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2004-03

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durch<br />

blick<br />

Nr. 3/<strong>2004</strong><br />

19. Jahrgang<br />

... nicht nur für Senioren<br />

MEINUNGEN<br />

KRITISCHES<br />

INFORMATIONEN<br />

PERSPEKTIVEN<br />

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Eiserfelder in<br />

Mexiko als Held gefeiert – Seite 8


durch<br />

blick<br />

Aus der Redaktion<br />

Inhaltsübersicht:<br />

Seite<br />

Aus der Redaktion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3<br />

Hände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4<br />

Ernteausfall für Dionisio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5<br />

Altern auf der Schattenseite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6<br />

Eiserfelder in Mexiko als Held gefeiert . . . . . . . . . . . . 8<br />

Sport im Alter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />

Der Ätna – La monte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12<br />

Marias Krimi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14<br />

Das Waschstraßensyndrom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15<br />

Ein Leben lang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16<br />

Gedächtnistraining . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19<br />

Theater- und Konzerttaxi für Senioren . . . . . . . . . . . . . 20<br />

Gruppen im Haus Herbstzeitlos . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />

Termine im Haus Herbstzeitlos . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22<br />

Die Deutsche Herzstiftung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25<br />

Der Mensch – Investor seiner Lebenszeit . . . . . . . . . . . 26<br />

Verschönerungen am Haus Herbstzeitlos . . . . . . . . . . . 28<br />

Ein berühmt-berüchtigtes Gespenst . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />

Siegen zwischen Rotlicht und Blaulicht . . . . . . . . . . . . 32<br />

So streng waren einst die Bräuche . . . . . . . . . . . . . . . . 33<br />

Wellness . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34<br />

„Bühne frei“ zur elften Spielzeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34<br />

Ein „Siebenbürgisches Eden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />

Gertrude von Nivelles – Patronin der Gärten . . . . . . . . 39<br />

Lebensqualität im Alter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .40<br />

Leserbriefe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .41<br />

Kleinanzeigen/Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />

Zu guter Letzt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />

Bei Redaktionsschluss waren schon die ersten olympischen Medaillen in Athen<br />

verteilt, als uns auffiel, dass der vorliegende Titel ganz unbeabsichtigt auch<br />

einen sportlichen Hintergrund hat. Herrn Tusche, dem „Athleten“ unserer Geschichte,<br />

geht es wie vielen anderen auch: sie erbringen Höchstleistungen für<br />

die sie nicht umjubelt werden, die unbemerkt bleiben, die einfach nur geschehen.<br />

So manch einem in unserem Bekanntenkreis geht es ähnlich! Sie schaffen<br />

Großartiges, ganz unspektakulär, ohne Medaillen und ohne Rummel, ohne<br />

Olympia und ohne Geld! Auch einer unserer Redaktionsmitglieder verdient<br />

eigentlich eine Goldmedaille, nämlich die für eiserne Disziplin; – wenn es sie<br />

denn gäbe. Wenige Wochen nach seiner Herztransplantation, radelte er durchs<br />

australische Outback von Alice Springs nach Adelaide, ca. 1500 km durch die<br />

sengende Wüste. Eine unglaubliche Leistung, die er in seiner Bescheidenheit<br />

aber unerwähnt lassen will. Schauen Sie sich doch mal um, welch interessante<br />

Menschen in Ihrer Nachbarschaft leben.<br />

Ihnen nun viel Freude beim Lesen des neuen durchblick.<br />

Ihr Friedhelm Eickhoff,<br />

verantwortlicher Redakteur<br />

3/<strong>2004</strong> 3


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durch<br />

blick<br />

Unterhaltung<br />

Hände<br />

Wie niedlich sie sind, rosig, klein und ein wenig<br />

schrumplig. Ziellos fuchteln sie vor dem winzigen<br />

Näschen herum. Hilflos sehen sie aus und werden<br />

immer und immer wieder geküsst. Man glaubt es<br />

kaum, diese Babyhändchen können schon fest<br />

zupacken. Und „zupacken“ wird das Wort sein,<br />

welches sie ein Leben lang begleiten werden.<br />

Zunächst umklammern sie Papas Finger, dann das<br />

eigene Händchen, greifen nach Mamas Brille, dem<br />

kleinen Spielzeug und halten schließlich das Fläschchen.<br />

Jeden Tag lernen die Händchen etwas dazu, bis<br />

sie selbstständig essen und trinken können. Dann<br />

werden sie beim Spiel die Hände anderer packen und<br />

herumtanzen. In der Schule wird es schwieriger für<br />

sie. Die Buchstaben und Zahlen schießen einfach<br />

über die Linien hinaus, weil die Händchen noch nicht<br />

so gezielt agieren können. Wenn es dann dafür Rügen<br />

gibt, werden sie auch einmal zornig auf den Tisch<br />

hauen. Wenn gestritten wird, werden sie Stöße und<br />

Knuffe verteilen. Ja, jetzt sind es Kinderhände.<br />

Längst nicht mehr rosig, öfter recht schmutzig und<br />

ständig wird man ihnen „Hände waschen“ zurufen.<br />

Oft genug ohne Erfolg.<br />

Nur wenige Jahre nach dieser Zeit ändert sich<br />

das ganz von selbst. Jetzt wollen sie schön und gepflegt<br />

aussehen. Sie werden täglich eingecremt und<br />

die Fingernägel werden gesäubert und in Form<br />

gebracht. Das hat einen Grund. Irgendjemand wird<br />

auf sie schauen, sie vielleicht sogar zärtlich<br />

berühren. Sie werden es gewähren lassen, es genießen,<br />

um dann eines Tages selbst zu streicheln und<br />

zu liebkosen. Zärtlich können Hände sein – sehr<br />

zärtlich!<br />

Wenn sie später das „Goldene Ringlein“ tragen,<br />

haben sie zwar den Himmel auf Erden erreicht, damit<br />

aber auch große Verantwortung auf sich genommen. Sie<br />

werden hart arbeiten, sich aus Wut und Enttäuschung<br />

zur Faust ballen, aber auch aus Freude laut klatschen.<br />

Sie werden liebevoll trösten, sich aus Angst verkrallen<br />

und manchmal auf tränennassen Augen liegen.<br />

Sie werden böse drohen<br />

und Kindertränen trocknen.<br />

Sie werden die Hand<br />

des Freundes suchen,<br />

Blumensträuße ordnen<br />

und Verträge unterschreiben.<br />

Sie werden zum<br />

Abschied winken und<br />

aus Wiedersehensfreude<br />

dem anderen um den<br />

Hals fallen. Sie werden<br />

sich vor Unverständnis<br />

ringen, am Krankenbett<br />

schweißnasse Haare aus<br />

der Stirn streichen und<br />

sich immer wieder zum<br />

Gebet falten.<br />

All das werden sie<br />

tun – die Hände – und<br />

sie werden sich verändern.<br />

Sie werden nicht<br />

mehr hell und glatt sein,<br />

nein, rissig und knochig.<br />

Dicke Adern und<br />

braune Flecken werden<br />

auf ihnen Platz nehmen, aber ihre liebevolle Ausstrahlung<br />

werden sie nie verlieren. Immer noch bereit<br />

zu helfen, zu trösten und zu lieben, werden sie<br />

aber öfter mal im Schoß liegen. Nun sind sie alt und<br />

müde – die Hände – und wenn das „große Amen“<br />

gesprochen worden ist, können sie endlich ausruhen.<br />

Sie können nichts mehr tun. Ein anderer wird sie nun<br />

ineinander legen und bestimmt ein ehrliches „Danke“<br />

sagen.<br />

Inge Göbel<br />

4 3/<strong>2004</strong>


Das Maisfeld war der ganze Stolz von Dionisio<br />

Pulido und gleichzeitig seine wichtigste Existenzgrundlage.<br />

Daher war es dem Bauern nie zu heiß oder<br />

zu staubig für die Feldarbeit. Nur an diesem<br />

Februartag – die Frühjahrsaussaat stand an – wurden<br />

Staub und Hitze zu seinen Füßen unerträglich. Höchst<br />

ungewöhnlich war auch, dass Rauch zwischen den<br />

frisch aufgeworfenen Ackerfurchen aufstieg. Dionisio<br />

bemühte sich vergeblich, ein aufglimmendes Feuer<br />

mit abgerissenen Zweigen zu löschen. Auch als<br />

seine beiden Ochsen im Boden einsanken, aus einem<br />

größer werdenden Loch schwefliger Rauch aufstieg,<br />

versuchte er noch, drohendes Unheil abzuwenden.<br />

Erst als mit einem dumpfen „Blobb“ alles wieder aus<br />

dem Loch herausgeschleudert wurde, was er zuvor<br />

hineingeworfen hatte, machte Dionisio sich aus dem<br />

immer heißer werdenden Staub. Er begriff, dass ein<br />

aufbrechender Vulkan nicht erstickt werden kann.<br />

durch<br />

blick<br />

Verdeckte Kopfzeile Welten<br />

Ernteausfall für Dionisio<br />

Dörfchen Paricutin, das dem neu entstandenen Vulkan<br />

seinen Namen gab. Alle Hütten verschwanden<br />

unter vier Lagen der flüssig-heißen Gesteinsmasse.<br />

Nur der Turm einer ehemaligen Dorfkirche und ein<br />

Teil des Altarraums ragen noch aus der erkalteten,<br />

wild zerklüfteten Lavamasse heraus. Erreichbar ist<br />

dieser Ort mit einem Reittier, das letzte Stück des<br />

Weges allerdings nur zu Fuß. Der „schlafende“ Vulkan<br />

selbst kann auch bestiegen werden, es wird aber<br />

empfohlen, einen Führer zu nehmen.<br />

Dionisio nahm sich das Geschehene seinerzeit sehr<br />

zu Herzen und hielt es zunächst für eine Strafe Gottes.<br />

Nach dem erfolglosen Versuch, seinen Vulkan an<br />

einen spleenigen Amerikaner zu verkaufen, hat er sich<br />

angeblich dem übermäßigen Genuss von Maisschnaps<br />

zugewandt. Andere Quellen sagen, es sei Tequila<br />

gewesen (der schmeckt tatsächlich besser…).<br />

So geschah es am 20. Februar 1943 um 15 Uhr in<br />

einem mexikanischen Weiler mit dem unaussprechlichen<br />

Namen San Juan Parangaricutiro. Später erzählte<br />

der gute Dionisio: „…um 4 Uhr nachmittags<br />

bin ich nach Haus zu meiner Frau geeilt, aber dann<br />

wieder zurück auf das Feld. Der Boden einer soeben<br />

entstandenen Senke auf meinem Feld schwoll plötzlich<br />

hoch, hob sich um 2 oder 2,5 Meter und eine Art<br />

Rauch oder feiner Staub – grau. Wie Asche – stieg<br />

auf. Es kam immer mehr davon aus dem Boden, mit<br />

einem pfeifenden Geräusch, laut und andauernd, verbunden<br />

mit einem schwefligen Geruch. Ich war starr<br />

und so erschrocken, dass ich nicht wusste, was ich tun<br />

oder denken sollte. Schließlich bin ich losgerannt, um<br />

meine Familie zu retten – und wieder zurück, der<br />

Ochsen wegen. Aber die waren in dem Durcheinander<br />

nicht mehr zu sehen. Nun dachte ich, die Tiere<br />

sind vielleicht zu der Quelle gerannt, aus der sie gewöhnlich<br />

trinken. Aber die war nicht mehr vorhanden,<br />

völlig trocken! Mein Schreck wurde immer<br />

größer und ich konnte nur noch beten – fand aber<br />

dann mein Reittier und gallopierte in den Nachbarort<br />

Paricutin, wo ich meine Frau, meinen Sohn und<br />

Freunde fand, die auf mich warteten. Sie alle hatten<br />

meinen Tod befürchtet und dachten, mich nie wieder<br />

zu sehen.“<br />

Über Nacht entstand ein mehrere Meter hoher Kegel,<br />

der nach einigen Jahren (1952) eine Höhe von<br />

mehr als 400 m erreichte. Heftige Explosionen hallten<br />

meilenweit über das Land, und niedergehende<br />

Asche zerstörte die Vegetation im weiten Umfeld.<br />

Ausfließende Lava überdeckte das nahe gelegene<br />

Den anhaltenden Ernteausfall des unglücklichen<br />

Landwirts sah die wissenschaftliche Welt mit anderen<br />

Augen. Das Ereignis löste damals weltweites Interesse<br />

aus. Denn obwohl täglich vulkanische Aktivitäten<br />

stattfinden, kommt die Entstehung eines neuen Vulkans<br />

– sozusagen auf freiem Feld – nur äußerst selten<br />

vor, heute gilt der Vulkan Paricutin als eines der acht<br />

Weltwunder der Natur.<br />

Erich Kerkhoff<br />

Erich Kerkhoff auf den Spuren von Dionisio Pulido<br />

3/<strong>2004</strong> 5


durch<br />

blick<br />

Verdeckte Welten<br />

Altern auf der Schattenseite<br />

Das weltweite Altern der Bevölkerung ist die gesellschaftliche<br />

Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Das<br />

gilt vor allem für die Länder des Südens. Traditionell<br />

gab es hier nur die familiengestützte Altersvorsorge,<br />

und die funktioniert nicht mehr. Sie war früher durch<br />

eine große Kinderschar und eine örtliche Gemeinschaft<br />

gewährleistet, die den Alten – es gab sie nur in<br />

geringer Zahl – ein Überleben ermöglichten. Außerdem<br />

lebte die übergroße Mehrheit der Bevölkerung<br />

auf dem Land, wo auch alte Hände gebraucht wurden.<br />

In jüngerer Vergangenheit ist eine folgenschwere<br />

Entwicklung eingetreten:<br />

1. Die herkömmliche Landwirtschaft wird weltweit<br />

zu einer großflächigen, hochtechnisierten Agrarindustrie<br />

umgeformt. Kleine Betriebe werden verdrängt.<br />

Im Vergleich zu früher werden nur noch<br />

wenige menschliche Arbeitskräfte benötigt. Ein<br />

Überleben auf dem Land ist für viele nicht mehr<br />

möglich.<br />

2. Jüngere Leute schlagen sich in den großen Städten<br />

als Geringverdiener durch – wenn sie überhaupt<br />

eine Arbeit finden. Für die alten Eltern bleibt nichts<br />

übrig und außerdem lösen sich die traditionellen<br />

Familienbindungen auf.<br />

3. In den Ländern des Südens nimmt die Lebenserwartung<br />

zu, wenn auch nicht in dem Maß wie bei<br />

uns. Aber im Gegensatz zu den in Industriestaaten<br />

wohnhaften älteren Menschen haben dort nur wenige<br />

eine Möglichkeit zur Altersvorsorge. Die<br />

übergroße Mehrheit der Bevölkerung muss zeitlebens<br />

„von der Hand in den Mund“ leben. Ersparnisse,<br />

Rentenanwartschaften oder Immobilien<br />

bleiben unerreichbar.<br />

4. Staatlich organisierte Sozialsysteme sind nahezu<br />

unbekannt. Fast alle Länder des Südens sind gegenüber<br />

dem Ausland hochgradig verschuldet.<br />

Weit reichende Unfähigkeit in Politik und Verwaltung<br />

sowie eine unvorstellbare Korruption sind die<br />

schlimmsten Krebsübel dieser Gesellschaften.<br />

Beispiel Mexiko<br />

Wie altern Menschen unter solchen Bedingungen?<br />

In Mexiko zum Beispiel hat kaum jemand eine Vorstellung,<br />

was nach dem „aktiven“ Leben kommt. Dabei<br />

ist dieser Staat (102 Millionen Einwohner) weltweit<br />

am stärksten den Folgen des demographischen<br />

Wandels ausgesetzt. Die Zahl der über 60-jährigen<br />

Menschen – jetzt 7,5 Millionen – wird sich hier in absehbarer<br />

Zeit verdoppeln und bis 2040 verdreifachen.<br />

Nur wenige erhalten soziale Leistungen, für die der<br />

Ausufernde Stadt (Mexiko-City, 25 Mio. Einwohner)<br />

6 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Verdeckte Welten<br />

total überschuldete, nahezu<br />

handlungsunfähige<br />

Staat sowieso keinen<br />

Peso übrig hat. Die<br />

meisten älteren Menschen<br />

leben in extremer<br />

Armut, das heißt, sie<br />

„leben“ von weniger als<br />

80 Euro/Monat. Wie ist<br />

dann die Brille, eine<br />

Zahnprothese oder die<br />

medizinische Versorgung<br />

bezahlbar? Jeder<br />

fünfte ist Gewalttaten<br />

ausgesetzt …<br />

Soziale Seniorenarbeit<br />

gehört zwar auch in<br />

Mexiko traditionell zu<br />

den Aufgaben von Kirche<br />

und Caritas, doch<br />

angesichts der demographischen<br />

Entwicklung sind diese Organisationen vor<br />

völlig neue Herausforderungen gestellt. Gegenwärtig<br />

sind ihre Bemühungen vor allem auf folgende Ziele<br />

gerichtet:<br />

• Information über das Altern des Menschen, verbunden<br />

mit dem Abbau diskriminierender und<br />

falscher Vorstellungen von alternden Menschen,<br />

• Ausbildung von Freiwilligen für die Unterstützung<br />

eines „würdigen Alterns“,<br />

• Bildungswege für Ältere aufzeigen und ermöglichen,<br />

• Familiengruppen und Nachbarschaften beteiligen,<br />

• Formulierung und öffentliche Einforderung von<br />

Maßnahmen zum Vorteil der Alten (vier Bereiche:<br />

Gesundheit, Ernährung, Bildung, Wahrung der<br />

Menschenrechte).<br />

Die Beschäftigung mit diesen Aufgaben wird<br />

überwiegend von Personen mit besonderer Ausstrahlung<br />

und Kompetenz verantwortet. Wer mit ihnen in<br />

sozialen Brennpunkten unterwegs ist, in den riesigen<br />

Slums oder auf dem Land, kann „hinter den Kulissen“<br />

unvergessliche Eindrücke gewinnen.<br />

Moderne Helden<br />

Frauen sichern das soziale Gefüge<br />

Als Helden gelten Menschen, wenn sie außerordentliche<br />

und rühmenswerte Taten vollbringen. Soziologen<br />

sehen in Zeiten sozialer Umwälzungen oder<br />

nationaler Krisen nachgerade die Notwendigkeit eines<br />

Helden. „Unglücklich das Land, das keine Helden<br />

hat“ und „Unglücklich das Land, das Helden<br />

nötig hat.“ (Brecht: Leben des Galilei). Mexiko hat<br />

Helden – und es hat sie nötig. Ihre außerordentlichen<br />

Taten vollbringen sie in einer Gesellschaft, die weitgehend<br />

gleichgültig denen gegenüber ist, die im<br />

Schatten leben. Das sind die Gebrechlichen, Alten,<br />

Armen, Hilflosen. Wie ein menschenfressendes Ungeheuer<br />

ist diese Gleichgültigkeit und wie Leuchttürme<br />

die Menschen, die sich dem in mühseligem<br />

Einsatz entgegenstellen.<br />

Erich Kerkhoff<br />

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3/<strong>2004</strong> 7


durch<br />

blick<br />

Menschen Kopfzeile<br />

Eiserfelder in Mexiko als Held gefeiert:<br />

Per Ski den Popocatepetl-Vulkan hinabgerauscht<br />

Lebenswerk des 77-jährigen Bernhard Tusche mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt<br />

