Liebe hält gesund 01/2017
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Ausgabe <strong>01</strong>|2<strong>01</strong>7<br />
<strong>Liebe</strong> <strong>hält</strong> <strong>gesund</strong><br />
Das Magazin für Sexualität und Gesundheit<br />
<strong>Liebe</strong> verbindet<br />
Guter Sex – trotz Diabetes?: Für Betroffene gibt es viele Wege zu einer erfüllten Sexualität<br />
Penisverlängerung: Ein Interview mit dem Experten Dr. Christian Leiber<br />
Erotisches Rezept: Chili-Schokoladensahne mit Früchten
2 INHALT<br />
6<br />
Guter Sex – trotz Diabetes?<br />
Die Stoffwechselerkrankung kann zu<br />
sexuellen Problemen führen. Aber: Es<br />
gibt Abhilfe. Wir erklären, wo die Probleme<br />
liegen – und wie Betroffenen geholfen<br />
werden kann.<br />
8<br />
Krebs im gynäkologischen Bereich<br />
Schonende Operationsmethoden und vor -<br />
beugende Maßnahmen können langfristige<br />
Schädigungen verhindern. Frau Prof. Dr.<br />
Annette Hasenburg erklärt, was Patientinnen<br />
darüber wissen sollten.<br />
13<br />
Relaxen im Doppelpack<br />
Ein Wellnessurlaub ist wie eine Frisch -<br />
zellen kur für die <strong>Liebe</strong>sbeziehung. Viele<br />
Hotels haben sich auf die Bedürfnisse<br />
von Paaren eingestellt.<br />
14<br />
Wenn der Körper spricht<br />
Psychosomatische Erkrankungen gehen<br />
oft mit sexuellen Störungen einher. Ein<br />
Gespräch mit Dr. Daniela Wetzel-Richter.<br />
Editorial | Impressum 3<br />
Magazin <strong>Liebe</strong>n & Leben 4<br />
Alle Infos im Überblick Welche<br />
Broschüren das ISG anbietet – und wie<br />
Sie sie bestellen können 9<br />
Medizinwelt Aktuelle News 10<br />
Thema „Zum eigenen Körper stehen“ –<br />
Die Frage, ob der Penis zu klein ist, belastet<br />
viele Männer. Dr. Christian Leiber erklärt,<br />
warum diese Sorge fast immer<br />
unbegründet ist 11<br />
Magazin Wohlfühlen 12<br />
Lebens-Lust 15
Infoline <strong>01</strong>80-555 84 84 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz. Mobilfunk max. 0,42 Euro/Min.)<br />
EDITORIAL 3<br />
<strong>Liebe</strong> Leserinnen, liebe Leser,<br />
die Welt<strong>gesund</strong>heitsorganisation WHO schreibt:<br />
„Sexuelle Gesundheit ist untrennbar mit Gesundheit<br />
insgesamt, mit Wohlbefinden und Lebensqualität<br />
verbunden. Sie ist ein Zustand des körperlichen,<br />
emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens<br />
in Bezug auf die Sexualität und nicht nur<br />
das Fehlen von Krankheit, Funktionsstörungen oder<br />
Gebrechen.“<br />
Was Lebensqualität ausmacht, ist von Mensch zu<br />
Mensch sehr verschieden. Was uns allerdings eint,<br />
ist die Tatsache, dass man das wertvolle Gut<br />
(sexuelle) Gesundheit oft erst dann als das Wichtigste<br />
überhaupt wahrnimmt, wenn sich erste Risse<br />
bilden und nicht mehr alles so einwandfrei funktioniert<br />
wie früher. Dass die sexuelle Gesundheit eng<br />
mit der allgemeinen Gesundheit verknüpft ist,<br />
erleben Diabetes-Erkrankte in besonderer Weise.<br />
Welche Probleme Betroffene bewältigen müssen<br />
und wie Strategien für den Alltag aussehen können,<br />
lesen Sie in unserem Artikel auf Seite 6.<br />
Bei Operationen gynäkologischer Krebserkrankungen<br />
geht es natürlich in erster Linie um das Überleben<br />
der Patientinnen. Dennoch sollte nicht übersehen<br />
werden, dass das Vorgehen der Behandler auch für<br />
das Wohlbefinden der Patientinnen nach erfolg -<br />
reicher Bekämpfung des Krebses wichtig ist. Schonende<br />
Operationsmethoden können die Ausgangs -<br />
situation verbessern. Die Expertin Prof. Dr. Annette<br />
Hasenburg aus Mainz hat entsprechende Empfehlungen<br />
für Gynäkologen verfasst. Welche Verfahren<br />
sie empfiehlt, können Sie auf Seite 8 nachlesen.<br />
Vor allem in Zeiten des unbegrenzten Zugriffs auf<br />
verschiedenste Medien entstehen aus Gesehenem<br />
oder Gelesenem Erwartungen und Begehrlichkeiten,<br />
die oft mit der Realität und – wie in unserem Fall –<br />
der gelebten Sexualität nicht mehr viel zu tun ha ben.<br />
Das erleben in ihrer täglichen Praxis auch Urologen,<br />
die dann gefordert sind, falsche Vorstellungen und<br />
Erwartungen wieder geradezurücken. Einen Versuch<br />
der Schadensbegrenzung wagen wir mit unserem<br />
Artikel „Zum eigenen Körper stehen“ auf Seite 11.<br />
Selbstverständlich war uns auch in dieser Ausgabe<br />
von „<strong>Liebe</strong> <strong>hält</strong> <strong>gesund</strong>“ eine ausgewogene<br />
Mischung aus medizinischen Informationen, Neuigkeiten<br />
und Anregungen für Ihr körperliches, emotionales<br />
und mentales Wohlbefinden wichtig. Wir<br />
hoffen, unser Magazin versorgt Sie mit wichtigen<br />
Fakten und steigert ganz nebenbei nach der Lektüre<br />
Ihre Lebensqualität.<br />
Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!<br />
Dr. med. Christian Leiber,<br />
1. Vorsitzender des ISG,<br />
Facharzt für Urologie<br />
IMPRESSUM<br />
„<strong>Liebe</strong> <strong>hält</strong> <strong>gesund</strong>“<br />
Das Magazin für Sexualität und Gesundheit<br />
info@isg-info.de, www.isg-info.de<br />
Herausgeber:<br />
Informationszentrum für Sexualität<br />
und Gesundheit e.V. (ISG)<br />
Postanschrift:<br />
ISG e.V.<br />
c/o Universitätsklinikum Freiburg<br />
Hugstetter Straße 55, 79106 Freiburg<br />
Tel.: 0761 – 270 27 <strong>01</strong>0<br />
Fax.: 0761 – 270 27 450<br />
Layout und Produktion:<br />
Peter Blöcher<br />
Bürgerwehrstr. 6<br />
79102 Freiburg<br />
Redaktion:<br />
Susanne Merkwitz<br />
Christian Leiber (V.i.S.d.P.)<br />
Cindy Enderlin<br />
Katja Schroff<br />
Titelfoto<br />
©zlikovec/stock.adobe.com<br />
Auflage:<br />
4.000<br />
Nachdruck, auch auszugsweise,<br />
nur mit Genehmigung des Herausgebers<br />
Sie wollen mehr über unser Angebot erfahren? Dann besuchen Sie uns doch im Internet unter<br />
www.isg-info.de und www.liebe-lust-leben.de. Oder Sie benutzen unser Bestellformular auf<br />
Seite 9 und fordern Infomaterial an.
