Der Landkreis Schwäbisch Hall - ganz persönlich

neomedia

DER LANDKREIS

SCHWÄBISCH HALL

ganz persönlich


Der Landkreis Schwäbisch Hall

ganz persönlich


FRANKFURT

Landkreis Schwäbisch Hall

STRASSBURG

STUTTGART

MÜNCHEN

FREIBURG i. Br.

FRANKREICH

BASEL

SCHWEIZ

Schrozberg

Langenburg

Gerabronn

Ilshofen

Kirchberg

an der Jagst

Crailsheim

Schwäbisch Hall

Vellberg

Gaildorf


DER LANDKREIS

SCHWÄBISCH HALL

ganz persönlich

Landratsamt Schwäbisch Hall

in Zusammenarbeit mit der

neomediaVerlag GmbH


4 I 5

IMPRESSUM

Herausgeber

Landratsamt Schwäbisch Hall

Münzstraße 1

74523 Schwäbisch Hall

Tel. 0791 755-7208

s.baumgartner@lrasha.de

In Zusammenarbeit mit:

neomediaVerlag GmbH

Industriestraße 23, 48653 Coesfeld

Tel. 02546 9313-0

info@neomedia.de

www.neomedia.de

Redaktion/Lektorat

Landratsamt Schwäbisch Hall,

Steffen Baumgartner / Marina Weippert;

Knut Siewert;

Michaela Butz;

neomediaVerlag GmbH,

Günter Poggemann

Projektakquise

Matthias Kurz

Bildnachweis

Ufuk Arslan: 14, 15, 20, 21, 27, 53, 54, 56,

59, 60, 68, 69, 70, 77, 78, 79, 81, 89, 90,

94, 100, 101, 110, 117, 132, 149, 150, 157,

159, 160, 169, 171, 172, 176, 177, 186, 203,

204, 205, 208, 212, 213, 215, 216, 217, 228

Andrea Bahlinger: 67

Förstergrafie Steffen Förster: 179, 180

Peer Hahn: 47, 48, 49, 50, 51, 71, 86, 87,

95, 103, 114, 115, 121, 151, 161, 173

Reinhard Hassel: 102, 131

Nicole Hirsch: 58

Klinikum Crailsheim: 137

Herbert Schiele: 218

Bernulf Schlauch: 191

Schloss Langenburg: 109, 189

Stefan Sorg: 126, 127

Wolfgang Vogt: 193, 194

Manfred Wolf: 75

Weitere Bilder wurden von den Städten und

Gemeinden des Landkreises Schwäbisch

Hall sowie vom Landratsamt Schwäbisch

Hall zur Verfügung gestellt.

Porträt- und Firmenfotos stammen, soweit

nicht anders vermerkt, von den jeweiligen

Personen und Unternehmen.

Printed in Germany 2015

Das Manuskript ist Eigentum des Verlages.

Alle Rechte vorbehalten.

Dem Buch liegen neben den Beiträgen der

Autoren Darstellungen und Bilder der

Firmen und Einrichtungen zugrunde,

die mit ihrer finanziellen Beteiligung das

Erscheinen des Buches ermöglicht haben.

Druck

Druckerei Oscar Mahl GmbH & Co. KG,

74523 Schwäbisch Hall

Bibliographische Information

der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet

diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie;

detaillierte Daten sind im

Internet über http://dnb.dbb.de abrufbar.

ISBN 978-3-931334-59-8


4

INHALT

DER LANDKREIS

SCHWÄBISCH HALL

ganz persönlich

10 Der schönste Landkreis Deutschlands!

Landrat Gerhard Bauer

14 Ein Landkreis mit viel Lebensqualität

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

16 Was Europa sein kann – über

die Partnerschaft zwischen Schwäbisch

Hall und Zamosc

Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler

19 Die Verbindung von Natur und Technik

ADGA - Adolf Gampper GmbH

20 Es sind die Menschen

Prof. Dr. Reiner Blobel

22 Für den ländlichen Raum arbeiten,

im ländlichen Raum leben

Ulrich Stückle

26 Verlässlichkeit und Identifikation

Hans Otto Bühler

28 Wirtschaftsfaktor Bausparkasse

Schwäbisch Hall

Reinhard Klein

30 Wie die Bausparkasse

nach Schwäbisch Hall kam

Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

32 Auf diese Steine können Sie bauen

Bausparkasse Schwäbisch Hall AG

34 Technologische Weltklasse und ländliches

Umfeld: Ergänzung statt Gegensatz!

Bausch+ Ströbel Maschinenfabrik

Ilshofen GmbH+Co. KG

36 Technik fürs Leben

Robert Bosch GmbH Packaging Technology

Unit Pharma

38 Hart arbeiten und gut leben

Gerhard Schick

42 Hohenlohe hat viele Vorzüge

als Lebensmittelpunkt

Joachim Brenner

44 Ein Leben für die Technik

Siegfried Bullinger

47 Die Hochgrasmäher-Manufaktur

AS-Motor Germany GmbH & Co. KG

48 Über 100 Jahre Möbel Bohn in Roßfeld

Möbel-Bohn GmbH

50 Die Leidenschaft für Kaffee

Dreher GmbH

52 Der dynamischste Landstrich

im fleißigen Baden-Württemberg?

Dr. Erhard Eppler

54 Mehr als nur die zweite Heimat

Richard Beißer

56 Ein Franke in Hohenlohe zu Hause

Thomas Lützelberger


6 I 7

58 Jünger, bunter, toleranter und

demografisch auf Wachstumskurs

Dr. Walter Döring

61 Optimale Lösungen für individuellen

Transportbedarf mit patentiertem

Ladungssicherungssystem TOPZURR ®

Barthau Anhängerbau GmbH

62 Der „Big Player“ für Heimtiernahrung

aus dem Hohenloher Land

bosch Tiernahrung GmbH & Co. KG

63 Spezialist aus Bröckingen

für Imprägnate weltweit

BMK GmbH - Bröckinger Möbel Komponenten

64 Der Dreiklang einer lebenswerten Umwelt

Rezzo Schlauch

66 Chancen sehen und

„just in time“ umsetzen

Horst Groninger

68 Schwäbisch Hall hat mich

im wahrsten Sinn des Wortes bewegt

Dr. h. c. mult. Reinhold Würth

71 Mehr als Blechbearbeitung

Blechtechnik Schwäbisch Hall GmbH

72 Lösungen für die Zukunft

für Maschienenbau und Produktion

HEITEC AG

74 „Was ihr getan habt dem geringsten

meiner Brüder, das habt ihr mir getan“

Wolfgang Engel

78 Die Region nach Kräften unterstützen

Eberhard Spies

80 Die Menschen in der Region

begeistern mich

Hartmut Jenner

83 Unterstützen, begleiten, fördern, verstehen

Sonnenhof e. V.

84 Ein typisch schwäbisches

Familienunternehmen

ConCab kabel gmbh

85 Lebensmittel für die Welt

CDS Hackner GmbH

86 Management- und Vertriebskompetenz

arbeitsmarktorientiert studieren

Hochschule Heilbronn - Campus

Schwäbisch Hall

88 Spuren

Walter Hampele

92 Landfrauenarbeit heißt

Netzwerke bauen

Bärbel Frenz

95 „Wir haben die Energie für`s

tägliche Leben“

EVG Energieversorgung Gaildorf


6

DER LANDKREIS

SCHWÄBISCH HALL

ganz persönlich

96 Der Natur ein Stück näher

Hirschbach GmbH

97 Erfolgreiche Nischenprodukte

„Made in Satteldorf“

HEGLA Fahrzeugbau GmbH & Co. KG

98 Meine Heimat ist mein Schaffensquell

Gerhard Frank

100 Eine schwäbische Großfamilie

in Hohenlohe

Helmut Bleher

103 Für die Menschen in der Region

Evang. Diakoniewerk Schwäbisch Hall e. V.

104 Design, Erfindergeist

und ungewöhnliche Ideen

KLAFS GmbH & Co. KG

106 Ein Kreis mit vielen Vorzügen

und wenigen Nachteilen

Reinhold Kett

108 Ich trage den Namen

meiner Heimat gern

Philipp Gottfried Alexander

Fürst zu Hohenlohe-Langenburg

111 Der Experte

für Reinigungstechnik weltweit

Alfred Kärcher GmbH & Co. KG

112 „Was nutzt unserem Kunden?“

groninger & co. gmbh

113 „Wir machen das. Persönlich.“

Autohaus Linke GmbH

114 Auf dem Weg zu vernetzter Mobilität

KreisVerkehr Schwäbisch Hall GmbH

116 Diakonie ist Patientennutzen

Hans-Joachim Lenke

118 Das Bestechende ist die Vielfalt

Ulrike Durspekt-Weiler

121 Dienstleister aus Überzeugung

Premium UPT GmbH

122 Materialien für die Gebäude der Zukunft

Knauf Integral KG

124 Das Bier von hier – Botschafter in aller Welt

Wilhelm Fach

126 Auf dem Weg zu heilenden Gemeinschaften

Dr. Wolfgang Feuerstack

128 Hohenlohe ist immer

Heimat geblieben

Sabine Meyer

130 Die Mischung macht`s

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July

133 Mehr als eine Druckerei

Druckerei Oscar Mahl GmbH & Co. KG

134 Global aktiv, nah am Kunden

OPTIMA packaging group GmbH


8 I 9

136 Ärztliche Pionierarbeit in vielerlei Hinsicht

Dr. Martina Mittag-Bonsch

138 Bleibende Erfolge für den Landkreis schaffen

Werner Schmidt

140 Region muss sich gemeinsam vermarkten

Rudolf Michl

143 „Hidden Champion“ der Logistikbranche

auf Wachstumskurs

Schmitt Logistik GmbH/Schmitt

Internationale Spedition GmbH & Co. KG

144 Procter & Gamble in Crailsheim

– ein echtes Vorzeigewerk

P&G Manufacturing GmbH

146 Unverfälschte Natur und vielfältige

Karrieremöglichkeiten

Christel und Hans Volker Noller

148 Der andere Weg zum Erfolg

Siegfried Gehrke

151 Vom Gebäudereiniger

zum Gebäudemanagement

RTS Gebäude-Management GmbH

152 Der Vorreiter der Inklusion

Sozialtherapeutische Gemeinschaften

Weckelweiler e. V.

154 Aushängeschild einer ganzen Region

Rudolf Bühler

158 Mein Herz schlägt für diese Stadt

Hermann-Josef Pelgrim

161 Für die Menschen, mit den Menschen

DRK-Kreisverband Schwäbisch Hall - Crailsheim e. V.

