Landkreis Oberallgäu - ganz persönlich

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Der Landkreis Oberallgäu ganz persönlich


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Oberallgäu

Landkreis Oberallgäu

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Landkreis Oberallgäu

in Zusammenarbeit mit der

neomediaVerlag GmbH


Impressum

Herausgeber

Landratsamt Oberallgäu

Oberallgäuer Platz 2

87527 Sonthofen

Tel. 08321 612-0

info@lra-oa.bayern.de

www.oberallgaeu.org

In Zusammenarbeit mit:

neomediaVerlag GmbH

Industriestraße 23

48653 Coesfeld

Tel. 02546 9313-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

Idee und Konzeption

Rainer Wendorff

Redaktion/Lektorat

Landratsamt Oberallgäu

Brigitte Klöpf

neomediaVerlag GmbH,

Silke Florijn

Günter Poggemann

Klaus Schlösser

Grafik/Layout

Kerstin Katemann/Anne Neuenhofer

Projektakquise

Matthias Kurz

Bildnachweis

Hermann Ernst: Seiten 9, 10, 11, 13, 15, 17,

24, 25, 27, 28, 32, 33, 35, 36, 41, 42, 43, 48,

50, 52, 53, 60, 64, 69, 75, 83, 84, 85, 86,

87, 92, 94, 97, 104, 114, 115, 116, 121, 136

Andreas Ellinger: Seite 51

Andreas Kaenders: Seite 65

Brigitte Klöpf: Seiten 49, 93, 123

Annette Lipp: Seite 78

Pio Mars: Seite 59

Angelika Soyer: Seiten 109, 110

Klaus Schlösser: Seite 66

Florian Vogel: Seiten 9, 16, 36, 103, 141

Henning Werth: Seiten 128, 129, 130, 131

Volker Wille: Seite 18

Udo Zehetleitner: Seiten 137, 138

Porträt- und Firmenfotos stammen,

soweit nicht anders vermerkt, von den

jeweiligen Personen und Unternehmen.

Printed in Germany 2016

Das Manuskript ist Eigentum des

Verlages.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen

der Autoren Darstellungen und Bilder

der Firmen und Einrichtungen zugrunde,

die mit ihrer finanziellen Beteiligung das

Erscheinen des Buches ermöglicht

haben.

Druck

Kösel GmbH & Co. KG,

87452 Altusried-Krugzell

Bibliographische Information der

Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet

diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliographie; detaillierte Daten

sind im Internet über http://dnb.dbb.de

abrufbar.

ISBN 978-3-931334-73-4


Oberallgäu

Landkreis Oberallgäu

ganz persönlich

Inhalt

8 Das Oberallgäu – mehr als nur Natur

Landrat Anton Klotz

12 Faszinierende Landschaften und

bodenständige Menschen

Andreas Bauer

14 Aus Liebe zum Allgäu

Alois Berger

16 Ein umtriebiger und liebenswerter

Landstrich

Gerd Bischoff

19 energie. geladen.

Allgäu Batterie GmbH & Co. KG

20 Spezialisten für flexible

Barriereverpackungen

allfo Gruppe

22 Die heimatstarke Energie

AllgäuStrom

23 Im Winter wie Sommer ein

attraktives Reiseziel

Bergbahnen Oberstdorf/Kleinwalsertal

24 Ein Paradies für den Wintertourismus

Karlheinz Fässler

26 In 44 Jahren zur Heimat geworden

Peter Guggenberger

29 Besondere Lebensqualität im Alter

AllgäuPflege gGmbH

30 Ideen mit Zukunft

Baumit GmbH

32 Vom Älpler-Virus infiziert

Franz Hage

34 Den Erhalt des Allgäus als Auftrag

Paul Hartmann

37 Das Paradies für zwischendurch

Aquaria Erlebnisbad-Betriebs GmbH

38 Innovation und Präzision auf

höchstem Niveau

Behr Systems GmbH

40 Unterwegs in kulinarischer Mission

Christian Henze

42 Leidenschaft für Musik und Theater

Gertrud Hiemer-Haslach

44 Mit Herz und Hand Technik fürs

Leben schaffen

Robert Bosch GmbH

46 Maßgeschneiderte Lösungen für

besondere Ansprüche

Wilhelm Fischer Spezialmaschinenfabrik GmbH

48 Der weltweit schönste Landkreis

Alfons Hörmann

50 Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Claudia Höss-Stückler


52

Eine liebenswerte Vorzeigeregion

Gebhard Kaiser

54 Geiger liefert, baut, saniert

und entsorgt.

Geiger Unternehmensgruppe

56 Intelligente Lösungen aus Blech

HATZIS Edelstahlbearbeitung GmbH

58 Wie die himmlische Harfe ins

Allgäu kam

Jutta Kerber

61 Präzision in Perfektion

Berger Holding GmbH & Co. KG

62 Käsekunst hat einen (Marken-)Namen

Champignon-Hofmeister Unternehmensgruppe

64 Allgäuerin mit Leib und Seele

Dr. Konstanze Koepff-Röhrs

66 Im Allgäu ganz droben

Jochen Krupinski

68 Inmitten kraftvoller Natur

Ute Leube

70 Ein Urlaubsparadies für die

ganze Familie

Kinderhotel Oberjoch

72 Die Gesundheitsregion Oberallgäu

Klinikverbund Kempten-Oberallgäu gGmbH

74 Erlebnisreicher Ausflug in die

Allgäuer Bergwelt

Thomas Lingg

76 Erinnerungen und Inspirationen

Kilian Lipp

79 Erstklassiger Service aus einer Hand

Karl Hudez GmbH

80 Aus Liebe zum Buch

Kösel GmbH & Co. KG

82 Ein Landkreis mit Vorzeigecharakter

Dr. Gerd Müller

84 Der Spagat zwischen Bewahren

und Fortschritt

Hannes Neusch

86 Liebeserklärung an Mensch, Natur

und das Allgäu

Kurt Ludwig Nübling

88 Im Allgäu daheim – in Europa zu Hause

Komm mit – Morent GmbH & Co. OHG

90 Leidenschaft für Beine

KUNERT FASHION GMBH

92 Wo das Paradies zu Hause ist

Hans-Peter Rauch

94 Vorreiter und Macher

Winfried Rauch

96 Ein Hoch auf unser Allgäu

Karl-Heinz Riedle


Oberallgäu

Landkreis Oberallgäu

ganz persönlich

98

Zukunftsweisende Prüftechnologie

MAHA-AIP GmbH & Co. KG

118 Füreinander da

Raiffeisenbank im Allgäuer Land eG

100 Innovative Technik für sichere Mobilität

MAHA Maschinenbau Haldenwang GmbH & Co. KG

102 Dahoam is dahoam

Bernd Schmelzer

105 Zuverlässige Mobilität auf der

ganzen Linie

Regionalverkehr Allgäu GmbH (RVA)

106 Baukompetenz mit solidem

Fundament

Xaver Lipp Bauunternehmung GmbH

108 Gäste glücklich machen als

Herzensangelegenheit!