Die Sache mit dem Popocatepetl war wohl das<br />

Verrückteste, was der heute 77-jährige Bernhard<br />

Tusche aus Eiserfeld in seinem Leben inszenierte:<br />

Er rauschte den etwa 5500 m hohen Vulkan in Mexiko<br />

auf seinen Skiern hinunter. Das mexikanische Fernsehen<br />

wollte diesen tollkühnen Akt filmen und übertragen.<br />

Aber: Den Kameraleuten gelang es nicht, ihre<br />

An einem mexikanischen Vulkan-Steilhang wurde<br />

Bernhard Tusche zum Helden.<br />

Ausrüstung auf den Vulkan zu transportieren. Der<br />

Eiserfelder stellte ihnen eigenes Filmmaterial zur<br />

Verfügung. Somit: Es konnte gesendet werden. Und<br />

ganz Mexiko sah, wie ein „Eiserfelder Jong“ – ein gelernter<br />

Stellmacher – die Vulkanpiste bravourös „hinuntersegelte“.<br />

An einem mexikanischen Vulkan-<br />

Steilhang wurde Bernhard Tusche zum Helden. Die<br />

Azteken gaben dem berühmten Vulkan ihren Namen:<br />

Popocatepetl. Das heißt soviel wie „Rauchender<br />

Berg“. Bernhard Tusche hatte ihn in Schussfahrt auf<br />

frisch gewachsten Brettern bezwungen. Es ist Jahre<br />

her. Ein gewaltiges Stück Erinnerung.<br />

Bernhard Tusche – ein Leben für den Sport. 1991<br />

schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Bernhard<br />

Tusche rückblickend: „Ich dachte, jetzt ist alles aus.“<br />

Die Ärzte haben dem ambitionierten Sportler eine<br />

üble Diagnose gestellt: Gelenkverschleiß.<br />

Künstliche Hüftgelenke müssen „eingebaut“ werden.<br />

Operationen folgen. Zwischen 1991 und 1993<br />

besteht das Leben für den Eiserfelder Popocatepetl-<br />

Bezwinger aus Krankenhaus, Verzweiflung und<br />

Hoffnung. Hoffnung! Die hat der eisenharte Sportsmann<br />

nie aufgegeben. Ein unerschütterliches Wissen<br />

lebt in ihm: „Der Herrgott hat mir einen guten Kör-<br />

per gegeben.“ Darauf baut Bernhard Tusche. Und:<br />

Er hat eine ebenso starke wie charmante Frau zur<br />

Seite. Resi heißt sie, eine Tirolerin. Sie begleitet ihn,<br />

als er den körperlichen Wiederaufbau in Angriff<br />

nimmt. Und dennoch gibt es derbe Rückschläge für<br />

den sympathischen Eiserfelder.<br />

Übler Unfall in Tirol<br />

1993 zum Beispiel. Tusche weilt mit seiner Resi<br />

in Tirol. Er wagt sich wieder auf die Skipiste. Und<br />

dort erwischt es ihn kalt: Ein ungestümer Pisten-<br />

Rastelli fährt ihn über den Haufen. Folge: schwere<br />

Verletzungen. Im Krankenwagen wird Bernhard<br />

Tusche nach Siegen transportiert und sofort operiert.<br />

Eine komplizierte Operation, da ein Hauptnerv<br />

„angekratzt“ ist. Aber alles geht gut. – Insgesamt drei<br />

Operationen hat der Stellmacher über sich ergehen<br />

lassen müssen. Und danach zieht der Geplagte eine<br />

erschütternde Bilanz: „Die komplette Muskulatur ist<br />

kaputt. Nicht mal die leichteste Übung auf dem<br />

Heimtrainer ist möglich. Ich bekomme die Pedale<br />

nicht herum.“<br />

Aber Tusche verzweifelt nicht, denn er weiß:<br />

„Wer sich selbst aufgibt, ist verloren.“ Er gibt nicht<br />

auf. Wohl zigtausendmal macht er leichteste Übungen:<br />

Die Beinmuskeln anspannen und entspannen.<br />

Immer wieder. Tagsüber und nachts, wenn er aufwacht<br />

und die quälenden Gedanken kommen. Dazu<br />

kommt „drei- bis viermal in der Woche Spezialtraining<br />

in der Rückenschule“. In der schweren Zeit<br />

entdeckt Bernhard Tusche ein neues Sportgerät für<br />

sich: das Fahrrad. „Das Fahrrad hat mir geholfen, ins<br />

sportliche Leben zurückzukehren.“<br />

Zunächst „waren lediglich 5 Kilometer drin –<br />

mehr nicht“. Die Eiserfelder staunen bei diesen<br />

ersten Ausfahrten nicht schlecht: Bernhard Tusche<br />

hat seine Krücken auf den Gepäckträger geklemmt.<br />

Denn: Steigt er ab und bewegt sich zu Fuß, ist er auf<br />

diese Gehhilfen noch angewiesen. Heute längst nicht<br />

mehr. Da radelt der Senior bis zu 130 Kilometer am<br />

Stück auf seiner voll gefederten Hightech-Maschine.<br />

Und das bei strammem Tempo.<br />

Krücken auf dem Gepäckträger<br />

Am Anfang passiert eine kleine Panne, über die<br />

Bernhard Tusche heute schmunzelt: „Ich befestigte<br />

die Krücken auf dem Gepäckträger. Als ich mein Rad<br />

ein kurzes Stück schieben musste, stand ich plötzlich<br />

8 3/<strong>2004</strong>


vor einem echten Problem. Links und rechts eine<br />

Krücke und dann noch das Fahrrad schieben? Unmöglich.<br />

Ich hatte an dieses Problem einfach nicht<br />

gedacht. Ich war einfach besessen davon, mit dem<br />

Rad ein paar Runden zu drehen.“<br />

Heute ist das alles vergessen. Bernhard ist ausgezeichnet<br />

im Training. Es läuft wie geschmiert. Die<br />

Krücken, die hat er längst auf den Dachboden verbannt.<br />

Mit beispielhafter Energieleistung hat dieser<br />

Mann ins „bewegte Leben“ zurückgefunden.<br />

In ein Leben, das wahrlich oft „am Rande des<br />

Machbaren“ verlief. Denn nicht nur die Operationen<br />

und der Skiunfall in Tirol warfen ihn immer wieder<br />

zurück. Da war auch die Sache mit der Kolibakterien-Infektion.<br />

Tusche: „Die fing ich mir bei einer Infusions-Behandlung<br />

ein. Ich bekam Schüttelfrost. Bei<br />

34 Grad Hitze draußen fror ich wie ein Schneider.<br />

Mich hat es derart geschüttelt, dass ein paar Muskelfasern<br />

rissen.“ Nun, auch das ist überwunden.<br />

durch<br />

blick<br />

Menschen Kopfzeile<br />

Titel: „Radfahrer des Jahres“<br />

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC),<br />

für den Bernhard Tusche Touren organisiert, verlieh<br />

ihm 1997 den Titel „Radfahrer des Jahres“. Nicht,<br />

weil Bernhard so viele Kilometer „schrubbt“, sondern<br />

in erster Linie, weil der Eiserfelder Senior ein<br />

Beispiel dafür ist, wie man nach derben gesundheitlichen<br />

Schicksalsschlägen wieder ins aktive Leben<br />

zurückfinden kann. Für viele ist Tusche zu einer Art<br />

Vorbild geworden.<br />

Vorbild war er eigentlich immer. Beispielsweise<br />

als Skilehrer im Deutschen Turnerbund. 15 Jahre lang<br />

bildete er Skifahrer aus. Vorwiegend im Allgäu.<br />

Tusche selbst stand natürlich auch als aktiver Fahrer<br />

auf der Piste. Über 100 Siege fuhr er national und<br />

international ein. Als Bernhard Tusche weiland die<br />

Eiserfelder Ski-Abteilung gründete, wurde sie schnell<br />

zur erfolgreichsten Ski-Abteilung im Deutschen Turnerbund.<br />

Was machen Skifahrer im Sommer? Diese Frage<br />

bewegte auch Bernhard Tusche. Eigentlich ist dann<br />

Zwangspause auf dem Wettkampfsektor angesagt.<br />

Tusche: „Es galt, diese Wettkampfpause zu überbrücken,<br />

u. a. um für den Winter die Form zu konservieren.<br />

So führte ich wettkampfmäßig das Grasskirennen<br />

ein. Die Disziplin hat sich toll entwickelt.<br />

Heute gibt es sogar Grasski-Weltmeisterschaften. Es<br />

begann alles Anfang der 60er Jahre.“ Und an der Wiege<br />

des „grünen Skifahrens“ stand der Eiserfelder mit<br />

seiner berühmten Ski-Abteilung.<br />

Der ADFC verlieh Bernhard Tusche den Titel<br />

„Radfahrer des Jahres“<br />

Buch des Lebens ein Vierfach-Band<br />

Tusche ist gebürtiger Schlesier. U. a. im Riesengebirge<br />

fegte er auf zwei Brettern erstmals über<br />

Schanzentische oder war auf Langlaufpisten zu finden.<br />

Das Buch seines Lebens ist mindestens ein Vierfach-Band.<br />

Geschenkt worden ist ihm kaum etwas.<br />

Aber gegeben hat er viel. Diesem außergewöhnlichen<br />

Menschen wurde besondere Ehre zuteil: Zu seinem<br />

77. Geburtstag wurde ihm das Bundesverdienstkreuz<br />

verliehen. Für was? Bernhard Tusche lacht bescheiden:<br />

„Wohl für alles.“ Nicht nur seine Verdienste um<br />

den Sport gehören dazu, sondern auch sein Engagement<br />

im Eiserfelder Heimatverein, die Dokumentation<br />

eisernen Willens und sein unerschrockener Einsatz<br />

in der Bergwelt: vier Mal rettete er Menschen aus<br />

Gletscherspalten und Lawinen.<br />

Heute führen Resi und Bernhard Tusche ein beschaulicheres<br />

Leben in ihrem schmucken Eiserfelder<br />

Hanghaus. Sie ernähren sich großenteils von dem,<br />

was der große Garten hergibt. Viel Arbeit setzt das<br />

voraus. Daneben findet Bernhard immer noch Zeit,<br />

pro Jahr 6000 bis 7500 Kilometer auf seinem Fahrrad<br />

herunterzuspulen. Und wenn am Eiserfelder<br />

Schorsches Weg ein freundlicher älterer Herr aus<br />

der Krone eines Kirschbaumes winkt, dann ist es<br />

bestimmt Bernhard Tusche. Er klettert für sein Leben<br />

gern. Wie gesagt, der Bernhard ist 77 Jahre. Chapeau!<br />

Dieter Gerst<br />

3/<strong>2004</strong> 9


durch<br />

blick<br />

Kopfzeile Sport<br />

Sport im Alter – bringt das denn noch was?<br />

Das Spektakel der Olympischen Spiele demonstriert<br />

besonders eindrucksvoll, wie sehr der Sport unser<br />

gesellschaftliches uns kommerzielles Leben durchdringt.<br />

Der Wissenschaftler Mieth sprach bereits in<br />

den 90er Jahren vom Sport<br />

als Ersatzreligion. Sport<br />

vermag Massen zu mobilisieren<br />

und zu polarisieren.<br />

Er prägte neue Begriffe und<br />

Wertvorstellungen. Worte<br />

wie Fitness, Wellness, Fairness,<br />

Beauty wurden zum<br />

Kult stilisiert. Gedanklich<br />

sind sie aber nahezu ausschließlich mit Jugend und<br />

Gesundheit verknüpft. „Fit for Fun“, nicht nur der Titel<br />

eines Magazins, sondern Ausdruck eines Lebensstils,<br />

zeitgemäß formuliert „LIFESTYLE“.<br />

Dabei ist Sport eine viel zu faszinierende Angelegenheit,<br />

als dass sie allein den jungen und gesunden Menschen<br />

überlassen werden sollte. Ganz im Gegenteil!<br />

Sportliche Betätigung ist an keine bestimmte Lebensphase<br />

gebunden, anders formuliert: „Alter<br />

schützt keineswegs vor Sport“. Es gibt keinen plausiblen<br />

Grund für einen älteren Menschen, sich die<br />

Churchill’sche Maxime des „no sports“ zu Eigen zu<br />

machen. Eine sportliche Aktivität ist gerade für die<br />

älteren Semester von enormer Bedeutung und eine erfrischende<br />

Quelle der Lebensfreude.<br />

Die Jugend der Welt trifft sich<br />

wieder einmal zu Olympia,<br />

diesmal im wahrsten Sinn des<br />

(W)ortes.<br />

Regelmäßige körperlichen Betätigung zählt zu den<br />

wichtigsten Grundlagen für ein gesundes und aktives<br />

Leben. Selbst im hohen Lebensalter haben Sport und<br />

Bewegung immer noch eine präventive Bedeutung;<br />

bekannt ist dies für das Herz-Kreislauf-System, das<br />

Nervensystem und den Stoffwechsel. Das Auftreten<br />

vieler „Altersbeschwerden“ und chronischer Erkrankungen<br />

wird (zumindest) verzögert. Durch Sport<br />

gewonnene Ausdauer, Kraft und Koordination ermöglichen<br />

es den Senioren, auf einfache Art und<br />

Weise ihre Lebensqualität zu steigern und ihre<br />

Selbstversorgung und Selbstbestimmung über einen<br />

langen Zeitraum zu erhalten. Plakativ formuliert,<br />

Sport trägt ganz wesentlich zu einem „erfolgreichen<br />

Altern“ bei, soll heißen, eine hohe Lebenserwartung<br />

mit geringen körperlichen und geistigen Einbußen.<br />

Zahlreiche Studien zum Alterssport, die in den letzten<br />

Jahren erschienen sind, zeigen einen engen positiven<br />

Zusammenhang zwischen regelmäßiger körperlichen<br />

Aktivität und „erfolgreichem Altern“.<br />

Neben den bereits erwähnten positiven Auswirkungen<br />

auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel belegen<br />

solche Untersuchungen auch eine Besserung<br />

der Beweglichkeit, Kraft und Koordination. Bewegungsmangel<br />

verdammt eines unserer größten<br />

Stoffwechselorgane, die Muskulatur, zu Untätigkeit.<br />

Damit wird nicht nur<br />

die Muskelmasse vermindert,<br />

sondern es werden<br />

auch erhebliche weitere<br />

negative Auswirkungen<br />

auf Atmung, Herz-Kreislauf-System,<br />

den Fettund<br />

Zuckerhaushalt unseres<br />

Körpers provoziert.<br />

Eine starke Muskulatur ist für ältere Menschen von<br />

überragender Bedeutung, einerseits wird dem Knochenschwund,<br />

der Osteoporose, vorgebeugt, andererseits<br />

korreliert die Muskelkraft mit dem Grad<br />

der Beeinträchtigung im Alltag und dem Sturzrisiko.<br />

Muskuläre Fitness dient somit hervorragend der<br />

Vorbeugung von Brüchen und trägt entscheidend<br />

dazu bei, den körperlichen und geistigen Herausforderungen<br />

gerecht zu werden.<br />

Schon eine halbe Stunde körperlicher Aktivität steigert<br />

die Leistungsfähigkeit, verbrennt Körperfett,<br />

senkt das Körpergewicht und reduziert das Auftreten<br />

chronischer Erkrankungen. In diesem Kontext<br />

passend sei eine Studie der WHJ (Amerikanische<br />

Frauen Gesundheits-Initiative) zitiert, die neulich in<br />

der renommierten Zeitschrift JAMA publiziert wurde:<br />

Derzufolge wurde bei 74 000 Frauen im Alter<br />

von 50–79 Jahren festgestellt, dass bei einem<br />

wöchentlichen Freizeitsport von 1–2,5 Std. Dauer<br />

das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, um 20 %<br />

reduziert war. Aber auch die älteren Herren profitieren<br />

von sportlicher Betätigung: ein anderes amerikanisches<br />

Journal (Annalen der Inneren Medizin)<br />

vermeldete, dass bei über 50-jährigen Männern, die<br />

5-mal pro Woche 1 Std. Sport trieben, das Fortschreiten<br />

der Arterienverkalkung um 40 % vermindert<br />

wurde.<br />

Also! Es lohnt sich, seinen Körper zu bewegen und<br />

zu fordern! Auch im Alter ist eine regelmäßige<br />

sportliche und körperliche Betätigung von großem<br />

Nutzen. Ironisch formuliert: Sport vermag zwar unser<br />

Leben nicht unbedingt zu verlängern, zumindest<br />

sterben wir gesünder. Unbestritten aber schenken wir<br />

uns durch einen körperlich aktiven Lebensstil eine<br />

ganz gehörige Portion zusätzlicher Lebensfreude und<br />

Lebensqualität. Und das ist doch auch schon sehr<br />

viel!<br />

Heinz Köhler, Mediziner<br />

10 3/<strong>2004</strong>


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3/<strong>2004</strong> 11


Wanderung durch erloschene Lava<br />

Der Ätna – ein Vulkan auf Sizilien, so ist er uns Deutschen<br />

bekannt. Die Sizilianer nennen ihn „La monte<br />

Ätna“ – der Berg Ätna. Sie lieben ihren Vulkan und<br />

vergleichen ihn mit einer Mutter – sie gibt und nimmt.<br />

Der Ätna ist vor 600 000 Jahren aus dem Meer entstanden,<br />

seine Höhe beträgt 3 340 m und er ist der<br />

höchste aktive Vulkan der Erde.<br />

Im Sommer dieses Jahres flog ich mit einer Reisegruppe<br />

nach Sizilien, Palermo ist die Hauptstadt dieser<br />

Insel. Wir landeten im östlichen Teil in Catania.<br />

Schon als ich das Flugzeug verließ, suchte und fand ich<br />

auch diesen majestätischen Berg am Horizont. Friedlich<br />

war er anzusehen, in ein Wolkenbett<br />

gehüllt, umgeben von Schnee.<br />

Wer bis zum Gipfel hinauf will, muss<br />

stabiles und dickes Schuhwerk tragen<br />

und sich sehr gegen die Sonne schützen.<br />

Es ist eine kleine Bergbesteigung,<br />

wie ich später hörte. Die Stadt Catania,<br />

in der wir landeten, hatte im Laufe<br />

der Jahrhunderte mehrmals die<br />

Kraft dieses Vulkans zu spüren bekommen.<br />

Sie wurde immer wieder<br />

durch Vulkanausbrüche und Erdbeben<br />

heimgesucht; daher sind Zeugnisse<br />

aus dem Mittelalter ziemlich rar.<br />

durch<br />

blick<br />

Kopfzeile Reisen<br />

Der ÄTNA – La monte<br />

Nach 3 Tagen Akklimatisation auf<br />

der Insel charterten wir einen Bus,<br />

um die Umgebung und das Ausmaß<br />

eines Vulkanausbruchs mit eigenen<br />

Augen zu sehen. In den unteren, sehr<br />

fruchtbaren Gebieten des Ätna findet<br />

man ausgedehnte Orangenhaine, Obstund<br />

Mandelbäume und die bekannten Weingärten,<br />

die den hervorragenden Wein liefern, mir persönlich<br />

war er jedoch zu trocken.<br />

Ein besonderes Merkmal des Berges Ätna ist die<br />

Vielfalt der Vegetation, die seine Hänge bedeckt, mit<br />

zunehmender Höhe wechselt und schließlich in den<br />

oberen Regionen in einer wüstenartigen Landschaft<br />

endet. Hier wächst nur noch der robuste „Ätna-Ginster“.<br />

Bis zu 2 500 Meter spricht man von der „Kampfzone“,<br />

in der eine niedrige Vegetation wie Moose und<br />

Gräser ums Überleben kämpft. Der letzte Ausbruch im<br />

Jahre 2002 hat eine Schneise den Berg hinuntergebrannt.<br />

Ca. 10–15 Jahre dauert es dann, bis der Boden<br />

sich erholt hat und Pflanzen und Bäume neu treiben.<br />

Nicht nur Lava, die wir in fantastischen Formen sehen<br />

konnten, spuckt der Berg aus, auch Spuren seiner Beben<br />

kann man rechts und links der Straße sehen. Die<br />

vielen Höhen des Berges können sich immer wieder<br />

nach einem Ausbruch verändern. Wirklich bedrohlich<br />

und unberechenbar für die Menschen sind die Seitenkrater.<br />

Dieser mächtigste Vulkan der Erde zieht nicht<br />

nur Regenwolken magisch an, sondern die fruchtbare<br />

Lavaerde bringt blühende Landwirtschaft.<br />

An Respekt hat es dem Feuerspeier nie gefehlt, der<br />

nicht nur Tod und Verwüstung, sondern auch durch<br />

Wasser und Erde neues Leben bringt. Der Sizilianer<br />

verlässt nicht den Ort des Geschehens, er liebt seine<br />

Heimat und seinen Berg und baut immer wieder auf.<br />

Helga Siebel-Achenbach<br />

Ausbruch des Ätna im Jahre 2002<br />

12 3/<strong>2004</strong>


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Marias Kopfzeile Krimi<br />

