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VIETNAM LÄNDERPORTRÄT

VIETNAM LÄNDERPORTRÄT Das Land der Emotionen Die Schönheit der Natur sowie die beeindruckende, jahrhundertealte Kultur machen Vietnam zu einem beliebten Reiseziel. Fotos: pixelio/paulwip 42 | SOCIETY 2_2017

VIETNAM LÄNDERPORTRÄT Der Staat in Südostasien ist zwar weniger bekannt als Thailand, doch ist Vietnam unter Reisenden längst kein Geheimtipp mehr. Das Land lockt mit reicher Geschichte und kulturellen Highlights. • Bevölkerung In Vietnam leben über 92 Millionen Menschen (Stand 2013), davon ca. 60 Prozent auf dem Land und rund 40 Prozent in den Städten. Vietnam gehört mit 280 Einwohnern/km2 zu den Ländern mit hoher Bevölkerungsdichte in Südostasien. Die meisten Menschen sind in den Tiefebenen des Roten Flusses und des Mekong sowie entlang der Küste des Südchinesischen Meeres angesiedelt. In der vietnamesischen Bevölkerung hat das Gemeinschafts- und Gruppendenken hohe Priorität. Das Zusammengehörigkeitsgefühl zeichnet besonders die Mitglieder einer Familie aus. Auch die Bescheidenheit wird hoch gelobt. Es gehört zur vietnamesischen Tradition besonnen und genügsam zu leben und die Redewendung „Oben eine Decke, unten eine Matratze“ gilt als Umschreibung für Wohlstand und Glück. • Staat und Regierung Vietnam wird durch ein sozialistisches Einparteiensystem geregelt, in dem die Kommunistische Partei Vietnams (KPV) als Staatspartei fungiert. Sie bekleidet daher alle wichtigen politischen Ämter und hat einen entscheidenden Einfluss auf Presse und Justiz. Laut der Verfassung aus dem Jahre 1992 werden richtungweisende Entscheidungen von der Nationalversammlung (500 Abgeordnete) getroffen. Sie hält zweimal im Jahr eine Vollversammlung ab, steht dem Premierminister und dem Staatspräsidenten vor und ist verantwortlich für die Regierungsbildung. Der Präsident befiehlt das Heer und erfüllt seine repräsentative Aufgabe sowohl national, als auch international. Der Premierminister ist mit einem Kabinett aus Ministern und Beamten für das Regierungsgeschäft zuständig. Gewählt wird alle fünf Jahre auf nationaler und regionaler Ebene. Durch die nahezu uneingeschränkte Macht der KPV werden die Kandidaten nach strengen Kriterien ausgewählt und sind zu 90 Prozent aus den eigenen Reihen. • Wirtschaft Vietnam gilt als Agrar- und Industrieland, da es über reiche Bodenschatzvorkommen (Kohle, Erze, Metalle und Erdöl) und gute Anbaubedingungen verfügt. Nach dem Vietnamkrieg führten die Unproduktivität der Staatsbetriebe, kollektivierte Landwirtschaft, Handelshindernisse und massive Umweltschäden zu großer Armut. Zusätzlich existieren erhebliche Defizite in den Bereichen Infrastruktur, Korruption, nachhaltiger Abbau und Energieversorgung, die das wirtschaftliche Vorankommen erheblich erschweren. 1986 wurde die Liberalisierungspolitik „Doi Moi“ (Politik der Erneuerung) mit Erfolg gestartet. In jenem Programm sollten die Probleme durch eine Liberalisierung der Wirtschaft und der Implementierung von Marktelementen überwunden werden. Auf internationaler Ebene haben Textilindustrie, Tourismus und Landwirtschaft mittlerweile eine große Bedeutung für Vietnam. • Geschichte Die ersten Menschen siedelten bereits um 3000 v. Chr. im Gebiet des heutigen Vietnams. Im Laufe der Jahrhunderte wurden durch wechselnde Macht-und Besitzverhältnisse Einflüsse aus dem chinesischen, funanesischen und indischen Kulturkreis nach Vietnam gebracht. Besonders die fast 1000-jährige Herrschaft durch China prägte die Wirtschaft, die Schrift und den Alltag nachhaltig. Durch die Besetzung der Kolonialmacht Frankreich im 19. Jahrhundert halten sich, besonders in den Städten, auch Elemente der französischen Kultur. Im 20. Jahrhundert erlebte das Land durch die Teilung Vietnams und die beiden Indochinakriege eine starke Zerrüttung, wirtschaftlichen Abstieg und totale Armut. 