.<br />
Hier wohnte für eine Zeitlang Anne Frank mit ihren<br />
Eltern. An diesem Haus komme ich öfter vorbei, jedes Mal<br />
halte ich inne, und lese, was auf der angebrachten kleinen<br />
Bronzetafel geschrieben steht:<br />
Dieser tiefsinnige Satz von einer 14jährigen, aufgeschrieben<br />
in ihrem Tagebuch berührt mich jedes Mal und<br />
ich denke, wie wahr, wie wahr:<br />
Die endgültige Formung<br />
seines Charakters<br />
hat jeder selbst in der Hand.<br />
Anne Frank, 15. Juli 1944<br />
Auf den Mauerpfosten oberhalb der Tafel hat jemand<br />
zum Gedenken vier Steine gelegt, so wie Juden es zum<br />
Gedenken zu tun pflegen.<br />
Foto: wikimedia commons<br />
Anne Frank ist stellvertretend mit ihrem Schicksal<br />
in die Weltgeschichte eingegangen.<br />
Im Vorgarten steht ein Mirabellenbaum, dessen Äste<br />
über den Zaun hinwegragen. Ich pflücke mir eine Handvoll<br />
der gelben, sonnengereiften Früchtchen, begebe mich<br />
in den angrenzenden kleinen Park und setze mich auf eine<br />
Bank. Die Sonne scheint an diesem 20. Juli <strong>2017</strong> heiß vom<br />
Himmel, doch die Strahlen werden durch das dichte Blätterdach<br />
der großen Bäume gemildert. Einige kleine Kinder<br />
vergnügen sich spielend im Sand und ich denke, das Leben<br />
geht weiter von Generation zu Generation.<br />
Magdalene Meyer-Langer<br />
Am späteren Nachmittag mache ich gern einen Spaziergang,<br />
denn Bewegung ist ja bekanntlich wichtig.<br />
Mein Weg führt mich des öfteren durch unser<br />
„Dichterviertel“ hier in Frankfurt. So nennt sich die Gegend<br />
rechts und links der Hügelstraße bis hin zum Dornbusch. Es<br />
lässt sich hier gut gehen auf geraden Straßen ohne jegliche<br />
Steigung. Viele gepflegte Vorgärten gibt es mit Blumen vom<br />
Frühjahr bis weit in den Herbst hinein. Die Hortensien und<br />
unterschiedlichsten Rosenarten blühen prächtig. Mir hat es<br />
der alte Häuserbestand aus der Gründer- und Jugendstilepoche<br />
angetan. Da gibt es noch Dächer, die wie große Landschaften<br />
aussehen, Balkone und Erker mit schmiedeeisernen<br />
Gittern, Hauseingänge mit kleinen Säulen, alte Türen, die an<br />
vergangene Zeiten erinnern. Grundstücke, die dazu gehören,<br />
gleichen eher kleinen Parkanlagen mit herrlichem Baumbestand<br />
unterschiedlichster Art. Die meisten Bäume sind<br />
gewiss mehr als 100 Jahre alt und ragen hoch gen Himmel.<br />
Man hat im Dichterviertel großbürgerlich gelebt. Auch<br />
heute ist von dieser Lebensart noch etwas zu spüren. (Gott<br />
sei Dank wurde diese Gegend weitgehend von Bomben<br />
verschont.) Nicht umsonst heißt diese Gegend „Dichterviertel“.<br />
Alle Straßen sind nach einem Dichter benannt, und<br />
der gab es im 18. und 19. Jahrhundert viele.<br />
Ich gehe also zuerst durch die Wilhelm-Busch-Straße,<br />
um in die Fritz-Reuter-Straße zu gelangen (Fritz Reuter<br />
war ein plattdeutscher Dichter und lebte in der Zeit von<br />
1810 bis 1874). In einem großen Eckhaus mit etlichen<br />
Wohneinheiten wohnte seit den siebziger Jahren bis zu<br />
seinem Tode der<br />
allseits bekannte<br />
Literaturkritiker<br />
Marcel Reich-Ranicki.<br />
Ich bin ihm<br />
des Öfteren beim<br />
Spazierengehen<br />
begegnet. Nach<br />
seinem Tod hat<br />
die Stadt Frankfurt zu seinem Gedenken vor dem Eingang<br />
zum Haus eine kleine Stele anbringen: Mir fällt das Literarische<br />
Quartett ein, dem er lange Zeit und oft kritisierend<br />
vorstand. Dabei auch manch einen Buchautor vergrätzt hat.<br />
Auf meinem Weg durch das Dichterviertel treffe ich<br />
auch hin und wieder auf einen auf dem Gehweg angebrachten<br />
Stolperstein. Ein Kölner Künstler hat es sich zur<br />
Aufgabe gemacht, überall dort Stolpersteine anbringen zu<br />
lassen, wo Juden aus den Häusern und Wohnungen herausgeholt<br />
wurden zum Abtransport in die Vernichtungslager.<br />
Die goldfarbenen Steine sind zehn auf zehn Zentimeter.<br />
groß, auf denen der Name des jeweiligen Menschen, das<br />
Geburtsjahr und das Todesdatum stehen. In Frankfurt wurden<br />
schon mehr als 1000 Stolpersteine auf den Gehwegen<br />
angebracht – Steine gegen das Vergessen.<br />
Auf meinen Rundweg komme ich in die Grillparzerstraße<br />
/ Ecke Rosegger-Straße. Da entdeckte ich vor einiger<br />
Zeit an der Mauer, die das Haus eines Arztes umgibt, eine<br />
kleine bronzene Tafel, auf der zu lesen ist:<br />
54 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 55
Der wilde Tanz der Schneeflocken<br />
Es fing tatsächlich an zu schneien. Große, dicke<br />
Flocken taumelten vom Himmel und malten<br />
ein Fleckenmuster auf den schwarzen Asphalt.<br />
Schon bald verwandelte sich das Muster in eine große<br />
weiße Fläche…unglaublich schön anzusehen. Hier in<br />
der Einöde zerstörte zu so später Stunde kein Winterstiefel<br />
und keine Autoreifenspur diese blütenweiße<br />
Unberührtheit. Die Leichtigkeit, mit der die Flocken<br />
heruntertanzten und alles zudeckten, ließen ihr die<br />
Tränen in die Augen steigen.<br />
Bald würde er zurückkommen und das bezaubernde<br />
Weiß beschädigen, mit den Reifenspuren zerstückeln,<br />
hereinpoltern, sie beschimpfen und rummeckern, wo<br />
er nur konnte. Nichts konnte sie ihm recht machen,<br />
nichts war gut genug. Entweder empfand er sie zu<br />
duckmäuserisch oder sie war ihm zu streitsüchtig.<br />
Natürlich war es sicherlich auch ihre Schuld, dass<br />
er seinen Zigarettenvorrat zu Hause vergessen hatte.<br />
Zwar verbat er sich jegliche Einmischung ihrerseits in<br />
diese so gesundheitsschädliche Angewohnheit… dennoch<br />
hatte er erwartet, dass sie ihn daran erinnerte, die<br />
Glimmstängel einzupacken.<br />
Sie wollten noch einmal eine Woche in dem Ferienhaus<br />
in der Wildnis Urlaub machen, bevor der ganze<br />
Festtagstrubel begann. Das heißt, er hatte es gewollt<br />
und sie, mal wieder ohne zu fragen, wie immer in dieses<br />
Vorhaben einbezogen. Wie üblich hatte sie auch dieses<br />
Mal nicht die Energie aufgebracht, sich zu wehren.<br />
Eigentlich war ihr die Aussicht auf eine Woche ohne<br />
Telefon, Computer und Fernsehen gar nicht so unlieb.<br />
Er würde sich sowieso hier draußen die meiste Zeit<br />
mit Holz hacken und auf die Jagd gehen beschäftigen.<br />
Zum Glück war er ein schlechter Schütze, so dass sie<br />
noch nie in die Verlegenheit gekommen war, blutiges<br />
Wild verarbeiten zu müssen. Nicht einmal einen Hasen<br />
hatte er bisher geschossen. Die großartigen Geschichten<br />
über seine „Beinah-Jagderfolge“, kannte sie schon<br />
auswendig. Sie genoss es, hier ungestört in der Küche<br />
zu werkeln, zu handarbeiten oder ihre geliebten Kreuzworträtsel<br />
zu lösen. Ja, sie hatte hier immer etwas zu tun.<br />
gefährliche Straße führte entlang der blanken Felswand<br />
auf der einen, und dem gähnenden Abgrund auf<br />
der anderen Seite. Kurz vor der Hauseinfahrt machte<br />
die Straße eine scharfe Kurve.<br />
Während sie am Fenster wartete, begannen die<br />
Schneeflocken einen stürmischen Tanz aufzuführen.<br />
Wild wirbelten sie durcheinander. Es entstanden kleine<br />
Wehen und trügerisch leere Flächen. Im bleichen<br />
Mondlicht wirkte die Welt um das Ferienhaus wie<br />
verzaubert. Um diese Stimmung noch besser zu genießen,<br />
bevor sie wieder zerstört wurde, schaltete sie<br />
alle Lichter draußen aus und versank im Anblick dieses<br />
Naturschauspiels. Hinter ihr bullerte der Ofen und<br />
verströmte eine wohlige Wärme in dem kleinen Raum.<br />
Es war früh genug, die Beleuchtung wieder einzuschalten,<br />
wenn dort unten die Scheinwerferkegel<br />
aufleuchteten. Bis dahin wollte sie den wilden Flockentanz<br />
in seiner nächtlichen Schönheit auskosten.<br />
Plötzlich schreckte sie das Klingeln des Handys<br />
aus ihrem angenehmen Genießen. Während sie sich<br />
meldete, fielen ihr die Lichtkegel unten im Wald auf.<br />
Doch er schrie sofort los: Jetzt auch noch dieses Mistwetter!<br />
Wenn sie an die Zigaretten gedacht hätte, wäre<br />
er schon längst im Bett! Sie solle gefälligst schon<br />
die Auffahrt frei schaufeln, damit er das nicht auch<br />
noch machen müsste, oder sich wohlmöglich festführe…<br />
und so weiter und so weiter. Sie hörte schweigend<br />
zu und blickte auf die weiße, strahlende Idylle<br />
dort draußen. Blitzartig stieg in ihr eine Wut auf, eine<br />
Wut auf ihn und seine Zerstörung der schönen Dinge<br />
in ihrem Leben. Immer fand er eine Möglichkeit, alles<br />
kaputt zu machen… so wie jetzt diese grandiose<br />
schneeverwehte Phantasielandschaft. Und diese Wut<br />
überdeckte all ihre Gedanken und breitete sich rasend<br />
schnell in ihrem Kopf aus. Sie wollte gerade ihr Handy<br />
ausstellen, als der zornige Wortschwall mit einem<br />
letzten Fluch abbrach. Es folgte ein ohrenbetäubendes<br />
Krachen. Dann herrschte Stille. Erst jetzt fiel ihr ein,<br />
dass sie vergessen hatte, die Lichter an der Auffahrt<br />
wieder einzuschalten.<br />
Es war noch nicht ganz hell, als sie zu ihrem Morgenspaziergang<br />
aufbrach. Am östlichen Horizont<br />
war schon ein schmaler goldener Streifen sichtbar,<br />
aber noch war es das Mondlicht, das in der Dämmerung<br />
die Bäume blaugraue Schatten werfen ließ.<br />
Über Nacht war frischer Schnee gefallen und hatte<br />
die harten Konturen der Winterlandschaft aufgeweicht.<br />
Flauschig, sauber und frisch lag der Morgen vor ihr.<br />
Sie liebte es, um diese Zeit allein unterwegs zu sein<br />
und die Welt ganz für sich zu haben. Sie schlug den Weg<br />
zum See ein, ihr Atem dampfte in der Luft, ihre Füße<br />
stapften gleichmäßig durch den pulvrigen Neuschnee.<br />
Irgendwann fiel ihr auf, dass sie doch nicht ganz alleine<br />
war. Da waren frische Fußspuren auf dem Weg. Jemand<br />
war schon vor ihr in diese Richtung gegangen.<br />
Ihr Freiheitsgefühl wich einem Anflug von Unwillen<br />
und Ärger. Sie überlegte kurz, umzukehren, entschied<br />
aber, doch weiterzugehen. Nach kurzer Zeit trat sie<br />
zwischen den Bäumen heraus, die das Ende des Weges<br />
markierten. Von hier hatte sie einen freien Blick über die<br />
Wiese vor dem Seeufer. Automatisch hielt sie nach dem<br />
„Störenfried“ Ausschau; so nannte sie ihn, auch wenn er<br />
technisch gesehen vor ihr da war. Doch niemand war zu<br />
sehen. Die Fußspuren führten weiter auf die Wiese in<br />
Richtung See, aber keine Spuren führten zurück.<br />
Besorgnis stieg in ihr auf und verstärkte sich, je weiter<br />
sie den Spuren folgte und je näher sie dem See kam. Sie<br />
erkannte den Schilfgürtel, den Steg der Badestelle – aber<br />
weit und breit war kein Mensch. Jetzt machte sie sich<br />
ernsthaft Sorgen, denn der See war seit Tagen zugefroren,<br />
doch ob das Eis schon tragen würde, bezweifelte sie.<br />
Spuren im Schnee<br />
Hier auf der Wiese lag der Schnee tiefer, sie rannte, fiel<br />
über verborgene Maulwurfhügel, rappelte sich wieder auf<br />
und rannte weiter. In ihrem Kopf überschlugen sich Bilder<br />
und Erinnerungen. Letzte Woche der Zeitungsbericht<br />
über die ertrunkene Frau, das eisige Gefühl an den Beinen,<br />
als sie mal als Kind direkt am Ufer eingebrochen war,<br />
Gruselgeschichten, tote Gesichter unter dem Eis…Endlich<br />
hatte sie den Schilfgürtel durchquert und das Seeufer<br />
erreicht. Oh nein, die Spuren führten eindeutig auf den<br />
See und endeten an einem großen, ovalen Loch.<br />
Ohne nachzudenken, riss sie sich ihre Jacke vom Leib,<br />
warf sich zu Boden und arbeitete sich bäuchlings bis zu<br />
dem Eisloch. Das Wasser war sehr unruhig, vielleicht war<br />
er oder sie gerade eben erst eingebrochen…vielleicht bestand<br />
noch Hoffnung…<br />
Plötzlich bewegte sich das Wasser noch stärker,<br />
schwappte über den Rand und auf ihre ausgestreckten<br />
Hände. Prustend und schnaubend erhob sich ein kräftiger<br />
Körper aus der Tiefe, schwang sich behände aus dem<br />
Wasser und stapfte eilig ans Ufer. Dann drehte der Kerl<br />
sich um und fragte belustigt: „Na, noch nie einen Eisbader<br />
gesehen?“<br />
Mühsam rappelte sie sich wieder hoch…ihr war<br />
schwindlig, ihre Lungen brannten und nebenbei wurde<br />
ihr klar, dass das Wasser an der Bruchstelle nicht allzu<br />
tief sein konnte.<br />
Ja, jetzt sah sie auch den Rucksack beim Badesteg.<br />
Ganz deutlich konnte sie die Aufschrift lesen: EIS-<br />
FREUNDE e.V. – Wir baden bei jedem Wetter!<br />
Ulla D’Amico<br />
Er war, nachdem er beim Ausladen der Vorräte<br />
das Fehlen der Zigaretten bemerkt hatte, noch einmal<br />
schimpfend ins Auto gestiegen und in den nächsten Ort<br />
gefahren. .Dort gab es einen Supermarkt, der vierundzwanzig<br />
Stunden geöffnet hatte.<br />
Nun stand sie am Fenster und wartete darauf, dass<br />
die Scheinwerferstrahlen des Geländewagens unten<br />
im Wald auftauchten, bevor sie wieder verschwanden,<br />
wenn das Auto die steile Bergstraße erklomm. Diese<br />
Ihre Hand schoss reflexartig zum Lichtschalter, obwohl<br />
sie wusste, dass es zu spät war. Es nützte ihm<br />
nichts mehr. Das Auto hatte in der Dunkelheit und dem<br />
Schneetreiben die scharfe Kurve nicht bewältigt und<br />
schien geradeaus ins Nichts gefahren zu sein. Nachdem<br />
sich diese Tatsache in ihren Verstand gebahnt<br />
hatte, löschte sie das Licht wieder über der perfekten,<br />
schneebedeckten Landschaft und ging ins Bett.<br />
<br />
Ulla D’Amico
Die Nächte werden schon seit einer Weile immer länger<br />
und die Tage logischerweise immer kürzer. Leider<br />
macht gerade auch die Sonne unerlaubt Urlaub. Dicke,<br />
graue Wolkendecken verdunkeln die schrumpfenden Tage. Mit<br />