Das Friedhofsgespenst – ein niederschmetterndes Erlebnis<br />

Das Telefon schrillte neben dem Bett von Dr.<br />

Knebelbeck bereits zum fünften Mal, als der Arzt sich<br />

knurrend entschloss, den Hörer abzunehmen. Er<br />

wusste ohnehin, was ihm blühte. Das freudige Ereignis,<br />

das im Haus der Familie Fletscher mit ziemlicher<br />

Sicherheit zu erwarten war und seine Gegenwart erforderte,<br />

wurde ihm um diese Zeit verständlicherweise<br />

zum Ärgernis. Tatsächlich kam aus dem Telefon<br />

die vor Aufregung erschnappende Stimme des<br />

schon vierfachen Vaters Toni Fletscher, der bei der<br />

Ankunft von weiterem Nachwuchs immer mehr<br />

durchlitt als seine Frau.<br />

Der Doktor reagierte auf den dringenden Appell,<br />

sich zu beschleunigen, mit der mürrischen Mitteilung,<br />

dass ihm keine Flügel gewachsen seien. Gähnend<br />

schlüpfte er in die Beinkleider, zog Hemd und<br />

Kittel über und machte sich mit Köfferchen auf den<br />

Weg. Es lohnte sich nicht, den Wagen zu nehmen.<br />

Zwischen dem Arzthaus und dem Haus der Fletschers<br />

lag nur der kleine Waldfriedhof, und der Doktor zählte<br />

nicht zu den Naturen, die nachts auf dem Friedhof<br />

Angst haben. Er spurtete im wehenden weißen Kittel<br />

an den Gräbern vorbei, die schon einige seiner Patienten<br />

beherbergten. In den vergangenen 26 Jahren<br />

hatte kein anderer als er die Bewohner des knapp 400<br />

Seelen zählenden Örtchens ärztlich betreut und kennen<br />

gelernt, viele auch mitsamt ihrem Innenleben.<br />

Über Grete Fletschers innere Beschaffenheit wusste<br />

er jedenfalls so viel, dass sie eine komplikationslose<br />

Geburt erwarten konnte. Weniger vertraut waren ihm<br />

die einzigen Nachbarn der Fletschers, die das lange<br />

unbewohnt gebliebene Nebenhaus erst vor einigen<br />

Monaten bezogen hatten. Den arroganten Notar Hiller<br />

mochte der Doktor nicht, und die etwas schwermütig<br />

und kränkelnd wirkende Ehefrau tat ihm leid.<br />

Im Frühjahr hatte er ihr Tapetenwechsel empfohlen,<br />

Luftveränderung, eine Erholungsreise. Die Ehe schien<br />

ihr nicht gut zu bekommen.<br />

Während Dr. Knebelbeck solchen Gedanken<br />

nachhing und Elsa Fletscher ihrem Ehemann tröstend<br />

den Schweiß von der Stirn wischte, sah Heinz<br />

Hiller mit erzwungener Ruhe dem Moment entgegen,<br />

auf den er lange mit großer Ungeduld gewartet<br />

hatte. Noch vor einem Jahr hätte er jedem ins Gesicht<br />

gelacht, der ihm einen Mord an seiner Frau<br />

zugetraut hätte. Freilich hatte er die reiche Professorentochter<br />

nur wegen ihres Geldes geheiratet, vor allem,<br />

um mit ihrer Hilfe seine bedrohlich hohen Spielschulden<br />

abzahlen zu können. Er hatte dabei nicht – wie<br />

liebende Paare – an lebenslängliche Gemeinsamkeit<br />

durch<br />

blick<br />

gedacht – „bis dass der Tod euch scheide“. Dass die<br />

Trennung von Nora – aufgrund testamentarischer<br />

Verfügung seines Schwiegervaters – auch Trennung<br />

von ihrem Vermögen bedeuteten würde, wurde ihm<br />

klar, als es zu spät war. Das Zusammenleben mit<br />

Nora bedrückte ihn inzwischen weit mehr, als der<br />

noch nicht abgetragene Schuldenberg. Ständig quälte<br />

sie ihn mit Eifersuchtsszenen und ging ihm mit<br />

ihrem vergrämten Gesicht auf die Nerven. Im Frühjahr<br />

war Nora eines Morgens plötzlich verschwunden.<br />

Auf dem Küchentisch lag ein Brief mit verheißungsvollem<br />

Inhalt. Nora kündigte an, dass sie<br />

längere Zeit bei ihrer Schwester in Süditalien bleiben<br />

wolle. Dr. Knebelbeck habe ihr einen Klimawechsel<br />

dringend empfohlen. Dann ein Hinweis auf<br />

das Reiz-Klima im Eheleben. Die unangekündigte<br />

Reise sei ein letzter Versuch, Abstand von den Beziehungsproblemen<br />

zu bekommen, und vielleicht für<br />

beide eine Chance zu Besinnung und neuem Anfang.<br />

Welche Chance in den dann folgenden Worten für<br />

ihn lag, erkannte Heinz Hiller erst später. Nora hatte<br />

abschließend geschrieben: „Mir ist bewusst geworden,<br />

dass ich so nicht weiterleben kann. Deshalb<br />

verlasse ich dich jetzt. Verzeih mir.“ Damit hatte sie<br />

ihr eigenes Todesurteil besiegelt. Der Strohwitwer<br />

genoss die Abwesenheit seiner Angetrauten in vollen<br />

Zügen mit Betty. Dann war Nora eines Tages wieder<br />

da. Das Klima wurde wieder frostig und alles war so<br />

trostlos, wie gehabt. Immer häufiger musste Heinz<br />

Hiller an den Brief denken, der in seinem Schreibtisch<br />

lag. Wenn er den letzten Absatz abtrennen würde,<br />

war der Abschiedsbrief einer Lebensmüden in<br />

seinem Besitz. Vorsorglich griff er zur Schere. Man<br />

konnte nie wissen, wann sich der Augenblick ergeben<br />

würde, in dem sich ein Selbstmord vortäuschen<br />

ließ. Wenn Nora zuweilen auf der Dachterrasse stand<br />

und an die Brüstung gelehnt ihren traurigen Gedanken<br />

nachhing, wurden Hillers Pläne besonders konkret:<br />

„Bis dass der Tod euch scheide.“ Dieser Satz<br />

hatte plötzlich für ihn Bedeutung gewonnen. An einen<br />

Unfall würde niemand glauben, dafür war die<br />

Geschichte mit Betty schon zu bekannt im Ort. Da<br />

würde es für die Polizei nahe liegen, ein Mitwirken<br />

des Ehemanns zu vermuten. Er hätte ein Motiv und<br />

wäre verdächtig. Aber ein Sprung von der Terrasse<br />

im vierten Stock, das wäre eine todsichere Angelegenheit.<br />

Selbstmord mit Abschiedsbrief – und dann<br />

freie Bahn für Betty.<br />

Und tatsächlich schien der Moment gekommen,<br />

in jener lauen Augustnacht, als Vater Fletscher am<br />

Wochenbett auf sein fünftes Kind und auf Dr. Kne-<br />

14 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Marias Kopfzeile Krimi<br />

belbeck wartete. Nora hatte keinen Schlaf gefunden.<br />

Sie stand an der schmalen Mauerbrüstung und starrte<br />

in die vom Mondschein beglänzte Nacht, als Heinz<br />

Hiller langsam über die Terrasse pirschte. Noch<br />

trennten ihn wenige Meter vom Ziel, als Nora plötzlich<br />

taumelte und – nach vorn gebeugt – mit gellendem<br />

Schrei in die Tiefe stürzte. Nie sollte der Witwer<br />

erfahren, warum das geschehen war. Er hatte die<br />

gespenstische Gestalt nicht gesehen, die mit wehendem<br />

weißen Gewand über die Gräber setzte und der<br />

Frau zuwinkte, die da ganz allein an der Brüstung<br />

stand. Der fünffache Vater Toni Fletscher beschwor<br />

vor Gericht, dass er, nach dem Arzt Ausschau haltend,<br />

den Nachbarn auf dem Schleichweg über die<br />

Terrasse erkannt hatte. Der Abschiedsbrief nützte<br />

Heinz Hiller gar nichts, da Nora ihrer Schwester, die<br />

vor dem Schwurgericht als Zeugin gehört wurde, den<br />

Brief in ganzer Länge vorgelesen hatte. Der alte<br />

Landarzt dachte lange nach über den Aufschrei lähmenden<br />

Entsetzens, den er gehört hatte, bevor die<br />

junge Frau ins Bodenlose gestürzt war. Als er gegen<br />

Morgen mit wehendem weißen Kittel über den Friedhof<br />

zurückeilte, fiel ihm die Antwort ein, aber die behielt<br />

er für sich.<br />

Maria Anspach<br />

Da gibt es so bewundernswerte Zeitgenossen,<br />

denen die Begriffe Software und Hardware, Internet,<br />

Browser und Provider so geläufig sind wie mir Empathie,<br />

Sympathie und Antipathie. Mir fällt es leicht,<br />

sinnige und unsinnige Gespräche zu führen, zu lachen<br />

und zu schimpfen. Wenn ich der Diagnose meiner<br />

Freunde glauben darf, bin ich auch nicht auffallend<br />

neurotisch. Ich habe keine Angst auf Leitern zu steigen,<br />

kann problemlos Tunnel durchfahren und nutze<br />

lieber den Aufzug als zu Fuß zu gehen. Nur mit einer<br />

Sache habe ich mich über 60 Jahre meines Lebens<br />

schwer getan, ich mag nicht gerne in Tiefgaragen<br />

fahren und war noch nie in einer Autowaschstraße.<br />

Dieser „Makel“ holte mich nun in den letzten<br />

Tagen unerbittlich ein. Hatte doch eine Autowaschstraße<br />

gerade unsere Zeitung als Werbemedium für<br />

sich entdeckt. Wie kann ich nun erhobenen Hauptes<br />

Anzeigen verkaufen und vor allem gestalten,<br />

wenn ich nicht einmal die geringste<br />

Ahnung von solch einem „Ungetüm“<br />

Waschstraße habe. Also hieß es für mich,<br />

schweren Herzens Mut fassen. „Inkognito“<br />

machte ich mich auf den Weg in die<br />

Geisweider Waschstraße. Richtig eingeordnet,<br />

rechts für die Außenwäsche, durchfuhr<br />

ich zwei Vorsprühbögen, bestückt mit<br />

Waschschaum gegen starken Schmutz. Die<br />

Fenster so fest zugedreht, dass die Handknöchel<br />

weiß wurden, ging es weiter zum<br />

Hochdruckreiniger, hier traf ich auf das<br />

erste Gesicht, ein Herr im Wassernebel<br />

lachte mir freundlich zu, so ganz konnte<br />

ich das Lachen noch nicht erwidern. Langsam<br />

lotste mich ein weiterer Mitarbeiter in<br />

den Hauptteil der Waschstraße. Ich durfte<br />

aussteigen und mein Schätzchen nun seinen<br />

Weg allein fahren lassen. Von außen,<br />

Das Waschstraßensyndrom<br />

trocken und mit Kaffee versorgt, beobachtete ich<br />

den weiteren Waschvorgang. Zwischen unzähligen<br />

sich hin und her, rauf und runter bewegenden<br />

Tüchern durchfuhr mein Auto diese überdimensionale<br />

Dusche. An verschiedenen Aggregaten gewaschen,<br />

gewachst und getrocknet schob es sich bereits<br />

nach wenigen Minuten wieder ins Freie, zwei<br />

schnelle Jungs wischten die letzen Wassertropfen<br />

von Stoßstangen, Holmen und Ritzen, reinigten die<br />

Scheiben vom Wachs und wünschten mir eine gute<br />

Fahrt.<br />

Ich kann nun nicht behaupten, nach Waschstraßen<br />

süchtig geworden zu sein, aber die Handwäsche<br />

gehört ab jetzt auch bei mir der Vergangenheit an. Als<br />

nächstes warte ich auf den Werbeauftrag eines Parkhauses.<br />

Bis dahin, Ihnen allen eine gute Fahrt.<br />

Friedel Knipp<br />

3/<strong>2004</strong> 15


durch<br />

blick<br />

Marias Kopfzeile Krimi<br />

belbeck wartete. Nora hatte keinen Schlaf gefunden.<br />

Sie stand an der schmalen Mauerbrüstung und starrte<br />

in die vom Mondschein beglänzte Nacht, als Heinz<br />

Hiller langsam über die Terrasse pirschte. Noch<br />

trennten ihn wenige Meter vom Ziel, als Nora plötzlich<br />

taumelte und – nach vorn gebeugt – mit gellendem<br />

Schrei in die Tiefe stürzte. Nie sollte der Witwer<br />

erfahren, warum das geschehen war. Er hatte die<br />

gespenstische Gestalt nicht gesehen, die mit wehendem<br />

weißen Gewand über die Gräber setzte und der<br />

Frau zuwinkte, die da ganz allein an der Brüstung<br />

stand. Der fünffache Vater Toni Fletscher beschwor<br />

vor Gericht, dass er, nach dem Arzt Ausschau haltend,<br />

den Nachbarn auf dem Schleichweg über die<br />

Terrasse erkannt hatte. Der Abschiedsbrief nützte<br />

Heinz Hiller gar nichts, da Nora ihrer Schwester, die<br />

vor dem Schwurgericht als Zeugin gehört wurde, den<br />

Brief in ganzer Länge vorgelesen hatte. Der alte<br />

Landarzt dachte lange nach über den Aufschrei lähmenden<br />

Entsetzens, den er gehört hatte, bevor die<br />

junge Frau ins Bodenlose gestürzt war. Als er gegen<br />

Morgen mit wehendem weißen Kittel über den Friedhof<br />

zurückeilte, fiel ihm die Antwort ein, aber die behielt<br />

er für sich.<br />

Maria Anspach<br />

Da gibt es so bewundernswerte Zeitgenossen,<br />

denen die Begriffe Software und Hardware, Internet,<br />

Browser und Provider so geläufig sind wie mir Empathie,<br />

Sympathie und Antipathie. Mir fällt es leicht,<br />

sinnige und unsinnige Gespräche zu führen, zu lachen<br />

und zu schimpfen. Wenn ich der Diagnose meiner<br />

Freunde glauben darf, bin ich auch nicht auffallend<br />

neurotisch. Ich habe keine Angst auf Leitern zu steigen,<br />

kann problemlos Tunnel durchfahren und nutze<br />

lieber den Aufzug als zu Fuß zu gehen. Nur mit einer<br />

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schwer getan, ich mag nicht gerne in Tiefgaragen<br />

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Dieser „Makel“ holte mich nun in den letzten<br />

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Fenster so fest zugedreht, dass die Handknöchel<br />

weiß wurden, ging es weiter zum<br />

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erste Gesicht, ein Herr im Wassernebel<br />

lachte mir freundlich zu, so ganz konnte<br />

ich das Lachen noch nicht erwidern. Langsam<br />

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den Hauptteil der Waschstraße. Ich durfte<br />

aussteigen und mein Schätzchen nun seinen<br />

Weg allein fahren lassen. Von außen,<br />

Das Waschstraßensyndrom<br />

trocken und mit Kaffee versorgt, beobachtete ich<br />

den weiteren Waschvorgang. Zwischen unzähligen<br />

sich hin und her, rauf und runter bewegenden<br />

Tüchern durchfuhr mein Auto diese überdimensionale<br />

Dusche. An verschiedenen Aggregaten gewaschen,<br />

gewachst und getrocknet schob es sich bereits<br />

nach wenigen Minuten wieder ins Freie, zwei<br />

schnelle Jungs wischten die letzen Wassertropfen<br />

von Stoßstangen, Holmen und Ritzen, reinigten die<br />

Scheiben vom Wachs und wünschten mir eine gute<br />

Fahrt.<br />

Ich kann nun nicht behaupten, nach Waschstraßen<br />

süchtig geworden zu sein, aber die Handwäsche<br />

gehört ab jetzt auch bei mir der Vergangenheit an. Als<br />

nächstes warte ich auf den Werbeauftrag eines Parkhauses.<br />

Bis dahin, Ihnen allen eine gute Fahrt.<br />

Friedel Knipp<br />

3/<strong>2004</strong> 15


„Eine Mutter kann wohl zehn Kinder ernähren,<br />

zehn Kinder aber selten eine Mutter“, heißt es im<br />

Volksmund. Aber, wenn ich dieses Sprichwort höre,<br />

fällt mir doch immer als Gegenbeispiel der Sattler<br />

Grimke ein.<br />

durch<br />

blick<br />

Menschen Kopfzeile<br />

Ein Leben lang<br />

Ich war noch ein Kind, als er, ein alter Mann geworden,<br />

humpelnd Abend für Abend das Gasthaus meiner<br />

Großmutter betrat, sich ächzend am Tisch niederließ<br />

und fragte: „Frau Vogt’n, haben Sie ’ne Tasse<br />

Kaffee? – Ich bin so miede!“ Wir Kinder drückten uns<br />

dann kichernd ins Nebenzimmer ob dieses ewig wiederkehrenden<br />

„Ich bin so miede!“, bis uns die Großmutter<br />

einmal beiseite nahm und unserem kindlichen<br />

Unverstand die Geschichte des unglücklichen Mannes<br />

vorhielt. Da wurden freilich die Augen groß, und die<br />

kleinen Herzen quollen über von Mitgefühl. Der alte<br />

Grimke war früher einmal ein stattlicher Sattlermeister<br />

gewesen, und manches junge Mädel hätte ihn wohl gerne<br />

zum Mann genommen, wenn nicht seine Mutter gewesen<br />

wäre. Völlig gelähmt schien sie den jungen<br />

Bauerntöchtern eine zu große Bürde für eine Ehegemeinschaft<br />

mit dem Sohn. Denn der wollte seine Mutter<br />

niemals fremden Leuten überlassen, mochte man<br />

ihm auch noch so zureden, wie gut es die alte Frau in<br />

diesem oder jenem Heim haben würde. So blieb er mit<br />

der Mutter allein zusammen. Abends ging er wohl ab<br />

und zu in das Wirtshaus meiner Großeltern, ein Bierchen<br />

zu trinken. Zu einer solchen Stunde geschah es,<br />

dass ein Junge die Gaststubentür aufriss und erregt das<br />

Wort in die erstaunt aufschauende Runde friedlicher<br />

Dörfler stieß: „Feuer!“ Alles stürmte von den Tischen<br />

hinaus zum Schauplatz des Unheils, das sich durch roten<br />

Schein weithin verriet. Auch der Sattler lief mit. Es<br />

war sein Haus, das hell in Flammen stand. In die allgemeine<br />

Aufregung bohrte sich sein Schrei, dass alle<br />

den Atem anhielten: „Mutter!“ Und der vom Unglück<br />

betroffene Mann raste in das lodernde Inferno hinein,<br />

kämpfte sich einen Weg durch stürzende Balken und<br />

ätzenden Qualm hinauf zum Dachstübchen, wo seine<br />

hilflose Mutter den Tod leibhaftigen Verbrennens erwarten<br />

musste. Er nahm die alte Frau auf den Arm und<br />

hastete mit der Last die brennende Treppe hinab.<br />

Während draußen die Menschen sich fieberhaft<br />

bemühten, den prasselnden Gluten zu Leibe zu gehen,<br />

spielte sich drinnen ein grauenvolles Drama ab. Der<br />

tapfere Mann kämpfte einen verbissenen Kampf mit<br />

dem Feuer, das ihn und seine Mutter zu vernichten<br />

drohte. Er stürzte und stand wieder auf – und taumelte<br />

endlich ins Freie. Seine Mutter war gerettet. Aber das<br />

Schicksal hatte ein furchtbares Opfer dafür gefordert:<br />

sein Auge. Mühsam ließ sich die Sattlerei mit nur einem<br />

Auge an. Doch noch Schlimmeres sollte dem Armen<br />

beschieden sein. Die Brandwunden an seinem<br />

Bein wollten nicht mehr heilen. Eine jahrzehntelange,<br />

schreckliche Leidenszeit begann für den alternden<br />

Mann. Eines Tages nahm ihm der Tod die Mutter, die<br />

er so liebte, von seiner Seite, und es wurde ganz einsam<br />

um ihn. Zwar brachte ihm manche mitleidige<br />

Seele einmal ein Mittagessen oder die Gemeindeschwester<br />

sah nach seinen Eiterungen, aber niemand<br />

hielt es lange in der kleinen, von ihm selbst ordentlich<br />

gehaltenen Stube aus, denn die schwärenden Brandmale<br />

verbreiteten einen üblen Geruch. Ein Hund, eine<br />

Katze, eine Lachtaube und ein Kanarienvögelchen<br />

leisteten ihm für den Rest seiner Tage Gesellschaft.<br />

Das Vögelchen zwitscherte übrigens noch manches<br />

Jahr seine fröhlichen Lieder in der Gaststube der<br />

Großeltern. Der alte Grimke hatte es ihnen aus Dankbarkeit<br />

für manche gute Tat verehrt, ehe er sich ins<br />

Krankenhaus begab, um sein Bein amputieren zu lassen.<br />

Er kehrte nicht mehr zurück. Der Tod nahm ihm<br />

das Leben, das er eigentlich längst zum Opfer gebracht<br />

hatte.<br />

Eva Thöne<br />

16 3/<strong>2004</strong>


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3/<strong>2004</strong> 17


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18 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Gedächtnistraining<br />