Angelika Soyer

111 80 Jahre Spitze bei der

Folienveredelung

Schmid Folien GmbH & Co. KG

112 Öle und Pflanzenstoffe für die

Haut und die Sinne

PRIMAVERA LIFE GMBH

114 Weiblicher Charme hält Einzug in die

Blasmusik

Centa Theobald

117 Ein kleines Wirtschaftswunder

Sonnenalp Resort

120 Eine einzigartige Region

S.D. Erich Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg

122 Ein ganz besonderes Stück Erde

Georg Wagner

124 Kompetenter Partner für innovative

Federtechnologie

Dr. Werner Röhrs GmbH & Co. KG

126 Garant für bezahlbaren Wohnraum

SWW Oberallgäu Wohnungsbau GmbH

128 Im Reich der Könige der Lüfte und

Felsen

Henning Werth

132 Mehr als nur eine Bank

Sparkasse Allgäu

136 Neue Wege und immer auf der Höhe

Udo Zehetleitner

139 Präzision aus dem Allgäu

ZSO Zerspanungs- und Systemtechnik GmbH

140 Nicht wohlhabend, aber liebenswert!

Alfons Zeller

142 Familienunternehmen

„Projekt Edelschmiede“

Stoll Gruppe GmbH


KARLHEINZ FÄSSLER

in Paradies für den

Wintertourismus

KARLHEINZ FÄSSLER

geb. 1934 | Hotelier Hotel Sonnenalp in Ofterschwang | langjähriges Mitglied

des Gemeinderates Ofterschwang, Ehrenbürger der Gemeinde, Kreistagsmitglied

Landkreis Oberallgäu | vielseitige Initiativen im Tourismusbereich

des Oberallgäu, wie Zusammenarbeit von Hotels, Tourismusverbänden,

Bergbahnen-Verbund, Golfplätzen und Sommertourismus

Schon in den ersten Jahren des letzten Jahrhunderts

haben Skipioniere im Oberallgäu das Skifahren kennengelernt

und die Berge unserer Täler für diesen

herrlichen Wintersport erobert. Mit viel Enthusiasmus

wurde auch der Skiclub Sonthofen 1909 gegründet. Mein Vater

Ludwig hat mir geschildert, wie er als Bub die ersten Ski bekommen

hat. Es waren zwar nur Fassdauben mit festgenagelten Stiefeln, aber für

ihn und viele Skifreunde der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft

und tiefer Freude in unseren herrlichen Bergen.

Mir hat der Vater die ersten richtigen Ski angeschnallt, als ich

gerade drei Jahre alt war und seitdem ist es mir immer noch vergönnt,

also nach fast 80 Jahren, auf den geliebten Latten Schwünge über die

Hänge zu ziehen. Jetzt mehr genussvoll und nicht mehr so rasant wie

früher, als ich noch ein paar Jahre in der deutschen alpinen Nationalmannschaft

starten durfte.

Aber die Liebe zum Renn-Skisport hat mich nicht losgelassen.

Der Skiclub Ofterschwang hatte unter der Leitung seines Vorstandes

Hanspeter Schratt 1997 einen Europacup am Ofterschwanger Horn

beeindruckend gut abgewickelt. Am Zielhang äußerte sich die FIS-

Beauftragte Sahra Lewis begeistert und meinte, das Team, der Hang

und die Region wären sehr wohl auch für Weltcups geeignet. Den Gedanken

haben wir, Hanspeter und ich, sofort aufgenommen und intensiv

mit unseren Freunden in die Tat umgesetzt. So kam es dann,

dass 1998 der internationale Skiverband FIS an unseren Skiclub Ofterschwang

den ersten Weltcup vergab. Nach sehr langer Pause ist damit

seitdem der Alpine Skiweltcup wieder ins Allgäu zurückgekehrt.

Unsere Nachbarorte Pfronten und Oberstaufen im Allgäu

hatten schon erfolgreich jahrelang Weltcups veranstaltet. Wir Ofterschwanger

sind recht glücklich, dass wir nun für das Allgäu wieder

im so sehr begehrten Weltcupkalender in einem Zwei-Jahres-Rhythmus

berücksichtigt werden und neben Weltklasse-Skiorten, wie Kitzbühel,

St. Moritz, Garmisch, oder Vail und Sapporo die weltbesten

Skifahrerinnen begrüßen können.

Dass wir im kleinen Ofterschwang nunmehr bereits sechs so

große und wichtige Veranstaltungen reibungslos durchführen konnten,

war nur möglich, weil es bei uns ein großartiges Miteinander gibt.

Der Skiclub Ofterschwang, unterstützt von Nachbarclubs, konnte

immer mit den vielen freiwilligen Helfern rechnen. Die Gemeinde

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KARLHEINZ FÄSSLER

Am Nebelhorn, im Hintergrund das Kleinwalsertal mit Ifen – das österreichische Kleinwalsertal hat keine Straßenanbindung an Österreich,

sondern kann nur von Oberstdorf aus erreicht werden.

und der Landkreis Oberallgäu tragen zur schwierigen finanziellen

Situation bei und die Bergbahnen Ofterschwang-Gunzesried haben

die Voraussetzungen für die strengen Auflagen der FIS mit Beschneiungsanlagen

und Liften geschaffen.

Man kann recht kritisch fragen: Ist es denn so wichtig diesen

Skiweltcup im Allgäu zu haben? Ist es die Mühe, die Ausgaben wert,

die ihr Oberallgäuer euch da macht? Ja, wir

meinen das mit großer Überzeugung. In

unseren Tälern sind viele Menschen vom

Tourismus abhängig. Unsere Winter sind

bisher in der Regel mindestens drei Monate

lang, immer noch recht zuverlässig und

für Winterferien und Skisport mit seinen

Variationen eine gute Adresse im Wettbewerb

um die Gäste. Das Fernsehen überträgt

die Bilder unserer Landschaft über

die Skirennen weltweit hinaus, die Presse

ist stark und international vertreten und

berichtet, was in unserer Region geboten

ist. Diese Werbung nach außen ist sehr viel

wert, prägt unser Image, unsere Landschaft

und auch unsere Kultur. Ich meine

aber auch: Solche Veranstaltungen bringen die Menschen zusammen.

Die Zusammenarbeit mit den vielen Helfern, den Vereinen,

den Unternehmen, Sponsoren, den Behörden und Verwaltungen ist

unerlässlich für den Erfolg, und uns Organisatoren erleichtert es die

Ein weiterer schöner

Erfolg ist sicher, dass durch

diese hochklassigen Skirennen

die Skijugend ganz nah an

den Athleten ist, begeistert

mitgerissen wird und

vielleicht der eine oder andere

sich da wiederfindet.

Aufgabe, weil alle mitmachen und letztlich sich dann auch gemeinsam

am Gelingen freuen können.

Ein weiterer schöner Erfolg ist sicher, dass durch diese hochklassigen

Skirennen in unserem Oberallgäu die Skijugend ganz nah

an den Athleten ist, begeistert mitgerissen wird, vielleicht der eine

oder andere sich da wiederfindet und Allgäuer Olympiasiegern wie

Ossi Reichert, Heidi Biebl, den Epple-

Schwestern und anderen nacheifert. Dazu

trägt sicher auch das Alpine Trainingszentrum

Allgäu ATA am Oberjoch-

Bad Hindelang bei, welches durch Zusammenwirken

des Allgäuer Skiverbandes,

des Deutschen Skiverbandes, des

Landkreises Oberallgäu, ProSport

Oberallgäu-Kleinwalsertal und des Skiinternats

Oberstdorf ideale Voraussetzungen

zum Training für den Skinachwuchs

bietet.

Unser Oberallgäu bietet für den

Wintertourismus eine Vielfalt von Möglichkeiten,

zum Wandern, Langlaufen,

Tourengehen, besonders auch für Familien. Es gibt Dutzende von

Skigebieten aller Schwierigkeitsgrade, modern erschlossen und weitgehend

schneesicher. Gäste und Einheimische finden viel Spaß und

Freude beim Erholen auf den Bergen, dazu ergänzen und unterstreichen

Weltklasse-Skiveranstaltungen die Palette einer Ferienregion.

