Medienkompetenz und Jugendschutz. - Mediaculture online

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Medienkompetenz und Jugendschutz. - Mediaculture online

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einwirft, der Film sei Mist, ich noch zu jung dafür und ein Umschalten auf ZDF fordert. Das

im Film Gezeigte trifft genau auf meine Sehnsüchte, Vermutungen und vor allem Neugier.

Hier kann ich lernen, wie es gehen könnte. Ich versuche, im Umgang mit dem Medium

Kompetenz zu erwerben, während Oma persönlich motivierten Jugendschutz betreibt. Wir

kommen nicht zueinander. Entnervt gebe ich nach etwa der Hälfte des Films auf und

verziehe mich murrend in mein Zimmer. Neben den von Scham und Peinlichkeit

bestimmten Gefühlen beim gemeinsamen Sehen über Generationsschranken hinweg

machte ich meine erste Erfahrung mit moralisch aufgeladener Zensur.

2008, ich recherchiere für eine sexualpädagogische Weiterbildung zum Thema

Pornografie im Internet. Kaktuz, youporn, redtube, mytokyo und badpinkgirl klicke ich an,

und das pornografische Angebot ist unüberschaubar. In der Hauptsache findet sich das,

was ich als etwas älterer Jugendlicher in den St. Pauli Nachrichten und in dänischen

Pornoheften eines Freundes schon als Standbilder gesehen habe: Geschlechtsverkehr in

allen Variationen und vor allem und immer wieder Fellatio. Nichts wird so gefeiert im

Porno wie der Oralverkehr. Ein großer Teil des Angebots sind Privatfilme, die mit

wackliger Handkamera entstanden sind. Teils witzig und überraschend, aber auch

erschreckend und trostlos. In Bilder übersetzte Fantasien. Ich stoße auf eine

Filmsequenz, die eine kalte Schwarz-Weiß-Ästhetik als Hintergrund für eine mir sadistisch

erscheinende Fellatioszene nutzt. Als Zuschauer ist für mich nicht mehr erkennbar, ob es

sich hier um Dokumentation oder Fiktion handelt. Die Frau erleidet offensichtlich echte

Schmerzen, und die Angst in ihrem Gesicht ist nicht gespielt. Ich werde zum Voyeur, fühle

mich angesichts der Bilder hilflos und kann mich nicht distanzieren. Noch Tage später

beschäftigt mich die Sequenz, bei erneuter Suche des Films bei youporn ist er nicht mehr

aufzufinden. Gelöscht, vom Server genommen.

Am 8. Oktober 2008 erscheint in der Frankfurter Rundschau ein Interview mit dem

evangelischen Pastor BERND SIGGELKOW, dem Leiter des Kinder- und

Jugendhilfswerks „Arche“, das die NDR-Talkshow-Redaktion wie folgt ankündigte: „Kaum

ein anderes Buch sorgt derzeit für mehr Aufregung im Literaturbetrieb als das des Berliner

Kinder- und Jugendpastors Bernd Siggelkow. Mit seiner Studie ‚Deutschlands sexuelle

Tragödie: Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist‘ hat der Berliner Jugendpastor ein

hochbrisantes gesellschaftliches Problem angesprochen: Immer mehr Kinder und

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