Kreis Plön - ganz persönlich

neomedia

Die Umsetzung dieses Vorhabens gestaltet sich im

Detail dann jedoch eher schwierig. Und davon mal

ab: Wer will denn schon in den Kreis Ostholstein?

Ich verbrachte dort im Rahmen meiner landwirtschaftlichen

Ausbildung zehn Wochen, und das

waren die mit Abstand schlimmsten zehn Wochen

meines Lebens, getoppt nur von den zwei Wochen,

die ich als Anderthalbjähriger wegen einer Leistenbruchoperation

in Kiel im Krankenhaus verweilen

musste, zu Heimwehvermeidungszwecken konsequent

ferngehalten von meinen Eltern, die durch

einseitig verspiegelte Scheiben zugucken konnten,

wie ich mittels eines unbeschreiblich kalten Entzugs

der Mutterbrust entwöhnt wurde.

Trotzdem will ich hier kein undifferenziertes Loblied

auf den Kreis Plön anstimmen. Man kann auch

anderswo glücklich sein. Auch in, was weiß ich,

Gaarden oder Mettenhof gibt es Menschen, die sich

lieben, und meine wundervolle Frau Birte kommt

aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. Auch da ist

also nicht alles schlecht. Überhaupt ist das Thema

„Heimatliebe“ eines, an dem man sich nur verheben

Mir geht die Welt am Arsch vorbei.

Solange ich hier bin, zuhause, in meinem

Stall, auf meiner Weide. In diesem Fall:

in Stolpe. Im Kreis Plön.

kann. Und der letztgültige Satz darüber wurde

längst geschrieben, vom Bochumer Ruhrpott-

Heimatautor Frank Goosen, universell passend

für jede Herkunft: „Woanders ist auch scheiße.“

Sicher, die Hügel im Kreis Plön sind lieblich, aber

das sind sie auch jenseits der Kreisgrenze. Und der

Pieklehm auf den Kuppen kann beim Pflügen ganz

schön nerven. Die Moore sind idyllisch, wenn man

sich dort jedoch mit dem Trecker festgefahren hat,

fressen einen die Bremsen auf, während man auf

Hilfe wartet. Die Seen sind wunderbar, das süße

Wasser, wenn beim Nacktbaden mit neunzehn,

neunundvierzig oder neunundsiebzig alles so frei

schwingt, liekers: genauso schwänge es in einem

Blick vom Parnaßturm

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