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2017-04-db

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durch<br />

blick<br />

Nr. 4/<strong>2017</strong><br />

Seit 1986<br />

kostenlos<br />

Autorenzeitschrift<br />

... nicht nur für Senioren<br />

MEINUNGEN<br />

INFORMATION<br />

PERSPEKTIVEN<br />

UNTERHALTUNG<br />

KULTUR<br />

Titelfoto: Fotolia<br />

Die Zeit<br />

Seite 81


Inhaltsübersicht<br />

Kurz berichtet6<br />

Der neue Seniorenbeirat 14<br />

Jubiläum der Senioren-Service-Stellen 16<br />

Die Christianisierung 20<br />

Bleibende Eindrücke/ Besinnliche Zeit 22<br />

Lieber böser Nikolaus 24<br />

Weihnachtsfachkräfte 25<br />

Es ist ein Ros entsprungen 26<br />

Mundart 27<br />

Das Orakel 30<br />

Auch online ein Erfolg 31<br />

Das kleinste Beatles-Museum der Welt 32<br />

Etwas über einen regen Wohnungsbau 34<br />

Der Maler und die Ärztin 38<br />

Manchmal müssen es die Alten machen 40<br />

meine documenta 42<br />

Hinters Werkstor geschaut – Zepter Neunkirchen 44<br />

Spurensuche 46<br />

Das Portrait 48<br />

„Dein ist mein ganzes Herz“ 50<br />

Quotenhits von Damals 52<br />

Dichterviertel 54<br />

Der wilde Tanz der Schneeflocken 56<br />

Spuren im Schnee 57<br />

Mein Winterblues 58<br />

Buchbesprechung 59<br />

Gedächtnistraining 60<br />

Christine von Diez 62<br />

Die Gretchenfrage 65<br />

Weihnachtsmärkte in Siegen-Wittgenstein70<br />

durchblick verlost Karten für Konrad Beikircher70<br />

Veranstaltungen im Haus Herbstzeitlos 71<br />

Veranstaltungen in Siegen-Wittgenstein 72<br />

Die Zeit 81<br />

Es fiel uns auf / Lösungen 82<br />

Zu guter Letzt / Impressum 82<br />

Aus der Redaktion<br />

In unserem Portrait über Eberhard Freundt auf Seite 49 würdigt unsere Kollegin<br />

Tessie Reeh seine 15jährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der ökumenischen Hozpizhilfe<br />

in Siegen. Sein Engagement für den durchblick ist hier nur in einem Nebensatz<br />

erwähnt. Eberhard Freundt begeistert seit ebenfalls 15 Jahren Sie, liebe Leserinnen<br />

und Leser mit feinsinnigen, gut recherchierten philosophischen Beiträgen, die er<br />

vorzüglich versteht in eine Sprache umzuwandeln, die auch von einem breiteren<br />

Leserkreis verstanden wird. Er wird auch künftig in unregelmäßigen Abständen mit<br />

seinen Gedanken im durchblick präsent sein.<br />

Aus einer besonderen Perspektive lenkt unsere Leiterin der Bildredaktion den<br />

Blick auf die diesjährige documenta. Nicht die Vorstellung der Werke stehen bei<br />

ihr im Mittelpunkt, das haben zuvor schon tausende Kulturredakteure getan, Rita<br />

Petri betrachtet die „Betrachter beim Betrachten“ der Kunstwerke. Kunst liegt halt<br />

im Auge des Betrachters.<br />

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünschen wir eine besinnliche Weihnachtszeit<br />

und ein unbeschwertes neues Jahr. Viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.<br />

2 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 3


– der besondere Wintermarkt<br />

bis zum 14. Januar<br />

Programm in der Vorweihnachtszeit<br />

Montag, 20.11.<strong>2017</strong> 17.30 Eröffnung<br />

Montag, 20.11.<strong>2017</strong> bis – 18.30 Uhr „TraumExpress Chor und Musiktheater“<br />

Freitag, 24.11.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr One-Man-Band Steve Karnath<br />

Sonntag, 26.11.<strong>2017</strong> TOTENSONNTAG Winterzauber geschlossen!!!<br />

Freitag, 01.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr Klangwerk<br />

Samstag, 02.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr neXt generation<br />

Sonntag, 03.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Rothaarsteig Alphornsolisten<br />

Freitag, 08.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr The Flatbugs<br />

Samstag, 09.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Musikverein Eiserfeld<br />

Sonntag, 10.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Stahlberg Quintett<br />

Freitag, 15.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr Voice Attack<br />

Samstag, 16.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr Schellengruppe Wilgersdorf<br />

Sonntag, 17.12.<strong>2017</strong> 16.00 – 17.00 Uhr SnackBox<br />

Freitag, 22.12.<strong>2017</strong> 17.00 – 18.00 Uhr One-Man-Band Steve Karnath


Kurz berichtet<br />

Erfolgreicher Abschluss<br />

Staatsexamen für examinierte Pflegefachkräfte<br />

Thomas Kellner<br />

als Wellenbrecher<br />

Wilnsdorf. Ende September war es<br />

endlich soweit, drei Jahre intensive<br />

Ausbildung zum examinierten Altenpfleger<br />

wurde von den Auszubildenden<br />

des DRK-Häusliche Pflege in Wilnsdorf<br />

und Burbach erfolgreich zum Abschluss<br />

gebracht.<br />

Bei der Abschlussfeier des Auditorium<br />

Südwestfalen bekamen die frisch<br />

examinierten Pflegefachkräfte Silvia<br />

Matura und Mike Neeb aus den Händen<br />

von Auditorium-Geschäftsführer<br />

Manfred Erb und Schulleiterin Yvonne<br />

Fromm die heiß ersehnten Staatsexamen<br />

überreicht. Neben den offiziellen Reden<br />

hatten sich die unteren Kurse viel Mühe<br />

bei der Gestaltung der Festlichkeit<br />

gemacht und schafften es durch ihr abwechslungsreiches<br />

und unterhaltsames<br />

Programm, die rund 100 Gäste zu unterhalten.<br />

Die dreijährige Ausbildung zum<br />

staatlich examinierten Altenpfleger umfasst<br />

einen praktischen und einen theoretischen<br />

Teil. „Wir sind stolz, zusammen<br />

mit den ausbildenden Einrichtungen eine<br />

so anspruchsvolle Ausbildung ermöglichen<br />

zu können.“ sagt Yvonne Fromm,<br />

Leitung des Fachseminares für Altenpflege<br />

Auditorium Südwestfalen.<br />

Bei Interesse stehen die Pflegedienstleitungen<br />

für Beratungsgespräche zur<br />

Verfügung.<br />

•<br />

Mentorin Stefanie Solbach, die frisch gebackene examinierte Pflegefachkraft Silvia Matura,<br />

Pflegedienstleiter Helmut Gerdesmeier, der examinierte Pfleger Mike Neeb,<br />

Mentorin Jacqueline Schumacher (von links)<br />

Freude über Spende<br />

Dunkelcafé Siegen begünstigt<br />

Siegen. Medica-Technik GmbH aus<br />

Brachbach spendete 30 Hilfsmittel an<br />

den außerschulischen Lernort Dunkelcafé.<br />

SchülerInnen vom Berufskolleg<br />

Olpe im Ausbildungsgang „Sozialassistenz“,<br />

die das Dunkelcafé besuchten,<br />

konnten die Hilfsmittel ausprobieren.<br />

Es handelt sich um Faltrollstühle, Pflegerollstühle,<br />

Rollatoren und Gehilfen,<br />

die für die Bildungsarbeit des Dunkelcafé<br />

zur Verfügung gestellt werden.<br />

Es gehört zum Bild der Siegener<br />

Oberstadt, dass Schülergruppen auf<br />

einen Blinden-Erlebnisgang durch die<br />

Fußgängerzone geführt werden. Die<br />

Sehbehinderungsrallye kann nun um<br />

eine Gehbehinderungsrallye erweitert<br />

werden. Zur Blindenstock-Rallye gesellt<br />

sich jetzt die Rollstuhl-Rallye. Das<br />

erweiterte Angebot ermöglicht es, sich<br />

besser in die Situation von Menschen<br />

mit Behinderung hinein zu versetzen.•<br />

Siegen. Seit Anfang November wird<br />

in der Kooperation von Hees Bürowelt<br />

und Kunstverein Siegen unter dem Titel<br />

„Flucticulus“ die Ausstellung von Thomas<br />

Kellner gezeigt, die bis Ende Februar<br />

2018 besucht werden kann. Mit<br />

Glas- und Keramikobjekten, Aquarellen<br />

und Collagen erweitert Kellner<br />

seine bisherige Kunstform – die Fotografie.<br />

Unterschiedliche Oberflächen,<br />

Materialien und Darstellungsweisen<br />

prägen die Ausstellung „Flucticulus“.<br />

Er widersetzt sich zum Teil dem, was<br />

in der Fotografie vorherrscht und agiert<br />

als Wellenbrecher. Tanzend, schaukelnd<br />

und schwingend bewegen sich<br />

seine abgebildeten Objekte und brechen<br />

das mit den bisher gesehenen Architekturfotografien.<br />

Für den durchblick gestaltete Kellner<br />

im Jahr 2015 ein Titelbild.<br />

In den vergangenen zwei Jahren hat<br />

sich Thomas Kellner von dem architektonischen<br />

Eisberg-Gebäude (Isbjerget)<br />

in Aarhus, Dänemark, zu immer neuen<br />

Ansätzen inspirieren lassen. Es handelt<br />

sich dabei um einen am Hafen liegenden<br />

Wohnkomplex. Die Architektur des<br />

Gebäudes ähnelt stark der durch Kellners<br />

Arbeit hervorgerufenen Realitätsverzerrung.<br />

Außerdem dienten außergewöhnliche<br />

Gebäude im Siegerland als<br />

Motive für Arbeiten wie Wellenbrecher<br />

oder Feuerwelle. Seit Beginn seiner<br />

künstlerischen Karriere stand die Bewegung<br />

im Vordergrund der Kunstwerke<br />

Thomas Kellners. •<br />

6 durchblick 4/<strong>2017</strong>


Kurz berichtet<br />

Waldeslust mit einem Falken<br />

Jag<strong>db</strong>läser auf der Hohenroth<br />

Vorhang zu<br />

Ein herber Abschied<br />

Kurz berichtet<br />

Tanzen macht fit<br />

Bewegung ist das beste Gedächtnistraining<br />

Bei gutem Wetter genossen viele Besucher die Veranstaltung der Senioren-Service-Stelle<br />

Netphen. „Waldeslust, Jagdhorn trifft<br />

Flügelschlag“, so das Motto eines nachmittags<br />

im Waldland Hohenroth, der für<br />

Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen<br />

und Freunde stattfand.<br />

Es war die erste Veranstaltung in der<br />

Region zum diesjährigen Welt-Alzheimertag.<br />

Knapp 80 Besucher waren<br />

der Einladung der Seniorenbeauftragten<br />

der Stadt Netphen und dem Verein<br />

„VergissMeinNicht Netphen e.V.“ gefolgt.<br />

„Mit diesem ganz besonderen Angebot<br />

möchten wir die Menschen, die<br />

vergessen, nicht vergessen und sie in<br />

besonderer Weise am gesellschaftlichen<br />

Leben teilhaben lassen“, so Eva Vitt<br />

von der Senioren-Service-Stelle. „Horn<br />

auf! Blast an!“, hieß es zum Start des<br />

anschließenden Programms in dem der<br />

Falkner, Tierzeichner und Tierpräparator<br />

Hartmut Gerlach aus Herzhausen<br />

heimische Tierarten vorstellte.<br />

Im Wechsel bläst dazu der Jag<strong>db</strong>läserchor<br />

die entsprechenden Jagdsignale.<br />

Zum Staunen der Gäste hatte Hartmut<br />

Gerlach noch einen abgerichteten Falken<br />

mitgebracht, den er den anwesenden<br />

Besuchern hautnah präsentierte.<br />

Im Anschluss wurde gegrillt und gemeinsam<br />

gesungen. Mit dem Schlusslied<br />

„Kein schöner Land“, bei dem die Anwesenden<br />

aus voller Brust mit einstimmten,<br />

war das Ende eines gelungenen Walderlebnistages<br />

eingeläutet.<br />

•<br />

Siegen. Senthesie – die Seniorentheatergruppe<br />

Siegen – wer hätte nicht schon einmal<br />

von ihr gehört oder gar einen besonderen<br />

Theaterabend mit dieser begeisternden<br />

Gruppe von zehn Damen und einem ebenso<br />

engagierten Herrn unter der Regie von<br />

Beate Gräbener erlebt. In siebzehn Jahren<br />

fiel ihnen immer etwas Neues ein, das sie<br />

in Theater-Form brachten und damit ungezählte<br />

Besucher auf so manchen Bühnen<br />

ringsum begeisterten.<br />

Nun gibt es sie nicht mehr, weil das<br />

Übungszentrum mitten in der Stadt anderweitig<br />

genutzt werden musste, und der<br />

neue Standort, weit außerhalb, für viele<br />

Nichtmotorisierte nur schwer erreichbar<br />

ist. Schade für viele, die euch mit euren<br />

besonderen Theaterideen geschätzt haben,<br />

ist eine Lücke entstanden. Danke, dass es<br />

euch gab. Hartmut Hering, Burbach<br />

Fahrer gesucht<br />

Siegen. Das durchblick-Team sucht<br />

zur Unterstützung Fahrer oder Fahrerinnen.<br />

Der Einsatz erfolgt gelegentlich<br />

oder auf Wunsch auch regelmäßig. Die<br />

Hilfe ist ehrenamtlich, jedoch wird eine<br />

Aufwandspauschale gezahlt. Auskünfte<br />

erteilt die durchblick-Redaktion,<br />

Eva Herrmann: 02739/301551. •<br />

Netphen. Die Senioren-Service-Stelle<br />

der Stadt Netphen bietet in Zusammenarbeit<br />

mit der erfahrenen Seniorentanzlehrerin<br />

Barbara Kerkhoff aus<br />

Siegen wiederholt das beliebte Tanzangebot<br />

„Mitmachtänze für Jung und<br />

Alt“ an. Auf dem Programm stehen<br />

internationale Geselligkeitstänze zum<br />

Mitmachen. Das Tanzangebot erfordert<br />

keinen festen Partner. Es werden<br />

einfache Schrittfolgen zu einer Musik<br />

einstudiert, die direkt ins Ohr und in die<br />

Beine gehen.<br />

Bewegung und geistiges Training,<br />

durch das Behalten der Schrittkombinationen,<br />

durchgeführt in fröhlicher<br />

Gemeinschaft, ist ein perfektes Training<br />

für Körper, Geist und Seele. Es<br />

hält jung und dynamisch. Musik und<br />

Rhythmus wecken die Lebensgeister<br />

und animieren zum Tanzen. Die Freude<br />

am Mitmachen steht dabei im Vordergrund.<br />

Eingeladen sind jüngere und<br />

ältere Tanzinteressierte, die Lust haben,<br />

gemeinsam das Tanzbein zu schwingen<br />

und Spaß zu haben.<br />

Los geht es am 1. Februar 2018,<br />

jeweils donnerstagnachmittags von<br />

14.30 Uhr bis 15.30 Uhr in der Aula<br />

der Grundschule Niedernetphen. Insgesamt<br />

sind fünf Tanznachmittage vorgesehen.<br />

Ein geringer Kostenbeitrag<br />

wird erhoben.<br />

Um eine Anmeldung wird bis Ende<br />

Januar 2018 gebeten. Weitere Infos bei<br />

der Senioren-Service-Stelle der Stadt<br />

Netphen 02738/603-145 oder per<br />

E-Mail an e.vitt@netphen.de. •<br />

„Omas Siegerländer Küche“<br />

Siegen. Sieben<br />

Hobbyköche<br />

aus<br />

Siegen und<br />

Umgebung<br />

haben es mit<br />

ihren Rezepten<br />

ins neue Regionalkochbuch Omas<br />

Siegerländer Küche geschafft. Für die<br />

Neuauflage ihres über hundert Seiten<br />

starken Küchenbegleiters hatten die<br />

Siegener Versorgungsbetriebe (SVB)<br />

alle Freizeitköche dazu aufgerufen, ihre<br />

besten siegerlandtypischen Rezepte einzuschicken.<br />

Aus den zahlreichen Einsendungen<br />

hat der lokale Versorger schließlich<br />

die leckersten Gerichte ausgewählt.<br />

Für zehn Euro ist der Küchenhelfer im<br />

SVB-Kundenzentrum in der Morleystraße<br />

erhältlich. Die kompletten Einnahmen<br />

kommen immer zum Jahresende sozialen<br />

Projekten in der Region zugute. „Kulinarisch<br />

hat unsere Region vieles zu bieten,<br />

darum haben wir in den vergangenen Jahren<br />

etliche positive Rückmeldungen für<br />

Omas Siegerländer Küche bekommen“,<br />

freut sich Jessica Peter, Marketingverantwortliche<br />

bei den SVB •.<br />

8 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 9


Neunkirchen. Intensive Beratungen,<br />

angeregte Gespräche und entspanntes<br />

Netzwerken – das waren die positiven<br />

Resultate des ersten Demenztages, zu<br />

dem die Senioren-Service-Stelle in das<br />

Neunkirchener Otto-Reiffenrath-Haus<br />

eingeladen hatte. Seniorenberaterin<br />

Bettina Großhaus-Lutz hatte die Veranstaltung<br />

in das Angebot des diesjährigen<br />

Weltalzheimertags eingebettet: Mehr<br />

als 20 Aussteller aus Neunkirchen und<br />

Umgebung stellten sich vor und boten<br />

Dienstleistungen und Produkte an. Ziel<br />

war es, die umfangreichen Hilfs- und<br />

Kurz berichtet<br />

Demenztag in Neunkirchen<br />

Ein Konzept mit Wiederholungswert<br />

Susanne Roth und Heike Dielmann, Senioren- und Pflegeberatung, Kreis Siegen-Wittgenstein<br />

und Bettina Großhaus-Lutz von der Senioren-Service-Stelle Neunkirchen.<br />

Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen,<br />

die es den betroffenen Bürgern<br />

ermöglichen, auch mit der Diagnose Demenz<br />

gut versorgt zu leben. Und dies im<br />

besten Fall in den eigenen vier Wänden.<br />

Ob Fahr- oder ambulanter Hospizdienst,<br />

Pflegeangebote, Demenzbetreuung,<br />

Krankenkasse, VdK oder Entlastungsangebote<br />

für die Angehörigen<br />

- die Hilfsangebote stießen bei den Besuchern<br />

auf großes Interesse. Die Kombination<br />

aus umfassender Information<br />

und Beratung kam gut an. Wie wertvoll<br />

die Veranstaltung für die teilnehmenden<br />

Organisationen und Einrichtungen war,<br />

zeigte sich auch noch im Nachhinein. So<br />

verzeichnete beispielsweise das Hilfsangebot<br />

„Hand in Hand“ auch in den Folgetagen<br />

noch viele Anfragen von Bürgerinnen<br />

und Bürgern.<br />

•<br />

Filmprojekt<br />

macht Mut<br />

Siegen. Der 2012 entstandene Film aus<br />

dem Hause „Medienprojekt Wuppertal“<br />

zeigt zwei Seniorinnen und einen Senior,<br />

die es vollbracht haben, Scham und<br />

Zweifel zu überwinden. Sie haben es<br />

geschafft, sich professionelle Hilfe zu<br />

suchen. Alle drei finden mit therapeutischer<br />

Unterstützung einen Weg in ihr<br />

Leben zurück. Sie nehmen es wieder in<br />

die eigenen Hände und gestalten es auf<br />

ihre eigene Art.<br />

Der Film begleitet die erzählenden Protagonisten<br />

auf eine sehr einfühlsame<br />

Art und Weise. Das Filmprojekt macht<br />

vor allem Mut und zeigt, dass auch<br />

jenseits der 60 eine Depression gut zu<br />

überwinden ist.<br />

Am 3. Dezember ist der Internationale<br />

Tag der Menschen mit Behinderung.<br />

Heute fällt auch die Depression dann<br />

unter den Begriff Behinderung, wenn sie<br />

länger als ein halbes Jahr andauert. Die<br />

Beauftragten für Behindertenfragen der<br />

Universitätsstadt Siegen laden daher in<br />

Kooperation mit dem „Bündnis gegen<br />

Depression“ zu dieser kostenfreien Filmvorführung<br />

in das Haus Herbstzeitlos ein.<br />

Im Anschluss an den Film ist ausreichend<br />

Zeit für Gespräche. Die Veranstaltung,<br />

die am 4. Dezember um 15 Uhr<br />

stattfindet, ist kostenlos. Eine Anmeldung<br />

ist nicht erforderlich. Veranstaltungsort<br />

ist das Begegnungszentrum der<br />

Stadt Siegen, Haus Herbstzeitlos, in der<br />

Marienborner Straße 151.<br />

Der Zugang zur Vorführung ist barrierefrei,<br />

ein Behinderten-WC ist vorhanden.<br />

•<br />

Kurz berichtet<br />

Kraftvoll und eigenwillig<br />

„Wiederholungstäterin“ im Kreisklinikum<br />

Weidenau. Unter dem Titel „Meine Farben,<br />

meine Pinsel, meine Bilder“ stellt<br />

Hanna Warmers im Café Sohler aus. Vier<br />

Jahre nach ihrer letzten Ausstellung zeigt<br />

die Kunstlehrerin Acrylarbeiten auf Leinwand<br />

in kräftigen expressiven Farben. So<br />

entstehen wie zufällig Bilder von Menschen,<br />

Landschaften und Phantasiewesen.<br />

Die Ideen entwickeln sich aus Zufallsbeobachtungen,<br />

aus Entdeckungen, die<br />

plötzlich da sind und verwertet werden<br />

wollen. Das Motiv folgt der Stimmung.<br />

Die Ausstellung ist bis Mitte Dezember<br />

zu üblichen Öffnungszeiten zu sehen. •<br />

Generationen miteinander<br />

Neues Bilderbuch dient als Grundlage<br />

Erndtebrück. Im letzten Jahr wurde das<br />

Benefizkonzert „Seraphines größter Weihnachtswunsch“<br />

in der evangelischen Kirche<br />

Erndtebrück uraufgeführt. Das war ein<br />

erfolgreiches generationsübergreifendes<br />

Projekt, bei dem die evangelischen Kindergärten<br />

„Sonnenau und Martin Luther<br />

Straße“ und das AWO Seniorenzentrum<br />

mitgewirkt haben. In diesem Jahr wird es<br />

ein ähnliches Projekt geben. Hierzu wurde<br />

von Sabine und Michael Rothenpieler,<br />

Vorstandsmitglieder des AWO Ortsvereins,<br />

ein Bilderbuch mit dem Titel „Sarahs<br />

Traum“, als Grundlage für das neue Benefizkonzert<br />

gemalt und geschrieben.<br />

Schon jetzt haben sich viele ehrenamtliche<br />

Helfer entschlossen, das Konzert aktiv<br />

zu unterstützen. Hierzu zählt auch der<br />

AWO Kindergarten „Pfiffikus“ und das<br />

AWO Seniorenzentrum Erndtebrück.<br />

Als musikalische Unterstützung wirken<br />

Alexander Klose am Klavier und<br />

Orgel sowie Sabine Rothenpieler, Sopran-<br />

und Altblockflöte und der Gesangsverein<br />

Balde-Melbach mit. Die<br />

Hauptrolle für die kleine Sarah wird von<br />

Laura Wegener übernommen und für die<br />

große Sarah wurde Michelle Seiferth<br />

gewonnen. Sabine Rothenpieler: „Mir<br />

ist es wichtig, dass die Generationen<br />

miteinander in Berührung kommen und<br />

voneinander lernen. Ein weiterer Grund<br />

für dieses Projekt ist die Vernetzung<br />

der Vereine im Ort. Die Aufführung findet<br />

am Samstag, dem 2. Dezember um<br />

16 Uhr in der Evangelischen Kirche<br />

Erndtebrück statt. Die Einnahmen des<br />

Konzertes gehen an den AWO Kindergarten<br />

„Pfiffikus“ sowie an das AWO<br />

Seniorenzentrum.<br />

•<br />

10 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 11


Kurz berichtet<br />

Ältere Menschen in der digitalen Welt<br />

Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen bezieht Position<br />

Kurz berichtet<br />

Was bringt uns das?<br />

Als Senioren ins Internet<br />

Internetschulung im Siegener Senec@fé, im Haus Herbstzeitlos<br />

Bonn. Älteren Menschen eine möglichst<br />

selbstständige und selbstbestimmte<br />

Lebensführung und gesellschaftliche<br />

Teilhabe zu ermöglichen, ist eines der<br />

wichtigsten Ziele der 1989 gegründeten<br />

BAGSO *) . Das Internet gewinnt dabei<br />

eine immer größere Bedeutung. Die<br />

BAGSO hat in den vergangenen Jahren<br />

zahlreiche Initiativen entwickelt, um älteren<br />

Menschen den Einstieg in dieses<br />

Medium zu erleichtern und ihre Medienkompetenz<br />

zu fördern, etwa durch den<br />

Einsatz technikaffiner Lotsen, die selbst<br />

bereits im Seniorenalter sind. Der 2008<br />

erstmals erschienene Wegweiser durch<br />

die digitale Welt konnte bereits mehr als<br />

300.000 Mal kostenlos verteilt werden.<br />

Mit Unterstützung des Bundesministeriums<br />

der Justiz und für Verbraucherschutz<br />

(BMJV) erscheint der Ratgeber<br />

im Dezember <strong>2017</strong> in einer achten Auflage.<br />

Neben der Hilfestellung für ältere<br />

Internetnutzerinnen und-nutzer stellt die<br />

BAGSO auch Forderungen an die Politik<br />

und die Unternehmen der Informations-<br />

und Kommunikationstechnik. So<br />

erwartet sie, dass Strategiekonzepte auf<br />

Bundes- und Landesebene zur Digitalisierung<br />

der Gesellschaft um verbindliche<br />

Ziele und konkrete Maßnahmen für<br />

die digitale Bildung älterer Menschen<br />

ergänzt werden. Diese und weitere Forderungen<br />

sind in dem aktuellen Positionspapier<br />

Ältere Menschen in der digitalen<br />

Welt zusammengefasst. Sie finden<br />

es auf der Internetseite der BAGSO<br />

unter www.bagso.de. Weitere Informationen<br />

BAGSO e.V. Ursula Lenz,<br />

Pressereferat Thomas-Mann-Str. 2-4,<br />

53111 Bonn 0228 / 24 99 93 18<br />

Pressetext der BAGSO<br />

*)BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen)<br />

ist die Dachorganisation<br />

von 115 Verbänden.<br />

Siegen. Dieses Thema bildete den<br />

Schwerpunkt beim Tag der offenen Tür<br />

am 30. Oktober im „Senec@fé“ von<br />

ALTERaktiv Siegen-Wittgenstein e.V..<br />

Neben allgemeinen Vorträgen erhielten<br />

die zahlreichen Besucher*innen vielfältige<br />

Informationen.<br />

Die Mitarbeiter des „Senec@fé“ im<br />

städtischen Begegnungszentrum „Haus<br />

Herbstzeitlos“ gaben Tipps, wie man<br />

sich am besten kundig macht, wenn<br />

man ein neues Smartphone oder Tablet<br />

anschaffen möchte und was beim Kauf<br />

beachtet werden sollte. Zahlreiche praktische<br />

Anwendungen der smarten Geräte<br />

wurden ebenso demonstriert, wie auch<br />

der Umgang mit Laptops.<br />

Im „Sene@fé – Treffpunkt neue Medien“<br />

werden bereits seit vierzehn Jahren<br />

Senioren im Umgang mit der neuen<br />

Technik unterrichtet. Die mittlerweile<br />

erfahrenen Mitarbeiter im Ruhestand<br />

helfen beim Einstieg, führen in kleinen<br />

Rege Teilnahme beim Tag der offenen Tür des Senec@fés im Haus Herbstzeitlos<br />

Schritten an den Umgang mit den Geräten<br />

heran und vermitteln das notwendige<br />

Wissen über das Internet.<br />

Computer, Smartphone & Co verwandeln<br />

die Kommunikation und den Alltag<br />

erheblich. „Ältere sollten sich unbedingt<br />

aktiv mit den neuen Medien auseinandersetzen.<br />

Nur so können sie auch in Zukunft<br />

ihr Leben noch unabhängig und selbstbestimmt<br />

gestalten“, davon ist Antonie Dell,<br />

Leiterin der Einrichtung zutiefst überzeugt.<br />

Das Lernen Spaß machen kann<br />

weiß man. Dass das Lernen im Bereich<br />

der modernen Medien viele neue Anwendungsgebiete<br />

mit ungeahnten Horizonten<br />

eröffnet, kann man erfahren, wenn man<br />

bereit ist sich darauf einzulassen. Die<br />

Mitarbeiter*innen des „Senec@fé“ im<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Str. 151 helfen auf dem Weg dorthin. ●<br />

