Marseille, Calanques, Côte Bleue (Auszug, Blick ins Buch)

ulifrings

Reise- und Wanderführer mit den schönsten Stadt- und Küstenwanderungen Marseilles

GPS

Uli Frings

Calanques l Côte Bleue

Marseille

Reise- und Wanderführer

mit den schönsten Stadt- und

Küstenwanderungen Marseilles


Calanques l

Uli Frings

Côte Bleue

Marseille

Reise- und Wanderführer mit den schönsten

Stadt- und Küstenwanderungen Marseilles


Inhaltsübersicht

Seite

Wanderregion Marseille mit Übersichtskarte 4 -- 7

Anreise und öffentliche Verkehrsmittel 8 -- 15

Marseille, Geschichte der Stadt, Vieux Port 16 -- 25

Tour 1, Stadtwandern altes Villenviertel -- Corniche 26 -- 33

Manuel Andrack: Die Kunst zu wandern -- GR 2013 34 -- 39

Tour 2, Stadtwandern GR 2013 Notre Dame de la Garde -- MAC 40 -- 47

Le Corbusier, Cité Radieuse 48 -- 49

Tour 3, Stadtwandern GR 2013 Le Panier -- Euroméditerranée 50 -- 63

Marseille im Überblick: Stadtrundgang, Museen,

Restaurants, Badestrände, Märkte, L’Estaque 64 -- 81

Palais Longchamp und Canal de Marseille, Tour 4 82 -- 85

Tour 5 und 6, Archipel du Frioul mit Château d’If 86 -- 91

Calanques -- Entre Mer et Ciel, Sicherheitshinweise,

Tour 7 bis 12 mit Grotte Cosquer 92 -- 109

Cassis und La Ciotat -- entlang Frankreichs

höchster Steilküste, Tour 13 und 14 110 -- 117

Côte Bleue -- wilde Schmugglerpfade an

Frankreichs blauer Küste, Tour 15 bis 18 118 -- 127

Gastbeitrag von Ulrich Fuchs zu Marseilles Zukunft 130 -- 131

Buchtipps, Register, Fischlexikon, Französisch, Sicherheit 134 -- 142

3


Die wilde Küste rund um Mar -

seille, die Ca lanques, die

Côte Bleue und die

vor gelagerten In -

seln bieten ein bisher

vom deut sch en

Tourismus kaum ent -

deck t es Wan der para -

dies. Alle Touren sind

in kürzester Zeit von

Marseille aus mit öf -

fentlichen Ver -

kehrsmitteln

er reichbar. Diese

Kom bination aus

einer der aufre -

gends ten Großstädte Europas und fantastisch -

en Na tur erlebnissen ist wohl einmalig. Dazu

4

Die Hafenstadt Marseille ist nach Paris mit

über 850 000 Ein wohn ern (Mar seil lais ge -

nannt) die zweit größte Stadt Frankreichs.

Marseille liegt am Golfe du Lion und ist

Haupt stadt des Départe ments Bouches-du-

Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte

d’Azur (PACA). Seit 1995 ist der konservati -

ve Jean-Claude Gaudin Bürgermeis ter von

Mar seille (wiedergewählt 2014). Etwa 40 %

der Einwohner sind Migranten. Zählt man

frühere Einwanderungsbewegungen dazu,

ha ben 90 % der Bevölkerung Vor fahren, die

nicht aus Frankreich stammen. Einer der

Gründe für die Ernennung Marseilles zur

Kultur haupt stadt 2013 war der Wunsch

nach einer stärkeren Anbindung der euro -

päisch en Mit tel meer länder an Nordafrika.


Wanderregion Marseille --

atemberaubende Steilküsten

und romantische Fjorde

kommt das mediterrane Kli ma mit über 300

Sonnen ta gen im Jahr, auch im Win ter ist

Marseille eine Reise wert. Die beste Wanderzeit

ist von Ende September bis Mai. Der Sommer

bringt oft große Hitze mit Waldbrandge fahr

(siehe Sicher heits hinweise Seite 95).

Neben den fantastischen Küstenwanderungen

ist mit drei Stadtwanderungen die Ent de -

ckung Marseilles der Schwerpunkt dieses Rei se -

füh rers. Der neue GR 2013 geht mitten durch

Mar seille, so dass man die Stadt bequem auf ei -

nem markierten Wanderweg erkunden kann.

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Abseits der Wanderwege

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11

Künstlerort L Estaque, Seite 80

Friche la Belle de Mai, Seite 67

Gare St. Charles (Anreise), Seite 8

Musée d Histoire, Seite 20

Palais Longchamp, Seite 82

La „Plaine”-- Cours Julien, Seite 70

Musée Cantini, Seite 68

Château d’If, Seite 86

Stade Vélodrome, Seite 75

Le Corbusier, Cité Radieuse Seite 48

Grotte Cosquer, Seite 104

6


Die Wanderungen

im Überblick

10

11

11

12

13

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7

Vieux Port -- Altes

1 Villen viertel -- Corniche,

4,5 Stunden, leicht Seite 26

GR 2013 -- Notre Dame --

2 Parc Borély -- MAC,

3,5 Stunden, leicht Seite 40

GR 2013 -- Panier -- Docks

3 Euromediterranée,

2,5 Stunden, leicht Seite 50

Canal de Marseille und

4 Château Pastré,

1,5 Stunden, leicht Seite 84

Archipel du Frioul, Île

5 Ratonneau, Cap de Croix,

2 Stunden, leicht Seite 88

Archipel du Frioul, Île

6 Pomègues, Cap Caveaux,

2 Stunden, leicht Seite 90

Les Goudes und

7

Callelongue,

2,5 Stunden, mittel Seite 96

Marseilleveyre,

8 Marseilles Hausberg,

3,5 Stunden, schwer Seite 98

Die „Lieblingscalanques”

9 der Marseillais,

3 Stunden, mittel Seite 100

Calanque

10 de Sormiou,

2,5 Stunden, mittel Seite 102

Calanque

11 de Morgiou,

2,5 Stunden, mittel Seite 106

GR 98-51 von

12 Marseille nach Cassis,

1 -- 2-Tagestour, schwer Seite 108

Cassis, Port-Miou und

13 Calanque d En Vau,

3 Stunden, mittel Seite 114

Cap Canaille, von La

14 Ciotat nach Cassis

3 Stunden, mittel Seite 116

Wilder Küstenpfad entlang

der Côte Bleue,

15

3,5 Stunden, mittel Seite 120

Küstenweg entlang des

16 Viadukts La Vesse,

1,5 Stunden, mittel Seite122

Durch das Hinterland

17 von Niolon,

1,5 Stunden, leicht Seite 124

Von La Redonne

18 Richtung Camargue,

3,5 Stunden, leicht Seite 126


Anreise nach Marseille

Mit dem TGV zum

Bahnhof St. Charles

Der Kopfbahnhof Marseille-St-Charles wurde am 8. Januar 1848 eröffnet.

1927 kam die prächtige Freitreppe mit fantastischen Ausblicken über Marseille

hinzu. Die mit Kitsch überladenen Motive links und rechts der 104 Stufen waren

als Huldigung an das Kolonialreich gedacht.

Seit Anfang 2012 fährt der

Hochgeschwindig keits zug

TGV (Train à Grande Vites -

se) einmal am Tag in weniger

als acht Stunden von

Frank furt di rekt nach

Mar seille. Son der tickets

sind bereits ab 39 € für die

einfache Fahrt erhältlich.

Von Paris aus geht es mit

320 km/h in nur etwas

über drei Stunden zum

Bahnhof St. Charles. Die

Ver bindungen und Preise

lassen sich am besten unter

www.sncf.de recher chie -

ren. Hier findet man auch

Petite pause

sehr gute Sonder angebo te,

z. B. gibt es im Sommer oft

1.-Klasse-Tickets fast ohne

Aufpreis. Gebuchte Tickets,

inkl. der obligatorischen

Platzreservierung, werden

von der franzö sisch en Bahn -

gesellschaft kostenlos nach

Deutsch land versendet.

Und: Jede Bahnfahrt er -

spart der Umwelt im Ver -

gleich zur Fahrt mit dem

PKW durchschnittlich zwei

Drittel des klimaschädli -

chen CO 2 -Ausstoßes, nur

die Anfahrt mit dem Reise -

bus ist noch ökologischer.

8

Café l’Ecomotive

2 Place des Marseillaises

13001 Marseille

Telefon 09 54 89 64 39

Geöffnet Mo. bis Fr. 8 bis 20 Uhr, am Wochenende 9.30

bis 18 Uhr. Direkt gegenüber des Treppenaufgangs zum

Bahn hof St. Charles. Wun der ba res vegetarisches Café/

Res taurant (Früh stück und Mittag essen). Für alkoholische

Getränke bezahlt man einen kleinen, selbst ge wählten

Beitrag, um Mitglied der Cooperative zu werden.


Anreise nach Marseille

Mit dem Bus

Der CO 2 -Ausstoß eines Reisebusses ist im Ver -

gleich zur Bahn etwas niedriger und die An -

reise sehr preisgünstig (oft nur um die 120 € für

Hin- und Rückfahrt). Fahrzeit z. B. ab Hamburg

25, ab Köln 17, ab München 19 Stunden. In fos

unter www.eurolines.de.

Mit dem PKW

Die Fahrt mit dem PKW nach Marseille ist ab

Lyon über die A7, die Autoroute du Soleil,

möglich. Gerade im Sommer ist diese Strecke

sehr stark befahren und es gibt viele, oft lange

Staus. Baustellen und Verkehrsprogno sen:

www.autoroutes.fr. An den Maut stel len

(Péage) kann man bar oder mit Kredit karte be -

zahlen (von Deutschland aus mit ca. 50 € je Fahrt

Mit dem Flugzeug

Den Flughafen Marseille Provence fliegen

neben AirFrance und Lufthansa auch einige

Billigfluglinien wie Germanwings und Ryanair

an. Vom Terminal fährt alle 15 Min. ein

Shuttlebus (Navette) in 25 Min. nach Mar -

seille zum Bahnhof St. Charles (einfache Fahrt

8,30 €, hin und zurück 13,40 €).

Demonstration des französichen Verban -

des Ecoforum, ein Zusammen schluss vieler

Organisationen für Nach haltig keit,

Um weltschutz, Gesundheit und eine solidarische

Gesellschaft (www.ecoforum.fr).

In Deutschland setzt sich der

Verband Forum Anders Reisen

für Nachhaltigkeit im Tourismus

ein und ist u.a. Mitbegründer

von Atmosfair (siehe unten).

rechnen). Tanken ist an den Tankstellen der Su -

per marktketten am günstigsten, E.Leclerc un -

ter bietet meist alle.

Marseille ist im Innen stadt bereich heute so

sicher, wie jede andere Großstadt. Trotz -

dem sollte man einen PKW mit ausländischem

Kennzeichen besser nicht über Nacht an der

Straße stehen lassen. Entweder bucht man ein

Hotel mit gesichertem Parkplatz oder stellt das

Auto in eine der Tiefgaragen (ca. 16 € am Tag).

Beim Fliegen entsteht etwa die 10- bis 20-

fache Menge CO 2 wie bei einer Anfahrt mit

der Bahn. Daher: wenn schon fliegen, dann at -

mos fair. Mit einem

frei willigen Beitrag (z. B.

Berlin Hin- und Rückflug 16 €)

werden die entstandenen Emissionen

durch Investitionen in Klimaschutzprojekte

kompensiert. Infos unter www.atmosfair.de.

9


Metro- und Straßenbahnlinien in Marseille

Öffentlicher Nahverkehr

Das Verkehrsnetz in Marseille ist sehr gut ausgebaut und übersichtlich. In den meist pünktlichen Bus -

sen und Bahnen wird jede Station angesagt, oft auch auf Displays angezeigt. Kleine Hunde sind er -

laubt und fahren kostenfrei, müssen aber einen Maulkorb tragen und an der Leine geführt werden.

Tickets

Die Fahrscheine gelten für die Metro, die Straßenbahn und den Bus und sind eine Stunde lang

gültig. Man kann innerhalb dieser Stunde mit demselben Fahrschein zwischen verschiedenen

Transportmitteln umsteigen. Die Fahrt zum Flughafen ist jedoch eine Sonderverbindung.

Fahrscheine werden in allen Metrostationen, Busstationen und am SNCF-Bahnhof verkauft. Wenn

man den Fahrschein im Bus kauft, sollte man das Geld halbwegs passend parat haben.

Die Fahrscheine müssen bei jeder Fahrt entwertet werden, auch bei einem Umstieg!

Preise

Einzelfahrschein am Automaten: 1,60 € (im Bus 2 €), 10er Pack („carnet de dix tickets“): 13,60 €,

4-Personen-Karte: 4,90 €, Kinder unter 6 Jahren reisen kostenlos und ohne Fahrschein.

Tageskarte: 5,20 € , unbegrenztes Fahren während eines Tages (vom Zeitpunkt der ersten

Entwertung bis Mitternacht desselben Tages) mit Metro, Bus und Tram. 3-Tageskarte: 10,80 €.

10


Le Ferry Boat

Öko-Fähre (Elektroantrieb mit Solarunterstützung) über den Vieux Port, 0,50 € je Fahrt.

„Navette maritime” Marseille

Preiswerte Fährverbindung nach L’Estaque und Pointe Rouge

Von Ende April bis 1. Oktober von 8 bis 19 Uhr, ab Juli bis 22 Uhr. Vom Vieux Port nach Pointe

Rouge stündlich zur vollen Stunde, nach L’Estaque zur halben Stunde. Die Fahrzeit be trägt etwa

40 Minuten, Preis je Fahrt 5 €. Ab Juli von Pointe Rouge auch weiter nach Les Goudes (+ 3 €).

11


Die wichtigsten Verbindungen in die Calanques

Bus Linie 19 (ca. alle 12 Minuten)

Bus Linie 20 (ca. einmal pro Stunde)

12


Abfahrtszeiten und weitere Infos unter www.rtm.fr

Bus Linie 21 (ca. alle 7 Minuten)

Bus Linie 22 (ca. alle 30-- 40 Minuten)

Die Endhaltestelle wird

derzeit wegen Bauarbeiten

nicht angefahren.

13


Die wichtigsten Verbindungen in die Calanques

Bus Linie 23 (ca. alle 15 Minuten)

Bus Linie 45 (ca. alle 15 Minuten)

14


Le Train de la Côte Bleue

Seit 1920 fährt der Petit Train de la Côte Bleue die nur 32 Kilometer lange Strecke. Fantas tische

Ausblicke auf das blau/türkis schimmernde Meer, die Felsküste, unzählige Tunnel und Viadukte

machen bereits die Anfahrt unvergesslich. Von Marseille Bahnhof St. Charles Richtung Miramas

(Zuglinie Nr. 7) unter der Woche nur bis etwa 8 Uhr und dann erst wieder mittags, am Wochen -

ende zusätzlich gegen 10 Uhr. Rück fahrt von Niolon kurz nach 15 Uhr und ab 17 Uhr alle halbe

Stunde. Preis nach Niolon, einfache Fahrt 3,90 €.

Bus M8 nach Cassis

In Cassis ist der Bahnhof sehr weit vom Hafen entfernt, daher empfiehlt sich die 45-minütige

Fahrt mit dem Bus Linie M8 über den Col de la Gineste. Allein die Fahrt ist schon ein tolles

Erlebnis. Der Bus fährt ab Marseille Metrostation Castellane (die Metrostation in Fahrt richtung

auf der rechten Seite verlassen und dann noch ein Stück die Straße hinunter bis zur deut lich mit

M8 gekennzeichneten Bushaltestelle). In Cassis muss man etwas stadtauswärts bis zur Station

Cassis-Gendamerie gehen (Beschreibung bei Tour 13, Seite 114).

Abfahrtszeiten: Ab Marseille 9.15, 11.00, 12.30, 13.15, 16.45, 17.15 und 18.30 und 19.30 Uhr.

Rückfahrt ab Cassis 7.00, 7.45, 10.15, 12.15, 17.15, 18.30 und 19 Uhr. Preis einfache Fahrt 2,20 €.

Zug nach La Ciotat

Mit dem Zug ab Bahnhof Marseille St. Charles Richtung Toulon, Abfahrt 7.02, 7.33, 8.02, 8.35,

9.35, 10.02, 11.33, 11.54 Uhr. Vom Bahnhof La Ciotat geht ein Zubringerbus zum Hafen.

Rückfahrt 15.52, 16.24, 16.55, 17.26, 17.48, 18.21, 18.54, 19.26, 19.55, 20.55 und 21.53 Uhr.

Preis einfache Fahrt 7,40 €.

15


Marseille

Norman Fosters Geniestreich Ombrière und die Basilika

Notre Dame de la Garde -- deutlicher könnte man die

Kontraste Marseilles nicht symbolisieren. Eine nicht

immer einfache Stadt, aber: „Woher man auch kommt, in

Marseille fühlt man sich zuhause“, Jean-Claude Izzo.


Marseilles Geschichte

Marseille -- die älteste Stadt Frankreichs

V

Marseille im Jahre 1575.

or 2 600 Jahren kamen Griechen aus

Klein asien, um die Mittelmeerküste zu

er kunden. Nach dem Gründungsmythos

von Marseille landeten sie genau an dem Tag

an der Küste des heutigen Marseilles, als der

keltische König Nann einen Gatten für seine

Tochter Gyptis suchte. Gyptis wählte überraschenderweise

Protis, den Anführer der griechischen

Neuankömmlinge. Es wurde geheiratet

und Griechen und Kelten gründeten die

Siedlung Massalia.

Der Name Massalia besteht aus zwei Wort -

teilen: Mas ist die aus dem Okzitanischen

(auch Provenzalisch genannt) stammende Be -

zeichnung für ein Bauernhaus, salia ist auf

den Keltenstamm der Salier zurückzuführen.

Schnell wuchs die Bevölkerung Massalias an

und die Griechen bauten ein weites See -

handelsnetz auf. Im 4. Jahrhundert vor unserer

Zeitrechnung war Massalia bereits eine bedeutende

und damit auch umkämpfte Handels -

18

stadt. Ein Jahrhundert später verbündete sich

Marseille mit Rom gegen die Karthager. Die

eigentliche Romanisierung setzte aber erst mit

der Eroberung Marseilles durch Julius Cäsar

49 v. u. Z. ein. Nach ihrem Sieg zerstörten die

Römer die Flotte der Stadt und beschlagnahmten

alle städtischen Be sitz ungen, ein enormer

Rückschlag für die blühende Han dels stadt.

Durch Bau ten wie

der Stadt mauer oder

der Hafen an la gen

prägten die Römer

das Stadt bild. Das

Christentum wird

unter Kaiser Kon -

stantin im 4. Jahr -

hundert offizielle

Religion. Mar seille

wächst bis zum

Ende der Antike zu

einem der wichtigsten

Mit telmeerhäf -

en an.

Im 11. Jahrhundert

gehörte Marseille

zum Heiligen Rö -

mischen Reich Deut -

scher Nation. Der

Handel florierte

und Marseille verwaltete

sich unabhängig

von der

Obrigkeit praktisch

selbst. Für kurze

Zeit, von 1216 bis

1218 war das Stadt -

gebiet sogar eine

eigenständige Re publik. Am Ende des 15.

Jahr hun derts kam die Pro vence durch Erb fol -

ge unter die Herr schaft der französischen

Krone. Hier zei gte sich der, auch später immer

wieder aufflammende Wider stands geist der

Mar seil lais, die sich gegen die ungewohnte

Allmacht des französischen Königs zur Wehr

setzten. Dieser bestrafte die Wider spenstigen

und verlegte den Standort der Kriegs flotte

von Marseille nach Toulon. 1660 wurde die

Stadt dann von Ludwig XIV. unterworfen. Die

zwei von ihm erbauten Fes tung en, Fort Saint-

Nicolas im Süden und Fort Saint-Jean im


Von der griechischen Kolonie Massalia bis heute

Nor den des Vieux Ports sollten nicht nur die

Hafeneinfahrt schützen, sondern auch die Be -

völkerung einschüchtern.

Im Jahr 1720 lösten syrische Seeleute durch

die infizierte Ladung des Schiffs „Le Grand

Saint Antoine“ die letzte große Pestepi de -

mie aus. 50 000 Menschen, fast die Hälfte der

Bevölkerung, kamen durch den „Schwar zen

Tod“ ums Leben.

Die revolutionäre Stimmung in Frank reich

erfasste auch die Marseillais. 1789 gab es für

kurze Zeit eine illegale autonome Stadt -

regierung, 1790 nahmen Aufständische die

ver hassten Forts ein, von der Bevölkerung als

„Fall der Marseiller Bastillen” gefeiert. 1792

griff Marseille aktiv in den Kampf gegen die

Monarchie ein (siehe unten rechts).

1793 ließ die Begeisterung für die Revolution

nach und Marseille nahm am Aufstand der

Föderalisten gegen die Macht des Pariser Kon -

vents teil. Schnell schlugen Regierungs trup pen

diesen nieder und führten eine Schreckens herr -

schaft durch Kommissare des Konvents ein.

Marseille bezahlte seinen wiederholten Wi -

der standsgeist mit der Degra die rung zur

„Stadt ohne Namen”. Die Zen tra lisierung

Frankreichs schritt immer weiter voran. Mar -

seille konnte aber seine überragende wirtschaftliche

Stellung als wichtigster Hafen im

westlichen Mittelmeer und größter Hafen

Frank reichs behaupten. Trei bende Faktoren

hier zu waren die Kolonisation Nordafrikas

und die Eröffnung des Suez-Kanals 1869.

Zum Be ginn des neuen Jahrhunderts erlebte

der Pas sagierverkehr einen enormen Zuwachs.

Für die meisten Menschen war Marseille nur

ein Zwischenstopp auf dem hoffnungsvollen

Weg nach Süd- oder Nordamerika. Alle Neu an -

kömmlinge mussten auf der Île Raton neau

(siehe Seite 88) zum Schutz von Marseille mehrere

Tage in Quarantäne. Marseille entwickelte

sich aber auch zur Stadt der Ein wanderer.

Es gab viel harte, schlecht bezahlte Arbeit im

Ha fen, in den Ölmühlen, Seifen- und Zucker -

fabriken, Ziegeleien und Gießerei en. 1914

stell ten Italiener mit über 100 000 Be woh n -

ern 25 % der Bevölkerung. Das Arbeiter vier tel

Belle de Mai nannte man „italienische

Stadt”. Aber auch aus den Kolonien wurden

im mer mehr Arbeitskräfte angeworben.

Doch dann kam der Erste Weltkrieg, Mar -

seille entwickelte sich über Nacht zur Dreh -

scheibe der Kolonialtruppen. Viele hunderttausend

Algerier, Asiaten und Schwarzafrikan -

er lernten als Soldaten erstmals „ihr” französisches

„Mutterland” kennen. Marseille wurde

immer mehr der Schmelztiegel verschiedenster

Kulturen, Völker und Religion en. 1922 kammen

noch 40 000 Armenier dazu, die vor dem

Völkermord in ihrer Heimat fliehen mussten.

Marseille zog auch Intelektuel le und Künstler

magisch an. Kurt Tuch olsky, Joseph Roth,

Walter Benjamin waren geradezu „be -

rauscht” von der multikulturellen Ein wan de -

rer stadt mit seinem verruchten Hafen vier tel.

Im zweiten Weltkrieg war nach der Kapi tu la -

tion Frank reichs 1940 Mar seille unter die Ver -

waltung des Vichy-Re gimes gestellt. 1943

sprengten die deutschen Besatzer das Hafen -

viertel. Am 28. August 1944 unterlag nach

einwöchigem Kampf die deutsche Wehrmacht

(zur Nazi-Zeit siehe Seiten 22/23).

1962, nach dem Ende des brutal geführten Al -

ger ienkriegs ließen sich Zehntausende Al ge -

rien franzosen (pieds-noirs) in Marseille nieder.

Der Hafen hat nach dem zweiten Weltkrieg

stark an Bedeutung verloren, aber das Stadt er -

neu erungsprojekt Euromediter ran née soll

Marseille alte Wirtschaftskraft zurückgeben.

Das Kulturhauptstadtjahr 2013 war hierzu ein

guter Anfang (siehe auch Seiten 130/131).

Marseillaise

Die Marseillaise wurde

von Claude Joseph

Rouget de Lisle in

der Nacht des 26. April

1792 anlässlich der

Krie gs erklärung an

Österreich im elsässischen

Straßburg verfasst.

Sie hatte zu -

nächst den Titel Chant

de guerre pour l’armée

du Rhin.

Am 2. Juli 1792 zogen

517 freiwillige Mar -

seil ler Soldaten nach

Paris um dort die Re -

volutionäre gegen In -

trigen der Monar chis -

Rouget de Lisle chantant

la Marseillaise.

Das im 19. Jahrhun -

dert entstandene Ge -

mälde des französischen

Malers Isidore

Pils zeigt den Verfas -

ser der Marseillaise im

Salon des Straßburger

Bürgermeisters.

ten zu verteidigen. Auf ihrem einmonatigen

Fußmarsch sangen sie das Lied von

Rouget de Lisle als neue Hymne der

Revolution, so dass es in Paris das Lied der

Marseiller genannt wurde. Am 14. Juli

1795 wurde dann die Marseillaise zur

fran zösischen National hymne erklärt.