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GERTRUD HIEMER-HASLACH

eidenschaft für

Musik und Theater

GERTRUD HIEMER-HASLACH

geb. 1974 in Leutkirch | verheiratet, zwei Söhne | wohnhaft in Altusried |

Gesangs- bzw. Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Musik in Augsburg

und Weingarten | gefragte Sopranistin mit großer Vielseitigkeit | Lehrtätigkeit

an der Otl-Aicher-Realschule und am Hans-Multscher-Gymnasium

Leutkirch | 1997 bis 2016 Chorleiterin des U50-Chores Altusried | musikalische

Leiterin verschiedener Theater- und Musicalproduktionen (u. a. Freilichtbühne

und Theaterkästle Altusried) | 2009 Kunstförderpreis der Dr.-Dazert-Stiftung für

die Leistungen im Fach Gesang sowie die Pflege der Musik in der Region Allgäu

Der Blick über die sanften Hügel des nördlichen

Oberallgäus auf dem „Luttolsberg“ bei der

Löwenzahnblüte (an der Landesgrenze zu

Baden-Württemberg) löst in mir dieses ganz

besondere Gefühl von „Heimat“ aus, das sich nur schwer beschreiben

lässt. Als fünftes Kind auf einem Bauernhof in Muthmannshofen

aufgewachsen merke ich, dass ich in vielen Dingen gerade mit diesem

jahreszeitlichen Takt sehr verwoben bin, immer noch das Wetter

beobachte, ganz besonders die Veränderung der Natur oder die

typischen jahreszeitlichen Gerüche wahrnehme. Natürlich mag ich

auch den Blick auf die Berge – aber eben mit diesem gewissen Abstand,

nicht direkt im engen Tal, sondern immer noch mit diesem

Gefühl von Weite.

Nicht zuletzt kann man an meiner Sprache meine Herkunft

nicht verleugnen. War es mir bei meiner Pädagogikprüfung noch

peinlich, auf mein „schönes, rollendes R“ angesprochen zu werden

(„Aus welchem Teil des Illertales kommen Sie?“), so sehe ich das

heute als ein Stück meiner Identität an und freue mich, wenn meine

zwei Söhne im Allgäuer Dialekt mit mir reden. Gerade seit ich Kinder

habe, wird mir besonders bewusst, wie idyllisch man in diesem

Landstrich aufwachsen kann und wie schön es ist, draußen im Wald

und am Bach spielen zu können. In einer Stadtwohnung könnte ich

mir meine Buben jedenfalls nicht vorstellen.

Wenn man vielleicht früher die Behäbigkeit der Menschen als

Makel empfand, so lernt man – gerade, wenn man eine Zeit lang woanders

gelebt hat – diese Charaktereigenschaft der Oberallgäuer

besonders zu schätzen. Die Herzen fliegen einem nicht zu, aber wenn

sie einen akzeptieren, ist das geprägt von Zuverlässigkeit und Direktheit.

Natürlich wird nicht im Übermaß gelobt, nach dem Motto „It

g’schumpfa isch g’lobat gnua…“, aber wenn, dann kann man sich

darauf verlassen, dass es ehrlich gemeint ist.

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GERTRUD HIEMER-HASLACH

Wenn man vielleicht

früher die Behäbigkeit

der Menschen als

Makel empfand, so

lernt man – gerade,

wenn man eine Zeit

lang woanders gelebt

hat – diese Charaktereigenschaft

der

Oberallgäuer besonders

zu schätzen.

Ein ganzes Dorf in Aktion – „Andreas Hofer“-Aufführung auf der Freilichtbühne Altusried

Erst im Studium habe ich übrigens so richtig am eigenen

Leib gespürt, dass das Oberallgäu auch vom Wetter her wirklich

privilegiert ist, als ich den trüben Herbst in Augsburg am Lech und

später in Weingarten im Schussental als echte Belastung empfand.

Während bei der Abfahrt des Zuges im Allgäu oft noch die Sonne

schien, tauchte man kurz hinter Memmingen bereits ins Nebelgrau

ein. Wie schön ist es, in einer der sonnenreichsten Gegenden zu

wohnen!

Diese Region hat mir aber auch viele Möglichkeiten geboten.

Angefangen bei einer tollen Musiklehrerin am Hildegardis-Gymnasium

in Kempten, die mich fürs Singen begeisterte, war es vor

allem der Kontakt zum langjährigen Kirchenmusiker an Sankt Lorenz

in Kempten, Hans Gurski, der meine Liebe zur Kirchenmusik

weckte und bei dem ich meine ersten Auftritte als Sopransolistin

hatte. Ein Glücksfall war außerdem der Gesangsunterricht bei der

in Altusried lebenden Sängerin Hildegard Schwab-Heichele, der ich

viel zu verdanken habe. Sie brachte mich nicht nur gesanglich weiter,

sondern öffnete mir – sozusagen als „Nebeneffekt“ – auch den

Blickwinkel auf die Verbindung von Musik und Theater. Da mich

neben meinem eigenen Singen immer auch der Bereich Chorleitung

bzw. das Einstudieren diverser Projekt-Besetzungen reizte, ist es

natürlich an meinem jetzigen Wohnort Altusried eine gute Möglichkeit,

parallel zu meiner Lehrtätigkeit in Leutkirch auch in diesem

Bereich tätig zu sein.

Meine ersten Chorleiter-Engagements waren noch im

Bereich der Kirchenmusik, was sich aber immer mehr hin zu diver-

sen Musikproduktionen verlagerte. Angefangen mit verschiedenen

Musical-Produktionen des U50-Chores Altusried (erstmals 1997

„We go together“, später u. a. „Die Piraten von Penzance“, „Löwenkönig“,

„Der kleine Horrorladen“, „FRANZISKUS“), waren es später

Chorleiter-Tätigkeiten für diverse Gastproduktionen auf der Allgäuer

Freilichtbühne („Vogelhändler“, „Schwarzwaldmädel“, „My Fair

Lady“, „Weißes Rössl“).

2013 kam ich als musikalische Leitung bei „Don Quijote“

erstmals mit dem „großen Freilichtspiel“ mit über 400 Mitwirkenden

in Altusried in Berührung und seither kann ich verstehen, was die

Altusrieder alle drei Jahre für eine unglaubliche Gemeinschaftsleistung

erbringen. Seit 1849 finden sie Gefallen am Schauspiel und mit

der großen Freilichtbühne haben sich die Spieler einen außergewöhnlichen

Ort für ihre große Leidenschaft, das Theater, geschaffen.

Das sucht seinesgleichen und ist eine wirkliche Besonderheit im

Oberallgäu. Ich kenne kein Theater in Deutschland, bei dem sich die

Mitwirkenden in überwiegend ehrenamtlichem Engagement bereits

rund drei Millionen Euro für ihre eigene Bühne erspielt haben. Hervorheben

möchte ich auch die große Solidarität der Spieler. So kann

ich beispielsweise in diesem Jahr bei „Robin Hood“ die musikalische

Gesamtleitung bewerkstelligen, während meine Kinder von „Ersatzmüttern“

auf der Bühne beaufsichtigt werden. Der Altusrieder „Theatervirus“

hat also inzwischen fast meine ganze Familie erfasst. Die

Allgäuer Freilichtbühne mit 2.500 überdachten Sitzplätzen ist nicht

nur eine der schönsten Open Air Bühnen Deutschlands, sondern für

mich – wie für viele Altusrieder in den Sommermonaten – in den

letzten Jahren auch ein bisschen zur zweiten Heimat geworden.

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ALFONS HÖRMANN

er weltweit

schönste Landkreis

ALFONS HÖRMANN

geb. 1960 in Kempten, verheiratet, drei Söhne | ab 1977 tätig in der Baustoffbranche

in verschiedenen Führungspositionen | 1990 bis 1998 Marketing-

Vertrieb-Vorstand bei der Creaton AG , 1998 bis 2010 Vorstandsvorsitzender |

2010 bis 2016 Geschäftsführer der Hörmann-Holding | 2000 bis 2002

Vorsitzender des Allgäuer und von 2002 bis 2005 des Bayerischen Ski-Verbandes

| 2005 Wahl zum Präsidenten des Deutschen Ski-Verbandes | 2010 Wahl

in das FIS-Council | seit Dezember 2013 Präsident des Deutschen Olympischen

Sportbundes | 2009 Verleihung der Staatsmedaille für besondere Verdienste

um die bayerische Wirtschaft

Oh Allgäu mein – wie schön bist du…“ In diesem

einen Satz des leider viel zu wenig bekannten

„Allgäu-Liedes“ ist das Element enthalten,

das sich auch Gästen und Durchreisenden

sofort erschließt: eine einzigartig schöne Landschaft mit

einer ganz besonderen Charakteristik. Der südlichste Teil – das

Oberallgäu – hat dabei ganz besondere Reize. Wer von Norden

kommend bei Dietmannsried das sogenannte „Allgäuer Tor“ passiert,

traut seinen Augen nicht, denn in greifbarer Nähe baut sich

der Alpenkamm vom Ostallgäu hin zum Bodensee in unglaublicher

Breite und Schönheit auf. Wie viele Male hat mir dieser Blick schon

das wertvolle Gefühl von Heimat vermittelt? Wer dann einfach geradeaus

bis zum südlichsten Punkt, der Tourismushochburg

Oberstdorf fährt, der erlebt die Allgäuer Landschaft in all ihren

Facetten.