4 LIEBEN & LEBEN<br />
<strong>Liebe</strong> stärkt die Gesundheit<br />
Harmonie ist Trumpf<br />
Gegensätze ziehen sich an – gilt dieser Satz auch für <strong>Liebe</strong>sbeziehungen,<br />
wie viele Menschen glauben? Die ElitePartner-<br />
Studie 2<strong>01</strong>7 weist in eine ganz andere Richtung. Demnach<br />
wünschen sich 91 Prozent der befragten Männer und Frauen<br />
einen Partner, der dieselben Werte und Ziele verfolgt, 74 Prozent<br />
legen Wert auf ähnliche Interessen. Sogar bezüglich der<br />
politischen Einstellung wird Übereinstimmung mit dem Liebs -<br />
ten gewünscht. Dies zumindest gaben 75 Prozent der Befragten<br />
als Kriterium an. Nicht ganz so wichtig wird ein ähnliches<br />
Ausbildungsniveau genommen: Nur 61 Prozent halten es für<br />
wichtig, dass ihr Partner den gleichen Bildungsabschluss hat<br />
wie sie selbst.<br />
Foto: structuresxx/stock.adobe.com Foto: pexels.com<br />
<strong>Liebe</strong> ist gut für die Gesundheit – was viele von uns spüren,<br />
wurde nun einmal mehr wissenschaftlich bewiesen. Eine Studie<br />
der finnischen Universität Turku belegt, dass Verheiratete ein<br />
geringeres Herzinfarktrisiko haben. Vermutlich deshalb, weil<br />
dauerhafte Partnerschaften weniger Stress bedeuten als häufig<br />
wechselnde Beziehungen. Das geringere Stressniveau von Eheleuten<br />
wirkt sich günstig auf das Herzkreislaufsystem aus, wodurch<br />
das Herzinfarktrisiko sinkt. Auch von Depressionen und<br />
Suchterkrankungen sind Verheiratete deshalb seltener betroffen.<br />
Gleichzeitig stärkt die <strong>Liebe</strong> auch die Abwehrkräfte: Beim<br />
Küssen werden Bakterien untereinander ausgetauscht. Dadurch<br />
werden mehr Immunzellen produziert, die das Immunsystem<br />
anregen. Außerdem werden beim Küssen ordentlich<br />
Kalorien verbrannt. Wer leidenschaftlich küsst, verdoppelt seinen<br />
Pulsschlag, auch der Stoffwechsel wird angeregt. Und: Der<br />
Körper schüttet den Botenstoff Kortisol aus, der entspannend<br />
wirkt und den Stressabbau fördert. So ist der Effekt eines intensiven<br />
Kusses mit 100 Meter Jogging vergleichbar.<br />
Für den perfekten Sitz ...<br />
DIE ZAHL<br />
5,8 Sexualpartner haben deutsche Frauen und Männer<br />
im Durchschnitt. 31 Prozent haben im Leben zwei bis fünf<br />
verschiedene Kontakte. 21 Prozent schlafen mit sechs bis<br />
zehn Menschen. Nur fünf Prozent toben sich mit 30 verschiedenen<br />
Sexpartnern aus. Noch mal fünf Prozent sind vollkommen<br />
abstinent unterwegs. Die Lust, viele unterschiedliche Erfahrungen<br />
zu sammeln, ist bei den meisten Deutschen also<br />
wenig ausgeprägt.<br />
Wer Kondome benutzt und die Abwechslung liebt, kann<br />
sich nicht beklagen: originelle Farben, exotische Geschmacksrichtungen<br />
und ein Unzahl verschiedener Dicken<br />
und Oberflächen bieten verspielten Naturen Raum für jede<br />
Menge erotische Experimente. Damit das <strong>Liebe</strong>sspiel aber<br />
auch unbeschwert und sicher abläuft, müssen Kondome<br />
vor allem ein wichtiges Kriterium erfüllen: Sie müssen richtig<br />
passen! Auf der Seite www.mein-kondom.de wird genau erklärt,<br />
wie Mann die richtige Größe ermittelt. Es können passgenaue<br />
Modelle für einen Penisumfang zwischen 9,4 und<br />
13,8 cm bestellt werden. Gute Idee: Um auszuprobieren,<br />
welches Kondom am besten sitzt, kann ein Test-Set bestellt<br />
werden, das nicht nur bunte und genoppte Modelle, sondern auch welche in unterschiedlichen Größen ent<strong>hält</strong>. Das Set ist auch<br />
für viele Frauen eine lohnende Anschaffung: So haben sie in jeder Lebenslage das passende Exemplar zur Hand.
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LIEBEN & LEBEN 5<br />
Der Zyklus als Abenteuer<br />
Die Menstruation – kein Grund rot zu werden,<br />
finden Luisa Stömer und Eva Wünsch. In ihrem<br />
Buch „Ebbe und Blut“ (Gräfe und Unzer,<br />
240 S., 24 Euro; ISBN 978-3-83386-<br />
112-3) nehmen sich die beiden Autorinnen<br />
des Themas an und erklären den weiblichen<br />
Zyklus mit viel Fachwissen und ohne falsche<br />
Scham. Originelle Illustrationen und eine ansprechende<br />
Aufmachung sorgen für sinn -<br />
liches Lesevergnügen. Der lockere Ton und<br />
die gut verständ liche Sprache machen wissenschaftliche<br />
Tat sachen und komplizierte<br />
Abläufe im weiblichen Körper leicht verständlich.<br />
Dass der weibliche Zyklus diese Aufmerksamkeit<br />
verdient, ist für die Autorinnen keine Frage: Schließlich gehe es hier nicht<br />
um „eine Schürfwunde am Knie, sondern um nichts Geringeres als die Wiege des<br />
Lebens. Und die ist sehenswert“.<br />
„<strong>Liebe</strong> ist nicht das,<br />
was man erwartet zu<br />
bekommen, sondern<br />
das, was man bereit<br />
ist zu geben.“<br />
Katharine Hepburn<br />
Will sie oder will sie nicht?<br />
Hat meine Partnerin Lust auf Sex? Wenn Männer darauf eine Antwort suchen,<br />
liegen sie oft falsch. Dies zumindest behauptet die Psychologin Amy Muise<br />
von der Universität Toronto. Sie befragte 88 heterosexuelle Männer und Frauen<br />
drei Wochen lang täglich nach ihrer eigenen Lust, gleichzeitig sollten sie<br />
das Verlangen ihrer Liebsten einschätzen. Dabei zeigte sich: Männer unterstellten<br />
ihren Partnerinnen oft ein geringeres Begehren, als diese selbst empfunden<br />
hatten – und zwar vor allem an Tagen, an denen es um das Selbstwertgefühl<br />
der Männer nicht zum Besten bestellt war. Im Zweifelsfall war es<br />
ihnen dann wichtiger, eine Abfuhr zu vermeiden. Interessant: Je stärker Männer<br />
das sexuelle Interesse ihrer Frauen unterschätzten, umso zufriedener waren<br />
diese mit der Beziehung. Möglicherweise, weil ihre Partner mehr um sie<br />
warben und sich mehr bemühten, ihre Lust zu wecken.<br />
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6 TITELTHEMA<br />
Guter Sex – trotz Diabetes?<br />
Die Stoffwechselerkrankung kann zu Problemen führen. Aber: Es gibt Abhilfe<br />
Ob wir unsere Sexualität als erfüllt<br />
und beglückend erleben,<br />
ist von vielen Faktoren abhängig.<br />
Neben einer erotischen Paarbeziehung<br />
und einer entspannten Lebenssituation<br />
spielt auch unsere körperliche<br />
Verfassung eine wichtige Rolle. Eine<br />
chronische Krankheit wie der Diabetes<br />
Mellitus kann das empfind liche Spiel<br />
der Sexualität an vielen Stellen beeinflussen.<br />
Die psychische Belastung durch<br />
die dauerhafte Erkrankung, die eingeschränkte<br />
körperliche Belastbarkeit, die<br />
Nebenwirkung mancher Medikamente,<br />
aber auch die Veränderungen an Blutgefäßen<br />
und Nerven können dazu führen,<br />
dass Männer wie Frauen ihr <strong>Liebe</strong>sleben<br />
nur mit Einschränkungen fortführen können.<br />
Nicht wenige Menschen empfinden<br />
dies als peinliches Versagen und verweigern<br />
sich dem Thema Sexualität schließlich<br />
ganz – zu Las ten ihrer Paarbeziehung<br />
und auch zu Las ten ihres persönlichen<br />
Lebensglücks.<br />
Foto: Squaredpixels<br />
So ist bei Männern mit Diabetes häufig<br />
die Erektionsfähigkeit beeinträchtigt.<br />
Rund eine Million Männer – die Hälfte<br />
der Diabetiker in Deutschland – hat damit<br />
zu kämpfen. „Da die Erkrankung<br />
maßgeblich die Blutzirkulation im Körper<br />
beeinflusst, können die Durchblutungsstörungen<br />
nicht nur an Beinen und Füßen<br />