19


Musée d’Histoire de Marseille --

Stadtgeschichte lebendig erzählt

D

as seit 1983 bestehende historische

Stadt museum von Marseille wurde nach

umfangreichen Renovierungs- und

Umbauarbeiten anlässlich des Kulturhaupt -

stadt jahres 2013 wiedereröffnet.

Die neue Architek -

tur im und am Einkaufs -

zentrum Centre Bourse

hat eine enge Verbindung

zwischen der Stadt, dem

Museum und den archäologischen

Fundstätten ge -

schaffen. Das Gebäude

beinhaltet neben 3500 qm

Ausstellungsfläche eine

Werkstatt für Schüler -

grup pen, einen Veranstal -

tungs raum, ein Doku men -

t ations zentrum und eine

Buchhandlung. Das Frei -

gelände mit den Ausgra -

bungsstätten erstreckt

20

Direkt vor dem Museum kann man im Jardin des

Vestiges die Ausgrabungsstätte mit den Resten der

griechischen Ansiedlung „Massalia“ besichtigen.

Verladearbeiten am „Quai de la Joliette“ im Jahr 1890.


800

600

400

200

m



Pont du Gua

Tour de Brison, 781 m


Laval

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 km

sich über 15 000 qm. Damit ist das Musée

d`Histoire eines der größten historischen

Museen in Frankreich und Europa. Der neue,

sehr anschaulich und mit viel Multi media -

unterstützung gestaltete Museumsrund gang

präsentiert Marseille als älteste Stadt in

Frankreich und als bedeutende Ha fen stadt am

Mit tel meer. 2600 Jahre Ge schichte werden an -

hand von über 4 000 Ex ponaten, vielen Mo -

dellen, Videos und In stal lationen spannend

erzählt. Von der ersten Besiedlung durch die

Griechen bis heute führt die Ausstellung

abwechslungsreich durch die Stadtgeschichte.

Lediglich die Zeit des Na tional sozialismus mit

der Kollaboration des Vichy-Regimes, der Be -

set zung durch die Nazis und der Deportation

von Juden, Kom munisten u. v. a. wird nur merk -

würdig knapp ge streift. Man hat das Gefühl,

dass hier noch eine offene Wunde klafft.

Trotzdem ist das Museum eines der besten und

informativsten von Marseille, unbedingt einen

Besuch wert!

Musée d’Histoire de Marseille

2 Rue Henri-Barbusse

13001 Marseille

Telefon 04 91 55 36 00

Geöffnet Di. bis So. 10 bis 18 Uhr,

an Feiertagen geschlossen,

Eintritt 5 €.

Petite pause

Bar, Café, Brasserie La Samaritaine

2 Quai du port

13002 Marseille

Telefon 04 91 90 31 41

Ganzjährig täglich geöffnet 6 bis 21 Uhr (Brasserie nur 12 bis

15 Uhr). Seit über 100 Jahren DIE Institution am Vieux Port,

hier trifft sich Marseille zum Apéro in der letzten Abendsonne.

21


Marseilles Geschichte

Emigration, Vichy-Regime und Naziterror

A

m 30. Januar 1933 ernannte Reichs -

präsident Paul von Hindenburg Adolf

Hitler zum Reichskanzler. Schon bald

zeigte die Naz i regierung ihr wahres Gesicht.

Bereits am 2. Februar verbot der neue Innen -

minister Göring alle Demonstrationen der

KPD. Am 27. Februar brannte der Reichstag.

Ein Vorwand zur Unterzeichnung der Notver -

ordnungen durch Hindenburg, die mit sofortiger

Kraft die Meinungs-, Presse- und Versamm -

lungsfreiheit stark einschränkten. Nach dem

Er mächti gungs gesetz vom 23. März und der

Zerschla gung der Gewerkschaften sowie dem

Verbot der linken Parteien am 1. Mai 1933

sich erte sich Hitler endgültig die absolute

Alleinherr schaft. Judenpogrome, Bücher ver -

bren nungen und offener Polizeiterror wa -

ren die Folge. Aus der immer weiteren Ver -

schärfung der Situation zogen viele Intelektu -

elle, Künstler und Schriftsteller ihre Konse -

quenzen und emigrierten. Der größte Teil ging

nach Frankreich, das wegen seiner liberalen

Asylpolitik schon seit dem 19. Jahr hundert als

traditionelles Aufnahmeland galt. Bereits 1933

kamen über 20000 Emigranten in Frank reich

an.

Zunächst verfolgte Frankreich gegenüber

Deut schland eine Politik der Nichtein mi -

schung. Frankreich schritt nicht ein, als Hitler

am 7. März 1936 in das entmilitarisierte linksrheinische

Deutsch land einmarschierte und

verhielt sich auch im spanischen Bürgerkrieg

„neu tral”. Doch am 3. Septem ber 1939

erklärte Frank reich Deut sch land infolge des

Beistandspaktes mit Polen den Krieg. 1940

begannen die Deutschen den Westfeldzug

und innerhalb von sechs Wochen wurde

Frankreich besiegt. Am 22. Juni 1940 diktieren

die Deut schen den Franzosen den

Waffenstill stan ds ver trag. Darin verpflichtet

sich die französische Regierung unter Pétain

und Laval, „... alle in Frankreich sowie in den

französischen Besitz ungen befindlichen Deut -

schen, die von der Reichs regierung namhaft

gemacht werden, auf Verlangen auszuliefern“.

Damit ist das Asylrecht aufgehoben.

Der größte Teil Frankreichs ist besetzt, der Rest

im Süden wird von Marschall Pétain von Vi -

chy aus im Sinne der Deutschen regiert. Mar -

seille liegt in der zone libre und ist die letzte

freie Hafen stadt in Frankreich. Sie wurde

zum Sammel becken der europäischen Emi -

gran ten und für viele von ihnen zu einer verhängnisvollen

Falle. „Damals hatten alle nur

einen einzigen Wunsch: abfahren. Alle hatten

nur eine einzige Furcht: zurückbleiben.“ So

beschreibt die Hauptfigur in Anna Seghers’

Roman Transit (siehe Seite 129) die Lage in

Mar seille.

Um nach Übersee zu entkommen, benötigte

man französische Ausreisepapiere. Doch dafür

brauchte man einen gültigen Pass, den viele

nicht hatten. Und wie kam man an das Ein -

reisevisum für ein Land in Übersee? In dieser

Zeit waren die Flüchtlinge auf Helfer mit Ein -

fluss und Verbindungen angewiesen. Eine her -

ausragende Rolle spielte hierbei das 1940 in

New York gegründete Emergency Rescue

Committee. Das Komitee schickte den jungen

Varian M. Fry nach Marseille. Offiziell sollte

er bei der Visa-Beschaffung helfen. Schnell

merkte er aber, dass Vielen legal gar nicht zur

Flucht verholfen werden konnte. Er scharte

eine Grup pe von Fluchthelfern um sich und

man begann Pässe zu fälschen. Über 2 200 Exi -

l an ten konnten dann auf geheimen Wegen

nach Spanien und weiter zum rettenden

Übersee ha fen in Lis sabon geschleust werden.

Da run ter, um nur einige wenige zu nennen,

Han nah Arendt, Marc Chagall, Marcel Du champ,

22


Emigration, Vichy-Regime und Naziterror

Blick vom Vieux Port auf das Hafenviertel vor der Sprengung 1943.

Max Ernst, Lion Feuchtwanger, Hein rich Mann,

Golo Mann. Nach 13 Monaten Arbeit in Mar -

seille wurde Varian M. Fry im August 1941

von der französischen Polizei festgenommen

und in die USA abgeschoben. Nach der Be -

setzung Mar seilles durch die deutsche Wehr -

macht im No vember 1942 war dieses Nadelöhr

in die Freiheit endgültig geschlossen.

Auf Hitlers Wunsch erließ Himmler 1943 die

Anweisung zur Sprengung des historischen

Hafenviertels von Marseille. Im Januar und Feb -

ruar räumten Truppen der

Wehrmacht und der Waffen-

SS das Vier tel am Vieux Port

und vertrieben 27 000 Ein -

wohner aus der Altstadt. Sie

galt der Besatzungsmacht als

ein Hort der Résistance und

als Ver steck von Juden und

Kom mu nisten. 1 640 Bewoh -

ner, da run ter etwa 800 Ju -

den, wurden als „uner -

wünsch te und anti soziale

Ele men te“ festgesetzt und

später in Kon zen trations -

lager deportiert.

Das Hafenviertel am 24. Januar

1943. Deportation von Juden

durch das deutsche Polizeiregi -

ment Griese mit Unterstützung

der französischen Polizei.

Fast 2000 Ge bäude wurden bei der Sprengung

der Altstadt zerstört. Ein Teil der deutschen Ver -

ant wort lichen sind von Frankreich 1954 in Ab -

wesenheit zum Tod verurteilt worden. Doch die

Der 1905 erbaute Transbordeur überspannte den

Eingang zum Vieux Port und transportierte auf einer

hängenden Plattform sogar Fahrzeuge von einem

Ufer zum anderen. Marseilles damaliges Wahrzeichen

wurde am 22. August 1944 von den Deutschen

gesprengt, um die Zufahrt zum Hafen zu blockieren.

Bun des republik lieferte die Kriegs verbrecher nie

aus und erhob auch keine Anklage gegen die

Täter. Am 15. August 1944 begannen die

Alliierten die Operation Dragoon (auch D-

Day der Provence genannt) zur Vertreibung

der deutschen Truppen aus Südfrankreich. Am

28. Au gust war Marseille befreit, nach einwöchigem

Kampf um die Stadt kapitulierten die

deutschen Besatzer.

23


Vieux Port

Der Vieux Port (alter Hafen) ist der älteste

Hafen Marseilles und das historische und kulturelle

Zentrum der Stadt. 1666 wurde unter

Ludwig XIV. die Erweiterung der Stadt

Richtung Süden angeordnet und er ließ zum

Schutz der Hafenzufahrt zwei Festungen

errichten, Fort Saint-Nicolas im Süden und

Fort Saint-Jean im Norden. Der Hafen war bis

zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch für den

Handel im Mittelmeer und mit den französischen

Kolonien geöffnet und bildete so auch

das wirtschaftliche Zentrum. Dann verlagerte

sich das Hafengewerbe allmählich weiter

nörd lich zum jetzigen Marseille Europort.

Heute wird der Hafen in erster Linie von

Hobbyskippern, Ausflugsbooten und den

wenigen, glücklicherweise noch aktiven Fi -

schern genutzt. Jeden Morgen ist der Fisch -

markt an der verkehrsberuhigten Hafenfront

mit dem neuen (alten) Namen Quai de la Fra -

ternité eine der Hauptattraktionen Mar seilles

(siehe auch Seite 78). Stararchitekt Norman

Foster ist es gelungen, den Vieux

Port anlässlich des Kultur haupt -

stadtjahres 2013 um eine weitere

großartige Attraktion zu bereichern:

die Ombrière. Dieses mehr

als 1000 qm große, verspiegelte Schat ten dach

auf schlanken Säulen fasziniert wirklich jeden

Besucher. „Der Hafen ist als Raum sehr

stark“, betont Norman Fosters Chefde sig ner

Spencer de Grey in einem Interview. „Wir wollten

nichts errichten, das visuell aufdringlich

wäre. Die Konstruktion hat einen großen,

trans formierenden Effekt, wenn man sich ihr

nähert. Sobald man sich entfernt, verliert sie

sich vor dem Hintergrund.“


Fähren und Ausflugsboote

Frioul If Express vom Vieux Port mehrmals

täglich (nach Saison) zur Île d’If und zum

Port Frioul. Weitere Infos Seite 89.

Ausflüge zu den Calanques und nach Cassis:

Croisières Marseille Calanques

Auskunft und Reservierung: 04 91 58 50 57

www.croisieres-marseille-calanques.com

Fährverbindung nach L’Estaque und Pointe

Rouge siehe Seite 11.

Bouillabaisse

Die Marseiller Fischsuppe war ursprünglich ein

einfaches Gericht der Fischer zur Resteverwer -

tung ihres Fangs. Das Rezept wurde aber im -

mer weiter verfeinert, so dass eine „vraie”

Bouil labaise heute eine

teure Delikatesse ist. Für

den Fond werden keine

Fischreste mehr ausgekocht,

son dern kleine

Felsen fische verwendet.

Da zu kommen dann

mindestens vier Sorten

Fisch, u. a. See teufel,

Drachen kopf, Knurr -

hahn, Pe ters fisch und

evtl. auch Languste. Der

Fisch und die eigentliche

Suppe werden ge tren nt

serviert. Dazu gibt es

Croû tons, die mit Knob -

lauch ma yonnai se (Rou -

ille oder Aïoli) eingestrichen

werden. Eine „ech -

te” Marseiller Bouil la -

baisse kostet dann im

Res tau rant ab 40 €.

Mein Tipp: In den preiswerten

Menüs der Res -

taurants am Ha fen ist oft

eine kleine Bouil la bai sse

enthalten, natürlich nicht

nach Ori ginalre zept, aber

trotz dem lecker!

Restaurants am Vieux Port

Rund um den Hafen finden sich unzählige

Res taurants, die vielfach ein sehr preiswertes

3-Gänge-Menü für 15--20 € an bieten.

Aber Vorsicht: Dieser offen sichtlich untereinander

abgesprochene „Kampf preis” wird

mit den Getränken wieder reingeholt.

Wenn man also gerne eine gute Flasche

Wein zum Essen trinkt, be zahlt man am

Schluss u. U. mehr als anderswo.

Ein paar Tipps abseits der Restaurantmeile:

L’Oliveraie

10 Place aux Huiles, 13001 Marseille

Telefon 04 91 33 34 41

Sehr gute, abwechslungsreiche französische

Küche. Im Menüpreis von knapp 30 €

ist be reits ein halber Liter Wein je Person

enthalten.

Bar de la Marine

15 Quai de Rive Neuve, 13007 Marseille

Telefon 04 91 54 95 42

Diese Bar kennt ganz Marseille: In der 1936

verfilmten Trilogie Marius, Fanny et

César von Marcel Pagnol spielt die Bar de

la Marine eine wichtige Rolle. Dass es sich

um eine rein fiktive Bar handelte, kümmert

heute niemand. Beliebter Treff punkt mit

sehr guten kleinen Gerichten, z. B. ein fantastisches

Thunfisch-Carpaccio.

Restaurant Le Souk

98 Quai du Port, 13002 Marseille

Telefon 04 91 91 29 29

Eine schöne Abwechslung am Hafen: gute

nordafrikanische Küche, Couscous, Tajine.

La Table à Deniz

63 Rue Sainte, 13001 Marseille

Telefon 04 91 54 19 74

Oubliez les grandes terrasses des brasseries

cantine du vieux port, montez quelques mar -

ches pour une toute autre „cantine” ou la

Deniz ... Aus einem Blog-Eintrag.

Kleines, persönlich geführtes Res taurant,

alle Gerichte fait maison (hausgemacht).

... und nach dem Essen:

Bar Unic

11 Cours Jean Ballard, 13001 Marseille

Telefon 04 91 33 45 84

Schräg, alternativ, gutes Bier, coole Musik.

25


Stadtwandern Marseille -- Tour 1

Tour 1 Vieux Port -- Altes Villenviertel -- Corniche

A

usgangspunkt aller drei Stadtwande -

rung en ist der Vieux Port. Von der Me -

trostation am Quai de la Fraternité

geht es nach links vorbei am morgendlichen

Fisch markt. Dann nach rechts am Anleger der

Frioul-Fähre den Quai de Rive Neuve entlang.

Auf Höhe des „Ferry Boats“, der kostenfreien

Ökofähre über den alten Hafen, überquert

man die Straße an der Ampel nach links.

Auf der anderen Straßenseite weiter nach

rechts, vorbei am 1 Seifengeschäft „Sa-

vonne rie Marseillaise de la Licorne“, bis nach

links die Rue du Chan tier abgeht. Man folgt

der Aus schil derung Richtung Abbaye Saint

Victor. Die nächste Quer straße, die Rue

Neuve Sainte-Catherine, nach rechts gehen.

Hier liegt auf der linken Seite das private

3 Musée Santons Marcel Carbo nel, des

„Meisters“ der Santons (provenzalische Ton -

figu ren). An Abzweigen vorbei, am Café de

l’Ab baye die Rue d’En doume halblinks aufwärts

nehmen. An der nächsten Kreuzung weiter

geradeaus. Ge gen über liegt die Bou lan -

gerie Four des Na vettes. 1781 gegründet ist

sie die älteste Bäckerei Mar -

seilles, benan nt nach der

Spe ziali tät Na vette.

Dieses mit Orangen -

blüt enwasser zubereitete

Gebäck, in

Form eines Bootes

(Navette = Schiff -

chen) wur de von

der berühm ten

Bäckerei er funden.

Weiter aufwärts, vorbei an der

Rue de l’Abbaye, die Avenue de la

Corse überqueren. Kurz nach einer scharfen

Rechtskurve der Rue d’En doume, steigt man

nach links den Chemin du Roucas Blanc an.

An Abzweigen vorbei immer weiter aufwärts,

Petite pause

26

Brocante

Café de l’Abbaye

3 Rue d’Endoume

13007 Marseille

Telefon 04 91 33 44 67 oder 06 81 27 52 57

Geöffnet Mo. bis Sa. 11.30 bis 22 Uhr.

Blog-Eintrag: „Parfait pour un apéro avec une belle vue sur

Marseille“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Greg & Co

35 Rue Neuve Sainte-Catherine

13007 Marseille

Telefon 06 16 54 50 50

Geöffnet Mo.

bis Sa. 10 bis

19 Uhr.

Spannender

„Brocante“

(Trödelladen):

Der gelernte

Schreiner

Greg und

seine Partne rin Corinne (Co) haben eine

Vorliebe für altes Industriedesign.

bis man mit tollen Blicken auf die Basilika

Notre Dame de la Garde eine breitere

Straße erreicht. Mit dieser nach rechts und,

bevor sie etwas steiler abwärts führt, wieder

nach rechts auf den Boulevard Amédée Au -

tran gehen. Knapp 50 m weiter nach links die

5

4

2


Vieux Port -- Altes Villenviertel -- La Corniche -- Jardin du Pharo

Schwierigkeitsgrad

Leicht

Wegmarkierung

Ohne Markierung.

Wanderkarte

Kostenloser Stadtplan erhältlich im Office de

Tourisme de Marseille, in der Nähe des alten Hafens:

11 La Canebière, 13001 Marseille

4,5 Stunden l 11,5 km l 210 HM

ohne Besichtigungen

100

50

0

m

Vallon des Auffes

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 km


Übersichtskarte

(Detailkarten auf den

folgenden Seiten)

1

7

3

2

5

4

6

Im 19. Jahrhundert wurde zur

Verbindung der Innenstadt von

Marseille mit den Stränden im

Süden und Osten die Küsten -

straße La Corniche angelegt.

Schnell siedelten sich hier reiche

Industriellen familien mit ihren

luxuriösen Villen an.


Manuel Andrack

Die Kunst zu wandern

Gastbeitrag von Manuel Andrack zum GR 2013

Die Habseligkeiten liegen verstreut hinter

einem Strauch, zwischen meterhohen

Lilien: ein Kulturbeutel, verwaschene Klei -

dung, ein vom Regen verblasstes Buch

mit chinesischen Schriftzeichen. „Das ha -

ben wir vor zwei Jahren entdeckt“, er -

klärt Hendrik Sturm. „Die Sach en müssen

einer jungen Frau gehört ha ben. Damals

lagen hier auch noch zwei Koffer, Da -

menunterwäsche und Modeschmuck.“

Sturm hat zu seinem Fund zwei Vermu -

tungen: „Entweder die Sachen gehörten

einer asiatischen Prostituierten – wir be -

finden uns hier schließlich auf einer Art

Bahnhofsstrich unter freiem Himmel.

Oder irgendwer hat irgendeiner Frau einfach

die Koffer geklaut.“ Hendrik Sturm

ist kein Kriminologe, kein Forensiker,

Sturm ist „Promeneur“, so steht es auf

seiner Visitenkarte, ein Spaziergänger

also, oder wie er sagt: Kunstspazierer –

eine Art Sherlock Holmes des Wanderns,

ein Spurensucher.

Der nahe gelegene TGV-Bahnhof Aix-en-

Provence ist der Ausgangspunkt des GR

2013. Viele kennen die Chemins de Gran -

des Randonnées auf Korsika oder im El -

sass. Sie sind die Vorzeigewege des französischen

Wanderverbands. Der GR 2013

ist ein 365 Kilometer langer Wanderweg

in der Region Marseille, der anlässlich des

europäischen Kulturhauptstadtjahrs an -

ge legt wurde. Man muss sich seinen

Streckenverlauf als eine große liegende

Acht vorstellen, deren Linien sich am

Bahn hof überschneiden. Das Besondere:

Der Weg wurde nicht von Wanderern

kon zipiert, sondern von einer Künstler -

gruppe. Was aber hat ein Wanderweg

mit Kultur, gar mit Kunst zu tun? Um das

herauszufinden, habe ich mich mit Hen -

34

drik Sturm verabredet. Sturm hat in Düs -

seldorf Kunst studiert, lebt seit 1994 in

Mar seille und ist Dozent für Bildhauerei

an der Kunstakademie von Toulon. Seit

zwölf Jahren bezeichnet er sich als artiste

promeneur.

Was haben Sturm und seine Kunst spa -

zierer bei der Wegplanung anders ge -

macht als ein gewöhnlicher Wanderver -

ein? „Bei einem normalen Wanderweg

werden viele Filter gesetzt“, sagt Sturm.

„Wir dagegen haben versucht, sie zu vermeiden.“

Das, was Sturm „Filter“ nennt,

gefällt allerdings den meisten Wande -

rern. Deshalb gehen sie ja los: Sie wollen

raus aus der Zivilisation, rein ins pure Na -

turerlebnis. Oft werden sogar ziemliche

Klimmzüge gemacht, um Wanderwege

so zu legen, dass man unterwegs keine

Zäune, Häuser, Fabriken, Autobahnen zu

Gesicht bekommt.

Ich selbst weiß, ehrlich gesagt, nicht, ob

ich filterlose Wanderwege so toll finden

soll. Während der Recherche über den GR

2013 war ich schockiert. Ein Weg, der

Ölraffinerien tangiert, an Hochhaussied -

lungen vorbeiführt und auf dem man viel

über Asphalt wandert... Ist das noch

Wan dern oder schon Masochismus? Da

könnte ich ja auch in einer deutschen

Groß stadt die hässlichsten Ecken suchen,

einen Wanderweg markieren und das

dann Kunst nennen. Wo bleibt das Natur -

erlebnis? Sturm lächelt. „Wir schließen

Natur ja nicht aus, aber wir wollen auch

so viel Leben wie möglich mitnehmen.“

Nun gut, machen wir den Praxistest.

Wir gehen vom Bahnhof aus in nordöstlicher

Richtung und haben schon nach we -

nigen Metern die Hinterlassenschaften

der Asiatin passiert. Nun geht es weiter


Grande Randonneé 2013 rund um Marseille

nen Schichten, das ist ein vertikaler

Spaziergang.“ Bleibt die Frage, ob ich

mich durch all diese Schichten wirklich

durcharbeiten will.

Wir kommen an einem Firmengelände

vorbei. Das Gittertor steht offen, Sturm

spaziert hindurch. „Toll, das war noch nie

auf!“ Ich bin nicht so sicher, ob das schlau

ist, einfach auf ein Privatgelände zu marschieren.

Kurze Zeit später stehen wir vor

einem großen Gebäude aus den 1930er

Jah ren: der ersten Radio-Sendestation

von Marseille, ein Bau wie aus Fritz Langs

Metropolis. Sturm hämmert gegen die

Glas tür, und während ich noch fürchte,

dass jetzt die Security kommt und uns

hopsnimmt, öffnet ein freundlicher, asiatischstämmiger

Radiotechniker die Tür.

Sturm zieht eine kleine Mappe mit hochglänzenden

Fotoabzügen aus der Tasche,

darunter auch historische Aufnahmen

der Sendestation. Er kommt mir vor wie

ein großer Junge, der stolz seine Sammel -

bildchen zeigt. Der Techniker ist fasziniert

und freut sich. Aber obwohl er sich

eines der Sammelbildchen aussuchen

darf, dürfen wir nicht ins Gebäude. Dafür

hat er einiges zu berichten. Fast eine

Stunde lang stehen wir mit Herrn Chou

im Türrahmen, während er über die Ge -

schichte der Sendemasten und des Ge -

bäu des erzählt. Ich verstehe nicht mal die

Hälfte seines rasanten Französischs, aber

Sturm ist begeistert. Er hat neue Erkennt -

nisse gewonnen.

Wir weichen nun vom regulären Verlauf

des Wanderwegs ab. Sturm hat eine eigene

Rundtour konzipiert, mit der er alle

Hot spots des GR 2013 rund um den Bahn -

„Alles gehört zur Landschaft: der

Müll, die Menschen, die Geschichte.“

auf einem Pfad unter Hochspannungs lei -

tungen. Linker Hand ragen Sendemasten

in den Himmel, rechts verläuft parallel zu

unserem Weg eine Straße. Autos parken

am Straßenrand. Sturm erklärt, dies sei

ein szenebekannter Gay-Treffpunkt. Er

zeigt mir Kondompackungen auf dem

Bo den. „Haben Sie den Mann mit der

weißen Jacke gesehen?“ Nee, habe ich

verpasst, den Mann mit der weißen

Jacke, das scheue Reh auf dem GR 2013.