Fremde Hilfe in Haushalt und Garten<br />

Warum eine Anmeldung so wichtig ist<br />

Siegen-Wittgenstein. Älter, gebildet<br />

und gutverdienend – Senioren verlassen<br />

sich immer öfter auf helfende Hände<br />

im Haushalt. Aus der hilfreichen Unterstützung<br />

für Haus und Garten werden<br />

oft „heimliche Helfer“: unangemeldete<br />

Haushaltshilfen, die schwarzarbeiten.<br />

Doch es gilt: Nur wer anmeldet, ist sicher<br />

und kann Steuervorteile nutzen.<br />

Mit zunehmendem Alter gehen die<br />

anfallenden Arbeiten in Haus und Garten<br />

nicht mehr so einfach von der Hand.<br />

Trotzdem gibt es täglich jede Menge zu<br />

tun: Einkaufen, Kochen, Putzen oder Unkraut<br />

jäten. Viele Senioren wünschen sich<br />

Unterstützung im Haushalt und würden<br />

gern auf eine Hilfe vertrauen, die sie bei<br />

anstrengenden Tätigkeiten entlastet. So<br />

können Senioren ihren Tagesablauf in<br />

vollen Zügen genießen – frei von täglichen<br />

Lasten. Doch wer seine Helfer<br />

bezahlt, muss sich auch um eine ordentliche<br />

Anmeldung kümmern. Diese ist die<br />

Basis einer guten Zusammenarbeit und<br />

bietet sowohl für Arbeitnehmer als auch<br />

Arbeitgeber zahlreiche Vorteile.<br />

Anmeldung:<br />

Beide Seiten profitieren<br />

Haushaltshilfen können monatlich<br />

bis zu 450 Euro verdienen. Minijobber<br />

können sich jederzeit von der Rentenversicherungspflicht<br />

befreien lassen. Der<br />

Pauschalbetrag des Arbeitgebers beträgt<br />

fünf Prozent, so dass die Haushaltshilfen<br />

auch ohne Einzahlung geminderte Rentenansprüche<br />

erwerben. Darüber hinaus<br />

ist die Anmeldung eine Entscheidung<br />

für mehr Rechte, Sicherheit und Steuervorteile.<br />

Während Minijobber Anspruch<br />

auf Urlaub und Entgeltfortzahlung im<br />

Krankheitsfall haben, ist der Arbeitgeber<br />

über die Unfallversicherung vor Ansprüchen<br />

bei Unfällen einer Haushaltshilfe<br />

geschützt. Zudem kann er jährlich bis zu<br />

20% der Kosten – maximal 510 Euro im<br />

Jahr – steuerlich absetzen. Die Summe<br />

der pauschalen Abgaben des Arbeitgebers<br />

beträgt maximal 14,8 % des gesamten<br />

Arbeitsentgelts. Im Gegensatz droht<br />

jedem Arbeitgeber ein Bußgeld von bis<br />

zu 5.000 Euro, wenn die Haushaltshilfe<br />

nicht bei der Minijob-Zentrale angemeldet<br />

ist. Verdient die Haushaltshilfe bis zu<br />

450 Euro im Monat, ist ihre Anmeldung<br />

ein Fall für die Minijob-Zentrale.<br />

Finden statt Suchen:<br />

die Haushaltsjob-Börse<br />

Doch wie kommen Haushaltshilfen<br />

und private Arbeitgeber zusammen? Auf<br />

www.haushaltsjob-boerse.de können sich<br />

Arbeitnehmer und -geber ganz einfach anmelden,<br />

ihre Anfrage und ihr Angebot mit<br />

einem kurzen Anzeigentext sowie einem<br />

Foto darstellen. Die Börse ist kostenlos<br />

und gilt deutschlandweit. Infos unter:<br />

0355 / 290 270 799 oder direkt im Internet<br />

unter: www.minijob-zentrale.de •<br />

12 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 13


Aus dem Siegener Seniorenbeirat<br />

Der neue Siegener Seniorenbeirat<br />

Nachfolgend die Beiratsmitglieder<br />

und deren Stellvertreter*innen, die für<br />

die städtischen Ausschüsse gewählt wurden.<br />

(Die notwendige Bestätigung durch<br />

den Rat ist wahrscheinlich, war aber bis<br />

Redaktionsschluss noch nicht erfolgt).<br />

Fachausschüsse<br />

Ausschuss für Soziales,<br />

Familien- und Seniorenfragen:<br />

Dr. Maria Czell / Dr. Horst Bach<br />

•<br />

Ausschuss für Schul- und Bildungswesen:<br />

Ernst Göckus/Magdalene Sörries-Meister<br />

•<br />

Jugendhilfeausschuss:<br />

Karin Piorkowski / Helga Mücke<br />

•<br />

Bauausschuss:<br />

Dr. Jochen Münch / Elke Lohmeier<br />

•<br />

Verkehrsausschuss:<br />

Peter Schiffmann / Heinrich Killet<br />

•<br />

Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung,<br />

Stadthallen und Liegenschaften:<br />

Dr. Horst Bach / Klaus Leukel<br />

•<br />

Kulturausschuss:<br />

Christel Henke / Marlene Müller<br />

•<br />

Sport- und Bäderausschuss:<br />

Dr. Horst Uzar / Michael Horak<br />

•<br />

Ausschuss für Feuerschutz, Sicherheit<br />

und Ordnung:<br />

Hans Amely / Armin Maxeiner<br />

•<br />

Ausschuss für Umwelt,<br />

Landschaftspflege und Energie:<br />

Dr. Wolfgang Bauch / Brigitte Burk<br />

Bezirksausschüsse<br />

Bezirksausschuss I Siegen-Geisweid<br />

Klaus Leuckel / Magdalene Sörries-<br />

Meister<br />

•<br />

Bezirksausschuss II Siegen-Weidenau:<br />

Dr. Jochen Münch / Christel Henke<br />

•<br />

Bezirksausschuss III Siegen-Ost:<br />

Armin Maxeiner / Eberhard Schäfer<br />

•<br />

Bezirksausschuss IV Siegen-Mitte:<br />

Dr. Bernd Knapp / Peter Schiffmann<br />

•<br />

Bezirksausschuss V Siegen-West:<br />

Helmut Plate / Dr. Maria Czell<br />

•<br />

Bezirksausschuss VI Siegen-Süd:<br />

Michael Horak / Rolf Steinemann<br />

Sonstige Gremien<br />

Pflegekonferenz Kreis Siegen:<br />

Dr. Bernd Knapp / Karl-Adolf Fries<br />

•<br />

Integrationsrat:<br />

Alfonso Lopez-Garcia / Brigitte Burk<br />

•<br />

Interkulturelles Seniorennetzwerk:<br />

Elke Lohmeier / Ernst Göckus<br />

•<br />

Beirat für Menschen mit Behinderung:<br />

Dr. Wolfgang Bauch / Marlene Müller<br />

•<br />

Beirat Neukonzeption Weihnachtsmarkt<br />

Karl Adolf Fries / Marlene Müller<br />

•<br />

Projektbegleitender Arbeitskreis: „Entwicklung<br />

eines Radverkehrskonzeptes<br />

für Siegen in Anlehnung an den Nationalen<br />

Radverkehrsplan 2020“<br />

Hans Amely / Dr. Bernd Knapp<br />

•<br />

Siegen. In seiner ersten Sitzung am<br />

11. September <strong>2017</strong> wählte der Seniorenbeirat<br />

der Universitätsstadt Siegen einen<br />

neuen Vorstand. Unter der Leitung von<br />

Bürgermeister Steffen Mues wurde Dr.<br />

Horst Bach in seinem Amt als Vorsitzender<br />

einstimmig bestätigt. Als stellvertretende<br />

Vorsitzende wurden Dr. Maria Czell<br />

und Michael Horak sowie Pressesprecher<br />

Ernst Göckus ebenfalls wiedergewählt.<br />

Neue Schriftführerin ist Brigitte Burk, die<br />

damit die Nachfolge von Hans Amely antritt.<br />

Ein besonderer Dank des Bürgermeisters<br />

richtete sich an Rotraud Ewert, Rolf<br />

Holdinghausen und Dr. Dieter Stündel,<br />

welche nicht erneut kandidierten.<br />

Zu Beginn der Sitzung würdigte Mues<br />

die Arbeit des Seniorenbeirates als<br />

Sprachrohr der älteren Generation und<br />

dankte im Beisein von Dezernent Andre<br />

Schmidt und dem Seniorenbeauftragten<br />

Lars Dörr für die Übernahme der künftigen<br />

5-jährigen Tätigkeit. Für die kommende<br />

Amtsperiode wünschte er viel<br />

Beharrlichkeit, Erfolg, aber auch Freude<br />

an der gemeinsamen Arbeit. Besonders<br />

hob er den wohltuenden Umgangsstil<br />

zwischen Seniorenbeirat, Verwaltung<br />

und Politik hervor.<br />

Die älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger<br />

machen gegenwärtig bereits rund<br />

ein Viertel der Siegener Gesamtbevölkerung<br />

aus. Deswegen sei es wichtig,<br />

Sichtweisen, Anliegen und Wünsche<br />

der älteren Menschen zu erfahren und in<br />

künftige Entscheidungen einfließen zu<br />

lassen. „Mit erhöhtem Alter nimmt die<br />

Weisheit zu. Es ist besser zu sagen, was<br />

man will, als bloß zuhause zu sitzen und<br />

sich zu ärgern“, so der Bürgermeister.<br />

Am 10. Oktober <strong>2017</strong> traf sich der<br />

neugewählte Seniorenbeirat im Rathaus<br />

Geisweid zu seiner ersten Arbeitssitzung.<br />

An diesem Tag wurden die<br />

Beiratsmitglieder für die städtischen<br />

Ausschüsse benannt. Anzahl und Besetzung<br />

der neuen Arbeitskreise bildeten<br />

einen weiteren Schwerpunkt. Hier gab<br />

es gleich eine Änderung bzw. Erweiterung<br />

gegenüber der vorangegangenen<br />

Wahlperiode. Nicht mehr drei, sondern<br />

vier Arbeitskreise wurden einstimmig<br />

beschlossen. Neu hinzugekommen ist<br />

der Arbeitskreis IV Bauen und Wohnen.<br />

Wie Beiratsvorsitzender Dr. Horst Bach<br />

mitteilte, komme diesem Thema in der<br />

Stadt eine besondere Bedeutung zu, da<br />

preisgünstiger und barrierefreier Wohn-<br />

raum für ältere Menschen Mangelware<br />

in der Krönchenstadt sei. Mehrfach habe<br />

der Siegener Seniorenbeirat bereits<br />

in der Vergangenheit schon an die Stadt<br />

appelliert, diesem Thema eine verstärkte<br />

Beachtung zu schenken.<br />

Die drei anderen Arbeitskreise haben<br />

im Wesentlichen ihre Schwerpunkte<br />

behalten. So wird der Arbeitskreis I,<br />

der sich in der Vergangenheit in der<br />

Hauptsache mit dem Besuch von Krankenhäusern<br />

und Pflegeeinrichtungen<br />

befasst hatte, sich auch in Zukunft der<br />

Themen Gesundheit, Bewegung, Pflege<br />

und Soziales annehmen. Kultur, Veranstaltungen,<br />

Partnerschaften und Öffentlichkeitsarbeit<br />

werden weiterhin<br />

die originären Schwerpunkte des Arbeitskreises<br />

II sein. Schließlich gehören<br />

auch Sicherheit, Mobilität und Verkehr<br />

zu den Themen, die gerade für ältere<br />

Menschen zunehmend wichtig sind. Sie<br />

werden weiterhin im Arbeitskreis III in<br />

enger Abstimmung mit den zuständigen<br />

Verwaltungsgremien bearbeitet. Bis<br />

etwa Mitte November werden die vier<br />

Arbeitskreise in eigenen Sitzungen ihre<br />

künftigen Sprecher und Stellvertreter<br />

wählen. <br />

Ernst Göckus<br />

14 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 15


Zehn Jahre Senioren-Service-Stellen<br />

Zehn Jahre Senioren-Service-Stellen<br />

Bettina Großhaus-Lutz<br />

Neunkirchen<br />

Birgit Meier-Braun<br />

Burbach<br />

Jutta Schmidt<br />

Winsdorf<br />

Vertrauensvolle Ansprechpartner<br />

im südlichen Siegerland<br />

Neunkirchen, Wilnsdorf, Burbach<br />

Senioren-Service-Stellen sind wichtige<br />

Anlaufstellen für ältere und pflegebedürftige<br />

Menschen sowie deren Angehörige.<br />

Vor zehn Jahren wurden sie im Rahmen der<br />

Zukunftsinitiative „Leben und Wohnen im<br />

Alter“ in allen kreisangehörigen Städten<br />

und Gemeinden eingerichtet. Die Seniorenberaterinnen<br />

im südlichen Siegerland,<br />

Birgit Meier-Braun, Bettina Großhaus-<br />

Lutz und Jutta Schmidt, arbeiten in vielen<br />

Belangen eng und sehr erfolgreich zusammen.<br />

Da im vergangenen Jahrzehnt viele<br />

hundert Seniorinnen und Senioren von<br />

diesem engagierten Angebot profitiert haben,<br />

feierten die drei Gemeinden Burbach,<br />

Neunkirchen und Wilnsdorf ihren runden<br />

Geburtstag.<br />

Bei einem Glas Sekt und einem Stück<br />

Kuchen ließen die Verwaltungschefs und<br />

Seniorenberaterinnen der drei Gemeinden<br />

die Entwicklung der letzten zehn Jahre<br />

Revue passieren. Im vierten Quartal 2007<br />

öffneten im Kreis Siegen-Wittgenstein<br />

elf Senioren-Service-Stellen. Als zentrale<br />

Anlauf- und Vermittlungsstelle in jeder<br />

Stadt bzw. Gemeinde haben sie seitdem<br />

die Aufgabe, als Bindeglied zwischen den<br />

Beratungsaktivitäten des Kreises und den<br />

Kommunen zu fungieren. Ältere und pflegebedürftige<br />

Menschen, aber auch deren<br />

Angehörigen finden in den kommunalen<br />

Einrichtungen kompetente und vertrauensvolle<br />

Ansprechpartnerinnen für Fragen<br />

rund ums Alter und Älterwerden.<br />

„Als die Senioren-Service-Stellen ihre<br />

Arbeit aufnahmen, war das Interesse der<br />

älteren Bürgerinnen und Bürger noch recht<br />

zurückhaltend“, erinnert sich die Neunkirchener<br />

Seniorenberaterin Bettina Großhaus-Lutz.<br />

Um den Bekanntheitsgrad der<br />

neuen Einrichtung im Rathaus zu erhöhen,<br />

ging die Sozialpädagogin auf ihre Zielgruppe<br />

zu, besuchte Seniorenrunden und<br />

Frühstückstreffs. Auch ihre Kolleginnen<br />

in Burbach und Wilnsdorf wurden initiativ<br />

und referierten über seniorenspezifische<br />

Themen. Seit dem füllen sich ihre Büros<br />

regelmäßig mit Senioren, die qualifizierte<br />

Hilfe erwarten können.<br />

Wer versorgt mich, wenn ich auf Hilfe<br />

angewiesen bin? Wer kauft für mich ein?<br />

Und wie komme ich zum Arzt? Wo gibt es<br />

seniorengerechte Wohnungen? Oft sind es<br />

Fragen zur Alltagsbewältigung, mit denen<br />

die Seniorenberaterinnen konfrontiert werden.<br />

Hier informieren die Senioren-Service-<br />

Stellen über Hilfsangebote. Wohnen die<br />

Angehörigen im Haus, haben die Seniorenberaterinnen<br />

die Telefonnummer von Entlastungsdiensten<br />

zur Hand, auch Besuchs- und<br />

Begleitdienste können vermittelt werden.<br />

Den älteren Menschen ist es zumeist ein<br />

großes Anliegen, möglichst lange selbständig<br />

und selbstbestimmt in den eigenen vier<br />

Wänden zu leben. Zugleich steigt die Zahl<br />

der allein lebenden Menschen kontinuierlich<br />

an. „Unser Beratungsangebot reicht<br />

von der Vermittlung von Fahr- oder Besuchsdiensten<br />

bis zur Unterstützung beim<br />

Beantragen einer Pflegestufe“, erläutert<br />

Jutta Schmidt, Seniorenberaterin in Wilnsdorf.<br />

Auch wenn sich die häusliche Situation<br />

durch eine Krankheit oder einen Unfall<br />

plötzlich ändert, sind die Mitarbeiterinnen<br />

der Senioren-Service-Stellen gefordert,<br />

mit einer schnellen Lösung auf die neuen<br />

Herausforderungen zu reagieren.<br />

Das Angebot hat sich im Lauf der vergangenen<br />

zehn Jahre den Bedürfnissen der<br />

Senioren angepasst: „Die Freizeitgestaltung<br />

war anfangs ein großes Thema“, weiß<br />

Großhaus-Lutz. Die drei Kommunen boten<br />

Fahrsicherheitstrainings an und informierten<br />

in Kooperation mit der Polizei über Sicherheitsmaßnahmen<br />

in Haus und Wohnung. Eine<br />

ganze Reihe verschiedener Vorträge und<br />

Veranstaltungen wurden organisiert. „Inzwischen<br />

sind Fragen rund um das Pflegestärkungsgesetz<br />

und die Finanzierung der Pflege<br />

in den Vordergrund gerückt“, erklärt ihre<br />

Wilnsdorfer Kollegin. Angehörige, Nachbarn<br />

oder die Betroffenen selbst möchten<br />

über die Leistungen der Pflegeversicherung<br />

informiert werden und wissen, welche Unterstützung<br />

sie erwarten können.<br />

Neben der persönlichen Beratung bieten<br />

die Seniorenberaterinnen ein vielfältiges<br />

Kommunen übergreifendes Vortragsangebot<br />

an: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht,<br />

Demenz oder seniorengerechtes<br />

Wohnen werden darin thematisiert. Alle drei<br />

Gemeinden haben eine Taschengel<strong>db</strong>örse,<br />

bieten regelmäßig Gedächtnistraining an<br />

und führten vor kurzem Notfallpässe und<br />

Notfalldosen ein. Zum dritten Mal wurde<br />

im vergangenen Jahr ein gemeinsamer<br />

Seniorenwegweiser mit allen wichtigen<br />

Kontakten und Informationen herausgegeben.<br />

„Daneben gibt es in allen drei Gemeinden<br />

individuelle Angebote, die vom<br />

Rollator- oder Demenztag über Demenzführungen<br />

bis zu der Veranstaltungsreihe<br />

„Geborgenheit im Alter“ reichen“, erläutert<br />

die Burbacher Seniorenberaterin Birgit<br />

Meier-Braun.<br />

Angesichts der demografischen Entwicklung<br />

ist es uns wichtig ein zukunftsfähiges<br />

Angebot für die Menschen in<br />

unseren Kommunen vorzuhalten“, so<br />

Christa Schuppler, Bernhard Baumann<br />

und Christoph Ewers, die Verwaltungschefs<br />

aus Wilnsdorf, Neunkirchen und<br />

Burbach. Um die Bedarfe der Seniorinnen<br />

und Senioren zu ermitteln, werden<br />

in den Kommunen regelmäßig Befragungen<br />

unter den Seniorinnen und<br />

Senioren durchgeführt. So können die<br />

Verwaltungen schnell reagieren.<br />

Seit zehn Jahren finden in den Senioren-<br />

Service-Stellen Tag für Tag zahlreiche<br />

beratende und informative Gespräche<br />

Feiern zehn Jahre erfolgreiche Arbeit. Seniorenbeauftragte und<br />

Verwaltungsleitungen der Gemeinden Burbach, Neunkirchen und Wilnsdorf<br />

statt. Mit den Seniorenberaterinnen hat<br />

jede Anlaufstelle ein Gesicht bekommen.<br />

Die Vernetzung innerhalb der drei Kommunen<br />

funktioniert vorbildlich. Durch<br />

den regelmäßigen Austausch können die<br />

Angebote ständig optimiert werden. Die<br />

Bürgerinnen und Bürger schätzen das<br />

persönliche und vertrauensvolle Verhältnis<br />

während der Beratungssituation und<br />

darüber hinaus. „Die Senioren-Service-<br />

Stellen haben während der vergangenen<br />

zehn Jahre an Dynamik gewonnen und<br />

sind zweifellos ein Erfolgsmodell“, sind<br />

sich die Verantwortlichen einig. ●<br />

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18 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 19


Die Christianisierung<br />

an Eder, Lahn und Sieg<br />

Felsenkirche St. Lubentius in Dietkirchen an der Lahn<br />

Im Grenzgebiet der früher selbständigen Kreise Siegen<br />

und Wittgenstein, am Fuße des Rothaargebirges,<br />

entspringen drei bedeutende deutsche Flüsse, die bis<br />

zum Beginn des achten Jahrhunderts an ihren Oberläufen<br />

nicht von christlichen Missionaren besucht worden<br />

waren. Es handelt sich um<br />

► Eder, 177 km lang, mündet in Guntershausen in die Fulda,<br />

► Lahn, 245 km lang, fließt in Lahnstein in den Rhein,<br />

► Sieg, 130 km lang, verstärkt bei Bergheim den Rhein.<br />

Die Frage, wann und wie die Botschaft von Gott und<br />

Jesus Christus nach Europa und später in die Quellgebiete<br />

der vorbezeichneten Gewässer gelangte, soll in dieser Darstellung<br />

näher betrachtet werden.<br />

Paulus, ein im jüdischen Glauben und in Philosophie<br />

hoch gebildeter Mann mit römischem Bürgerrecht, geboren<br />

in der römischen Provinzstadt Tarsus, heute in der Türkei<br />

gelegen, hatte sich der Lehre von Jesus Christus angeschlossen<br />

und eine rege Verkündigungstätigkeit entfaltet. Er befand<br />

sich mit Timotheus auf seiner zweiten Missionsreise in<br />

Kleinasien, als ihm im Traum ein Mann erschien, der ihn bat,<br />

nach Mazedonien (Griechenland) zu kommen (Apg. 16,9).<br />

Dorfkirche von Arfeld<br />

2 Fotos: Archiv Stötzel<br />

Die beabsichtigte Reiseroute<br />

wurde geändert und<br />

mit dem Schiff gelangten<br />

sie nach der in Griechenland<br />

gelegenen Hafenstadt<br />

Neapolis, nicht Neapel in<br />

Italien. In Philippi, einer<br />

weiteren bedeutenden Stadt<br />

auf dem griechischen Festland,<br />

setzten sie ihre Missionstätigkeit<br />

fort. Es folgten<br />

Thessaloniki, Korinth und<br />

Athen.<br />

In Griechenland bildeten<br />

sich christliche Gemeinden,<br />

ebenso in Kleinasien<br />

und Italien. Unter<br />

Konstantin dem Großen,<br />

von 306 bis 337 Kaiser,<br />

schritt die Christianisierung<br />

voran. Über Griechenland<br />

und Italien gelangten die ersten Missionare ins<br />

damalige Reich der Franken, welches sich von Spanien<br />

über Frankreich bis nach Thüringen erstreckte. Im zweiten<br />

Jahrhundert hatten Missionare bereits den Rhein erreicht 1) .<br />

Es dauerte Jahrhunderte, bis christliche Boten an den<br />

Oberläufen von Eder, Lahn und Sieg angekommen waren.<br />

Zuvor waren Bischofsitze in Trier, Köln, Mainz und Worms<br />

entstanden. Als maßgeblicher Missionar für die Region Siegerland/Wittgenstein<br />

wird weitgehend Bonifatius genannt.<br />

Dieser um 672 in Crediton (Südengland) geborene Wynfreth<br />

wurde als Benediktinermönch zum Priester geweiht<br />

und erhielt am 15.5.719 von Papst Gregor II seinen neuen<br />

Namen: Bonifatius, ins Deutsche übersetzt: Wohltäter.<br />

Er gründete 721 im Marburger Becken, auf dem Hochplateau<br />

von Amöneburg, ein Kloster, welches Ausgangspunkt<br />

der Missionierungen an den Oberläufen von Eder,<br />

Lahn und Sieg wurde 2) . Auf Pilgerwegen zogen die Mönche<br />

lahnaufwärts und wie andernorts entstanden christliche<br />

Gemeinden in Biedenkopf, Laasphe und Feudingen.<br />

Die Städte Marburg an der Lahn und Frankenberg an<br />

der Eder sind durch das Münchhausener Tal miteinander<br />

verbunden. Es ist zu vermuten, daß ein Teil der Mönche aus<br />

Amöneburg von Frankenberg ederaufwärts zog und Ende<br />

des achten Jahrhunderts Erndtebrück und die Außenweiler<br />

des oberen Edertals erreichten.<br />

Etwa zeitgleich erfolgte, vermutlich vom Gebiet der<br />

mittleren Lahn, die Christianisierung des Dilltals. Dies<br />

belegt eine Schenkungsurkunde vom 13.3.778, in der die<br />

fränkische Freifrau Theutbirg dem Kloster Lorsch an der<br />

Bergstraße Grun<strong>db</strong>esitz im Lahn- und Dilltal überträgt 3) .<br />

Arfeld, zwischen Hatzfeld und Berleburg gelegen, hatte<br />

sich früh der „neuen Lehre“ angeschlossen, wie eine Urkunde<br />

vom 25.7.800 beweist. Eine Adelsfamilie übertrug in<br />

diesem Vertrag ebenfalls Grundstücke an das Benediktiner-<br />

Kloster in Lorsch, die in Arfeld, oberhalb der Eder, gelegen<br />

sind 4) . Arfeld liegt nur sechs Kilometer von Bad Berleburg<br />

entfernt und war ab Mitte des dreizehnten Jahrhunderts<br />

Dekanatssitz im Bistum Mainz. In beiden vorbezeichneten<br />

Urkunden wird ausdrücklich der Name der Märtyrers Narzarius<br />

erwähnt, dessen Gebeine im Kloster Lorsch ruhen.<br />

Auch Siegen und die dort im dreizehnten Jahrhundert<br />

errichtete Martini-Kirche war diesem Dekanatssitz zugeordnet<br />

5) und von dort ca. 46 – 48 km Fußweg entfernt.<br />

Bei den holprigen Handelsstraßen, Hohlwegen und<br />

Waldpfaden waren zur Durchführung der kirchlichen Visitationen<br />

ein oder zwei Zwischenübernachtungen notwendig.<br />

Dies war an den Standorten der weiteren Martini-Kirchen<br />

in Raumland, Feudingen oder Netphen möglich. Die Ortspriester<br />

bewohnten dort jeweils kleine Pfarrhäuser und der<br />

reisende Dekan konnte dort kostenfrei nächtigen. Der von<br />

1303 bis 1349 in Netphen amtierende Pfarrer Heinrich war<br />

gleichzeitig Dekan von Arfeld und musste seine Besuche<br />

bis dorthin ausdehnen 6) .<br />

Die Missionierung des unteren Lahntales von Lahnstein<br />

bis in die Region um Limburg wird dem heiligen Lubentius<br />

zugeschrieben, dessen Gebeine sich in der Kirche seines<br />

Namens in Dietkirchen befinden sollen. Sein Geburtsdatum<br />

ist nicht bekannt, der Todeszeitpunkt wird um 370 vermutet<br />

7) . Er darf nicht mit Laurentius verwechselt werden,<br />

der als Märtyrer im Jahr 258 in Rom auf einem glühenden<br />

Rost zu Tode gefoltert wurde.<br />

Bonifatius und die Mönche des Klosters Amöneburg haben<br />

vermutlich die Christianisierung am Oberlauf der Sieg<br />

Historisches aus Siegen-Wittgenstein<br />

vorgenommen. Von der Siegmündung flußaufwärts erfolgte<br />

die Missionierung vermutlich einige Jahrhunderte zuvor.<br />

Im Verlauf der Geschichte entstanden in der Region<br />

Siegen-Wittgenstein die Urkirchen, in denen kleine<br />

Gotteshäuser aus Holz erbaut wurden. Gemauerte Kirchen<br />

entstanden in Siegen, Netphen, Feudingen und Raumland<br />

im dreizehnten Jahrhundert. Die Bewohner aus den nahen<br />

und fernen Ansiedlungen besuchten sonntäglich die dort<br />

stattfindenden Gottesdienste.<br />

Der Lahnhof, in dessen Nahbereich die Quellen der<br />

drei genannten Flüsse liegen, war der Urpfarrei Netphen<br />

zugeordnet. Der Kirchweg nach dort ist 14 km lang und<br />

erfordert eine Gehzeit von ca. drei Stunden. Für den ausschließlich<br />

ansteigenden Rückweg müssen viereinhalb bis<br />

fünf Stunden eingeplant werden.<br />

In wenigen Wochen ist Weihnachten. Die Botschaft der<br />

Engel hat für Christen weiterhin Gültigkeit: „Ehre sei Gott<br />

in der Höhe und Frieden auf Erden.“<br />

Heinz Stötzel<br />

Urkunden- und Literaturverzeichnis: 1.) Jürgensmeier, Dr. Friedhelm, Das Bistum Mainz,<br />

Verlag Josef Knecht, Frankfurt, Seite 11. 2.) v. Loewenich, Walter, Geschichte der Kirche I,<br />

Siebenstein Taschenbuch, 1960, Seite 99. Schmidt, Kurt Dietrich Kirchengeschichte, 1984,<br />

Seiten 168 ff. wie 1.) Seiten 28 ff. 3.) Urkunde vom 13. März 778 Urkundensammlung „Lorscher<br />

Codex“, registriert unter der Nr. 1375, Original im Staatsarchiv Würzburg, abgedruckt<br />

in „Stadtkirche Haiger“, 1998, Seiten 8/9. 4.) Urkunde vom 25. Juli 800 Urkundensammlung<br />

„Lorscher Codex“, Original unter der Nr. 3796 registriert, abgedruckt im Buch „Der Perner<br />

von Arfeld“, 1983, Seiten 9+10. 5.) Hoeynck, Franz Anton Geschichte des Dekanats Siegen,<br />

Paderborn, 19<strong>04</strong>, Seite 5. Groetehen, Dr. Friedrich Albert Das katholische Siegerland, Siegen,<br />

1915, Seite 18 6.) Vollmer, Caspar Al. Pfarrgeschichtliche Chronik von Netphen, begonnen<br />

1870, Seite 8. 7.) Datenbank Wikipedia Todeszeitpunkt um 370 in Kobern an der Mosel.<br />