auftreten, sondern ebenso im Penis“,<br />
erklärt Sexualpädagoge Martin Kessel.<br />
Dies führe nach und nach dazu, dass<br />
es immer schwieriger werde, eine Erektion<br />
aufzubauen und zu halten. Gleichzeitig<br />
könne die Schädigung von Nervenbahnen<br />
dazu führen, dass die Empfindlichkeit<br />
am Penis sinke. Bei Männern mit<br />
Altersdiabetes (Typ 2) ist darüber hinaus<br />
manchmal auch der Hormonhaushalt<br />
verändert. Dadurch, so Martin Kessel, gerate<br />
der betroffene Mann in einen Teufelskreis<br />
aus Frustration, Erwartungsdruck<br />
und Versagens ängsten.<br />
Diesen zu durchbrechen ist nur möglich,<br />
wenn der Patient den Mut dazu findet,<br />
das Thema offensiv anzugehen und sowohl<br />
mit der Partnerin als auch den behandelnden<br />
Ärzten das Gespräch zu suchen.<br />
Dass viele Menschen Angst empfinden,<br />
sich auf diese Weise zu „outen“,<br />
findet Martin Kessel wenig verwunderlich:<br />
„Wer gibt schon gerne zu, ein Problem<br />
mit seiner Potenz zu haben? Wir<br />
haben es hier mit einem gesellschaftlichen<br />
Tabuthema zu tun, so dass viele<br />
Patienten zögern, ihren Urologen oder<br />
Viele der Betroffenen wissen nicht, dass<br />
allein körperliche Faktoren schuld an ihren<br />
Problemen sind – und dass es viele<br />
Wege gibt, trotz Diabetes wieder zu einer<br />
erfüllten Sexualität zu finden. Grundlage<br />
dafür ist, zunächst einmal über die typischen<br />
Einschränkungen, die Folge der<br />
Erkrankung sein können, Bescheid zu<br />
wissen.<br />
Sexualität ist ein Stück Lebensglück. Auch Diabetiker müssen, trotz einiger Einschränkungen,<br />
nicht darauf verzichen. Wichtig: Den Partner mit ins Boot holen.
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TITELTHEMA 7<br />
Hausarzt auf das Problem anzusprechen.“<br />
Doch nur wer diesen Schritt wagt, kann<br />
auf die Suche nach der Ursache seiner<br />
sexuellen Funktionsstörung gehen und<br />
unter Umständen weitere Schäden verhindern.<br />
Zuallererst sollte beobachtet<br />
werden, ob der Blutzucker zu stark<br />
schwankt oder dauerhaft zu hoch ist.<br />
Hier können veränderte Lebensgewohnheiten<br />
(ausreichend Bewegung, ausgewogene<br />
Ernährung, ein entspannter Alltag)<br />
eine Verbesserung bringen. In manchen<br />
Fällen kann, bei Männern wie Frauen,<br />
auch eine Umstellung der Medikation<br />
helfen. Neben blutzuckersenkenden<br />
Mitteln müssen Diabetiker oft auch Medikamente<br />
gegen hohen Blutdruck, erhöhte<br />
Blutfette oder Depressionen einnehmen,<br />
die das sexuelle Interesse sowie<br />
die Erregungs- und Erlebnisfähigkeit<br />
einschränken können. In manchen Fällen<br />
kann der Wechsel auf andere Arzneimittel<br />
Abhilfe schaffen.<br />
Gleichzeitig stehen Männern verschiedenste<br />
Hilfen zur Verfügung, um wieder<br />
eine zufriedenstellende Erektion haben<br />
zu können. Grundsätzlich ist die Anwendung<br />
von PDE-5-Hemmern in Tablettenform<br />
möglich, die Wirkstoffe „Sildenafil“<br />
und „Tadalafil“ wurden bei Diabetikern<br />
erfolgreich angewandt. Eine weitere<br />
Möglichkeit ist der Einsatz einer medizinischen<br />
Vakuumerektionshilfe. Sie erzeugt<br />
einen Unterdruck um den Penis<br />
herum und sorgt dafür, dass sich die<br />
Schwellkörper wieder mit Blut füllen; ein<br />
Stauring verhindert, dass es wieder abfließen<br />
kann. So ist bis zu 30 Minuten<br />
normaler und stressfreier Sex möglich.<br />
Wie genau diese „Penispumpen“ funktionieren,<br />
erklären wir in unserem Infokasten<br />
auf dieser Seite.<br />
Und wie sieht es mit den sexuellen<br />
Funktionsstörungen bei Diabetikerinnen<br />
aus? Obwohl zweifellos viele Patientinnen<br />
Probleme beim Sex haben, weiß<br />
man darüber noch recht wenig. Denn<br />
auch viele Frauen scheuen den Gang<br />
zum Arzt – und finden sich notgedrungen<br />
mit den sexuellen Einschränkungen<br />
ab. Experte Martin Kessel erläutert, wie<br />
diese aussehen können: „Zum einen<br />
kann Diabetes bei Frauen Scheidentro -<br />
ckenheit verursachen. Vor allem dann,<br />
wenn während und nach den Wechseljahren<br />
zusätzlich ihr Östrogenspiegel<br />
sinkt. Zum anderen kann eine mangelnde<br />
Durchblutung des kleinen Beckens<br />
und der Genitalien zu Orgasmuspro -<br />
blemen führen – die Frau kommt auf<br />
normalem Wege nicht mehr zum Höhepunkt.“<br />
Außerdem hätten Diabetikerinnen<br />
mit schlecht eingestelltem Blutzukker<br />
häufiger Infekte und vaginale Pilzinfektionen.<br />
Ihr Risiko, nach dem Geschlechtsverkehr<br />
eine Blasenentzündung<br />
zu bekommen, ist erhöht. Und:<br />
Ebenso, wie viele männliche Diabetiker,<br />
nehmen auch weibliche Patientinnen<br />
häufiger Antidepressiva, weil sie ihre<br />
chronische Krankheit als psychisch belastend<br />
erleben. Häufig ist es jedoch die<br />
Nebenwirkung dieser Medikamente, das<br />
sexuelle Verlangen und die Orgasmusfähigkeit<br />
herabzusetzen.<br />
Glücklicherweise können auch Diabetikerinnen<br />
eine Menge tun, um wieder<br />
Lust und <strong>Liebe</strong> leben zu können. Zuallererst<br />
müssen auch sie, ebenso wie die<br />
Effektive Unterstützung:<br />
Vakuumerektionshilfen<br />
Männer, das Gespräch mit dem Facharzt<br />
suchen, um ihren Diabetes optimal einstellen<br />
zu lassen, und sich gleichzeitig<br />
um einen <strong>gesund</strong>en Lebensstil bemühen.<br />
Um die Scheidentrockenheit zu beseitigen,<br />
gibt es mehrere Wege: „Zum einen<br />
kann die Frau beim Geschlechtsverkehr<br />
ein wasserlösliches Gleitgel verwenden.<br />
Alternativ kann vorbeugend ein<br />
hyaluronsäurehaltiges Vaginalgel aufgetragen<br />
werden, das die Befeuchtung<br />
langfristig verbessert. Eine weitere Möglichkeit<br />
ist ein durchblutungsförderndes<br />
Gleitmittel, dass ca. eine Viertelstunde<br />
vor dem Verkehr aufgetragen wird, dieses<br />
verbessert zugleich das Lustempfinden“,<br />
so Kessel.<br />
Doch auch mithilfe dieses Mittels könnten<br />
nicht alle Frauen einen Orgasmus<br />
erleben. „Reichen Geschlechtsverkehr<br />
und die Stimulation mit der Hand nicht<br />
aus, kann ein Vibrator helfen. Ist er<br />
stark genug, erhöht er den Tonus, so<br />
dass die Frau zum Orgasmus kommt“,<br />
so der Sexualpädagoge. Auch Paaren<br />
empfiehlt er einen Vibrator als Unterstützung<br />
im <strong>Liebe</strong>sspiel, um gemeinsam<br />
mehr Lust zu erleben: „Männer wie<br />
Frauen sollten die Scheu vor Hilfsmitteln<br />
beim Sex ablegen. Betrachten Sie<br />
diese einfach wie eine Lesebrille – die<br />
setzt man ja auch auf, wenn man nicht<br />
mehr so gut sieht“.<br />
Eine Vakuumpumpe besteht aus einem Kunststoffzylinder, an dessen Ende sich eine<br />
Pumpe befindet. Mit dieser kann ein kontrollierter Unterdruck erzeugt werden,<br />
der zu einer Versteifung des Penis führt. Zum Set gehören Spannungsringe unterschiedlicher<br />
Größe und Stärke, die auf den Penis aufgebracht werden können. So<br />
verhindern sie den Rückfluss des Blutes und sorgen für eine stabile Erektion, die<br />
ca. 30 Minuten aufrechterhalten werden kann. Dieses Hilfsmittel ist sehr einfach<br />
anzuwenden und kann bei jeder Form von Potenzstörungen eingesetzt werden.<br />
Über Vakuumerektionshilfen informiert auch das gleichnamige ISG-Infoblatt,<br />
das Sie unter www.isg-info.de, Rubrik „Infomaterialien“, finden.