Für Sturm gehört all das zusammen: der

Müll, die Menschen, die Geschichten.

„Wir bewegen uns durch eine Land -

schaft, aber auch durch ihre verschiede-

hof abdeckt, eine Art „GR-2013-Kompakt-

Wanderung“. Wir überqueren die Gleise

und gehen westwärts, mit 300 Stunden -

kilometern und Riesenlärm rast ein TGV

hin ter uns in Richtung Paris. Die Land -

schaft ist nun so, wie ich mir die Provence

immer vorgestellt habe – blühende Wie -

sen, wilder Thymian, knorrige Kiefern am

Wegesrand. Na also, geht doch!

Wir erreichen ein interessantes Ruinen -

feld, La Bastide Neuve, das aus zwei verfallenen

Bauernhöfen besteht, die mehr als

200 Jahre alt sind. Das erfahre ich von

Hendrik Sturm, und der wiederum hat es

von den Erben erfahren und durch Re cher -

chen auf dem Katasteramt. Der Mann

meint es ernst mit der Spazier gangs for -

schung. Vor wenigen Monaten, erzählt er,

sei er hier Zeuge eines Ge fechts geworden.

Men schen in Militärkla motten schossen

mit Maschinengeweh ren aufeinander:

Air soft-Freaks, die in den Ruinen „Gue -

rilla-Kämpfer“ spielten. Nur mit einem

Prome neur hatten sie nicht gerechnet.

35


Manuel Andrack

Sturm bückt sich, hebt ein Steinchen auf,

das aber gar kein Steinchen ist, sondern

Kaninchenkot. Genauer gesagt: Kanin -

chen vor mittagskot, der so nährstoffreich

ist, dass die Kaninchen ihn fressen, um

ihren Stoffwechsel zu aktivieren. Dieser

Sturm wird mir langsam unheimlich, der

Kerl weiß ja einfach alles! Eigentlich

müss te ich Doktor Hendrik Sturm sagen,

denn nach dem Kunststudium hat er

noch seinen Doktor in der Neurobiologie

ge macht und dabei unter anderem über

Re genwurmmuskeln geforscht. Man

könn te sagen, dass Sturm wie ein neugieriger

For scher promeniert. Er will die

Nerven stränge der Landschaft freilegen

und ana lysieren.

Ein paar Minuten später durchwandern

wir eine Passage, die olfaktorisch voll zu -

langt. Erst weht uns der Wind intensiven

Thymiangeruch in die Nase, kurz danach

Das Bureau des Guides du GR 2013 bietet eine Reihe von Wanderungen und Kunstterminen rund um den

Sentier métropolitain an. Der Initiator des GR 2013 Baptiste Lanaspeze prägte den Begriff Metro polen -

wanderweg. Infos bureaudesguides-gr2013.fr. Geführte Wanderungen www.umgehbungen.org.

36

nervt ein fieser Gestank. Wir befinden

uns wieder auf dem GR 2013 und folgen

den gelb-roten Markierungen. Eine Müll -

kippe kommt in Sicht – aber riechen die

nicht eigentlich anders, süßlicher? Ein

Last wagen fährt auf uns zu. Der Fahrer

sieht uns durch seine schicke Ray-Ban-


Grande Randonneé 2013 rund um Marseille

Son nenbrille an, bremst, steigt aus. Es

riecht nach Ärger, vor allem aber nach

Kloake: „Was macht ihr hier?“ Sturm

weist sich als Promeneur aus, dem Ray-

Ban-Mann scheint das als Erklärung auszureichen.

Dann erzählt der junge Mann

und erzählt und erzählt, er hat alle Zeit

der Welt, genauso wie der Rundfunk -

techniker, Herr Chou. Nachdem der Ray-

Ban-Mann mit seinem stinkenden Ge -

fährt weggefahren ist, übersetzt mir

Sturm seinen Redeschwall. Er transportiere

Klärschlamm, das Substrat aus der

Klär anlage sozusagen, das er dann auf

einem Feld neben der Müllkippe verteile.

Mit Stroh versetzt, wird das Ganze zu

den Hängen ragen Zuschauertribünen, in

der Mitte des Areals befindet sich eine

Bühne. Direkt vor der Kamera sitzen GIs,

die dem Fotografen den Rücken zuwenden.

Was war hier los?

Von 1944 bis 1947, erzählt Sturm, unter -

hiel ten die amerikanischen Streitkräfte in

dieser Gegend ein Camp für 200.000 GIs

und ein Kriegsge fangenenlager. Und wie

hält man so viele GIs bei Laune? Indem

man ein Amphi theater für 15.000 Zu -

schau er in den Tal kessel baut. Dort wurden

Filme gezeigt, Glenn Miller und Mar -

lene Dietrich traten auf. Fast 70 Jahre

später ist vom Theater mit bloßem Auge

nichts mehr zu erkennen. Alles ist grün

„Ich war bereit, den GR 2013

regelrecht zu hassen ...“

Humus. Außerdem muss er fast jeden

Morgen Matratzen von der Straße wegräumen,

die professionelle Matratzen -

händ ler hier entsorgen. Die besten

Stücke holen sich die Prostituierten vom

nahen TGV-Bahnhof, um den Rest kümmert

sich der Ray-Ban-Mann. Sturm ist

begeistert: „Klar, das braucht seine Zeit,

um das alles zu verstehen, diese natürlichen

und künstlichen Materialflüsse, die

Matratzengeschichte, die Menschlicher-

Kot-wird-zu-Humus-Geschichte: Das macht

Landschaft aus.“

Wir bahnen uns den Weg durch ein Ge -

treidefeld, gehen nur einige Hundert

Meter und blicken hinab in einen imposanten

und (auch aus der Perspektive des

naturliebenden Wanderers) sehr schönen

Talkessel mit rötlichen Buntsandstein fel -

sen. Sturm reicht mir ein Foto aus seiner

Sammelbildmappe, das er im Archiv der

Getty-Agentur gefunden hat. Zu sehen

ist darauf derselbe Talkessel, aber aus

überwuchert, nur beim Abstieg entdecken

wir noch eine verrostete Befesti -

gungskrampe für die Tri bünen.

Wo einst Glenn Miller In the mood spielte,

machen wir ein Picknick. Es ist heiß,

die Bäume sind zu mickrig, um richtigen

Schatten zu spenden. Die Felsformation

sorgt für Wildwest-Stimmung. Ein paar

schwarze Milane haben ihren Beobach -

tungsposten über der Müllkippe verlassen

und kreisen jetzt über uns. Ich blättere

in dem großartigen Wanderführer des

GR 2013. Neben der eigentlichen Wegbe -

schreibung gibt es – Sturm würde sagen

„ungefilterte“ – Informationen zu Ge -

bäu den, Wasserflächen, Vegetation und

Fabriken. Daneben haben die artistes

pro meneurs Fotogalerien zusammengestellt:

die schönsten Pipelines am GR, die

schönsten Betontexturen, die schönsten

Mikroorganismen. Am Vortag war ich

allein auf dem GR 2013 unterwegs und

bin im östlichen Teil der liegenden Acht

37


Manuel Andrack

vom Pont de Joux (170 Meter) auf den

Mont du Marseillais (620 Meter) gewandert.

Erst zog sich ein Asphaltweg, der

später zur Schotterpiste wurde, in Alped’Huez-haften

Kurven den Berg hinauf.

Am Wegesrand vereinzelte Krüppel kie -

fern, ansonsten dornig-buschiges Heide -

kraut, gelbes Zeug. Auf dem Gipfel war

es sehr windig, den Blick auf Marseille

versperrte eine Hügelkette. Ich war be -

reit, den GR 2013 regelrecht zu hassen –

aber da hatte ich ja auch noch nicht Hen -

drik Sturm getroffen.

38

Im Jahr 2013 war Marseille

europäische Kultur haupt -

stadt. Zu diesem Anlass

wurde der GR 2013 geschaffen,

nicht nur ein Wander -

weg, sondern auch ein

Kunst werk. Genau wie der

hierzu herausgegebene

Wanderführer GR 2013

Marseille-Provence: Au -

tour de la mer de Berre et

du massif de l’Etoile (ISBN

978-2751406263), zu beziehen

über den Buchhandel

oder den französischen

Wanderverband:

www.ffrandonnee.fr

Nach der Mittagsrast gehen wir weiter.

Am Ausgang des Tals steigt Rauch auf,

ein Einfamilienhaus brennt. Dunkle

Schwa den dringen aus den Fenstern.

Sturm lässt mich erst mal zappeln. Ich soll

raten, was das denn nun wieder bedeutet.

Wird da ein Film gedreht? Nein?

Keine Ahnung. Des Rätsels Lösung: Hier

übt der französische Feuerwehrnach -

wuchs. Auf einem beeindruckenden Ge -

lände hat man einen Wald, ein Stück

Autobahn, eine Nationalstraße, eine Tief -

garage, eine Villa und einen Wohnblock

aufgebaut, um all das permanent anzuzünden.

Neben der Autobahn liegen un -

gefähr 50 Autowracks, die zu kunstvollen

Unfall-Formationen arrangiert werden

können. Die angehenden Feuerwehrleu -

te müssen dann die Verletzten herausschneiden.

Allmählich werde ich süchtig

nach der Spurensuche und den Funden

des Hendrik Sturm.

Vor Begeisterung über den Übungsplatz

der Feuerwehrleute hat der Promeneur

den Wanderweg verloren, was ihm aber

ganz egal ist. Wir schlagen uns durch

meterhohe Brennnesseln, steuern auf

eine Unterführung zu und unterqueren

die vierspurige Straße von Aix nach

Marignane. Kurz darauf stehe ich ratlos

vor einem fensterlosen Klotz. Natürlich

kann Sturm aufklären: Der dunkle Kasten

ist ein frühes Werk des Architekten Rudy

Ricciotti, der auch das vom Feuilleton ge -

feierte Marseiller Museum MuCEM ge baut

hat. Ein paar Jahre lang fanden hier Sport -

veranstaltungen und Konzerte statt – ein

Subventionsgeschäft, dem der ultrarechte

Front National im Bürgermeisteramt

von Vitrolles 1997 den Geldhahn zudrehte,

1998 wurde der Betrieb der Halle eingestellt.

Ich frage mich, wie groß der zeitliche

Abstand sein muss, damit normale

Wanderer landschaftliche Bebauung als

Bereicherung empfinden. Romantische

Müh len, Burgen, Schlösser, Fachwerk -

häuser gelten als schön. Aber Fabriken

des 20. Jahrhunderts, futuristische Rund -

funk stationen, eine blutjunge Bauruine?

Dabei erzählen auch moderne Gebäude

Geschichten, die interessant sein können.

Hinter dem Würfel stoßen wir wieder auf

den GR 2013, der uns zurück zum TGV-

Bahnhof von Aix führt. Durch roterdigen

Kiefernwald steigen wir einen schmalen

Pfad bergauf, der vom französischen

Wan derverband neu angelegt worden

ist. Laut Sturm war es nicht einfach, das

Gremium von der Idee des GR 2013 zu

überzeugen, weil er natürlich nicht den

Kriterien für einen „schönen“ Wander -

weg entsprach. Allerdings wurde der

Plan der Promeneure sehr früh medial

auf gegriffen, sodass dem Verband fast

nichts anderes übrig blieb, als ihm den

Segen einer GR-Klassifizierung zu geben.

Die Markierung ist übrigens vorbildlich.

Am Ende besuchen wir noch einen Mo -


Grande Randonneé 2013 rund um Marseille

dell flugzeugplatz, auf dem unter anderem

historische Luftschlachten nachgespielt

werden. Diese Landschaft, denke

ich, ist eine einzige, großartige Bühne.

Die Airsoft-Freaks benutzen die Ruinen

als Kulisse, den Amerikanern diente die

Topo grafie fürs große Entertainment.

Und auf dem Modellflugplatz wird der

Zweite Weltkrieg wieder und wieder ge -

wonnen, unterlegt vom TGV, von den

Möwen, den Flugzeugen und den Autos,

die vorbeirauschen.

Auf einer Anhöhe genießen wir den Blick

auf das Feuerwehrübungsgelände, den

Ricciotti-Kasten und, im Hintergrund,

den Flughafen von Marseille. Früher

Tour geführt. Ohne ihn, das muss man

ganz klar sagen, wäre die Tour auf dem

GR 2013 wahrscheinlich ein Desaster ge -

wesen. Mit ihm war es die aufregendste

Wanderung meines Lebens. Aber war das

überhaupt Wandern oder war das Kunst?

Und wenn das Kunst war, was war daran

bitte schön die Kunst? Definitive Antwor -

ten konnte mir auch Hendrik Sturm auf

diese Fragen nicht geben. Ich denke, zum

Kunstwerk wird der GR 2013, wenn man

mit dem Kunstspazierer Hendrik Sturm

wan dert. Das war wie eine Performance,

die Kunst bestand in der laufenden

Aufdeckung von Zusammenhängen und

Kreisläufen von Mensch, Natur, Geschich -

„Ein Kunstwerk, das man in keinem

Museum der Welt sehen kann“

dach te ich bei Wanderungen oft: Schon

gut, ich hab die Landschaft kapiert, jetzt

kommt noch ein Berg und noch eine

Aussicht, wann kommt endlich die

Kneipe am Etappenziel. Heute ist alles

anders.

Das Belohnungsbier am Ende der Tour ist

ein Kronenbourg aus der Dose. Wir trinken

es am TGV-Bahnhof in Aix. Für die

knapp 12 Kilometer rund um den Bahn -

hof haben wir fast sieben Stunden ge -

braucht. Gleich werde ich mit dem TGV

wieder zurück Richtung Paris fahren. Ich

habe tatsächlich eine Marseille-Reise ge -

macht ohne Alten Hafen, ohne Cane -

bière, ohne Graf von Monte Christo. Und

doch habe ich sozusagen die Landschaf -

ten verstanden und gespürt, wie das

Land tickt. Ich hatte zugegebenermaßen

etwas Angst vor den vielen Asphaltwe -

gen des GR 2013, aber die Spezialrunde

mit Hendrik Sturm hat mich auf viele

attraktive Wege abseits der markierten

te. Eine sich ständig erweiternde Perfor -

mance, denn während der Wanderung

bekam Sturm vom jungen Müllkutscher

und von Herrn Chou noch weitere Infor -

mationen. So konnte Hendrik Sturm in

tiefere Schichten vordringen, unsere

Kon versation während der Promenade

ergab neue Zusammenhänge, das war

ein Gesamtkunstwerk. Ein Kunstwerk,

das man in keinem Museum der Welt

sehen kann. Ein Kunstwerk, das ich für

Sie hier beschrieben habe. Ich habe Sturm

auf Knien angefleht, den Lesern seine

Kunst-Promenaden anzubieten. Ich glaube,

er wird es sich überlegen. Bis auf

Weiteres müssen Sie mit diesem Artikel

als eine Art Reproduktion des Kunst -

werks GR 2013 vorliebnehmen.

Dieser Beitrag von Manuel Andrack ist

erstmals in der Wochenzeitung „DIE

ZEIT“, Ausgabe 27/2013, erschienen.

39


Stadtwandern Marseille -- Tour 2

Der Hügel La Garde diente mit seinen 154 m Höhe

schon bei den Römern als Beobachtungs posten. Um

Marseille zu beschützen, ließ Franz I. 1524 eine Fes -

tung auf dem Hügel erbauen. Gemein sam mit dem

vor dem Hafen gelegenen Château d’If sollte es der

Verteidigung der Küste dienen. Die Reste der Fes tung

sind bis heute noch gut zu erkennen. Auf den Grund -

mauern wurde die Basilika Notre Dame de la

Garde errichtet. Über dem Nord portal findet man

noch heute das Emblem des Kö nigs: einen Sala man -

der.

Mit dem 1852 begonnen Bau der Basilika wurde der

Hügel La Garde zum Wahrzeichen der Stadt. Die un -

ver kennbare Silhouette der Kirche prägt bis heute

das Stadt bild Marseilles. Die Basilika ist jedoch nicht

die erste Kirche, die an diesem Ort errichtet wurde.

Bereits 1214 baute der Eremit Maître Pierre ein

42

Gotteshaus auf dem Hügel, das ab dem 16. Jahr hun -

dert zu einem Wallfahrtsort der Seeleute wurde.

Aus dieser Epoche stammen auch die ersten Votiv -

gaben. Von da an war La Garde zugleich Wach pos -

ten, militärischer Stützpunkt sowie Wallfahrtsort und

Kirche. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts war der An -

drang der Wallfahrer so groß, dass der Bischof de

Maze nod beschloss, eine größere Basilika zu bauen.

Der Grundstein hierfür wurde am 11. September

1853 gelegt, am 5. Juni 1864 ist die Kirche ge weiht

worden. Die im römisch-byzantinischen Stil erbaute

Basilika zeichnet sich durch Kuppeln, mehrfarbiges

Mauerwerk, Mosaike und Goldverzierungen aus. Auf

dem Glockenturm befindet sich eine monumentale,

11,20 m hohe Statue der heiligen Jung frau aus vergoldeter

Bronze, die im September 1870 errichtet

wurde.

Petite pause

1

Restaurant, Cafétéria L’Eau Vive

Basilique Notre Dame de la Garde

13006 Marseille

Telefon 04 91 37 86 62

Geöffnet täglich außer Mo. 8 bis 17.30 Uhr (Mittagessen 12

bis 14.15 Uhr). Das von Missionsschwestern geführte Restau -

rant bietet einfache, aber wundervolle Menüs zu „Pil ger -

preisen“. Die aus aller Welt stammenden Karmeliterinnen sorgen bei leiser Kirchen musik,

trotz meist großem Andrang, überaus freundlich für den perfekten Service.


GR 2013 -- Vieux Port -- Notre Dame de la Garde -- Parc Borély -- MAC

Von der Basilika aus hat man fantastische Rund -

umblicke über Marseille. Nach der Besichti -

gung (Oktober bis März von 7 bis 18.15 Uhr

und April bis September 7 bis 19.15 Uhr für

Besucher geöffnet) geht man wieder die Trep -

penstufen nach unten und dann nach links.

Am Ende des Plat zes befindet sich rechts ein

Eisenkreuz in Anker form, ein Croix camarguaise

(Camar gue-Kreuz). Von hier hat man

tolle Fernblicke auf das Archipel du Frioul

mit dem Château d’If. Nach links, durch ein

1

grünes Eisentor, führt nun der Weg in lang

gezogenen Serpen tinen und über Trep -

penstufen abwärts. An ei nem Abzweig nach

rechts, links weiter ab wärts halten. Etwas

unterhalb nach rechts den etwas breiteren,

geteerten Weg nehmen. Am Spielplatz vorbei

erreicht man die Rue du Bois Sacré, der man

nach rechts folgt. Man gelangt zu einer

Querstraße und geht diese nach links leicht

abwärts. An einem kleinen Platz nimmt man

die zweite Straße links, den Chemin du Rou -

cas Blanc, an der Post vorbei, aufwärts. Unter -

halb der kleinen Kirche, den nächsten Ab -

zweig links in die Traverse de la Serre nehmen.

Am nächsten Abzweig wieder links und

die Rue de la Capitale ansteigen. An einem

Abzweig noch vorbei und dann nach rechts die

Treppenstufen der Traverse Del phine hinauf-

43


Le Corbusier,

Cité Radieuse

Die Unité d’Habitation (Wohneinheit) ist ein

vom Architekten Le Corbusier neu entwickeltes

„Wohnsystem“. Bereits 1925 stellte er in

Paris die Idee vor, im Woh nungs bau durch

standardisierte Serienproduk tion ein hohes

Maß an Effektivität und Wiederholbarkeit zu

erreichen. Die daraus gewonnene Wirtschaft -

lichkeit sollte einer breiten Masse erhöhten

Wohnkomfort ermöglichen. Le Corbusier integrierte

dazu verschiedene Einrichtungen des

täglichen Bedarfs. Er stapelte Wohnungen und

andere Funktionen der herkömmlichen Stadt.

Dies entsprach Le Corbusiers Leitbild der „vertikalen

Stadt“. Die Unités d’Habitation wurden

zwischen 1947 und 1965 in vier französischen

Orten sowie in Berlin realisiert. Die Pro -

jekte sollten den Wohnungsmangel nach dem

Zweiten Weltkrieg lindern.

Die erste Unité d’Habitation wurde ab 1947 in

Marseille gebaut. Die am 14. Oktober 1952

eröffnete Cité Radieuse (strahlende Stadt) ist


138 Meter lang, 25 Meter breit und 56 Meter

hoch. Der Skelettbau aus Stahlbeton ist 18 Stock -

werke hoch, das Erdgeschoss besteht aus Stüt -

zen, die das Gebäude tragen und dem Gebäude

eine gewisse Leichtigkeit geben. Es gibt 337

Wohnungen für 1 bis 10

Personen, denen 23 verschiedene

Grundtypen

zugrunde liegen. Die

„Standardwohnung“ ist

auf 4 Personen ausgelegt.

Es handelt sich

dabei um eine über die

ganze Gebäudebreite

ver laufende Maison net te -

wohnung mit einem

großen

Loggia und raumhohen

Fenstern. Durch die

Nord-Süd-Aus richtung

sind alle Woh nungen

sehr hell und sonnig.

Alle Raum auf teilungen

basieren auf dem von Le

Corbu sier 1949 veröffentlichten

Maß system

Modu lor, das dem Gol -

denen Schnitt folgt.

In der achten Etage des

auch „Maison du Fada“

(Haus des Verrückten)

Wohnzimmer,

Petite pause

genannten Gebäudes

befindet sich eine „Stra-

ße“ mit Ge schäften und

Hotel (siehe unten). In der letzten Etage gibt

es eine Grund schule und eine Turn halle. Das

als Terrasse ausgelegte Dach ist mit einem

Wasserbecken für Kin der und einer vor Wind

geschützten Bühne für Aufführungen konzipiert.

In der „Wohnmaschine“ leben über

1000 Menschen, aber die Idee vernünftigen

Wohnraum für einkommensschwache Bevöl -

ker ungs grup pen zu schaffen, wurde leider

von Anfang an nicht realisiert. Heute sind

die Wohnungen teuer und für viele ein luxuriöses

„Designer stück“. Das man sich unbedingt

an schauen sollte: Das Tourist-Office bietet

täglich mehrere Führungen an, im Juli

und Au gust Fr. und Sa. auch in englischer

Sprache. Anmel dung erforderlich, Preis 10 €,

www.marseille-tourisme.com.

Im Juli 2016 wurde die Cité Radieuse zum

UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Le Corbusier (1887-- 1965), eigentlich

Charles-Édouard Jeanneret-Gris war

einer der bedeutendsten und einfluss -

reichsten Architekten des 20. Jahr hun -

derts, dessen neue Ideen aber auch

viele Kontroversen auslösten. Seine

Zu sammenarbeit mit der Vichy-Re gie -

rung und unverhohlene Sympathien für Hitler wer -

den erst in den letzten Jahren kritisch hinterfragt.

Restaurant Le Ventre de l’Architecte

La Cité Radieuse

280 Boulevard

Michelet

13008 Marseille

Telefon 04 91 16 78 23

Geöffnet Di. bis Sa.

12 bis 13.30 Uhr, abends

ab 20 Uhr, 3-Gang-Mittagsmenü ab 29 €,

abends 4-Gang-Menü ab 60 €.

Unter gleicher Adresse: Hôtel Le

Corbusier, Telefon 04 91 16 78 00, ebenfalls

recht teuer für etwas (leider brökelnden)

„Corbusier-Charme”.

49


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

Tour 3 GR 2013 -- Le Panier -- Euroméditerranée

V

on der Metrostation am Vieux Port geht

es nach rechts am Fischmarkt entlang

und dann nach links auf den Quai du

Port. Jeden Dienstag und Samstag findet hier

von 8 bis 13 Uhr ein großer Blumenmarkt

statt. Vorbei am Hotel Bellevue (siehe rechts)

folgt man ab hier der gelb-roten Markie -

rung des GR 2013. Gegenüber der anlegestelle

des „Ferry Boats” am Rathaus Hôtel de

Ville nach rechts in die Rue de la Mairie einbiegen

und die Treppenstufen ansteigen. Auf

halber Höhe nach links zum Mai son Dia man -

tée abbiegen. Direkt

da vor nach rechts aufwärts

zum Place Da -

viel und der Kirche

Notre-Dame des Ac -

coules gehen. Nach

links die Rue Caisse -

rie und direkt gegenüber

nach rechts die

Montée des Accou -

les ansteigen. Die

Treppenstufen, vorbei

2

Das 1570 erbaute Maison

Diamantée verdankt seinen

Name der unge -

wöhn lichen Fassa de.

Es ist eines der ältesten

Häuser Marseilles.

Im Vordergrund das Ferry Boat, links das 1653--1670 erbaute Rathaus und im Hintergrund das Hôtel Dieu, das

ehemalige städtische Kranken haus von 1753, in dem sich heute das Luxushotel Inter continental befindet.