162 Die erste Adresse, wenn`s ums Geld geht

Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim

166 Auf dem Weg in die Zukunft

der Energieversorgung

Stadtwerke Schwäbisch Hall GmbH

168 Als Sieder „Botschafter der Stadt“

Tobias Rieger

170 Die Erfolgsgeschichte in einer

herausragenden Kulturstadt

Michael Klenk

173 Alles für die Mobilität

STEGMAIER GROUP

174 Innovations- und Technologieführer

in der Energiemessung

MBS AG

176 Eine Gnade, hier zu arbeiten und zu leben

Hans Firnkorn

178 Merlin durch und durch

Martin Romig

181 Crailsheim – Alles was Stadt braucht.

Stadt Crailsheim

182 Ein Stück Heimat

VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim eG


8

DER LANDKREIS

SCHWÄBISCH HALL

ganz persönlich

186 Ein Kreis mit Entwicklungschancen

für jeden

Werner Dierolf

188 Zurück zu den Wurzeln.

Besinnung auf Hohenlohe

Prof. Dr. Wolfgang Schlauch

190 Hohenlohe ist meine Heimat

Bernulf Schlauch

192 Tradition nicht nur pflegen, sondern leben

Jürgen Rosenäcker

195 Aus Leidenschaft zur Damenhose

Friedrich Stark GmbH & Co. KG

196 Über 30 Jahre innovative Klimatisierungslösungen

– damit die Elek -

tronik immer sicher funktioniert

STEGO Elektrotechnik GmbH

198 Mit Innovationskraft auf Wachstumskurs

R.WEISS Group

202 Weit mehr als Idylle, Kultur und

touristische Attraktionen

Dr. Hans-Werner Schmidt

206 Ein Leben für die Jugend

und den Sport

Hubert Oechsner

209 Die Heimat präsentieren,

die ganze Welt erleben

ReiseService VOGT GmbH & Co. KG

210 Anziehungspunkte der Kunstwelt

Kunst bei Würth

212 Die besondere Perspektive auf den Landkreis

Heinz Schüle

214 Inklusion und Toleranz sind Schwestern

Michael Werner

216 Wir sind angekommen.

Wir sind wieder zu Hause.

Ulrike Schweikert

219 50 Jahre Experte in Sachen Elektrotechnik

Wied GmbH & Co. KG

220 Der Mensch steht im Mittelpunkt

LEONHARD WEISS GmbH & Co. KG

222 Trinkwasser für höchste Ansprüche

Zweckverband Wasserversorgung

Nordostwürttemberg

224 Ich habe gelernt: Widerstand lohnt sich!

Fritz Vogt

226 Mit Bodenständigkeit hinaus in die Welt

Dieter Vogt

229 Planen & Bauen aus eigener Hand

– gelebte Philosophie in 4. Generation

Fertighaus WEISS GmbH

230 Moderne Energieversorgung

mit Tradition

ZEAG Energie AG

232 Übersicht der PR-Bildbeiträge


16 I 17

BUNDESPRÄSIDENT A. D. PROF. DR. HORST KÖHLER

BIOGRAFIE

PROF. DR.

HORST KÖHLER

geb. 1943 | war lange Jahre im

Bundesfinanzministerium tätig,

zuletzt seit 1990 als Staatssekretär;

verhandelte in dieser Funktion

unter anderem den Maastrichter

Vertrag sowie die deutsche Währungsunion

| 1993 Präsident des

Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

| 1998 Präsident der

Europäischen Bank für Wiederaufbau

und Entwicklung in London |

2000 Geschäftsführender Direktor

des Internationalen Währungsfonds

IWF in Washington, D.C. |

2003 Ernennung zum Honorarprofessor

an der Universität Tübingen,

wo Horst Köhler auch studiert

und promoviert hatte | 23. Mai

2004 Wahl zum neunten Bundespräsidenten

der Bundesrepublik

Deutschland, Wiederwahl am 23.

Mai 2009 | 31. Mai 2010 Rücktritt

vom Amt des Bundespräsidenten |

Horst Köhler beschäftigt sich weiterhin

intensiv mit Fragen internationaler

Zusammenhänge und

Entwicklung und ist Mitglied in

verschiedenen nationalen und internationalen

Organisationen und

Fachgremien | 2012/2013 Berufung

durch den Generalsekretär der Vereinten

Nationen, Ban Ki-moon, in

ein hochrangiges Beratergremium

für eine neue globale Entwicklungsagenda

WAS EUROPA SEIN KANN

Über die Partnerschaft zwischen

Schwäbisch Hall und Zamosc

Der „Jedermann“ auf den

Stufen der St. Michael-Kirche

in Schwäbisch Hall ist

mir ein Begriff, weil ich ihn

dort schon als Ludwigsburger Schüler und

später als Tübinger Student mit meiner Freundin

(und jetzigen Frau) erlebte. Doch meine

wirkliche Verbindung zum Landkreis Schwäbisch

Hall verläuft einmal quer durch Europa:

Geboren bin ich nämlich im polnischen

Skierbieszów, das im Landkreis Zamosc liegt

– und Zamosc wiederum hat eine Partnerschaft

mit Schwäbisch Hall, Skierbiszów

selbst ist die Partnergemeinde von Bühlertann.

Wie es zu alledem kam – dass ich in

Polen geboren wurde, aber in Schwaben aufwuchs,

und dass es eine gut funktionierende

schwäbisch-polnische Partnerschaft gibt –

das erzählt einiges über Europa, und darum

schreibe ich gerne darüber.

Meine Eltern waren Bessarabiendeutsche,

gehörten also der deutschen Minderheit im

damaligen nordöstlichen Rumänien an. Der

Hitler-Stalin-Pakt von 1939 löste für meine

Eltern eine Odyssee quer durch Europa aus,

die sie drei Mal alles verlieren ließ. Sie begann

im Jahr 1940 mit der Umsiedlung aus Bessarabien:

die von den Nazis propagierte „Heimkehr

ins Reich“ bedeutete allerdings zunächst

für zwei Jahre ein Auffanglager in Herzogenburg

in Österreich. Im Herbst 1942 wurde die

Familie nach Skierbieszów im Kreis Zamosc

in Polen gebracht, ein halbes Jahr später kam

ich dort zur Welt. Die Nazis wiesen ihnen hier

im sogenannten Generalgouvernement einen

zuvor zwangsgeräumten polnischen Bauernhof

zu. So wurde meine Familie Teil des „Generalplan

Ost“, der die Region germanisieren

sollte – und der in Zamosc experimentell ausgeführt

wurde. Dazu gehörte nicht nur die


16

Vertreibung von ortsansässigen Polen, von

denen die Arbeitsfähigen meist als Zwangsarbeiter

deportiert und die Kinder und Alten in

sogenannten „Rentendörfern“ ihrem Schicksal

überlassen wurden. Es wurden auch tausende

kleine Kinder, die als „rassisch wertvoll“ eingestuft

wurden, ihren Familien entrissen und

zur Zwangsgermanisierung nach Deutschland

gebracht. Angesichts dieser grausamen

deutschen Präsenz wehrten sich lokale Widerstandsgruppen

der polnischen Heimatarmee

mit wiederkehrenden gewaltsamen Angriffen

auf die Deutschen, was für meine Eltern auf

ihrem kleinen Bauernhof ständige Todesangst

bedeutete.

In dem harten Winter 1944/45 floh die Familie

vor der heranrückenden roten Armee

nach Westen. Die Flucht endete in Markleeberg-Zöbigker

bei Leipzig. Hier bekamen die

Eltern im Zuge der in der sowjetischen Besatzungszone

durchgeführten Bodenreform

eine Neubauernstelle auf enteignetem Land.

Meine freiheitsliebenden Eltern kamen sich

bald mit der SED in die Haare und flohen

1953 mit den jüngsten Kindern heimlich über

Berlin nach Westdeutschland, wo wir in

Flüchtlingslagern in Weinsberg, Backnang

und schließlich in Ludwigsburg untergebracht

wurden. Als die Familie im Herbst

1957 – ich war 15 Jahre alt damals – in Ludwigsburg

endlich eine 3-Zimmer-Sozialwohnung

bekam, nahmen wir zum ersten Mal

nach der Flucht wieder das Wort „zuhause“

in den Mund.

Die Geschichte meiner Familie ist eine europäische

Geschichte. Sie erzählt viel von den

Schrecken und Entbehrungen des 20. Jahrhunderts,

aber auch von den Verbindungen

zwischen den europäischen Völkern, von

Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde zwischen den Gemeinden Skierbiszów und Bühlertann

Damit Europa gelingt, müssen wir viel

mehr voneinander lernen. In diesem Sinne sind

die Partnerschaften zwischen Schwäbisch Hall

und Zamosc und zwischen Bühlertann und

Skierbiszów ein leuchtendes Beispiel dafür,

was Europa sein kann.

Neuanfängen und Vergebung. Und diese Geschichte

wird weitererzählt durch die Partnerschaften

zwischen europäischen Landkreisen

und Städten, wie jener zwischen Zamosc und

Schwäbisch Hall. Schon 1994 äußerten zwei

hochrangige Beamte aus Zamosc bei einem

Besuch in Schwäbisch Hall den Wunsch nach

Zusammenarbeit. 2002 wurde ganz offiziell

eine Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.

Unzählige Aktivitäten haben seitdem das

Band zwischen den Kreisen verstärkt – Schüleraustausche,

gemeinsame EU-Projekte, gegenseitige

Besuche.

Im Jahr 2011 machte ich mich auf die Suche

nach meinen polnischen Wurzeln und reiste

nach Zamosc und Skierbiszów. Für mich

eine berührende Reise: Unter anderem lernte

ich eine schon betagte Dorfbewohnerin kennen,

die mir erzählte, wie sie mich als Kleinkind

einmal davor bewahrte, in ein großes

Loch auf dem Hof zu fallen. Weil ich von der

guten Partnerschaft zwischen Zamosc und

Schwäbisch Hall wusste, bat ich den Landrat

von Schwäbisch Hall, Herrn Gerhard Bauer,

mich zu begleiten, was er mit einer kleinen

Delegation dann auch tat. Aus der Reise in

meine Vergangenheit wurde so auch eine neue

kleine Brücke in die Zukunft. Denn es wurde

klar, dass die Südostpolen und die Südwestdeutschen

so viel verband – die Liebe zur Lokalkultur,

die herzliche Bodenständigkeit, die

Lust aufs Anpacken –, dass die Beziehungen

vertieft werden sollten. Es entstand die Idee

einer neuen Partnerschaft, und zwar zwischen

meinem Geburtsort Skierbiszów und

der Gemeinde Bühlertann. Bei der Unterzeichnung

der Partnerschaftsurkunde im

April 2012, die ich in Bühlertann erleben

durfte, war es herrlich, die ersten Früchte die-


18 BUNDESPRÄSIDENT A. D. PROF. DR. HORST KÖHLER

Der Kochersteg in Wilhelmsglück, Gemeinde Rosengarten

ser Partnerschaft zu sehen: Die Skierbiszówer

waren beeindruckt von den Darbietungen

von Bühlertanner Faschingsnarren, und polnische

Künstler stellten ihre Werke aus. Im

Juli 2013 fuhren dann 30 Bürgerinnen und

Bürger aus Bühlertann im „Bürgerbus“ 1.250

km nach Skierbiszów und durften feststellen:

Nicht immer muss man die Sprache des anderen

perfekt verstehen, um miteinander in

Kontakt zu treten.