8 THEMA<br />
Krebs im gynäkologischen Bereich:<br />
So werden Sexualfunktionen erhalten<br />
Schonende Operationsmethoden und vorbeugende Maßnahmen können<br />
langfristige Schädigungen verhindern. Was Patientinnen darüber wissen sollten<br />
Wird eine Krebsdiagnose im<br />
gynäkologischen Bereich<br />
gestellt, steht für Ärzte wie<br />
Betroffene selbstverständlich erst einmal<br />
das Überleben der Patientin im<br />
Vordergrund. Für uns Mediziner ist es<br />
jedoch wichtig, gleichzeitig auch vorauszublicken<br />
– und an den Erhalt der<br />
Lebensqualität zu denken. Dies bedeutet,<br />
auf unser Fachgebiet bezogen, vor<br />
allem, die sexuellen Funktionen, das<br />
körperliche Erscheinungsbild und die<br />
Libido so gut wie möglich zu erhalten.<br />
Vorbeugende Maßnahmen und schonende<br />
Operationsmöglichkeiten können<br />
dies heute in vielen Fällen zumindest<br />
teilweise gewährleisten.<br />
Wie wichtig dieses Thema ist, verdeutlicht<br />
die größte Studie, die die Sexualität<br />
bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom<br />
untersuchte: 47 Prozent der Frauen<br />
klagten nach der Therapie über eine<br />
Libido störung, 80 Prozent über eine<br />
vaginale Tro ckenheit, 62 Prozent über<br />
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr<br />
und 75 Prozent über Orgasmusschwierigkeiten.<br />
Um diese Einschränkungen<br />
abzumildern, kann es im individuellen<br />
Fall und nur im Frühstadium der Erkrankung<br />
sinnvoll sein, einen Eierstock – und<br />
damit die Hormonproduktion – zu erhalten.<br />
Dies wird vor allem dann in Erwägung<br />
gezogen, wenn die Patientin einen<br />
Kinderwunsch hat. Eine solche Entscheidung<br />
sollte jedoch mit Bedacht<br />
und in enger Abstimmung zwischen Arzt<br />
und Patientin getroffen werden – da der<br />
Erhalt eines Eierstocks vielfach das Risiko<br />
eines Rückfalls erhöht.<br />
Frau Prof. Dr. Annette Hasenburg ist<br />
Direktorin der Klinik und Poliklinik für<br />
Geburtshilfe und Frauen<strong>gesund</strong>heit,<br />
Universitätsmedizin Mainz<br />
Bei einer radikalen Hysterektomie – einer<br />
vollständigen Entfernung der Gebärmutter<br />
und ihrer Aufhängebänder –<br />
aufgrund einer Krebserkrankung kann<br />
es zur Schädigung von Nervensträngen<br />
kommen. Scheidentrockenheit, eine<br />
geringere Durchblutung der Vagina und<br />
Orgasmusstörungen können die Folge<br />
sein. Gezielt nervenschonende Operationstechniken<br />
können diese Beschwerden<br />
abmildern – Patientinnen<br />
sollten sich danach erkundigen. Besonders<br />
häufig treten Störungen der sexuellen<br />
Funktionen dann auf, wenn<br />
Operation und Strahlentherapie kombiniert<br />
werden. Dieses Vorgehen sollte<br />
deshalb, falls möglich, vermieden werden.<br />
Bei Patientinnen, die noch nicht<br />
in den Wechseljahren sind, kann vor<br />
dem Beginn der Bestrahlung eine sogenannte<br />
„Transposition“ (Verlagerung)<br />
der Eierstöcke sinnvoll sein, um sie so<br />
vor der Strahlentherapie zu schützen.<br />
Es hat sich gezeigt, dass diese Maßnahme<br />
in 70 bis 90 Prozent die Hormonproduktion<br />
der Eierstöcke aufrechter<strong>hält</strong><br />
– und so negative Auswirkungen<br />
auf die sexuellen Funktionen vermieden<br />
werden können.<br />
Ein maßgenaues Vorgehen ist auch bei<br />
der Operation eines Vulvakarzinoms (einem<br />
Krebsbefall der Schamlippen) notwendig.<br />
Hier ist es für das Körperbild,<br />
aber auch für den Erhalt der Sexualfunktionen<br />
entscheidend, nur so viel<br />
Gewebe zu entfernen wie unbedingt nötig,<br />
um einen Rückfall zu vermeiden –<br />
dies gilt besonders bei klitorisnahen Tumoren.<br />
Eine sinnvolle Maßnahme zur<br />
Vorbeugung von sexuellen Störungen ist<br />
auch die „Defektde ckung“ – die plastische<br />
Wiederherstellung entfernter Gewebebereiche.<br />
Mein Rat an alle Patientinnen mit einem<br />
Tumor im gynäkologischen Bereich:<br />
Lassen Sie sich im Vorfeld beraten, welche<br />
Möglichkeiten zum Schutz der Sexualfunktionen<br />
in Ihrem Fall zur Verfügung<br />
stehen. Erkundigen Sie sich auch<br />
nach unterstützenden Maßnahmen, die<br />
in Ihrem Fall die negativen Folgen der<br />
Behandlung abfedern können. Dies<br />
kann die Behandlung von Narben<br />
durch Massage und Cremes, eine Hormontherapie,<br />
eine psychologische Begleitung<br />
oder der Einsatz sogenannter<br />
Dilatatoren sein, die zur Weitung der Vagina<br />
eingesetzt werden.