Petite pause

50

Café/Restaurant L’Effet Clochette

2 Place des Augustines

(an der Ecke zur Montée Accoules)

13002 Marseille

Telefon 04 91 90 15 75

Täglich 9 bis 17 Uhr, freitags und samstags auch abends

geöffnet. Sehr nettes Straßencafé mit kleinen Snacks wie

Quiches oder Salaten für zwischendurch.

3


GR 2013 -- Vieux Port -- Le Panier -- MuCEM -- Les Docks -- Euroméditerranée

Schwierigkeitsgrad

Leicht

Wegmarkierung

Durchgehend gelb-rot als

GR 2013 markiert.

Wanderkarte

Kostenloser Stadtplan erhältlich im Office de

Tourisme de Marseille, in der Nähe des alten Hafens:

11 La Canebière, 13001 Marseille

2,5 Stunden l 6 km l 85 HM

ohne Besichtigungen

60

40

20

0

m

Vieille Charité


MuCEM


Les Docks/FRAC

Le Silo

0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 4,5 5 5,5 km



Hôtel Bellevue

34 Quai du Port

13002 Marseille

Telefon 04 96 17 05 40

1

Hotel mit fantastischem

Blick auf den

Vieux Port

(siehe Foto).

Das hat leider

auch seinen

Preis: Zimmer

zum Hafen ab

120 €. Im Ho tel befindet sich die beliebte

Bar La Cara velle mit kleiner Außen -

terrasse. Das Hotel ist eines der wenigen

in Mar seille mit dem Umweltgütesiegel

für Unter künfte La Clef Verte (grüner

Schlüssel).

13

11 12

am Geschäft Le Bazar de César (Seife, Kos -

metik) kräftig ansteigen. Auf der Höhe nach

scharf rechts, wieder über eine Treppe die Rue

6

8

7

5

4

10

9

3

2

1

des Moulins hoch und bis zum Place des

Moulins gehen, an dem im 16. Jahrhundert

noch fünfzehn Windmühlen stan den. Heute

ein ruhiger Platz mit geradezu dörflichem

Cha rakter. Man ist nun mitten im Le Panier,

dem ältesten Viertel von Mar seille angelangt.

Fischer, Seeleute, Handwerker und Kaufleute

51


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

be wohn ten früher die hohen Häuser in den

engen Gassen.

Geradeaus über den Platz und auf der rechten

Seite die Rue des Moulins über Trep pen -

stufen abwärts gehen. Man erreicht die Gasse

Rue du Panier, sozusagen die Haupt straße

Visite guidée

UMGEHBUNGEN

Geführte deutschsprachige Halb- und

Ganztageswanderungen über den GR 2013.

Die deutsche Wahl-Marseillaise Hanna

Mertens kennt den GR 2013 wie ihre

Westen tasche.

Auf ihren „Um-

geh bung en“

nimmt sie Sie mit

auf eine viel -

fältige Entdeck -

ungs reise durch

Stadt(rand) und

Natur abseits der

Tou ris ten pfade. Alle Touren sind mit

öffentlichen Verkehrsmitteln erreich bar.

Thematische Stadtwanderungen auf

Anfrage. Ab 4 Personen. Weitere Infos

unter www.umgehbungen.org.

Der erste Roman von Jean-Claude Izzo

(1945-- 2000), Total Cheops, beginnt mit den

Worten: „Er hatte nur ihre Adresse. Rue des

Pis toles, in der Altstadt. Er war seit Jahren

nicht mehr in Marseille gewesen. Jetzt hatte er

keine Wahl mehr”. Der Titel des Kriminal -

des Viertels. Hier soll es im 17. Jahr -

hundert eine Herberge mit dem Namen

Le Logis du Panier gegeben haben,

auf die der Name der Mar seiller Alt -

stadt zurückgeht. Nun nach links der

Gasse vorbei an kleinen Geschäf ten,

Bars und Restaurants bis zum Place des

Pistoles an der Rue des Pistoles folgen

und nach rechts zur Vielle Charité

ge hen (Fortsetzung der Wegbeschrei -

bung auf Seite 55).

Petite pause

Restaurant Au Cœur du Panier

18 Rue du Panier

13002 Marseille

Telefon 04 91 91 65 80

Geöffnet täglich 12.30 bis 14.30 Uhr und 19.30 bis 22.30 Uhr.

Klassische französisch/provenzalische Küche, Souris d`Agneau

(Lammhaxe), Foie de Veau (Kalbsleber) aber auch ein hervorragendes

Risotto mit Lachs und Spargel (alles um die 20 €).

4

52


GR 2013 -- Vieux Port -- Le Panier -- MuCEM -- Les Docks -- Euroméditerranée

5

6

8

7

4

9

3

2

1

romans, mit dem Izzo weltberühmt wurde,

stammt von der Mar seiller Rap-Band IAM

(siehe auch Seite 75). Das Lied Total Khéops II

auf dem Album Sad Hill handelt vom Chaos in

den französischen Vororten. Und weiter geht

es bei Izzo: „... Der Boden war mit aufgerissenen

Müllsäcken übersät, und ein säuerlicher Ge -

ruch stieg von der Straße auf, eine Mischung

aus Pisse, Feuchtigkeit und Schim mel. Einzige

große Veränderung: Die Re novierungswelle

hat te das Viertel erreicht ... Von der Rue des

Pistoles, vielleicht eine der engsten Gassen,

war nur die Hälfte übrig geblieben ... Die

andere war platt gemacht worden ...”. In der

Tat würde Jean-Claude Izzos Titelheld Fabio

Montale das Panier heute kaum wiederer ken -

nen. Das Viertel ist „aufgehübscht” und vom

beschriebenen Schmud del befreit worden. So -

gar das Raushängen der Wäsche wollte man

den Bewohnern verbieten. Aber da hatte man

mal wieder nicht mit dem Widerstands geist

der Marseillais gerechnet.

In den 90er Jahren zog es viele Künstler und

andere Kreative ins Panier und immer mehr

Touristen wagten sich in die früher von der Ma -

fia kontrollierten Gas sen. Frank reichs erfolg -

reich ste Dai ly-Soap

Plus belle la Vie 8

tut ein Übriges, um

das Image von

Mar seilles Alt stadt

kräftig auf zu po lie -

ren. Das fiktive

Vier tel Le Mis tral,

in dem die Soap

an gesiedelt ist,

weist deut liche Pa -

ral lelen zum Quar -

tier du Pan ier

auf. Folge rich tig

gab es hier gegenüber der Bar des 13 Coins

(in der Serie die Bar Mistral) auch einen De -

votio nalien-Shop, der allerdings we gen mangelnder

Ren tabilität schließen musste.

53


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

La Vieille Charité

2 Rue de la Charité

13002 Marseille

Telefon 04 91 14 58 80

Mehrere Museen und Wechselaus stel -

lung en, geöffnet Di. bis So. 10 bis 17

Uhr, Juni bis September bis 18 Uhr.

Eintritt 5 €, So. bis 13 Uhr Eintritt frei.

Museum für Mittelmeer-Archäologie

mit Sammlungen zu allen mediterranen

Kulturepochen der Antike.

Museum für afrikanische, ozeanische

und indianische Kunst

Masken, Statuen, Schmuck und rituelle

Gegenstände aus Afrika, Nordamerika,

Südamerika und Ozeanien.

Die Vieille Charité ist ein ehemaliges Armenhospiz und dient heute als Museums- und Kulturzentrum. Es

entstand zwischen 1671 und 1749 nach den Plänen des berühmten Architekten Pierre Puget, der selbst im

Panier aufgewachsen war. Nach dem zweiten Weltkrieg sollte das ungenutzte Gebäude abgerissen werden,

doch auf Drängen von Le Corbusier wurde es 1951 unter Denkmalschutz gestellt.

Petite pause

Le Charité Café

2 Rue de la Charité

13002 Marseille

Telefon 04 91 91 08 41

Geöffnet täglich 9 bis 17 Uhr.

Einfaches Café mit Selbstbedienung. Man sitzt wunderbar

im Innenhof der Charité. Preiswerte Salate, Sandwiches und

kleine wechselnde Tagesgerichte.

5

54


GR 2013 -- Vieux Port -- Le Panier -- MuCEM -- Les Docks -- Euroméditerranée

Nach der Besichtigung der Vieille Charité

nimmt man am Platz nach rechts die Rue du

Petit Puits. Vor bei an mehreren Ge schäften

erreicht man den Place des 13 Cantons. Der

Name er innert an eine gleichnamige Au -

berge, die hier im 17. Jahrhundert von einem

Schweizer betrieben wurde. Da Cantons

schwer auszusprechen war, wur de daraus

Coins (Ecken), die der Bar des 13 Coins den

Namen gaben. Man biegt hier nach links in die

Rue Sainte-Françoise ab. Wenn die Straße

nach rechts abbiegt, geradeaus die Treppen

und danach die Gasse ansteigen. Am Ende

erreicht man wieder die Montée des

Accoules, der man nach rechts über Stufen

abwärts zum Place de Lenche folgt. Den

Platz abwärts und nach rechts zu einem Denk -

mal für den ehemaligen Bürgermeister von

Mar seille Henri Tasso gehen. Der Sozialist Tas -

so löste 1935 die erzkonservativen, teils fa schis -

tisch en Kräfte im Stadtrat ab, konnte sich aber

Chambre d’hôte

La Maison du Petit Canard

48 Impasse Sainte-Françoise

13002 Marseille

Telefon 04 91 91 40 31

Preiswert und

schön wohnen

mitten im

Panier-Viertel.

Einfache, aber

ordentliche

Zimmer, super

nette Gast -

geber. Das

Studio mit Küchenecke ab 60 € inkl. Früh -

stück, Abendessen (Table d`Hôte) 18 €.

Die Église Saint-Laurent ist geöffnet Di. bis

Sa. von 14 bis 18.30 Uhr. Sonntags findet um

10.30 Uhr eine Messe statt.

6

7 8

Seit über 80 Jahren produziert die Familie LeRay

Schokolade, aber was für welche! Mit Ingwer

Lavendel, Zwiebeln, Basilikum... 138 verschiedene

Schokoladensorten. Im Herbst 2016 ist das Geschäft

völlig ausgebrannt und wird derzeit renoviert.

nicht lange im Amt halten. 1938 ereignete sich

ein verheerender Brand im Kaufhaus Nouvel -

les Galéries mit 73 Toten. Die Feuerwehr hatte

völlig versagt und Tasso musste 1939 abdanken.

In der Folge wurde Marseille von der Pariser

Zentralregierung unter Vormundschaft gestellt.

Weiter nach rechts in die Rue Saint-Lau rent

bis unterhalb der gleichnamigen romanischen

Kirche aus dem 13. Jahrhundert gehen.

Der malerische Place de Lenche, der alte griechische

Marktplatz, um den sich das damalige

Massalia zur Stadt entwickelt hat. In den Cafés kann

man den freien Blick auf den Vieux Port und die

Basilika Notre-Dame de la Garde genießen.

In der Bar des 13 Coins trank Jean-Claude Izzos

Kommissar Fabio Montale gerne seinen Pastis. Sie

ziert das Titelbid der deutschen Ausgabe der „Mar -

seille-Trilogie” (siehe Seite 128) und ist Vorbild für die

Bar Mistral in der Serie Plus belle la Vie.

9

55


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

Es geht jetzt geradeaus über die erste, 70 m

lange Fußgänger-Passer elle die das Panier-

Viertel mit dem Fort Saint-Jean verbindet.

Man durch quert das Fort und gelangt an den

wundervollen Dachgarten Le Jardin des

Migra tions. Ein Team von Land schafts archi -

tek ten und Stadtplanern aus Valence hat

einen 12 000 m 2 großen mediterranen Garten

ge schaf fen. Der Garten der Migration ist eine

Hom mage an die Menschen unterschiedlichster

Kul turen, die hier im Marseiller Hafen an -

kamen.

56

Fort Saint-Jean

Der massive rechteckige Turm („Tour Roi René“)

wurde bereits im Jahr 1423 auf Anordnung des

Königs René zum Schutz des Hafens erbaut. Der

Signalturm („Tour du Fanal“) kam 1644 hinzu

und im Jahre 1666 wurde auf Anweisung von

Ludwig XIV. das Fort errichtet. Es diente zu -

nächst als Garnisons stand ort und wurde während

der Revolution zum Gefängnis umfunktioniert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde es von der

deutschen Armee als Munitions lager genutzt,

das im Jahre 1944 zur Explosion gebracht

wurde. Nicht nur dem Fort entstand großer

Schaden, sondern auch der den Hafen überspannenden

Schwebefähre Transbordeur

(siehe auch Seite 23). Im Jahre 1964 wurde das

Fort unter Denkmalschutz gestellt. Seit 2013

gehört es zum Museum der Zivilisationen

Europas und des Mittelmeers (MuCEM).


GR 2013 -- Vieux Port -- Le Panier -- MuCEM -- Les Docks -- Euroméditerranée

MuCEM

Museum der Zivilisationen Europas

und des Mittelmeers

1 Esplanade du J4

13002 Marseille

Telefon 04 84 35 13 00

Geöffnet täglich außer dienstags,

Anfang November bis Ende April von 11 bis

18 Uhr, Mai/Juni und September/Oktober

bis 19 Uhr, Juli/August bis 20 Uhr, Anfang

Mai bis Ende Oktober freitags bis 22 Uhr.

Eintritt Dauer- und Sonderausstellungen

9,50 €, Familienticket 14 €. Die Tickets sind

am selben Tag für einen Eintritt in alle

Ausstel lungs bereiche des J4 und des Fort

Saint- Jean gültig. Multimedia-Führer,

auch in deutscher Sprache 2 €. Der Zugang

zu den Außenbereichen und Gärten des

MuCEM (J4 und Fort Saint-Jean) ist während

der Öffnungszeiten des Museums frei

und kostenlos. Es lohnt sowohl im

MuCEM einmal spiralförmig ganz herum zu

gehen als auch rund um das Fort Saint-Jean

die neue Ufer prome nade zu nutzen.

10

Über eine weitere, über dem Meer schwebende

Passerelle gelangt man nun zum MuCEM.

Mit 115 m Länge ist diese schmale schwarze

Betonbrücke nicht nur optisch eine Sen sation.

Die Konstruktion wur de, wie auch das MuCEM,

vom Stararchi tekten Rudy Ricciotti mit einem

neu entwick el ten ultrahochfesten Be ton realisiert.

Feinste Metall- und Synthetik fasern verleihen

ihm eine sechs- bis achtmal höhere

Druck- und Zugfestigkeit, die fast der von

Stahl entspricht.

Das Musée des Civilisations de l’Europe et

de la Méditerranée (MuCEM) steht an der

alten Anlegestelle für Atlantikdampfer, dem

J4, wo während des Zweiten Weltkriegs die

Flüchtlinge nach Amerika aufbrachen. Es ist

das erste Nationalmuseum Frank reichs außer-

57


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

halb von Paris. Mehr als 190 Mil lionen Euro

und viele Jahre Krisenmanage ment: Die Kos -

ten und das lange Warten auf das Museum

haben sich gelohnt. Es ist eines der schönsten

Museen Frankreichs, vielleicht sogar Europas,

geworden. Auf einer quadratischen Grund -

fläche von 72 x 72 Metern erhebt sich das

Gebäude 19 Meter in die Höhe. Unter seiner

äußeren Hülle, einem filigranen Betonnetz,

das an die Netze der heimischen Fischer erinnern

soll, verbirgt es einen weiteren Quader.

Auf zwei von insgesamt fünf Geschossen (Erdund

zweites Obergeschoss) befinden sich die

bis zu neun Meter hohen Ausstellungsräume.

An der gewagten Architektur des in Algier

geborenen Rudy Ricciotti gibt es eigentlich

nichts zu kritisieren, nur dass die Inhalte der

sehenswerten Ausstellung bei solch beeindruckendem

Design etwas in den Hintergrund ge -

raten. Auf rund 3 600 Quadrat metern dreht

sich hier alles um die Geschichte und Tradition

der Mittelmeer länder. Dafür wur de 2005 das

Pa riser Museum für Volks kunst ge schlossen

und seine Bestände sowie Teile der Pariser

Samm lungen des Völker kunde muse ums nach

Mar seille verlagert. Da diese Museen jedoch

ausschließlich europäische Exponate beherberg -

ten, das MuCEM allerdings den gesamten Mit -

58

Villa Méditerranée

Esplanade du J4

13002 Marseille

Telefon 04 95 09 42 72

Öffnungszeiten (Montag geschlossen):

Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr, Sa., So. und an

Feiertagen 10 bis 18 Uhr. Besichtigung

der Ausstellungen und des Gebäudes kostenlos.

Kino 5 €, Veranstaltungen 15 €.

Seit Anfang 2017 besteht der (noch nicht

verabschiedete) Plan, in der Villa

Méditerranée eine 1:1-Nachbil dung der

Grotte Cosquer (siehe Seiten 104/105)

unterzubringen.

tel meerraum zum Thema hat, wurden zu -

sätzlich neue Sammlungen angelegt. Es finden

sich Ausstellungsstücke von der griechischen

Hütte bis zum normannischen Schrank und

vom Skateboard bis zum alten Pflug. Er gänzt

wird die Dauerausstellung durch wechselnde

Themenausstellungen. In den ersten sieben Mo -

naten kamen bereits 1,8 Mil lionen Be such er,

das MuCEM gehört damit schon vom Start weg

zu den 50 meistbesuchten Museen der Welt.

Direkt neben dem MuCEM liegt, einem

Sprungbrett gleich, die Villa Méditerranée.

Knapp die Hälfte des neuen, von Architekt

Stefano Boeri entworfenen Kulturzentrums

liegen unter Wasser. Das darin untergebrachte

Centre Régional de la Méditerranée (CRM)

bietet Platz für Studien und Veranstaltungen

rund um eine zeitgenössische Interpretation

des Mittelmeerraums.


GR 2013 -- Vieux Port -- Le Panier -- MuCEM -- Les Docks -- Euroméditerranée

Musée Regards de Provence

Avenue Vaudoyer

13002 Marseille

Telefon 04 96 17 40 40

Geöffnet Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, montags

geschlossen. Eintritt 6,50 € für

Dauer- und Wechselaus stel lungen.

Sammlung der Stiftung Fondation de

Provence, u. a. mit Werken von Matisse,

Picasso und Le Corbusier. Moderne und

zeitgenössische Kunst sowie

Ausstellungen zur Geschichte der

Sanitärstation.

La Cathédrale de la Major

Die neoromanisch-byzantinische Kathedrale von

Marseille wurde zwischen 1852 und 1896 erbaut.

Sie gilt als eines der größten Gotteshäuser, das nach

dem Mittelalter gebaut wurde. Ihre Ausmaße sind

mit dem Petersdom in Rom vergleichbar und ihr

Innenraum bietet 3 000 Menschen Platz. Die

Cathédrale de la Major hat eine Länge von 142

Metern und ihr Schiff erreicht 20 Meter. Ihre Kuppel

mit 17,7 Metern Durchmesser hat eine Höhe von 70

Metern und ist die sechstgrößte der Welt. Neben

der Kirche kann man noch die Reste der romanischen

Kathedrale La Vieille-Major aus dem

12. Jahr hundert besichtigen. Sie wurde noch bis in

die 1950er Jahre als Gemeindekirche genutzt.

Das 2013 eröffnete

Musée Regards de

Provence befindet sich

in der ehemaligen

Sanitär station des Mar -

seiller Hafens. Reisende

und Immi granten, die

mit dem Schiff eintrafen,

wurden in der 1948

er bau ten Gesundheits -

station auf ansteckende

Krankheiten untersucht.

Nach dem Besuch des MuCEM geht man über

die Esplanade du J4 nach rechts, vorbei an

der Villa Méditerranée über den Platz. Für

einen Abstecher geht es nach rechts über die

Straße zum Musée Regards de Provence

und zur Cathédrale de la Major. In den

Gewölben unterhalb der Kathedrale befindet

sic die neue „Shopping Mall” Les Voûtes de

la Major eingerichtet.

Nach dem Abstecher geht es geradeaus den

Quai de la Joliette am J1, dem als Ausstel -

lungs halle genutzten ehemaligen Hafen han -

gar, entlang. Auf der rechten Seite liegt das

Gebäude der Fährgesellschaft Société Nat io -

Petite pause

10

Regards Café

im Musée Regards de Provence

Avenue Vaudoyer

13002 Marseille

Telefon 04 96 17 40 45 oder 06 76 39 02 91

Geöffnet täglich 10 bis 18 Uhr (15.7. bis 31.8. nur bis 16 Uhr).

DER Tipp für ein Mittagessen an der ehemaligen Hafen mole

J4. Ausgesprochen freundliche Bedienung, hebt sich sehr angenehm vom elitären

„Sterne-Getue” des Le Môle Passédat im MuCEM ab. Wechselnde Tagesgerichte und Salate

etwa 15 €, gute offene Weine.

59


Stadtwandern Marseille -- Tour 3

nale Corse Méditerranée (SNCM), schräg ge -

genüber befindet sich das Terminal für Passa -

giere ohne Fahr zeug nach Korsika, Tune sien

und Al gerien. Etwa 100 m weiter überquert

man die Straße und

biegt nach rechts auf

den Place de la

Joliette ab. Mit Aus -

richtung zum Hafen

liegt unterhalb die im

August 2014 eingeweihte

Shopping-Mall

Les Ter rasses du

Port. Ursprünglich ge -

plant für die jährlich

eine Million Kreuz -

fahrer, heute auch ein

Magnet für die Mar -

seil ler Bevöl ker ung.

Auf der nächsten Straße nach links, der Rue

du Docks, geht es nun an den renovierten

Docks de la Joliette entlang.

Anfang des 19. Jahrhunderts war eine Epoche

starken wirtschaftlichen Aufschwungs und

großer städtebaulicher Maßnahmen in Mar -

seille. Die Kapazitäten des Vieux Port reichten

für die immer häufiger eingesetzten Dampf -

schiffe nicht mehr aus. 1842 wurde die Aus -

weitung des Hafens in Richtung La Joliette

beschlossen. Die Bauarbeiten dauerten bis

1853. Unter anderem wurde auch die Com -

pagnie des Docks et Entrepôts gegründet,

deren vier Speicherkomplexe sich über mehr

als 400 Me ter erstrecken und von einem Ver -

waltungs gebäude aus Ziegelstein abgeschlossen

werden. Jeder der von Gustave Desplaces

von 1858-- 1863 erbauten sechsstöckigen Spei -

cher, in spiriert von den Londoner Docks, ist um

einen zentralen Innenhof angelegt. Nach langem

Leerstand wurden die Docks ab 1992 vom

Architekten Éric Cas tal di mit viel Respekt vor

der alten Bausubs tanz

zu einem Büro- und

Ge schäftskomplex um -

ge baut. Heute sind sie

Teil des Projekts Eu ro -

médi ter ranée und

wurden aufwendig re -

noviert am 10. Okto -

ber 2015 als Zen trum

und Aushänge schild

eines hochmodernen

Busi ness-Viertels wie -

der eröffnet. Auf über

17 000 qm befinden

sich in teils ungewöhnlichem

Am bien te 80 Geschäfte, Cafés und Re -

stau rants.

Nach etwa 120 m kann man rechts die 18 m

hohe, Skulp tur Second-Nature des Künstlers

Miguel Che valier und des Designers und

Architekten Charles Bové sehen. Nachts wird

die Skul ptur durch eine Licht installation er -

gänzt. Auf die gegenüberliegende Wand eines

Docks werden je nach Jahres zeit wechselnde

mediterrane Blu men motive projiziert.

Geradeaus ist nun ein Ab stecher zum FRAC

möglich. Das FRAC ist ein frankreichweites

Netzwerk von über 20 Kultur zen tren, die sich

dem Sammeln regionaler moderner Kunst

widmen. Zum Kultur haupt stadtjahr hat der

Architekt Kengo Kuma (Tokio/Paris) ein Ge -

bäu de mit verspielter Fas sade entworfen. Um -

geben von eher massiven Baukör pern wie

Banken, Wohn häu sern, Hotels und den Docks

besticht das Kunst zentrum durch seine Leich -

tigkeit. Auf einer Fläche von 5 400 Quadrat -

metern beherbergt das FRAC eine Sammlung

von Werken aus den 1960er und 1970er Jahren

12

FRAC --- Fonds Régional d’Art

Contemporain PACA

20 Boulevard de Dunkerque

13002 Marseille

Telefon 04 91 91 27 55

Geöffnet Di. bis Sa. 12 bis 19 Uhr, So. 14 bis

19 Uhr, montags und feiertags geschlossen.

Eintritt 5 €. Das Ticket ermöglicht einen

reduzierten Eintritt am selben Tag in die

Museen Regards de Provence, Villa

Méditerranée und MuCEM.

60


GR 2013 -- Les Docks -- Euroméditerranée

13

11

12

11

10

des Mit telmeerraums rund um Marseille und

Niz za. Zahlreiche Wechsel ausstel lungen er -

gänzen das Angebot.

