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FRANKREICH INTERVIEW

FRANKREICH INTERVIEW »Als Botschafter weiß man anfangs nicht, welchen Einfluss die Geschichte des eigenen Landes auf diese Menschen und Länder ausgeübt hat. « Fotos: SOCIETY/pobaschnig 32 | SOCIETY 2_2017

FRANKREICH INTERVIEW „Wir können viel von Österreich lernen.“ SOCIETY hat mit dem Botschafter S.E. François Saint-Paul über seine bisherigen Erfahrungen im Botschaftsdienst, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und seine Liebe zur deutschen Sprache gesprochen. Vor ihrem Amtsantritt als Botschafter in Österreich haben Sie das Amt in Rumänien und Kroatien inne gehabt. Welche Erfahrungen haben Sie während dieser Zeit gemacht. Gibt es Erlebnisse in dieser Zeit, die Sie besonders geprägt haben? Die wichtigste Erfahrung war, dass diese beiden Länder so unterschiedlich und für einen Franzosen so weit weg sind. Als Botschafter weiß man anfangs nicht, welchen Einfluss die Geschichte des eigenen Landes auf diese Länder und ihre Menschen ausgeübt hat. Für mich war das Wichtigste, mir die geschichtliche Beziehung dieser Länder zu Frankreich in Erinnerung zu rufen. Können Sie Beispiele für den französischen Einfluss in Kroatien und Rumänien nennen? Ein Beispiel wäre Kroatien im 19. Jahrhundert. Während der Zeit Napoleons war Kroatien ein Teil der sogenannten „Provinces Illyriennes“ (dt. Illyrische Provinzen). In den heutigen kroatischen Gebieten gibt es viele Erinnerungen an die Franzosen. Zum Beispiel am Hafen von Split gibt es den „Quai des Français“. Von Rumänien ist Frankreich geographisch weit entfernt, geschichtlich aber eng verbunden. Als das Land 1888 durch den Berliner Kongress die Unabhängigkeit erhalten hat, unterstützten die Franzosen Rumänien auch. Daher ist Französisch in Rumänien immer noch eine gängige Sprache. Man sagt, dass 20 Prozent des Vokabulars aus dem Französischen kommt. Welche politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Themen haben für Sie, während ihres diplomatischen Dienstes in Österreich Priorität? CURRICULUM VITAE S.E. FRANÇOIS SAINT- PAUL wurde am 3. März 1958 geboren. Er absolvierte die École Nationale d’Administration (ENA), das Institut d’études politiques (IEP) und schloss die Licence in Rechtswissenschaften ab. Zwischen 1985 und 1989 arbeitete er als Erster und Zweiter Botschaftssekretär in Mexiko. Von 1985 bis 1989 war er im Außenministerium und Staatsamt von Frankreich tätig. Von 1990 bis 2004 hatte er verschiedene Ämter auf europäischer Ebene inne, beispielsweise als Erster und Zweiter Botschaftsrat der Ständigen Vertretung Frankreichs bei der UNO in Genf (1998- 2002) und anschließend als Kabinettsdirektor der Ministerin für europäische Angelegenheiten (2002- 2004). Von 2004 bis 2009 wurde er als Botschafter nach Kroatien entsandt. Von 2014 bis 2017 war er Botschafter in Rumänien. Seit 2017 ist er in Österreich als Botschafter tätig. Österreich und Frankreich haben sehr gute Beziehungen, aber ich bin davon überzeugt, dass wir besonders im europäischen Bereich die Zusammenarbeit weiter vertiefen sollten. Ein Ziel meiner Botschaftstätigkeit ist es, Frankreich mehr in das Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung zu bringen und umgekehrt. Im kulturellen Sektor funktioniert das schon sehr gut, aber auf dem politischen und wirtschaftlichen Gebiet denken die Franzosen immer zuerst an Deutschland. Sie kennen das Potenzial von Österreich nicht genug und müssen dieses erst entdecken. Wir haben viel von Österreich zu lernen, beispielsweise im Hinblick auf die Reformen im Bereich Bildung, die wir momentan in Frankreich versuchen durchzusetzen. In Österreich funktioniert das System der Hochschulbildung, der Berufsschule und Lehrlingsausbildung um einiges besser als in Frankreich. Deutschland und Frankreich sind in letzter Zeit ja sehr eng zusammengewachsen. Inkludiert das in Ihrem Denken auch Österreich, vor allem hinsichtlich der EU? Ja, davon bin ich überzeugt. Europa braucht Österreich aus mehreren Gründen. Das geschichtliche Erbe Österreichs ist auch das geschichtliche Erbe Europas. Weiter ist Österreich einer der Hauptinvestoren in Osteuropa und führt starke wirtschaftliche Beziehungen mit Tschechien, der Slowakei und den restlichen osteuropäischen Ländern. Österreich ist es auch gewohnt Brücken zu bauen und genau das braucht Europa heute. Ich würde gerne ein Beispiel für den internationalen Beitrag Österreichs nennen: Präsident Macron ist am 23. August nach Salzburg gekommen, um im Zuge der Salzburger Festspiele die Regierungschefs von Österreich, Tschechien und der Slowakei zu treffen. Es war ein produktives ➢ SOCIETY 2_2017 | 33

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