INFOMATERIAL-BESTELLUNG<br />
Bitte senden Sie mir folgendes Informationsmaterial des ISG zu (entsprechende Anzahl angeben):<br />
Informationsblätter<br />
➡<br />
Informationsblätter<br />
➡<br />
Erektionsstörungen (Erektile Dysfunktion [ED])<br />
Behandlung der ED mit dem Wirkstoff Sildenafil<br />
Behandlung der ED mit dem Wirkstoff Tadalafil<br />
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Sexualität<br />
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Sexualität<br />
Sexualität im Alter<br />
Behandlung der ED mit dem Wirkstoff Vardenafil<br />
Behandlung der ED mit dem Wirkstoff MUSE<br />
Schwellkörper-Injektionstherapie (SKAT)<br />
Vakuumerektionshilfen<br />
Penisimplantate<br />
Hormontherapie beim Mann<br />
Sexuelle Funktionsstörungen bei Prostataerkrankungen<br />
Broschüren<br />
Sexuelle Probleme? Das ISG informiert und berät<br />
FRED – Fragebogen zur Erektilen Dysfunktion –<br />
Potenzprobleme erkennen und behandeln<br />
Es muss keine Affäre sein – Ein Ratgeber für Frauen<br />
Erektionsstörungen – Mut zur Selbsthilfe<br />
Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)<br />
Induratio penis plastica (IPP)<br />
Männliche Unfruchtbarkeit (Infertilität)<br />
ISG-Magazin<br />
„<strong>Liebe</strong> <strong>hält</strong> <strong>gesund</strong>“<br />
Informationsblätter<br />
Sexualstörungen bei Frauen<br />
Name, Vorname<br />
Hormontherapie bei der Frau<br />
Sexualität und Wechseljahre<br />
Sexualität nach einer gynäkologischen Krebserkrankung<br />
Straße<br />
PLZ/Wohnort<br />
Hausnummer<br />
„Pille danach“<br />
Unterstützen Sie das ISG aktiv durch Ihre Mitgliedschaft*!<br />
Telefonnummer oder E-Mail-Adresse für Rückfragen<br />
Bitte in Druckbuchstaben<br />
*Mindestbeitrag (€ 25,-/Jahr). Nur als ärztliches Mitglied werden Sie –<br />
Ihr Einverständnis vorausgesetzt – in den Expertenpool auf der ISG-<br />
Homepage (www.isg-info.de) aufgenommen. Mit Hilfe einer Suchmaschine<br />
können Betroffene dort einen Arzt in ihrer Nähe herausfinden.<br />
Sie erhalten ebenfalls unser Magazin „<strong>Liebe</strong> <strong>hält</strong> <strong>gesund</strong>“, das über die<br />
Aktivitäten des Vereins und wichtige Fortschritte auf dem Gebiet der<br />
Sexualität und Gesundheit informiert.<br />
Bitte senden Sie dieses Formular zurück an das:<br />
Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit<br />
ISG e.V.<br />
Geschäftsstelle<br />
Universitätsklinikum Freiburg<br />
Hugstetter Str. 55<br />
79106 Freiburg<br />
Oder faxen Sie das Formular an:<br />
Faxnummer 0761 / 27027450
10 MEDIZINWELT<br />
Wissenschaftliche Meldungen<br />
MILLIONEN MÄNNLICHER SAMENZELLEN<br />
machen sich auf den Weg zur Eizelle –<br />
das Ziel wird nur von einer einzigen erreicht.<br />
Forscher der Universität Ulm<br />
und der University of California haben<br />
nun entdeckt, dass sogenannte Amy -<br />
loid-Fibrillen bei diesem „Spermienrennen“<br />
mitmischen: Die klebrigen Eiweiß-<br />
Fäden fangen unbrauchbare Spermien<br />
ein und erleichtern deren Entsorgung<br />
durch die weibliche Immunabwehr. Zuvor<br />
hatten Prof. Jan Münch und Institutsleiter<br />
Prof. Frank Kirchhoff vom Ulmer<br />
Institut für Molekulare Virologie bereits<br />
herausgefunden, dass die klebrigen<br />
Eiweiß-Stäbchen im Sperma als<br />
HIV-Verstärker wirken, indem sie die<br />
Anheftung der AIDS-Erreger an die Zielzellen<br />
erleichtern. Gemeinsam mit seinen<br />
kalifornischen Forschungskollegen<br />
entdeckte Münch nun eine natürliche<br />
biologische Funktion der Eiweiß-Fäden.<br />
DIE WECHSELJAHRE beginnen bei rund<br />
zehn Prozent der Frauen bereits vor<br />
dem 45. Lebensjahr. Damit verbunden<br />
ist ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen<br />
und Osteoporose.<br />
Tierstudien hatten bereits gezeigt, dass<br />
eine Ernährung mit viel pflanzlichem<br />
Protein die Wechseljahre hinauszögern<br />
kann. Forscher um Elizabeth Bertone-<br />
Johnson von der University of Massachusetts<br />
untersuchten nun, ob dies<br />
auch beim Menschen funktioniert. Sie<br />
befragten 116.000 Frauen zwischen 25<br />
und 42 Jahren, wie oft sie bestimmte<br />
Lebensmittel zu sich genommen hatten.<br />
Das Ergebnis: Frauen, die 6,5 Prozent<br />
ihres täglichen Kalorienbedarfs über<br />
pflanzliche Proteine deckten, hatten ein<br />
um 16 Prozent geringeres Risiko früh in<br />
die Menopause einzutreten, als solche,<br />
die nur vier Prozent des Bedarfs über<br />
Nüsse und Co. zu sich nahmen.<br />
ERHÖHT EINE SCHWANGERSCHAFT das<br />
Rückfallrisiko von Brustkrebs patientin -<br />
nen? Dieser Frage gingen Matteo Lambertini<br />
und seine Kollegen vom Institut<br />
Jules Bordet in Brüssel nach. Sie begleiteten<br />
zehn Jahre lang 1207 metastasefreie<br />
Brustkrebspatientinnen unter 50<br />
Jahren. 333 Frauen wurden im Verlauf<br />
der Studie schwanger. Ihnen ordneten<br />
die Forscher jeweils drei der 874 Teilnehmerinnen<br />
zu, die nicht schwanger<br />
geworden waren und die vom Tumor, Alter<br />
und weiteren Faktoren her ähnliche<br />
Prognosen hatten. Dabei zeigte sich,<br />
dass die Frauen, die Schwanger geworden<br />
waren, keine Nachteile erlebten,<br />
weder was die tumorfreie Zeit noch die<br />
Eine Schwangerschaft stellt kein erhöhtes<br />
Rückfallrisiko dar für Brustkrebs -<br />
patientinnen.<br />
Überlebensrate anbelangte – das galt<br />
auch für Frauen mit Östrogenrezeptorpositivem<br />
Krebs. Auch der Zeitpunkt der<br />
Schwangerschaft hatte keinen Einfluss.<br />
Foto: pexels.com<br />
WIE GESUND LEBEN die Deutschen im Vergleich<br />
zu Einwohnern anderer EU-Länder?<br />
Dieser Frage ist ein Team des Robert-<br />
Koch-Instituts nachgegangen. Positiv ist<br />
die Bewegungsfreude der Deutschen:<br />
45 % der Frauen und 51 % der Männer<br />
Beim täglichen Obst- und Gemüseverzehr<br />
sind die deutschen Frauen Spitze im EU-<br />
Vergleich.<br />
erreichen die empfohlenen 150 Minuten<br />
körperlicher Ausdaueraktivität pro Woche<br />
– EU-weit sind es nur 26 bzw. 36 %. In<br />
puncto Ernährung haben die deutschen<br />
Frauen die Nase vorn: 54 % essen täglich<br />
eine Portion Obst, 40 % eine Portion Gemüse.<br />
Nur 38 % der deutschen Männer<br />
essen täglich Obst, nur 23 % verzehren<br />
täglich Gemüse.<br />
DIE GESCHLECHTSKRANKHEIT TRIPPER ist<br />
auf dem Vormarsch: 78 Millionen Menschen<br />
stecken sich laut WHO jährlich mit<br />
Gonokokken an. Für Deutschland gehen<br />
Schätzungen von 20.000 bis 25.000<br />
Infektionen aus – Tendenz steigend. Besonders<br />
häufig wird die Krankheit beim<br />
Oralsex übertragen, weil sich die Erreger<br />
mit Vorliebe im Hals ansiedeln. Wer wechselnde<br />
Sexualpartner hat, sollte sich mit<br />
einem Kondom schützen.<br />
Foto: pexels.com<br />
Das ISG wird gefördert durch:
Infoline <strong>01</strong>80-555 84 84 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz. Mobilfunk max. 0,42 Euro/Min.)<br />
THEMA 11<br />
„Zum eigenen Körper stehen“<br />
Ist mein Penis zu kurz? Diese Frage belastet viele Männer. ISG-Vorstand und<br />
Experte Dr. Christian Leiber erklärt, warum diese Sorge fast immer unbegründet ist<br />
– und wie die verschiedenen Verfahren zur Penisverlängerung einzuschätzen sind<br />
ISG: Wie groß muss ein „normaler“ Penis<br />
eigentlich sein?<br />
Dr. Leiber: Im Durchschnitt ist der Penis<br />
eines deutschen Mannes 13,2 cm lang.<br />
Aber natürlich ist das die statistische<br />
