Aufrufe
vor 9 Monaten

Guute Dezember 2017

6 | WIRTSCHAFT

6 | WIRTSCHAFT Dezember 2017 | GUUTE JOURNAL BIO Bauer Das Ende der Milchquote, das Handelsembargo gegen Russland und weitere Faktoren haben dafür gesorgt, dass der Milchpreis in den Keller ging. Jetzt scheint sich der Markt wieder erholt zu haben, die Preise steigen. Doch gänzlich überwunden habe man die schlechten Jahre noch nicht, sagt Bio-Landwirt Bernhard Keplinger. Der Milchpreis ist heute wieder auf einem ähnlichen Niveau wie vor etwa zwei Jahren, als nach dem Ende der Kontingentierung die Preise in den Keller rasselten. Im Juni 2016 bekamen die Bauern für einen Liter konventionelle Kuhmilch nicht einmal mehr 30 Cent, heute liegt der Preis wieder bei um die 40 Cent pro Liter. Für einen Liter Bio-Milch bekommen die Bauern zwischen acht und zehn Cent mehr. Diese Entwicklung sei prinzipiell erfreulich, sagt Bio-Bauer Bernhard Keplinger aus Bad Leonfelden. Doch um die Verluste aus den vergangenen Jahren auszugleichen, müsste die positive Tendenz weiter anhalten. Ein Fünftel weniger verdient „Vor einem Jahr haben wir noch gut 20 % weniger verdient. Da wird es schon knapp“, sagt Keplinger. Der Grundpreis für Milch müsste höher sein, um etwas mehr Stabilität und Planungssicherheit zu haben, wünscht sich der Bio-Bauer. Viele Bauern müssten investieren, etwa um verschiedenste neue Richtlinien einzuhalten – Stichwort Anbindehaltung. „Da ist die Umstellung und damit verbunden die Investitionssumme natürlich hoch. Viele fragen sich, ob sich das Risiko und die hohen Kosten bezahlt machen“, sieht Keplinger auch in der Ungewissheit über die Preisentwicklung einen Grund für die sinkende Zahl an Milchbauern. Bernhard Keplinger ist Bio-Bauer aus Überzeugung. Milchpreis: „Wir brauchen eine stabile Entwicklung, um Verluste auszugleichen“ Einfluss der Bauern auf Preis Der Milchpreis wird von verschiedensten Faktoren beeinflusst: Milch ist eine Handelsware wie Getreide oder Erdöl und somit auch Objekt für Spekulanten. Die Nachfrage beim Konsumenten spiele ebenfalls eine Rolle, sagt Keplinger: „Wenn mehr Leute normale Butter kaufen statt importiertem Palmfett, dann kommt das den heimischen Bauern zugute.“ Und schließlich würden auch die Landwirte selber Verantwortung für die Preisentwicklung tragen: „Einige Betriebe wollen ihre wirtschaftlichen Ziele über die Menge erreichen. Wenn jetzt aber wieder viel mehr Milch produziert wird, werden auch die Preise wieder sinken.“ Bernhard Keplinger hat sich als Bio-Bauer für eine sanfte Art der Milchwirtschaft entschieden. Den Bedarf an Futter kann er fast zu 100 % selber decken, auf den Zukauf von teurem Kraftfutter verzichtet er. Aus seiner Sicht zahlt sich der zusätzliche Aufwand zur Erfüllung der Bio-Richtlinien auf jeden Fall aus – momentan auch in finanzieller Hinsicht. „Das muss man aber von Betrieb zu Betrieb individuell beurteilen – und auch die innerste Überzeugung spielt hier eine wichtige Rolle“, sagt Keplinger. ♦ Michael Enzenhofer Bernhard Keplinger Bernhard Keplinger (32) betreibt auf dem „Pauckner-Hof“ in der Ortschaft Elmegg in Bad Leonfelden eine Bio-Milchwirtschaft mit 23 Kühen. Die Nachzucht übernimmt ein nahe gelegener Kooperationsbetrieb. Insgesamt werden 23 Hektar Nutzgrund bewirtschaftet. Foto: Enzenhofer

GUUTE JOURNAL | Dezember April 2017 2017 7 | RUBRIK