20 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 21


Weihnachten<br />

Weihnachten<br />

Bleibende Eindrücke<br />

Eine Siegener Kurzgeschichte<br />

Er blickte von seinem Buch auf und schaute aus dem<br />

Fenster, als die Dunkelheit vollends die Szenerie beherrschte.<br />

Die Abenddämmerung hatte zwar seit dem<br />

letzten Halt schnell zugenommen, und so brauchte er ein<br />

paar Sekunden, um zu realisieren, dass der Zug sich nunmehr<br />

in einem Tunnel befand. Offensichtlich hatte das Abtauchen<br />

in die Lektüre seine feierabendliche Entspannung befördert.<br />

Er kannte die Bahnstrecke gut und wusste, dass der<br />

Regionalexpress nach Verlassen des Tunnels in Kürze den<br />

Siegener Bahnhof erreichen würde. Die verschneite Mittelgebirgslandschaft<br />

strahlte eine geradezu pastorale Harmonie<br />

aus, die Proportionen von Hügeln und Tälern zeigten sich in<br />

einer beruhigenden Ordnung. Als der Tunnel den Zug wieder<br />

ausspie und dieser die kleine Schlucht hinter dem Tunnelportal<br />

passiert hatte, gewannen die Lichter der abendlichen<br />

Stadtszenerie Oberhand. Der Mann nahm die Lichtbänder<br />

der Autos unter der Brücke auf der Bundesstraße, eines in<br />

Weiß, das andere in Rot als pulsierendes Zeichen von Mobilität<br />

wahr. Die Lebensader der Stadt, er genoss den Blick, so<br />

lange er konnte, auf die winzig erscheinenden Elemente, die<br />

zusammen den Fluss in der Ader aufrecht erhielten.<br />

Im Gegensatz zur Landschaft vor der Tunnelpassage war<br />

eine seltsame Mixtur aus Groß und Klein entstanden. Dieser<br />

Kontrast hatte schon immer eine Faszination auf ihn ausgeübt<br />

und er wandte den Blick zur anderen Talseite, dem<br />

Schlossberg zu, an dessen Hang eine neuerliche Vielzahl<br />

von kleinen Lichtpunkten die Stadt einrahmte. Ganz oben<br />

thronte das angestrahlte Schloss, von dem er als Kind immer<br />

gedacht hatte, dort residiere der Besitzer dieser Stadt,<br />

der Bürgermeister, ein großer Mann, zu dem alle Bürger<br />

aufzublicken hatten. Der Reisende war in dieser Stadt geboren,<br />

zwar nicht aufgewachsen, sondern im ländlichen Umfeld<br />

groß geworden, und regelmäßig hatte er sie mit seinen<br />

Eltern aufgesucht.<br />

Abseits der Straßen war die Stadt zugedeckt von einer<br />

kristallinen, weißen Fläche, der Schnee der vergangenen<br />

Tage war infolge der frostigen Temperaturen liegen geblieben.<br />

Auf dem ländlichen Teil der Strecke hatte vorhin diese<br />

fast künstlerisch anmutende Verpackung der Landschaft bei<br />

dem Reisenden ein angenehmes Gefühl ausgelöst, welches<br />

man friedlich nennen konnte. Jetzt aber war dieses Weiß<br />

über-formt von den für eine Großstadt typischen Gebäudegrößen:<br />

Wohnblocks, Geschäfts- und Bürohäuser, Einkaufszentren,<br />

Parkhäuser.<br />

Der Mann fühlte sich fast ein wenig gestört in seinen Gedanken,<br />

an das bevorstehende Weihnachtsfest, die damit einhergehende<br />

Ruhe durch die freien Tage bis zum Jahresanfang.<br />

Er hatte sich vorgenommen, jetzt noch schnell ein Weihnachtsgeschenk<br />

für seine Frau zu kaufen, verspürte jedoch<br />

keinerlei Lust auf einen Bummel in der großen Einkaufsgalerie,<br />

wenn er an die durch das Gebäude hetzenden Menschen<br />

und an die üppige, übergroße Dekoration in den langen<br />

Ladenzeilen dachte. Stattdessen fasste er den Entschluss, das<br />

Mosaik der kleinen Lichtimpulse noch eine Weile auf sich<br />

wirken zu lassen. Verstärkt wurde das sich ihm bietende Bild<br />

noch, als er sich nach dem Halt des Zuges auf dem Bahnsteig<br />

befand und seinen Blick über das Bahnhofsgelände schweifen<br />

ließ, dessen Lichtpunkte bahntechnisch begründet waren:<br />

Signale, Weichen, Lichter der Fahrzeuge kreierten eine neue<br />

Szenerie, die ihn an seine Modelleisenbahn erinnerte. Zu<br />

Weihnachten hatte er sie damals bekommen und er fühlte<br />

sich zurückversetzt an jenen Heiligabend, als er endlich das<br />

abgedunkelte Zimmer betreten durfte, in dem die Anlage<br />

fertig aufgebaut war. Seit diesem Tag tauchte er ein in diese<br />

Welt im Kleinen und er hatte sich diese Vorliebe bis heute<br />

bewahrt. Er war immer wieder aufs Neue fasziniert von der<br />

Miniaturisierung in der Technik, die er, beruflich wie privat,<br />

in den letzten Jahren betrachtet und genutzt hatte.<br />

Er trat auf den Bahnhofsvorplatz, sog die kühle Abendluft<br />

ein und fasste den spontanen Entschluss, erst den späteren<br />

Zug in Richtung Köln zu nehmen und einen Spaziergang<br />

durch seine Geburtsstadt dazwischenzuschieben.<br />

Schnellen Schrittes strebte er durch die Bahnhofstraße<br />

der Sieg zu, schaute kurz den der Kälte trotzenden Menschen<br />

zu, die in Decken gehüllt und unter Heizstrahlern sitzend,<br />

anscheinend die aktuelle Jahreszeit ignorieren wollten. Auf<br />

der Brücke über die Sieg hielt er inne und betrachtete die<br />

beiden lebensgroßen Bronzefiguren, jene Monument gewordenen,<br />

identitätsprägenden Respektspersonen, die er, früher<br />

am anderen Platz stehend, schon immer wegen ihrer Größe<br />

mit Ehrfurcht, fast mit einem bisschen Angst, betrachtet<br />

hatte. Offensichtlich hatte diese schwere Bürde bei der den<br />

Bergmann darstellenden Figur die tätigkeitsbedingte leicht<br />

gebückte Haltung noch verstärkt.<br />

Man hatte ihm damals erklärt, das seien große, bedeutende<br />

Männer des Siegerlandes gewesen. Von da an glaubte er eine<br />

Vorstellung von groß zu besitzen und beschloss zugleich, so<br />

nicht zu werden. Begeistert las er in seiner Kindheit Gullivers<br />

Reisen und das Aufeinandertreffen der Tielfigur mit<br />

den Riesen. Später am Gymnasium war Grass‘ Blechtrommel<br />

Pflichtlektüre und Oskar Matzerath, der beschlossen<br />

hatte, klein zu bleiben, avancierte zu seinem Helden.<br />

„Hier vorne müsste es gewesen sein“, sagte er sich, als er<br />

auf die Sandsraße stieß. Er überquerte die Straße, um von<br />

der gegenüberliegenden Seite einen besseren Überblick zu<br />

haben. Er suchte die Hausnummer 1, konnte sie jedoch nicht<br />

entdecken, nahm aber die dort befindlichen Läden in den<br />

Blick. Ein eigenartiges Gefühl überkam ihn, als er den Ort<br />

wiedererkannte. An dieser Stelle müsste sich „sein“ Geschäft<br />

befunden haben, dessen Schaufenster für ihn als Kind der<br />

Eingang zum Schlaraffenland zu sein schien: Modelleisenbahnen,<br />

Modellautos, jene kleine Welt der Spielzeuge, die<br />

auf jedes Kind der Welt eine besondere Faszination ausüben.<br />

In diesem Moment erinnerte er sich an den kleinen Jungen,<br />

der sich am Schaufenster die Nase platt gedrückt hatte sowie<br />

an drei Zeilen des Gedichtes „Kinder vor einem weihnachtlichen<br />

Schaufenster“ von Manfred Hausmann, das sie in der<br />

sechsten Klasse gelesen hatten:<br />

Leise wird es Winter werden,<br />

leise, weiß fällt bald der Schnee,<br />

Stille legt sich über Wälder,<br />

bald zugefroren ist der See.<br />

Das erste Kerzchen auf dem Kranz,<br />

brennt so schön auf Tannenmoos,<br />

DAS ist jetzt für uns das Zeichen:<br />

Auf die Plätze, fertig, los!<br />

Schnell machen wir uns auf die Socken,<br />

um das Weihnachtsfest zu rocken.<br />

Wofür, um alles in der Welt,<br />

ist denn sonst das Weihnachtsgeld?<br />

Wir Frauen uns die Haare raufen,<br />

was muss man nicht noch alles kaufen,<br />

perfekt soll alles wieder sein,<br />

bei Bratenduft und Kerzenschein.<br />

Man rennt und rennt, vergleicht und shoppt,<br />

(letztes Jahr ist bald getoppt!),<br />

Besinnliche Zeit<br />

Sie staunten sinnender in das Geblitz,<br />

als ahnten sie, dass immer doch der Hauch<br />

der Sehnsucht süßer ist als der Besitz.<br />

Wie damals verweilte der Mann lange an diesem Ort und<br />

erst der Blick auf die Uhr veranlasste ihn, wieder dem Bahnhof<br />

zuzustreben, um den Rest der unterbrochenen Heimreise<br />

anzutreten.<br />

Uli Hoffmann<br />

in der lauten, schrillen Stadt,<br />

dass auch jeder alles hat!<br />

Zwischendurch mal innehalten,<br />

überlegen und den Kopf abschalten,<br />

Zeit für sich muss auch mal sein,<br />

bei Bratwurst, Crepes und heißem Wein.<br />

Nun steht man eng und dicht gedrängt<br />

an des Budens vollen Rängen,<br />

modern im schicken Daunenlook,<br />

bei Kirmesduft und Weihnachtsklängen.<br />

Weiter gehts, die Zeit wird knapp,<br />

für Ruhe bleibt noch später Zeit -<br />

nach der ganzen Herrlichkeit.<br />

So wollen wir mal weiter rennen,<br />

rennen, shoppen und bestellen,<br />

damit auch in der heil'gen Nacht,<br />

besinnlich-schön die Lichtlein brennen ...<br />

Eva Schumacher<br />

Foto: © Miniatur Wunderlan<br />

22 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 23


Gesellschaft<br />

Gesellschaft<br />

Lieber böser Nikolaus<br />

Nikolaus oder Weihnachtsmann<br />

Besuch von Nikolaus und Knecht Ruprecht<br />

Bestimmt erinnerst du dich nicht mehr an mich, denn<br />

die Geschichte liegt fast 70 Jahre zurück. Als du<br />

damals am sechsten Dezember kamst, war ich fünf<br />

Jahre alt und ging mit meinen zwei jüngeren Schwestern<br />

in den Kindergarten. Wir saßen an unseren Tischchen und<br />

hatten unseren Kakao und die Jause vor uns stehen. Da<br />

klopftest du an die Tür, kamst mit deinem großen Sack<br />

herein, der Knecht Ruprecht polterte hinter dir her und hieb<br />

mit seiner großen Rute zischend durch die Luft. Ich hatte<br />

Angst vor dir und noch viel mehr vor dem Knecht Ruprecht.<br />

Was würde in deinem großen Buch über mich stehen. Sicher<br />

würde ich Hiebe bekommen und kein Geschenk, ich war<br />

ja furchtbar böse. Das hörte ich täglich viele Male zu Hause<br />

und Hiebe waren sowieso an der Tagesordnung. Also<br />

würdest du das auch wissen.<br />

Während ich das noch dachte, kamst du als erstes an<br />

meinen Tisch. Du lasest den einzelnen Kindern aus dem<br />

goldenen oder dem schwarzen Buch vor. Wer im goldenen<br />

Foto: wikimedia commons<br />

Buch stand, bekam ein Geschenk, die im schwarzen Hiebe<br />

mit der Rute. Jetzt stehst du vor mir, natürlich mit dem<br />

schwarzen Buch, liest mir vor, dass ich in diesem Jahr unfolgsam,<br />

böse und dickköpfig gewesen bin. Mein schlimmstes<br />

Vergehen war „Hanni kommt mit den zwei Kleinen, für<br />

die sie verantwortlich ist, viel zu spät vom Kindergarten<br />

nach Hause. Alle drei Kinder sind komplett durchnässt. Es<br />

hat zwar geregnet, aber nicht so schlimm, um davon so<br />

nass zu werden“. Was war geschehen? Wir hatten neue<br />

Lodenmäntel bekommen mit Kapuze. Wir fanden sie wunderschön<br />

und freuten uns, sie anzuziehen. Darin werdet ihr<br />

nicht mehr nass, die sind wasserdicht – sagten die Eltern.<br />

Toll fanden wir das.<br />

Auf dem Rückweg vom Kindergarten kamen wir an einer<br />

Regenrinne vorbei, aus der ordentlich Wasser auf die<br />

Pflastersteine plätscherte. Ich freute mich, jetzt können wir<br />

darunter stehen und werden nicht nass, sagte ich zu den<br />

Schwestern. Wir zogen also die Kapuzen auf und hielten<br />

die Köpfe in den Wasserstrahl, es war wunderbar. Pünktlich<br />

zu Hause zu sein war vergessen. Wir genossen den<br />

nassen Guss zu sehr. Endlich machten wir uns doch auf<br />

und kamen, wie gesagt, tropfend an, wollten aufgeregt den<br />

Eltern von unserem Abenteuer erzählen, doch dazu kam<br />

es nicht mehr. Die ersten Ohrfeigen regnete es noch im<br />

Mantel, dann kamen die Prügel überall hin, und weinend,<br />

ein Häufchen Elend, fand ich mich auf dem Fußboden in<br />

der Küche sitzend wieder.<br />

Als ob das nicht schon genug Strafe gewesen wäre,<br />

kommst jetzt du, Nikolaus, und drohst mir die allerschlimmste<br />

Strafe an. „Wir gehen noch zu den anderen Kindern“<br />

sagtest du, „und wenn wir fertig sind und der Sack leer ist,<br />

stopft dich Knecht Ruprecht dahinein und wir nehmen dich<br />

mit in den dunklen Wald. Da können dich dann die wilden<br />

Tiere fressen“ und du gehst weiter. Ich bleibe steif vor Panik<br />

und in Todesangst sitzen. Ich werde sterben und niemand<br />

zu Hause weiß, wo ich bin, denke ich und, ob ich wohl in<br />

die Hölle kommen werde wegen meiner vielen Sünden?<br />

Unsäglich ist meine Angst, während im Raum alles normal<br />

weiter geht. Endlich bist du, Nikolaus, beim letzten Kind<br />

angelangt, kommst zwischen den Tischen zurück auf mich<br />

zu. Ich bin erstarrt, kann überhaupt nichts mehr fühlen und<br />

denken. Dann sagst du „Na, für dieses Jahr verschonen wir<br />

dich noch, aber wenn du nächstes Jahr nicht ganz, ganz lieb<br />

bist, holen wir dich ab“.<br />

Damit gehst du hinaus und ich bin für dieses Mal gerettet.<br />

Doch was ich in der halben Stunde mitgemacht habe,<br />

löst in mir noch heute Zorn gegen dich aus.<br />

Ganz schlimm wird aber meine Wut und noch größer meine<br />

tiefe Traurigkeit und Enttäuschung, als ich später begreife,<br />

dass es den Nikolaus gar nicht gibt, sondern meine Eltern mir<br />

das Ganze eingebrockt haben.<br />

Johanna Kreuz<br />

Bei der Frage scheiden sich schon oft die Geister.<br />

Manche glauben sogar, dass das doch ein und dieselbe<br />

Person ist. Ganz so einfach ist es natürlich<br />

nicht. Der Bischof Nikolaus ist eine historisch belegte Persönlichkeit,<br />

die tatsächlich in der Hafenstadt Myra gelebt<br />

und gewirkt hat und der Weihnachtsmann ist zwar ein entfernter<br />

Verwandter des Nikolaus, aber ist in letzter Konsequenz<br />

doch eine fiktive Figur, die in seinem Äußeren<br />

wesentlich durch die Firma Coca-Cola geprägt wurde.<br />

Unter dem Namen „Siegener Weihnachtsengel“ bietet ein<br />

neuer Service in Siegen Weihnachtsmänner und Nikoläuse<br />

für Feiern aller Art an. In professionellen und aufwendig gearbeiteten<br />

Kostümen und Gewändern kann man „ausgebildete“<br />

Nikoläuse und Weihnachtsmänner buchen, die nicht<br />

nur Bescherungen für Kinder übernehmen, sondern auch<br />

mit besinnlichen wie auch fröhlichen Programmpunkten<br />

Weihnachtsfeiern (auch für Erwachsene) bereichern.<br />

Hinter den „Siegener Weihnachtsengeln“ steht der Siegener<br />

Kulturmacher Martin Horne, der schon seit 27 Jahren den Nikolaus<br />

in seiner Heimatstadt Limburg spielt. Die Brauchtumspflege,<br />

abseits des Kitsch und Kommerz, liegt ihm besonders<br />

am Herzen. Der Nikolaus als Schutzpatron der kleinen Kinder<br />

eignet sich für Martin Horne und seinem Team so überhaupt<br />

nicht als angstbesetzte Erziehungsfigur für Kinder.<br />

Natürlich gibt es auch bei ihnen das Goldene Buch und<br />

die Listen mit den guten und den schlechten Taten der Kinder,<br />

doch niemals mit erhobenen oder drohenden Zeigefinger!<br />

In Siegen sucht Martin Horne engagierte Männer, die<br />

das Team der Nikoläuse und Weihnachtsmänner erweitern.<br />

Jeder, der mitmachen möchte, wird geschult und von einen<br />

Foto: Martin Horne<br />

erfahrenen Nikolaus und Weihnachtsmann so lange begleitet,<br />

bis er sich selbst sicher fühlt. Der Einsatz wird auf der<br />

sogenannten 450 Euro Basis entlohnt.<br />

Wer für sich eine unterhaltsame Aufgabe wünscht, kann<br />

weitere Infos unter: 0177-6508832 erfragen oder sich unter<br />

www.siegener-weihnachtsengel.de informieren. •<br />

24 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 25


Weihnachten<br />

Mundart von Helmut Stähler<br />

Es ist ein Ros entsprungen<br />

En Advendsjeschechte<br />

Seit Wochen lag etwas Geheimnisvolles in der Luft.<br />

Es roch so herrlich im ganzen Haus und überhaupt,<br />

war alles voller Spannung. Endlich war der<br />

24. Dezember, der Heilige Abend gekommen. Wie lange<br />

sich doch so ein Tag hinzog mit der immer wiederkehrenden<br />

Frage: Wann ist es endlich soweit?<br />

Am Nachmittag hatte ich Opa schon in den Ställen geholfen,<br />

denn auch die Tiere sollten den ruhig-besinnlichen<br />

Zauber erleben. „Weihnachten ist es auch für die Tiere“,<br />

sagte Opa. Recht zeitig am Nachmittag wurden schon<br />

die Kühe gemolken und bekamen eine extra Portion Heu.<br />

Für die Pferde nahm sich Opa mehr Zeit als gewöhnlich,<br />

tätschelte ihnen nacheinander den Hals und dann gab es<br />

eine Handvoll Hafer mehr. Oma hatte vorsorglich schon<br />

eine zusätzliche Portion Pellkartoffeln gekocht. Nachdem<br />

sie für uns den obligatorischen Kartoffelsalat zubereitet<br />

hatte, zerdrückte sie die Reste für das Federvieh mit einer<br />

ordentlichen Portion Körnern. Laut gackernd stürzten sich<br />

die Hühner auf den besonderen Schmaus.<br />

Und, ... es wurde doch noch Abend! Voller innerer<br />

Unruhe saß ich nun zwischen Oma und Opa im Gottesdienst.<br />

Draußen war es dunkel und im hell strahlenden<br />

Schein des Tannenbaumes überkam mich langsam ein ermüdendes<br />

Gefühl. Ich duselte vor mich hin, denn der Pfarrer<br />

redete und redete, als wolle er einfach kein Ende finden.<br />

Doch was war das?<br />

Wortfetzen waren an mein Ohr gedrungen und rissen<br />

mich aus der Monotonie. Laut tönte die Orgel, stimmgewaltig<br />

der Gesang. In der schläfrigen Stimmung hatte ich<br />

nur „ein Ross entsprungen“, „Wurzel“, „der alte Jesse“,<br />

„mitten im kalten Winter“, und „zur halben Nacht“, mitbekommen.<br />

Unvermittelt und plötzlich war ich hellwach.<br />

Vor meinem kindlichen Auge spielte sich eine Tragödie ab.<br />

Ach, du Elend! Hatte etwa Nachbar Erich Jesse die Stalltür<br />

nicht richtig geschlossen? Nun war ein Pferd ausgebrochen<br />

und irrte verstört und frierend durch die Nacht. Oh Schreck,<br />

oh Graus! Jetzt im kalten, tiefverschneiten Winter! Womöglich<br />

war es gestürzt, hatte sich an einer Wurzel den Fuß auf<br />

dem gefrorenen, vereisten Boden verletzt. Ich spürte den<br />

Schmerz, den das arme Pferd nun durch litt, ich spürte die<br />

klirrende Kälte des Winters, ich spürte die Not und Einsamkeit,<br />

in der sich das Tier befand. Und! Es schien, als interessiere<br />

sich niemand dafür! Keiner sah erschreckt auf, keiner<br />

machte Anstalten zum Aufbruch. Wollte denn niemand dem<br />

armen Tier zu Hilfe kommen, sich darum kümmern?<br />

Zaghaft und voller Mitgefühl drehte ich<br />

mich um. Einige Reihen hinter uns saßen Erich<br />

und Martha Jesse, beide ganz in ihren Gedanken<br />

versunken. Ich wollte ihnen ein Zeichen geben,<br />

ihnen zurufen „Geht mal hin, seht mal nach“. Sie<br />

reagierten nicht. Aufgeregt zog ich an Opas Ärmel,<br />

raunte ihm zu, „was ist mit dem Pferd?“. Er schien<br />

mich nicht zu verstehen, hob den Zeigefinger vor<br />

den Mund und macht leise „Psst“. Oma, nun von<br />

meiner Unruhe aufgeschreckt, blickte etwas bösebrummig<br />

und signalisierte „Nu sitz doch stille!“<br />

Ich war aufgewühlt und entgeistert! Ja! Ich<br />

wurde zornig, bockig und auch ein wenig Schadenfroh!<br />

Wenn denn niemand dem armen Tier<br />

helfen wollte, dann sollten sie hinterher aber ordentlich<br />

suchen! So waren meine Gedankengänge.<br />

Alle sangen noch „Oh du fröhliche“ und nach einer<br />

gefühlten Ewigkeit war der Gottesdienst zu Ende!<br />

Vor dem Kirchenportal wünschten sich die<br />

Besucher untereinander „Frohe Weihnachten“,<br />

lachten, mummelten sich tiefer in ihre Jacken oder<br />

Mäntel und traten den Heimweg an.<br />

Endlich konnte ich Opa fragen, „Was ist denn<br />

nun mit Jesses Pferd?“ Er sah mich entgeistert<br />

und zugleich amüsiert an, „Ach Kind, das ist doch<br />

nur ein Lied! Glaub mal, die Pferde stehen überall<br />

im Stall!“ und jetzt war wirklich Weihnachten!<br />

Eva-Maria Herrmann<br />

Ahfangs Dezember 1944 koam dr Vadder vam doamoalije<br />

Ortsbauernführer ah nem Oawend noah ohs<br />

on meinde, de Koh, de mir verkaufe wölle, mössde<br />

mir am 16. Dezember bes ömme zwoo Uhr eh Sejje am<br />

Schlachthof afgäwe. Dat woar domoals so. Min Vadder<br />

woar bi dr Bah. Hä mossde ser de Schechd dusche on alles<br />

ging sin Wäch. Eh paar Dag spärer koam dä Ahl werrer on<br />

meinde: „Fritz, de ha eh Sejje Versorjungsschwierigkeite,<br />

ihr mosst schoh en Woche fröher noah Sejje.“ Dr Vadder<br />

wur zwersch on schande: „Itz han<br />

ech extra de Schecht verduscht<br />

on da sowat, we sall dat da goah?“<br />

„Joa,“ meinde dä Ahl Ferwerscht,<br />

„dä Patt´s Julius moss och eh Dier<br />

dorunger bränge, ihr konnt jo zesame<br />

goah, da bruch nur dä Jung bet.“<br />

Also am 9. Dezember 1944, morjes<br />

ömme acht Uhr koame de Dierer<br />

ah de Streck on ab ginget, ze Foos,<br />

öwer de Stroass noah Sejje. Eijentlich<br />

hadde ech mer dat schlömmer<br />

vörjeschdalld. De Lisscher marschierde<br />

godd. Awer eimoal sie mr<br />

wahne jeschand wurn. Eh Kloawend<br />

hadde ohs Lorche den Schwanz<br />

jehurwe on ob de Bürjersteich geschesse.<br />

Mir ginge wierer, awer en<br />

Frouw hadde us dm Fejster jeseh. Dat<br />

Schbekdagel hädde mr hörn mosse.<br />

Em Nu woar de ganze Nochberschaft<br />

ob de Bäng. „Dat hie moss wechjemacht<br />

wern, so en Souerei.“ Dr Onkel<br />

Julius frowde nur: „We da, bet de<br />

Finger? Loast dat drüjje on kehrtet<br />

wech.“ De Noachberschaft lachde.<br />

Wierer ginget eh Rechdung Sejje.<br />

Pünktlich wur alles öwergäwe, Abschied<br />

va dän Diercher jenomme on<br />

dr Vadder rejelde dat Jeschäftliche.<br />

Hä woar noch schwing noahkomme.<br />

Jedenfalls so gäje dreij Uhr worne<br />

mr om Bahnhof. Doa stung en Personezoch<br />

bet Vierlingsflack, de ech<br />

erschd emoal bestaune mossde. De<br />

Flack woar doamoals nürich, weil de<br />

Reisende gäje de Tieffliejer jeschötzt<br />

wern mossde. Medde eh minner Betrachtung<br />

reef min Vadder: „Jung<br />

komm, dr Zoch kömmd!“ Ech römm,<br />

in Baaf, bet dem Kobb för en Bahnhofslöchde.<br />

Dänn Knust ob dr Stern<br />

hadde ech am Chresdaach noch.<br />

Weh noh dr Owend vam 16. Dezember röm woar, dä<br />

Füürschie va Sejje löchdede witt eh det Land, mr hadde<br />

och Radio Luxemburg jehoard, wat alles passiert woar,<br />

doa meinde de Mudder: „ Doa had ihr awer Glöcke jehadd,<br />

wennet net Vorsehung woar, wo ihr om Bahnhof woard,<br />

härret ahjefange.“ Wenn mir am 16. Dezember eh Sejje<br />

worne, hädde ohs de Bombe jenau am Bahnhof erwöschd.<br />

Helmut Stähler<br />

Foto: Eva-Maria Herrmann<br />

26 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 27


Mundart<br />

von Bruno Steuber<br />

102,792<br />

Dt Johr es röm, de Uhr schliert zwölle,<br />

verbi ess’t plötzlech bet dr Schdelle.<br />

Rakede fleje, Böller krache,<br />

Prost Nöjjohr röft mr, on döt lache,<br />

ech drenke usnoamswies hö Sekt,<br />

dä sösd dt ganze Johr net schmeggt.<br />

Selbst Lüh, die mr net liere ka<br />

Silvester<br />

si hö emoal bet Knutsche dra.<br />

Dr Noachber häd Silvesderpunsch,<br />

doch ech ha nur dän eine Wunsch:<br />

dat ech , so wie em ahle Johr,<br />

si unge decht on ourwe klor,<br />

och dat ech veel ze Lache ha,<br />

on e bessje meh Rende wör och net scha’.<br />

Foto: Hartmut Reeh<br />

Plan B<br />

Sin Frou es stets am braggeziern, wat mr verschüernern ka,<br />

kum es se dörch bem Renoviern, fängt se va vörne ah.<br />

Dt meisde moß jo wüerklech si, god, dat se sech dröm kömmert,<br />

doch machde hä net alles bet, hä es doch net behämmert!<br />

Net alles, wat sin Frou sech wönscht, jefällt äm och ganz god,<br />

se meint se hädde en Idee, doch hä es ob dr Hot.<br />

En nöjjer Schrank wör doch ganz schüer, doa woar hä strikt doagäje:<br />

„Dä ahl es jo noch net kabutt, dän moß mr nur god fläje.“<br />

„Wonn mr net moal,“ so froawde se, „de Möbel angersch rögge,<br />

dr Fernseh’ moal doahinge he, dt Sofa eh de Ägge?“<br />

Begeisderung süd angersch us, hä schdellt de Ohrn ob Dörchzoach,<br />

on sädde nur: „ech denke noa, verlechds bes kord vör Chresdaach.“<br />

Jesagt - jetan, et woar verschbroche, nur net wie se’ t gern hädde,<br />

wat funkzioniert on noch lang god es, dat bliebt, wat gilt de Wedde?<br />

Am Heilichoawend koam wie stets noam Esse de Bescherung,<br />

etwas wor angersch hö wie sösd, et goaw en Öwerraschung:<br />

Tradizionell wie jedet Johr wur wer’ dr Baum jeschmöggt,<br />

dat häd sin Vadder alt jedoah, on stets esset jeglöggt.<br />

Dr Oawend es noch lang net röm, denn etz kömmt sin Plan B,<br />

han ech da nix meh loa ze sä? Dat wonn mr doch moal seh!<br />

Hä häd, wie ech schur äwe sädde, Jedanke ser jemacht,<br />

on sinner Frou en Wonsch erföllt, on sech doabi belacht.<br />

Dt ganze Johr häd se jeporrt, va wäje ängern, ömschdelln,<br />

hä koam är no entgäje hö , dat moß mr sech moal vörschdelln:<br />

Dt Glöggche klingelt, de Dör giert ob, am Chresbaum löchde Kerze,<br />

nur si kä Kouweln hö am Baum, dat wüerd se wourl verschmerze,<br />

dr Chresbaum hängt voll Oursderaijer, ganz veele schüerne bonde,<br />

„Es dat moal’n schüerne Abwechslung“? froawde hä eh de Ronde,<br />

„Ech si och för Veränderunge, dat hanech no beweese.“<br />

Sin Frou häd vör Begeisderung dr Chresbaum ömjeschmesse.<br />

Zom nöjje Johr<br />

Mir ha dat nöjje Johr begrößt<br />

bet Sekt on Feuerwerk, wat söst?<br />

On doch, de Welt wüerd sech net ängern,<br />

se wüerd rejiert va Schleckefängern.<br />

Am Wahldaach da, bim Krüzzje mache,<br />

vergiert einem werrer dt Lache...<br />

Ech ärjern mech, wann ech et well,<br />

hale dt Mul on denke schdell:<br />

ech well vör minner Husdör kehr’n,<br />

on doabi sall mech keiner schdör’n.<br />

Wat eh dr wiere Welt passiert –<br />

ech kann’t net ängern, garantiert.<br />

För Schbaß moß mr alt selwer sorje,<br />

on wat ech denke bliewt verborje!<br />

Doch görret wat, wat ech gern hädde<br />

em nöjje Johr, si domme Schwädde,<br />

doabet mr wat zom Schmunzeln häd.<br />

Loa häd moal’n Freund va mir jesäd:<br />

Ech räje mech öwer nix meh ob,<br />

on wenn ech vör Woot platze ...<br />

Dröm guggt, wat ech hö funge ha,<br />

on fängt alt moal ze Schmunzeln ah:<br />

Allet wat Schbaß macht häd en Hoach,<br />

on führt net nur zom Glögge,<br />

’t es omoralisch, net erlaubt,<br />

örrer et macht degge ...<br />

örrer<br />

Dt einzije Problem bim Nixdoh es,<br />

dat mr net weiß wann mr ferdich es.<br />

on hiddat könn och wohr si:<br />

Dr lewe Gott weiß alles,<br />

nur Noachbersch Marda weiß noch meh ...<br />

Nöjjohrschkonzert<br />

Dr Dirijend marschiert a’t Bolt,<br />

es konzentriert, häd noch Jedold,<br />

bet Schwung hierwt hä dän Taktschdogg ah,<br />

da gieret los, Tata, Tata.<br />

Begrößt wüerd hö dat nöjje Johr<br />

als nächsdes bet däm Jäjerchor.<br />

Dt Publikum es hejeresse,<br />

on häd dän Alldaach schwing vergesse.<br />

Noam Händel, Haydn, Mozart, Strauß<br />

görret en Pause bet veel Applaus.<br />

Ahjedoah bet äre besde Klamodde,<br />

läsdern fönf Groaköbbe öwer Fagotte,<br />

on öwer dat Cello, dat net schdömmich woar,<br />

och am Hornisde leß mr kä goret Hoor.<br />

Öwer Oboe, Klanedde on Bratsche<br />

worne die Gnütze och wahne am Quaatsche.<br />

Vam Chor dä Tenor, dat doa rechdech weh,<br />

droaf werrer moal net dat hohe C.<br />

Bet wechdijer Mine als döa än wat fähln<br />

hörn die Experde sech selwer gern lälln,<br />

on do so als hädde se Ahnung vam Fach,<br />

weil, einer schbeelt Blockflöde jeden Daach,<br />

dä anger schbeelt Schnuddehöwwel, sech doa,<br />

die mosse jo veel va Musik verschdoah!<br />

Daachsdrob konn mr eh dr Zeidung da läse,<br />

dat Konzert wör e grourßer Erfolch jewäse,<br />

de Solisdeleisdung en Hochjenuss,<br />

de erschde Geij’ krej en Bloomeschdruss,<br />

dr Dirijend moßde drejjmoal us dm Vörhang komme,<br />

on die Kritiker worne moal werrer de Domme.<br />

Foto: Rita Petri<br />

28 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 29


Satire von Uli Hoffmann<br />

Das Orakel<br />

In eigener Sache<br />

www.durchblick-siegen.de<br />

Auch online ein Erfolg<br />

Unser wöchentliches Treffen stand an und so machte<br />

ich mich auf zu unserem Stammcafé in der Siegener<br />

Unterstadt. Mein Freund Henner war bereits vor Ort<br />

und schaute mich mit seinem unnachahmlichen süffisanten<br />

Lächeln an, als ich auf seinen Tisch zuhielt. „Schur!“, sagte<br />

er. „Bist du auch schon in adventlicher Stimmung?“<br />

„Nee, so richtig will sich diese bei mir noch nicht einstellen.<br />

Ist ja auch noch ein bisschen Zeit“, entgegnete ich.<br />

Henner behielt sein Grinsen bei, was mich wiederum allmählich<br />

irritierte. Also fragte ich ihn: „Na komm schon! Ich<br />

sehe doch, dass du Neuigkeiten hast. Was für eine zündende<br />

Idee brütest du aus?“<br />

Diesen Moment kostete mein Freund immer wieder aus,<br />

wenn er mich mit einer seiner skurrilen Einfälle verblüffen<br />

konnte.<br />

„Vorab eine Frage: Was gehört nach deinem Empfinden<br />

zu einem schönen Weihnachtsfest?“<br />

Ich überlegte meine Antwort, denn ich ging davon aus,<br />

dass Henner und ich aus dem Alter heraus waren, in dem<br />

man zu sagen pflegte: Viele schöne Geschenke, ein Festessen,<br />

ein beeindruckend geschmückter Tannenbaum. Also<br />

antwortete ich: „In erster Linie Ruhe und Besinnlichkeit<br />

und, wenn es ginge, einen dekorativen Rahmen, nämlich<br />

eine tief verschneite Landschaft.“<br />

„Siehst du, den letzten Punkt hätte ich auch genannt. Wer<br />

wünscht sich keine weiße Weihnacht!“<br />

„Aber du weißt schon, dass dies in den letzten Jahren<br />

bei uns im Siegerland selten geworden ist. Mit Prognosen<br />

halten sich sogar unsere Starmeteorologen sehr bedeckt.“<br />

„Klar, manche Leute führen das auch auf den Klima<br />

wandel zurück.“<br />

Henner schien nachzudenken und führte dann in bedeutungsvollem<br />

Tonfall aus: „Und damit das Hoffen und<br />

Warten auf eine weiße Weihnacht hier bei uns einen neuen<br />

Stellenwert bekommt, möchte ich daraus ein spannendes<br />

Event machen.“<br />

„Ein Event zum Thema weiße Weihnacht? Wie habe ich<br />

mir das denn vorzustellen?“<br />

„Eine Frage zur Allgemeinbildung vorweg: Sagt dir der<br />

Murmeltiertag etwas?“<br />

Stolz antwortete ich: „Da gab‘s doch mal einen Kinofilm<br />

drüber: ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Das putzige<br />

Tierchen fungierte als Orakel für irgendwas, so viel ich weiß.“<br />

„Richtig. Jedes Jahr am 2. Februar treffen sich in der Tat<br />

Massen von Menschen in der amerikanischen Kleinstadt<br />

Punxsutawney, um zu schauen, ob das Murmeltier Phil das<br />

Ende des Winters vorhersagt.“<br />

„Und was hat das jetzt mit uns im Siegerland zu tun? Wir<br />

haben zwar Wisente, aber keine Murmeltiere!“<br />

„Weiß ich, wir machen das auch ganz anders. Wir lassen<br />

ein liebenswertes Siegerländer Tierchen orakelmäßig darüber<br />

entscheiden, ob es weiße Weihnachten gibt oder nicht.<br />

Immer am 1. Dezember.“<br />

„Und an welches Tier hast du so gedacht?“<br />

„An Helmut?“ – „Helmut?“<br />

„Ja, Helmut ist der Dackel von meinem Onkel in Obersetzen!“<br />

Ich schwankte noch zwischen Kopfschütteln und mitleidigem<br />

Lächeln. „Wie soll das Event denn ablaufen?“<br />

„Also, mein Onkel ist mit Helmut im Wohnzimmer. Dann<br />

reißt meine Tante die Tür zum Garten auf, Helmut rennt<br />

raus bis zum Zaun und bleibt auf Zuruf stehen. Wenn er<br />

dann seine Ohren auf links hat, gibt es weiße Weihnacht.“<br />

„Auf links?“<br />

„Mann, hast du denn noch nie einen Dackel rennen sehen,<br />

wenn seine Ohren im Gegenwind hin- und herfliegen und<br />

sich dabei wenden und man deren Innenseite sieht. Bleiben<br />

Helmuts Ohren dagegen in der Ausgangsposition, wird es<br />

nichts mit weißer Weihnacht. Fertig. Kann ich denn davon<br />

ausgehen, dass du am 1. Dezember dieses Jahr nach Setzen<br />

kommst und dem Ereignis beiwohnst? Wir rechnen mit einem<br />

Riesenansturm. WDR und Radio Siegen übertragen<br />

live. Schließlich bewegt diese Frage im Advent die Leute<br />

und außerdem ist der Siegerländer Dackel ein Sympathieträger.<br />

Und Setzen wird weltbekannt wie Punxsutawney.“<br />

Ich traute dem System noch nicht: „Habt ihr das Ganze<br />

schon mal getestet?“<br />

„Klar. In den letzten drei Jahren lag Helmut immer richtig.“<br />

Eine Frage hatte ich noch: „Wie kriegt ihr den Dackel<br />

denn auf Kommando dazu, wie ein Irrer durch den Garten<br />

zu rennen?“<br />

Auch daran hatte Henner gedacht: „Der Nachbar meines<br />

Onkels wirkt mit. Er geht in dem Moment, wenn Helmut<br />

Wetterorakel spielen soll, mit seinem Kater am Gartenzaun<br />

entlang. Dann laufen Helmut und seine Ohren zur Höchstform<br />

auf. Hoffentlich auf links.“<br />

Un s e r<br />

Freund<br />

Heinz in<br />

München (über<br />

80 Jahre) gebürtiger<br />

Siegener ist<br />

ein begeisterter<br />

Silver-Surfer. Zu<br />

seinem Morgenritual<br />

gehören<br />

sein Frühstück im<br />

Bett und gleichzeitig<br />

das Lesen<br />

der neusten<br />

Nachrichten und<br />

Skandale auf seinem<br />

Tablet. Bequem<br />

und papierlos.<br />

Kein Gang durchs Treppenhaus zum Briefkasten, keine<br />

Zeitungsstapel mehr. Und seit einigen Jahren klickt er sich<br />

hin und wieder auch im Internet unter www. durchblicksiegen.de<br />

ein, um zu lesen und sehen, was die Senioren in<br />

Siegen so beschäftigt.<br />

Die erste Version, des Internetauftritts des durchblick<br />

gibt es seit Ende 2003. Thomas Benauer hatte sich zuvor<br />

schon monatelang mit dem Projekt beschäftigt, bis es<br />

dann reif für das Netz war.<br />

2016 kam der zweite Thomas ins Spiel. Thomas Greiner,<br />

ein studierter Diplom-Designer, der sich beruflich mit Industrie-<br />

und Webdesign beschäftigt, wurde nun der zweite<br />

Mann im Internet-Team des durchblick. Rund fünf Monate<br />

dauerten die Arbeiten an der neuen Web-Gestaltung, die nun<br />

auch einen Zugriff auf das Archiv, die Kontaktaufnahme per<br />

Mail und den Zugang für einen internen Bereich ermöglicht.<br />

Die aktuellen Arbeiten können nun von allen Redakteuren<br />

Thomas Benauer und Thomas Greiner<br />

verfolgt werden, egal<br />

ob von zu Hause aus<br />

oder aus dem Urlaub.<br />

Thomas Benauer<br />

ist seit fünfzehn Jahren<br />

beim durchblick<br />

aktiv, auch als Bildredakteur.<br />

Als IT-Systemelektroniker<br />

hat<br />

er es gemeinsam mit<br />

anderen Redakteuren<br />

geschafft, mit dem<br />

Computerprogramm<br />

„In-Design“ erfolgreich<br />

das Layout der<br />

Zeitung zu entwickeln.<br />

Für Technik und<br />

Design des Internet<br />

auftritts ist jetzt Thomas Greiner zuständig, der übrigens<br />

auch als Designer von Filzobjekten oder aktuell als Gestalter<br />

von praktischen Alltagsdingen, wie Papierkörben<br />

aus Metall fürs Büro, aktiv ist. Den Inhalt des Internetauftritts<br />

fügt Thomas Benauer ein, der gleichzeitig der „Feuerwehrmann“<br />

bei Problemen mit vereinseigenen Computern,<br />

Laptops, Smartphones und Tablets ist.<br />

Auf unsere Frage: „Wird das gedruckte Heft Eurer<br />

Meinung nach schon bald verschwinden?“ sagen beide<br />

„Niemals, also in den nächsten zehn Jahren sicher nicht“.<br />

So kann nicht nur unser Freund Heinz auch in Zukunft<br />

nach Lust und Laune auf dem Tablet im durchblick surfen,<br />

auch der gedruckte durchblick wird wie gewohnt an den<br />

bekannten Verteilstellen ausliegen und wenn gewünscht,<br />

unseren ABO-Leserinnen und Lesern bequem zugeschickt<br />

werden.<br />

Text: Tessie Reeh<br />

Foto: Rita Petri<br />

30 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 31


Das kleinste<br />

Beatles-Museum<br />

der Welt<br />

Roll up for the Mystery Tour<br />

The Magical Mystery Tour<br />

Is waiting to take you away<br />

(The Beatles, Magical mystery tour, 1967)<br />

Die im Song angesprochene Zauberreise<br />

führt uns nach Geisweid in die Sohlbacher<br />

Straße, wo Harold Krämer das „kleinste Beatles-Museum<br />

der Welt“ betreibt. Auf knapp<br />

27 qm in seiner Wohnung hat er, in jungen<br />

Jahren selbst aktiver Musiker, einige tausend<br />

Erinnerungsstücke der legendären Gruppe aus<br />

Liverpool zusammengetragen. Zahlreiche Besucher<br />

aus vielen Ländern haben Harold Krämers<br />

Ausstellung besucht, so manch bekannter<br />

Name darunter. Aber auch viele namenlose<br />

Beatles-Fans:<br />

Her name was Magill, and she called herself<br />

Lil, but ev‘ryone knew her as Nancy.<br />

(The Beatles, Rocky Racoon, 1968)<br />

Text: Uli Hoffmann<br />

Fotos: Rita Petri


Aus dem<br />

Siegerland<br />

Etwas über einen regen Woh nungsbau in der Nachkriegszeit<br />

Von der Angst vor einer Gefäß – Einengung bis zum Spendenskandal<br />

Es gab einmal eine Zeit, da gab sich in einem Siegener<br />

Haus am Fischbacherberg ein Teil der politischen<br />

Prominenz unserer Republik die Türklinke in die<br />

Hand. Die Position des Hausherrn war entsprechend, denn<br />

er herrschte als Schatzmeister der Bonner Staatspartei CDU<br />

über deren Finanzen. Dieser hohe Funktionär wollte so gerne<br />

Abgeordneter im Bundestag werden – doch irgendwie<br />

ging in dieser Richtung alles schief. Bei der Bundestagswahl<br />

1953 überging man ihn gänzlich, vier Jahre später<br />

setzte ihn die Landes-CDU lediglich auf den drittletzten<br />

Platz der Liste von Nordrhein-Westfalen – eine aussichtslose<br />

Position. Dabei hatte er seine Partei bei einer Wahlversammlung<br />

doch sogar als „ein Geschenk Gottes für das<br />

deutsche Volk“ bezeichnet. Zu den Ursachen für die Ablehnung<br />

kommen wir später.<br />

Autor Raimund Hellwig bezeichnet in<br />

seinem Buch „Dorf mit Krone“ Ernst Bach<br />

– denn um ihn geht es in diesem Beitrag – als<br />

„durchaus volkstümlich“ und führt hierzu an,<br />

dass dieser Socken nicht mochte. Das war<br />

in der Tat so. Bach selbst behauptete, dass<br />

er sich damit gegen eine Gefäß-Einengung<br />

wehre. Ein damaliger Chauffeur schilderte<br />

oft und gerne Bachs Marotte: „Kaum war er<br />

in den Daimler eingestiegen, da zog er auch<br />

schon die Schuhe aus, legte die nackten Füße<br />

auf das Armaturenbrett und steckte sich eine<br />

Zigarre nach der anderen an. Wenn wir im<br />

Zielort Düsseldorf ankamen, dann war ich von<br />

dem Aroma halb bewusstlos, denn gelüftet<br />

werden durfte unterwegs höchstens während<br />

einer Pause.“ Sogar der „Spiegel“ berichtete<br />

über diese Gepflogenheit in einer Kurzmeldung:<br />

„Ernst Bach, 53, Oberbürgermeister<br />

von Siegen und Bundesschatzmeister der<br />

Christlich-Demokratischen Union, trug auf<br />

dem Stuttgarter CDU-Parteitag zwar elegante<br />

Halbschuhe, aber keine Strümpfe.“ Ein halbes<br />

Jahr später konnte man im größten deutschen<br />

Nachrichtenmagazin folgende Sätze lesen:<br />

„Ernst Bach, 54, … erschien zum Empfang<br />

des Bundesministers Gerhard Schröder, 46,<br />

anlässlich einer Tagung … entgegen seiner<br />

Gewohnheit in Strümpfen. Seinen fragenden<br />

Parteifreunden erklärte Bach: Zum dunklen<br />

Anzug, den er diesmal angelegt hatte, pflege<br />

er stets Socken zu tragen.“<br />

Eine andere aus dem Rahmen fallende<br />

Handlung Bachs lässt sich ebenfalls noch gut<br />

in der Schublade „Provinz-Folklore“ ablegen.<br />

Anlässlich des 80. Geburtstags von Konrad Adenauer<br />

am 5. Januar 1956 ließ er an alle städtische Mitarbeiter und<br />

an Siegener Honoratioren einen Neujahrsgruß auf Oberbürgermeister-Amtsbogen<br />

mit folgendem Inhalt verteilen: „Wir<br />

haben uns vorgenommen, ihm (Adenauer) dadurch eine besondere<br />

Freude zu bereiten, dass wir den Mitgliederstand<br />

der CDU verdoppeln. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich<br />

entschließen würden – soweit Sie verheiratet sind – mit ihrer<br />

Frau Mitglied der CDU zu werden.“ Man kann sich wirklich<br />

sehr gut vorstellen, wie der „Alte“ in Rhöndorf sich vor Freude<br />

auf die Schenkel geklopft hätte, wenn sich der Mitgliederstand<br />

des Stadtverbands Siegen, dessen Vorsitzender Bach<br />

war, verdoppelt hätte. Aber leider wurde nichts daraus. Die<br />

Nicht-CDU-Stadtverordneten wollten den Bach`schen Plan<br />

einfach nicht unterstützen. Überhaupt überwog im Stadtrat<br />

Foto: DER SPIEGEL 36/1956<br />

das Kopfschütteln, eine Sondersitzung wurde verlangt. Der<br />

Betriebsrat verfasste ein Protestschreiben, weil Nachteile für<br />

die Nicht-Folgsamen zu befürchten seien - schließlich habe<br />

der Oberbürgermeister in Personalsachen ja eine Entscheidungsbefugnis.<br />

Der „Spiegel“: „Eine groteske Silvesterkampagne.“<br />

Bach entschuldigte sich: „Jeder politisch aktive<br />

Mensch hat einmal bewusst oder unbewusst Fehler gemacht.“<br />

So viel einstweilen zum Thema „Volkstümlichkeit“. Ab<br />

hier nämlich ist Schluss mit lustig. Bach, Jahrgang 1902, hatte<br />

als junger Mann zwischen den beiden Weltkriegen schon<br />

so manches hinter sich gebracht. Als Kreisvorsitzender der<br />

„Deutschnationalen Volkspartei“ geriet er in Essen bei einer<br />

Saalschlacht mit den Gardisten der „Roten Ruhr-Armee“<br />

aneinander. „Zwölf Eichenknüppel und sieben Bierflaschen<br />

wurden auf meinem Kopf zerschlagen“, berichtete er später<br />

laut „Spiegel“ – und: „Ich trug eine Verletzung des Kleinhirns<br />

davon.“ Aber nicht nur seine Nehmerqualitäten waren<br />

enorm – er konnte auch austeilen. Historiker Ulrich F. Opfermann<br />

schrieb: „Vor Straf- und Gewalttaten zur Verwirklichung<br />

seiner politischen Ziele schreckte Bach nicht zurück.<br />

Während der sogenannten Ruhrbesetzung 1923 gehörte er<br />

‚zu den Sprengkommandos‘ (Bach). Als Terrorist wurde er<br />

steckbrieflich gesucht. Auf der Flucht habe er – so 1926 auf<br />

einer politischen Veranstaltung in Eisern vor großem Publikum<br />

– einem Kripobeamten ‚sechs Zoll Eisen zwischen die<br />

Rippen gejagt‘. Verurteilt wurde er nie.“<br />

Bei einem Schützenfest anfangs der 50er Jahre machte<br />

sich eine Abordnung des Siegener Schützenvereins auf den<br />

Weg zum Haus des Oberbürgermeisters. Wie traditionell üblich<br />

sollte Ernst Bach mit einem „Ehrenschuss“ das Königsschießen<br />

eröffnen. Doch man traf ihn in der Rosterstraße nicht<br />

an. Seine Gattin beschied den Schützen,<br />

dass ihr Mann nicht mehr bei ihr wohne,<br />

man könne ihn aber auf der anderen<br />

Talseite im Haus der Elisabeth Schmidt<br />

antreffen. Diese Auskunft schlug ein<br />

wie eine Bombe. Das Schützenfest<br />

hatte sein Thema und danach die Stadt<br />

und das ländliche Umfeld. Schließlich<br />

war Bach nicht nur das Stadtoberhaupt,<br />

sondern zugleich auch in einigen kirchlichen<br />

Gremien aktiv. Im April 1953<br />

wurde die 27 Jahre zuvor geschlossene<br />

Ehe geschieden und sechs Wochen<br />

später heiratete Bach die Witwe des<br />

Pfarrers Schmidt. Diese brachte neun<br />

Kinder mit, die Bach seine „Adoptivkinder“<br />

nannte und denen er eine rosige<br />

Zukunft verhieß: „Ich will für jedes<br />

meiner Kinder ein Haus bauen.“<br />

Foto: Ulli Weber<br />

Auch in seiner Partei, in der - wie bei fast allen Deutschen<br />

- die Ehe grundsätzlich als eine Verbindung fürs Leben galt,<br />

war die Scheidung Bachs zum brisanten Thema geworden. In<br />

jenen prüden Tagen der beginnenden Wirtschaftswunderzeit<br />

war ein solcher Schritt vor allem bei Personen des öffentlichen<br />

Lebens eigentlich undenkbar. Umso mehr, wenn diese<br />

gemeinhin ein frommes Gebaren an den Tag legten und die,<br />

wie Bach, in der Öffentlichkeit auch schon mal das „Vaterunser“<br />

vorbeteten. Und so fanden sich in der CDU rasch<br />

Christenmenschen, die seine angestrebte Kandidatur für den<br />

Bundestag und auch für den Landtag verhinderten.<br />

Das Versprechen, jedem Stiefkind ein Haus zu bauen,<br />

schien ein Vorhaben ohne jegliche Brisanz in finanzieller<br />

Hinsicht zu sein. Schließlich gehörte Bach die Hälfte der Firma<br />

„Siegener Großanstrich Müller & Bach“. Und dieses Unternehmen<br />

mit zeitweise mehr als 100 Beschäftigten hatte gut<br />

zu tun. Vor allem, weil das RWE als wichtigster Auftraggeber<br />

seine Strommasten von den Siegenern streichen ließ. Neben<br />

weiteren großen Firmen hatte auch die Bundesbahn etliche<br />

Daueraufträge erteilt. Aber als Oberbürgermeister verfügte<br />

Bach naturgemäß über ein fundiertes Wissen, wie zusätzlich<br />

außerbetriebliche Geldquellen angezapft werden konnten.<br />

Und diese Kenntnis und der hieraus gezogene Nutzen sollte<br />

ihn in letzter Konsequenz seinen OB-Job kosten.<br />

Es begann damit, dass im Kommunalwahlkampf 1956<br />

der SPD-Vorsitzende, Aloys Hüllen, in einem Flugblatt den<br />

OB einen „politischen Geschäftemacher“ nannte. Hüllen:<br />

„Während noch viele zerstörte Häuser wegen fehlender<br />

Landesmittel nicht erstellt werden konnten, hat er (Bach) es<br />

verstanden, Wohnhäuser in allen Teilen der Stadt mit Hilfe<br />

öffentlicher Gelder zu errichten, obwohl er keinen<br />

Hinter dem Siegener Bahnhof, am Fischbacherberg<br />

<br />

34 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 35


Aus dem Siegerland<br />

Aus dem Siegerland<br />

Rathaus Siegen Mitte der 1950er Jahre<br />

Kriegsschaden zu beklagen hat.“ Bach fühlte sich beleidigt<br />

und stellte spontan einen Strafantrag gegen seinen Widersacher.<br />

Das Amtsgericht ergriff eine in solchen Fällen ungewöhnliche<br />

Maßnahme, bestellte einen Sachverständigen und<br />

gab ein Gutachten in Auftrag.<br />

Gutachter Pohl beschränkte sich auf die Untersuchung<br />

von fünf Bauprojekten, für die öffentliche Gelder zwischen<br />

12.480 und 61.400 Mark auf das OB-Konto geflossen waren.<br />

Bei diesen Beträgen sollte man wissen, dass das durchschnittliche<br />

Jahreseinkommen eines Arbeiters in jenen Tagen<br />

unter 5.000 Mark lag. Obwohl die Stadtverwaltung es<br />

ihm so schwer wie möglich machte und die Suche nach<br />

Dokumenten einer Sisyphusarbeit glich, kam Pohl zu einem<br />

Ergebnis. Da der uns zur Verfügung stehende Platz begrenzt<br />

ist, können wir auf Einzelheiten nicht eingehen, aber so<br />

viel: Bei allen untersuchten Bauvorhaben wurden massive<br />

Verstöße in vielerlei Hinsicht gegen das geltende Recht<br />

und die Gemeindeordnung begangen. Bei einer Maßnahme<br />

hatten die prüfenden Beamten gleich sieben Unrichtigkeiten<br />

durchgewinkt. Der von Pohl recherchierte Gipfel freilich<br />

war, dass Bach an Beschlüssen als Antragsteller selbst<br />

teilgenommen und den Vorsitz des jeweiligen Gremiums<br />

geführt hatte. Das Gutachten liest sich beinahe wie ein<br />

Kriminalroman und veranlasste das Gericht zu folgendem<br />

Beschluss: „Er (Bach) hat … seine Stellung in der Kommunalpolitik<br />

genutzt, um zu seinen oder seiner Angehörigen<br />

Gunsten Vorteile zu erlangen, die ihm nicht … zugestanden<br />

haben. Mit anderen Worten: er hat seine Stellung … benutzt,<br />

um persönliche Geschäfte zu betreiben.“<br />

Bachs Versuch, durch die Anzeige als Ehrenmann dazustehen,<br />

war nicht nur gescheitert, sondern seine unredlichen<br />

Machenschaften waren nun gerichtsfest. Ein Verfahren gegen<br />

Hüllen wurde nicht eingeleitet, denn die Behauptung,<br />

Bach sei ein politischer Geschäftemacher, war keine üble<br />

Nachrede und keine Beleidigung, sondern entsprach laut<br />

Urteil den Tatsachen. Doch warum hatten deutsche Beamte<br />

in einer deutschen Stadtverwaltung<br />

Handlungen getätigt, die den<br />

Grundsätzen einer ordnungsgemäßen<br />

Gemeindewirtschaft völlig<br />

widersprachen und warum hatten<br />

sie dazu alle möglichen Manipulationen<br />

wider besseres Wissen durchgewinkt.<br />

Gutachter Pohl formulierte<br />

eine trübsinnige Entschuldigung:<br />

„Alle wichtigeren Beamten werden<br />

durch den Stadtrat befördert, dessen<br />

Vorsitzender (der OB) hat großen<br />

Einfluss … und auch Verwaltungsbeamte<br />

sind Menschen.“<br />

Während der Gutachter noch<br />

nachforschte, musste der politische<br />

Geschäftemacher nach achtjähriger<br />

Amtsführung als Oberbürgermeister<br />

abtreten. Die CDU hatte<br />

gemeinsam mit der FDP bei der Kommunalwahl 18 Stimmen<br />

erhalten, ebenso viele die restlichen drei Parteien SPD,<br />

GVP und die „Soziale Bürgergemeinschaft“. Letztere wollte<br />

für einen CDU-OB stimmen, doch wegen der in Siegen<br />

die Runde machenden Gerüchte dürfe dieser nicht Ernst<br />

Bach heißen. In der ihm eigenen Selbstsicherheit verzichtete<br />

Bach nicht auf seine Kandidatur. Entweder er – oder<br />

keiner! In drei Wahlgängen gab es ein 18:18-Stimmenpatt.<br />

Der nun vorgeschriebene Losentscheid fiel zu Gunsten von<br />

Erich Pachnicke (SPD) aus. Die anschließend durchgeführte<br />

Wahl des Siegener Vertreters für den Landschaftsverband<br />

Westfalen-Lippe verlief ebenso: dreimaliges Patt und Ernst<br />

Bach, der bisher den Verband sogar als „Präsident“ führte,<br />

hatte erneut kein Losglück. Dr. Walter Buhl (SPD) bekam<br />

den Posten. Bei der einige Monate später durchgeführten<br />

Wahl des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden trat Bach – endlich<br />