Kopfzeile<br />

Ein Mensch, der sich von Gott und Welt<br />

Mit einem anderen unterhält,<br />

Muss dabei leider rasch erlahmen:<br />

Vergessen hat er alle Namen!<br />

„Wer war`s denn gleich, Sie wissen doch...<br />

Der Dings, naja, wie hieß er noch,<br />

Der damals, gegen Ostern ging’s<br />

In Dings gewesen mit dem Dings?“ Eugen Roth<br />

Übungen zur Wortfindung<br />

1. Setzen Sie einen Jungennamen vor die Silbe<br />

und Sie erhalten ein neues, sinnvolles Wort:<br />

6. Welches Wort ist hier dargestellt?<br />

Beispiel:<br />

........see = Wolfgangsee<br />

1. motor 6. silie<br />

2. eits 7. sgans<br />

3. nette 8. iner<br />

4. jagd 9. wurst<br />

5. ver<br />

2. Setzen Sie einen Mädchennamen vor die Silbe<br />

und Sie erhalten ein neues Wort:<br />

Beispiel:<br />

rie = Lotterie<br />

1. nda 6. rine<br />

2. cron 7. sheim<br />

3. kraut 8. bogen<br />

4. kuierung 9. denz<br />

5. ley<br />

3. Welche Orte in Deutschland kennen Sie,<br />

die zugleich eine Tätigkeit angeben?<br />

Siegen / siegen…<br />

Essen / essen…<br />

Singen / singen…<br />

4. Suchen Sie Orte, die Tiernamen enthalten:<br />

Wolfsburg / Katzenfurt /<br />

Niederfischbach…<br />

5. Suchen Sie Ortsnamen, die einen<br />

Vornamen enthalten:<br />

Heidelberg / Ottobrunn / Hagen…<br />

7. Buchstabengarten<br />

In diesem Buchstabengewirr sind viele Städte<br />

versteckt. Entdecken Sie die versteckten Städtenamen:<br />

D F G H E L U X E M B U R G H I I Ö N<br />

D N K R O M Ö T B B J R W K I E L W<br />

N K M O G R T U V E N E D I G D B C<br />

V I A L I S S A B O N M U T Z E T R I E<br />

R N U M N E W Y O R K B U Z B R A U<br />

N S C H W E I G J K L P M Ü N C H E N<br />

Q W R W E S E L B U P R E G E N S B U<br />

R G I M H M O S K A U G F D S A M S<br />

T E R D A M L I S D M A D R I D K O L<br />

P R A G U N V T O K I O M U N F C H I<br />

C A G O L I M H U Z T E T K S I E G E<br />

N A B C D E F G H<br />

Lösungen auf Seite 42<br />

Gedächtnistraining<br />

mit Übungen aus dem Material des<br />

Bundesverbandes Gedächtnistraining e.V.<br />

Friedensweg 3 / 57462 Olpe<br />

Lösungen aus 2/<strong>2004</strong>:<br />

Vokalergänzung: Junisonne / Ferienreise / Rosenstock /<br />

Johanniskraut / Bergwanderung / Fahrradtour<br />

Echtes Anagramm: Nebel = Leben, Palme = Lampe,<br />

Reithosen = Hortensie, Besenstiel = Liebesnest<br />

Rechnen einmal anders:<br />

1). 3x3=9 2). 1+3=4 3). 9-2=7 4). 2+1=3<br />

5). 1+1=2 6). 12:2=6 7). 8-1=7 8). 3x3=9<br />

9). 1+7=8 10). 4+3=7<br />

Quadrate: 51<br />

3/<strong>2004</strong> 19


Seit sechs Jahren organisiert der Seniorenbeirat<br />

der Stadt Siegen in Zusammenarbeit mit Theater<br />

Siegen und der Volkshochschule der Stadt Siegen das<br />

Projekt Theater- und Konzert-Taxi. Dieses Projekt<br />

ermöglicht es vorrangig älteren und behinderten<br />

Menschen, die Theater- und Konzert-Angebote von<br />

Theater Siegen zu nutzen. Mit dem Kauf eines<br />

Abonnements für acht Veranstaltungen erwirbt man<br />

gleichzeitig die Dienstleistung eines kostenlosen<br />

Hol- und Bringe-Service. Ein Sammeltaxi holt die<br />

Abonnementen vor der Vorstellung von zu Hause ab<br />

und bringt sie nach der Vorstellung wieder nach<br />

Hause. Der Seniorenbeirat versteht dieses Projekt als<br />

einen wesentlichen Beitrag zur Integration, zur<br />

Kommunikation und Teilhabemöglichkeit älterer<br />

Menschen. Der Preis beträgt für Kategorie I 150 1<br />

und für Kategorie II 140 1. Im Preis sind die Kosten<br />

für die Taxifahrten enthalten. Interessenten rufen die<br />

VHS Siegen, Oranienstraße 15, 57072 Siegen, an<br />

(Telefon 02 71/2 32 88 20).<br />

Samstag, 16. 10. · Apollo-Kino<br />

Eigenproduktion Theater Siegen:<br />

Der zerbrochene Krug<br />

Von Heinrich von Kleist<br />

Donnerstag, 25. 11. · Gläsersaal<br />

Klassik meets Kabarett<br />

Dieter Hildebrandt mit der Philharmonie<br />

durch<br />

blick<br />

Aus dem Seniorenbeirat<br />

Theater- und Konzert-Taxi für Senioren<br />

Freitag, 24. 9. · Siegerlandhalle<br />

Gala-Konzert S-Klassik<br />

mit der Philharmonie, Dirigent: R. N. Harris<br />

Dienstag, 12. 10. · Gläsersaal<br />

Pavlin Nechev (Klavier)<br />

Montag, 1. 11. · Apollo-Kino<br />

Eigenproduktion Theater Siegen:<br />

Der zerbrochene Krug<br />

Von Heinrich von Kleist<br />

Freitag, 12. 11. · Gläsersaal<br />

Operngala<br />

mit der Philharmonie, Dirigentin L. Horowitz<br />

Freitag, 10. 12. · Siegerlandhalle<br />

Bilder einer Ausstellung<br />

mit der Philharmonie, Dirigent: R. N. Harris<br />

Freitag, 28. 1. · Gläsersaal<br />

Philharmonie Südwestfalen<br />

Dirigent: Russell N. Harris<br />

Freitag, 11. 3. · Gläsersaal<br />

Philharmonie Südwestfalen<br />

Dirigent: Russell N. Harris<br />

Donnerstag. 7. 4. · Stadtbühne<br />

Der Zauberberg<br />

von Thomas Mann<br />

Sonntag, 19. 12. · Stadtbühne<br />

Ritter Rinaldo<br />

Zauber-Oper von Eberhard Streul<br />

Dienstag, 11. 1. · Gläsersaal<br />

Olga Scheps (Klavier)<br />

Donnerstag, 3. 2. · Stadtbühne<br />

Demokratie<br />

Ein Schauspiel um Willy Brandt<br />

Mittwoch, 2. 3. · Stadtbühne<br />

Dinner Party<br />

Komödie von Neil Simon<br />

Dienstag, 15. 3. · Stadtbühne<br />

Der Parasit oder Die Kunst, sein Glück zu machen<br />

Lustspiel von Friedrich Schiller<br />

Freitag, 8. 4. · Gläsersaal<br />

„Mozarts Freunde“<br />

mit der Philharmonie, Dirigent: R. Goebel<br />

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Herbert Mengeringhausen<br />

Hans-Kruse-Str. 19 · 57074 Siegen<br />

20 3/<strong>2004</strong>


Veranstaltungen im „Haus Herbstzeitlos“<br />

Selbsthilfe- und Begegnungszentrum für ältere Menschen<br />

1997 wurde mit Unterstützung des Landes NW ein ehemaliger Schulpavillon zu einer selbstverwalteten<br />

Selbsthilfe- und Begegnungsstätte für Senioren umgebaut.<br />

Träger des Hauses ist die Stadt Siegen.<br />

Im „Haus Herbstzeitlos“ werden Modelle und Projekte entwickelt und gefördert, die ermöglichen,<br />

dass ältere Menschen<br />

• etwas für sich,<br />

• etwas für andere oder<br />

• etwas mit anderen tun können.<br />

Die Aktivitäten sind vielfältig, ebenso wie das Motto des Hauses:<br />

„Graue Haare, buntes Leben“.<br />

Seniorenhilfe Siegen e.V.<br />

„Miteinander – Füreinander“<br />

• Gegenseitige Hilfe<br />

• Frühstückstreff<br />

• Dämmerstunde<br />

• Literaturtreff<br />

• Handarbeitsgruppe<br />

• Singe- und Musikgruppe<br />

• Wandergruppen<br />

Kontakt: 0271/ 661<strong>03</strong>35<br />

Montag-Freitag 10.00 – 12.00 Uhr<br />

Regenbogentreff<br />

– Seniorenfreizeitclub –<br />

Jeden Mittwoch ab 19.00 Uhr<br />

Kontakt: 0271/ 394545<br />

„Die Werkstatt“<br />

– Basteln, Schreinern und mehr –<br />

Kontakt: 0271/ 62776<br />

Seniorenzeitschrift der Stadt Siegen<br />

durch<br />

blick<br />

Öffnungszeiten: Montags + dienstags 9.00–12.00 Uhr<br />

Telefon: 02 71/6 16 47 · Mobil: 01 71/6 20 64 13<br />

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de<br />

Senioren-Hotline<br />

montags von 9.00 bis 16.00 Uhr<br />

Wir kümmern uns<br />

Seniorenbeirat der Stadt Siegen<br />

3/<strong>2004</strong> 21


Veranstaltungshinweise: AA (AlterAktiv); SH (Seniorenhilfe); db (durchblick)<br />

Datum/Tag Uhrzeit Veranstaltungen im Monat September <strong>2004</strong><br />

1 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

2 Do. 15.00 Literaturkaffee<br />

3 Fr.<br />

4 Sa. Wandern*<br />

5 So.<br />

6 Mo. 14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

7 Di. 16.00–17.00 Öffentl. Redaktionssitzung „durchblick“ (db)<br />

8 Mi. 14.00–18.00 Senecafé (AA)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren<br />

9 Do.<br />

10 Fr.<br />

11 Sa. Wandern*<br />

12 So.<br />

13 Mo. 9.30–11.30 Kurs: Natürlich und gesund ernähren (VHS/SH)<br />

13.00–14.00 Kurs: Fit und mobil in jedem Alter (VHS/SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

16.00 Dämmerstunde (SH)<br />

14 Di.<br />

15 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

16 Do. 15.00 Literaturkaffee<br />

17 Fr.<br />

18 Sa. Wandern*<br />

19 So.<br />

20 Mo. 9.30–11.30 Kurs: Natürlich und gesund ernähren (VHS/SH)<br />

13.00–14.00 Kurs: Fit und mobil in jedem Alter (VHS/SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

21 Di. 16.00–17.00 Öffentl. Redaktionssitzung „durckblick“ (db)<br />

22 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

23 Do.<br />

24 Fr.<br />

25 Sa. Wandern*<br />

26 So.<br />

27 Mo. 9.30–11.30 Kurs: Natürlich und gesund ernähren (VHS/SH)<br />

10.00 Frühstück<br />

13.00–14.00 Kurs: Fit und mobil in jedem Alter (VHS/SH)<br />

14.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

28 Di.<br />

29 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

30 Do. 15.00 Literaturkaffee (SH)<br />

* Die Wandertermine finden Sie mittwochs im Siegerländer Wochenanzeiger a. d. „Pinwand“<br />

22 3/<strong>2004</strong>


Veranstaltungshinweise: AA (AlterAktiv); SH (Seniorenhilfe); db (durchblick)<br />

Datum/Tag Uhrzeit Veranstaltungen im Monat Oktober <strong>2004</strong><br />

1 Fr.<br />

2 Sa. Wandern*<br />

3 So.<br />

4 Mo. 9.30–11.30 Kurs: Natürlich und gesund ernähren (VHS/SH)<br />

13.00–14.00 Kurs: Fit und mobil in jedem Alter (VHS/SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Kaffeestunde (SH)<br />

5 Di. 16.00–17.00 Öffentl. Redaktionssitzung „durchblick“ (db)<br />

6 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

7. Do. 15.00 Literaturkaffee (SH)<br />

16.00 Vortrag VHS: Die literarische Welt der Isabel Allende<br />

8 Fr.<br />

9 Sa. Wandern*<br />

10 So.<br />

11 Mo. 9.30–11.30 Kurs: Natürlich und gesund ernähren (VHS/SH)<br />

13.00–14.00 Kurs: Fit und mobil in jedem Alter (VHS/SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Internetcafe – Senioren gehen online)<br />

16.00 Dämmerstunde (SH)<br />

12 Di.<br />

13 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

14 Do.<br />

15 Fr.<br />

16 Sa. Wandern*<br />

17 So.<br />

18 Mo. 14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

19 Di. 16.00–17.00 Öffentl. Redaktionssitzung „durckblick“ (db)<br />

20 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

21 Do. 15.00 Literaturkaffee<br />

22 Fr.<br />

23 Sa. Wandern*<br />

24 So.<br />

25 Mo. 10.00 Frühstück (SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

26 Di.<br />

27 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

28 Do.<br />

29 Fr.<br />

30 Sa. Wandern*<br />

31 So.<br />

* Die Wandertermine finden Sie mittwochs im Siegerländer Wochenanzeiger a. d. „Pinwand“<br />

3/<strong>2004</strong> 23


Veranstaltungshinweise: AA (AlterAktiv); SH (Seniorenhilfe); db (durchblick)<br />

Datum/Tag Uhrzeit Veranstaltungen im Monat November <strong>2004</strong><br />

1 Mo. 15.00 Kaffeestunde (SH) Allerheiligen<br />

2 Di. 16.00–17.00 Öffentl. Redaktionssitzung „durchblick“ (db)<br />

3 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Internetcafé – Senioren gehen online)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

17.30–19.30 Kurs: Älter werden – Gesundheit, Arbeit, Leistung, Besitz (VHS/SH)<br />

4 Do. 15.00 Literaturkaffee (SH)<br />

5 Fr.<br />

6 Sa. Wandern*<br />

7 So.<br />

8 Mo. 9.30–11.30 Kurs VHS: Natürlich und gesund ernähren<br />

13.00–14.00 Kurs VHS: Fit und mobil in jedem Alter<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

16.00 Dämmerstunde<br />

17.30–19.30 Kurs: Älter werden – Gesundheit, Arbeit, Leistung, Besitz (VHS/SH)<br />

9 Di.<br />

10 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

17.30–19.30 Kurs: Älter werden – Gesundheit, Arbeit, Leistung, Besitz (VHS/SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

11 Do.<br />

12 Fr.<br />

13 Sa. Wandern*<br />

14 So.<br />

15 Mo. 14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

16 Di. 16.00–17.00 Öffentliche Redaktionssitzung „durchblick“ (db)<br />

17 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

17.30–19.30 Kurs: Älter werden – Gesundheit, Arbeit, Leistung, Besitz (VHS/SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

18 Do. 15.00 Literaturkaffee (SH)<br />

19 Fr.<br />

20 Sa. Wandern*<br />

21 So.<br />

22 Mo. 14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

23 Di.<br />

24 Mi. 9.00–12.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

15.00 Handarbeiten (SH)<br />

15.00 Singen und Musizieren (SH)<br />

17.30–19.30 Kurs: Älter werden – Gesundheit, Arbeit, Leistung, Besitz (VHS/SH)<br />

19.00 Regenbogentreff<br />

25 Do.<br />

26 Fr.<br />

27 Sa. Wandern*<br />

28 So.<br />

29 Mo. 10.00 Frühstück (SH)<br />

14.00–18.00 Senecafé (AA) (Computertreff)<br />

30 Di.<br />

* Die Wandertermine finden Sie mittwochs im Siegerländer Wochenanzeiger a. d. „Pinwand“<br />

24 3/<strong>2004</strong>


Nach Schätzungen haben 200 000 Menschen in<br />

Deutschland einen Herzklappenfehler. Die Zahl der<br />

Herzklappenoperationen steigt Jahr für Jahr.<br />

Eine Ursache für den Anstieg ist die Zunahme der<br />

Aortenklappen-Einengung bei älteren Menschen.<br />

Während Herzinfarktpatienten auf vielfältiges Aufklärungsmaterial<br />

zurückgreifen können, haben Patienten<br />

mit einem Herzklappenfehler nur eine begrenzte<br />

Auswahl. Über Herzklappenerkrankungen ist<br />

viel weniger bekannt.<br />

durch<br />

blick<br />

Herzmonat November<br />

Die Deutsche Herzstiftung veranstaltet vom 1.–30. November <strong>2004</strong> den Herzmonat zum Thema:<br />