Nebel und Nieselregen wird das Draußen zum ungemütlichen<br />
Feuchtbiotop. Und das jetzt, wo doch eigentlich der goldene<br />
Oktober hätte stattfinden müssen? Dieser scheinbar nahtlose<br />
Übergang vom gerade noch blühenden Sommer in eine düstere<br />
Novemberstimmung geht aufs Gemüt. Ich fühle mich um den<br />
goldenen Herbst betrogen, zu schnell ist der Sommer vorbei.<br />
Das ist natürlich eine maßlose Übertreibung, denn stürmische<br />
Winde jagen die Wolken auch immer mal wieder<br />
fort, und dann scheint die Sonne auch, für kurze Zeit. Dann<br />
hat sie sogar noch richtig viel Kraft. Das Laub an den Bäumen<br />
färbt sich allmählich bunt, und es besteht durchaus<br />
noch die Chance auf den landesüblich relativ kurzen „Indian<br />
Summer“ mit seiner Farbenbracht und dem ganz speziellen<br />
Licht. Das emotionale Highlight vor dem totalen<br />
Kehraus durch die Herbststürme.<br />
Gesellschaft<br />
Mein Winterblues …<br />
Foto: Hartmut Reeh<br />
Ob mich der sichtbare Wandel in der Natur jetzt<br />
im Alter stärker berührt? Mein Leben auf dem absteigenden<br />
Ast? Die unbestimmte Wehmut und Melancholie,<br />
die mich früher zum Ende des Sommers und<br />
erst recht im November gepackt hat, bekommt eine<br />
konkrete Bedeutung durch das Bewusstsein, dass sich<br />
mein eigener Lebenszyklus auch seiner Endphase nähert.<br />
Die Blätter fallen langsam, loslassen ist angesagt,<br />
Vorbereitung auf einen langen Winterschlaf.<br />
Neben meiner Haustüre habe ich vor einigen Wochen<br />
zwei kleine Raupen entdeckt, die da scheinbar<br />
leblos an der Wand klebten. Ich habe sie da sitzen<br />
lassen, mich störten sie ja nicht. Nach einiger Zeit<br />
bemerkte ich eine seltsame Veränderung: Sie haben<br />
sich dort verpuppt! Jetzt kleben sie da klein und unscheinbar,<br />
fast durchscheinend an meiner Wand, wie<br />
tot in ihrem Kokon und halten Winterschlaf. Ich werde<br />
alles tun, damit sie nicht gestört werden. Ob ich es wohl<br />
miterleben darf, wenn sie im Frühling als Falter aus ihrer<br />
Hülle schlüpfen? Die zwei kleinen scheintoten „Mumien“<br />
an meiner Hauswand wirken tröstlich auf meine trüben<br />
Gedanken vom Loslassen und dem bevorstehenden Winterschlaf:<br />
Sie zeigen mir so deutlich, das nichts im Leben<br />
bleibt, wie es ist. Alles vergeht in seiner jetzigen Gestalt<br />
und findet im Wandel eine neue Form. Ob die Beiden wohl<br />
eine Ahnung davon hatten, als sie sich an meiner Hauswand<br />
festgesetzt haben? Vielleicht. Was wissen wir schon? Ich<br />
aber wüsste gern, ob meine kleinen Mumien ihrer alten Gestalt<br />
noch nachtrauern oder ob sie sich auf das neue Leben<br />
freuen. Ob sie überhaupt etwas fühlen? Wer weiß ...<br />
Wir aber wissen um den Kreislauf des Lebens und auch,<br />
dass es müßig ist, über den Sinn nachzugrübeln. Uns ist auch<br />
bewusst, dass sich unter der scheinbaren Totenstarre des<br />
Winters neues Leben gestaltet, und doch legt sich im Herbst<br />
diese leise Trauer auf uns um die Vergänglichkeit, der wir<br />
ausgesetzt sind. Das gehört wohl zu unserem Leben dazu wie<br />
auch die Freude über das neu erwachende Leben im Frühling.<br />
Aber was machen wir, wenn sich die graue Decke der Melancholie<br />
schwer auf unser Gemüt legt? Gott sei Dank gilt<br />
auch für die dunkle Jahreszeit: Es geht alles vorüber! Spätestens<br />
nach der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder<br />
länger werden und bei klirrendem Frost und Schnee auch<br />
noch die Sonne scheint, schlägt die Stimmung wieder um.<br />
Doch in der Zwischenzeit sollten wir es uns behaglich machen<br />
in unserer Melancholie, ja, sie durchaus genießen. Denn<br />
diese merkwürdige Gemütsverfassung von leiser Traurigkeit<br />
und einer unbestimmten Sehnsucht entwickelt bei Kerzenlicht,<br />
leiser Musik, einem Glas Wein, einem guten Buch in der<br />
Hand und warm eingekuschelt auf dem Sofa oder vor dem<br />
Kamin durchaus Wohlfühlcharakter. Zum Heulen schön kann<br />
das sein. Nun denn: Bonjour Tristesse. Anne Alhäuser<br />
Suhrkamp-Verlag,<br />
459 Seiten, 24 Euro<br />
Preisgekrönt<br />
Nachlese zur Frankfurter Buchmesse<br />
Hand aufs Herz:<br />
Lassen Sie sich<br />
beim Bücherkauf<br />
von Bestsellerlisten<br />
leiten, greifen Sie<br />
gerne zum Werk eines<br />
preisgekrönten Autors?<br />
Ist ein Buch schon deshalb<br />
gut, weil es sich<br />
gut verkauft? Sind die<br />
Gründe, die eine Jury<br />
über einen Preisträger<br />
hat entscheiden lassen,<br />
auch meine für die Qualität<br />
eines Buches?<br />
Nicht selten war ich<br />
nach der Lektüre eines<br />
derartigen Werkes enttäuscht<br />
und so manches Mal entpuppte sich ein Buch aus<br />
der zweiten Reihe als Entdeckung und verursachte bei mir<br />
absolutes Lesevergnügen.<br />
Aber in diesem Jahr wollte ich es wissen: Der Gewinner<br />
des Deutschen Buchpreises <strong>2017</strong>, der wie immer am Vorabend<br />
der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet wurde, ist der<br />
Österreicher Robert Menasse mit seinem Buch „Die Hauptstadt“.<br />
Der in den Medien hoch gelobte Roman machte mich<br />
neugierig und ich wollte durch eigene Lektüre erkunden, ob<br />
sich all die lobenden Zuschreibungen bewahrheiten würden.<br />
Menasses Buch wurde von den Kritikern als großer Europaroman<br />
gewürdigt. Er bietet in der Tat einen Blick auf<br />
Politik und Verwaltung der EU in Brüssel. Aber nicht aus<br />
einer europaskeptischen Haltung heraus, schon gar nicht<br />
garniert mit populistischen Schuldzuweisungen wie „Die<br />
EU ist an allem schuld!“ Maxime des Handelns der Figuren<br />
in Menasses Roman ist vielmehr das Bemühen um eine<br />
zukunftsweisende Ausgestaltung der Gemeinschaft. Diese<br />
positive Grundausrichtung machte es mir leicht, mich auf<br />
das Buch und dessen Protagonisten überhaupt einzulassen.<br />
Eine Direktorin der Abteilung Kultur soll ein Konzept<br />
für das Jubiläum der EU-Kommission erarbeiten, um damit<br />
auch das Image der Kommission aufzupolieren. Ein emeritierter<br />
Wirtschaftsprofessor nimmt an einem Symposion teil,<br />
um eine europäische Politik für die Zukunft zu entwickeln<br />
(„Ich habe zu zeigen versucht, dass wir etwas völlig Neues<br />
brauchen, eine nachnationale Demokratie, um eine Welt gestalten<br />
zu können, in der es keine Nationalökonomie mehr<br />
gibt.“) Aber er stößt auf Widerstände bei seinen Kollegen:<br />
„Wenn sie von der Zukunft redeten. Dann redeten sie<br />
von einer möglichst reibungslosen Verlängerung der Gegenwart<br />
und nicht von der Zukunft.<br />
Buchbesprechung<br />
Da ist ein Überlebender des Holocaust, der penibel darüber<br />
Buch führt, wer von ebendiesen Zeitzeugen noch lebt.<br />
Ein Kriminalkommissar, dem man die Ermittlung in<br />
einem Mordfall „von ganz oben“ entzieht. Und gewissermaßen<br />
als Running Gag ein Schwein, das durch Brüssel<br />
läuft. Auch aktuelle Ereignisse wie Terrorismus und<br />
Flüchtlingsproblematik arbeitet Menasse in seinen Roman<br />
ein. Alle Figuren sind Puzzleteile in der Geschichte vom<br />
„Jubilee Project“.<br />
Ach ja, und die Sprache! Für mich immer ein zentrales<br />
Kriterium, wenn es darum geht, ob ein Buch für mich zu<br />
einem Lesevergnügen führt. Ich habe das etwa 450 Seiten<br />
umfassende Werk in wenigen Tagen durchgelesen. Fulminant<br />
und ideenreich erzählt Robert Menasse eine feinsinnige<br />
Satire der real existierenden EU-Administration. Herrlich<br />
komisch die Szene, als sich der Wirtschaftsprofessor und<br />
überzeugte Europäer einen sich blau ausbreitenden Bluterguss<br />
in einem Tätowierstudio mit 12 fünfzackigen Sternen<br />
verschönern lassen möchte. Die Romanfiguren bieten dem<br />
Leser eine unterhaltsame Sicht auf ihr Denken und Fühlen.<br />
Für mich muss ein Buch lange nachwirken. „Die Hauptstadt“<br />
tut dies sehr intensiv: „Geschichte ist nicht nur die Erzählung<br />
davon, was war, sondern auch die stetige Verarbeitung<br />
der Gründe, warum Vernünftigeres nicht möglich war.“<br />
Fazit: Ein zu Recht preisgekröntes Buch, das gute Unterhaltung,<br />
aber auch interessante Einblicke in Zusammenhänge<br />
der europäischen Politik bietet. Uli Hoffmann<br />
58 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 59
Gedächtnistrai ning<br />
Lösungen Seite 82<br />
Sprichwörter<br />
Finden Sie zu den<br />
Gegenständen<br />
auf diesem<br />
Foto<br />
jeweils<br />
ein<br />
passendes<br />
Sprichwort!<br />
Trainingsziel:<br />
Denkflexibilität<br />
Wortsuche<br />
Suchen Sie mindestens 12 Begriffe,<br />
in denen ein ä vorkommt, die aber alle<br />
mit unterschiedlichen Buchstaben<br />
beginnen. Vielleicht schaffen Sie für<br />
(fast) jeden Buchstaben des Alphabetes<br />
einen Begriff zu finden?<br />
Trainingsziel: Wortfindung<br />
Die Übungen wurden<br />
zusammengestellt von:<br />
Gedächtnistrainerin<br />
Bernadette von<br />
Plettenberg<br />
Mitglied im Bundesverband<br />
Gedächtnistraining e.V.<br />
02732-59<strong>04</strong>20<br />
E-Mail: bernadette@<br />
plettenberg-struwe.de<br />
Kurse<br />
Gedächtnistraining auf<br />
Anfrage<br />
Foto: Rita Julian Petri Felgitsch<br />
Rätsel<br />
• Man bekommt ihn nicht so gerne<br />
• Es ist ein wichtiges Zubehör beim Essen im Freien.<br />
• Bei seiner Entstehung ist er feucht.<br />
• Gefüllt liebt man ihn besonders.<br />
• Mit Rädern versehen beherbergt er Babys.<br />
• Bei Sport getroffen, ruft er Begeisterung hervor<br />
Lösung: ____________________________<br />
Trainingsziel: Denkflexibilität<br />
Schlagertexte<br />
Wie beginnen diese Schlager?<br />
1. ________________________ so stand sie vor mir.<br />
2. ____________ Schade um die Tränen in der Nacht.<br />
3. ________________________ Was kann ich dafür?<br />
4. _________________ Bis hier hör' ich die Motoren.<br />
5. ____________ sagen dir: komm recht bald wieder.<br />
Trainingsziel: Denkflexibilität<br />
Wochentag/<br />
Datum<br />
Nehmen wir mal an:<br />
Heute ist Sonntag, der 7. Juli<br />
A. Welcher Wochentag und<br />
welches Datum waren<br />
1. heute vor 12 Tagen?<br />
2. vorgestern vor 1 Monat?<br />
3. heute vor 100 Tagen?<br />
4. letzten Montag vor 5 Wochen?<br />
B. Welcher Wochentag und<br />
welches Datum sind<br />
5. übermorgen in 4 Wochen?<br />
6. morgen in 3 Monaten?<br />
7. Mittwoch in 18 Tagen?<br />
8. heute in 50 Tagen?<br />
Trainingsziel: Konzentration,<br />
Kreativität<br />
60 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 61
Lebendige Vergangenheit<br />
In unseren letzten beiden Ausgaben haben wir über das<br />
kurze und tragische Leben der Anna von Sachsen und<br />
über das erfüllte Dasein ihrer Schwiegermutter, Juliane<br />
von Stolberg, berichtet. Diesmal soll Annas jüngste<br />
Tochter Christine, wegen des vorgesehenen Wittwensitzes<br />
ihrer Mutter „von Diez“ genannt, in den Fokus unseres<br />
Berichts rücken. Annas Onkel, der hessische Landgraf<br />
Wilhelm IV., behauptete seinerzeit, dass dieses Kind ihrem<br />
Vater, Wilhelm von Oranien, von allen seinen Kindern am<br />
ähnlichsten sehe. Betrachtet man unvoreingenommen die<br />
überlieferten Gemälde der Beiden, dann muss man rasch<br />
zu dem Ergebnis kommen: Der Hesse, genannt „der Weise“,<br />
hatte wohl recht, mehr Ähnlichkeit geht kaum! Der<br />
Oranier freilich stritt vehement ab, überhaupt als Vater in<br />
Frage zu kommen. Und so wurde durch diese Unterstellung<br />
nicht nur das Geschick seiner Gattin Anna, sondern<br />
auch das deren Tochter Christine entscheidend geprägt.<br />
Die Vorgeschichte zu Christines Geburt ähnelt einem<br />
Kriminalroman. Wir beschränken uns auf die Kurzfassung<br />
des Geschehens. Wilhelm von Oranien, genannt „der<br />
Schweiger“, ging in die Geschichte als der große Befreier<br />
der Niederlande vom spanischen Joch ein. Der in Herborn<br />
ansässige Oranien-Verlag veröffentlichte 1960 eine von<br />
Hermann Romberg verfasste Biografie des Prinzen und<br />
schrieb dazu: „Der Mensch Wilhelm von Oranien: Gütig,<br />
geduldig, behutsam, stets bereit zu Vermittlung und<br />
Versöhnung, besorgt um das kleine Glück des Einzelnen<br />
wie des ganzen Volkes, ehrfürchtig vor dem Göttlichen,<br />
in schwersten Stunden durchdrungen von Gottvertrauen<br />
– das sind Wesenszüge, die in diesem Lebensbild sichtbar<br />
werden.“ Es ist dies eine Einschätzung, die jahrhundertelang<br />
in den Nassauer Landen verbreitet wurde.<br />
Ganz anders beschreibt nach intensiven Forschungen<br />
aktuell die Historikerin Maike Vogt-Lüersen in ihrem Buch<br />
„Anna von Sachsen“ den Kriegshelden. Nämlich er sei ehrgeizig,<br />
cholerisch, prunksüchtig und opportunistisch gewesen,<br />
habe auf zu großem Fuß gelebt, hätte sich häufig seiner<br />
Spielsucht gewidmet und wäre vor keiner Lüge und keinem<br />
Verrat zurückgeschreckt. Was soll man als Neutraler von<br />
derart unterschiedlichen Einschätzungen halten?<br />
Foto: wikimedia commons<br />
Christine von Diez<br />
Halbschwester von Peter Paul Rubens?<br />
Wilhelm von Oranien<br />
Von allen Sachkundigen unbestritten bleibt zunächst<br />
die Sachlage, dass sich der Prinz finanziell in einer stetigen<br />
Notlage befand. Schon bei seiner letztlich erfolgreichen<br />
Bewerbung um die Hand der Anna von Sachsen hatte<br />
er es vor allem auf das reiche Erbe der Kurfürstentochter<br />
abgesehen. Und er lebte tatsächlich über seine Verhältnisse.<br />
So hatte er zum Beispiel in seinem prächtigen Palais<br />
in Breda eine Dienerschaft von sage und schreibe 256<br />
Personen, eine Zahl, die sich bei festlichen Anlässen noch<br />
