24.11.2017 Aufrufe

syndicom magazin Nr. 2 - Lohn. Vom Wert der Arbeit

Das syndicom-Magazin bietet Informationen aus Gewerkschaft und Politik: Die Zeitschrift beleuchtet Hintergründe, ordnet ein und hat auch Platz für Kultur und Unterhaltendes. Das Magazin pflegt den Dialog über Social Media und informiert über die wichtigsten Dienstleistungen, Veranstaltungen und Bildungsangebote der Gewerkschaft und nahestehender Organisationen.

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<strong>syndicom</strong><br />

<strong>Nr</strong>. 2 Nov.–Dez. 2017<br />

<strong>magazin</strong><br />

<strong>Lohn</strong>.<br />

<strong>Vom</strong> <strong>Wert</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>


Ich wollte bei <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> einige<br />

Minuten sparen und habe Monate<br />

meines Lebens verloren.<br />

So viel Zeit muss sein:<br />

www.suva.ch/regeln<br />

Sicher arbeiten kostet keine Zeit. Schütze dich und deine Kollegen mit den<br />

lebenswichtigen Regeln und stoppe bei Gefahr die <strong>Arbeit</strong>.


Inhalt<br />

4 Teamporträt<br />

5 Kurz und bündig<br />

6 Die an<strong>der</strong>e Seite<br />

7 Gastautorin<br />

8 Dossier: <strong>Wert</strong> <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong><br />

16 <strong>Arbeit</strong>swelt<br />

21 GAV für Sunrise<br />

22 Politik<br />

24 Recht so!<br />

25 1000 Worte<br />

26 Freizeit<br />

28 Bisch im Bild<br />

30 Aus dem Leben von ...<br />

31 Kreuzworträtsel<br />

32 Inter-aktiv<br />

Liebe Leserinnen und Leser<br />

<strong>Lohn</strong> ist die Gegenleistung für Erwerbsarbeit.<br />

Auf <strong>der</strong> sicheren Seite sind alle Beschäftigten<br />

im Monatslohn. Doch auch nur dann, wenn man<br />

mit diesem <strong>Lohn</strong> ein Leben in Würde führen<br />

kann. Dafür braucht es engagierte Gewerkschafterinnen<br />

und Gewerkschafter.<br />

Uns braucht es auch, um einen wichtigen<br />

Grundsatz zu sichern: <strong>Lohn</strong> und <strong>Arbeit</strong>szeit<br />

sind untrennbar verbunden. Es darf nicht sein,<br />

dass projektbezogene <strong>Arbeit</strong> dazu führt, für<br />

gleichen <strong>Lohn</strong> immer mehr zu arbeiten. Das ist<br />

versteckter <strong>Lohn</strong>abbau und krank machende<br />

Ausbeutung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>skraft!<br />

Wer gesuchte Fähigkeiten hat, erhält einen<br />

höheren <strong>Lohn</strong>. Der Staat unterstützt Menschen<br />

bei <strong>der</strong> Aus- und Weiterbildung zu wenig. Umso<br />

wichtiger ist die For<strong>der</strong>ung, die <strong>Arbeit</strong>slosenkassen<br />

zu Bildungskassen auszubauen. Ebenso<br />

das Ziel, in allen GAV das Anrecht auf Aus- und<br />

Weiterbildung zu verankern.<br />

Doch das alleine reicht noch nicht. Im digitalen<br />

Zeitalter brauchen wir das Recht auf <strong>Arbeit</strong>.<br />

Und die Verkürzung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeit. Stellt euch<br />

vor, Frauen müssten für die Familie nicht mehr<br />

auf den halben <strong>Lohn</strong> verzichten, weil sie Teilzeit<br />

arbeiten. Von selbst kommt das nicht; das<br />

müssen wir uns erkämpfen. Als aktive Gewerkschafterinnen<br />

und Gewerkschafter, gemeinsam<br />

mit <strong>syndicom</strong>.<br />

4<br />

8<br />

21<br />

Mariem Kekic el Hachimi<br />

Präsidentin <strong>der</strong> Personalvertretung bei UPC


4<br />

Teamporträt<br />

AG <strong>Lohn</strong> in <strong>der</strong> visuellen Kommunikation<br />

Janine Fuchs (41)<br />

Gymnasium und Lehre als Grafikerin,<br />

MAS Design Culture, ZHdK. Seit zehn<br />

Jahren betreibt sie mit einem Partner<br />

das Büro GRAFIK2.ch im Impact Hub<br />

Zürich. Co-Grün<strong>der</strong>in von WE SHAPE<br />

TECH, <strong>der</strong> Bewegung zur För<strong>der</strong>ung von<br />

Diversität in <strong>der</strong> Technologiebranche.<br />

Jule Puppato-Krüger (40)<br />

Lehre zur Mediengestalterin, Studium<br />

Kommunikationsdesign (IN.D Düsseldorf),<br />

Grafikdesignerin in Werbeagenturen<br />

in DE und CH, 2014 CAS Typografie<br />

& Print an <strong>der</strong> ZHdK. Seit neun Jahren<br />

selbstständige Grafikdesignerin in<br />

Zürich: designhexe.com.<br />

Naomi Baldauf (39)<br />

Ausbildung zur visuellen Gestalterin an<br />

<strong>der</strong> HGKZ. Praktika in Designstudios in<br />

Tokio, z. B. Shiseido Package Design<br />

Department. Selbstständige Grafikdesignerin<br />

und Illustratorin in Zürich,<br />

Mitinhaberin des Papeterielabels<br />

Le pigeon voyageur. naomibaldauf.ch<br />

In den <strong>Arbeit</strong>sgruppen engagieren<br />

sich ausserdem: Roger Emmenegger,<br />

Grégoire Murith, Patrizia Pfenninger,<br />

Marina Rivero und Anne Siegenthaler.<br />

Text: Nina Scheu<br />

Bild: Michael Moser<br />

Wir entwickeln eine<br />

Umfrage, um den<br />

<strong>Wert</strong> kreativer <strong>Arbeit</strong><br />

beziffern zu können.<br />

«Die Digitalisierung verän<strong>der</strong>t unsere<br />

Berufe und damit auch das <strong>Lohn</strong>gefüge<br />

in den Branchen. Es war<br />

noch nie einfach, den <strong>Wert</strong> kreativer<br />

<strong>Arbeit</strong> zu beziffern. Aber in dem<br />

Masse, wie die globale Verfügbarkeit<br />

von grafischem Design selbstverständlich<br />

geworden ist, sind die<br />

<strong>Lohn</strong>vorstellungen <strong>der</strong> Auftraggeber<br />

gesunken. Bei Plattformen wie<br />

99Designs arbeiten alle GrafikerInnen<br />

gratis, ausser dem/<strong>der</strong> Glücklichen,<br />

<strong>der</strong> o<strong>der</strong> die schliesslich den<br />

Zuschlag erhält. Diese Entkoppelung<br />

des <strong>Lohn</strong>s von <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> bedrängt<br />

immer mehr auch die übrige Branche.<br />

Etablierte wie BerufseinsteigerInnen<br />

müssen die Kosten darum<br />

immer wie<strong>der</strong> neu aushandeln.<br />

Dabei sollte man doch von seinem<br />

Beruf leben können. Im Branchenvorstand<br />

wurde immer wie<strong>der</strong><br />

diskutiert, wie wichtig es ist, Löhne<br />

und Tarife transparent zu machen,<br />

um zu verhin<strong>der</strong>n, dass man gegeneinan<strong>der</strong><br />

ausgespielt wird.<br />

Ausgehend von einer Initiative<br />

<strong>der</strong> Tessiner KollegInnen entstanden<br />

drei regionale <strong>Arbeit</strong>sgruppen aus<br />

aktiven Mitglie<strong>der</strong>n, die das Problem<br />

konkret anpacken wollten. Weil wir<br />

neben <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> in unseren Grafikbüros<br />

niemals Zeit hätten, uns auf<br />

nationaler Ebene regelmässig zu<br />

treffen, koordiniert <strong>der</strong> Zentralsekretär<br />

bei <strong>syndicom</strong> die Treffen und<br />

verknüpft uns, sodass wir im ständigen<br />

Austausch miteinan<strong>der</strong> bleiben.<br />

Wir entwerfen eine Umfrage, die<br />

aufzeigen soll, zu welchen Bedingungen<br />

in <strong>der</strong> visuellen Kommunikation<br />

(von Agenturen und erfahrenen DesignerInnen<br />

bis zu frisch Diplomierten)<br />

gearbeitet wird. Dazu entwickeln<br />

wir einen Fragebogen, <strong>der</strong> auch Einblicke<br />

in die sich verän<strong>der</strong>nden<br />

<strong>Arbeit</strong>sformen geben soll: Wird<br />

Grafikdesign hauptberuflich ausgeübt<br />

o<strong>der</strong> brauchen die Leute daneben<br />

einen «Brotjob»? Genügt das<br />

Einkommen, um damit eine Rente<br />

aufzubauen, um eine Familie zu<br />

ernähren, o<strong>der</strong> nur knapp, um die<br />

Miete und die Krankenkasse zu<br />

bezahlen? Die Ergebnisse werden<br />

wir im nächsten Sommer veröffentlichen.<br />

Wir wollen auch zeigen, wie<br />

wichtig es ist, Löhne und Tarife zum<br />

Thema zu machen – und zusammen<br />

für Verbesserungen einzustehen.»


Kurz und<br />

bündig<br />

Verhandlungsstart Medien-GAV \ Billig-Korrektorat bei <strong>der</strong> NZZ<br />

Umfrage grafische Industrie \ Kongress Uni Global Post & Logistik<br />

Lichterlöschen bei <strong>der</strong> Billag \ Bezug Reka-Schecks 2017<br />

5<br />

GAV-Verhandlungen nach 13<br />

verflixten Jahren Stillstand<br />

Am 13. Oktober fand endlich die erste<br />

Verhandlungsrunde für einen neuen<br />

Gesamtarbeitsvertrag für die Medienschaffenden<br />

statt. 2004 hatten die<br />

Verleger den GAV gekündigt, jetzt wurden<br />

mit den Verhandlungsdelegationen<br />

von <strong>syndicom</strong> und impressum acht<br />

Termine und Themen festgelegt. Mehr<br />

dazu unter <strong>syndicom</strong>.ch/aktuell. (nsc)<br />

Ausgerechnet! NZZ lagert<br />

die Qualitätssicherung aus<br />

Die Korrektur <strong>der</strong> NZZ-Regionalblätter<br />

in <strong>der</strong> Ostschweiz wird nach Banja Luca<br />

ausgelagert. Zwar ging <strong>der</strong> Auftrag an<br />

eine deutsche Firma, doch die heuerte<br />

«in ihre Heimat zurückgekehrte Flüchtlinge»<br />

an, die vorher lange genug in<br />

Deutschland gelebt hätten, um Germanistik<br />

zu studieren. Natürlich geht es<br />

hier nicht um gutmenschige Stellenvermittlung,<br />

son<strong>der</strong>n darum, dass die<br />

KorrektorInnen in Bosnien und Herzegowina<br />

nur 13 Franken pro Stunde<br />

verdienen. Was die Auslagerung des<br />

Korrektorats für die Redaktionen und<br />

letztlich für die Qualität <strong>der</strong> Artikel<br />

bedeutet, kann erahnen, wer weiss,<br />

dass sogar die NZZ-Medien nicht nur<br />

orthografisch, son<strong>der</strong>n auch inhaltlich<br />

gegengelesen werden sollten. (nsc)<br />

Mitglie<strong>der</strong>umfrage in<br />

<strong>der</strong> grafischen Industrie<br />

2018 muss <strong>der</strong> Gesamtarbeitsvertrag<br />

<strong>der</strong> grafischen Industrie neu verhandelt<br />

werden. Im Vorfeld bitten wir die Mit -<br />

glie<strong>der</strong> <strong>der</strong> Branche, an einer Umfrage<br />

teilzunehmen, mit <strong>der</strong> wir erfahren<br />

wollen, wo <strong>der</strong> Schuh am meisten<br />

drückt. Auf <strong>syndicom</strong>.ch/GIV findet ihr<br />

auch eine Briefvorlage zur geplanten<br />

«Verbandsöffnung» des Viscom. (nsc)<br />

Kongress Uni Global<br />

Post und Logistik<br />

Die Herausfor<strong>der</strong>ungen im Postmarkt<br />

<strong>der</strong> Zukunft standen im Mittelpunkt des<br />

europäischen Kongresses <strong>der</strong> Post- und<br />

Logistikgewerkschaften. Insbeson<strong>der</strong>e<br />

die digitalen Herausfor<strong>der</strong>ungen und<br />

die universelle Leistungserbringung<br />

lieferten Diskussionsstoff. Dabei wurde<br />

klar, dass die Trennung von Brief- und<br />

Paketmarkt weitgehend unsinnig ist.<br />

Ganz im Gegenteil muss inskünftig von<br />

einem universellen Postmarkt gesprochen<br />

werden, bei dem Service public,<br />

Qualität und faire <strong>Arbeit</strong>sbedingungen<br />

im Zentrum stehen. (dro)<br />

Geordnetes Lichterlöschen<br />

bei <strong>der</strong> Billag<br />

Der Schock bei den Angestellten <strong>der</strong><br />

Billag sass tief, als <strong>der</strong> Bund im März<br />

2017 <strong>der</strong> Billag völlig überraschend den<br />

Auftrag für das Inkasso <strong>der</strong> Radio- und<br />

TV-Gebühren entzog. Denn dieser<br />

Entscheid führt sehr wahrscheinlich<br />

zum Aus <strong>der</strong> Billag.<br />

In <strong>der</strong> Zwischenzeit hat die Billag<br />

vieles unternommen, um die <strong>Arbeit</strong>smarkt<br />

fähigkeit ihrer Mitarbeitenden zu<br />

verbessern. Worklink unterstützt<br />

die Mitarbeitenden bei <strong>der</strong> Standortbestimmung<br />

und dem Bewerbungsprozess.<br />

Die Billag för<strong>der</strong>t ihrerseits<br />

die Aus- und Weiterbildung. Das Ziel<br />

ist, dass möglichst alle Mitarbeitenden<br />

ab 2019 eine Anschlusslösung haben.<br />

Die meisten <strong>Arbeit</strong>splätze sind bis am<br />

31.12.2018 gesichert, einzelne noch<br />

ein paar Monate darüber hinaus. (fsc)<br />

Informationen zum Bezug<br />

von Reka-Schecks 2017<br />

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu.<br />

Bekanntlich können alle Mitglie<strong>der</strong> von<br />

<strong>syndicom</strong> einmal im Jahr vergünstigt<br />

Reka-Shecks beziehen. Für alle Bestellungen,<br />

die bis am 20. Dezember 2017,<br />

15.00 Uhr, bei uns eintreffen, garantieren<br />

wir den Bezug im laufenden<br />

Jahr. Allerdings nur, wenn die Einzahlung<br />

vor dem 31. Dezember 2017<br />

erfolgt. Erste Bestellungen für 2018<br />

sind ab 10. Januar möglich.<br />

Für den Bezug stehen die folgenden<br />

Möglichkeiten zur Auswahl:<br />

<strong>Wert</strong>: 700 Fr., du zahlst 651 Franken<br />

<strong>Wert</strong>: 400 Fr., du zahlst 372 Franken<br />

<strong>Wert</strong>: 300 Fr., du zahlst 279 Franken<br />

Bearbeitungsgebühr 8 Fr. geschenkt.<br />

Die Bestellung erfolgt am einfachsten<br />

online auf my.<strong>syndicom</strong>.ch. Dabei<br />

benötigen wir nur den gewünschten<br />

Betrag, und schon ist die Bestellung<br />

erfasst. Du kannst auch eine Mail an<br />

info@<strong>syndicom</strong>.ch senden. Falls kein<br />

Internetzugang vorhanden ist, nehmen<br />

wir die Bestellungen auch über das<br />

Telefon entgegen (058 817 18 18). (red)<br />

Agenda<br />

November<br />

20.<br />

Wie ein gerechter <strong>Lohn</strong><br />

zustande kommt<br />

Movendo-Kurs D2.2.1702<br />

Kurs in <strong>der</strong> Jugendherberge, Zürich<br />

Inhalt: Faktoren für einen gerechten<br />

<strong>Lohn</strong>, rechtliche Grundlagen zu <strong>Lohn</strong><br />

und <strong>Lohn</strong>bestandteilen, Fallbeispiele,<br />

Analyse des eigenen <strong>Arbeit</strong>svertrags,<br />

<strong>Lohn</strong> im Fokus des Gleichstellungsgesetzes.<br />

Mit: Janine Junker (Rechtsanwältin).<br />

Anmelden unter:<br />

movendo.ch<br />

7./9./21.<br />

Buchtreff, <strong>der</strong> Treffpunkt von <strong>syndicom</strong><br />

für BuchhändlerInnen<br />

7. in Bern, Hotel National, 19 Uhr<br />

9. in Zürich, Rest. Cooperativo, 19 Uhr<br />

21. in Basel, Restaurant Pinar, 19 Uhr<br />

29.<br />

Journitalk:<br />

«Hauptsache, es flimmert»<br />

mit Beni Thurnheer. Medienzentrum<br />

Bundeshaus, Bern. 12 bis 13 Uhr.<br />

Dezember<br />

8./9.<br />

Jugend-Skiweekend<br />

<strong>syndicom</strong> lädt alle Mitglie<strong>der</strong> U31 zum<br />

diesjährigen Skiweekend in Davos ein!<br />

Geniesse unberührte Pulverschneehänge<br />

und endlose Tiefschnee-Abfahrten,<br />

und vergiss für einen Moment<br />

deinen Alltag. Für <strong>syndicom</strong>-Mitglie<strong>der</strong><br />

gratis! Für alle an<strong>der</strong>en: 80 Franken.<br />

19.<br />

Buchtreff, <strong>der</strong> Treffpunkt von <strong>syndicom</strong><br />

für BuchhändlerInnen<br />

Basel, Restaurant Pinar, 19 Uhr<br />

Bern und Zürich: Winterpause<br />

Januar<br />

22./23.<br />

Kurs für <strong>syndicom</strong>-Mitglie<strong>der</strong>: «In zwei<br />

Tagen zur eigenen Website — Joomla»<br />

Alle Infos auf: helias.ch<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/agenda