Herzklappenerkrankungen<br />

PROGRAMM 23. 10. <strong>2004</strong><br />

8. Siegener Arzt-Patienten-Seminar<br />

im Leonhard-Gläser-Saal<br />

der Siegerlandhalle<br />

Herzinfarkt – koronare Herzkrankheit – Herzklappenerkrankungen<br />

– Diagnostik – medikamentöse<br />

und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten unter<br />

besonderer Berücksichtigung von Herzrhythmusstörungen<br />

Dabei hat die Medizin auf dem Gebiet der Herzklappenchirurgie<br />

große Fortschritte gemacht. Neue<br />

Möglichkeiten zur Behandlung stehen zur Verfügung.<br />

Für Patienten vor oder nach einer Herzklappenoperation<br />

gibt es viele Fragen:<br />

• Wie kommt es zu einem<br />

Herzklappenfehler?<br />

• Wie erkennt man ihn?<br />

• Wann muss operiert werden?<br />

• Was passiert bei der Operation?<br />

• Welche Vor- und Nachteile haben<br />

künstliche oder biologische Herzklappen?<br />

Gemeinsam mit Kardiologen und Herzchirurgen<br />

will die Herzstiftung für Herzklappenpatienten und<br />

ihre Angehörigen diese wichtige Aufklärungsarbeit<br />

leisten.<br />

Für Diskussionen und Fragen zu Herzklappenerkrankungen<br />

und Quickwert-Selbstbestimmung wie<br />

zu anderen Themen des „8. Siegener Herz-Seminars“,<br />

zu Herzinfarkt und koronarer Herzkrankheit,<br />

zu Herzrhythmusstörungen und Herzschrittmacher<br />

stehen alle Referenten nach den Vorträgen und in den<br />

Pausen zur Verfügung.<br />

Leitung und Moderation der Veranstaltung liegt in<br />

Händen von Prof. Dr. Peter Schuster, Chefarzt<br />

St. Marien. Das Ärzteteam St. Marien – Kardiologie –<br />

und alle in Siegen niedergelassenen Kardiologen sind<br />

in Vorträge, Diskussionen und Arbeitsgruppen eingebunden.<br />

Als auswärtige Referenten konnten Prof. Dr. Jürgen<br />

Schäfer, Innere Medizin – Kardiologie – und Prof.<br />

Dr. Rainer Moosdorf, Direktor der Herzchirurgie, beide<br />

Philipps-Universität Marburg, gewonnen werden.<br />

Vorbeugen. Früherkennen. Behandeln.<br />

8.00 Kostenlose Messungen von Blutzucker,<br />

Blutdruck und Cholesterin<br />

9.00 Begrüßung<br />

Prof. Dr. med. Peter Schuster, Chefarzt,<br />

Ulf Stötzel, Bürgermeister der Stadt Siegen,<br />

Bertram Müller, Regionaldirektor der AOK,<br />

Eberhard Klaes, Deutsche Herzstiftung<br />

9.15 Entstehung von Herzklappenfehlern –<br />

moderne Diagnostik und medikamentöse<br />

Behandlungsmöglichkeiten<br />

10.00 Besonderheiten der Behandlung von<br />

Herzrhythmusstörungen bei Patienten mit<br />

Herzklappenfehlern und koronarer Herzkrankheit<br />

(KHK)<br />

10.30 Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen<br />

bei Patienten mit Herzklappenfehlern<br />

und KHK unter Verwendung<br />

telemedizinischer Verfahren<br />

11.15 Kaffeepause / Imbiss<br />

11.55 Bewegungspause<br />

12.00 Moderne Herzklappenchirurgie:<br />

klappenerhaltende Maßnahmen –<br />

Rekonstruktion – Klappenersatz<br />

13.00 Arbeits- und Diskussionsgruppen<br />

1. INR-Selbstbestimmung und Blutverdünnung<br />

bei Herzklappenfehlern, Herzrhythmusstörungen<br />

und Herzschwäche<br />

2. Nachsorge von Herzschrittmachern und<br />

AICD (automat. Defibrillator )<br />

3. Moderne Verfahren der Ballondilatation<br />

/ Stent mit und ohne Beschichtung<br />

bei koronarer Herzkrankheit (KHK)<br />

14.00 Ende des Arzt-Patienten-Seminars<br />

Info Tel. 0 27 34/16 57 · Eberhard Klaes,<br />

Beauftragter (eh) der Deutschen Herzstiftung<br />

3/<strong>2004</strong> 25


Plastik Buch des Lebens,<br />

Künstler: Emi & Carlo<br />

Neri, Bildquelle:<br />

www.Kunstschule.de<br />

Wenn Menschen über ihre persönliche Zeit reden,<br />

höre ich sie häufig sagen: „Die Zeit hätte ich<br />

mir sparen können.“ „Wo soll ich nur die Zeit hernehmen?“<br />

„Dafür ist mir meine Zeit zu schade.“<br />

„Die Zeit wird knapp“ oder „Dafür benötigt man<br />

aber viel Zeit.“ usw. Bei etwas genauerer Betrachtung<br />

dieser Aussagen stelle ich fest: in den meisten<br />

Fällen kann ich ohne weiteres das Wort „Zeit“ durch<br />

das Wort „Geld“ ersetzen, ohne die Aussage zu verfälschen.<br />

Nur der „Wert“ wird ein anderer. Zeit wird<br />

oft, ganz unbedacht, als ein persönliches Eigentum<br />

angesehen, über das ich, wie über mein Geld, frei<br />

verfügen kann.<br />

Folge ich diesem Gedanken und setze Zeit = Geld<br />

und bedenke dabei noch die Aussage von Menschen,<br />

die bei einer negativen Lebenserfahrung sagen: „Das<br />

buche ich auf mein Konto Lebenserfahrung“, dann<br />

stelle ich mir vor, jeder Mensch hat ein Konto für seine<br />

persönliche Lebenszeit, auch ich. Auf diesem<br />

Konto wird, wie auf meinem<br />

ganz normalen Girokonto die<br />

Verwendung meines Geldes, die<br />

Verwendung meiner Zeit verbucht.<br />

Auf den Kontoauszügen<br />

ist zu sehen, wie viel ich von<br />

meiner persönlichen Zeit wann,<br />

für wen oder was „ausgegeben“<br />

habe. Auf die Frage, woher die Zeit auf der Habenseite<br />

meines Kontos kommt, möchte ich an dieser<br />

Stelle nicht eingehen. Ihr nachzugehen wäre ein<br />

eigenes und sicherlich sehr interessantes Thema.<br />

Daher lass ich hier die Frage offen: „Wer überweist<br />

mir Zeit?“ Zeit, über die ich Tag für Tag neu verfügen<br />

kann, denn…<br />

durch<br />

blick<br />

Philosophie<br />

Der Mensch – Investor seiner Lebenszeit<br />

Gedanken über die uns täglich geschenkte Zeit(gutschrift)<br />

Dann stelle ich mir vor,<br />

jeder Mensch hat ein<br />

Konto für seine<br />

persönliche Lebenszeit.<br />

… jeden Morgen, wenn ich aufwache und ein<br />

neuer Tag beginnt, gehe ich wie selbstverständlich<br />

davon aus, dass auf diesem meinem „Lebenszeit-<br />

Konto“ wieder 24 Stunden gutgeschrieben worden<br />

sind, ohne dass ich dafür etwas tun musste. Einfach so.<br />

So richtig bewusst geworden ist mir dieses tägliche<br />

Zeitguthaben erst, nachdem ich meine Lebensarbeitszeit<br />

abgeschlossen habe und nun, unabhängig<br />

von allen beruflichen Verpflichtungen, über meine<br />

Zeit, Tag für Tag, selbst bestimmen kann. Und so stehe<br />

ich jeden Morgen vor der Entscheidung, was mache<br />

ich mit meiner Zeit auf meinem Konto? Wie und<br />

wo lege ich sie an? Nur bei mir? Nur für mich selbst?<br />

Warum nicht? Was spricht dagegen? Schließlich ist<br />

es doch wichtig, auch Zeit für sich selbst zu haben,<br />

sich etwas Zeit zu gönnen, denn Leib und Seele bilden<br />

eine untrennbare psychosomatische Einheit und<br />

wollen gepflegt sein. Wie sagen die Lateiner: „Mens<br />

sana corpere sano“, in einem gesunden Körper steckt<br />

ein gesunder Geist. Allerdings, so richtig zufrieden<br />

bin ich dabei nicht. Weiß ich doch manchmal nicht so<br />

recht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll. Vielleicht,<br />

so meine Überlegung, gibt es ja andere Möglichkeiten,<br />

zumindest einen Teil von ihr, auch an anderer<br />

Stelle zu investieren. Aber, wie soll das gehen<br />

und wie sehen solche Anlageformen aus? Und überhaupt,<br />

warum sollte ich das tun, meine Zeit woanders<br />

als bei mir anzulegen? Ist das Risiko nicht zu groß,<br />

meine Zeit dabei zu verlieren? Was habe ich schon<br />

davon? Verwende ich sie doch lieber für mich? Sicher<br />

ist sicher. Meine Zeit gehört schließlich mir.<br />

Bei diesen Fragen, im richtigen Umgang mit<br />

meinem täglichen Zeitguthaben, sollte ich zwei<br />

Punkte gut bedenken. Erstens: Ich weiß nie, an welchem<br />

Tag die Buchung auf der<br />

Habenseite meines Lebenszeit-<br />

Kontos eingestellt wird, denn<br />

ohne jede Angabe von Gründen<br />

kann sie fristlos, von einem Tag<br />

auf den anderen, gekündigt<br />

werden. Zweitens: Wenn das<br />

passiert, wenn von heute auf<br />

morgen kein „Zahlungseingang“ von Zeit mehr erfolgt,<br />

dann, ja dann steht der Saldo plötzlich auf<br />

„Null“ und ich kann keine Zeit mehr „abheben“. Einen<br />

Übertrag von Zeit von einem Tag zum anderen<br />

oder einen Überziehungskredit gibt es bei einem Lebenszeit-Konto<br />

nicht. Zeit auf Pump ist ebenso wenig<br />

möglich, wie ich Zeit nicht ansparen kann. Da<br />

26 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Philosophie<br />

unterscheidet sich der Wert der Zeit wesentlich vom<br />

Wert des Geldes. Die Zeit auf meinem Konto ist immer<br />

nur ein durchlaufender Posten, der für jeden<br />

neuen Tag auch nur einmalig zur Verfügung steht.<br />

Wie und wo ich sie anlege, liegt einzig und allein bei<br />

mir. Und, um den Gedanken fortzuführen, wenn<br />

mein Saldo auf „Null“ steht, weil keine neue Gutschrift<br />

mehr erfolgt und ein Minussaldo nicht möglich<br />

ist, sind Buchungen für meine persönliche Verwendung<br />

von Zeit auch nicht mehr möglich. Mein<br />

Konto wird aufgrund fehlender Bewegungen aufgelöst,<br />

denn ein Konto für Lebenszeit, auf dem keine<br />

Buchungen, sprich Bewegungen, mehr stattfinden,<br />

macht keinen Sinn. Warum? Leben ist Zeit, Zeit ist<br />

Bewegung und Bewegung ist Leben. Diese drei Elemente<br />

sind untrennbar miteinander verknüpft und<br />

bilden eine unsichtbare, geschlossene Einheit. Aber<br />

wenn dem so ist, wenn es mein Lebenszeit-Konto<br />

nicht mehr gibt, was bleibt dann noch? Wo sind dann<br />

all die Buchungen, die belegen, wie und für wen ich<br />

meine Lebenszeit verwendet und eingesetzt habe?<br />

Alles verloren, alles umsonst? Meine Lebenszeit<br />

einfach verschwunden, so, als hätte es sie und mich<br />

nie gegeben? Sagt man nicht auch: „Nichts ist so<br />

schnell vergessen wie ein Mensch.“<br />

Ich denke, es bleibt etwas von meiner Lebenszeit<br />

erhalten, auch wenn es mein persönliches Zeitkonto<br />

nicht mehr gibt. Es sind die Buchungen auf den Lebenszeit-Konten<br />

meiner Mitmenschen. Sei es die eigene<br />

Familie, Freunde, Bekannte oder auch fremde<br />

Menschen. Nur auf den Konten anderer Menschen,<br />

die in der gleichen „Buchungsperiode" wie ich leben,<br />

ist die Verwendung meiner<br />

All jene, die unglücklich sind,<br />

sind es, weil sie ihr eigenes<br />

Glück gesucht haben.<br />

Alle jene, die glücklich sind,<br />

sind es, weil sie das Glück<br />

anderer gesucht haben.<br />

(Shantideva, aus Buddhistische Weisheiten)<br />

Das Buch des Lebens, Acryl auf Aluminium (Bildquelle:<br />

www.angelika.walter.bei.t-online.de/galerie.htm)<br />

vergangenen Lebenszeit<br />

noch sichtbar. Nur hier ist<br />

noch festzustellen, wie und<br />

wo ich mein Kapital „Zeit“<br />

angelegt habe. Diese Form<br />

der Kapitalanlage kann ich<br />

aber immer nur so lange nutzen,<br />

wie auch ihr Konto existiert,<br />

denn so wie mein Konto<br />

fristlos aufgelöst werden<br />

kann, so kann es auch das<br />

Konto meiner Mitmenschen.<br />

Und dann, so gerne ich noch<br />

etwas Zeit auf sein Konto überweisen, ihm etwas von<br />

meiner Zeit zukommen lassen würde, Zeit, auf die er<br />

insgeheim vielleicht gehofft und gewartet hat, es ist<br />

nicht mehr möglich. Das Konto wurde gelöscht, die<br />

Zeit im wahrsten Sinne des Wortes vertan. Unwiederbringlich.<br />

Aus und vorbei. Wie heißt es beim Roulett:<br />

„Rien ne va plus“ – nichts geht mehr. Auch im<br />

Spiel des Lebens gilt diese Regel.<br />

Wenn ich dies bedenke, wird mir klar, wie gleichgültig,<br />

ja sozusagen schlampig ich oft mit meiner täglichen<br />

Zeit(gutschrift) umgehe. Vielleicht sollte ich<br />

bei der Überlegung, wie ich meine Zeit richtig anlege,<br />

doch mehr auf „langfristige“ Anlageformen mit<br />

guter Verzinsung achten. Aber was bedeuten in diesem<br />

Zusammenhang Zinsen? Zinsen, so denke ich,<br />

ergeben sich aus der Zeit, die ich in die Zuwendung<br />

für den anderen investiere, indem ich ihm aktiv zuhöre,<br />

ihn annehme wie er ist, ihn begleite, wo es nötig<br />

wird, oder ihn durch praktische Hilfe unterstütze.<br />

Aber auch kreatives, schöpferisches Wirken z. B. in<br />

der bildenden Kunst oder Literatur sind geeignete<br />

Formen langfristiger Zeitinvestitionen.<br />

Wie sagt Goethe<br />

in seinem Gedicht „Vermächtnis“:<br />

…und war es endlich<br />

dir gelungen, und bist du<br />

vom Gefühl durchdrungen:<br />

was fruchtbar ist, allein ist<br />

wahr (…)<br />

All diese auf den Mitmenschen<br />

hin orientierte, investierte<br />

Zeit hinterlässt in der<br />

Seele eines Menschen eine<br />

biophile, lebensbejahend positive<br />

Spur. In der Erinnerung wandelt sie sich zu lebendig<br />

bleibenden Augenblicken, die wie kleine, kostbare<br />

Juwelen aus vergangener Zeit funkeln und weiter wirken.<br />

Wenn das geschieht, wenn meine Zeit auf dem Lebenszeit-Konto<br />

meiner Mitmenschen als eine positive<br />

Erinnerungsbuchung erscheint, dann, ja dann fängt<br />

3/<strong>2004</strong> 27


meine Zeit an, Zinsen zu bringen, auch wenn es mein<br />

Konto nicht mehr gibt. Mir scheint, eine bessere, langfristig<br />

gute Kapitalanlage meiner Zeit als die in soziale,<br />

mitmenschliche Beziehungen und Aufgaben gibt es nicht.<br />

Bleibt zum Schluss meiner Gedanken, meine Zeit<br />

einmal als einen täglich einmaligen kapitalen Investitionswert<br />

zu betrachten, festzustellen, dass es sich bei<br />

meinem erdachten Lebenszeit-Konto um ein reines<br />

„Diesseits-Konto“ handelt. Ob es neben diesem irdischen<br />

Konto mit seinen Zeitbuchungen auch eine zeitlose,<br />

sagen wir transzendente-online Buchung auf ein<br />

für uns nicht einsehbares, unauflösbar-ewiges Jenseits-Konto<br />

gibt, weiß ich nicht und überlasse diese<br />

Möglichkeit gerne den freien, individuellen Gedanken<br />

des Lesers bzw. der Leserin. Was hat Buddha gesagt:<br />

„Du bist, was du warst; und du wirst sein, was du tust.“<br />

Wie dem auch sei, eines erscheint mir bedenkenswert.<br />

Ich sollte mir öfter darüber klar werden, wie<br />

kostbar, einmalig und vergänglich meine persönliche<br />

Lebenszeit ist. Meine Chancen und Gelegenheiten, sie<br />

richtig anzulegen, sind begrenzt, oft einmalig und<br />

nicht beliebig wiederholbar. Als ein hohes, wertvolles<br />

Gut sollte sie nicht unbedacht vertan werden. Dies gilt,<br />

so denke ich, im besonderen Maße für Menschen im<br />

dritten Lebensalter, also für mich.<br />

Eberhard Freundt<br />

durch<br />

blick<br />

Philosophie<br />

Ehrenamt<br />

Verschönerung am Haus Herbstzeitlos<br />

Dass die älteren Menschen sich nicht nur aktiv an<br />

den Projekten des Seniorenbüros beteiligen, sondern<br />

auch bereit sind, tatkräftig an dessen Instandhaltung<br />

mitzuwirken, bewies ein Arbeitseinsatz im<br />

letzten Monat. Die Seniorenbeauftragte<br />

der Stadt<br />

Siegen, Astrid E. Schneider,<br />

hatte um Unterstützung gebeten<br />

– und erhielt diese in<br />

großem Umfang.<br />

Aktive aus dem Seniorenbeirat<br />

und dem Verein Alter-<br />

Aktiv sowie Ehrenamtliche<br />

aus dem Seniorenbüro rückten<br />

mit Werkzeugen und viel<br />

Tatendrang dem verwilderten<br />

Grundstück am Haus Herbstzeitlos<br />

zu Leibe. Nach zwei<br />

Tagen waren die Außenanlagen<br />

nicht wieder zu erkennen.<br />

28 3/<strong>2004</strong>


meine Zeit an, Zinsen zu bringen, auch wenn es mein<br />

Konto nicht mehr gibt. Mir scheint, eine bessere, langfristig<br />

gute Kapitalanlage meiner Zeit als die in soziale,<br />

mitmenschliche Beziehungen und Aufgaben gibt es nicht.<br />

Bleibt zum Schluss meiner Gedanken, meine Zeit<br />

einmal als einen täglich einmaligen kapitalen Investitionswert<br />

zu betrachten, festzustellen, dass es sich bei<br />

meinem erdachten Lebenszeit-Konto um ein reines<br />

„Diesseits-Konto“ handelt. Ob es neben diesem irdischen<br />

Konto mit seinen Zeitbuchungen auch eine zeitlose,<br />

sagen wir transzendente-online Buchung auf ein<br />

für uns nicht einsehbares, unauflösbar-ewiges Jenseits-Konto<br />

gibt, weiß ich nicht und überlasse diese<br />

Möglichkeit gerne den freien, individuellen Gedanken<br />

des Lesers bzw. der Leserin. Was hat Buddha gesagt:<br />

„Du bist, was du warst; und du wirst sein, was du tust.“<br />

Wie dem auch sei, eines erscheint mir bedenkenswert.<br />

Ich sollte mir öfter darüber klar werden, wie<br />

kostbar, einmalig und vergänglich meine persönliche<br />

Lebenszeit ist. Meine Chancen und Gelegenheiten, sie<br />

richtig anzulegen, sind begrenzt, oft einmalig und<br />

nicht beliebig wiederholbar. Als ein hohes, wertvolles<br />

Gut sollte sie nicht unbedacht vertan werden. Dies gilt,<br />

so denke ich, im besonderen Maße für Menschen im<br />

dritten Lebensalter, also für mich.<br />

Eberhard Freundt<br />

durch<br />

blick<br />

Philosophie<br />

Ehrenamt<br />

Verschönerung am Haus Herbstzeitlos<br />

Dass die älteren Menschen sich nicht nur aktiv an<br />

den Projekten des Seniorenbüros beteiligen, sondern<br />

auch bereit sind, tatkräftig an dessen Instandhaltung<br />

mitzuwirken, bewies ein Arbeitseinsatz im<br />

letzten Monat. Die Seniorenbeauftragte<br />

der Stadt<br />

Siegen, Astrid E. Schneider,<br />

hatte um Unterstützung gebeten<br />

– und erhielt diese in<br />

großem Umfang.<br />

Aktive aus dem Seniorenbeirat<br />

und dem Verein Alter-<br />

Aktiv sowie Ehrenamtliche<br />

aus dem Seniorenbüro rückten<br />

mit Werkzeugen und viel<br />

Tatendrang dem verwilderten<br />

Grundstück am Haus Herbstzeitlos<br />

zu Leibe. Nach zwei<br />

Tagen waren die Außenanlagen<br />

nicht wieder zu erkennen.<br />

28 3/<strong>2004</strong>


Wenn es ohne Pflege nicht mehr geht<br />

Wenn es ohne Pflege nicht mehr geht<br />

Ganz neu: Einrichtungskomfort für Senioren bei<br />

Ganz neu: Einrichtungskomfort für Senioren bei<br />

Möbel Möbel Zimmermann Zimmermann / Wohnliche Wohnliche Möbel Möbelmit mit Funktion Funktion<br />