erheblich steigerte. Dazu führten seine ungemein kostspieligen<br />
kriegerischen Unternehmungen letztlich dazu,<br />
dass die riesige Mitgift der Gattin aufgebraucht war und<br />
diese sich dadurch in einer finanziellen Notlage befand.<br />
Ihr Mann jedenfalls war nicht mehr in der Lage, für sie zu<br />
sorgen. Ihr stand „das Wasser bis zum Hals“ und sie musste<br />
sogar ihren Schmuck veräußern. Dass dies alles für Ihre<br />
Ehe nicht förderlich war, lässt sich leicht ausmalen. Und<br />
tatsächlich galt diese irgendwann in den Adelskreisen als<br />
zerrüttet. Ungeachtet dessen trafen sich die Eheleute immer<br />
wieder einmal für ein paar Tage.<br />
Im Ehevertrag waren ihr von sächsischer und von nassauischer<br />
Seite Gelder und Güter verschrieben worden.<br />
Doch hüben wie drüben zeigte sich die Verwandtschaft<br />
wenig geneigt, ihre berechtigten Ansprüche zu erfüllen.<br />
Christine von Diez<br />
Dazu waren ihre niederländischen Besitztümer von den<br />
Spaniern einkassiert worden. In dieser verzweifelten Lage<br />
suchte sie, vorübergehend in Köln sesshaft geworden, einen<br />
angesehenen und erfolgreichen Advokaten auf. Dieser<br />
hieß Jan Rubens und stammte aus Antwerpen. Die Heimatstadt<br />
hatte er gemeinsam mit Gattin Maria und vier<br />
Kindern wegen seines calvinistischen Glaubens verlassen<br />
müssen und er eröffnete eine Kanzlei in der Stadt am<br />
Rhein. Rubens erhob dann auch beim zuständigen Gericht<br />
in Brüssel Klage.<br />
Die Weihnachtstage des Jahres 1570 verbrachten Anna<br />
und Wilhelm gemeinsam mit ihren Kindern in Siegen.<br />
Einige Wochen später bemerkte die Prinzessin, dass sie<br />
wieder einmal schwanger geworden war und ihr sechstes<br />
Kind erwartete. Nun nahm das Drama seinen Lauf.<br />
Wie unterschiedlich man die Situation beurteilen kann,<br />
zeigen die Worte der schon genannten Historiker. Hermann<br />
Romberg: „Sie trat zu ihm (Jan Rubens) in intime<br />
Beziehungen, was in Dillenburg nicht unbekannt blieb.<br />
Der Ehebruch, den Anna beging und zu dem sie den Jan<br />
Rubens verführte, geschah zu ersten Mal im Juli 1570.<br />
Anfang März 1571, als Rubens auf Drängen Annas zu ihr<br />
nach Siegen unterwegs war, ließ Graf Johann ihn vor der<br />
Stadt verhaften und nach Dillenburg bringen, wo Rubens<br />
Foto: wikimedia commons<br />
seine Verfehlung eingestand.“ Es ist dies die Version,<br />
die ebenfalls viele Jahrhunderte lang als verbürgt galt.<br />
Hingegen Maike Vogt-Lüerssen: „Schließlich kam er<br />
(Wilhelm) auf die Idee, ihr (Anna) einen Ehebruch anzuhängen.<br />
Im Calvinismus, dem Wilhelm mittlerweile angehörte,<br />
war Scheidung nämlich nur bei Ehebruch erlaubt.“<br />
Und weiter: „Jan Rubens, mit dem Anna häufig zusammen<br />
war, da er ihr Ratgeber, Vermögensberater und Anwalt<br />
war, wurde des Ehebruchs mit Anna verdächtigt und, als<br />
er sich im März 1571 wegen einer geschäftlichen Angelegenheit<br />
auf dem Weg zu ihr befand, vermutlich zwischen<br />
dem 7. und am 10. März vor den Toren Siegens verhaftet.<br />
Der Folter unterzogen, gestand er natürlich alles, was seine<br />
Marterer von ihm hören wollten. Anschließend musste<br />
er – wie es damals üblich war – unterschreiben, dass<br />
sein Geständnis ohne Druck erfolgt wäre. Als man ihr<br />
(Anna) kurze Zeit später zu verstehen gab, dass sie nur<br />
Rubens` bevorstehendes Todesurteil verhindern, ja sogar<br />
seine Freilassung bewirken könne, wenn sie bereit wäre<br />
zu gestehen, erklärte Anna sich für schuldig.“ Wer schon<br />
einmal eine mittelalterliche Folterkammer besichtigt hat,<br />
der wird sich nicht über das Geständnis wundern.<br />
Die schon vor ihrer Geburt zu einem Gegenstand<br />
feindseliger Handlungen der miesesten Art gewordene<br />
Tochter kam am 22. August 1571 zur Welt und wurde auf<br />
den Namen Christine von Diez getauft. Das waren nur<br />
acht Monate – und keine neun wie üblich – nach dem<br />
letzten Beisammensein des Fürstenpaars. Damit hatte der<br />
Oranier einen Grund, das Kind nicht als das seine anzuerkennen.<br />
War damals etwa nicht bekannt, dass Kinder<br />
auch schon nach acht Schwangerschaftsmonaten zur Welt<br />
kommen können? Zumal dann, wenn die Mutter unentwegt<br />
unter starker seelischer Belastung steht. Wilhelm<br />
jedenfalls nahm das Folter-Geständnis von Jan Rubens<br />
als willkommenen Tatbestand und leitete die Scheidung<br />
in die Wege. Ein Vierteljahr später kam als erster Schritt<br />
eine Trennungsvereinbarung zustande.<br />
Dank der vorhandenen Gebeine der damals handelnden<br />
Personen wäre es heute leicht möglich, einen Vaterschaftstest<br />
durchzuführen. Doch die Nassauer Erben lehnen dies<br />
62 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 63
Lebendige Vergangenheit<br />
Essay<br />
– im Gegensatz zu den Nachkommen der Christine – strikt<br />
ab und sie haben hierfür wohl ihre Gründe. Maike Vogt-<br />
Lüerssen: „Durch einen Vaterschaftstest könnten wir endlich<br />
beweisen, was für ein Schurke Wilhelm von Oranien<br />
wirklich gewesen ist.“<br />
Wilhelms Verwandtschaft in Dillenburg kümmerte sich in<br />
besonderer Weise um das vermeintliche „Kuckuckskind“. In<br />
ihren ersten dreieinhalb Lebensjahren durfte Christine noch<br />
bei ihrer Mutter leben. Das erste Jahr in Siegen, danach auf<br />
der Burg in Beilstein, wo man Anna fortan gefangen hielt.<br />
Anfang 1575 kam Christine in die Obhut von Juliana, der<br />
Mutter Wilhelms. Sie hielt wie eine herzliche Großmutter<br />
ihre Hände schützend über die nicht anerkannte Enkelin, so<br />
dass sie in diesem jungen Kindesalter noch nichts von ihrer<br />
„schändlichen Herkunft“ spürte. Hier händigte man ihr auch<br />
nach Annas Tod die persönlichen Dinge ihrer Mutter aus, die<br />
sich noch in Dillenburg befanden.<br />
Nachdem Juliana verstorben war, schickte man die inzwischen<br />
Zehnjährige zur weiteren Ausbildung ins Kloster<br />
Keppel. Es stand nach der Reformation unter dem Patronat<br />
des Nassau-Siegener Grafenhauses. Im „Stift für adlige und<br />
bürgerliche Jungfrauen“ sollten die Adelstöchter für ihre<br />
Verheiratung vorbereitet werden. Man lehrte Rechnen, Lesen<br />
und Schreiben, aber auf dem Stundenplan standen auch<br />
die fraulichen Tätigkeiten wie Kochen, Stricken, Nähen,<br />
Spinnen, Weben und dergleichen mit dem Ziel, einen Haushalt<br />
eigenständig führen zu können. Fremd und fern von<br />
der Familie untergebracht fühlte sich Christine nicht wohl.<br />
Sie könne niemand ansprechen, teilte sie in ihren Briefen<br />
mit, und nirgendwo hingehen, ohne auf die Herkunft angesprochen<br />
zu werden. Sie beklagte sich außerdem, nur über<br />
zerschlissene Kleidung zu verfügen.<br />
Die Nassauer hatten zuvor alle möglichen Anstrengungen<br />
unternommen, Christines sächsische und hessische<br />
Verwandtschaft für die Übernahme zumindest eines Teils<br />
der Kosten für deren finanzielle Versorgung zu begeistern,<br />
doch das blieb vergeblich. Ihr Onkel August, der Kurfürst<br />
von Sachsen, hatte zunächst sogar dazu geraten, das Kind<br />
„abzuschaffen“. Später äußerte er die Befürchtung „sein<br />
Haus könne erneut oder noch einmal in schlechtes Gerede<br />
kommen“. Inzwischen hatte Christine auch selbst erkannt,<br />
dass von ihrer sächsischen Verwandtschaft nichts mehr zu<br />
erwarten war. Schließlich fasste sie den Mut und schrieb<br />
hilfesuchend ihrem Bruder Moritz von Oranien. Dieser<br />
führte inzwischen den Befreiungskrieg seines Vaters weiter<br />
und obwohl auch er hierdurch verschuldet war, bewilligte<br />
er doch eine zusätzliche Beihilfe zum Unterhalt<br />
in Keppel. Es war für Christine eine Erleichterung, dass<br />
sie 1595 als Hofjungfer nach Dillenburg zurückkehren<br />
durfte. Was aber war für die Nassauer der Grund, sich in<br />
dieser bemerkenswerten Weise um die vom „Schweiger“<br />
nicht anerkannte Tochter zu kümmern? Pure Nächstenliebe<br />
kann es kann kaum gewesen sein. Bleibt als anzunehmendes<br />
Motiv schlichtweg ein schlechtes Gewissen.<br />
Zwei Jahre später ebnete Moritz ihr auch den Schritt einer<br />
halbwegs standesgemäßen Vermählung und bewilligte<br />
ein „Hochzeitsgeld“ von 16.000 Gulden. Am 10. Dezember<br />
1597 fand die Heirat mit dem Burggrafen Johann Wilhelm<br />
von Welschenengsten, genannt „Bernkott“, statt. Er<br />
diente als Offizier im nassauischen Dienstadel. In einem<br />
kurz vor ihrer Heirat geschlossenen Ehevertrag verzichtete<br />
Christine auf alle Ansprüche aus dem Hause Nassau<br />
für sich und ihre Erben. Die Hochzeit fand in Dillenburg<br />
statt. Die beinahe 40 Jahre dauernde Ehe soll glücklich<br />
gewesen sein. Das Paar hatte drei Kinder, Hans Heinrich,<br />
Anna Elisabeth und Katharina.<br />
Bernkott blieb dem Amt in Dillenburg verbunden, bis<br />
er 1616 Amtmann im Dienst von Hanau-Münzenberg<br />
wurde. In Langendernbach im südlichen Westerwald zog<br />
die Familie in ein von den Nassauern erbautes Anwesen.<br />
Im Verlauf des zwei Jahre später ausgebrochenen 30-jährigens<br />
Kriegs wurde der gesamte Ort verwüstet, sodass<br />
nach Kriegsende nur noch circa 20 Familien im Ort ansässig<br />
waren. Bernkott kämpfte als Oberstleutnant im<br />
schwedischen Heer und soll 1636 gefallen sein. Christine<br />
floh, nachdem alle familiären Besitzungen teils beschlagnahmt<br />
und verwüstet waren, zu ihrer Tochter und ihrem<br />
Schwiegersohn Arnold von Quernheim ins Elsass. Es ist<br />
nicht überliefert, wann genau Christine verstorben ist. In<br />
der einschlägigen Literatur wird das Jahr 1637, aber auch<br />
1638 genannt. Eva-Maria Herrmann<br />
• Faust und Gretchen im Garten •<br />
Bild: Wikimedia Commons<br />
Die Gretchenfrage<br />
- heute neu gestellt -<br />
Zu Beginn ein Hinweis<br />
Der Begriff „Gretchenfrage“ steht heute im allgemeinen<br />
Sprachgebrauch für eine meist unangenehme<br />
Frage, die direkt an den Kern eines Problems geht<br />
und die Absichten und Gesinnung des Gefragten aufdecken<br />
soll. Sie hat ihren literarischen Ursprung in Johann Wolfgang<br />
von Goethes Drama „Faust 1“. Darin stellt die Figur<br />
Margarete, genannt Gretchen, der Hauptfigur Heinrich<br />
Faust die Frage: „Nun sag, wie hast du´s mit der Religion...“<br />
Von daher gesehen ist die Gretchenfrage im engeren<br />
Sinne eine Frage nach der Religiosität, wie sie auch im<br />
nachstehenden Beitrag verstanden wird.<br />
Farbe bekennen<br />
Es war an einem schönen sonnigen Sonntagmorgen. Die<br />
Strahlen der Sonne hatten die Nacht vertrieben und wärmten<br />
wohltuend die Luft. Ich saß gemütlich und entspannt auf der<br />
Terrasse. Ein belebend frischer Wind wehte und trug aus der<br />
Ferne leises Glockengeläut an mein Ohr, je nach Windstärke<br />
auch mal etwas lauter. Ein wohltuendes Gefühl der Losgelöstheit<br />
erfasste mich, so, als würden meine Gedanken vom<br />
Wind sanft fortgetragen. Und plötzlich tauchte sie auf, ohne<br />
jede Vorwarnung, die berühmte Gretchenfrage aus dem Drama<br />
„Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe: „Nun sag,<br />
wie hast du´s mit der Religion?“ Sie setzte sich in meinem<br />
Kopf fest und ließ mich nicht mehr los. Meine so angenehme<br />
meditative Stimmung war dahin. Ich fühlte mich geradezu<br />
gedrängt (von wem auch immer), meine religiöse Einstellung<br />
auf den Prüfstand zu stellen. Nicht, dass sie neu für mich<br />
gewesen wäre und ich sie mir nicht auch schon immer mal<br />
Marg.:<br />
Faust:<br />
Marg.:<br />
Versprich mir Heinrich<br />
Was ich kann!<br />
Nun sag, wie hast du´s mit der Religion?<br />
Du bist ein herzlich guter Mann,<br />
Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.<br />
Faust: Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;<br />
Für meine Lieben ließ ich Leib und Blut.<br />
Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.<br />
Marg.: Das ist nicht recht, man muss dran glauben.<br />
Faust: Muß man ?<br />
• aus Goethes Faust I Vers 3415 •<br />
wieder gestellt hätte. Nein, das nicht. Aber bisher waren meine<br />
Überlegungen zu dieser Frage eher halbherzig und wenig<br />
überzeugend. Ich erkannte, dass sie bei näherer Betrachtung<br />
keine Nullachtfünfzehn - Frage ist, wie z.B. die nach dem<br />
beliebtesten Fußballverein, der favorisierten politischen Partei<br />
oder dem schönsten Urlaubsziel. Nein. Die Gretchenfrage<br />
ist eine für den Befragten – in diesem Fall für mich selbst<br />
– eine sehr persönliche, ja intime Gewissensfrage, die einen<br />
herausfordert, in religiöser Hinsicht Farbe zu bekennen, ob,<br />
und wenn ja, an wen oder was ich glaube. Sie fragt nach<br />
meiner religiösen Einstellung, was für mich gleichbedeutend<br />
ist mit der Frage nach dem Fundament und dem Kern, auf<br />
dem mein Leben aufgebaut ist. Der Frager will „nur “ wissen,<br />
ob ich an Gott glaube, was einem religiösen Bekenntnis<br />
gleichkommt. Etwas anschaulicher und kontrastreicher<br />
formuliert: Für wen oder was ich mich beim ehrfürchtigen<br />
Anblick des nächtlichen Sternenhimmels in den unendlichen<br />
Weiten des Kosmos und dem heute umfassenden Wissen und<br />
den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften halte?<br />
Bin ich ein beseeltes und gewolltes Geschöpf Gottes, oder<br />
ein aus der Natur hervorgegangenes, gottloses Zufallsprodukt<br />
der Evolution? Oder gar beides? Nicht mehr, aber auch<br />
nicht weniger, denn heute, in einer zunehmenden Säkularisierung<br />
der Gesellschaft, in der der Glaube an die Existenz<br />
Gottes (Transzendenz 1 ) immer mehr einem Glauben<br />
an die Erkenntnisse der Naturwissenschaften (Immanenz 1 )<br />
