Zoë 09/17 Kreative Formen des (Zusammen)Lebens – Das neue Miteinander

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Gerade durch Individualität und Selbstverwirklichung entstehen viele neue lebensbereichernde Gemeinschaften, Szenen, Kulturen, Arbeitsformen, Familien- und Lebensmodelle jenseits alter Konventionen. Das Zusammenleben mit Gleichgesinnten drückt ein Urbedürfnis des Menschen aus. Viele inspirierende Projekte und Ideen, zeigen wie man ein Leben nach eigenen Vorstellungen leben kann.

Gemeinsam statt einsam

Ein anderes Phänomen unserer Zeit

ist, dass Menschen immer älter werden

und dabei jedoch geistig und

körperlich jünger bleiben. So wird

die Weltbevölkerung bis zum Jahr

2050 von aktuell 7,4 Milliarden auf

beinahe 10 Milliarden zunehmen. Im

gleichen Zeitraum steigt die Zahl der

über 60-Jährigen von weltweit derzeit

rund 900 Millionen auf über zwei Milliarden

ein Wachstum um weit mehr

als das Doppelte. Neue Ideen und

Konzepte im Bereich des Wohnens

sind daher unumgänglich und werden

neue Formen des Zusammenlebens

schaffen, von denen letztlich

alle Altersgruppen profitieren. Denn

die Generation der immer jünger

werdenden Alten will nicht mehr ins

Altersheim abgeschoben werden. Ihr

erklärtes Ziel ist, so lange wie möglich

selbstbestimmt und selbstverantwortlich

zu leben. Dazu gibt es bereits

etliche kreative Lösungen.

Generationen im Wandel

So nahmen zum Beispiel elf betagte,

jedoch rüstige Damen ihr Leben

selbst in die Hand und gründeten das

Wohnprojekt OLGA in Nürnberg. Die

Bezeichnung OLGA steht für „Oldies

leben gemeinsam aktiv“. Bei diesem

Konzept leben zwar alle Teilnehmer in

der eigenen Wohnung, aber dennoch

unterstützten sie sich gegenseitig. Es

ist anzunehmen, dass die Damen auch

mehr Spaß und Freude dabei haben.

Infos: wohnprojekt-olga.de

Eine gelungene sowie generationenübergreifende

Lösung bietet auch

eine Alters-WG in Wien-Meidling.

Hier leben Senioren gemeinsam

mit Studenten, Berufstätigen und

Flüchtlingen unter einem Dach. Ziel

war es, einen Lebensraum zu schaffen,

in dem jüngere und ältere Menschen

gemeinsam leben, einander

ergänzen und unterstützen. Der Austausch

zwischen den jüngeren und

älteren Bewohnern passiert dabei

auf verschiedenen Ebenen. Hilfe bei

der Hausarbeit, beim Einkaufen oder

beim Deutschlernen stehen ebenso

auf dem Plan wie gemeinsame Aktivitäten.

Wobei es jedem Bewohner

überlassen wird, ob er mit älteren

Bewohnern Zeit verbringt oder ihnen

bei etwas hilft. Studenten bezahlen

ihren Wohnraum mit Arbeit. Ein

Quadratmeter Wohnraum ist eine

Stunde Arbeit pro Monat.

Lebensbereicherung

für Jung & Alt

Seien es Alters-WGs oder generationenübergreifende

WGs, in denen

„Wohnen für Hilfe“ für Studenten

günstiger wird all diese Modelle

stellen für alle Beteiligten eine Bereicherung

dar. Denn im Gegenzug

zu ihrem vermieteten Zimmer leben

Pensionisten nicht mehr allein und

abgeschirmt und profitieren von ihrem

Mitbewohner z.B. als Einkaufshilfe.

Vorheriges gutes Kennenlernen

und genaues Absprechen der Dienstleistung

im Austausch zur Wohnleistung

sind Voraussetzung. Auch hier

gibt es bereits Hilfestellung. Die WGE!

ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz

in Wien. Sie vermittelt und begleitet

Wohngemeinschaften, die vom Miteinander

unterschiedlicher Generationen

geprägt sind. Alles Infos sowie

auch Vermittlung auf: wge-wien.org

Auch die „Initiative der Grünen Generation

plus“ und des Vereins zur

Förderung der Lebensqualität haben

eine Webseite ins Leben gerufen, wo

sämtliche gemeinschafltiche Wohnprojekte

für alle Generationen vorgestellt

werden oder Mitbewohner

gesucht werden.

Infos: gemeinsamwohnen.at

Alle Videos gesammelt auf:

zoe.imwebtv.at/zusammenleben_

das-neue-miteinander

Quellen und weiterführende Literatur:

50 Insights - Zukunft des Wohnens von

Oona Horx-Strathern, Christiane Varga und

Matthias Horx, ISBN: 978-3-945647-38-7

IBA Berlin 2020, Besondere Wohnformen.

Studie der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

und Umwelt in Berlin, Hochschule

Aachen, Dezember 2012

Lebens- und Beziehungsformen heute, Österreichischer

Familienbericht, Zartler 1999

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