Martha M. kann nicht mehr. Seit sie<br />

ihren Mann verloren hat, geht es<br />

ihr gesundheitlich nicht mehr gut.<br />

Diabetes, Hüftprobleme, und dann die<br />

Einsamkeit ...Die meiste Zeit liegt sie<br />

im Bett und grübelt. Der Pflegedienst<br />

kommt fünfmal inder Woche.<br />

Tochter Anneliese will nicht mehr mit<br />

ansehen, wie sich ihre Mutter quält. Der<br />

Familienrat beschließt: Du ziehst zu uns!<br />

In der Einliegerwohnung ist genug Platz,<br />

die Kinder sind aus dem Haus. Martha<br />

M. freut sich. Nicht alleine zu sein, das ist<br />

ihr das Wichtigste.<br />

Viele Möbel möchte die 82-Jährige aus<br />

ihrer alten Wohnung mitnehmen. Aber<br />

das große Schlafzimmer? Das bleibt da.<br />

Ein neues Bett muss her. Die Krankenkasse<br />

empfiehlt ein Pflegebett, das man<br />

leihweise bekommt. Aber Tochter und<br />

Schwiegersohn haben von einer neuen<br />

Abteilung bei Möbel Zimmermann<br />

gehört: Seniorengerechtes Wohnen. Hier<br />

sehen sie sich gemeinsam mit der Mutter<br />

um.<br />

Auf den ersten Blick wirkt das Bett,<br />

das vorn inder Ausstellung steht, gar<br />

nicht wie ein Pflegebett. In warmem<br />

Auf die Schnelle<br />

Manchmal muss es schnell gehen:<br />

Wenn ältere oder auch junge Menschen<br />

plötzlich erkranken und nach<br />

einem Krankenhausaufenthalt pflegebedürftig<br />

werden, ist das nicht<br />

nur für die Betroffenen, sondern<br />

auch für die Familie ein Schock.<br />

Dann ist schnelles Handeln angesagt.<br />

Kommt ein Familienmitglied<br />

als Pflegefall nach Hause, muss<br />

innerhalb von Tagen die Einrichtung<br />

pflegegerecht umgestaltet<br />

werden. Möbel Zimmermann bietet<br />

deshalb ein Schnellliefer-Programm.<br />

Innerhalb von einer Woche stehen<br />

die Möbel aus diesem Programm<br />

einschließlich Pflegebett zu Hause.<br />

Buchenholzton sieht<br />

es richtig wohnlich<br />

aus. Die Raffinesse<br />

sitzt unter der<br />

Matratze: Vier Motoren<br />

bringen den Rahmen<br />

auf Knopfdruck<br />

in die richtige Position.<br />

Das Bett fährt<br />

sanft hinauf und hinunter,<br />

das Aufstehen<br />

geht kinderleicht.<br />

Kopf- und Fußteil<br />

sind natürlich separat<br />

verstellbar. Ein Haltegriff<br />

zum Hochziehen<br />

ist am Bett montiert.<br />

Seitliche Barrieren<br />

sorgen für Sicherheit,<br />

sind aber jederzeit<br />

absenkbar. Ein Bett<br />

mit allen Schikanen, besser als im Krankenhaus<br />

– und viel, viel gemütlicher.<br />

Martha M.ist auch begeistert von dem<br />

Nachtschrank, den es passend dazu gibt.<br />

Hier ist an alles gedacht: Herausklappbarer<br />

Esstisch,<br />

Haken,<br />

beidseitig<br />

herausziehbare<br />

Schubladen.<br />

Unten kann<br />

Mit großzügigen Auszügen<br />

und durchdachten Details<br />

ist der komfortable Kleiderschrank<br />

versehen.<br />

Rosemarie Ansorge (54), Einrichtungsexpertin bei Möbel Zimmermann:<br />

Diese Möbel sind nicht nur für pflegebedürftige<br />

Menschen, sondern für alle, die lebenserleichternde Funktionen<br />

oder auch nur höchsten Komfort verlangen.<br />

sogar ein<br />

Kühlschrank<br />

eingebaut<br />

werden.<br />

Komfort<br />

wie in einer<br />

Privatklinik<br />

fürs heimische<br />

Schlafzimmer.<br />

Tochter<br />

Anneliese<br />

öffnet den<br />

Schrank aus dem Möbelprogramm. Aufgeklappt<br />

wird er zum richtigen Pflegezentrum.<br />

In beiden Schrankhälften sind<br />

alle Utensilien griffbereit untergebracht.<br />

Ob Familienangehörige die Pflege übernehmen<br />

oder ob Profis ins Haus kommen<br />

– hier ist nichts Behelf, sondern alles gut<br />

durchdacht organisiert.<br />

Die Familie entscheidet sich für die Einrichtung<br />

des Schlafzimmers aus einem<br />

Guss. Oma Martha findet den<br />

Kirschbaumton noch schöner als Buche<br />

und wählt die etwas dunklere Oberfläche.<br />

Finanziell schlägt das Pflegebett am<br />

meisten zu Buche, aber mit diesem Bett<br />

ist Martha M. für alle Fälle gerüstet.<br />

Tochter und Schwiegersohn sind sich<br />

einig: „Unsere Mutter hat so viel für uns<br />

getan, jetzt tun wir etwas für sie.“<br />

Die größte Einrichtungsschau im Siegerland<br />

Direkt an der Autobahnausfahrt Freudenberg<br />

g<br />

3/<strong>2004</strong> 29


durch<br />

blick<br />

Buchbesprechung<br />

Ein berühmt-berüchtigtes Gespenst<br />

Mir wurde ein Büchlein vorgelegt mit der Bitte,<br />

es zu lesen und im „durchblick“ zu besprechen. Es ist<br />

ein handliches, dünnes Heftchen in den Farben Blau/<br />

Beige gehalten mit dem Konterfei von Fürst Johann<br />

Moritz von Nassau-Siegen. Der Titel lautet: „Liebe<br />

Orte“, und das Kunstwerk ist hervorgegangen aus<br />

einem literarischen Wettbewerb, ausgeschrieben zu<br />

Ehren von Fürst Johann Moritz. Den Teilnehmern<br />

war die Auseinandersetzung mit dem Thema: „FJM<br />

(gleich, welchen Alters oder welchen Berufes) kehrt<br />

nach Jahren in seine Heimatstadt Siegen zurück“ vorgegeben.<br />

Er sucht Lieblingsplätze und vergessene<br />

Lieben auf und verinnerlicht die Veränderungen, die<br />

mit den vertrauten Orten und den geliebten Menschen<br />

vor sich gegangen sind.<br />

Durch zehn Geschichten geistert FJM, und ich<br />

habe sie mit Begeisterung gelesen. Es bedurfte auch<br />

von meiner Seite großer Phantasie, um mich auf die<br />

„Phantastereien“ der Autoren einlassen zu können<br />

und Verständnis zu entwickeln. Auferstehung war<br />

verordnet, sicherlich nicht in der Form, wie sie den<br />

meisten Gläubigen vorschwebt. FJM muss schon aus<br />

Gefilden gekommen sein, die bisher kaum je beschritten<br />

wurden. Er konnte nur mit einer Reisege-<br />

nehmigung von dort aufbrechen. Letztere ließe sich,<br />

natürlich, auch anders belegen, je nach Glaubensrichtung,<br />

der man anhängt. In der Geschichte von Silke<br />

Barden (freie Autorin), mit dem Titel „Sieben Stunden<br />

Heimat“ benötigt er sie auf jeden Fall. Er darf für<br />

sieben Stunden in seine irdische Heimat zurück. Es<br />

stimmt mich etwas traurig, dass es in der Ewigkeit<br />

auch eine Zeiteinteilung gibt. FJM ist von großer<br />

Neugier beseelt, und die Zeit ist zu knapp bemessen,<br />

um diese ausreichend zu befriedigen. Es sind lauter<br />

Höhepunkte, die sich in dieser Geschichte aneinander<br />

reihen.<br />

Vielleicht hat die Aufregung, die sich seiner<br />

bemächtigt haben mag anlässlich der Ehrungen zu seinem<br />

400. Geburtstag, ihn auch zu wilden Träumen<br />

veranlasst, die ihm eine Rückkehr in den unterschiedlichsten<br />

Abläufen ermöglichten (soweit man im Jenseits<br />

auch träumen mag). Kerstin Matthies hat nämlich<br />

das Traumelement in ihrer Geschichte „Margas<br />

Traum“ aufgegriffen. Sie begegnet ihm an einem<br />

Frühlingsmorgen und reicht ihm einen Becher mit einem<br />

heißen Getränk, verbringt mit ihm einen Herbstabend,<br />

an dem sie ein Bad in der Menschenmenge<br />

erleben. Eine alte Frau erklärt FJM, dass die meisten<br />

ihn nur von dem Etikett einer Bierflasche kennen.<br />

Nach dem sie Hand in Hand von ihrem Ausflug<br />

zurückgekehrt sind, schreckt Marga in ihrem Bett<br />

hoch. In „Das Haus“ von Pia Ingeborg Leitloff ist<br />

FJM selbst Teil eines Traumes, die restliche Zeit<br />

durchschreitet er die Realität (wenn man sie dann so<br />

nennen will). Aber Traum und Wirklichkeit klaffen<br />

weit auseinander. Er träumt von dem, was war und<br />

sieht das, was ist. Mit einer zu großen Erwartungshaltung<br />

ausgestattet, erlebt er nichts als Enttäuschungen.<br />

In dem Beitrag „FJM in Siegen“ von Silvia<br />

Both wäre er fast Opfer eines Verkehrsunfalles<br />

geworden. Anna, die Fahrerin des Autos, fungiert<br />

dann als Fremdenführerin. Sie vermutet, er spiele eine<br />

Rolle und beobachtet aufmerksam, ob sie nicht<br />

von „Vorsicht Kamera“ genarrt wird. FJM bezeichnet<br />

sich als Reisender zwischen den Zeiten, und ich<br />

frage mich, ob er sich vielleicht noch in dem<br />

Zwischenbereich befindet, von dem aus die Seelen<br />

irgendwann ihrer Bestimmung zugeteilt werden.<br />

Jochen Dietrich geht in seiner Geschichte „Zwei<br />

Apfelsinen im Haar“ der Frage nach, welche Rolle<br />

das weibliche Geschlecht im Leben und Wirken „des<br />

Brasilianers“ gespielt hat. Er berichtet Pikantes, u. a.,<br />

dass sich in der Fürstengruft zwei Skelette befinden,<br />

das von FJM und daneben das einer Frau.<br />

30 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Buchbesprechung<br />

In „Verkehrungen“ von Dieter Gaumann befindet<br />

sich FJM in psychiatrischer Behandlung. Kokain ist<br />

durch Pillen ersetzt worden, die weniger Stimmungsschwankungen<br />

verursachen. Er wird von seiner Mutter<br />

ans Krankenlager seines Vaters gerufen und hatte<br />

die Absicht, die stillgelegte Liebe zu Anna mit etwas<br />

problemlosem Sex wieder in Betrieb zu nehmen. Marlies<br />

Obier greift den Ausspruch von FJM auf „So weit<br />

der Erdkreis reicht“. Seine Erinnerungen werden aufgezeigt<br />

in einem Wechselspiel zwischen Alter und<br />

Neuer Welt. Die abschließende Erkenntnis von FJM<br />

lautet: „Die Gegenwart und die Geschichte zu verbinden<br />

ist nun meine Lebenspflicht.“ „Aus der gebrochenen<br />

Welt sommertags“ von Petra Rosenthal<br />

konfrontiert uns mit einem Zwiegespräch zwischen<br />

FJM und seiner vor ihm verblichenen Frau. Sie ging<br />

vor 40 Jahren in die Sieg, und FJM kann es nicht lassen,<br />

sich auf seine Sieg zu betten, um wieder mit ihr<br />

vereint zu sein. Kerstin Schneider schildert in „In der<br />

Ferne ein Funke“ ein Wiedersehen mit Marie, die<br />

FJM wohl ein Leben lang verzweifelt geliebt hat und<br />

der er bei ihrer erneuten Begegnung die Taufschale<br />

widmet, die er der Nikolaikirche zum Geschenk<br />

machte. U. a. entwirft er in dieser Geschichte eine Vision<br />

von der zukünftigen Gestalt der Stadt Siegen.<br />

Und sie endet mit der Vorstellung, dass die Seelen<br />

von ihm und Marie einst vereint zwischen den Molekülen<br />

der Luft über Siegen glimmen werden. Und<br />

nun kommt eine Geschichte daher, frivol und respektlos,<br />

für mich aber verzeihlich, da FJM im Rahmen<br />

der Festlichkeiten ausreichend gewürdigt wurde.<br />

Volker Brune titelt „Mitternachtstalk“ mit FJM,<br />

und dieser Talkie hat mich vollends überrannt, amüsiert<br />

und fasziniert. Er erinnert mich an die Moritaten,<br />

an denen sich frühere Generationen zu delektieren<br />

pflegten und die auch heute noch, vorwiegend<br />

von älteren Menschen geschätzt werden.<br />

FJM hatte sich in der Zeit, als es noch keinen<br />

Treppenlifter gab, Stiegen zu seiner Gruft anlegen<br />

lassen. Er hatte ja auch nicht die Absicht, selbige je<br />

wieder zu verlassen. Da aber, Jahrhunderte später,<br />

immer noch kein würdiger Nachfolger aufgetaucht<br />

war, fühlte er sich bemüßigt, in der Seifenblase eines<br />

geistigen Konstruktes als reanimierte Person<br />

und angemodertes Skelett, die Aufersteigung zu wagen.<br />

Sein Gegenüber tat sich schwer, das Gefasel,<br />

welches auf spärliche Zahnbestände und einen unglaublichen<br />

Dialekt zurückzuführen war, zu verstehen.<br />

Der Journalist war mit dem Glockenschlag<br />

zwölf zu ihm hinabgestiegen, um ihn für eine Flanierstunde<br />

in den Gassen Siegens zu gewinnen. Er<br />

hängte ihm einen schwarzen Kapuzenmantel um und<br />

versah ihn mit einer Laterne. Eine heftige Arthrose<br />

ließ FJM schmerzhaft stöhnen und das Gerippe klapperte<br />

bei jeder Erschütterung. Als FJM sich selbstständig<br />

gemacht hatte und vor eine Betonwand rannte,<br />

konnte sich der Journalist eines moralischen<br />

Unbehagens nicht erwehren. Sie standen vor Karstadt,<br />

wo FJM ein Franziskanerkloster vermutet hatte,<br />

und sein Begleiter musste ihm, dem kultivierten<br />

Krönchenspender, die Geschmacksausrutscher unserer<br />

nachkriegszeitlichen Betonfetischisten beichten.<br />

Er war schier überfordert, den Begriff Kaufhaus verständlich<br />

zu machen. Hurtig weiter an dem Vieh in<br />

der Alten Poststraße vorbei. Vor der Nikolaikirche,<br />

wo der Fürst sich auch nach der Taufschale erkundigte,<br />

muss er den kläglichen Versuch gemacht haben,<br />

zu lachen. Seine Reaktion überraschte. Oberund<br />

Unterkiefer klafften weit auseinander, die verbliebenen<br />

Fürstenzähne klapperten schauerlich und<br />

27 Handknöchelchen klopften immer wieder auf den<br />

Oberschenkel. Befragt nach dem Auslöser für den<br />

Lachanfall sagte der Fürst, er hätte nie gedacht, dass<br />

so ein Inkakitsch die Jahrhunderte überdauern könnte.<br />

Sie hätte sich ja weder als Hundenapf noch als<br />

Obstschale verwenden lassen, und so habe er sie der<br />

Gemeinde zum Geschenk gemacht.<br />

Ihm verblieben noch knapp 30 Minuten. Die blanken<br />

Fersenbeine schmerzten den Fürsten, und nur mit<br />

heftigem Ziehen und Zerren konnte man ihn noch<br />

vorwärts bewegen. Aber Rast war nicht einkalkuliert.<br />

Das Obere Schloss wollte er auslassen. Phantastisch<br />

mobilisiert, nahm er Oberschenkel, Schien- und Wadenbeine<br />

in die Handknochen und sauste wie ein<br />

Blitz zur Martinikirche. Er lehnte über der alten<br />

Stadtmauer und schaute ins Siegtal hinab. Seine Augenhöhlen<br />

hatten sich verdunkelt und sein Unterkieferknochen<br />

vibrierte, wie der von Weinenden. Er war<br />

erschüttert ob der Veränderungen. Sein Begleiter versuchte,<br />

ihm zu schmeicheln, was ihn aber wenig beeindruckte.<br />

Er sagte: „Es bleybet die Erinnerung uf<br />

seynem Weg zur ewgen Ruh.“ Er drehte dem Siegtal<br />

das Rückgrat zu. Der Journalist stützte ihn auf dem<br />

Wege zur Gruft. Es schlug eins, als er den Sarkophag<br />

verschloss. Zuvor meinte er erkannt zu haben, dass<br />

sich Ober- und Unterkiefer von FJM leicht wie zu einem<br />

Lächeln öffneten.<br />

Es stellt sich die Frage: „Lohnt sich ein Zurückkommen?<br />

Hängt die Erfüllung vielleicht von der Absicht,<br />

die man verfolgt oder von dem Auftrag, den man<br />

erhält, ab? Ich hoffe, ich habe viele Leser neugierig<br />

machen können auf dieses Kleinod an Kostbarkeiten,<br />

das erworben werden kann bei der VHS Oranienstraße,<br />

in der Galerie Unikat Kölner Straße oder in der<br />

Buchhandlung „Am Kölner Tor“. Erika Krumm<br />

3/<strong>2004</strong> 31


Der Siegener Schwurgerichtsprozess um Rotlicht<br />

und Blaulicht endet vermutlich – aber nicht garantiert<br />

– mit dem Urteil am 30. August, zwei Wochen nach<br />

Redaktionsschluss. Dass die Siegener Bürger bei<br />

noch so bemühter Berichterstattung jetzt keinen<br />

„Durchblick“ über den Prozessverlauf bekommen,<br />

liegt somit daran, dass ein Rückblick vor Plädoyers<br />

und noch offenem Urteil nicht möglich ist.<br />

Zahlen und Fakten zu Umfang, Aufwand und Kosten<br />

sowie letztlich auch das Urteil selbst gegen den<br />

Mann, der die Bombe 1992 im Mercedes hinter dem<br />

Parkhotel angebracht haben soll – alles das ist noch offen.<br />

In der Öffentlichkeit kursiert<br />

die Meinung: „Da blickt<br />

doch keiner mehr durch.“<br />

Von den Männern, denen<br />

die Anklage im Januar 2002<br />

Verbrechen im Rotlichtmilieu<br />

vorgeworfen hat, ist bisher nur der einstige Boss und<br />

Drahtzieher, Winfried (Winnie) Runzheimer, angeklagt<br />

wegen Mordversuchs, verurteilt worden. Er hatte<br />

schon Mitte vorigen Jahres gestanden, den Auftrag<br />

zu dem Autobombenattentat erteilt zu haben, bei dem<br />

nicht der Zuhälter, dem der Anschlag galt, sondern unvorhergesehen<br />

dessen Begleiterin ums Leben kam.<br />

Der Vorwurf des Mordes an der Prostituierten war<br />

vom Staatsanwalt nicht beibehalten worden, da der<br />

Tod der 29-Jährigen – auch nach Überzeugung des<br />

Gerichts – nicht vorhersehbar gewesen war. Der Vorwurf<br />

der „fahrlässigen Tötung“ war verjährt.<br />

(WR-Bild: H. G. Simon)<br />

Angeklagter zwischen seinen Verteidigern<br />

durch<br />

blick<br />

Gesellschaft<br />

Siegen zwischen Rotlicht und Blaulicht<br />

Der Prozess hat eine Fülle<br />

von Fragen offen gelassen.<br />

Warum so lange? Warum<br />

so spät? Warum so teuer?<br />

Runzheimer erhielt im Frühjahr eine Freiheitsstrafe<br />

von 12 Jahren. Gegen zwei der acht Angeklagten<br />

wurde die ihnen angelastete Beihilfe zum Mordversuch<br />

eingestellt, für drei weitere Männer blieb es<br />

bei „Beihilfe“ durch Unterstützung bei der Vorbereitung<br />

zu dem Anschlag. Der zweite Komplex der Anklage:<br />

„Schwere Brandstiftung“ im Bordell in der<br />

Donnerscheidstraße 1995, der zwei Prostituierte zum<br />

Opfer fielen, betraf nur einen der Männer. Der<br />

Freund des „Rotlichtkönigs“ hatte gestanden, dass er<br />

die Konkurrenz zu seiner eigenen „Terminwohnung“<br />

aus dem Revier vertreiben wollte. Die schwere<br />

Brandstiftung wurde mit 7 Jahren Haft geahndet. Von<br />

Tötungsvorsatz nahm das Gericht Abstand.<br />

Im Zusammenhang mit dem Brand in der Donnerscheidstraße<br />

war das Verfahren gegen den Siegener<br />

Kriminalhauptkommissar verbunden, der – wegen<br />

Strafvereitelung im Amt aus<br />

Gründen der Vorteilsnahme – angeklagt<br />

war. Das Gericht stellte<br />

diese Anklage nach über zweijähriger<br />

Prozessdauer ein. Die<br />

Staatsanwaltschaft ging davon<br />

aus, dass der Kripomann als Brandermittler<br />

die Brandstiftung als Ursache nicht erkannt<br />

und irrtümlich einen technischen Defekt als Ergebnis<br />

genannt habe. Für den „folgenschweren Fehler“ hat er<br />

eine Geldbuße von 10.000 Euro zu zahlen.<br />

Der Prozess hat eine Fülle von Fragen offen gelassen.<br />

Warum so lange? Warum so spät? Warum so teuer?<br />

Die einzige Antwort darauf dürfte sein, dass Tötungsverbrechen,<br />

auch Mordversuche, nach moralischem<br />

und juristischem Gesetz gesühnt werden müssen.<br />

Ermittlungsfehler und Pannen viele Jahre nach<br />

den Verbrechen, widersprüchliche, falsche Aussagen<br />

von Zeugen – oft selbst aus dem „Milieu“ – und<br />

unsägliche Verzögerungen durch Verteidigeranträge,<br />

ließen den Rotlichtprozess zur fast unendlichen Geschichte<br />

und zum Reizwort in der Öffentlichkeit werden.<br />

Beispielhaft für den gesamten Prozessverlauf ist<br />

schließlich die Tatsache, dass das Verfahren nach dem<br />

beantragten „Lebenslänglich“ gegen den mutmaßlichen<br />

Bombenleger für gesetzlich befristete 30 Tage<br />

unterbrochen werden musste: Die Überraschung: Der<br />

letzte bis dahin schweigsame Angeklagte gestand den<br />

Autobombenanschlag. Den versuchten Mord an „Richie“<br />

im Sinn der Anklage und den Mord an dessen<br />

Begleiterin, den der Staatsanwalt in diesem Fall nicht<br />

aus der Anklage genommen hatte, bestritt der 51-<br />

jährige Familienvater. Ein erneutes Plädoyer der<br />

Staatsanwaltschaft wird nun am 23. August erwartet.<br />

Für die Verteidigung gibt es jetzt die Aussage ihres<br />

Mandanten, dass der Tod des Zuhälters durch die vorgegebene<br />

Platzierung der Bombe im Wagen zwar als<br />

möglich in Kauf genommen, aber nicht beabsichtigt<br />

worden sei. Somit gilt der Satz: Vorhang fast zu – fast<br />

alle Fragen offen.<br />

Maria Anspach<br />

32 3/<strong>2004</strong>


durch<br />

blick<br />

Historisches<br />

Gesetz und Recht in früheren Jahrhunderten<br />

So streng waren einst die Bräuche<br />

Täglich berichten die Medien von Prozessen am<br />

Siegener Landgericht, Verfahren zwischen Kleinkriminalität<br />

und Kapitalverbrechen.<br />