Seitdem hat sich in Skierbiszów in Anlehnung

an den Musikverein in Bühlertann ein

kleines Orchester gebildet, stehen die freiwilligen

Feuerwehren im regelmäßigen Austausch,

kommen polnische Praktikanten ins

Kärcher-Werk nach Bühlertann, haben die

Bühlertanner unter anderem 4.000 Euro

Spenden gesammelt für eine Einrichtung für

behinderte Menschen in Skierbiszów. Man

sieht, dass die Partnerschaft nicht nur von

Einzelnen am Leben gehalten wird, sondern

zunehmend von der breiten Bevölkerung getragen

wird. So wächst das gegenseitige Verständnis

– für die schwierige Geschichte,

welche Deutschland und Polen verbindet,

aber eben auch für die vielen Gemeinsamkeiten

zwischen unseren Völkern. Damit

Europa gelingt, müssen wir viel mehr voneinander

lernen. In diesem Sinne sind die Partnerschaften

zwischen Schwäbisch Hall und

Zamosc und zwischen Bühlertann und Skierbiszów

ein leuchtendes Beispiel dafür, was

Europa sein kann.

Bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde

im April 2012, die ich in Bühlertann erleben durfte,

war es herrlich, die ersten Früchte dieser Partnerschaft zu

sehen: Die Skierbiszower waren beeindruckt von den

Bühlertanner Faschingsnarren.


ADGA – ADOLF GAMPPER GMBH

19

DIE VERBINDUNG

von Natur und Technik

Eine hochmoderne „mechanische

Werkstätte“, ein der

Natur verbundener Holz verarbeitender

Betrieb, ein Werbeartikelhersteller

mit kreativen Ideen – die

Firma ADGA ist gleich alles drei.

In den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen

Jahrhunderts produzierte Adolf Gampper

in seiner mechanischen Werkstätte zunächst

vor allem Getriebeteile und Zahnräder.

Der Bau einer Holzbearbeitungs-, Nietund

Stanzmaschine im Jahr 1947 war der

Start für die Herstellung der ersten Holzgliedermaßstäbe.

Bahnbrechend war schließlich

1969 die Erfindung eines Maßstabgelenks.

Damit war der Weg zum Betrieb, der sich ausschließlich

auf die Herstellung von Holzgliedermaßstäben

spezialisiert, endgültig geebnet.

Die Kompetenz der Ingenieure und Techniker

ist aber nur ein Teil des Erfolgs der Firma

ADGA. Im persönlichen Kontakt mit den

Forstämtern der Umgebung suchen die Fachleute

des Unternehmens die astfreien Buchenund

Hainbuchenstämme aus, die für die

Maßstäbe Verwendung finden und deren

Qualität ausmachen. „Holz als Naturprodukt

genießt gerade im Handwerk eine große

Wertschätzung“, betont Gerald Gampper,

einer von vier Geschäftsführern des weiterhin

familiengeführten Unternehmens. „Holzgliedermaßstäbe

sind einfach sehr praktisch“, ergänzt

er. So hat ein großer Teil der Berufsund

Hobby-Handwerker in Deutschland und

Europa das Produkt aus Mainhardt ganz

sicher schon in der Hand gehabt, denn die

ADGA – Adolf Gampper GmbH ist mit seinen

rund 100 Mitarbeitern europaweit einer

der wenigen Hersteller von Holzgliedermaßstäben

und setzt Maßstäbe bei diesem zum

Messen unentbehrlichen Produkt.

Stand in früheren Jahren die Messfunktion

im Vordergrund, so sind Holzgliedermaßstäbe

mittlerweile vermehrt Werbemittel mit

Messfunktion. Mit moderner Technik und

kreativen Designern ist heute nicht nur der

Aufdruck des Firmennamens auf den Hoch-

Stand in früheren Jahren die

Messfunktion im

Vordergrund, so sind

Holzgliedermaßstäbe heute

vermehrt Werbemittel mit

Messfunktion.

seiten und Anfangsgliedern möglich, sondern

von vielfältigen Werbebotschaften. So präsentiert

zum Beispiel der Limes-Maßstab den gesamten

Limes mit 58 Bildern und Ortsbezeichnungen

auf einen Blick. „Maßstäbe

werden immer wieder in die Hand genommen,

die Werbewirksamkeit ist daher sehr

groß“, sieht Gerald Gampper die Bedeutung

der Maßstäbe als Werbemittel weiter wachsen.

„Wir werden daher unsere ganze Innovationskraft

hier in Mainhardt in die Weiterentwicklung

dieses Messmittels, das sich so

sehr bewährt hat, einbringen“, betont Gerald

Gampper.

ADGA – Adolf Gampper GmbH

Heilbronner Straße 60

74535 Mainhardt

www.adga.de


38 I 39 GERHARD SCHICK

HART ARBEITEN

und gut leben

BIOGRAFIE

GERHARD SCHICK

geb. 1940 in Spiegelberg-Großhöchberg

I verheiratet, eine

Tochter I Ausbildung als Industriekaufmann

bei der Polstermöbelfabrik

Laauser in Spiegelberg,

anschließend Prokurist bei Witte &

Sutor GmbH in Murrhardt I 1967

– 1994 kaufmännischer Leiter/Geschäftsführer

bei der Firma Bott

in Gaildorf I 1983 Gründung der

Firma Bechtle zusammen mit Ralf

Klenk und Prof. Klaus von Jan I

seit 1994 für Bechtle aktiv, nach

dem Börsengang im Mai 2000 Vorstandsvorsitzender

der Bechtle

AG, 2004 – 2012 Aufsichtsratsvorsitzender

der Bechtle AG I 1982

– 2000 Handelsrichter am Handelsgericht

Heilbronn I 1999 Anstoß

zur Gründung der Bürgerstiftung

Gaildorf I Träger des Bundesverdienstkreuzes

am Bande und der

Wirtschaftsmedaille des Landes

Baden-Württemberg I Ehrenbürger

von Budajenö/Ungarn I

Ehren bürger der Stadt Gaildorf

Bodenständigkeit und Beharrlichkeit

– diese beiden Eigenschaften

haben mein ganzes

Leben geprägt. Mit Beharrlichkeit

lassen sich viele Ziele erreichen. Wer

dabei bodenständig bleibt und nicht abhebt,

wird vor Hochmut bewahrt. Geprägt hat

mich dabei sicherlich auch mein Lebensumfeld.

Gesehen habe ich über 50 Länder auf

dieser Welt, aber verbunden bin ich bis heute

mit dem Landkreis Schwäbisch Hall, dem

Limpurger Land und der Stadt Gaildorf. Hier

habe ich meine Wurzeln, hier habe ich fast

mein ganzes Berufsleben verbracht, und hier

genießen meine Familie und ich unser Zuhause.

Ich wuchs auf einem Bauernhof auf, ohne

Vater, der in Stalingrad vermisst wurde. Der

Tagesablauf richtete sich nicht nach uns Kindern,

sondern nach dem Rhythmus der Tiere.

Da meine Mutter eine Oberschule, so hieß

Blick auf die Stadt Gaildorf

damals das Gymnasium, nicht finanzieren

konnte, kam ich mit nicht ganz 14 Jahren in

die Lehre zur Polstermöbelfabrik Laauser.

Fast jeden Tag fuhr ich, natürlich ohne Führerschein,

dafür mit stillschweigendem Einverständnis

des Dorfpolizisten, mit einem

leichten Motorrad zur Arbeit.

Mein Lehrherr, Otto Laauser, übertrug mir

schon mit meinen 16 bzw. 17 Jahren aus heutiger

Sicht unvorstellbare Aufgaben, die mein

Verantwortungs- und Selbstbewusstsein förderten:

einmal transportierte ich zum Beispiel

in meiner Aktentasche 100.000 Mark Bargeld

allein von Backnang nach Spiegelberg,

ein anderes Mal fuhr ich hinter den Eisernen

Vorhang nach Jugoslawien, um dort gekauftes

Holz, das für die Polstermöbelfabrik

bestimmt war, zu kontrollieren. Das wäre

heute, dank unserer gelebten Gesetze, undenkbar.


38

Fahrradfahren entlang des Kocher-Jagst-Radweges im Landkreis Schwäbisch Hall

Harte Arbeit brachte mir mit jungen 23

Jahren bei meinem nächsten Arbeitgeber, der

Firma Witte & Suttor GmbH, die Prokura.

Ich wurde Herr der Zahlen und war damit in

einem Bereich angekommen, in dem ich mich

bis heute am wohlsten fühle. Aber trotz des

schnellen Aufstiegs und der vielen Möglichkeiten,

die mir damals in diesem noch sehr

ländlich geprägten Umfeld geboten wurden,

lockte mich als junger Mensch natürlich die

Großstadt. Die Chance, Karriere zu machen,

war da. Das Angebot zum Vorstandsassistenten

lag auf dem Tisch – aber ich entschied

mich ein weiteres Mal, meiner Heimat

treu zu bleiben.

1967 wechselte ich zur Firma Wilhelm Bott

GmbH & Co. KG nach Gaildorf. In dieser

historischen Stadt ist auch bis heute mein Lebensmittelpunkt.

Langfristig geplant habe ich

meine berufliche Karriere eigentlich nie.

Manches hat sich einfach so ergeben, könnte

man sagen. Mein Bestreben war es immer,

gute Arbeit zu leisten und die Firmen, für die

ich tätig war, nach vorne zu bringen. Nach

meinem Eintritt bei Bott gab es keine Veranlassung

mehr für mich, Gaildorf den Rücken

zu kehren. Die Firma war inzwischen international

aufgestellt und als Geschäftsführer

durfte ich auch einige Gesellschaften mitgründen.

Eine davon sollte meinen weiteren Lebensweg

maßgeblich bestimmen: Bechtle. Wir waren

ein Trio, das 1983 den Grundstein legte:

Ralf Klenk, ein junger Diplom-Ingenieur,

Prof. von Jan von der Fachhochschule Heilbronn

und ich. Technische Software wollten

wir mit unserem Start-up entwickeln, aber

schnell war klar: Hard-und Software mussten

Hand in Hand gehen. Aus dem Trio ist heute

ein Unternehmen mit 65 Systemhäusern in

der DACH-Region und 14 europäischen Online-Shops

geworden. 6.500 Mitarbeiter erwirtschafteten

2013 einen Umsatz von 2,3

Milliarden Euro. Ab 1994 war mein Berufsleben

von Bechtle geprägt, erst als der Finanzer

und Sparringspartner im Hintergrund,

mit dem Börsengang 2000 dann als Vorstandsvorsitzender

und von 2004 bis 2012 als

Aufsichtsratsvorsitzender.

Aber auch wenn Bechtle heute seinen Sitz

in Neckarsulm hat, schlägt das finanzwirtschaftliche

Herz dieses Börsenunternehmens

bei uns in der Region: Rund 80 Mitarbeiter

Bodenständigkeit und Beharrlichkeit –

diese beiden Eigenschaften haben mein ganzes

Leben geprägt. Mit Beharrlichkeit lassen

sich viele Ziele erreichen.


40 I 41

GERHARD SCHICK

in Gaildorf kümmern sich um die Finanzen

des Konzerns. Auf diese Leute, die hier aus

der Region kommen, kann man sich einfach

verlassen. Das war von Beginn an so: Wenn

wir in den ersten Jahren auf Akquise waren,

dann wussten wir, dass die beiden Gaildorfer

Mitarbeiterinnen erst dann das Licht im Büro

ausmachten, wenn auch der letzte Bankauszug

verbucht war. Das war eine Selbstverständlichkeit,

und diese Zuverlässigkeit ist

eine der Eigenschaften, die viele Menschen

aus unserem Kreis auszeichnet.

