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Wirtschaftszeitung_04122017

6 MACHER &MÄRKTE

6 MACHER &MÄRKTE „Eine Förderung wäre sinnvoll“ Die Games-Branche in Deutschland hat aus Sicht von Prof. Lensing noch reichlich Potenzial. Bloßes Dängeln an der Konsole? Mitnichten. Zocker sind als Kunden höchst anspruchsvoll. Deshalb müssen Firmen, die auf dem Spielemarkt bestehen wollen, ein Team mit hohem Potenzialmitbringen: Verlangt werden ebenso Sattelfestigkeit in Informatik wie Fantasie und Kreativität, betont Prof. Dr.-Ing Philipp Lensing von der Hochschule Osnabrück im Gespräch mit unserer Autorin Maike Harhues. Der Lehrstuhlinhaber für Computeranimation und Spieleprogrammierung sieht in der Gamingindustrie einen Innovationstreiber in Schlüsseltechnologien. Produkte deutscher Gaming- Schmieden spielen auf dem heimischen Markt und erst recht international kaum eine Rolle. Ist diese Branche zu klein, hat sie den Anschluss an Technologien und Trends verpasst oder gibt esdoch Firmen, die erfolgreich eine Nische besetzen? Philipp Lensing: Es stimmt, dass Produktionen aus Deutschlandinternational eher wenigBeachtung finden. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, die hervorstechen. Beispielsweise findet das Frankfurter Unternehmen Crytek mit Produktionen wie „The Climb“ oder „Robinson: The Journey“ weiterhin international Beachtung. Auch Aufb au-Simulationen wie die „Siedler“- und die „Anno“-Reihe von Blue Byte (Ubisoft) aus Düsseldorf sind international konkurrenzfähig. Ich würde nicht davon sprechen, dass Deutschland den Anschluss verpasst hat, denn technologisch sind wir gut aufgestellt, allerdings sind Spielentwicklungen teuer und risikoreich, so dass es schwer ist, für große Produktionen Investoren zu finden. Fehlt es in Deutschland –inder Region Münsterland, Osnabrücker Land, in NRW – an Köpfen und Ideen, um die Spielentwicklung voranzutreiben, oder müsstensich die Rahmenbedingungen verbessern, um die Branche zu ertüchtigen? Lensing: Ichdenke nicht, dass es an Köpfen und Ideen für gute Spielentwicklungen mangelt. In Deutschland hat sich zum Beispiel Hamburgals heißes Pfl aster für Spiele-Studios etabliert. Hier gab es 2016 bereits über 4000 Mitarbeiter in der Games-Branche. In NRW und im Speziellen im Münsterland sieht es da schon eher mau aus. Aber auch hier gibt es Unternehmen wie Piranha Bytes aus Essen, die jüngst mit ihrem Rollenspiel „Elex“ einen großen Titel rausgebracht haben. Für Hamburg spricht die Bündelung der Unternehmen, so dass ein reger Austausch stattfinden kann. Wenn man eine solche Bündelung auch in NRW erreichen möchte, wäre eine breite Förderung von Start-ups aus der Games-Branche wünschenswert. Wie müsste eine staatliche Förderung aussehen? Lensing: Die Crux mit der staatlichen Förderung ist, dass man in Deutschland dazu neigt, die Förderungen an Bedingungen zu koppeln, wie zum Beispiel, dass die Spiele pädagogisch wertvoll oder „innovativ“ sein sollen. Innovation wird aber international in der Spiele- Branche eher selten belohnt. Durch diese Restriktionen werden die Erfolgsaussichtenschon im Vorhinein geschmälert. Für jungeStudios ist es wichtig, dass der erste Titelsoerfolgreich wird, dass die nächste Entwicklung finanziell gesichert ist. Das bedeutet auch, dass man aktuelle Trends in der Industrie erkennt und diese aufgreift. Es macht also durchaus Sinn, einen zigfachwiederholten Aufguss eines Tower-Defence-Spiels zu fördern, wenn dieser Schwächen vorheriger Spiele ausbessert und die Spielerschaft anspricht. Prinzipiell halteich es finanziell nicht für sinnvoll, große Spielproduktionen zu fördern, allerdings wären Programme, die das erste Jahr eines Start-ups finanziell unterstützen, durchaus wünschenswert. Hier hilft es aber nicht, nur wenige „exzellente“ Start-ups zu unterstützen, die dann zwingend abliefern müssen. Diese Rechnung geht dann meistens nicht auf. Haben sich Entwicklungskosten für neue umfassende Spiele inzwischen so erhöht, dass außerhalb großer, etablierter Konzerne keine marktfähigen Produkte