Aufschlussreich sind da vergleichsweise die Zustände<br />

und Umstände bei der Siegener „Gerechtsamkeit“,<br />

im Rückblick auf Jahrhunderte.<br />

In den Türmen der Stadt, die zum Teil heute einen<br />

Rest von urbaner Idylle bewahren, wurden beschuldigte<br />

Untertanen der fürstlichen Landesregierung im<br />

Mittelalter gefangen gehalten. Im Hexenturm im<br />

Schlosspark legten die Landesherren des Fürstentums<br />

Nassau-Siegen ihre Gefangenen in Ketten. Es konnte<br />

jeden treffen. Ein städtischer Türmer wurde 1705<br />

von der katholischen Regierung in einen Schlossturm<br />

gebracht. Sein Verbrechen: Er hatte „dem uralten<br />

Brauch zuwider“, seinen Morgengruß mit dem Horn<br />

zuerst in Richtung des Nassauischen Hofes geblasen<br />

und erst danach die weckenden Töne Richtung Burg<br />

auf den Siegberg geschickt. Gesetze der Nassauischen<br />

Landesverordnung verkündeten noch im 18.<br />

Jahrhundert Erschreckendes: „Verdächtige, welche<br />

sich in Ansehung ihrer Person nicht legitimieren können,<br />

sollen lebenslänglich eingesperrt oder an die Galeere<br />

des fremden Militärs abgegeben werden.“ Im<br />

Rückblick auf solche Vergangenheit stellte der Siegener<br />

Amtmann Karl Friedrich Schenck 1820 in seiner<br />

„Statistik des Kreises Siegen“ fest: „Das Verhältnis<br />

der Verbrechen zur Bevölkerung ist nicht so, dass<br />

man über allgemeine Verdorbenheit klagen könnte.<br />

Mit noch mehr Strenge könnten jedoch die wenigen<br />

Ausnahmen vermieden werden.“<br />

Dass Gesetze zu Sparmaßnahmen empfindlich ins<br />

bürgerliche Leben eingreifen, soll sogar heute noch<br />

vorkommen, freilich nicht so krass, wie anno dazumal.<br />

Da gab es um 1780 nach „gnädigsten Mandat“<br />

über die unchristliche Verschwendung eine: „willkürliche<br />

Geldstrafe für jeden, der etwas – und sei es<br />

eine Wecke – annimmt oder verschenkt.“<br />

Es gab auch noch unter preußischer Herrschaft im<br />

19. Jahrhundert drastische Maßregelungen: Arreststrafen<br />

für „Beamtenbeleidigung“ – „Traubendiebstahl“<br />

– „unzulässiges Möhrenausrupfen“ oder „Vernachlässigung<br />

der Reinigung eines öffentlichen<br />

Ofenrohrs“. Eine noble Geste des Preußenkönigs erfuhr<br />

Karl Grund aus Siegen, der wegen Diebstahl eines<br />

Geldbeutels fünf Jahre ins Zuchthaus sollte und<br />

zu einem Jahr Gefängnis begnadigt wurde. Sechs<br />

Monate hinter Gittern wurden „wegen qualifizierter<br />

Misshandlung eines Kaufmanns “ dem städtischen<br />

Nachtwächter aufgebrummt.<br />

Zu dieser Zeit gab es im Rathaus einen „Bürgerzwinger“,<br />

den der damalige Bürgermeister Trainer<br />

„als Ort der Besinnung für schwankende Gestalten“<br />

eingerichtet hatte. Im angegliederten „Kittchen“,<br />

dem Polizeigefängnis, war außerdem immer ein<br />

Zimmer für kleine Sünder frei. Zur Unterhaltung<br />

dienten den Eingesperrten, wie im Stadtarchiv nachzulesen<br />

ist, die Festlichkeiten, die mit „Geruf, Gerummel<br />

und Geräusch“ von den angesehenen Bürgern<br />

im großen Saal abgehalten wurden.<br />

Mehr Platz mit 12 Zellen war im ersten Gefängnishaus<br />

hinter der Justizverwaltung an der Poststraße.<br />

Es wurde nicht zu eng. Laut Statistik war 1862 nur<br />

jeder Fünfzehntausendste Siegener Bürger ein „zu<br />

arrestierender Kriminalverbrecher“.<br />

Dass Gesetze zur Steigerung der Sparsamkeit<br />

empfindlich in das bürgerliche Privatleben eingreifen,<br />

galt durch die Jahrhunderte und soll auch heute<br />

noch vorkommen, allerdings weniger krass, als anno<br />

dazumal: Da heißt es in Texten um 1780 im „gnädigsten<br />

Mandat“ über die beim Schenken geübte Verschwendung:<br />

„Wird in Haus und Wirtschaft etwas –<br />

sei es eine Wecke – gegeben oder angenommen so ist<br />

dies bei willkürlicher Strafe verboten.“<br />

So blieb vieles, was das Leben angenehm macht,<br />

lange Zeit in Nassau–Siegen, und auch noch unter<br />

Preußens Gloria, gnadenlos auf der Strecke. Die Zeiten<br />

haben sich geändert, wohl nicht zuletzt, weil die<br />

Menschen sich auch geändert haben, wenigstens ein<br />

bisschen.<br />

Maria Anspach<br />

Hexenturm im Siegener Schlosspark<br />

3/<strong>2004</strong> 33


durch<br />

blick<br />

Kultur<br />

Ein Wellnesserleben<br />

das war mein Bestreben,<br />

in einem Haus mit Ambiente,<br />

denn ich bekomme eine gute Rente<br />

Um mich zu vitalisieren<br />

wollt ich es auch einmal probieren,<br />

und dass ich erlebe<br />

Heil an Leib und Seele<br />

Im Internet da surft ich ganz entschlossen<br />

und wurde dabei schon bald verdrossen,<br />

las überrascht und ganz verdutzt:<br />

„Wellness von Älteren kaum genutzt“.<br />

In die Hände fiel mir ein Prospekt,<br />

da sah ich es direkt<br />

„Erholen, begegnen, heilen<br />

und in der Meditation verweilen“.<br />

Aquafitness und Aromamassage,<br />

Lichttherapie und Training für die Blase,<br />

ein wenig den Körper renovieren,<br />

und dabei ein paar Kilos verlieren.<br />

Dachte, das ist es, da greifst du zu,<br />

hatte mit email gebucht im Nu,<br />

doch so hatt ich es nicht geahnt<br />

war schon ein wenig anders geplant.<br />

Wellness<br />

Schon früh begann der Stressabbau,<br />

um 6 Uhr war mir schon einmal flau.<br />

Ich hörte bewegen, bewegen<br />

denn nur die Bewegung bringt Segen!<br />

Abwechselnd ging es nun so weiter,<br />

erst Schwimmzug, dann Klimmzug,<br />

und endlich war es dann soweit<br />

das Wellnessfrühstück stand bereit.<br />

Ein Buffet auf englische Art,<br />

dabei hatte man<br />

mit dem Fett nicht gespart.<br />

Ein probiotischer Drink in<br />

„Fit & Aktiv“ offeriert,<br />

den hat ich bisher noch nie probiert<br />

In meinem Supersoft-Finish-Hemd<br />

ging es weiter zu dem nächsten Trend.<br />

Massieren und Grimmmassieren,<br />

auch das wollte ich ausprobieren.<br />

Und damit das Wichtigste nicht fehle,<br />

kam nun ein Gespräch für die Seele.<br />

Durch das Crystalbad ließ ich mich treiben,<br />

um immer schön locker zu bleiben!<br />

Danach war es soweit,<br />

ein Wellnessmenü stand bereit,<br />

ein Gaumengenuss besonderer Art.<br />

Es gab auch zu Essen „à la card“.<br />

Zu der Entspannung hörte ich leise<br />

von Mozart meine Lieblingsweise.<br />

Danach wurde es schon wieder Zeit<br />

mich zu stylen, ausgehbereit.<br />

Was die Natur und Zeit mir angetan<br />

muss ja nicht sehen jedermann<br />

Darum nutzte ich jeden Trick,<br />

um auszusehen flott und schick.<br />

Ich wünschte mir einen Wellnessschatten<br />

und ließ mir dafür die Haare „cutten“,<br />

Zeh und Fingernägel lackieren<br />

und ein wenig tätowieren .<br />

Um noch einmal zu erfahren,<br />

wie es war vor fünfzig Jahren,<br />

abzuheben, in den Wolken zu schweben,<br />

einmal noch so richtig leben!<br />

Am Abend anstelle auf das Brett,<br />

fiel ich auf das Wellnesswasserbett.<br />

Ich wurde wach, hatte leider nur geträumt<br />

dachte, habe ich vielleicht etwas versäumt?<br />

Elisabeth Hanz<br />

„Bühne frei“ zur elften Spielzeit<br />

Programmheft stellt Veranstaltungen im Siegen-Wittgensteiner Medien- und Kulturhaus Lÿz vor.<br />

Soeben ist das neue Programmheft für das Medienund<br />

Kulturhaus Lÿz erschienen. Ob es kultverdächtighessisch<br />

am 18. September heißt „Schwerdtfegers<br />

feiern Silberhochzeit“, der Singer/Songwriter Julian<br />

Dawson am 23.10. ein gutes Stück Irland in die St.-<br />

Johann-Straße verpflanzt oder Kabarett- und Comedy-Prominenz<br />

wie Stefan Jürgens, Kalle Pohl und<br />

Dirk Bielefeld ihre unterhaltsamen Audienzen geben –<br />

108 Seiten mit über 200 Veranstaltungen garantieren<br />

vom 16. September bis zum 8. Mai für jeden Geschmack<br />

etwas. Natürlich spielt auch der musikalische<br />

Bereich eine gewichtige Rolle: Der<br />

Jazzclub Oase präsentiert in dieser Lÿz-Saison<br />

siebzehn hochkarätige Spieltermine, unter anderem<br />

eine WDR-BigBand-Produktion mit<br />

BAP-Sänger Wolfgang Niedecken (18.10.).<br />

Ebenfalls stark vertreten ist die regionale Theaterszene<br />

mit Inszenierungen der Studiobühne<br />

Siegen, der Kleinen Bühne Seelbach sowie den<br />

Theatergruppen Drama statt Siegen und Freies<br />

Theater Siegen. Bei so viel Musik, Theater und<br />

Kabarett darf die literarische Komponente nicht<br />

fehlen: So lesen und spielen unter anderem der<br />

Autor der beliebten ZDF-Wilsberg-Krimis, Jürgen<br />

Kehrer, der Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl in<br />

einem Kopfkrimi mit Musik, oder die Bar-Revue mit<br />

Texten u. a. von Charles Bukowski, Lewis Carroll und<br />

Bertolt Brecht. Für den detaillierten Überblick kann<br />

das ausführliche Programmheft kostenlos beim Kultur!Büro.<br />

des Kreises Siegen-Wittgenstein unter Tel.<br />

0271/333-2448 angefordert werden. Außerdem findet<br />

sich das komplette Programm auch im Internet auf<br />

http://www.siwikultur.de<br />

34 3/<strong>2004</strong>


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3/<strong>2004</strong> 35


durch<br />

blick<br />

Historisches<br />

Ein „Siebenbürgisches Eden“<br />

Brukenthals Gartenanlagen in Freck und ihre kulturhistorische Bedeutung<br />

Die Gartenkunst ist so alt wie die Menschheit<br />

selbst. Überall, wo Menschen sind, gibt es Gärten. Die<br />

Bibel beginnt mit dem Paradiesgarten als eine harmonische<br />

Gemeinschaft von Mensch, Natur, Pflanzen,<br />

Tieren, Gewässern, Erde, Luft und Licht, und die<br />

ältesten Überlieferungen der Menschheit wissen über<br />

die Gartenkunst zu berichten. Als Pflegestätte reicher<br />

Gartenbaukunst in Siebenbürgen (hügeliges Hochland<br />

in Rumänien zwischen Ostkarpaten, Südkarpaten<br />

und dem Siebenbürgischen Erzgebirge) galten die<br />

Gartenanlagen barocker Prägung des Barons Samuel<br />

von Brukenthal.<br />

Pflegestätte reicher Gartenbaukunst in Siebenbürgen<br />

Wer war Samuel von Brukenthal? Samuel von<br />

Brukenthal (1721–18<strong>03</strong>) war Staatsmann, er war<br />

einer der besten Kenner der Landesverfassung und<br />

Landesgeschichte Siebenbürgens. Nach seinen<br />

Studien in Halle, Jena und Wien kehrte er als „ein<br />

von Wissenschaft und feiner Kultur glänzender<br />

junger Mann“ wie sein Vater in der Familienchronik<br />

vermerkt, in die Heimat zurück. Seine Wirkungsstätte<br />

wurde zuerst Hermannstadt, wo er als<br />

Beamter die Sprossen der Ämterhierarchie beim<br />

Magistrat bestieg, danach Wien, wo er als Provinzialkanzler<br />

(1762) und Leiter der Siebenbürgischen<br />

Hofkanzlei (1765) arbeitete. Siebenbürgen war als<br />

Kronland in die Habsburgische Monarchie eingegliedert<br />

und damit unter kaiserlichen Schutz gestellt.<br />

Im Jahre 1777 wurde er von Kaiserin Maria<br />

Theresia als „Gubernator von Siebenbürgen“ eingesetzt<br />

und übte dieses Amt mit Sitz in Hermannstadt<br />

bis 1787 aus. Das Gubernium war die dem<br />

Kaiser unterstellte Regierung Siebenbürgens und<br />

ihr Leiter im modernen Sprachgebrauch der Ministerpräsident<br />

des Großfürstentums Siebenbürgen.<br />

Als Gouverneur von Siebenbürgen wirkte Brukenthal<br />

gegen die egalisierende Regelung der Wiener<br />

Zentralregierung und setzte sich als Kenner der<br />

siebenbürgischen und sächsischen Verhältnisse für<br />

die Verfassungsrechte und die traditionellen Privilegien<br />

der Sachsen ein<br />

(Siebenbürger Sachsen<br />

– so wurden die Deutschen<br />

aus Siebenbürgen<br />

genannt), was auch<br />

den Erhalt der lutherischen<br />

Volkskirche mit<br />

einschloss. An seinem<br />

Wahlspruch „Meinem<br />

Glauben und meinem<br />

Volk bleib ich treu“<br />

hielt er fest.<br />

Zu seinen wichtigsten<br />

Leistungen gehört<br />

die Schaffung eines gerechten<br />

Steuersystems,<br />

das auch eine allgemeine<br />

Entlastung insbesondere<br />

der Hörigen vorsah,<br />

die sinnvolle Modernisierung<br />

der Verwaltung,<br />

Verbesserung der<br />

wirtschaftlichen Verhältnisse<br />

und Erhalt der Volkskultur. Unter den Paladinen<br />

am Denkmal der Kaiserin Maria Theresia auf dem<br />

Platz zwischen dem Naturhistorischen und Kunsthistorischen<br />

Museum in Wien befindet sich auch ein<br />

Denkmal, das Samuel von Brukenthal darstellt, was<br />

für eine hohe Wertschätzung seitens der Herrscherin<br />

der Habsburgmonarchie im 18. Jh. zeugt. Ebenso als<br />

besonderer Beweis ihrer Wertschätzung ließ sie ihm<br />

das Baronat erteilen und ihn in den Freiherrenstand<br />

erheben: Brukenthal war nicht nur ein hervorragender<br />

Staatsmann, sondern zugleich ein Förderer der<br />

Kultur, Kunst und ein Sammler. Dem Beispiel<br />

königlicher und adliger Häuser folgend wurde er ein<br />

leidenschaftlicher Sammler von Gemälden, Kupferstichen,<br />

Büchern, Münzen und Medaillen. Unter<br />

36 3/<strong>2004</strong>


seiner Anleitung ließ er in Hermannstadt sein Wohnpalais<br />

bauen, wo er auch seine Sammlungen unterbrachte,<br />

wo sich Freunde und Geladene zu<br />

Gesprächen und Lesungen, zur Besichtigung der<br />

Gemäldegalerien, zu Musikdarbietungen einfanden.<br />

Im Jahre 1790 hieß es in einer Beschreibung von<br />

Hermannstadt, dass seine Exzellenz Freiherr von<br />

Brukenthal eine vortreffliche Gemäldesammlung von<br />

verschiedenen Meistern aus den berühmtesten Schulen<br />

besitze, welche in 13 Zimmern seines Palastes<br />

untergebracht sei und von erlesenen Gästen und Kennern<br />

besucht werden könne. Auch heute gehört sein<br />

ehemaliges Wohnpalais zu den bedeutendsten Bauten<br />

von Hermannstadt. Nach seinem Tode wurde in<br />

diesem Palais im Jahre 1817 das erste Museum<br />

Siebenbürgens eröffnet,<br />

was zugleich auch das<br />

erste Museum auf dem<br />

heutigen Gebiet Rumäniens<br />

war. Auch auf seinen<br />

Landgütern ließ<br />

Brukenthal Häuser und<br />

Schlösser bauen. Besondere<br />

Aufmerksamkeit<br />

schenkte er dem Gartenbau.<br />

In Hermannstadt,<br />

der damaligen Landeshauptstadt<br />

des Fürstentums<br />

Siebenbürgen,<br />

und auf seinen Landgütern<br />

ließ er viele Gärten<br />

anlegen und war<br />

bestrebt, seine Anlagen<br />

den Wiener Gärten jener<br />

Zeit nachzubilden. Aus<br />

Wien bezogene Setzlinge,<br />

Zierbäume, Zitrusbäumchen<br />

und Sträucher<br />

wurden in den<br />

Hermannstädter Gärten, Parks und auf dem Landgut<br />

Freck angepflanzt. Gubernialsekretär J.Th. Hermann<br />

berichtete 1778: „Sämtliche Gärten sind in dem besten<br />

und blühendsten Zustand. Seine Exzellenz sparen<br />

keinen Aufwand, um das Beste und Vollkommenste,<br />

was man an Blumen, an Früchten und an<br />

seltenen und merkwürdigen Gewächsen nur immer in<br />

Europa aufbringen kann, allhier zu vereinigen …“<br />

Auf seinem Gut in Freck (10 km südlich von Hermannstadt)<br />

ließ Brukenthal ein Schloss bauen, das als<br />

seine Sommerresidenz diente und legte Gartenanlagen<br />

an. Der Gartenkomplex bestand aus einem<br />

französischen Ziergarten, einem englischen Landschaftsgarten,<br />

einem holländischen Garten, einem<br />

Fasanengarten, sowie zwei größeren Nutzgärten.<br />

durch<br />

blick<br />

Historisches<br />

Gartenanlage in Rumänien aus dem 18. Jahrhundert<br />

Hinzu kamen noch die Orangerien mit 1000 Limonen-<br />

und Orangenbäumchen, Gewächshäuser in denen<br />

Ananas, Kaffeebaum, Zuckerrohr und Dattelpalmen<br />

gezüchtet wurden. Die Anlage wurde als<br />

siebenbürgisches Eden bezeichnet und gepriesen.<br />

Brukenthal selbst bekennt: „Für mich blieb dieses<br />

Miteinander von Boden, Pflanzen, Tieren und<br />

Mensch über all die Jahre hinweg voller Überraschungen.<br />

Ich bin froh, dass ich dabei das Staunen<br />

nicht verlernt habe.“ Der französische Garten galt als<br />

Repräsentationsgarten – Ziergarten, der aufwändig<br />

mit Alleen, Bosketten, Blumenrabatten, steinernen<br />

Treppen, Bildwerken, Steinvasen, Wasserbecken,<br />

Springbrunnen, Wasserläufen und Brücken ausgestaltet<br />

wurde. Farbenprächtige Nelken, Ranunkeln,<br />

Narzissen, Rosen, Verbenen, Violen und Winden,<br />

sowie zahlreiche Hochstauden und Ziersträucher vereinigten<br />

sich hier zu einer bunten Palette. Im Zeichen<br />

der Hinwendung zur Natur war der englische Garten<br />

mit geschwungenen Wegen, weiten Rasenflächen,<br />

auf deren Pflege Brukenthal besonders Wert legte,<br />

sowie Baumgruppen fremder und heimischer Arten<br />

versehen. Durch gestaltende Eingriffe in die Landschaft<br />

über den Garten hinaus und durch Alleen wurde<br />

ein Übergang zwischen Garten und freier Landschaft<br />

geschaffen. Der holländische Garten vereinigte<br />

viele fremde Arten, die Brukenthal in Siebenbürgen<br />

akklimatisieren wollte ... Er sah seine Gartenanlage<br />

auch als eine „Versuchungsstelle“ zur Einbürgerung<br />

ausländischer Arten wie Mandelbäume, Muskat-<br />

3/<strong>2004</strong> 37


durch<br />

blick<br />

Historisches<br />

baum, japanische Ziersträucher, Nordamerikanischer<br />

Ahorn, Nordamerikanischer Tulpenbaum etc.<br />

Die Obstanlagen der Nutzgärten waren in Spalierform<br />

angelegt und umfassten ein breites Angebot<br />

unterschiedlicher Obstbaumarten und Beerensträucher.<br />

Die Nutzgärten bestanden aus Gemüse, Küchenkräutern,<br />

Gewürz- und Heilpflanzen. Eine Beschreibung<br />

des Frecker Landsitzes ist aus dem Tagebuch<br />

des österreichischen Hofagenten von<br />

Bukarest bekannt. In dem Tagebuch heißt es: „Das<br />

Haus ist nach alter Sitte mit Tapeten, alten großen<br />

Ölgemälden, Kupferstichen und verschnörkelten<br />

Möbeln verziert … Der Garten ist aber wahrhaft<br />

herrschaftlich; die großen steinernen Stiegen, die<br />

Balustraden, die großen Wasserbassins, die Springbrunnen<br />

zu beiden Seiten und im Hintergrund das<br />

Wäldchen von Obstbäumen, alles dies gewährt einen<br />

herrlichen Anblick. Die englischen Parthien<br />

sind so angenehm und kühl zu durchwandern, einige<br />

Bäume, sehr hohe Zedern bilden aus ihren Stämmen<br />

einen natürlichen Sitz, wo es meistens kühl<br />

und schattig ist. Auch ein Badeplatz ist da von Bäumen<br />

umgeben, die ihre Äste ineinander schließen<br />

und eine Laube bilden.“ (Tagebuch von Luise<br />

Hackenau).<br />

Nach Brukenthals Tod (18<strong>03</strong>) und dem Aussterben<br />

der männlichen Mitglieder kam die Gartenanlage<br />

mit Schloss in verschiedene Hände. Als sie im<br />

staatlichen Besitz war, wurde hier ein Erholungsheim<br />

eingerichtet. Nach der politischen Wende in Rumänien<br />

erhielt die deutsche Minderheit, vertreten durch<br />

die Brukenthal-Stiftung die Anlagen zurück und damit<br />

auch die Verantwortung für Pflege und Nutzung.<br />

Die Gartenanlage ist noch in ihren Grundstrukturen<br />

erhalten geblieben, bedarf jedoch einer fachgerechten<br />

Pflege und in Teilbereichen einer Neugestaltung.<br />

In Anbetracht des historischen Wertes dieser Gartenanlagen<br />

und ihrer Einmaligkeit in Siebenbürgen bzw.<br />

in ganz Südosteuropa verdient ihre Bewahrung und<br />

Restaurierung besondere Priorität. Sie können heute<br />

erneut zum Erlebnis werden. Wo immer wir einen<br />

schönen Garten sehen, dürfen wir erinnert werden,<br />

wo wir herkommen und wohin wir eingeladen sind –<br />

in den Paradiesgarten.<br />

Dorothea Istock<br />

Gemeinschaft<br />

heißt Hand<br />

in Hand arbeiten.<br />

Partnerschaft bedeutet: Rat, auf den man sich verlassen kann. In Fragen der Energieversorgung<br />

ist eine solche Partnerschaft unerlässlich. Setzen Sie auf uns und unsere Erfahrung.<br />