Nach dem Besuch geht es zurück und nach

rechts weiter an den Docks entlang. Am Ende

nach links und unter der Hochstraße hindurch

gelangt man zum Quai du Lazaret und zum

Les Espaces Cul turels du Silo d’Arenc

(SILO), einem ehemaligen Getreide speich er,

der zur Konzert- und Veran staltungs halle mit

über 2000 Plätzen umgebaut wur de. Man

geht nun nach rechts un ter halb der Hoch -

straße entlang, wechselt auf die rechte

Straßenseite und geht weiter, bis man den

13 Tower der Reederei CMA-CGM er reicht,

ein Kernstück der Façade Mari time, des neu -

en Gesichts Marseilles. Mit 142 Metern Höhe

und 33 Stockwerken ist das elegante Hochhaus

der britisch-irakischen Stararchitek tin Zaha Ha -

did ein weithin sichtbares Zeichen für den

Wan del der Stadt. Ein Stück zurück geht es

nach links auf den Boulevard Mirabeau, über

die Bahnstation Euroméditer ranée bis

zur Haltestelle der Tram Linien 2 und 3.

61


1996 wurde das Projekt „Euro -

médi terranée“ aus der Taufe

ge hoben. Es handelt sich mit

480 Hektar Fläche und 7 Milliarden Euro Investitionen um das größte französische

Stadterneuerungs- und Wirtschaftsförderungsprogramm seit der Errichtung des Ge -

schäfts viertels „La Défense“ in Paris. Für die Besucher Marseilles sind neue Museen, Verkehrs -

beruhigung und vieles mehr, ein großer Gewinn. Aber der Versuch, einkommensschwache Be -

woh ner durch Luxussanierungen aus der Innenstadt zu verdrängen, führt auch zu viel Kritik.


Ausgehviertel

La „Plaine” --

Cours Julien

„Das zweifellos spannendste Viertel der Stadt

ist jedenfalls Cours Julien, das Kreuzberg von

Marseille. Hier findet man die Subkultur und

alternative Szene, es gibt charmante kleine Ca -

fés, Secondhandläden und viele Bars und Res -

tau rants – kurzum: der perfekte Ort in Mar -

seille.” Zitat aus dem Blog iHeartBerlin.de

n der Tat ist das Viertel La Plaine rund um

den Cours Julien vor allem bei den Stu den -

Iten Mar seilles äußerst beliebt. Bis in die sieb -

ziger Jahre fand hier der größte Gemüse markt

statt, heute ist es die größte Partyzone

Marseilles. Den Namen „La Plaine”, „Die

Ebene”, verdankt das Viertel seiner Lage auf

einer Art Hoch plateau. Der Platz Cours Julien

wurde bereits 1979 verkehrsberuhigt und neu

gestaltet. In den umliegenden Gassen siedelten

sich unzählige Restaurants an. Vor allem

am Wochenende füllen sie sich schnell. Denn

für Franzosen, auch für die jüngeren, beginnt

ein gelungener Abend zu nächst mit einem gu -

ten Menü.


Restaurants und Bars

rund um den Cours Julien

L’Oléas

27 Cours Julien, 13006 Marseille

Telefon 04 91 47 83 73

Chefkoch Ludovic Dupont kreiert wunderbare

mediterrane Gerichte. Drei-Gang-Mit -

tags menü 19,50 € inkl. Kaffee.

Bild oben: Auftritt der Elektro-Punk-Gruppe

Nasser im Espace-Julien, mit 1 000 Zuschauer -

plätzen eine der größeren Konzerthallen von

Mar seille. Nasser werden mit ihrer Mischung aus

Punk, Rock, Pop und Techno derzeit als Mar -

seilles Helden gefeiert.

Bild unten: Weiter Blick vom Cours Julien über

Marseille. Im ganzen Viertel immer präsent:

Graffitis.

Kultursplitter

Alle Veranstal tungs -

termine der Region,

von Oper bis Hip-Hop-

Kon zert, von Kino bis

Ausstellungen findet

man im 14-tägig erscheinenden

kostenlosen Ma -

gazin Ventilo oder

unter journalventilo.fr

Radio Grenouille, Mar -

seil les Independent-Ra -

dio sender mit Sitz in der

Friche la Belle de Mai,

88.8 FM oder Livestream

radiogrenouille.com

Le Goût des Choses

4 Place Notre Dame du Mont,

13006 Marseille

Telefon 04 91 48 70 62

Gehobene Küche, Menüs ab 27 €. Wenn

man im sonst studentisch geprägten Vier tel

sehr gut essen gehen möchte, auf jeden

Fall einen Besuch wert.

Casa no Name

7 Rue André Poggioli, 13006 Marseille

Telefon 04 91 47 75 82

Moderne junge Küche: Tapas, Wraps, Pan -

nisses (siehe Seite 81) ab 4,50 €. Aber auch

Klassiker wie Daube (provenzalisches Gu -

lasch) oder Lamm-Tajine ab 8 €.

Bar/Café Au Petit Nice

28 Place Jean Jaurès

13001 Marseille

Telefon 06 64 89 58 03

Geöffnet Mo. bis Sa. 6.30 bis 2 Uhr nachts.

„Au Petit Nice est une institution à La

Plaine”. DER Szenetreff, große Außen ter -

rasse, überwiegend junges Publikum, sehr

preiswert (Bière pression 2 €).

Gegenüber steht, für den Hunger zwi -

schen durch, die Imbissbude von George

bis tief in die Nacht bereit. George kommt

aus Ägypten und bereitet nicht nur ein su -

per Falafel-Sandwich, sondern spricht

auch noch fließend deutsch.

Le Port au Prince, Chez Eugénie

40 Rue Saint Savournin

13001 Marseille

Telefon 04 96 17 54 02

Am Ende des Place Jean Jaurès beginnt die

Rue Saint Savournin. Etwas ab vom Schuss,

aber der Weg lohnt sich. Mal etwas ganz

anderes: typische Gerichte aus Haiti und von

den Antillen. Sehr einfach, sehr lecker und

Eugénie ist „très sympa”.

71


Restaurants/Cafés

Restaurants und Cafés abseits der Wanderwege

Patisserie Plauchut

168 La Canebière

13001 Marseille

Telefon 04 91 48 06 67

Geöffnet Di. bis So. 8 bis 20 Uhr.

Am Ende der Canebière liegt die älteste

Konditorei Mar seil les. Plauchut wurde 1820

eröffnet und ist über Marseille hinaus für

seine Lecker eien bekannt. Ob Schokolade,

Gebäck, Navet tes oder die umwerfenden

Tartelettes, alles ist hausgemacht. Im Salon

de Thè mit seinen alten Ölgemälden und

Stuck an den Wänden begibt man sich auf

eine kleine Zeitreise.

Comptoir Dugommier

14 Boulevard Dugommier

13001 Marseille

Telefon 09 50 12 32 62

Geöffnet Mo. bis Sa. 8 bis 17 Uhr und Don -

ners tagabend. Sonn- und feiertags geschlossen.

Von der Canebière hoch zum Bahnhof

St. Charles liegt mein Lieblingscafé. Tolles

Retro-Ambiente, super nette, lockere Bedie -

nung. Mittags gibt es spannende, ungewöhnliche

Gerichte für 10 bis 15 €, z. B. einen vegetarischen

Gemüseeintopf mit Ras el Hanout

nordafrikanisch gewürzt. Ab 12 Uhr füllt sich

das Comp toir Dugommier in Windeseile mit

einer bunten Szene aus Künstlern, Theater -

leuten und hungrigen Durchreisenden. Aus

einem Blog-Eintrag: „Un restaurant formidable

par l'authenticité de son architecture, une

cuisine généreuse et délicieuse, un service

chaleureux et un tarif des plus raisonnable.”

Longchamp Palace

22 Boulevard Longchamp

13001 Marseille

Telefon 04 91 50 76 13

Geöffnet Mo. bis Mi. 8 bis 0.30 Uhr, Do. bis

Sa. 8 bis 2 Uhr, So. 11 bis 0.30 Uhr.

Frühstück, Mittag- und Abendessen, sonntags

Brunch. Preiswerte, gute Gerichte, nette

Atmos phäre. Gegen Abend ein beliebter

Treffpunkte für überwiegend junges, studentisches

Publikum am Boulevard Longchamp .

72

Les Panisses

23 Rue Sainte

13001 Marseille

Telefon 04 91 52 86 83

Geöffnet Mo. bis Sa. 12 bis 14.30 Uhr, Mi. bis


Tipps

Sa. 20 bis 23 Uhr, sonntags geschlossen. Der

Namensgeber, die Spezialität aus L’Estaque

(siehe Seite 81) wird als Amuse-Bouche

gereicht. Danach überzeugt das im klassischen

französichen Bistrostil eingerichtete

Restaurant vor allem durch raffinierte Fischund

Meeres früchte-Gerichte.

Les grandes Tables

Friche la Belle de Mai

Eingang 1 (nur für Fußgänger):

41 Rue Jobin

Eingang 2 (Parkplätze):

12 Rue François Simon

13003 Marseille

Telefon 04 95 04 95 85

Geöffnet Mo. bis Mi. 8.30 bis 20 Uhr, Do. und

Fr. 8.30 bis 24 Uhr, Sa. 9 bis 24 Uhr (Brunch ab

11 Uhr), sonntags ist die Bar je nach Veran -

stal tungsprogramm im Friche nachmittags

geöffnet. Einzigartiges Ambiente in einer

großen Halle einer ehemaligen Tabakfabrik.

Preiswerte Gerichte aus marktfrischen Pro -

dukten. Salate, Quiches, Gegrilltes für 7,50 bis

15 €. Alles auch zum Mitnehmen.

Le Débouché

3 Boulevard National

13001 Marseille

Telefon 04 91 50 96 25

Geöffnet Mo. bis Do. 9 bis 17 Uhr, Fr. 9 bis 24

Uhr. Restaurant und Weinhandlung, wechselnde

Kunstausstellungen. Mittagessen nur

zwischen 12 und 14 Uhr, Abendessen freitags

ab 19 Uhr. Sehr gute provenzalische Küche,

Hauptgerichte zwischen 13 und 17 €, wechselnde

Tageskarte. Die Köchin Hélène verwendet

ausschließlich Bio-Produkte. Einer

der Spezialitäten im Winter ist eine hervorragende

Entenbrust mit Stein pilzen. Dazu empfiehlt

Jean Claude treffsicher und humorvoll

den richtigen Wein.

Tipps für den Restaurantbesuch

in Frankreich

In französischen Restaurants wird man

„ge setzt“, man wartet also, bis die Be dien -

ung kommt und einen Tisch zuweist. In Cafés

und Bistros dagegen sucht man sich seinen

Platz selbst.

Auch wenn es in vielen Wörter büchern

noch so steht: Rufen Sie den Kellner niemals

„garcon“ (wörtlich: „Junge“), es könn te ein

Abend mit schlechter Be die nung werden.

Den Kellner spricht man „Mon sieur“ an, die

Kell nerin, je nach deren Alter „Ma dame“

oder „Mad emoiselle“. Das in Deutsch land

ver pönte „Fräulein“ ist in Frankreich bei jüngeren

Frauen (noch) absolut korrekt.

Beim Bezahlen der Rechnung rundet man

nicht auf, um ein Trinkgeld zu geben, sondern

lässt sich das Rückgeld her aus geben.

Das Trinkgeld legt man dann vor dem Ver -

lassen des Lokals auf den Tisch.

Maison Empereur

4 Rue des Récolettes

13001 Marseille

Telefon 04 91 54 02 29

Geöffnet Mo. bis Sa. 9 bis 19 Uhr.

Dies ist keine Restaurantempfehlung, eher

ein Tipp für alle, die eins eröffnen wollen.

Eine der ältesten Eisenwarenhandlungen

Frankreichs. 1827 gegründet, wird diese

„Schatzkiste” für Haushaltswaren mittler -

weile in der sechsten Generation geführt.

Auf 1 000 qm führen teilweise labyrinthartige

Gänge zu den über 30 000 Artikeln. Hier findet

man wirklich alles, was man sucht und

vieles, von dem man gar nicht wusste, dass es

es gibt... Ein aufregendes Shopping-Erlebnis

der anderen Art.

73


Marseilles Exportschlager:

Seife, Hip-Hop, Fußball und Pastis

S

eife (Savon) ist eines der beliebtesten Pro -

dukte aus Marseille. Der Standort war

ideal zur Seifenproduktion: Direkter Zu -

gang zum Olivenöl der Provence und über

den Hafen zum Palmöl aus Übersee. Die Seife

mit dem berühmten Label Extra pur 72 %

d’huile besteht aus 72 % reinem

Öl. Olivenöl macht die Seife grün,

die gelbliche Variante besteht vor

allem aus Palmkernöl. Von den

ursprünglich mehr als einhundert

Seifen fa bri ken in Marseille haben

sich bis heute nur drei Betriebe

gehalten. Am bekanntesten ist das

Tradit ions unternehmen mit der

Marke Sa von nerie Le Fer à Che -

val mit dem Hufeisen im Logo.

Die Fabrik existiert seit 1856 und

ist der größ te noch in Marseille ver -

bliebene Betrieb. Ein Besuch lohnt

74

schon we gen der teilweise hundert Jahre alten

Ma schinen und Anlagen (Führung jeden Mitt -

woch um 14 Uhr, www.savon-de-marseille-bou -

tique.com). Kleines Seifenmuseum auf der linken

Seite des Vieux Port, täglich 10 bis 18 Uhr,

www.savon-de-mar seille-licorne.com/musee.


H

ip-Hop, für kein anderes Kulturgut ist

Marseille so bekannt wie für seinen

Rap. Der französische Markt für Rap ist

derzeit am Umsatz gemessen der zweitgrößte

der Welt. Mit der Gruppe IAM (rechts im Bild)

breitet er sich seit den 1980er Jahren über die

Vorstädte von Marseille aus und ist bis heute

Ausdruck der sozialen Spannungen der Stadt.

„Es ist eine Mischung aus Liebe und Leiden -

schaft für die Stadt”, sagt IAM-Mitglied Ak -

hena ton. „Unser Album heißt ,Marseiller

Kunst , weil wir stolz auf Marseille sind. Aber

wir zeigen eben auch die negativen Seiten der

Stadt.” Sein Bandkollege Shurik'n ergänzt:

„Weil wir die Stadt lieben, können wir sie auch

hassen und als erste sagen, wenn die Dinge

schief laufen.” (Zitate 3SAT/Kulturzeit 2013).

Die „Rap-Opas” von IAM schlagen noch recht

milde Töne an. Heutige Superstars wie Psy 4

de la rime sind da schon härter: „In der

Nordstadt, da wohnen diejenigen, die nicht

viel Geld haben. Die haben andere Sorgen,

denen gehen touristische Sehenswürdigkeiten

am Arsch vorbei.” (Die Nordstadt leidet u. a.

unter einer Jugendarbeitslosigkeit von 50 %).

O

lympique Marseille (kurz OM) wurde

1899 von René Dufaure de Montmirail

gegründet. Das Gründungsmitglied der

Division 1 ist neunfacher Landesmeister (zu-

letzt 2010) und die einzige Mannschaft Frank -

reichs, die die UEFA Champions League gewinnen

konnte (1993 mit einem 1:0 gegen AC

Mailand). Die hellblauen Trikots mit dem

Vereinslogo und

dem Schlachtruf

„Droit au But”

(„Direkt aufs Tor”)

sind aus dem

Marseiller Stadt -

bild nicht wegzudenken.

Das „Ver-

eins sta dion” ist

das Stade Vé lo -

dro me, das zur

Fußball-Welt mei ster schaft 1938

ge baut und am 13. Juni 1937

eingeweiht wurde. Die namens -

gebende Radrennbahn zwischen

Tribüne und Spielfeld

wurde beim Umbau 1998 abgerissen.

Für die Fußball-Europa -

meister schaft 2016 wurde das

Sta dion aufwändig ausgebaut,

überdacht und auf rund 67 000

Plätze erweitert.

P

astis (aus dem Provenzalischen, pastís für

Mischung) ist eine Spirituose mit der

Grundzutat Anis. Weitere Zutaten sind

Zucker, Fenchelsamen, Süßholzwurzeln, verschiedene

andere Kräuter, Wasser und Alko -

hol. Im März 1915 wurden in Frankreich Ab -

sinth und Anisliköre verboten. In der Provence

stellten Bauern heimlich als Ersatz für den verbotenen

Absinth einen „Pastiche“ (deutsch:

Nachahmung) her. Paul Ricard, der eigentlich

Maler werden wollte, war erst 23 Jahre alt, als

er 1932 einen neu -

en Typus Spiri -

tuo se entwickelte,

dem er réglisse

(Süßholz) beigab.

Er gab diesem

Ricard den

Werbeslogan

mit auf den Weg

„Le vrai pastis

de Marseille”.

Damit war auch der Begriff Pastis für diese Art

Getränke kreiert. Der Pastis aus Marseille war

auf Anhieb ein Erfolg und entwickelte sich zu

einem französischen Kultgetränk. Er wird traditionell

mit (Eis-)Wasser (5–6 Teile Wasser auf

einen Teil Pastis) getrunken.

75


Tour 4 Canal de Marseille und Château Pastré

S

ehr abwechslungs -

reiche Wanderung

durch den be liebten

Park Montredon mit Ka -

nal und angelegten Tei -

ch en. Später geht man

mit tollen Fern blicken in

die Aus läufer der Calan -

ques.

Von der Metrosta -

tion Cas tellane

mit dem Bus 19 bis

Montredon Pastré.

Schräg gegenüber der

Bushaltestelle befindet

sich der Haupteingang

zum Park Montredon.

Vorbei an ein em Kiosk/

Café und ein em kleinen

Adventure-Park für Kin -

der nimmt man nun den

1

Der Canal de Marseille ist ein im 19. Jahrhundert erbauter,

vom Fluss Durance abgeleiteter Trinkwasserkanal und stellt

bis heute die wichtigste Quelle der Trinkwasserversorgung

der Stadt Marseille dar. Er hat eine Länge von etwa 80 km

(mit allen Verzweigungen im Stadtgebiet 160 km). Das hier

zu sehende Teilstück diente früher auch zur Versor gung der

Sodafabrik von Montredon. Heute wird das Wasser des Ka -

nals zur Brandbekämpfung genutzt.

2

1 Fernblicke

schnur geraden breiten

Weg, bis man den Kanal

erreicht. Nun geht es

nach rechts einen knappen

Kilometer immer

am Kanal entlang (hier

mit gelben Balken markiert).

Es geht u. a. an

einem idyllischen Weiher

entlang. Wenn der Ka -

nal wieder unterirdisch

fließt und man Häuser

erreicht, links und nach

einigen Metern wieder

rechts abbiegen. Auf

breiterem Weg ansteigen

und nach 50 Me -

tern nach links abbiegen.

Nun mit weiten

Blicken auf das Meer

weiter aufwärts. Bald

biegt nach rechts ein

schmaler

Pfad über

zwei Stufen ab, hier markiert mit drei gelben

Punkten. Nach 50 Metern gehen

Treppenstufen nach rechts weiter aufwärts.

Am Ende der Stufen ein kurzes

Stück nach rechts und sofort wieder scharf

links abbiegen. Es folgt ein kurzes Stück

etwas steiler, aber unproblematisch, durch

den Fels. Nochmal geht es über einige

Stufen und danach recht steil aufwärts bis

zu einem kleinen Plateau. Von hier hat

man fantastische Blicke zu der Inselgruppe

Archipel du Frioul und dem Château

d If. Vom Plateau geht es weiter nach links

(vom Weg nach links ab hat man Fern -

2 Ausblicke zum Château

blicke auf das

Châ teau Pas -

tré von oben). Bald zweigt ein breiterer

Weg ab, aber man hält sich geradeaus.

Man erreicht eine Freifläche und nimmt

den Weg ganz rechts, der bald abwärts

führt. Der Weg wird schmaler und führt

durch Busch -

3 Abzweig Callelongue

werk. Nach

rechts kommt ein Abzweig, aus geschildert

„Calle longue“, den man nicht nimmt. Hier

endet nun die Markierung mit den gelben

84

3

Fantastische Fernblicke auf Marseille und die

vorgelagerten, künstlich angelegten Sandstrände.


1,5 Stunden

5 km l 155 HM

200 m

150 m

100 m

50 m

1 2 3 4 km

Schwierigkeitsgrad

Leicht

Relativ viel Schatten

unterwegs, schöne kurze

Wanderung für heiße Tage.

Punkten und man geht weiter

nach links/ge rade aus abwärts.

Ab jetzt wie der mit gelben

Bal ken markiert. Auch an

Ab zweigen vorbei wei ter ge -

radeaus führt der Pfad nun

wildromantisch durch eine

kleine Schlucht hinunter. Am

Ende des Tals wird der Weg

breiter, auf einer Lichtung mit

mehreren Abzweigen hält

man sich ge radeaus. Bevor

man wieder den Kanal er -

reicht, geht man den schmalen

Pfad rechts hoch zum

Château Pastré. Das bis En -

Das 1862 erbaute Château

Pastré liegt in einem 112 ha

großen, im hinteren Teil na tur -

belassenen Park. Ab 1940 bot

die Gräfin Lily Pastré hier zahlreichen

vor dem National sozia -

lismus geflüchteten Künstlern

und Intelektuellen Zuflucht. Da -

rüber hinaus gründete sie den

Hilfsverein „Pour que l`Esprit

Vive“ („Der Geist soll leben“)

und versorgte viele Flüchtlinge

mit falschen Pässen. Der rumänischen

Pianistin Clara Haskil er -

möglichte sie dank ihrer Bezie -

hungen sogar die Flucht in die

Schweiz, wo sie in der Villa von

Charlie Chaplin Aufnahme fand.

de 2012 hier ansässige Musée de la Faïence (Keramik aus dem

18. Jahrhundert bis heute) befindet sich jetzt im Château Borély im

gleichnamigen Park, siehe Seite 46. An der Vorderseite des Schlos ses

vorbei nimmt man nach rechts den Weg und geht hinter der

Schranke direkt nach links. An Ab zweigen vorbei und dann leicht

rechts haltend erreicht man den Kanal und ein ehemaliges Schleu -

sen wärterhaus (Foto links oben). Links davon geradeaus weitergehen.

Man kommt an einem angelegten Teich vorbei und auf breiterem

Weg leicht nach links wieder auf den Hinweg. Die Bus -

haltestelle für die Rückfahrt befindet sich hinter dem Parkausgang

30 m nach rechts.

Wegmarkierung

Teilweise gelb

markiert, von

Punkt 1 bis 3

mit drei gelben

Punkten.

Wanderkarte

IGN 82011 Les Calanques de

Marseille à Cassis, topografische

Wanderkarte 1:15 000

ISBN: 978-2758511564

Einkehr

Kiosk/Café am Eingang

zum Park.

Massena

Café/Restaurant

21 Place Castellane

13006 Marseille

Telefon 04 91 78 18 10

Gegenüber der Bushalte -

stel le Metrostation

Castellane. Mittags nach

dem Markt sehr beliebt:

preiswertes, gutes Mittags-

Formule (Menü) und un glaub -

liche Coquillages (Muschelund

Crevettenplatten).

Wenn man entlang der

Buslinie zurückgeht,

erreicht man nach dem

Jachthafen Port de la

Pointe-Rouge den Strand

mit vielen Restaurants

und Strand buden.


Archipel du Frioul mit

„Monte-Christo-

Kerker” Château d’If

D

ie Frioul-Inseln liegen etwa vier Kilo -

meter westlich von Marseille im Mittel -

meer. Die Inselgruppe besteht aus vier

Inseln mit 200 ha Fläche, auf der heute ca. 100

Einwohner vor allem im 1974 erbauten Re tor -

tendorf Port Frioul leben. Im Jahr 2002 wur de

die Inselgruppe und die umliegenden Ge wäs -

ser zum Parc Maritime des Îles du Frioul

und damit zu einer Art Naturschutz gebiet er -

klärt. Insgesamt

kann man über

200 ver schiedene

Pflanzenarten finden, die perfekt an das rau e,

vom Mistral be stimmte Klima an gepasst sind.

Gleich zeitig sind die Inseln ein Rück zugs gebiet

für zahlreiche See vogel arten wie zum Beispiel

der Weißkopf möwe.

Die beiden größten Inseln Pomègues und Ra -

tonneau sind durch den Damm Dig ues de

Berry verbunden. Der 1822 bis 1824 erbaute

Damm bildete eine Art Quaran täne becken,

um zusammen mit dem Kranken haus Caroline

die Gefahr einer neuerlichen Seuche abzuwehren,

wie sie 100 Jahre zuvor in Form der Pest

über Marseille gekommen war.

Am berühmtesten ist aber die île d’If mit der

zwischen 1524 und 1531 zur Verteidigung Mar -

seilles erbauten Festungsanlage Château d’If.

Die geographische Lage eignete sich nicht nur

hervorragend zur Abwehr von Fein den, sondern

auch als Gefängnisinsel. 1580 war Ritter An -

selm, wegen Verschwörung ge gen die Monar -

chie, vermutlich der erste Ge fangene. Viele

weitere sollten folgen: Nach der Aufhebung

des Edikts von Nantes saßen während zwei

Jahrhunderten fast 3 500 Pro testan ten

im Château d’If hinter Gittern.

86


Die Haft- und hygienischen Be dingung en

waren elendig, kaum einer über lebte die Ge -

fangenschaft.