einsichtig geworden – erst gar nicht mehr an. Rechtsanwalt<br />

Dietmar Pheiffer wurde gewählt.<br />

Nun war es keineswegs so, dass Ernst Bach durch den<br />

Verlust einiger Ämter in seinem Wirken erschüttert gewesen<br />

wäre. Mehr als anderthalb Dutzend weitere Posten hatte<br />

er übernommen, saß in Aufsichts- und Verwaltungsräten.<br />

Da gab es Arbeit genug. Seine wichtigste Funktion war<br />

ohnedies – wie eingangs schon geschildert – das Amt des<br />

CDU-Schatzmeisters. Doch auch hier drohte Ungemach,<br />

denn die ganze Reihe der Unregelmäßigkeiten war auch<br />

in Bonn nicht unbemerkt geblieben. Der „Spiegel“: „Der<br />

CDU-Bundesvorstand ist in der peinlichen Lage, einen<br />

hohen Parteifunktionär unter sich zu wissen, den man ungestraft<br />

einen ‚politischen Geschäftemacher‘ nennen darf.“<br />

Im Jahr 1950 hatte Bach das Amt übernommen und wie<br />

jeder eifrige Kassierer war er von Beginn an bestrebt, „seine“<br />

Kasse zu füllen. Der einfachste Weg hierzu war für eine<br />

Partei seit jeher das Einsammeln von Spenden. Und der<br />

Schatzmeister hatte einen Einfall, wie dies am besten und<br />

so diskret wie möglich zu bewerkstelligen sei. Er beriet sich<br />

Foto: Stadtarchiv Siegen<br />

mit dem Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard und gab<br />

nachfolgend gemeinsam mit dem späteren Kanzler die Wochenschrift<br />

„Das Wirtschaftsbild“ heraus. Diese umfasste<br />

16 DIN-A-4-Seiten, die mittels einer Matrize hektografiert<br />

wurden. Der Inhalt bestand aus Kommentaren und Nachrichten,<br />

die sich kaum von denen in einer Tageszeitung unterschieden.<br />

Das Missverhältnis zwischen den Herstellungskosten<br />

und dem Verkaufspreis indes war enorm, denn die<br />

monatlichen Bezugsgebühren betrugen 50 Mark. Zahlreiche<br />

industrielle Unternehmen gehörten zu den Abonnenten, bezogen<br />

teilweise über 100 Exemplare. Die Urheber klopften<br />

sich auf die Schultern, eine der Partei viele Millionen in die<br />

Kasse spülende Einnahmequelle war eingerichtet.<br />

An die Öffentlichkeit kam die getarnte „Spenden-Transfer-Station“<br />

im Jahr 1956 durch den Hamburger Bundestags-<br />

Abgeordneten Helmut Schmidt. Der spätere Kanzler legte<br />

der Bundesregierung folgende Frage zur Beantwortung vor:<br />

„Entspricht es den Tatsachen, dass das Volkswagenwerk für<br />

monatlich 5.000 Mark Bezieher des CDU-Dienstes ‚Wirtschaftswoche‘<br />

ist?“ Diese Frage war legitim, zumal im Artikel<br />

21 des Grundgesetzes stand: „Die Parteien … müssen<br />

über die Herkunft ihrer Mittel öffentlich Rechenschaft geben…“<br />

Und tatsächlich, die Wolfsburger hatten 100 Exemplare<br />

abonniert und in ihrer Eigenschaft als „öffentliches<br />

Eigentum“ damit öffentliche Gelder quasi-gespendet. Zeitweise<br />

hatten sie monatlich sogar 12.000 Mark überwiesen.<br />

Der erste schwerere Parteispendenskandal der noch jungen<br />

Republik nahm Fahrt auf und es endete letztlich damit, dass<br />

neue Gesetze künftig derartige Erfolgsmodelle verhinderten.<br />

In der CDU freilich nahm man Bach keineswegs übel,<br />

dass er auf diese Art und Weise zur Füllung der Kasse beigetragen<br />

hatte. Andere Praktiken indes stießen auf enorme<br />

Kritik. So lagen die von ihm abgerechneten Spesensätze<br />

jährlich im fünfstelligen Bereich, an Familienmitglieder<br />

zahlte er Tausende für angeblich erfolgreiche Abonnentenwerbung.<br />

Die Bonner Staatsanwaltschaft strengte nach<br />

einer entsprechenden Anzeige ein Ermittlungsverfahren<br />

wegen des Verdachts der Untreue gegen ihn an. Unmittelbar<br />

darauf wurde im Bonner Büro der „Wirtschaftswoche“<br />

eingebrochen. Alle Akten und Belege, die für ein Verfahren<br />

von Bedeutung hätten sein können, wurden geklaut. Selbst<br />

die Portokasse hatten der oder die Täter nicht verschmäht.<br />

Für die Parteioberen war nun endgültig das Maß voll. Ernst<br />

Bach musste nach neunjähriger Tätigkeit von seinem Amt<br />

als CDU-Bundesschatzmeister zurücktreten.<br />

Das hatte der Siegener nach seiner eigenen Einschätzung<br />

nicht verdient. Im CDU-Organ „Deutsches Monatsblatt“<br />

(auch dessen Geschäftsführer war Ernst Bach) tat<br />

er den Lesern mit schlichten Worten kund: „Die fromme<br />

evangelische Frömmigkeit (Bachs) und seine stille Liebe<br />

für die Armen, von der niemand etwas weiß und die er auch<br />

hier nicht angesprochen wissen möchte, vervollständigen<br />

das Bild dieses Mannes, der seinem Land und seiner Partei<br />

ein unentbehrlicher und rastloser Arbeiter ist.“ Dass freilich<br />

auch noch Reste des alten Kampfgeistes in seinem Inneren<br />

schlummerten, zeigte sich spätestens, als er gefragt wurde,<br />

ob er den „Spiegel“, der ja eine Vielzahl seiner Mittel und<br />

Wege publik gemacht hatte, nicht verklagen wolle. Bach<br />

kündigte hierauf an, dass er stattdessen Selbstjustiz üben<br />

werde, wenn er einmal Spiegel-Redakteuren begegne.<br />

Als ihm seine Partei bei der Landtagswahl 1958 erneut<br />

keinen Listenplatz zugestehen wollte, stellte ihn kurzerhand<br />

die heimische CDU als Kandidat des Wahlkreises auf. Und<br />

siehe da: Ernst Bach bekam im Siegerland die meisten Stimmen.<br />

Als Abgeordneter durfte er in Düsseldorf den Kreis<br />

Siegen bis zu seinem Tod im März 1965 vertreten. Im „Siegerländer<br />

Heimatkalender 1966“ stehen in einem Nachruf<br />

wie üblich vor allem lobende Worte. Wer freilich zwischen<br />

den Zeilen zu lesen versteht, der wird auch Zweideutigkeiten<br />

feststellen. So wird ihm ein entscheidender Einfluss auf den<br />

Wiederaufbau der Stadt bescheinigt. Wohl wahr! Seine wichtigste<br />

Tätigkeit – die Führung der Bundes-CDU-Kasse - wird<br />

hingegen gar nicht erwähnt. Stattdessen schließt der Nachruf<br />

mit dem so oder so auslegbaren Satz: „Was Siegen ihm<br />

darüber hinaus zu danken hat, kann hier leider nicht aufgeführt<br />

werden.“ Historiker Opfermann indessen ziert sich<br />

nicht, sondern zieht eine eindeutige Bilanz: „Außerhalb des<br />

Siegener Gebirgskessels von seiner Partei abgelehnt, verurteilt,<br />

verlacht, blieb er hier eine Größe. Eine Straße wurde<br />

nach ihm benannt.“<br />

Ulli Weber<br />

36 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 37


Aus dem<br />

Siegerland<br />

DER MALER und die ÄRZTIN<br />

Karl Jung Dörfler aus Obersdorf<br />

Von Ende<br />

November<br />

<strong>2017</strong><br />

bis Mitte Januar<br />

2018 findet<br />

im „4Fachwerk<br />

Museum“ Freudenberg<br />

eine<br />

Gedächtnisausstellung<br />

zu Ehren<br />

des verstorbenen<br />

Malers<br />

Jung Dörfler<br />

statt.<br />

Karl Jung,<br />

Karl Jung Dörfler<br />

am 29. Januar<br />

1879 in Obersdorf<br />

bei Siegen geboren, wuchs als ältestes Kind gemeinsam<br />

mit sieben Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen<br />

auf. Die Familie schlief auf Strohsäcken, ein Brunnen<br />

im Keller sorgte für Wasser, lediglich in der Küche verbreitete<br />

ein offenes Feuer Wärme. Karbidlampen boten ein<br />

trübes Licht.<br />

Von der Mutter haben die Kinder eine strenge, bewusst<br />

katholische Erziehung erhalten. Der Vater starb im Alter<br />

von nur 53 Jahren als Berginvalide an Tuberkulose. Die<br />

Familie war mittellos, so musste der älteste Sohn Karl mit<br />

13 Jahren die Schule vorzeitig verlassen und gleichfalls für<br />

einen Hungerlohn im Bergbau arbeiten. Jede freie Minute<br />

nutzte er, um zu malen, um mit wenigen Bleistiftstrichen<br />

einen Gegenstand oder eine Person aus seiner täglichen<br />

realen Lebenswelt bildlich darzustellen. Zunächst erkannte<br />

niemand seine Begabung. Erst im Alter von 29 Jahren<br />

erhielt er die Chance, an der Königlichen Kunstakademie<br />

in Düsseldorf ein Studium aufzunehmen. Vermittelt hatte<br />

dies ein katholischer Geistlicher, der auf die künstlerischen<br />

Fähigkeiten des jungen Mannes aufmerksam geworden war<br />

und die Bewilligung eines Stipendiums durch die „Schatullverwaltung“<br />

des Kaisers in Berlin bewirkte.<br />

Der Wechsel aus der begrenzten ländlichen Umgebung<br />

und dem Dunkel der Gruben in die lichte Welt der Großstadt<br />

fiel dem Siegerländer Maler schwer, einen größeren<br />

Kontrast konnte man sich nicht vorstellen! Dass Karl Jung<br />

den Zusatznamen „Dörfler“ annahm, zeigt, dass er trotz<br />

allem der im Dorf verwurzelte Künstler blieb. Der Heimatort<br />

war eines seiner Lieblingsmotive in der Malerei.<br />

Er trennte sich nicht von der Siegerländer Landschaft, die<br />

ihm vertraut war in ihren Naturschönheiten und auch in der<br />

Denk- und Lebensart der Menschen.<br />

In der Malschule machte er in kurzer Zeit große<br />

künstlerische Fortschritte. Das zeigte sich vor allem in<br />

späteren Bleistiftskizzen, Landschaftsbildern und Portraits.<br />

Die erworbene technische Perfektion ermöglichte es ihm,<br />

Charaktere in scheinbar vollkommener Natürlichkeit wiederzugeben.<br />

„Der Mann mit der roten Jacke“ von 1912,<br />

zählt ohne Zweifel zu den eindrucksstärksten Charakterdarstellungen,<br />

die Jung-Dörfler hinterließ. Die Plastizität<br />

des von Krankheit oder Mühsal ausgezehrten Gesichts löst<br />

Betroffenheit aus.<br />

Das Stipendium war nicht üppig bemessen. Da die<br />

Studenten für Farben und Leinwand aufkommen mussten,<br />

litt Jung-Dörfler unter ständiger Geldnot und musste<br />

seinen Lehrern Bettelbriefe schreiben, denn die<br />

Kontinuität der Zahlungen aus Berlin beruhte auf deren<br />

Wohlwollen. Er war ein introvertierter Meisterschüler<br />

der Kunstakademie, nahm zwar an Karnevals- und<br />

Sommerfesten im „Malkasten“ teil, hielt jedoch nicht<br />

viel vom geselligen Leben, das ihm zu oberflächlich war.<br />

Im Sommer 1912 begegnete er seiner späteren Frau<br />

Hedwig Danielevicz. Eine Freundschaft entwickelte sich,<br />

doch es dauerte vier lange Jahre, bis der gläubige Katholik<br />

und die gedemütigte Jüdin, – der sensible Maler und die<br />

vereinsamte Ärztin – zueinander fanden.<br />

Hedwig Danielevicz, am 15. Dezember 1880 in Berlin in<br />

eine jüdische Familie geboren, war seit frühester Kindheit<br />

traumatisiert durch Diskriminierung und Antisemitismus.<br />

Im weiteren Verlauf ihrer Ausbildung, Schulzeit, Medizinstudium<br />

und Arbeit als Ärztin, im Umgang mit Kollegen<br />

fühlte sie sich als Jüdin geächtet und nicht akzeptiert. Sie<br />

fasste den Entschluss, selbstständig zu werden, und eröffnete<br />

1912 in Düsseldorf eine Praxis als Frauen- und Kinderärztin.<br />

Durch ihre bisherigen Begegnungen und Erfahrungen<br />

verunsichert und leicht verletzbar traf Hedwig Danielevicz<br />

erstmalig in Jung-Dörfler auf einen Mann, der ihr Verständnis<br />

entgegenbrachte, sie verehrte und liebte. Die standesamtliche<br />

Hochzeit fand im Mai 1916 statt und die kirchliche<br />

Trauung im Dezember des gleichen Jahres, nachdem<br />

die Ärztin zum katholischen Glauben konvertiert war.<br />

Zwischenzeitlich war Jung-Dörfler zum Kriegsdienst<br />

einberufen worden. Wegen seines schlechten Gesundheitszustandes,<br />

der sich in Schlaflosigkeit und Halluzinationen<br />

äußerte, wurde er ins Lazarett eingewiesen und von dort als<br />

dienstuntauglich entlassen.<br />

Der elfjährigen Ehe war kein Glück beschieden. Der<br />

Maler litt zunehmend an einer Depression und suchte die<br />

Einsamkeit und Isolation. Der psychischen Isolierung folgte<br />

der körperliche Zerfall. Ein Knochensarkom am linken Unterschenkel<br />

erforderte Operationen mit Teilamputation. Am<br />

1. September 1927 starb Karl Jung Dörfler im Alter von<br />

48 Jahren. Beigesetzt<br />

wurde er<br />

in seiner Heimat<br />

Obersdorf im<br />

Siegerland.<br />

Kurz nach<br />

seinem Tod fanden<br />

in Siegen<br />

und in Düsseldorf<br />

Gedächtnisausstellungen<br />

statt. Die von<br />

der Witwe gewünschte<br />

dauerhafte<br />

Präsentation<br />

der Hedwig Danielevicz<br />

Kunstwerke ließ<br />

sich aus politischen Gründen nicht verwirklichen. Die Bilder<br />

sind auf Veranlassung von Hedwig Danielewicz überwiegend<br />

in Privatbesitz übergegangen, vielfach als Schenkung<br />

an die Familie des Verstorbenen.<br />

Die Ärztin litt sehr unter dem frühen Tod ihres Mannes.<br />

Hinzu kamen die Schikanen, denen sie im Nationalsozialismus<br />

ausgesetzt war. Durch den Boykott jüdischer Arztpraxen<br />

stellten sich finanzielle Probleme ein. Der Medizinerin<br />

wurde die ethische Zuverlässigkeit abgesprochen, deutsche<br />

Volksgenossen zu behandeln; am 1. Oktober 1938 musste<br />

sie ihre Praxis in Düsseldorf schließen. Sie lebte fortan in<br />

bitterer Armut.<br />

Im November 1941 wurde sie gemeinsam mit ihrer<br />

Schwester Else nach Minsk/Weißrussland deportiert. Wann<br />

und wie sie dort im Ghetto ermordet wurde, ist nicht bekannt.<br />

<br />

Siegerländer Landschaft Dorfschule Bleistift skizzen<br />

Grube Eisern Mann mit der roten Jacke<br />

38 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 39


Aus dem Siegerland<br />

Um an ihr tragisches<br />

Schicksal<br />

zu erinnern und<br />

über das gemeinsame<br />

Leben des<br />

Malers und seiner<br />

jüdischen Ehefrau<br />

zu berichten, wird<br />

das 4Fachwerkmuseum<br />

als Begleitveranstaltung<br />

zur<br />

Ausstellung eine<br />

Lesung anbieten.<br />

Zusätzlich findet<br />

am Freitag,<br />

dem 5. Januar 2018<br />

um 19 Uhr, in der<br />

evangelische Kirche<br />

Freudenberg<br />

ein Klezmerkonzert statt. Das Ensemble Klezmer Chai<br />

spielt traditionelle jiddische Lieder und Tänze, Melodien<br />

aus der jüdischen Liturgie, aus dem New York der 20er<br />

Jahre, sowie Neukompositionen.<br />

Dr. Ingrid Leopold, stellvertretende Vorsitzende<br />

des 4Fachwerk-Museumsvereins in Freudenberg<br />

Das 4Fachwerk-Museum im Alten Flecken,<br />

Mittelstraße 4-6, ein Haus für Kunst,<br />

Geschichte, Kreativität und Tradition, wird<br />

seit Januar 2014 ehrenamtlich von einem<br />

Museumsverein geführt. Es beherbergt ein<br />

Kunstforum mit wechselnden Ausstellungen<br />

und attraktivem Rahmenprogramm, – die<br />

Etage Stadtgeschichte, – das Uhrenkabinett<br />

mit historischen Standuhren – und eine Werkstatt<br />

als Atelier für kreatives Arbeiten. Präsentiert<br />

werden Bilder aus verschiedenen<br />

Epochen, Skulpturen, Fotografien und kunstgewerbliche<br />

Arbeiten.<br />

Das Siegerland hat ungewöhnlich viele<br />

Begabungen in der darstellenden Kunst aufzuweisen.<br />

Das Bemühen des Museumsvereins<br />

geht dahin, auch verstorbene Künstler<br />

durch Präsentation ihrer Bilder, die meist<br />

in Archiven verborgen sind, zu würdigen. So<br />

wurden bereits Ausstellungen mit Kunstwerken von Siegfried<br />

Vogt und Adolf Saenger durchgeführt.<br />

Das Museum mit der Ausstellung „Der Maler und<br />

die Ärztin“ kann vom 24. November <strong>2017</strong> bis 14. Januar<br />

2018 mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr<br />

besichtigt werden. Der Eintritt beträgt drei Euro.<br />

Fotos: Autorenarchiv<br />

Der Kommentar<br />

Manchmal müssen es die Alten machen<br />

Aufsehen erregte kürzlich die Nachricht, dass der<br />

72-jährige Jupp Heynckes neuer Trainer bei Bayern<br />

München wurde. Als der bisherige Trainer Carlo<br />

Ancelotti entlassen wurde, kehrte „Don Jupp“ an seine<br />

frühere Wirkungsstätte zurück. Dabei suchte er sich als<br />

Assistenztrainer Peter Hermann und Hermann Gerland aus,<br />

die beide auch schon im Rentenalter sind.<br />

An dem Tag, an dem ich diesen Kommentar schreibe,<br />

wird der 75-jährige frühere Bundesfinanzminister Wolfgang<br />

Schäuble gerade zum Bundestagspräsident gewählt.<br />

„Das Alter ist im Kommen“<br />

liest man in der Presse.<br />

Werbung und Film, Funk<br />

und Fernsehen hätten<br />

die ältere Generation zunehmend<br />

im Blick. Ein<br />

langes und glückliches<br />

Leben ist heute kein<br />

Wunschtraum mehr. Die<br />

Lebenserwartung der<br />

Menschen steigt weiter.<br />

Die Forscher errechneten<br />

mithilfe eines statistischen<br />

Modells und Heute von Horst Mahle<br />

an-<br />

hand der Geburts- und Sterbedaten die Lebenserwartung<br />

in den 35 Industriestaaten. Das Ergebnis: Für Männer wird<br />

die Lebenserwartung in allen Ländern mit einer Wahrscheinlichkeit<br />

von 85 Prozent ansteigen, für Frauen um<br />

65 Prozent. Dabei gibt es regionale Unterschiede.<br />

Auch in Deutschland werden die Menschen weiterhin älter.<br />

Aktuell liegt die Lebenserwartung für Männer bei 78 Jahren.<br />

Bis 2030 wird sie der Studie zufolge auf fast 82 steigen.<br />

Deutsche Frauen werden im Jahr 2030 eine Lebenserwartung<br />

von knapp 86 Jahren haben – ein Anstieg um drei Jahre.<br />

„Na schön, das ist die Statistik, und vom Einzelfall kann<br />

man nicht unbedingt auf alle schließen“ mag mancher Leser<br />

einwenden. Und was ist, wenn ich krank werde? Ja, die<br />

Wahrscheinlichkeit einer Krankheit im fortgeschrittenen<br />

Alter ist höher. Ob man im Alter glücklich ist, hängt auch<br />

viel mit der Lebenseinstellung zusammen. Blickt man traurig<br />

auf das zurück, was man nicht mehr kann ? Akzeptiert<br />

man Krankheit und Einschränkungen? Die Ärztin Margot<br />

Kempff-Synofzik sagt, dass Gesundheit im Alter auch viel<br />

mit einer positiven Lebenseinstellung zu tun hat. Wir müssen<br />

ja nicht alle so große Aufgaben wie Heynckes und Schäuble<br />

übernehmen, aber wir sollten uns noch was zutrauen und<br />

Dinge in Angriff nehmen – vielleicht im Ehrenamt?<br />

Horst Mahle<br />

40 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 41


meine<br />

documenta<br />

Gefangen von der Atmosphäre der documenta 14 in Kassel haben mich<br />

Besucher besonders in den Bann gezogen. So kam es, dass sich das Auge<br />

eher dem Betrachter näherte, als sich nur auf die Kunst zu konzentrieren.<br />

Die Fahrt gemeinsam mit Kollegen kurz vor Toresschluss hat sich gelohnt.<br />

100 Tage lang blickte die Kunstwelt auf Kassel. So entstand die Idee, meine<br />

„eigene documenta“ zu kreieren und eine kleine Auswahl zu dokumentieren.<br />

Rita Petri<br />

42 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 43


Hinters Werkstor geschaut<br />

Zepter Neunkirchen<br />

Werksfoto<br />

Einst eine kleine Schmiede und Schlosserei, heute<br />

Erbauer modernster Tower in der Flugtechnik und<br />

internationaler Hersteller von Flughafenkontrollturmkanzeln.<br />

Beim Besuch der Firma Zepter in Neunkirchen erkennt<br />

man sofort an der Architektur des achteckigen Verwaltungsgebäudes<br />

die Form eines Towers von Flughafenkontrolltürmen,<br />

das Markenzeichen des Unternehmens.<br />

Die Unternehmensgruppe Zepter besteht aus der Zepter<br />

GmbH + Co.KG die ihren Ursprung im Jahre 1929<br />

durch den Firmengründer Albert Zepter hat und sich bis<br />

in die heutige Zeit mit verschiedensten Arten von Verkleidungen<br />

aus Metall befasst und der Zepter Flugtechnik, die<br />

Tower und deren Einrichtungen für Flughäfen herstellt.<br />

Friedrich Zepter, Sohn von Albert Zepter war ein begeisterter<br />

Hobbypilot und so wurde er im Jahre 1967 von<br />

der Flughafenverwaltung angesprochen: „Ihr seid doch<br />

ein blechverarbeitendes Unternehmen? Wäre es euch<br />

nicht möglich, einen Tower für den Siegerlandflughafen<br />

zu bauen?“ Diese Frage musste in Friedrich Zepter etwas<br />

ausgelöst haben. So entstand auf dem Siegerland- Flughafen<br />

der erste Tower der Marke Zepter und im Jahre<br />

1975 wurde, resultierend daraus, die Zepter Flugtechnik<br />

GmbH gegründet.<br />

Die Tower werden nach internationalen Richtlinien der<br />

ICAO sowie den Vorgaben der Deutschen Flugsicherung<br />

(DFS) hergestellt. So wurde z.B. im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes<br />

in Masar-e Sharif in Afghanistan<br />

ein Tower errichtet. Sowohl technisch als auch logistisch<br />

war dieser Tower eine Besonderheit. Von Neunkirchen<br />

aus wurde die Kanzel in ihre Einzelteile zerlegt, mit drei<br />

Sattelzügen zum 5000 km entfernten Standort transportiert<br />

und dort aufgestellt.<br />

Ein weiteres interessantes Projekt war der Bau des Towers<br />

auf dem Airport im Addis Abeba. Dort wurde ein Turm<br />

mit einer Grundfläche von ca. 120 Quadratmetern errichtet.<br />

Auf den Solomon Islands<br />

wurde ebenfalls in den 80er<br />

Jahren ein Tower der Marke<br />

Zepter montiert, man kreierte<br />

dort sogar eine eigene Briefmarke<br />

mit Abbildung des<br />

Bauwerkes.<br />

Die Neunkirchener Firma<br />

ist weltweit tätig, Mittlerweile<br />

wurden weit mehr als 200<br />

mobile und stationäre Kanzeln<br />

hergestellt und international<br />

vertrieben.<br />

Carolin Schulz, die Urenkelin<br />

des Firmengründers,<br />

berichtet von den vielfältigen<br />

Produktlinien, mit denen die<br />

Zepter Unternehmensgruppe<br />

aufgestellt ist. „Ich bin sehr<br />

stolz auf unser Familienunternehmen,<br />

das in einer klei-<br />

44 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />

Werksfoto<br />

Aus dem Siegerland<br />

nen Halle seine Geburtsstunde hatte. Heute arbeiten in<br />

unserem Unternehmen rund 80 Mitarbeiter. Wir sind mit<br />

unseren Projekten in mehr als 50 Ländern vertreten“.<br />

Der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe Zepter,<br />

bestehend aus Hartmut Ginsberg und seinem Schwiegersohn<br />

Timm Schulz, ist es ein großes Anliegen, mit der Zeit<br />

zu gehen, das heißt in jeder Geschäftssparte innovativ zu<br />

sein. So wurde im Laufe der Jahre die Produktionsfläche<br />

des Unternehmens und der Maschinenpark stetig ausgeweitet.<br />

Die Materialien werden mittels neuester 2D- und<br />

3D Lasertechnik, automatisiertem Schweißen, aber auch<br />

nach traditionellen Verfahren durch Nibbel-, Abkant- und<br />

Stanzanlagen verarbeitet. Ebenso wurden die Produktlinien<br />

des Unternehmens stetig ausgeweitet und den Bedürfnissen<br />

des Marktgeschehens angepasst.<br />

Neben den Towern für Flughäfen fertigt die Zepter Flugtechnik<br />

sogenannte Einsatzleitcontainer. Diese finden bei<br />

Feuerwehren, Hilfsorganisationen z.B. in Krisenregionen<br />

sowie auch beim Militär als Kommando- und Einsatzzentrale<br />

Verwendung. Zum Lieferumfang gehört die komplette<br />

Innenausstattung wie Mobiliar und das notwendige<br />

IT-Equipment. Alle Einrichtungsgegenstände können auf<br />

ein Minimum geklappt und verstaut werden und so für den<br />

Transport auf ein geringes Maß komprimiert werden. Die<br />

Container können im Bedarfsfall durch ein mobiles Zeltsystem<br />

in kürzester Zeit vergrößert werden.<br />

Werksfoto<br />

Das Schwesterunternehmen, die Zepter GmbH und<br />

Co. KG bedient verschiedenste Produktbereiche wie z.B.<br />

die Medizintechnik. Diese stellt Funktionsmöbel her, die<br />

weltweit für Krankenhäuser, Labore und Arztpraxen unter<br />

der Eigenmarke „medi-conzept“ vertrieben werden.<br />

Zepter ist ein im Siegerland verwurzeltes Familienunternehmen<br />

mit weltweiten Geschäftsbeziehungen. ●<br />

4/<strong>2017</strong> durchblick 45


Gesellschaft<br />

Gesellschaft<br />

Spurensuche<br />

Meine Familie vor dem Hintergrund der Geschichte<br />

Das alte Haus von Rocky Docky / hat vieles schon erlebt / Kein Wunder dass es zittert / Kein Wunder dass es bebt<br />

Das in der Bildunterschrift genannte Lied war Mitte<br />

der 50er Jahre ein Gassenhauer. Der Niederländer<br />

Bruce Low besang ein altes und hässliches Gebäude,<br />

das schon so viel erlebte, dass es zitterte und bebte. Das<br />

im Bild gezeigte Haus im schlesischen Schmidtsdorf (heute:<br />

Kowalowa) hat ebenfalls schon so manches erlebt. Im Gegensatz<br />

zu Rocky Dockys Haus aber zittert und bebt es immer<br />

noch nicht. Mein Cousin brachte das Foto kürzlich mit,<br />

als er auf Spurensuche das Elternhaus seines Vaters finden<br />

wollte. Seine Familie war nach dem zweiten Weltkrieg nach<br />

Sachsen verschlagen worden. Das gezeigte Haus ist auch<br />

mein Geburtshaus. Die Zugehörigkeit zu vier verschiedenen<br />

Nationen hat es erlebt: Nach den Böhmen und den Habsburgern<br />

kamen die Preußen und nun herrschen dort die Polen.<br />

Das Haus war das Gemeindehaus des Dorfes und von etlichen<br />

Familien bewohnt, wie es damals durchaus üblich war.<br />

Meine Mutter, die mit ihren Eltern in dem Gemeindehaus<br />

gelebt hat, zog es als ca. 21jährige Frau gerne und häufig<br />

mit ihrer Freundin Trudl zum Tanzen in das nahegelegene<br />

Bezirks-Städtchen Friedland. Hier versammelte sich das gesamte<br />

Jungvolk der Region in der ,,Burg“, einem beliebten<br />

Tanzlokal. Dort lernten beide auch ihre zukünftigen Ehemänner<br />

kennen. Den Rest ihrer Freizeit verbrachten sie im Sommer<br />

auf der ,,Hohen Heide“ und den schlesischen Wäldern<br />

beim Wandern und im Winter beim Ski-Laufen im Riesengebirge.<br />

Häufig gingen sie auf das nahegelegene Flugfeld und<br />

sahen meinem späteren Vater beim Segelfliegen zu.<br />

Foto: Erna Homolla<br />

Eines Tages bemerkte meine Großmutter, dass ihre<br />

Tochter immer rundlicher wurde und ermahnte sie, doch<br />

etwas mehr auf ihre Figur zu achten und nicht so viele Kartoffeln<br />

zu essen. Sie selbst — ganz die Unschuld vom Lande<br />

– wusste, damals im 7. Monat schwanger, noch nicht, dass<br />

sie „in anderen Umständen“ war. Sie hatte die Vorgänge<br />

in ihrem Körper wohl für Magengrummeln gehalten. Als<br />

ihr Umstand immer offensichtlicher wurde, fielen beide<br />

Elternpaare aus allen Wolken, denn sie waren davon ausgegangen,<br />

dass ihre jungen Leute ,,anständig“ geblieben<br />

waren. Da zum Aushängen des Aufgebotes keine Zeit mehr<br />

blieb, nutzten sie eine Gruppentrauung anlässlich Hitlers<br />

Geburtstag am 20. April 1936, um ihre Situation zu legalisieren.<br />

So kam es, dass ich als Super-Turbo-Baby einen<br />

Monat nach der Trauung meiner Eltern, an einem Sonntag<br />

im Wonnemonat Mai, in einem Alkoven der Wohnstube<br />

meiner Großeltern das Licht der Welt erblickte. Im gleichen<br />

Jahr fand auch in Berlin die Olympiade statt. Jetzt,<br />

statistisch gesehen, in meinem letzten Lebensjahrzehnt angekommen,<br />

kann ich rückblickend sagen, dass ich schon<br />

immer das Gefühl hatte, durchs Leben ,,gerannt“ zu sein<br />

wie Jesse Owens damals bei der Olympiade in Berlin.<br />

Meine Großeltern Mathias und Maria waren aus der<br />

Grafschaft Glatz erst Anfang des 20. Jh. nach Schmidtsdorf<br />

gezogen und hatten dort ihre Familie gegründet. Wahrscheinlich<br />

wollten sie sich von der ,,Oberherrschaft“ ihres<br />

vorherigen gräflichen Arbeitgebers freimachen.<br />

Mathias, eigentlich Fleischhauer (Metzger) in der familieneigenen<br />

Metzgerei, war nach der Schlacht bei Königgrätz<br />

aus Linz/Donau als Arbeitsuchender beim Straßenbau<br />

in Niederschlesien untergekommen. Weil Mathias<br />

kein ,,Kraftprotz“, sondern eher ein leptosomer Typ war,<br />

der Tiere und Pflanzen liebte, war er für diese Art Arbeit<br />

eigentlich ungeeignet. Er nahm deshalb gerne eine Anstellung<br />

als ,,Herrenfahrer“ auf dem gräflichen Rittergut<br />

in der Grafschaft Glatz an. Seine Tätigkeit bestand darin,<br />

zum einen der gräflichen Familie zur Verfügung zu stehen<br />

zum anderen die unterschiedlichsten Kutschen zu warten<br />

und die dazugehörigen Pferde zu betreuen. Er trug eine<br />

Livree, die ihm als schlankem Mann auch gut stand. Und<br />

seine österreichische Sprachmelodie tat ein Übriges um die<br />

Mädchen des gräflichen Haushaltes zu verwirren.<br />

Maria Langer, Häuslerstochter* aus Glasendorf, Köchin<br />

im gräflichen Haushalt, hatte wohl auch ein Auge auf Mathias<br />

geworfen. Und weil, wie man sagt, die Liebe durch<br />

den Magen geht, ist es kein Wunder, dass er sie für sich<br />

auserwählte.<br />

Schmidtsdorf, mein 400-Seelen-Geburtsort, hat seinen Namen<br />

wahrscheinlich von einem verdienten Mann, vielleicht<br />

sogar einem Dorfschulzen mit Namen Schmidt erlangt.<br />

Das Dorf stellte eine Verbindung zwischen dem bekannten<br />

Lungenkurort Görbersdorf und dem Bezirksstädtchen<br />

Friedland dar. Bürgermeister Tilch war bemüht, etwas von<br />

dem Glanz der beiden Orte auf Schmidtsdorf zu übertragen.<br />

Neben der gepflasterten Dorfstraße wurden Rabatte an dem<br />

Bürgersteig angelegt und mit unterschiedlichsten, farbenprächtigen<br />

Dahlien angelegt.<br />

Erna Homolla<br />

*Häusler oder Kleinhäusler waren Kolonisten, die vor einigen<br />

hundert Jahren, also unter Herzog Heinrich I. von<br />

Schlesien (1201 —1238) und seiner Gemahlin Hedwig von<br />

Andechs-Meran (gest. 1243), nach Schlesien kamen. Sie<br />

betrieben einen dynamischen Landesausbau durch Klostergründungen<br />

und Ansiedlungen deutscher Kolonisten.<br />

Sie durften ein Haus bauen und so viel Land um das Haus<br />

herum erwerben, dass sie dort für den Eigenbedarf Kartoffeln<br />

und Gemüse anbauen konnten. Als Nutztiere hielten sie<br />

Ziegen, Geflügel und Kaninchen. Manchmal fütterten sie<br />

sogar ein Schwein zum Schlachten. Den großen Grun<strong>db</strong>esitz<br />

aber durfte nur der Adel erwerben.<br />

46 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 47


Das Portrait<br />

Das Portrait<br />

Tieneke Parartini Abt<br />

Eberhard Freundt<br />

Zur Person: Geboren 1948 in Solo/Java/Indonesien.<br />

Studium der Rechtswissenschaften. Stipendium in<br />

Salzburg. Seit ihrer Heirat im Siegerland zu Hause.<br />

Mit einem feinen Lächeln und strahlenden Augen begrüßt<br />

Tieneke Parartini Abt das durchblick-Team.<br />

Ein harmonischer Mix aus indonesischen und<br />

modernen europäischen Möbeln, Kunstwerken und einigen<br />

Antiquitäten bestimmt das Ambiente und gleichzeitig die<br />

Themen im Hause Abt: Kunst, Musik, Literatur und Religion.<br />

Gleich beim Eingang liegt rechts das Herzstück: der Raum des<br />

Gamelan-Orchesters Siegen, dessen Mitbegründerin Tieneke<br />

ist. Hier wird seit 1991 einmal in der Woche geprobt und die<br />

meisten Aufführungen finden hier statt. Frau Abt schlägt die<br />

Trommel. Sie ist also die Dirigentin des kleinen Orchesters.<br />

Gamelan ist die traditionelle Musik von Indonesien und begleitet<br />

die Javaner mit Gongs, Trommeln und Flöte durch das<br />

ganze Leben. Gestaltet ihre Feste und prägt ihre Lebensweise.<br />

1985 gründete Tieneke Abt die Deutsch-Indonesische Gesellschaft<br />

Südwestfalen in Siegen (DIG): Für die gebürtige<br />

Javanerin eine wunderbare Gelegenheit, ihre alte mit der neuen<br />

Heimat zu vernetzen. Hier wurden und werden seitdem<br />

Kontakte gepflegt in enger Zusammenarbeit mit der indonesischen<br />

Botschaft, damals in Bonn, mit Universitäten und<br />

Studenten. Denn junge Menschen aus dem Ausland liegen<br />

Tieneke Abt besonders am Herz. Fernweh kennt sie ja aus<br />

eigener Erfahrung. Studierende aus Indonesien fanden hier in<br />

vielen Belangen im Alltag, an der Universität und beim Berufseinstieg<br />

Unterstützung. Der Kontakt blieb oft auch noch<br />

später – dank der modernen Medien – erhalten. Und manch<br />

ein Student schaut nach Jahren gern bei den Abts vorbei.<br />

Über das Projekt „Slumkinder“ spricht Tieneke besonders<br />

gern. Pateneltern (inzwischen über 60) aus dem Siegerland<br />

übernehmen die Schulkosten für arme Kinder in Jakarta, um<br />

ihnen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Zwar<br />

herrscht in Indonesien allgemeine Schulpflicht. Doch viele<br />

Familien können nicht die Mittel für Prüfungsgebühren, Uniform<br />

und Bücher aufbringen. Ein Widerspruch!<br />

Immer wieder leidet auch Indonesien unter zerstörenden<br />

Naturgewalten. 20<strong>04</strong> halfen Mitglieder der Gesellschaft nach<br />

dem Tsunami spontan mit der Sammlung von Hilfsgütern und<br />

Geldspenden. Zwei riesige Container wurden persönlich von<br />

Helfern und dem Ehepaar Abt nach Aceh gebracht, wo der<br />

Tsunami ein Trümmerfeld hinterlassen hatte.<br />

Trotz ihrer bescheidenen doch temperamentvollen Art<br />

merkt man, Tieneke ist ein Organisationstalent, eine Netzwerkerin,<br />

eine Frau der Tat und die auf jedem gesellschaftlichen<br />

Parkett zu Hause ist.<br />

Der wichtigste Termin der Gesellschaft im Jahr war früher<br />

der Jahresabschluss, der mit Vorträgen und Musik sowie einem<br />

gemeinsamen indonesischen Essen gefeiert wurde. „Und seit<br />

kurzem“, erzählt Tieneke mit leuchtenden Augen, „steht auch<br />

hin und wieder die Betreuung des ersten Enkelkindes im fernen<br />

München auf dem Programm.“<br />

Texte: Tessie Reeh, Fotos: Rita Petri<br />

Auf You Tube schaut sich Eberhard Freundt gerne theologisch/naturwissenschaftliche<br />