Dafür engagieren wir uns.<br />

RWE Rhein-Ruhr<br />

RWE Rhein-Ruhr AG · Friedrichstr. 60 · 57072 Siegen<br />

38 3/<strong>2004</strong>


Durch Jahrhunderte hindurch<br />

bis zum heutigen Tag pflanzen,<br />

kultivieren und ernten Nonnen<br />

und Mönche in ihren Klostergärten<br />

Gemüse und Obst, Blumen<br />

und Heilkräuter. Man legte sie<br />

liebevoll an als sichtbares Zeichen<br />

der wunderbaren Schöpfungsordnung<br />

Gottes. Gertrude,<br />

Äbtissin des Klosters von Nivelles<br />

im belgischen Brabant, hat<br />

sich mit ihren Schwestern besonders<br />

der Gartenpflege gewidmet.<br />

Nach einer von ihr zusammengestellten<br />

Verordnung wurde im<br />

Kloster Nivelles ein Arzneigarten,<br />

ein Gemüsegarten und ein<br />

Baum- und Obstgarten angelegt…<br />

Sie sah in den Obstbäumen mit ihrem jährlichen<br />

Lebensrhythmus ein Sinnbild der Auferstehung<br />

und des sich erneuernden Lebens. Der Baumgarten<br />

wurde auch noch als Wohngarten genutzt, in dem Besucher<br />

empfangen wurden. Gertrude experimentierte<br />

auch mit neuen Pflanzen und Züchtlingen, die sie<br />

vor der Ratten- und Mäuseplage zu schützen wusste.<br />

Daher findet man sie oft mit Mäusen abgebildet, die<br />

manchmal sogar ihren Äbtissinenstab hochklettern.<br />

Sie wurde als Patronin der Gärten verehrt und um<br />

gute Ernten der Feld- und Gartenfrüchte um Rat gebeten.<br />

Gertrude wurde um 625 herum geboren. Sie war<br />

eine Tochter des Merowingerfürsten Pippin der Ältere.<br />

Ihre Mutter gründete um 650 das Kloster Nivelles<br />

und setzte dort ihre Tochter als erste Äbtissin<br />

ein. Auch wurde das Kloster für seine Gastfreundschaft<br />

und Hilfsbereitschaft bekannt. Die Nonnen<br />

unterhielten eine Pilgerherberge, ein Hospital und<br />

gewährten entflohenen Gefangenen Kirchenasyl.<br />

Wenn Pilger oder Gäste wieder auf ihre Reise aufbrachen,<br />

dann erhielten sie als Stärkung für ihren<br />

Weg einen Becher Wein, den so genannten Gertrudentrunk,<br />

der vielfach Pilgern heute noch gereicht<br />

wird.<br />

durch<br />

blick<br />

Historisches<br />

Gertrude von Nivelles – Patronin der Gärten<br />

Gertrude experimentierte auch mit neuen Pflanzen und Züchtlingen<br />

Bis heute zieht es nicht nur Mönche und Nonnen<br />

in die Klostergärten. Diese sind Orte der Stille und<br />

Erholung geblieben, in denen man wieder einen Weg<br />

zu sich selber finden kann. Dorothea Istock<br />

Das Haus<br />

mit dem großen Service!<br />

• Beratungs-Service<br />

zu Hause gratis<br />

• Nähservice<br />

• Dekorieren<br />

durch Fachkräfte<br />

• Gardinen-, Wasch-<br />

& Änderungsservice<br />

• Wir verlegen<br />

Teppichböden<br />

• Bettenreinigung +<br />

Bettenwäsche<br />

Schon bald nach ihrem Tod wurde sie verehrt. Das<br />

drückte sich besonders in einem berühmten Silberschrein<br />

aus, der im 13. Jahrhundert in der Klosterkirche<br />

aufgestellt wurde. Er fiel einem deutschen<br />

Bombenangriff 1940 zum Opfer. Durch Einsatz vieler<br />

Gläubiger wurde er nach alten Vorlagen wiederhergestellt.<br />

Siegen-Geisweid • Marktstraße 29<br />

Tel. 02 71/8 30 41 • www.mackenbach.de<br />

3/<strong>2004</strong> 39


durch<br />

blick<br />

Wohnen im Alter<br />

Wollen Sie am öffentlichen<br />

Leben teilnehmen<br />

und wichtige Orte innerhalb<br />

von 15 Minuten<br />

erreichen können (Geschäfte,<br />

Ärzte, Haltestellen<br />

usw.)? Möchten Sie<br />

darauf vertrauen können,<br />

dass Ihnen jemand einen<br />

Sitz in Bus oder Bahn<br />

anbietet?<br />

Diesen und anderen<br />

Fragen geht die Universität<br />

Nürnberg-Erlangen<br />

in einer Umfrage nach,<br />

die vom Verein ALTER-<br />

Aktiv Siegen unterstützt<br />

wird.<br />

Es geht um Lebensqualität<br />

im Alter – die setzt Mobilität voraus und diese<br />

wiederum ist stark abhängig vom Wohnumfeld.<br />

Naturgemäß werden die Erwartungen an das Wohn-<br />

Lebensqualität im Alter<br />

umfeld davon bestimmt,<br />

ob jemand in der Stadt<br />

oder in einem Dorf<br />

wohnt, männlich oder<br />

weiblich ist, ein ‚junger<br />

Alter‘ oder ein ‚alter Alter‘,<br />

ob jemand reich<br />

oder arm, verheiratet<br />

oder verwitwet ist usw.<br />

Der Wunsch nach mehr<br />

Mobilität kann z. B. im<br />

Alleinleben begründet<br />

sein, in einer Vereinsmitgliedschaft<br />

oder dem<br />

Wunsch, regelmäßig an<br />

Veranstaltungen teilzunehmen.<br />

Die Ergebnisse der<br />

Umfrage werden Rückschlüsse<br />

darüber zulassen,<br />

welche Erwartungen ältere Erwachsene (auch) im<br />

Kreis Siegen-Wittgenstein an ihr Wohnumfeld haben<br />

und wo entsprechende Defizite sind. Erich Kerkhoff<br />

40 3/<strong>2004</strong>


Bahnhof Weidenau<br />

Wie bei jeder Pressekonferenz der Deutschen Bahn,<br />

die in den letzten Jahren zu allen möglichen Themen<br />

stattfanden, lobt sich die Bahnverwaltung selber für<br />

die von ihr zu vertretenden Leistungen für den Bahn-<br />

Standort Siegen. Leider versäumen die Bahn-Oberen<br />

hierbei regelmäßig, endlich einmal versprochene Verbesserungen<br />

einzulösen..<br />

Hierbei denke ich ganz besonders an die Problematik<br />

mit dem Personenaufzug zu den Bahnsteigen<br />

im Bahnhof Weidenau, die seit mehr als drei Jahren<br />

immer wieder von den unterschiedlichsten Personen<br />

und Gruppierungen ins Gespräch gebracht wurde.<br />

Bis heute ist es nicht möglich, den Aufzug im Bedarfsfall<br />

ohne Voranmeldung (mindestens einen Tag<br />

vor Bedarf) beim Siegener Bahnhofsvorsteher zu<br />

nutzen. Immer noch muss ein Mitarbeiter der Bahn<br />

sich in Siegen in einen Zug nach Weidenau setzen,<br />

um rechtzeitig am Bahnhof Weidenau zu sein, wenn<br />

dort der Aufzug gebraucht wird.<br />

Was nützen neue, behindertengerechte Zusteigmöglichkeiten<br />

zum Rothaar-Express oder zu weiteren<br />

Zügen der Bahn, wenn kein Rollstuhlfahrer oder<br />

Gehbehinderter den Bahnsteig erreichen oder gegebenenfalls<br />

auch bei Ankunft und Verlassen des Zuges<br />

nutzen kann?<br />

Im Interesse aller Bahnnutzer sowie der Behinderten<br />

und Senioren unserer Stadt fordere ich auf diesem<br />

Wege alle Verantwortlichen in Rat und Verwaltung<br />

der Stadt auf, hier noch einmal Druck zu<br />

machen. Wie wäre es, wenn sich endlich der Siegener<br />

Bürgermeister einmal um dieses Thema kümmern<br />

würde?<br />

Lothar Schuß, Siegen<br />

duchblick -Abo<br />

Herzlichen Dank für die Zusendung des durchblick.<br />

Ich habe die Hefte sehr gern gelesen. Besonders interessant<br />

fand ich den Artikel in Nr. 2/<strong>2004</strong> über Kredite<br />

für Senioren. Sehr wichtig auch die Tabelle über<br />

Senioreneinkünfte in 4/20<strong>03</strong>.<br />

Ursula Wolf<br />

durch<br />

blick<br />

Leserbriefe<br />

durchblick 1-04<br />

Ich habe mich über die neue Ausgabe des “durchblick”<br />

sehr gefreut und wollte auf der öffentlichen Redaktionskonferenz<br />

einmal die fleißigen Mitarbeiter<br />

kennen lernen und meiner Freude über die Inhalte<br />

Ausdruck verleihen. Ich bin nicht enttäuscht worden<br />

und auch die neue Ausgabe 2/04 hat mich begeistert.<br />

Besonderen Dank an die Autoren Erika Krumm und<br />

Eberhard Freundt. H.Spieshöfer, Siegen-Weidenau<br />

durchblick 2-04<br />

Leider sind die vollmundigen Versprechungen seitens<br />

der Bahn durch Herrn Kiesewetter (Siegen),<br />

Frau Wasel (DB-Leitung Hagen) und der sonst doch<br />

nicht um Ausreden verlegenen Bahn-Pressesprecher<br />

bis heute nicht eingelöst worden.<br />

Dem Paradiese näher?<br />

Ìch finde es ausgesprochen geschmacklos, das Chaos<br />

am Friedhof Kaan-Marienborn vom August 2002 als<br />

negatives Beispiel für Erdbestattungen heranzuziehen.<br />

Renate Scheerer, Siegen<br />

Im Heft 2/<strong>2004</strong> „Dem Paradiese näher“ las ich am<br />

Ende des Beitrages von Frau Erika Krumm von der<br />

Überlegung „ob das Heilsversprechen im Islam überzeugender<br />

ist als das im Christentum“.<br />

Ich halte die Fragestellung für ganz wesentlich<br />

um die Unterschiede zwischen beiden Religionen zu<br />

erkennen. Wenn man sich näher damit beschäftigt, so<br />

wird einem auch der eigene Glaubensstandpunkt<br />

deutlicher. Der dreieinige Gott der Bibel (Gott Vater,<br />

Gottes Sohn Jesus Christus und der Heilige Geist) ist<br />

nicht identisch mit Allah des Korans, den die Muslime<br />

verehren. Der „Knackpunkt“<br />

ist die Stellung zu Jesus<br />

Christus den wir Christen als<br />

Sohn Gottes und Versöhner mit<br />

dem heiligen dreieinigen Gott<br />

verehren. Für die Muslime ist<br />

Jesus nur ein Prophet unter vielen<br />

in der Kette der Überlieferungen<br />

von Abraham bis Mohammed.<br />

Ein verbindliches<br />

Heilsversprechen im Sinne von Heilsgewissheit des<br />

Neuen Testaments gibt es für die Muslime nicht, sondern<br />

nur eine Hoffnung darauf, dass Allah gnädig sein<br />

wird. Dagegen haben wir als neutestamentliche Christen<br />

die verbindliche Heilszusage Gottes, der sich an<br />

sein Wort gebunden hat und von dem Johannes 3,<br />

Vers 16 bezeugt: Also hat Gott die Welt geliebt, dass<br />

er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an<br />

ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige<br />

Leben haben.<br />

Ich würde mich freuen, wenn es zu einem Dialog<br />

zwischen den muslimischen und christlichen durchblick-Lesern<br />

käme, damit wir einander besser verstehen.<br />

Heinz Jürgen Frank, Siegen<br />

3/<strong>2004</strong> 41


durch<br />

blick<br />

Kleinanzeigen/Impressum<br />

Private Anzeigen bis vier Zeilen veröffentlichen<br />

wir kostenlos. Anzeigenschluss für die nächste<br />

Ausgabe ist der 30. Oktober <strong>2004</strong>.<br />

Grammophone, Schellackplatten, alte Musikgeräte<br />

usw. kauft, sammelt und tauscht: Lothar Stock<br />

Van-Kinsbergen-Ring 17, 57290 Neunkirchen, Telefon<br />

02735/5260<br />

Verteiler gesucht! Wer hat alle drei Monate einige<br />

Stunden Zeit, ehrenamtlich den durchblick an Apotheken,<br />

Sparkassen und Ärzte zu verteilen? Wir freuen<br />

uns über jede Hilfe. Tel. 404-1334<br />

Stoma-Selbsthilfegruppe (künstl. Blasen- und<br />

Darmausgang) Siegen und Umgebung lädt zu<br />

Gruppenstunden und zum Erfahrungsaustausch ein.<br />

Informationen: Tel. Siegen 5 74 51 und 7 64 60.<br />

Prostata-Selbshilfegruppe-Siegerland ist noch<br />

offen für Interessenten. Informationen unter Telefon<br />

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Lösungen von Seite 19:<br />

Jungennamen: Ottomotor / Jenseits / Marionette /<br />

Hubertusjagd / Hannover / Petersilie / Martinsgans /<br />

Bernhardiner / Hanswurst<br />

Mädchennamen: Veranda / Mariacron / Heidekraut /<br />

Evakuierung / Loreley / Margarine / Hildesheim /<br />

Ellenbogen / Residenz.<br />

Bilderrätsel: Sommersprossen. Buchstabengarten:<br />

Luxemburg / Rom / Kiel / Venedig / Lissabon /<br />

Trier / New York / Braunschweig / München /<br />

Wesel / Regensburg / Moskau / Amsterdam /<br />

Madrid / Prag / Tokio / Chicago /Siegen.<br />

Entnommen: Material BVGT e.V.<br />

durchblick<br />

Redaktion: Marienborner Str. 151 · 57074 Siegen<br />

Tel. + Fax 02 71/ 6 16 47 · Mobil: 01 71/ 6 20 64 13<br />

E-Mail: redaktion@durchblick-siegen.de<br />

Internet: www.durchblick-siegen.de<br />

Öffnungszeiten:<br />

montags von 9.00 bis 12.00 Uhr<br />

dienstags von 9.00 bis 12.00 Uhr<br />

und von<br />

14.00 bis 17.00 Uhr<br />

Herausgeber: durchblick-siegen Information und Medien<br />

e.V., im Auftrag der Stadt Siegen – Seniorenbüro<br />

Redaktion: Maria Anspach, Friedhelm Eickhoff (verantw.),<br />

Eberhardt Freundt, Dieter Gerst, Inge Göbel, Elisabeth Hanz,<br />

Dorothea Istock, Erich Kerkhoff, Erika Krumm; Heinz Köhler.<br />

An dieser Ausgabe haben ferner mitgewirkt:<br />

Waltraud Bänfer; Horst Mahle; Eva Thöne; Astrid E. Schneider;<br />

Helga Siebel-Achenbach; Uli Thiel; Barbara Kerkhoff;<br />

Anke Könnecker<br />

Fotos/Zeichnungen/Grafiken:<br />

E. Kerkhoff, F. Eickhoff, I. Göbel, D. Istock, E. Hanz, Astrid E.<br />

Schneider, Rieke Römer (Titel), D. Gerst, B. Tusche, H. G. Simon<br />

Erscheinungsweise: März, Juni, Sept., Dezember<br />

Gesamtherstellung:<br />

Vorländer · Obergraben 39 · 57072 Siegen<br />

Gestaltung: Sascha Bär, Herrmann Wilhelm (Titelbild)<br />

Auflage: 7 500. Der durchblick liegt kostenlos bei den Sparkassen,<br />

Apotheken, Arztpraxen, den Zeitungsverlagen, der<br />

City-Galerie und in öffentlichen Gebäuden aus. Für die Postzustellung<br />

berechnen wir für vier Ausgaben jährlich 8 Euro.<br />

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt<br />

die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich<br />

vor, eingesandte Beiträge und Leserbriefe zu kürzen. Unverlangte<br />

Beiträge werden nicht zurückgeschickt.<br />

Für unsere Anzeigenkunden gilt noch die Preisliste 6/<strong>2004</strong>.<br />

Zu guter Letzt ...<br />

Ort: Bahnhof Siegen, Zeit: 16 Uhr. Ein Sommer-<br />

Sonntag. Der Bahnhof döst vor sich hin. Freibäder<br />

sind besser dran. Die Gleise flimmern in der Nachmittagshitze.<br />

Schweiß auf der Stirn, eine eisgekühlte<br />

Cola vor Augen. Bummelzug (nach<br />

Hagen) steht bereit. Luftzug ist nicht vorhanden.<br />

Meine Tochter muss nach Wuppertal zurück. Ein<br />

Pfiff. Ein Rucken. Ein Winken. Die Hitze macht<br />

die Luft über den Waggondächern sichtbar. Abgefahren.<br />

Und dann: Einer schnauft die Treppen aus dem<br />

Fußgängerschacht hinauf. Stück für Stück wird<br />

der Mann sichtbar: Roter Kopf, Hemd klebt<br />

überm Bauch, kurze Sommerhose, die Sandalen<br />

schlackern. Links ein Koffer, rechts ein Koffer.<br />

Unter der Baseballkappe brennen ungläubige Augen<br />

ein Loch in den heißen Sonntag. Der Mann sieht<br />

vom Zug nach Hagen nur den rollenden letzten<br />

Wagen. Unerreichbar.<br />

Einfach zu spät dran, der Mann. Er tut mir leid. Ich<br />

lege Anteilnahme und Bedauern in meine Frage, die<br />

eigentlich so sinnlos wie ein Ofen im Sommer ist:<br />

„Zug verpasst?“ – Da nimmt er seine Baseballkappe<br />

vom Kopf und drischt sie auf die Koffer: „Meinen<br />

Sie, ich hätte ihn verscheucht, Männeken!?“ Wo<br />

er Recht hat, hat er Recht.<br />

42 3/<strong>2004</strong>


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sich rechtzeitig informieren. Wir sagen Ihnen,<br />

wann Sie welchen Teil Ihres Erbes am<br />

besten übertragen. Damit mehr übrig bleibt.<br />

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