weicht, wird es zunehmend schwieriger, eine überzeugende<br />
und glaubhafte Antwort auf die Gretchenfrage zu geben. In<br />
der Auseinandersetzung zwischen Theologie und Atheismus<br />
stehen sich Glaube und Vernunft auf der Suche nach der<br />
Wahrheit unversöhnlich gegenüber. Der eigene Glaube gerät<br />
gehörig ins Wanken, wenn er mit der aggressiven und <br />
64 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 65
Essay<br />
Essay<br />
provokanten Frage der Atheisten konfrontiert wird: „Denkst<br />
du schon oder glaubst du noch “ Suggeriert diese Frage doch<br />
indirekt, dass ein heute noch gläubiger Christ rückständig,<br />
naiv und vernunftwidrig ist. An Gott glauben ist etwas für<br />
die ewig Gestrigen, Schwachen und Dummen. Und wer will<br />
das schon von sich sagen lassen? Wie es auch sei, zum Glück<br />
kann heute in unserer Gesellschaft, ganz im Gegensatz zu<br />
früheren Zeiten, jeder Mensch, ob bekennender Christ oder<br />
überzeugter Atheist, frei und offen seine eigene subjektive<br />
Meinung äußern, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit persönlichen<br />
Repressalien rechnen zu müssen, oder gar auf dem<br />
Scheiterhaufen verbrannt zu werden.<br />
Dass die Argumente des Atheismus schnell auf fruchtbaren<br />
Boden fallen, hat verschiedene Ursachen. Eine davon<br />
liegt darin, dass die in der Kindheit vermittelten christlichreligiösen<br />
Glaubensinhalte bei vielen Menschen über die<br />
Jahre hinweg und mit zunehmendem Alter verblasst sind<br />
und mit ihnen der feste Glaube an Gott. Bei breiten Bevölkerungsschichten<br />
ist das Gefühl für das Göttliche, das religiöse<br />
Suchen und Ahnen meist abgestumpft oder wie bei<br />
vielen ehemaligen DDR-Bürgern erst gar nicht vorhanden.<br />
Ein fruchtbarer Nährboden für einen Atheismus der Gleichgültigkeit<br />
und einer wachsender Religionslosigkeit. In dem<br />
heutigen gestressten Leben, mit all seinen vielfältigen Herausforderungen,<br />
seinen großen und kleinen Sorgen und<br />
Ängsten spielt Gott kaum noch eine Rolle. Auf dem sich immer<br />
schneller drehenden Karussell des Lebens, auf dem sich<br />
täglich die Ereignisse überschlagen und in einer zunehmend<br />
digitalisierten Kommunikation und Smartphone bestimmenden<br />
Spaßgesellschaft, verbunden mit einer 24-stündigen Verfügbarkeit,<br />
d.h. immer und überall erreichbar zu sein, hat<br />
Gott keinen Platz mehr. Wozu noch an ihn glauben? Gott ist<br />
antiquiert und wird nicht mehr gebraucht. Viele vernünftig<br />
klingende Gründe des modernen Atheismus sprechen gegen<br />
seine Existenz. Und diese Gründe sind nicht neu, sie sind<br />
sozusagen zeitlos. So lässt schon Friedrich Nietzsche (1844-<br />
1900) in seiner Schrift: Die fröhliche Wissenschaft den „tollen<br />
Menschen“ resigniert und provokativ sagen: „Gott ist tot!<br />
Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet...!“<br />
Ist es im Dunstkreis solcher Einstellungen und Aussagen<br />
da verwunderlich, dass allein im Jahr 2015 insgesamt 391.925<br />
Menschen aus ihrer Kirche (katholisch und evangelisch) ausgetreten<br />
sind? Gehörten 1991 noch 64,4 Prozent der Gesamtbevölkerung<br />
einer christlichen Glaubensgemeinschaft an, so<br />
waren es 2015 nur noch 56 Prozent (siehe Kirchenaustritte.de).<br />
Die Gründe für diese anhaltende und weiter ansteigende Entwicklung<br />
den Kirchen den Rücken zu kehren, sind vielfältig<br />
und liegen ursächlich in einem großen Vertrauensverlust gegenüber<br />
der Kirche als Institution, als auch in einer sprichwörtlich<br />
verlorengegangenen Glaubwürdigkeit in Bezug<br />
auf Glaubens- und Lehrinhalte. Nicht zu vergessen die Einsparung<br />
der nicht unerheblichen Kirchensteuer. Zu diesem<br />
wachsenden Schwund an Kirchenmitgliedern durch Austritte<br />
kommt noch der Einfluss des demografischen Wandels,<br />
denn es sterben deutlich mehr Gläubige als durch Taufen<br />
oder (Wieder)-Eintritte hinzukommen. Da taucht doch am<br />
Horizont die Frage auf: „Quo vadis“ Kirchen?<br />
Aber bei etwas genauerem Hinsehen ist festzustellen,<br />
mit dem Kirchenaustritt ist nicht zwangsläufig auch immer<br />
die Leugnung der Existenz Gottes verbunden. Viele Menschen<br />
sagen heute: Gott ja, Institution Kirche nein. Sie sind<br />
auch ohne Kirchenzugehörigkeit noch „gottgläubig“ d.h.<br />
sie glauben zwar an die Existenz einer jenseitigen, ihnen<br />
fremden, höheren Macht, haben aber keine festen religiösen<br />
Glaubensinhalte mehr. Sie sind, spirituell betrachtet,<br />
wie heimatlose Wanderer, auf der Suche nach einem festen<br />
Fundament, oder besser gesagt, nach einem absoluten<br />
Gegenüber, zu dem sie vertrauensvoll „DU“ sagen können<br />
und das ihrem Leben Halt und Orientierung bietet. „Einen<br />
Gottlosen habe ich noch nie gesehen, nur Ruhelose sind mir<br />
begegnet“. (F.W. Dostojewski). Mir scheint, es ist gerade<br />
diese stetig wachsende Zahl der Gottessucher, die in der Kirche<br />
keine religiöse Ausrichtung mehr finden, bei denen die<br />
Argumente der Atheisten auf fruchtbaren Boden fallen und<br />
die Vernunft gegenüber dem Glauben obsiegt, allerdings um<br />
den Preis der Gewissheit einer getragenen Geborgenheit,<br />
vertrauensvollen Hoffnung und angst-befreienden Liebe.<br />
Theologie vs. Atheismus<br />
(das Theodizee-Problem 3) )<br />
Bei den Überlegungen und der Suche, auf die religiöse<br />
Gretchenfrage eine persönlich befriedigende Antwort zu<br />
finden ist es sinnvoll, auch etwas über den Atheismus zu<br />
wissen. Der Begriff Atheismus ist im alltäglichen Sprachgebrauch<br />
reich an Varianten und oft unscharf und nicht zu<br />
verwechseln mit dem Agnostizismus, der die Frage nach<br />
der Existenz Gottes für offen und nicht lösbar hält. Atheismus<br />
ist Gottesleugnung, keine Gotteslästerung (Blasphemie)<br />
und kein Antitheismus (Religion ist schädlich). Viele<br />
Atheisten bezeichnen sich auch als Naturalisten oder Humanisten.<br />
Gemeinsam haben sie das Credo des Atheismus:<br />
„Nicht Gott erschuf den Menschen, sondern der Mensch<br />
erschuf Gott ‚nach seinem Bilde‘.“ 2)<br />
Die wohl schärfste Speerspitze des Atheismus gegenüber<br />
der Theologie ist auch heute noch das Theodizee-Problem 3) ,<br />
die Unvereinbarkeit zwischen dem metaphysischen Gottesbild<br />
der Theologie: Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig<br />
und der täglich erfahrbaren Weltwirklichkeit, wie sie ist,<br />
voll von unsäglichem und unschuldigen Leiden und Sterben<br />
von Mensch und Tier. Wie kann ein allgütiger, allmächtiger<br />
und allwissender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist und<br />
von dem man sagt, dass er die Liebe sei, soviel Leid, Elend,<br />
Schmerz, Bedrängnis und Verzweiflung zulassen, in einer<br />
Welt, die er doch selbst erschaffen hat und deren Schöpfer<br />
er ist? Diese Unvereinbarkeit, das Theodizee-Problem 3) hat<br />
bereits in der Antike der griechische Philosoph Epikur (341-<br />
271 v. Chr.) so messerscharf formuliert:<br />
Gott will entweder die Übel nicht beseitigen oder kann es nicht,<br />
oder er kann es, will aber nicht,<br />
oder er will es weder noch kann er es;<br />
oder er will es und kann es.<br />
Wenn er es kann und nicht will,<br />
so ist er missgünstig und schwach und daher auch kein Gott.<br />
Wenn er es aber will und kann, was allein Gott zukommt,<br />
woher stammen also die Übel und warum beseitigt er sie nicht?<br />
Dieser unauflösbare Widerspruch ist so etwas wie der<br />
Fels des Atheismus. Die einzige Auflösung dieses Widerspruchs<br />
liegt für den Atheisten in der Nichtexistenz Gottes.<br />
Der „gute Ruf“ Gottes in Verbindung mit seinen ihm zugeschriebenen<br />
drei Attributen ist nur zu retten, wenn es Gott<br />
nicht gibt. Hier aber ist zu bedenken: In letzter Konsequenz<br />
lässt sich die Nichtexistenz Gottes ebenso wenig nachweisen<br />
wie seine Existenz. Die Frage nach der Existenz Gottes<br />
ist logisch nicht zu beantworten. Der Versuch schwankt immer<br />
zwischen Glaube und Vernunft.<br />
Aber der moderne Atheismus von heute hat noch einen<br />
weiteren Pfeil von besonderer Qualität in seinem Argumentations-Köcher.<br />
Dabei geht es nicht mehr um die Frage<br />
nach der Existenz Gottes, sondern um die Frage nach<br />
seiner Notwendigkeit. Der Atheist von heute fragt: Wozu<br />
brauche ich Gott? Ich brauche ihn nicht für ein gelingendes<br />
Leben, für Freundschaften und Liebesbeziehungen,<br />
für eine praktizierende Nächstenliebe, Solidarität und<br />
Hilfsbereitschaft, für Ethik und Moral und zur Erklärung<br />
dieser Welt. Gott antwortet nicht, wenn ich ihn brauche,<br />
er schweigt und offenbart sich nicht, sondern bleibt unerkennbar<br />
im Verborgenen. Wozu dann noch Gott? Gott ist<br />
überflüssig, denn der Mensch, so der moderne Atheismus,<br />
wird in vollkommener Selbstverantwortung gesetzt, wie<br />
es dem heutigen Menschenbild zu entsprechen scheint. Für<br />
den Kampf gegen all die Übel in der Welt sind wir Menschen<br />
freiheitlich selbst verantwortlich. Es ist immer nur<br />
die Hand eines Menschen, durch die wir Trost, Beistand<br />
• Epikur, griech. Philosoph der Antike •<br />
und Hilfe erfahren. Sich hierbei auf eine „höhere Instanz“<br />
zu verlassen, ist für den modernen Atheismus nicht zulässig.<br />
Nicht zuletzt die grausamen Erfahrungen menschlichen<br />
Leidens in den zwei Weltkriegen des vergangenen<br />
Jahrhunderts, die systematische, millionenfache Vernichtung<br />
von Juden im Dritten Reich, ergänzt durch immer<br />
wiederkehrende Umwelt- und Naturkatastrophen, lassen<br />
an der Existenz eines allgütigen und allmächtigen Gottes<br />
nicht nur zweifeln, sondern eine solche Vorstellung als<br />
unmöglich wahr erscheinen. Von daher gesehen verbietet<br />
sich für den Atheisten der Glaube an Gott.<br />
Atheismus aus Verzweiflung<br />
Bild: Wikimedia Commons<br />
Ich kenne keinen gläubigen Katholiken, der unter dem<br />
unlösbaren Widerspruch zwischen dem allgütigen, allmächtigen<br />
und allwissenden Schöpfer (dem Vater im Himmel)<br />
und seiner aus der Evolution hervorgegangenen Schöpfung<br />
so tief gelitten hat wie Reinold Schneider (1903-1958) ein<br />
überragender Dichter des 20. Jahrhunderts und Träger des<br />
Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. In seinem letzten<br />
Buch „Winter in Wien“, dass er nur wenige Tage vor<br />
seinem Tod dem HERDER-Verlag übergab, bezieht <br />
66 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 67
Essay<br />
er sich auch auf die Natur. Er lässt den wilden Kampf ums<br />
Überleben in der Tierwelt durch Besuche im Naturhistorische<br />
Museum in Wien auf sich wirken und findet das ewig<br />
wiederkehrende Naturgeschehen vom Fressen und Gefressenwerden<br />
auch in dem zerstörerischen Wahn kriegerischer<br />
Auseinandersetzungen der Menschen wieder. Nachstehend<br />
einige ausdrucksstarke Textpassagen zur Verdeutlichung seiner<br />
seelischen Zerrissenheit und Verzweiflung: „Wollte ich,<br />
was sich in mir während dieses Winters ereignet im Gespräch<br />
mit dem Phänomen Wien pathetisch ausdrücken, so müsste<br />
ich von einem inneren Unfall sprechen, vom Einbruch der<br />
dunklen Wasser in einem leer gewordenen Raum, einem Einbruch<br />
also von unten her. Man blickt nicht ungestraft in den<br />
Kosmos, die Tiefsee, die Geschichte – und vielleicht auch<br />
nicht ungestraft in sich selbst, in den Menschen“ (Seite 110).<br />
„Aber man gehe nur einmal durch das Naturhistorische Museum<br />
und Gott ist ebenso nahe wie fern. Es ist unmöglich,<br />
ihn vor dieser unübersehbaren Gestaltenwelt, dieser entsetzlichen<br />
Fülle der Erfindungen zu leugnen, ihn zu leugnen vor<br />
der absurden Architektur des Dinosauriers, eine Kathedrale<br />
der Sinnlosigkeit“ (Seite 129). „Dieses sich zerfleischende<br />
Elend (Seite 130). „Der schönste Vogel hascht im Fluge den<br />
schönsten Schmetterling, er pflückt die Schwingen ab und<br />
und lässt sie dahinwehen und verschlingt den zarten Leib,<br />
der sich für seine kurze Dauer mit ein wenig Nektar begnügte<br />
und schutzlos das Farbenspiel der Flügel, ein Blitz aus<br />
den Händen des Vaters an die Welt verschenkte (Seite 130).<br />
„Mir ist es, als zerrten Engel und Teufel an meiner Seele“<br />
(Seite 143). „Die Bewunderung der Zweckmäßigkeit, mit<br />
der ein Tier zur Vernichtung des anderen ausgestattet ist,<br />
• Sixtinische Kapelle, Michelangelo, Erschaffung des Adam •<br />
der Bienenwolf zum Verderb der Bienen, die Wasserspinne<br />
zum Fischfang, der Ameisenbär für die Ameisen, grenzt an<br />
Verzweiflung“ (Seite 178). „Die aber Leben erzeugen, töten<br />
ohne Gnade“ (Seite 178).<br />
„Aber wieder zerstört Leben sich selbst“ (Seite 213). „Leben<br />
zerstört Leben um zu leben. Das ist die Verdammnis<br />
zum Dasein, eine rotierende Hölle, das Nichts in der Erscheinungsform<br />
der Qual“ (Seite 213). „Allenthalben ist das Leben<br />
auf dem Weg zu seinem Tode“ (Seite 221). „Der Zweifel<br />
ernährt den Glauben, der Glaube den Zweifel“ (Seite 242).<br />
Für Reinold Schneider hat sich während seines Aufenthaltes<br />
in Wien das Antlitz Gottes verdunkelt. Am Ende seines<br />
Buches gibt er offen zu, am Rande des Unglaubens zu leben.<br />
Er fühlt sich den Atheisten tief verbunden, hat aber trotzdem<br />
noch das Bedürfnis, sich in kleine leere Kirchen in<br />
Wien zu setzen und den in weite Ferne schwindenden Gott<br />
anzusprechen im Gebet.<br />
Fazit: Was ist der Mensch?<br />
Bild: Wikimedia Commons<br />
Reinold Schneider hat recht mit seiner Aussage: „Man<br />