Der 1844 von Alexandre Dumas veröffentlichte

Mantel- und Degenroman „Der Graf von

Monte Christo” errang Weltruhm und mit

ihm das Château d’If. Es handelt sich zwar

um eine rein fiktive Geschichte, in der der Titel -

held Edmond Dantès in den Kerkern von If einsaß.

Die zahlreichen Besucher kommen jedoch

vor allem, um seine Zelle zu besichtigen.

Noch eine wahre Geschichte: 1516 machte das

Nashorn „Rhineau” auf seiner Reise zu Papst

Leo X. nach Rom auf der île d’If Zwischen -

station. Auf der Weiterfahrt kam das Tier bei

einem Schiff bruch ums

Leben, wur de an der

Küste angeschwemmt

und später ausgestopft.

Albrecht Dürer fertigte

nach einer Skizze des

Tiers den berühmten

Holz schnitt „Rhino cerus“

an.

Das Château d’If ist ganzjährig geöffnet, Ein -

tritt 6 €, Fährverbindung s. nächste Seite.

87


Tour 5 Île Ratonneau -- zum Cap de Croix

geht es nun mit tollen

Fernblick en ab -

wärts Richtung Cap

de Croix. Gerade aus

erreicht man durch

eine ehemalige Bun -

ker anlage hindurch

und dann ein Stück

ohne klar erkennbaren

Weg hinunter das

Cap. Umschwirrt von

vielen Möwen, die

hier nicht oft gestört

werden, geht man

jetzt rechts oberhalb

der Bunkeranlage zu -

rück aufwärts bis

zum Hôpital Caroline

und zurück zur Cal an -

que de Saint-Es tè ve.

D

er Ausflug zum Archipel du Frioul ist ein

absolutes High light eines Marseille-Be -

suchs. Je wei ter man sich von der etwas

bizarr anmut en den Häuserkulisse des Port du

Frioul mit seinen touristischen Angeboten entfernt,

je mehr erfasst einen ein echtes „Insel -

gefühl“. Und ganz vorne an den Caps wird man

nur noch von den Möwen umschwirrt.

Auf der linken Seite des Vieux Port starten

die Boote zur Île d’If und zum Port

du Frioul. Die Expressfähre benötigt nur gut

30 Minuten bis zum Archipel du Frioul.

Vom Fähranleger geht es auf der Insel Raton -

neau nach rechts immer der kleinen Straße

am Meer entlang. Man hat bald weite Blicke

auf Marseille und die

1 Fernblicke

Île d`If. Nach 1,5 km

erreicht man Stufen, die nach rechts ab wärts

zur Calanque de Saint-Estève führen. Hier

findet man einen der schön sten Strän de der

Inseln. Nach links ge langt man zum Badehaus

mit Umkleide ka bin -

en und zum Café.

Ideal für einen Bade aus flug mit Kin dern: Die

Bucht wird von An fang Juni bis An fang Sep -

tember von 9.30 bis 19 Uhr von Ret tungs -

schwim mern überwacht. Man geht nun vor

dem Badehaus aufwärts und den erreichten

Fahrweg nach rechts hoch bis zum ehemaligen

Kranken haus Hôpital Caroline. Nach links

88

2 Schwimmstelle

Kurz nach einem Denkmal geht ein Schot ter -

weg nach scharf rechts ab, ausgeschildert zum

Fort Ratonneau. Auf der Höhe er reicht man

die Bunker- und Festungsanlage. Die Ruine ist

in weiten Teilen frei zugänglich, man sollte

sich aber sicherheitshalber auf dem Weg halten.

An einer Wegkreuzung nach rechts, weiter

leicht ansteigend kommt man zu den Res -

ten der Stahlbetonkon struk tion, die als Mahn -


3

2

2 Stunden

7 km l 175 HM

100 m

50 m

Hôpital Caroline


Fort Ratonneau


mal in Kreuzform stehen blieb. Um dieses

ge spens tische Szenario her um er -

3 Antikriegsdenkmal

reicht man eine Treppe abwärts. Zunächst nach links und dann nach

rechts gelangt man zu ein em Pfad, der hinunterführt. An ein em

Abzweig nach rechts Rich tung Calanque de Morgiret gehen. Der

Weg zieht sich auf die Höhe und nach links hinunter und rechts

herum zum Strand der Calanque. Gegenüber den breiteren Weg

geradeaus leicht ansteigen. Man geht nun an zwei Abzweigen vorbei,

bis nach links mit Blick

auf den Ort und den Damm

Digues de Berry ein

schmaler Pfad ab geht. Vor

den Häu sern nach links und

dann nach rechts geht es zu

einer Ka pelle in Form eines

griechi schen Tem p els, die

der zerstörten Ka pelle im

Hô pital Caroline nach em -

pfun den ist. Rechts die

Trep pen hin unter er reicht

man wieder den Hafen.

1

Die 1818 erschienene Erzählung Der tolle

Invalide auf dem Fort Ratonneau gehört

heute zu Achim von Arnims bekanntesten

Werken. Für sein Stück nutzte Arnim als

Quelle ein Ereignis, das sich in Marseille tatsächlich

ereignet hat: Ein Kriegsinvali der

hatte sich auf dem Fort Ratonneau eingeschlossen

und drohte damit, die Stadt zu

beschießen. Soldaten hatten den Mann überwältigt

und ins Irrenhaus abgeführt.

Die von Arnim daraufhin entwickelte romantisch/realistische

Liebesge schichte endet mit

dem Satz: „Liebe treibt den Teufel aus.“

Unten links: Die Reste des durch das Bombardement der Alliierten zerstörten Fort Raton -

neau bilden heute ein bizarres und beeindruckendes Antikriegsdenkmal.

Unten Mitte und rechts: Das 1828 eröffnete Krankenhaus Hôpital Caroline diente

zunächst zur Behandlung von Gelbfieber, um Marseille vor einer Epidemie zu schützen.

Später wur de es von der Armee als Zwischenstation für die in den nordafrikanischen

Kolonien eingesetzten Soldaten genutzt. Heute finden dort gelegentlich Ausstellungen

und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

89

0 m

1 2 3 4 5 6 km

Schwierigkeitsgrad

Leicht, das letzte Stück

zum Cap mittelschwer.

Für die letzte Passage zum

Cap etwas Tritt sicher heit

erforderlich!

Kein Schatten unterwegs.

Möglichst unter der Woche

laufen, da an Woch en enden

und zu Ferienzeiten sehr gut

besucht.

Wegmarkierung

Ohne Markierung.

Wanderkarte

3145ET MARSEILLE

Topographische Wanderkarte

IGN 1:25.000

EAN/ISBN: 9782758518389

Einkehr

Mehrere Restaurants

und Cafés am Port du

Frioul, eher touristisch.

Cafè/Restaurant an der

Calanque de Saint-Estève,

geöffnet Anfang Juni bis

Anfang September.

Fährverbindung

Frioul If Express vom

Vieux Port mehrmals täglich

(nach Saison) zur Île d’If und

zum Port Frioul.

Infos und Abfahrtszeiten:

www.frioul-if-express.com

oder Telefon 04 96 11 03 50

Preise: Hin- und Rückfahrt

Île d`If und Port Frioul 16,20 €,

nur eins von beiden Zielen

10,80 €, Sondertarife für

Familien. Achtung: Beson -

ders an schönen Tagen für

die Rückfahrt frühzeitig

anstellen, das Boot fährt ab,

wenn die zulässige Personen -

anzahl an Bord erreicht ist.

Dies kann bedeuten, dass

man erst ein bis zwei Boote

später mitgenommen wird!


Calanques

Entre Mer et Ciel


Die Calanques -- Wanderparadies

vor den Toren Marseilles

Die Calanques zwischen Marseille

und Cassis sind bis zu 300 m hohe

Kalksteinklippen an der Mittel meer -

küste mit teilweise fjordartigen, tief ins

Land hineinragenden Ein schnitten. Auf

einer Länge von 20 km ent stand in der

letzten Eiszeit, die vor ca. 12 000 Jahren

endete, diese einzigartige Land schaft mit

beeindruckenden Felsfor ma tion en und

fantastischen Buchten mit türkisblauem

Meer was ser. Neben einer artenreichen

Flora mit über 900 Pflanzen arten beheimaten

die Calanques auch seltene und

bemerkenswerte Vogelarten (z. B. Bonel -

94


li-Adler), die an den steilen Felsen und

Klip pen nisten. Daher sind die Calanques

zwischen Marseille und Cassis 2012 zum

Parc nati onal des Calan ques erklärt

worden. Als Nationalpark unterliegt die

Calanque nun be sonderen, sehr strengen

Schutz vor schrif ten (sie he hierzu auch

rechts die Sicherheitshinweise).

Zahlreiche Wanderwege durchziehen

die Calanques, u. a. kann man auf

dem rot-weiß markierten GR 98-51

von Marseille bis nach Cassis wandern

(siehe Seite 108). Es gibt viele verschiedenartige

Rou ten und Schwierigkeits -

stufen. Aller dings wird man hier, wegen

der sehr gerölligen Wege und vielen, teils

hohen Stufen im Kalkstein, keine einfachen

Wege finden. Auf den folgenden

Seiten sind fast alle Wanderungen als

mittelschwer klassifiziert. Diese Touren

beinhalten die ein oder andere schwierigere

Passage, stellen aber keine überdurchschnittlichen

Ansprüche an Kon dit -

ion oder Schwindelfreiheit. Es wurde auf

Wege mit besonderen Ge fah ren, wie ausgesetzten

Stellen oder Klet terpas sa gen,

fast ganz verzichtet. Ledig lich Tour 8,

Seite 98, enthält solche Weg abschnitte

und ist nur für sehr erfahrene Wanderer

ge eignet. In der Calan ques gibt es noch

un zählige Wege mit derartigen Schwie -

rig kei ten. Also, etwas Vor sicht, wenn

man auf eigene Faust losgeht, auch

auf gut markierten Wegen kommen oft

un er wartet schlecht oder gar nicht gesicherte

Passagen.

Sicherheitshinweise

von der Website des Deutschen

Generalkonsulats Marseille:

600

Da von Juli bis September große Wald Laval -

400

brandgefahr besteht,

200

Pont empfiehlt du Gua es

m

800



Tour de Brison, 781 m

sich am Abend nach 18 Uhr unter der

Nummer 08 11 20 13 13 (0,06 € aus

dem französischen Festnetz) anzurufen,

um die aktuellen Sper rung en zu

erfragen. Die aktuellen Re gelungen

sind unter dieser Tele fon nummer in

ver schiedenen Spra chen abrufbar.

Teilweise werden die Wege ganz

gesperrt oder nur von 6 bis 11 Uhr

vormittags geöffnet. Wird man zu

einem späteren Zeit punkt dort von

der Polizei aufgefunden, so kann dies

eine hohe Geld strafe von über 100 €

zur Folge haben. Auch zum Wohl

Ihrer eigenen Sicherheit em pfeh len

wir, den Re gelungen der örtlichen

Behörden stets Folge zu leisten.

Bevor man sich auf den Weg macht,

sollte man außerdem die Wander -

route festlegen und die Ausrüstung

an Strecke und Dauer der Wanderung

anpassen.

Die Wanderungen sind nicht zu

unterschätzen: Die Wege sind steinig,

im Sommer wird es sehr heiß

und trocken und der Wind bläst

oft stark. Es empfiehlt sich daher

dringend, sich entsprechend auszurüsten:

Rucksack, Wan der schuhe, Schutz -

kleidung gegen Käl te, Wind und

Regen, falls das Wetter umschlägt.

Zudem sollte man unbedingt ausreichend

Wasser (mindestens 1,5 Liter/

Person), Proviant, einen Hut, Son -

nen brille und Sonnencreme mitnehmen.

Vorsicht ist an Geröll hängen

geboten, da dort Absturz gefahr be -

stehen kann.


1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 km

Tipp: Kostenlose App u. a. mit aktuellen

Berichten zu Sperrungen von Wander -

wegen: MyProvence Balade (im App-

Store oder Google-Play-Store).

95


Tour 7 Fischerdorf Les Goudes und Callelongue

D

er malerische Ort Les Goudes mit seinen

Fischerbooten und den für die Region

typischen Cabanons (kleine bunt

bemalte Hütten am Meer) ist der ideale Aus -

gangs punkt zur Erkundung der Calanques.

Von der Metrostation Castellane mit

dem Bus 19 bis zur Endstation La Ma -

dra gue de Montredon. Von dort mit Bus 20

Rich tung Callelongue, an der Bushaltestelle

Les Gou des oberhalb des Hafens aussteigen.

Von hier die Straße Richtung Ortsmitte, vorbei

an einem „Tabac“ und einer „Épicerie“ (Le bens -

mit tel laden) nehmen. In die nächs te Straße

nach rechts Richtung Cap Croi sette einbiegen

und geradeaus an Ab zwei gen und meh -

reren Restau rants

1 Einkehrmöglichkeiten vorbei. Man um -

run det den Hafen und folgt am Ende des

Hafen beckens der Aus schilderung „Cap Croi -

sette“ nach links. Bereits hier hat man tolle

Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln, links

die große Île Maire und geradeaus die kleinere

Île Ti bou len. Wenn die Straße endet, geht

ge rade aus ein Pfad weiter zum Res tau rant La

96

Baie des Singes („au bout du monde -- am

Ende der Welt“, Anfang April bis Ende Ok -

tober geöffnet, Telefon 04 91 73 68 87). Kurz

bevor man das Restaurant erreicht, geht nach

rechts ein schmaler, etwas schwieriger zu lauf -

ender Pfad ab (ausgeschildert zum Tauch- und

See kajak-Veranstalter UCPA). Hier gelangt

man zum „Cap Croisette“ mit herrlichen Fern -

bli cken auf Marseille. Auf

dem Hinweg geht es zu -

2 Fernblicke

rück, bis man in Les Gou -

des wieder die Küs ten -

straße er reicht, der man

nach rechts Rich tung

Port de Calle lon gue

folgt. Dort geht es ge -

radeaus in den Ort, am

Restaurant La Grotte

und an den dann folgenden

Cabanons entlang.

Am Ende der Straße biegt

nach links der weiß-rot


mar kierte GR 98-

51 ab. Bald teilt

sich der Weg und

man geht nach

links leicht, später

kräftig aufwärts.

Der Weg teilt sich

erneut und man

nimmt den scharf

rechts an steigen -

den Pfad. An ei -

nem Ab zweig vorbei

bis zu einer

Weggabelung. Hier

den Weg nach

rechts gehen und

3

auch an Ab zwei -

gen mit gel ber

Mar kierung vorbei

weiter ge rade aus.

Am nächs ten Ab -

zweig rechts halten.

Man erreicht 2

eine Fels nase, hier

1

biegt der GR 98-51

scharf nach rechts

im Fels steil aufwärts

ab (markiert

als „Pas Édgard

Garrigue“). Wenn

man sich diese Pas -

sage zutraut, kann man dem GR weiter

3 GR 98-51 verlassen

folgen. An sons ten dem mit schwar zen

Punk ten markierten Pfad fast ge rade aus auf einer Höhe folgen

(nicht den Weg abwärts nehmen). An einem Abzweig vorbei weiter

nach rechts leicht ansteigen. Auf der Höhe kommt ein Pfad hinzu,

man hält sich aber geradeaus und dann nach links Richtung

Ancienne Batterie de l’Esca lette, eine 1864 erbaute und 1910

moder ni sierte Bunk er- und Fes tungs anlage. Hier nach rechts oberhalb

ent lang und nach rechts abwärts um die Anlage herum. Nach

dem Kasernengebäude mit den vergitterten Fens tern nach links und

den Weg abwärts nehmen.

Mit Blick auf die ehemalige

Blei fabrik und Res ten von

Abraum halden geht der Weg

nun hinunter zur Straße. Ein

Stück nach rechts gegenüber

des kleinen Ha fens und der

Pizze ria Le Petit Port (Tele-

fon 04 91 72 20 00) befindet

sich die Hal te stelle der

Linie 20. Wenn einem

die Warte zeit zu lang wird,

kann man auch entlang der

Straße (gestrichelt eingezeich -

net) zurück zur Bus halte stelle

der Linie 19 gehen.

97

2,5 Stunden

8,6 km l 200 HM

150 m

100 m

50 m

0 m

1 2 3 4 5 6 7 8 km

Schwierigkeitsgrad

Mittelschwer, der GR

bei Punkt 3 schwer!

Ab L’Escalette teilweise

sehr schmale Küstenstraße.

Wegmarkierung

Von Callelongue

bis Punkt 3

weiß-rot als GR,

ab dort mit schwarzen

Punkten mar kiert.

Wanderkarte

IGN 82011 Les Calanques de

Marseille à Cassis, topografische

Wanderkarte 1:15 000

ISBN: 978-2758511564

Einkehr

Batterie de l`Escalette

L’Auberge du Corsaire

Chez Paul

Les Goudes

35 Rue Désiré Pellaprat

13008 Marseille

Telefon 04 91 73 19 26

Frischer kann Fisch nicht

sein, wunderbares

Restaurant direkt am Hafen.

Mehrere weitere

Restaurants in Les Goudes.

La Grotte

1 Avenue des Pebrons

Calanques de Callelongue

13008 Marseille

Telefon 04 91 73 17 79

Einziges Restaurant in Calle -

longue, täglich geöffnet.


Tour 12 GR 98-51 von Marseille nach Cassis

E

ine großartige Küstenwanderung auf

sehr gut markiertem Weg. Daher be -

schränke ich mich hier auf die „Eckda ten“

und verzichte auf eine Detailbeschrei bung. Eine

aktuelle Karte sollte man aber auf jeden Fall

dabei haben, da der Verlauf des GR 98-51 vor

15 Jahren geändert wurde. Frü her wan derte

man noch direkt an den Calan ques Sormiou

und Morgiou entlang. Diesen Weg hat man

aber aus gutem Grund „entschärft“, da nach

der Calanque de Mor giou, auf dem früheren

Verlauf entlang der Küste, ungesicherte Ab -

schnitte mit ausgesetzten Stellen zu bewältigen

waren. Schwierigkeiten, die man auf einem

Grande Randonneé nicht vermuten würde.

Von der Metrostation Castellane mit

dem Bus 19 bis Endstation La Madrague

de Montredon. Von der Bushaltestelle einige

hun dert Meter die Straße nach rechts aufwärts

Richtung Les Goudes gehen. Auf der linken

Seite startet dann, deutlich mit Wegweisern ge -

kennzeichnet, der weiß-rot markierte GR 98-

51. Bis Cal lelongue geht es nun über den Sen -

tier du Président, so benannt zu Ehren von

1

108


Antoine Péllicé, 1911-- 1940 Präsiden t

des Marseiller Wan der ver eins. Es folgt

1 Kletterstelle

der nur mit

etwas Klet -

tern zu über win dende Pas Édgard

Gar rigue. Eine Karte und weitere

Infos zum Weg bis Calle lon gue findet

man bei Tour 7. Weiter zur Calan que

de Mar seil le veyre kann man der

Tour 9 folgen. Jetzt geht es noch

knapp 2 km an der Küste entlang, be -

vor der GR langsam ins Landes in nere

ansteigt. Beim Col des Bau mettes

stößt man auf die erste „Ausstiegs -

mög lich keit“. Nach links kann

man hier in 1 km den Bus 22

erreichen (siehe Tour 10). Oder man

hängt noch die wunderschöne Wan -

der ung zur Ca lan que de Sor miou an.

Wenn man dem GR weiter folgt, ge -

langt man nach 3,5 km zu ein em breiteren

Weg, der nach links zum

Bus 21 in Luminy ab geht, siehe

Tour 11. Von Ma drague bis Lu miny

sind es ca. 16 km. Ab jetzt folgen bis

Cassis die kräftigsten Aufstiege der

Strecke bis auf über 400 m Höhe. Man

wird mit fantastischen Ausblicken und

atemberaubenden Steilküsten be -

lohnt. Der Weg geht auf 14 km bis

Cassis mit viel Auf- und Ab, aber nie

wirklich gefährlich, nah an den Klip -

pen entlang. Etwa 4 km vor Cassis er -

reicht man die Tour 13 und wandert

entlang der Calan ques de Port-

Pin und Port-Miou nach Cassis.

2

1--2-Tagestour

29 km l 1210 HM

600 m

400 m

200 m

0 m

Col des

Baumettes


5 10 15 20 25 km

Schwierigkeitsgrad

(Mittel)schwer, als

Ein ta ges tour wegen der

Länge schwer!

Allerbeste Kondition und

Trittsicherheit erforderlich.

Mehrere, aber eher

leichte Kletterpartien.

Genug Trinkwasser und

Windjacke zum Schutz vor

dem Mistral mitnehmen.

Wegmarkierung

Durchgängig sehr

gut weiß-rot als

GR 98-51 markiert.

Wanderkarte

IGN 82011 Les Calanques de

Marseille à Cassis, topografische

Wanderkarte 1:15 000

ISBN: 978-2758511564

Einkehr/Unterkunft

Übernachten im Zelt ist

nicht erlaubt, biwakieren

wird normal aber geduldet.

Offenes Feuer ist streng verboten.

2

Auberge de Jeunesse,

Jugendherberge außerhalb

von Cassis, ca. 1,5 km vom

GR entfernt.

La Fontasse, 13260 Cassis

Telefon 04 42 01 02 72.

Öko-Herberge in toller Lage.

Geo.fr schreibt: „une des

plus originales de France“.

Restaurant La Grotte

1 Avenue des Pebrons

Calanques de Callelongue

Telefon 04 91 73 17 79

Täglich geöffnet.

Restaurant Chez le

Belge

Calanque de Marseilleveyre

Fr. bis Mo. geöffnet.

Restaurants und Hotel

in Cassis siehe Tour 13.


Col de la

Candelle

109


Cassis und La Ciotat


Zwei romantische Fischerorte an

Frankreichs höchster Steilküste

E

112

twa 20 km von

Mar seille entfernt

liegt das kleine Ha -

fen städtchen Cassis, ma -

lerisch eingerahmt von

Frankreichs höchster Steil -

küste und den traum haf -

ten Felsen buch ten der

Calanques. Vermut lich

war die Region be reits

in prähistorischer Zeit

besiedelt. Im römischen

Reich gehörte das Ge -

biet zur Provinz Gallia

Nar bonensis. Im Mittel -

al ter befand sich Cassis

auf der erhöhten Stel le,

wo heute die Burg ist.

Auf Grund von Barba -

ren überfällen flüch tete

sich die Be völkerung

hierher. Die Altstadt

wur de im 18. Jahr hun -

Der kleine Stadtstrand von Cassis mit traumhaftem Blick

auf Frankreichs höchste Steilküste Cap Canaille und die

Falaises Soubeyrannes (394 Meter).

Cassis lebt heute vom Tourismus, aber der Hafen versprüht

immer noch den Charme eines Fischerdorfs.

dert am Hafen erbaut und

die befestigte Siedlung

auf dem Hügel aufgegeben.

Heute lebt der Ort

vorwiegend vom Touris -

mus und etwas Weinan -

bau. Das Wein anbauge -

biet be steht bereits seit

dem 12. Jahrhundert und

be kam 1936 als erste Re -

gion der Provence die

Her kunfts be zeich nung Ap -

pel la tion d'origine con -

trôlée (AOC) verliehen.

Auf 196 Hek tar werden

vorwiegend trockene

Weiß weine aus den Reb -

sorten Clairette Blanche

und Marsanne Blanche

angebaut.

Der Name „Cassis” entstand

aus dem römischen

„Carsici” (und hat nichts


mit dem gleichnamigen Likör

aus schwarzen Johannis bee -

ren zu tun, der die Grund la ge

des Aperitifs „Kir” bildet).

Auf der Halbinsel Port-Miou

befindet sich der naturkund -

liche Lehrpfad Sentier du

Petit Prince zur Erinnerung

an Antoine de Saint-Exu -

péry. Man vermutet, dass das

Flugzeug des Schriftstellers

1944 auf dem offenen Meer

zwischen Cassis und Marseille

abgeschossen wurde.

V

on Cassis nach La Ciotat

führt die Corniche des

Crêtes, eine Panorama -

straße mit fantastischen Aus -

blicken von den Steilklippen

auf das tief unten liegende

Meer (siehe Seite 116).

La Ciotat ist mit fast 40 000

Einwohnern der größte Ort

zwischen Toulon und Mar seil le.

Anders als das deutlich kleinere Cassis (7000

Einwoh ner) war La Ciotat ein bedeutender

Industriestandort. So wurde hier z. B. 1889 das

6376 BRT große Dampfschiff Aus tralien auf

der Werft Chantiers Navals gebaut. Die Krise

der Werftindus trie hat La Ciotat schwer ge -

troffen, aber langsam gelingt die Um stellung

zu einer touristisch gut besuchten Region. Der

große Hafen zeigt den Wandel: im Vorder -

grund die bunten Fischer boote (siehe Foto

Seiten 110/111), im Hintergrund die großen

Kräne zum Be- und Entladen von Schiffen.

Neben der Steilküste hat La Ciotat an der

Westküste auch lange Sandstrände zu bieten.

Und man kann die Anfänge des Kinos entdecken:

Die Brüder Lumière drehten in La Ciotat

1896 einen der ersten Filme überhaupt: „An-

kunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La

Ciotat”. Im Eden-Théâtre zeigten die Kino-

Erfinder dann ihre Filme. Das älteste noch er -

800

600

400

200

m



Pont du Gua

Tour de Brison, 781 m


Laval

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 km

Das erste Pétanque-Spiel der Geschichte

fand im Jahre 1907 in La Ciotat statt.