Streitgespräche an.<br />

Natürlich liest er auch seit Jahren Fach- und Sachbücher<br />

über Theologie, Philosophie und (Welt)-Religionen<br />

Zu seinen Lieblingsautoren zählen u.a. die streitbaren katholischen<br />

Theologen Hans Küng sowie der Kirchenkritiker Eugen<br />

Drewermann. Beruflich machte er von 1954 bis 1957 zunächst<br />

eine dreijährige Lehre als Industrie-Kaufmann. Bereits<br />

Ende der Sechziger/Anfang der siebziger Jahre erweiterte er<br />

sein kaufmännisches Wissen durch intensive Weiterbildungsmaßnahmen<br />

und wechselte als EDV-Berater in die Computer-<br />

Branche, in der er bis zum Eintritt in das Rentenalter als Selbstständiger<br />

tätig war. Erst nach seiner intensiven Berufs- und<br />

Familienphase mit vier Kindern konnte sich Freundt vertiefend<br />

mit den Grenzfragen zwischen Religion, Philosophie und<br />

Naturwissenschaften beschäftigen. Über viele Jahre besuchte<br />

er bei der UNI Siegen die Mittwochs- Akademie und belegte<br />

die Fächer Philosophie und Theologie.<br />

durchblick-Leser schätzen seine anspruchsvollen Essays. Seit<br />

dem Ruhestand stand auch soziales Engagement hoch im Kurs<br />

bei Eberhard Freundt. Er war ein Mann der ersten Stunde des<br />

heutigen Senecafés im Haus Herbstzeitlos und Gründungsmitglied<br />

des Vereins ALTER Aktiv. Außerdem war er Mitglied<br />

einer Gefangenenkontaktgruppe in Siegen.<br />

„Eher zufällig bin ich vor 16 Jahren zu der ehrenamtlichen<br />

Tätigkeit bei der „Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe Siegen“<br />

gekommen“, erzählt Eberhard Freundt. Aber wir wissen<br />

ja, es gibt keine Zufälle. Erst besuchte er eine Ausbildung, in<br />

der geprüft wurde, ob er überhaupt für so ein Amt geeignet<br />

war. Dann folgte der erste Einsatz, der es gleich in sich hatte.<br />

Plötzlich war er allein in einem fremden Haus mit einem<br />

über Achtzigjährigen, der blind, beidseitig beinamputiert und<br />

schwerstkrank war. Nach dem ersten Schreck gelang es ihm<br />

dann schnell, Kontakt zu diesem Sterbenden aufzubauen - mit<br />

Feingefühl und Empathie. Mit den Worten „In dieser schweren<br />

Zeit waren Sie für mich wie ein Fels in der Brandung“ würdigte<br />

eine Ehefrau nach dem Tod ihres Mannes den Einsatz<br />

seiner Hospizarbeit. Im Laufe der Jahre hat Eberhard Freundt<br />

viele Patienten und deren Angehörige auf der letzten Reise<br />

begleitet. Trotz aller Ernsthaftigkeit im Gespräch blitzt auch<br />

immer wieder ein gewisser schwarzer Humor bei ihm durch.<br />

Um auch sehr belastende Momente der Sterbehelfer/innen<br />

zu bewältigen, tauschen sie sich einmal im Monat bei einem<br />

Gruppentreffen aus und geben einander Tipps. Übrigens: von<br />

den über 60 Aktiven der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe<br />

Siegen sind die allermeisten Frauen. Die Zeitspanne einer<br />

Sterbebegleitung liegt erfahrungsgemäß zwischen nur wenigen<br />

Tagen und ein bis zwei Jahren.<br />

Wie heißt es in einem aktuellen Song von Adel Tawil „Ist da<br />

jemand, der dein Herz versteht und mit dir ans Ende geht?“<br />

Der Jemand könnte auch Eberhard Freundt sein.<br />

Zur Person: Jahrgang 1939, geboren in Siegen, Beruf:<br />

Industrie-Kaufmann, Spezialgebiet EDV, Familie mit vier<br />

Kindern, sieben Enkeln und demnächst mit zwei Urenkeln.<br />

48 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 49


Foto: wikimedia commons<br />

Auf einem kleinen Bahnhof in Südwest-England saß<br />

ein junger deutscher Kriegsgefangener neben einem<br />

ungesund aussehenden Mann, der zwischen 50 und<br />

60 Jahren alt sein mochte. Er hatte ein aufgedunsenes Gesicht<br />

und wirkte müde. Das war an einem trüben, kühlen Tag<br />

im Dezember 1947 anlässlich eines bewachten Arbeitseinsatzes<br />

einer Gruppe von Gefangenen. Man kam ins Gespräch,<br />

und der erschöpft scheinende Mann fragte auf Deutsch, ob<br />

sein Gegenüber sich an Musiker aus dem Berlin vor dem<br />

Krieg erinnern könne. Der Jüngere bejahte dies und antwortete:<br />

„Aber selbstverständlich. An den großen Tenor Richard<br />

Tauber!“ Daraufhin von nebenan ein kurzer Satz: „Ich bin<br />

Richard Tauber.“ Ein paar Tage später gab der kranke Sänger<br />

mit Unterstützung der britischen Militärverwaltung ein<br />

kleines Konzert im Gefangenenlager – sein letztes.<br />

Jene Begegnung und das Konzert fanden nur ein paar Wochen<br />

vor dem Tod Richard Taubers statt, eines der bedeutendsten<br />

Tenöre des 20. Jahrhunderts, der im Deutschland der<br />

zwanziger und frühen dreißiger Jahre der einzigartige, vom<br />

Publikum gefeierte klassische Sänger gewesen war. Er erhielt<br />

seine Ausbildung in Deutschland, sang sowohl Opernpartien<br />

als auch Kunst- und Volkslieder und nicht zuletzt Operettenrollen,<br />

trat auf der Bühne auf, war im Radio zu hören und<br />

im Film zu sehen. Nicht nur seine betörende, lyrische Tenorstimme,<br />

die ihn als Belcanto-Sänger und perfekten Mozartinterpreten<br />

auswies, sondern auch seine absolut treffsichere,<br />

Kultur<br />

„Dein ist mein ganzes Herz“<br />

Vor 70 Jahren starb der Tenor Richard Tauber<br />

Ein kleiner Bahnhof in Südwest-England<br />

„außergewöhnliche Musikalität“ (Jürgen Kesting) sowie eine<br />

faszinierende, unwiderstehliche persönliche Präsenz brachten<br />

ihm die uneingeschränkte Bewunderung der Fachwelt<br />

und aller Musikliebhaber ein. Die Berliner Auftritte des Sängers,<br />

auch in Freiluftkonzerten, sind legendär. Gelegentlich<br />

betätigte er sich ebenso souverän und erfolgreich als Pianist,<br />

Komponist und Dirigent. Eine seiner Kompositionen ist die<br />

Operette „Der singende Traum“; darin das Lied „Du bist die<br />

Welt für mich“, gewidmet dem befreundeten jüdischen Tenor<br />

Joseph Schmidt, einem in der Vorkriegszeit sehr populären<br />

Sänger von kleiner Gestalt und unvergesslicher Stimme.<br />

Der auf den meisten Fotos mit Monokel zu sehende Tauber<br />

wurde im Jahre 1891 am 16. Mai in Linz an der Donau<br />

als unehelicher Sohn einer Operetten-Soubrette geboren<br />

und hieß zunächst Richard Denemy nach dem Mädchennamen<br />

seiner Mutter. Später nahm er durch Adoption den<br />

Namen seines Vaters an, eines Schauspielers und späteren<br />

Opernintendanten von Chemnitz, wo Richard Tauber 1913<br />

als Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ debütierte und seinen<br />

ersten großen Erfolg feierte. Von Seiten des Vaters war Tauber<br />

jüdischer Abstammung („Halbjude“), und darunter hatte<br />

er bei einem Vorfall im Jahre 1933 auf der Straße in Berlin<br />

zu leiden: Von einer Gruppe von SA-Schlägern, die den berühmten<br />

Sänger wahrscheinlich nicht einmal kannten oder<br />

nicht erkannten, wurde er niedergeschlagen und als Jude beschimpft:<br />

„Judenlümmel, raus aus Deutschland!“ Dass er von<br />

Geburt an römisch-katholischen Glaubens<br />

war, nützte ihm bei den Nationalsozialisten<br />

wenig, zumal diese die Religionszugehörigkeit<br />

im Falle der Juden ohnehin absichtlich<br />

mit Rassenzugehörigkeit verwechselten<br />

und die „jüdische Rasse“ vernichten wollten.<br />

Insbesondere jener Vorfall am Hotel<br />

Adlon bewog Tauber, an seiner Sicherheit<br />

zu zweifeln; er blieb nicht mehr lange in<br />

Deutschland, ging nach Österreich und auf<br />

Übersee-Tourneen, und nach dem sogenannten<br />

„Anschluss“ seines Heimatlandes<br />

im Jahre 1938 emigrierte er nach England,<br />

wo er 1940 die Staatsbürgerschaft annahm<br />

und seine Karriere durchaus erfolgreich<br />

fortsetzen konnte, obwohl ihm das Erlernen<br />

der englischen Sprache nicht leicht fiel. Die<br />

nicht akzentfreie Aussprache auf den zahlreichen,<br />

in England produzierten Langspielplatten<br />

störte dennoch die Einheimischen ob des weichen,<br />

berauschenden Stimmtons wenig.<br />

Zur Zeit seiner höchsten Triumphe in Berlin wurde Tauber<br />

als Lebemann und Liebling der Damenwelt angesehen.<br />

Er feierte gern und oft, gab viel Geld aus und war der Mittelpunkt<br />

manch öffentlicher und privater Festlichkeit. Er<br />

war zweimal verheiratet: in Deutschland mit der Soubrette<br />

Carlotta Vanconti und in England bis zuletzt mit der schönen<br />

britischen Schauspielerin Diana Napier, hatte aber auch<br />

etliche Affären. Kinder hatte er nicht.<br />

Eine besonders enge Freundschaft verband ihn mit dem<br />

österreichisch-ungarischen Operettenkomponisten Franz<br />

Lehár, der in Bad Ischl im Salzkammergut wohnte, wo sich<br />

Tauber nicht weit von dessen Wohnsitz ein Haus kaufte, in<br />

dem er sich jedoch selten aufhielt. Taubers Haus ist heute<br />

bewohnt, aber in Lehárs Haus, einem Museum, sind u.a.<br />

Erinnerungsstücke an Richard Tauber zu besichtigen. Als<br />

Tauber Mitte der 20-er Jahre so sehr an Rheuma erkrankte,<br />

dass er erhebliche Schmerzen bei Gehbewegungen hatte,<br />

schrieb Lehár eigens mit Blick auf ihn die überwiegend in<br />

China spielende Operette „Das Land des Lächelns“, in der<br />

Tauber sich, in lange Gewänder gehüllt, als der seiner Liebe<br />

entsagende Protagonist Prinz Sou-Chong langsam bewegen<br />

konnte. Das Lied „Dein ist mein ganzes Herz“ war und ist nahezu<br />

untrennbar mit Tauber verbunden, brachte seinen Ruhm<br />

auf den Höhepunkt und wurde und wird bis heute von großen<br />

deutschen Tenören wie Peter Anders, Rudolf Schock, Fritz<br />

Wunderlich, René Kollo und Jonas Kaufmann, aber auch von<br />

Ausländern wie Mario Lanza, Plácido Domingo, Luciano<br />

Pavarotti und José Carreras gern gesungen.<br />

Mit Geld konnte Tauber nicht gut umgehen. Dies führte<br />

dazu, dass er, der in Berlin ein stattliches Haus und Automobil<br />

mit Chauffeur besessen hatte, zunächst auch in England<br />

auf großem Fuße lebte, aber zusehends von seiner Frau unterhalten<br />

werden musste und am Ende seines Lebens fast<br />

verarmt war und hohe Schulden hinterließ.<br />

Als er mit dem deutschen Kriegsgefangenen zufällig zusammentraf,<br />

war Richard Tauber schon todkrank. Er hatte<br />

Lungenkrebs, und ein Lungenflügel war ihm bereits entfernt<br />

Foto: wikimedia commons<br />

Richard Tauber<br />

worden. Knapp drei Monate vorher, am 27. September 1947,<br />

hatte er anlässlich des ersten Gastspiels der Wiener Staatsoper<br />

nach dem Kriege in Londons Royal Opera House Covent<br />

Garden seine Abschiedsvorstellung gegeben. Er sang<br />

noch einmal, an der Seite der jungen Sopranistin Elisabeth<br />

Schwarzkopf, seine Paraderolle in Mozarts „Don Giovanni“,<br />

den Part des für Gerechtigkeit eintretenden Don Ottavio, des<br />

Verlobten der Donna Anna und Widersachers der Titelfigur,<br />

und muss „um sein Leben gesungen“ haben, wie es ein Kritiker<br />

ausdrückte. Er verkörperte die Rolle so einfühlsam und<br />

mit so wunderbarer Gesangskunst, dass die Zuschauer am<br />

Ende aufstanden und sein Lied „You are my heart’s delight“<br />

aus Lehárs Operette anstimmten.<br />

Nur wenige Wochen nach dem Gespräch auf dem kleinen<br />

Bahnhof starb der Tenor am 8. Januar 1948 im Alter von<br />

nur 56 Jahren. Eine Trauerfeier mit Auftritt von Elisabeth<br />

Schwarzkopf wurde in der Royal Albert Hall in Kensington<br />

abgehalten, in dem riesigen, runden Konzerthaus der Promenade<br />

Concerts. Richard Taubers Grab befindet sich auf<br />

dem Brompton Cemetery, ebenfalls im westlichen Londoner<br />

Stadtteil Kensington. <br />

Horst Feger<br />

Quellen: K.H. Bülter: Begegnung eines deutschen Kriegsgefangenen mit Richard Tauber in<br />

England, www.richard-tauber.de/wp-content/pdf/begegnung.pdf. Jürgen Kesting: Die großen<br />

Sänger, 3 Bde, Düsseldorf (Claassen), 1986. Evelyn Steinthaler: „Morgen muss ich fort von<br />

hier“, Richard Tauber – die Emigration eines Weltstars, Wien (Milena), 2011. wikipedia.org<br />

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Kultur<br />

Kultur<br />

Quotenhits von damals<br />

„Familie Schölermann“<br />

– die erste Familienserie im Deutschen Fernsehen<br />

sondern über die Identifikation mit der „Musterfamilie“,<br />

in der Problemlösungsstrategien im Dialog entwickelt<br />

wurden. Wie auf dem Bild zu sehen ist, scharen sich die<br />

Schölermanns immer wieder in vielen Szenen zusammen<br />

und verhandeln durchaus kontrovers, aber respektvoll das<br />

anstehende Problem.<br />

Es ist ein Mittwoch im Herbst 1954, kurz nach 20:00<br />

Uhr. Eine Siegerländer Familie versammelt sich im<br />

Wohnzimmer vor dem neuen Fernsehgerät. Sie erwarten<br />

„ihre“ Nachbarn, zwar nicht im realen, eigentlichen<br />

Sinne, sondern vermittelt vom neuen Medium Fernsehen.<br />

Im Programmheft steht: „Unsere Nachbarn heute Abend<br />

– Familie Schölermann“. Der Titel steht für die erste Familienserie<br />

im Deutschen Fernsehen. Vorbilder für dieses<br />

neue Sendeformat waren Serien im Radio sowie Beispiele<br />

aus den USA. Wichtig war den Verantwortlichen beim<br />

NDR (damals noch NWDR), dass es sich um eine deutsche<br />

Durchschnittsfamilie handelte, mit der sich die Zuschauer<br />

identifizieren konnten. Gezeigt wurde das Alltagsleben<br />

mit all seinen Freuden und Kümmernissen, den gelegentlichen<br />

Sorgen mit den drei Kindern, auch die Fragen von<br />

der Entwicklung des Wohlstandes. So gesehen gelang den<br />

Machern der Serie ein Einblick in eine typische Familie der<br />

fünfziger Jahre, der Jahre des Wirtschaftswunders. Der Zuschauer<br />

begleitete die Entwicklung dieser Familie mit dem<br />

Oberhaupt Matthias Schölermann (Willy Krüger), seiner<br />

Frau Trude (Lotte Rausch) und den Kindern Heinz (Charles<br />

Brauer, der mit dieser Rolle seine Fensehkarriere begann),<br />

Eva (Margit Cargill) und Joachim (Harald Martens) auch<br />

im Hinblick darauf, dass man sich zunehmend etwas leisten<br />

konnte: Fand der erste Urlaub 1955 noch im Schrebergarten<br />

statt, reiste man später an die Ostsee, fuhr danach mit dem<br />

Wohnwagen und dem vom Chef ausgeliehenen Mercedes<br />

an die Nordsee und unternahm im Jahre 1958 sogar eine<br />

Schiffsreise, die man in einem Preisausschreiben gewonnen<br />

hatte.<br />

Bewusst angelegt wurde auch ein pädagogisches<br />

Motiv: Ausgehend von den Alltagsproblemen der Schölermanns<br />

wollte man den Zuschauern Lösungsmöglichkeiten<br />

anbieten, nicht mit dem pädagogischen Zeigefinger,<br />

Bild: NDR (S2). NDR Presse und Information/Fotoredaktion (<strong>04</strong>0) 4156-3762, Fax: -2199<br />