mehr entstehen können? Lensing: Die Entwicklungskosten für AAA-Produktionen, also qualitativ sehr hochwertige Spiele, befinden sich tatsächlich jenseits von Gut und Böse und übertreffen nicht selten die Kosten für Blockbuster-Filmproduktionen. Deshalb gibt es bei AAA-Spielen auch so wenigInnovationen. Hier setzen die großen Publisher auf Altbewährtes, was ich für durchaus nachvollziehbar halte. Auf der anderen Seite haben die hohen Kosten aber auch dazu geführt, dass es eine lebhafte Independent-Szene gibt, die ganz analog zur Filmbranche kleinere Spiele produziert, die aber einen hohen Spielwert aufw eisen. Zwar ist nicht alles aus der Indie-Szene innovativ, aber hier findet man inzwischen die größere Vielfalt an Spielen. Wo liegen aktuelle Trends als Herausforderung und als Chance für Spielentwickler? Lensing: Im Moment ist Virtual Reality Kennt sich in der Games-Branche aus: Prof. Dr.-Ing. Philipp Lensing von der Hochschule Osnabrück ein technischerTrend,der für Game-Studios interessant ist. Zwar gibt es noch nicht viele VR-Installationen am Markt, aber es gibt auchnur wenigSoftware, die die Systeme spielerisch ausreizen. Hier kann man mit einer guten Idee sicher ein gutes Geschäft machen, ohne dass die Produktionskosten ins Unermessliche steigen. Wenn der VR-Markt keine Fahrt aufnimmt oder der Markt mit Spielen überschwemmt wird, wird es wieder schwieriger.Soist es zum Beispiel gerade bei den Mobile Games für Smartphones und Tablets. Hier reicht es längst nicht mehr, ein gutes Spiel abzuliefern, sondern man muss dieses Spiel auch sichtbar am Markt platzieren. Hier gilt es, frühzeitig eine Community aufzubauen und durch Early-Access-Angebotepotenzielle Interessenten anzuwerben. Kickstarter ist hierfür ein äußerst geeignetes Instrument. Macht die Sattelfestigkeit in der Informatik einen guten Spielentwickler aus oder geben Kreativität und Fantasie den Ausschlag? Lensing: Spiele entwickeln bedeutet, in interdisziplinären Teams zu arbeiten. Man benötigt also sattelfeste Informatiker, die sich essenziell mit der Programmierung von Spielen auskennen, aber auch kreative Mitarbeiter, die Grafiken, 3D-Modelle, Sounds oder das Game-Design entwickeln. Für alle gilt,dass sie sehr gut in ihrem Gebiet sein müssen, denn Spielerinnen und Spieler sind sehr anspruchsvolle Kunden. Ist die Spielentwicklung Teil der Unterhaltungsindustrie oder fungiert sie als Schlüsseltechnologie, die auch die Entwicklung anderer digitaler Produkte beschleunigt, die eine hohe Wertschöpfung bieten können? Lensing: DieSpieleindustrie warund ist ein Treiber für technische Systeme. So ist es unter anderem der Spieleindustrie zu verdanken, dass wir heute soleistungsstarke Grafikkarten inunseren Computern vorfinden, deren hohe Rechenleistung für viele wissenschaftliche Disziplinen vonbesonderer Bedeutung ist. Auch die Entwicklung von bezahlbaren Head- Mounted-Displays für Virtual-Reality- Anwendungen ist in Teilen eine Errungenschaft von Spielentwicklern. Interessant ist, dass diese VR-Brillen nun auch ihren Einzug in „seriöse“ Anwendungsbereiche halten. Auch viele Verfahren aus der interaktiven Computergrafik haben ihren Ursprung inGames. Wasmacht für Sie persönlich ein gutes Game aus? Lensing: Ein gutes Spiel muss mich in seinen Bann ziehen. Dies kann zum Beispiel durch eine besonders gut erzählte Geschichte oder durch eine herausfordernde Spielmechanikgeschehen. Da ich auch gerne mit meiner Frau zusammen spiele, freue ich mich immer, wenn ein neues Game erscheint, welches man kooperativ zu zweit auf der Couch spielen kann. Werdie Jugend hat,hat die Zukunft! Napoleon Bonaparte Deshalbbildet die KreishandwerkerschaftSteinfurt-Warendorfaus. Unsere Auszubildende arbeiten auch in 2018 mit an einer guten Zukunftfür das Handwerkinden Kreisen Steinfurtund Warendorf. Wirwünschen unseren Mitgliedsunternehmen und Partnern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest,Gesundheit,Glück und Erfolg für das kommende Jahr und danken herzlich für die vertrauensvolle und angenehme Zusammenarbeit.