Davor spielte man das Boulespiel „à la

longue”, die Kugeln wurden nach drei

Laufschritten geworfen. Aber der gute

und leidenschaftliche Spieler Jules aus La

Ciotat, genannt „le Noir”, litt unter starkem

Rheuma und konnte die drei Schritte

Anlauf nicht mehr nehmen. So erfand er

eine Variante, bei der die Kugel ohne

Anlauf aus dem Stand mit geschlossenen

Füßen geworfen wird. Davon leitet sich

der Name Pétanque ab. Auf Französisch

heißen „geschlossene/sich tangierende

Füße” „pieds tanqués”, auf provenzalisch

„ped tanco”. 1910 wird, nach einigen

Regeldiskussionen, der erste offizielle

Wettbewerb durchgeführt.

hal tene Kino der Welt wurde nach langer

Schlie ßung für sechs Millionen Euro aufwändig

restaurier t und zum Kulturhaupt stadt jahr

2013 wieder er öffnet.

Petite pause

Restaurant, Brasserie, Pizzeria Le Bistro

8 Avenue Ganteaume

13260 Cassis

Telefon 04 42 01 07 59

Auf der rechten Seite ganz am Ende des Hafenbeckens von

Cassis gelegen, mit schönem Blick auf den Leuchturm. Das

Bistro hebt sich von der Masse der teils sehr mittelmäßigen

und teuren Restaurants entlang des Hafens positiv ab.

113


Tour 14 Cap Canaille, von La Ciotat nach Cassis

A

temberaubend -- mit vielen sensationellen

Ausblicken geht es entlang der

höchsten Steilklippe Frankreichs.

Mit dem Zug ab Bahnhof Marseille St. Char -

les Richtung Toulon (siehe Seite 15).

du Bec de l'Aigle, ei ne Sig nal sta tion, die zur

Zeit Napole ons erstmals genutzt wurde. Nach

rechts geht man vorbei an einer Orien -

tierungstafel und dann zur Straße. Nach 100 m

kreuzt der Wanderweg die Straße. Nach rechts

Cap Canaille und die Falaises Soubeyrannes, mit 394 Metern Frankreichs höchste Steilküste und eine der höchsten Europas.

Vom Bahnhof La Ciotat geht ein Zu -

bring erbus zum Hafen Vieux Port. Von

dort mit dem Bus Linie 30 (Abfahrt ca. einmal

pro Stunde) bis zur End halte stelle La Garde.

Von der Bushaltestelle geht man ein Stück zu -

rück, in einer Rechtskurve an einem Ab zweig

vorbei. An der nächsten Querstraße links aufwärts

die Straße Chemin du Séma phore

neh men. Zwischen den Häusern hindurch, auch

an abzweigenden Pfaden vorbei, ge radeaus an -

steigen. Ab hier der gelben Mar kierung folgen.

Nach 1 km geht nach links ein Fahrweg

ab, hier nach rechts kräftig an stei gen. Nach

150 m verlässt man die Straße und geht nach

links auf einen schmalen Pfad, hier deut lich

gelb markiert. Der Weg zieht sich wun der -

schön aufwärts, auf halber Höhe folgt ein

Abzweig scharf nach links, den man, zu -

nächst leicht abwärts, dann wieder aufwärts

nimmt. Bald hat man fantastische Aus blicke

auf den Hafen von La Ciotat mit seinen großen

Schiffskränen und den Bec de l’Aigle, einem

markanten Berg in Form eines Adler schnabels.

Man erreicht auf 313 m Höhe Le Sé ma phore

116

geht es zurück nach La Ciotat, nach links, ausgeschildert

mit Cassis, 2 Stunden geht es

nun weiter, ab hier ein Stück gelb-rot markiert.

Bald biegt der rot markierte Weg nach

links ab, man folgt aber geradeaus der gelben

Markierung. Am nächs ten Abzweig den Weg

nach rechts aufwärts nehmen. Man erreicht

einen Querweg und geht nach links und am

nächsten Quer weg wieder links aufwärts. Man

gelangt mit tollen Fernblicken auf die Höhe


3,5 Stunden

11 km l 548 HM

400 m

Belvédère des Callanques


200 m

0 m

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 km

Cap Canille

Schwierigkeitsgrad

Mittelschwer

Falaises Soubeyrannes

An der Steilküste vor

allem mit Kindern sehr vorsichtig

sein, durchweg keine

Sicherungen!

und geht hinunter zu einem mit Geländer gesicherten Aussichts -

punkt an der Panoramastraße Route des Crêtes. Am Ende des

Gelän ders im Fels recht steil abwärts ge hen. Oberhalb der Straße

entlang und an einem Abzweig nach links wei ter geradeaus

gehen. Der Weg führt jetzt noch zweimal mit auf und ab an die

Straße heran, bis man den Parkplatz oberhalb des Cap Canaille er -

reicht. Von hier mit beeindruck en den Blicken (Foto links unten) aufwärts

zum Bel ve dère des Callanq ues. An der Steil klippe entlang,

bis der gelb mar kierte Weg

nach scharf rechts abbiegt

(geradeaus kann man noch

etwas im Steilfelsen an steigen).

80 m weiter vor einem Zaun

scharf links auf einen schmaleren

Pfad abbiegen und hoch zu

einem breiteren Fahrweg

gehen. Diesen nach links nehmen

und nach knapp 1 km er -

reicht man die Straße nach

Cassis, der man nun nach links

abwärts folgt. Das letzte Stück

nach Cassis geht man auf dem

weiß-rot markierten GR 98-

51. Nach 500 m geht nach links

die Avenue du Reves tel ab,

der man an Ab zweigen vorbei

bis nach Cassis hinein folgt. Am

Kreis verkehr geht es nach links

zum Hafen oder nach rechts

zur Bus haltestelle der

Linie M8.

117

Wegmarkierung

Keine durchgehende

Markie -

rung, überwiegend

gelb markiert.

Wanderkarte

3245 ET

AUBAGNE/LA CIOTAT/MASSIF

DE LA SAINTE-BAUME

Topografische Wanderkarte

Frankreich, 1:25 000 -- GPS

EAN/ISBN: 3282113245524

Einkehr

Entlang des Hafenbeckens

von La Ciotat jede Menge

nette Restaurants, Cafés

und Bars.

Restaurant, Brasserie,

Pizzeria Le Bistro

8 Avenue Ganteaume

13260 Cassis

Telefon 04 42 01 07 59

Übernachtung

Hotel Le Cassiden

7 Avenue Victor Hugo

13260 Cassis

Telefon 04 42 01 72 13

Kleines nettes Hotel, sehr

zentral gelegen.

Auberge de Jeunesse,

La Fontasse, 13260 Cassis

Telefon 04 42 01 02 72.


Côte Bleue

Alte Schmugglerpfade,

Eisenbahnviadukte und türkis farbenes

Wasser -- westlich von Marseille

liegt die vom Tourismus noch

kaum entdeckte blaue Küste

Frankreichs.


Tour 15 Wilder Küstenpfad entlang der Côte Bleue

W

underschöner alter Zollpfad entlang

der Küstenlinie mit weiten Blick en auf

Marseille und die Calanques.

Vom Bahnhof St. Charles mit „Le Train

de la Côte Bleue“ Richtung Miramas

(Zuglinie Nr. 7) bis Ensuès-la-Redonne. Schon

die halbstündige Anfahrt ist ein Erlebnis.

Vom Bahnhof startet man nach rechts die Straße

abwärts. Es geht unterhalb des Eisen bahn via -

dukts hindurch bis zu einem Wander wegweiser.

Man folgt der Ausschilderung Méjean 50

Min. nach links zum Hafen. Am Hafenbecken

entlang und nach rechts in die Sack gasse, wieder

Richtung Méjean ausge schil dert geht es

nun steil nach oben. Auf der Höhe mit tollen

Ausblicken folgt man der Straße nach links. Am

Ende der Straße geht man geradeaus auf dem

schmalen Pfad weiter. Es geht ein Stück unterhalb

der Häuser entlang und dann nach rechts

über Treppenstufen abwärts. In einer kleinen

Bucht erreicht man eine Betonrampe, hier ein

kurzes Stück nach links und dann den zunächst

etwas unscheinbaren Pfad nach rechts ansteigen

und an der Küste ca. 600 m entlanggehen. Man

erreicht eine Straße, der man nun nach links

folgt (der weitere Weg an der Küste ist leider

durch Steinschlag blockiert). Man erreicht die

Straße entlang der Bahnlinie und geht diese

nach rechts. Dem Straßenverlauf an einem Ab -

zweig vorbei folgen. Nach einer Rechtskurve

120


1

nach links abbiegen und noch um Kur -

ven herum ca. 500 m bis nach unten

zum Hafenbecken von Grand Méjean

gehen. Hier geht es am Hafen entlang,

vorbei an einer Stra ßen einmündung.

Direkt da nach geht nach links der Weg

ausgeschildert Niolon ab. Man folgt

nun, mit traumhaften Ausblicken 2 km

dem hier sehr gut gesicherten Küsten -

pfad. Über eine Brücke geht es dann

über die Eisenbahnlinie und einige

hun dert Meter an ihr entlang. Ober -

halb eines Taleinschnittes geht der Weg

nach rechts ziemlich schmal und steil

1 Tunnelpassage

hinunter.

Sicherer ist

es nach links den ca. 50 m langen Tun -

nel zu nehmen (danach kann man nach

links aufwärts und später nach rechts

den etwas schwierigeren Teil dieser

Wan der ung mit Anschluss zur Tour 17

umgehen). Weiter aber nach rechts

abwärts gelangt man zur wundervollen

Badebucht Calanque de l’Érevine.

Der Weg

2 Ausgesetzte Stellen

führt ab

hier 2,5 km (blaue Markierung) ungesichert

und gelegentlich recht nah an

der Steilküste entlang bis Nio lon. Vor -

bei am Via dukt (Foto rechts), dann

nach rechts er reicht man wieder eine

Straße. Die se führt geradeaus, am Ab -

zweig zum Hafen vorbei, zum Bahn hof

von Niolon. Die Züge zurück nach Mar -

seille fahren etwa alle zwei Stun -

den.

2

121

3,5 Stunden

8,2 km l 310 HM

90 m

60 m

30 m

0 m


Méjean

1 2 3 4 5 6 7 km

Schwierigkeitsgrad

Schwer

Bis Punkt 2 nur mittelschwer

(gut gesicherte

Wege, siehe Foto links), ab

dort keine Sicherungen

mehr, einige ausgesetzte

Stellen und leichte

Kletterpartien.

Ab Punkt 2 absolute

Trittsicherheit und Schwin -

del freiheit erforderlich!

Wegmarkierung

Keine durchgängige

Markierung, anfangs gelb,

später blau markiert,

meist ist der Weg aber gut

zu finden.

Wanderkarte

3144OT ÉTANG-DE-BERRE

Topographische

Wanderkarte IGN 1:25.000

EAN/ISBN: 9782758518372

und

3145ET MARSEILLE

Topographische

Wanderkarte IGN 1:25.000

EAN/ISBN: 9782758518389

Einkehr

Le Mange Tout

8 Chemin du Tire Cul

13820 Ensuès-la-Redonne

Telefon 04 42 45 91 68

Nach 3 km Wanderung in

Grand Méjean gelegen.

L’Ancre

2 Chemin du Port

Calanque de Niolon

13740 Le Rove

Telefon 09 83 09 97 58

Restaurant La Pergola

13 Chemin de la Pergola

Calanque de Niolon

13740 Le Rove

Telefon 09 83 09 97 58

Große schattige Terrasse

direkt am Hafen von Niolon.


Ulrich Fuchs

Marseille

ein Modell für Europa?

Gastbeitrag von Ulrich Fuchs,

Programmdirektor Marseille-Provence 2013

Wenn eine Reisegruppe im Mai 2017 am

Flughafen Marseille landet, um die Pro -

vence zu besuchen und aus „Bedenken

we gen der Sicherheit“ einen weiten Bo -

gen um die zweitgrößte Stadt Frank -

reichs macht, dann kann man das als

Ausdruck provinzieller Borniertheit se -

hen. Es macht aber zugleich deutlich,

dass Klischees in den Köpfen der Men -

schen sehr langlebig sind und dass sich

veränderte Realitäten nur sehr gemächlich

im Alltagsbewusstsein niederschlagen.

Denn natürlich ist Marseille nicht

we niger „sicher“ als eine andere vergleichbare

europäische Metropole zwischen

Wien und Brüssel – zugegebenermaßen

ist vielleicht etwas mehr Acht -

samkeit im Alltag erforderlich als in

Klagenfurt oder Schwäbisch-Gmünd.

Aber welch eine Vergeudung, Marseille

links liegen zu lassen, gibt es doch von

Berlin abgesehen kaum eine andere

Stadt in Europa, die sich in den letzten

zehn bis fünfzehn Jahren so grundlegend

und so positiv verändert hat! Das hat sich

bis zur „New York Times“ herumgesprochen,

die Marseille zur „secret capital of

France“ erklärt hat. Der Weg aus der

Krise der 80er und 90er Jahre des letzten

Jahrhunderts war allerdings lang und

steinig. Wie kaum einer anderen Stadt

Frankreichs machte der Hafenstadt zu -

nächst das abrupte Ende der französischen

Kolonialherrschaft über Nordafrika

und die damit verbundene Einwan -

derung der „pieds noirs“ zu schaffen.

Hinzu kam wie überall in Europa der

130

Bedeutungsverlust der Hafenwirtschaft

als Folge der Ölkrise der 90er Jahre.

Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft, politischer

Klientelismus taten ein Übriges.

Erst als die französische Regierung mit

dem Projekt „Euroméditerranée“ milliardenschwere

Investitionen in die urbane

Erneuerung brachliegender Hafengebiete

und maroder Stadtviertel beschloss, be -

gann die Wende. Ein Meilenstein auf diesem

Weg zu einer attraktiven Stadt am

Mittelmeer war das Jahr 2013, als Mar -

seille und die nähere Region „Kultur -

haupt stadt Europas“ waren. 680 Millio -

nen Euro wurden im Vorfeld in die kulturelle

Infrastruktur investiert, weitere

Maßnahmen zur Wiedergewinnung des

öffentlichen Raums für die Bevölkerung

und die Besucher der Stadt kamen hinzu.

Ein ganzes Jahr lang bot „Marseille-Pro -

vence 2013“ ein attraktives Kulturpro -

gramm, welches das lokale, nationale

und internationale Publikum begeisterte.

Neben den Zahlen belegen die Reaktio -

nen der Marseiller und der (inter)nationalen

Gäste den nicht zu leugnenden

Erfolg dieses Projekts. Seit 2013 ist nicht

mehr nur die Provence, sondern auch ihre

größte Stadt eine kulturtouristische Des -

tination ersten Ranges in Europa. Das erste

nationale Museum Frankreichs außerhalb

von Paris – das MuCEM („Musée des Civili -

sations de l’Europe et de la Méditer -

ranée“) zieht nicht nur aufgrund seines

Programms, sondern auch wegen der einzigartigen

Architektur Hunderttausende

von Besuchern an. Das Kulturhauptstadt -


Marseille – ein Modell für Europa?

jahr hat zugleich etwas in den Köpfen

der Marseiller bewegt und vielleicht ist

das sogar noch wichtiger als alle Statis -

tiken. Seit 2013 sind die Marseiller (wieder)

stolz auf ihre Stadt und sich ihrer

Stärke und Qualität bewusst, die unter

anderem darin besteht, dass Fremde und

Neuankömmlinge hier willkommen sind.

Marseille accueille le monde!“ – Mar -

seille heißt die Welt willkommen! Diese

Maxime gilt seit 2 600 Jahren, als die einheimische

Prinzessin Gyptis den Fremd -

ling Protis als ihren Lebenspartner nahm.

In dieser Tradition entstand in Marseille

ein Kosmopolitismus, der für Europa heu -

te ein Modell sein könnte – in einer Zeit,

Stadt und Region auf den Weg machen,

um Marseille langfristig zu einer Top-

Destination zu machen? Zunächst sah es

nicht gut aus. Der Kommunalwahlkampf

und sich daran anschließende Regional -

wah len, die bereits am Ende des Kultur -

hauptstadtjahres Planungen mit den

politisch Verantwortlichen schwierig ge -

macht hatten, dominierten das politische

Geschehen. Ähnlich wie anlässlich der Be -

werbung ging die Initiative zur nachhaltigen

Sicherung des Erreichten von einem

Bündnis der Kulturszene mit den Unter -

nehmen und der Wirtschaftskammer aus

und die Politik stimmte letztlich mit Ver -

zögerung zu. Nun zeichnen sich aber die

„Welch eine Vergeudung, Marseille

links liegen zu lassen.“

in der Fremdenfeindlichkeit und Provinzi -

a lität in vielen Ländern an Boden gewinnen.

Kaum ein Marseiller, der nicht mit

Selbstverständlichkeit oder gar Stolz auf

seine Wurzeln als Italiener, Spanier, Al -

gerier, Marokkaner oder Komore hinweist.

Ohne Zweifel hat die Stadt auch

weiterhin riesige Probleme, aber diese

haben kaum mit der „mixité“ ihrer Be -

völkerungsstruktur zu tun, sie sind vielmehr

der sozialen Kluft zwischen arm

und reich und damit der Ungleichheit der

Lebensverhältnisse in den entsprechenden

Stadtteilen geschuldet. An diesem

Befund hat auch das Kulturhauptstadt -

jahr nichts verändern können, wenn auch

die Teilhabe am kulturellen Geschehen

durch Marseille-Provence 2013 eindeutig

verbessert wurde.

Wie bei vielen großen Sport- oder Kultur -

projekten stellte sich nach dem Ereignis

die Frage der Nachhaltigkeit. Würde es

gelingen, das einjährige Gastspiel in der

Champions League der europäischen

Städte zu verstetigen und würden sich

nächsten Etappen ab, mit denen die neu

geschaffene Metropolregion Aix-Mar seille

auch kulturell das Erreichte sichern will.

2018 wird es zwischen Februar und Sep -

tember zu einem „revival“ des Kultur -

haupt stadtjahres kommen – Dank einer

Finanzierung, die sich aus dem Überschuss

von MP 2013, öffentlichen Geldern

und zahlreichen privaten Sponsoren zu -

sammensetzt.

2020 ist Marseille auf Zürich und Pa -

lermo folgend Austragungsort der MANI -

FESTA 13 – einer hochkarätigen zeitgenössischen

Kunst-Biennale.

Und wenn im September 2017 das IOC

Paris für die Olympischen Sommerspiele

2024 der amerikanischen Mitbewerber -

stadt Los Angeles vorzieht, wird Marseille

die Schwimm- und Segelwettbewerbe

ausrichten – begleitet von zahlreichen

kulturellen Veranstaltungen.

Spätestens dann wird auch die eingangs

erwähnte Reisegruppe bereuen, dass sie

Marseille „gesnobt“ hat!