6 Die an<strong>der</strong>e<br />

Daniel Hügi<br />

Seite<br />

ist Geschäftsführer des Zeitung-Frühzustellbetriebs<br />

Presto Presse-Vertriebs AG, <strong>der</strong> <strong>der</strong> Post gehört. Er ist<br />

eidgenössisch diplomierter Organisator sowie Logistiker<br />

und Kaufmann.<br />

1<br />

Worin sehen Sie die Vorteile eines<br />

Gesamtarbeitsvertrags (GAV)?<br />

Der GAV ist eine gemeinsame<br />

Willensäusserung durch <strong>Arbeit</strong>geber<br />

und Gewerkschaften. Und trägt<br />

sowohl den sozialen Bedürfnissen<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>nehmer als auch den<br />

wirtschaftlichen Gegebenheiten des<br />

<strong>Arbeit</strong>gebers Rechnung. Dadurch<br />

trägt er dazu bei, den <strong>Arbeit</strong>sfrieden<br />

zu sichern.<br />

2<br />

Wie einigen Sie sich im Konfliktfall<br />

mit Ihren Mitarbeitenden?<br />

Für uns ist zentral, dass zwischen<br />

Mitarbeitenden und Führungsverantwortlichen<br />

ein Klima des Respekts<br />

und Vertrauens herrscht. Und dass<br />

sich die Mitarbeitenden im Konfliktfall<br />

an ihren Verträgerchef wenden.<br />

Es liegt in <strong>der</strong> Natur <strong>der</strong> Sache, dass<br />

nicht alle Konflikte nach den Vorstellungen<br />

<strong>der</strong> Mitarbeitenden gelöst<br />

werden können. Wichtig ist, dass die<br />

Mitarbeitenden ernst genommen<br />

werden und dass sie die Gründe für<br />

den gefällten Entscheid kennen.<br />

3<br />

Was sind die Aufgaben <strong>der</strong> Personalkommission<br />

in Ihrem Betrieb?<br />

In unserer Firma haben wir an jedem<br />

Standort eine Personalkommission.<br />

Ihre Aufgabe ist es, betriebliche<br />

Probleme zu thematisieren und<br />

bei <strong>der</strong> Lösung mitzuarbeiten – als<br />

Bindeglied zwischen den Mitarbeitenden<br />

und den Führungsverantwortlichen.<br />

4<br />

Wie bewerten Sie das <strong>Lohn</strong>niveau<br />

in Ihrer Branche? Liegt Presto höher<br />

o<strong>der</strong> tiefer als <strong>der</strong> Durchschnitt?<br />

Wir bieten Menschen mit unterschiedlichstem<br />

kulturellen und<br />

sozialen Hintergrund einen Nebenverdienst<br />

für 90 bis 120 Minuten<br />

<strong>Arbeit</strong> im Tag an. Der Printmarkt,<br />

in dem wir uns bewegen, ist bedauerlicherweise<br />

stark rückläufig und wird<br />

von Onlineangeboten substituiert.<br />

Dadurch ist das <strong>Lohn</strong>niveau für<br />

diesen Nebenverdienst auf einem<br />

eher tieferen Niveau. An<strong>der</strong>e in <strong>der</strong><br />

Zeitungsfrühzustellung tätigen<br />

Firmen bewegen sich auf demselben<br />

<strong>Lohn</strong>niveau.<br />

5<br />

Bei welchen Gelegenheiten haben<br />

Sie Kontakt mit Ihren Mitarbeitenden?<br />

Welche Klage hören Sie dann<br />

am häufigsten? Und welches Lob?<br />

Da sich mein Büro im Eingangsbereich<br />

unseres Standortes Bern<br />

befindet und meine Türe immer<br />

offen ist, komme ich oft ins Gespräch<br />

mit unseren Verträgerinnen und<br />

Verträgern. Ihnen gefällt die Unabhängigkeit<br />

bei <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> und die<br />

Möglichkeit eines Zusatzverdienstes<br />

vor <strong>Arbeit</strong>sbeginn ihres Haupt be rufs.<br />

Geklagt wird bei Anlieferverspätungen<br />

des Transportes und wegen <strong>der</strong><br />

damit verbundenen Wartezeiten.<br />

Diese werden jedoch entschädigt.<br />

6<br />

Was regt Sie an den Gewerk schaften<br />

richtig auf?<br />

Bei For<strong>der</strong>ungen <strong>der</strong> Gewerkschaften<br />

entsteht teilweise <strong>der</strong> Eindruck,<br />

dass diese nicht auf die wirtschaftliche<br />

Lage <strong>der</strong> Firma beziehungsweise<br />

<strong>der</strong> Branche abgestimmt sind.<br />

Text: Sina Bühler<br />

Bild: Yoshiko Kusano


Gastautorin<br />

«Der <strong>Lohn</strong> eines Künstlers ist <strong>der</strong><br />

Applaus», verkündet Reto Wyss, Vorsteher des<br />

Kulturdepartements des Kantons Luzern, um<br />

die Kürzung von 40 Prozent <strong>der</strong> Gel<strong>der</strong> für freie<br />

Kulturschaffende zu begründen. Und mit dieser<br />

selbstlosen Gesinnung steht er nicht allein da.<br />

Gibt es doch immer wie<strong>der</strong> diese Diskussionen<br />

um den lieben <strong>Lohn</strong>, und am Ende muss Künstlerin<br />

sich sagen lassen, sie sei so leidenschaftslos<br />

und geldgierig. Der Vermieter <strong>der</strong> Künstlerin<br />

ist jedoch mit <strong>der</strong> Aussage von Reto Wyss nicht<br />

einverstanden. Künstlerin: «Guten Tag. Ich kann<br />

nicht mehr so viel Miete bezahlen.» Vermieter:<br />

«Gut. Wir schauen, ob Ende Monat Ihre Zahlung<br />

bei uns eintrifft. Wenn nicht, müssen Sie ausziehen.»<br />

Künstlerin: «Darf ich Ihnen ein Angebot<br />

machen? Ich komme zu Ihnen ins Büro und<br />

applaudiere Ihnen für Ihre tolle <strong>Arbeit</strong>.» Um die<br />

drohende Kündigung zu vermeiden, sucht sich<br />

Künstlerin nun aber einen Job. <strong>Arbeit</strong>geber:<br />

«Tut uns leid. Mehr können wir Ihnen lei<strong>der</strong> nicht<br />

anbieten.» Künstlerin: «Ich habe ein Kind in Ausbildung<br />

und bin Alleinverdienerin.» <strong>Arbeit</strong>geber:<br />

«Wir bieten Ihnen viel Freiheit. Sie erstellen die<br />

Stundenpläne, erledigen die Kommunikation mit<br />

ihren Klassen und organisieren die Ausflüge.»<br />

Künstlerin: «Unbezahlt?» <strong>Arbeit</strong>geber: «Hätten<br />

wir nicht so hohe Personalkosten, würde unser<br />

Unternehmen ständig wachsen. Und wie Sie ja<br />

wissen, bedeutete das Wohlstand für alle.» Die<br />

Krankenkasse <strong>der</strong> Künstlerin ist zwar grundsätzlich<br />

mit dieser Haltung einverstanden, hat<br />

aber wenig Verständnis für die daraus entstehenden<br />

Schwierigkeiten. Künstlerin: «Guten Tag.<br />

Ich arbeite in einem Unternehmen. Die haben<br />

Probleme mit den Personalkosten. Könnten Sie<br />

für eine Weile meine Prämien aussetzen?»<br />

Krankenkasse: «Sind Sie verrückt?» Künstlerin:<br />

«Müsste ich keine Prämien bezahlen, wäre ich<br />

nicht so gestresst und viel gesün<strong>der</strong>. Und wie<br />

Sie ja wissen, gesunde Menschen bedeuten<br />

wachsende Unternehmen.» Krankenkasse: «Also<br />

das ist nun eine unzulässige Vereinfachung.»<br />

<strong>Vom</strong> <strong>Lohn</strong><br />

<strong>der</strong> Selbstlosen<br />

Johanna Lier ist Dichterin, Schriftstellerin<br />

und Journalistin. Sie ist viel in<br />

dieser Welt unterwegs und engagiert<br />

sich als Aktivistin für offene Grenzen und<br />

sichere Fluchtwege. Sie liebt Jugendliche<br />

und Kin<strong>der</strong> und arbeitet als Dozentin<br />

an <strong>der</strong> Kunsthochschule in Luzern und<br />

als Künstlerin im Schulhausromanprojekt.<br />

Dank guter <strong>Arbeit</strong>geberInnen bekommt<br />

sie zurzeit mehr als nur Applaus.<br />

7


Thema Dossier<br />

Unsere <strong>Arbeit</strong> ist mehr wert als unser <strong>Lohn</strong><br />

«Robokalypse»: So greifen sie Löhne, <strong>Arbeit</strong>szeit und GAV an<br />

Höhere Löhne gegen die Krise, Mindestlöhne in Neuenburg<br />

Erfolg im Tessin: 1000 Franken mehr <strong>Lohn</strong><br />

9<br />

<strong>Lohn</strong>.<br />

<strong>Vom</strong> <strong>Wert</strong><br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>


10 Dossier<br />

Unsere <strong>Arbeit</strong> ist mehr wert<br />

als unser <strong>Lohn</strong><br />

Rufen Sie den Telematiker zu Hilfe, fährt keine<br />

Einhun<strong>der</strong>t-Franken-Note vor. Son<strong>der</strong>n ein<br />

Mensch, <strong>der</strong> eine längere Berufsbildung hinter<br />

sich hat. Geld arbeitet nicht.<br />

Text: Bo Humair<br />

Bil<strong>der</strong>: Yoshiko Kusano<br />

Grafiken: Daniela Raggi<br />

Nur menschliche <strong>Arbeit</strong> schafft <strong>Wert</strong>. Ist dies ein banaler<br />

Satz? Sollte es eigentlich sein. Ökonomen von Verstand<br />

wissen das. Doch Banken behaupten das Gegenteil («Hier<br />

schwitzt Ihr Geld!»). Auch <strong>der</strong> Bundesrat scheint zu glauben,<br />

<strong>der</strong> Wohlstand <strong>der</strong> Schweiz komme vom Geld. Und<br />

sogar ein Teil <strong>der</strong> Ökonomen­Zunft verdient (gutes) Geld<br />

mit <strong>der</strong> Irrlehre, Geld schaffe <strong>Wert</strong>. Wahrscheinlich müssen<br />

sie das tun, denn sonst liessen sich die riesigen Kapitalgewinne<br />

kaum rechtfertigen.<br />

Geld misst (manchmal) <strong>Wert</strong>, produziert aber keinen.<br />

Geld schmiert die Ökonomie. Geld vermehrt sich. Aber<br />

neuen <strong>Wert</strong> schafft nur die lebendige <strong>Arbeit</strong>. Das ist die<br />

erste Sache, die man wissen muss, wenn man über die<br />

Löhne spricht.<br />

Die zweite Sache habe ich sehr jung erfahren. Als wir<br />

über meinen ersten richtigen <strong>Arbeit</strong>svertrag als Ökonom<br />

sprachen, erstarrte mein Vater. Er gönnte mir meinen<br />

<strong>Lohn</strong>. Aber er erkannte in diesem Moment, dass man ihm<br />

und seiner <strong>Arbeit</strong> als «techn. Konstrukteur» nach 35 Jahren<br />

nur etwa halb so viel <strong>Wert</strong> beimass wie meinem frisch<br />

gelernten Tun. Bis heute halte ich dies für ungerecht:<br />

Alles, was in meinem Job wirklich wichtig ist, habe ich von<br />

ihm gelernt. Zum Beispiel, wie man Tapeziernägel richtig<br />

in altes Holz treibt. Und wieso sollte meine <strong>Arbeit</strong> für die<br />

Gesellschaft nützlicher sein als seine?<br />

bezahlte <strong>Arbeit</strong> zu haben, wirft dich an den Rand <strong>der</strong><br />

Gesellschaft. Manchmal stimmt es ja auch, dass wir für<br />

beson<strong>der</strong>s gute <strong>Arbeit</strong> belohnt werden. Ein bisschen. Die<br />

Grundregel allerdings lautet an<strong>der</strong>s: Gute Löhne werden<br />

bezahlt, wenn die <strong>Arbeit</strong>enden beson<strong>der</strong>s gut organisiert<br />

sind.<br />

Mehr als zwei Dutzend ökonomische Studien belegen:<br />

Wo die Gewerkschaften stark sind und wo Gesamtarbeitsverträge<br />

gelten, sind die Löhne höher und die <strong>Arbeit</strong>sbedingungen<br />

besser als in den «ungeschützten» Bereichen<br />

<strong>der</strong> Wirtschaft. Sagt unter an<strong>der</strong>em die Internationale<br />

<strong>Arbeit</strong>sorganisation in Genf. Die Löhne spiegeln ein Kräfteverhältnis.<br />

Sie sind keine individuelle Angelegenheit,<br />

son<strong>der</strong>n eine Wasserstandanzeige für den Zustand einer<br />

Gesellschaft.<br />

Löhne sind keine individuelle Angelegenheit<br />

Das fängt damit an, dass die <strong>Arbeit</strong>enden mit dem <strong>Lohn</strong><br />

nur einen Teil des <strong>Wert</strong>es bekommen, den sie erarbeiten<br />

– den an<strong>der</strong>en Teil schnappen sich die <strong>Arbeit</strong>geber<br />

(denen wir in Wahrheit unsere <strong>Arbeit</strong> geben) für Kapitalzinsen,<br />

Gewinnentnahmen, Dividenden an die Aktionäre<br />

etc. Das ist keine ideologische Aussage, son<strong>der</strong>n die banale<br />

Geschäftsgrundlage unseres Gesellschaftssystems. An<strong>der</strong>s<br />

kann es nicht funktionieren. Je nach Land nehmen<br />

sich die <strong>Arbeit</strong>geber einen Drittel bis mehr als die Hälfte<br />

des <strong>Wert</strong>es, den wir schaffen.<br />

Lange funktionierte das ganz gut. Denn auf dieser<br />

Grundlage ist auch die Sozialpartnerschaft aufgebaut. In<br />

ihr wird <strong>der</strong> grundlegende Interessenkonflikt zwischen<br />

Was ein <strong>Lohn</strong> nicht aussagt<br />

Mit Nützlichkeit einer <strong>Arbeit</strong> hat <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong> wenig zu tun.<br />

Der CEO einer Grossbank, <strong>der</strong> Milliarden vernichtet, ist so<br />

nützlich wie Fusspilz, aber er kassiert dafür viele Millionen<br />

Franken <strong>Lohn</strong> und Boni. Eine Ärztin ist in <strong>der</strong> Regel<br />

nützlicher für uns und sie hat sich lange ausgebildet, also<br />

soll sie gut verdienen. «Verdienen»? Verdient es ein Pflegefachmann,<br />

einen so viel schlechteren <strong>Lohn</strong> als die Ärztin<br />

für seinen schweren Job zu haben? Warum soll ein Bürojob<br />

bei PostFinance viel mehr <strong>Wert</strong> sein als die <strong>Arbeit</strong> des<br />

Kabelverlegers, <strong>der</strong> uns mit <strong>der</strong> Welt verbindet?<br />

Mit dem <strong>Lohn</strong> ist es eine merkwürdige Sache. Wir<br />

wissen, dass Löhne ungerecht sind. In den 40 grossen Unternehmen<br />

<strong>der</strong> Schweiz, die von <strong>der</strong> Gewerkschaft Unia in<br />

ihrer <strong>Lohn</strong>schere­Studie regelmässig untersucht werden,<br />

verdienen die Topmanager und Topmanagerinnen durchschnittlich<br />

165­mal mehr als die Basismitarbeitenden<br />

(Studie 2017). An<strong>der</strong>s gesagt: Für eineinhalb Tage <strong>Arbeit</strong><br />

bekommen die Bestbezahlten so viel wie die Schlechtbezahlten<br />

für ein ganzes Jahr. Und dass Frauen für die<br />

gleiche <strong>Arbeit</strong> weniger verdienen als Männer, ist seit zwei<br />

Jahrzehnten schlicht verfassungswidrig und illegal.<br />

Dennoch neigen wir dazu, den <strong>Lohn</strong> als Mass für den<br />

<strong>Wert</strong> unserer <strong>Arbeit</strong> zu nehmen. Guter <strong>Lohn</strong>, mehr <strong>Lohn</strong>,<br />

viel <strong>Lohn</strong> erhöht in <strong>der</strong> Regel unser Selbstwertgefühl.<br />

<strong>Lohn</strong> ist Kaufkraft, <strong>Lohn</strong> ist Status, <strong>Lohn</strong> ist Sicherheit<br />

(Miete, Krankenkasse, AHV). Keinen <strong>Lohn</strong>, also keine<br />

<strong>Arbeit</strong>geber<br />

schnappen<br />

sich oft mehr<br />

als einen<br />

Drittel des<br />

<strong>Wert</strong>es, den<br />

wir schaffen.