Ich habe auch über all die Jahre rund um

Gaildorf und im Landkreis Schwäbisch Hall

die Erfahrung gemacht, dass es noch immer

viele Menschen gibt, die meine Grundsätze

teilen. „Wer dem Erfolg auf den Grund geht,

findet Beharrlichkeit“, heißt einer davon,

„Hart in der Sache, verbindlich im Ton“ ein

anderer. Bodenhaftung, Beharrlichkeit, Zuverlässigkeit

und Begeisterungsfähigkeit – das

sind meine Werte. Das sind zugleich auch die

Werte, die viele Menschen hier in der Region

besonders auszeichnen. Und diese Menschen

sind bei aller industriellen Innovation, fortschreitender

Automatisierung und informationstechnologischer

Quantensprünge immer

noch das Herzstück eines Unternehmens.

Eine Maschine kann noch so gut sein – der

Garant für den Erfolg sind die Personen, die

sie erschaffen haben und bedienen.

Vielleicht sind es der noch immer bestehende

positive ländliche Einfluss und die historische

Prägung unserer Region, dass sich viele

Menschen von hier auf diese traditionellen

Werte besinnen. Sie garantieren damit den

Erfolg der Unternehmen der Region und

schaffen gerade für die vielen kleineren und

mittleren Unternehmen im Kreis gute Wachstumschancen.

Natürlich herrscht auch bei uns im Kreis

nicht nur eitel Sonnenschein. Die infrastrukturelle

Anbindung des Landkreises Schwäbisch

Hall ist alles andere als gut. Was das

Autobahnnetz angeht, ist der Kreis zwar

recht passabel angebunden. Aber zum Beispiel

die Zugfahrt von Gaildorf in das Oberzentrum

Heilbronn oder gar nach Neckarsulm

gleicht schon fast einer Weltreise.

Eine optimale Anbindung im öffentlichen

Verkehr ist gerade für junge Menschen ohne

großes Einkommen wichtig. Hier muss noch

etwas passieren, zumal wir mittlerweile gut

aufgestellt sind, was Bildung und Ausbildung

angeht. Die Hochschule Heilbronn als Hochschule

für Angewandte Wissenschaften mit

den Schwerpunkten Technik, Wirtschaft und

Informatik und den Standorten in Künzelsau

und Schwäbisch Hall ist nur ein herausragendes

Beispiel. Am Campus in Schwäbisch

Hall erfahren heute rund 1.000 Studierende

eine ausgezeichnete Ausbildung. Sicherlich

zieht es viele Jugendliche in die Großstädte.

Vielleicht ist es ja auch gar nicht so schlecht,

mal in München, Hamburg oder Berlin Erfahrungen

zu sammeln, dann aber wieder zurückzukommen.

Denn wenn Sie mich fragen,

sind für junge leistungswillige Leute die

Chancen bei uns im Landkreis Schwäbisch

Hall mindestens so gut wie anderswo. Denn

starke, innovative Unternehmen bieten beste

Möglichkeiten in einer wunderschönen, lebenswerten

Umwelt.

Junge, leistungswillige Menschen auf ihrem

Weg zu unterstützen, ist mir auch persönlich

ein Anliegen. Im Rahmen der Bürgerstiftung

Gaildorf setze ich mich für die Förderung der

Aus- und Fortbildung von Jugendlichen ein.

Ein Schüleraustausch der Realschule mit Indien,

Chinesisch-Unterricht am Gymnasium verbunden

mit einem Besuch in China oder Sprachaufenthalte

in Cambridge und Montpellier

sind nur einige unserer Fördermaßnahmen.


40

Junge, leistungswillige Menschen auf ihrem Weg zu

unterstützen, ist mir auch persönlich ein Anliegen.

Im Rahmen der Bürgerstiftung Gaildorf setze ich mich für die Förderung

der Aus- und Fortbildung von Jugendlichen ein.

Mich vor Ort einzubringen und zu helfen,

wo ich kann, war mir schon immer ein Anliegen,

sei es als Mitglied im Ortschaftsrat in

Eutendorf oder unser aktuelles Engagement

für ein Ärztehaus in Gaildorf. Mittlerweile

sind meine Familie und ich auch schon fast so

eine Art Botschafter des Landkreises, wenn

wir die Werte, die die Menschen hier verkörpern,

über die Grenzen hinaustragen, in ein

anderes Land, in eine andere Kultur. Vor

allem meine Tochter hat sich für Tansania begeistert

und dort mit Unterstützung der

ganzen Familie die Idee zur Schaffung eines

Bildungshauses als Treffpunkt für Kinder, Jugendliche

und Erwachsene in die Tat umgesetzt.

Denn mit Beharrlichkeit, Bodenständigkeit

und harter Arbeit kann man auch in

Afrika viel bewegen, man muss nur auch dort

die Menschen dafür begeistern, Leistung erbringen

zu wollen.

Wenn ich aus Tansania zurückkomme in

unseren liebenswerten Landkreis, dann weiß

ich umso mehr, was ich an ihm habe. Es ist

diese Mischung aus Tradition und Innovation

und die herrliche Landschaft, die den Landkreis

Schwäbisch Hall zu einem der schönsten

in Deutschland macht. Es ist diese Mischung

aus modernen Städten und beschaulichen,

schmucken Dörfern, aus alten Burgen und

Schlössern und futuristischer Architektur,

aus innovativen Unternehmen und den traditionellen

Betrieben, aus deftiger Kost in

einem urigen Landgasthof und kulinarischen

Köstlichkeiten der Sterne-Köche…

Wir haben uns im Kreis hier aber auch

eines erhalten, was mir als passioniertem

Jäger besonders wichtig ist: die Natur. Wir

haben hier noch viel Wald, viele Wanderwege

und viele Radwege. Eine herrliche Natur, die

uns im Landkreis wichtig ist. Denn wir können

hier nicht nur hart arbeiten. Wir leben im

Landkreis Schwäbisch Hall auch wirklich

sehr gut!

Das Alte Schloss in Gaildorf war ehemalige Residenz der Schenken


52 I 53

DR. ERHARD EPPLER

© Jürgen Weller

DER DYNAMISCHSTE

LANDSTRICH IM

fleißigen Baden-Württemberg?

BIOGRAFIE

DR. ERHARD EPPLER

geb. 1926 in Ulm, aufgewachsen

in Schwäbisch Hall | 1943 – 1945

Kriegsdienst | 1951 Abschluss des

Studiums der Germanistik und

Geschichte mit der Promotion zum

Dr. phil. | 1953 – 1961 Schuldienst |

1961 – 1976 Mitglied des Bundestages

| 1968 – 1976 Bundesmi

nister für wirtschaftliche Zusammenarbeit

| 1970 – 1991 Mitglied

des Bundesvorstandes der SPD |

1973 – 1989 Mitglied des Präsidiums

der SPD (ausgenommen 1982

– 1984) | 1973 – 1981 Landesvorsitzender

der SPD in Baden-Württemberg

| 1973 – 1992 Vorsitzender

der Grundwertekommission

der SPD | 1976 – 1982 Mitglied des

Landtags von Baden-Württemberg |

1976 – 1980 Fraktionsvorsitzender

der SPD im Landtag | 1981 – 1983

Präsident des Deutschen Evangelischen

Kirchentags | 1985 – 1989

Stellvertretender Vorsitzender der

Programm-Kommissionen der SPD |

1989 – 1991 Präsident des Deutschen

Evangelischen Kirchentages | seit

1990 wieder wohnhaft in Schwäbisch

Hall

Es war im Sommer 1930, als die

Epplerfamilie von Ulm nach

Hall umzog. Mein Vater sollte

in Hall eine Schule leiten, die

eigentlich aus zwei Schulen bestand, aus dem

Realgymnasium und der Oberrealschule.

Fünf der Kinder – später waren es dann

sieben – fuhren in dem Bummelzug über

Heidenheim – Aalen – Crailsheim ins angeblich

schwäbische Hall. Ich war gut drei Jahre

alt, hatte eine schwere Gehirnerschütterung

hinter mir und wollte, wie mir meine Mutter

gelegentlich erzählte, unbedingt in Heidenheim

aussteigen.

Wir zogen in der Stuttgarter Straße in ein

düsteres Haus ein, in dem die Luft durch eine

Gaststätte so von Bier und Fett gesättigt war,

dass mein Vater bald ein uraltes Haus mietete,

das mitten im herrschaftlichen „Olymp“

stand. Nicht das Plumpsklo fand ich schlimm,

eher die Mäuse, die nachts über die Bettdecke

huschten. Aber der riesige Garten mit Beeren,

Obstbäumen, einem stattlichen Nussbaum

und einem steilen Hang, wo wir im Winter

Schlitten fahren konnten, glich die Mängel

des Hauses aus – das dann sofort abgerissen

wurde, als die Epplers ins neue Haus auf dem

Friedensberg umzogen, wo ich nun seit 1990

wohne mit meiner Frau, die eine geborene

Hallerin ist. So können wir unsere Enkel –

und inzwischen auch fünf Urenkel – mit den

Schönheiten Halls und seiner Umgebung bekannt

machen.

Als ich 1933 in die Schule kam, gab es noch

eine evangelische und eine katholische Volksschule,

und wenn jemand katholisch war,

kam er meist aus Steinbach. Wir kannten drei

Sprachen, zuerst das Pfarrhausschwäbisch,

das auch in den Schulen vorherrschte, dann

das Haualauisch, das einige Schulkameraden

sprachen, und schließlich das Hochdeutsche,

das nur die Offizierskinder vom Flugplatz

konnten und das wir gar nicht mochten.

Schulkameraden, die so affektiert redeten, behandelten

wir übler, als heute Türkenkinder

behandelt werden. Und dies in einem Land, in

dem sogar die Religion „deutsch“ sein sollte.

Autos hatten damals nur die drei Fabrikanten

und die Ärzte für ihre Hausbesuche.

Dafür konnten wir auch auf dem Holzmarkt

kicken. Mit dem Fahrrad gab es keine Ausfahrt

aus Hall, die uns nicht früher oder später

dazu zwang, unser Fahrrad ausgiebig zu

schieben, denn Gangschaltungen kannten

wir noch nicht. Richtung Hessental war es

die Crailsheimer Straße, Richtung Stuttgart

die Rote Steige, und Richtung Süden begann

die Schieberei erst richtig hinter Gaildorf.

Ging es auf eine Wanderung, eine Radtour,

gehörte das eben dazu. Ging es zur Erntehilfe

– und das war im Krieg unser Ferienvergnügen

–, dann konnte die Anfahrt mühsam

werden.

Aber dadurch lernten wir auch den Kreis

– den alten Kreis Hallganz gut kennen.

