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SOCIETY 372

FRANKREICH INTERVIEW

FRANKREICH INTERVIEW »Mit Präsident Macron etabliert sich eine neue Art und Weise Politik zu machen. « François Saint-Paul Gespräch unter vier Regierungschefs. Danach hat Präsident Macron gesagt, dass er Gespräche in diesem Format weiterführen will. Warum? Weil diese Art des Dialogs mit unterschiedlichen Ländern mit verschiedenem Status gut funktioniert. Solche Gespräche sollen Einigungen für zukünftige Probleme in Europa bringen. Denn die Lösung für unsere Zukunft in Europa werden wir nur gemeinsam finden, wenn wir uns von Grenzen die wir aus der Vergangenheit übernommen haben befreien. Welche Bedeutung haben Fremdsprachen für ihre diplomatische Tätigkeit? Ich stamme aus einer Familie, in der die Sprachbeherrschung und vor allem die deutsche Sprache Tradition hat. Meine Mutter stammt aus der Schweiz und mein Vater kann die Werke von Goethe auf Deutsch lesen. Wenn ich als Botschafter in ein Land entsandt werde, hat die Kenntnis der Sprache für mich Priorität. Englisch und Deutsch habe ich in der Schule gelernt. Fähigkeiten in Spanisch, Kroatisch und Rumänisch habe ich mir durch meine diplomatischen Tätigkeiten angeeignet. Es gibt viele Wege um ein Diplomat zu sein oder zu werden. In irgendeiner Weise sind wir alle Diplomaten. Alles was die Zusammenarbeit mit anderen, das Erklären und das Besser-Verstehen von anderen beinhaltet, ist Diplomatie. Hat sich Emmanuel Macron seit der Wahl zum Präsidenten bewährt? Was ist seit der Wahl anders? Hat sich aus Ihrer Sicht viel verändert? In Frankreich beginnt eine sehr interessante Zeit. Das ist eine neue Periode, die sich für Europa öffnet. Es gibt neue Herausforderungen und neue Themen für die es wichtige Entscheidungen zu treffen gilt. Mit Präsident Macron etabliert sich eine neue Art und Weise Politik zu machen. Die ersten Ergebnisse dieser Maßnahmen sehen für Frankreich und Europa sehr positiv aus. Und auch Österreich verändert sich. Ich bin mit der Perspektive einer neuen Regierung nach Österreich gekommen. In solchen Zeiten ist es wichtig die eigene Geschichte und die Vergangenheit nicht zu vergessen um die Gegenwart verstehen zu können. Der Fokus sollte aber auf der Gegenwart liegen. Emmanuel Macron ist eine Chance für uns und ich stelle fest, dass es in Österreich viel Interesse an Frankreich gibt. Frankreich ist mehr als ein Markt, nämlich ein politischer Faktor. Ein Land, von dem Europa Erfolg erwartet und verlangt. Präsident Macron hat ziemliche Widerstände von den Gewerkschaften. Glauben Sie, dass er sich trotzdem durchsetzen wird? Es gibt zwei Arten Politik zu machen: die alte und die neue Methode. Bei der alten Methode hat der Präsident eine Meinung, entscheidet und führt die Reform durch. Die neue Art Politik zu machen, verlangt mehr nach Erklärungen. Das ist die neue Art des aktuellen französischen Präsidenten: mehr Erklärung, mehr Diskussion, mehr Verhandlungen. Beispielsweise das neue Arbeitsgesetz. Man hat immer proklamiert, dass eine Änderung nicht funktionieren wird. Wir haben viel diskutiert und auch Auseinandersetzungen gehabt. Aber am Ende wurde die Reform umgesetzt. Die nächste Etappe betrifft den Bildungssektor. In der Vergangenheit hat man oftmals versucht Veränderungen einzuleiten, ist aber gescheitert. Präsident Macron arbeitet aktiv gegen solche Entwicklungen. Wie er selber gerne unterstreicht: er macht was er sagt und er sagt was er macht. Nach sechs Monaten Amtszeit müssen die kritischsten Beobachter anerkennen: Es stimmt! Das ist eine andere Methode, die wesentlich für die Bekämpfung des Populismus ist. Die Glaubwürdigkeit der Politiker muss wieder gestärkt werden, indem sie ihre Versprechen halten. • Fotos: SOCIETY/xpobaschnig 34 | SOCIET 2_2017