131


Register

Register

Abbaye Saint Victor 32, 33

Adamo, Jean 44

Alcazar 65

Allio, René 128

Alter Hafen 21, 24, 25

Altes Villenviertel 26 -- 33

Andrack, Manuel 34 -- 39

Anislikör 75

Anreise 8, 9

Anse de la Fausse-Monnaie

28

AOC 112

App 95

Archäologie 20, 54

Archipel du Frioul 86-- 91

Ardèche 138

Arnim, Achim 89

atmosfair 9

Auberge de Jeunesse la

Fontasse 109, 115, 117

Auberge de Jeunesse Vertigo

40

Auberge du Merou 125

Au Bord de l’Eau 99

Au Cœur du Panier 52

Au Petit Nice 71

Ausgehviertel 70, 71

Ausrüstung 95, 140

Badestrände 76, 77

Bahnhof 8

Bar de la Marine 25

Bar des 13 Coins 55

Bar la Cara velle 51

Bars s. auch Restaurants

Bartholdi, Fredéric-Auguste

82

Basilika Notre Dame de la

Garde 16, 41, 42

Batterie de l’Escalette 97

Bec de l’Aigle 116

Belle de Mai 19, 67

Bellevue 51

Belsunce 65

Benjamin, Walter 19, 129

Bio-Produkte 33, 40, 78, 91

Blumenmarkt 50, 78

Boeri, Stefano 58

Bonelli-Adler 94, 95

Bonne Mère 41

Bootsfahrten 11, 25

Bouches-du-Rhône 4

Bouillabaisse 25, 132

134

Boulangerie Four des

Navettes 26

Boule 113

Bové, Charles 60

Braille, Louis 40

Braque, Georges 81

Brocante Greg & Co 26

Bücher 128, 129

Bureau des Guides du

GR 2013 36

Bus 9, 10 -- 15

Cabanons 3, 96, 100, 102

Café de l'Abbaye 26

Café La Samaritaine 21

Café l’Ecomotive 8

Cafés s. auch Restaurants

Calanque de Callelongue 96,

97, 100, 101

Calanque de Crine 91

Calanque d’En Vau 114, 115

Calanque de Port-Pin 109, 115

Calanque de Port-Miou 109,

114, 115

Calanque de l’Érevine 121

Calanque de la Mounine 101

Calanque de Marseilleveyre

100, 101, 109

Calanque de Morgiou 106,

107

Calanque de Morgiret 89

Calanque de Saint-Estève 88,

89

Calanque de Sormiou 102,

103, 109

Calanque des Eaux Salées 126

Calanque du Cap Rousset 127

Calanques 92 -- 109

Callelongue 96, 97, 100, 101,

109

Camargue 126

Canal de Marseille 82, 84

Canebière 65

Cantini, Jules 68

CaP.CULT 64 -- 67

Cap Canaille 112, 116, 117

Cap Caveaux 90, 91

Cap Croisette 96

Cap de Croix 88

Cap Morgiou 104

Carpita, Paul 128

Carry-le-Rouet 126, 127

Casa no Name 71

Cassis 15, 109, 110-- 117

Castaldi, Éric 60

Cäsar, Julius 18

Centre Bourse 20

Centre Régional de la

Méditerranée (CRM) 58

César 46, 47

Cézanne, Paul 80, 81

Chaplin, Charlie 85

Château Borély 46

Château de la Buzine 68

Château d`Îf 86, 87

Château Fallet 81

Château Pastré 84, 85, 99

Chemins de Grandes

Randonnées 34

Chemin des Peintres 81

Chevalier, Miguel 60

Chez Freddy 81

Chez Jeannot 31

Chez le Belge 100, 101, 109

Chez Magali 81

Chez Vincent 25

Chez-Ze 102, 103, 107

Chocolat du Panier 55

Cité Radieuse 48, 49

CMA-CGM 61, 66

CO 2 8, 9

Col de Escourtines 102

Col de la Gineste 15, 114

Col des Baumettes 103, 109

Comptoir Dugommier 72

Comptoir Longchamp 83

Corbusier 48, 49, 54

Corniche 26 -- 33

Corniche des Crêtes 113

Cosquer, Henri 104

Coste, Pascal 82

Côte Bleue 15, 118 -- 127

Cours Julien 70, 74

Croisières Marseille Calanques

20

Croix camarguaise 43

CSR-Tourism-certified 138

Dantès, Edmond 87

David (Michelangelo) 68

Delestre, Xavier 105

Der Graf von Monte Christo 87

Deportation 22, 23

Desplaces, Gustave 60

Digues de Berry 86, 89

Division 1 75

Docks de la Joliette 60, 66

Droit au But 75

Domaine de Luminy 106, 107

Dumas, Alexandre 87

Durance 82, 84

Dürer, Albrecht 87


Register

Ecoforum 9

Eden-Théâtre 113

Edikt von Nantes 86

Eglise Saint-Laurent 55

Eisenbahn 8, 15

Emergency Rescue

Com mittee 22, 129

Emigration 22, 23, 129

Ensuès-la-Redonne 120, 126,

127

Espace Julien 71

Espérandieu, Henri-Jacques

83

Esplanade J4 57, 66

Eurolines 9

Euromediterrannée 19, 61,

62, 63

Europäische Kulturhauptstadt

4, 19, 64, 130, 131

Façade Mari time 61, 62, 63

Fähre 11, 25, 89

Falaises 126, 127

Falaises Soubeyrannes 112,

116

Fauvismus 68, 81

Ferry Boat 11

Feuchtwanger, Lion 23, 28

Filmmuseum 68

Fischfarm 91

Fischlexikon 132, 133

Fischmarkt 24, 78

Fischsuppe 25

Fittko, Lisa 129

Fittko, Hans 129

Flughafen 9

Folon, Jean-Michel 46, 56

Fond Régional d`Art

Contemporain 60, 66, 68

Fontaine de Voire 98

Fort de Niolon 121, 124

Fort Ratonneau 88, 89

Fort Saint-Jean 18, 24, 65

Fort Saint-Nicolas 18, 24

Forum Anders Reisen

9, 138

Foster, Norman 16, 24

FRAC 60, 66, 68

Französisch 139

Fry, Varian M. 22, 129

Frings, Uli 138

Frioul If Express 25, 89

Frioul-Inseln 86-- 91

Friche la Belle de Mai 67, 69

Fuchs, Ulrich 130, 140

Führungen 49, 67, 74

Fußball 75

Gare St. Charles 8, 15

Gaudin, Jean-Claude 4

Gefängnisinsel 86, 87

Geschichte 18 -- 23

Golf von Marseille 80

GR 2013 34 -- 39

GR 98-51 95, 108, 109

Grande Méjean 121

Grande Randonnée 140

Griechen 18

Grotte Roland 84

Guédiguian, Robert 128

Gyptis 18

Hadid, Zaha 61, 66

Hafen 18, 19, 22, 23, 24, 25, 59

Haskil, Clara 85

Henri-Cosquer-Höhle 58, 104

Hip-Hop 75

Hippodrom 45

Höhlenmalereien 104, 105

Honnorat, Jean-François 82

Hôpital Caroline 88

Hotel Bellevue 51

Hôtel de Ville 50

Hôtel Dieu 50, 65

Hôtel Intercontinental 50

Hôtel Le Cassiden 115, 117

Hôtel Le Corbusier 49

Hôtel Péron 31

Hunde 10

IAM 53, 75

Île d’Îf 86, 87

Île Maire 96

Île Pomègues 86, 90, 91

Île Ratonneau 19, 88, 89

Îles du Frioul 86-- 91

Île Tiboulen 96

Impressionismus 81

Impressum 2

Inhaltsverzeichnis 3

Izzo, Jean-Claude 16, 52, 53,

100, 128, 129

J1 59, 66

J4 57, 66

Jardin Benedetti 32

Jardin Émie Duclaux 32

Jardin des Migrations 56

Jardin des Vestiges 20

Jardin du Pharo 32

Jardin Pierre Puget 40

Jardin Longchamp 67, 82

Jeanneret-Gris, Charles

Édouard 49

JR (Künstler) 30

Judenverfolgung 22, 23

Jugendherberge 40, 109, 115,

117

Kalkstein 115

Kanal von Marseille 82, 84

Kathedrale de la Major 59

Kino 113, 128

Kir 113

Klima 5

Kolonialreich 19

Konstantin (Kaiser) 18

Kreuzfahrer 60

Kubismus 68, 81

Kulturhauptstadt 4, 19, 64, 130

Kuma, Kengo 60, 66

Kurta, Carina 64 -- 67

L’Ancre 121, 122, 123, 125

L’Auberge du Corsaire 97

L’Eau Vive 42

L’Effet Clochette 50

L’Estaque 11, 80, 81

L’Huveaune 44

L’Oléas 71

L’Oliveraie 25

L’Oursinade 127

La Baie des Singes 96

La Cara velle 51

La Cathédrale de la Major 59

La Cayolle 98

La Ciotat 15, 110-- 113, 116,

117

La Clef Verte 51

La Corniche 26 -- 33

La Grillade 91

La Grotte 96, 97, 101, 109

La Grotte Cosquer 58, 104, 105

La Madrague de Montredon

96, 108

La Maison du Petit Canard 55

La Passarelle 33

La Pergola 121, 123, 125

La Plaine 70

La Provence 101

La Redonne 120, 126, 127

La Table à Deniz 25

La Tourette 65

La Tour CMA-CGM 61, 62, 66

La Ventre de l’Architecte 49

La Vesse 122, 123

La Vieille Charité 54, 65

La Vieille-Major 59

Lanaspeze, Baptiste 36

Le Bistro 113, 115

Le Carrefour 103, 107

Le Cassiden 115, 117

135


Register

Le Charité Café 54

Le Château 103

Le Corbusier 48, 49, 54

Le Débouché 73

Le Goût des Choses 71

Le Lunch 103

Le Mange Tout 121

Le Môle Passédat 59

Le Nautic Bar 107

Le Noir 113

Le Panier 50 -- 55, 65

Le Petit Port 97

Le Petit Nice Passedat 30

Le Port au Prince 71

Le Pouce 46, 47

Le Souk 25

Le Rouet 126, 127

Les Baumettes 102, 103, 106

Les Docks 60, 66

Les Goudes 96, 97

Les grandes Tables 73

Les Terrasses du Port 60, 66

Les Voûtes de la Major 59

Leydolt-Fuchs, Pia 64 -- 67

Liehr, Günter 128

Lisle, Claude Joseph

Rouget de 19

Longchamp Palace 72

Ludwig XIV. 18, 24, 56

Lumière 113

Luminy 106, 107

MAC 46, 69

Mairie 50, 65

Maison des Cinématogra phies

de la Méditerranée 68

Maison Diamantée 50, 65

Maison du Fada 49

Maison Empereur 73

Maisons à l Estaque 81

Malerei 80, 81

Malmousque 30

Marché aux Fleurs 50, 78

Marché aux Poissons 24, 78

Marché Biologique 78

Marché de Capucins 65, 78

Marché de la Plaine 78

Marché de Producteurs Bio

et Artisans 78

Marché du Cours Joseph

Thierry 78

Marché du Square Léon Blum

78

Marius, Fanny et César 25,

129

Märkte 24, 50, 65, 78, 79

Marseillaise 19

136

Marseille Provence

(Flughafen) 9

Marseilleveyre 98, 99

Massalia 18, 20

Massenia 85

Meeresfrüchte 133

Méjean 120, 121

Mertens, Hanna 52

Metro 10

Migranten 4, 19

Mistral 86

Modulor 49

Montale, Fabio 53, 55

Monte Christo 87

Montmirail, René Dufaure de

75

Mont Saint-Victoire 80

Montredon 84

Monument aux Morts de

l’Armée d’Orient 31

Morgiou 106, 107

Musée Cantini 68

MuCEM 56, 57, 58, 65, 69,

130

Musée d’Archéologie

Méditerranéenne 54, 68

Musée d’Arts Africains, Océan

iens et Amérindiens 54,

69

Musée d'Art Contemporain

(MAC) 46, 69

Musée de la Marine et de

l'Économie de Marseille 69

Musée des Arts décoratifs, de

la Faïence et de la Mode

46, 68, 85

Musée des Beaux Arts 67, 69,

83

Musée des Civilisations de

l’Europe et de la Méditerranée

(MuCEM) 56, 57, 58,

65, 69

Musée des Docks Romain 69

Musée d’Histoire de

Marseille 20, 21, 69

Musée Regards de Provence

59, 66, 68

Musée Santons Marcel

Carbonel 26, 69

Muséum d'histoire naturelle

83

Nann (König) 18

Nasser 71

Nationalhymne 19

Nationalsozialismus 19, 21,

22, 23

Navette maritime 11, 81

Navette (Gebäck) 26

Niolon 121 -- 125

Noailles 64

Nordstadt 75

Notre Dame de la Garde 16,

41, 42

Notrufnummern 140

Nouveaux Réalistes 46

Öffentliche Ver kehrs mittel

10 -- 15

Office de Tourisme 27

Öko-Fähre 11

Ökologie 8, 9

Okzitanisch 18

Olympique Marseille (OM)

75

Ombrière 16, 24, 64

Operation Dragoon 23

Orozco, Gabriel 46

PACA 4

Palais de la Bourse 69

Palais Longchamp 66, 67, 82,

83

Panier 50 -- 55, 65

Panisses 72, 73, 81

Panzer Jeanne d`Arc 40

Passerelle 56, 57, 65

Pastis 75

Pastré, Lily 85

Patisserie Plauchut 72

Péron 31

Pagnol, Marcel 25, 68, 128,

129

Parc Maritime des Îles du

Frioul 86

Parc national des Calanques

95

Park Borély 45, 46

Park Montredon 84

Park Valmer 28

Pas de la Demi-Lune 100

Pas Édgard Garrigue 97, 109

Péllicé, Antoine 108, 109

Perrot-Bishop, Annick 30

Pétanque 113

Petit Train de la Côte Bleue

15

Pied-noirs 19

PKW 9

Place de Lenche 55, 65

Plage 76, 77

Plateau Longchamp 82

Plus belle la Vie 53

Pointe Rouge 11, 76, 85


Register

Port de Callelongue 96

Port de la Vesse 122

Port du Pomègues 91

Port Frioul 86-- 91

Port-Miou 114, 115

Pouillon, Fernand 65

Pour que l’Esprit Vive 85

Protis 18

Provence-Alpes-Côte d`Azur

4

Psy 4 de la rime 75

Puget, Pierre 40, 54

Quai de la Joliette 20

Quarantäne 19, 86

Radio Grenouille 71

Rap 53, 75

Rathaus 50

Ratonneau 19

Reederei CMA-CGM 61

Reisezeit 5

Refuge du Piolet 115

Regards Café 59

Restaurants/Cafés/Bars

Auberge du Merou 125

Au Bord de l’Eau 99

Au Cœur du Panier 52

Au Petit Nice 71

Bar de la Marine 25

Bar des 13 Coins 55

Bar la Cara velle 51

Bar Unic 25

Café de l’Abbaye 26

Café La Samaritaine 21

Café l`Ecomotive 8

Casa no Name 71

Chez Jeannot 31

Chez le Belge 100, 101, 109

Chez-Ze 102, 103

Comptoir Dugommier 72

Comptoir Longchamp 83

Dames Oseille 72, 73

L’Ancre 121, 122, 123, 125

L’Auberge du Corsaire 97

L’Eau Vive 42

L’Effet Clochette 50

L’Oléas 71

L’Oliveraie 25

La Baie des Singes 96

La Grillade 91

La Grotte 96, 97, 101, 109

La Passarelle 33

La Pergola 121, 123, 125

La Table à Deniz 25

La Ventre

de l’Architecte 49

Le Bistro 113, 115

Le Château 103

Le Charité Café 54

Le Débouché 73

Le Goût des Choses 71

Le Lunch 103

Le Mange Tout 121

Le Môle Passédat 59

Le Nautic Bar 107

Le Petit Port 97

Le Port au Prince 71

Le Souk 25

Les grandes Tables 73

Les Panisses 72, 73

Longchamp Palace 72

Massenia 85

Patisserie Plauchut 72

Regards Café 59

Revolution 19

Rhineau 87

Rhinocerus 87

Ricard, Paul 75

Ricciotti, Rudy 38, 57, 58, 66

Rimbaud, Arthur 44, 45

Ritter Anselm 86

Roth, Joseph 19

Route des Crêtes 117

Saint-Exupéry, Antoine de

113

Salier, salia 18

Sausset-Les-Pins 126, 127

Savon 26, 74

Savonnerie Le Fer à Cheval

74

Schifffahrtsmuseum 69

Schwierigkeitsstufen 95

Second Nature 60

Seghers, Anna 22, 129

Seife 26, 74

Sémaphore de Callelongue

101

Sémaphore du Bec de l`Aigle

116

Sentier du Petit Prince 113

Sentier du Président 108

Sentier métropolitain 36

Sicherheit 95, 140

SILO 61, 66

Silvain, Eugène 28

SNCF 8, 15

SNCM 60

Sormiou 102, 103

St. Charles 8, 15

Stade Vélodrome 75

Städtische Museen 68

Stadtmuseum 20, 21

Stadtstrände 76, 77

Straßenbahn 10

Sturm, Hendrik 34 -- 39

Surfen 77

Surrealismus 68

Tasso, Henri 55

Taxis 140

TGV 8

Théâtre Silvain 28

Total Cheops 52

Tour-Panorama Friche la

Belle de Mai 69

Tram 10

Transbordeur 23, 56

Transit 22, 129

Trinkwasserversorgung 82,

84

Tucholsky, Kurt 19

U-Bahn (Metro) 10

Umgehbungen 36, 52

Unité d`Habitation 46, 47

Vallon des Auffes 30, 31

Vegetarisch 8, 72

Vélodrome 75

Venet, Bernar 32

Ventilo 71

Verkehrsnetz 10

Viadukt La Vesse 122, 123

Vichy-Regime 19, 22, 23

Vieille Charité 54, 65

Vieux Port 21, 24, 25, 26, 64

Villa la Palestine 81

Villa Méditerranée 58, 66, 69

Villa Valmer 28

Villenviertel 26 -- 33

Waldbrandgefahr 5, 95

Wanderfranzösisch 139

Wander, Fred 128

Wanderübersicht 6, 7

Wanderwegmarkierung 140

Wanderzeit 5

Wasserspeicher 82

Weinanbau 112

Werftindustrie 113

Winkler, Daniel 128

Zug 8, 15

Zidane, Zinedine 30

Zweiter Weltkrieg 19, 22, 23,

41, 56, 88, 89, 124

137


Fisch und Meeresfrüchte

Kleines Fischlexikon Französisch -- Deutsch

Poisson (Fisch)

aiglefin, èglefin Schellfisch

anchois Sardelle

anguille de mer Meeraal

bar (loup de mer) Seewolf, Wolfsbarsch

brelot, brème Meerbrasse

brochet Hecht

cabillaud Kabeljau, Dorsch

camard, grondin Knurrhahn

capelan Zwergdorsch

colin

Seehecht

Lotte (Seeteufel), sieht schrecklich aus, ist aber einer der

leckersten (und teuersten) Mittelmeerfische, die jeden

Morgen am Vieux Port angelandet werden. Er gehört zu

jeder „vraie“ (echten) Bouillabaisse (siehe Seite 25), gegessen

wird aber nur das hintere Drittel. Mit seinem festen weißen

Fleisch ist der Knorpelfisch eine leicht zuzubereitende

und praktisch grätenfreie Delikatesse.

138

congre Meeraal

dorade grise Streifenbrasse

dorade rose Meerbrasse

dorade royal Goldbrasse

dragon de mer Drachenfisch

empereur,

espadon Schwertfisch

flet

Flunder

flétan

Heilbutt

grélin

Seelachs

haddock geräucherter Schellfisch

hareng Hering

lieu jaune Pollack, kabeljauähnlich

lieu noir „Seelachs” (colin)

lotte, baudroie,

crapaud Seeteufel, Anglerfisch

loup de mer Seewolf, Wolfsbarsch

maquereau Makrele

merlan Merlan (Schellfischart)

merlu

Seehecht

morue Stockfisch

pageot Rotbrasse

perche Barsch

plie, carrelet Scholle, Goldbutt

poisson de roche kleine Felsenfische

raie

Rochen

rascasse Drachenkopf

requin Hai

rouget rote Meerbarbe

sardine Sardine (siehe Bild oben)

saumon Lachs

St. Pierre Petersfisch

sole

Seezunge

thon

Thunfisch

turbot

Steinbutt


Fisch und Meeresfrüchte

Fruits de mer (Meeresfrüchte)

araignée de mer Meerspinne

bigon

Herzmuschel

bulot

Meeresschnecke

calappe,

cancre, crabe Taschenkrebs

cigale de mer Heuschreckenkrebs

clam, palourde,

vénus

Venusmuschel

coquille

St. Jacques Jakobsmuschel

coquillettes kl. Jakobsmuschel

corail

roter Rogen (meist an

Jakobsmuscheln)

crabe géant Königskrabbe

crevette Garnele

écrevisse Flusskrebs

encornet kleiner Tintenfisch

escargot de mer Meeresschnecke (bulot)

homard Hummer

huître

Auster

huître claire Zuchtauster

langouste Languste

langoustine Hummerkrabbe, Scampi

moule (frites) Miesmuschel (mit

Pommes Frites)

Plats et sauce (Gerichte und Soßen)

aïgo saou provenz. Fischsuppe

aïoli

Knoblauchmayonnaise

oder Fischgericht mit Aïoli

boudin de

brochet Hechtklößchen

bouillabaisse Marseiller Fischsuppe

brandade de

morue provenz. Stockfischgericht

chipirons kleine gebackene

Tintenfische

coquillage Muschelplatte

(wörtl. Muschelschale)

dos (de cabillaud) Rückenstück (Kabeljau)

moules Miesmuscheln

marinières im Weißweinsud

matelote Fischragout im Topf

Nantua, sauce Krebsbuttersoße

queues

d’écrevisses Krebsschwänze

oursin

pétoncle

poulpe

seiche, sèche

sépia

Seeigel

Kammmuschel

(Jakobsmuschelart)

großer Tintenfisch

Tintenfisch, Sepia mit

brauner Tinte

Tintenfisch

Préparation (Zubereitung)

bleue

blau, gekocht

désarêter entgräten

meunière Müllerinart, gebraten

au four im Backofen

sur le gril auf dem Grill

papillotte in Folie, Bratschlauch

quelle cuisson? Wie gegart?

bien cuit durchgebraten

à point medium, rosa

saignant blutig, kurz gebraten

bleu

fast roh

139


Uli Frings

Seit 1985 bereist der gebürtige Bonner Uli Frings immer wieder Süd -

frank reich, vor allem die Ardèche-Region. Über 20 Jahre leitet er in

Bonn eine Werbe- und Internetagentur. Im Jahr 2006 macht er seine

Leiden schaft, Wandern und Kochen, auch zu seinem Beruf. Uli veranstaltet

Wanderreisen in Südfrankreich und lebt seit 2009 in einem kleinen

Berg dorf der Ardèche. Weitere Wander- und Reiseführer von Uli Frings

zur Ardèche und Marseille (siehe Seite 143) sind im Buchhandel oder

versandkostenfrei unter www.ardechereisen.de erhältlich.

Ardèche-Gruppenreise:

Neben den Individual wan -

derungen veranstaltet

Ardèchereisen auch Grup -

pen reisen. Zu Termi nen im

Frühjahr, Herbst und an

Silvester bietet Uli eine

Woche mit 6 geführten

Wande rungen an. Dazu

besuchen wir Biobauern,

machen einen Ausflug zu

den Gorges de l’Ardèche

und besichtigen die Nach bil -

dung der Grotte Chauvet

mit den ältesten Höhlen -

zeich nung en der Welt.

Verpflegung und Wein sind

im Preis enthalten. Abends

kocht Uli Mehr gang menüs

mit leckeren Spezialitäten

aus der Ardèche-Region.

Mit 6--12 Teilnehmern sind

die Gruppen angenehm

klein. 8 Tage mit 7 Übernachtungen

kosten im

Doppel zimmer 670 € je

Person. Alle Infos unter

www.ardechereisen.de

Streckenrundwanderung

„Die wilden mediterranen

Berge der Ardèche“

Ardèchereisen bietet eine wunderschöne 8-tägige individuelle

Strecken wan der ung an, eine Kombination aus den schönsten

Abschnitten der Tour du Tanargue und des GR Le Cévenol. Die

Wanderungen sind so zusammengestellt, dass die Tages etap -

pen 3,5--5 Stun den betragen und damit für jeden mit etwas

Wan dererfahrung gut zu laufen sind. Das Gepäck wird transportiert,

sodass Sie bequem mit einem Tages ruck sack wandern

können. Jeden Abend erwarten Sie erstklassige Un ter künfte

mit guten Menüs aus der vielfältigen Küche der Ardèche.

Preis im Doppelzimmer ab 675 € je Person.

Alle Infos unter: www.individuell-wandern.de

Ardèche reisen ist Mitglied im Verband

ForumAndersReisen. Die Mitglieder streben

eine nachhaltige Touris mus form

an, die langfristig ökologisch tragbar,

wirtschaft lich machbar sowie ethisch und

sozial gerecht ist. Ardèche reisen ist darüber

hinaus CSR-Tourism-certified.

www.forumandersreisen.de und www.tourcert.org

140


Wanderfranzösisch

Wichtige Wörter und Ausdrücke

oui

ja

non

nein

s’il vous plaît

bitte

merci beaucoup vielen Dank

comment?

wie bitte?

pardon/

excusez-moi

Entschuldigung

bonjour

guten Morgen/

guten Tag

bonsoir

guten Abend

au revoir

auf

Wiedersehen

Orientierung/Landschaft

la balade, la randonnée Wanderung

le chemin

Weg

le sentier

Pfad

tout droit

geradeaus

à gauche

links

à droite

rechts

la distance

Entfernung

la descente

Abstieg

la montée

Aufstieg

la carte (géographique) Landkarte

la boussole

Kompass

le col

Pass

la crête

Bergkamm

le mont

Berg

le pic

Gipfel

la vallée

Tal

la plaine

Ebene

le lac

See

l’étang

Teich

la rivière

Fluss

le ruisseau

Bach

le pont

Brücke

le port/le havre Hafen

l’anse/la baie

Bucht

l’Île

Insel

la mer

Meer

Unterkunft

l’hôtel

l’auberge

l’hébergement

le gîte d'étape

Hotel

Gasthaus

Unterkunft

Wanderherberge

le gîte rural

la chambre d hôtes

la chambre double

la chambre single

la douche

le petit déjeuner

le camping

la ferme

la cabane

la grange

la maison

le mas

le sac à dos

le sac de couchage

la tente

un abri

Verpflegung

la boulangerie

l’épicerie

la boucherie

la pharmacie

le pain

la bière

le vin (rouge)

la table d hôtes

Wetter

gutes, schlech-

tes Wetter

Schnee

Regenschauer

Gewitter

Matsch

Sonne

Wind

Schatten

Wetter

le temps

beau temps,

mauvais temps

la neige

l’averse

l’orage

la boue

le soleil

le vent

l’ombre

ländliches

Ferienhaus

Gästehaus

Doppelzimmer

Einzelzimmer

Dusche

Frühstück

Campingplatz

Bauernhof

Hütte

Scheune

Haus

Bauernhaus

Rucksack

Schlafsack

Zelt

Unterstand

Bäckerei

Lebensmittelladen

Metzgerei

Apotheke

Brot

Bier

(Rot-) Wein

Gästetisch

Zahlen

un eins six sechs

deux zwei sept sieben

trois drei huit acht

quatre vier neuf neun

cinq fünf dix zehn

cent

hundert

mille

tausend

141


Wanderwegmarkierungen

Das Netz der Wan der wege rund um Mar -

seille ist sehr gut ausgebaut und meist

auch gut markiert. Teilweise gibt es

Wan der weg weiser, am besten folgt man

aber der klassischen Mar kie rung mit den

farbigen Balken. Die GR (Sentiers de

Gran de Randonnée, Fernwander wege)

sind weiß-rot markiert, die GRPs

(Grande Randonnée de Pays, mehrtägige

Rund wege) gelb-rot und die örtlichen

Wan derwe ge weiß-gelb. Dazu

kommen, gerade in den Calanques, Mar -

kierungen in unterschiedlichen Far -

ben, mit drei Punkten oder/und mit

Weg nummern.

Wegmarkierung, hier für

einen Grande Randonnée

de Pays.

Der Weg biegt ab, in diesem

Fall nach rechts.

Diesen Weg NICHT

nehmen, wenn man der

Mar kierung weiter folgen

möchte.

Ausrüstung und Sicherheit (siehe auch Seite 95)

Für alle beschriebenen

Wanderungen

sind, wegen der oft

ge rölligen Wege,

knöchelhohe Wan -

der schuhe mit guter Pro filsohle erforderlich.

Das Wetter kann an der Küste

schnell um schlagen, daher immer Regen -

schutz bzw. Windjacke und (außer im

Hochsommer) eine Fleecejacke mitnehmen.

Wenn der Mis tral (Nordwind) weht,

kann es vor allem im Winter un ange -

nehm kühl werden. Und die me diterrane

Son ne soll te man nicht unterschätzen.

Aus reichend Son nen schutz ist unentbehrlich,

viele Wege durch die Garrigue

bieten nur we nig Schatten. Unterwegs

gibt es selten Möglichkeiten, Wasser aus

Quellen oder Brunnen zu trinken, da her

ausreichend Trink was ser mitnehmen.

Die Wan der touren folgen alle deutlichen

Wegen. Auf wegloses Terrain, Klet ter stei -

ge oder Passagen, die Schwin del freiheit

erfordern, wurde fast ganz verzichtet

oder es wird gesondert auf schwierige

Stellen hin gewiesen. Erkundigen Sie sich

im Sommer für Wan derungen zu den Ca -

lanques im mer vor her über Sper rung en.

142

Aus einem Interview der Zeitung Die Welt

mit dem Deutschen Ulrich Fuchs (siehe

auch Seiten 130/131), Pro gramm direktor

der Kultur haupt stadt Marseille Provence

2013: „Kann ich mich denn als Tourist in

Marseille sicher fühlen?“ Ulrich Fuchs:

„Wenn Sie hier nicht mit Drogen handeln,

d. h., wenn Sie keine kaufen oder verkaufen

wollen, dann leben Sie in Marseille

genau so sicher wie in Frank furt, Madrid

oder in London. Etwas unsich erer als in

Dinkelsbühl oder Itzehoe, aber das hängt

mit der Größe der Stadt zusammen. Als

Tourist hat man hier nichts zu befürchten.“

Wichtige Telefonnummern:

Notruf: 15 oder 112

Polizei: 17

Feuerwehr: 18 oder 112

Telefonauskunft: 12

Vergiftungsnotruf (Centre Anti-Poison)

Telefon 04 91 75 25 25.

Apothekennotdienst Telefon 3237

In einer Pharmacie (grünes Neonkreuz)

nach dem nächsten diensthabenden Arzt

oder Krankenhaus fragen.

Taxi Radio Marseille 04 91 02 20 20

Les Taxis Marseillais 04 91 92 92 92

Easy Taxi 06 20 22 62 17


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Cadaqués,

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ISBN 978-3-00-

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wilder Süden

96 Seiten, 24

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der mediterranen

Ardèche,

ISBN 978-3-00-

042993-4, 12,80 €

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Berge der

Ardèche

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den Cevennen,

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