1976 erfolgte die Wiedervereinigung Vietnams unter dem Namen „Sozialistische Republik Vietnam“ und der Wiederaufbau des Landes begann. Nach der Implementierung der Doi Moi-Politik steigerte sich die Wirtschaftsleistung und die Lebensqualität rapide. • Kunst und Kultur Die vietnamesische Kultur ist von vielen verschiedenen Einflüssen geprägt worden. Die Literatur ist aus mündlich überlieferten Mythen, Sagen, Legenden, Märchen, Fabeln, Liedern, Gedichten und Sprichwörtern entstanden. Zu den bekanntesten Gründungsmythen gehört die des Drachen und der Fee, aus deren Nachkommen die Viet des Tieflandes und der Berge entstanden sind. Solche Geschichten wurden über Jahrhunderte erzählt, immer wieder umgewandelt und im kulturellen Leben unterschiedlich genutzt. Bis heute finden diese in Literatur und Legenden Bezug und werden einem begeisterten Publikum, beispielsweise in dem traditionellen Wasserpuppentheater vorgespielt. Das Wasserpuppenspiel stammt aus dem indischen Kulturkreis und wird im Vietnam seit dem 11. Jahrhundert aufgeführt. Es wurden steinerne Pavillons in Dorf- oder Tempelteiche gebaut, von denen aus die Spieler agierten. Spieler und Puppenschnitzer bildeten Gilden unter der Führung ihrer Meister, welche ihre Texte sowie Fertigkeiten in der Puppenführung und Schnitzkunst mündlich den Generationen weitergaben. Zahlreiche Traditionen finden sich in dem kulturellen Fest „Tet“. Es ist das einzige Fest, dass gleichzeitig auch ein staatlicher Feiertag ist. Insgesamt drei Tage sind dem „Neujahrs-Tet“ ge- ➢ FACTS IN BRIEF Ländername: Sozialistische Republik Vietnam Fläche: 331.114 km 2 Lage: Südost-Asien Geografie: Küstenlänge: über 3.400 km, umfasst weite Ebenen der Flussdeltas von Rotem Fluss und Mekong, die gesamte östliche Festlandküste Südostasiens und Gebirgszüge sowie Hochebenen im Hinterland Klima: Norden: wintertrockenes, subtropisches Klima, Süden: wechselfeuchtes tropisches Klima Bevölkerung: letzte Zählung 2009: 85.846.997 Einw. – 87% Vietnamesen, außerdem: Hmong, Thai, Khmer, Chinesen Sprachen: Vietnamesisch, Minderheitensprachen: Chinesisch, Französisch, Englisch Religion: über 50% Buddhisten, 8-9% Christen, 2-4% Anhänger von Hoa Hao, 2-3% Anhänger des Caodaismus, Minderheiten von Muslimen Nationalfeiertag: 2. September (Unabhängigkeitstag) Währung: 1 Dong (D) = 100 Xu Staatsform: Sozialistische Republik – Verfassung von 1992 Staatsoberhaupt und Regierung: Staatspräsident: Tran Dai Quang (seit 2016), Vizepräsidentin: Dang Thi Ngoc Thinh (seit 2016), Regierungschef: Nguyen Xuan Phuc (seit 2016) Mitglied in internationalen Organisationen: UNO AUS DER GESCHICHTE 1010 – 1802: Dynastien regieren das „Dai Viet“-Reich 1627: Teilung des „Dai Viet“- Reiches; Trinh-Fürsten regieren den Norden, Nguyen- Fürsten regieren den Süden 1771-1802: Tay-Son-Rebellion 1802: Vereinigung des Landes durch Kaiser Nguyen Phuc An 1858: Beginn der französischen Kolonialzeit 1930: Ho Chi Minh gründet kommunistische Partei 1945: Teilung Vietnam am 17. Breitengrad, Ho Chi Minh erklärt Unabhängigkeit Vietnams 1946-1964: Erster Indochina Krieg 1964-1975: Zweiter Indochina-Krieg (Vietnamkrieg) 1976: Wiedervereinigung 1986: Liberalisierung der Wirtschaftspolitik 2007: Beitritt WTO SOCIETY 2_2017 | 43

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