Mitte, zu der Abweichungen nach oben<br />
und unten dazugehören – auch weniger<br />
Länge ist noch „normal“. Für die sexuelle<br />
Funktionalität sind ohnehin andere<br />
Faktoren wie etwa der Umfang wichtiger.<br />
Das Problem ist, dass viele Männer sich<br />
an den falschen Bildern orientieren. Pornografie<br />
ist heute im Internet für jedermann<br />
leicht verfügbar. Hier sind meist<br />
Männer zu sehen, die außergewöhnlich<br />
gut bestückt sind. Sehr viele Männer, die<br />
zu mir kommen und glauben, ihr Penis<br />
sei viel zu kurz, liegen sogar über dem<br />
statistischen Durchschnitt.<br />
Was sagen Sie diesen Männern?<br />
Ich messe ihren Penis und versuche<br />
dann, sie mit wissenschaftlichen Daten<br />
davon zu überzeugen, dass bei ihnen alles<br />
in Ordnung ist und sie eher ein Problem<br />
mit ihrer Selbstwahrnehmung haben.<br />
Hier kann in schwierigen Fällen ein<br />
Sexual- oder Psychotherapeut weiterhelfen.<br />
Was Männer auch wissen sollten:<br />
Ein großer Penis kann auch Probleme<br />
bereiten. Zum einen, weil er der Partnerin<br />
beim Geschlechtsverkehr Schmerzen<br />
verursachen kann. Zum anderen, weil im<br />
vorgerückten Alter häufiger Erektions -<br />
störungen vorkommen. Damit ein großer<br />
Penis richtig steif wird, ist eben sehr viel<br />
mehr Blutzufuhr nötig.<br />
Wann ist eine Penisverlängerung überhaupt<br />
angezeigt?<br />
Eine echte Verlängerung des Penis ist<br />
nur durch sehr aufwendige und risikoreiche<br />
Verfahren möglich. Es müssen<br />
dafür die beiden Penisschwellkörper geöffnet<br />
werden, was die unabsichtliche<br />
Zerstörung von Nerven und Gefäßen<br />
und damit schwere Erektionsstörungen<br />
bedeuten kann. Außerdem kann es zu<br />
sichtbaren Vernarbungen und zu Infektionen<br />
kommen. Trotz all dieser Risiken<br />
können höchstens zwei bis drei Zentimeter<br />
zusätzlich gewonnen werden. Solche<br />
Operationen sind deshalb in<br />
Deutschland – und auch weltweit – unüblich,<br />
zudem müssen sie selbst bezahlt<br />
werden. Dabei entstehen Kosten<br />
von bis zu 20.000 Euro.<br />
Dr. med. Christian Leiber, Leiter Sektion<br />
Andrologie, Oberarzt, Facharzt für Urologie,<br />
Andrologie, medikamentöse Tumortherapie<br />
am Universitätsklinikum Freiburg<br />
Gibt es auch sanftere Methoden?<br />
Es gibt die Möglichkeit, den Penis optisch<br />
zu verlängern, indem man seine<br />
oberen Haltebänder durchtrennt. Dadurch<br />
hängt das Glied im nicht-erigierten<br />
Zustand weiter herunter und wirkt so<br />
länger. Das kann Männern weiterhelfen,<br />
die vor allem in der Öffentlichkeit, zum<br />
Beispiel in der Sauna oder beim gemeinsamen<br />
Duschen im Sportverein, ein Problem<br />
mit der Länge ihres Penis haben.<br />
Im erigierten Zustand wird durch diesen<br />
Eingriff aber keine Verlängerung erreicht.<br />
Bei manchen Männern wirkt der<br />
Penis auch kleiner, als er ist, weil sie einen<br />
großen Bauch haben. Hier ist natürlich<br />
Abnehmen das Allerbeste, auch das<br />
Absaugen von Fett ist eine mögliche<br />
Maßnahme. Warnen möchte ich vor dem<br />
Verfahren, das abgesaugte Fett in den<br />
Penis spritzen zu lassen, um ihm mehr<br />
Volumen zu verleihen. Denn dieses Fett<br />
wird vom Köper nach und nach wieder<br />
resorbiert. Mittel- und langfristig können<br />
dadurch Verformungen und Dellen im<br />
Penis entstehen, die schwer wieder zu<br />
beseitigen sind.<br />
Gerade im Internet locken ja auch viele<br />
Anbieter mit Wundermitteln, die zu Hause<br />
selbst angewendet werden können.<br />
Was halten Sie davon?<br />
Die wissenschaftliche Evidenzlage ist<br />
hier sehr eindeutig: Es gibt keine Naturheilmittel<br />
oder mechanischen Streckverfahren,<br />
die wirklich eine Verlängerung<br />
bewirken. Das heißt: Solche Mittel sind<br />
oft sehr umständlich und schmerzhaft in<br />
der Anwendung, zudem kosten sie meist<br />
eine Menge Geld. In China etwa geben<br />
wohlhabende Männer Tausende aus,<br />
weil sie sich etwas davon versprechen,<br />
Stierhoden oder Ähnliches zu verzehren.<br />
Dies hat natürlich keinerlei Wirkung.<br />
Mein Rat an alle Männer ist also, sich<br />
nicht von der vermeintlichen Erwartungshaltung<br />
der Umwelt beeinflussen<br />
zu lassen und zu ihrem Körper zu stehen.<br />
Bei einer kalifornischen Studie mit<br />
50.000 Teilnehmern zeigte sich: 85 Prozent<br />
der befragten Frauen waren mit der<br />
Penisgröße ihres Partners zufrieden,<br />
allerdings nur 55 Prozent der Männer<br />
mit dem eigenen Glied.
12 WOHLFÜHLEN<br />
Foto: Sofia Zhuravetc/stock.adobe.com<br />
Mehr Leichtigkeit mit Lomi Lomi<br />
Eine gelungene Massage entspannt und lockert den Körper, streichelt die Seele und macht uns bereit<br />
für positive sinnliche Erlebnisse. Gerade viele Paare lieben es deshalb, gemeinsam eine thailändische<br />
Knetkur oder eine indische Ayurveda-Anwendung zu genießen. Nun lockt ein neuer Trend aus Hawaii<br />
mit dem ultimativen Verwöhnversprechen: „Lomi Lomi Nui“, übersetzt:<br />
das „einzigartige große Kneten“, verspricht ein zwei- bis dreistündiges<br />
Eintauchen in eine andere Welt. Zu der traditionellen Massagetechnik<br />
gehört neben wohltuenden Berührungen am ganzen<br />
Körper auch eine beruhigende Umgebung. Duftende Öle, sanftes<br />
Licht und ruhige Musik sollen das innerliche Loslassen fördern.<br />
Über hundert verschiedene Griffe ermöglichen es dem Lomi-Lomi-<br />
Therapeuten, bis zu den tiefliegenden Muskeln und Bindegewebsschichten<br />
vorzudringen. So werden Blockaden im Körper gelöst, so<br />
dass die Energie wieder frei fließen kann und Leichtigkeit und Lebensfreude<br />
wieder Platz finden. Echte Entspannungsfans sollten also<br />
einmal einen gemeinsamen Versuch starten – auch wenn die Anwendungen<br />
aufgrund der Länge nicht ganz billig sind. Angebote findet<br />
man inzwischen in jeder größeren Stadt. Da die Massage eine sehr persönliche Note hat, sollte es ein<br />
ausführliches Vorgespräch geben.<br />
D I E Z A H L<br />
72,3<br />
Fast drei Viertel (72,3 Prozent) der Bevölkerung in Deutschland waren<br />
2<strong>01</strong>6 mit ihrem körperlichen Wohlbefinden zufrieden. Damit liegt die Zufriedenheit<br />
auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr (74,6 Prozent). 2<strong>01</strong>4 gaben lediglich<br />
zwei Drittel (67,4 Prozent) an, zufrieden zu sein. Die aktuelle Erhebung<br />
zeigt darüber hinaus, dass sich Menschen in ländlichen Gegenden und in Kleinstädten<br />
wohler fühlen als in größeren Städten. Dies ermittelte das Marktforschungsinstitut<br />
GfK im Auftrag von Nestlé.<br />
Foto: pexels.com<br />
Superfood für die Schönheit<br />
Viele Menschen schwören auf ihren feinen Geschmack. Tatsächlich hat die Avocado aber weit mehr zu bieten: Vitamine<br />
der B-Gruppe, Vitamin E, Folsäure, Kalium und Magnesium machen die fettreiche Frucht zu einem wahren Jungbrunnen<br />
für Körper und Seele. Was wenige wissen: Dies gilt auch für die äußerliche Anwendung. Denn die wertvollen Öle der<br />
Avocado sind perfekt geeignet, Haut und Haare auf natürliche Art zu pflegen. So ergibt eine zerdrückte Avocado mit<br />
einigen Spritzern Zitrone eine effektive Gesichtsmaske. Wer die Mischung aufs Haar geben möchte, rührt vorher noch<br />
einige Löffel Naturjoghurt unter. Und gegen trockene, rissige Hände hilft eine nährende Handmaske. Mixen Sie dafür<br />
eine Avocado mit einem Eigelb und einem guten Schuss Olivenöl.