<strong>Arbeit</strong> und Kapital auf Eis gelegt. Wir erhöhen die Produktivität<br />

und damit den <strong>Wert</strong>, die Aktionäre investieren, und<br />

wir bekommen unseren Teil an den Produktivitätsgewinnen.<br />

Zum Beispiel in Form von mehr <strong>Lohn</strong>. O<strong>der</strong> in Form<br />

von kürzeren <strong>Arbeit</strong>szeiten, mehr Ferien, Elternurlaub<br />

und an<strong>der</strong>en Vorteilen wie den Sozialversicherungen.<br />

Freiwillig geschah dies nicht, die <strong>Arbeit</strong>enden und ihre<br />

Gewerkschaften mussten das erzwingen, zum Teil mit<br />

harten Streiks. Die AHV war eine For<strong>der</strong>ung des Generalstreiks<br />

von 1918, realisiert wurde sie 1948.<br />

Seit Mitte <strong>der</strong> 1980er­Jahre bröckelt dieser Kompromiss.<br />

Nicht nur in <strong>der</strong> Schweiz. Die Unternehmen geben<br />

immer weniger von den Produktivitätsgewinnen an die<br />

<strong>Arbeit</strong>enden weiter. Gewinne und Boni explodieren, die<br />

Löhne stagnieren. Nur die Spitzenlöhne fliegen davon, die<br />

Aktionäre investieren lieber an den aufgeblähten Finanzmärkten<br />

als in <strong>der</strong> Produktion. Eine neoliberale Offensive<br />

nennen das die Ökonomen, die Ideologen des Finanzkapitalismus<br />

sprechen sogar von ihrer «Revolution». Das<br />

Wort trifft zu: Sie wollen den sozialen Ausgleich kippen.<br />

Die Revolution <strong>der</strong> Reichen schafft Armut<br />

Mit dieser Umverteilung von unten nach oben fachten sie<br />

den alten, stillgelegten Konflikt zwischen <strong>Arbeit</strong> und<br />

Kapital neu an. Die Ungleichheiten und die Kapitalkonzentration<br />

in den reichen Län<strong>der</strong>n sind inzwischen so<br />

schreiend, dass sogar das Weltwirtschaftsforum in Davos,<br />

das jährliche Treffen <strong>der</strong> Weltenlenker im Januar, den<br />

Notstand ausrief. In Deutschland hatten die Gewerkschaften<br />

gekuscht. Die Löhne gingen über Jahre zurück. Jetzt<br />

exportiert Deutschland mehr denn je, aber auch die Armut<br />

explodierte. Mehr als 16 Prozent <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden können<br />

heute von ihrem <strong>Lohn</strong> nicht mehr leben. Sie sind «working<br />

poor». Sogar die Weltbank for<strong>der</strong>te jetzt Deutschland auf,<br />

die Löhne massiv zu erhöhen. Wenn Menschen 100 Prozent<br />

arbeiten, aber um Sozialhilfe betteln müssen, verliert<br />

das Wirtschaftssystem jede Legitimität. Der neue französische<br />

Präsident Emmanuel Macron will nun dasselbe<br />

Modell auf Frankreich anwenden – und dafür die Gewerkschaften<br />

brechen.<br />

Die Schweizer Gewerkschaften wi<strong>der</strong>standen besser,<br />

in diesem Ringen um das sozialpartnerschaftliche Modell.<br />

In den 1990er­Jahren riefen hohe <strong>Arbeit</strong>gebervertreter das<br />

Ende <strong>der</strong> Gesamtarbeitsverträge aus. Die Gewerkschaften<br />

wehrten den Angriff ab. Handkehrum scheiterten später,<br />

2013, die Initiative für gerechte Löhne (1:12) und, 2014,<br />

die Mindestlohn­Initiative. Immerhin erlaubten es diese<br />

Initiativen, in <strong>der</strong> Praxis die Erhöhung <strong>der</strong> tiefsten Löhne<br />

durchzusetzen. Jetzt läuft im Streit um <strong>Lohn</strong>, <strong>Arbeit</strong>szeit<br />

und den <strong>Wert</strong> unserer <strong>Arbeit</strong> <strong>der</strong> nächste Angriff <strong>der</strong><br />

<strong>Arbeit</strong>geber. Via Digitalisierung versuchen sie, <strong>Arbeit</strong>sgesetz<br />

und GAV auszuhebeln. Ihr Ziel ist es, die <strong>Lohn</strong>quote<br />

zu verringern, also noch grössere Anteile am Wohlstand<br />

zu konfiszieren. Ein alter Traum <strong>der</strong> Aktionäre: Wachstum<br />

ohne Jobs, Gewinn ohne Löhne.<br />

Mehr zum Thema Verteilung <strong>der</strong> Löhne:<br />

verteilungsbericht.ch


12<br />

Dossier<br />

«Robokalypse»: So greifen sie<br />

Löhne, <strong>Arbeit</strong>szeit und GAV an<br />

Setzen die Gewerkschaften keine soziale<br />

Digitalisierung durch, werden die <strong>Arbeit</strong>geber<br />

den digitalen Umbau zur Zerstörung sozialer<br />

Errungenschaften nutzen.<br />

Text: Bo Humair<br />

Avenir Suisse ist die Lobby­Denkfabrik <strong>der</strong> Konzerne.<br />

Finanziert unter an<strong>der</strong>em durch Banken, Versicherungen,<br />

Multis und ... Swisscom. Jetzt freut sich Avenir Suisse<br />

über die Digitalisierung und verlangt die völlige Deregulierung<br />

des Schutzes <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden. Titel <strong>der</strong> Kampfschrift:<br />

«Wenn die Roboter kommen. Den <strong>Arbeit</strong>smarkt<br />

für die Digitalisierung vorbereiten.»<br />

Darin verraten die <strong>Arbeit</strong>geber ihre Absichten. Sie wollen<br />

viel mehr Flexibilisierung. Die <strong>Arbeit</strong>szeit soll nicht<br />

mehr von <strong>der</strong> Freizeit getrennt werden. Schluss mit<br />

<strong>Arbeit</strong>s zeiterfassung und Begrenzung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeit. <strong>Arbeit</strong>s­<br />

und Gesundheitsschutz würden zunehmend zu<br />

«bürokratischen Hin<strong>der</strong>nissen», schreibt Avenir Suisse.<br />

Ein schlechter Witz. Niemand hin<strong>der</strong>t einen Menschen<br />

daran, länger zu arbeiten, wenn er will. Niemand<br />

zieht um 18 Uhr den Stecker. Die <strong>Arbeit</strong>szeit zu entgrenzen,<br />

dient nur dazu, jene zur Mehrarbeit zwingen zu<br />

können, die nicht mehr arbeiten wollen.<br />

Der wüste Traum <strong>der</strong> Digitalisierer<br />

Das Idealbild <strong>der</strong> Konzerne ist eine Schweiz von Heimwerkern,<br />

die rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche<br />

dem <strong>Arbeit</strong>geber zur Verfügung stehen, auf Abruf arbeiten,<br />

schlecht entlöhnt sind und sozial nicht mehr abgesichert.<br />

Ihr Traum von <strong>der</strong> digitalen Zukunft.<br />

Was Avenir Suisse da plant, ist längst Teil einer umfassenden<br />

Offensive gegen die hart erkämpften Errun ­<br />

genschaften <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden. Bereits haben mehrere<br />

Par la mentarierInnen (unter an<strong>der</strong>em die Warenhaus­Lobbyistin<br />

Karin Keller­Sutter, FDP, und <strong>der</strong> Multi­Verwaltungsrat<br />

Konrad Graber, CVP) die weitgehende Lockerung<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeitregeln verlangt.<br />

Das würde zwar ein Referendum durch die Gewerkschaft<br />

kaum überstehen, spurt aber vor. In Wahrheit geht<br />

es darum, wie viel die <strong>Arbeit</strong> kostet. Frontal die Löhne anzugreifen,<br />

ist für die <strong>Arbeit</strong>geber schwierig. Leichter, so<br />

glauben sie, ist die Erhöhung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeit. Auch eine<br />

Form, die <strong>Lohn</strong>kosten zu senken.<br />

Ziel: <strong>Arbeit</strong>sverträge weg<br />

Doch die Lockerung des <strong>Arbeit</strong>sschutzes ist nur ein erster<br />

strategischer Schritt. Die Uberisierung <strong>der</strong> Schweiz ist<br />

ihr langfristiges Ziel. Das macht die «Studie» von Avenir<br />

Suisse in ihrem Ökonomen­Slang deutlich: «Digitale<br />

Güter sind grundlegend an<strong>der</strong>s. (...) In gewissen Bereichen<br />

könnten sogar Monopsone entstehen, grosse Plattform­Unternehmen,<br />

an denen man nicht vorbeikommt,<br />

wenn man eine bestimmte Tätigkeit ausüben will. Solche<br />

Plattformen könnten die Entlöhnung deutlich unter die<br />

Grenzproduktivität drücken.»<br />

Im Klartext: Hungerlöhne. Die Gewerkschaft <strong>syndicom</strong><br />

hat eine Gegenwehr entwickelt, gegen den Plan, immer<br />

mehr <strong>Arbeit</strong>ende ohne GAV im Auftragsverhältnis<br />

o<strong>der</strong> als Scheinselbstständige chrampfen zu lassen: Wir<br />

for<strong>der</strong>n einen universellen, geschützten <strong>Arbeit</strong>svertrag<br />

für jede Form von <strong>Arbeit</strong>. Heimarbeit («Freelance») am<br />

Bildschirm inklusive.<br />

Weitere Infos auf unserer brandneuen<br />

Website: <strong>syndicom</strong>.ch/<strong>Lohn</strong><br />

Die obersten Löhne ziehen davon<br />

1% besitzt mehr als 90%<br />

<strong>Lohn</strong>wachstum nach <strong>Lohn</strong>klasse 1996–2014, preisbereinigt<br />

+50%<br />

+43%<br />

+40%<br />

Oberstes<br />

1%<br />

Anteile an allen Reinvermögen<br />

nach Gruppen von<br />

Steuerpflichtigen, 2012<br />

9%<br />

besitzen<br />

34%<br />

+30%<br />

Tiefste<br />

+21%<br />

+16%<br />

0% Löhne<br />

1996<br />

10%<br />

+14%<br />

Mittlere<br />

+20%<br />

+10%<br />

Quelle: BFS<br />

Oberste<br />

10%<br />

2000 2004 2008 2012 1%<br />

besitzt 41%<br />

90%<br />

besitzen 25%


Dossier<br />

Höhere Löhne gegen die Krise<br />

13<br />

Warum Ökonomie keine<br />

Milchbüchlein-Rechnung ist<br />

Text: Bo Humair<br />

Beim Thema <strong>Lohn</strong> wird klar, warum die Ökonominnen<br />

und Ökonomen gerne eine Art Geheimsprache benützen.<br />

Sie soll die Machtverhältnisse verstecken und auch, dass<br />

ihre Lehre in Wahrheit von Ideologie und Täuschung<br />

bestimmt wird.<br />

Das hohe <strong>Lohn</strong>niveau in <strong>der</strong> Schweiz? Konzerne begründen<br />

damit Auslagerungen ins Ausland, an<strong>der</strong>e ihre<br />

<strong>Lohn</strong>drückereien. Könnte einleuchten, ist aber oft falsch.<br />

Entscheidend sind in Wahrheit die <strong>Arbeit</strong>skosten pro<br />

Stück (pro Dienstleistung etc.). Also: Wie viel jemand in<br />

einer Stunde wegschafft. Die Produktivität. Beispiel:<br />

Jemand verdient 30 Franken die Stunde und bedient<br />

10 Kundinnen. Der Job wird ausgelagert an einen Betrieb,<br />

<strong>der</strong> nur 20 Franken bezahlt. Rentabel? Nicht unbedingt.<br />

Wenn dort nur 6,5 Kunden pro Stunde bedient werden,<br />

arbeitet die Billiglohnfirma teurer. Theorie? Nein, Praxis.<br />

Studien aus diversen Branchen zeigen: Das reale <strong>Lohn</strong>niveau<br />

in <strong>der</strong> Schweiz ist in vielen Bereichen dank <strong>der</strong><br />

hohen Produktivität tiefer als an<strong>der</strong>swo.<br />

Doch das ist auch ein zweischneidiges Argument. Wir<br />

rufen nicht zur <strong>Arbeit</strong>shetze auf. Hohe Löhne haben volkswirtschaftlich<br />

grundsätzlich viele Vorteile. Zum Beispiel<br />

die Kaufkraft, also die Inland­ o<strong>der</strong> Binnennachfrage. Sie<br />

hat in <strong>der</strong> Schweiz nach 2007 die Krise abgefe<strong>der</strong>t. Erst <strong>der</strong><br />

spekulativ hohe Franken hat das am Ende gebrochen.<br />

Sogar die neoliberalen Organisationen wie <strong>der</strong> Internationale<br />

Währungsfonds rufen heute Deutschland auf, die<br />

Löhne stark zu erhöhen. Die <strong>Lohn</strong>zurückhaltung <strong>der</strong> Gewerkschaften<br />

dort hat zwar die Exporte beflügelt, aber<br />

auch die Armutsquote hochgetrieben. Und an<strong>der</strong>e Volkswirtschaften<br />

ins Elend gestürzt. <strong>Lohn</strong>erhöhungen sind oft<br />

das beste Mittel gegen die Krise. Kein geringes Paradox.<br />

Ökonomie ist eben keine Milchbüchlein­Rechnung. Und<br />

<strong>Arbeit</strong> ist keine Ware.<br />

Frauen beim <strong>Lohn</strong> diskriminiert<br />

Monatlicher Bruttolohn (Median) nach Ausbildung<br />

und Geschlecht, privater Sektor, 2014<br />

5128<br />

6171<br />

5408<br />

5000<br />

4337<br />

Ohne abgeschlossene<br />

Berufsausbildung<br />

8625<br />

7235<br />

Höhere Berufsausbildung,<br />

Fachschule<br />

Abgeschlossene<br />

Berufsausbildung<br />

9698<br />

7502<br />

Fachhochschule<br />

10906<br />

8426<br />

Universitäre<br />

Hochschule<br />

10000<br />

5000<br />

Quelle: BFS<br />

<strong>Arbeit</strong> muss angemessen bezahlt<br />

werden – egal, wer man ist.<br />

sgb.ch/aktuell/blog­daniel­lampart<br />

Tiefe Löhne und <strong>Lohn</strong>ungleichheit sind für viele Frauen und<br />

MigrantInnen Realität. Erhebungen zeigen: Frauen verdienen<br />

in <strong>der</strong> Schweiz 7,7 Mia. Franken weniger als Männer. Seit<br />

Jahrzehnten kämpfen wir Gewerkschaften für <strong>Lohn</strong>gleichheit.<br />

Im Parlament for<strong>der</strong>n wir die Einführung von zwingenden<br />

<strong>Lohn</strong>kontrollen mit Sank tionsmöglichkeiten. Sonst geht es<br />

nie vorwärts! Trotzdem besteht die Gefahr eines Papiertigers.<br />

Bundesrätin Simonetta Sommaruga sagte dazu kürzlich:<br />

«Im <strong>Lohn</strong>unterschied drückt sich letztlich nichts an<strong>der</strong>es aus<br />

als die Haltung: Die Frau ist weniger wert als <strong>der</strong> Mann. Und<br />

diese Haltung dulden wir nicht!» Die zunehmende Prekarisierung<br />

ist eine Folge <strong>der</strong> Digitalisierung <strong>der</strong> Wirtschaft,<br />

die beson<strong>der</strong>s die MigrantInnen trifft. Ihnen droht vermehrt<br />

die Auslagerung in Subunternehmen ohne Gesamtarbeitsvertrag<br />

mit schlechteren <strong>Arbeit</strong>sbedingungen und tieferen<br />

Löhnen. <strong>syndicom</strong> setzt alles daran, solche Konstrukte zur<br />

Umgehung <strong>der</strong> Vorschriften gesetzlich zu verhin<strong>der</strong>n.<br />

