Z19_Leseprobe »Reformafiktion 5.0«

pischka

500 Jahre, was nun? Etliche sind froh, dass der Jubiläums-Hype vorbei ist – andere haben den tiefen Wunsch nach einer echten Erneuerung. Diese Z-Ausgabe liefert eine Fülle von Impulsen für Reformation die vor uns liegt und realisiert werden kann. Die Leseprobe liefert einen Einblick – den vollen Umfang kann man hier vorbestellen. http://www.zwiezukunft.de/z19/

D a s U m d e n k I m p u l s Z u k u n f t s G e s t a l t u n g s M a g a z i n

www.ZfürZukunft.de • Einzelpreis: 7,95 • CH: 11,80 CHF

f ü r Z u k u n f t

REFORMA

FIKTION 5.0

500 JAHRE, WAS NUN?

DER SCHREI NACH

ECHTER ERNEUERUNG

A u s g a b e # 1 9 / 2 0

Z für Zukunft

1

w w w . Z f ü r Z u k u n f t . d e


Impressum

BÜCHER, DIE BEWEGEN

Herausgeber: Zukunft-Europa e.V.

setzt sich für die zukunftstragenden

Werte der Gesellschaft ein und weist

auf wertezerstörende Trends hin.

Vorstand: Peter Ischka,

Dr. Martin Fontanari, Christa Meves,

Sr. Dogan Hatune

Redaktion: Peter Ischka

Lesen Sie, was man nicht mehr sagen

darf: • Umerziehung zum Gender-Menschen

• verfrühte Sex-Erziehung • der

Weg zum Totalitarismus.

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anhand seines Handwerks den

christlichen Glauben eindrücklich.

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Anschrift: Zukunft-Europa e.V.

Postfach 1409 • 73014 Göppingen

Tel. 0171 1200 983 • www.ZwieZukunft.de

info@ZwieZukunft.de

Z-Kontakt in der Schweiz:

Zukunft CH, Zürcherstr. 123,

CH 8406 Winterthur, info@zukunft-ch.ch

Z-Kontakt in Österreich:

Z für Austria, Vordere Achmühle 3c,

A 6850 Dornbirn, austria@ZwieZukunft.de

Lektorat: Gabriele Pässler,

www.g-paessler.de

Satz und Gestaltung:

Agentur PJI UG, Adelberg

Druck: Primus GmbH, 56307 Dernbach

Erscheinungsweise

unregelmäßig, ca. 2 x jährlich

Nr. 19/20 Januar 2018

Abopreis: € 29,– für 6 Einzel-Ausgaben,

inkl. Versand in Deutschland.

Einzelexpl.: € 4,95 Doppelausgabe € 7,95

Copyright

Wenn nichts anderes vermerkt ist, liegen

alle Rechte bei Zukunft-Europa e.V.,

Nachdruck und weitere Veröffentlichung

nur auf Anfrage bei der Redaktion.

Dieses Buch

zeigt, wie „Mission possible“

ist, auch hier und heute. Mit schönen

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IBAN: DE26 6105 0000 0049 0155 68

Auch auf der Website www.ZfürZukunft.de

können Sie bequem, sicher und gebührenfrei

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Titelbild: Montage, © Agentur PJI UG

ISBN: 978-3-944764-16-0

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2

Z für Zukunft


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

so viel wurde in letzter Zeit über Reformation gesprochen und so wenig

wurde reformiert. Besonders die Hüter der Reformation, die Lutheraner,

haben sich in überheblicher Weise als ganz deformatorisch erwiesen:

„Bestimmte Glaubenssätze sind modern denkenden Menschen

nicht mehr zuzumuten.“ Die vier „Sola“ wurden relativiert, dafür

scheint zu gelten: nulla scriptura, nullus Christus, Gnade als Schleuderware und „Wir glauben,

wie es uns beliebt“.

Aber Reformation ist das Natürlichste der Welt: Alles wächst und erneuert sich, siehe

das Beispiel der Palme auf Seite 16. Neues kommt, Altes stirbt ab. Bis zur Erfüllung der

angekündigten Wiederherstellung aller Dinge, wie Propheten von jeher gesagt haben,

muss sich Jesus im Himmel noch etwas die Zeit vertreiben. 1 Keine Frage, Reformation

wird geschehen und zwar im vollen Ausmaß – die Frage ist nur, ob die eine oder andere

Kirche auch dabei sein wird.

Das Beharrungsvermögen à la „Das haben wir doch schon immer so gemacht“ ist

menschlich-allzumenschlich. Als Jesus seinen Jüngern erklärte, dass er bald am Kreuz

sterben würde, reagierte Petrus spontan: „Gott behüte! Dies wird dir keinesfalls widerfahren.“

Zutiefst menschlich! Aber Jesus antwortete: „Tritt hinter mich, Satan! Du sinnst

nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was menschlich ist.“ 2

Diese Ausgabe gibt visionäre Impulse für nächste Reformationen. Die werden

genau diese menschlichen, humanistischen Muster angehen: Denkkonzepte, die mit

Gottes Konzepten nicht übereinstimmen. Da braucht es Richtungskorrektur. Wir sollten

unsere Vernunft benützen, statt sie zu überhöhen und dem Irrtum zu verfallen, der

Mensch wäre das Maß aller Dinge.

Aber Vorsicht! Reformation schafft Probleme; neue Reformatoren wurden schon

immer erbittert bekämpft. Heute gibt es zum Glück keine Scheiterhaufen mehr, aber

auch Worte können töten, und davon wird leider umso reichlicher Gebrauch gemacht.

Wer diese Ausgabe liest, wird ganz sicher eine persönliche Reformation erleben. Wichtig

dabei: Halten Sie das Althergebrachte locker in der Hand, etliches davon ist wertvoll

und des Bewahrens würdig. Aber mehr, als wir denken, ist überholt und mit menschlichen

Irrtümern behaftet – das können Sie getrost loslassen.

Das Material zu dem Thema ist so reichhaltig, dass wir es auf zwei Ausgaben verteilen.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen geht wie mir: Mich hat’s gepackt – ich habe eine

Leidenschaft für nachhaltige Reformation.

Reformation

zieht sich wie

ein (blut)roter

Faden durch die

Geschichte.

Wer lebt,

reformiert

sich ständig!

Peter Ischka

Chefredakteur

Diese Z-Ausgabe

könnte polarisieren:

Wer nicht für Erneuerung

ist, ist meist dagegen.

PS. Werden Sie ein Reformator! Wie zu Zeiten Luthers gilt es heute, neue Gedanken

über alte Wahrheiten weiterzugeben. Nützen Sie dazu das gute alte Papier – die gedruckte

»Z« –, aber auch digitale Versionen, E-Mail und das Internet: www.ZwieZukunft.de.

1 Apostelgeschichte 3,21.

2 Matthäus 16, 22–23.

Z für Zukunft

3


Inhalt

Reformafiktion 6

Woran krankt

„Kirche“ 24

Reformation neu denken 32

Der rote Faden 48

Ekklesia

wird Humanismus überwinden,

Kirche nicht 93

Reformafiktion

Lieben Sie Science-Fiction? Stellen wir uns vor, eine umfassende

Reformation wäre möglich: In hundert Jahren geschieht etwas,

das alles auf den Kopf stellt. Eine spannende Parabel 6

Reformation in 3D

Was bedeutet Reformation? Nach dem Jubiläum denken viele dabei

an Luther. Aber Reformation ist mehr! Ein 3D-Modell hilft,

Reformation besser zu verstehen. 14

Luther und die Reformation – und heute

Die Digitalisierung bringt einen Paradigmenwechsel wie damals die

Erfindung des Buchdrucks. Auch heute steht der christliche Glaube

auf dem Prüfstand. Rezension: „Ein Mensch namens Luther“ 18

Zeitkritisch

Woran krankt „Kirche“?

Und im Speziellen die evangelische in Deutschland? Eine Antwort

gibt Urich Parzany in seinem Buch „Was nun, Kirche?“ 24

Reformation neu denken

Zum 500-jährigen Jubiläum gab es in Berlin und Wittenberg einen

speziellen Kirchentag mit inszenierter Homo-Trauung und anderen

umstrittenen Aktionen. Was will uns die EKD damit mitteilen? 32

Billige Gnade, Todfeind der Kirche

Dietrich Bonhoeffer hat uns immer noch viel zu sagen. Ein Plädoyer

aus dem Jahre 1937 für teure Gnade, so aktuell, als wäre es

für heute geschrieben 38

Historisch

Das Vermächtnis der ersten Christen

Nach einer ZDF-Doku von Petra Gerster: Auf den Spuren der

Urgemeinde. Die Erfindung der Menschenrechte und eine nicht

vermutete Anerkennung der Frau. Interessante Einblicke 42

Der rote Faden

Durch die Kirchengeschichte zieht sich ein blutgetränkter Faden.

Es hat immer Reformation gegeben, von Anfang des Christentums an.

Lernen Sie unbekannte, aber bedeutende Reformatoren kennen. 48

Luther und „die Türken“ –

500 Jahre her, veraltet oder aktuell?

Wie Luther „die Türken“ erlebte: Nach der blutigen Eroberung

Konstantinopels standen sie jetzt vor den Toren von Wien. 63

Kommen Reformatoren in den Himmel?

In einer prophetischen Vision kommt Rick Joyner mit einem Reformator

im Himmel ins Gespräch. Warum hat diese Persönlichkeit der

Kirchengeschichte „da oben“ keinen Platz in der ersten Reihe? 69

Die 10 Schandflecke der Reformation

Luther und seine „vier Solas“, wer kennt sie nicht! Zu Beginn war

Luther voller Glauben und Hoffnung; am Ende wurde er bitter,

müde von den politischen und religiösen Winkelzügen. 73

Die Täufer – eine Provokation

Wie Reformatoren die Reformation abwürgten: Lutheraner, eben

noch Verfolgte, werden selbst zu den schlimmsten Verfolgern.

Sie verbrennen und vertreiben alle, die einen nächsten

Reformations-Schritt wagen. 77

4

Z für Zukunft


Inhalt

Ekklesiozid

mit Schwert, Scheiterhaufen und Galeere. Fakten und Zahlen 82

Lernen aus der Erweckungsgeschichte

Was am Anfang des 20. Jh. in Wales und auf den schottischen Hebriden

geschah, hatte große Wirkung auf die ganze christliche Kirche. 83

Der Weg des Buches

Der Besitz und das Lesen einer Bibel in deutscher Sprache waren

verboten. Auf diesen abenteuerlichen Pfaden wurden Bibeln

geschmuggelt zu den Geheimprotestanten in Österreich. 90

Visionär

Ekklesia wird Humanismus überwinden,

Kirche nicht

Humanistisches Denken steht Reformation entgegen. Wie Luther seine

Thesen gegen den Ablasshandel der römischen Kirche gerichtet hat, so

brauchen wir heute welche gegen einen humanistischen Geist. 93

Einheit – Traum oder Wirklichkeit?

Was ist Einheit? Müssen alle Kirchen in einer Organisation aufgehen?

Nicht überall, wo „Einheit“ draufsteht, ist auch Einheit drin.

Die zentrale Frage: Einheit – aber mit wem? 99

Evangelium – was ist das eigentlich?

Dank Luther konnten alle die Bibel lesen. Heute geht das auf jedem

Smartphone. Luther hat das Evangelium von der Erlösung wiederentdeckt,

Jesus sprach ständig vom Evangelium des Reiches Gottes. 104

Vorschau auf die

nächste Ausgabe:

95 Thesen zum Humanismus

Das Denkkonzept, das mit der Reformation „ausgestreut“ wurde wie

das Unkraut unter gute Saat, lässt den Menschen sich für „das Maß

aller Dinge“ halten. Fatal in allen Gesellschaftsbereichen. Das zu

verändern, ist wichtig für jede künftige Reformation. 6 S.

Das Zentrum der Reformation

Statt moralischer Berechnung – fröhlicher Austausch. Durch Bekennen

Vergebung erlangen: Ohne diese anhaltende Erfahrung macht sich Kirche

überflüssig. Luthers Vermächtnis anwenden. 3 S.

Zeitkritisch

Zurück zu Luther – ... und die Neuzeit

Dr. Norbert Bolz hat sich der Herausforderung gestellt – er sieht die

christlichen Religionen im Spannungsverhältnis mit dem, was die

Neuzeit zur Neuzeit gemacht hat. Seine scharfsinnig-philosophischen

Überlegungen regen zum Nach-denken an. 5 S.

Hypergrace, die noch billigere Gnade

Ein Blick auf die moderne Gnaden-Bewegung. Auf welcher Seite möchten

Sie vom Pferd fallen? Auf der Seite der religiösen Gesetzlichkeit oder auf der

Seite einer selbstbezogenen Hyper-Gnade? 4 S.

Konstantin und Theodosius:

Das Heidentum kommt zurück

Am Anfang waren die ersten Christen etwas Einzigartiges: Sie hatten

keine Priester, keine Tempel und kein Opfer. Spätestens nach Konstantin

änderte sich das gravierend. 5 S.

Luther und der Antichrist

Hat seine Sicht noch Gegenwartswert? „Antichrist“, was muss man

sich darunter vorstellen? 5 S.

Wofür Jan Hus lebte, wofür er starb

Ein Reformator macht noch keinen Sommer. Viele Vor-Reformatoren

haben ein größeres Ganzes gesehen. Ist ihre Vision eine Projektion,

die erst noch in Erfüllung geht? 5 S.

„Reformatoren“ & IS: Gemeinsamkeiten?

Ähnlichkeiten der Massaker an den Täufern mit den Gräueltaten des

IS an Christen im Nahen Osten 1 S.

Das Azusa-Phänomen

Die Realität des Heiligen Geistes für den einzelnen Gläubigen wurde

wiederentdeckt – Auslöser für viele Pfingst- und charismatische

Kirchen in aller Welt. 3 S.

Augenzeugen aus Azusa-Street 312

Dort in Los Angeles war zwischen 1906 und 1909 wohl Gottes

Bodenstation: Fehlende Gliedmaßen und Zähne wuchsen nach,

Krebsgeschwüre fielen ab und Menschen wurden geheilt. 6 S.

Visionär

„Kirche“ wird zur ekklesia

Prophetische Perspektiven zur kommenden Reformation: Wie kann

die Ekklesiologie einer Kirche, die bis heute an ihren mittelalterlichen

Strukturen festhält, erneuert werden? 5 S.

Die Kingdom-Dimension

Durch Luther kam die Errettung aus Glauben wieder in den Blick;

nun muss uns die bisher vernachlässigte Reich-Gottes-Perspektive in

den Fokus kommen: Stoff für eine kommende Reformation. 5 S.

Jesus, der Staatsgründer

Jesus ist kein Religionsstifter! Wie ist das mit der neuen Staatsbürgerschaft

und dem richtigen Pass? Die vergessene Botschaft von Jesus

Christus neu entdecken 4 S.

Weltweite Rückrufaktion

Luther hat auch wirtschaftliche Prozesse angestoßen, die haben

Europa verändert. Wer macht weiter, wo Luther aufgehört hat?

Was bedeutet das Konzept von Gottes Königreich heute? 3 S.

Historisches

Der rote Faden, Teil 2

Die Reformation ging auch nach Luther und den Täufern weiter, bis

heute. Viele Reformatoren, deren Namen nicht viel Beachtung

gefunden haben, haben wichtige Puzzlesteine hinzugefügt. 8 S.

Z für Zukunft

5


Leitthema

Foto: © Agentur PJI UG, Montage

R e f o r m a f i k t i o n

Mögen Sie Science-Fiction? Stellen wir uns einfach mal vor, eine umfassende Reformation

wäre möglich. Was Reformation alles nicht ist, wurde uns ja ein ganzes Jahr lang

in Form eines Jubiläums präsentiert. Versetzen wir uns in das Jahr 2117.

Peter Ischka

Die letzten

100 Jahre

hat sich die

Theologie

weiterentwickelt:

Dem Zeitgeist

entsprechend

kommt Gott gar

nicht mehr vor

Die letzten Veteranen der Lutheraner

mussten gerade alle Pläne

für ein 600-Jahr-Jubiläum ad acta

legen, aus finanziellen Gründen:

Die Kirche hat noch 4 % Mitglieder,

Durchschnittsalter 68 – hauptsächlich Rentner

und Sozialhilfeempfänger, die kaum Kirchensteuer

zahlen. Die Säkularisierung hat um sich

gegriffen; die meisten Kirchengebäude wurden

anderen Nutzungen zugeführt. Kirchenbesuche

werden nur noch aus musealen Aspekten vorgenommen;

sie sind Bildungsveranstaltungen in historisch

bedeutenden Bauwerken.

Die letzten 100 Jahre hat sich die Theologie

wissenschaftlich weiterentwickelt: Dem Zeitgeist

entsprechend kommt Gott gar nicht mehr vor,

obwohl eine gewisse Gottessehnsucht im Menschen

nie erloschen ist. Er sucht Antworten, aber

es werden ihm keine gegeben. Die Pfarrer zeichnen

sich aus durch Skepsis und Kritik; spätestens

beim Abschluss des Theologiestudiums ist ihnen

jeder Glaube ausgetrieben. Warum sollte sich

jemand dann am Sonntagmorgen noch die Mühe

machen, ein Kirchengebäude aufzusuchen? Gibt

es doch digital ganz bequem viel interessantere

Angebote!

Für Plakate zum 600-jährigen Jubiläum hat es

gerade noch gereicht: das Lutherporträt in Form

eines Explosionsbildes, mit dem Slogan: „Luther,

wie es dir beliebt.“ Die Öffentlichkeit nimmt kaum

Notiz.

6

Z für Zukunft


Leitthema

Aufregung in der Finanzwelt

Deutlich mehr Resonanz erzielte die Eröffnung

der von Larry Bracks (77) gegründeten HDS-Bank

(„Habit Debit Save Bank“) in Frankfurt – ausgerechnet

am 31. Oktober 2117, am Tag des 600-

Jahr-Jubiläums. Zufall oder Kalkül? Mr. Bracks ist

unvorstellbar reich; sein gesamtes Vermögen von

378 Billiarden Euro hat er in diese Bank gesteckt.

Sein Wirtschaftskonzept steht allem Herkömmlichen

diametral entgegen; WWF, FED und EZB

haben bereits Krisensitzungen einberufen. Sie

befürchten, dass das Konzept der HDS-Bank nicht

nur das sensible Finanzsystem weltweit erschüttern,

sondern auch andere gut eingespielte Strukturen

aushebeln könnte.

Was hat dieser Larry Bracks vom Stapel gelassen,

dass er weltweit solche Aufregung verursacht?

Im Grunde genommen ist sein Konzept ganz

einfach: Wer sich bei HDS als Kunde verbindlich

registriert, was sich mit einem kleinen Prozedere

regeln lässt, dem werden als Erstes alle

seine Schulden getilgt und anschließend erhält

er monatlich auf Lebenszeit einen gewissen Prozentsatz

seiner Schuldsumme als Prosperitätssatz

ausbezahlt; die Höhe des Satzes richtet sich nach

gesellschaftlich-sozialen Parametern und wird

von einem komplexen Algorithmus ermittelt.

Einer der ersten Kunden, der sich registrierte,

war Kuno Bretschneider in Frankfurt, 48 Jahre,

verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine

127 000 Euro Schulden wurden unmittelbar

nach der Akkreditierung getilgt. Aufgrund des

HDS-Prosperitätsschlüssels ergab sich für Familie

Bretschneider ein Satz von 4,2759 % – demzufolge

werden Kuno nun bis zum Lebensende

monatlich 5430 Euro ausbezahlt. Außer einer verbindlichen

Registrierung bei der HDS-Bank und

der Zusstimmung zu den AGB wurde von Kuno

Bretschneider keine weitere Leistung gefordert.

