s'Magazin usm Ländle, 26. November 2017

vorarlbergkrone

TIERSCHUTZ

Wie sieht’simLändle mit

Tierschutz aus,FrauKirchner?

INTER

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Als neue Tierschutzombudsfraudes Landes Vorarlberg setzt sich die Veterinärmedizinerin

Dr. Marlene Kirchner in den kommenden fünf Jahren für Tierwohl und Tierrechte im Ländle

ein. Welche Aufgaben sie dabei hat und wie die Lage in Sachen Tierschutz in Vorarlberg

bewertet, verrät sie im Interview mit „Krone“-Redakteur Harald Küng.

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Die neue Tierschutzombudsfrau

des Landes

Vorarlberg steht

uns imAnschluss an

eine Pressekonferenz,

in der sie sich und ihre Arbeit

der Öffentlichkeit vorstellte, Rede

und Antwort. Viel Zeit bleibt nicht

fürs Gespräch, Frau Kirchner muss

gleichweiter: „Esgibt viel zu tun.“

Frau Dr. Kirchner, Sie haben vor rund

anderthalb Monaten die Leitung der

Vorarlberger Tierschutzombudsstelle

übernommen. Welche Aufgaben umfasst

Ihr Bereich?

Meine Arbeit umfasst drei Kernaufgaben.

Erstens: Parteistellung für

Tiere vor Gericht in Verwaltungsund

Verwaltungsstrafverfahren.

Daneben verrichten wir auch Gremiumsarbeit,

etwa im Tierschutzrat,

der unter anderem das Österreichische

Gesundheitsministerium in

Tierschutzfragen wissenschaftlich

berät. Und der dritte Bereich umfasst

Bildungsarbeit auf dem letzten

Stand von Wissenschaft und

Ethik.

Wie darf man sich eine derartige

Parteistellung für Tiere vor Gericht

vorstellen?

Zu Beginn steht immer eine Meldung,

dass es zu einem Zwischenfall

gekommen ist und dabei möglicherweise

eine Gesetzesübertretung

stattgefunden hat – etwa

wenn jemand berichtet, dass vorsätzlich

ein Tier getreten oder geschlagen

wurde. So etwas ist nach

dem Österreichischen Tierschutzgesetz

nicht erlaubt und sollte angezeigt

werden. Dann treten erst

einmal die Amtsärzteauf denPlan,

die vor Ort feststellen, welcher

Sachverhalt vorliegt. Oftmals können

die Dinge sehr rasch aufgeklärt

undbereinigt werden.

Und wenn nicht?

Dann tritt unsere Stelle inAktion,

die weitere Prüfungen und Untersuchungen

anstellt. Diese Arbeit

verlangt eine hohe Genauigkeit,

man darfsich da keinerlei Fehler erlauben.

Für den Beschuldigten folgt

zudem ein sogenannter Verbesserungsauftrag,

welcher mit einer

Frist verbunden ist. Die Tierschutzombudsstelle

hat dann die Möglichkeit,

eine Stellungnahme zum Fall

abzugeben. Handelt es sich um

einen schwerwiegenden Fall, bei

dem es zum Verfahren kommt, habe

ich Akteneinsicht, darf alle Aussagen

lesen etc.ImProzessselbsthabe

ich zudem die Möglichkeit, die Beschuldigten

zu befragen und Stellungzubeziehen.

Nachdem Verfahren

wird die TSO informiert, wie

der Prozess ausgegangen ist. Wir

benachrichtigen auch die Landesregierungüber

all unsere Tätigkeiten.

Wie schwierig ist es, Tierleid abzuschätzen

–nicht zuletzt aufgrund der

beschränkten Kommunikationsmöglichkeiten?

Es gibt heute zahlreiche wissenschaftliche

Verfahren, die wir

anwenden können, um die

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