Schmunzelnd verfolgt man heute manche Dialoge dieser<br />

ersten deutschen Familienserie, die einem ein Stück heile<br />

Welt ins Wohnzimmer brachte. Hier ein kurzer Ausschnitt:<br />

Sohn Heinz, Automechaniker, holt seine Mutter in einem<br />

von ihm selbst in Stand gesetzten Auto ab:<br />

Und was ist das?<br />

Das ist die Lichthupe.<br />

Und was machste damit?<br />

Damit gibt man Signal.<br />

Du, das ist gut. Dann hört endlich mal die Huperei auf.<br />

Das ist ne vernünftige Erfindung.<br />

– Heinz hupt –<br />

Ich denke, du hupst mit Licht.<br />

Also Mutti, von technischen Dingen ...<br />

Ja ich weiß, davon hab ich keine Ahnung.<br />

Der Wagen fährt doch prima, oder? Also, den Motor habe<br />

ich ganz auseinander gehabt. Ich hab den ganzen Wagen<br />

überholt.<br />

Aber, war das nicht furchtbar viel Arbeit?<br />

Das ist doch keine Arbeit für mich, das ist ein Feierabendvergnügen.<br />

Junge, ich bin ja so froh, dass dir der Beruf so viel Freude<br />

macht. Weißt du, es gibt ja nichts Schrecklicheres, als morgens<br />

aufzustehen und ungern zur Arbeit zu gehen.<br />

Da brauchst du bei mir keine Angst zu haben.<br />

...<br />

Gnädige Frau, wie wärs denn mal mit einer kleinen Urlaubsreise?<br />

...<br />

Sehr interessant aus heutiger Sicht war die Art, wie der<br />

NDR die einzelnen Episoden präsentierte: Ausgelöst durch<br />

die Tatsachen, dass die Serie zu Anfang live produziert wurde,<br />

die Namen der Schauspieler nicht genannt wurden und<br />

die Handlungen meist zur realen Sendezeit (20:15 bis 21:00<br />

Uhr) angesiedelt waren, entstand bei manchen Zuschauern<br />

die Frage, ob es sich um Schauspieler handele oder hier<br />

eine reale Familie dargestellt werde. Heute würde man dies<br />

Reality-TV nennen.<br />

So wurde die Serie zum ständigen Begleiter der Familien<br />

an den Bildschirmen der fünfziger Jahre. Im Jahre 1960<br />

war nach 111 Folgen Schluss. Man fand, dass die Schölermanns<br />

nicht mehr dem Zeitgeist entsprachen und in mancher<br />

Hinsicht spießig wirkten.<br />

Uli Hoffmann<br />

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Kultur<br />

Kultur<br />

Dichterviertel<br />

Der Spaziergang<br />

Franz Grillparzer • Gelebt von 1791 bis 1872<br />

Das sind die Starken,<br />

die unter Tränen lachen,<br />

eigene Sorgen verbergen<br />

und andere fröhlich machen.<br />

Foto: wikimedia commons<br />

Ich schrieb mir dieses Gedicht auf und verwende es<br />

manchmal auf einer Fotokarte für einen lieben Menschen<br />

in einer ganz besonderen Lebenssituation.<br />

Nicht weit davon entfernt komme ich in die Ganghoferstraße.<br />

Hier wohnte für eine Zeitlang Anne Frank mit ihren<br />

Eltern. An diesem Haus komme ich öfter vorbei, jedes Mal<br />

halte ich inne, und lese, was auf der angebrachten kleinen<br />

Bronzetafel geschrieben steht:<br />

Dieser tiefsinnige Satz von einer 14jährigen, aufgeschrieben<br />

in ihrem Tagebuch berührt mich jedes Mal und<br />

ich denke, wie wahr, wie wahr:<br />

Die endgültige Formung<br />

seines Charakters<br />

hat jeder selbst in der Hand.<br />

Anne Frank, 15. Juli 1944<br />

Auf den Mauerpfosten oberhalb der Tafel hat jemand<br />

zum Gedenken vier Steine gelegt, so wie Juden es zum<br />

Gedenken zu tun pflegen.<br />

Foto: wikimedia commons<br />

Anne Frank ist stellvertretend mit ihrem Schicksal<br />

in die Weltgeschichte eingegangen.<br />

Im Vorgarten steht ein Mirabellenbaum, dessen Äste<br />

über den Zaun hinwegragen. Ich pflücke mir eine Handvoll<br />

der gelben, sonnengereiften Früchtchen, begebe mich<br />

in den angrenzenden kleinen Park und setze mich auf eine<br />

Bank. Die Sonne scheint an diesem 20. Juli <strong>2017</strong> heiß vom<br />

Himmel, doch die Strahlen werden durch das dichte Blätterdach<br />

der großen Bäume gemildert. Einige kleine Kinder<br />

vergnügen sich spielend im Sand und ich denke, das Leben<br />

geht weiter von Generation zu Generation.<br />

Magdalene Meyer-Langer<br />

Am späteren Nachmittag mache ich gern einen Spaziergang,<br />

denn Bewegung ist ja bekanntlich wichtig.<br />

Mein Weg führt mich des öfteren durch unser<br />

„Dichterviertel“ hier in Frankfurt. So nennt sich die Gegend<br />

rechts und links der Hügelstraße bis hin zum Dornbusch. Es<br />

lässt sich hier gut gehen auf geraden Straßen ohne jegliche<br />

Steigung. Viele gepflegte Vorgärten gibt es mit Blumen vom<br />

Frühjahr bis weit in den Herbst hinein. Die Hortensien und<br />

unterschiedlichsten Rosenarten blühen prächtig. Mir hat es<br />

der alte Häuserbestand aus der Gründer- und Jugendstilepoche<br />

angetan. Da gibt es noch Dächer, die wie große Landschaften<br />

aussehen, Balkone und Erker mit schmiedeeisernen<br />

Gittern, Hauseingänge mit kleinen Säulen, alte Türen, die an<br />

vergangene Zeiten erinnern. Grundstücke, die dazu gehören,<br />

gleichen eher kleinen Parkanlagen mit herrlichem Baumbestand<br />

unterschiedlichster Art. Die meisten Bäume sind<br />

gewiss mehr als 100 Jahre alt und ragen hoch gen Himmel.<br />

Man hat im Dichterviertel großbürgerlich gelebt. Auch<br />

heute ist von dieser Lebensart noch etwas zu spüren. (Gott<br />

sei Dank wurde diese Gegend weitgehend von Bomben<br />

verschont.) Nicht umsonst heißt diese Gegend „Dichterviertel“.<br />

Alle Straßen sind nach einem Dichter benannt, und<br />

der gab es im 18. und 19. Jahrhundert viele.<br />

Ich gehe also zuerst durch die Wilhelm-Busch-Straße,<br />

um in die Fritz-Reuter-Straße zu gelangen (Fritz Reuter<br />

war ein plattdeutscher Dichter und lebte in der Zeit von<br />

1810 bis 1874). In einem großen Eckhaus mit etlichen<br />

Wohneinheiten wohnte seit den siebziger Jahren bis zu<br />

seinem Tode der<br />

allseits bekannte<br />

Literaturkritiker<br />

Marcel Reich-Ranicki.<br />

Ich bin ihm<br />

des Öfteren beim<br />

Spazierengehen<br />

begegnet. Nach<br />

seinem Tod hat<br />

die Stadt Frankfurt zu seinem Gedenken vor dem Eingang<br />

zum Haus eine kleine Stele anbringen: Mir fällt das Literarische<br />

Quartett ein, dem er lange Zeit und oft kritisierend<br />

vorstand. Dabei auch manch einen Buchautor vergrätzt hat.<br />

Auf meinem Weg durch das Dichterviertel treffe ich<br />

auch hin und wieder auf einen auf dem Gehweg angebrachten<br />

Stolperstein. Ein Kölner Künstler hat es sich zur<br />

Aufgabe gemacht, überall dort Stolpersteine anbringen zu<br />

lassen, wo Juden aus den Häusern und Wohnungen herausgeholt<br />

wurden zum Abtransport in die Vernichtungslager.<br />

Die goldfarbenen Steine sind zehn auf zehn Zentimeter.<br />

groß, auf denen der Name des jeweiligen Menschen, das<br />

Geburtsjahr und das Todesdatum stehen. In Frankfurt wurden<br />

schon mehr als 1000 Stolpersteine auf den Gehwegen<br />

angebracht – Steine gegen das Vergessen.<br />

Auf meinen Rundweg komme ich in die Grillparzerstraße<br />

/ Ecke Rosegger-Straße. Da entdeckte ich vor einiger<br />

Zeit an der Mauer, die das Haus eines Arztes umgibt, eine<br />

kleine bronzene Tafel, auf der zu lesen ist:<br />

54 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 55


Der wilde Tanz der Schneeflocken<br />

Es fing tatsächlich an zu schneien. Große, dicke<br />

Flocken taumelten vom Himmel und malten<br />

ein Fleckenmuster auf den schwarzen Asphalt.<br />

Schon bald verwandelte sich das Muster in eine große<br />

weiße Fläche…unglaublich schön anzusehen. Hier in<br />

der Einöde zerstörte zu so später Stunde kein Winterstiefel<br />

und keine Autoreifenspur diese blütenweiße<br />

Unberührtheit. Die Leichtigkeit, mit der die Flocken<br />

heruntertanzten und alles zudeckten, ließen ihr die<br />

Tränen in die Augen steigen.<br />

Bald würde er zurückkommen und das bezaubernde<br />

Weiß beschädigen, mit den Reifenspuren zerstückeln,<br />

hereinpoltern, sie beschimpfen und rummeckern, wo<br />

er nur konnte. Nichts konnte sie ihm recht machen,<br />

nichts war gut genug. Entweder empfand er sie zu<br />

duckmäuserisch oder sie war ihm zu streitsüchtig.<br />

Natürlich war es sicherlich auch ihre Schuld, dass<br />

er seinen Zigarettenvorrat zu Hause vergessen hatte.<br />

Zwar verbat er sich jegliche Einmischung ihrerseits in<br />

diese so gesundheitsschädliche Angewohnheit… dennoch<br />

hatte er erwartet, dass sie ihn daran erinnerte, die<br />

Glimmstängel einzupacken.<br />

Sie wollten noch einmal eine Woche in dem Ferienhaus<br />

in der Wildnis Urlaub machen, bevor der ganze<br />

Festtagstrubel begann. Das heißt, er hatte es gewollt<br />

und sie, mal wieder ohne zu fragen, wie immer in dieses<br />

Vorhaben einbezogen. Wie üblich hatte sie auch dieses<br />

Mal nicht die Energie aufgebracht, sich zu wehren.<br />

Eigentlich war ihr die Aussicht auf eine Woche ohne<br />

Telefon, Computer und Fernsehen gar nicht so unlieb.<br />

Er würde sich sowieso hier draußen die meiste Zeit<br />

mit Holz hacken und auf die Jagd gehen beschäftigen.<br />

Zum Glück war er ein schlechter Schütze, so dass sie<br />

noch nie in die Verlegenheit gekommen war, blutiges<br />

Wild verarbeiten zu müssen. Nicht einmal einen Hasen<br />

hatte er bisher geschossen. Die großartigen Geschichten<br />

über seine „Beinah-Jagderfolge“, kannte sie schon<br />

auswendig. Sie genoss es, hier ungestört in der Küche<br />

zu werkeln, zu handarbeiten oder ihre geliebten Kreuzworträtsel<br />

zu lösen. Ja, sie hatte hier immer etwas zu tun.<br />

gefährliche Straße führte entlang der blanken Felswand<br />

auf der einen, und dem gähnenden Abgrund auf<br />

der anderen Seite. Kurz vor der Hauseinfahrt machte<br />

die Straße eine scharfe Kurve.<br />

Während sie am Fenster wartete, begannen die<br />

Schneeflocken einen stürmischen Tanz aufzuführen.<br />

Wild wirbelten sie durcheinander. Es entstanden kleine<br />

Wehen und trügerisch leere Flächen. Im bleichen<br />

Mondlicht wirkte die Welt um das Ferienhaus wie<br />

verzaubert. Um diese Stimmung noch besser zu genießen,<br />

bevor sie wieder zerstört wurde, schaltete sie<br />

alle Lichter draußen aus und versank im Anblick dieses<br />

Naturschauspiels. Hinter ihr bullerte der Ofen und<br />

verströmte eine wohlige Wärme in dem kleinen Raum.<br />

Es war früh genug, die Beleuchtung wieder einzuschalten,<br />

wenn dort unten die Scheinwerferkegel<br />

aufleuchteten. Bis dahin wollte sie den wilden Flockentanz<br />

in seiner nächtlichen Schönheit auskosten.<br />

Plötzlich schreckte sie das Klingeln des Handys<br />

aus ihrem angenehmen Genießen. Während sie sich<br />

meldete, fielen ihr die Lichtkegel unten im Wald auf.<br />

Doch er schrie sofort los: Jetzt auch noch dieses Mistwetter!<br />

Wenn sie an die Zigaretten gedacht hätte, wäre<br />

er schon längst im Bett! Sie solle gefälligst schon<br />

die Auffahrt frei schaufeln, damit er das nicht auch<br />

noch machen müsste, oder sich wohlmöglich festführe…<br />

und so weiter und so weiter. Sie hörte schweigend<br />

zu und blickte auf die weiße, strahlende Idylle<br />

dort draußen. Blitzartig stieg in ihr eine Wut auf, eine<br />

Wut auf ihn und seine Zerstörung der schönen Dinge<br />

in ihrem Leben. Immer fand er eine Möglichkeit, alles<br />

kaputt zu machen… so wie jetzt diese grandiose<br />

schneeverwehte Phantasielandschaft. Und diese Wut<br />

überdeckte all ihre Gedanken und breitete sich rasend<br />

schnell in ihrem Kopf aus. Sie wollte gerade ihr Handy<br />

ausstellen, als der zornige Wortschwall mit einem<br />

letzten Fluch abbrach. Es folgte ein ohrenbetäubendes<br />

Krachen. Dann herrschte Stille. Erst jetzt fiel ihr ein,<br />

dass sie vergessen hatte, die Lichter an der Auffahrt<br />

wieder einzuschalten.<br />

Es war noch nicht ganz hell, als sie zu ihrem Morgenspaziergang<br />

aufbrach. Am östlichen Horizont<br />

war schon ein schmaler goldener Streifen sichtbar,<br />

aber noch war es das Mondlicht, das in der Dämmerung<br />

die Bäume blaugraue Schatten werfen ließ.<br />

Über Nacht war frischer Schnee gefallen und hatte<br />

die harten Konturen der Winterlandschaft aufgeweicht.<br />

Flauschig, sauber und frisch lag der Morgen vor ihr.<br />

Sie liebte es, um diese Zeit allein unterwegs zu sein<br />

und die Welt ganz für sich zu haben. Sie schlug den Weg<br />

zum See ein, ihr Atem dampfte in der Luft, ihre Füße<br />

stapften gleichmäßig durch den pulvrigen Neuschnee.<br />

Irgendwann fiel ihr auf, dass sie doch nicht ganz alleine<br />

war. Da waren frische Fußspuren auf dem Weg. Jemand<br />

war schon vor ihr in diese Richtung gegangen.<br />

Ihr Freiheitsgefühl wich einem Anflug von Unwillen<br />

und Ärger. Sie überlegte kurz, umzukehren, entschied<br />

aber, doch weiterzugehen. Nach kurzer Zeit trat sie<br />

zwischen den Bäumen heraus, die das Ende des Weges<br />

markierten. Von hier hatte sie einen freien Blick über die<br />

Wiese vor dem Seeufer. Automatisch hielt sie nach dem<br />

„Störenfried“ Ausschau; so nannte sie ihn, auch wenn er<br />

technisch gesehen vor ihr da war. Doch niemand war zu<br />

sehen. Die Fußspuren führten weiter auf die Wiese in<br />

Richtung See, aber keine Spuren führten zurück.<br />

Besorgnis stieg in ihr auf und verstärkte sich, je weiter<br />

sie den Spuren folgte und je näher sie dem See kam. Sie<br />

erkannte den Schilfgürtel, den Steg der Badestelle – aber<br />

weit und breit war kein Mensch. Jetzt machte sie sich<br />

ernsthaft Sorgen, denn der See war seit Tagen zugefroren,<br />

doch ob das Eis schon tragen würde, bezweifelte sie.<br />

Spuren im Schnee<br />

Hier auf der Wiese lag der Schnee tiefer, sie rannte, fiel<br />

über verborgene Maulwurfhügel, rappelte sich wieder auf<br />

und rannte weiter. In ihrem Kopf überschlugen sich Bilder<br />

und Erinnerungen. Letzte Woche der Zeitungsbericht<br />

über die ertrunkene Frau, das eisige Gefühl an den Beinen,<br />

als sie mal als Kind direkt am Ufer eingebrochen war,<br />

Gruselgeschichten, tote Gesichter unter dem Eis…Endlich<br />

hatte sie den Schilfgürtel durchquert und das Seeufer<br />

erreicht. Oh nein, die Spuren führten eindeutig auf den<br />

See und endeten an einem großen, ovalen Loch.<br />

Ohne nachzudenken, riss sie sich ihre Jacke vom Leib,<br />

warf sich zu Boden und arbeitete sich bäuchlings bis zu<br />

dem Eisloch. Das Wasser war sehr unruhig, vielleicht war<br />

er oder sie gerade eben erst eingebrochen…vielleicht bestand<br />

noch Hoffnung…<br />

Plötzlich bewegte sich das Wasser noch stärker,<br />

schwappte über den Rand und auf ihre ausgestreckten<br />

Hände. Prustend und schnaubend erhob sich ein kräftiger<br />

Körper aus der Tiefe, schwang sich behände aus dem<br />

Wasser und stapfte eilig ans Ufer. Dann drehte der Kerl<br />

sich um und fragte belustigt: „Na, noch nie einen Eisbader<br />

gesehen?“<br />

Mühsam rappelte sie sich wieder hoch…ihr war<br />

schwindlig, ihre Lungen brannten und nebenbei wurde<br />

ihr klar, dass das Wasser an der Bruchstelle nicht allzu<br />

tief sein konnte.<br />

Ja, jetzt sah sie auch den Rucksack beim Badesteg.<br />

Ganz deutlich konnte sie die Aufschrift lesen: EIS-<br />

FREUNDE e.V. – Wir baden bei jedem Wetter!<br />

Ulla D’Amico<br />

Er war, nachdem er beim Ausladen der Vorräte<br />

das Fehlen der Zigaretten bemerkt hatte, noch einmal<br />

schimpfend ins Auto gestiegen und in den nächsten Ort<br />

gefahren. .Dort gab es einen Supermarkt, der vierundzwanzig<br />

Stunden geöffnet hatte.<br />

Nun stand sie am Fenster und wartete darauf, dass<br />

die Scheinwerferstrahlen des Geländewagens unten<br />

im Wald auftauchten, bevor sie wieder verschwanden,<br />

wenn das Auto die steile Bergstraße erklomm. Diese<br />

Ihre Hand schoss reflexartig zum Lichtschalter, obwohl<br />

sie wusste, dass es zu spät war. Es nützte ihm<br />

nichts mehr. Das Auto hatte in der Dunkelheit und dem<br />

Schneetreiben die scharfe Kurve nicht bewältigt und<br />

schien geradeaus ins Nichts gefahren zu sein. Nachdem<br />

sich diese Tatsache in ihren Verstand gebahnt<br />

hatte, löschte sie das Licht wieder über der perfekten,<br />

schneebedeckten Landschaft und ging ins Bett.<br />

<br />

Ulla D’Amico


Die Nächte werden schon seit einer Weile immer länger<br />

und die Tage logischerweise immer kürzer. Leider<br />

macht gerade auch die Sonne unerlaubt Urlaub. Dicke,<br />

graue Wolkendecken verdunkeln die schrumpfenden Tage. Mit<br />

Nebel und Nieselregen wird das Draußen zum ungemütlichen<br />

Feuchtbiotop. Und das jetzt, wo doch eigentlich der goldene<br />

Oktober hätte stattfinden müssen? Dieser scheinbar nahtlose<br />

Übergang vom gerade noch blühenden Sommer in eine düstere<br />

Novemberstimmung geht aufs Gemüt. Ich fühle mich um den<br />

goldenen Herbst betrogen, zu schnell ist der Sommer vorbei.<br />

Das ist natürlich eine maßlose Übertreibung, denn stürmische<br />

Winde jagen die Wolken auch immer mal wieder<br />

fort, und dann scheint die Sonne auch, für kurze Zeit. Dann<br />

hat sie sogar noch richtig viel Kraft. Das Laub an den Bäumen<br />

färbt sich allmählich bunt, und es besteht durchaus<br />

noch die Chance auf den landesüblich relativ kurzen „Indian<br />

Summer“ mit seiner Farbenbracht und dem ganz speziellen<br />

Licht. Das emotionale Highlight vor dem totalen<br />

Kehraus durch die Herbststürme.<br />

Gesellschaft<br />

Mein Winterblues …<br />

Foto: Hartmut Reeh<br />

Ob mich der sichtbare Wandel in der Natur jetzt<br />

im Alter stärker berührt? Mein Leben auf dem absteigenden<br />

Ast? Die unbestimmte Wehmut und Melancholie,<br />

die mich früher zum Ende des Sommers und<br />

erst recht im November gepackt hat, bekommt eine<br />

konkrete Bedeutung durch das Bewusstsein, dass sich<br />

mein eigener Lebenszyklus auch seiner Endphase nähert.<br />

Die Blätter fallen langsam, loslassen ist angesagt,<br />

Vorbereitung auf einen langen Winterschlaf.<br />

Neben meiner Haustüre habe ich vor einigen Wochen<br />

zwei kleine Raupen entdeckt, die da scheinbar<br />

leblos an der Wand klebten. Ich habe sie da sitzen<br />

lassen, mich störten sie ja nicht. Nach einiger Zeit<br />

bemerkte ich eine seltsame Veränderung: Sie haben<br />

sich dort verpuppt! Jetzt kleben sie da klein und unscheinbar,<br />

fast durchscheinend an meiner Wand, wie<br />

tot in ihrem Kokon und halten Winterschlaf. Ich werde<br />

alles tun, damit sie nicht gestört werden. Ob ich es wohl<br />

miterleben darf, wenn sie im Frühling als Falter aus ihrer<br />

Hülle schlüpfen? Die zwei kleinen scheintoten „Mumien“<br />

an meiner Hauswand wirken tröstlich auf meine trüben<br />

Gedanken vom Loslassen und dem bevorstehenden Winterschlaf:<br />

Sie zeigen mir so deutlich, das nichts im Leben<br />

bleibt, wie es ist. Alles vergeht in seiner jetzigen Gestalt<br />

und findet im Wandel eine neue Form. Ob die Beiden wohl<br />

eine Ahnung davon hatten, als sie sich an meiner Hauswand<br />

festgesetzt haben? Vielleicht. Was wissen wir schon? Ich<br />

aber wüsste gern, ob meine kleinen Mumien ihrer alten Gestalt<br />

noch nachtrauern oder ob sie sich auf das neue Leben<br />

freuen. Ob sie überhaupt etwas fühlen? Wer weiß ...<br />

Wir aber wissen um den Kreislauf des Lebens und auch,<br />

dass es müßig ist, über den Sinn nachzugrübeln. Uns ist auch<br />

bewusst, dass sich unter der scheinbaren Totenstarre des<br />

Winters neues Leben gestaltet, und doch legt sich im Herbst<br />

diese leise Trauer auf uns um die Vergänglichkeit, der wir<br />

ausgesetzt sind. Das gehört wohl zu unserem Leben dazu wie<br />

auch die Freude über das neu erwachende Leben im Frühling.<br />

Aber was machen wir, wenn sich die graue Decke der Melancholie<br />

schwer auf unser Gemüt legt? Gott sei Dank gilt<br />

auch für die dunkle Jahreszeit: Es geht alles vorüber! Spätestens<br />

nach der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder<br />

länger werden und bei klirrendem Frost und Schnee auch<br />

noch die Sonne scheint, schlägt die Stimmung wieder um.<br />

Doch in der Zwischenzeit sollten wir es uns behaglich machen<br />

in unserer Melancholie, ja, sie durchaus genießen. Denn<br />

diese merkwürdige Gemütsverfassung von leiser Traurigkeit<br />

und einer unbestimmten Sehnsucht entwickelt bei Kerzenlicht,<br />

leiser Musik, einem Glas Wein, einem guten Buch in der<br />

Hand und warm eingekuschelt auf dem Sofa oder vor dem<br />

Kamin durchaus Wohlfühlcharakter. Zum Heulen schön kann<br />

das sein. Nun denn: Bonjour Tristesse. Anne Alhäuser<br />

Suhrkamp-Verlag,<br />

459 Seiten, 24 Euro<br />

Preisgekrönt<br />

Nachlese zur Frankfurter Buchmesse<br />

Hand aufs Herz:<br />

Lassen Sie sich<br />

beim Bücherkauf<br />

von Bestsellerlisten<br />

leiten, greifen Sie<br />

gerne zum Werk eines<br />

preisgekrönten Autors?<br />

Ist ein Buch schon deshalb<br />

gut, weil es sich<br />

gut verkauft? Sind die<br />

Gründe, die eine Jury<br />

über einen Preisträger<br />

hat entscheiden lassen,<br />

auch meine für die Qualität<br />

eines Buches?<br />

Nicht selten war ich<br />

nach der Lektüre eines<br />

derartigen Werkes enttäuscht<br />

und so manches Mal entpuppte sich ein Buch aus<br />

der zweiten Reihe als Entdeckung und verursachte bei mir<br />

absolutes Lesevergnügen.<br />

Aber in diesem Jahr wollte ich es wissen: Der Gewinner<br />

des Deutschen Buchpreises <strong>2017</strong>, der wie immer am Vorabend<br />

der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet wurde, ist der<br />

Österreicher Robert Menasse mit seinem Buch „Die Hauptstadt“.<br />

Der in den Medien hoch gelobte Roman machte mich<br />

neugierig und ich wollte durch eigene Lektüre erkunden, ob<br />

sich all die lobenden Zuschreibungen bewahrheiten würden.<br />

Menasses Buch wurde von den Kritikern als großer Europaroman<br />

gewürdigt. Er bietet in der Tat einen Blick auf<br />

Politik und Verwaltung der EU in Brüssel. Aber nicht aus<br />

einer europaskeptischen Haltung heraus, schon gar nicht<br />

garniert mit populistischen Schuldzuweisungen wie „Die<br />

EU ist an allem schuld!“ Maxime des Handelns der Figuren<br />

in Menasses Roman ist vielmehr das Bemühen um eine<br />

zukunftsweisende Ausgestaltung der Gemeinschaft. Diese<br />

positive Grundausrichtung machte es mir leicht, mich auf<br />

das Buch und dessen Protagonisten überhaupt einzulassen.<br />

Eine Direktorin der Abteilung Kultur soll ein Konzept<br />

für das Jubiläum der EU-Kommission erarbeiten, um damit<br />

auch das Image der Kommission aufzupolieren. Ein emeritierter<br />

Wirtschaftsprofessor nimmt an einem Symposion teil,<br />

um eine europäische Politik für die Zukunft zu entwickeln<br />

(„Ich habe zu zeigen versucht, dass wir etwas völlig Neues<br />

brauchen, eine nachnationale Demokratie, um eine Welt gestalten<br />

zu können, in der es keine Nationalökonomie mehr<br />

gibt.“) Aber er stößt auf Widerstände bei seinen Kollegen:<br />

„Wenn sie von der Zukunft redeten. Dann redeten sie<br />

von einer möglichst reibungslosen Verlängerung der Gegenwart<br />

und nicht von der Zukunft.<br />

Buchbesprechung<br />

Da ist ein Überlebender des Holocaust, der penibel darüber<br />

Buch führt, wer von ebendiesen Zeitzeugen noch lebt.<br />

Ein Kriminalkommissar, dem man die Ermittlung in<br />

einem Mordfall „von ganz oben“ entzieht. Und gewissermaßen<br />

als Running Gag ein Schwein, das durch Brüssel<br />

läuft. Auch aktuelle Ereignisse wie Terrorismus und<br />

Flüchtlingsproblematik arbeitet Menasse in seinen Roman<br />

ein. Alle Figuren sind Puzzleteile in der Geschichte vom<br />

„Jubilee Project“.<br />

Ach ja, und die Sprache! Für mich immer ein zentrales<br />

Kriterium, wenn es darum geht, ob ein Buch für mich zu<br />

einem Lesevergnügen führt. Ich habe das etwa 450 Seiten<br />

umfassende Werk in wenigen Tagen durchgelesen. Fulminant<br />

und ideenreich erzählt Robert Menasse eine feinsinnige<br />

Satire der real existierenden EU-Administration. Herrlich<br />

komisch die Szene, als sich der Wirtschaftsprofessor und<br />

überzeugte Europäer einen sich blau ausbreitenden Bluterguss<br />

in einem Tätowierstudio mit 12 fünfzackigen Sternen<br />

verschönern lassen möchte. Die Romanfiguren bieten dem<br />

Leser eine unterhaltsame Sicht auf ihr Denken und Fühlen.<br />

Für mich muss ein Buch lange nachwirken. „Die Hauptstadt“<br />

tut dies sehr intensiv: „Geschichte ist nicht nur die Erzählung<br />

davon, was war, sondern auch die stetige Verarbeitung<br />

der Gründe, warum Vernünftigeres nicht möglich war.“<br />

Fazit: Ein zu Recht preisgekröntes Buch, das gute Unterhaltung,<br />

aber auch interessante Einblicke in Zusammenhänge<br />

der europäischen Politik bietet. Uli Hoffmann<br />

58 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 59


Gedächtnistrai ning<br />

Lösungen Seite 82<br />

Sprichwörter<br />

Finden Sie zu den<br />

Gegenständen<br />

auf diesem<br />

Foto<br />

jeweils<br />

ein<br />

passendes<br />

Sprichwort!<br />

Trainingsziel:<br />

Denkflexibilität<br />

Wortsuche<br />

Suchen Sie mindestens 12 Begriffe,<br />

in denen ein ä vorkommt, die aber alle<br />

mit unterschiedlichen Buchstaben<br />

beginnen. Vielleicht schaffen Sie für<br />

(fast) jeden Buchstaben des Alphabetes<br />

einen Begriff zu finden?<br />

Trainingsziel: Wortfindung<br />

Die Übungen wurden<br />

zusammengestellt von:<br />

Gedächtnistrainerin<br />

Bernadette von<br />

Plettenberg<br />

Mitglied im Bundesverband<br />

Gedächtnistraining e.V.<br />

02732-59<strong>04</strong>20<br />

E-Mail: bernadette@<br />

plettenberg-struwe.de<br />

Kurse<br />

Gedächtnistraining auf<br />

Anfrage<br />

Foto: Rita Julian Petri Felgitsch<br />

Rätsel<br />

• Man bekommt ihn nicht so gerne<br />

• Es ist ein wichtiges Zubehör beim Essen im Freien.<br />

• Bei seiner Entstehung ist er feucht.<br />

• Gefüllt liebt man ihn besonders.<br />

• Mit Rädern versehen beherbergt er Babys.<br />

• Bei Sport getroffen, ruft er Begeisterung hervor<br />

Lösung: ____________________________<br />

Trainingsziel: Denkflexibilität<br />

Schlagertexte<br />

Wie beginnen diese Schlager?<br />

1. ________________________ so stand sie vor mir.<br />

2. ____________ Schade um die Tränen in der Nacht.<br />

3. ________________________ Was kann ich dafür?<br />

4. _________________ Bis hier hör' ich die Motoren.<br />

5. ____________ sagen dir: komm recht bald wieder.<br />

Trainingsziel: Denkflexibilität<br />

Wochentag/<br />

Datum<br />

Nehmen wir mal an:<br />

Heute ist Sonntag, der 7. Juli<br />

A. Welcher Wochentag und<br />

welches Datum waren<br />

1. heute vor 12 Tagen?<br />

2. vorgestern vor 1 Monat?<br />

3. heute vor 100 Tagen?<br />

4. letzten Montag vor 5 Wochen?<br />

B. Welcher Wochentag und<br />

welches Datum sind<br />

5. übermorgen in 4 Wochen?<br />

6. morgen in 3 Monaten?<br />

7. Mittwoch in 18 Tagen?<br />

8. heute in 50 Tagen?<br />

Trainingsziel: Konzentration,<br />

Kreativität<br />

60 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 61


Lebendige Vergangenheit<br />

In unseren letzten beiden Ausgaben haben wir über das<br />

kurze und tragische Leben der Anna von Sachsen und<br />

über das erfüllte Dasein ihrer Schwiegermutter, Juliane<br />

von Stolberg, berichtet. Diesmal soll Annas jüngste<br />

Tochter Christine, wegen des vorgesehenen Wittwensitzes<br />

ihrer Mutter „von Diez“ genannt, in den Fokus unseres<br />

Berichts rücken. Annas Onkel, der hessische Landgraf<br />

Wilhelm IV., behauptete seinerzeit, dass dieses Kind ihrem<br />

Vater, Wilhelm von Oranien, von allen seinen Kindern am<br />

ähnlichsten sehe. Betrachtet man unvoreingenommen die<br />

überlieferten Gemälde der Beiden, dann muss man rasch<br />

zu dem Ergebnis kommen: Der Hesse, genannt „der Weise“,<br />

hatte wohl recht, mehr Ähnlichkeit geht kaum! Der<br />

Oranier freilich stritt vehement ab, überhaupt als Vater in<br />

Frage zu kommen. Und so wurde durch diese Unterstellung<br />

nicht nur das Geschick seiner Gattin Anna, sondern<br />

auch das deren Tochter Christine entscheidend geprägt.<br />

Die Vorgeschichte zu Christines Geburt ähnelt einem<br />

Kriminalroman. Wir beschränken uns auf die Kurzfassung<br />

des Geschehens. Wilhelm von Oranien, genannt „der<br />

Schweiger“, ging in die Geschichte als der große Befreier<br />

der Niederlande vom spanischen Joch ein. Der in Herborn<br />

ansässige Oranien-Verlag veröffentlichte 1960 eine von<br />

Hermann Romberg verfasste Biografie des Prinzen und<br />

schrieb dazu: „Der Mensch Wilhelm von Oranien: Gütig,<br />

geduldig, behutsam, stets bereit zu Vermittlung und<br />

Versöhnung, besorgt um das kleine Glück des Einzelnen<br />

wie des ganzen Volkes, ehrfürchtig vor dem Göttlichen,<br />

in schwersten Stunden durchdrungen von Gottvertrauen<br />

– das sind Wesenszüge, die in diesem Lebensbild sichtbar<br />

werden.“ Es ist dies eine Einschätzung, die jahrhundertelang<br />

in den Nassauer Landen verbreitet wurde.<br />

Ganz anders beschreibt nach intensiven Forschungen<br />

aktuell die Historikerin Maike Vogt-Lüersen in ihrem Buch<br />

„Anna von Sachsen“ den Kriegshelden. Nämlich er sei ehrgeizig,<br />

cholerisch, prunksüchtig und opportunistisch gewesen,<br />

habe auf zu großem Fuß gelebt, hätte sich häufig seiner<br />

Spielsucht gewidmet und wäre vor keiner Lüge und keinem<br />

Verrat zurückgeschreckt. Was soll man als Neutraler von<br />

derart unterschiedlichen Einschätzungen halten?<br />

Foto: wikimedia commons<br />

Christine von Diez<br />

Halbschwester von Peter Paul Rubens?<br />

Wilhelm von Oranien<br />

Von allen Sachkundigen unbestritten bleibt zunächst<br />

die Sachlage, dass sich der Prinz finanziell in einer stetigen<br />

Notlage befand. Schon bei seiner letztlich erfolgreichen<br />

Bewerbung um die Hand der Anna von Sachsen hatte<br />

er es vor allem auf das reiche Erbe der Kurfürstentochter<br />

abgesehen. Und er lebte tatsächlich über seine Verhältnisse.<br />

So hatte er zum Beispiel in seinem prächtigen Palais<br />

in Breda eine Dienerschaft von sage und schreibe 256<br />

Personen, eine Zahl, die sich bei festlichen Anlässen noch<br />

erheblich steigerte. Dazu führten seine ungemein kostspieligen<br />

kriegerischen Unternehmungen letztlich dazu,<br />

dass die riesige Mitgift der Gattin aufgebraucht war und<br />

diese sich dadurch in einer finanziellen Notlage befand.<br />

Ihr Mann jedenfalls war nicht mehr in der Lage, für sie zu<br />

sorgen. Ihr stand „das Wasser bis zum Hals“ und sie musste<br />

sogar ihren Schmuck veräußern. Dass dies alles für Ihre<br />

Ehe nicht förderlich war, lässt sich leicht ausmalen. Und<br />

tatsächlich galt diese irgendwann in den Adelskreisen als<br />

zerrüttet. Ungeachtet dessen trafen sich die Eheleute immer<br />

wieder einmal für ein paar Tage.<br />

Im Ehevertrag waren ihr von sächsischer und von nassauischer<br />

Seite Gelder und Güter verschrieben worden.<br />

Doch hüben wie drüben zeigte sich die Verwandtschaft<br />

wenig geneigt, ihre berechtigten Ansprüche zu erfüllen.<br />

Christine von Diez<br />

Dazu waren ihre niederländischen Besitztümer von den<br />

Spaniern einkassiert worden. In dieser verzweifelten Lage<br />

suchte sie, vorübergehend in Köln sesshaft geworden, einen<br />

angesehenen und erfolgreichen Advokaten auf. Dieser<br />

hieß Jan Rubens und stammte aus Antwerpen. Die Heimatstadt<br />

hatte er gemeinsam mit Gattin Maria und vier<br />

Kindern wegen seines calvinistischen Glaubens verlassen<br />

müssen und er eröffnete eine Kanzlei in der Stadt am<br />

Rhein. Rubens erhob dann auch beim zuständigen Gericht<br />

in Brüssel Klage.<br />

Die Weihnachtstage des Jahres 1570 verbrachten Anna<br />

und Wilhelm gemeinsam mit ihren Kindern in Siegen.<br />

Einige Wochen später bemerkte die Prinzessin, dass sie<br />

wieder einmal schwanger geworden war und ihr sechstes<br />

Kind erwartete. Nun nahm das Drama seinen Lauf.<br />

Wie unterschiedlich man die Situation beurteilen kann,<br />

zeigen die Worte der schon genannten Historiker. Hermann<br />

Romberg: „Sie trat zu ihm (Jan Rubens) in intime<br />

Beziehungen, was in Dillenburg nicht unbekannt blieb.<br />

Der Ehebruch, den Anna beging und zu dem sie den Jan<br />

Rubens verführte, geschah zu ersten Mal im Juli 1570.<br />

Anfang März 1571, als Rubens auf Drängen Annas zu ihr<br />

nach Siegen unterwegs war, ließ Graf Johann ihn vor der<br />

Stadt verhaften und nach Dillenburg bringen, wo Rubens<br />

Foto: wikimedia commons<br />

seine Verfehlung eingestand.“ Es ist dies die Version,<br />

die ebenfalls viele Jahrhunderte lang als verbürgt galt.<br />

Hingegen Maike Vogt-Lüerssen: „Schließlich kam er<br />

(Wilhelm) auf die Idee, ihr (Anna) einen Ehebruch anzuhängen.<br />

Im Calvinismus, dem Wilhelm mittlerweile angehörte,<br />

war Scheidung nämlich nur bei Ehebruch erlaubt.“<br />

Und weiter: „Jan Rubens, mit dem Anna häufig zusammen<br />

war, da er ihr Ratgeber, Vermögensberater und Anwalt<br />

war, wurde des Ehebruchs mit Anna verdächtigt und, als<br />

er sich im März 1571 wegen einer geschäftlichen Angelegenheit<br />

auf dem Weg zu ihr befand, vermutlich zwischen<br />

dem 7. und am 10. März vor den Toren Siegens verhaftet.<br />

Der Folter unterzogen, gestand er natürlich alles, was seine<br />

Marterer von ihm hören wollten. Anschließend musste<br />

er – wie es damals üblich war – unterschreiben, dass<br />

sein Geständnis ohne Druck erfolgt wäre. Als man ihr<br />

(Anna) kurze Zeit später zu verstehen gab, dass sie nur<br />

Rubens` bevorstehendes Todesurteil verhindern, ja sogar<br />

seine Freilassung bewirken könne, wenn sie bereit wäre<br />

zu gestehen, erklärte Anna sich für schuldig.“ Wer schon<br />

einmal eine mittelalterliche Folterkammer besichtigt hat,<br />

der wird sich nicht über das Geständnis wundern.<br />

Die schon vor ihrer Geburt zu einem Gegenstand<br />

feindseliger Handlungen der miesesten Art gewordene<br />

Tochter kam am 22. August 1571 zur Welt und wurde auf<br />

den Namen Christine von Diez getauft. Das waren nur<br />

acht Monate – und keine neun wie üblich – nach dem<br />

letzten Beisammensein des Fürstenpaars. Damit hatte der<br />

Oranier einen Grund, das Kind nicht als das seine anzuerkennen.<br />

War damals etwa nicht bekannt, dass Kinder<br />

auch schon nach acht Schwangerschaftsmonaten zur Welt<br />

kommen können? Zumal dann, wenn die Mutter unentwegt<br />

unter starker seelischer Belastung steht. Wilhelm<br />

jedenfalls nahm das Folter-Geständnis von Jan Rubens<br />

als willkommenen Tatbestand und leitete die Scheidung<br />

in die Wege. Ein Vierteljahr später kam als erster Schritt<br />

eine Trennungsvereinbarung zustande.<br />

Dank der vorhandenen Gebeine der damals handelnden<br />

Personen wäre es heute leicht möglich, einen Vaterschaftstest<br />

durchzuführen. Doch die Nassauer Erben lehnen dies<br />

62 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 63


Lebendige Vergangenheit<br />

Essay<br />

– im Gegensatz zu den Nachkommen der Christine – strikt<br />

ab und sie haben hierfür wohl ihre Gründe. Maike Vogt-<br />

Lüerssen: „Durch einen Vaterschaftstest könnten wir endlich<br />

beweisen, was für ein Schurke Wilhelm von Oranien<br />

wirklich gewesen ist.“<br />

Wilhelms Verwandtschaft in Dillenburg kümmerte sich in<br />

besonderer Weise um das vermeintliche „Kuckuckskind“. In<br />

ihren ersten dreieinhalb Lebensjahren durfte Christine noch<br />

bei ihrer Mutter leben. Das erste Jahr in Siegen, danach auf<br />

der Burg in Beilstein, wo man Anna fortan gefangen hielt.<br />

Anfang 1575 kam Christine in die Obhut von Juliana, der<br />

Mutter Wilhelms. Sie hielt wie eine herzliche Großmutter<br />

ihre Hände schützend über die nicht anerkannte Enkelin, so<br />

dass sie in diesem jungen Kindesalter noch nichts von ihrer<br />

„schändlichen Herkunft“ spürte. Hier händigte man ihr auch<br />

nach Annas Tod die persönlichen Dinge ihrer Mutter aus, die<br />

sich noch in Dillenburg befanden.<br />

Nachdem Juliana verstorben war, schickte man die inzwischen<br />

Zehnjährige zur weiteren Ausbildung ins Kloster<br />

Keppel. Es stand nach der Reformation unter dem Patronat<br />

des Nassau-Siegener Grafenhauses. Im „Stift für adlige und<br />

bürgerliche Jungfrauen“ sollten die Adelstöchter für ihre<br />

Verheiratung vorbereitet werden. Man lehrte Rechnen, Lesen<br />

und Schreiben, aber auf dem Stundenplan standen auch<br />

die fraulichen Tätigkeiten wie Kochen, Stricken, Nähen,<br />

Spinnen, Weben und dergleichen mit dem Ziel, einen Haushalt<br />

eigenständig führen zu können. Fremd und fern von<br />

der Familie untergebracht fühlte sich Christine nicht wohl.<br />

Sie könne niemand ansprechen, teilte sie in ihren Briefen<br />

mit, und nirgendwo hingehen, ohne auf die Herkunft angesprochen<br />

zu werden. Sie beklagte sich außerdem, nur über<br />

zerschlissene Kleidung zu verfügen.<br />

Die Nassauer hatten zuvor alle möglichen Anstrengungen<br />

unternommen, Christines sächsische und hessische<br />

Verwandtschaft für die Übernahme zumindest eines Teils<br />

der Kosten für deren finanzielle Versorgung zu begeistern,<br />

doch das blieb vergeblich. Ihr Onkel August, der Kurfürst<br />

von Sachsen, hatte zunächst sogar dazu geraten, das Kind<br />

„abzuschaffen“. Später äußerte er die Befürchtung „sein<br />

Haus könne erneut oder noch einmal in schlechtes Gerede<br />

kommen“. Inzwischen hatte Christine auch selbst erkannt,<br />

dass von ihrer sächsischen Verwandtschaft nichts mehr zu<br />

erwarten war. Schließlich fasste sie den Mut und schrieb<br />

hilfesuchend ihrem Bruder Moritz von Oranien. Dieser<br />

führte inzwischen den Befreiungskrieg seines Vaters weiter<br />

und obwohl auch er hierdurch verschuldet war, bewilligte<br />

er doch eine zusätzliche Beihilfe zum Unterhalt<br />

in Keppel. Es war für Christine eine Erleichterung, dass<br />

sie 1595 als Hofjungfer nach Dillenburg zurückkehren<br />

durfte. Was aber war für die Nassauer der Grund, sich in<br />

dieser bemerkenswerten Weise um die vom „Schweiger“<br />

nicht anerkannte Tochter zu kümmern? Pure Nächstenliebe<br />

kann es kann kaum gewesen sein. Bleibt als anzunehmendes<br />

Motiv schlichtweg ein schlechtes Gewissen.<br />

Zwei Jahre später ebnete Moritz ihr auch den Schritt einer<br />

halbwegs standesgemäßen Vermählung und bewilligte<br />

ein „Hochzeitsgeld“ von 16.000 Gulden. Am 10. Dezember<br />

1597 fand die Heirat mit dem Burggrafen Johann Wilhelm<br />

von Welschenengsten, genannt „Bernkott“, statt. Er<br />

diente als Offizier im nassauischen Dienstadel. In einem<br />

kurz vor ihrer Heirat geschlossenen Ehevertrag verzichtete<br />

Christine auf alle Ansprüche aus dem Hause Nassau<br />

für sich und ihre Erben. Die Hochzeit fand in Dillenburg<br />

statt. Die beinahe 40 Jahre dauernde Ehe soll glücklich<br />

gewesen sein. Das Paar hatte drei Kinder, Hans Heinrich,<br />

Anna Elisabeth und Katharina.<br />

Bernkott blieb dem Amt in Dillenburg verbunden, bis<br />

er 1616 Amtmann im Dienst von Hanau-Münzenberg<br />

wurde. In Langendernbach im südlichen Westerwald zog<br />

die Familie in ein von den Nassauern erbautes Anwesen.<br />

Im Verlauf des zwei Jahre später ausgebrochenen 30-jährigens<br />

Kriegs wurde der gesamte Ort verwüstet, sodass<br />

nach Kriegsende nur noch circa 20 Familien im Ort ansässig<br />

waren. Bernkott kämpfte als Oberstleutnant im<br />

schwedischen Heer und soll 1636 gefallen sein. Christine<br />

floh, nachdem alle familiären Besitzungen teils beschlagnahmt<br />

und verwüstet waren, zu ihrer Tochter und ihrem<br />

Schwiegersohn Arnold von Quernheim ins Elsass. Es ist<br />

nicht überliefert, wann genau Christine verstorben ist. In<br />

der einschlägigen Literatur wird das Jahr 1637, aber auch<br />

1638 genannt. Eva-Maria Herrmann<br />

• Faust und Gretchen im Garten •<br />

Bild: Wikimedia Commons<br />

Die Gretchenfrage<br />

- heute neu gestellt -<br />

Zu Beginn ein Hinweis<br />

Der Begriff „Gretchenfrage“ steht heute im allgemeinen<br />

Sprachgebrauch für eine meist unangenehme<br />

Frage, die direkt an den Kern eines Problems geht<br />

und die Absichten und Gesinnung des Gefragten aufdecken<br />

soll. Sie hat ihren literarischen Ursprung in Johann Wolfgang<br />

von Goethes Drama „Faust 1“. Darin stellt die Figur<br />

Margarete, genannt Gretchen, der Hauptfigur Heinrich<br />

Faust die Frage: „Nun sag, wie hast du´s mit der Religion...“<br />

Von daher gesehen ist die Gretchenfrage im engeren<br />

Sinne eine Frage nach der Religiosität, wie sie auch im<br />

nachstehenden Beitrag verstanden wird.<br />

Farbe bekennen<br />

Es war an einem schönen sonnigen Sonntagmorgen. Die<br />

Strahlen der Sonne hatten die Nacht vertrieben und wärmten<br />

wohltuend die Luft. Ich saß gemütlich und entspannt auf der<br />