Auch der hoch verschuldete Unternehmer

Hans-Joachim Fries wurde HDS-Kunde. Ihm

wurde sofort der Betrag von 46 Mio. Euro überwiesen;

so kann er sein Unternehmen solide

weiterführen. Für ihn ergab sich ein Prosperitätsschlüssel

von 6,4286 %; monatlich erhält er

knapp 3 Mio. Euro, bis sein Unternehmen wieder

in die Gewinnzone geführt ist und ein neuer

Schlüssel definiert wird.

Eine alleinerziehende Mutter, die an einer

chronischen Atemwegs-Erkrankung leidet, wird

HDS-Kunde; auch ihre 24 000 Euro Schulden sind

nun getilgt und monatlich kann sie mit 2317 Euro

rechnen.

Auch Kunde werden

Das sind nur drei Beispiele von vielen. Sicher kennen

Sie selber HDS-Kunden in Ihrer Nähe, es sind

inzwischen ja richtig viele. Selbstverständlich ist

das Budget dieser Bank für Marketing und Kundenakquise

praktisch gleich null – jeder, der dank

HDS seine Schulden losgeworden ist, ist nicht

mehr zu bremsen und erzählt allen und jedem von

seiner Veränderung! Das Problem der Bank war

am Anfang eher, die Kundenakkreditierung zeitnah

abzuwickeln – zunächst waren es allmonatlich

Tausende; bald wurde die Logistik ausgebaut

und nach kurzer Zeit konnten stündlich Tausende

zufriedenstellend bedient werden.

Akkreditierungsdetails

Sehen wir uns das Kundenakkreditierungs-Anmeldeformular

der HDS-Bank im Detail an.

Nach den Feldern für Name, Adresse, Geburtsdatum

und Familienstand kommt die Frage nach

den Schulden: „Benennen Sie Grund und Höhe

Ihrer Schulden.“ Darunter eine Multiple-Choice-

Auswahl zum Ankreuzen: „Ich bitte um die Tilgung

meiner Schulden, die ich aus eigener Leistung

nicht in den Griff bekomme.“ Eine weitere Möglichkeit:

„Ich bitte um Auszahlung eines monatlichen

Prosperitätssatzes, um sorgenfrei meine

eigentlichen Fähigkeiten entfalten zu können.“

Dann folgen die AGB der HDS-Bank, die zu

unterzeichnen sind. Mit seiner Unterschrift willigt

der zukünftige HDS-Kunde in folgende Bedingungen

ein:

• Ich erlasse meinen Schuldnern alle Schulden zu

100 % und verzichte vollständig und endgültig

auf alle diese Forderungen.

• 25 % meines Prosperitätssatzes verwende ich

dafür, die Lebensbedingungen von Menschen in

meinem Umfeld zu verbessern.

Die

HDS-Bank

braucht kein

Werbe-Budget –

keiner ist zu

bremsen, jeder

erzählt allen

davon

Z für Zukunft

7


Leitthema

Foto: © Seikang

Nebenwirkung: In den

Krankenhäusern ist

Überlastung fast zum

Fremdwort geworden. Man

leidet unter Bettenleerstand

Es zählt nicht

mehr, auf Kosten

anderer zu überleben

oder sich zu

Ungunsten anderer

Vorteile herauszuschinden

Entwicklung geht man in der Kriminalitätsstatistik

davon aus, dass in weiteren zwei Jahren die

Zahl unter 1 Mio. sinken könnte. Wurde vor zwei

Jahren noch lauthals eine massive Aufstockung

der Sicherheitskräfte gefordert, muss die Politik

sich inzwischen darum kümmern, wie sie die über

150 000 nicht mehr benötigten Polizisten durch

Umschulung im Arbeitsmarkt halten kann.

Beziehungskultur und Gesundheitsboom

Wer seine Schulden bezahlt bekommt, erlässt

anderen die Schulden – nur ein Punkt in den

HDS-Geschäftsbedingungen, aber der ändert den

Lebensstil: Nicht mehr zählt es, auf Kosten anderer

irgendwie überleben zu können oder sich zu

Ungunsten anderer gar Vorteile herauszuschinden.

Nein, der Blick hat sich völlig gewendet

dank dem Impuls, einen Teil des monatlichen Prosperitätssatzes

dazu zu verwenden, dass sich die

Lebensqualität von Menschen im nahen Umfeld

verbessert.

Aus Eigennutz und Selbstbezogenheit ist eine

Beziehungskultur geworden, in der Gesellschaft

hat eine Transformation stattgefunden: Man

genießt und sucht das immense Hochgefühl, das

man verspürt, wenn es dem anderen gut geht. Es

macht Spaß, Gutes zu tun! Das hat zu einer Veränderung

des Denkens geführt, eine Umdeutung

von Werten hat stattgefunden.

Eine weitere Nebenwirkung ist der aktuelle

Gesundheitsboom: Ein Großteil psychosomatisch

bedingter Krankheiten, vor Kurzem noch an die

80 % aller von den Gesundheitskassen erfassten

Erkrankungen, ist außerordentlich stark im Rückzug

begriffen. Ärzte stellen einen spürbaren Patientenschwund

fest und in den Krankenhäusern

ist Überlastung fast zum Fremdwort geworden.

Die Pharmakonzerne klagen über dramatische

Einbrüche ihrer Aktienkurse.

Gottessehnsucht

Jeder der HDS-Kunden hat irgendwann die

Geschichte von Larry Bracks gehört oder gelesen.

Da ist sozusagen ein Saulus zum Paulus geworden,

und man erfreut sich an den positiven Auswirkungen

von Bracks Kehrtwende für sich selbst

und das Umfeld.

Vielen geht die Geschichte aber tiefer: „Hat da

so ein stinkreicher Ausbeuter nach Gott gefragt

und tatsächlich Vergebung bekommen für die

Gräueltaten, die er durch seine skrupellosen

Geschäfte auf dem Gewissen hat?“ Solche und

ähnliche Fragen regen die Gespräche an.

„Hätte er doch nicht nötig gehabt, bei dem

Reichtum!“, wirft der eine oder andere ein. Aber

als der damals beim Terroranschlag Verschüttete

sich dem Tode nahe sah, war ihm klar, dass er von

seinen Billiarden nichts mitnehmen kann – und

in diesem Moment unterschied er sich in keiner

Weise von dem Afrikaner, der um einen Dollar pro

Tag im Bergwerk für ihn schuften musste.

So mancher erinnert sich an den alten Spruch,

den er als Kind noch ab und zu gehört hat: „Vergib

uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren

Schuldigern.“ Jetzt ist er wieder aktuell – viele

wählen ihn sogar zum Lebensmotto! Nicht selten

folgen Zeitgenossen dem Beispiel von Bracks und

reflektieren in einer beschaulichen Minute ihr

Leben vor einem Gott, der ihnen fremd geworden

ist, denn in der säkularen Gesellschaft ist Gott

schon lange kein Thema mehr gewesen.

Aber die Geschichte von Bracks und ihre

Auswirkung haben geradezu eine Gottessehnsucht

ausgelöst: „Unsere Geldschulden sind wir

jetzt los, aber mich drückt noch mehr, was man

nicht mit Geld wettmachen kann – was mache ich

damit?“ Wer die Lösung auch dieser, meist viel

tiefer sitzenden Schuld erlebt, kann es vor Glück

nicht für sich behalten – und das nun stellt selbst

12

Z für Zukunft


Leitthema

den HDS-Erfolg völlig in den Schatten! Vergebung

kann noch viel, viel mehr. Ein neues Vergebungs-Schneeball-System

wurde ausgelöst.

Luther ade, HDS olé!?

Die Mitgliedschaft bei der Luther-Institution ist

seit 2117 in Deutschland auf 2,3 % der Gesamtbevölkerung

gesunken. Rhetorisch hochbegabte

und theologisch umfassend gebildete Dozenten

erklären dem Häuflein der Getreuen, warum es

zutiefst human ist, atheistisch-religiös zu sein.

Parallel dazu sind etwa 32,5 % der Bevölkerung

direkt durch die HDS-Bank oder indirekt

dank HDS-Kunden ihre Schulden los, sie sind

quasi „er-löst“. Die meisten haben es nicht bei

der finanziellen Ebene belassen; sie haben es

Larry Bracks gleichgetan und auch die Erlösung

von ihrer Lebensschuld und Systemfesseln

in Anspruch genommen. Wie Bracks haben sie

erkannt: „… gerechtfertigt aus Glauben an Jesus

Christus.“

Für die 2,3 Prozent Lutheraner eigentlich

nichts Neues – aber die vor 600 Jahren revolutionär

gewesene Wiederentdeckung durch

einen sich dem Mittelalter entwindenden Mann

war eben seit Jahrzehnten in den Hintergrund

gerückt. Man zeigt sich erhaben, hat sich von

„veralteten“, nicht mehr in die Zeit passenden

Gedanken gelöst.

Zigmillionen Menschen, die die lutherische

Randgruppe kaum noch wahrnehmen, haben wie

Bracks so oder anders gesagt: „Ich bitte um die

Vergebung meiner Schuld vor Gott und den Menschen.

Ich bitte darum, aus dem System dieser

Welt herausgelöst, aus diesen Klauen der Finsternis

in diese Beziehung mit dem ‚Sohnes der Liebe‘

zu kommen.“

Sie treffen sich regelmäßig in ihrem Wohnzimmer

oder machen einen Stammtisch – aber

schon lange nicht mehr, weil es in den AGB der

HDS-Bank steht; es gehört einfach zu ihrem

neuen Lebensstil. Sie sind Freunde geworden,

und sie möchten sie nicht mehr missen, diese

Austauschrunde über Gott und die Welt und ihre

Erlebnisse, die gelegentlich auch „nicht von dieser

Welt“ sind.

Systemwechsel konkret

Bitten Sie Gott um Vergebung Ihrer eigenen

Schuld. Jesus Christus hat definitiv die Mittel

dafür bereitgestellt. (Und das unabhängig davon,

ob Sie an Gott glauben oder nicht; wie so manche

Tatsache, die unsere Vernunft übersteigt, ist auch

diese nicht davon abhängig, ob Sie sie logisch

nachvollziehen können.)

Tipp: Erstellen Sie eine Liste Ihrer Vergehungen,

die kann kurz oder lang sein; achten Sie darauf,

dass Sie den Hauptpunkt nicht vergessen:

Ihre bisherige Unabhängigkeit von Gott.

Entscheiden Sie sich für den Systemwechsel:

vom System der Boshaftigkeit hin zum System

des „Sohnes der Liebe“, das ist Jesus Christus.

Vergeben Sie all den Menschen, die an Ihnen

schuldig geworden sind. Das ist oft leichter

gesagt als getan; aber wer erkennt, wie viel ihm

selber vergeben wurde, dem fällt es meist leichter

– und je mehr davon einem bewusst wird, umso

einfacher wird es mit dem Vergeben, Schritt für

Schritt. Fangen Sie einfach mal an.

Das befreit ungemein! Da fallen gigantische

Lasten ab und so manche Krankheit löst sich

in Wohlgefallen auf, weil Krankheit nicht selten

unmittelbar zusammenhängt mit der Last, die wir

den anderen „nach-tragen“.

Treffen Sie sich regelmäßig (mindestens einmal

pro Woche) mit einigen Menschen Ihres Vertrauens,

die auch diesen Systemwechsel vollzogen

haben. Sprechen Sie über Ihre Erfahrungen

und ermutigen Sie einander, die guten Erfahrungen

zu vertiefen.

Wählen Sie zwei, drei Menschen aus, denen

Sie aktiv helfen wollen, ihre Lebensumstände zu

verbessern.

Empfehlen Sie diesen

Menschen auch,

selber Vergebung zu

empfangen und zu

gewähren.

1 Römer 3,10–25.

2 Johannes 3,16;

Kolosser 1,13–14.

Man

reflektiert sein

Leben wieder

vor einem Gott,

auch wenn der

vielleicht fremd

geworden ist,

weil er im Säkularen

schon lange

kein Thema

mehr war

Sie treffen sich regelmäßig in

ihrem Wohnzimmer oder

machen einen Stammtisch

Foto: © SWR. Die Fallers, Michael Ciesielski

Z für Zukunft

13


Leitthema

Aus allen

Richtungen

zerren Kräfte,

um das Ziel

zu verrücken:

Vermischung mit

dem Heidnischen

oder der Einfluss

des jeweiligen

Zeitgeistes

Grafik: © Agentur PJI UG

Stagnationsfaktor

Vermischung

mit

Heidnischem

Zeitgeist

Zeit

zurzeit

möglicher

Top-Status

Ausgangspunkt: die

ersten Christen

Gesetzlichkeit

dogmatische

Einseitigkeit

Reformation in 3D

Ein Jahr lang wurde dieses Wort strapaziert: „Reformation“. Wie viele haben es wahrgenommen

– und wer weiß, was es bedeutet? Gut, nach einem Jahr Marketing fällt nun

ein paar mehr Menschen dazu „Luther“ ein. Aber ist Luther gleich Reformation?

Die Kirche

heute ist in

einem weit

schlimmeren

Zustand

als die vor

500 Jahren

re

formatio

– „zurück“

– „Format, Formation,

gestalten“

reformatio – „Wiederherstellung,

Umgestaltung“

Reformation will etwas in sein

ursprüngliches Format zurückführen,

sozusagen in die Werkseinstellung,

in den Zustand, den der Erfinder

beabsichtigt hat.

Wenn bei einem Computer nichts mehr richtig

läuft, vielleicht weil sich ein Virus eingeschlichen

hat, dann wird eine Neu-Formatierung nötig.

Im 16. Jh. war der Kirchen-Computer vom

Virus „Mammon“ befallen: Für den exorbitanten

Bau des Petersdoms in Rom wurden Unmengen

von Geld benötigt; dafür kaufte man all die Seelen

der gutgläubigen Schäfchen und verkaufte ihnen

eine falsche Art Erlösung, während die richtige

umsonst zu bekommen war (nur wie, das wurde

geheim gehalten).

Heute ist der Kirchen-Computer von vielen

Viren befallen; der wohl gefährlichste Virus heißt

„Humanismus“: Die Vernunft spielt sich als Gott

auf und dem Menschen wird weisgemacht, er

hätte keine Erlösung nötig. Die Kirche heute, 500

Jahre nach Luther, ist in einem weit schlimmeren

Zustand als damals. Damals gab man unnötig

Geld aus, aber man suchte die Errettung. Heute

werden die „Kirchenmitglieder“ angelogen und

gehen verloren.

Man hat ein Jubiläum gefeiert, aber welches?

Das der Deformation? „Herr, vergib ihnen, denn

sie wissen nicht, was sie tun!“

14

Z für Zukunft


Buße wäre doch der optimale Einstieg in die

Reformation, die nun vor uns liegt!

Muslime

träumen von

Jesus! Lesen Sie

in diesem Buch

tolle Berichte

davon

Leitthema

Reformation spaltet! Oder wer?

Weltweit gibt es über 46 000 christliche Denominationen

– stellen Sie sich vor, wie diese in dem

3D-Modell herumschwirren. Etliche von ihnen sind

der Auffassung, sie wären die „einzig Wahren“

unter uns Christen (was sie damit zur Sekte macht,

und wäre es eine seit Langem bestehende Großkirche).

Viele davon sind absolut für Einheit – wenn

der Rest sich nur an ihre Vorgaben halten würde.

Wer ist schuld? Man sagt, die Reformation vor

500 Jahren hätte die Kirche gespalten. Aber sind

nicht jene die Spalter, die die notwendige Erneuerung

oder die Wiederherstellung der Vorzüge der

ersten Christen verweigern und im Status quo

gefangen bleiben wollen?

Von dieser Warte aus betrachtet hat vor 500

Jahren die römisch katholische Kirche sich abgespalten;

kurz danach haben sich die Lutheraner

von den Täufern abgespalten. Und so weiter –

etwas wurde wiederhergestellt, was in Vergessenheit

geraten war, und das, was sich nicht

weiter verändern wollte, hat den neuerlichen Aufbruch

bekämpft. Das Neu-Alte wurde immer zum

Feind des Neuen.

Auf Teufel komm raus!

Das Bild der Palme hilft, das Muster von Reformation

besser zu verstehen: Jedes Jahr kommen mindestens

zehn neue Palmwedel hervor. Die alten

sterben ab – aber doch waren sie nötig, um den

Stamm zu bilden; der ist das Ergebnis aller bisherigen

Wedel.

Ein spannender Bericht von Pilgerreisen auf den Spuren des Apostels Paulus. Sie

werden zur Suche nach der Kraft des Glaubens und führen zu aufschlussreichen

historischen Plätzen der ersten Christen in „Kleinasien“, der heutigen Türkei.

Herrliche Panoramabilder begleiten den mitreißenden Text (80 Farb- und 34 s/w-Fotos).

Der Leser spürt etwas von der Leidenschaft der ersten Christenheit.

Geschichte und Gegenwart verschmelzen: Istanbul – Konstantinopel, das Tor zum

Orient. Über Ankara geht es zu den tausend Höhlenkirchen in Kappadokien. Auch die

Stätten der sieben apokalyptischen Gemeinden fehlen nicht.

An der türkischen Südküste, wo die erste Reise des Paulus ihren Ausgang nahm,

sollte Peter Ischka vieles selbst erleben, wovon in der Apostelgeschichte berichtet wird:

Er bekommt den „Auftrag“, einen jungen Christen, der auf Grund seiner Bekehrung

ins Gefängnis kam, daraus zu befreien. In diesem Buch lesen Sie, wie das Unmögliche

tatsächlich geschah. Daumennagelgroße Nierensteine verschwinden nach schlichtem

Gebet. Jesus begegnet Muslimen in Träumen und Visionen.

Sogar ein Esel wird von dieser Kraft übernatürlich berührt.

Dieses Buch liest sich wie die Fortsetzung der Apostelgeschichte

und macht Mut, längst in Vergessenheit geratenes

Glaubensgut wieder beim Wort zu nehmen.

Gebunden, 160 S., 32 Seiten Panorama-Fotos, 17 x 25 cm, Best.-Nr. 453.103.778

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QR zur Leseprobe

Wie bei der Palme ist Reformation ein andauernder

Prozess. Alle 500 Jahren eine, das würde

nicht reichen. Heute ist die Kirche wahrscheinlich

in einem weit schlimmeren Zustand als die Kirche,

die Luther vor sich hatte – aber wo sind heute die

Luthers mit der Leidenschaft, ihr Leben zu investieren

und die Kirche zu reformieren „auf Teufel komm

raus“? Denn der muss raus aus der Kirche, wenn sie

das sein soll, was der Erfinder sich vorgestellt hat.

1 Epheser 5,27.

2 Apostelgeschichte 3,21.

Z für Zukunft

17


Leitthema

Foto: © RheinCargo

Luther, die Reformation –

und wir heute

Barbara von Schnurbein

Luther:

Wie bekomme

ich einen

gnädigen Gott?

Wie werde

ich vor Gott

gerecht?

