Thomas Hussung: Der Brückentroll und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft

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Eines Nachts wurde der Brückentroll von seltsamen Geräuschen geweckt. Verschlafen setzte er sich unter seiner Brücke auf und erblickte einen anderen Troll, der seinen Briefkasten neugierig musterte. „Was machst du denn hier?“, fragte der Brückentroll. Ein neuer Band mit dem sympathischen Brückentroll.

Thomas Hussung

und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft

EDITION PASTORPLATZ

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und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft

Ein Kinderbuch von Thomas Hussung


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Eines Nachts wurde der Brückentroll von seltsamen Geräuschen geweckt.

Verschlafen setzte er sich unter seiner Brücke auf und erblickte einen anderen

Troll, der seinen Briefkasten neugierig musterte.

„Was machst du denn hier?“, fragte der Brückentroll.

„Hmm“, machte der fremde Troll und kratzte sich am Kopf. „Anscheinend wohne

ich hier. Auf diesem Ding steht nämlich mein Name.“


„Das ist kein Ding, sondern mein Briefkasten“, antwortete der

Brückentroll. „Und da tut Troll draufstehen. Weil ich nämlich ein Troll bin.“

„Ich bin aber auch ein Troll“, sagte der andere Troll.

„Aber bestimmt bist du kein Zugbrückenwärter-Assistenten-Troll“,

bemerkte der Brückentroll stolz. „Ich helfe meinem Freund, dem

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Zugbrückenwärter, die Brücke hochzuziehen, damit die großen Schiffe

hindurchpassen.“

Der fremde Troll blickte ziemlich verständnislos.

„Morgen kann ich dir das zeigen“, sagte der Zugbrückenwärter-Assistenten-

Troll und musste gähnen. „Lass uns erst mal weiterschlafen.“

Der fremde Troll machte große Augen.

„Morgen?“, fragte er. „Du meinst am Tag? Da werden wir Trolle doch zu

Stein, wenn wir ins Sonnenlicht gehen.“


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Das war neu für den Brückentroll. Er hatte noch nie gehört, dass Trolle durch

Sonnenlicht in Stein verwandelt werden – und er war sich auch ziemlich

sicher, dass das nicht stimmte.

Trotzdem wollte er lieber erst einmal den Zugbrückenwärter fragen. Am

nächsten Tag ging er also zu der kleinen Zugbrückenwärter-Hütte und steckte

seinen Kopf durch das kleine Zugbrückenwärter-Hütten-Fenster.

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„Stimmt es, dass Trolle im Sonnenlicht zu Stein werden?“, fragte er.

Er war so sehr mit dem Gedanken beschäftigt, dass er vergaß, dem

Zugbrückenwärter einen Guten Morgen zu wünschen.

Der Zugbrückenwärter überlegte, während er einen starken Troll-Tee und

einen etwas weniger starken Zugbrückenwärter-Tee aufsetzte. Schließlich

antwortete er, dass er das für eine sehr unwahrscheinliche Behauptung

halte. „Oder fühlst du dich etwa wie ein Stein?“, wollte er wissen.


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Der Troll blinzelte besorgt in die Morgensonne, die am Horizont aufstieg

und den Fluss funkeln und glitzern ließ. Ein bisschen komisch fühlte

er sich schon. Seine Trollbeine waren seltsam schwer und wenn er mit

den Trollzehen wackelte, kribbelte es so komisch. Doch er schüttelte den

Gedanken ab und erzählte dem Zugbrückenwärter von dem anderen Troll,

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der seit gestern zusammen mit ihm unter der Brücke wohnte.

Als der Brückentroll mit seinem Bericht geendet hatte, strich sich der

Zugbrückenwärter besorgt über seinen Zugbrückenwärter-Schnurrbart.

Was würde geschehen, wenn die Stadtbewohner erfuhren, dass ein

zweiter Troll unter der Brücke wohnte? Trolle waren für sie fremd und in

ihren Herzen war für Fremdes kein Platz. Das hatten sie schon einmal


ewiesen, als sie den Brückentroll vertreiben wollten – mit Fackeln und

Spruchbändern und giftigen Worten. Zwar hatten sie

es schließlich hingenommen, dass er unter der

Brücke lebte, doch sobald ihre Nachtruhe durch

einen zweiten, nachtaktiven Troll gestört

würde, würden sie wiederkommen.

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Es war also wichtig, den neuen Troll davon

zu überzeugen, dass Sonnenlicht nicht

schlimm war. Nur dann konnte er bleiben

– falls er das wollte.


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Der neue Troll lag ganz hinten unter der Brücke, wo kein Sonnenlicht

hinkam, und schnarchte ein lautes Trollschnarchen.

Der Zugbrückenwärter und sein Zugbrückenwärter-Assistenten-Troll weckten

ihn vorsichtig. Der Troll schlug die Augen auf und kroch erschrocken

tiefer in den Schatten.

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Zugbrückentrollwohngemeinschafts-

ENDE


Thomas Hussung

Der 1990 in Baden-Württemberg

geborene Illustrator Thomas Hussung

zeichnet am liebsten allerlei Fabelwesen

und Ungeheuer.

Mittlerweile lebt er in Hamburg und

arbeitet als selbstständiger Illustrator.

Neben dem Zeichnen war auch das

Schreiben für ihn schon immer eine

Möglichkeit, um seine Geschichten zum Ausdruck zu bringen. In seinem

Kinderbuch Der Brückentroll (2016 ebenfalls in der EDITION PASTORPLATZ

erschienen) hat er diese beiden Mittel erstmals vereint. Mit der Fortsetzung

Der Brückentroll und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft erzählt er die

Geschichte um den liebenswerten Brückentroll weiter.


Thomas Hussung:

Der erste Band.

34 Seiten in Farbe, durchgehend

illustriert, Hardcover, 24 x 16 cm

€ 12,00 (D)

ISBN 978-3-943833-15-7

Wie jeden Tag geht der Zugbrückenwärter seiner Arbeit nach, als er plötzlich

unter seiner Zugbrücke einen schlafenden Brückentroll findet. Zuerst ist er

erbost. Was hat der Brückentroll ausgerechnet unter seiner Brücke verloren?

Aber nach und nach freunden sich der Brückentroll und der Zugbrückenwärter,

auch gegen den Widerstand der Stadtbewohner, an.


Der Brückentroll und die Zugbrückentrollwohngemeinschaft“ wird herausgegeben von der

Edition Pastorplatz (Brink & Held GbR · Luisenstraße 52 · 52070 Aachen)

www.editionpastorplatz.de

www.facebook.com/edition.pastorplatz

www.twitter.com/ed_pastorplatz

Editionsnummer: 24 (Februar 2018)

ISBN 978-3-943833-24-9

1. Auflage

Idee, Text + Zeichnungen: Thomas Hussung

Umsetzung: Bernd Held

Lektorat + Korrektorat: Angelika Lenz, Steinheim an der Murr

Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe

Gedruckt auf 140-g-Offsetpapier (FSC®-zertifiziert),

Umschlag auf 135-g-Bilderdruckpapier (FSC®-zertifiziert).

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt

insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.


Eines Nachts wurde der Brückentroll von seltsamen Geräuschen geweckt.

Verschlafen setzte er sich unter seiner Brücke auf und erblickte einen anderen

Troll, der seinen Briefkasten neugierig musterte. „Was machst du denn hier?“,

fragte der Brückentroll.

Eine Geschichte über Freundschaft, Veränderung und ein kleines bisschen Neid.

Zum Lesen und Vorlesen für Kinder ab 5 Jahren.

ISBN 978-3-943833-24-9

€ 12,00 (D)

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