MACHER &MÄRKTE 7 Auch „Glücksbringer“ müssen sich weiterbilden In Dülmen gibt eseine landesweit einzigartige Akademie. Fast alle der jährlich rund 6000 Lehrgangsteilnehmer sind Schornsteinfeger. Fachleute inihrem Beruf –und zuständig für das Glück. Praxisnaher Unterricht im Hörsaal der Schornsteinfeger-Akademie in Dülmen. Die Lehrgangsteilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Foto: Hubertus Kost Der Schornsteinfeger als Glücksbringer ist ein willkommener Nebeneffekt im ohnehin breiten Aufgabenspektrum eines Berufsstandes, der sich vom Kaminkehrer zum Fachmann (und natürlich auch zur Fachfrau) für Brandschutz, Sicherheit und Umweltschutz entwickelt hat. Dazu gehört ständige Weiterbildung –und die wird für dieses Handwerk (und inzwischen auch für einige andere Berufe) in der Schornsteinfeger-Akademie in Dülmen vermittelt. Die Einrichtung ist in Fachkreisen deutschlandweit bekannt Der Grundstein für eine kontinuierliche Entwicklung wurde 1977 mit der „Berufsfortbildungsstätte Dülmen des Schornsteinfegerhandwerks NRW“ gelegt. Zentrales Angebot war damals die Vorbereitung auf die Meisterprüfung. Der Berufsnachwuchs kommt immer noch vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus anderen Bundesländern zur „Meisterschule“ ins Münsterland. Meistervorbereitung bleibt dort eine Kernaufgabe. Entwicklungen und damit auch neue Erkenntnisse und Veränderungen imBaubereich, moderne Heizsysteme, gesetzliche Vorgaben und Aufl agen im Umweltschutz haben in den vergangenen Jahren die Aufgaben des Schornsteinfegers beeinfl usst, verändert und erweitert. Dies macht sich auch in der Weiterbildung bemerkbar. Mit der Umbenennung der Berufsfortbildungsstätte in„Schornsteinfeger-Akademie Dülmen“ werde die hohe Qualität des Angebots hervorgehoben, sagt Bernd Vollmer„Und wir stellen zugleich heraus, dass wir auch für andere Handwerke offen sind, die sich mit Energie, Brandschutz und Umweltschutz beschäftigen“, betont der Schornsteinfegermeister und Diplom-Ingenieur. Als Beispiele nennt er das Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk, Dachdecker, Maler und Lackierer. Auch Architekten und andere Baufachleute kommen zur Weiterbildung nach Dülmen. Die Akademie ist in drei Fachgebieteeingeteilt, die das Aufgabenspektrum des Schornsteinfeger-Handwerks deutlich machen: –Die „Berufsfortbildungsstätte“ für die eigentlichen Schornsteinfegertätigkeiten (dazu gehören unter anderem Schornsteinreinigung, regelmäßige Überprüfung von Feuerungsanlagen, Überwachung der Verbrennungsqualität und Messung von Schadstoffen und Abgasen an Öl- und Gasheizungen). –Die „Akademie Umwelt und Energie, Raumhygiene und Brandschutz“ für die Themenbereiche Energieberatung, Schimmelpilzberatung und Brandschutz. –Das „Kompetenzzentrum für Lüftung und Hygiene“ für das Zukunftsthema Raumlufthygiene. Die Themen Energie und Lüftung werden in den nächsten Jahren erkennbar an Bedeutung gewinnen. Davon sind Bernd Vollmer, der das Kompetenzzentrum leitet, und Günter Gaux, Schornsteinfegermeister und in Dülmen Gebäudemanager, fest überzeugt. „Der Beratungsbedarf wird weiter steigen“,sagtGaux. Sein Handwerk habe das bereits frühzeitig erkannt. So wird die Fortbildungzum „Gebäude-Energieberater imHandwerk“ in Dülmen seit 1996 angeboten, etwa 90Prozent der Lehrgangsteilnehmer sind Schornsteinfeger. Sie setzen ihre Kenntnisse zum Beispiel bei der Ausstellung des Energieausweises ein, der seit 2009 Pfl icht ist. Eine beratende Funktion und damit einen neuen Markt siehtdas Schornsteinfeger-Handwerk in den Bereichen Lüftung undHygiene. Gaux und Vollmer erwarten eine Zunahme von hygienischen und bauphysikalischen Schäden durch mangelnde oder unsachgemäße Lüftung vonGebäuden. „Dabei geht es dann auch um gesundheitliche Schäden“, erläutert Vollmer –und diese müssten im Ansatz vermieden oder bekämpft werden. Die Akademie ist am am Ball: So wirdinDülmen aktuell ein Lehrgang zur „Fachkraft für Lüftungstechnik im Handwerk“ erprobt, der sich an alle Gewerke richtet, die mit dem Thema zu tun haben. Im Frühjahr 2018 wirddie erstePrüfung vor der Handwerkskammer Münster stattfinden. Hubertus Kost VOLL AUFSENDUNG. Direktwerbung? Mailings?Fulfillment? Adressmanagement? Rechnungsdruck und -versand? Newsletter? Digitaldruck? Wirmachen’s. Mehr erfahren? www.westermann-lettershop.de

PDF Download - Innovationsbüro Fachkräfte für die Region
Alle ins Boot holen: Wie das Handwerk Fachkräfte gewinnt // Seite 16
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Prüfsteine zur Kommunalwahl in NRW - Kreishandwerkerschaft ...
Cäcilie Becker: Maßarbeit für die Füße - Handwerkskammer Bremen
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² - Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West
Arbeits- und Gesundheitsschutz - Handwerkskammer Bremen
Infobroschüre "Existenzgründung im Handwerk" - bei der ...
P.T. MAGAZIN 04/2010
KH ELW 4-2010 print - Kreishandwerkerschaft Emscher-Lippe-West
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