Patrizia Mordini ist Leiterin Gleichstellung<br />

und Mitglied <strong>der</strong> <strong>syndicom</strong>-Geschäftsleitung


14<br />

Dossier<br />

Der Kanton Neuenburg<br />

als erster Wegbereiter<br />

Mieten und Krankenkassenprämien<br />

fressen <strong>Lohn</strong>erhöhungen weg<br />

Verän<strong>der</strong>ung <strong>der</strong> verfügbaren Einkommen pro<br />

Monat nach Einkommensklassen, 2000-2014,<br />

in Franken<br />

Seit dem 4. August 2017 ist in Neuenburg<br />

<strong>der</strong> erste kantonale Mindestlohn <strong>der</strong> Schweiz<br />

in Kraft. Das Bundesgericht hat dies gegen<br />

den Willen <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>geber definitiv bestätigt.<br />

Das Gesetz schreibt vor, dass <strong>der</strong> Mindestlohn<br />

bei 20 Franken pro Stunde liegt.<br />

+2500<br />

+2000<br />

+1500<br />

+1000<br />

+500<br />

0<br />

-500<br />

-40<br />

Unterste 10%<br />

Mittlere Löhne<br />

+40<br />

+60<br />

+320<br />

+490<br />

Oberste 10%<br />

Oberstes 1%<br />

Quelle: Berechnungen SGB<br />

+940<br />

+1740<br />

+2750<br />

+3000<br />

Singles<br />

Familien<br />

2 Kin<strong>der</strong><br />

Singles<br />

Familien<br />

2 Kin<strong>der</strong><br />

Singles<br />

Familien<br />

2 Kin<strong>der</strong><br />

Singles<br />

Familien<br />

2 Kin<strong>der</strong><br />

Text: Yves Sancey<br />

Nun darf im Kanton Neuenburg kein <strong>Arbeit</strong>geber mehr<br />

einen Bruttolohn von unter 20 Franken pro Stunde auszahlen,<br />

was einem Bruttomonatslohn von mindestens<br />

3640 Franken (über 12 Monate) entspricht. Nach <strong>der</strong> Einreichung<br />

des Erlassentwurfs für einen Mindestlohn durch<br />

solidaritéS verstrichen elf Jahre, bis alle Hürden überwunden<br />

waren, welche die politische Rechte und die<br />

<strong>Arbeit</strong> geberschaft zur Verhin<strong>der</strong>ung dieses Grundprinzips<br />

<strong>der</strong> sozialen Gerechtigkeit aufgestellt hatten.<br />

Nach einer intensiven Kampagne <strong>der</strong> Gewerkschaften<br />

sagten die Neuenburger Stimmberechtigten im November<br />

2011 Ja zum kantonalen Mindestlohn. Aber vier Einsprachen<br />

mehrerer <strong>Arbeit</strong>geberverbände verhin<strong>der</strong>ten<br />

eine rasche Inkraftsetzung <strong>der</strong> neuen Bestimmung.<br />

Schliesslich lehnte das Bundesgericht (BGer) in seinem<br />

Entscheid vom 4. August die Rekurse gegen die gesetzlichen<br />

Bestimmungen zum Mindestlohn ab, <strong>der</strong> zudem<br />

mit einer Indexierungsklausel versehen ist. Nach<br />

Ansicht des obersten Gerichts handelt es sich hier um ein<br />

Instrument zur Armutsbekämpfung, das keinen Eingriff<br />

in die Wirtschaftsfreiheit darstellt.<br />

Rund 2700 Personen, die früher weniger verdienten,<br />

kommen nun in den Genuss des neuen Mindestlohns.<br />

2013 hatte <strong>der</strong> Kanton Jura eine Initiative für «anständige<br />

Löhne» angenommen, die noch nicht umgesetzt wurde.<br />

Das Tessin folgte 2015. Dieser Sieg im Kanton Neuenburg<br />

eröffnet schweizweit neue Wege.<br />

Der neue Mindestlohn muss nun angewandt und eingehalten<br />

werden. Dazu benötigt man Kontrollen. Die Gewerkschaft<br />

Unia verlangt vom Neuenburger Parlament,<br />

dass die Verwaltung genügend Mittel erhält, um diese<br />

Kontrollen durchzuführen.<br />

Hohe Löhne bedeuten nicht automatisch mehr Kaufkraft.<br />

So konnten die Gewerkschaften zwar erzwingen, dass die<br />

tiefsten Löhne etwas angehoben wurden (wie die Grafik<br />

auf Seite 12 zeigt). Aber steigende Mieten und Krankenkassenprämien<br />

haben die <strong>Lohn</strong>erhöhungen weggefressen,<br />

gerade bei den untersten Prämien. Für den Wohlstand<br />

einer Person o<strong>der</strong> einer Familie ist eben nicht entscheidend,<br />

wie hoch <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong> ist, son<strong>der</strong>n wie viel von diesem<br />

nach den Abgaben wie z. B. <strong>der</strong> Krankenkassenprämie<br />

noch übrig bleibt. Also, wie viel Einkommen tatsächlich<br />

zur Verfügung steht. Zieht man die Berechnungen des<br />

SGB zurate, erkennt man: Eigentlich haben von den <strong>Lohn</strong>erhöhungen<br />

nur die 10 Prozent Bestverdienenden profitiert.<br />

Für 90 Prozent <strong>der</strong> Bevölkerungen stagnierte das<br />

verfügbare Einkommen – o<strong>der</strong> ging sogar zurück.<br />

Analyse eines Rechtsanwaltsbüros:<br />

wal<strong>der</strong>wyss.com/publications/2119.pdf


Dossier<br />

Erfolg im Tessin:<br />

1000 Franken mehr <strong>Lohn</strong><br />

15<br />

Aus dem Kanton Tessin gibt es eine positive<br />

Nachricht zu vermelden: 1000 Franken mehr<br />

<strong>Lohn</strong> für die Fahrer kleiner Transportunternehmen,<br />

die für eine führende, auch international<br />

tätige Postdiensteanbieterin arbeiten.<br />

Text: Giovanni Valerio<br />

Das ist endlich einmal eine gute Nachricht für die <strong>Arbeit</strong>nehmenden<br />

und eine Erfolgsgeschichte für die Gewerkschaft:<br />

1000 Franken mehr <strong>Lohn</strong> in einem Kanton wie<br />

dem Tessin, wo die <strong>Arbeit</strong>swelt mit <strong>Lohn</strong>dumping zu<br />

kämpfen hat. Alles begann damit, dass unser Regionalsekretariat<br />

von den betroffenen <strong>Arbeit</strong>nehmenden auf<br />

eine Ungerechtigkeit aufmerksam gemacht wurde. Dabei<br />

handelte es sich um die Chauffeure kleinerer Transportunternehmen,<br />

die für einen bedeutenden, auch international<br />

tätigen Postdiensteanbieter arbeiten. Im Frühling<br />

dieses Jahres kam bei mehreren Treffen mit den<br />

Sekre tären von <strong>syndicom</strong> in Lugano ans Licht, dass die<br />

Fah rerInnen nicht mehr als zwölf Monatslöhne zwischen<br />

2500 und 3000 Franken erhalten, und zwar ohne Stundenabrechnung,<br />

Mahlzeitenvergütung o<strong>der</strong> Pausenregelung.<br />

Solche Bedingungen gibt es tatsächlich bei den Fahrerinnen<br />

und Fahrern von sogenannten Subunternehmern, an<br />

die die Postdienstaufträge weitervergeben werden.<br />

GAV unterschreiben, dann auslagern<br />

Die Leitung des Transportunternehmens wurde von den<br />

Gewerkschaftssekretären freundlich, aber bestimmt darauf<br />

hingewiesen, dass es für diesen Sektor einen Gesamtarbeitsvertrag<br />

gibt, den GAV KEP & Mail, <strong>der</strong> seit dem<br />

1. Juli 2016 in Kraft ist. Damit konnte <strong>syndicom</strong> zuerst auf<br />

regionaler Ebene den kleinen Transportunternehmen<br />

und dann auf nationaler Ebene dem grossen Postdiensteanbieter<br />

entgegentreten. Das Ergebnis ist ein voller Erfolg:<br />

Die Fahrerinnen und Fahrer haben eine <strong>Lohn</strong>erhöhung<br />

von bis zu 1000 Franken im Monat erhalten, was<br />

rund einem Drittel ihres früheren <strong>Lohn</strong>s entspricht.<br />

Trotz diesem Ergebnis sind die Signale, die <strong>der</strong> Sektor<br />

in den letzten Jahren ausgesendet hat, nicht gerade ermutigend.<br />

Marco Forte, Regionalsekretär in Lugano, hält<br />

fest, dass solche Phänomene immer häufiger zu beobachten<br />

sind. «Betriebe, die sich als sozial bezeichnen, unterschreiben<br />

den GAV, lagern den Dienst dann aber aus, um<br />

bei den <strong>Arbeit</strong>sbedingungen zu sparen. Dieser Fall ist<br />

symptomatisch: Nachdem die Gewerkschaft eingegriffen<br />

hatte, erinnerte sich <strong>der</strong> Betrieb an seine soziale Verantwortung<br />

und nicht zuletzt daran, dass er einen Ruf zu verlieren<br />

hat. In kurzer Zeit wurde das Problem gelöst und die<br />

Zusammenarbeit mit <strong>der</strong> Gewerkschaft aufgenommen.»<br />

Matteo Antonini, Zentralsekretär <strong>syndicom</strong>, betont, wie<br />

wichtig es ist, das Mittel des Vertrags weiterzuentwickeln:<br />

«Wir müssen unbedingt Kontrollmassnahmen vorsehen,<br />

da seit <strong>der</strong> Liberalisierung des Sektors im Jahr 2004 <strong>der</strong><br />

Wettbewerb immer nur auf Kosten <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>sbedingungen<br />

gespielt hat.<br />

Zum Dossier auf unserer brandneuen<br />

Website: <strong>syndicom</strong>.ch/<strong>Lohn</strong><br />

Fotostrecke<br />

Die Bil<strong>der</strong> zu diesem Themendossier machte die freischaffende<br />

Fotografin Yoshiko Kusano in den Kantinen <strong>der</strong> Druckerei<br />

Stämpfli (Seite 11) und von Swisscom (Seiten 1, 13, 14 und<br />

15) sowie während <strong>der</strong> Mittagspause im Aufenthaltsbereich<br />

beim Velokurier in Bern (Seiten 3 und 8/9).<br />

Auch die Pausen verbringen wir häufig am <strong>Arbeit</strong>sort. Unsere<br />

Lebenszeit ist meistens einiges mehr wert als <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>,<br />

den wir dafür erhalten. Darum bebil<strong>der</strong>n wir dieses Dossier<br />

mit Fotos von Pausen- statt von den <strong>Arbeit</strong>splätzen.<br />

yoshikokusano.com


16<br />

Eine bessere<br />

<strong>Arbeit</strong>swelt<br />

Guter <strong>Lohn</strong> und<br />

Freizeit sind ein Stück<br />

Zivilisation. Und erst<br />

noch ökonomisch<br />

notwendig.<br />

In manchen Köpfen wüten neuerdings<br />

Ideen aus frühkapitalistischen Zeiten,<br />

die wir für längst überwunden hielten.<br />

Etwa die Theorie des «natürlichen<br />

<strong>Lohn</strong>es» von Thomas Malthus (1766–<br />

1834). Richtig sei <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>, notierte<br />

<strong>der</strong> Pfarrer und Ökonom vor gut<br />

200 Jahren, wenn er gerade nur das<br />

Existenzminimum decke.<br />

Heute ist die Uber­Ökonomie mit<br />

Vollgas unterwegs zurück zu Malthus.<br />

Und manche Konzernstrategen liebäugeln<br />

schon wie<strong>der</strong> mit dem sogenannten<br />

«Subsistenzlohn», dem <strong>Lohn</strong>,<br />

<strong>der</strong> zum Leben nicht reicht. Betriebswirtschafter<br />

finden ihn nett, weil er<br />

die Profite erhöht. Volkswirtschaftlich<br />

ist er blanker Unsinn. Wer kauft dann<br />

das nächste iPhone?<br />

Doch als Gewerkschaft beharren<br />

wir auf einem an<strong>der</strong>en Punkt. In langen<br />

Kämpfen haben wir soziale Sicherheit,<br />

faire Löhne und freie Zeit errungen.<br />

Es geht um viel mehr als um<br />

Geld. Diese Trilogie ist Menschenrecht.<br />

Grundlage von sozialem Frieden<br />

und Zivilisation. Chance auf ein<br />

wenig Würde und Emanzipation. Das<br />

ist unsere Aufgabe, das haben wir<br />

nicht vergessen, auch dort nicht, wo<br />

wir noch solide GAV haben. (red)<br />

Manchmal muss man für bessere <strong>Arbeit</strong>sbedingungen und Löhne auf die Strasse. (© Margareta Sommer)<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/aktuell<br />

Erfolg im Kampf gegen<br />

Auslagerungen bei<br />

<strong>der</strong> SwissSign AG<br />

Die SwissSign AG ist neu ein Joint Venture<br />

zwischen den SBB und <strong>der</strong> Post.<br />

Bis dato war die SwissSign AG im Gesamtarbeitsvertrag<br />

(GAV) von Swiss<br />

Post Solutions (SPS) integriert. Das<br />

Joint Venture soll nach Meinung <strong>der</strong><br />

Post offenbar nicht mehr sozialpartnerschaftlich<br />

begleitet und gestaltet<br />

werden, denn die Post verlangte die<br />

Herauslösung <strong>der</strong> SwissSign aus SPS<br />

und damit verbunden eine höhere<br />

Flexibilität <strong>der</strong> Mitarbeitenden. Dies<br />

notabene bei einer höheren Wochenarbeitszeit<br />

sowie weniger Ferien und<br />

Freitagen. <strong>syndicom</strong> wehrte sich gegen<br />

die Auslagerung und zeigte sich in<br />

den Verhandlungen unnachgiebig. In<br />

<strong>der</strong> Folge mussten die Auslagerungsgelüste<br />

begraben werden. Der Versuch,<br />

die Errungenschaften des GAV<br />

mit Outsourcing zu umgehen, ist ganz<br />

schlechter Stil und wird von <strong>syndicom</strong><br />

immer mit aller Kraft bekämpft werden.<br />

(David Roth)


«Es geht bei den <strong>Lohn</strong>verhandlungen nicht nur um die Höhe <strong>der</strong> Löhne,<br />

son<strong>der</strong>n auch um die gerechte Verteilung bei Erhöhungen.» Daniel Münger<br />

17<br />

Heisser Herbst<br />

im Sektor Logistik<br />

<strong>Lohn</strong>runde 2018, Wahl des Stiftungsrats<br />

<strong>der</strong> Pensionskasse Post, neue <strong>Arbeit</strong>szeitberechnung<br />

«My Time» bei<br />

den Postboten, Verhandlungen des<br />

Gesamtarbeitsvertrags <strong>der</strong> Velokuriere<br />

... Das ist nur eine Auswahl <strong>der</strong><br />

brisanten und hochaktuellen Themen,<br />

welche die <strong>Arbeit</strong> im Sektor Logistik<br />

spannend, aber auch herausfor<strong>der</strong>nd<br />

machen. Die Vielfältigkeit<br />

verlangt den vollen Einsatz <strong>der</strong> Mitarbeitenden<br />

von <strong>syndicom</strong> und all unserer<br />

Vertrauensleute in den Betrieben.<br />

Bei den <strong>Lohn</strong>verhandlungen müssen<br />

wir alle einen speziellen Effort leisten.<br />

Es geht nicht nur um die reine Höhe<br />

<strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>summe, son<strong>der</strong>n mindestens<br />

genauso um <strong>der</strong>en gerechte Verteilung.<br />

Für die Paketboten gibt es<br />

grosse Verän<strong>der</strong>ungen bei <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeitberechnung.<br />

Das unbeliebte System<br />

AZB wird ersetzt durch «My Time».<br />

Nach monatelangen Verhandlungen<br />

tritt dieses endlich in die Testphase.<br />

Wir werden genau beobachten, ob die<br />

Transparenz und die Nachvollziehbarkeit<br />

unseren Ansprüchen genügen.<br />

Der Verhandlungsstand des GAV Velokuriere<br />

wird <strong>der</strong>zeit vor bestehenden<br />

und künftigen Mitglie<strong>der</strong>n präsentiert.<br />

Für <strong>syndicom</strong> ist es ein sehr<br />

wichtiger Schritt, den Geltungsbereich<br />

von GAV auch auf elektronische<br />

Plattformen auszuweiten und dabei<br />

mit einem anständigen Mindestlohn<br />

zu starten.<br />

Daniel Münger ist Leiter des Sektors Logistik<br />

und Mitglied <strong>der</strong> <strong>syndicom</strong>­Geschäftsleitung.<br />