Kürzlich sagte jemand im Gespräch:

„Die Digitalisierung bringt einen

Paradigmenwechsel wie damals die

Erfindung des Buchdrucks.“ Und

ich dachte mir: „Ja, und wie damals

wird auch heute der christliche Glaube dabei

auf den Prüfstand gestellt.“ Die Erfindung des

Buchdrucks hatte wesentlichen Anteil am Erfolg

der Bemühungen Martin Luthers, denn dadurch

wurde es möglich, nicht nur die Bibel bekannt zu

machen, sondern auch seine Schriften in Windeseile

zu verbreiten. Über die deutschen Grenzen

hinaus wurde bekannt, dass Luther die kirchliche

Ablasslehre bekämpfte und sich damit gegen den

Papst und viele Landesherren stellte.

Paradigmenwechsel – Luther an der

Grenze zur Neuzeit

Aber nicht nur seine theologischen Erkenntnisse

waren revolutionierend, auch Luthers persönliches

Leben spiegelt die großen Veränderungen

seiner Zeit: Seine Familie war bäuerlicher Herkunft;

doch als der kleine Martin am 10. November

1483 in Eisleben geboren wurde, waren seine

Eltern schon aus der bäuerlichen Umgebung weggezogen

und ließen sich in Mansfeld nieder. Vater

Hans verdiente den Lebensunterhalt nicht mehr

in der Landwirtschaft, sondern als Bergmann und

„Hüttenmeister“ in der aufblühenden Kupfer- und

Silberindustrie.

Die beginnende Industrialisierung kennzeichnet

den Beginn der Neuzeit. In diesem Umbruch

stellt Luther seine ganz persönliche Lebens-

18

Z für Zukunft


Leitthema

frage, die ihn jahrelang umtrieb: Wie bekomme

ich einen gnädigen Gott? Wie werde ich vor Gott

gerecht?

Ob die Fragen entstanden, weil sein Vater

so streng war oder weil generell ein unerbittlicher

Gott und Jesus als Weltenrichter das Gottesbild

der Menschen damals bestimmten, sei

dahingestellt. Nach seinem Eintritt in das Erfurter

Augustinerkloster beherrschten diese Fragen

sein Leben. Damals hatte er große Angst, trotz all

seiner guten Werke, seiner selbstauferlegten Bußübungen,

ja, seines ganzen Lebens als Mönch, im

Jüngsten Gericht vor Gott nicht bestehen zu können

und für immer verdammt zu werden. Jahrelang

plagte er sich, fastete und kasteite sich, und

fand keine Antwort.

Allein durch Glauben

an Jesus Christus – sola fide

Bis – ja, bis ihm beim Bibellesen klar wurde, dass

Gott von ihm diese Übungen gar nicht erwartet;

dass Jesus Christus bereits „für uns gestorben ist,

als wir noch Sünder waren“ 1 . Wie gut, dass er selber

die Bibel lesen konnte! Anhand des Römerbriefs

erkannte er, dass Gott ihn in Christus ohne

jede Vorleistung, ohne Verdienst oder eigene

Mühe, aus purer Liebe gerechtgesprochen hatte!

Deshalb predigte Luther nun aus tiefster

Überzeugung, Beichte und Buße seien zwar richtig

und wichtig, aber allein der Glaube an Gottes

Werk durch Jesus Christus bewirke für alle Menschen

das ewige Heil. Ein höchst aktuelles Thema

auch für moderne Menschen, die sich weitgehend

über Leistung definieren und in einer Leistungsgesellschaft

mit den eigenen Grenzen oft nicht

zurechtkommen. 2

Luther war überzeugt, dass Gläubige gute

Taten tun sollen, aber nicht, um sich ihr ewiges

Heil zu verdienen, sondern als selbstverständliche

Folge ihrer Beziehung zu Jesus Christus und

als Auswirkung ihres gelebten Glaubens.

Als Luther am 31. Oktober, dem Vorabend des

Allerheiligentages 1517 – wie es berichtet wird –

seine 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg

anschlug, wollte er keine neue christliche

Konfession gründen. Er wollte vielmehr in seiner

römisch-katholischen Kirche dem Wort Gottes –

der Bibel – wieder die zentrale Bedeutung geben

und dadurch seine Kirche erneuern. Deswegen

hinterfragte er alle hinzugekommenen Traditionen

und Lehren.

Allein durch Gnade – sola gratia

Weil ihm die Gnade Gottes so wichtig geworden

war, bekämpfte Luther nun besonders die Ablasslehre.

Mit dramatischen Worten schilderten die

Ablassprediger den verängstigten Zuhörern, wie

ihre Eltern und Angehörigen im Fegefeuer darum

flehen, dass sie durch Almosen von ihren furchtbaren

Qualen erlöst würden. Der bekannteste

unter ihnen war Johann Tetzel (ca. 1460–1519),

von dem einige Predigten erhalten sind. 3

Zwar wurde weiterhin gelehrt, dass nach dem

Sündenbekenntnis im Beichtgespräch durch die

Absolution die Schuld vor Gott vergeben sei.

Aber das galt nur für den Himmel; auf der Erde

mussten für die gebeichteten Sünden zusätzlich

bestimmte „Kirchenstrafen“ abgeleistet werden:

Den Gläubigen wurden Gebete, gute Taten,

Almosen auferlegt bis hin zu schweren Strafen,

die der Papst – angeblich im Namen Gottes – trotz

der zugesprochenen Vergebung noch über sie

verhängte.

Also nicht Gottes Gnade befreite von Schuld,

sondern bei diesen einzeln auferlegten Strafen

galt sofortige Vergebung erst, wenn der Sünder

nach Beichte und Reue sein Geld in den Kasten

geworfen hatte. Für die Toten wurde von

den Lebenden nichts als Geld gefordert nach

dem Grundsatz, den Luther in seinen Thesen

anprangerte: „Wenn das Geld im Kasten klingt,

die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ 4 Für

die einzelnen Vergehen waren bestimmte

Mindestsummen angesetzt, 5 über die dann auch

häufig – wie eine Quittung – ein Ablassbrief

ausgestellt wurde.

Allein Christus – solus Christus

Verständlich, dass Luther sich vehement gegen

diese Ablasspraxis wandte. Er betonte kämpferisch,

dass Gott die bereute und bekannte Schuld

in Zeit und Ewigkeit vergibt, wenn der Gläubige

Foto: © Wikipedia

Dramatisch

schilderten die

Ablassprediger

den verängstigten

Zuhörern, wie

Angehörigen im

Fegefeuer darum

flehen, durch ihre

Almosen von den

furchtbaren

Qualen erlöst

zu werden

Satan, der Ablässe verteilt.

Aus einer tschechischen

Handschrift 1490.

Bereits 1412 verurteilte

Ján Hus (der Hauptführer der

böhmischen Reformation)

den Ablasshandel

Z für Zukunft

19


Leitthema

Foto: © Agentur PJI UG, Montage

In der

Präambel der

EU-Charta war

kein Platz

für Gott.

Damit

verleugneten

wir, was Europa

geprägt hat

der Basis der Heiligen Schrift sind Versöhnung

und gegenseitige Annahme möglich. Wo biblische

Lehre in Liebe gelebt und weitergegeben wird,

wird sie christliche Gemeinschaft beleben und

stärken. So kann der Auftrag Jesu erfüllt werden,

wie er von Matthäus aufgeschrieben wurde. 9 Und

es könnte sich auch die Einheit erfüllen, über die

Jesus im Johannesevangelium gesprochen hat. 10

Paradigmenwechsel heute:

Die Bibel – sola scriptura

Bestimmt fehlt die klare Überzeugung – vielfach

auch in der Kirche –, dass die Bibel als Gottes

Wort gültiger Maßstab für ein Leben mit Christus

ist. Dass es nicht in unser Belieben gestellt

ist, welche Verse der Bibel wir akzeptieren wollen

und welche wir ablehnen. Die Erfahrung von

Christen durch die Jahrhunderte zeigt: Wer sich

auf Gottes Wort verlässt, erlebt seine befreiende,

verändernde Kraft.

Vielen suchenden Menschen fehlt der Hinweis,

dass die Bibel Gottes Plan mit der Welt für alle

Menschen aufzeigt; dass Jesus für jeden Einzelnen

persönlich gestorben ist. Dass er gerade für

unsere Nöte, Probleme und Fragen persönliche

Antworten hat und nicht nur der unnahbare mittelalterliche

Weltenrichter ist.

Oft fehlt auch die Botschaft, dass Erlösung

nicht aus uns selbst geschehen kann. Der Blick

nach innen kann vielleicht zeitweilig erleichternd

sein, aber wirkliche Befreiung kann nur von

außen, von Jesus, vom Kreuz her kommen.

Und es gilt heute erneut, für Israel als Gottes

Volk einzutreten und jeder Art von Antisemitismus

– leider auch in Deutschland – entschieden zu

begegnen. Nicht weil die Juden besser wären als

andere Menschen, sondern weil Gott sie erwählt

hat, ob uns das passt oder nicht, und mit ihnen

Weltgeschichte schreibt.

Der Paradigmenwechsel durch Digitalisierung

und Globalisierung fordert uns Christen heraus,

beides auch zu nutzen, um den Auftrag Jesu zu

erfüllen: allen Menschen die Frohe Botschaft zu

bringen. Denn wohin die Welt kommt, wenn sie

Gott ins Abseits stellt und meint, ohne ihn auszukommen,

das erleben wir ja tagtäglich! In der

Präambel der EU-Charta war kein Platz für Gott.

Nicht „schade“, sondern eine Katastrophe, denn

damit verleugneten wir, was Europa geprägt hat:

die Bibel als Wertekodex, aus dem sich unsere

politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen

entwickeln konnten. Und die Gnade, mit der

Gott sich nach dem Krieg und bei der Wiedervereinigung

über Deutschland erbarmte.

500 Jahre Thesenanschlag sind Grund genug,

dem Wort Gottes wieder seine zentrale Bedeutung

als Richtschnur für alle Lebensbereiche

zukommen zu lassen. Wenn es also im Jahr 2017

etwas zu feiern gab, dann doch das Wort Gottes,

Gottes Gnade und Treue, seine Liebe und Macht

und Jesu Sieg über Sünde, Tod und Teufel, wie

Luther gern zu sagen pflegte.

Ein Hinweis: Wer sich eingehend mit Luther

und seiner Zeit befassen möchte, dem sei das in

neuer Auflage erschienene Buch von Dr. Georg

Gremels empfohlen. Als Naturwissenschaftler

und Theologe beantwortet er kompetent die häufigsten

Argumente und Fragen.

In 49 Briefen will der Schreiber Markus seinem

naturwissenschaftlich orientierten Mediziner-Freund

Christian den Glauben Martin

Luthers und die Bedeutung der Bibel erklären.

Der Autor hat Chemie studiert und ist promovierter

Theologe mit viel Praxiserfahrung. Er kennt

die üblichen Vorbehalte gegen die Bibel. Und er

kennt Luther und seine Zeit! Sachkundig beant-

22

Z für Zukunft


wortet er alle Fragen seines interessierten Briefpartners.

Dabei erweist sich die Bibel als höchst

aktuelles Lebenshandbuch. So erfahren die Leser

nicht nur etwas über Luthers Spiritualität, sondern

auch über den Weg zu einem persönlich

erfahrbaren Glauben.

Ein hervorragendes Buch für alle, die sich auf

biblischer Basis mit Luther befassen wollen. Und

für die, die sich fragen, was die rasanten Veränderungen

unserer Zeit und die Erkenntnisse der

Wissenschaft für den Glauben bedeuten. Spannend,

wenn auch nicht immer ganz einfach zu

lesen. Aber Durchhalten lohnt sich! Gerade die

letzten zehn Briefe sind besonders aufschlussreich.

Oberkirchenrat i.R. Klaus Baschang empfahl

das Buch als „bislang wichtigsten Beitrag

zum Reformationsjubiläum 2017“.

Georg Gremels

Ein Mensch namens Luther

Francke-Buchhandlung GmbH, Marburg 2016

320 Seiten, 9,95 €, ISBN 978-3-86827-567-4

Nach einer Rezension von Klaus Baschang,

idea-spezial Nr. 2, 2016, S. 4.

1 Römer 5,8.

2 Georg Gremels, Ein Mensch namens Luther: Vom Geheimnis der

Wandlung, Marburg: Francke 2016, S. 206.

3 s. Julius Köstlin, Luthers Leben, Leipzig: Fues‘s Verlag 1882, S. 97.

4 https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Tetzel, (Zugriff am 02.03.2016).

Auch: Luthers These Nr. 27 in: „Die 95 Ablassthesen Luthers“: Weimarer

Ausgabe, WA1, S. 233 ff; vgl. auch: Gremels, S. 199.

5 Nachweis: Köstlin, S. 93.

Auch: Egon Friedell, Kulturgeschichte der Neuzeit I–III, München 1927,

1928, 1931, hrsg. in einem Band bei C.H. Beck, München, o. J., S. 282.

6 Martin Treu, Martin Luther in Wittenberg: Ein biografischer

Rundgang, Hrsg: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-

Anhalt, 2. Aufl. 2006, S. 49 f.

7 Jakobus 5,14–18.

8 August Noack, 1822–1905, deutscher Maler, vor allem Porträtist

und Historienmaler, schuf 1869 das 2,50 x 3,05 m große

Ölgemälde zum Reformationsgespräch von 1529. Es hängt im

Marburger Schloss.

9 Matthäus 28,18–20.

10 Johannes 17,22–23.

Leitthema

Möchten Sie mit uns

zusammenarbeiten?

2018 beginnen wir in den Unternehmen des deutschsprachigen

Raumes „LEUCHTTÜRME“ zu pflanzen

Die Umdenk-Akademie ® , Eigentümer der Marken „Menschenspezialist

® “ und „Umdenk-Trainer ® “ hat bereits in den letzten

10 Jahren über 7000 Menschen zu Menschenspezialisten ® ausgebildet

und über 100 in einer mindestens 10-tägigen Intensiv-Ausbildung

zu Umdenk-Trainern ® lizenziert, die das Gedankengut

der Umdenk-Akademie ® in Wirtschaft und Gesellschaft

tragen. Wir sind anerkannte Praktiker.

Es geht um Menschen auf dieser Welt, nicht um Geld

Ja, das sagen viele. Aber was tun wir dafür, dass diese Wahrheit

immer mehr Unternehmen und Führungskräften zur

bewussten Realität wird in ihrem täglichen Handeln?

Die Umdenk-Akademie ® und ein Team von bewährten

Führungskräften geht jetzt einen Schritt weiter:

Wir pflanzen in vielen Unternehmen „LEUCHTTÜRME“

Das sind DIPLOMIERTE MENSCHENSPEZIALISTEN ® , die – egal

in welcher Position – Licht in die Unternehmen bringen, dort

wo noch Finsternis regiert, die Menschen frustriert sind und

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Talente und Fähigkeiten zum Nutzen der Menschen mit

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Z für Zukunft

23


Zeitkritisch

Woran krankt „Kirche“?

Und im Speziellen die evangelische in

Deutschland? Eine Antwort gibt

Urich Parzany in seinem Buch

„Was nun, Kirche?“

Valentine Godé-Darel

am Tag vor ihrem Tod,

Ferdinand Hodler 1915

Will man

überhaupt

Veränderungen?

Man hat die

Mehrheiten

und das Geld

der Kirchensteuerzahler.

Man nützt

diese Macht

rücksichtslos

Wenn ich hier über Nöte und

Fehlentwicklungen in den Kirchen

schreibe, will ich keinen

Augenblick vergessen, wie

sehr ich auf der anderen Seite

die Kirche als Wunder Gottes sehe.

Ich will Fehlentwicklungen und Konflikte

beschreiben. Ich will nicht um den heißen Brei

herumreden. Ich schreibe gegen Resignation.

Auch gegen meine eigene. Ich weiß, wir sind uns

unter den Evangelikalen – Angela Merkel hat sie

„intensiv evangelisch“ genannt – nicht einig darüber,

ob und wie wir öffentlich Kritik üben sollen

an Kirchenleitungen und Synodenbeschlüssen.

Ich weiß aber: Wer schweigt, fördert, was

im Gange ist.

Es fehlt an deutlichem Widerstand gegen Entscheidungen,

die Bibel und Bekenntnis eindeutig

widersprechen.

Ich bin allerdings ziemlich skeptisch, ob Kirchenleitungen

und Synoden sich für Veränderungen

nach Maßgabe der Bibel gewinnen lassen.

Sie haben die Mehrheiten und sie haben das Geld

der Kirchensteuerzahler. Diese Macht nutzen sie

ziemlich rücksichtslos.

In allen Teilen der Welt wächst die Kirche, nur in

Westeuropa nicht. Woran liegt das? Nirgendwo in

der Welt sind Kirchen materiell so reich wie in einigen

Teilen Europas – vor allem in Deutschland – und

in Nordamerika. Allerdings sind die meisten Gottesdienste

in Deutschland sehr schlecht besucht.

Kirchenmitgliedschaft

und Gottesdienstbesuch

1990 hatten die evangelischen Kirchen in

Deutschland 29 422 000 Mitglieder. Das waren

36,9 % der deutschen Bevölkerung. 2015 waren

es nur noch 21 933 000 (26,7 %). 1

24

Z für Zukunft


Zeitkritisch

nar einmal gelernt wurde. Bei so mancher Predigt,

die ich höre, bekomme ich den Eindruck,

dass das, was jetzt gesagt wird, deshalb relevant

ist, weil es in der Bibel steht. Und was in der Bibel

steht, beanspruche zeitlose Relevanz.“

Es gibt wohl doch noch den einen oder anderen

Prediger, der sich an sein Ordinationsgelübde

erinnert, was den Bischof überrascht.

Da möchte ich doch an die grundlegende

Bekenntnisschrift der lutherischen Kirchen, das

Augsburgische Bekenntnis, erinnern. Auf dieses

Bekenntnis werden alle Pfarrer ordiniert. Es

wurde nicht widerrufen oder abgeschafft. Der Artikel

28 hat die Überschrift „Von den Bischöfen“.

Darin lesen wir: „Man soll auch den Bischöfen, so

ordentlich gewählet, nicht folgen, wo sie irren oder

etwas wider die heilige göttliche Schrift lehren und

ordnen“. Wir haben heute allen Grund, an diesen

Artikel zu erinnern. Warum wird eigentlich gegen

einen Bischof, der wie Landesbischof Meister so

offensichtlich die Autorität der Bibel infrage stellt,

kein Lehrbeanstandungsverfahren eröffnet?

Es ist nicht neu, dass die Autorität der Bibel als

Wort Gottes bestritten wird. Neu ist der Versuch

des Rates der EKD, diese Herabwürdigung der

Bibel in ihrem Grundlagentext zum Reformationsjubiläum

quasi kirchenamtlich zu verkünden.

Weltanschauliche Vorurteile

contra Bibel

Seit der philosophischen Aufklärung 10 stellte die

menschliche Vernunft die Offenbarung Gottes

infrage. Die Bibel enthält viele Berichte über historische

Ereignisse. Um sie zu verstehen, ist historische

Erforschung also wichtig. Was ich kritisiere,

ist eine historische Erforschung und Auslegung

der Bibel, die durch weltanschauliche Vorurteile

bestimmt ist.

Damit wurde der Rahmen für eine Wirklichkeit

abgesteckt, in dem das Reden und Handeln

Gottes, seine Menschwerdung mit allen Folgewirkungen,

die Wunder, das versöhnende Handeln

Gottes durch den Kreuzestod Jesu und die Auferweckung

Jesu natürlich keinen Raum mehr hatten.

Hier geht es eben nicht um Geschehnisse, wie sie

auch sonst immer passieren und die wir im Ursache-Wirkungs-Zusammenhang

erklären können.