Infoline <strong>01</strong>80-555 84 84 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz. Mobilfunk max. 0,42 Euro/Min.)<br />
WOHLFÜHLEN 13<br />
Relaxen im Doppelpack<br />
Wellnessurlaub als Frischzellenkur für die Beziehung:<br />
Knapp zwei Drittel der Wohlfühl-Aufenthalte werden<br />
von Paaren angetreten. Viele Hotels haben sich auf diesen<br />
Trend eingestellt – es lohnt sich also, nach speziellen<br />
Angeboten Ausschau zu halten. Neben klassischen<br />
Romantikwochenenden ist mittlerweile auch viel Ungewöhnliches<br />
oder Exklusives möglich: So können Paare<br />
sich inzwischen einen privaten Whirlpool oder ein duftendes<br />
Wannenbad mieten. Einige Hotels bieten Verliebten<br />
sogar an, den Wellnessbereich für einige Stunden<br />
ganz allein zu nutzen. Viele Angebote finden sich<br />
z.B. unter www.mydays.de<br />
Foto: TENphoto/stock.adobe.com<br />
Im Trend: Faszientraining<br />
Bis vor Kurzem hatte kaum jemand von ihnen gehört, inzwischen geraten sie mehr<br />
und mehr ins Blickfeld von Gesundheits- und Fitnessinteressierten: die Faszien.<br />
Das Wort steht für das 0,3 bis 3 mm dicke Bindegewebe, das unseren Körper wie<br />
ein Netz durchzieht und Muskeln, Muskelfasern, Knochen und Organe umhüllt.<br />
Inzwischen vermuten Wissenschaftler, dass viele Schmerzen, die gemeinhin der<br />
Muskulatur zugeschrieben werden, eigentlich von verklebten Faszien herrühren.<br />
Rückenschmerzen etwa könnten auch deshalb auftreten, weil das muskuläre Bindegewebe<br />
unter- bzw. überfordert wird und infolgedessen verfilzt und spröde wird.<br />
Die Folge: Die Faszien können nicht mehr geschmeidig überei nandergleiten, wir<br />
haben Schmerzen und sind verletzungsanfälliger. Dagegen helfen gezielte Übungen,<br />
die man zum Beispiel im Fitnessstudio erlernen kann. Anleitung finden Interessierte<br />
auch in Buchform. Tipp: der Ratgeber „Faszienfitness“ von Robert Schleip,<br />
einem promovierten Humanbiologen, der sich auf das Thema spezialisiert hat (riva,<br />
224 S., 19,99 Euro, ISBN 978-3868-83483-3).<br />
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Erektionsstörungen können mit<br />
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URO-487715-AA JUL 2<strong>01</strong>7 © 2<strong>01</strong>7 Boston Scientific Corporation oder Tochtergesellschaften. Alle Rechte vorbehalten.
14 THEMA<br />
Wenn der Körper spricht<br />
Psychosomatische Erkrankungen werden oft sehr spät erkannt. Weshalb das so ist – und<br />
warum sie oft mit sexuellen Störungen einhergehen, fragten wir Dr. Daniela Wetzel-Richter<br />
ISG: Frau Dr. Wetzel-Richter, inwiefern<br />
gibt es Berührungspunkte zwischen<br />
sexuellen Funktionsstörungen und<br />
psychosomatischen Erkrankungen?<br />
Dr. Wetzel-Richter: Symptome sexueller<br />
Funktionsstörungen treten häufig im Zusammenhang<br />
mit psychosomatischen<br />
Erkrankungen auf, da sexuelles Erleben<br />
und Verhalten stets ein Zusammenspiel<br />
biologischer, psychischer und sozialer<br />
Faktoren bedeutet. Zum einen können<br />
psychosoziale Belastungen zu sexuellen<br />
Problemen führen, zum anderen<br />
können sexuelle Funktionsstörungen zu<br />
einer psychischen Belastung für den betroffenen<br />
Menschen werden. So findet<br />
sich nach sexuellem Missbrauch zum<br />
Beispiel häufig eine Libidostörung, weil<br />
sexuelle Aktivität mit negativen Erinnerungen<br />
behaftet ist. Andererseits entwi -<br />
ckelt ein Mann mit körperlich bedingten<br />
Potenzproblemen ein sich dadurch verschlechterndes<br />
Selbstbild, zum Beispiel<br />
eine Depression.<br />
Sexuelle Funktionsstörungen sind nach<br />
wie vor ein Tabuthema. Könnte dies die<br />
Ursache dafür sein, dass der Körper<br />
durch psychosomatische Symptome<br />
auf sich aufmerksam macht?<br />
Sexuelle Störungen können die unbewusste<br />
Sprache des Körpers sein. So<br />
kann beispielsweise eine Potenzstörung<br />
beim Zusammensein mit der Ehefrau<br />
auftreten, mit der gerade ein Konflikt<br />
besteht, dieser aber nicht angesprochen<br />
werden kann. Der Körper sagt dann sozusagen<br />
„Nein“. Psychosomatische<br />
Symptome treten vor allem dann auf,<br />
wenn der Betroffene nicht gelernt hat,<br />
Gefühle in Worten auszudrücken. Dann<br />
spricht oft stattdessen der Körper. Gesellschaftliche<br />
Tabus sind eine andere<br />
Form der Sprachlosigkeit. Die Moral<br />
und die Scham blockieren den Betroffenen,<br />
seine Sorgen anzusprechen. Hier<br />
fehlt dem Betroffenen ein einladender<br />
Gesprächspartner. Ärzte mit sexualmedizinischer<br />
Weiterbildung erlernen, den<br />
betroffenen Patienten zum Dialog einzuladen.<br />
Das ISG e.V. bietet sexualmedizinische<br />
Curricula an, um Ärzte unter<br />
anderem in Kommunikationstechniken<br />
und sexualmedizinischem Wissen zu<br />
schulen.<br />
Patienten und Patientinnen, die zu Ihnen<br />
kommen, haben oft schon viele<br />
Ärzte konsultiert ...<br />
Im Durchschnitt dauert es sieben Jahre,<br />
bis dem betroffenen Patienten die<br />
psychosomatische Diagnose gestellt<br />
wird, da unser Gesundheitssystem somatisch<br />
orientiert ist. Jede Fachgruppe<br />
sieht nur ihren Fachbereich. Am ehesten<br />
hat noch der Hausarzt die Chance, alles<br />
zusammenzubringen – er kennt die persönlichen<br />
und familiären Ver<strong>hält</strong>nisse<br />
und die somatischen Beschwerden.<br />
Dr. med. Daniela Wetzel-Richter ist Ltd.<br />
Ober ärztin an der Klinik für Psychosomatische<br />
Medizin und Psychotherapie im Kreiskrankenhaus<br />
Lörrach.<br />
Foto: Julia Jacob<br />
Hausärzte wie auch Frauenärzte und andere<br />
niedergelassene Fachärzte lernen<br />
heute, ganzheitlich psychosomatisch zu<br />
denken und zu handeln. Dennoch haben<br />
die Patienten oft einen sehr langen Leidensweg<br />
hinter sich und bringen dicke<br />
Akten mit. Ursache ist auch, dass betroffene<br />
Patienten ihre Gefühle nicht gut benennen<br />
und sich deshalb kein psychosomatisches<br />
Krankheitsverständnis erarbeiten<br />
können. Sie denken eher funktionell,<br />
lassen sich eher operieren, als über<br />
ihre Gefühle zu sprechen.<br />
Woher kommt dieses Abgeschnittensein<br />
von den eigenen Gefühlen?<br />
Die betroffenen Patienten haben in der<br />
Kindheit keine gute Versorgung erfahren,<br />
teils Gewalt und/oder Missbrauch<br />
erlebt. Sie sind misstrauisch, auch<br />
gegenüber Ärzten. Da in der Kindheit<br />
keine liebevolle „Spiegelung der Gefühle“<br />
durch die primären Bezugspersonen<br />
stattfand, können sie auch später Gefühle<br />
schlecht erkennen, benennen und<br />
regulieren. All das bringt der Psychosomatiker<br />
in einer ausführlichen Anamnese,<br />
bei der körperliche und psychische<br />
Belastungen berücksichtigt werden, zusammen.<br />
Erst dann stellt er eine Diagnose.<br />
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit<br />
mit dem Partner in der therapeutischen<br />
Arbeit?<br />
Bei sexuellen Störungen ist das Paar der<br />
Patient, der behandelt werden muss. Ist<br />
zum Beispiel die Frau frustriert, da der<br />
Mann immer „zu früh kommt“, steigt<br />
der Druck auf den Mann, der dann noch<br />
häufiger „versagt“ und schließlich das<br />
Zusammensein vermeidet. Daher wird<br />
der Partner möglichst mit eingeladen.