Terrasse. Ein belebend frischer Wind wehte und trug aus der<br />

Ferne leises Glockengeläut an mein Ohr, je nach Windstärke<br />

auch mal etwas lauter. Ein wohltuendes Gefühl der Losgelöstheit<br />

erfasste mich, so, als würden meine Gedanken vom<br />

Wind sanft fortgetragen. Und plötzlich tauchte sie auf, ohne<br />

jede Vorwarnung, die berühmte Gretchenfrage aus dem Drama<br />

„Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe: „Nun sag,<br />

wie hast du´s mit der Religion?“ Sie setzte sich in meinem<br />

Kopf fest und ließ mich nicht mehr los. Meine so angenehme<br />

meditative Stimmung war dahin. Ich fühlte mich geradezu<br />

gedrängt (von wem auch immer), meine religiöse Einstellung<br />

auf den Prüfstand zu stellen. Nicht, dass sie neu für mich<br />

gewesen wäre und ich sie mir nicht auch schon immer mal<br />

Marg.:<br />

Faust:<br />

Marg.:<br />

Versprich mir Heinrich<br />

Was ich kann!<br />

Nun sag, wie hast du´s mit der Religion?<br />

Du bist ein herzlich guter Mann,<br />

Allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.<br />

Faust: Laß das, mein Kind! Du fühlst, ich bin dir gut;<br />

Für meine Lieben ließ ich Leib und Blut.<br />

Will niemand sein Gefühl und seine Kirche rauben.<br />

Marg.: Das ist nicht recht, man muss dran glauben.<br />

Faust: Muß man ?<br />

• aus Goethes Faust I Vers 3415 •<br />

wieder gestellt hätte. Nein, das nicht. Aber bisher waren meine<br />

Überlegungen zu dieser Frage eher halbherzig und wenig<br />

überzeugend. Ich erkannte, dass sie bei näherer Betrachtung<br />

keine Nullachtfünfzehn - Frage ist, wie z.B. die nach dem<br />

beliebtesten Fußballverein, der favorisierten politischen Partei<br />

oder dem schönsten Urlaubsziel. Nein. Die Gretchenfrage<br />

ist eine für den Befragten – in diesem Fall für mich selbst<br />

– eine sehr persönliche, ja intime Gewissensfrage, die einen<br />

herausfordert, in religiöser Hinsicht Farbe zu bekennen, ob,<br />

und wenn ja, an wen oder was ich glaube. Sie fragt nach<br />

meiner religiösen Einstellung, was für mich gleichbedeutend<br />

ist mit der Frage nach dem Fundament und dem Kern, auf<br />

dem mein Leben aufgebaut ist. Der Frager will „nur “ wissen,<br />

ob ich an Gott glaube, was einem religiösen Bekenntnis<br />

gleichkommt. Etwas anschaulicher und kontrastreicher<br />

formuliert: Für wen oder was ich mich beim ehrfürchtigen<br />

Anblick des nächtlichen Sternenhimmels in den unendlichen<br />

Weiten des Kosmos und dem heute umfassenden Wissen und<br />

den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften halte?<br />

Bin ich ein beseeltes und gewolltes Geschöpf Gottes, oder<br />

ein aus der Natur hervorgegangenes, gottloses Zufallsprodukt<br />

der Evolution? Oder gar beides? Nicht mehr, aber auch<br />

nicht weniger, denn heute, in einer zunehmenden Säkularisierung<br />

der Gesellschaft, in der der Glaube an die Existenz<br />

Gottes (Transzendenz 1 ) immer mehr einem Glauben<br />

an die Erkenntnisse der Naturwissenschaften (Immanenz 1 )<br />

weicht, wird es zunehmend schwieriger, eine überzeugende<br />

und glaubhafte Antwort auf die Gretchenfrage zu geben. In<br />

der Auseinandersetzung zwischen Theologie und Atheismus<br />

stehen sich Glaube und Vernunft auf der Suche nach der<br />

Wahrheit unversöhnlich gegenüber. Der eigene Glaube gerät<br />

gehörig ins Wanken, wenn er mit der aggressiven und <br />

64 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 65


Essay<br />

Essay<br />

provokanten Frage der Atheisten konfrontiert wird: „Denkst<br />

du schon oder glaubst du noch “ Suggeriert diese Frage doch<br />

indirekt, dass ein heute noch gläubiger Christ rückständig,<br />

naiv und vernunftwidrig ist. An Gott glauben ist etwas für<br />

die ewig Gestrigen, Schwachen und Dummen. Und wer will<br />

das schon von sich sagen lassen? Wie es auch sei, zum Glück<br />

kann heute in unserer Gesellschaft, ganz im Gegensatz zu<br />

früheren Zeiten, jeder Mensch, ob bekennender Christ oder<br />

überzeugter Atheist, frei und offen seine eigene subjektive<br />

Meinung äußern, ohne dabei Gefahr zu laufen, mit persönlichen<br />

Repressalien rechnen zu müssen, oder gar auf dem<br />

Scheiterhaufen verbrannt zu werden.<br />

Dass die Argumente des Atheismus schnell auf fruchtbaren<br />

Boden fallen, hat verschiedene Ursachen. Eine davon<br />

liegt darin, dass die in der Kindheit vermittelten christlichreligiösen<br />

Glaubensinhalte bei vielen Menschen über die<br />

Jahre hinweg und mit zunehmendem Alter verblasst sind<br />

und mit ihnen der feste Glaube an Gott. Bei breiten Bevölkerungsschichten<br />

ist das Gefühl für das Göttliche, das religiöse<br />

Suchen und Ahnen meist abgestumpft oder wie bei<br />

vielen ehemaligen DDR-Bürgern erst gar nicht vorhanden.<br />

Ein fruchtbarer Nährboden für einen Atheismus der Gleichgültigkeit<br />

und einer wachsender Religionslosigkeit. In dem<br />

heutigen gestressten Leben, mit all seinen vielfältigen Herausforderungen,<br />

seinen großen und kleinen Sorgen und<br />

Ängsten spielt Gott kaum noch eine Rolle. Auf dem sich immer<br />

schneller drehenden Karussell des Lebens, auf dem sich<br />

täglich die Ereignisse überschlagen und in einer zunehmend<br />

digitalisierten Kommunikation und Smartphone bestimmenden<br />

Spaßgesellschaft, verbunden mit einer 24-stündigen Verfügbarkeit,<br />

d.h. immer und überall erreichbar zu sein, hat<br />

Gott keinen Platz mehr. Wozu noch an ihn glauben? Gott ist<br />

antiquiert und wird nicht mehr gebraucht. Viele vernünftig<br />

klingende Gründe des modernen Atheismus sprechen gegen<br />

seine Existenz. Und diese Gründe sind nicht neu, sie sind<br />

sozusagen zeitlos. So lässt schon Friedrich Nietzsche (1844-<br />

1900) in seiner Schrift: Die fröhliche Wissenschaft den „tollen<br />

Menschen“ resigniert und provokativ sagen: „Gott ist tot!<br />

Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet...!“<br />

Ist es im Dunstkreis solcher Einstellungen und Aussagen<br />

da verwunderlich, dass allein im Jahr 2015 insgesamt 391.925<br />

Menschen aus ihrer Kirche (katholisch und evangelisch) ausgetreten<br />

sind? Gehörten 1991 noch 64,4 Prozent der Gesamtbevölkerung<br />

einer christlichen Glaubensgemeinschaft an, so<br />

waren es 2015 nur noch 56 Prozent (siehe Kirchenaustritte.de).<br />

Die Gründe für diese anhaltende und weiter ansteigende Entwicklung<br />

den Kirchen den Rücken zu kehren, sind vielfältig<br />

und liegen ursächlich in einem großen Vertrauensverlust gegenüber<br />

der Kirche als Institution, als auch in einer sprichwörtlich<br />

verlorengegangenen Glaubwürdigkeit in Bezug<br />

auf Glaubens- und Lehrinhalte. Nicht zu vergessen die Einsparung<br />

der nicht unerheblichen Kirchensteuer. Zu diesem<br />

wachsenden Schwund an Kirchenmitgliedern durch Austritte<br />

kommt noch der Einfluss des demografischen Wandels,<br />

denn es sterben deutlich mehr Gläubige als durch Taufen<br />

oder (Wieder)-Eintritte hinzukommen. Da taucht doch am<br />

Horizont die Frage auf: „Quo vadis“ Kirchen?<br />

Aber bei etwas genauerem Hinsehen ist festzustellen,<br />

mit dem Kirchenaustritt ist nicht zwangsläufig auch immer<br />

die Leugnung der Existenz Gottes verbunden. Viele Menschen<br />

sagen heute: Gott ja, Institution Kirche nein. Sie sind<br />

auch ohne Kirchenzugehörigkeit noch „gottgläubig“ d.h.<br />

sie glauben zwar an die Existenz einer jenseitigen, ihnen<br />

fremden, höheren Macht, haben aber keine festen religiösen<br />

Glaubensinhalte mehr. Sie sind, spirituell betrachtet,<br />

wie heimatlose Wanderer, auf der Suche nach einem festen<br />

Fundament, oder besser gesagt, nach einem absoluten<br />

Gegenüber, zu dem sie vertrauensvoll „DU“ sagen können<br />

und das ihrem Leben Halt und Orientierung bietet. „Einen<br />

Gottlosen habe ich noch nie gesehen, nur Ruhelose sind mir<br />

begegnet“. (F.W. Dostojewski). Mir scheint, es ist gerade<br />

diese stetig wachsende Zahl der Gottessucher, die in der Kirche<br />

keine religiöse Ausrichtung mehr finden, bei denen die<br />

Argumente der Atheisten auf fruchtbaren Boden fallen und<br />

die Vernunft gegenüber dem Glauben obsiegt, allerdings um<br />

den Preis der Gewissheit einer getragenen Geborgenheit,<br />

vertrauensvollen Hoffnung und angst-befreienden Liebe.<br />

Theologie vs. Atheismus<br />

(das Theodizee-Problem 3) )<br />

Bei den Überlegungen und der Suche, auf die religiöse<br />

Gretchenfrage eine persönlich befriedigende Antwort zu<br />

finden ist es sinnvoll, auch etwas über den Atheismus zu<br />

wissen. Der Begriff Atheismus ist im alltäglichen Sprachgebrauch<br />

reich an Varianten und oft unscharf und nicht zu<br />

verwechseln mit dem Agnostizismus, der die Frage nach<br />

der Existenz Gottes für offen und nicht lösbar hält. Atheismus<br />

ist Gottesleugnung, keine Gotteslästerung (Blasphemie)<br />

und kein Antitheismus (Religion ist schädlich). Viele<br />

Atheisten bezeichnen sich auch als Naturalisten oder Humanisten.<br />

Gemeinsam haben sie das Credo des Atheismus:<br />

„Nicht Gott erschuf den Menschen, sondern der Mensch<br />

erschuf Gott ‚nach seinem Bilde‘.“ 2)<br />

Die wohl schärfste Speerspitze des Atheismus gegenüber<br />

der Theologie ist auch heute noch das Theodizee-Problem 3) ,<br />

die Unvereinbarkeit zwischen dem metaphysischen Gottesbild<br />

der Theologie: Gott ist allmächtig, allwissend und allgütig<br />

und der täglich erfahrbaren Weltwirklichkeit, wie sie ist,<br />

voll von unsäglichem und unschuldigen Leiden und Sterben<br />

von Mensch und Tier. Wie kann ein allgütiger, allmächtiger<br />

und allwissender Gott, bei dem kein Ding unmöglich ist und<br />

von dem man sagt, dass er die Liebe sei, soviel Leid, Elend,<br />

Schmerz, Bedrängnis und Verzweiflung zulassen, in einer<br />

Welt, die er doch selbst erschaffen hat und deren Schöpfer<br />

er ist? Diese Unvereinbarkeit, das Theodizee-Problem 3) hat<br />

bereits in der Antike der griechische Philosoph Epikur (341-<br />

271 v. Chr.) so messerscharf formuliert:<br />

Gott will entweder die Übel nicht beseitigen oder kann es nicht,<br />

oder er kann es, will aber nicht,<br />

oder er will es weder noch kann er es;<br />

oder er will es und kann es.<br />

Wenn er es kann und nicht will,<br />

so ist er missgünstig und schwach und daher auch kein Gott.<br />

Wenn er es aber will und kann, was allein Gott zukommt,<br />

woher stammen also die Übel und warum beseitigt er sie nicht?<br />

Dieser unauflösbare Widerspruch ist so etwas wie der<br />

Fels des Atheismus. Die einzige Auflösung dieses Widerspruchs<br />

liegt für den Atheisten in der Nichtexistenz Gottes.<br />

Der „gute Ruf“ Gottes in Verbindung mit seinen ihm zugeschriebenen<br />

drei Attributen ist nur zu retten, wenn es Gott<br />

nicht gibt. Hier aber ist zu bedenken: In letzter Konsequenz<br />

lässt sich die Nichtexistenz Gottes ebenso wenig nachweisen<br />

wie seine Existenz. Die Frage nach der Existenz Gottes<br />

ist logisch nicht zu beantworten. Der Versuch schwankt immer<br />

zwischen Glaube und Vernunft.<br />

Aber der moderne Atheismus von heute hat noch einen<br />

weiteren Pfeil von besonderer Qualität in seinem Argumentations-Köcher.<br />

Dabei geht es nicht mehr um die Frage<br />

nach der Existenz Gottes, sondern um die Frage nach<br />

seiner Notwendigkeit. Der Atheist von heute fragt: Wozu<br />

brauche ich Gott? Ich brauche ihn nicht für ein gelingendes<br />

Leben, für Freundschaften und Liebesbeziehungen,<br />

für eine praktizierende Nächstenliebe, Solidarität und<br />

Hilfsbereitschaft, für Ethik und Moral und zur Erklärung<br />

dieser Welt. Gott antwortet nicht, wenn ich ihn brauche,<br />

er schweigt und offenbart sich nicht, sondern bleibt unerkennbar<br />

im Verborgenen. Wozu dann noch Gott? Gott ist<br />

überflüssig, denn der Mensch, so der moderne Atheismus,<br />

wird in vollkommener Selbstverantwortung gesetzt, wie<br />

es dem heutigen Menschenbild zu entsprechen scheint. Für<br />

den Kampf gegen all die Übel in der Welt sind wir Menschen<br />

freiheitlich selbst verantwortlich. Es ist immer nur<br />

die Hand eines Menschen, durch die wir Trost, Beistand<br />

• Epikur, griech. Philosoph der Antike •<br />

und Hilfe erfahren. Sich hierbei auf eine „höhere Instanz“<br />

zu verlassen, ist für den modernen Atheismus nicht zulässig.<br />

Nicht zuletzt die grausamen Erfahrungen menschlichen<br />

Leidens in den zwei Weltkriegen des vergangenen<br />

Jahrhunderts, die systematische, millionenfache Vernichtung<br />

von Juden im Dritten Reich, ergänzt durch immer<br />

wiederkehrende Umwelt- und Naturkatastrophen, lassen<br />

an der Existenz eines allgütigen und allmächtigen Gottes<br />

nicht nur zweifeln, sondern eine solche Vorstellung als<br />

unmöglich wahr erscheinen. Von daher gesehen verbietet<br />

sich für den Atheisten der Glaube an Gott.<br />

Atheismus aus Verzweiflung<br />

Bild: Wikimedia Commons<br />

Ich kenne keinen gläubigen Katholiken, der unter dem<br />

unlösbaren Widerspruch zwischen dem allgütigen, allmächtigen<br />

und allwissenden Schöpfer (dem Vater im Himmel)<br />

und seiner aus der Evolution hervorgegangenen Schöpfung<br />

so tief gelitten hat wie Reinold Schneider (1903-1958) ein<br />

überragender Dichter des 20. Jahrhunderts und Träger des<br />

Friedenspreises des Deutschen Buchhandels. In seinem letzten<br />

Buch „Winter in Wien“, dass er nur wenige Tage vor<br />

seinem Tod dem HERDER-Verlag übergab, bezieht <br />

66 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 67


Essay<br />

er sich auch auf die Natur. Er lässt den wilden Kampf ums<br />

Überleben in der Tierwelt durch Besuche im Naturhistorische<br />

Museum in Wien auf sich wirken und findet das ewig<br />

wiederkehrende Naturgeschehen vom Fressen und Gefressenwerden<br />

auch in dem zerstörerischen Wahn kriegerischer<br />

Auseinandersetzungen der Menschen wieder. Nachstehend<br />

einige ausdrucksstarke Textpassagen zur Verdeutlichung seiner<br />

seelischen Zerrissenheit und Verzweiflung: „Wollte ich,<br />

was sich in mir während dieses Winters ereignet im Gespräch<br />

mit dem Phänomen Wien pathetisch ausdrücken, so müsste<br />

ich von einem inneren Unfall sprechen, vom Einbruch der<br />

dunklen Wasser in einem leer gewordenen Raum, einem Einbruch<br />

also von unten her. Man blickt nicht ungestraft in den<br />

Kosmos, die Tiefsee, die Geschichte – und vielleicht auch<br />

nicht ungestraft in sich selbst, in den Menschen“ (Seite 110).<br />

„Aber man gehe nur einmal durch das Naturhistorische Museum<br />

und Gott ist ebenso nahe wie fern. Es ist unmöglich,<br />

ihn vor dieser unübersehbaren Gestaltenwelt, dieser entsetzlichen<br />

Fülle der Erfindungen zu leugnen, ihn zu leugnen vor<br />

der absurden Architektur des Dinosauriers, eine Kathedrale<br />

der Sinnlosigkeit“ (Seite 129). „Dieses sich zerfleischende<br />

Elend (Seite 130). „Der schönste Vogel hascht im Fluge den<br />

schönsten Schmetterling, er pflückt die Schwingen ab und<br />

und lässt sie dahinwehen und verschlingt den zarten Leib,<br />

der sich für seine kurze Dauer mit ein wenig Nektar begnügte<br />

und schutzlos das Farbenspiel der Flügel, ein Blitz aus<br />

den Händen des Vaters an die Welt verschenkte (Seite 130).<br />

„Mir ist es, als zerrten Engel und Teufel an meiner Seele“<br />

(Seite 143). „Die Bewunderung der Zweckmäßigkeit, mit<br />

der ein Tier zur Vernichtung des anderen ausgestattet ist,<br />

• Sixtinische Kapelle, Michelangelo, Erschaffung des Adam •<br />

der Bienenwolf zum Verderb der Bienen, die Wasserspinne<br />

zum Fischfang, der Ameisenbär für die Ameisen, grenzt an<br />

Verzweiflung“ (Seite 178). „Die aber Leben erzeugen, töten<br />

ohne Gnade“ (Seite 178).<br />

„Aber wieder zerstört Leben sich selbst“ (Seite 213). „Leben<br />

zerstört Leben um zu leben. Das ist die Verdammnis<br />

zum Dasein, eine rotierende Hölle, das Nichts in der Erscheinungsform<br />

der Qual“ (Seite 213). „Allenthalben ist das Leben<br />

auf dem Weg zu seinem Tode“ (Seite 221). „Der Zweifel<br />

ernährt den Glauben, der Glaube den Zweifel“ (Seite 242).<br />

Für Reinold Schneider hat sich während seines Aufenthaltes<br />

in Wien das Antlitz Gottes verdunkelt. Am Ende seines<br />

Buches gibt er offen zu, am Rande des Unglaubens zu leben.<br />

Er fühlt sich den Atheisten tief verbunden, hat aber trotzdem<br />

noch das Bedürfnis, sich in kleine leere Kirchen in<br />

Wien zu setzen und den in weite Ferne schwindenden Gott<br />

anzusprechen im Gebet.<br />

Fazit: Was ist der Mensch?<br />

Bild: Wikimedia Commons<br />

Reinold Schneider hat recht mit seiner Aussage: „Man<br />

blickt nicht ungestraft in den Kosmos, die Tiefsee, die Geschichte<br />

– und vielleicht auch nicht ungestraft in sich selbst,<br />

in den Menschen.“<br />

Von daher gesehen ist die Gretchenfrage – wie bereits<br />

eingangs erwähnt – auch keine leichte und oberflächliche<br />

Alltags-Frage, die mal eben schnell beantwortet werden<br />

kann, sondern eine ernsthafte, ganz persönlich tiefgreifende<br />

Lebensfrage an jeden Einzelnen von uns. Warum? Weil<br />

bei der Auseinandersetzung mit ihr schnell die bereits über<br />

Jahrtausende der Menschheitsgeschichte hinweg anhaltende<br />

Suche nach dem „Bild des Menschen“ sichtbar wird. Wer<br />

sind wir? „Was ist der Mensch?“ Eine kurze, aber elementare,<br />

schwierige und hoch komplexe Frage der Anthropologie<br />

(der Wissenschaft des Menschen), auf die berühmte Philosophen,<br />

Theologen, Physiker, Psychologen und Biologen<br />

seit Jahrhunderten bis in die Gegenwart hinein versuchen<br />

und versucht haben, je nach ihrem Fachgebiet, eine glaubhafte<br />

und begründete Antwort zu finden.<br />

Kein Wunder, dass wir solch einer schwierigen Frage<br />

lieber aus dem Wege gehen. Trotzdem. Was ist es, dass uns<br />

Menschen im Innersten zusammenhält? Ich denke, jeder<br />

Mensch sollte in seinem Leben einmal der Frage nachspüren:<br />

Wer bin ich eigentlich? Ein schwieriges aber lohnendes<br />

Unterfangen. Der Philosoph Richard David Precht geht dieser<br />

Frage in seinem bereits 2007 erschienenen Buch: „Wer<br />

bin ich, und wenn ja wie viele“ auf eine, wie ich finde, sehr<br />

lesenswerte Weise ausgiebig nach. Das Buch regt an, sich<br />

zu fragen, für wen oder was halte ich mich? Bin ich ein<br />

aus der über Jahrmillionen dauernden Evolutionsentwicklung<br />

aus dem Tierreich hervorgegangenes, rein zufälliges,<br />

vorbildloses Geschöpf, ein reines Naturprodukt, nur den<br />

Gesetzen der Natur erbarmungslos ausgesetzt, ohne irgendeine<br />

personenhafte existenzielle Sinnhaftigkeit, oder bin ich,<br />

tief verankert in mir, eine bewusst von Gott geschaffene<br />

und gewollte einzigartige, unverwechselbare Person? Und<br />

mit Person ist hier weit mehr gemeint als die Summe all<br />

meiner Eigenschaften, Neigungen und Fähigkeiten, mehr<br />

als ein Produkt menschlicher Kulturentwicklung. Mit dem<br />

Aufscheinen der Personalität entsteht unendlich viel mehr<br />

als ein bloßes soziales Wesen, denn jede Person bildet eine<br />

unwiederholbare und einmalige Welt für sich. Mit ihr verbinden<br />

sich zwei unverkennbare wesentliche Elemente für<br />

das Menschsein auf dieser Erde überhaupt: Hoffnung und<br />

Liebe. Begriffe, die die Natur nicht kennt. Sie kennt nur das<br />

Gesetz des Stärkeren, den nackten Trieb der Arterhaltung<br />

und mit ihm das Fressen und Gefressen werden Religion<br />

aber ist ein Ort der Hoffnung. Erst durch das Bewusstsein,<br />

eine freie und unverwechselbare Person zu sein, entfaltet<br />

sich der Sinn meines Lebens. Zu einer Person werden wir<br />

Menschen aber erst durch ein Gegenüber. Erst durch das<br />

Gegenüber einer anderen Person spüren und erkennen wir<br />

unsere eigene, einmalige unzerstörbare Persönlichkeit. Eine<br />

Person formt sich nur in Gegenwart des Wohlwollens und<br />

der Zugewandtheit einer anderen Person. 4)<br />

Für den Theologen Eugen Drewermann ist Gott dieses<br />

wohlwollende Gegenüber, das absolute DU, in radikaler Andersheit<br />

zum menschlichen Dasein, im Hintergrund dieser<br />

Welt. Für ihn bedürfen wir: „inmitten des Dilemmas unserer<br />

menschlichen Existenz, eines Gottes zur Befreiung von dem<br />

Einerlei des alltäglichen Grauens inmitten der Natur. Nicht<br />

die Versöhnung mit der Welt, ihrer Überwindung gilt die<br />

Religion.“ 4) In seinem umfangreichen Buch „Atem des Lebens“<br />

beschäftigt sich Eugen Drewermann ausführlich mit<br />

der Frage, was sie im christlichen Sinne denn ist, eine Person.<br />

Der Gretchenfrage einmal nachzuspüren bietet die Möglichkeit<br />

der Selbstkontrolle und Überprüfung der eigenen religiösen<br />

Position. Mit ihr verbunden ist immer auch die Frage<br />

nach dem Fundament auf dem mein Leben aufgebaut ist.<br />

Zum Abschluss zwei Zitate bekannter Personen als Anregung.<br />

Charles Darwin (1809-1882): Ich habe niemals die Existenz<br />

Gottes verneint. Ich glaube, dass die Entwicklungstheorie<br />

absolut versöhnlich ist mit dem Glauben an Gott.<br />

Die Unmöglichkeit des Beweises und Begreifens, dass das<br />

großartige über alle Maßen herrliche Weltall ebenso wie<br />

der Mensch zufällig geworden ist, scheint mit das Hauptargument<br />

für die Existenz Gottes.<br />

Werner Heisenberg (1901-1976), Atomphysiker: Der<br />

erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht<br />

atheistisch. Aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.<br />

Eberhard Freundt<br />

Hinweise: 1 ) Der Begriff Transzendenz steht in der Philosophie und Theologie für das grundsätzlich<br />

Nicht-Erfahrbare, das sich der sinnlichen und geistigen Erkenntnis entzieht. Es ist<br />

nicht in den Kategorien von Zeit, Raum oder Stofflichkeit beschreibbar. Transzendenz wird<br />

häufig auch als Synonym für das Göttliche und Unbegreifliche verwendet, das nur in einem<br />

‚Überschreiten‘ der begrifflichen Erfahrungswelt erfasst oder geahnt werden kann.<br />

Im Gegensatz zur Transzendenz steht die Immanenz (das Immanente), das in den sinnlich<br />

zugänglichen Dingen enthalten ist und deshalb keines Rückgriffs auf die Transzendenz<br />

bedarf. Die Transzendenz ist wesensnotwendig unabhängig von den in der Welt vorhandenen<br />

Gegenständen oder geht über diese hinaus. (definition-online.de)<br />

2)<br />

Ludwig Feuerbach (18<strong>04</strong>-1872). 3) Die Theodizee ist ein in der Alltagssprache<br />

weitgehend ungebräuchlicher Begriff. Eingeführt wurde er von Gottfried Leibniz und er<br />

bedeutet „die Rechtfertigung Gottes“. Er umfasst die Frage, warum Gott Leiden zulässt,<br />

obwohl er die Macht hätte, es zu verhindern. (Wikipedia) 4) Eugen Drewermann „Atem<br />

des Lebens“ Band 2 die Seele (2007)<br />

68 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 69


Weihnachtsmärkte<br />

V e r a n s ta lt u n g e n im Seniorenbegegnungszentru m<br />

der Universitätsstadt Siegen<br />

in der Region<br />

bis 14.01.2018 Winterzauber täglich,<br />

12-21, So. ab 14 Uhr, im Innenhof der<br />

Sparkasse Siegen, Morleystr.<br />

bis 23.12. täglich, in Siegen, Weihnachtsmeile<br />

von der Unter- bis zur<br />

Oberstadt. Mo. bis Do.. 11-21, Fr.-Sa.<br />

11-22, So. 11-21 Uhr<br />

bis 23.12. Weihnachtsmarkt in Siegen-<br />

Weidenau, Siegerlandzentrum täglich<br />

11–21, So. 12 – 19 Uhr<br />

bis 30.12. Herborner Weihnachtsmarkt,<br />

historische Altstadt, täglich, Mo.-<br />

Sa.11–20 Uhr, So. ab 13 Uhr, Weihnachten<br />

geschlossen<br />

Do. 30. 11. bis 3.12. Olpe, historischer<br />

Weihnachtsmarkt Marktplatz, Do. und<br />

Fr. 14–22, Sa. 11–23, So. 11–19 Uhr<br />

Dezember<br />

Fr. 1. bis So. 3. Freudenberg, Fr. 18–<br />

21, Sa. 12–21, So. 12–18 Uhr<br />

Sa. 2. Siegen-Niederschelden, Auf der<br />

Burg, ab 12 Uhr<br />

Sa. 2. Bad Laasphe, Wilhelmsplatz,<br />

14–20 Uhr auch So. 11–18 Uhr<br />

Sa. 2. Siegen-Gosenbach, Am Backl,<br />

ab 11 Uhr<br />

Sa. 2. Bad Berleburg-Diedenhausen,<br />

ab 11 Uhr<br />

Sa. 2. Wilnsdorf-Rudersdorf, Haus<br />

Heimat 17 Uhr<br />

Sa. 2. und So. 3. Weihnachts-Werkstatt<br />

im Technikmuseum Freudenberg Olper<br />

Straße Sa., 14–18 Uhr, So.10–17 Uhr<br />

Sa. 2. und So. 3. Adventmarkt, Neunkirchen,<br />

am Rathaus, ab 11 Uhr<br />

So 3. Bad Blb.-Weidenhausen, 15–23 Uhr<br />

So. 3. Wilnsdorf, Marktplatz, 11–18 Uhr<br />

Sa. 3. Bad Berleburg-Arfeld, rund um<br />

die Kirche, 11–24 Uhr<br />

So. 3. Adventmarkt, Burbach-Niederdresselndorf,<br />

Im alten Dorf, ab 11 Uhr<br />

Sa. 2. und So. 3. Crombacher Weihnachtsmarkt,<br />

rund um die Krombacher<br />

Halle, 14–20 Uhr<br />

So 3. Bad Berleburg-Weidenausen,<br />

15–23 Uhr<br />

Do. 7. bis So. 10. Kreuztal, Lichterglanz<br />

im Park, Dreslers Park, Do. 16–<br />

22, Fr. 14–22, Sa 11–22, So. 11–19 Uhr<br />

Foto: Ingrid Drabe<br />

Do. 7. bis 10. Olpe, historischer Weihnachtsmarkt<br />

Marktplatz, Do. und Fr.<br />

14–22, Sa. 11–23, So. 11–19 Uhr<br />

Fr. 8. und Sa. 9. Adventmarkt für Netpher<br />

in Not, Obernetphen, Marktplatz Fr. ab 18<br />

Uhr, So. ab 13 Uhr<br />

Sa. 9. Adventmarkt, ARGE Setzen, Kapellenschule<br />

Si.-Obersetzen, ab 15 Uhr<br />

Sa. 9. Adventmarkt Bad-Berleburg-Arfeld,<br />

ab 11 Uhr<br />

Sa. 9. und So. 10. Erndtebrück Adventmarkt,<br />

an der evangelische Kirche,<br />

Sa. 15–21, So. 14–19 Uhr<br />

Sa. 9. und So. 10. Burbacher Weihnachtsmarkt,<br />

Sa. 15–22.30, So. 13–18 Uhr<br />

Fr. 15. bis So. 17. Kreuztal-Littfeld, Bürgertreff<br />

Kapellenschule, 16–21Uhr<br />

Fr. 15. bis So. 17. WeihnachtsZeitreise,<br />

Bad-Berleburg Schlosshof und Goetheplatz<br />

Fr. ab 18.30, Sa. ab 15 und So. ab 11 Uhr<br />

Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />

Telefon 02 71 / 6 61 03 35<br />

durchblick - siegen e.V.<br />

02 71 / 6 16 47 und 01 71 / 6 20 64 13<br />

ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.<br />

Trauercafé0271/ 5 34 46<br />

Senec@fé 02 71/ 2 50 32 39<br />

SeniorenServiceStelle 0271 / 38 78 616-2<br />

Seniorenbeirat02 71 / 4<strong>04</strong>-2202<br />

Englischkurse 0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />

montags<br />

10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />

Seniorenhilfe<br />

10:00 - 12:00 SeniorenServiceStelle<br />

geöffnet<br />

10:00 - 12:00 Werkstatt geöffnet<br />

14:00 - 18:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />

Computertreff<br />

dienstags<br />

09:00 - 12:00 ALTERAktiv-Senec@fé,<br />

Computertreff<br />

10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />

Seniorenhilfe<br />

10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />

durchblick geöffnet<br />

10:00 - 12:00 Malgruppe (außer 1.Di.Monat)<br />

Haus Herbstzeitlos<br />

57074 Siegen, Marienborner Str. 151<br />

www.unser-quartier.de/haus-herbstzeitlos-siegen<br />

Film- und Video-Club 027 32 /1 24 60<br />

SHG Sauerst. Therapie 02 71 / 37 03 54<br />

Gedächtnistraining 0271 / 8 49 99<br />

Lesepaten 02739 / 2290<br />

Malgruppe 0271 / 3 73 87<br />

Selbstverteidigung 0160 / 830 18 67<br />

Werkstatt02 71 / 6 27 76<br />

mittwochs<br />

09:00 - 12:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />

Computertreff<br />

09:30 - 11:00 Englischkurs auf Anfrage<br />

0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />

10:00 - 12:00 SeniorenServiceStelle<br />

geöffnet<br />

10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />

durchblick geöffnet<br />

11:00 - 12:30 Englischkurs auf Anfrage<br />

14:00 - 18:00 ALTERAktiv-Senec@fé<br />

14:30 - 16:30 Handarbeiten mit der<br />

Seniorenhilfe<br />

14:30 - 16:30 Werkstatt geöffnet<br />

15:00 - 17:00 Singen mit der<br />

Seniorenhilfe<br />

19:00 - 21:00 Regenbogentreff<br />

Spielen und Klönen<br />

19:00 - 22:30 Film und Videoclub<br />

donnerstags<br />

09:30 - 10:30 Selbstverteidigung<br />

10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />

Seniorenhilfe<br />

10:00 - 12:00 Redaktionsbüro des<br />

durchblick geöffnet<br />

freitags<br />

10:00 - 12:00 Sprechstunde der<br />

Seniorenhilfe<br />

11:00 - 14:00 Englischkurse (2)<br />

0271 / 4<strong>04</strong>-2200<br />

samstags<br />

09:00 - 12:00 Wandergruppe<br />

der Seniorenhilfe<br />

Das Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos befindet sich hinter der alten „Hainer Schule“, Ecke Marienborner Str. / Blumenstr.<br />

Anfahrt: Ab Hauptbahnhof, ZOB Bussteig B 1-2: Linien R 12, R 13, R 17, L 109 (Bushaltest, Blumenstraße). Parkplatz: Kostenlos am Haus<br />

Foto: Rita Petri<br />

durchblick verlost Freikarten<br />

„Passt schon“ mit Konrad Beikircher<br />

12. Januar 2018 ab 20 Uhr im Kulturhaus Lyz Siegen<br />

Die Zeiten werden immer komplizierter,<br />

keiner blickt mehr durch und alle verstecken<br />

sich immer mehr in der Überschaubarkeit<br />

der Region, in der sie leben. Da<br />

liegt es auf der Hand, dass der Experte<br />

für Regionalsprachen, Konrad Beikircher,<br />

mal schaut, worin sich die Regionen überhaupt<br />

unterscheiden: Wenn der Mensch<br />

ist, wie er spricht, haben da aber viele<br />

Regionen ganz ganz schlechte Karten.<br />

Und weil der Beikircher ein Mensch ist,<br />

der mitten im Leben steht, auch im vernetzten<br />

Leben, erzählt er uns auch einiges<br />

übers Älterwerden und Jungseinmüssen.<br />

Gewinnen können Sie<br />

3 x 2 Eintrittskarten,<br />

wenn Sie bis 31. Dezember eine<br />

Nachricht mit Namen, Telefonnummer und<br />

dem Vermerk Freikarten an uns senden:<br />

Redaktion durchblick<br />

Marienborner Str. 151<br />

57074 Siegen<br />

oder:<br />

gewinnspiel@durchblick-siegen.de<br />

Die Gewinner werden telefonisch benachrichtigt.<br />

Die Tickets werden auf Ihren<br />

Namen an der Abendkasse hinterlegt.<br />

Normale Eintrittskarten sind bei allen bekannten<br />

Vorverkaufsstellen erhältlich.<br />

Die Gewinner unserer Verlosungen<br />

Foto: Veranstalter<br />

Je zwei Karten für „Rock am Stock“ gewannen: Rita<br />

Schmidt, Netphen; Berthold Heer, Kreuztal und Carin-<br />

Maria Strunk, Kreuztal. • Je zwei Karten für„Christian<br />

Ehring“ gewannen: Bettina Warnecke, Bad Laasphe;<br />

Sandra Ohrndorf, Freudenberg und Ewald Seiffarth,<br />

Kreuztal. • Je ein Buch „Pinnegars Garten“ gewannen:<br />

Marianne Rickert, Siegen; Mena Petito, Freudenberg<br />

und Anne Böcher Siegen.<br />

70 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 71


montags:<br />

10.00 Seniorengymnastik mit Anne<br />

Freudenberger, im Gemeinschaftsraum<br />

Dr. Ernst-Schuppener-Haus, Stadtteilbüro<br />

Heidenberg, 0271-23418872<br />

14.00 Montagscafé des DRK Ortsverein<br />

Siegen Nord e.V., Schneppenkauten<br />

1, 57076 Siegen-Weidenau<br />

0271-76585<br />

14.30 Handarbeitstreff: „Regiestelle<br />

Leben im Alter“ Rathaus Weidenauer<br />

Straße 215, 0271/4<strong>04</strong>-2200<br />

20.30 Tangosalon: Milonga, Tango<br />

Argentiono - Gefühle tanzen, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

Jeden 1. Montag im Monat<br />

14.30 Singen AWO-OV Siegen, Begegnungsstätte<br />

Rosterstr. 186,<br />

0271/53383<br />

19.00 Trauergruppe der Ambulanten<br />

Hozpizhilfe, Stiftung Diakoniestation<br />

Kreuztal, Ernsdorfstr. 3, 02732/1028<br />

20.00 Tango Schnupperkurs (bis 21<br />

Uhr), anschließend Tangosalon, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.18<br />

Jeden 2. Montag im Monat<br />

10.00 Frühstückstreff: AWO-Ortsverein<br />

Siegen, im der Begegnungsstätte Rosterstr.<br />

186, Siegen, 0271/339857<br />

10.00 Trauercafé der Ambulanten<br />

ökumenischen Hospizhilfe Siegen e.V.;<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Str. 0271/23602-67<br />

15.15 Montagsgespräch des „Bund<br />

der Vertriebenen“ – Diskurs zum aktuellen<br />

gesellschaftspolitschen Zeitgeschehen<br />

Geschäftsstelle Siegen, Seilereiweg<br />

6 0271/82838<br />

18.30 „Anders Altern“ Gruppe für<br />

gleichgeschlechtliche Lebende und<br />

Liebende, Begegnungszentrum Haus<br />

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Wiederkehrende<br />

Jeden 3. Montag im Monat<br />

15.00 ALTERAktiv, Lesepaten, städtisches<br />

Begegnungszentrum Haus<br />

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Straße 151 02739-2290<br />

16.30 Selbsthilfegruppe Durchblutungsstörungen<br />

in den Beinen Haus<br />

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Str. 151 310781<br />

18.30 Treffen Selbsthilfegruppe:<br />

Sauerstoff-Langzeit-Therapie „Haus<br />

Herbstzeitlos Siegen“ 370354<br />

Jeden 4. Montag im Monat<br />

14.30 Kaffeekränzchen: AWO-<br />

Ortsverein Siegen, in der Begegnungsstätte<br />

Rosterstr. 186<br />

Letzter Montag im Monat<br />

19.00 Selbsthilfegruppe Asthma und<br />

Bronchitis Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />

Marienborner Straße 151<br />

02737/3308<br />

dienstags:<br />

17.00 Interkultureller Chor Siegerland<br />

Span. Zentrum Siegen, St.-<br />

Michael-Straße 3<br />

14.00-16.00 Handarbeitskreis der<br />

SeniorenServiceStelle, Sozialraum des<br />

Rathauses Netphen, Amtsstraße 2+6<br />

Jeden 1. Dienstag im Monat<br />

9.00 Die Creativen Siegen, städtisches<br />

Begegnungszentrum Haus<br />

Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Ste.151 02737-3455<br />

15.00 ALTERAktiv Lesepaten, Begegnungszentrum<br />

„Haus Herbstzeitlos“<br />

Siegen, 02739/2290<br />

Jeden 2. Dienstag im Monat<br />

19.00 Vorwärts-Chor, städtisches<br />

Begegnungszentrum „Haus Herbstzeitlos“,<br />

Siegen, Marienborner Str.151<br />

Jeden 3. Dienstag im Monat<br />

15-17 Treffen der Heinzelwerker, Begegnungszentrum<br />

„Haus Herbstzeitlos“,<br />

Siegen, Marienborner Str. 151<br />

Jeden 4. Dienstag im Monat<br />

20.00 Vorwärts-Chor, städtisches Begegnungszentrum<br />

„Haus Herbstzeitlos“,<br />

Siegen, Marienborner Straße 151<br />

mittwochs:<br />

10.00-12.00 Heinzelwerker Sprechstunde,<br />

„Regiestelle Leben im Alter“,<br />

RathausWeidenau, Weidenauer Str.<br />

211, 4<strong>04</strong>-2200<br />

10.00 Spaziergang: 3000 Schritte,<br />

Tempo und Strecke sind angepasst,<br />

ab Rathaus Weidenauer Str. 215, <br />

4<strong>04</strong>-2200<br />

10.00-12.00 Sprechstunde des Seniorenbeirats,<br />

SeniorenServiceStelle<br />

Siegen-Geisweid , Am Klafelder<br />

Markt 20 0271/372199-05<br />

14.00-16.00 Diakonischer Freundeskreis<br />

Siegen-Süd, Hilfen für zu Hause,<br />

Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />

14.30-17.30 Taschengel<strong>db</strong>örse Siegen,<br />

St.-Johannstr. 7<br />

0271/2346066<br />

17.00 Internationaler Seniorentanz,<br />

Interkulturelle Gemeinschaft, kath. Gemeindehaus<br />

Siegen, St.-Michaelstr 3<br />

Jeden 1. Mittwoch im Monat<br />

10.00 Trauercafé Regenbogen Ambul.Hozpizhilfe,<br />

Diakonistation Kreuztal,<br />

Ernsdorfstraße 3 02732-1028<br />

15.00 Frauenzimmer, Frauencafé<br />

des DRK-Niederschelden, Burgschule<br />

Siegen-Niederschelden.<br />

0271-33716-0<br />

19.30 Heimatfreundtreffen, Kapellenschule<br />

Siegen-Trupbach, Trupbacher<br />

Str. 40.<br />

Termine<br />

Jeden 3. Mittwoch im Monat<br />

14.30 VDK-Siegen-Treff; Frohe Runde, Christofferhaus<br />

Siegen, Friedrich-Wilhelm-Str. 118<br />

14.30 Wir tanzen wieder! Für Menschen mit und ohne<br />

Demenz, Tanzschule „Im Takt“, Netphen-Dreistiefenbach,<br />

Dreisbachstr. 24. Anmeldung 0271/234178-17<br />

Letzter Mittwoch im Monat<br />

15.00-16.30 Selbsthilfegruppe Frontotemporale Demenz<br />

im Café Auszeit Kreuztal, Ernsdorfstr. 5<br />

donnerstags:<br />

10.00 Seniorenwerkstatt, der „Interkulturellen Gemeinschaft“,<br />

katholisches Gemeindehaus Siegen, St.-Michaelstr.<br />

10.00-12.00 Diakonischer Freundeskreis Siegen-Süd,<br />

Hilfen für zu Hause, Diakonie Eiserfeld, Mühlenstr. 7<br />

Jeden 1. Donnerstag im Monat<br />

19.00 Treffen der Selbsthilfegruppe für Hörgeschädigte<br />

Siegen, in der Diakonie Sandstr. 26<br />

Jeden 2. Donnerstag im Monat<br />

15.00-17.00 Selbsthilfegruppe Mitten im Leben für<br />

Menschen mit Gedächtnisproblemen KSG-Senioren-<br />

Wohnanlage Weidenau Weidenauer Str. 202<br />

Jeden 4. Donnerstag im Monat<br />

15.00 Trauercafé der Ambulanten ökumenischen Hospizhilfe<br />

Siegen e.V.; Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />

0271/23602-67<br />

freitags:<br />

14.00 Englisch Tea Time AWO-Ortsverein Siegen, im der<br />

Begegnungsstätte Rosterstr. 186, Siegen, 0271/339857<br />

17.00 Tanzen ab der Lebensmitte mit und ohne Partner,<br />

TanzZentrum AGNE-PRESCHER Siegen-Geisweid,<br />

Birlenbacher Hütte 16 0271-84999<br />

18.00 Wochenschlussandacht,<br />

Autobahnkirche Siegerland,<br />

Rasthof Wilnsdorf<br />

Jeden 2. Freitag im Monat<br />

15.00 Wochenausklang der Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos Siegen,<br />

Marienborner Str. 151 0271/6610335<br />

samstags:<br />

Jeden 3. Samstag im Monat<br />

13.00 ALTERAktiv Repaircafé, Mehrgenerationenzentrum<br />

der Martinigemeinde Siegen, St. Johann-Str. 7<br />

Jeden 4. Samstag im Monat<br />

13.00 Klimawelten Repaircafé, Florenburg Hilchenbach,<br />

Kirchweg 17 02733/2366 (Ingrid Lagemann)<br />

sonntags:<br />

Jeden 2. Sonntag im Monat<br />

14.30 Sonntagscafé in der Alten Linde Wilnsdorf-Niederdielfen,<br />

Weißtalstraße 2<br />

15.00 Sonntagscafe im Bürgerhaus Siegen-Niederschelden,<br />

Auf der Burg 15 0271/3370122<br />

72 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 73


Dezember<br />

Wilfried Schmickler, 9.12. Lÿz Siegen<br />

Vorweihnachtliches Rudelsingen 15.12. ab 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal<br />

„Der Messias“, Weihnachtskomödie von Patrick Barlow am 6. Dezember im Gebrüder-Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch<br />

1. Freitag<br />

20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Festkonzert zum 60. Geburtstag,<br />

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

20.00 Jazz, KLARO!, The Karolina<br />

Strassmayer & Drori Mondlak Quartett,<br />

Kulturhaus Lÿz Siegen<br />

2. Samstag<br />

10.00 Jonglage- & Diabolo-Workshop<br />

mit Mo de Bleu, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

St.-Johann-Str. 18<br />

14.00 Die Weihnachtswerkstatt,<br />

Technikmus. Freudenb., 3.12. ab 10 Uhr<br />

18.00 Offenes Singen zum Advent,<br />

Nikolaikirche Siegen, Krämergasse 2<br />

19.00 Ballett, Tschaikowskis Schwanensee,<br />

afrikanische Version,<br />

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

19.30 Peter Orloff und der Schwarzmeer<br />

Kosaken-Chor, Haardter Kirche<br />

Weidenau<br />

3. Sonntag<br />

11.00 KulturSiegen, Jazz-Festival,<br />

Lämpel’s Jatz Orchester & The Pearls,<br />

12.00 CELETO mit Karl Parchow,<br />

14.00 EVAU Big Band mit Hartmut Sperl,<br />

15.00 RHYTHM-TALK... Brazilifi ed!<br />

mit Klaus Panten, 16.00 Duo Annette<br />

Kreutz und Carolin Hild, KrönchenCenter<br />

Siegen, Markt 25<br />

17.00 Weihnachtskonzert der Fritz-<br />

Busch-Musikschule, Martinikirche Sgn.<br />

18.00 kreuztalkultur, Konzert, Bugge<br />

Wesseltoft, Everybody Loves Angels,<br />

Friedenskirche Fellinghausen<br />

18.00 Filmpalast: Genosse Don<br />

Camillo, Heimhof-Theater Burbach-<br />

Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste: Die<br />

Überglücklichen, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

4. Montag<br />

15.00 Film über Depressionen im Alter,<br />

Überwindungen, Haus Herbstzeitlos<br />

Siegen, Marienborner Str. 151<br />

20.30 Tango Argentina,Tango-Salon,<br />

Foyer Lÿz, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

St.-Johann-Str. 18 (auch 11. und 18.)<br />

6. Mittwoch<br />

18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />

Kunst, Künstlerische Strategien im<br />

Stadtraum, Siegen, Brauhaus, Zum<br />

Wildgehege 25<br />

19.30 Lesung, WortSchmiede mit<br />

Volker Bunse, Villa Bubenzer, Freudenberg,<br />

Villa-Bubenzer-Weg 7<br />

20.00 Weihnachtskomödie von Patrick<br />

Barlow: Der Messias, Gebr.-<br />

Busch-Theater, Hilchenbach-Dahlbruch,<br />

Bernhard-Weiss-Platz 1<br />

7. Donnerstag<br />

16.00 kreuztalweihnacht – Lichterglanz<br />

im Park, Dreslers Park (bis<br />

Sonntag, 10. Dezember)<br />

18.30 VHS -Siegen, Porträts und ihre<br />

Bedeutung für Dynastie und Politik<br />

der Oranier, KrönchenCenter, Siegen<br />

8. Freitag<br />

20.00 Weihnachtsspecial: Alle Jahre<br />

Widder, Geschichten rund ums<br />

Christfest, Siegerlandhalle Siegen,<br />

Koblenzer Str. 151<br />

20.00 A-Cappela Rock4, A night at<br />

the opera - remastered, am Heimhof-Theater<br />

Burbach, Heimhofstr.<br />

20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Weihnachtskonzert, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1 (auch am 9.12.)<br />