Maibach bei Bubenorbis, Otterbach hinter

Tüngental, winzige Nester, in denen die

kleinen Bauern noch fast ganz ohne moderne

Maschinen auskommen mussten. Traktoren

waren selten, Zugtiere waren Kühe und Ochsen,

ganz selten Pferde. Auch in der Heuet gab

es nur ein Getränk: Mooscht. Für einen Dreizehnjährigen

nicht unbedingt geeignet. Aber

immer wieder fanden wir eine freundliche

Bäuerin, die, obwohl selbst immer an der

Grenze ihrer Kräfte, Nachsicht hatte mit den

verwöhnten Stadtkindern. Manchmal, frühmorgens

oder gegen Abend, waren wir noch


52

Und heute? 2015? Da treffen sich in Hall die

Weltmarktführer verschiedener Sparten. Im

Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“

wird die Haller Johanniterkirche gefeiert, wo

mittelalterliche Kunst endlich den richtigen

Rahmen bekommen habe.

nicht zu müde, um die Schönheit des Bühlertals

oder der Limpurger Berge wahrzunehmen.

Und heute? 2015? Da treffen sich in Hall

die Weltmarktführer verschiedener Sparten.

Im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“

wird die Haller Johanniterkirche gefeiert, wo

mittelalterliche Kunst endlich den richtigen

Rahmen bekommen habe. Bei großen internationalen

Fußballspielen ist die Würth-

Reklame nicht zu übersehen. Reinhold

Würth, inzwischen ein souveräner Interviewpartner

für die großen Medien, erklärt einen

der Gründe für seinen Erfolg: Seine Mitarbeiter

stammten meist aus der Landwirtschaft,

hätten dort das „Schaffen“ gelernt. Er verbindet

bewusst das arme, landwirtschaftliche

Hohenlohe mit dem Landstrich, der heute als

der dynamischste im fleißigen Baden-Württemberg

gilt. Hat er recht?

Man erzählt sich, der dicke König Friedrich

in Stuttgart, von dem Napoleon meinte,

er beweise, wie dehnungsfähig die menschliche

Haut sei, habe den wütenden Hallern,

denen er ihr „Gymnasium illustre“ weggenommen

hatte, nur zu bedenken gegeben,

rund um Hall seien die Böden so gut, da

brauche man tüchtige Bauern, keine gescheiten

Leute. Hat das die Haller so beleidigt,

dass einige von ihnen zweihundert Jahre danach

Europas Kulturhauptstadt werden

wollen?

Da lobe ich mir die Haller Katholiken, die

inzwischen keineswegs alle aus Steinbach

kommen: Noch keiner hat bisher verlangt,

dass ihr Dekan der nächste Papst wird.

Dr. Erhard Eppler und Dr. h. c. mult. Reinhold Würth werden Ehrenbürger der Stadt Schwäbisch Hall.


118 I 119

ULRIKE DURSPEKT-WEILER

DAS BESTECHENDE

ist die Vielfalt

BIOGRAFIE

ULRIKE

DURSPEKT-WEILER

geb. 1939 in Crailsheim, verheiratet

mit Karl Durspekt seit 1963, eine

Tochter und einen Sohn, daraus

sechs liebenswerte Enkelkinder

zwischen sechs und 22 Jahren |

Studium an der Staatlichen Hochschule

für Musik in Stuttgart mit

den Hauptfächern Klavier und

Blockflöte, Abschluss mit Staatsexamen

| 1960 Mitbegründerin

der Jugendmusikschule, dort 42

Jahre Lehrkraft und stellvertretende

Schulleiterin | eine Periode

Stadträtin | 30 Jahre im Ausschuss

der Theatergemeinde | 15 Jahre

federführend bei der Konzertgemeinde

| Sängerin bei Jazz- und

Kirchenchören | hatte die ehrenvolle

Aufgabe, den Bundespräsidenten

Horst Köhler mit Frau bei

den Amtseinführungen 2004 und

2009 in Berlin in Hohenloher Tracht

zu Tisch zu führen | 25 Jahre „Chefin“

der „Fränkischen Familie” (Trachtengruppe)

| unzählige Auftritte

als „Doudi vo Trääschbi” | monatliche

Mundartglossen im Crailsheimer

Stadtblatt | Trägerin des

Goldenen Horaff sowie der badenwürttembergischen

Nadel für

Verdienste im Ehrenamt

In Hohenlohe geboren worden zu

sein und Eltern zu haben, die die

Liebe zur Natur und ihren Schönheiten

an ihre Kinder weitergeben,

ist bereits ein Glücks-Start ins Leben. Der

Landkreis Schwäbisch Hall (den ich persönlich

lieber Kocher-Jagst-Kreis getauft hätte)

ist im weitesten Sinne meine Heimat und hat

mich mit all seinen Facetten sicherlich geprägt.

Die Begriffe Flora und Fauna, die mir

ja bekanntlich schon früh um die Ohren

flogen, gewannen mit zunehmendem Alter

immer mehr an Bedeutung. Als ich im alter

von sechs Jahren auf einem Bauernhof ein

Mädchen traf, welches sagte, sie hieße Flora

(wahrscheinlich Florentine), war ich stolz,

mein Wissen anwenden zu können und strahlte

sie mit den Worten an: Du bist eine Pflanze!

Die erste Begegnung mit der Fauna war der

Regenwurm; da mein Vater Hobby-Angler

war, durften wir Kinder nach einem Regenguss

Regenwürmer sammeln. Diese Tätigkeit

nahm mir jegliche Scheu oder gar Ekel vor

fast allen Tieren – mit Spinnen hab ich bis

heute so meine Probleme.

Die zwei größten Städte des Landkreises

sind mit meinem Leben verbunden: Meine

Mutter stammt aus einer Handwerkerfamilie

aus Crailsheim, mein Vater aus einer Baumeister-

und Architektenfamilie aus Hall, hatte

aber sein Berufsleben (Lehrer für Musik,

Zeichnen und Sport) und sonstiges Wirken

(Organist und Chorleiter) fast ausschließlich

in Crailsheim verbracht. Als Ur-Crailsheimerin

– wie ich oft genannt werde – war es eine

Crailsheimer Leckerei: Der Horaff


118

Selbstverständlichkeit, nach dem Studium in

Stuttgart wieder in die Heimat zurückzukehren,

um hier und in der Umgebung die

berufliche Tätigkeit aufzunehmen und sich

auch in verschiedenen Richtungen für die

Stadt einzubringen. Es gab auch noch andere

Gründe: eine verwitwete Mutter und einen

sehr sympathischen Freund – er ist seit 52

Jahren mein Ehemann.

Meine Liebe zur Eisenbahn kommt nicht

nur daher, dass Crailsheim einmal ein bedeutender

Eisenbahnknotenpunkt mit einem

repräsentablen Bahnhof war, sondern mit

meinen fast täglichen Fahrten nach Stuttgart

und zurück. Ich konnte mir ein Zimmer in

der Landeshauptstadt nicht leisten, aber dafür

eine Monatskarte bei der Bahn. Zug fahren

war damals noch eine sichere, gemütliche

und atmosphärische Angelegenheit mit „Täfelesmann”

und „Kartenzwicker“, Bahnsteigkarten

und Dampfloks – trotz übel riechender

Aschenbecher und ausgesessenen Pseudoledersitzen.

Ich wusste immer genau, wer bis

Schwäbisch Hall-Hessental fuhr und war

dann meistens mit zwei oder drei Leuten bis

Crailsheim allein im Zug. Dafür konnte ich

das „Heckenbeerlesgäu“ in allen jahreszeitlichen

Schattierungen genießen – oder eben

Musikbücher lesen bzw. deren Inhalt lernen.

Im letzten Zug nach Hause (Ankunft 22.49

Uhr) war es aber auch noch möglich, den

Schaffner zu bitten, er möge mich in Eckartshausen

wecken.

Die Fränkische Familie beim Umzug des Fränkischen Volksfestes in Crailsheim

Als Ur-Crailsheimerin war es eine

Selbstverständlichkeit, nach dem Studium wieder

in die Heimat zurückzukehren, um hier eine

berufliche Tätigkeit aufzunehmen und sich auch in

verschiedenen Richtungen für die Stadt

einzubringen.

Das Bestechende an unserem Landkreis ist

meines Erachtens die Vielfalt – nicht nur, was

die Landschaft anbelangt, sondern eben auch

Architektur, Kultur, Charaktere der Menschen,

Besiedlung plus Industrie und Sprache.

Nehme ich die Landschaft ins Visier, fasziniert

mich die Hohenloher Ebene mit ihren

weiten Äckern und Feldern genauso wie die

hügelige Gegend des Limpurger Landes oder

die traumhaften Wälder um Mainhardt oder

der Crailsheimer Hardt. Nicht zu vergessen

mein Lieblingselement Wasser: schon als

Kleinkind im Waschkorb mit der Familie zum

See mitgenommen, aufgewachsen an der Jagst

(Urlaubsort Brühlbad in Crailsheim), das

braune Kocherwasser, das Tal, an dessen

Hängen Wein wächst und die versteckten

Schönheiten des Jagsttals. (In Gedanken

bremse ich den Tourismus, um die stillen,

zauberhaften Plätze für die Liebhaber zu erhalten.)

Diese Flüsse mit ihren Nebenbächen

sind die Lebensadern unserer Heimat.

Widmen wir uns der Architektur, so

kommt auch hier jeder auf seine Kosten mit

Burgen, Ruinen, Schlössern und vielerlei Brücken.

Alles in Hülle und Fülle vorhanden und

jeder schätze sich glücklich, der dafür ein Auge

hat – selbstverständlich auch für moderne

Bauten und Autobahnbrücken. Kulturell wird

im Landkreis viel geboten und mancher

Kunstfreund weiß oft nicht, welchen Termin

er wahrnehmen soll. Mit uns und bei uns lebt

ein herzhafter Menschenschlag: Da gibt‘s den

etwas stolzen Haller (Reichsstädter!), den

aufgeschlossenen Crailsheimer (grenznah),

den schlitzöhrigen Hohenloher und so manchen

knitzen‚ pfiffigen „Dörfler“. Der Hohenloher

sei – so sagt man – zunächst verschlossen

(stur?‚ verklemmt?‚ verstockt?); wenn

man aber die Kruste aufgebrochen hat,

kommt ein herzensgutes Wesen hervor, ein

Freund fürs Leben.


120 ULRIKE DURSPEKT-WEILER

Buntes Treiben auf dem Fränkischen Volksfest in Crailsheim

Das Bestechende an unserem Landkreis ist

meines Erachtens die Vielfalt — nicht nur, was

die Landschaft anbelangt, sondern eben auch

Architektur, Kultur, Charaktere der Menschen

und Sprache.

Dass man im Landkreis auch sein Geld verdienen

kann, zeigen die vielen bedeutenden

und weltbekannten lndustriebetriebe, Werke,

in denen fleißige Leute am liebsten ein ganzes

Berufsleben arbeiten wollen. Kleinbetriebe,

Handwerksbetriebe und gottlob noch einige

bäuerliche Betriebe runden das Ganze ab.

Zur Sprache habe ich ein ganz besonderes

Verhältnis und das kommt nicht von ungefähr.