Und dort – in Oberstdorf – ist schon eine weitere Besonderheit

meiner Heimatregion zur Tradition geworden: Der Wintersport

ist nicht nur alle Jahre bei der Vierschanzentournee, sondern

bei zahlreichen Weltcups in den Ski- und Eisdisziplinen regelmäßig

zu Gast. Seit der Nordischen Ski-WM 2005 beherbergt der Ort auch

einen der deutschland- und europaweit erfolgreichsten Stützpunkte,

mit Internat und einer Eliteschule des Sports.

Doch nicht nur im Süden des Landkreises, sondern in der

gesamten Region hat der Sport eine ganz besondere Bedeutung. Als

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ALFONS HÖRMANN

Präsident von ProSport Allgäu-Kleinwalsertal

freue ich mich über die vielen Toptalente

mit Allgäuer Wurzeln. Und als Präsident

des Deutschen Olympischen Sportbundes

würde ich mir in vielen Regionen

eine vergleichbare Begeisterung gerade

auch im Ehrenamt wünschen.

Attraktive Arbeitsplätze in zukunftsorientierten

Unternehmen in einer

Landschaft, in der andere Urlaub

machen – diese Mischung wirkt wie

ein „Heimat-Magnet“.

Als Unternehmer mit Allgäuer Herkunft

freue ich mich aber auch und gerade

über schöne Entwicklungen im wirtschaftlichen

Bereich. Eine solide und gesunde

Struktur von mittelständischen Unternehmen

und einige führende Unternehmen

dokumentieren die Stärke unserer Region:

ABT, Dachser und Geiger sind beispielsweise

führende Unternehmen mit nationaler

und internationaler Bedeutung. Aber auch

innovative Zukunftsunternehmen wie

Scaltel und Gastfreund zeigen, wie sich die

Wirtschaftsstruktur der „Allgäuer Mächler“

weiterentwickelt. Attraktive Arbeitsplätze

in zukunftsorientierten Unternehmen

in einer Landschaft, in der andere Urlaub

machen – diese Mischung wirkt wie

ein „Heimat-Magnet“.

Darin liegt wohl auch ein ganz wesentlicher

Grund, warum ich als „Allgäuer

Bauernbub“ meiner Heimat bis heute treu

geblieben bin. Obwohl durch die wachsenden

Reiseanteile national und international

immer weniger Zeit für die Besonderheiten

unseres Landkreises bleibt, habe ich den

Erstwohnsitz im weltweit schönsten Landkreis

stets geschätzt und genossen.

Je mehr ich von der Welt kennengelernt

habe, desto größer wurde dabei meine

Liebe zur Allgäuer Heimat. Und so zählt

heute ein Besuch auf dem heimischen

Schlossbauern-Hof mit der Sulzberger Burgruine

oder ein Waldspaziergang durch den

Kemptener Wald zum „Tobias“ genauso

zum emotionalen Luxus wie eine Rundwanderung

um den herrlichen Rottachsee

mit dem Grünten als „Wächter des Allgäus“

im Hintergrund.

Kurzum: Oh Allgäu mein – wie

schön bist du..“

Blick auf die mittelalterliche Burgruine Sulzberg

49


JOCHEN KRUPINSKI

m Allgäu ganz droben

JOCHEN KRUPINSKI

geb. 1950 in Ulm, aufgewachsen, Schulbesuch und Lehre in Kempten,

Ausbildung zum Maschinenbauer | seit 44 Jahren glücklich verheiratet,

wohnhaft in Buchenberg Ortsteil Eschach | Gemeinderat | seit 1973

Hüttenwirt: zunächst auf dem Kemptner Naturfreundehaus, seit 1978

auf der Mindelheimer Hütte

Blick auf den Heilbronner Weg

66


JOCHEN KRUPINSKI

Mein Allgäu ist nicht das der Industrie und der

Universität, der Besseren und Gescheiten,

des Geldes und des Ansehens. Natürlich

gibt’s das alles im Allgäu und noch viel mehr.

Und das hat auch alles seine Richtigkeit. Aber das ist nicht mein Allgäu.

Mein Allgäu ist das der Menschen. Das kommt vielleicht daher,

weil ich so weit oben hocke. Als Hüttenwirt seit 40 Jahren auf der

Mindelheimer Hütte in 2.000 Metern Höhe und privat auf einem alten

Bauernhof, der auch noch über 1.000 Meter hoch liegt. Mit einem

fantastischen Ausblick auf die Berge und das Land davor. Manchmal,

wenn ich Zeit habe, sitze ich am späten Nachmittag auf der Terrasse

vor dem Haus, ein Achterle Roten auf dem Tisch, und schaue über

das Land. Sehe abgezirkelte Felder in Ocker und Braun, grüne Waldflächen,

Dörfer, die sich um einen Kirchturm scharen, kleine Städte,

in denen ich mich wohlfühle. Dahinter die Berge. Auf dem Mittag

werden die Gleitschirmflieger sich wohl gerade zu ihrem letzten Flug

abstoßen, die Wanderer trinken aus und machen sich auf den Weg

ins Tal. Ein paar Freunde kommen. Kaffee, Wein, Bier, Speck und

Bergkäs. Ein gemütlicher Ratsch hebt an. Was

mir besonders gefällt: Man interessiert sich

noch füreinander. Fragt nach dem Befinden

und wie man helfen kann, wenns numr so got.

Manchmal hole ich das Motorrad aus

der Garage und tuckere gemächlich durch das

Allgäu. Nicht auf den großen Durchgangsstraßen,

wo man schnell von einem Ort, einer

Sehenswürdigkeit zur anderen kommt, wo

nicht das Fahren, sondern nur das Ziel eine

Rolle spielt. Denn es gibt sie noch immer, die kleinen Dorfstraßen

und Verbindungswege, auf denen man beim Fahren zur Ruhe kommt.

Und zum Schauen und zum Derweil haben in einem schattigen Biergarten.

Wo man andere trifft, die auch so denken und fühlen wie ich.

Die Mindelheimer Hütte ist eine handyfreie Zone. Ich möchte,

dass unsere Gäste für einen Nachmittag oder Abend ihre Lieben

zu Hause in Frieden lassen und sich stattdessen mit ihren Tischnachbarn

unterhalten, die auch von der Liebe zu den Bergen hierher geschwemmt

wurden. Sie wissen meist wirklich etwas Neues und Anderes

zu erzählen, dass die Welt hintennach ein bisserl anders ausschaut

wie vorher. Das ist der Gewinn, den man neben dem Naturerlebnis

aus dem Allgäu mit nach Hause nehmen kann.

Es gibt Sommertage, an denen sich die Hitze gegen Abend in

mächtigen Gewittern löst. In den Bergen herin ist es noch einmal so

wild, weil jeder Donnerschlag ein vielfaches Echo wirft und man

meint, dass die Blitze gar nicht von oben, sondern von der Seite kommen.

Im Voralpenland ist es anders. Wie in einer Loge sitzt man vor

dem Land und den Bergen dahinter und kann beobachten, was das

Gewitter mit dem Allgäu macht. Wenn die Blitze den ganzen Horizont

ausfüllen und der Sturm die Wolken vor sich herpeitscht. Dort,

Mein Allgäu ist

ein Land der Zeit.

Wo man noch Zeit hat,

füreinander und für

sich selber.

wo sie unten ausfransen, regnet es schon. Aber bei uns ist immer noch

schönes Wetter und vielleicht haben wir Glück und es bleibt auch so.