Regionale Unterschiede führen zu<br />

Ungleichbehandlung bei PostAuto<br />

Weil die Umsetzung von Gesetzes- und GAV-Bestimmungen<br />

den regionalen PostAuto-Unternehmern überlassen wurde, kam<br />

es an einigen Orten zu Vertragsverletzungen. <strong>syndicom</strong> setzt<br />

sich mit den PeKos für eine Harmonisierung <strong>der</strong> Regelungen ein.<br />

Immer wie<strong>der</strong> kam es in <strong>der</strong> Vergangenheit<br />

vor, dass die Umsetzung des<br />

Gesetzes und <strong>der</strong> GAV­Bestimmungen<br />

an die Regionen von PostAuto überwälzt<br />

wurde. Die betroffenen Regionen<br />

haben diese Aufgabe jeweils unterschiedlich<br />

wahrgenommen. In <strong>der</strong><br />

Folge ergaben sich massive Unterschiede<br />

in <strong>der</strong> Umsetzung, die bis heute<br />

weiterbestehen und zur Ungleichbehandlung<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>nehmenden<br />

bei PostAuto führen.<br />

So zum Beispiel die GAV­Bestimmung<br />

zur verkürzten Absagezeit bei<br />

geplanten Diensten, welche in <strong>der</strong> regionalen<br />

Umsetzung durch nicht entschädigte<br />

Bereitschaftsdienste umgangen<br />

wurde. Das ist eine faktische<br />

Verletzung des GAV. Auch wurden Piketteinsätze<br />

geleistet, die für das Fahrpersonal<br />

von PostAuto gar nicht erlaubt<br />

sind.<br />

Personalkommissionen stärken –<br />

Harmonisierung erreichen<br />

<strong>syndicom</strong> versucht nun, auf nationaler<br />

Ebene engere Leitplanken zu setzen<br />

und die bereits im GAV geregelten<br />

Bestimmungen so zu präzisieren, dass<br />

eine Harmonisierung zwischen den<br />

einzelnen Regionen stattfinden kann.<br />

Gleichzeitig wollen wir die Personalkommissionen<br />

(PeKos) mit spezifischen<br />

Weiterbildungsangeboten stärken<br />

und stehen ihnen für alle Fragen<br />

rund um das Gesetz und die Anwendung<br />

des GAV als Anlaufstelle zur Verfügung.<br />

Denn aufgrund <strong>der</strong> Bestimmungen<br />

im <strong>Arbeit</strong>szeitgesetz kommt<br />

den PeKos bei PostAuto eine entscheidende<br />

Rolle zu. Der <strong>Arbeit</strong>geber ist<br />

verpflichtet, das Personal vor <strong>der</strong> endgültigen<br />

Festsetzung <strong>der</strong> Dienstpläne<br />

und Dienst einteilungen anzuhören.<br />

Ohne Zustimmung des Personals können<br />

auch keine Dienstschichten verlängert,<br />

Pausen gekürzt o<strong>der</strong> Zuschläge<br />

gestrichen werden.<br />

Verantwortungsvolle Führungspersonen<br />

haben schon längst erkannt,<br />

dass eine starke PeKo das Fundament<br />

eines guten Betriebsklimas ist. Denn<br />

wenn sich die Mitarbeitenden gut vertreten<br />

fühlen, identifizieren sie sich<br />

mit ihrem <strong>Arbeit</strong>geber, zeigen mehr<br />

Eigenverantwortung und engagieren<br />

sich im Berufsalltag verstärkt. (Sheila<br />

Winkler)<br />

Fairness fehlt: weil die Gesetze und <strong>der</strong> GAV unterschiedlich umgesetzt werden. (© Die Post)<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/ post­undfinanzdienstleistungen


18 <strong>Arbeit</strong>swelt<br />

«Die steigenden Krankenkassenprämien werden bei <strong>der</strong><br />

Berechnung <strong>der</strong> Teuerung nicht berücksichtigt.» Matteo Antonini<br />

Post: Es braucht mehr <strong>Lohn</strong><br />

und eine faire Verteilung<br />

Der Auftrag <strong>der</strong> Sektorkonferenz ist klar: Es braucht zwei<br />

Prozent mehr <strong>Lohn</strong> und endlich ein faires Verteilsystem<br />

für <strong>Lohn</strong> erhöhungen. Ansonsten droht ein Kaufkraftverlust,<br />

weil die Teuerung heute falsch berechnet wird.<br />

Bei den <strong>Lohn</strong>verhandlungen geht es darum, unsere Kaufkraft mindestens zu erhalten. (© <strong>syndicom</strong>)<br />

Die Erhöhung <strong>der</strong> Löhne und damit<br />

die Erhöhung o<strong>der</strong> zumindest die<br />

Garantie <strong>der</strong> Kaufkraft ist und bleibt<br />

die Hauptaufgabe einer Gewerkschaft.<br />

Wir müssen uns darum kümmern,<br />

dass die <strong>Arbeit</strong>nehmenden am Ende<br />

des Tages mehr in <strong>der</strong> Tasche haben.<br />

Aber immer stärker müssen wir auch<br />

auf die Frage <strong>der</strong> Verteilung <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>erhöhung<br />

fokussieren, genauso wie<br />

auf die Sicherstellung, dass vereinbarte<br />

<strong>Lohn</strong>erhöhungen und <strong>der</strong>en Verteilung<br />

auch entsprechend durchgesetzt<br />

werden. In den vergangenen Jahren<br />

haben wir sowohl individuelle als<br />

auch generelle <strong>Lohn</strong>erhöhungen erhalten.<br />

Das ist gerecht, weil alle ihren<br />

Beitrag für die positiven Abschlüsse<br />

<strong>der</strong> Post geleistet haben. Die Erhöhung<br />

ist allerdings weniger direkt im<br />

Portemonnaie zu spüren, dafür umso<br />

mehr in <strong>der</strong> Pensionskasse, in welche<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>geber jetzt höhere Beiträge<br />

leistet. Das ist eine Erhöhung, von <strong>der</strong><br />

insbeson<strong>der</strong>e Teilzeitangestellte und<br />

Junge profitieren.<br />

Transparent und nachvollziehbar<br />

Ein nächstes Ziel muss es sein, die<br />

ungerechte Verteilung innerhalb <strong>der</strong><br />

<strong>Lohn</strong>klassen zu reduzieren. Dafür<br />

müssen wir zuerst einen Mechanismus<br />

finden, mit dem wir diese systematischen<br />

Ungerechtigkeiten überhaupt<br />

erfassen können. Auf dieser<br />

Grundlage werden wir eine Systematik<br />

erarbeiten können, welche auch Vorgesetzte<br />

vor schwierigen Entscheidungen<br />

und in <strong>der</strong> Folge oft willkürlichen<br />

Verteilungen <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>erhöhung bewahrt.<br />

Erst wenn wir ein System haben,<br />

in dem die Erhöhung <strong>der</strong> Gesamtlohnsumme<br />

<strong>der</strong> Post nach einem<br />

klaren und transparenten Mechanismus<br />

funktioniert, können wir von<br />

einem Erfolg sprechen. Die Sektorkonferenz<br />

hat in ihrem Verhandlungsmandat<br />

festgehalten, dass zwei Prozent<br />

mehr <strong>Lohn</strong> und ein fairer<br />

Verteilmechanismus das klare Ziel für<br />

die kommenden <strong>Lohn</strong>verhandlungen<br />

sind.<br />

Teuerung neu denken<br />

In den Verhandlungen versuchen <strong>Arbeit</strong>geber<br />

oft, <strong>Lohn</strong>erhöhungen mit<br />

dem Verweis auf die fehlende Teuerung<br />

abzuweisen. Das werden wir<br />

auch in den kommenden Monaten<br />

wie<strong>der</strong> hören. Hier besteht allerdings<br />

ein Konstruktionsfehler in <strong>der</strong> offiziellen<br />

Teuerungsberechnung. Die ständig<br />

steigenden Krankenkassenprämien<br />

werden beispielsweise gar nicht<br />

berücksichtigt. Es ist an <strong>der</strong> Zeit, dass<br />

sich dies än<strong>der</strong>t. (Matteo Antonini)<br />

Alle News <strong>der</strong> Branche:<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/logistik<br />

PostFinance verpasst<br />

den Digitalisierungszug,<br />

und das Personal<br />

muss dafür bezahlen<br />

Victoria ist ein schöner Name. Er bedeutet<br />

«Siegerin». Aber manchmal<br />

verbergen sich hinter hübschen Bezeichnungen<br />

auch sehr unschöne Vorgänge.<br />

So finden unter dem klingenden<br />

Namen «Victoria» bei PostFinance<br />

<strong>der</strong>zeit riesige Umwälzungen statt.<br />

Zu gewinnen gibt es dabei für das Personal<br />

kaum etwas – im Gegenteil:<br />

Eben erst angekündigt wurden die<br />

Standortschliessungen in St. Gallen,<br />

Kriens und Münchenstein. 250 Personen<br />

droht eine Än<strong>der</strong>ungskündigung,<br />

120 Personen sollen ausgelagert werden,<br />

mit massiven <strong>Lohn</strong>einbussen.<br />

Das ist klassisches <strong>Lohn</strong>dumping und<br />

eine Umgehung des GAV. PostFinance<br />

rennt dem Digitalisierungszug hinterher<br />

und vergisst dabei, das Personal<br />

mitzunehmen.<br />

Die Digitalisierung hat nicht erst<br />

heute begonnen<br />

Jedenfalls werden die Hauruckübungen<br />

im Rahmen des vermeintlichen<br />

Siegeszugs («Victoria») mit <strong>der</strong> Digitalisierung<br />

begründet. Die kommt allerdings<br />

alles an<strong>der</strong>e als überraschend,<br />

die Umwälzungen begannen<br />

doch schon vor einigen Jahren. Doch<br />

die PostFinance­Führung hat es verpasst,<br />

gemeinsam mit dem Personal<br />

und den Gewerkschaften rechtzeitig<br />

die Folgen dieser Entwicklung zu diskutieren<br />

und gegebenenfalls abzufe<strong>der</strong>n.<br />

Dies muss sich än<strong>der</strong>n. Die Digitalisierung<br />

muss gemeinsam mit den<br />

Gewerkschaften bewältigt werden.<br />

<strong>syndicom</strong> hat an allen betroffenen<br />

Standorten zum Konsultationsverfahren,<br />

das jetzt notwendig ist, Versammlungen<br />

durchgeführt und von <strong>der</strong> Belegschaft<br />

das Mandat erhalten, sich in<br />

ihrem Namen einzubringen. Die Mobilisierung<br />

läuft auf Hochtouren – wir<br />

lassen niemanden im Regen stehen.<br />

(Roland Lamprecht)<br />

Roland Lamprecht ist Zentralsekretär des Sektors<br />

Logistik und betreut die Branche PostFinance.


«Zum Kernbereich <strong>der</strong> anlaufenden GAV-Verhandlungen gehören auch die Löhne<br />

und Honorare <strong>der</strong> Medienschaffenden.» Stephanie Vonarburg<br />

19<br />

Die Löhne <strong>der</strong><br />

Medienschaffenden:<br />

Wir verdienen mehr!<br />

Das Obligationenrecht erwähnt das<br />

Wort Gesamtarbeitsvertrag über fünfzig<br />

Mal! Dies veranschaulicht die tragende<br />

Rolle, welche dem GAV in <strong>der</strong><br />

Schweiz zukommt: Alle Mitglie<strong>der</strong> <strong>der</strong><br />

Verbände – aufseiten <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>geberinnen<br />

ebenso wie aufseiten <strong>der</strong><br />

<strong>Arbeit</strong>nehmenden – verpflichten sich<br />

in einem kollektiv verhandelten Vertrag,<br />

die <strong>Arbeit</strong>sbedingungenm branchen<br />

spezifisch zu regeln. Dazu gehört<br />

im Kernbereich auch <strong>der</strong> <strong>Lohn</strong> und für<br />

die freischaffenden JournalistInnen,<br />

die in <strong>der</strong> Regel als unselbstständig erwerbend<br />

gelten, das Honorar.<br />

Denn das <strong>Arbeit</strong>sentgelt sichert<br />

den angemessenen Lebensunterhalt<br />

<strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>abhängigen. Es beeinflusst<br />

zudem massgebend die finanzielle<br />

Situation im Alter. Es lohnt sich also,<br />

genau hinzusehen.<br />

Im allzu lange andauernden vertragslosen<br />

Zustand bei den privaten<br />

Medien haben sich die Löhne und insbeson<strong>der</strong>e<br />

die Honorare <strong>der</strong> Freien<br />

verschlechtert. <strong>Lohn</strong>umfragen wie<br />

diejenige im Buchhandel (siehe unten)<br />

zeigen: Nur ein GAV mit Mindestlöhnen<br />

hilft einer Branche, die Löhne<br />

trotz Wirtschaftskrise und Strukturwandel<br />

zu entwickeln. Daher gilt auch<br />

in den Medien vor allem eines: Die<br />

Löhne müssen verstärkt thematisiert<br />

werden. Darauf werden wir auch in<br />

den anlaufenden GAV­Verhandlungen<br />

<strong>der</strong> Medienbranche achtgeben.<br />

Stephanie Vonarburg ist Zentralsekretärin für<br />

die Branche Presse und elektronische Medien.<br />

<strong>Lohn</strong>erhöhungen nur dank GAV<br />

Eine gross angelegte Umfrage unter den Buchhändlern und<br />

Buchhändlerinnen in <strong>der</strong> Deutschschweiz zeigt, dass <strong>Lohn</strong>erhöhungen<br />

im Buchhandel nur dort umgesetzt wurden,<br />

wo es <strong>der</strong> Gesamtarbeitsvertrag verlangt.<br />

Vor zehn Jahren hat <strong>syndicom</strong> (damals<br />

noch als Mediengewerkschaft comedia)<br />

zum letzten Mal die Löhne im<br />

Deutschschweizer Buchhandel untersuchen<br />

lassen. Ziel <strong>der</strong> diesjährigen<br />

Studie war es, die <strong>Lohn</strong>situation im<br />

Deutschschweizer Buchhandel zehn<br />

Jahre nach <strong>der</strong> letzten <strong>Lohn</strong>studie mit<br />

<strong>der</strong> Situation von 2007 zu vergleichen.<br />

Dies nicht zuletzt, weil es bei den alljährlichen<br />

<strong>Lohn</strong>verhandlungen eine<br />

aktuellere Grundlage braucht, mit <strong>der</strong><br />

sich die gewerkschaftlichen For<strong>der</strong>ungen<br />

belegen lassen.<br />

Gerade im Buchhandel ist das jeweils<br />

kein einfaches Unterfangen,<br />

weil sich die Branche seit dem Fall <strong>der</strong><br />

Buchpreisbindung und aufgrund des<br />

starken Frankens, vor allem aber wegen<br />

des Siegeszugs mächtiger Onlinehändler<br />

wie Amazon, in einer ernsthaften<br />

Krise befindet.<br />

Die Ergebnisse <strong>der</strong> diesjährigen<br />

<strong>Lohn</strong>studie zeigen im Vergleich mit<br />

<strong>der</strong> letzten, dass die von <strong>syndicom</strong> mit<br />

dem SBVV ausgehandelten <strong>Lohn</strong>abschlüsse<br />

sich vor allem in den ersten<br />

Berufsjahren direkt auswirkten. 60%<br />

<strong>der</strong> Beschäftigten erhielten in den<br />

letzten zehn Jahren jedoch keine<br />

<strong>Lohn</strong>erhöhung; für langjährige Angestellte<br />

stagnierten die Löhne, denn<br />

mehr als <strong>der</strong> in den <strong>Lohn</strong>runden 2008,<br />

2009 und 2011 ausgehandelte Teuerungsausgleich<br />

(total 3,2%) schaute<br />

für die meisten nicht heraus. Anzeichen<br />

für zahleiche individuelle<br />

<strong>Lohn</strong>anpassungen, die oft als Argument<br />

gegen eine generelle <strong>Lohn</strong>erhöhung<br />

ins Feld geführt werden, können<br />

in <strong>der</strong> Analyse nicht eruiert werden.<br />

Stagnation bekämpfen<br />

<strong>syndicom</strong> folgert aus den Erkenntnissen<br />

<strong>der</strong> <strong>Lohn</strong>studie, dass es nur dank<br />

den GAV­Mindestlöhnen und den<br />

jähr lichen <strong>Lohn</strong>runden zwischen<br />

2007 und 2017 überhaupt eine <strong>Lohn</strong>entwicklung<br />

in <strong>der</strong> Branche gab. Dazu<br />

kommt, dass die Mindestlöhne erst<br />

mit über zehn Jahren in <strong>der</strong> gleichen<br />

Buchhandlung o<strong>der</strong> frühestens im Alter<br />

von 35 Jahren spürbar übertroffen<br />

werden. Wir schliessen daraus, dass<br />

für die Erzielung einer kontinuierlichen<br />

<strong>Lohn</strong>entwicklung die Einführung<br />

von weiteren Mindestlöhnen,<br />

z. B. ab dem 7. und 10. Berufsjahr, erfor<strong>der</strong>lich<br />

ist. Dafür werden wir uns<br />

in den nächsten GAV­Verhandlungen<br />

einsetzen. (Roland Kreuzer)<br />

Die Löhne im Buchhandel sind tief und bewegen sich nur dort, wo <strong>der</strong> GAV greift. (© <strong>syndicom</strong>/Yves Sancey)<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/buch