Als historisch konnte höchstens gelten, dass Menschen

solche religiösen Auffassungen vertreten

haben. Was nicht in die Schublade von Analogie

und Kausalität passte, durfte also nicht als historisch

tatsächlich geschehen gelten.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland

hat aus Anlass des Reformationsgedenkens

2017 in dem bereits zitierten „Grundlagentext“

die Autorität der Bibel als Wort Gottes infrage

gestellt. Hat die Bibel damit ihre Bedeutung als

verbindlicher Maßstab für Glauben und Leben

verloren? Ja, jedenfalls für diese Kirchenleiter.

Die Autorität der Bibel ist damit zumindest der

höchst subjektiven Erfahrung der Einzelnen ausgeliefert.

Eine verbindliche Lehre von der Autorität

der Bibel erscheint deshalb nicht möglich – „kein

abstraktes Urteil, sondern eine Beschreibung von

Erfahrungen mit diesen Texten“. Wenn es um konkrete

Fragen und Entscheidungen geht, spielen

die Worte der Bibel keine bestimmende, schon gar

Ulrich Parzany:

Mit Leidenschaft für

das Evangelium

Foto: © Sven Lorenz

Was ich

kritisiere, ist

eine historische

Erforschung und

Auslegung der

Bibel, die durch

weltanschauliche

Vorurteile

bestimmt ist

Z für Zukunft

27


Zeitkritisch

Jesus gesagt: „Und in keinem andern ist das Heil,

auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den

Menschen gegeben, durch den wir sollen gerettet

werden.“ 21

die scharfen Worte von Paulus in Galater 1,7:

„Kein anderes Evangelium!“, und sogar das „Anathema!“

– Gottes Gericht über jeden, der ein

anderes Evangelium verkündigt.

Bild: © Buchcover, Orac-Verlag

Nicht der

Mensch sucht

Gott, sondern

Gott sucht den

Menschen.

Gott fragt:

Adam, wo

bist du?

In den Diskussionen über den interreligiösen

Dialog kommt mehr und mehr zum Vorschein,

dass es kirchenleitenden Personen vor allem

darum zu gehen scheint, das Christentum als

Zivilreligion zu platzieren. Platt gesagt: religiöser

Kitt für die zerfallende Gesellschaft. Nur nicht

polarisieren und spalten! – Was ist eine Zivilreligion?

„So nennt man die Schwundstufe eines Christentums,

das nicht mehr in seinem Wahrheitsanspruch,

sondern nur noch wegen seiner ethisch

und politisch stabilisierenden Funktion ernst

genommen wird. […] Man könnte die ‚Grundwerte‘

als das Dogma der Zivilreligion bezeichnen.

[…] Es geht in der Zivilreligion also um das

Glaubensminimum, das wir zur Geltung bringen

müssen, damit die moderne Gesellschaft funktioniert.

[…] Als Zivilreligion hat der Protestantismus

die großen Themen wie Kreuz, Erlösung

und Gnade aufgegeben und durch einen diffusen

Humanismus ersetzt.“ 22

Angeblich sucht der Mensch nicht mehr nach

dem gnädigen Gott, sondern nach dem gnädigen

Nächsten. Aber genau da liegt das Problem: Wenn

der Mensch sich selbst zu Gott macht, wird der

Mensch für den Menschen zum Wolf. Darum flehen

wir jetzt um den gnädigen Nächsten. Allerdings

vergeblich, wie die Geschichte beweist.

Auch das ist nicht neu: Nicht der Mensch sucht

Gott, sondern Gott sucht den Menschen. Gott

fragt: Adam, wo bist du?

Rezension aus: Ulrich Parzany, „Was nun, Kirche?“;

ISBN: 978-3-7751-5792-6

http://shop.agentur-pji.com/was-nun-kirche.html

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Mitgliederentwicklung_in_den_

Religionsgemeinschaften. (Zugriff am 28.12.2017).

2 https://www.ekd.de/download/zahlen_und_fakten_2016.pdf

(Zugriff 28.12.2017).

3 Johannes Zimmermann, „Gemeinde unter Gottes Verheißung“;

in: Lebendige Gemeinde, Das Magazin der ChristusBewegung

4, 2016, S. 4. Er bezieht sich auf Detlef Pollack, „Was wird aus

der Kirche?“ DtPfBl 116,446; Quelle: Allensbacher Institut für

Demoskopie.

4 1. Timotheus 2,3.

5 Kirche der Freiheit, Impulspapier des Rates der EKD 2006, S. 21 f.

6 a. a. O. S. 22.

7 Ehemals Professor für Praktische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität,

hat in seinem Buch Die neuen Gesichter Gottes

– Was die Menschen heute wirklich glauben seine Untersuchungen

veröffentlicht.

8 Rechtfertigung und Freiheit, Grundlagentext der EKD, S. 83 f.

9 Der Vortrag war lange Zeit in voller Länge auf www.a-m-d.de

und wurde inzwischen von der Seite genommen. Teile finden

sich noch unter: www.idea-pressedienst.de/pdf/ausgabe/009/

jahr/2015/code/hpJ4P7B2/user/ (Zugriff am 29.03.2016).

10 Eine ausgezeichnete Darstellung der Entwicklung der Bibelkritik

bietet Ron Kubsch in Sollte Gott gesagt haben? – Was

steckt hinter der Bibelkritik? https://www.evangelium21.net/

downloads/pdf/R.Kubsch_Sollte_Gott_gesagt_haben_(Edition-

E21).pdf (Zugriff am 28.12.2017).

11 vgl. Matthäus 5,38–48.

12 vgl. Matthäus 5,27–32; 19,4–6; 1. Mose 1,27.

13 vgl. Matthäus 26,52–53.

14 1. Mose 1,33.

15 1. Mose 3.

16 1. Korinther 15,12–19.

17 1. Korinther 15,20.

18 Rechtfertigung und Freiheit, S 58.

19 Der Koran, Übersetzung von Rudi Paret, Stuttgart 1966, S. 83 f.

20 Johannes 3,16.

21 Apostelgeschichte 4,12.

22 Norbert Bolz, „Zurück zu Luther, Die Evangelische Kirche in der

Modernitätsfalle“; in: CA, Das lutherische Magazin für Religion,

Gesellschaft und Kutur II, 2016, S. 21 f.

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Es gilt: Christus allein! Und weil allein Gott

in Christus die Erlösung schafft, können wir sie

nur geschenkt bekommen. Ganz geschenkt! Wir

können sie auch nicht kaufen. Wir bekommen sie

geschenkt oder wir bekommen sie nicht. Darum

auch: „Gnade allein!“ Gott hat in Christus die

Welt versöhnt – zu 100 Prozent, daher dürfen wir

uns auch 100 Prozent schenken lassen.

Wie Paulus will auch ich, dass Menschen durch

Jesus gerechtfertigt und gerettet werden. Darum

30

Z für Zukunft


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der nationalen Gesetzgeber, so sind sie beispielsweise

Schengenkonform. Die Prämien betragen

0,85 € pro Tag z. B. für den Care Visa Protect oder

ab 28 EUR mtl. für die Krankenversicherung von

Sprachschüler und Studenten Care College.

Schwerpunkt der Unternehmenstätigkeit ist

die Internationale Krankenversicherung.

Die Produkte können ergänzt werden durch

Unfall-, Haftpflicht-, Krankentagegeld- oder

Reiserücktritts-Versicherungen.

Die CCAG zeichnet sich aus durch:

- faire, kompetent kalkulierte und langfristig stabile

Preise

- Mehrsprachigkeit : Die Homepage ist in 7 Sprachen

übersetzt. Die Mitarbeiter sprechen 19

Sprachen.

- schlanke Online–Verfahren mit kürzesten Bearbeitungs-

und Reaktionszeiten

Die christliche Prägung der CCAG:

- Beratung der Kunden u. Kooperationspartner unter

Nennung der Vor- und Nachteile der Produkte

- Tatsache, dass sich die CCAG der Entwicklung von

CSR-Projekten verpflichtet fühlt (Corporate Social

Responsibility), wie zum Beispiel der Mikrokrankenversicherungen

für die Ärmsten der Armen

- Kooperation der CCAG mit Entraide Missionaire

(EMS), einem an den Vatikan angegliederten

Versorgungswerk. Im Rahmen dieser Kooperation

können konfessionsübergreifend Christen

im Ausland eine sehr kostengünstige und unbefristete

Krankenversorgung erhalten.

Selbstverständlich stehen die Produkte der

CCAG Angehörigen aller kulturellen und religiösen

Gruppen zur Verfügung.

Weitere Informationen

- zur christlichen Prägung des Unternehmens finden

Sie unter www.care-concept.de/ichthys.

- zu allgemeinen Fragen oder Vertragsabschlüssen

über das Internet unter www.care-concept.de

- persönliche Beratung: Frank Brandenberg (Leiter

Vertrieb), f.brandenberg@care-concept.de

Z für Zukunft

31


Zeitkritisch

Reformation neu denken

Foto: © Agentur PJI UG, Montage

Zum 500-jährigen Reformationsjubiläum gab es in Berlin und Wittenberg einen

besonderen Kirchentag. Was will die EKD dem Rest der Welt damit sagen?

Peter Ischka

Geht Gewalt

primär von

Männern aus?

Ist der politische

Feminismus

jemals friedlich

gewesen?

Die EKD ist bekannt für „neu denken“.

So ist sie dabei, Kirche neu

zu denken, und „erfreut“ sich weiter

steigender Austrittszahlen. Mit

dem Kirchentag von 24.–28. Mai

2017 hat sie offensichtlich versucht, „Reformation“

neu zu denken. So angestrengt hat man

nachgedacht, dass sogar ein Rauchwölkchen aufstieg,

ja ein regelrechtes Rauchzeichen mit einer

ganz speziellen Botschaft.

Ein Interview von Karsten Huhn in der idea Nr.

20/2017 mit der Kirchentagspräsidentin Christina

Aus der Au zeigt, in welche Richtung der EKD-

Wind bläst. Wir kommentieren einige Zitate.

FRAGE: Kirchentage sind leicht mit Parteiveranstaltungen

der Grünen zu verwechseln.

ANTWORT: Das nehme ich als Kompliment, wir nehmen

die Verantwortung für die Schöpfung ernst.

KOMMENTAR: (Die Frage betraf wohl eher die linksliberale,

neomarxistische Richtung; das wurde

aber geflissentlich überhört – und von wegen

„Schöpfung ernst nehmen“: Der Kirchentag ist

sowas von durchgegendert! Wo bleibt da das

Schöpfungskonzept des Menschen als Mann und

Frau?)

Barack Hussein Obama diskutiert mit Angela

Merkel am Kirchentag?

Mit Barack Obama konnten wir einen Menschen

gewinnen, der aus protestantischer Verantwortung

heraus eine bedeutende Position

innehatte.

(In seiner Amtszeit hat Obama mehr den Einfluss

von Muslimen gestärkt als den der Christen;

eine Reihe christlicher Werte hat er an den Rand

gedrängt.)

Brauchen Marsmenschen Erlösung? Womit sich

eine Veranstaltung auf dem Kirchentag befasst.

Ich bin begeisterte Science-Fiction-Leserin

und mit einem Theologen befreundet, der sich

mit Leben fern der Erde beschäftigt. Wenn Gott

die Welt erschaffen hat und in Christus Mensch

32

Z für Zukunft


Zeitkritisch

geworden ist: Was bedeutet das für das Leben

außerhalb der Erde, etwa für Marsmenschen?

Gibt es Spezies, die keine Erlösung brauchen,

weil sie nicht unter dem Sündenfall stehen?

(Als ob wir keine Menschen mehr hätten, die

Erlösung brauchen – und wenn das so wäre, wie

Frau Aus der Au meint, dann wäre Christus sicher

als Marsmännchen auf den Mars gekommen …

Eine viel sinnvollere Frage wäre: „Brauchen EKDler,

die wesentliche Teile des Wortes Gottes relativieren,

auch Erlösung?“)

„Feminist*innen aller Religionen vereinigt

euch!“ Strategien gegen Fundamentalismus?

Religionen sind nicht zu Unrecht unter

Beschuss – als eine Kraft, die für Gewalt verantwortlich

sein kann. Dieses Gewaltpotenzial wird

im Moment besonders dem Islam zugeschoben.

Das hat auch mit unserer Geschichte und Gegenwart

etwas zu tun. Leider geht Gewalt nun mal

häufig von Männern aus. Es ist ein Hoffnungszeichen,

wenn Frauen nach dem Friedenspotenzial

ihrer Religion suchen und den interreligiösen Dialog

stärken.

(Als wäre der politische Feminismus in seinem

Grundmuster jemals friedlich gewesen …

als könnte der Fundamentalismus im Feminismus

uns da helfen! Ein Tipp für jeden, der nach

wirklichem Friedenspotenzial sucht: Komm zu

Jesus höchstpersönlich – „Meinen Frieden gebe

ich euch; der ist nicht zu vergleichen mit dem,

was die Welt euch zu bieten hat. Die Weltsysteme

erzeugen Angst. Aber seid guten Mutes, ich habe

die Welt und ihre ‚Ismen‘ überwunden“. 1 )

Es gibt auch Kabarett: „Dschihad in Wittenberg.

Martin Luther – sein Kampf“

Satire darf viel. Das wird einiges bissig und

witzig zur Sprache bringen, so dass einem das

Lachen im Halse steckenbleibt.

(Da mag sie wohl recht haben … Hoffentlich

erstickt keiner daran!)

Im Zentrum für Kinder werden „Märchen

der Völker“ und „Die Abenteuer des Butattino“

geboten.

Zu unserem eigenen Nutzen ist es sinnvoll,

sich auch mit Texten anderer Traditionen zu

beschäftigen. Und die Märchenforschung zeigt,

dass auch Märchen Botschaften vermitteln, die

helfen können.

(Aber welche Botschaft – und Hilfe wofür? Kinder

kennen die Botschaften der Bibel nicht mehr,

weil ihnen alles andere vermittelt wird, nur nicht

das Wort Gottes. Damit „erzieht“ die EKD ihre

zukünftigen Kirchenaustreter – also gut, dann

lieber gleich Mitglied in einem ordentlichen Märchen-Erzähl-Club

werden!)

„Gottesdienst für Lesben und andere Frauen“

im „Zentrum Regenbogen“: Was ist das?

Das ist in erster Linie ein farbiger, fröhlicher

Gottesdienst. Frauen haben sich jahrhundertelang

als „Brüder“ mit eingeschlossen fühlen müssen.

Gott wird auch nicht nur als Herr, sondern

auch als Weisheit und Geistes-Kraft angesprochen.

Von dieser Art Gottesdienst kann ich mich

befruchten und inspirieren lassen.

(… das muss dann wohl eine künstliche Befruchtung

sein, denn Männer fehlen da ja. [Scherz.] Aber

mal ernsthaft: Ob da die Weisheit und die Kraft des

Heiligen Geistes gegenwärtig sein kann? Ich habe

noch nie eine ernsthaft gläubige Frau getroffen, die

Probleme gehabt hätte mit Stellen in der Bibel, die

„Brüder“ ansprechen. Aber ich habe etliche Frauen

getroffen, die gar nicht glauben – und das als Ausrede

nutzten. Was viele nicht wissen: Wir alle, so wir

glauben, sind dazu berufen, Söhne Gottes zu werden,

männliche und weibliche. Das ist der Trick, um

nicht aus der göttlichen Erbberechtigung herauszufallen.

2

Brauchen

Marsmenschen

Erlösung?

Z für Zukunft

33


Zeitkritisch

Foto: © Wikipedia, Sandro Halank

„Juden

müssen nicht

erst über den

christlichen

Weg zu

Gott finden,

sie sind bereits

Gottes Volk“

Bibelarbeiten

von Muslimen?

„Ich entdecke dabei

etwas über meine

blinden Flecke“

Foto: © flickr, Die Linke

Dann wird es „Impulse für die Gender-Debatte“

geben. Luther schuf eine verständliche Sprache.

Genderianer sind sich untereinander nicht

einig, ob sie Feminist*innen mit Sternchen,

großem Binnen-I, unterstrichen oder mit

X schreiben wollen.

Die wirkliche Diskussion beginnt aber einen

Schritt früher: Können wir weiterhin Frau und

Mann schreiben? Es gibt gute Argumente von

Menschen, die sich nicht diesen zwei Kategorien

zuordnen lassen wollen und darunter leiden. Wer

bin ich, dass ich mit meiner Sprache festlege, wo

sie sich einzuordnen haben? Das ist nicht feinfühlig

und achtsam.

(Die Achtsamkeit wird sehr aufwändig werden,

wenn wir nur an die über 60 Geschlechter

denken, die Facebook seinen Usern anbietet. Die

wirkliche Diskussion beginnt einige Schritte früher:

beim Sündenfall, der die Ursache für jedes

Chaos ist, auch für die Genderideologie. „Bekennt

nun einander die Sünden und betet füreinander,

damit ihr geheilt werdet!“ 3 Feinfühlig und achtsam

wäre, wenn wir jedem helfen, aus Gnade,

sola gratia, Vergebung seiner Sünden zu erfahren

– das wäre reformatorisch.)

Warum bleiben messianische Juden ausgeladen

– Sie pflegen doch mit allen den Dialog?

Wir wollen Menschen jüdischen Glaubens

in ihrer Eigenheit stehenlassen. Theologisch

gesprochen: Der alte Bund Gottes mit seinem

Volk ist mit dem neuen Bund nicht aufgehoben.

Juden müssen nicht erst über den christlichen

Weg zu Gott finden, sondern sind bereits Gottes

Volk – und bleiben es auch. Es ist also nicht nötig,

Juden zu missionieren.

(Da sollte man zum einen das Verständnis der

Bedeutung der Worte alt und neu vertiefen und

sich mal näher ansehen, was der Jude Paulus dazu

zu sagen hat: „Denn ich schäme mich des Evangeliums

nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil

jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als

auch dem Griechen.“ 4 Oder die Meldung an die

Hebräer: „Denn wenn jener erste Bund tadellos

wäre, so wäre kein neuer nötig geworden: ‚Siehe,

es kommen Tage, spricht der Herr, da werde ich

mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda

einen neuen Bund schließen, nicht nach der Art

des alten Bundes mit ihren Vätern‘ …“. 5 Wenn die

EKD-Leute es doch einfach Luther nachmachen

würden – nur mal in der Bibel lesen –, da steht

schließlich alles drin: Auch Juden brauchen Jesus

und müssen „missioniert“ werden!)

Warum haben messianische Juden keinen

Zugang zum Kirchentag?

Das berührt den Kern des Selbstverständnisses

des Kirchentags, das aus dem Zweiten

Weltkrieg stammt. Judenmission hat etwas von

Ignoranz und Überheblichkeit, die mit dem Kirchentag

unvereinbar ist.

34

Z für Zukunft


Zeitkritisch

ehrung dargebracht haben anstatt dem Schöpfer.

Aus diesem Grund hat Gott sie ihrer eigenen

schändlichen Leidenschaft ausgeliefert: Frauen

vertauschten den natürlichen Geschlechtsverkehr

mit dem widernatürlichen, genauso die Männer.

Sie wurden von wildem Verlangen zueinander

gepackt; Männer ließen sich in schamlosem Treiben

mit anderen Männern ein. Das rächte sich in

Verirrung an ihnen selbst. Wie sie es auch nicht

nötig fanden, Gott und seine Ordnung anzuerkennen,

hat Gott sie ihrem verworrenen Sinn preisgegeben,

sodass sie Dinge tun, die nicht recht sind“ 8

(und daher nicht gesegnet werden können).