Da wir 1945 total ausgebombt waren

und außer den Kleidern auf dem Leib und dem

Fahrrad, mit dem die Familie zu Bekannten

fuhr, nichts mehr besaßen, verschlug es uns

für sechs Jahre aufs Land. Vater arbeitete als

Bauernknecht, Mutter avancierte zur Lehrerin

‚ die 12 Jahre ältere Schwester studierte in

Stuttgart, die acht Jahre ältere Schwester ging

in Crailsheim zur Schule und das Nesthäk-

chen war alleine – mitnichten! Die Bauersleute

nahmen das Mädchen mit den dicken,

langen Zöpfen ganz selbstverständlich in ihren

Alltag mit auf, es kannte jede Kuh im

Stall mit Namen. Und Vieh hüten mit einem

Vesper und einem Schluck Most war Lebensfreude

pur in diesen kargen Zeiten. Tagtäglich

flog dem hellhörigen Kind die hohenloher

Mundart, der unverwechselbare Dialekt der

Honhardter Gegend um die Ohren und die

Bindung zu den hilfsbereiten Leuten und ihrer

Sprache war so intensiv, dass sie bis heute anhält.

Ich setze mich dafür ein, dass Dialekt

wieder gesprochen werden soll und darf, ohne

dafür scheel angeschaut zu werden. Welch

treffende, nuancenreiche und charakteristische

Ausdrucksformen bringt doch die

Mundart. Fazit: Landkreis Schwäbisch Hall

bietet in allen Richtungen alles!

Doa wua d‘ Hosa Housa haaßa

Und wua d‘ Hasa Hoosa haaßa

Wuo am Samsdich Goulobba beggsch

bis zwelfi „Guada Morcha“ seggsch

wua an Mouschd zum Veschbra dringsch

und aa gära Liadlich singsch

doa wua d‘ Maadlich Klaadlich droocha

d‘ Siader floddi Sprich uffsoocha

wua mr gära Feschdlich feierd

maaschdens aa bloaß amoal heierd

wua mr sechd: i moogs ned hoowa

d‘ Menner stets nach Ärwed groowa

wua noch d‘ Liab gäd durch da Moocha

wua mr sichd noch Ranschiwoocha.

Wuas da Burchberch gid und Wälder

Eikorn, Landwehr, waidi Felder

Schlesser gor mid echdi Färschda

Ägger voul mit Mais und Gärschda

Wuas noch Bächlich gaid und Wiesa

Wua druf seldni Bloama sprießa

Wuas aa seldni Veichl gaid

(moal sans Reiher, manchmoal d‘ Laid!)

Wuas noch Däler gid und Hiechl

Kiah und Gail in Zaum und Ziechl

Wua noch alli halda zamm –

Doa, ja doa san mir d‘ham.


PREMIUM UPT GMBH

121

DIENSTLEISTER

aus Überzeugung

Der Mensch steht im Vordergrund

jeder Dienstleistung“,

so lautet die Firmenphilosophie

des Unterneh-


mens Premium UPT. Spezialisiert auf die Bereiche

Unternehmensberatung, Personaldienstleistung

und Trading gründete Inhaber

und Geschäftsführer Peter Riesner im Jahr

2007 das Unternehmen mit der Zielsetzung,

Dienstleistung in Perfektion zu praktizieren.

Als Personaldienstleister für die Region

Heilbronn-Franken zeichnet sich die Firma

Premium UPT durch ausgezeichnete Kontakte

zu Industrie und Handel sowie langjährige

Erfahrung in der Personalsuche aus und

unterstützt ihre Kunden mit einer gezielten

und bedarfsgerechten Personalauswahl. Die

sorgfältige Überprüfung von fachlicher Qualifikation

und persönlicher Eignung der Bewerber

garantiert eine maximale Übereinstimmung

von Anforderung und Profil.

Die Mitarbeiter der Premium UPT GmbH

profitieren von der sozialen Verantwortung

des Dienstleisters, der ihnen langfristig gesicherte

Arbeitsplätze in ausgesuchten Unternehmen

in Wohnortnähe, leistungsgerechte

und übertarifliche Bezahlung, vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten,

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sowie persönliche Beratung bietet.

Klare Abläufe, modernste EDV und kompetentes

internes Personal gewährleisten eine

effiziente, schnelle und zuverlässige Abwicklung

aller administrativen Prozesse, eine zielsichere

Kandidatenauswahl und hohe Wirtschaftlichkeit.

So legt die Firma Premium

UPT den Grundstein für eine langfristige vertrauensvolle

Geschäftsbeziehung, bei der

Mitarbeiter- und Kundeninteresse zum ge-

genseitigen Vorteil miteinander verbunden

sind.

Als professionelle Unternehmensberatung

unterstützt die Firma Premium UPT ihre

Kunden in den Bereichen Produktion, Lagerwirtschaft

und Logistik sowie Supply Chain

Management. Erfahrene Spezialisten erarbeiten

und realisieren in ständigem Dialog mit

den Kunden individuelle Problemlösungen

und maßgeschneiderte Strategien, um den

langfristigen Erfolg besonders von kleinen

und mittleren Unternehmen am Markt zu sichern

und auszubauen.

Im Bereich Trading vermittelt die Premium

UPT GmbH Firmenkontakte in den Branchen

Baubedarf, Elektrotechnik, Elektronikfertigung,

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und sucht produktspezifisch nach geeigneten

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Dabei kooperiert das Dienstleistungsunternehmen

mit zuverlässigen Vertriebspartnern

in Spanien, Tschechien, Polen,

Ungarn, Korea und China.

Mit der erfolgversprechenden Kombination

dieser drei Geschäftsbereiche garantiert das

Unternehmen Premium UPT beruflichen und

wirtschaftlichen Erfolg und bietet professionelle

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Premium UPT GmbH

Gelbinger Gasse 77

74523 Schwäbisch Hall

www.premium-upt.de


130 I 131

LANDESBISCHOF DR. H. C. FRANK OTFRIED JULY

BIOGRAFIE

DR. H. C. FRANK

OTFRIED JULY

geb. 1954 in Darmstadt, verheiratet,

vier Kinder | Studium der Evangelischen

Theologie in Tübingen und

Wien, 1980 erstes kirchliches Examen

in Tübingen | 1980 – 1983 Vikar in

Reutlingen-Betzingen | 1983 – 1987

Wissenschaftlicher Assistent an der

Evangelisch-Theologischen Fakultät in

Heidelberg | 1987 – 1996 Persönlicher

Referent der Landesbischöfe Hans von

Keler, Theo Sorg und Eberhardt Renz |

1996 – 2005 Direktor und erster Pfar-

rer des Evangelischen Diakoniewerks

Schwäbisch Hall | seit September

2005 Landesbischof der Evangelischen

Landeskirche in Württemberg |

2008 von der Theologischen Fakultät

der Universität Tübingen zum

Ehrendoktor ernannt | 2010 – 2012

Vorsitzender des Diakonischen Rates

im Diakonischen Werk der EKD | 2010

Vizepräsident des Rates des Lutherischen

Weltbundes für die Region Mittel-

und Westeuropa

DIE MISCHUNG

macht’s!

Die Mischung macht‘s!“ Die

Faszination der Region im

Land, die seit der Kreisreform

1973 durch den Land-


kreis Schwäbisch Hall markiert wird, liegt in

ihrer Vielfalt begründet. Stadt und Land sind

ebenso ineinander verwoben wie Natur und

Technik, Kultur und unberührte Landschaft.

Biografisch knüpfe ich bei meiner Sicht auf

den Landkreis in Schwäbisch Hall an, denn

1996 habe ich mein Amt als erster Pfarrer und

Direktor des Diaks angetreten, das mich in

mancherlei Weise geprägt hat. Es war und ist

das Haller Diak, eine Institution seit Generationen,

deren Anfang erkennen lässt, welche

Menschen in der Region daheim sind. Bei der

Gründung des Diak wurden nicht nur die Not

kranker Menschen auf dem Land erkannt, sondern

auch die Ressourcen entdeckt, mit denen

Abhilfe geschaffen werden konnte. Es waren

engagierte Frauen und Männer, die neue Wege

wagten, die sich geistig und geistlich gegründet

sahen, um sich ganz praktisch ans Werk zu machen.

Ich freue mich, dass es bis heute so ist

und die Idee des Anfangs heute in der Gemeinschaft

der Haller Schwestern und Brüder lebendig

ist.

Deutlich spürbar ist das lebendige Erbe der

Reformation der Kirche und des gesellschaftlichen

Lebens im 16. Jahrhundert. Sie ist mit

dem Namen Johannes Brenz verbunden, war

aber vom Willen der Bürgerschaft getragen. Zu

dieser Bürgerschaft gehörten auch vierhundert

Jahre lang die Vorfahren Dietrich Bonhoeffers.

Beide Namen – Brenz und Bonhoeffer – werden

in Hall in Ehren gehalten und mich freut es,

dass die Stadt einem neu entstandenen, großen

Platz den Namen Dietrich Bonhoeffers gegeben

hat und dessen von Alfred Hrdlicka geschaffene

Büste dort aufgestellt ist. Vor der Johanniterkirche

zieht die Betrachter eine Gethsemane-

Gruppe vom selben Künstler in ihren Bann.

Viele Generationen wurde das gotische Gotteshaus

Johanniterhalle genannt, ehe sie nun wieder

– ausgestattet mit geistlicher Kunst – Kirche

genannt werden darf. Wenige Schritte weiter

bleibt die mittelalterliche Kleinstadt zurück,

wenn man die Tür zur Kunsthalle Würth

durchgegangen ist und sich in einem urbanen,

großstädtischen Raum wiederfindet.

© Gottfried Stoppel/EMH

In meinem Amt als Landesbischof habe ich

die Vielfalt des Landkreises Schwäbisch Hall

noch mehr kennengelernt, etwa die Rolle des

Reformators Adam Weiß, der aus Mainz nach

Crailsheim gekommen war. Ein Reformationsweg

erinnert an ihn und sein Wirken in der

zweitgrößten Stadt des Landkreises, die eine

ganz andere Anmutung hat, aber in ihrer Vita-


130

Morgenstimmung bei Oberspeltach, Gemeinde Frankenhardt

Man muss ihn erlebt haben, diesen Landkreis Schwäbisch Hall

mit seinen geerdeten Menschen, die den Blick ins Weite haben.

lität Schwäbisch Hall nicht nachsteht. Und

heute tragen die Crailsheimer Basketballer den

Ruhm der Stadt durch Deutschland, wie es das

Haller Football-Team durch seinen Sport tut.

Die Mischung macht’s. Im Süden konnte ich

entlang des Limes wandern, im Norden die

prachtvolle Ansicht Langenburgs mit dem

Schloss auf mich wirken lassen. Darunter an

der Jagst Bächlingen und Unterregenbach mit

seinem ungelösten geschichtlichen Rätsel:

welch ein Reichtum! Jeder Name eine Assoziation.

Brettheim erinnert stellvertretend an die

Gewalt der Nazi-Herrschaft, deren Chronist in

dieser Region Oliver Storz ist und der den

Männern von Brettheim ein filmisches Denkmal

gesetzt hat.

Am Ufer des Kochers in Braunsbach, am Kocher-Jagst-Weg,

ist das vom Verfall und Vergessen

bedrohte Rabbinat renoviert und mit

einem Museumsraum ausgestattet worden. Das

Judentum in und um Schwäbisch Hall heute

repräsentiert durch jüdische Friedhöfe und in

Museen… Zur Mischung gehört also auch die

dunkle Seite, die im Landkreis nicht verborgen

wird.

