Takte_2_17

bv1927ks

[t]akte

Jedes Werk eine

andere Geschichte

Claude Debussy im Bärenreiter Urtext

Die viel gespielten Orchesterwerke Claude Debussys

brauchen einen verlässlichen Urtext, der auch

Aufführungstraditionen miteinbezieht. Die Ausgaben

von Douglas Woodfull-Harris bei Bärenreiter

lösen dies ein.

Wenn man Claude Debussys La Mer in den legendären Bärenreiters Debussy-Urtext-Edition schreitet kon-

Aufnahmen von Celibidache, de Sabata, Monteux, tinuierlich voran: an Klavier-Solowerken sind die frühen

Arabesques, die Suite bergamasque, Pour le piano,

Münch, Cluytens, Ansermet, Mitropoulos, Pedrotti

oder auch Karajan hört, so fällt stets eine Passage kurz die beiden Bände der Images, Children’s Corner und der

vor Ende des letzten Satzes Takte 237–244 (s. Notenbeispiel

unten) auf, worin die Trompeten und Hörner kleiner Besetzung sein Streichquartett, Syrinx für Flöte

erste Band der Préludes erschienen, dazu kommen in

eine prominente chromatische Gegenstimme spielen, solo und die Sonate für Cello und Klavier. Das natürlich

die an die vorhergehenden Takte anknüpft, und die komplizierter zu durchforstende Orchesterschaffen ist

in allen erhältlichen Partiturausgaben fehlte. Wer bisher mit den sehr verdienstvollen Neuausgaben von

dem nachging, konnte herausfinden, dass sich diese Prélude à l’après-midi d’un faune und La Mer vertreten,

Stimme nur im Erstdruck fand und in den folgenden und nun ist die Rhapsodie für Orchester mit Solo-Klarinette

neu hinzugekommen. Im Editionsprozess be-

Ausgaben gestrichen wurde. Ernest Ansermet hielt

diese Streichung für einen Fehler und vermutete ein findet sich mit den Images ein weiteres Schlüsselwerk

Missverständnis, und Celibidache beispielsweise sah seiner Orchestermusik, das uns sicher noch spannende

diesen Fall als editorische Schlamperei. Ich vermute, Diskussionspunkte und womöglich auch Entdeckungen

bieten wird, und es wird sehr interessant, wenn

dass Debussy die Wirkung zu massiv war – Molinari

ließ sie damals vom dritten Horn alleine ausführen –, dann ein teils in so mangelhaften Ausgaben existierendes

Werk wie die Nocturnes im neuen Urtext vorliegt.

doch natürlich wird bei zurückhaltenderer Dynamik

die Hauptstimme nicht zwangsläufig zugedeckt. Wie Die Klarinetten-Rhapsodie schließt sich in der freien

Formung an das Prélude à l’après-midi d’un faune

man es auch dreht und wendet, Debussy hat zwar der

Änderung zugestimmt, doch nur dogmatische Textausleger

können nicht erkennen, dass die Passage in der zu sein als bisher. Sie wurde 1909 als Concours-Stück

an und hat es verdient, im Konzertleben präsenter

ursprünglichen Fassung nicht nur wirkungsvoller für Klarinette und Klavier für das Pariser Conservatoire

komponiert, 1910 der ursprünglichen Absicht

ist, sondern auch kohärenter zum Ganzen beiträgt.

Im Bärenreiter Urtext hat nun Herausgeber Douglas entsprechend orchestriert, und trägt die nachträglich

Woodfull-Harris erstmals diese Passage wieder in den irreführende Bezeichnung „Première Rapsodie“, was

130

Partiturtext hineingenommen (anstatt sie in den Kritischen

Bericht ° zu verbannen), und, um die zwiespältige Saxophon-Rhapsodie 241

steht, deren Orchestration nie

fi Quellenlage zu kennzeichnen und dem Dirigenten Picc. fertiggestellt ∑ wurde, sondern ∑ auch ∑ den irrtümlichen ∑

Picc.


nicht nur im Widerspruch zur zuvor komponierten 60 Au Mouv t initi

235



























60 Au Mouv t initi



241

f

f Picc.

die Wahl zu lassen, die restaurierte Stimme in eckige Eindruck ∑ ∑ ∑ ∑

60 Au Mouv fi t initi

241

fi °

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erwecken kann, Debussy habe vorgehabt,

Klammern gesetzt. Abgesehen von der akribischen eine weitere Rhapsodie für die Klarinette zu schreiben.

H H

Durcharbeitung


Picc.

à 2

à 2 ∑ ∑ ∑ ∑



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der Quellen






im Allgemeinen,















die auch

tb

Vielmehr ist es so, dass Debussy mehrfach größere

3

H p


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3

H

in anderen Neueditionen dieses Hauptwerks von Debussy

zu konstatieren ist, ist dies das entscheidende Cor A. sein f

f

Werkzyklen







tb

plante, die er nicht realisierte (bereits

p

einziges Streichquartett hatte er 1893 als „Premier

Cor A.

3

Argument, hier als Dirigent aus dem Bärenreiter Urtext quatuor“ f veröffentlichen lassen). f












Cor A.

3

f

f

p

1909 plante Debussy

p

Cor A.






3

f

f

f

spielen zu lassen; die Unterschiede sind ja bei so häufig einen Zyklus von Rhapsodien für sämtliche Hauptin-

f

f

f der Holzbläsergruppe, also für Flöte,

p

Oboe,

untersuchten und als kritische Neudrucke aufgelegten

Cl. en Si bstrumente

Cl. en Si b





p

Werken selten

von



so schlagender







Offensichtlichkeit,






Klarinette f und Fagott,

von









Cl. en Si b

3

f

f p

Cl. en Si b





der f jedoch nur

das Werk für

p

sondern liegen meist in fein abwägenden Entscheidungen,

die widerspruchsfrei das Interesse an einem

à 2 Mit der Cellosonate von 1915 verhält es sich ähnlich

unverfälschten, philologisch möglichst einwandfreien B wie mit f der Rhapsodie: Hier plante f Debussy in seinen

Klarinette zur Ausführung gelangte.

Urtext mit den Anforderungen musikalischer Aufführungspraxis

2o

späten Jahren einen Zyklus von sechs Sonaten, die einer

f

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in Einklang bringen sollen.


auf den Barock







sich zurückbesinnenden, neuen franzö- p



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Timb.

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Claude Debussy: La Mer, III: Dialogue du vent et de la mer, T. 137–144, Hörner 1–4 und Trompete

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Gr. C.

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Cymb.


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Cymb.


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12 Ó [t]akte 2I2017 Glock.

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60 Au Mouv t initi


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t initi


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