20 <strong>Arbeit</strong>swelt<br />

«Chancen und Risiken liegen beim Umgang mit<br />

künstlicher Intelligenz nahe beeinan<strong>der</strong>.» Giorgio Pardini<br />

Sinkende Löhne dienen<br />

den Rechtspopulisten<br />

Eine US-Studie zeigt, dass sich die Löhne seit Jahrzehnten<br />

im Sinkflug befinden. Sozialer Abstieg befeuert Ressentiments.<br />

Kein Wun<strong>der</strong>, erleben die Rechtspopulisten einen Höhenflug.<br />

Gewerkschaftsdemo in Detroit: Die wirtschaftliche Erholung ist nur Schein. (© Keith Douglas/Alamy Stock Foto)<br />

1973 verdiente ein Vollzeit arbeiten<strong>der</strong><br />

US­Amerikaner durchschnittlich<br />

54 030 Dollar im Jahr. 2016 waren<br />

es inflationsbereinigt nur noch<br />

51 640 Dollar. Das Durchschnittseinkommen<br />

sank also um 2390 Dollar.<br />

Dieser Bericht aus <strong>der</strong> «New York<br />

Times» stützt sich auf eine neue Studie<br />

aus den USA, mit <strong>der</strong> die lebenslangen,<br />

realen <strong>Arbeit</strong>seinkommen von<br />

mehreren Hun<strong>der</strong>t Millionen Amerikanerinnen<br />

und Amerikanern im Zeitraum<br />

von 1957 bis 2013 miteinan<strong>der</strong><br />

verglichen wurden.<br />

Die Studie zeigt, dass bis in die späten<br />

1960er­Jahre bei Männern das lebenslange<br />

mittlere <strong>Arbeit</strong>seinkommen,<br />

das sie zwischen ihrem 25. und<br />

55. Altersjahr erzielten, von Jahrgang<br />

zu Jahrgang gestiegen war. In den<br />

Anfängen des Neoliberalismus, in den<br />

späten 1960er­Jahren, stoppte dieser<br />

Wachstumsprozess. Seither sinken<br />

die lebenslangen <strong>Arbeit</strong>seinkommen<br />

von Jahrgang zu Jahrgang. Für rund einen<br />

Fünftel <strong>der</strong> Beschäftigten sieht es<br />

besser aus. Kombiniert mit <strong>der</strong> Zunahme<br />

<strong>der</strong> Vollzeitbeschäftigung steigen<br />

darum die Haushaltseinkommen in<br />

den USA in den offiziellen Statistiken.<br />

Kein Wun<strong>der</strong> misstrauen viele<br />

Menschen in den USA den offiziellen<br />

Statistiken. Wer von Jahr zu Jahr weniger<br />

zum Leben hat und für seine Kin<strong>der</strong><br />

keine Perspektive sieht, verliert<br />

den Glauben in Politik und Behörden<br />

– und wird anfällig für populistische<br />

For<strong>der</strong>ungen. Einige neigen zu<br />

Links populismus, in den USA verkörpert<br />

durch Bernie San<strong>der</strong>s. Noch stärker<br />

profitieren aber die rechtspopulistischen<br />

Bewegungen rund um den<br />

Präsidenten Donald Trump.<br />

Perspektive schützt vor Populismus<br />

Rechtspopulisten können sich nun<br />

sagen, in dem Fall brauche man nur<br />

die Löhne zu senken – und schon gewinnt<br />

man Wahlen. Dieses Rezept<br />

mag für eine gewisse Zeit aufgehen.<br />

Doch die Geschichte zeigt uns, dass<br />

letztlich alle verlieren. Denn <strong>der</strong><br />

Rechtspopulismus als Vorstufe zum<br />

Rechtsradikalismus macht vor nichts<br />

halt. Am Ende dieser Entwicklung<br />

stehen wir vor Trümmern.<br />

Wer seine <strong>Wert</strong>e über Generationen<br />

erhalten und vermehren will,<br />

sollte deshalb mit den Gewerkschaften<br />

zusammenspannen. Denn solange<br />

die <strong>Arbeit</strong>seinkommen die Menschen<br />

einigermassen zufriedenstellen<br />

und ihnen Perspektiven bieten, hat<br />

<strong>der</strong> Populismus keine Chance. (Franz<br />

Schori, Zentralsekretär Sektor ICT)<br />

Mehr Studien über die Einkommensverhältnisse<br />

in den USA: confrontingpoverty.org<br />

Transparenz<br />

bei künstlicher<br />

Intelligenz<br />

Wer sich heute auf <strong>der</strong> Website von<br />

PostFinance über <strong>der</strong>en Dienstleistungen<br />

informieren will, trifft auf<br />

einen digitalen Assistenten. Freundlich<br />

empfängt dieser den Kunden:<br />

«Guten Tag, ich bin Ihr digitaler Assistent<br />

und lerne laufend dazu. Wie kann<br />

ich Ihnen helfen?» Wir sind in einem<br />

Dialog mit <strong>der</strong> Maschine, tippen unsere<br />

Frage ein und erhalten blitzschnell<br />

eine professionelle Antwort. Dies ist<br />

angewandte künstliche Intelligenz<br />

(KI), im Fachjargon Chatbot genannt.<br />

Mit unseren Fragen an die KI lernt<br />

diese laufend dazu und erweitert so<br />

ihr «Wissen».<br />

In unserem Alltag treffen wir bewusst<br />

o<strong>der</strong> unbewusst immer öfter auf<br />

die künstliche Intelligenz. Chancen<br />

und Risiken <strong>der</strong> KI liegen sehr nahe<br />

beieinan<strong>der</strong>. Bei einem angemessenen<br />

Einsatz von KI zum Schutz <strong>der</strong><br />

Mitarbeitenden und zur Steigerung<br />

<strong>der</strong> Produktivität überwiegen sicher<br />

die Chancen.<br />

Doch dies setzt Transparenz voraus,<br />

damit wir wissen, mit wem wir es<br />

zu tun haben. Darüber hinaus ist die<br />

zentrale Frage zu beantworten, auf<br />

welcher Basis die KI Entscheidungen<br />

fällt? Der Entscheidungsprozess muss<br />

aufgezeichnet werden und zurückverfolgbar<br />

sein. Denn die Ethik, auf <strong>der</strong><br />

moralisches Handeln basiert, muss<br />

für die KI genauso gelten wie für den<br />

Menschen.<br />

Giorgio Pardini ist Leiter des Sektors ICT<br />

und Mitglied <strong>der</strong> <strong>syndicom</strong>­Geschäftsleitung.


Neu müssen Vorgesetzte bei Sunrise jetzt begründen,<br />

weshalb sie ein Gesuch um Weiterbildung nicht gewähren.<br />

21<br />

Sunrise­Hauptsitz bei Nacht: Ausserhalb <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>szeiten müssen Sunrise­Mitarbeitende jetzt nicht mehr zur Verfügung stehen. (© Bruno Helbling)<br />

Der erneuerte GAV Sunrise<br />

enthält erste Regelungen<br />

zur Digitalisierung<br />

Mit dem erneuerten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) bei Sunrise<br />

gelingt es <strong>syndicom</strong>, erste Pflöcke zur Digitalisierung <strong>der</strong><br />

<strong>Arbeit</strong>swelt einzuschlagen. Nur sozialpartnerschaftliche<br />

Regelungen ermöglichen es, <strong>der</strong> Digitalisierung <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>swelt<br />

rasch die soziale Verantwortung einzuimpfen. Ansonsten droht<br />

<strong>der</strong> Fortschritt auf Kosten <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>nehmenden zu gehen.<br />

Was in <strong>der</strong> konstruktiven Sozialpartnerschaft<br />

mit Sunrise erstmals gelungen<br />

ist, wollen wir nun in weitere GAV<br />

tragen. Dazu gehört das Recht auf<br />

«Abschalten»: Die zunehmende Flexibilisierung<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> erhöht die psychische<br />

Belastung am <strong>Arbeit</strong>splatz.<br />

Beson<strong>der</strong>s, wer über technische Geräte<br />

immer mit <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong> verbunden ist,<br />

hat Mühe, «abzuschalten» und sich zu<br />

erholen.<br />

Auch für Sunrise ist die Erholungszeit<br />

ihrer Mitarbeitenden wichtig, sodass<br />

Sunrise bei diesem Thema rasch<br />

bereit war, am Verhandlungstisch<br />

neue Wege zu finden. Dank dem GAV<br />

haben Sunrise­Mitarbeitende nun das<br />

Recht auf «Abschalten»: Sie müssen<br />

ausserhalb <strong>der</strong> vereinbarten <strong>Arbeit</strong>szeit<br />

für ihren <strong>Arbeit</strong>geber nicht mehr<br />

erreichbar sein.<br />

Aus- und Weiterbildung stärken<br />

In <strong>der</strong> digitalen Wirtschaft können<br />

sich die Anfor<strong>der</strong>ungen an die <strong>Arbeit</strong><br />

rasend schnell verän<strong>der</strong>n. Deshalb betonen<br />

auch <strong>Arbeit</strong>geberverbände die<br />

zunehmende Wichtigkeit des lebenslangen<br />

Lernens. Sunrise ist <strong>der</strong> erste<br />

Sozialpartner von <strong>syndicom</strong>, <strong>der</strong> sich<br />

offen gezeigt hat, die Aus­ und Weiterbildung<br />

seiner Mitarbeitenden im<br />

GAV zu stärken. So haben die Mitarbeitenden<br />

bei Sunrise neu einen expliziten<br />

Anspruch auf Aus­ und Weiterbildung.<br />

Damit drehen wir den Spiess<br />

um. In Zukunft müssen die Vorgesetzten<br />

begründen, weshalb sie im Einzelfall<br />

keine Weiterbildung zugunsten<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>smarktfähigkeit gewähren<br />

wollen.<br />

Grosszügige Urlaubsregelungen<br />

Für Mitglie<strong>der</strong> des <strong>syndicom</strong>­Firmenvorstands<br />

bei Sunrise ist <strong>der</strong> weitreichende<br />

Kündigungsschutz von herausragen<strong>der</strong><br />

Bedeutung. Weiter<br />

ver fügen alle aktiven <strong>syndicom</strong>­Mitglie<strong>der</strong><br />

über fünf bezahlte Urlaubstage<br />

pro Jahr für die Teilnahme an<br />

gewerkschaftlichen Konferenzen und<br />

drei bezahlte Urlaubstage für ihre gewerkschaftliche<br />

Ausbildung. Auch die<br />

Vereinbarkeit von Familie und Beruf<br />

wird immer wichtiger. Im erneuerten<br />

GAV­Sunrise konnten nun <strong>der</strong> Mutterschafts­<br />

und <strong>der</strong> Vaterschaftsurlaub<br />

verlängert werden. Ausserdem erhalten<br />

die Eltern bei Sunrise Unterstützung<br />

bei <strong>der</strong> Kin<strong>der</strong>betreuung.<br />

Mit den Neuerungen im GAV<br />

nimmt Sunrise ihre <strong>Arbeit</strong>geberrolle<br />

verantwortungsvoll wahr. Wir sind<br />

überzeugt davon, dass weitere Unternehmen<br />

diesem Beispiel folgen werden.<br />

So können wir Schritt für Schritt<br />

dazu beitragen, dass die digitale Umgestaltung<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>swelt mit sozialer<br />

Verantwortung erfolgt und damit<br />

auch von den Beschäftigten mitgetragen<br />

wird. (Christian Capacoel)<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/branchen/telecom/sunrise


22 Politik<br />

<strong>syndicom</strong> ist<br />

im Aufbruch<br />

Daniel Münger (56) leitete ab<br />

2015 den Sektor Logistik und<br />

ist Mitglied <strong>der</strong> <strong>syndicom</strong>­Geschäftsleitung.<br />

Jetzt hat ihn<br />

<strong>der</strong> Zentralvorstand zum<br />

Kandidaten für das Präsidentenamt<br />

bestimmt (das Interview<br />

fand vor dem Kongress<br />

statt). Der gelernte Metallbauschlosser<br />

und Fernmeldetechniker/Bauleiter<br />

arbeitet seit 1996 für die<br />

Gewerkschaften, ab 2009 als<br />

Zentralsekretär im Sektor<br />

IT/Telecom von <strong>syndicom</strong>.<br />

Seither haben sich die <strong>Arbeit</strong>swelt<br />

und das wirtschaftliche<br />

Umfeld für die <strong>syndicom</strong>­Berufe<br />

grundlegend<br />

gewandelt.<br />

Interview: Bo Humair<br />

Bild: Sam Buchli<br />

Gewerkschaften sind lebendige<br />

Wesen. Sie verän<strong>der</strong>n sich. <strong>syndicom</strong><br />

ist seit 2010 zur Netzwerk­ und<br />

Mediengewerkschaft zusammengewachsen.<br />

Mit allen Erschütterungen<br />

und Erfolgserlebnissen eines<br />

solchen Prozesses. Heute erzwingt<br />

<strong>der</strong> digitale Umbau, <strong>der</strong> immer<br />

mehr die Wucht einer vierten industriellen<br />

Revolution annimmt, eine<br />

intensive strategische Neuausrichtung.<br />

Daniel Münger, Mitglied <strong>der</strong><br />

Geschäftsleitung*, skizziert ihre<br />

Konturen.<br />

<strong>syndicom</strong>: Unsere Gewerkschaft<br />

sei im Aufbruch, haben Sie kürzlich<br />

gesagt. Wohin bricht sie denn auf?<br />

Daniel Münger: In jüngerer Zeit<br />

haben wir uns zu oft mit uns selbst<br />

beschäftigt. Jetzt ist gut damit.<br />

Die Gewerkschaft muss wie<strong>der</strong><br />

dahin, wo sie hingehört. Das wird<br />

uns einige Anstrengung kosten.<br />

Wir sind auf dem Weg ...<br />

... zurück zu den gewerkschaftlichen<br />

Fundamenten?<br />

Nicht nur. Wir sind die Organisation<br />

<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden in <strong>der</strong> Logistik,<br />

in <strong>der</strong> ICT, in den Medien. Die<br />

<strong>Arbeit</strong>enden schaffen den <strong>Wert</strong>,<br />

den Wohlstand. Also sollen sie ihre<br />

<strong>Arbeit</strong>sverhältnisse mitbestimmen<br />

können. Wir sind also eine Selbstorganisation.<br />

Als Sozialpartnerin<br />

in diversen Branchen und Betrieben<br />

haben wir für gute Gesamtarbeitsverträge,<br />

gute Löhne, faire Bedingungen<br />

und mehr zu sorgen. Das<br />

tun wir jeden Tag, das ist die Basis.<br />

Aber darüber hinaus müssen die<br />

<strong>Arbeit</strong>enden ein starkes Wort bei<br />

<strong>der</strong> Ausgestaltung <strong>der</strong> Zukunft<br />

haben. Wir sind in <strong>der</strong> digitalen<br />

Welt angekommen. Diese vierte<br />

industrielle Revolution wird unsere<br />

<strong>Arbeit</strong> und unser Leben verän<strong>der</strong>n.<br />

Doch wir stehen an ihrem Beginn,<br />

und sie ist noch formbar. Darum ist<br />

es für die <strong>Arbeit</strong>enden entscheidend,<br />

den digitalen Umbau offensiv<br />

mitzu gestalten.<br />

Was kann da mitgestaltet werden?<br />

Wird die Digitalisierung nicht<br />

einfach von <strong>der</strong> technischen<br />

Innovation getrieben?<br />

Die Technik ist ein wichtiger<br />

Treiber. Aber die Vorstellung, <strong>der</strong><br />

technische Sachzwang bestimme,<br />

wie wir künftig arbeiten und leben,<br />

ist falsch. Jene, die entscheiden,<br />

wo investiert wird, handeln nach<br />

ökonomischen Kriterien ...<br />

Gemacht wird, was Gewinn bringt?<br />

Genau. Und das bedeutet zweierlei:<br />

Erstens wird zuerst digitalisiert,<br />

wo kurzfristig gespart werden kann,<br />

also bei <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>. Viele Jobs sind<br />

in Gefahr. Wir von <strong>syndicom</strong> haben<br />

Erfahrung mit <strong>der</strong> Jobvernichtung<br />

durch Digitalisierung, weil sie<br />

schon vor vielen Jahren in Druck<br />

und Medien Einzug gehalten hat.<br />

Und zweitens werden viele Chancen<br />

<strong>der</strong> Digitalisierung so vergeben.<br />

Da müssen wir nachfragen: Von<br />

welchen Chancen sprechen Sie?<br />

Das Mögliche zu sehen, ist entscheidend,<br />

will man es möglich machen.<br />

Eine technisch­ökonomische Umwälzung<br />

wie die Digitalisierung<br />

kann eine Gesellschaft hervorbringen,<br />

in <strong>der</strong> die erwarteten hohen<br />

Produktivitätsgewinne für <strong>Arbeit</strong>szeitverkürzungen<br />

genutzt werden,<br />

in <strong>der</strong> schwere o<strong>der</strong> stupide <strong>Arbeit</strong>en<br />

von Maschinen erledigt werden<br />

und in <strong>der</strong> die Menschen mehr<br />

Freizeit und die Möglichkeit haben,<br />

sich weiterzubilden und zu entfalten.<br />

<strong>Arbeit</strong> 4.0, wie wir das nennen,<br />

kann uns von vielen Zwängen<br />

befreien. Aber sie kann uns auch in<br />

eine verarmte Heimarbeitenden­Gesellschaft<br />

ohne korrekte <strong>Arbeit</strong>sverträge<br />

und GAV, ohne <strong>Arbeit</strong>sschutz<br />

und Solidarität führen. In die totale<br />

Uberisierung, mit vielen Scheinselbstständigen,<br />

die auf Abruf<br />

arbeiten, schlecht bezahlt sind<br />

und keine soziale Sicherheit mehr<br />

kennen.<br />

Heute scheint das pessimistische<br />

Szenario realistischer. Seit einiger<br />

Zeit schon versuchen die <strong>Arbeit</strong>geber,<br />

die <strong>Arbeit</strong>szeit zu entgrenzen


«Die Digitalisierung kann uns von vielen Zwängen befreien. Aber sie kann uns auch in eine<br />

verarmte Heimarbeitenden­Gesellschaft ohne korrekte <strong>Arbeit</strong>sverträge und GAV, ohne <strong>Arbeit</strong>sschutz<br />

und Solidarität führen. (...) Deshalb müssen wir entschieden für die bessere, die soziale<br />