Die Mischung macht´s: Ein Pfarrer erfindet

das Haller Diak, ein anderer entdeckt – vor

ihm – Gips als Dünger, der den Bauersfamilien

eine gute Grundlage für ihre wirtschaftliche

Existenz bietet. Bis heute nehme ich in diesem

blühenden Landkreis wahr, wie Menschen in

kleinen und großen Firmen am Ort produzieren

und oft genug in der ganzen Welt mit ihren

Produkten das Leben leichter und erträglicher

machen. Wenn ich bei einer Auslandsreise im

Flugzeug sitze, dann kommt der Sitz im Flugzeug

oft aus Schwäbisch Hall. Sehe ich beim

Frühstück den Schinken an, dann denke ich an

Wolpertshausen und die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft.

Und man muss es erlebt haben,

durch Wald und blühende Wiesen zu fahren,

das Ende der schmalen Straße zu erwarten, um

plötzlich hinter dem Wald auf herausgeputzte

Industriegebäude zu sehen, in denen Hightech-

Fertighäuser gebaut werden.

Man muss ihn erlebt haben, diesen Landkreis

Schwäbisch Hall mit seinen geerdeten Menschen,

die den Blick ins Weite haben. Ich

komme am Ende noch einmal ins Diak zurück,

dessen Leitwort der 121. Psalm ist:


132 LANDESBISCHOF DR. H. C. FRANK OTFRIED JULY

Die Auferstehungskirche am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt meine

Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde

gemacht hat. Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der

dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und

schlummert nicht. Der Herr behütet dich; der Herr ist dein Schatten

über deiner rechten Hand, das dich des Tages die Sonne nicht

steche noch der Mond des Nachts. Der Herr behüte dich vor allem

Übel, er behüte deine Seele. Der Herr behüte deinen Ausgang und

Eingang von nun an bis in Ewigkeit.“


DRUCKEREI OSCAR MAHL GMBH & CO. KG

133

MEHR ALS

eine Druckerei

stark im Vordergrund.“ In der eigenen Druckvorstufe

werden Kundendaten bearbeitet und

„in Szene gesetzt“, ganz egal ob es sich um eine

komplette Neugestaltung oder nur um textliche

Veränderungen handelt. Gut ausgebildete Berater

im Außendienst und Innendienst sorgen

für die exakte Umsetzung des Druckauftrages

von der Beratung vor Ort bis zur Auslieferung.

Die Einlagerung von Abrufaufträgen zur justin-time-Auslieferung

erspart den Kunden Platz

und bietet Preisvorteile.

Kundenbetreuer Daniel Mahl, Geschäftsführer Erwin Oscar Mahl,

Verkaufsleiter Herwig Skarupa (v. l. n. r.)

Die Druckerei Mahl hat eine lange Ausbildungstradition

und bildet seine Fachkräfte regelmäßig

selber aus. Aktuell beschäftigt das

Unternehmen 80 Mitarbeiter, wobei Betriebszugehörigkeiten

von über 40 oder gar 50 Jahren

keine Seltenheit sind.

Das Familienunternehmen Druckerei

Oscar Mahl in Schwäbisch

Hall wird bereits von der

vierten Generation Mahl geführt.

Das Produktportfolio umfasst die Herstellung

von Haftetiketten, Geschäftsdrucksachen

in Endlosform und als DIN A4 Laservordrucke

und Werbedrucksachen aller Art wie

Prospekte, Flyer, Broschüren, Bücher, Loseblattsammlungen,

Betriebsanleitungen etc.

Neben dem klassischen Druck verfügt das

Unternehmen über eine spezielle Digitaldruckmaschine,

auf der kleine Auflagen von Prospekten

und personalisierten Produkten sehr

schnell und wirtschaftlich hergestellt werden

können. Typische Beispiele hierfür sind Prospekte

in unterschiedlichen Sprachversionen

für den Messeauftritt, Verkaufsunterlagen und

Loseblattsammlungen für den Außendienst,

personalisierte Mailings oder Tickets, aber

auch kleine Auflagen von Büchern.

Mit einem Anteil von 75 Prozent wird mit

Haftetiketten der weitaus größte Umsatz erwirtschaftet.

Seit Anfang der 1990er-Jahre

produziert die Druckerei Mahl unter dem Namen

Schwäbisch Haller Etiketten“ Haftetiketten

jeder Art, vom einfachen Blanko-Etikett

für die Logistik bis zum hochwertig bedruckten

Schmuck-Etikett für die Produktausstattung,

sei es von der Rolle, gefalzt oder als

Laser-Blattware. Pro Jahr werden aktuell über

eine Milliarde Haftetiketten für den deutschen

und angrenzenden Markt auf sieben Etikettenrotationen

und zwei Stanzmaschinen gefertigt.

„Wir sind der ideale Partner für mittelständische

Kunden, da wir so denken und arbeiten

wie diese“, betont Geschäftsführer Erwin Oscar

Mahl und verweist auf den aktuellen Stand

von mehr als 2.000 Kunden. „Wir legen sehr

großen Wert auf partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Neben der konstant hohen Produktqualität

steht daher der Service bei uns

Haftetiketten aus dem Hause Mahl

Druckerei Oscar Mahl GmbH & Co. KG

Aschenhausweg 13

74523 Schwäbisch Hall

www.oscarmahl.de


216 I 217

ULRIKE SCHWEIKERT

WIR SIND ANGEKOMMEN.

Wir sind wieder zu Hause.

© Andres Schippe

BIOGRAFIE

ULRIKE SCHWEIKERT

geb. 1966 in Schwäbisch Hall, verheiratet,

lebt und arbeitet in einem

kleinen Ort am Rand des Nordschwarzwalds

zwischen Stuttgart

und Karlsruhe | nach dem Abitur

am Erasmus Widmann Gymnasium

in Schwäbisch Hall Banklehre

in Stuttgart und vier Jahre bei der

Landesbank Stuttgart und der Bayern

Hypo im Wertpapierhandel |

Geologiestudium in Stuttgart und

Kiel und ein Aufbaustudiengang

in Journalistik in Hohenheim | ab

1995 erste Romane im Genre Fantasy,

2000 Veröffentlichung des

ersten historischen Romans: „Die

Tochter des Salzsieders“ | bis heute

dreißig Romane für verschiedene

Verlage in den Genres „historischer

Roman“, „Krimi“ und

„Fantasy“ sowie Kinder- und Jugendromane

| 2003 HansJörg Martin

Krimipreis für den historischen

Jugendkrimi „Das Jahr der Verschwörer“

| aktuell Verfilmung der

Jugendbuchreihe „Die Erben der

Nacht“ als Fernsehserie | Dramatisierung

von zwei Romanen und

Premiere auf Burg Leofels | 2015

Aufführung einer Neufassung von

„Die Tochter des Salzsieders“ bei

den Freilichtspielen Schwäbisch

Hall auf der großen Treppe

Meine Eltern zogen im Jahr

meiner Geburt nach

Schwäbisch Hall, und so

gehört der Blick über

den Kocher zur Ritterbrücke hinüber zu meinen

ersten Erinnerungen. Aufgewachsen in

einem alten Fachwerkhaus, waren die mittelalterlichen

Gassen genauso Teil meiner Kindheit

wie die Ackeranlagen oder der Tanz der

Sieder zu Pfingsten. Ich lief immer los, ihnen

zuzuschauen, wenn ich die vertrauten Klänge

hörte, und bewunderte die kleinen Tänze -

r innen in ihren schönen Gewändern. Wie gerne

hätte ich mitgemacht, aber ich durfte

nicht. Damals wurden nur Nachfahren echter

Siederfamilien aufgenommen. So blieben mir

nur meine Träume.

Nach Pfingsten, wenn das Wetter wärmer

wurde, gab es wieder Ausflüge zum Einkorn

mit seinen Wanderwegen und dem tollen

Spielplatz, auf dem ein halber Baum zu einer

Flugzeugschaukel wurde. Zur Sonnwende

Theaterszenen beim ...

wurde ein riesiger Holzhaufen um einen aufrecht

stehenden Baum geschichtet. Wenn die

Nacht hereinbrach, hielt mein Vater eine Rede,

und endlich wurde das Feuer entzündet,

das bis spät in die Nacht in den Himmel loderte.

Als es niedergebrannt war, nahmen

sich die Mutigsten an der Hand und sprangen

über die Glut. Der Sommer konnte beginnen!

Und was waren das für schöne Sommer im

Haller Land! Natürlich stand das Schenkenseebad

oben auf der Hitliste, gefolgt von den Wanderungen

entlang der Rot und zum Stammbach.

Hier konnte man wundervoll Dämme

bauen. Meine beiden Schwestern und ich waren

unermüdlich. Später, nass und schmutzig wie

wir waren, wärmte uns das Feuer, an dem man

seine Würste am Stock röstete. Wenn es dunkel

wurde, holten mein Vater und die Großmutter

die Gitarren raus und stimmten ein Lied an,

und wir sangen aus vollen Kehlen. Ja, in diesen

Tagen gab es sie noch wirklich, die viel beschworene

Lagerfeuerromantik.


216

Doch irgendwann war die Kindheit vorbei,

das Abitur geschrieben, die letzten Feten mit

der Abschlussklasse im Schulzentrum West

gefeiert und wir zerstreuten uns in alle Winde.

Vorläufig kam ich nur bis Stuttgart, doch

trotz der neuen Freiheit, trotz Kino, Theater

und Disco, blieb ich Hall immer verbunden.

Wie wenig meine Heimatstadt bereit war,

mich loszulassen, merkte ich, als ich nach den

Irrungen in die Welt der Banken und meinem

Ausflug in die Naturwissenschaften endlich

den richtigen Weg fand. Stift und Papier oder

in der heutigen Zeit das Notebook, ein wenig

Zeit zum Träumen und Grübeln und schon

entstanden immer mehr Geschichten, die aufgeschrieben

werden wollten. Was während

des Studiums als Hobby begann, wurde zur

großen Leidenschaft. Und wieder war die

Heimat ganz nah und wollte ein zweites Mal

neu erkundet werden. Mir schwebte ein historischer

Roman vor. Eine Geschichte aus der

Heimat, eine Milieustudie der Sieder mit ihren

Lehensherrn und ihren Siedersknechten,

und natürlich eine Studie der Frauen dieser

Zeit und wie sie diese Gesellschaft erlebten.

Verpackt in eine Krimihandlung, die die

Zwänge und Vorurteile dieser Zeit entlarvt.

„Die Tochter des Salzsieders“ war geboren –

in meinen Gedanken zumindest. Doch wie

aus diesen Ideen einen historischen Roman

machen, dessen Daten und Fakten auch vor

den kritischen Augen der His toriker Bestand

haben? Deren Sozialgeschichte so fundiert ist,

dass sich der Leser darauf verlassen kann: so

war das Alltagsleben im sechzehnten Jahrhundert

in Hall.

... Kuchen- und Brunnenfest auf dem Haller Marktplatz

Eine Geschichte aus der Heimat, eine Milieustudie

der Sieder mit ihren Lehensherrn und ihren

Siedersknechten, und natürlich eine Studie der

Frauen dieser Zeit. Verpackt in eine Krimihandlung,

die die Zwänge und Vorurteile dieser Zeit entlarvt.