Infoline <strong>01</strong>80-555 84 84 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz. Mobilfunk max 0,42 Euro/Min.)<br />
LEBENS-LUST 15<br />
Romantik und Abenteuer<br />
Lese-Lust<br />
Foto: aleksei_derin/stock.adobe.com<br />
Nichts gegen gemeinsame Fernsehabende<br />
mit Kuschelfaktor<br />
– aber wer seine <strong>Liebe</strong>sbeziehung<br />
dauerhaft lebendig halten will,<br />
muss auch mal zusammen etwas erleben,<br />
sprich: ausgehen. Oder sogar ausbrechen!<br />
„Escape-Rooms“ sind so etwas<br />
wie Spiel-Räume für Erwachsene –<br />
und liegen momentan voll im Trend. In<br />
jeder größeren Stadt kann man sich für<br />
60 bis 120 Minuten gemeinsam in einen<br />
solchen Raum einsperren lassen.<br />
Hier müssen, ähnlich wie in einem<br />
Computerspiel, verschiedenste Rätsel<br />
und witzige Aufgaben gelöst werden,<br />
um ans Ziel zu gelangen und die Tür<br />
wieder zu öffnen. Eingebettet sind diese<br />
Spiele in unterschiedliche Rahmenhandlungen<br />
und Kulissen. Mal wähnt<br />
man sich in einem Agatha-Christie-Krimi,<br />
mal in einem mittelalterlichen<br />
Schloss, auch Gefängniszellen sind im<br />
Angebot. Viele Firmen spendieren ihren<br />
Mitarbeitern einen Betriebsausflug in<br />
den Escape-Room, um das „Teambuilding“<br />
zu fördern. Tatsächlich passt die<br />
Idee aber auch hervorragend für Paare,<br />
die mal etwas Spannendes erleben<br />
wollen. Einige Anbieter haben bereits<br />
Extra-Offerten für Verliebte im Programm.<br />
Das passende Angebot lässt<br />
sich am besten via Internet aussuchen:<br />
Seiten wie escaperoomgames.de oder<br />
mydays.de liefern einen Überblick über<br />
die Angebote in ganz Deutschland. Hier<br />
kann bei Interesse auch gleich gebucht<br />
werden. Einem Ausbruch mit dem<br />
Liebs ten steht also nichts im Wege.<br />
Der Untertitel „Das Buch für alle, die<br />
entweder ein Mann oder eine Frau<br />
sind“, macht es schon deutlich: Dieser<br />
„Beziehungsratgeber“ wurde von einem<br />
Kabarettisten verfasst. Witzig und<br />
geistreich nimmt Carsten Höfer anhand<br />
des „Beispielpärchens“ Claudia<br />
und Peter die typischen Kommunikationspannen<br />
zwischen<br />
Männern und Frauen<br />
auf die Schippe. Und<br />
natürlich hat er jede<br />
Menge launige Tipps<br />
auf Lager, wie es besser<br />
geht – Schmunzeln ist<br />
dabei garantiert. Tipp:<br />
Wer das Buch auf der<br />
Homepage www.carsten-hoefer.de<br />
bestellt, bekommt auf Wunsch eine<br />
persön liche Widmung des Autors<br />
hineingeschrieben.<br />
Carsten Höfer – Frauenversteher<br />
Südwest, 208 Seiten, 12,99 Euro,<br />
ISBN 978-3-517-08721-4<br />
das rezept<br />
Chili-Schokoladensahne<br />
mit Früchten<br />
Schokolade macht glücklich – das können wir unmittelbar erleben, wenn<br />
die vollmundige Süßigkeit in unserem Mund zerschmilzt und für wohlige<br />
Gefühle sorgt. Zudem ent<strong>hält</strong> sie den hirneigenen Botenstoff Phenylethy -<br />
lamin, der uns in einen verliebtheitsähnlichen Glückszustand versetzt. Für<br />
ein anregendes Dessert kombinieren wir deshalb Schokolade mit einem<br />
weiteren aphrodisierenden Lebensmittel: dem Chili. Seine Schärfe wirkt<br />
nicht nur durchblutungsfördernd, sondern kurbelt auch die Produktion von<br />
Endorphinen an. Das Rezept ist ebenso einfach wie genial: 100 g dunkle<br />
Chilischokolade im Wasserbad schmelzen lassen, 250 g Sahne unterrühren,<br />
bis ein glatte Masse entsteht. Gut durchkühlen lassen und kurz vor dem Servieren<br />
cremig aufschlagen. Nocken abstechen und mit roter Beerensauce<br />
und frischen Früchten servieren. Natürlich können Sie jede beliebige dunkle<br />
Schokolade verwenden und nach Belieben selbst Chilipulver zugeben.<br />
Wenn es zum Urologen geht, werden<br />
selbst die forscheren Zeitgenossen oft<br />
ein wenig kleinlaut und unsicher. Dass<br />
es für Ängste oder Verlegenheit keinen<br />
Grund gibt, will der Urologe Christoph<br />
Pies mit diesem unterhaltsam<br />
geschriebenen<br />
Buch klarstellen. In lo -<br />
ckerem Ton gewährt er<br />
Einblicke in seinen Alltag<br />
als Urologe, erzählt<br />
von typischen Arzt-Patient-Gesprächen<br />
und<br />
verrät auch, was im OP<br />
so alles vor sich geht. Eine<br />
informative Reise in das vielfältige<br />
und erstaunlich spannende Fachgebiet<br />
der Urologie.<br />
Christoph Pies – Was passiert beim<br />
Urologen?<br />
Herbig, 240 Seiten, 18 Euro,<br />
ISBN 978-3-776-62804-3
sexual<br />
healthcare<br />
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Scheidentrockenheit.<br />
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Stimulation bei Anorgasmie.<br />
ACTIVE<br />
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Vakuum-Erektionshilfe<br />
bei Erektiler Dysfunktion.<br />
MANUAL<br />
Erection System ®<br />
Vakuum-Erektionshilfe<br />
nach Prostatektomie.<br />
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die natürliche Erektion.<br />
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für Sie und Ihn.<br />
Natürliches Gleitmittel aus<br />
dem Saft der Kiwipflanze<br />
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