Digitalisierung kämpfen. Wir können das.»<br />

23<br />

«Die Stärke<br />

einer Gewerkschaft<br />

sind<br />

zuerst ihre<br />

Mitglie<strong>der</strong>,<br />

ihre Vertrauensleute<br />

und die innere<br />

Demokratie.»<br />

und die <strong>Arbeit</strong>sverträge aufzuweichen<br />

...<br />

Das geschieht, wenn wir diese<br />

wichtigen Entscheide den Aktionären<br />

und ihren Politikern überlassen.<br />

Nicht aber, wenn wir entschieden<br />

für die bessere, die soziale Digitalisierung<br />

kämpfen. Wir können das.<br />

Wir haben erste Lösungen entworfen.<br />

Zum Beispiel die Verankerung<br />

des Rechts auf <strong>Arbeit</strong> und den universellen<br />

<strong>Arbeit</strong>svertrag. Wir verlangen<br />

die Kontrolle des digitalen<br />

Taylorismus am <strong>Arbeit</strong>splatz. Ein<br />

Recht auf lebenslange Bildung.<br />

O<strong>der</strong> einen digitalen Service public.<br />

Die Digitalisierung verän<strong>der</strong>t also<br />

auch die Gewerkschaft: <strong>syndicom</strong><br />

erweitert ihr gewerkschaftliches<br />

Mandat?<br />

Das ist zwingend. Die <strong>Arbeit</strong>enden<br />

und ihre Organisationen müssen<br />

in die gesellschaftliche Debatte<br />

eingreifen. Schliesslich geht es<br />

darum, wie wir leben und arbeiten<br />

werden. Gute Digitalisierung<br />

braucht öffentliche Verhandlung,<br />

sozialpartnerschaftliche Abstimmung<br />

und eine starke, steuernde<br />

öffentliche Hand. Die Rechte <strong>der</strong><br />

<strong>Arbeit</strong>enden müssen gesichert und<br />

verstärkt werden. In den nächsten<br />

Jahren stehen diverse Gesamtarbeitsverträge<br />

zur Neuverhandlung<br />

an. Dabei werden wir unsere For<strong>der</strong>ungen<br />

für die <strong>Arbeit</strong> 4.0 auf den<br />

Tisch legen. Doch darüber hinaus<br />

wollen wir unseren Zielen auch<br />

öffentlich und politisch Nachdruck<br />

verleihen. Ich erwarte harte Auseinan<strong>der</strong>setzungen<br />

um die <strong>Arbeit</strong>szeit,<br />

die Datenhoheit und den <strong>Arbeit</strong>svertrag.<br />

Wir wappnen uns dafür.<br />

Wird <strong>syndicom</strong> sich durchsetzen<br />

können? Was zum Beispiel mit<br />

den Poststellen geschieht, macht<br />

uns wenig zuversichtlich.<br />

Das wird sich weisen. Unsere<br />

Kampagne nimmt Fahrt auf. Sogar<br />

das Parlament sieht heute dringenden<br />

Handlungsbedarf, und das ist<br />

eine Folge <strong>der</strong> Kampagne. Wir<br />

wollen möglichst viele Poststellen<br />

erhalten. Den das Poststellennetz<br />

steht für die Zukunft <strong>der</strong> Post in<br />

<strong>der</strong> digitalisierten Welt und wir<br />

wollen, dass die Struktur, die übrig<br />

bleibt, so stark ist, dass sie nachhaltig<br />

Bestand hat. Nur Nein zu<br />

sagen, führt zu Auslagerungen o<strong>der</strong><br />

zum langsamen Sterben. Unser<br />

Ziel ist, dass die Post ihre Zukunft<br />

mit uns, mit den <strong>Arbeit</strong>enden<br />

zusammen entwickelt.<br />

Wie stellt sich <strong>syndicom</strong> für die<br />

Konflikte auf, die Sie erwarten?<br />

O<strong>der</strong> konkreter gefragt: Was steht<br />

im Programm des designierten<br />

Präsidenten?<br />

<strong>syndicom</strong> gewinnt, wenn wir sämtliche<br />

Gremien und alle Beteiligten<br />

weit stärker in die Entscheidungsprozesse<br />

einbinden. Möglichst viele<br />

Mitglie<strong>der</strong> sollen an <strong>der</strong> Entwicklung<br />

unserer Ziele, Strategien und<br />

Aktionen teilhaben. Die Stärke einer<br />

Gewerkschaft sind zuerst ihre Mitglie<strong>der</strong>,<br />

ihre Vertrauensleute, die<br />

innere Demokratie und ihr Zusammenhalt.<br />

Ich habe die Gewerkschaft<br />

eine «Selbstorganisation <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>enden»<br />

genannt. Das ist genau <strong>der</strong><br />

Punkt. Heute sieht das auch eine<br />

starke Mehrheit <strong>der</strong> Leute im Profi­<br />

Apparat von <strong>syndicom</strong> genau so.<br />

Stark ist eine Gewerkschaft, wenn<br />

sie viele Mitglie<strong>der</strong> hat. Was sagen<br />

Sie einem Mann o<strong>der</strong> einer Frau<br />

mit höherer Qualifikation, um sie<br />

o<strong>der</strong> ihn für die Gewerkschaft zu<br />

gewinnen?<br />

Früher gab es in den Gewerkschaften<br />

diese Thematik Blue Collar<br />

gegen White Collar, Produktionsarbeitende<br />

gegen Angestellte.<br />

Tempi passati! Die Unterschiede<br />

verwischen sich. Auch höher<br />

Qualifizierte sind heute ständig<br />

wechselnden Qualifikationen,<br />

neuen Jobprofilen, Re­ und Umorganisationen,<br />

Berufswechseln,<br />

<strong>Lohn</strong>druck, längeren <strong>Arbeit</strong>szeiten<br />

und <strong>der</strong>en gesundheitlichen Folgen<br />

ausgesetzt. Ich denke, es setzt<br />

sich immer stärker das Verständnis<br />

durch, dass wir nur gemeinsam<br />

unsere Interessen als <strong>Arbeit</strong>nehmende<br />

durchsetzen können. Und<br />

ich habe keine Zweifel, dass <strong>syndicom</strong><br />

auch für diese Kolleginnen und<br />

Kollegen immer attraktiver wird. In<br />

unserer Mitgliedschaft ist ein hohes<br />

Wissen und Können versammelt.<br />

Das zeigt sich etwa in <strong>der</strong> Qualität<br />

unserer Vorschläge und For<strong>der</strong>ungen<br />

für die <strong>Arbeit</strong> 4.0.<br />

* Das Interview fand vor dem <strong>syndicom</strong>­<br />

Kongress statt. Zu diesem Zeitpunkt<br />

war Daniel Münger einziger Kandidat<br />

für das Präsidium <strong>der</strong> Gewerkschaft.<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/digitalisierung


24<br />

Recht so!<br />

Fragen an den <strong>syndicom</strong>-Rechtsdienst:<br />

Ich kontaktiere Sie, weil ich mit meinem <strong>Lohn</strong> unzufrieden<br />

bin: Ich verdiene als gelernte Buchhändlerin (30-jährig,<br />

fünf Jahre Berufserfahrung) in einer grösseren Buchhandels<br />

kette (Mitglied des Schweizer Buchhändler- und<br />

Verleger-Verbandes) seit meiner Anstellung vor fünf Jahren<br />

denselben <strong>Lohn</strong> und frage mich, ob dies zulässig ist.<br />

Können Sie mir mitteilen, ob und wie das Gesetz die<br />

<strong>Lohn</strong>höhe regelt und ob ich nach all den Jahren meiner<br />

Anstellung das Recht auf eine <strong>Lohn</strong>erhöhung habe?<br />

Ausserdem finde ich meinen <strong>Lohn</strong> recht mager. Sofern das<br />

Gesetz keine Vorgaben zur <strong>Lohn</strong>höhe macht, würde mich<br />

darum interessieren, ob ausserhalb des Gesetzes solche<br />

Vorgaben existieren, welche mein <strong>Arbeit</strong>geber einhalten<br />

muss. Ich gehe zudem davon aus, dass Sie die Durchschnittslöhne<br />

im Buchhandel kennen, und würde gerne<br />

von Ihnen wissen, ob Sie meinen <strong>Lohn</strong> (49 400 Franken<br />

im Jahr bei einem Beschäftigungsgrad von 100%) als<br />

angemessen erachten.<br />

Falls Sie den <strong>Lohn</strong> als zu tief einschätzen, wie kann<br />

ich vorgehen, um den mir zustehenden <strong>Lohn</strong> zu erhalten?<br />

Ich bin sehr gespannt auf Ihre Antworten.<br />

Freundliche Grüsse<br />

Frau E. M. aus T.<br />

Antwort des <strong>syndicom</strong>­Rechtsdienstes<br />

Im Gesetz steht zur <strong>Lohn</strong>zahlungspflicht<br />

bloss, dass die <strong>Arbeit</strong>geberin<br />

dem/<strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>nehmenden den <strong>Lohn</strong><br />