blickt nicht ungestraft in den Kosmos, die Tiefsee, die Geschichte<br />
– und vielleicht auch nicht ungestraft in sich selbst,<br />
in den Menschen.“<br />
Von daher gesehen ist die Gretchenfrage – wie bereits<br />
eingangs erwähnt – auch keine leichte und oberflächliche<br />
Alltags-Frage, die mal eben schnell beantwortet werden<br />
kann, sondern eine ernsthafte, ganz persönlich tiefgreifende<br />
Lebensfrage an jeden Einzelnen von uns. Warum? Weil<br />
bei der Auseinandersetzung mit ihr schnell die bereits über<br />
Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hinweg anhaltende<br />
Suche nach dem „Bild des Menschen“ sichtbar wird. Wer<br />
sind wir? „Was ist der Mensch?“ Eine kurze, aber elementare,<br />
schwierige und hoch komplexe Frage der Anthropologie<br />
(der Wissenschaft des Menschen), auf die berühmte Philosophen,<br />
Theologen, Physiker, Psychologen und Biologen<br />
seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart hinein versuchen<br />
und versucht haben, je nach ihrem Fachgebiet, eine glaubhafte<br />
und begründete Antwort zu finden.<br />
Kein Wunder, dass wir solch einer schwierigen Frage<br />
lieber aus dem Wege gehen. Trotzdem. Was ist es, dass uns<br />
Menschen im Innersten zusammenhält? Ich denke, jeder<br />
Mensch sollte in seinem Leben einmal der Frage nachspüren:<br />
Wer bin ich eigentlich? Ein schwieriges aber lohnendes<br />
Unterfangen. Der Philosoph Richard David Precht geht dieser<br />
Frage in seinem bereits 2007 erschienenen Buch: „Wer<br />
bin ich, und wenn ja wie viele“ auf eine, wie ich finde, sehr<br />
lesenswerte Weise ausgiebig nach. Das Buch regt an, sich<br />
zu fragen, für wen oder was halte ich mich? Bin ich ein<br />
aus der über Jahrmillionen dauernden Evolutionsentwicklung<br />
aus dem Tierreich hervorgegangenes, rein zufälliges,<br />
vorbildloses Geschöpf, ein reines Naturprodukt, nur den<br />
Gesetzen der Natur erbarmungslos ausgesetzt, ohne irgendeine<br />
personenhafte existenzielle Sinnhaftigkeit, oder bin ich,<br />
tief verankert in mir, eine bewusst von Gott geschaffene<br />
und gewollte einzigartige, unverwechselbare Person? Und<br />
mit Person ist hier weit mehr gemeint als die Summe all<br />
meiner Eigenschaften, Neigungen und Fähigkeiten, mehr<br />
als ein Produkt menschlicher Kulturentwicklung. Mit dem<br />
Aufscheinen der Personalität entsteht unendlich viel mehr<br />
als ein bloßes soziales Wesen, denn jede Person bildet eine<br />
unwiederholbare und einmalige Welt für sich. Mit ihr verbinden<br />
sich zwei unverkennbare wesentliche Elemente für<br />
das Menschsein auf dieser Erde überhaupt: Hoffnung und<br />
Liebe. Begriffe, die die Natur nicht kennt. Sie kennt nur das<br />
Gesetz des Stärkeren, den nackten Trieb der Arterhaltung<br />
und mit ihm das Fressen und Gefressen werden Religion<br />
aber ist ein Ort der Hoffnung. Erst durch das Bewusstsein,<br />
eine freie und unverwechselbare Person zu sein, entfaltet<br />
sich der Sinn meines Lebens. Zu einer Person werden wir<br />
Menschen aber erst durch ein Gegenüber. Erst durch das<br />
Gegenüber einer anderen Person spüren und erkennen wir<br />
unsere eigene, einmalige unzerstörbare Persönlichkeit. Eine<br />
Person formt sich nur in Gegenwart des Wohlwollens und<br />
der Zugewandtheit einer anderen Person. 4)<br />
Für den Theologen Eugen Drewermann ist Gott dieses<br />
wohlwollende Gegenüber, das absolute DU, in radikaler Andersheit<br />
zum menschlichen Dasein, im Hintergrund dieser<br />
Welt. Für ihn bedürfen wir: „inmitten des Dilemmas unserer<br />
menschlichen Existenz, eines Gottes zur Befreiung von dem<br />
Einerlei des alltäglichen Grauens inmitten der Natur. Nicht<br />
die Versöhnung mit der Welt, ihrer Überwindung gilt die<br />
Religion.“ 4) In seinem umfangreichen Buch „Atem des Lebens“<br />
beschäftigt sich Eugen Drewermann ausführlich mit<br />
der Frage, was sie im christlichen Sinne denn ist, eine Person.<br />
Der Gretchenfrage einmal nachzuspüren bietet die Möglichkeit<br />
der Selbstkontrolle und Überprüfung der eigenen religiösen<br />
Position. Mit ihr verbunden ist immer auch die Frage<br />
nach dem Fundament auf dem mein Leben aufgebaut ist.<br />
Zum Abschluss zwei Zitate bekannter Personen als Anregung.<br />
Charles Darwin (1809-1882): Ich habe niemals die Existenz<br />
Gottes verneint. Ich glaube, dass die Entwicklungstheorie<br />
absolut versöhnlich ist mit dem Glauben an Gott.<br />
Die Unmöglichkeit des Beweises und Begreifens, dass das<br />
großartige über alle Maßen herrliche Weltall ebenso wie<br />
der Mensch zufällig geworden ist, scheint mit das Hauptargument<br />
für die Existenz Gottes.<br />
Werner Heisenberg (1901-1976), Atomphysiker: Der<br />
erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht<br />
atheistisch. Aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.<br />
Eberhard Freundt<br />
Hinweise: 1 ) Der Begriff Transzendenz steht in der Philosophie und Theologie für das grundsätzlich<br />
Nicht-Erfahrbare, das sich der sinnlichen und geistigen Erkenntnis entzieht. Es ist<br />
nicht in den Kategorien von Zeit, Raum oder Stofflichkeit beschreibbar. Transzendenz wird<br />
häufig auch als Synonym für das Göttliche und Unbegreifliche verwendet, das nur in einem<br />
‚Überschreiten‘ der begrifflichen Erfahrungswelt erfasst oder geahnt werden kann.<br />
Im Gegensatz zur Transzendenz steht die Immanenz (das Immanente), das in den sinnlich<br />
zugänglichen Dingen enthalten ist und deshalb keines Rückgriffs auf die Transzendenz<br />
bedarf. Die Transzendenz ist wesensnotwendig unabhängig von den in der Welt vorhandenen<br />
Gegenständen oder geht über diese hinaus. (definition-online.de)<br />
2)<br />
Ludwig Feuerbach (18<strong>04</strong>-1872). 3) Die Theodizee ist ein in der Alltagssprache<br />
weitgehend ungebräuchlicher Begriff. Eingeführt wurde er von Gottfried Leibniz und er<br />
bedeutet „die Rechtfertigung Gottes“. Er umfasst die Frage, warum Gott Leiden zulässt,<br />
obwohl er die Macht hätte, es zu verhindern. (Wikipedia) 4) Eugen Drewermann „Atem<br />
des Lebens“ Band 2 die Seele (2007)<br />
68 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 69
Weihnachtsmärkte<br />
V e r a n s ta lt u n g e n im Seniorenbegegnungszentru m<br />
der Universitätsstadt Siegen<br />
in der Region<br />
bis 14.01.2018 Winterzauber täglich,<br />
12-21, So. ab 14 Uhr, im Innenhof der<br />
Sparkasse Siegen, Morleystr.<br />
bis 23.12. täglich, in Siegen, Weihnachtsmeile<br />
von der Unter- bis zur<br />
Oberstadt. Mo. bis Do.. 11-21, Fr.-Sa.<br />
11-22, So. 11-21 Uhr<br />
bis 23.12. Weihnachtsmarkt in Siegen-<br />
Weidenau, Siegerlandzentrum täglich<br />
11–21, So. 12 – 19 Uhr<br />
bis 30.12. Herborner Weihnachtsmarkt,<br />
historische Altstadt, täglich, Mo.-<br />
Sa.11–20 Uhr, So. ab 13 Uhr, Weihnachten<br />
geschlossen<br />
Do. 30. 11. bis 3.12. Olpe, historischer<br />
Weihnachtsmarkt Marktplatz, Do. und<br />
Fr. 14–22, Sa. 11–23, So. 11–19 Uhr<br />
Dezember<br />
Fr. 1. bis So. 3. Freudenberg, Fr. 18–<br />
21, Sa. 12–21, So. 12–18 Uhr<br />
Sa. 2. Siegen-Niederschelden, Auf der<br />
Burg, ab 12 Uhr<br />
Sa. 2. Bad Laasphe, Wilhelmsplatz,<br />
14–20 Uhr auch So. 11–18 Uhr<br />
Sa. 2. Siegen-Gosenbach, Am Backl,<br />
ab 11 Uhr<br />
Sa. 2. Bad Berleburg-Diedenhausen,<br />
ab 11 Uhr<br />
Sa. 2. Wilnsdorf-Rudersdorf, Haus<br />
Heimat 17 Uhr<br />
Sa. 2. und So. 3. Weihnachts-Werkstatt<br />
im Technikmuseum Freudenberg Olper<br />
Straße Sa., 14–18 Uhr, So.10–17 Uhr<br />
Sa. 2. und So. 3. Adventmarkt, Neunkirchen,<br />
am Rathaus, ab 11 Uhr<br />
So 3. Bad Blb.-Weidenhausen, 15–23 Uhr<br />
So. 3. Wilnsdorf, Marktplatz, 11–18 Uhr<br />
Sa. 3. Bad Berleburg-Arfeld, rund um<br />
die Kirche, 11–24 Uhr<br />
So. 3. Adventmarkt, Burbach-Niederdresselndorf,<br />
Im alten Dorf, ab 11 Uhr<br />
Sa. 2. und So. 3. Crombacher Weihnachtsmarkt,<br />
rund um die Krombacher<br />
Halle, 14–20 Uhr<br />
So 3. Bad Berleburg-Weidenausen,<br />
15–23 Uhr<br />
Do. 7. bis So. 10. Kreuztal, Lichterglanz<br />
im Park, Dreslers Park, Do. 16–<br />
22, Fr. 14–22, Sa 11–22, So. 11–19 Uhr<br />
Foto: Ingrid Drabe<br />
Do. 7. bis 10. Olpe, historischer Weihnachtsmarkt<br />
Marktplatz, Do. und Fr.<br />
14–22, Sa. 11–23, So. 11–19 Uhr<br />
Fr. 8. und Sa. 9. Adventmarkt für Netpher<br />
in Not, Obernetphen, Marktplatz Fr. ab 18<br />
Uhr, So. ab 13 Uhr<br />
Sa. 9. Adventmarkt, ARGE Setzen, Kapellenschule<br />
Si.-Obersetzen, ab 15 Uhr<br />
Sa. 9. Adventmarkt Bad-Berleburg-Arfeld,<br />
ab 11 Uhr<br />
Sa. 9. und So. 10. Erndtebrück Adventmarkt,<br />
an der evangelische Kirche,<br />
Sa. 15–21, So. 14–19 Uhr<br />
Sa. 9. und So. 10. Burbacher Weihnachtsmarkt,<br />
Sa. 15–22.30, So. 13–18 Uhr<br />
Fr. 15. bis So. 17. Kreuztal-Littfeld, Bürgertreff<br />
Kapellenschule, 16–21Uhr<br />
Fr. 15. bis So. 17. WeihnachtsZeitreise,<br />
Bad-Berleburg Schlosshof und Goetheplatz<br />
Fr. ab 18.30, Sa. ab 15 und So. ab 11 Uhr<br />
Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />
Telefon 02 71 / 6 61 03 35<br />
durchblick - siegen e.V.<br />
02 71 / 6 16 47 und 01 71 / 6 20 64 13<br />
ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.<br />
Trauercafé0271/ 5 34 46<br />
Senec@fé 02 71/ 2 50 32 39<br />
SeniorenServiceStelle 0271 / 38 78 616-2<br />
Seniorenbeirat02 71 / 4<strong>04</strong>-2202<br />
Englischkurse 0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />
montags<br />
10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe<br />
10:00 - 12:00 SeniorenServiceStelle<br />
geöffnet<br />
10:00 - 12:00 Werkstatt geöffnet<br />
14:00 - 18:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
Computertreff<br />
dienstags<br />
09:00 - 12:00 ALTERAktiv-Senec@fé,<br />
Computertreff<br />
10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe<br />
10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
10:00 - 12:00 Malgruppe (außer 1.Di.Monat)<br />
Haus Herbstzeitlos<br />
57074 Siegen, Marienborner Str. 151<br />
www.unser-quartier.de/haus-herbstzeitlos-siegen<br />
Film- und Video-Club 027 32 /1 24 60<br />
SHG Sauerst. Therapie 02 71 / 37 03 54<br />
Gedächtnistraining 0271 / 8 49 99<br />
Lesepaten 02739 / 2290<br />
Malgruppe 0271 / 3 73 87<br />
Selbstverteidigung 0160 / 830 18 67<br />
Werkstatt02 71 / 6 27 76<br />
mittwochs<br />
09:00 - 12:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
Computertreff<br />
09:30 - 11:00 Englischkurs auf Anfrage<br />
0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />
10:00 - 12:00 SeniorenServiceStelle<br />
geöffnet<br />
10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
11:00 - 12:30 Englischkurs auf Anfrage<br />
14:00 - 18:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />
14:30 - 16:30 Handarbeiten mit der<br />
Seniorenhilfe<br />
14:30 - 16:30 Werkstatt geöffnet<br />
15:00 - 17:00 Singen mit der<br />
Seniorenhilfe<br />
19:00 - 21:00 Regenbogentreff<br />
Spielen und Klönen<br />
19:00 - 22:30 Film und Videoclub<br />
donnerstags<br />
09:30 - 10:30 Selbstverteidigung<br />
10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe<br />
10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />
durchblick geöffnet<br />
freitags<br />
10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />
Seniorenhilfe<br />
11:00 - 14:00 Englischkurse (2)<br />
0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />
samstags<br />
09:00 - 12:00 Wandergruppe<br />
der Seniorenhilfe<br />
Das Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos befindet sich hinter der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Str. / Blumenstr.<br />
Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus<br />
Foto: Rita Petri<br />
durchblick verlost Freikarten<br />
„Passt schon“ mit Konrad Beikircher<br />
12. Januar 2018 ab 20 Uhr im Kulturhaus Lyz Siegen<br />
Die Zeiten werden immer komplizierter,<br />
keiner blickt mehr durch und alle verstecken<br />
sich immer mehr in der Überschaubarkeit<br />
der Region, in der sie leben. Da<br />
liegt es auf der Hand, dass der Experte<br />
für Regionalsprachen, Konrad Beikircher,<br />
mal schaut, worin sich die Regionen überhaupt<br />
unterscheiden: Wenn der Mensch<br />
ist, wie er spricht, haben da aber viele<br />
Regionen ganz ganz schlechte Karten.<br />
Und weil der Beikircher ein Mensch ist,<br />
der mitten im Leben steht, auch im vernetzten<br />
Leben, erzählt er uns auch einiges<br />
übers Älterwerden und Jungseinmüssen.<br />
Gewinnen können Sie<br />
3 x 2 Eintrittskarten,<br />
wenn Sie bis 31. Dezember eine<br />
Nachricht mit Namen, Telefonnummer und<br />
dem Vermerk Freikarten an uns senden:<br />
Redaktion durchblick<br />
Marienborner Str. 151<br />
57074 Siegen<br />
oder:<br />
gewinnspiel@durchblick-siegen.de<br />
Die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt.<br />
Die Tickets werden auf Ihren<br />
Namen an der Abendkasse hinterlegt.<br />
Normale Eintrittskarten sind bei allen bekannten<br />
Vorverkaufsstellen erhältlich.<br />
Die Gewinner unserer Verlosungen<br />
Foto: Veranstalter<br />
Je zwei Karten für „Rock am Stock“ gewannen: Rita<br />
Schmidt, Netphen; Berthold Heer, Kreuztal und Carin-<br />
Maria Strunk, Kreuztal. • Je zwei Karten für„Christian<br />
Ehring“ gewannen: Bettina Warnecke, Bad Laasphe;<br />
Sandra Ohrndorf, Freudenberg und Ewald Seiffarth,<br />
Kreuztal. • Je ein Buch „Pinnegars Garten“ gewannen:<br />
Marianne Rickert, Siegen; Mena Petito, Freudenberg<br />
und Anne Böcher Siegen.<br />
70 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 71
montags:<br />
10.00 Seniorengymnastik mit Anne<br />