Wer aber weiterhin zu Gottes Ordnung in allen

Lebensbereichen stehen möchte, auch wenn dies

hierzulande nicht mehrheitsfähig scheint, der sei

ermutigt und gestärkt. Denn die sind es, die Jesus

wirklich lieben, die den Willen seines Vaters tun 9

– die werden dann aber trotz allem gesegnet sein,

inmitten des Desasters.

Der wirklich weise Salomo hat das in seinen

Sprüchen gut zusammengefasst:

„Hänge meine Gebote an deinen Hals und

schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, so

wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen,

die Gott und den Menschen gefallen.

Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern

verlass dich von ganzem Herzen auf den Herrn, deinen

Gott, und gedenke an ihn in allen deinen Wegen,

so wird er dich recht führen. Halte dich nicht für

weise, sondern habe Ehrfurcht vor dem Herrn

und meide das Böse.“ 10

Interview: idea Nr. 20/2017;

http://www.idea.de/spektrum/detail/was-ist-evangelisch-amevangelischen-kirchentag-100970.html

(Zugriff am 28.12.2017).

1 Johannes 14,27; 16,33.

2 Galater 4,5; Epheser 1,5.

3 Jakobus 5,16.

4 Römer 1,6.

5 Hebräer 8,7–9.

6 Johannes 16,13; 14,17.

7 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2017/kw26-deehe-fuer-alle/513682

(Zugriff am 24.10.2017).

8 Römer 1,18–28.

9 Johannes 14,23.

10 Sprüche 3,3–7.

Warum ist Europa wohlhabend

und frei? Was hat Europa in die

Orientierungslosigkeit geführt?

Jedes Volk gestaltet seine Gesellschaft nach dem, was und an

wen es glaubt. Aus dem Kult wächst jene Kultur, die den Aufbau

einer Zivilisation prägt – und Geschichte gestaltet.

Stückelberger weist nach, wie das christliche Gottes- und Menschenbild

den Aufstieg Europas begründet, Wissenschaft und Forschung

begünstigt und die Freiheit des Individuums gefördert hat.

Der Abstieg Europas wurde eingeleitet mit dem Verrat an fundamentalen

Werten; dem folgten in der Überhöhung der Vernunft

Ideologien, denen über 100 Mio. Menschen zum Opfer gefallen sind.

Ein Blick in die Zukunft rundet das umfassende Werk ab.

„Das vorliegende Buch gibt eine völlig neue Sicht auf die Geschichte

Europas. Es lässt sich sehr leicht und flüssig lesen, regt aber zu intensivem

Nachdenken an.“ P. Fröstl in Amazon

„»Europas Aufstieg und Verrat« ist eine Reise durch die Jahrhunderte

… Es hat mein Weltbild und insbesondere mein Geschichtsbewusstsein

nachhaltig beeinflusst.“ C. Rühle in Amazon

„Dieses Buch hilft zu verstehen, warum das gängige Weltbild vielfach

im Widerspruch zu biblischen Prinzipien steht. Ein

lesenswerter Augenöffner.“ Dr. Mark Gabriel, Bestseller-Autor

Gebunden, 432 S., 21,5 x 14,5 cm,

ISBN 978-3-944764-05-4 19,95

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B E S O N D E R S

empfehlenswert

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Z für Zukunft

37


Zeitkritisch

Foto: © Agentur PJI-UG, Montage

Billige Gnade, Todfeind der Kirche

Der evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat uns bis heute eine Menge zu

sagen. Hier ein Auszug aus seinem Buch „Nachfolge“ von 1937; dieses Zeugnis christlichen Glaubens

ist zugleich eine Kampfschrift gegen die NS-Unrechtsherrschaft – und gegen die „Gießkannengnade“

á la „Ich bin getauft und zahle meine Kirchensteuer, lass mich gefälligst in Ruhe“.

Billige Gnade

leugnet das

lebendige

Wort Gottes,

die Menschwerdung

des

Wortes Gottes

„Unser Kampf heute

geht um die teure Gnade.“

Das schrieb Bonhoeffer vor über 80 Jahren, und

es ist so aktuell! „Billige Gnade“ heißt: Gnade als

Schleuderware, verramschte Vergebung, wertloser

Trost; Gnade als unerschöpfliche Vorratskammer

der Kirche, aus der mit leichtfertigen Händen

bedenkenlos und grenzenlos ausgeschüttet wird:

Gnade ohne „Preis“, Gnade, deren Wert wir nicht

mehr zu schätzen wissen. Bonhoeffer schreibt:

„Billige Gnade“

Billige Gnade heißt Gnade als Lehre, als Prinzip,

als etabliertes System: das bedeutet Sündenvergebung

als allgemeine Wahrheit, das heißt Liebe

Gottes als christliche Gottesidee: Wer sie nur

bejaht, der hat schon Vergebung der Sünden. Die

Kirche dieser Gnadenlehre ist durch diese Gottesidee

schon der Gnade teilhaftig. In dieser Kirche

findet die Welt billige Bedeckung ihrer Sünden, die

sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie

erst recht nicht wünscht. Billige Gnade ist darum

Leugnung des lebendigen Wortes Gottes, Leugnung

der Menschwerdung des Wortes Gottes.

Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde

und nicht des Sünders. Billige Gnade ist Predigt

der Vergebung ohne Buße, ist Abendmahl ohne

Bekenntnis der Sünden, ist Absolution ohne persönliche

Beichte. Billige Gnade ist Gnade ohne

Nachfolge, Gnade ohne Kreuz, Gnade ohne den

lebendigen, Mensch gewordenen Jesus Christus.

Gnade ist teuer

Dagegen ist teure Gnade der verborgene Schatz

im Acker, um dessentwillen der Mensch hingeht

und mit Freuden alles verkauft, was er hatte; die

38

Z für Zukunft


Zeitkritisch

„Und als er vorüberging, sah er Levi am Zollhaus

sitzen. Und er spricht zu ihm: Folge mir

nach! Und er stand auf und folgte ihm nach.“ 5

Hat der Zöllner Jesus schon vorher gekannt

und war daher bereit, auf seinen Ruf hin zu folgen?

Hierüber schweigt der Text hartnäckig, es

liegt ihm ja gerade alles an dem unvermittelten

Gegenüber von Ruf und Tat. Die einzige gültige

Begründung für dieses Gegenüber von Ruf und

Tat: Jesus Christus selbst. Er ist es, der ruft.

Jesus ruft in die Nachfolge nicht als Lehrer und

Vorbild, sondern als der Christus, der Sohn Gottes.

So wird in diesem kurzen Text Jesus Christus

und sein Anspruch auf den Menschen verkündigt,

sonst nichts.

Was wird über den Inhalt der Nachfolge

gesagt? Folge mir nach, laufe hinter mir her!

Das ist alles. Hinter ihm hergehen, das ist etwas

schlechthin Inhaltloses. Es ist wahrhaftig kein

Lebensprogramm, dessen Verwirklichung sinnvoll

erscheinen könnte, kein Ziel, kein Ideal, dem

nachgestrebt werden sollte. Es ist keine Sache,

für die es sich nach menschlicher Meinung

lohnte, irgendetwas oder gar sich selbst einzusetzen.

Und was geschieht? Der Gerufene verlässt

alles, was er hat, nicht, um damit etwas besonders

Wertvolles zu tun, sondern einfach um des Rufes

willen, weil er sonst nicht hinter Jesus hergehen

kann. Diesem Tun ist an sich nicht der geringste

Wert beigemessen. Es bleibt in sich selbst etwas

völlig Bedeutungsloses, Unbeachtliches.

Nur der Gehorsame glaubt

Ein Christentum ohne den lebendigen Jesus Christus

bleibt ein Christentum ohne Nachfolge, und ein

Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum

ohne Jesus Christus; es ist Idee, Mythos. Allein

weil der Sohn Gottes Mensch wurde, weil er Mittler

ist, ist Nachfolge das rechte Verhältnis zu ihm.

Aber die Unterscheidung von Glaube und

Gehorsam darf niemals die Einheit beider aufheben,

die darin liegt, dass Glaube nur im Gehorsam

existiert, niemals ohne Gehorsam ist, dass Glaube

nur in der Tat des Gehorsams Glaube ist.

Nur der Gehorsame glaubt. Es muss Gehorsam

geleistet werden einen konkreten Befehl, damit

geglaubt werden kann. Es muss ein erster Schritt

des Gehorsams gegangen werden, damit Glaube

nicht frommer Selbstbetrug, billige Gnade werde.

Du beklagst dich darüber, dass du nicht glauben

kannst? Es darf sich keiner wundern, wenn

er nicht zum Glauben kommt, solange er sich an

irgendeiner Stelle in wissentlichem Ungehorsam

dem Gebot Jesu widersetzt oder entzieht. Du willst

irgendeine sündige Leidenschaft, eine Feindschaft,

eine Hoffnung, deine Lebenspläne, deine Vernunft

nicht dem Gebot Jesu unterwerfen? Wundere dich

nicht, dass du den Heiligen Geist nicht empfängst,

dass du nicht beten kannst, dass dein Gebet um

den Glauben leer bleibt! Gehe vielmehr hin und

versöhne dich mit deinem Bruder, lass von der

Sünde, die dich gefangen hält, und du wirst wieder

glauben können! Willst du Gottes gebietendes

Wort ausschlagen, so wirst du auch sein gnädiges

Wort nicht empfangen. Wie solltest du die Gemeinschaft

dessen finden, dem du dich wissentlich an

irgendeiner Stelle entziehst? Der Ungehorsame

kann nicht glauben, nur der Gehorsame glaubt.

Der Mensch hat sich vergiftet mit der billigen

Gnade: Er bleibt im Ungehorsam und tröstet sich

mit einer Vergebung, die er sich selbst zuspricht,

und verschließt sich damit dem Wort Gottes. Der

Einbruch in die Festung misslingt, solange ihm

allein der Satz wiederholt wird, hinter dem er

sich versteckt. Es muss die Wendung eintreten,

der Andere muss zum Gehorsam gerufen werden:

Nur der Gehorsame glaubt!

Wird einer damit auf den Weg der eigenen

Werke verführt? Nein, vielmehr wird er darauf

verwiesen, dass sein Glaube kein Glaube ist, er

wird aus der Verstrickung in sich selbst befreit.

Er muss in die freie Luft der Entscheidung und

des Tuns. So wird ihm der Ruf Jesu zum Glauben

und zur Nachfolge neu hörbar gemacht.

Auszug aus: „Nachfolge“. Dietrich Bonhoeffer, Martin Kuske

(Hrsg.), Ilse Tödt (Hrsg.), ISBN 978-3-579-07136-7, redaktionell

bearbeitet; http://shop.agentur-pji.com/nachfolge.html.

1 1. Korinther 6,20.

2 Matthäus 11,30.

3 Eine gute Erklärung gibt Uwe Siemon-Netto in Luther – Lehrmeister

des Widerstands, Fontis Basel 2016, S. 95–97.191.

4 Römer 5,21–6,2.

5 Markus 2,14.

Willst du

Gottes

gebietendes

Wort ausschlagen,

so wirst

du auch sein

gnädiges Wort

nicht empfangen

Z für Zukunft

41


Historisch

Das Vermächtnis der ersten Christen

Eine Rezension der Dokumentation von Petra Gerster – Auf den Spuren der

Urgemeinde … Eine Produktion im Auftrag des ZDF 2013

Alle Fotos in diesem Artikel: © Screenshot, ZDF-Doku

Anfangs

ist es noch eine

kleine Gruppe;

aber diese

„Urgemeinde“

wächst stetig

Vor 2000 Jahren entdeckt die Menschheit

einen neuen Glauben: Männer

und Frauen bekennen sich zu Jesus

Christus. Was als kleine Bewegung

beginnt, soll die Welt für immer verändern.

Bedroht, verfolgt und am Ende dennoch

siegreich, verbreitet sich der neue Glaube über

die ganze Welt. Welches Geheimnis verbirgt sich

hinter dem unaufhaltsamen Aufstieg?

Sie glauben, das Christentum sei dort entstanden,

wo Jesus gekreuzigt und begraben wurde: in

Jerusalem? Die Antwort ist: Nein! Entscheidende

Ideen der neuen Religion kamen in Kleinasien auf

die Welt, in der heutigen Türkei. Hier und nicht

in Jerusalem wurden die Weichen gestellt für den

neuen Glauben, der seinen Siegeszug durch das

ganze Römische Reich antrat.

Aber wie fing alles an? Was passierte eigentlich

nach der Kreuzigung

Jesu? Wie konnte aus einer

Handvoll Männer und Frauen

eine Bewegung entstehen,

die sich gegen alle anderen

Religionen durchsetzte – und

was ist das Geheimnis ihres

Erfolgs?

Diesen Fragen will die

Doku nachgehen.

Der Ausgangspunkt

Unsere Spurensuche führt uns in das Jahr 30, nur

wenige Monate nach der Hinrichtung Jesu. Hier in

Jerusalem soll sich die erste christliche Gemeinde

gebildet haben – so erzählt es der Evangelist Lukas

in seinem Werk, das wir im Deutschen „Apostelgeschichte“

nennen. Regelmäßig kommt die kleine

Schar der Jerusalemer Gemeinde zusammen als

Glaubensgemeinschaft, sie ist aber auch Lebensgemeinschaft.

Ein Dutzend Apostel, der engste

Kreis der Nachfolger Jesu zu seinen Lebzeiten, bilden

den inneren Kern der Bewegung.

Anfangs ist es wohl noch eine sehr kleine

Gruppe; aber diese „Urgemeinde“ wächst stetig:

Immer mehr Männer und auch Frauen begeistern

sich für die Botschaft der Liebe, die Jesus ihnen

gepredigt hatte.

Es ist das Ursprungsrätsel des Christentums

– denn nachdem Jesus am Kreuz gestorben war,

stand die Bewegung faktisch vor dem Aus. Doch

nur wenige Monate später wächst und gedeiht

sie! Wie war das möglich? Nach all dem, was wir

heute wissen, muss die Kreuzigung Jesu auf die

Jünger wie ein Schock gewirkt haben. Jesus war

überzeugt, mit ihm sei das Reich Gottes auf die

Erden gekommen; schon seine ersten Anhänger

hatte er mit diesem Versprechen fasziniert, und

nun endet der lang erwartete Messias jämmerlich

am Kreuz! Die Bewegung war am Tiefpunkt.

42

Z für Zukunft


Historisch

Patent aufs Missionieren

Unglaubliche 16 000 Kilometer [also ein Drittel des

Erdumfangs] legte der Apostel Paulus auf seinen

Reisen zurück, weite Strecken zu Fuß – Missionsarbeit

war auch eine körperliche Herausforderung!

An seiner Seite sehen wir oft Glaubensbrüder,

junge Christen, die sich wie er die Ausbreitung des

Christentums zur Lebensaufgabe gemacht haben.

Die Christen tun das, was Juden bis heute nicht

machen: sie missionieren; sie versuchen, andere

Menschen von ihrem Glauben zu überzeugen, weil

sie sicher sind, dass sie die beste Info aller Zeiten

haben. Christliche Missionare schwärmen aus in

alle Ecken und Enden des Römischen Reiches,

Paulus immer vorneweg; aufs Missionieren hätten

die Urchristen ein Patent anmelden können.

Selbst in den entlegensten Winkeln des Römischen

Reiches sind bis heute Spuren der Urchristen

zu finden.

Das unwegsame Kappadokien im Herzen der

Türkei entwickelt sich zu einem wichtigen christlichen

Zentrum; Hunderte von Höhlenkirchen

zeugen von den frühen Anfängen: Hier lebten die

ersten Christen, beteten gemeinsam und feierten

das Abendmahl. Leuchtend bunte Wandmalereien

erinnern bis heute daran.

Es gab in der Antike keine Religion, die Missionierung

kannte. Der Isis-Kult zum Beispiel – seine

Anhänger sind nicht irgendwo hingegangen und

haben gefragt: „Wollt ihr Anhänger der Isis werden?“

In 13 Briefen hat Paulus seine Mission beschrieben;

wir kennen sie aus dem Neuen Testament.

Seine Briefe sind Rundschreiben, Flugschriften an

die ersten Christen-Gemeinden. Das war damals

das modernste Kommunikationsmittel, und keine

anderen Texte wurden häufiger abgeschrieben und

weitergereicht als ebendiese Briefe des Paulus.

Der Trumpf des Christentums

Manche nennen Paulus den Erfinder des Christentums,

denn ohne den Theologen, den Briefeschreiber,

den Missionar ist der Aufstieg des

Christentums zur Weltreligion praktisch undenkbar.

Bis dahin glaubten viele, der Tod sei ein

Nichts, ein ewiger Schlaf. Ohne Hoffnung auf ein

Leben danach. Das Christentum aber hatte noch

einen Trumpf im Ärmel.

Den ersten Christen wurde ja vorgeworfen, sie

würden einen Verbrecher anbeten: „Verflucht ist,

wer am Holz hängt“, sagt das jüdische Gesetz.

Und auch bei Römern und Griechen, die das

Schöne, Starke und Gesunde verehrten, konnte

ein hingerichteter Gott nur für ungläubiges Kopfschütteln

sorgen. Eine Kritzelei aus dem dritten

Jahrhundert zeigt das Bild eines Gekreuzigten mit

Eselskopf. Dieses Spottkruzifix gilt heute als die

älteste Darstellung von Christus am Kreuz.

Das Römische Reich kennt große Toleranz

gegenüber anderen Religionen und Kulten. Der

Pantheon, der Tempel aller Götter, ist offen für

alte wie neue Angebote. Aber gilt das auch für die

Jesus-Bewegung?

Es ist auffällig, dass die Urgemeinde ungeheure

Risiken eingeht. Man hat den Eindruck:

Die sind ungeheuer motiviert; eine große Kraft ist

zu spüren – offensichtlich die Wirkung der Auferstehung

von Jesus. Dass man in kürzester Zeit aus

einem Haufen von verstörten, deprimierten Menschen

heraus eine solche Kraft erleben kann, das

hängt damit zusammen, dass diese Leute überzeugt

sind: Unser Heiland lebt!

Die junge Gemeinde glaubt fest auch daran,

dass sie selber nach dem Tod ebenfalls zu einem

neuen Leben auferstehen wird.

Schon für die ersten Christen gilt: Manchmal

ist es sinnvoller, von der Bildfläche zu verschwinden.

So sehr sie sich auch über Zulauf freuen

mögen, noch sind die Anhänger Jesu eine kleine

und radikale Minderheit.

Ihren Anspruch, auserwählt zu sein und den

einzig wahren Gott anzubeten, finden viele Nichtchristen

anmaßend, beleidigend und sogar bedrohlich.

So beschließen sie nicht selten, mit diesen

Christen „kurzen Prozess“ zu machen.

Schon kurz nach dem Tod Jesu

wird das Gemeindemitglied

Stefanus

zum ersten Opfer

Bis dahin

glaubten viele,

der Tod sei ein

Nichts, ein ewiger

Schlaf. Ohne

Hoffnung auf ein

Leben danach.

Die Christen

waren überzeugt:

Unser Heiland

lebt!

Z für Zukunft

45


Historisch

Foto: © Screenshot, ZDF-Doku

Wer gläubig

wurde, ließ

sich taufen.

Es waren

viele!

Ein Taufbecken aus der

Zeit der ersten Christen.

Hier wurde untergetaucht

in den Reihen der jungen Bewegung; und nach ihm

gehen noch viele Männer und Frauen für ihre Überzeugung

bis zum Äußersten: Sie werden zum Märtyrer.