„Frankreich neu“ in Wien Unter dem Motto „Frankreich neu“ will das Französische Kulturinstitut in Österreich (IFA) neue Akzente setzen. FRANKREICH INSTITUT FRANÇAIS Fotos: institut francais Mit dem Wechsel des Standortes in Wien – das Institut übersiedelte vom 9. Bezirk in den 2. Bezirk – geht eine inhaltliche Neuaufstellung Hand in Hand. Die Sektoren Bildung, Sprache und Kultur zielen auf Erweiterung des Angebots und wollen auch die Bundesländer stärker einbeziehen. Mit einem Veranstaltungsreigen präsentierte das Institut Francais im November in seinen neuen Räumlichkeiten in der Praterstraße ein dichtes Programm an Aktivitäten, um dem österreichischen Publikum die neuen Formate schmackhaft zu machen. Botschafter Francois Saint-Paul definiert unter Hinweis auf Präsident Emmanuel Macron die Rolle des Kulturinstituts als Instrument zur Vertiefung des kulturellen Austauschs. Institutsdirektor Jacques-Pierre Gougeon verweist auf die breite Palette des Angebots – Literatur, moderne Musik, Tanz, Kunst, aber auch Design und Kulinarik. Zum Auftakt von „Frankreich neu“ lud das neue Institut Francais im November junge Kulturschaffende und Intellektuelle ein, wobei der Verquickung von Literatur und Musik spezielle Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Vorstellung der Sprach- und Bildungsprojekte mit neuen kulturellen, wissenschaftlichen und universitären Formaten war eingebettet in zwei erlebnisreiche Abende mit Tanz- und Literatur-Performances sowie mit Auftritten des Multi-Instrumentalisten Chapelier Fou aus Metz. • Buch Wien und Comic Festival Die diesjährige Wiener Buchmesse „Buch Wien“ bot ein exzellentes Forum für „Frankreich neu“. Auf der Messe wurden die aktuellen Neuerscheinungen und jüngst preisgekrönte Werke der französischen Literatur vorgestellt. Einen Höhepunkt bildete eine Diskussion mit dem Krimi- und Drehbuchautor Karim Miské, der sein Buch „Arab Jazz“ („Entfliehen kannst du nie“) präsentierte. Er hielt auch eine Lesung in Graz und nahm an den Europäischen Literaturtagen in Krems in der Wachau teil. Erstmals war auch das Comic Festival der Frankophonie auf der „Buch Wien“ präsent. Seit 2013 wird es in Kooperation mit den Botschaften Belgiens und der Schweiz organisiert. Prominente Comic-Autoren aus Frankreich stellten sich auf der „Buch Wien“ vor und signierten teils zeichnend ihre Werke. Unter ihnen waren Miles Hyman (Zeichnungen) und Jean-Luc Fromental (Text) mit ihrem Buch „Le Coup de Prague“. • Neue Formate in Kultur und bildung Von zentraler Bedeutung sind und bleiben für das IFA die Sprachkurse mit neu gestalteten Angeboten. Herz des Instituts im ehemaligen Palais Rohan ist die Mediathek mit einem Schwerpunkt auf Neuheiten und digitalen Inhalten. Die französische Botschaft kann sich über eine zehnprozentige Steigerung von Französisch-Lernenden seit September freuen. In diesem Studienjahr werden Kinder- und Schülerkurse einschließlich Maturavorbereitung angeboten, ferner Französischkurse für Beruf und Fachsprache sowie für Kreative, inklusive spezifischer Workshops. Im Wissenschaftsbereich stehen Vorträge auf der Agenda. Ende November fand in Innsbruck eine Konferenz über innovative Gebäude in Kooperation mit der dortigen Universität statt. Im Zuge eines Rezensionswettbewerbs für Schüler im Studienjahr 2017/18 wird die Jugendautorin Charlotte Erlih durch Österreich touren. Auch das 30-jährige Bestehen des Erasmus- Programms wurde gebührend gefeiert. Bei einem Fotowettbewerb unter dem Titel „Servus Frankreich! 30 Jahre Erasmus“ konnten Schüler, Studenten und Lehrlinge Sprachaufenthalte in Frankreich gewinnen. „Campus France Österreich“ ist ein Service des IFA, das interessierten Österreichern Tipps für Sprachaufenthalte gibt und individuelle Beratung für Studien in Frankreich bietet. Nächstes Jahr wird der Musikwettbewerb „Francomusiques“ gestartet. Bundesweit sollen Schüler Lieder in französischer Sprache komponieren, texten und singen. Im Wettbewerb Karambolage können Schüler von Französischklassen ferner Kurzfilme erstellen, in denen französische und österreichische Besonderheiten aufs Korn genommen werden. TEXT: Hermine Schreiberhuber • Der Eingang des neuen Institut-Français-Gebäudes in der Praterstraße Botschafter S.E. Saint-Paul mit Kulturrat Jacques-Pierre Gougeon bei der "Buch Wien 2017" SOCIETY 2_2017 | 35

SOCIETY MAGAZIN
SOCIETY Magazin/Ausgabe 370
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