Landkreis Marburg Biedenkopf - ganz persönlich

neomedia

Athen gebracht. Das Spiel begann von vorne: Wieder suchte

ich einen Schleuser, diesmal, um nach Mazedonien zu kommen.

Auf einem Lastwagen ging es weiter: 40 Leute wurden

zusammengepfercht, der Fahrer brachte uns über die Grenze

– und wieder kostete es 1.800 Euro.

Wir marschierten zu Fuß weiter in Richtung Serbien. Dort

wurde ich von der Polizei geschnappt und ins Gefängnis

geworfen. Nach zehn Tagen brachte man mich zurück

nach Mazedonien. Und derselbe Schleuser wie vorher

brachte mich dann wieder über die Grenze. Ich schlug

mich zunächst wieder zu Fuß durch Serbien, dann kam irgendwann

ein Kleinwagen. Mit zehn Personen kamen wir

in Belgrad an.

„Ich will auch den Neuanfang illustrieren, die

Hoffnung, die ich hier in Biedenkopf wieder erleben

kann. Denn die Stadt ist für mich der Ort, an dem

ich endlich wieder unbeschwert leben kann.“

Ein weiterer Schleuser wollte mich für 1.500 Euro nach

Italien bringen, in Ungarn wurde ich allerdings wieder festgenommen.

Drei Tage blieb ich im Gefängnis, wurde freigelassen

und zum Glück nicht zurückgebracht. Mit dem Auto

ging es für 600 Euro weiter – über Italien und Österreich

kam ich letztendlich nach insgesamt etwa einem halben

Jahr in Frankfurt an. Von dort ging es weiter ins Camp

nach Gießen – und jetzt bin ich hier, habe eine Duldung für

drei Jahre und konnte sogar meine Frau Arij nachholen.

vom Postraub, das Biedenkopfer Schloss und die Statue „El

Niño“. Doch in den Bildern zeige und verarbeite ich auch,

was ich während der Flucht erlebt habe. Ein einzelner, roter

Turnschuh, mit Blut beschmiert, ist alles, was von einem

Kind übrig blieb. „Bombeneinschlag“ habe ich das Bild

genannt, auf dem sich eine Familie die Ohren zuhält. Und

„Auf dem Wasser“ zeigt ein überfülltes Boot, voll mit

Flüchtlingen.

Aber ich will auch den Neuanfang illustrieren, die Hoffnung,

die ich hier in Biedenkopf wieder erleben kann. Denn

die Stadt ist für mich der Ort, an dem ich endlich wieder

unbeschwert leben kann. Nun wünsche ich mir, dass ich einen

Beruf erlernen kann. Wenn es mit dem Kunststudium

nicht klappt, dann könnte ich mir auch eine Ausbildung als

Maler und Lackierer vorstellen, um mein eigenes Geld zu

verdienen.

Meine Geschwister sind mittlerweile auch weit verteilt: ein

Bruder lebt in Edmonton in Kanada, der Zweite in Stuttgart.

Und eine meiner Schwestern wohnt in Saudi-Arabien, meine

andere in Wilhelmshaven. Wir bleiben über Internet in Kontakt,

das spendet Trost. Denn ich denke noch oft an Syrien.

Doch zurück will ich nicht mehr. Zu tief sind die Wunden,

die der Krieg gerissen hat. Arij und ich bauen hier unsere

Zukunft auf. Und vielleicht kann meine Mutter, die in Jordanien

blieb, zu uns kommen. Dann wäre das Glück perfekt.

Eines der Werke Al Deabs zeigt ein überladenes Flüchtlingsboot.

Ich bin sehr glücklich, denn ich wurde sehr freundlich aufgenommen,

habe viel Hilfe gefunden. Auch habe ich schon

viele Freunde gefunden. Und ich konnte schon zweimal bei

den Biedenkopfer Schlossfestspielen mitmachen – dort habe

ich im Stück „Der Postraub“ den Räuber Jost Wege gespielt.

Meinen Text kann ich noch.

Durch den Workshop zum Musical habe ich die Musiklehrerin

Silvia Salzbauer kennengelernt, die mich toll fördert.

Mittlerweile kann ich Klavier spielen, Silvia hat mir ein gebrauchtes

Piano besorgt. Und jetzt kann ich auch wieder

malen. In einigen Ausstellungen konnte ich meine Werke

nun schon zeigen. Ein Bild zeigt zum Beispiel die Kutsche

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