[Bis vor Kurzem war dieser Ehrentitel denen

vorbehalten, die bereit waren, sich von ihren Gegnern

für ihren Glauben ohne Gegenwehr einsperren,

foltern, umbringen zu lassen.]

Die Überzeugung, Jesus von Nazareth sei der

Messias, der Christus, der Gesalbte Gottes, muss

übermenschliche Kraft entfaltet haben; es heißt,

jeder dieser Märtyrer – jeder, der wegen seines

Glaubens umgebracht wurde, ohne selber Gewalt

anzuwenden –, habe der christlichen Gemeinde

hundert neue Mitglieder verschafft. Die Christen

litten und starben für ihren Glauben.

Besonders attraktiv für Frauen

Was war am Christentum so attraktiv, warum ließen

sich so viele taufen? Es gab doch auch andere

Kulte, die von der Politik genehmigt und in der

Gesellschaft viel angesehener waren. Und dann

die große Konkurrenz am Götterhimmel!

Lukas berichtet, dass die Taufe schon sehr früh

praktiziert wurde – der Apostel Petrus soll seine

Zuhörer bereits zu Pfingsten, also keine zwei

Monate nach der Auferstehung Jesu, öffentlich dazu

aufgefordert haben: „Tut Buße und

ein jeder von euch lasse sich taufen

auf den Namen Jesu Christi

zur Vergebung eurer Sünden,

so werdet ihr empfangen

die Gabe des Heiligen

Geistes.“ Durch das Eintauchen

des ganzen Körpers werden alle Sünden

vergeben, die dieser Mensch begangen hat, und

ein neues Leben kann beginnen, ein Leben in der

Gemeinschaft mit Jesus Christus und mit allen, die

an ihn glauben. Ohne jegliche Vorleistung! Revolutionär!

Durch die Taufe und den Glauben an Jesus

Christus kann jedermann und jede Frau die Zugehörigkeit

zum Volk Gottes erlangen.

Was war am Christentum so unwiderstehlich?

Warum schworen so viele den alten Göttern ab und

bekannten sich zu dem einen Gott der Christen?

Vielleicht finden wir hier eine Antwort, in

Silifke im Süden der heutigen Türkei; hier

bewahrt man das Andenken an die heilige Thekla.

Sie wurde für ihren Glauben verfolgt und mit dem

Tode bedroht; zum Christentum bekehrt hatte sie

sich durch Paulus. Thekla gilt als die erste weibliche

Heilige der noch jungen Kirche. Haben Sie

das gewusst?

Welche Rolle spielten Frauen überhaupt im

Urchristentum? Von Paulus wissen wir, dass er

Frauen sehr geschätzt und ausdrücklich gefördert

hat, wenngleich er selbst zeitlebens unverheiratet

blieb. Die anderen Apostel wie Petrus

und die Brüder Jesu hingegen waren verheiratet

und wurden auf ihren Missionsreisen stets

von ihrer Frau und den Kindern begleitet. Ein

Umstand, der heute wohl etwas in Vergessenheit

geraten ist.

Für Frauen war es besonders attraktiv, Christ

zu werden, weil das Christentum die soziale Stellung

der Frau eindeutig verbesserte. Damals wur-

46

Z für Zukunft


Historisch

den viele Frauen mit 12, 14 Jahren verheiratet und

kamen damit aus der Hand ihres patriarchalischen

Vaters in die Hand eines oft gewalttätigen Mannes,

obwohl sie oft gebildeter waren als die Männer;

so kann man sich vorstellen, dass das Christentum

eine Religion der Befreiung für sie war.

Und erwähnt die Bibel nicht auch eine Frau

unter den Aposteln? Die Briefe des Paulus berichten

nicht nur von Gemeindeleiterinnen, Missionarinnen

und Prophetinnen – in seinem Römerbrief

erwähnt er auch die Apostelin Junia. Eine

Frau als Apostel! Bis ins 13. Jahrhundert hinein

war das ganz einfach Fakt; dann unterzogen

die Männer der Kirche sie einer nachträglichen

Geschlechtsumwandlung: Aus der weiblichen

Junia wurde ein männlicher Junias. Offensichtlich

kein Einzelfall in der Geschichte; es lässt sich

beobachten, dass die bedeutenden Frauen unter

den ersten Christen einfach nicht mehr beachtet

wurden. Das geht zurück auf Machtinteressen

innerhalb der Kirche: Machtpositionen sollten

Männern vorbehalten bleiben. Und da störte eine

Apostelin Junia gewaltig!

Für die ersten Christen gab es keinen Unterschied

der Geschlechter, der Herkunft und

des Standes. Alle Menschen sind Gottes Kinder,

also musste auch allen geholfen werden.

Sie kümmerten sich um Witwen und Waisen und

um die Ausgestoßenen. Das mag uns heute selbstverständlich

scheinen, aber damals war auch das

revolutionär! Über die sozialen Schranken hinweg

hat man Netze geknüpft und sich um die Einzelnen

gekümmert, unabhängig davon, zu welcher

Gesellschaftsschicht jemand gehörte – ganz

so, wie Jesus es ihnen geraten hatte: „Was ihr für

einen meiner geringsten Brüder getan habt, das

habt ihr mir getan.“

Für die Griechen und die Römer waren ja die

meisten Menschen von Natur aus Sklaven; da sah

man gar nichts Verwerfliches dabei. Für die Christen

kam das aber nicht in die Tüte! Jeder Einzelne

hat seinen Wert und seine Würde, weil Gott ihn

geschaffen hat und weil Jesus für ihn gestorben

ist. Das gilt für alle Menschen ohne Ansehen der

Person: Alle waren gleich.

Eigentlich war es also Jesus,

der die Menschenwürde erfunden hat,

und die Christen sagen:

Alle Menschen sind gleich, und allen muss geholfen

werden! Das ist die revolutionäre Botschaft

des Christentums. Das Christentum hatte die

attraktivsten Angebote.

Des Supermissionars letztes Privileg

Im Jahr 58 erreicht auch Paulus die Hauptstadt

des Reiches. Als Gefangener; er wurde mit dem

Schwert enthauptet. Diese Todesart war ein letztes

Privileg – nur weil er das römische Bürgerrecht

hatte, blieb ihm ein qualvoller Tod erspart.

Paulus, der Mann, der für den Aufstieg des

Christentums wohl mehr getan hat als jeder

andere: Für seine Überzeugung ist er bis zum

Äußersten gegangen, am Ende bis zum Tod. Auch

dem Apostel Petrus soll es so ergangen sein, kopfüber

sollen sie ihn gekreuzigt haben. Aber stimmt

das denn auch? Bis heute streiten sich Theologen

und Historiker, ob Petrus überhaupt in Rom war.

Von allem etwas: Nächstenliebe und Menschenwürde,

Vernunft, Aufgehobensein in der Gemeinschaft,

und das Wichtigste: die Zuversicht, wie

Jesus von den Toten aufzustehen und das ewige

Leben zu erlangen. Und jeder, ob Mann oder Frau,

Herr oder Sklave: Jeder war willkommen.

Keine andere Religion war so modern, so fortschrittlich

wie das Christentum. Keine andere

Religion sprach die Menschen so an, gab ihnen

so viel Hoffnung und Zuversicht. Das war ihr

Erfolgsgeheimnis – und ist es bis heute.

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/

das-vermaechtnis-der-ersten-christen-100.html

1 Apostelgeschichte 21,2: wtl. myriaden – „Zehntausende“,

siehe Elberfelder Anmerkung.

Für Frauen

war es besonders

attraktiv, Christ

zu werden, weil

das Christentum

ihre soziale Stellung

eindeutig

verbesserte

Petra Gerster

hat diese Doku

zusammengestellt

Zur ZDF-Doku:

Z für Zukunft

47


Historisch

Der rote Faden

... blutgetränkt zieht er sich durch die Kirchengeschichte

Von ersten Jahrhundert an zieht sich ein roter, ein blutroter Faden durch die Kirchengeschichte. Unzählige

Reformatoren, man nannte sie „Ketzer“, wurden geköpft, ertränkt oder verbrannt, weil sie sich wider

die herrschende Kirche einsetzten für die Wiederherstellung ursprünglichen Glaubensgutes. Welches

Zeugnis kann die Geschichte einer Kirche ausstellen, die auf Korrektur nur mit gnadenlosem Töten antworten

kann und ein Buch, das sagt, dass man sogar seine Feinde zu lieben habe, dem Volk vorenthält?

Nach Edmund Hamer Broadbent 1

Die Geschichte

wurde immer von

den „Siegern“

geschrieben.

In der Kirchengeschichte

waren

die Bewahrer

des Glaubens nie

bei den vermeintlichen

Siegern

Eben erst hat man Martin Luther

gefeiert als den Reformator; doch

er selbst sagte: „Wir alle sind Hussiten.“

Damit ehrte er einen seiner

Vorläufer, der ihm den Blick

geschärft hatte. Reformatoren gab es die ganze

Kirchengeschichte hindurch; viele sind unbekannt

geblieben, aber sie haben wichtige Impulse

gesetzt, die andere weitergebracht haben. Wir

verdanken ihnen viel.

Wer hat die Kirchengeschichte geschrieben?

Das Gros der Informationen stammt aus der Feder

einer mächtigen Kirche, in der alle, die manches

anders sahen, als Ketzer, Irrlehrer, Abtrünnige

bezeichnet wurden. Nicht nur die Welt-, auch

die Kirchengeschichte wurde meist von den Siegern

geschrieben; oft wurde Wichtiges ausgeblendet.

Jesus Christus hat gesagt: „Ich baue meine

Gemeinde.“ Im Lauf der Jahrhunderte

haben Machtmenschen

ihre eigenen Institutionen gebaut; die Reformatoren

wollten zurückfinden zu der Art von Gemeinde,

von der Jesus gesagt hat, dass sie seine ist.

E. H. Broadbent hat uns einen besonderen

Blickwinkel auf die Kirchengeschichte hinterlassen.

Hier ein paar Blitzlichter.

Die Anfänge (29‒313)

Das Neue Testament ist die Erfüllung dessen, was

die Propheten im Alten Testament angekündigt

haben. Die ersten Gemeinden stehen in direkter

Beziehung zu ihrem Herrn, erhalten von ihm

Autorität und sind nur ihm verantwortlich. Es gibt

keine Andeutung, dass eine Gemeinde eine andere

beaufsichtigen sollte oder dass eine übergeordnete

Organisation vorgesehen wäre; vielmehr sind die

Gemeinden durch innige persönliche Beziehungen

verbunden. 2 Ihre Hauptaufgabe sahen die ersten

Christen darin, die ganze Welt mit dem Evangelium

des Reiches Gottes bekannt zu machen.

48

Z für Zukunft


Historisch

Sie trafen sich in Privathäusern, in Schulen

oder unter freiem Himmel; besondere Gebäude

brauchten sie nicht. Diese Beweglichkeit und

autarke Einheit ließ Verschiedenheit zu, und sie

befähigte die Gemeinden, auch Verfolgung zu

überstehen.

Die jüdische Religion wollte die junge Gemeinde

der Christen unter ihr Gesetz bringen. Deshalb

betonte Paulus: „Der Mensch wird nicht aus Gesetzeswerken

gerechtfertigt, sondern nur durch

den Glauben an Jesus Christus!“ 3 Das hat Martin

Luther wiederentdeckt und der römisch-katholischen

Lehre entgegengehalten. Die „Freiheit eines

Christenmenschen“ – so der Titel eines Buchs des

Reformators – war also von Anfang an bedroht.

Angriffe kamen auch von den heidnischen Philosophien,

die damals in Griechenland, in Rom, in

Afrika und in Asien populär waren. In ihrem Windschatten

entwickelten sich bischöfliche Macht

und klerikale Systeme; die veränderten nach und

nach den Charakter der Gemeinde – in der hehren

Absicht, die „reine Lehre“ zu schützen.

Bald waren Dienste, die bis dahin grundsätzlich

jeder Gläubige versehen konnte, den Priestern

vorbehalten, was zur Unterscheidung zwischen

Geistlichen und Laien führte und die

Position von Gemeindeleitern und Bischöfen

überhöhte: Menschliche Organisation und religiöse

Form traten an die Stelle des Wirkens des

Heiligen Geistes.

Origenes (185‒254)

Der Sohn christlicher Eltern in Alexandria erlebte

schon als kleines Kind das Wirken des Heiligen

Geistes. Sein Vater wurde wegen seines Glaubens

hingerichtet. Origenes’ ungewöhnliche Befähigung

als Lehrer brachte den „Laien“ bald zu

Ansehen, auch Bischöfe folgten seiner Schriftauslegung.

Das erzürnte den Bischof von Alexandria

so sehr, dass er ihn mit dem Bann belegte.

Für Origenes war die Gemeinde die Versammlung

derer, die die Kraft des Evangeliums erfahren

haben; die einzelne Gemeinde vor Ort muss

nicht immer einer Meinung sein mit denen, die in

der „Kirche“ das Sagen haben.

Wo die „offizielle“

Geschichtsschreibung schweigt

Als die Kirche größer wurde, ermattete der erste

Eifer; die Gleichförmigkeit mit „der Welt“ nahm

zu, und die Organisation der „katholischen“ (allgemeinen,

Mainstream-)Kirchen, die sich durch

diese Bezeichnung von den „falschen“ abgrenzen

wollten, schritt fort.

Doch in ihr bildeten sich Kreise, die Reformen

anstrebten; einige Gemeinden trennten

sich, wollten zurück zu den ursprünglichen Lehren

und Praktiken. Auch hier gilt: Die „offizielle“

Geschichtsschreibung wird von den Siegern

besorgt, das Schrifttum der „Abweichler“ hingegen

unterdrückt; deshalb kennen wir im Wesentlichen

nur die Schriften, die gegen die Reformer

verfasst wurden. Man könnte daher irrtümlich

meinen, in den ersten drei Jahrhunderten habe es

eine einheitliche katholische Kirche gegeben.

Die Christen waren gute Untertanen; aber ihr

Glaube verbot ihnen, dem Kaiser oder den Götzenbildern

zu opfern. Damit versagten sie dem

Römischen Reich die geforderte Treuebezeugung,

und die Christen wurden auch deshalb

gehasst, weil sie sich von der Kultur des Götterkults

absonderten. Am Ende des 1. Jh. galt es als

gesetzeswidrig, Christ zu sein. Es kam zur systematischen

Verfolgung.

Konstantin der Große (270/288‒337)

Mit Konstantin wurde der langen und furchtbaren

Verfolgung ein jähes Ende gesetzt. Im Jahre 312

errang er die Macht, zog in Rom ein und erließ

unverzüglich ein Edikt, das die Christenverfolgung

beendete. Konstantin, der die alte kaiserliche

Würde des Oberpriesters (Pontifex Maximus)

der heidnischen Religion beibehielt, machte sich

zum Schiedsrichter auch der christlichen Kirchen.

Kirche und Staat wurden eng verbunden,

und es dauerte nicht lange, da standen die Machtmittel

des Staates auch den Kirchenführern zur

Verfügung. So wurden die eben noch Verfolgten

bald selbst zu Verfolgern.

Fotos: © Wikipedia

Der Apostel Paulus betonte

die Freiheit vom jüdischen

Gesetz

Origenes: Als „Laie“

legte er den Bischöfen

die Bibel aus

Konstantin I. behielt als

Kaiser die Würde des

heidnischen Oberpriesters

„Pontifex Maximus“ bei

Tempel, um Kaiser wie

Götter zu verehren:

Hadrian-Tempel, Ephesus

Z für Zukunft

49


Historisch

Das Konzil von Nizäa. In der

Mitte Kaiser Konstantin I.,

er hatte die Kontrolle

Athanasius hielt das Zeugnis

von der Göttlichkeit

Jesu hoch

Fotos: © Wikipedia

Augustinus erklärt das

Sichtbare für böse und

nur das Geistige als

von Gott kommend

Das Mönchtum erwies sich

nicht als Lösung.

Es verweltlichte selbst

Priszillian löste in Spanien,

Portugal und Andalusien eine

Erneuerungsbewegung aus

Konzil von Nizäa (325)

Dieses Konzil wurde von Konstantin einberufen;

es ging um die Lehre des Arius, des Bischofs von

Alexandrien: Jesus Christus, der Sohn Gottes, sei

ein erschaffenes Wesen, mit Gott dem Vater nicht

wesensgleich. Das Nizänische Glaubensbekenntnis

hingegen zementierte die unbedingt göttliche

Natur des Sohnes und seine Gleichheit mit Gott

dem Vater.

Zwei Jahre nach dem Konzil rief Konstantin den

Arius aus dem Exil zurück; unter der Regierung

seines Sohnes wurden alle Bischofsstühle mit Arianern

besetzt. Die verfolgten nun die Katholiken,

wie diese zuvor die Arianer verfolgt hatten.

Athanasius (300‒373)

Er war Teilnehmer am Konzil zu Nizäa und wurde

später Bischof von Alexandria. Nahezu 50 Jahre

lang hielt er das Zeugnis von der göttlichen Natur

Jesu hoch. Er wurde verleumdet, vor Gerichte

geschleppt und mit dem Bann belegt, aber nichts

konnte ihn von seinem Standpunkt abbringen.

Der Arianismus hielt sich fast 300 Jahre als

Staatsreligion. Die unklare Einstellung zu Jesus

Christus, dem Sohn Gottes, könnte dem islamischen

Denken den Weg bereitet haben.

Augustinus (354‒430)

Seine Lehren, besser sein Irrtum, haben der folgenden

Zeit einen unauslöschlichen leidvollen

Stempel aufgedrückt. Unter anderem stellte er

fest, Heil gebe es allein durch die Sakramente

der Kirche; der Priester nehme das Heil aus den

Händen des Heilands und gebe es den Menschen.

Diese machtaffine Mittlerrolle schiebt sich zwischen

die Gläubigen und Christus, der gesagt hat:

„Kommt zu mir“ – von Priester, Kirche und Heiligen

als Mittler war da nicht die Rede.

Vor seiner Bekehrung war Augustinus Manichäer

gewesen; der Manichäismus 4 erklärt das Sichtbare

und Körperliche zum Werk böser Mächte, nur das

Geistige wurde als von Gott kommend gesehen.

Damit bekam Gottes Schöpfung ein „böses“ Image,

obwohl Gott über seine Schöpfung gesagt hatte,

dass sie „sehr gut“ war. 5 Die Konsequenz: Askese

und Leibfeindlichkeit; das verstellte den unmittelbaren

Weg zur Erlösung durch den Sohn Gottes.

Dass Jesus Christus, Gott, offenbart im Fleisch, zur

Sühnung für die Sünden der Welt Mensch geworden

ist, wurde dadurch verzerrt; das nährte auch den

Arianismus, der die Gottheit Christi leugnete.

Das Mönchtum

Der geistliche Niedergang der Kirche, ihr Abweichen

vom Vorbild des Neuen Testaments und

die zunehmende Verweltlichung und Duldung

von Sünde, all das rief bereits früh nach einer

Reformation der Kirche; die, die nach Heiligkeit

und nach Gemeinschaft mit Gott strebten, sahen

sich genötigt, sich aus der Welt zurückzuziehen.

Im 4. Jh. wurde der Eremit Antonios in Ägypten

bekannt; viele wollten es seiner Frömmigkeit

gleichtun und ließen sich in seiner Nähe nieder.

Anfang des 6. Jh. gab der Mönch Benedikt

in Italien andere Lebensregeln heraus – nicht

Askese war für ihn die Hauptsache, er betonte

religiöse Zeremonien und den Dienst am Nächsten.

