Kreis Plön - ganz persönlich

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Matthias Stührwoldt

Von der Heimat

Matthias Stührwoldt, geb. 1968 in Neumünster, aufgewachsen und

auch heute noch wohnhaft in Stolpe, verheiratet, fünf Kinder / nach

dem Schulbesuch in Stolpe und Plön Zivildienst, Ausbildung zum

Erzieher und Besuch der Landwirtschafts- sowie der Höheren Landbauschule

/ 1998 Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs der Eltern,

2002 Umstellung auf biologische Landwirtschaft, aktuell werden rund

70 Hektar Land bewirtschaftet und etwa 60 überwiegend schwarzbunte

Milchkühe plus der weiblichen Nachzucht nach Bioland-Richtlinien

gehalten / mit 12 Jahren erster selbstgeschriebener Text im

Deutschunterricht über einen Tag im Leben eines Zuchtbullen / seit

etwa 1993 Mitglied im Autorenkreis der Unabhängigen Bauernstimme,

einer kleinen, alternativen Landwirtschaftszeitung / 2003 erstes Buch

mit dem Titel „Verliebt Trecker fahren“ / seit 2010 Autor von plattdeutschen

Radiogeschichten der NDR-Sendereihe „Hör mal’n beten to“ /

zahlreiche Auftritte vor allem in Norddeutschland mit einem Programm

aus hoch- und plattdeutschen Geschichten

atürlich habe ich mich sehr gefreut,

als ich gefragt wurde, ob ich einen

Text für dieses Buch schreiben will.

Schließlich bin ich streng genommen

kein Eingeborener, sondern ein Zugereister.

Zwar habe ich fast mein gesamtes Leben im

Kreis Plön zugebracht, geboren aber wurde ich in

Neumünster und verbrachte auch meine ersten paar

Lebenstage dort. Das ist ein biografi scher Makel, den

ich mit vielen anderen guten Leuten aus dem Kreis

Plön teile, deren Mütter sich zur Entbindung ins

Friedrich-Ebert-Krankenhaus begeben hatten. Mit

ungeahnten Folgen für das Erwachsenenleben ihrer

Kinder: Kaum hatte man „geboren in Neumünster“

in den Lebenslauf geschrieben, konnte man förmlich

sehen, wie die Vorzimmerdame des Personalchefs jenes

Unternehmens, bei dem arbeiten zu wollen man

sich erdreistet hatte, die komplette Bewerbungsmappe

direktemang in den Papierkorb gleiten ließ.

Um es gleich zu sagen: Ich lebe unheimlich gern im

Kreis Plön. Das ist ein Glück. Denn schließlich sucht

man sich seine Heimat nicht aus. Ebenso wie Eltern,

wie Kinder, wie Familie also kriegt man sie einfach

vorgesetzt, und dann muss man damit klarkommen.

Und schleppt sie mit sich, wohin auch immer man

geht. Davon sang schon Rocko Schamoni: „Du

trägst dein Dorf immer mit dir rum.“ Aber gerade

als Bauer ist man ja standorttreu. Zwar kann ich

sagen: Ich hab jetzt keinen Bock mehr auf den Kreis

Plön, ich ziehe jetzt mit meinen Weiden, meinen

Äckern, meinen Kühen in den Kreis Ostholstein!

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