zu entrichten hat, <strong>der</strong> verabredet o<strong>der</strong><br />

üblich, durch Normalarbeitsvertrag<br />

o<strong>der</strong> Gesamtarbeitsvertrag bestimmt<br />

ist (Art. 322 Abs. 1 OR). Im Gesetz<br />

wird also kein Minimal­ o<strong>der</strong> Durchschnittslohn<br />

definiert, son<strong>der</strong>n in<br />

erster Linie auf die Vereinbarung –<br />

d. h. den <strong>Arbeit</strong>svertrag – verwiesen.<br />

<strong>Lohn</strong> ist also Verhandlungssache.<br />

Sofern keine <strong>Lohn</strong>höhe definiert<br />

wurde, ist <strong>der</strong> für die betreffende<br />

o<strong>der</strong> vergleichbare Tätigkeit übliche<br />

<strong>Lohn</strong> zu bezahlen. Ein gesetzlicher<br />

Anspruch auf <strong>Lohn</strong>erhöhung existiert<br />

nicht.<br />

Da ich Ihren <strong>Arbeit</strong>svertrag und ein<br />

allfällig geltendes Reglement nicht<br />

kenne, kann ich nicht beurteilen,<br />

ob Ihr <strong>Lohn</strong> vertragskonform ist. Da<br />

Ihr <strong>Arbeit</strong>geber Mitglied des SBVV<br />

ist, gilt für Ihr <strong>Arbeit</strong>sverhältnis <strong>der</strong><br />

Gesamtarbeitsvertrag für den Buchhandel<br />

<strong>der</strong> deutschsprachigen<br />

Schweiz. Diesen GAV hat <strong>syndicom</strong><br />

mit dem SBVV verhandelt. Jährlich<br />

werden zwischen den Sozialpartnern<br />

dieses GAV die Mindestlöhne ausgehandelt.<br />

Bei Ihrer Berufserfahrung<br />

beträgt <strong>der</strong> Mindestlohn zurzeit<br />

54 210 Fr. pro Jahr bei 100%. Ihr <strong>Lohn</strong><br />

liegt also unter dem Mindestlohn!<br />

Diesen muss <strong>der</strong> <strong>Arbeit</strong>geber zwingend<br />

bezahlen (auch rückwirkend).<br />

Um Ihnen die Frage nach dem<br />

angemessenen <strong>Lohn</strong> beantworten zu<br />

können, brauchen wir mehr Informationen<br />

wie Erfahrungen, Sprachkenntnisse,<br />

<strong>Arbeit</strong>sregion, Stellenanfor<strong>der</strong>ungen,<br />

<strong>Lohn</strong>system etc. Der<br />

Schweizerische Gewerkschaftsbund<br />

stellt auf seiner Website einen<br />

<strong>Lohn</strong>rechner zur Verfügung, wo<br />

Sie Anhaltspunkte zur <strong>Lohn</strong>höhe<br />

erhalten können. Kontaktieren<br />

Sie zudem unsere erfahrenen JuristInnen,<br />

welche Sie gerne beraten<br />

und, falls gewünscht, auch zu <strong>der</strong><br />

Verhandlung mit Ihrem <strong>Arbeit</strong>geber<br />

begleiten.<br />

<strong>syndicom</strong>.ch/recht/rechtso


1000 Worte<br />

Max Spring<br />

25


26 Freizeit<br />

Tipps<br />

100 Jahre Landesstreik:<br />

Ursachen, Konfliktfel<strong>der</strong>, Folgen<br />

Eine historische Tagung<br />

für alle Interessierten<br />

Mittwoch, 15. November 2017<br />

9.15–17.00 Uhr<br />

Hotel National, Bern<br />

Anmeldung:<br />

www.generalstreik.ch<br />

Weiterbildung: Wie kommen<br />

«gerechte Löhne» zustande?<br />

100 Jahre<br />

Landesstreik!<br />

<strong>Lohn</strong>, Honorar, Salär: ein Grundthema<br />

<strong>der</strong> Gewerkschaften. Nicht<br />

nur in den GAV­Verhandlungen<br />

und in <strong>der</strong> Rechtsberatung unserer<br />

Mitglie<strong>der</strong>, beim Aushandeln von<br />

Sozialplänen o<strong>der</strong> in den Diskussionen<br />

rund um den Kampf gegen<br />

die <strong>Lohn</strong>diskriminierung, auch<br />

in zahlreichen Weiterbildungskursen<br />

<strong>der</strong> Gewerkschaften dreht sich<br />

alles ums liebe Geld und die Frage,<br />

wie man für seine <strong>Arbeit</strong> gerecht<br />

entschädigt wird.<br />

Im vergangenen Oktober erhielten<br />

festangestellte und freischaffende<br />

<strong>syndicom</strong>­Mitglie<strong>der</strong> wertvolle<br />

Tipps zum Aushandeln besserer<br />

Löhne und Honorare. Das Feedback<br />

<strong>der</strong> 20 KursteilnehmerInnen war<br />

jedenfalls einhellig begeistert. Im<br />

November veranstaltet Movendo,<br />

das Bildungsinstitut <strong>der</strong> Gewerkschaften,<br />

einen Kurs, <strong>der</strong> sich mit<br />

rechtlichen Grundfragen rund ums<br />

Thema <strong>Lohn</strong> befasst. Die Teilnehmenden<br />

erfahren darin, wie <strong>der</strong><br />

<strong>Lohn</strong> zustande kommt und aus<br />

welchen Bestandteilen er sich zusammensetzt,<br />

und was die Faktoren<br />

sind, die einen gerechten <strong>Lohn</strong><br />

überhaupt erst möglich machen,<br />

sie analysieren ihre eigenen <strong>Arbeit</strong>sverträge<br />

und können dann auch<br />

fundiert beurteilen, inwieweit das<br />

Gleichstellungsgesetz bezüglich <strong>der</strong><br />

<strong>Lohn</strong>frage umgesetzt wurde. Und<br />

natürlich erhalten sie auch Tipps,<br />

wie sie ihr Wissen bei den nächsten<br />

Salärverhandlungen gewinnbringend<br />

einsetzen können. (nsc)<br />

«Wie ein gerechter <strong>Lohn</strong> zustande kommt»,<br />

Movendokurs D2.2.1702: 20. November<br />

2017 in Zürich, 390 Franken. <strong>syndicom</strong>­<br />

Mit glie<strong>der</strong> Ermässigung o<strong>der</strong> gratis. Das<br />

komplette Kursangebot und die Anmeldeformulare<br />

finden sich auf movendo.ch.<br />

100 Jahre Generalstreik<br />

Eine historische Tagung<br />

Im November 2018 jährt sich die<br />

grösste Massenstreikbewegung <strong>der</strong><br />

Schweizer Geschichte zum 100. Mal.<br />

250 000 <strong>Arbeit</strong>erInnen folgten dem<br />

Streikaufruf. Das Oltner Aktionskomitee<br />

for<strong>der</strong>te unter an<strong>der</strong>em den<br />

Achtstundentag und das Pro porzwahlrecht,<br />

das Frauenstimmrecht<br />

sowie eine Alters­ und Invalidenversicherung.<br />

Der Streik wurde abgebrochen,<br />

ohne dass die For<strong>der</strong>ungen<br />

erfüllt waren. Denoch kam es in<br />

<strong>der</strong> Folge zu Fortschritten bei den<br />

<strong>Arbeit</strong>sbedingungen, in <strong>der</strong> Sozialpolitik<br />

und bezüglich <strong>der</strong> politischen<br />

Teilhabe. In den kommenden<br />

Wochen und Monaten wird es<br />

zahlreiche Jubiläumsveranstaltungen<br />

geben. Den Auftakt macht am<br />

15. November die Tagung des<br />

Schweizerischen Gewerkschaftsbunds<br />

(SGB) in Bern. Sie zeigt den<br />

aktuellen Forschungsstand auf und<br />

bietet eine Plattform für alle Interessierten,<br />

sich mit HistorikerInnen<br />

darüber auszutauschen. Neben den<br />

Ursachen und damaligen Konflikten<br />

soll es auch um die Frage nach dem<br />

Erbe des Generalstreiks gehen und<br />

um seine Auswirkungen bis heute.<br />

Mit Silvia Arlettaz, Bernard<br />

Degen, Pierre Eichenberger, Dore<br />

Heim, Annette Hug, Elisabeth Joris,<br />

Hans Ulrich Jost, Stefan Keller,<br />

Christian Koller, Maria Meier, Marc<br />

Perre noud, Paul Rechsteiner,<br />

Roman Rossfeld, Andreas Thürer,<br />

Rebekka Wyler und Adrian Zimmermann.<br />

(red)<br />

15. November 2017, Hotel National, Bern.<br />

Alle Veranstaltungen: Generalstreik.ch<br />

Buchtipp: «Staatenlos»<br />

In ihrem dritten Buch hat Shumona<br />

Sinha an Intensität zugelegt.<br />

«Staatenlos» ist noch erschrecken<strong>der</strong>,<br />

noch aufwühlen<strong>der</strong> als seine<br />

Vorgänger. Ein Roman, <strong>der</strong> mich an<br />

Grenzen führt. Er erzählt von drei<br />

Frauen, die einer unerschütterlich<br />

scheinenden männlichen Ordnung<br />

gegenüberstehen, sich aber mit<br />

aller Kraft dagegen wehren. Ob in<br />

Paris o<strong>der</strong> Kalkutta, das Gefühl <strong>der</strong><br />

Heimatlosigkeit <strong>der</strong> drei gleicht<br />

sich. Wir erfahren von Mina, einer<br />

Analphabetin in <strong>der</strong> bengalischen<br />

Provinz, die von ihrem Cousin<br />

schwanger wird und weiss, dass<br />

man ihr nie erlauben wird, ihn zu<br />

heiraten. Sie begegnet Marie, die<br />

durch Indien reist, um ihrer Herkunft<br />

auf die Spur zu kommen.<br />

Als Baby von Franzosen adoptiert,<br />

sucht sie heute Halt in politischen<br />

Aktionen. Die dritte <strong>der</strong> Frauen<br />

heisst Esha und ist das Alter Ego<br />

<strong>der</strong> Autorin. Sie stammt aus intellektuellen<br />

Kreisen in Kalkutta und<br />

ist <strong>der</strong> französischen Sprache wegen<br />

nach Paris gezogen. Ihr Bestreben,<br />

im Gastland die Staatsbürgerschaft<br />

zu erhalten, wird zum Albtraum,<br />

sieht sie sich doch mit Rassismus<br />

und Frauenhass konfrontiert.<br />

Sinhas Sätze wirken bisweilen wie<br />

Schreie, die Geschichten überlagern<br />

sich und verknoten sich ineinan<strong>der</strong>.<br />

Ein unbequemes Buch, das Fragen<br />

zur Gewalt im Alltag stellt. (Christine<br />

Hunziker)<br />

Shumona Sinha, «Staatenlos»<br />

Edition Nautilus 2017, 160 S., ca. Fr. 28.90,<br />

ISBN 978­3­96054­047­2


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28 Bisch im Bild<br />

Begegnungen an <strong>der</strong> «Journée de la typographie» vom 30.9. in Nyon und am «Tag<br />

<strong>der</strong> Typografie» vom 9.§9. in Biel, die beide seit 1989 von <strong>syndicom</strong> mit organisiert<br />

werden. Fachleute und Studierende aus <strong>der</strong> visuellen Kommunikation treffen<br />

sich zu Vorträgen und Workshops mit internationaler Ausstrahlung.<br />

2<br />

3<br />

1<br />

5<br />

4


1­5 Journée de la typographie, Nyon (© Pierre­Antoine Grisoni, Strates.ch) 6­9 Tag <strong>der</strong> Typografie, Biel (© František Matouš)<br />

29<br />

6<br />

8<br />

7<br />

9


30<br />

Aus dem<br />

Leben von ...<br />

Patrizia Pfenninger<br />

Der <strong>Wert</strong> einer Idee<br />

Die in Zürich geborene und im Tessin<br />

aufgewachsene Patrizia Pfenninger<br />

erwarb 2003 ein Diplom in angewandter<br />

Kunst an <strong>der</strong> Tessiner Kunstgewerbeschule<br />

CSIA und 2006 einen Abschluss<br />

in visueller Kommunikation an <strong>der</strong><br />

SUPSI in Lugano. Neben ihrer selbstständigen<br />

Tätigkeit erwarb sie danach<br />

ein Diplom als Marketingspezialistin<br />

und einen Master in Interaction Design.<br />

Seit 2016 ist sie Präsidentin des<br />

Branchenvorstands Visuelle Kommunikation<br />

<strong>der</strong> Sektion Tessin und Moesano.<br />

Text: Giovanni Valerio<br />

Bild: Flavia Leuenberger Ceppi<br />

Es geht mir um den<br />

<strong>Wert</strong> geistiger <strong>Arbeit</strong>.<br />

«Der Bereich Kommunikation und<br />

Design ist eine faszinierende Welt,<br />

in <strong>der</strong> man eine Dienstleistung<br />

anbietet, die aus einem kreativen<br />

Teil und einem beratenden Aspekt<br />

besteht. Der Ausgangspunkt ist<br />

jedoch immer eine Idee. Deshalb<br />

habe ich die Plastik IDEA geschaffen,<br />

bei <strong>der</strong> die vier Buchstaben aus<br />

100­Euro­ Scheinen bestehen. Das<br />

Konzept ist einfach: Kreative<br />

Menschen haben Ideen, und diese<br />

schöpfen <strong>Wert</strong>, auch finanziellen.<br />

Die dreidimensionale Gestaltung<br />

des Wortes mit Geld ist eine Auffor<strong>der</strong>ung,<br />

sich unmit telbarer <strong>der</strong><br />

kulturellen Seite und des <strong>Wert</strong>es<br />

des Projekts bewusst zu werden.<br />

Die Plastik wurde letztes Jahr im<br />

Rahmen von «Communico», dem<br />

von unserer Sektion organisierten<br />

Tag des Designs und <strong>der</strong> visuellen<br />

Kommunikation, präsentiert. Damit<br />

begann ein Weg, <strong>der</strong> mich quer<br />

durch Italien, von Turin bis Neapel,<br />

führte. Mein Auftritt löste jedes Mal<br />

Diskussionen über den ökonomischen<br />

<strong>Wert</strong> geistiger <strong>Arbeit</strong> aus. Wer<br />

behauptet, von Kultur müsse man<br />

nicht leben können, vergisst, dass<br />

intellektuelle Berufe Umsatz und<br />

Beschäftigung generieren. Das ist<br />

ein typisches Gewerkschaftsthema.<br />

Schon als Studentin bin ich <strong>der</strong><br />

Gewerkschaft beigetreten, und seit<br />

2016 engagiere ich mich als Präsidentin<br />

des Branchenvorstands<br />

Visuelle Kommunikation. Oft habe<br />

ich ein Unbehagen gespürt und die<br />

Erfahrungsberichte von Kolleginnen<br />

und Kollegen gehört, die nicht angemessen<br />

bezahlt wurden. Wir stecken<br />

in einer Krise, aber ich empfinde<br />

die Krise als Wendepunkt und als<br />

Chance zur Entwicklung. Wir<br />

müssen reagieren!<br />

Was die Digitalisierung angeht,<br />

bin ich überzeugt, dass die Technologie<br />

die Prozesse vereinfacht. Aber<br />

Maschinen können den Geist nicht<br />

ersetzen. Hinter allem stehen <strong>der</strong><br />

Mensch und seine Kreativität. Ich<br />

habe nie aufgehört, zu erforschen,<br />

zu lernen und Neues zu entdecken.<br />

So habe ich beispielsweise in Miami<br />

eine Schulung zu Mind Mapping<br />

absolviert. Diese Technik ist in verschiedenen<br />

Bereichen sehr hilfreich<br />

und kann für die Planung<br />

von Kon ferenzen, die Ausarbeitung<br />

von Projekten, die Strukturierung<br />

<strong>der</strong> Gedanken und auch zum Lernen<br />

eingesetzt werden. Das ist perfekt<br />

für mich, denn ich liebe es, mit<br />

dem Kopf und den Händen etwas<br />

zu erschaffen!<br />

Als Kind steckte ich immer<br />

zwischen den Herden des Restaurants<br />

meiner Familie am Zürichsee.<br />

Das Restaurant hatte meine Grossmutter<br />

(eine leidenschaftliche Bildhauerin)<br />

gegründet, und bis vor<br />

wenigen Jahren war mein Vater <strong>der</strong><br />

Küchenchef. Ich bin ohne Zeitpläne<br />

aufgewachsen und lebe noch heute<br />

als Selbstständige so. Bis vor einigen<br />

Jahren hatte ich ein festes Atelier,<br />

aber inzwischen lasse ich mich<br />

ganz auf die Welt meiner Kunden<br />

ein und arbeite dort. Heute bin<br />

ich überzeugt, dass das die richtige<br />

Daseins­ und <strong>Arbeit</strong>sweise ist.»<br />

indica.ch


Impressum<br />

Redaktion: Marie Chevalley, Giovanni Valerio,<br />

œil extérieur: Nina Scheu<br />

Tel. 058 817 18 18, redaktion@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Porträts, Zeichnungen: Katja Leudolph<br />

Fotos ohne ©Copyright-Vermerk: zVg<br />

Layout und Korrektorat: Stämpfli AG, Bern<br />

Druck: Stämpfli AG, Wölflistrasse 1, 3001 Bern<br />

Adressän<strong>der</strong>ungen: <strong>syndicom</strong>, Adressverwaltung,<br />

Monbijoustrasse 33, Postfach, 3001 Bern<br />

Tel. 058 817 18 18, Fax 058 817 18 17<br />

Inserate: priska.zuercher@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Abobestellung: info@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

Abopreis ist im Mitglie<strong>der</strong>beitrag inbegriffen. Für<br />

Nichtmitglie<strong>der</strong>: Fr. 50.– (Inland), Fr. 70.– (Ausland)<br />

Verlegerin: <strong>syndicom</strong> – Gewerkschaft<br />

Medien und Kommunikation, Monbijoustr. 33,<br />

Postfach, 3001 Bern<br />

Das <strong>syndicom</strong>-Magazin erscheint sechsmal im Jahr.<br />

Ausgabe <strong>Nr</strong>. 3 erscheint am 26. Januar 2018<br />

Redaktionsschluss: 4. Dezember 2017.<br />

31<br />

Das <strong>syndicom</strong>-Kreuzworträtsel<br />

Zu gewinnen gibt es eine Hotelcard,<br />

gültig für ein Jahr, gespendet von<br />

unserer Dienstleistungspartnerin<br />

Hotelcard. Das Lösungswort wird in<br />

<strong>der</strong> nächsten Ausgabe zusammen mit<br />

dem Namen <strong>der</strong> Gewinnerin o<strong>der</strong> des<br />

Gewinners veröffentlicht.<br />

Lösungswort und Absen<strong>der</strong> auf einer<br />

A6-Postkarte senden an: <strong>syndicom</strong>-<br />

Magazin, Monbijoustrasse 33, Postfach,<br />

3001 Bern. Einsendeschluss: 20. Dez. 17.<br />

Der Gewinner<br />

Die Lösung des <strong>syndicom</strong>-Kreuzworträtsels<br />

aus dem <strong>syndicom</strong>-Magazin <strong>Nr</strong>. 1<br />

lautet: WEMAKEIT. Gewonnen hat<br />

Teddy Zigerli aus Biel/Bienne. Er erhält<br />

ein praktisches Cold Pack von unserer<br />

Dienstleistungs-partnerin KPT.<br />

Wir gratulieren herzlich!<br />

Was läuft bei den Pensionierten?<br />

Das neue <strong>syndicom</strong>-Magazin erscheint heute zum zweiten Mal, die neue Webseite ist online.<br />

Nun können wir euch auch über die Umsetzung des «Extrablatts» für die RentnerInnen informieren.<br />

Bald steht uns wie<strong>der</strong> eine Papier-Publikation mit spezifischen<br />

Inhalten für die RentnerInnen zur Verfügung, wie von vielen<br />

gewünscht! Es wird eine Beilage zum <strong>syndicom</strong>-Magazin geben,<br />

ein «Extrablatt». An <strong>der</strong> 7. Retraite des Nationalvorstandes<br />

<strong>der</strong> IG Pensionierte am 25. Oktober in Bellinzona sind die Details<br />

festgelegt worden.<br />

Dies sind die Eckdaten:<br />

• Erscheinungsweise flexibel bis zu 6-mal jährlich,<br />

je nach Menge des eingesandten Materials<br />

• Umfang flexibel: 2, 4, 6 o<strong>der</strong> 8 Seiten<br />

• alle drei Landessprachen werden in einer Ausgabe vereint<br />

• Die erste Nummer ist für Anfang 2018 angedacht<br />

Es hat sich eine Redaktionsgruppe gebildet, welche in<br />

freiwilligem Engagement die Zusammenstellung <strong>der</strong> Texte<br />

und Bil<strong>der</strong> übernimmt.<br />

Bitte beachtet, dass vorerst keine Einladungen im Magazin<br />

untergebracht werden können. Bis das «Extrablatt» steht, bitten<br />

wir euch, die aktuellen Einladungen weiterhin über den<br />

zentralen Monatsversand zu verbreiten. Hier die aktuellen<br />

Infos zum Vorgehen Monatsversand:<br />

• Mailadresse bleibt gleich: redaktion@<strong>syndicom</strong>.ch<br />

• Nur Einladungen senden, keine Berichte! Berichte vorläufig<br />

nur aufs Internet!<br />

• Die Einsendungen werden nicht gekürzt!<br />

• Einsendeschlüsse: einsenden bis Ende des Vormonats.<br />

Der Versand ist Mitte Monat bei den Leuten, spätestens am 15.<br />

• Im Januar hat man eine Woche länger Zeit, einsenden<br />

bis 8. Januar, bei den Leuten am 26. Januar 2018.<br />

Wir hoffen auf euer Verständnis, danken für eure Geduld und<br />

freuen uns auf die neue Publikation für die RentnerInnen.


32 Inter-aktiv<br />

<strong>syndicom</strong> social<br />

Warum Web first<br />

Big Data am <strong>Arbeit</strong>splatz –<br />

Datenschutz und Datendemokratie<br />

Wem gehören die Daten im Zeitalter von<br />

Big Data? Wie können wir sicherstellen,<br />

dass die Daten den Menschen nützen?<br />

Und wie den Schutz persönlicher Daten<br />

am <strong>Arbeit</strong>splatz verbessern und ausbauen?<br />

In einer digitalen Wirtschaft sind<br />

Datenschutzbedürfnisse zu achten und<br />

das Datenbewusstsein zu stärken.<br />

Der Zentralvorstand hat bestimmt,<br />

dass <strong>syndicom</strong> ihre Mitglie<strong>der</strong><br />

aktueller und schneller informieren<br />

soll. Der schnellste Kanal ist das<br />

Internet – und darum lautet die<br />

neue Strategie «Web first». Die<br />

Kommunikation zwischen <strong>der</strong> Gewerkschaft<br />

und euch Mitglie<strong>der</strong>n<br />

läuft in beide Richtungen schneller,<br />

präziser und vor allem direkter.<br />

@VivianeHoesli<br />

@<strong>syndicom</strong>_de Ich mag das neue @<strong>syndicom</strong>_de<br />

<strong>magazin</strong>.

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