Im Winter, wenn’s um unseren Hof stürmt oder schneit, wird

mein Allgäu ganz klein. Dann sehe ich nicht einmal mehr den Gartenzaun.

Alles ist grau. Und wenn ich es nicht besser wüsste, könnte

ich jetzt auch in einem kleinen Schiff über den Atlantik dem Weltuntergang

zutreiben. Aber dann, am nächsten Tag, wirft die Sonne glitzernde

Kronen auf die frischen, unberührten Schneeflächen und an

der Hauswand wird es so warm, dass man im Januar im Freien sitzen

kann. Ein paar Langläufer, die schon seit Jahren bei uns Urlaub machen,

setzen sich zu uns und strecken nicht nur ihre Köpfe der Sonne

entgegen. Und sie erzählen Jahr um Jahr dasselbe: dass sie immer

wieder kommen, weil es bei uns im Allgäu so schön ist. Und sie blinzeln

in den Himmel hinein, wo zwei majestätische Heißluftballon-

Kugeln durch die Bläue rollen. In den Tagen nach Weihnachten

kommt die Dorfmusik zum Neujahr-Blasen. Sie sammelt Geld für die

vielen Auftritte unter dem Jahr und sie freut sich auf die Brotzeit. Ob

sie sich auf den obligatorischen Schnaps ebenso

freut, weiß ich nicht, weil sie bei den Nachbarn

auch schon einem haben trinken müssen.

Musiker zu sein, ist im Allgäu kein einfaches

Hobby.

Mein Allgäu ist das Land der Kühe, die

geruhsam wiederkäuend den Wanderern zuschauen

oder neugierig an den Weidezaun

kommen, das Land der Berge, in dem zwei

Menschen miteinander von einem Felsbrocken

aus in die Welt schauen können und sich bei der Hand halten.

Das sind Freunde, die da sind, wenn man sie braucht, und manchmal

auch, wenn man sie nicht braucht, und der Nachbar, der seinen Traktor

stehen lässt und über den Zaun juckt, um mit mir ein Achterle zu

trinken. Mein Allgäu ist ein Land der Zeit. Wo man noch Zeit hat,

füreinander und für sich selber. Und wo die Berge nicht nur ein Sportgerät

sind und die Erlebnisse nicht nur ein Kick, sondern eindringen

und Zeit haben, sich auszubreiten und zu bleiben.

Manchmal muss ich weg aus dem Allgäu. Irgendwo hin, ans

Meer zum Beispiel, wo es auch schön ist und die Menschen eine ganz

andere Lebensart haben. Dann bin ich froh, dass ich weg bin. Für eine

Woche, oder zwei, oder gar drei oder vier. Aber dann, urplötzlich,

treibt‘s mich heim und ich bin erst wieder glücklich, wenn ich die Berge

sehe und Menschen um mich habe, die so freundlich und stur, eigensinnig

und hilfsbereit, maulfaul und geschwätzig sind wie die Allgäuer.

Jetzt, wo ich das alles schreibe, fällt mir übrigens auf, dass

meine Geschichten nichts damit zu tun haben, dass ich oben droben

auf dem Allgäu hocke. Das kann man alles in den Tälern, überall im

Allgäu, auch erleben. Aber eines ist gewiss: im Allgäu ganz oben droben

ist es noch ein bisserl schöner.

67


DR. GERD MÜLLER

in Landkreis mit

Vorzeigecharakter

DR. GERD MÜLLER

geb. 1955, verheiratet, zwei Kinder, Wohnort: Kempten/Durach im Allgäu |

1989 bis 1994 Mitglied des Europäischen Parlaments | seit 1994 direkt

gewählter Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Kempten, Oberallgäu,

Lindau | seit 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und

Entwicklung

Dankbarkeit und Demut kommt auch auf, wenn wir unsere

gewaltige Berglandschaft sehen und verstehen, dass die Natur seit

Millionen von Jahren existiert und wir uns manchmal alle zu wichtig

nehmen. Mit der Natur und den Jahreszeiten zu leben, auch das

lernt man bei uns im Allgäu. Natürlich ist das Wetter bei uns ein

tägliches Thema. Wir sind die Region mit der höchsten Niederschlagsrate,

aber auch mit der längsten Sonnenscheindauer in

Deutschland. Regen und Sonne schaffen diese herrlich satten grünen

Wiesen und unsere fantastische Kulturlandschaft. Bedenken

wir dabei auch immer die großartige Leistung unserer Bäuerinnen

und Bauern, denen keine Mühe zu groß ist, auch schwierige Grundstücke

zu hegen und zu pflegen.

Jedes Mal, wenn ich nach einer Woche in Berlin aus

der Großstadt, dem Verkehr, der Hektik, dem Lärm

und Treiben nach Hause komme, fühle ich, wie glücklich

wir uns schätzen dürfen, hier im Allgäu zu leben.

Zu Hause angekommen, blicke ich meistens zuerst über die grünen

Wiesen hinweg zum Grünten und zur Bergkette und bin dankbar

für den herrlichen Flecken Erde, den uns der Herrgott auf diesem

Planeten geschenkt hat.

Besonders stolz können wir auf die Entwicklung unserer

Gemeinden in den vergangenen 30 Jahren sein. Unsere Dörfer und

Gemeinden haben nahezu alle ihren eigenen Charakter und ihre

besondere Struktur erhalten. Es ist wichtig, dass wir auch in Zukunft

Kindergärten, Schulen, Turnhallen, Sportplätze für die Jugend

und die Familien ortsnah gestalten können. Für die ältere Bevölkerung

und unsere Senioren bieten heute fast alle Gemeinden

betreutes und altersgerechtes Wohnen und Pflege an. Das erscheint

uns allen vor Ort als selbstverständlich, ist aber, wenn ich mich in

Berlin umschaue, weit weg von der Realität. Keine Großstadt hat

eine vergleichbare Lebensqualität zu bieten. In den Städten lebt man

nebeneinander, häufig ohne sich zu kennen. Mancher schätzt diese

Anonymität. Aber für uns zu Hause ist es doch ein großes Glück,

den Nachbarn zu kennen, sich im Verein zu treffen, Leid und Freude

miteinander zu teilen. Wir helfen einander auch in schwierigen

Lebenssituationen. Und wie schön werden auch heute noch die

jährlichen Kirchenfeste bei uns gemeinsam gefeiert! Unsere Musikkapellen

sind der ganze Stolz in jeder Gemeinde. Die Bezirksmusikfeste

sind Höhepunkte im Vereinskalender. Entgegen manchem

Vorurteil der Städter, sind wir auf dem Land nicht nur traditionsbewusst

und bodenständig, sondern auch modern, tolerant und

weltoffen.

Gerade das vergangene Jahr hat gezeigt, dass die angekommenen

Flüchtlinge nirgendwo so gut integriert und betreut werden

82


DR. GERD MÜLLER

Der Flugplatz Kempten-Durach – der höchstgelegene Verkehrslandeplatz in Deutschland

wie im ländlichen Bereich. Menschen aus fremden Kulturkreisen

fliehen vor Krieg und Not und suchen bei uns nach einer sicheren

Zuflucht. Bei uns im Oberallgäu bemühen sich ehrenamtliche Helferinnen

und Helfer in großartiger Weise um diese Menschen. Diese

Aufnahmebereitschaft und Willkommenskultur

steht für Menschlichkeit und

Toleranz. Gegenüber der breiten Aufnahmebereitschaft

und Willkommenskultur,

die in unserer Heimat Tag für Tag vorgelebt

wird, möchte ich meine tiefe Dankbarkeit

ausdrücken.

Bei uns im Oberallgäu

bemühen sich ehrenamtliche

Helferinnen und

Helfer in großartiger

Weise um die Menschen.