„Die Tochter des Salzsieders“ war geboren –

zunächst in meinen Gedanken.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, doch

Herausforderungen habe ich nie gescheut. Die

Wissbegierde trieb mich – das hatte ich schon

immer mit vielen meiner Romanheldinnen gemein.

Wissenschaftlich zu forschen hatte ich

während meines Geologiestudiums gelernt,

nun war es nur ein anderes Thema, das ich

mir erarbeiten musste. Ich machte mich also

wieder nach Hall auf, lieh mir alles aus, was

die Bücherei über die Geschichte zu lesen hatte,

und meldete mich dann im Stadtarchiv an.

Viele Tage saß ich dort, las und fragte und

notierte mir alles. Noch heute bin ich für die

unendliche Geduld aller dankbar, die mir immer

neues Material beschafften und Antworten

gaben.

„Die Tochter des Salzsieders“ wurde ein

riesiger Erfolg. Ich konnte es nicht fassen.

Mehr als dreihunderttausend verkaufte Bücher,

Übersetzungen und neue Verträge bei

den Verlagen. Die Geschichte eines Haller

Mädchens hat mir eine Tür aufgestoßen und

mir einen neuen Beruf ermöglicht, dem ich

noch heute mit Begeisterung nachgehe. Natürlich

bin ich weitergereist, habe Geschichten

in ganz Süddeutschland, aber auch in Spanien,

Irland, Wien und Paris gesammelt. Die

Genres begannen sich zu vermischen. Es kamen

zu den historischen Stoffen und Krimigeschichten

noch fantastische Elemente hinzu

und Vampire, die im Europa des 19. Jahrhunderts

ihr Unwesen trieben. Und doch bin ich

immer wieder nach Hall zurückgekommen.

Es gab einfach noch so viel zu entdecken und

noch mehr zu erzählen. „Die Tochter des

Salzsieders“ wurde erwachsen und ist in die

Wirren des Bauernkriegs gezogen. Für „Das

Kreidekreuz“ war ich in vielen Orten im

Landkreis unterwegs und habe akribisch die

Überlieferungen aus jenen Kriegsjahren gesammelt.


218 ULRIKE SCHWEIKERT

Für ein drittes Buch nahm ich eine jüngere

Leserschaft ins Visier. Jos, der Flößerknecht

aus Hall, Sara, Magd bei den Schenken, und

Rebecca, die Tochter des Haller Henkers,

werden Zeugen eines Verbrechens. Sie gehen

den Vorfällen nach und folgen der Spur bis ins

Kloster Gnadental. Sie geraten in Gefahr und

sie werden Freunde, bis sie am Ende die Rätsel

lösen und die Schuldigen überführen.

Und was waren das für schöne

Sommer im Haller Land! Natürlich stand

das Schenkenseebad oben auf der Hitliste, gefolgt

von den Wanderungen entlang der Rot

und zum Stammbach.

Und wieder machte ich mich daran, die

Orte und die Geschichten aus dem Haller

Land für meine nun jungen Leser so zu beschreiben,

dass sie sie mit Freude und Spannung

in sich aufsaugen, dass sie mitfiebern

und am Ende meinen, die Orte selbst besucht

und das Abenteuer mit Jos, Sara und

Rebecca erlebt zu haben. Der Hansjörg

Martin Krimipreis für dieses Buch war eine

schöne Anerkennung, doch genauso freue

ich mich, wenn dieses Buch immer wieder

als Schullektüre herangezogen wird – nicht

nur im Landkreis Hall – und ich Zuschriften

von den Schülern bekomme. Eine Passage

aus „Die Tochter des Salzsieders“ hat

inzwischen sogar Eingang in das Deutschbuch

der Mittelstufe in Baden-Württemberg

gefunden.

Ein paar Jahre war ich mit meiner Arbeit

nicht mehr in Hall. Meine neuen Romane

führten mich nach Spanien, nach Frankreich

und in die USA. Ein wenig Abstand ist

manches Mal ganz gut, vor allem, wenn man

weiß, dass man irgendwann wiederkommen

wird. Es hat eine Weile gedauert, doch nun ist

es so weit. Nun kehren „die Tochter des Salzsieders“

und auch ich zu unseren Ursprüngen

zurück. Mit der Aufführung meines Theaterstücks

2015 auf der großen Treppe und damit

auch am Originalschauplatz des Romans

schließt sich der Kreis. Wir sind angekommen.

Wir sind wieder zu Hause!


WIED GMBH & CO. KG

219

50 JAHRE EXPERTE

in Sachen Elektrotechnik

Geschäftsführer Markus und Siegfried Wied

Innovative Technologien, ein ständig

weiterentwickeltes Know-how,

Flexibilität und das Wissen um die

Kundenanforderungen haben die

Firma Wied in den 50 Jahren ihrer Unternehmensgeschichte

zu dem gemacht, was das

Unternehmen heute ist: dem Experten für

Elektrotechnik.

Gegründet wurde Wied 1965 als Einzelfirma

für Elektroinstallation und Verteilerbau

durch Siegfried Wied senior. Heute konstruiert,

entwickelt und realisiert das Unternehmen

unter Führung der beiden Söhne Markus

Wied und Siegfried Wied jun. qualitativ

hochwertige elektrische Steuerungen für den

Maschinen- und Anlagenbau. Zum Kundenkreis

der Firma gehören nicht nur regionale

Firmen, mittlerweile finden die elektrischen

Steuerungen aus Bühlerzell ihren Einsatz

weltweit. Die weltweite Ausrichtung förderte

auch 2012 die Gründung einer Tochtergesellschaft

in China. Dabei sind die Branchen so

vielseitig wie die Anforderungen der Kunden.

Im Bereich der Gebäudeinstallation setzt die

Firma Wied vor allem auf den Trend der Gebäudeautomatisierung,

durch welchen die

Nachhaltigkeit und die Energieeffizienz von

Gebäuden realisiert und gesteigert werden

kann.

Zur Verwirklichung der Projekte sind mehr

als 120 Mitarbeiter für Wied GmbH & Co.

KG tätig. So werden durch stetige innerbetriebliche

Ausbildung und Weiterbildung „die

qualifizierten Mitarbeiter von morgen“ geschaffen,

die das Unternehmen in personeller

Hinsicht stärken. Denn alle Mitarbeiter

zeichnen sich durch ein umfangreiches Knowhow,

hohe persönliche Kompetenz, ein ausgeprägtes

Qualitätsbewusstsein, aber auch

Freundlichkeit und Vertrauenswürdigkeit im

Kontakt mit den Kunden aus. Somit wird

auch in Zukunft auf die Qualität sowie die

Zufriedenheit der Kunden bei der Wied

GmbH & Co. KG gesetzt.

Innovative Technologien, Know-how und das

Wissen um die Kundenanforderungen

haben die Firma Wied zum Experten für

Elektrotechnik gemacht.

Wied GmbH & Co. KG

Industrieautomation

Landerstall 4

74426 Bühlerzell

www.wied.de


232

Übersicht der PR-Bildbeiträge

Wir danken den folgenden Firmen, Einrichtungen und Verbänden, die mit ihren Beiträgen

das Zustandekommen dieses Buches ermöglicht haben.

ADGA - Adolf Gampper GmbH 19

www.adga.de

AS-Motor Germany GmbH & Co. KG 47

www.as-motor.de

Barthau Anhängerbau GmbH 61

www.barthau.de

Bausch+Ströbel Maschinenfabrik

Ilshofen GmbH+Co. KG 34 - 35

www.bausch-stroebel.de

Bausparkasse Schwäbisch Hall AG 30 - 33

www.schwaebisch-hall.de

Blechtechnik Schwäbisch Hall GmbH 71

www.blechtechnik-sha.de

BMK GmbH - Bröckinger

Möbel Komponenten 63

www.bmk-gmbh.de

Möbel-Bohn GmbH 48 - 49

www.moebel-bohn.de

Robert Bosch GmbH Packaging

Technology Unit Pharma 36 - 37

www.boschpackaging.com

bosch Tiernahrung GmbH & Co. KG 62

www.bosch-tiernahrung.de

CDS Hackner GmbH 85

www.cds-hackner.de

ConCab kabel gmbH 84

www.concab.de

Stadt Crailsheim 181

www.crailsheim.de

Evang. Diakoniewerk

Schwäbisch Hall e. V. 103

www.dasdiak.de

Dreher GmbH 50 - 51

www.dreher-vs.de

DRK Kreisverband

Schwäbisch Hall - Crailsheim e. V. 161

www.drk-schwaebischhall.de

EVG Energieversorgung Gaildorf 95

www.evg-gaildorf.de

groninger & co gmbh 112

www.groninger.de

HEGLA Fahrzeugbau GmbH & Co. KG 97

www.hegla.de

HEITEC AG 72 - 73

www.heitec.de

Hirschbach GmbH 96

www.hirschbach.de

Hochschule Heilbronn

Campus Schwäbisch Hall 86 - 87

www.hs-heilbronn.de/mv

Alfred Kärcher GmbH & Co. KG 111

www.kaercher.com

KLAFS GmbH & Co. KG 104 - 105

www.klafs.com

Knauf Integral KG 122 - 123

www.knauf-integral.de

KreisVerkehr Schwäbisch Hall GmbH 114 - 115

www.kreisverkehr-sha.de

Autohaus Linke GmbH 113

www.Auto-Linke.de

Druckerei Oscar Mahl GmbH & Co. KG 133

www.oscarmahl.de

MBS AG 174 - 175

www.mbs-ag.com

OPTIMA packaging group GmbH 134 - 135

www.optima-ger.com

P&G Manufacturing GmbH 144 - 145

www.pg-com

Premium UPT GmbH 121

www.premium-upt.de

RTS Gebäude-Management GmbH 151

www.rts-gema.de

Schmitt Logistik GmbH 143

www.schmitt-logistik.de

Schmitt International Spedition

GmbH & Co. KG 143

www.schmitt-spedition.de

Sonnenhof e. V. 83

www.sonnenhof-sha.de

Sozialtherapeutische Gemeinschaften

Weckelweiler e.V. 152 - 153

www.weckelweiler-gemeinschaften.de

Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim 162 - 165

www.sparkasse-sha.de

Stadtwerke Schwäbisch Hall GmbH 166 - 167

www.stadtwerke-hall.de

Friedrich Stark GmbH & Co. KG 195

www.starkhosen.de

STEGMAIER GROUP 173

www.stegmaier-group.de

STEGO Elektrotechnik GmbH 196 - 197

www.stego.de

ReiseService VOGT GmbH & Co. KG 209

www.reiseservice-vogt.de

VR Bank Schwäbisch

Hall-Crailsheim eG 182 - 185

www.vrbank-sha.de

Fertighaus WEISS GmbH 229

www.fertighaus-weiss.de

LEONHARD WEISS

GmbH & Co. KG 220 - 221

www.leonhard-weiss.com

R.WEISS Group 198 - 201

www.r-weiss.de

Wied GmbH & Co. KG 219

www.wied.de

Adolf Würth GmbH & Co. KG

- Museum Würth 210 - 211

www.kunst.wuerth.com

ZEAG Energie AG 230 - 231

www.zeag-energie.de

Zweckverband Wasserversorgung

Nordostwürttemberg 222 - 223

www.now-wasser.de

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