Freudenberger, im Gemeinschaftsraum<br />
Dr. Ernst-Schuppener-Haus, Stadtteilbüro<br />
Heidenberg, 0271-23418872<br />
14.00 Montagscafé des DRK Ortsverein<br />
Siegen Nord e.V., Schneppenkauten<br />
1, 57076 Siegen-Weidenau<br />
0271-76585<br />
14.30 Handarbeitstreff: „Regiestelle<br />
Leben im Alter“ Rathaus Weidenauer<br />
Straße 215, 0271/4<strong>04</strong>-2200<br />
20.30 Tangosalon: Milonga, Tango<br />
Argentiono - Gefühle tanzen, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
Jeden 1. Montag im Monat<br />
14.30 Singen AWO-OV Siegen, Begegnungsstätte<br />
Rosterstr. 186,<br />
0271/53383<br />
19.00 Trauergruppe der Ambulanten<br />
Hozpizhilfe, Stiftung Diakoniestation<br />
Kreuztal, Ernsdorfstr. 3, 02732/1028<br />
20.00 Tango Schnupperkurs (bis 21<br />
Uhr), anschließend Tangosalon, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.18<br />
Jeden 2. Montag im Monat<br />
10.00 Frühstückstreff: AWO-Ortsverein<br />
Siegen, im der Begegnungsstätte Rosterstr.<br />
186, Siegen, 0271/339857<br />
10.00 Trauercafé der Ambulanten<br />
ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V.;<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. 0271/23602-67<br />
15.15 Montagsgespräch des „Bund<br />
der Vertriebenen“ – Diskurs zum aktuellen<br />
gesellschaftspolitschen Zeitgeschehen<br />
Geschäftsstelle Siegen, Seilereiweg<br />
6 0271/82838<br />
18.30 „Anders Altern“ Gruppe für<br />
gleichgeschlechtliche Lebende und<br />
Liebende, Begegnungszentrum Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Wiederkehrende<br />
Jeden 3. Montag im Monat<br />
15.00 ALTERAktiv, Lesepaten, städtisches<br />
Begegnungszentrum Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Straße 151 02739-2290<br />
16.30 Selbsthilfegruppe Durchblutungsstörungen<br />
in den Beinen Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. 151 310781<br />
18.30 Treffen Selbsthilfegruppe:<br />
Sauerstoff-Langzeit-Therapie „Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen“ 370354<br />
Jeden 4. Montag im Monat<br />
14.30 Kaffeekränzchen: AWO-<br />
Ortsverein Siegen, in der Begegnungsstätte<br />
Rosterstr. 186<br />
Letzter Montag im Monat<br />
19.00 Selbsthilfegruppe Asthma und<br />
Bronchitis Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
Marienborner Straße 151<br />
02737/3308<br />
dienstags:<br />
17.00 Interkultureller Chor Siegerland<br />
Span. Zentrum Siegen, St.-<br />
Michael-Straße 3<br />
14.00-16.00 Handarbeitskreis der<br />
SeniorenServiceStelle, Sozialraum des<br />
Rathauses Netphen, Amtsstraße 2+6<br />
Jeden 1. Dienstag im Monat<br />
9.00 Die Creativen Siegen, städtisches<br />
Begegnungszentrum Haus<br />
Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Ste.151 02737-3455<br />
15.00 ALTERAktiv Lesepaten, Begegnungszentrum<br />
„Haus Herbstzeitlos“<br />
Siegen, 02739/2290<br />
Jeden 2. Dienstag im Monat<br />
19.00 Vorwärts-Chor, städtisches<br />
Begegnungszentrum „Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Str.151<br />
Jeden 3. Dienstag im Monat<br />
15-17 Treffen der Heinzelwerker, Begegnungszentrum<br />
„Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Str. 151<br />
Jeden 4. Dienstag im Monat<br />
20.00 Vorwärts-Chor, städtisches Begegnungszentrum<br />
„Haus Herbstzeitlos“,<br />
Siegen, Marienborner Straße 151<br />
mittwochs:<br />
10.00-12.00 Heinzelwerker Sprechstunde,<br />
„Regiestelle Leben im Alter“,<br />
RathausWeidenau, Weidenauer Str.<br />
211, 4<strong>04</strong>-2200<br />
10.00 Spaziergang: 3000 Schritte,<br />
Tempo und Strecke sind angepasst,<br />
ab Rathaus Weidenauer Str. 215, <br />
4<strong>04</strong>-2200<br />
10.00-12.00 Sprechstunde des Seniorenbeirats,<br />
SeniorenServiceStelle<br />
Siegen-Geisweid , Am Klafelder<br />
Markt 20 0271/372199-05<br />
14.00-16.00 Diakonischer Freundeskreis<br />
Siegen-Süd, Hilfen für zu Hause,<br />
Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />
14.30-17.30 Taschengel<strong>db</strong>örse Siegen,<br />
St.-Johannstr. 7<br />
0271/2346066<br />
17.00 Internationaler Seniorentanz,<br />
Interkulturelle Gemeinschaft, kath. Gemeindehaus<br />
Siegen, St.-Michaelstr 3<br />
Jeden 1. Mittwoch im Monat<br />
10.00 Trauercafé Regenbogen Ambul.Hozpizhilfe,<br />
Diakonistation Kreuztal,<br />
Ernsdorfstraße 3 02732-1028<br />
15.00 Frauenzimmer, Frauencafé<br />
des DRK-Niederschelden, Burgschule<br />
Siegen-Niederschelden.<br />
0271-33716-0<br />
19.30 Heimatfreundtreffen, Kapellenschule<br />
Siegen-Trupbach, Trupbacher<br />
Str. 40.<br />
Termine<br />
Jeden 3. Mittwoch im Monat<br />
14.30 VDK-Siegen-Treff; Frohe Runde, Christofferhaus<br />
Siegen, Friedrich-Wilhelm-Str. 118<br />
14.30 Wir tanzen wieder! Für Menschen mit und ohne<br />
Demenz, Tanzschule „Im Takt“, Netphen-Dreistiefenbach,<br />
Dreisbachstr. 24. Anmeldung 0271/234178-17<br />
Letzter Mittwoch im Monat<br />
15.00-16.30 Selbsthilfegruppe Frontotemporale Demenz<br />
im Café Auszeit Kreuztal, Ernsdorfstr. 5<br />
donnerstags:<br />
10.00 Seniorenwerkstatt, der „Interkulturellen Gemeinschaft“,<br />
katholisches Gemeindehaus Siegen, St.-Michaelstr.<br />
10.00-12.00 Diakonischer Freundeskreis Siegen-Süd,<br />
Hilfen für zu Hause, Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />
Jeden 1. Donnerstag im Monat<br />
19.00 Treffen der Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte<br />
Siegen, in der Diakonie Sandstr. 26<br />
Jeden 2. Donnerstag im Monat<br />
15.00-17.00 Selbsthilfegruppe Mitten im Leben für<br />
Menschen mit Gedächtnisproblemen KSG-Senioren-<br />
Wohnanlage Weidenau Weidenauer Str. 202<br />
Jeden 4. Donnerstag im Monat<br />
15.00 Trauercafé der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe<br />
Siegen e.V.; Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
0271/23602-67<br />
freitags:<br />
14.00 Englisch Tea Time AWO-Ortsverein Siegen, im der<br />
Begegnungsstätte Rosterstr. 186, Siegen, 0271/339857<br />
17.00 Tanzen ab der Lebensmitte mit und ohne Partner,<br />
TanzZentrum AGNE-PRESCHER Siegen-Geisweid,<br />
Birlenbacher Hütte 16 0271-84999<br />
18.00 Wochenschlussandacht,<br />
Autobahnkirche Siegerland,<br />
Rasthof Wilnsdorf<br />
Jeden 2. Freitag im Monat<br />
15.00 Wochenausklang der Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />
Marienborner Str. 151 0271/6610335<br />
samstags:<br />
Jeden 3. Samstag im Monat<br />
13.00 ALTERAktiv Repaircafé, Mehrgenerationenzentrum<br />
der Martinigemeinde Siegen, St. Johann-Str. 7<br />
Jeden 4. Samstag im Monat<br />
13.00 Klimawelten Repaircafé, Florenburg Hilchenbach,<br />
Kirchweg 17 02733/2366 (Ingrid Lagemann)<br />
sonntags:<br />
Jeden 2. Sonntag im Monat<br />
14.30 Sonntagscafé in der Alten Linde Wilnsdorf-Niederdielfen,<br />
Weißtalstraße 2<br />
15.00 Sonntagscafe im Bürgerhaus Siegen-Niederschelden,<br />
Auf der Burg 15 0271/3370122<br />
72 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 73
Dezember<br />
Wilfried Schmickler, 9.12. Lÿz Siegen<br />
Vorweihnachtliches Rudelsingen 15.12. ab 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal<br />
„Der Messias“, Weihnachtskomödie von Patrick Barlow am 6. Dezember im Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch<br />
1. Freitag<br />
20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Festkonzert zum 60. Geburtstag,<br />
Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
20.00 Jazz, KLARO!, The Karolina<br />
Strassmayer & Drori Mondlak Quartett,<br />
Kulturhaus Lÿz Siegen<br />
2. Samstag<br />
10.00 Jonglage- & Diabolo-Workshop<br />
mit Mo de Bleu, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
St.-Johann-Str. 18<br />
14.00 Die Weihnachtswerkstatt,<br />
Technikmus. Freudenb., 3.12. ab 10 Uhr<br />
18.00 Offenes Singen zum Advent,<br />
Nikolaikirche Siegen, Krämergasse 2<br />
19.00 Ballett, Tschaikowskis Schwanensee,<br />
afrikanische Version,<br />
Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
19.30 Peter Orloff und der Schwarzmeer<br />
Kosaken-Chor, Haardter Kirche<br />
Weidenau<br />
3. Sonntag<br />
11.00 KulturSiegen, Jazz-Festival,<br />
Lämpel’s Jatz Orchester & The Pearls,<br />
12.00 CELETO mit Karl Parchow,<br />
14.00 EVAU Big Band mit Hartmut Sperl,<br />
15.00 RHYTHM-TALK... Brazilifi ed!<br />
mit Klaus Panten, 16.00 Duo Annette<br />
Kreutz und Carolin Hild, KrönchenCenter<br />
Siegen, Markt 25<br />
17.00 Weihnachtskonzert der Fritz-<br />
Busch-Musikschule, Martinikirche Sgn.<br />
18.00 kreuztalkultur, Konzert, Bugge<br />
Wesseltoft, Everybody Loves Angels,<br />
Friedenskirche Fellinghausen<br />
18.00 Filmpalast: Genosse Don<br />
Camillo, Heimhof-Theater Burbach-<br />
Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste: Die<br />
Überglücklichen, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
4. Montag<br />
15.00 Film über Depressionen im Alter,<br />
Überwindungen, Haus Herbstzeitlos<br />
Siegen, Marienborner Str. 151<br />
20.30 Tango Argentina,Tango-Salon,<br />
Foyer Lÿz, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
St.-Johann-Str. 18 (auch 11. und 18.)<br />
6. Mittwoch<br />
18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />
Kunst, Künstlerische Strategien im<br />
Stadtraum, Siegen, Brauhaus, Zum<br />
Wildgehege 25<br />
19.30 Lesung, WortSchmiede mit<br />
Volker Bunse, Villa Bubenzer, Freudenberg,<br />
Villa-Bubenzer-Weg 7<br />
20.00 Weihnachtskomödie von Patrick<br />
Barlow: Der Messias, Gebr.-<br />
Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch,<br />
Bernhard-Weiss-Platz 1<br />
7. Donnerstag<br />
16.00 kreuztalweihnacht – Lichterglanz<br />
im Park, Dreslers Park (bis<br />
Sonntag, 10. Dezember)<br />
18.30 VHS -Siegen, Porträts und ihre<br />
Bedeutung für Dynastie und Politik<br />
der Oranier, KrönchenCenter, Siegen<br />
8. Freitag<br />
20.00 Weihnachtsspecial: Alle Jahre<br />
Widder, Geschichten rund ums<br />
Christfest, Siegerlandhalle Siegen,<br />
Koblenzer Str. 151<br />
20.00 A-Cappela Rock4, A night at<br />
the opera - remastered, am Heimhof-Theater<br />
Burbach, Heimhofstr.<br />
20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Weihnachtskonzert, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1 (auch am 9.12.)<br />
20.00 Konzert im alten Feuerwehrhaus:<br />
Kücükaya-Streichquartett<br />
mit Werken von Edvard Grieg und<br />
Claude Debussy, Netphen, St. Petersplatz<br />
9. Samstag<br />
10.00 34. Deutscher Rock & Pop<br />
Preis, Siegerlandhalle, Koblenzer<br />
Straße 151<br />
20.00 Kabarett mit Wilfried Schmickler,<br />
Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.<br />
18<br />
10. Sonntag<br />
15.00 Kindertheater, Mama Muh<br />
feiert Weihnachten, Heimhof-Theater<br />
Burbach-Würgendorf<br />
15.00 Figurentheater, Weihnachten<br />
bei Opa Franz, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18 (auch am<br />
11. Dezember)<br />
18.00 Fest-Kantaten zu Weihnachten,<br />
Johann Sebastian Bach, Martinikirche<br />
Siegen, Grabenstr. 27<br />
19.00 Komödie, Das (perfekte)<br />
Desaster – Dinner, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystraße<br />
11. Montag<br />
20.00 Weihnachtskonzert, „Unser –<br />
Guildo Horn & Die Orthopädischen<br />
Strümpfe“, Apollo-Theater Siegen,<br />
Morleystraße<br />
12. Dienstag<br />
20.00 Multimediales Kunstprojekt,<br />
Szene 7, Vorhang auf! Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
13. Mittwoch<br />
18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />
Kunst: SELBST?, Siegen, Brauhaus,<br />
Zum Wildgehege 25<br />
20.00 Jubiläumskonzert: 10 Jahre –<br />
The 12 Tenors, Siegerlandhalle<br />
14. Donnerstag<br />
15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. 151<br />
20.00 Musik, Akrobatik und Zauberei,<br />
LÿzMixVarieté, Kabarett, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
15. Freitag<br />
19.30 Eröffnungskonzert Weihnachtszeitreise,<br />
Wishful Singing,<br />
Schloss Bad Berleburg<br />
20.00 European Outdoor Film Tour<br />
<strong>2017</strong>, Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />
Str. 151<br />
20.00 Lesung, Sandra Lüpkes, kriminelle<br />
Weihnachtsgeschichten,<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
20.00 kreuztalkultur, das 2. vorweihnachtliche<br />
Rudelsingen im Siegerland,<br />
Stadthalle Kreuztal,<br />
22.00 Nachtwächterführung, Hört,<br />
Ihr Leut und lasst Euch sagen, 1¼<br />
stündig durch die historische Altstadt,<br />
Treff: Nikolaikirche Siegen<br />
16. Samstag<br />
18.00 Weihnachts-Oratorium BWV<br />
248, Johann Sebastian Bach, Ev. Kirche<br />
Hilchenbach, Kirchplatz 4<br />
19.00 Weihnachts-Gala: Das Märchen<br />
vom Kalif Storch, Apollo-Theater<br />
Siegen (auch 17. Dezember)<br />
20.00 Komödie, Landeier - Bauern<br />
suchen Frauen, Aula Gymnasium,<br />
Wilnsdorf<br />
17. Sonntag<br />
16.00 Finissage, Olaf neopan<br />
Schwanke, Siegerlandmuseum, Oberen<br />
Schloss Siegen, Burgstraße<br />
16.00 kreuztalkultur, Intermezzo,<br />
Gem. Chor Kreuztal-Langenau, Evangelische<br />
Kreuzkirche Kreuztal, Martin-<br />
Luther-Straße<br />
18.00 Weihnachts-Oratorium,<br />
Festkonzert, 70 Jahre Kantorei Siegen,<br />
Nikolaikirche Siegen, Krämergasse<br />
2<br />
19.00 kreuztalkultur, Tanzshow,<br />
SPIRIT OF IRISH CHRISTMAS<br />
TOUR, Kreuztal Stadthalle, Am Erbstollen<br />
7<br />
19.30 22. Gospelhouse: I have just<br />
heard a song..., Evangelische Kirche<br />
Netphen-Deuz, Beienbacher Weg 4<br />
19.30 Siegener Christmas Comedy,<br />
Kartoffelfreuden XIV, Ho, ho,<br />
ho - eine schöne Bescherung!,<br />
Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-<br />
Straße 18<br />
20.00 Paul Panzer, Glücksritter -<br />
vom Pech verfolgt, Was ist Glück?<br />
Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />
Staße 151.<br />
20. Mittwoch<br />
18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />
Kunst, Gemeinschaft und/oder<br />
Genialität, Siegen, Brauhaus<br />
20.00 Höhner Weihnacht, fröhlich<br />
und festlich, rockig und melodiös,<br />
Siegerlandhalle Siegen<br />
21. Donnerstag<br />
20.00 WDR Big Band, R&B-Christmas<br />
mit Lori Perry, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
Kammermusik: Schubert im Stift am 4.<br />
Februar um 17 Uhr im Stift Keppel, Hi.<br />
A-Cappela, Rock4, am 8. Dezember im<br />
Heimhof-Theater Burbach, Heimhofstr.<br />
Lesepaten<br />
Alt & Jung macht Schule<br />
Alt & Jung engagiert sich<br />
ehrenamtlich als Lesepaten<br />
in Grundschulen,<br />
als Vorleser*innen in<br />
Kindergärten und in der<br />
Stadtbibliothek Siegen.<br />
Für diese wunderbare Arbeit<br />
mit Kindern suchen wir immer<br />
Unterstützung.<br />
Haben Sie Lust mitzumachen?<br />
Die Kinder freuen sich!<br />
Ansprechpartnerin ist<br />
Margrit Schulte 02739-2290<br />
margrit.schulte@gmx.de<br />
Ein Projekt von<br />
ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.<br />
St. Johann-Str. 8 • 57074 Siegen<br />
Internet: www.senioren-siegen.de<br />
74 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />
4/<strong>2017</strong> durchblick 75
23. Samstag<br />
19.00 Choral Evensong zu Weihnachten,<br />
Martinikirche Siegen<br />
Dezember<br />
Barockmusik am 31.12. ab 19.30 in der Ev. Kirche Hilchenbach<br />
24. So.<br />
11.00 Theater<br />
Wilde<br />
Hummel mit<br />
Sternenwunder,<br />
Kulturhaus<br />
Lÿz<br />
Siegen,<br />
23.00 Christmette,<br />
Chöre<br />
und Choräle,<br />
u.a. aus dem<br />
Weihnachts-<br />
Oratorium Si.,<br />
Nikolaikirche<br />
26. Dienstag<br />
18.00 Weihnachtskonzert in der<br />
Martinikirche Siegen<br />
Januar<br />
1. Montag<br />
16 u. 20 Uhr Neujahrskonzert, Philharmonie<br />
Südwestfalen, Apollo-Theater,<br />
3. Mittwoch<br />
19.30 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />
Südwestfalen, Bürgerhaus am<br />
Markt, Bad Berleburg<br />
20.00 Kabarett, Weigand & Genähr,<br />
Glück, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.<br />
Joahnnstraße (bis 6.1.)<br />
5. Freitag<br />
19.00 Klezmer-Konzert, Ev. Kirche<br />
Freudenberg<br />
20.00 Ohnsorg-Theater, Landeier –<br />
Bauern suchen Frauen, Apollo-Theater<br />
6. Samstag<br />
10.00 Workshop, Jonglage- & Diabolo<br />
mit Mo de Bleu, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
St.-Johann-Str. 18<br />
20.00 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />
Südwestfalen, Aula Am Rassberg<br />
Neunkirchen, Kopernikusring 100<br />
7. Sonntag<br />
17.00 Theater, Die Schöne und das<br />
Biest, Apollo-Theater Siegen<br />
27. Mittwoch<br />
20.00 Kabarett, Weigand & Genähr,<br />
Glück, Kulturhaus LÿzSiegen,<br />
St.-Johann-Str. 18, (bis 30.12.)<br />
28. Donnerstag<br />
20.00 Helmut Lotti – The Comeback<br />
Tour, ein Wanderer zwischen den<br />
Welten, Siegerlandhalle Siegen<br />
31. Sonntag<br />
18.30 Silvester-Party, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
19.00 The Buddy Holly Story, anschl.<br />
Silvesterparty, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1 (+22 Uhr)<br />
19.30 Barockmusik zur Silvesternacht,<br />
Ev. Kirche Hilchenbach<br />
17.00 Neujahrskonzert Junge Bläserphilharmonie<br />
NRW, Siegerlandhalle<br />
Siegen, Koblenzer Straße 151<br />
17.00 kreuztalkultur, Neujahrskonzert,<br />
Philharmonie Südwestfalen unter<br />
der Leitung von Charles Olivieri-Munroe,<br />
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />
18.00 Russisches Nationalballett,<br />
Schwanensee, Siegerlandhalle Siegen,<br />
Koblenzer Straße 151<br />
8. Montag<br />
17.00 Dia-Panorama-Vortrag im alten<br />
Feuerwehrhaus: Auf ins Allgäu<br />
– Berge, Hütten, Höhenwege, Netphen,<br />
St. Petersplatz<br />
20.00 A Tribute to ABBA – The Original<br />
Show, Siegerlandhalle Siegen,<br />
Koblenzer Straße 151<br />
9. Dienstag<br />
19.00 VHS-Siegen, worldmusic<br />
2018, Trio Gharbain, Marokko & Frankreich,<br />
KrönchenCenter Siegen, Markt<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste, Science-<br />
Fiction, Ghost in the Shell, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
20.00 Ohnsorg-Theater, Landeier –<br />
Bauern suchen Frauen, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystraße 1<br />
Klezmer-Konzert am 5.1. in der Ev. Kirche Freudenberg<br />
10. Mittwoch<br />
20.00 Literatur, 15 Jahre Siegener<br />
Poetry Slam, Apollo-Theater Siegen<br />
11. Donnerstag<br />
15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen<br />
18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />
Kunst, Lernen in der Baukulturellen<br />
Bildung, Siegen, Brauhaus<br />
12. Freitag<br />
20.00 Kabarett, Thomas Reis: Endlich<br />
50, Heimhof-Theater Burbach<br />
20.00 Kabarett, Konrad Beikircher:<br />
Passt schon!, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
(Zu dieser Veranstaltung verlosen wir<br />
Eintrittskarten (Seite 70)<br />
20.00 Schauspielhaus Bochum: Die<br />
Orestie, Apollo-Theater, Morleystr. 1<br />
(am 13., 19.Uhr)<br />
13. Samstag<br />
19.00 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />
Südwestfalen, Wilnsdorf Festhalle<br />
20.00 Kabarett, Daubs Melanie: Gar<br />
oder halbgar?, Kulturhaus Lÿz, Siegen<br />
20.00 Kabarett, Thomas Reis: Endlich<br />
50, Heimhof-Theater Burbach-<br />
Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />
20.00 kreuztalkultur, 3.Kreuztaler<br />
LachNacht, Stadthalle Kreuztal<br />
14. Sonntag<br />
17.00 kreuztalkultur, Live-Reportage,<br />
Gereon Römer: MythosSchottland,<br />
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />
18.00 Filmpalast: La Strada , Heimhof-Theater<br />
Burbach-Würgendorf,<br />
Heimhofstr. 7a<br />
19.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Neujahrskonzert, Apollo-Theater Siegen,<br />
Morleystr. 1<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste: Reel<br />
Rock 12, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-<br />
Johann-Str. 18<br />
16. Dienstag<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste, Film<br />
wird noch bekannt gegeben, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
17. Mittwoch<br />
19.00 VHS-Siegen, worldmusic 2018,<br />
Venezulanische Musik mit Vaca<br />
Mariposa aus Venezuela, KrönchenCenter<br />
Siegen, Markt 25<br />
18. Donnerstag<br />
15.30 VHS-Siegen, Café-Zeit, berühmte<br />
Tiere in der Literatur, Moby Dick,<br />
KrönchenCenter Siegen, Markt 25<br />
18.30 VHS-Siegen, Siegener Forum,<br />
Der Siegener Tiergarten, KrönchenCenter<br />
Siegen, Markt 25<br />
20.00 Live-Multivisionsvortrag, Nord<br />
-Licht zu Hause in Lappland, Gebr.-<br />
Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch<br />
20.00 Konzert, Musik-Sprache der<br />
Kirche, Martinikirche Siegen<br />
20.00 Comedy, Mensch Markus<br />
schwer im Stress! Bismarckhalle<br />
Siegen-Weidenau, Bismarckstr. 47<br />
Endlich 50 mit Thomas Reis am 12. Januar ab 20 Uhr im Heimhoftheater Burbach<br />
Kurse der Senioren-Service-Stelle Burbach<br />
20. Januar 10 Uhr bis ca. 14 Uhr:<br />
Workshop „Opa, glaubst du an Gott“<br />
im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />
„Geborgenheit im Alter“ mit Barbara<br />
Kerkhoff. Ort: Katholische Kirche,<br />
Fliederweg, Burbach<br />
26. Januar 15 Uhr:<br />
Workshop „Demenz- was kann ich<br />
tun? plus Film „Vergissmeinnicht“<br />
im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />
„Geborgenheit im Alter“ mit Helga<br />
Sahm und Claudia Thönelt (Pflegedienst<br />
amPuls) in der Packstation<br />
der Senioren-WG „Alte Post“ Nassauische<br />
Straße 40, Burbach;<br />
17. Februar 2018 10- ca. 14 Uhr:<br />
Workshop „Rühr mich an – Spirituelle<br />
Impulse für Menschen mit hohem Pflegebedarf<br />
und kognitiven Einschränkungen“<br />
im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />
„Geborgenheit im Alter“<br />
mit Andrea Schäfer-Bottenberg, DRK-<br />
Heim, Ewald-Sahm-Straße Burbach<br />
23. Februar 2018 18 Uhr: und<br />
9. März 2018 18 Uhr:<br />
Workshop „Demenz – was kann ich<br />
tun?“ wie am 26. 1.<br />
Anmeldung erforderlich. Auskünfte erteilt<br />
Birgit Meier-Braun 02736-4556<br />
76 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />
4/<strong>2017</strong> durchblick 77
Januar<br />
Februar<br />
Vielen Dank für die Blumen Homage an Udo Jürgens 21.1. ab 18 Uhr in Kreuztal<br />
19. Freitag<br />
19.00 Lesung, Ben Redelings: Als die<br />
Axt den Toaster warf!, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
20.00 Breakin‘ Mozart – Klassik<br />
meets Breakdance, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1<br />
20. Samstag<br />
19.00 Eine musikalische Revue mit<br />
den besten Songs der 50er, 60er und<br />
70er, Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
20.00 Konzert, Jessy Martens &<br />
Band, Lÿz, St.-Johann-Str. 18, Siegen<br />
20.00 Musical, Massachusetts - Das<br />
Bee Gees Musical, Siegerlandhalle<br />
Siegen, Koblenzer Str. 151<br />
21. Sonntag<br />
13.00 VHS-Siegen: Tellington TTouch®<br />
Methode für Hunde, Katzen & Kleintiere,<br />
KrönchenCenter Siegen, Markt<br />
15.00 Rheinisches Landestheater, Der<br />
Lebkuchenmann, Apollo-Theater Siegen,<br />
Morleystr. 1<br />
15.30 VHS-Siegen, Dia-Vortrag: Madeira<br />
- Wandertouren auf der Insel<br />
des ewigen Frühlings, KrönchenCenter<br />
Siegen, Markt 25<br />
16.30 Dia-Panoramavision, Das Ötztal<br />
und die Siegerlandhütte, Heimhof-Theater<br />
Burbach-Würgendorf<br />
17.00 Kammermusik um fünf, Musiker<br />
der Philharmonie Südwestfalen,<br />
Erndtebrück-Ev. Kirche<br />
18.00 kreuztalkultur, Hommage an<br />
Udo Jürgens: Vielen Dank für die Blumen!<br />
Stadthalle, Am Erbstollen 7<br />
22. Montag<br />
20.00 ProjektTheater Uni Siegen: Tod<br />
den Feinden der Revolution, Kulturhaus<br />
Lÿz, Siegen (bis 24.1.)<br />
20.00 Musicalabend, Das Phantom<br />
der Oper, Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />
Str. 151<br />
23. Dienstag<br />
19.30 Theater, Die Physiker, Bad<br />
Berleburg, Bürgerhaus am Markt<br />
25. Donnerstag<br />
15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />
Str. 151<br />
20.00 Kabarett: Ektase ist nur eine<br />
Phase, Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch,<br />
Bernhard-Weiss-Platz 1<br />
20.00 LÿzMixVarieté - Kabarett, Musik,<br />
Akrobatik und Zauberei, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
20.00 kreuztalkultur, Kabarett: Fatih<br />
Cevikkollu, FatihMorgana - nichts<br />
ist wie es scheint!, Kreuztal Stadthalle,<br />
Am Erbstollen 7<br />
26. Freitag<br />
20.00 Klavierkabarett, Bodo Wartke:<br />
Was, wenn doch?, Siegerlandhalle<br />
Siegen, Koblenzer Str. 151<br />
20.00 Mozart-Gala, mit der Philharmonie<br />
Südwestfalen, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1 (am 27., 19 Uhr)<br />
20.00 JazzClub Oase, Jazz mit der<br />
Band Jin Jim, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
St.-Johann-Str. 18<br />
27. Samstag<br />
17.00 Lesung, Elena Ferrante – Die<br />
Geschichte eines neuen Namens,<br />
Gemeindebücherei in Burbach, Nassauische<br />
Straße<br />
19.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Mozart-Gala, Apollo-Theater Siegen,<br />
Morleystr. 1<br />
20.00 Comedy, Alain Frei, Mach Dich<br />
Frei! Kulturhaus Lÿz Siegen<br />
20.00 Kultur im Alten Dorf, vom Lied<br />
zum Song..., Ensemble Nobiles, Ev.<br />
Kirche, Burbach-Holzhausenr<br />
20.00 Reinhold Messner, Weltberge<br />
– die 4. Dimension, Siegerlandhalle<br />
28. Sonntag<br />
11.00 Jazzfrühschoppen mit den<br />
Smooth Talks, Alte Linde, Wilnsdorf-<br />
Niederdielfen,Weißtalstr.2<br />
15.00 Red Dog Theater, Rotkäppchen<br />
will nicht schlafen, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18, (auch<br />
am 29. um 10 Uhr)<br />
16.00 Klassik-Highlight, Meisterpianist<br />
Menachem Har-Zahav spielt<br />
Chopin, Festhalle Wilnsdorf, Rathausstr.<br />
19.00 Lesung, RadioLiveTheater, Gaslicht<br />
- Das Haus der Lady Alquist,<br />
Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf,<br />
Heimhofstr. 7a<br />
30. Dienstag<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste: Mord im<br />
Orient Express, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />
St.-Johann-Str. 18<br />
1. Donnerstag<br />
14.30 Senioren-Service-Stelle, Mitmachtänze<br />
für Jung und Alt, Aula<br />
der Grundschule Niedernetphen, Anmeldung<br />
unter 02738/603-145<br />
20.00 Kammermusik: Du und du –<br />
A Walk In The Museum, Museum<br />
für Gegenwartskunst Siegen, Unteres<br />
Schloss<br />
20.00 Kabarett, Urban Priol: gesternheutemorgen,<br />
Siegerlandhalle Siegen<br />
2. Freitag<br />
20.00 MAGIC OF THE DANCE – Original<br />
Irish Dance Show, Siegerlandhalle<br />
Siegen, Koblenzer Str. 151<br />
20.00 Kleine Bühne Seelbach, Pension<br />
Schöller, Kulturhaus Lÿz Siegen<br />
(auch am 3., 9., und 10. Febr.)<br />
20.00 kreuztalkultur, ACappella-<br />
Doppelkonzert: Delta Q & Chilli da<br />
Mur, Stadthalle Kreuztal<br />
20.00 Vielen Dank für die Blumen,<br />
Familie Malentes (erste) große<br />
Abschiedstournee, Wilnsdorf, Aula<br />
Gymnasium<br />
20.00 Konzert mit We Rock-Queen,<br />
Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt<br />
3. Samstag<br />
19.00 Der kleine Prinz, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1 (auch 24.2.)<br />
4. Sonntag<br />
17.00 Sonntag um fünf, Kammermusik:<br />
Schubert im Stift, Stift Keppel,<br />
Hilchenbach-Allenbach<br />
17.00 Kleine Bühne Seelbach, Pension<br />