20.00 Konzert im alten Feuerwehrhaus:<br />

Kücükaya-Streichquartett<br />

mit Werken von Edvard Grieg und<br />

Claude Debussy, Netphen, St. Petersplatz<br />

9. Samstag<br />

10.00 34. Deutscher Rock & Pop<br />

Preis, Siegerlandhalle, Koblenzer<br />

Straße 151<br />

20.00 Kabarett mit Wilfried Schmickler,<br />

Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-Str.<br />

18<br />

10. Sonntag<br />

15.00 Kindertheater, Mama Muh<br />

feiert Weihnachten, Heimhof-Theater<br />

Burbach-Würgendorf<br />

15.00 Figurentheater, Weihnachten<br />

bei Opa Franz, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18 (auch am<br />

11. Dezember)<br />

18.00 Fest-Kantaten zu Weihnachten,<br />

Johann Sebastian Bach, Martinikirche<br />

Siegen, Grabenstr. 27<br />

19.00 Komödie, Das (perfekte)<br />

Desaster – Dinner, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystraße<br />

11. Montag<br />

20.00 Weihnachtskonzert, „Unser –<br />

Guildo Horn & Die Orthopädischen<br />

Strümpfe“, Apollo-Theater Siegen,<br />

Morleystraße<br />

12. Dienstag<br />

20.00 Multimediales Kunstprojekt,<br />

Szene 7, Vorhang auf! Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

13. Mittwoch<br />

18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />

Kunst: SELBST?, Siegen, Brauhaus,<br />

Zum Wildgehege 25<br />

20.00 Jubiläumskonzert: 10 Jahre –<br />

The 12 Tenors, Siegerlandhalle<br />

14. Donnerstag<br />

15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Str. 151<br />

20.00 Musik, Akrobatik und Zauberei,<br />

LÿzMixVarieté, Kabarett, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

15. Freitag<br />

19.30 Eröffnungskonzert Weihnachtszeitreise,<br />

Wishful Singing,<br />

Schloss Bad Berleburg<br />

20.00 European Outdoor Film Tour<br />

<strong>2017</strong>, Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />

Str. 151<br />

20.00 Lesung, Sandra Lüpkes, kriminelle<br />

Weihnachtsgeschichten,<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

20.00 kreuztalkultur, das 2. vorweihnachtliche<br />

Rudelsingen im Siegerland,<br />

Stadthalle Kreuztal,<br />

22.00 Nachtwächterführung, Hört,<br />

Ihr Leut und lasst Euch sagen, 1¼<br />

stündig durch die historische Altstadt,<br />

Treff: Nikolaikirche Siegen<br />

16. Samstag<br />

18.00 Weihnachts-Oratorium BWV<br />

248, Johann Sebastian Bach, Ev. Kirche<br />

Hilchenbach, Kirchplatz 4<br />

19.00 Weihnachts-Gala: Das Märchen<br />

vom Kalif Storch, Apollo-Theater<br />

Siegen (auch 17. Dezember)<br />

20.00 Komödie, Landeier - Bauern<br />

suchen Frauen, Aula Gymnasium,<br />

Wilnsdorf<br />

17. Sonntag<br />

16.00 Finissage, Olaf neopan<br />

Schwanke, Siegerlandmuseum, Oberen<br />

Schloss Siegen, Burgstraße<br />

16.00 kreuztalkultur, Intermezzo,<br />

Gem. Chor Kreuztal-Langenau, Evangelische<br />

Kreuzkirche Kreuztal, Martin-<br />

Luther-Straße<br />

18.00 Weihnachts-Oratorium,<br />

Festkonzert, 70 Jahre Kantorei Siegen,<br />

Nikolaikirche Siegen, Krämergasse<br />

2<br />

19.00 kreuztalkultur, Tanzshow,<br />

SPIRIT OF IRISH CHRISTMAS<br />

TOUR, Kreuztal Stadthalle, Am Erbstollen<br />

7<br />

19.30 22. Gospelhouse: I have just<br />

heard a song..., Evangelische Kirche<br />

Netphen-Deuz, Beienbacher Weg 4<br />

19.30 Siegener Christmas Comedy,<br />

Kartoffelfreuden XIV, Ho, ho,<br />

ho - eine schöne Bescherung!,<br />

Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-Johann-<br />

Straße 18<br />

20.00 Paul Panzer, Glücksritter -<br />

vom Pech verfolgt, Was ist Glück?<br />

Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />

Staße 151.<br />

20. Mittwoch<br />

18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />

Kunst, Gemeinschaft und/oder<br />

Genialität, Siegen, Brauhaus<br />

20.00 Höhner Weihnacht, fröhlich<br />

und festlich, rockig und melodiös,<br />

Siegerlandhalle Siegen<br />

21. Donnerstag<br />

20.00 WDR Big Band, R&B-Christmas<br />

mit Lori Perry, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

Kammermusik: Schubert im Stift am 4.<br />

Februar um 17 Uhr im Stift Keppel, Hi.<br />

A-Cappela, Rock4, am 8. Dezember im<br />

Heimhof-Theater Burbach, Heimhofstr.<br />

Lesepaten<br />

Alt & Jung macht Schule<br />

Alt & Jung engagiert sich<br />

ehrenamtlich als Lesepaten<br />

in Grundschulen,<br />

als Vorleser*innen in<br />

Kindergärten und in der<br />

Stadtbibliothek Siegen.<br />

Für diese wunderbare Arbeit<br />

mit Kindern suchen wir immer<br />

Unterstützung.<br />

Haben Sie Lust mitzumachen?<br />

Die Kinder freuen sich!<br />

Ansprechpartnerin ist<br />

Margrit Schulte 02739-2290<br />

margrit.schulte@gmx.de<br />

Ein Projekt von<br />

ALTERAktiv Siegen-Wittgenstein e.V.<br />

St. Johann-Str. 8 • 57074 Siegen<br />

Internet: www.senioren-siegen.de<br />

74 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />

4/<strong>2017</strong> durchblick 75


23. Samstag<br />

19.00 Choral Evensong zu Weihnachten,<br />

Martinikirche Siegen<br />

Dezember<br />

Barockmusik am 31.12. ab 19.30 in der Ev. Kirche Hilchenbach<br />

24. So.<br />

11.00 Theater<br />

Wilde<br />

Hummel mit<br />

Sternenwunder,<br />

Kulturhaus<br />

Lÿz<br />

Siegen,<br />

23.00 Christmette,<br />

Chöre<br />

und Choräle,<br />

u.a. aus dem<br />

Weihnachts-<br />

Oratorium Si.,<br />

Nikolaikirche<br />

26. Dienstag<br />

18.00 Weihnachtskonzert in der<br />

Martinikirche Siegen<br />

Januar<br />

1. Montag<br />

16 u. 20 Uhr Neujahrskonzert, Philharmonie<br />

Südwestfalen, Apollo-Theater,<br />

3. Mittwoch<br />

19.30 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />

Südwestfalen, Bürgerhaus am<br />

Markt, Bad Berleburg<br />

20.00 Kabarett, Weigand & Genähr,<br />

Glück, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.<br />

Joahnnstraße (bis 6.1.)<br />

5. Freitag<br />

19.00 Klezmer-Konzert, Ev. Kirche<br />

Freudenberg<br />

20.00 Ohnsorg-Theater, Landeier –<br />

Bauern suchen Frauen, Apollo-Theater<br />

6. Samstag<br />

10.00 Workshop, Jonglage- & Diabolo<br />

mit Mo de Bleu, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

St.-Johann-Str. 18<br />

20.00 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />

Südwestfalen, Aula Am Rassberg<br />

Neunkirchen, Kopernikusring 100<br />

7. Sonntag<br />

17.00 Theater, Die Schöne und das<br />

Biest, Apollo-Theater Siegen<br />

27. Mittwoch<br />

20.00 Kabarett, Weigand & Genähr,<br />

Glück, Kulturhaus LÿzSiegen,<br />

St.-Johann-Str. 18, (bis 30.12.)<br />

28. Donnerstag<br />

20.00 Helmut Lotti – The Comeback<br />

Tour, ein Wanderer zwischen den<br />

Welten, Siegerlandhalle Siegen<br />

31. Sonntag<br />

18.30 Silvester-Party, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

19.00 The Buddy Holly Story, anschl.<br />

Silvesterparty, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1 (+22 Uhr)<br />

19.30 Barockmusik zur Silvesternacht,<br />

Ev. Kirche Hilchenbach<br />

17.00 Neujahrskonzert Junge Bläserphilharmonie<br />

NRW, Siegerlandhalle<br />

Siegen, Koblenzer Straße 151<br />

17.00 kreuztalkultur, Neujahrskonzert,<br />

Philharmonie Südwestfalen unter<br />

der Leitung von Charles Olivieri-Munroe,<br />

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />

18.00 Russisches Nationalballett,<br />

Schwanensee, Siegerlandhalle Siegen,<br />

Koblenzer Straße 151<br />

8. Montag<br />

17.00 Dia-Panorama-Vortrag im alten<br />

Feuerwehrhaus: Auf ins Allgäu<br />

– Berge, Hütten, Höhenwege, Netphen,<br />

St. Petersplatz<br />

20.00 A Tribute to ABBA – The Original<br />

Show, Siegerlandhalle Siegen,<br />

Koblenzer Straße 151<br />

9. Dienstag<br />

19.00 VHS-Siegen, worldmusic<br />

2018, Trio Gharbain, Marokko & Frankreich,<br />

KrönchenCenter Siegen, Markt<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste, Science-<br />

Fiction, Ghost in the Shell, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

20.00 Ohnsorg-Theater, Landeier –<br />

Bauern suchen Frauen, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystraße 1<br />

Klezmer-Konzert am 5.1. in der Ev. Kirche Freudenberg<br />

10. Mittwoch<br />

20.00 Literatur, 15 Jahre Siegener<br />

Poetry Slam, Apollo-Theater Siegen<br />

11. Donnerstag<br />

15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen<br />

18.15 Uni Siegen, Vortragsreihe<br />

Kunst, Lernen in der Baukulturellen<br />

Bildung, Siegen, Brauhaus<br />

12. Freitag<br />

20.00 Kabarett, Thomas Reis: Endlich<br />

50, Heimhof-Theater Burbach<br />

20.00 Kabarett, Konrad Beikircher:<br />

Passt schon!, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

(Zu dieser Veranstaltung verlosen wir<br />

Eintrittskarten (Seite 70)<br />

20.00 Schauspielhaus Bochum: Die<br />

Orestie, Apollo-Theater, Morleystr. 1<br />

(am 13., 19.Uhr)<br />

13. Samstag<br />

19.00 Neujahrskonzert, Philharmonie<br />

Südwestfalen, Wilnsdorf Festhalle<br />

20.00 Kabarett, Daubs Melanie: Gar<br />

oder halbgar?, Kulturhaus Lÿz, Siegen<br />

20.00 Kabarett, Thomas Reis: Endlich<br />

50, Heimhof-Theater Burbach-<br />

Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />

20.00 kreuztalkultur, 3.Kreuztaler<br />

LachNacht, Stadthalle Kreuztal<br />

14. Sonntag<br />

17.00 kreuztalkultur, Live-Reportage,<br />

Gereon Römer: MythosSchottland,<br />

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />

18.00 Filmpalast: La Strada , Heimhof-Theater<br />

Burbach-Würgendorf,<br />

Heimhofstr. 7a<br />

19.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Neujahrskonzert, Apollo-Theater Siegen,<br />

Morleystr. 1<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste: Reel<br />

Rock 12, Kulturhaus Lÿz Siegen, St.-<br />

Johann-Str. 18<br />

16. Dienstag<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste, Film<br />

wird noch bekannt gegeben, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

17. Mittwoch<br />

19.00 VHS-Siegen, worldmusic 2018,<br />

Venezulanische Musik mit Vaca<br />

Mariposa aus Venezuela, KrönchenCenter<br />

Siegen, Markt 25<br />

18. Donnerstag<br />

15.30 VHS-Siegen, Café-Zeit, berühmte<br />

Tiere in der Literatur, Moby Dick,<br />

KrönchenCenter Siegen, Markt 25<br />

18.30 VHS-Siegen, Siegener Forum,<br />

Der Siegener Tiergarten, KrönchenCenter<br />

Siegen, Markt 25<br />

20.00 Live-Multivisionsvortrag, Nord<br />

-Licht zu Hause in Lappland, Gebr.-<br />

Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch<br />

20.00 Konzert, Musik-Sprache der<br />

Kirche, Martinikirche Siegen<br />

20.00 Comedy, Mensch Markus<br />

schwer im Stress! Bismarckhalle<br />

Siegen-Weidenau, Bismarckstr. 47<br />

Endlich 50 mit Thomas Reis am 12. Januar ab 20 Uhr im Heimhoftheater Burbach<br />

Kurse der Senioren-Service-Stelle Burbach<br />

20. Januar 10 Uhr bis ca. 14 Uhr:<br />

Workshop „Opa, glaubst du an Gott“<br />

im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />

„Geborgenheit im Alter“ mit Barbara<br />

Kerkhoff. Ort: Katholische Kirche,<br />

Fliederweg, Burbach<br />

26. Januar 15 Uhr:<br />

Workshop „Demenz- was kann ich<br />

tun? plus Film „Vergissmeinnicht“<br />

im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />

„Geborgenheit im Alter“ mit Helga<br />

Sahm und Claudia Thönelt (Pflegedienst<br />

amPuls) in der Packstation<br />

der Senioren-WG „Alte Post“ Nassauische<br />

Straße 40, Burbach;<br />

17. Februar 2018 10- ca. 14 Uhr:<br />

Workshop „Rühr mich an – Spirituelle<br />

Impulse für Menschen mit hohem Pflegebedarf<br />

und kognitiven Einschränkungen“<br />

im Rahmen der Veranstaltungsreihe<br />

„Geborgenheit im Alter“<br />

mit Andrea Schäfer-Bottenberg, DRK-<br />

Heim, Ewald-Sahm-Straße Burbach<br />

23. Februar 2018 18 Uhr: und<br />

9. März 2018 18 Uhr:<br />

Workshop „Demenz – was kann ich<br />

tun?“ wie am 26. 1.<br />

Anmeldung erforderlich. Auskünfte erteilt<br />

Birgit Meier-Braun 02736-4556<br />

76 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />

4/<strong>2017</strong> durchblick 77


Januar<br />

Februar<br />

Vielen Dank für die Blumen Homage an Udo Jürgens 21.1. ab 18 Uhr in Kreuztal<br />

19. Freitag<br />

19.00 Lesung, Ben Redelings: Als die<br />

Axt den Toaster warf!, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

20.00 Breakin‘ Mozart – Klassik<br />

meets Breakdance, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1<br />

20. Samstag<br />

19.00 Eine musikalische Revue mit<br />

den besten Songs der 50er, 60er und<br />

70er, Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

20.00 Konzert, Jessy Martens &<br />

Band, Lÿz, St.-Johann-Str. 18, Siegen<br />

20.00 Musical, Massachusetts - Das<br />

Bee Gees Musical, Siegerlandhalle<br />

Siegen, Koblenzer Str. 151<br />

21. Sonntag<br />

13.00 VHS-Siegen: Tellington TTouch®<br />

Methode für Hunde, Katzen & Kleintiere,<br />

KrönchenCenter Siegen, Markt<br />

15.00 Rheinisches Landestheater, Der<br />

Lebkuchenmann, Apollo-Theater Siegen,<br />

Morleystr. 1<br />

15.30 VHS-Siegen, Dia-Vortrag: Madeira<br />

- Wandertouren auf der Insel<br />

des ewigen Frühlings, KrönchenCenter<br />

Siegen, Markt 25<br />

16.30 Dia-Panoramavision, Das Ötztal<br />

und die Siegerlandhütte, Heimhof-Theater<br />

Burbach-Würgendorf<br />

17.00 Kammermusik um fünf, Musiker<br />

der Philharmonie Südwestfalen,<br />

Erndtebrück-Ev. Kirche<br />

18.00 kreuztalkultur, Hommage an<br />

Udo Jürgens: Vielen Dank für die Blumen!<br />

Stadthalle, Am Erbstollen 7<br />

22. Montag<br />

20.00 ProjektTheater Uni Siegen: Tod<br />

den Feinden der Revolution, Kulturhaus<br />

Lÿz, Siegen (bis 24.1.)<br />

20.00 Musicalabend, Das Phantom<br />

der Oper, Siegerlandhalle Siegen, Koblenzer<br />

Str. 151<br />

23. Dienstag<br />

19.30 Theater, Die Physiker, Bad<br />

Berleburg, Bürgerhaus am Markt<br />

25. Donnerstag<br />

15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen, Marienborner<br />

Str. 151<br />

20.00 Kabarett: Ektase ist nur eine<br />

Phase, Gebr.-Busch-Theater, Hi.-Dahlbruch,<br />

Bernhard-Weiss-Platz 1<br />

20.00 LÿzMixVarieté - Kabarett, Musik,<br />

Akrobatik und Zauberei, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

20.00 kreuztalkultur, Kabarett: Fatih<br />

Cevikkollu, FatihMorgana - nichts<br />

ist wie es scheint!, Kreuztal Stadthalle,<br />

Am Erbstollen 7<br />

26. Freitag<br />

20.00 Klavierkabarett, Bodo Wartke:<br />

Was, wenn doch?, Siegerlandhalle<br />

Siegen, Koblenzer Str. 151<br />

20.00 Mozart-Gala, mit der Philharmonie<br />

Südwestfalen, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1 (am 27., 19 Uhr)<br />

20.00 JazzClub Oase, Jazz mit der<br />

Band Jin Jim, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

St.-Johann-Str. 18<br />

27. Samstag<br />

17.00 Lesung, Elena Ferrante – Die<br />

Geschichte eines neuen Namens,<br />

Gemeindebücherei in Burbach, Nassauische<br />

Straße<br />

19.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Mozart-Gala, Apollo-Theater Siegen,<br />

Morleystr. 1<br />

20.00 Comedy, Alain Frei, Mach Dich<br />

Frei! Kulturhaus Lÿz Siegen<br />

20.00 Kultur im Alten Dorf, vom Lied<br />

zum Song..., Ensemble Nobiles, Ev.<br />

Kirche, Burbach-Holzhausenr<br />

20.00 Reinhold Messner, Weltberge<br />

– die 4. Dimension, Siegerlandhalle<br />

28. Sonntag<br />

11.00 Jazzfrühschoppen mit den<br />

Smooth Talks, Alte Linde, Wilnsdorf-<br />

Niederdielfen,Weißtalstr.2<br />

15.00 Red Dog Theater, Rotkäppchen<br />

will nicht schlafen, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18, (auch<br />

am 29. um 10 Uhr)<br />

16.00 Klassik-Highlight, Meisterpianist<br />

Menachem Har-Zahav spielt<br />

Chopin, Festhalle Wilnsdorf, Rathausstr.<br />

19.00 Lesung, RadioLiveTheater, Gaslicht<br />

- Das Haus der Lady Alquist,<br />

Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf,<br />

Heimhofstr. 7a<br />

30. Dienstag<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste: Mord im<br />

Orient Express, Kulturhaus Lÿz Siegen,<br />

St.-Johann-Str. 18<br />

1. Donnerstag<br />

14.30 Senioren-Service-Stelle, Mitmachtänze<br />

für Jung und Alt, Aula<br />

der Grundschule Niedernetphen, Anmeldung<br />

unter 02738/603-145<br />

20.00 Kammermusik: Du und du –<br />

A Walk In The Museum, Museum<br />

für Gegenwartskunst Siegen, Unteres<br />

Schloss<br />

20.00 Kabarett, Urban Priol: gesternheutemorgen,<br />

Siegerlandhalle Siegen<br />

2. Freitag<br />

20.00 MAGIC OF THE DANCE – Original<br />

Irish Dance Show, Siegerlandhalle<br />

Siegen, Koblenzer Str. 151<br />

20.00 Kleine Bühne Seelbach, Pension<br />

Schöller, Kulturhaus Lÿz Siegen<br />

(auch am 3., 9., und 10. Febr.)<br />

20.00 kreuztalkultur, ACappella-<br />

Doppelkonzert: Delta Q & Chilli da<br />

Mur, Stadthalle Kreuztal<br />

20.00 Vielen Dank für die Blumen,<br />

Familie Malentes (erste) große<br />

Abschiedstournee, Wilnsdorf, Aula<br />

Gymnasium<br />

20.00 Konzert mit We Rock-Queen,<br />

Bad Berleburg, Bürgerhaus am Markt<br />

3. Samstag<br />

19.00 Der kleine Prinz, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1 (auch 24.2.)<br />

4. Sonntag<br />

17.00 Sonntag um fünf, Kammermusik:<br />

Schubert im Stift, Stift Keppel,<br />

Hilchenbach-Allenbach<br />

17.00 Kleine Bühne Seelbach, Pension<br />

Schöller, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen (auch am 11. Februar)<br />

19.00 Kabarett, Tina Teubner: Wenn<br />

du mich verlässt, komm ich mit,<br />

Heimhof-Theater Burbach-Würgendorf<br />

6. Dienstag<br />

20.00 WDR-3-Kammermusik: Best<br />

of NRW, Anke Pan (Klavier) Apollo-<br />

Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

8. Donnerstag<br />

15.00 Literaturcafé Seniorenhilfe,<br />

Begegnungszentrum Haus Herbstzeitlos<br />

Siegen, Marienborner Str. 151<br />

20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Gala der Filmmusik:<br />

Unendliche Welten,<br />

Apollo-Theater Siegen,<br />

Morleystr. 1, (zur gleichen<br />

Zeit auch am 9.,<br />

12., und 13.2.) (und<br />

10.2., 19 Uhr)<br />

15. Februar Frauenmusical: Höchste Zeit! - Der Erfolg geht weiter, ab 19 Uhr<br />

im Gebrüder-Busch-Theater Hilchenbach-Dahlbruch, Bernhard-Weiss-Platz 1<br />

10. Samstag<br />

20.00 kreuztalkultur, Rocken bis es<br />

qualmt, Herbert Knebels Affentheater,<br />

Stadthalle Kreuztal<br />

11. Sonntag<br />

11.00 Der Markt der schönen Dinge,<br />

Kunst- & Handwerker-Markt, Siegerlandhalle<br />

Siegen, Koblenzer Str. 151<br />

17.00 Dia-Panorama-Vortrag im alten<br />

Feuerwehrhaus: Südtiroler Dolomiten,<br />

Netphen, St. Petersplatz<br />

18.00 Filmpalast: Buster Keaton<br />

- Der General, Heimhof-Theater Burbach,<br />

Heimhofstr. 7a<br />

13. Dienstag<br />

20.00 Nachholkonzert vom Sommerfestival<br />

<strong>2017</strong>, Evi und das Tier, Le<br />

Cabaret Burlesque, Kulturhaus Lÿz,<br />

St.-Johann-Str. 18, Siegen<br />

15. Donnerstag<br />

19.00 FrauenMusical: Höchste Zeit!<br />

- Der Erfolg geht weiter, Gebr.-Busch-<br />

Theater, Hi.-Dahlbruch, Bernhard-<br />

Weiss-Platz 1<br />

20.00 2MannSongComedy: Die Feisten,<br />

Adam & Eva, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

16. Freitag<br />

20.00 Konzert mit Demon`s Eye,<br />

Anniversary in Purple, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18, (auch am<br />

17. Februar)<br />

17. Samstag<br />

19.00 Filmtheater Essen: Hokuspokus<br />

von Curt Goetz, Apollo-Theater<br />

Siegen, Morleystr. 1<br />

20.00 Ein musikalischer Kurzurlaub,<br />

Klara mit Gefühl, Heimhof-Theater<br />

Burbach-Würgendorf, Heimhofstr. 7a<br />

20.00 kreuztalkuktur, MIRJA BOES &<br />

die Honkey Donkeys: Für Geld tun<br />

wir alles, Stadthalle Krezttal, Am<br />

Erbstollen 7<br />

18. Sonntag<br />

15.30 VHS-Siegen, Dia-Vortrag:<br />

Mallorca - Wandertouren in der<br />

Sierra Tramuntana, KrönchenCenter<br />

Siegen, Markt<br />

Lesung mit Ben Redelings, am 19.1. ab 19 Uhr imKulturhaus Lÿz Siegen<br />

31. Mittwoch<br />

10.30 KinderTheater: Die Bremer<br />

Stadtmusikanten, Gebr.-Busch-Theater,<br />

Hilchenbach-Dahlbruch<br />

19.00 Ein romantischer Märchenspaß,<br />

Russian Circus on Ice: Schneewittchen,<br />

Siegerlandhalle Siegen<br />

3. Samstag<br />

19.00 Philharmonie<br />

Südwestfalen, Gala<br />

der Filmmusik,<br />

Apollo-Theater Siegen,<br />

(auch am 10.Februar)<br />

78 durchblick 4/<strong>2017</strong><br />

4/<strong>2017</strong> durchblick 79


Multivisions-Vortrag mit Klaus-Peter Kappest: Der Weg der Sinne,<br />

am 22. Februar ab 20 Uhr in der Evangelischen Kirche Erndtebrück<br />

16.30 Dia-Panoramavision, Korsika<br />

und Sardinien - Inselträume im Mittelmeer,<br />

Heimhof-Theater Burbach<br />

17.00 kreuztalkultur, Multivision-Vortrag<br />

, Heiko Beyer: 20 Jahre Südamerika,<br />

Stadhalle Kreuztal<br />

20. Dienstag<br />

20.00 Schauspiel, Die Marquise von O.,<br />

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste, Filmtitel<br />

wird noch bekannt gegeben, Kulturhaus<br />

Lÿz Siegen, St.-Johann-Str. 18<br />

22. Donnerstag<br />

15.00 Literaturcafé der Seniorenhilfe,<br />

Haus Herbstzeitlos Siegen<br />

20.00 LÿzMixVarieté, Kulturhaus Lÿz<br />

Siegen, St.-Johann-Str. 18,<br />

20.00 kreuztalkultur, Kabarett: Rolf<br />

Miller - Alles andere ist primär,<br />

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />

20.00 Musikalische Lesung, Navid<br />

Kermani & Mariana Sadovska,<br />

Apollo-Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

20.00 Multivisions-Vortrag: Rothaarsteig<br />

-Der Weg der Sinne, Klaus-<br />

Peter Kappest, Ev. Kirche Erndtebrück<br />

23. Freitag<br />

20.00 Kabarett, Nico Semsrott,<br />

Freude ist nur ein Mangel an Information<br />

3.0, Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-<br />

Johann-Straße 18<br />

20.00 Philharmonie Südwestfalen,<br />

Smetana, Bortkiewicz, Suk, Apollo-<br />

Theater Siegen, Morleystr. 1<br />

24. Samstag<br />

10.00 Theater-Workshop für Frauen<br />

und Männer: Und nachher ärgerste<br />

dich doch, Kulturhaus Lÿz, Siegen,<br />

17.00 Lesung, Elena Ferrante – Die<br />

Geschichte der getrennten Wege, Bücherei<br />

Burbach, Nassauische Straße 4<br />

20.00 Lesung, Barbara Auer und Christian<br />

Maintz: Ich hab dich so lieb, Heimhof-Theater<br />

Bu.-Würgendf., Heimhofstr.<br />

20.00 Die Uni Big Band Siegen als Kulturbotschafter,<br />

Kulturhaus Lÿz, Siegen<br />

25. Sonntag<br />

11.00 Jazzfrühstück im alten Feuerwehrhaus<br />

mit dem: Trio SNACKBOX,<br />

Netphen, St. Petersplatz<br />

15.00 Lesung, Wolfgang und Heike<br />

Hohlbein, Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-<br />

Johann-Str. 18 (auch um 20 Uhr)<br />

15.00 kreuztalkultur, Kreuztaler Teddybärenkonzert<br />

- Peter und der Wolf,<br />

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />

26. Montag<br />

17.00 Feuerwehrmann SAM rettet<br />

den Zirkus! - LIVE!, Siegerlandhalle<br />

20.00 kreuztalkultur, Till Brönner &<br />

Dieter ILG- Nightfall - Tournee 2018,<br />

Stadthalle Kreuztal, Am Erbstollen 7<br />

27. Dienstag<br />

19.00 Filmklub Kurbelkiste: Tomorrow<br />

– Die Welt ist voller Lösungen,<br />

Kulturhaus Lÿz, Siegen, St.-Johann-Str.<br />

19.30 Konzert, Kammermusik mit dem<br />

Linos Ensemble, Schloss Bad Berleburg<br />

28. Mittwoch<br />

20.00 Junge Bühne Hagen, Hallo<br />

Nazi, von Lutz Hübner& und Sarah<br />

Nemitz, Apollo-Theater Siegen<br />

Die Zeit – Deine Zeit<br />

Die Zeit geht nicht an dir vorbei,<br />

sie nimmt dich ständig mit,<br />

so lebe sie, wie sie auch sei<br />

und halt dich möglichst fit.<br />

Sie zeigt es dir im Spiegel an,<br />

die Falten werden mehr,<br />

gnadenlos sehn sie dich an,<br />

werden mehr und mehr.<br />

Die Zeit hat dich stets fest im Griff,<br />

sie malt ihr eig'nes Bild,<br />

verpasst dir so den letzten Schliff,<br />

nimms leicht und sei gewillt.<br />

Geh mit ihr, was sie auch tut,<br />

erwarte nicht zuviel,<br />

verliere niemals deinen Mut,<br />

verfolge nur dein Ziel.<br />

Sie holt dich ein auf Schritt und Tritt,<br />

machtlos schaust du zu,<br />

sie nimmt dich auf die Reise mit,<br />

bis zur ewigen Ruh.<br />

Gedichte<br />

von Helga Düringer<br />

Jahreswechsel<br />

Das Alte Jahr scheint jetzt zu fliehen,<br />

schenkt uns noch wenig Zeit,<br />

es ist, als wär’s auch nur geliehen,<br />

zählt bald schon zur Vergangenheit.<br />

Geheimnisvoll, liegt noch im neben,<br />

das Neue Jahr in tiefem Schlaf,<br />

doch bald bewegt sich schon der Hebel,<br />

der manchmal mild, doch hart auch traf.<br />

Fast alle wünschen wir uns Frieden,<br />

der endlich, nie mehr wird gestört,<br />

oh hätten wir den Hass gemieden,<br />

dann würde dieser Wunsch erhört.<br />

Zeitsuche<br />

Hast du die Zeit einmal gefunden,<br />

die Augenblicke – die Sekunden,<br />

Minuten- die die Stunden füllen,<br />

wo Stunden sich in Tage hüllen.<br />

Die Tage werden Wochen geben<br />

und Wochen in den Monat leben –<br />

Monate, die Jahre bringen,<br />

nur so, kann unsre Zeit gelingen.<br />

Ja die Zeit – so ist es eben,<br />

sie bestimmt dein ganzes Leben,<br />

täglich schwindet diese Zeit,<br />

entflieht in eine Ewigkeit.<br />

Auch die Ewigkeit wird schwinden,<br />

du wirst sie niemals wieder finden,<br />

getragen, von dem Flug der Zeit,<br />

taucht sie in die Unendlichkeit.<br />

Lesung mit Barbara Auer am 24.2. Heimhoftheater Burbach<br />

80 durchblick 3/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong><br />

4/<strong>2017</strong> durchblick 81


Unterhaltung / Impressum<br />

Es fiel uns auf …<br />

… dass Treppensteigen Kaffeetrinken ersetzen kann.<br />

Bei einer Leistungsflaute setzen viele auf Kaffee. Effektiver<br />

ist es Treppen zu steigen, fanden US-Forscher der<br />

Uni Georgia heraus. Koffein zeige keine beflügelnde Wirkung,<br />

während sich die Test-Frauen nach nur zehn Minuten<br />

Treppensteigen energiegeladener fühlten.<br />

…dass wir rund 100.000 Entscheidungen pro Tag<br />

treffen. Kaum zu glauben – aber nach einer Untersuchung<br />

des Personaldienstleisters metaBeratung treffen wir jeden<br />

Tag bis zu 100.000 große und auch kleine Entscheidungen.<br />

Das kann belanglos sein „Welche Hose ziehe ich an?“<br />

bis zur schwerwiegenden Entscheidung „Soll ich meinen<br />

Job kündigen?“<br />

…dass Gluten wichtig für das Herz ist. Wer auf glutenhaltige<br />

Lebensmittel verzichtet, ohne eine Glutenunverträglichkeit<br />

zu haben, erhöht unnötig sein Risiko für ein<br />

Herzleiden. Denn vor allem in Vollkornprodukten hat das<br />

Klebereiweiß einen wichtigen herzschützenden Effekt.<br />

Wer Gluten meiden muss, kann täglich einen Apfel essen,<br />

um seinem Herzen etwas Gutes zu tun.<br />

<br />

homa<br />

Gedächtnistraining – Lösungen:<br />

Schlagertexte: 1. 17 Jahr, blondes Haar. 2. Liebeskummer<br />

lohnt sich nicht, my Darling. 3. Schuld war<br />

nur der Bossa Nova. 4. Wind Nord/Ost, Startbahn<br />

null-drei. 5. Weiße Rosen aus Athen. Rätsel: Korb.<br />

Wochentag/Datum: 1. Dienstag, 25.6. / 2. Freitag,<br />

5.6. / 3. Freitag, 29.4. / 4. Montag, 3.5. / 5.<br />

Dienstag, 6.8. / 6. Montag, 08.10. / 7. Sonntag,<br />

28.7. / 8. Montag, 26.8. Sprichwörter: 1. Die<br />

dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln.<br />

2. Die Würfel sind gefallen. 3. Etwas durch die<br />

rosarote Brille sehen. 4. Wenn`s dem Esel zu<br />

bunt wird, geht er auf´s Eis. 5. Butter bei die Fische<br />

oder der Fisch stinkt vom Kopf her. 6. Perlen<br />

vor die Säue werfen. 7. Nachts sind alle Katzen<br />

grau oder die Katze lässt das mausen nicht.<br />

Zu guter Letzt:<br />

durch<br />

blick<br />

Gemeinnützige Autorenzeitschrift<br />

für Siegen und Siegen-Wittgenstein<br />

Herausgeber:<br />

durchblick-siegen Information und Medien e.V.<br />

Anschrift der Redaktion:<br />

„Haus Herbstzeitlos“, Marienborner Str. 151, 57074 Siegen<br />

Telefon 0271 61647, Mobil: 0171-6206413<br />

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de<br />

Internet: www.durchblick-siegen.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

dienstags bis donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr<br />

1. und 3. Dienstag im Monat auch von 15.00 bis 17.00 Uhr<br />

Redaktion:<br />

Anne Alhäuser; Maria Anspach; Ulla D'Amico; Ingrid Drabe (Veranstaltungen);<br />

Helga Düringer; Friedhelm Eickhoff (viSdP); Fritz Fischer;<br />

Eberhard Freundt; Eva-Maria Herrmann (stellv. Redaktionsleiterin);<br />

Ulrich Hoffmann (stellv. Redaktionsleiter); Erna Homolla; Erich<br />

Kerkhoff; Erika Krumm; Horst Mahle; Werner Müller-Späth; Rita<br />

Petri („Kurz Berichtet“); Helga Siebel-Achenbach; Tessie Reeh;<br />

Eberhard Wagner; Ulli Weber<br />

Bildredaktion:<br />

Thomas Benauer; Rita Petri (Leitung); Tessie Reeh; Nicole Scherzberg<br />

Internet:<br />

Thomas Benauer; Thomas Greiner<br />

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:<br />

Dr. Ingrid Leopold; Helmut Stähler; Bernadette von Plettenberg;<br />

Ernst Göckus; Eva Schumacher; Bruno Steuber; Johanna Kreuz; Otto<br />

Schneider; Gabi Bosch; Horst Feger; Hartmut Reeh; Heinz Stötzel;<br />

Anne Margret Eickhoff; Dagmar Imhof; Magdalene Meyer-Lange;<br />

Gestaltung:<br />

Friedhelm Eickhoff; Uli Hoffmann; Rita Petri<br />

Herstellung und Druck: Vorländer, Obergraben 39, 57072 Siegen<br />

Anzeigenanfrage: durchblick-siegen e.V. 0171-6206413<br />

oder 0271/61647; E-Mail: anzeigen@durchblick-siegen.de<br />

Es gelten die Mediadaten 12/2014 (www.durchblick-siegen.de)<br />

Erscheinungsweise:<br />

März, Juni, September, Dezember<br />

Verteilung:<br />

Nicole Scherzberg; Wolfgang von Keutz; Hannelore Münch;<br />

Dr. Horst Bach; Gerd Bombien; Hans Amely; Monika Müller;<br />

Christel Mahle; Maju Becker; Helmut Drabe; Maximilian Großhaus-<br />

Lutz; Dieter Vetter; Christel Schmidt-Hufer; Hans-Rüdiger Schmidt;<br />

Nadine Dören; Marianne Hoffmann und alle Redakteure<br />

Auflage: 23.000 Der durchblick liegt im gesamten Kreisgebiet kostenlos<br />

aus: in Sparkassen, Apotheken, Arztpraxen und Zeitungsverlagen, in der<br />

City-Galerie, in den Geschäften des Siegerlandzentrums und bei unseren<br />

Inserationskunden, in öffentlichen Gebäuden und vielen sozialen Einrichtungen<br />

der Wohlfahrtsverbände und Kirchen, in allen Rathäusern und<br />

Senioren-Sercicestellen des Kreises Siegen-Wittgenstein.<br />

Für die Postzustellung berechnen für vier Ausgaben jährlich<br />

ins Inland 8,00 Euro, ins Ausland 16 Euro.<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung<br />

der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, eingesandte<br />

Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte Beiträge werden nicht<br />

zurückgeschickt. Der Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung<br />

des Herausgebers gestattet.<br />

Gefunden in Wilnsdorf-Niederdielfen<br />

82 durchblick 4/<strong>2017</strong> 4/<strong>2017</strong> durchblick 83

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