Wir werden und wollen als Politiker

unsere Heimat weiterentwickeln und dabei

insbesondere auch der jungen Generation

Ausbildungs- und Studienplätze, aber auch

Arbeitsplätze mit Zukunft sichern. Die

Standortqualität des Oberallgäus ist hervorragend. Wir liegen

deutschlandweit unter den Top 10 der besten Arbeitsmarktregionen.

Die gängigen Wirtschafts- und Arbeitsmarktzahlen bescheinigen

unserer Heimat Spitzenresultate. Auch im Bereich der Infrastruktur

mit der Fertigstellung der A 7, der B 19 und dem geplanten

Ausbau der B 12 sowie in der Bildung mit der Bewerbung des Landkreises

zur „Bildungsregion“, wird das Oberallgäu seinem Vorzeigecharakter

gerecht. Beim Ausbau moderner digitaler Infrastruktur

legen sich die Gemeinden derzeit kräftig ins Zeug. Das Allgäu ist

eine Innovations- und Zukunftsregion!

Blickt man auf die Bevölkerungsentwicklung,

so ist es wichtig, dass wir insbesondere

auch für junge Familien Arbeitsund

Lebensperspektiven in der Heimat

schaffen. Bezahlbarer Wohnraum für junge

Familien ist dabei eine Herausforderung, die

es zu lösen gilt. Auch für die Jugend, die es

hinauszog zum Studium oder zur Arbeit irgendwo

in Deutschland oder in der Welt,

muss es wieder einen Platz – sprich bezahlbare

Wohnungen – für eine Rückkehr in die

Heimat geben.

Nirgendwo in der Welt habe ich ein solch starkes Heimatgefühl,

eine so starke Verwurzelung erlebt wie hier im Allgäu. Ich bin

dankbar und stolz, dass ich nunmehr seit so vielen Jahren unsere

Heimat im Deutschen Bundestag vertreten darf. Gleichzeitig bin

ich auch jedes Mal froh, wieder zu Hause zu sein.

83


KARL-HEINZ RIEDLE

in Hoch auf unser Allgäu

KARL-HEINZ RIEDLE

geb. 1965 in Weiler-Simmerberg | verheiratet, drei Kinder | ehemaliger Fußballprofi

| 1983 bis 1986 FC Augsburg | 1986 bis 1987 BW 90 Berlin | 1987 bis 1990

SV Werder Bremen, 1988 Deutscher Meister | 1990 bis 1993 Lazio Rom | 1993

bis 1997 Borussia Dortmund, 1995 und 1996 Deutscher Meister, 1997 Champions-League-Sieger|

1997 bis 1999 FC Liverpool | 1999 bis 2001 FC Fulham |

1986 bis 1987 Nationalmannschaft U21 | 1988 bis 1994 Nationalmannschaft:

42 Länderspiele | 1988 Bronze bei den Olympischen Spielen in Seoul | 1990

Weltmeister | 1992 Vize-Europameister | seit 1999 Hotelier | 2004 bis 2006

Sportdirektor Grasshoppers Zürich | seit 2014 „internationaler Markenbotschafter“

für Borussia Dortmund

Gemeinsam mit meinen vier Schwestern bin ich

in dem kleinen und beschaulichen 1000-Seelen-Dorf

Simmerberg aufgewachsen. Idyllisch

auf dem „Sulzberger Rücken“ gelegen bietet

dieser Ortsteil von Weiler eine herrliche Aussicht auf das Allgäuer

und Vorarlberger Bergpanorama. Diese Umgebung war für uns Kinder

nichts Besonderes. Damals war uns gar nicht bewusst, was für

ein Glück wir haben, in so einer schönen Landschaft aufwachsen zu

können. Wir haben unsere Freizeit überwiegend im Freien verbracht

und inmitten schönster Natur eine glückliche Kindheit und tolle

Jugendzeit verlebt.

Schon als Kind habe ich wahnsinnig viel Sport gemacht. Es

gibt kaum eine Sportart, die ich ausgelassen habe: Leichtathletik,

Tennis, Turnen und natürlich Fußball. Sport hat von klein auf mein

Leben maßgeblich geprägt. Wie die meisten Jungen im Kindergarten-

und Grundschulalter habe auch ich meine Liebe zum Fußball

beim Kicken auf der Wiese entdeckt. Im Alter von sechs Jahren trat

ich dann in meinen Heimatverein TSV Ellhofen ein. Am Anfang habe

ich mich noch ein wenig schwergetan, aber durch regelmäßiges

Training und zahlreiche Spiele habe ich mich mehr und mehr entwickelt.

Als ich 14 Jahre alt war, wurde mein Talent schließlich entdeckt

und ich wechselte zum Nachbarverein SV Weiler, heute FV

Rot-Weiß Weiler. Dort hatte ich ein super Jahr. Mein damaliger Trainer

und heutiger Mitarbeiter Joachim Zwerger begleitete mich zu

einem Probetraining nach Augsburg. An diesem Tag gelang mir einfach

alles, sodass ich mich von meiner besten Seite zeigen und den

Trainer überzeugen konnte.

Meine Eltern waren zunächst nicht sonderlich begeistert von

der Idee, dass ihr einziger Sohn eine Karriere als Profifußballer anstrebte.

Sie betrieben eine kleine Gaststätte mit eigenem Metzgereibetrieb

und hofften vielmehr, dass ich nach meinem Schulabschluss

eine Ausbildung zum Metzger absolviere, um später den elterlichen

Betrieb zu übernehmen. Deshalb stimmten sie meiner geplanten

sportlichen Laufbahn nur unter der Bedingung zu, dass ich auf jeden

Fall zuerst die Metzgerausbildung machte. Für mich stand allerdings

damals schon fest, dass die Übernahme des Betriebs für mich niemals

in Frage kam. Ich hatte ganz andere Pläne.

Im Alter von 16 Jahren verließ ich das Allgäu und ging nach

Augsburg, um dort zunächst zwei Jahre in der Jugend und schließlich

zwei weitere Jahre in der Amateurliga zu spielen. Meinen ersten Profivertrag

unterzeichnete ich 1986 beim Bundesligaaufsteiger Blau-

Weiß 90 Berlin. Während meiner Profikarriere habe ich zahlreiche

interessante Stationen durchlaufen: Bremen, Rom, Dortmund, Liverpool

und Fulham. So habe ich viele beeindruckende Städte und

wunderschöne Gegenden im In- und Ausland kennengelernt. Letztlich

hat es mich aber immer wieder zurück ins Allgäu gezogen, zu

meiner Familie, in meine Heimat und zu meinen Wurzeln.

Deshalb habe ich auch hier meinen großen Traum verwirklicht:

Seit 1996 veranstalte ich gemeinsam mit meinem Team Fußball-Camps,

um Kinder und Jugendliche für meine Sportart zu begeistern.

1999 haben wir unser Vier-Sterne-Aktiv- und Tagungshotel

evviva! – wunderbar ruhig am Ortsrand von Oberstaufen und nur

zehn Kilometer von meinem Geburtsort entfernt – eröffnet. Direkt

96


Wintersport ist mehr als Skifahren – im Hintergrund der winterliche Hochgrat bei Oberstaufen.

beim Hotel gibt es noch ein Nebengebäude

für die Kinder, die am Fußball-

Camp teilnehmen. Umgeben von

Bergen, Seen, Wiesen und Wäldern

und nur eine halbe Autostunde vom

Bodensee entfernt ist Oberstaufen ein

idealer Ausgangspunkt für unzählige

Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten.

Hier können die Eltern herrlich entspannen,

während ihr Nachwuchs im

Fußball-Camp an der Technik feilt. Wenn ich vor Ort bin, trainiere

ich auch selbst mit den fußballbegeisterten Kindern und Jugendlichen.

Das ist mir sehr wichtig. Schließlich möchte ich nicht nur

meinen Namen geben, sondern auch persönlich präsent sein.

Da ich beruflich sehr viel unterwegs bin, kann ich auch das

zuweilen hektische, aber spannende Großstadtleben genießen.