So lernten im 7. und 8. Jh. die germanischen

Völker das Christentum kennen. Das Mönchtum

erwies sich aber nicht als die Lösung; es konnte

der Gemeinde Jesu nicht die nötige Stütze bieten,

hingegen verweltlichte es selbst.

Priszillian 350‒385

Der Spanier löste eine Erneuerungsbewegung aus,

die weite Teile Spaniens sowie Portugal und Andalusien

erfasste; sogar in Rom war sie spürbar. Priszillian

war wohlhabend und belesen; weder heidnische

Religionen noch das gängige Christentum zogen ihn

an, er befasste sich lieber mit Philosophie. Durch

das Lesen der Bibel kam er zum Glauben an Christus

und wählte ein Leben der Hinwendung zu Gott

und der Trennung von der Welt.

Als Laie predigte er eifrig, und besonders

die gebildeten Kreise hörten ihn in Scharen; so

wurde Priszillian zum Bischof von Ávila ernannt.

Bald bekam er die Feindschaft des Klerus zu spüren.

Die Anklage wegen Ketzerei hatte keinen

Erfolg; aber eine spätere wegen Zauberei und

Unsittlichkeit führte zur Verurteilung: Priszillian

und sechs andere wurden enthauptet.

50

Z für Zukunft


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52

Z für Zukunft


Historisch

Bedürfnisse wurden gedeckt von den Gläubigen,

denen sie das Wort verkündeten. Sie zogen immer

zu zweit, ein älterer und ein jüngerer Bruder. Ihre

Besuche waren sehr geschätzt, man brachte ihnen

große Ehrfurcht und Liebe entgegen. Zum Schutz

waren sie als Handelsleute unterwegs; meist trug

der Jüngere leichte Waren zum Verkauf mit sich –

Messer, Nadeln und ähnliches. Niemals baten sie

um etwas. Einige waren medizinisch ausgebildet

und wurden auch dafür sehr geschätzt.

Bewegungen am Ausgang

des Mittelalters (1300‒1500)

1302 erließ Papst Bonifatius VIII. eine Bulle, die

erklärte, dass jeder Mensch sich dem Papst unterwerfen

müsse, wolle er sein Seelenheil nicht verscherzen

(und überhaupt: In der Welt sei keine

von Gott gegebene Autorität, die sich nicht vom

Papst herleite). An der Spitze derer, die gegen

solcherlei Ansinnen Protest erhoben, stand Kaiser

Ludwig von Bayern.

Marsiglio von Padua

(1275/1290‒1342/1343)

Marsiglio hatte an der Pariser Universität studiert.

Der Politiker kritisierte 1324 die Beziehung

zwischen Staat und Kirche: „Es ist üblich geworden,

die Bezeichnung ‚Kirche‘ den Dienern der

Kirche beizulegen – Bischöfen, Priestern und Diakonen.

Dies steht im Widerspruch zu dem apostolischen

Gebrauch des Wortes, wonach die Kirche

die Versammlung ist oder die Gemeinschaft der

an Christus Gläubigen. Es ist nicht ein Versehen,

dass sich der unrichtige Gebrauch des Wortes

eingebürgert hat, sondern das geschah aus wohlüberlegten

Gründen, die für die Priesterschaft

große Bedeutung haben, für die Christenheit

dagegen verheerende Folgen.“

Johannes Tauler (um 1300‒1361)

In der Auseinandersetzung zwischen Kaiser Ludwig

von Bayern und dem Papst stellte sich der

Dominikaner-Pater Dr. Johannes Tauler kühn auf

die Seite des Kaisers. In seinen jungen Jahren in

Köln hatten die verbotenen Schriften des Meister

Eckhart großen Einfluss auf ihn ausgeübt.

1338 in Straßburg zogen Taulers Predigten

große Scharen an; sein Ruf drang auch in andere

Länder. Als zehn Jahre später die Pest Straßburg

verheerte, diente Tauler zusammen mit einem

Augustiner- und einem Karthäuser-Mönch der

leidenden Bevölkerung. In offenen Briefen rechtfertigten

die drei ihren Dienst an den unter dem

Bann stehenden Erkrankten damit, dass „Christus

für alle gestorben ist, deshalb kann der Papst

keinem den Weg des Heils verschließen, nur weil

sie seine Autorität bestreiten und ihrem rechtmäßigen

König die Treue halten“.

Er erklärte auch: „Die Geistlichkeit denkt zu

hoch von sich. Dabei handelt sie wie die Pharisäer

und bringt die ‚Gottesfreunde‘ um.“ Papst

Sixtus V. setzte 1590 Taulers Reden auf den Index

der verbotenen Schriften.

John Wyclif (1330‒1384)

In England herrschte unter dem Klerus eine ähnliche

Verderbtheit wie auf dem Festland. Ernstgesinnte,

die von einem besseren Weg sprachen,

erhielten den Spottnamen „Lollarden“ – Schwätzer.

Anfang des 15. Jh. waren die Lollarden so zahlreich

geworden, dass Heinrich IV., um die Kirche

gewogen zu stimmen, darauf den Feuertod setzte.

John Wyclif, Professor in Oxford, prangerte die

Verderbtheit der Kirche an. Er stand für die Rückkehr

zur Heiligen Schrift und in die Nachfolge

Christi. In seiner Abhandlung „Das Reich Gottes“

wies er nach, dass das Evangelium von Jesus

Christus die einzige Quelle echten Glaubens sei,

die Schrift allein sei wahr; alle Autorität stamme

von Gott und die, die Autorität ausübten, müssten

Fotos: © Wikipedia

„Der Weg von Wyclif“, 1377.

Wandgemälde von Ford

Madox Brown in der

Manchester Town Hall

Papst Bonifatius VIII. erließ:

Zum Seelenheil müsse sich

jeder dem Papst unterwerfen

Marsiglio von Padua kritisierte

die enge Beziehung zwischen

Staat und Kirche

Pater Dr. Johannes Tauler

stellte sich kühn auf die

Seite des Kaisers, gegen

den Papst

Z für Zukunft

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vor Gott Rechenschaft ablegen darüber, wie sie

die Macht ausgeübt haben, die er ihnen anvertraut

habe. Damit bestritt Wyclif die unumschränkte

Autorität von Papst und König, die damals niemand

zur Verantwortung ziehen konnte, und auch die

Notwendigkeit des priesterlichen Mittleramts. Kein

Wunder, dass er auf heftigen Widerstand stieß!

Seine Bibelübersetzung bewirkte einen

Umsturz im Denken der Engländer. Durch Traktate

und Wanderprediger wurde Wyclifs Einfluss

so stark, dass auch seine erbittertsten Gegner

nur eine Strafversetzung erwirken konnten. Wyclif

unterstrich die Autorität der Heiligen Schrift

als Quelle der Wahrheit: „Die Schrift nicht kennen

heißt, Ihn nicht kennen.“

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Ján Hus (1370‒1415)

Einer der ausländischen Studenten in Oxford,

die Wyclif hörten, war Hieronymus von Prag. Voll

Eifers für die Wahrheit, die er in England kennengelernt

hatte, kehrte er in seine Heimatstadt

zurück. Kühn lehrte er, die römische Kirche sei

von Christus abgewichen, und jeder, der das Heil

suche, müsse zu den Lehren des Evangeliums

zurückkehren. Diese Worte drangen auch in das

Herz von Ján Hus, Doktor der Theologie, Prediger

in Prag und Beichtvater der Königin von Böhmen.

Sein ernster Glaube und seine hervorragenden

Fähigkeiten, verbunden mit Beredsamkeit und

gutem Benehmen, wirkten stark unter dem Volk,

das durch die Waldenser schon vorbereitet war.

Er sprach und schrieb auf Tschechisch.

Die Rivalität zwischen Germanen und Slawen

in Böhmen gab der Bewegung ein politisches

Gesicht: der deutsche Teil hielt sich an Rom, der

tschechische an die Lehren Wyclifs. Der Papst

exkommunizierte Hus und ließ Wyclifs Schriften

öffentlich verbrennen; der böhmische König, die

Universität und die Mehrheit des Volkes hielten

zu Hus und seiner Lehre.

Konzil zu Konstanz (1414)

Dieses Konzil dauerte dreieinhalb Jahre und

brachte eine Unzahl von kirchlichen Würdenträgern,

Fürsten und Herrschern vieler Länder

sowie eine riesige Volksmenge zusammen. Die


Historisch

und sorglos“ mache: „Die meisten Menschen sind

gegen Lehren, die ihnen strenge sittliche Ordnung

zur Dämpfung ihrer natürlichen Begierden

auferlegen. Aber sie wünschen, als Christen

angesehen werden, und lauschen willig den

Heuchlern, die lehren, dass unsere Gerechtigkeit

allein darin besteht, dass Gott uns für gerecht

hält, auch wenn wir schlechte Menschen sind,

und dass unsere Gerechtigkeit außerhalb von

uns, nicht in uns liegt. Wehe denen, die verkündigen,

dass Menschen sündigen Wandels nicht als

fromm angesehen werden können – die meisten

werden wütend, wenn sie das hören. Am liebsten

hätten sie es, wenn solche Prediger verjagt oder

gar umgebracht würden.“

Dencks Ansichten wurden als furchtbare Irrlehre

abgestempelt, aber er konnte seine Überzeugung

so klar darstellen, dass den Gegnern die

Argumente ausgingen; deshalb wurde er 1525

aufgefordert, Nürnberg noch vor Nacht zu verlassen

und zehn Meilen Abstand zu halten.

Dencks Bekenntnis

Er habe bemerkt, dass sich etwas in ihm gegen

Sünde gewandt und das Verlangen nach Leben

und Seligkeit geweckt habe. Er habe bemerkt,

dass Glauben mehr sei als die bloße Annahme

dessen, was er gehört oder gelesen habe, und

gefunden, dass der Christus der Heiligen Schrift

dem entsprach, was von ihm in seinem eigenen

Herzen offenbart gewesen sei. Er habe festgestellt,

dass er die Schrift nicht durch bloßes äußeres

Lesen verstehen könne, sondern nur, wenn

der Heilige Geist sie seinem Herzen und Gewissen

offenbare.

Denck war einige Zeit in St. Gallen; dann fand

er eine Lehrerstelle in Augsburg. Dort herrschte

Streit zwischen Katholiken und Evangelischen,

dazu zwischen Lutheranern und Zwinglianern

– und ein allgemeiner, schon bedrohlicher Sittenverfall.

Denck empfand Mitleid und sammelte jene

um sich, die im Alltag Jesus nachfolgen wollten; in

Augsburg tat er damit, was er in St. Gallen genau

beobachtet hatte. Der Besuch des einstigen Theologieprofessors

Dr. Balthasar Hubmayr brachte ihn

zu dem Entschluss, sich taufen zu lassen und so

zum „Wiedertäufer“ zu werden; bis 1527 wuchs

deren Zahl in und um Augsburg auf über 1100 an.

Als Verfolgung entstand, besonders gegen

Denck, suchte dieser in Straßburg Zuflucht;

auch dort gab es viele getaufte Gläubige. Wenige

Wochen nach seiner Ankunft musste Denck wieder

den Wanderstab nehmen. In Worms, wo er

eine große Gemeinschaft von Wiedertäufern vorfand,

hielt er sich einige Zeit auf und ließ 1527,

Jahre vor der ersten Lutherbibel, eine Übersetzung

der Propheten drucken – in 3 Jahren erlebte

dieses Werk 13 Auflagen! Angesichts der zunehmenden

Verfolgung hätten manche Täufer gerne

zu den Waffen gegriffen; Denck trat dagegen auf.

Wiedertäufer auf dem Scheiterhaufen

Dr. Hubmayr, der Denck getauft hatte, ging

danach nach Nikolsburg in Mähren, und in kurzer

Zeit ließen sich dort etwa 6000 Leute taufen;

die Zahl der getauften Gemeindeglieder stieg auf

über 15 000.

1527 zwang König Ferdinand die Behörden,

Hubmayr auszuliefern. Einige Monate nach seiner

Ankunft in Wien wurde er zum Scheiterhaufen

geführt. Mit lauter Stimme betete er: „O

mein gnädiger Gott, gib mir Ausharren in meinem

Martyrium! O mein Vater, ich danke dir, dass du

mich heute aus diesem Jammertal hinwegnehmen

willst! O Lamm, Lamm, das die Sünde der Welt

wegnimmt! O mein Gott, in deine Hände befehle

ich meinen Geist!“ Aus den Flammen hörte man

Öffentliche Hinrichtung

von Wiedertäufern in

Münster 1563

Fotos: © Wikipedia

Dr. Balthasar Hubmayr

brachte Hans Denck dazu,

sich taufen zu lassen

Die Lamberti-Körbe zieren

heute noch den Kirchturm

St. Lamberti in Münster.

In ihnen wurden 1536

die Leichname von drei

hingerichteten Anführern

der Wiedertäufer zur Schau

gestellt, nachdem sie vor der

Kirche öffentlich gefoltert

und getötet worden waren

Foto: © Wikipedia, Rüdiger Wölk

Z für Zukunft

61


Historisch

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ihn laut „Jesus, Jesus!“ rufen. Drei Tage später

wurde seine Frau in der Donau ertränkt.

In dieser Zeit starb auch Hans Denck, noch

nicht dreißigjährig. Die vielen Wanderungen und

Entbehrungen hatten seine Gesundheit gebrochen;

bei einem Freund in Basel, dem Reformator

Hüßgen (Oekolampadius), fand er einen sicheren

letzten Aufenthalt. Kurz vor seinem Tod schrieb

Denck: „Was mich so bedrückt: dass mein Streben

so wenig Frucht gebracht hat. Gott weiß, dass mir

keine andere Frucht etwas gilt, als dass viele mit

einem Herzen und in einem Sinn den Vater unseres

Herrn Jesus Christus verherrlichen, ob sie

nun beschnitten sind oder getauft oder keines

von beiden. Ich denke ganz anders als jene, die

das Königreich Gottes zu sehr an Zeremonien

oder die Elemente der Welt binden.“

1600 Jahre im Zeitraffer

Das war nur ein kleiner Einblick in die Zeit bis

Luther; dieser blutrote Faden ist bis heute nicht

abgerissen. – Wo stehen Sie? Heute werden

abweichende Standpunkte nicht mehr geahndet

durch Köpfen, Ertränken oder Verbrennen; man

hat subtilere Formen. Aber es gibt sie immer

noch, die bis in den Tod Getreuen, die wenn nötig

mit ihrem Leben den roten Faden fortsetzen bis

zur „Wiederherstellung aller Dinge“, die durch

den Apostel Petrus angekündigt ist. 10

Eine Rezension mit Auszügen aus „2000 Jahre Gemeinde Jesu

– eine spannende Kirchengeschichte besonderer Art“ von E.H.

Broadbent, CV Dillenburg, ISBN 978-3-86353-362-5 (redaktionell

bearbeitet).

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1 Edmund Hamer Broadbent (1861–1945) war Missionar und Autor.

Laut John Bjorlie war er ein gut aussehender englischer Gentleman wie

aus dem Bilderbuch; Broadbent fand Wege in Länder, wo andere nur

verschlossene Türen sahen. Er wurde im englischen Lancashire geboren

und arbeitete unter der Schirmherrschaft der Plymouth-Brüder-

Bewegung. Sein Buch „2000 Jahre Gemeinde Jesu“ ist eine Kirchengeschichte

besonderer Art – Päpste sind für ihn nur Randfiguren.

2 Apostelgeschichte 15,36.

3 Galater 2,16.

4 Der Manichäismus (so benannt nach seinem Gründer, dem Perser

Mani, 216–276/277) war eine stark vom Gedankengut der Gnosis

beeinflusste Religion in der Spätantike und im frühen Mittelalter.

Von seinen Anhängern verlangte Mani Askese und das Bemühen um

Reinheit als Voraussetzung für die angestrebte Erlösung.

5 1. Mose 1,31.

6 1. Timotheus 2,4.

7 Die Paulizianer waren christliche „Häretiker“ (ein denunzierender

Sammelbegriff für Christen, die von der offiziellen Lehre abwichen).

Sie traten auf im 7. Jh. im Einzugsbereich der byzantinisch-orthodoxen

sowie der armenisch-apostolischen Kirche. Die Paulizianer lehnten

religiösen Kult, Bilder- und Reliquienverehrung sowie kirchliche

Zeremonien und Hierarchien ab.

8 Die Bogomilen (slawisch: „Gottesfreunde“) waren eine asketisch

lebende Gemeinschaft mit einem dualistischen Lehrsystem. Der Name

der Bewegung ist möglicherweise auf einen bulgarischen Dorfpfarrer

namens Bogomil zurückzuführen („Gottlieb“), vielleicht auch auf den

Gebetsruf Bog milui – „Gott, erbarme dich!“ Die Bewegung der Bogomilen

breitete sich von Bulgarien her im Byzantinischen Kaiserreich aus

sowie in den anderen Balkanländern und in Russland. Dank regem

Austausch durch Kaufleute und Wanderprediger im 12. Jh. kamen sie

mit ähnlichen Gruppen in West- und Mitteleuropa in Kontakt.

9 Georg Burkhardt, später Spalatin (1484–1545), war Humanist, Theologe,

Reformator und Historiker. Er war Beichtvater des Kurfürsten

Friedrichs des Weisen und dessen vertrautester Diener, begleitete ihn

zu fast allen Reichstagen und vermittelte Friedrichs Beziehung zu

Martin Luther fast ausschließlich. Nach der Reichsacht gegen Luther

(Wormser Edikt 1521) veranlasste Georg Spalatin dessen Rettung vor

seinen Verfolgern auf die Wartburg.

10 Apostelgeschichte 3,21.

Man sollte etwas über

den Islam wissen, um sich

eine Meinung zu bilden.

Hier lernen Sie das Wichtigste

kompakt kennen. – Impulse,

wie wir als Christen Muslimen

begegnen können.

Aus dem Inhalt:

­ Islam in Deutschland?

­ Angst vor Islamisierung?

­ Multikulti führt zur

Katastrophe

­ Dekadenz des Westens ‒ Ursache

für die Ausbreitung des Islams?

­ Wunsch oder Wirklichkeit:

Toleranter Euro-Islam?

­ Keine Jungfrauen im Paradies

­ Deutschland – Erfinder des

politischen Dschihad?

­ Muslime träumen von Jesus

­ Frauen im Islam

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62

Z für Zukunft


Historisch

Luther und

„die Türken“

Bild: © Wikipedia

Nach 500 Jahren veraltet oder hochaktuell? Die Zeit Luthers –

der geschichtliche Hintergrund seiner Empfehlungen zu „den Türken“

Die Türken vor Wien

Zeitgenössisches Gemälde

von Frans Geffels, 1683

Will man Luthers Standpunkt zu

den Türken verstehen, sollte

man etwas über ihre Geschichte

wissen. Die Türken hatten

zunächst einen kleinen Staat

gegründet, und zwar in Anatolien in der heutigen

Türkei. 1 Im Jahr 551 armenischer Zeitrechnung,

um 1103 n. Chr., richteten sie unter der christlichen

Bevölkerung ein Blutbad an – sie überfielen

den Distrikt von Baghin in Armenia und plünderten

ihn. Von dort zogen sie in angrenzende Distrikte,

wo sie ebenfalls die Christen umbrachten.