Schöller, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen (auch am 11. Februar)<br />
19.00 Kabarett, Tina Teubner: Wenn<br />
du mich verlässt, komm ich mit,<br />
Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf<br />
6. Dienstag<br />
20.00 WDR-3-Kammermusik: Best<br />
of NRW, Anke Pan (Klavier) Apollo-<br />
Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
8. Donnerstag<br />
15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />
Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos<br />
Siegen, Marienborner Str. 151<br />
20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Gala der Filmmusik:<br />
Unendliche Welten,<br />
Apollo-Theater Siegen,<br />
Morleystr. 1, (zur gleichen<br />
Zeit auch am 9.,<br />
12., und 13.2.) (und<br />
10.2., 19 Uhr)<br />
15. Februar Frauenmusical: Höchste Zeit! - Der Erfolg geht weiter, ab 19 Uhr<br />
im Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach-Dahlbruch, Bernhard-Weiss-Platz 1<br />
10. Samstag<br />
20.00 kreuztalkultur, Rocken bis es<br />
qualmt, Herbert Knebels Affentheater,<br />
Stadthalle Kreuztal<br />
11. Sonntag<br />
11.00 Der Markt der schönen Dinge,<br />
Kunst- & Handwerker-Markt, Siegerlandhalle<br />
Siegen, Koblenzer Str. 151<br />
17.00 Dia-Panorama-Vortrag im alten<br />
Feuerwehrhaus: Südtiroler Dolomiten,<br />
Netphen, St. Petersplatz<br />
18.00 Filmpalast: Buster Keaton<br />
- Der General, Heimhof-Theater Burbach,<br />
Heimhofstr. 7a<br />
13. Dienstag<br />
20.00 Nachholkonzert vom Sommerfestival<br />
<strong>2017</strong>, Evi und das Tier, Le<br />
Cabaret Burlesque, Kulturhaus Lÿz,<br />
St.-Johann-Str. 18, Siegen<br />
15. Donnerstag<br />
19.00 FrauenMusical: Höchste Zeit!<br />
- Der Erfolg geht weiter, Gebr.-Busch-<br />
Theater, Hi.-Dahlbruch, Bernhard-<br />
Weiss-Platz 1<br />
20.00 2MannSongComedy: Die Feisten,<br />
Adam & Eva, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
16. Freitag<br />
20.00 Konzert mit Demon`s Eye,<br />
Anniversary in Purple, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18, (auch am<br />
17. Februar)<br />
17. Samstag<br />
19.00 Filmtheater Essen: Hokuspokus<br />
von Curt Goetz, Apollo-Theater<br />
Siegen, Morleystr. 1<br />
20.00 Ein musikalischer Kurzurlaub,<br />
Klara mit Gefühl, Heimhof-Theater<br />
Burbach-Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />
20.00 kreuztalkuktur, MIRJA BOES &<br />
die Honkey Donkeys: Für Geld tun<br />
wir alles, Stadthalle Krezttal, Am<br />
Erbstollen 7<br />
18. Sonntag<br />
15.30 VHS-Siegen, Dia-Vortrag:<br />
Mallorca - Wandertouren in der<br />
Sierra Tramuntana, KrönchenCenter<br />
Siegen, Markt<br />
Lesung mit Ben Redelings, am 19.1. ab 19 Uhr imKulturhaus Lÿz Siegen<br />
31. Mittwoch<br />
10.30 KinderTheater: Die Bremer<br />
Stadtmusikanten, Gebr.-Busch-Theater,<br />
Hilchenbach-Dahlbruch<br />
19.00 Ein romantischer Märchenspaß,<br />
Russian Circus on Ice: Schneewittchen,<br />
Siegerlandhalle Siegen<br />
3. Samstag<br />
19.00 Philharmonie<br />
Südwestfalen, Gala<br />
der Filmmusik,<br />
Apollo-Theater Siegen,<br />
(auch am 10.Februar)<br />
78 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />
4/<strong>2017</strong> durchblick 79
Multivisions-Vortrag mit Klaus-Peter Kappest: Der Weg der Sinne,<br />
am 22. Februar ab 20 Uhr in der Evangelischen Kirche Erndtebrück<br />
16.30 Dia-Panoramavision, Korsika<br />
und Sardinien - Inselträume im Mittelmeer,<br />
Heimhof-Theater Burbach<br />
17.00 kreuztalkultur, Multivision-Vortrag<br />
, Heiko Beyer: 20 Jahre Südamerika,<br />
Stadhalle Kreuztal<br />
20. Dienstag<br />
20.00 Schauspiel, Die Marquise von O.,<br />
Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste, Filmtitel<br />
wird noch bekannt gegeben, Kulturhaus<br />
Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />
22. Donnerstag<br />
15.00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,<br />
Haus Herbstzeitlos Siegen<br />
20.00 LÿzMixVarieté, Kulturhaus Lÿz<br />
Siegen, St.-Johann-Str. 18,<br />
20.00 kreuztalkultur, Kabarett: Rolf<br />
Miller - Alles andere ist primär,<br />
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />
20.00 Musikalische Lesung, Navid<br />
Kermani & Mariana Sadovska,<br />
Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
20.00 Multivisions-Vortrag: Rothaarsteig<br />
-Der Weg der Sinne, Klaus-<br />
Peter Kappest, Ev. Kirche Erndtebrück<br />
23. Freitag<br />
20.00 Kabarett, Nico Semsrott,<br />
Freude ist nur ein Mangel an Information<br />
3.0, Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-<br />
Johann-Straße 18<br />
20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />
Smetana, Bortkiewicz, Suk, Apollo-<br />
Theater Siegen, Morleystr. 1<br />
24. Samstag<br />
10.00 Theater-Workshop für Frauen<br />
und Männer: Und nachher ärgerste<br />
dich doch, Kulturhaus Lÿz, Siegen,<br />
17.00 Lesung, Elena Ferrante – Die<br />
Geschichte der getrennten Wege, Bücherei<br />
Burbach, Nassauische Straße 4<br />
20.00 Lesung, Barbara Auer und Christian<br />
Maintz: Ich hab dich so lieb, Heimhof-Theater<br />
Bu.-Würgendf., Heimhofstr.<br />
20.00 Die Uni Big Band Siegen als Kulturbotschafter,<br />
Kulturhaus Lÿz, Siegen<br />
25. Sonntag<br />
11.00 Jazzfrühstück im alten Feuerwehrhaus<br />
mit dem: Trio SNACKBOX,<br />
Netphen, St. Petersplatz<br />
15.00 Lesung, Wolfgang und Heike<br />
Hohlbein, Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-<br />
Johann-Str. 18 (auch um 20 Uhr)<br />
15.00 kreuztalkultur, Kreuztaler Teddybärenkonzert<br />
- Peter und der Wolf,<br />
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />
26. Montag<br />
17.00 Feuerwehrmann SAM rettet<br />
den Zirkus! - LIVE!, Siegerlandhalle<br />
20.00 kreuztalkultur, Till Brönner &<br />
Dieter ILG- Nightfall - Tournee 2018,<br />
Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />
27. Dienstag<br />
19.00 Filmklub Kurbelkiste: Tomorrow<br />
– Die Welt ist voller Lösungen,<br />
Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.<br />
19.30 Konzert, Kammermusik mit dem<br />
Linos Ensemble, Schloss Bad Berleburg<br />
28. Mittwoch<br />
20.00 Junge Bühne Hagen, Hallo<br />
Nazi, von Lutz Hübner& und Sarah<br />
Nemitz, Apollo-Theater Siegen<br />
Die Zeit – Deine Zeit<br />
Die Zeit geht nicht an dir vorbei,<br />
sie nimmt dich ständig mit,<br />
so lebe sie, wie sie auch sei<br />
und halt dich möglichst fit.<br />
Sie zeigt es dir im Spiegel an,<br />
die Falten werden mehr,<br />
gnadenlos sehn sie dich an,<br />
werden mehr und mehr.<br />
Die Zeit hat dich stets fest im Griff,<br />
sie malt ihr eig'nes Bild,<br />
verpasst dir so den letzten Schliff,<br />
nimms leicht und sei gewillt.<br />
Geh mit ihr, was sie auch tut,<br />
erwarte nicht zuviel,<br />
verliere niemals deinen Mut,<br />
verfolge nur dein Ziel.<br />
Sie holt dich ein auf Schritt und Tritt,<br />
machtlos schaust du zu,<br />
sie nimmt dich auf die Reise mit,<br />
bis zur ewigen Ruh.<br />
Gedichte<br />
von Helga Düringer<br />
Jahreswechsel<br />
Das Alte Jahr scheint jetzt zu fliehen,<br />
schenkt uns noch wenig Zeit,<br />
es ist, als wär’s auch nur geliehen,<br />
zählt bald schon zur Vergangenheit.<br />
Geheimnisvoll, liegt noch im neben,<br />
das Neue Jahr in tiefem Schlaf,<br />
doch bald bewegt sich schon der Hebel,<br />
der manchmal mild, doch hart auch traf.<br />
Fast alle wünschen wir uns Frieden,<br />
der endlich, nie mehr wird gestört,<br />
oh hätten wir den Hass gemieden,<br />
dann würde dieser Wunsch erhört.<br />
Zeitsuche<br />
Hast du die Zeit einmal gefunden,<br />
die Augenblicke – die Sekunden,<br />
Minuten- die die Stunden füllen,<br />
wo Stunden sich in Tage hüllen.<br />
Die Tage werden Wochen geben<br />
und Wochen in den Monat leben –<br />
Monate, die Jahre bringen,<br />
nur so, kann unsre Zeit gelingen.<br />
Ja die Zeit – so ist es eben,<br />
sie bestimmt dein ganzes Leben,<br />
täglich schwindet diese Zeit,<br />
entflieht in eine Ewigkeit.<br />
Auch die Ewigkeit wird schwinden,<br />
du wirst sie niemals wieder finden,<br />
getragen, von dem Flug der Zeit,<br />
taucht sie in die Unendlichkeit.<br />
Lesung mit Barbara Auer am 24.2. Heimhoftheater Burbach<br />
80 durchblick 3/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong><br />
4/<strong>2017</strong> durchblick 81
Unterhaltung / Impressum<br />
Es fiel uns auf …<br />
… dass Treppensteigen Kaffeetrinken ersetzen kann.<br />
Bei einer Leistungsflaute setzen viele auf Kaffee. Effektiver<br />
ist es Treppen zu steigen, fanden US-Forscher der<br />
Uni Georgia heraus. Koffein zeige keine beflügelnde Wirkung,<br />
während sich die Test-Frauen nach nur zehn Minuten<br />
Treppensteigen energiegeladener fühlten.<br />
…dass wir rund 100.000 Entscheidungen pro Tag<br />
treffen. Kaum zu glauben – aber nach einer Untersuchung<br />
des Personaldienstleisters metaBeratung treffen wir jeden<br />
Tag bis zu 100.000 große und auch kleine Entscheidungen.<br />
Das kann belanglos sein „Welche Hose ziehe ich an?“<br />
bis zur schwerwiegenden Entscheidung „Soll ich meinen<br />
Job kündigen?“<br />
…dass Gluten wichtig für das Herz ist. Wer auf glutenhaltige<br />
Lebensmittel verzichtet, ohne eine Glutenunverträglichkeit<br />
zu haben, erhöht unnötig sein Risiko für ein<br />
Herzleiden. Denn vor allem in Vollkornprodukten hat das<br />
Klebereiweiß einen wichtigen herzschützenden Effekt.<br />
Wer Gluten meiden muss, kann täglich einen Apfel essen,<br />
um seinem Herzen etwas Gutes zu tun.<br />
<br />
homa<br />
Gedächtnistraining – Lösungen:<br />
Schlagertexte: 1. 17 Jahr, blondes Haar. 2. Liebeskummer<br />
lohnt sich nicht, my Darling. 3. Schuld war<br />
nur der Bossa Nova. 4. Wind Nord/Ost, Startbahn<br />
null-drei. 5. Weiße Rosen aus Athen. Rätsel: Korb.<br />
Wochentag/Datum: 1. Dienstag, 25.6. / 2. Freitag,<br />
5.6. / 3. Freitag, 29.4. / 4. Montag, 3.5. / 5.<br />
Dienstag, 6.8. / 6. Montag, 08.10. / 7. Sonntag,<br />
28.7. / 8. Montag, 26.8. Sprichwörter: 1. Die<br />
dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.<br />
2. Die Würfel sind gefallen. 3. Etwas durch die<br />
rosarote Brille sehen. 4. Wenn`s dem Esel zu<br />
bunt wird, geht er auf´s Eis. 5. Butter bei die Fische<br />
oder der Fisch stinkt vom Kopf her. 6. Perlen<br />
vor die Säue werfen. 7. Nachts sind alle Katzen<br />
grau oder die Katze lässt das mausen nicht.<br />
Zu guter Letzt:<br />
durch<br />
blick<br />
Gemeinnützige Autorenzeitschrift<br />
für Siegen und Siegen-Wittgenstein<br />
Herausgeber:<br />
durchblick-siegen Information und Medien e.V.<br />
Anschrift der Redaktion:<br />
„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen<br />
Telefon 0271 61647, Mobil: 0171-6206413<br />
E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de<br />
Internet: www.durchblick-siegen.de<br />
Öffnungszeiten:<br />
dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr<br />
1. und 3. Dienstag im Monat auch von 15.00 bis 17.00 Uhr<br />
Redaktion:<br />
Anne Alhäuser; Maria Anspach; Ulla D'Amico; Ingrid Drabe (Veranstaltungen);<br />
Helga Düringer; Friedhelm Eickhoff (viSdP); Fritz Fischer;<br />
Eberhard Freundt; Eva-Maria Herrmann (stellv. Redaktionsleiterin);<br />
Ulrich Hoffmann (stellv. Redaktionsleiter); Erna Homolla; Erich<br />
Kerkhoff; Erika Krumm; Horst Mahle; Werner Müller-Späth; Rita<br />
Petri („Kurz Berichtet“); Helga Siebel-Achenbach; Tessie Reeh;<br />
Eberhard Wagner; Ulli Weber<br />
Bildredaktion:<br />
Thomas Benauer; Rita Petri (Leitung); Tessie Reeh; Nicole Scherzberg<br />
Internet:<br />
Thomas Benauer; Thomas Greiner<br />
An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:<br />
Dr. Ingrid Leopold; Helmut Stähler; Bernadette von Plettenberg;<br />
Ernst Göckus; Eva Schumacher; Bruno Steuber; Johanna Kreuz; Otto<br />
Schneider; Gabi Bosch; Horst Feger; Hartmut Reeh; Heinz Stötzel;<br />
Anne Margret Eickhoff; Dagmar Imhof; Magdalene Meyer-Lange;<br />
Gestaltung:<br />
Friedhelm Eickhoff; Uli Hoffmann; Rita Petri<br />
Herstellung und Druck: Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen<br />
Anzeigenanfrage: durchblick-siegen e.V. 0171-6206413<br />
oder 0271/61647; E-Mail: anzeigen@durchblick-siegen.de<br />
Es gelten die Mediadaten 12/2014 (www.durchblick-siegen.de)<br />
Erscheinungsweise:<br />
März, Juni, September, Dezember<br />
Verteilung:<br />
Nicole Scherzberg; Wolfgang von Keutz; Hannelore Münch;<br />
Dr. Horst Bach; Gerd Bombien; Hans Amely; Monika Müller;<br />
Christel Mahle; Maju Becker; Helmut Drabe; Maximilian Großhaus-<br />
Lutz; Dieter Vetter; Christel Schmidt-Hufer; Hans-Rüdiger Schmidt;<br />
Nadine Dören; Marianne Hoffmann und alle Redakteure<br />
Auflage: 23.000 Der durchblick liegt im gesamten Kreisgebiet kostenlos<br />
aus: in Sparkassen, Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der<br />
City-Galerie, in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren<br />
Inserationskunden, in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen<br />
der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und<br />
Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein.<br />
Für die Postzustellung berechnen für vier Ausgaben jährlich<br />
ins Inland 8,00 Euro, ins Ausland 16 Euro.<br />
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung<br />
der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte<br />
Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge werden nicht<br />
zurückgeschickt. Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung<br />
des Herausgebers gestattet.<br />
Gefunden in Wilnsdorf-Niederdielfen<br />
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