Diese Kombination von Leben in ländlicher Idylle und Reisen in pulsierende

Metropolen finde ich besonders reizvoll. So habe ich nie das

Gefühl, irgendetwas zu verpassen. Immer wenn ich dann ins Allgäu

zurückkehre, sehe ich die unglaubliche Schönheit der traumhaften

Immer wenn ich ins

Allgäu zurückkehre, sehe ich

die unglaubliche Schönheit der

traumhaften Allgäuer

Landschaft mit anderen Augen.

Allgäuer Landschaft mit anderen

Augen. Diese märchenhafte Natur

weiß man erst zu schätzen, wenn man

einmal woanders war.

Häufig werde ich von Bekannten

und Freunden verständnislos

gefragt: „Was hält Dich nur im

Allgäu?“ Ganz einfach. Erstens – die

Gemütlichkeit. Die Uhren laufen

hier einfach anders, ticken wesentlich langsamer. Dadurch ist die

Atmosphäre angenehm entspannt. Zweitens – die wunderschöne

Natur. Gemeinsam mit meiner Familie nutze ich das weit verzweigte

Wegenetz für ausgedehnte Spaziergänge mit unseren zwei Hunden.

Im Winter gehen wir leidenschaftlich gern Ski fahren. Bei diesen

Aktivitäten in freier Natur kann ich wunderbar abschalten. Und

drittens – die Mentalität. Den Allgäuern selbst sagt man zwar nach,

dass sie sehr engstirnig und stur seien, aber tatsächlich sind sie sehr

herzlich und gesellig. Wenn man hier einmal warm geworden ist,

hat man Freunde fürs Leben gefunden. Kurzum: evviva! – es lebe

das Allgäu.

97


CENTA THEOBALD

eiblicher Charme hält

Einzug in die Blasmusik

CENTA THEOBALD

geb. 1946 in Waltenhofen | verheiratet, eine Tochter | Ausbildung in einem

Stahl- und Sanitärbetrieb | 1966 Eintritt in Musikkapelle Buchenberg, 1975 bis

1987 Schriftführerin, 1987 bis 1999 Vorstand, seit 2000 Ehrenvorsitzende |

1994 Beisitzerin im Präsidium des Allgäu Schwäbischen Musikbundes (ASM),

seit 2000 stellvertretende Präsidentin | 2002 Ehrenzeichen des Bayerischen

Ministerpräsidenten Edmund Stoiber für Verdienste im Ehrenamt | 2007 bis

2010 Vorsitzende Kulturstiftung „Klingendes Schwaben“ | Ehrenabzeichen des

ASM | Ehrennadel der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände in Gold

mit Kranz und Diamant | 2013 Bundesverdienstkreuz

Meine grenzenlose Leidenschaft für Musik und

meine musikalische Begabung wurden mir

vermutlich schon in die Wiege gelegt. Ich

stamme aus einer sehr musikalischen Familie,

in der das Musizieren seit Generationen als lieb gewonnene Tradition

einen besonderen Stellenwert genießt. Musik ist einfach wunderschön

und begeistert mich, egal ob ich zuhöre oder selbst musiziere.

Als Kind habe ich immer gerne gesungen. Meine Eltern hatten

einen landwirtschaftlichen Betrieb. Meine zwei Schwestern, mein

Bruder und ich mussten als Kinder auf dem Feld mithelfen und hatten

gar keine Möglichkeit, in den Ferien Urlaub zu machen, geschweige

denn zu verreisen. Mein Vater war dennoch sehr oft mit der

Musikkapelle unterwegs. Das hat mich schon als junges Mädchen

fasziniert und beeindruckt. Deshalb wollte ich unbedingt ein Instrument

erlernen, auch um diesem tristen und eintönigen Leben auf

dem elterlichen Hof zu entfliehen. Inzwischen spiele ich schon seit

50 Jahren mit Begeisterung Klarinette.

Im Alter von 20 Jahren bin ich als erste Frau in die Musikkapelle

Buchenberg eingetreten. Das war zu dieser Zeit eine kleine

Revolution, die mir den respektvollen Titel der „Pionierin der Blaskapellen“

eingebracht hat. Denn bis dahin war es undenkbar, dass

Mädchen und Frauen in einer Kapelle spielen. Dementsprechend

musste ich deutlich mehr durch Qualität überzeugen als meine

männlichen Kollegen, die mir anfangs mit einer gehörigen Portion

Argwohn und Skepsis begegneten. Zu Beginn der Musikprobe musste

ich für die Herren die Notenständer aufstellen, Bier bringen und

die Aschenbecher leeren.

Drei Jahre später bin ich in die Stadtkapelle Kempten eingetreten,

wo ich bis zu meiner Hochzeit im Jahr 1972 von Stadtkapellmeister

Hugo Schmid ausgebildet wurde. Er war ein äußerst strenger

Lehrer und verlangte sehr viel von mir. Ich hatte durchweg das

Gefühl, dass ich doppelt so gut sein musste wie meine männlichen

114


CENTA THEOBALD

Am Niedersonthofener See

Musiker-Kollegen. Aber mein gesundes Selbstbewusstsein und nicht

zuletzt mein musikalisches Können haben mir dazu verholfen, schon

bald als ebenbürtiges Mitglied der Kapelle vorbehaltlos akzeptiert

und integriert zu werden. In der Musikkapelle Buchenberg übte ich

1975 bis 1987 – ebenfalls als erste Frau – das Amt der Schriftführerin

aus, bis mir die vertrauensvolle Position der Vorsitzenden übertragen

wurde, die ich bis zum Jahr 1999 innehatte. Im Jahr darauf wurde

ich sogar zur Ehrenvorsitzenden ernannt.

Darauf bin ich ganz besonders

stolz.

Während meiner Vorstandstätigkeit

haben wir tolle Ausflüge und

Reisen unter anderem zu Musikfesten

unternommen, darunter Ziele wie

Hamburg, Berlin, Prag oder Nizza. Gemeinsam

haben wir eine Reihe bewegender

Momente erlebt, die wir niemals

vergessen werden. So verdankt es die

Kapelle meiner Hartnäckigkeit, dass

wir beim Fußballspiel HSV – Bayern

München im vollbesetzten Hamburger

Volksparkstadion auftreten durften. Auf der großen Anzeigetafel

vor 60.000 Zuschauern war zu lesen: „Der HSV grüßt die Musikkapelle

Buchenberg aus dem Allgäu“. Insgesamt dreimal haben wir

in der Garde-Uniform der Roten Funken am Kölner Rosenmontagszug

teilgenommen. Außerdem habe ich die jährliche Wallfahrt

zur Wallfahrtskapelle in Gschnaidt ins Leben gerufen, zum Gedenken

an verstorbene Musikkameraden.

Ich war schon immer

der Meinung, dass

Leistung, Können,

Kameradschaft und

Freundschaft viel

wichtiger sind als das

Geschlecht.

Im Jahr 2000 bin ich mit dem Schwäbischen Jugendblasorchester

zum 80. Geburtstag von Papst Johannes Paul II. nach Rom

gereist. Wir waren aus einer ganzen Reihe von Bewerbern ausgewählt

worden, um dem Papst musikalisch unsere Glückwünsche zu überbringen.

Nach dem Konzert haben wir ihm persönlich einen Präsentkorb

überreichen dürfen. Das war eine der emotionalsten Begegnungen

meines Lebens, die mir unvergesslich bleibt.

Für mich war und ist es auch immer

wichtig, kulturelles Erbe weiterzuführen,

Brauchtum zu pflegen und Traditionen

aufrechtzuerhalten. Hierbei ist

die Musik unverzichtbar. Darin begründet

sich mein Engagement. Die Musikkapelle

Buchenberg tritt in Allgäuer

Tracht auf und spielt sowohl traditionelle

als auch moderne Musik. Sie gestaltet

Fest- und Feiertage mit, wie z. B. den 1.

Mai, Heldengedenktage oder Fronleichnam.

Ohne unsere musikalische Begleitung

sind kirchliche, gemeindliche, heimatliche

und kulturelle Veranstaltungen

gar nicht denkbar. Unser Repertoire umfasst bodenständige Blasmusik,

konzertante Musik und Kirchenmusik. Im Jahr 1995 hat die Musikkapelle

Buchenberg unter meiner Regie ihr 125-jähriges Jubiläum

gebührend gefeiert.

Besonderen Wert habe ich in der Musikkapelle immer auf die

Pflege der Kameradschaft, gegenseitigen Respekt und einen höfli-

115


CENTA THEOBALD

chen Umgangston gelegt. Das Schöne an der Musik ist, dass jeder in

dieser Gemeinschaft musizieren kann, weil Alter, Hautfarbe, Herkunft,

Konfession oder Beruf überhaupt gar keine Rolle spielen. Jeder,

der in einer Kapelle spielt, findet Aufnahme und Geborgenheit.

In der Musik verschmelzen Seele und Körper zu einer Einheit. Junge

Menschen verbringen ihre Freizeit sinnvoll und haben Erfolgserlebnisse.

Das gemeinsame Musizieren fördert soziale Kompetenzen,

denn das Miteinander ist ungeheuer wichtig. Durch die Schönheit

der Musik werden Sinngebung und Werte vermittelt. Die Musik, die

wir spielen, bewegt die Seele und berührt das Herz. Wir haben mit

unserer Musik schon viele Seelen bewegt und viele Herzen berührt.

Deshalb engagiere ich mich auch liebend gern im Dienste der

Blasmusik. So war es eine ganz besondere Ehre für mich, 1994 – wiederum

als erste Frau – ins Präsidium des Allgäu Schwäbischen Musikbundes

gewählt zu werden. Sechs Jahre später wurde ich zur stellvertretenden

Präsidentin gewählt. In dieser Funktion übernehme ich

Termine in ganz Schwaben, besuche Konzerte und Feste, halte Festansprachen,

nehme Ehrungen vor und besuche Tagungen. Im Jahr

nehme ich als „Botschafterin der Blasmusik“ durchschnittlich 70 Termine

wahr und fahre rund 7.000 Kilometer. Eine Mammutaufgabe,

bei der Familie und Hobby in Einklang gebracht werden müssen. In

meinem Mann Erich habe ich hierbei eine großartige Unterstützung.

Inzwischen bin ich die dienstälteste Musikantin im Allgäu

Schwäbischen Musikbund, der heute 90.000 Mitglieder zählt, darunter

40.000 aktive Musikantinnen und Musikanten, wovon das

weibliche Geschlecht inzwischen einen Anteil von 49 Prozent ausmacht.

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Damen mehr und

mehr behauptet und sind heutzutage aus der Blasmusikszene nicht

mehr wegzudenken. So sind die Kapellen glücklicherweise auch viel

charmanter geworden. Frauen bereichern schon rein optisch die Auftritte,

Festzüge und Konzerte und tragen durch vielerlei ehrenamtliche

Aktivitäten zur Attraktivität einer jeden Musikkapelle bei. Ich

war schon immer der Meinung, dass Leistung, Können, Kameradschaft

und Freundschaft viel wichtiger sind als das Geschlecht.

Von 2007 bis 2010 war ich Vorsitzende der Kulturstiftung

„Klingendes Schwaben“, die 1998 von Christl und Karl Kling mit

dem Stiftungszweck gegründet wurde, junge Talente zu fördern,

Jugendwettbewerbe zu unterstützen und in sozialen Härtefällen zu

helfen, um den Weg zu einer musikalischen Ausbildung zu ebnen.

Durch die Begegnung mit vielen talentierten jungen Musikern habe

ich wahnsinnig viel zurückbekommen. Lob und Dank sind der Lohn

und zugleich der Ansporn im Ehrenamt.

Den Umgang mit Menschen empfinde ich immer wieder als

Bereicherung. Auch wenn der Menschenschlag im Allgäu zuweilen

etwas rau scheint, so sind die Allgäuer dennoch sehr herzlich. Sie

bringen die Dinge auf den Punkt, manchmal klingt dies etwas derb,

aber wichtig ist, es ist zumeist ehrlich gemeint. Insbesondere die

Oberallgäuer sind bekannt als „Macher“, sie sind fleißig, zufrieden,

bodenständig und in ihren Traditionen verwurzelt.

Durch meine vielfältigen Tätigkeiten habe ich viele Reisen

unternommen und dabei wunderschöne Orte im In- und Ausland

kennengelernt. Dennoch habe ich mich immer unheimlich gefreut,

wieder nach Hause zu kommen. Denn hier im Allgäu ist alles intakt.

Wir sind von einer grandiosen Landschaft, von Wäldern, bunten

Wiesen und klaren Seen umgeben und leben dort, wo andere Urlaub

machen, in der Nähe zur Schweiz und zu Österreich. Als passionierte

Bergsteigerin empfinde ich eine tiefe Verbundenheit zur Natur

und bin sehr viel in den Bergen unterwegs. Ich fühle mich hier sehr

wohl und geborgen. In meiner Heimat geht mir das Herz auf. Heimat

ist da, wo man sich beim Namen nennt. Ich liebe den dörflichen

Charakter hier, und wo ich mich wohlfühle, da bin ich daheim. Heimat

kann man nicht kaufen und nicht verkaufen. Heimat trägt man

im Herzen.

116


ÜBERSICHT DER PR-BILDBEITRÄGE

allfo Gruppe 20 – 21

www.allfogroup.de

Allgäu Batterie GmbH & Co. KG 19

www.allgaeubatterie.de

Allgäuer Überlandwerk GmbH 22

www.allgaeustrom.de

AllgäuPflege gGmbH 29

www.allgaeupflege.de

Aquaria Erlebnisbad-Betriebs GmbH 37

www.aquaria.de

Baumit GmbH 30 – 31

www.baumit.com

Behr Systems GmbH 38 – 39

www.behrsystems.de

Bergbahnen Oberstdorf/Kleinwalsertal 23

www.das-hoechste.com

Berger Holding GmbH & Co. KG 61

www.aberger.de

Champignon-Hofmeister Unternehmensgruppe 62 – 63

www.champignon.de

Robert Bosch GmbH 44 – 45

www.bosch.com

Wilhelm Fischer Spezialmaschinenfabrik GmbH 46 – 47

www.wilhelm-fischer.de

Geiger Unternehmensgruppe 54 – 55

www.geigergruppe.de

HATZIS Edelstahlbearbeitung GmbH 56 – 57

www.hatzis.de

Karl Hudez GmbH 79

www.hudez.com

Kinderhotel Oberjoch 70 – 71

www.kinderhoteloberjoch.de

Klinikverbund Kempten-Oberallgäu gGmbH 72 – 73

www.kv-keoa.de

Komm mit – Morent GmbH & Co. OHG 88 – 89

www.komm-mit-reisen.net

Kösel GmbH & Co. KG 80 – 81

www.koeselbuch.de

KUNERT FASHION GMBH 90 – 91

www.corporate.kunert.de

Xaver Lipp Bauunternehmung GmbH 106 – 107

www.xaver-lipp.de

MAHA-AIP GmbH & Co. KG 98 – 99

www.maha-aip.com

MAHA Maschinenbau Haldenwang

GmbH & Co. KG 100 – 101

www.maha.de

PRIMAVERA LIFE GMBH 112 – 113

www.primaveralife.com

Raiffeisenbank im Allgäuer Land eG 118 – 119

www.rb-allgaeuerland.de

Regionalverkehr Allgäu GmbH (RVA) 105

www.rva-bus.de

Dr. Werner Röhrs GmbH & Co. KG 124 – 125

www.roehrs.de

Schmid Folien GmbH & Co. KG 111

www.schmid-folien.de

Sonnenalp Resort 117

www.sonnenalp.de

Sparkasse Allgäu 132 – 135

www.sparkasse-allgaeu.de

Stoll Gruppe GmbH 142 – 143

www.stoll-gruppe.de

SWW Oberallgäu Wohnungsbau GmbH 126 – 127

www.sww-oa.de

ZSO Zerspanungs- und Systemtechnik GmbH 139

www.zso.de

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