Als die Türken später in den Ländern Syrien

und Palästina herrschten, überhäuften sie Christen,

die zum Beten nach Jerusalem kamen, mit

Beleidigungen, schlugen sie, raubten sie aus und

erhoben Kopfsteuer am Stadttor, auf Golgatha

und am Heiligen Grab. „Darüber hinaus zerbrachen

sie sich jedes Mal den Kopf, wenn sie eine

Karawane von Christen sahen, besonders solcher

aus Rom und den Ländern Italiens, wie sie diese

auf verschiedene Art und Weise umbringen könnten.“

2 1453 überwältigten osmanische Elitesoldaten

mit Kanonen nach zweimonatiger Belagerung

die Stadt Konstantinopel, was in einem schrecklichen

Blutbad mündete. Das tausend Jahre alte

europäische Römisch-Byzantinische Reich wurde

so vom Osmanischen Reich annektiert. Von da an

regierten die Türken von Konstantinopel aus, dem

heutigen Istanbul.

Zu Lebzeiten Luthers (1483–1546) hatte das

türkische Osmanenreich (1301–1921) also einen

Höhepunkt gewaltsamer Islamisierung andersgläubiger

Gebiete; bald konnte es seinen Einfluss

auf den größten Teil der islamischen Welt ausdehnen

und durch blutige Expansionskriege weit ins

christliche Europa eindringen. Das Reich, das im

Osten so große Erfolge errungen hatte, wollte

nun auch Mittel- und Westeuropa erobern.

Auch in dem auf Toleranz ausgerichteten Impulspapier

der EKD-„Konferenz für Islamfragen“ zum

500. Jahrestag mit dem Titel „Reformation und

Islam“ 3 heißt es: „Zur Zeit Luthers sah Europa

sich militärisch und politisch vom expandierenden

Osmanischen Reich bedrängt. Konstantinopel

war 1453 gefallen. Seither waren‚ die Türken‘, wie

Mit einem

schrecklichen

Blutbad wurde

1453 die Stadt

Konstantinopel

von den

Osmanen

eingenommen;

das war das

Ende des

Römisch-

Byzantinischen

Reiches

Z für Zukunft

63


Historisch

Bild: © Wikipedia

Luther

kritisiert den

fleischlichen

Charakter der

Seligkeit der

Muslime im

Paradies

Persische Miniaturmalerei

aus dem 16. Jahrhundert:

Mohammed im Himmel

man zur Zeit der Reformation meist sagte, auf dem

Vormarsch nach Nordwesten. Man nahm sie wahr

als die Anderen und Fremden, als die bedrohliche

Macht aus dem Südosten. […] Die Muslime nannte

man vor allem ‚Türken‘, ‚Sarazenen‘ … oder schlicht

‚Heiden‘. ‚Türckischer Glaub‘, das hieß seinerzeit

vor allem anderen: ‚Türkengefahr‘. Der osmanische

Sultan Suleiman hatte im Jahr 1521 Belgrad erobert,

1526 fiel das ungarische Mohács.“

Als 1529 „die Türken“ vor Wien standen und

dessen Bürger in größter Lebensgefahr waren,

arbeitete Luther an den Hauptschriften „widder

den Tuercken“. Würde auch Wien bald fallen?

Würden „die Türken“ dann ganz Mitteleuropa

grausam erobern?

Luther und „die Türken“:

12 Empfehlungen an Christen

Die „Heerpredigt widder den Tuercken“ 4 empfiehlt

allen Christen dringlichst, [1.] das Vaterunser,

[2.] die Zehn Gebote und [3.] das evangelische

Glaubensbekenntnis auswendig zu lernen

und im Alltag immer wieder leise aufzusagen,

insbesondere „wo du etwa wirst ein Turckisch

ergernis sehen odder anfechtung haben“. Der

wichtigste Glaubensartikel lautet nach Luther:

„[Ich glaube] an Jhesum Christ seinen [Gottes]

einigen Son unsern Herrn, der empfangen ist

vom heiligen geist, geborn von der iungfrawen

Maria, gelitten hat unter Pontio Pilato, gecreutzigt,

gestorben und begraben, Nidder gefaren

zur hellen, Am dritten tag aufferstanden von den

todten, auffgefaren gen hymel, sitzend zur rechten

Gottes des allmechtigen Vaters, von dannen

er komen wird zu richten die lebendigen und die

todten. [...] Denn an dem artickel ligt dein leben

und seligkeit.“ 5 Damit der „gemeine Mann“ und

seine Kinder [4.] wissen und verstehen, was es

heißt, ein Christ zu sein, schrieb Luther in diesem

Jahr den Kleinen Katechismus.

Laut Luther war der Islam „Gottes Rute“ für

eine von Gott abgefallene, „verlotterte“ Christenheit.

Gott wolle durch „des Teufels Diener“, der als

Gericht auf die Christen losgelassen sei, vor allem

die Papstkirche strafen, die sich dem rechten

Evangelium verweigere. Deshalb lehnte er einen

Kreuzzug gegen die durch eigene Sünde verursachte

Invasion der Türken ab. Vielmehr sei es

Aufgabe der Christen, „… [5.] Buße zu tun, [6.] zu

beten und [7.] sich auf das wahre Evangelium zu

besinnen“ – nur so könne der Türkengefahr begegnet

werden. Für einen [8.] militärischen Überlebens-

und Abwehrkampf ohne Gebietserweiterung

schreibt er aber später – vor dem Hintergrund

möglicher eigener Vernichtung –, der christliche

Soldat sollte, sofern ihn die „Obrigkeit“ rufe, als

Verteidiger gegen den todbringenden Eindringling

„die Faust regen und getrost dreinschlagen,

morden, rauben und Schaden tun, so viel sie

immer vermögen“. 6 „Denn er [der Tuercke] streit

nicht aus not odder sein land ym fride zu schutzen,

als ein ordenlich Obirkeit thut, sondern er suecht

ander land zu rauben und zubeschedigen, die yhm

doch nichts thun odder gethan haben, wie ein

meer reuber odder strassen reuber.“ 7

Im Frühjahr 1542 las Luther einen lateinischen

Koran und beschloss [9a.], ihn ins Deutsche zu

übersetzen, „Das doch bey uns deudschen auch

erkand werde, wie ein schendlicher Glaube des

Mahmets Glaube ist, Da mit wir gesterckt werden

in unserm Christlichen Glauben“. 8 Die Übersetzung

seines Freundes Bibliander durfte aber

nicht gedruckt werden, denn die Baseler Stadtväter

fürchteten mögliche Verführung durch den

Koran. Erst nachdem Luther dazu ein [9b.] Vorwort

mit Widerlegungen des Korans geschrieben

hatte, durfte das Werk erscheinen. Zudem editierte

Luther [10.] die „Widerlegung des Koran“

des Ricoldus (um 1243–1320) und übertrug sie

64

Z für Zukunft


Historisch

ins Deutsche. „Im Koran möge vieles nach christlicher

Lehre klingen, aber es fehle alles, was wichtig

sei, oder es werde grotesk verzerrt: die Lehre von

Christus, dem Sohn Gottes, von der Trinität, von

der Sünde, vom Kreuz, von der Auferstehung, von

der Vergebung allein aus Gnade.“ 9 Markant ist das

Fehlen von Beglaubigungswundern der Sendung

des Propheten Muhammad und der fleischliche

Charakter der Seligkeit der Muslime im Paradies.

All das zeige, wie falsch die islamische Offenbarung

sei. Der Koran habe keine Bestätigung durch das

Alte und Neue Testament, in ihm seien wahre und

falsche Aussagen vermischt. 10 „Er sei ein ‚Moerdisch,

Tyrannisch und wuetig‘ Gesetz, das ‚nicht

Gottes Gesetz sein kann […], Denn es ist kurtz zu

reden ein Gesetz des todes und wuetens‘.“ 11

Luthers Brief nach Basel zeigt, dass einige Elemente

im Islam ihn beeindruckten: der strenge

Monotheismus, das Leben ihrer „‚Priester‘, ohne

Wein und Saufen und Fressen, die Disziplin und

Stille des Gebets, samt Geschlechtertrennung

[und] ordentlicher Kleidung der Frauen.“ 12 Doch

das, so Luther, sei alles nur [11] „äußerlich, ein

Blendwerk, vor dessen Wirkung sich der Christ in

Acht zu nehmen habe. In der Sache und im Kern

sei der Islam falsch, die ‚Türken‘ ehrten ‚den teuffel

an Gottes stat‘.“ 13

Luther hatte in seinen jungen Jahren noch die

Hoffnung gehabt, einige [12] Türken zum christlichen,

evangelischen Glauben zu bringen, was er

später aufgab, „denn sie sind ‚so hart verstockt,

dass sie fast alle unsere Glaubensartikel spotten

und höhnisch verlachen‘.“ 14

Wenn Luther heute „die Türken“

beobachten würde …

… er hätte hunderttausende Muslime über die Türkei

nach Europa und vor allem nach Deutschland

strömen sehen. Von den USA angeführte Kriege

in aller Welt, mangelhafte Hilfe in kriegsnahen

Flüchtlingslagern, die Weigerung reicher muslimischer

Golfländer, Flüchtlinge aufzunehmen, der

Wunsch vieler Menschen nach hohem Komfort,

Lockrufe der deutschen Regierung und krimineller

Schlepperbanden ins verheißene Paradies, Aufrufe

des „Islamischen Staates“ zum totalen Krieg

in Europa 15 – all das verfehlt seine Wirkung nicht.

Mehr Islam in Europa sowie Entvölkerung und

verstärkte Verelendung der Herkunftsregionen

sind die Folge.

Luther wäre entsetzt, dass gerade Deutschland

und die EU dem islamistischen, Völkermord leugnenden,

Kurden unterdrückenden, Folter begünstigenden,

die Meinungsfreiheit mit Füßen tretenden

Präsidenten und Neu-Sultan Recep Tayyip Erdoğan

eine neue Schlüsselrolle und Macht geben. Gewaltige

Geldsummen (6000 x 1 Mio. Euro) sollen fließen,

wenn die Türkei vorübergehend Notunterbringung,

Auswahl und Zuordnung von Menschenströmen

nach Deutschland und Europa übernimmt – wohlgemerkt:

ohne wirkliche Nachweispflicht aufseiten

der Türkei. Türkische Politik wird so die Entwicklung

deutscher Regionen mitbestimmen.

Würde Luther verstehen, dass die Ditib, der

deutsche Arm des türkischen Religionsministeriums,

seine Imame als bezahlte türkische Staatsbeamte

in knapp tausend deutsche Moscheen

sendet? 16 Das Religionsministerium hat in Ankara

mehr Mitarbeiter als das dortige Innen- und das

Außenministerium. Es bringt türkische Politik in

deutsche Moscheen und fordert Islamunterricht

in Deutschland, um auch in den Schulen Einfluss

zu bekommen. Manche Bundesländer wollen

Staatsverträge schließen!

Wie schon Luther bekannt, sind Nationalgefühl

und Nationalismus im Türkischen eng verknüpft

mit der islamischen Identität. 17 Regierungschef

Recep Tayyip Erdoğan zitierte in einer politischen

Rede – damals noch als Oberbürgermeister von

Istanbul – 1997 in der Stadt Siirt: „Die Moscheen

sind unsere Baracken, die Minarette unsere Bajonette,

die Kuppeln unsere Helme, die Gläubigen

unsere Soldaten.“ Diese im Balkankrieg 1913

veröffentlichten gotteskriegerischen Verse aus

dem Gedicht „Asker Duasi“ (Gebet eines Soldaten)

stammen von Ziya Gökalp (1876–1924),

dem Chefideologen der Partei „Einheit und Fortschritt“,

die den Völkermord an den Armeniern,

aramäischsprachigen Christen und kleinasiatischen

Griechen auf dem Gewissen hat, eben den

Völkermord, den Erdoğan bis heute leugnet und

Fotos: © Wikipedia

Für Luther war der Koran ein

„Moerdisch, Tyrannisch und

wuetig“ Gesetz, das nicht

Gottes Gesetz sein kann

Regierungschef Recep Tayyip

Erdoğan ist bekannt für

markige Sprüche

Völkermord an Albanern.

Offizielles russisches Foto,

herausgeber von Droschks

unter Kommandant Bikoff

Einige Elemente

im Islam beeindruckten

Luther

aber auch: Das

Leben ihrer

‚Priester‘, ohne

Wein und Saufen

und Fressen. Im

Gegensatz zu seinen

Kollegen

Z für Zukunft

65


Historisch

Wir sind herausgefordert,

auch

entgegen dem

Mainstream, für

verfolgte Christen

in der muslimischen

Welt und

im eigenen Land

öffentlich

einzutreten

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in Deutschland und den missionarischen Auftrag

für alle muslimischen Völker bis an die Enden der

Erde! In den letzten 25 Jahren haben sich mehr

Muslime dafür entschieden, Jesus nachzufolgen,

als in den gesamten 14 Jahrhunderten davor.

[13.] Der prophetische Auftrag verlangt öffentliches

Eintreten, auch entgegen dem Mainstream:

für verfolgte Christen in der muslimischen Welt

und dem eigenen Land, das Warnen vor Wegen,

die in unserem Land den Frieden, freie Religionsausübung

und freien Religionswechsel zunehmend

gefährden, das Aufzeigen realer Gefahren und ihrer

Ursachen in Islam, Islamisierung, Terrorismus und

muslimischen Großreichen wie dem Osmanischen.

[14.] Der uns anbefohlene Hirtendienst samt

Diakonie öffnet die Türen zur Hilfestellung für

alle notleidenden, kranken, verführten oder armen

Menschen. Er betrifft natürlich auch die neuen Einwanderer.

Der soziale christliche Liebesdienst verbunden

mit dem Wort Gottes ist gleichzeitig Ausdruck

von Barmherzigkeit und Retterliebe. Möge

noch vielen Muslimen nach dem Maß unserer Kraft

geholfen werden zur Rettung für ihre Seelen und

zum Aufbau ihres Lebens nach dem Willen Gottes.

Martin Luther hat uns „zu den Türken“

noch heute sehr viel Wichtiges zu

sagen. Seinem Konzept sind

Die »Z-Trilogie«

Drei Doppelnummern

im Schuber, über 400 Seiten,

Best.-Nr: 453.104.018

nur ¤ 19,95

Doppelausgaben:

► Alles über den Islam

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Meinungsbildung

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neben den genannten Korrekturen vor allem

Evangelisation, Mission und Liebesdienste hinzuzufügen.

Eine Reformation heute kann alle 14

Elemente in das Glaubens- und Gemeindeleben

integrieren. Packen wir es an!

(redaktionell bearbeitet, Hervorhebungen hinzugefügt)

1 Maurer, Andreas. Basiswissen Islam, „Das Osmanenreich“. Holzgerlingen:

SCM Hänssler 2008, S. 40–41.

2 Yeór, Bat. Der Niedergang des orientalischen Christentums unter

dem Islam. Gräfelfing: Resch, 2. Auflage 2005, S. 316.

3 Geschäftsführender Ausschuss der Konferenz für Islamfragen der

EKD. Impulspapier Reformation und Islam 2015, S. 7, 11.

4 Ebenda, S. 12.

5 Ebenda.

6 Ihle, Marc P. „Luthers Türkenschriften“, http://www.blauenarzisse.de

(Stand 25.10.2016).

7 Impulspapier, S. 13.

8 Ebenda.

9 Ebenda, S. 15.

10 Paulus, Christiane. Islam und Reformation – Martin Luther im muslimischen

Diskurs. Herausgeber © Museum der Weltkulturen, Frankfurt

a. M. 2008.

11 Impulspapier, S. 15.

12 Ebenda, S. 14.

13 Ebenda.

14 Paulus, 2008.

15 Diehl, Jörg, in „Spiegel Online“: „Sicherheitslage – Zahl der Hinweise

auf mutmaßliche Terroristen unter Flüchtlingen steigt“ (10.02.2016).

Flückiger, Jan, in der NZZ: „Internationaler Terrorismus – Der IS nutzt

Flüchtlingsströme gezielt“ (05.08.2016).

16 Dittrich, Monika; Pick, Ulrich, im Deutschlandfunk: „Die Kritik an

Ditib ist berechtigt“ (04.08.2016).

17 Internationale Gesellschaft für Menschenrechte. Wer in der Türkei

Christ ist, zahlt einen Preis dafür – Auf dem Weg nach Europa: Eine

Schlussfolgerung. IGFM 2007.

18 Hermann, Rainer, in der FAZ: „Istanbul – Brooklyn Bridge über den

Bosporus“ (26.08.2016).

19 Bernath, Markus, in „Der Tagesspiegel“: „Erdogan und die zweite

Eroberung Konstantinopels“ (03.07.2016).

20 Yücel, Denis, in „Die Welt“: „Erdogan schwärmt von der Eroberung

Jerusalems“ (16.10.2015).

21 „Global Fire Power – Countries Ranked by Military Strength“

(17.08.2017).

22 Yücel, Denis, in „Die Welt“: „Erdogan – der Kalif, der aus der Volksneurose

kam“ (03.04.2016).

23 kgp in „Der Stern“: „Nach dem Putsch – Menschenrechtler: Ankara

gibt ‚Blankoscheck‘ für Folter“ (26.10.2016).

24 Josua 1,9.

25 Epheser 6,10–12.

26 1. Timotheus 2,2.

Z 17/18 »Postfaktisch«

Wie ist das mit der Wahrheit, wo kommen Fakten her?

Diese »Z« lässt hier ein Licht aufgehen!

• Was macht Globalisierung mit uns? •

Ernten wir, was wir einst gesät? • Lüge

regiert die Welt • Attraktive Geisterbeschwörer

– lächerliche Christen?

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68

Z für Zukunft


Historisch

Kommen Reformatoren

in den Himmel?

Bild: © Wikipedia, Genter Altar

In einer Trilogie beschreibt Rick Joyner prophetische Visionen, die ihn mit dem Geschehen

im himmlischen Bereich in Berührung gebracht haben. Dabei begegneten ihm

bedeutende Persönlichkeiten der Kirchengeschichte, darunter auch ein Reformator.

Erstaunlicherweise befand sich dieser im äußersten Bereich, bei den „Geringsten“.

Was ist von solchen Visionen

zu halten? Sind das Träume,

Ergebnis blühender Fantasie?

Rick Joyner antwortet auf die

Frage, wie er diese empfangen

hat: „Da Gott immer noch derselbe ist, spricht er

zu Menschen auch heute wie in biblischen Zeiten.

Das können wir die ganze Kirchengeschichte hindurch

verfolgen. Am Ende eines Zeitabschnittes

verdichtet sich die Intensität von Visionen und

Prophetien, wie Petrus in seiner Pfingstpredigt

erklärt. Ganz offensichtlich nähern wir uns dem

Ende eines Zeitalters.“

Es gibt viele Ebenen prophetischer Erfahrungen:

bildhafte Eindrücke, bewusste Wahrnehmung

der Gegenwart Gottes, Visionen und

Träume. Die Visionen, die Rick Joyner hier

beschreibt, begannen mit einem Traum. „Aber

ich blieb immer handlungsfähig und nahm meine

Umgebung bewusst wahr. Ich konnte zum Beispiel

Anrufe entgegennehmen. Wurde eine Vision

dadurch unterbrochen, konnte ich sie danach

genau an dem Punkt fortsetzen, wo sie aufgehört

hatte. Dabei machte ich Erfahrungen, die

ich als eine starke Form der Gabe der Unterscheidung

und des Wortes der Erkenntnis bezeichnen

möchte“, erklärt Rick Joyner.

Foto: © Morningstar Ministries

Z für Zukunft

69


Historisch

Zwischen sieben Leuchtern

steht eine Gestalt mit langem

Gewand, feurigen Augen, sieben

Sternen in der Rechten und

einem Schwert aus dem Mund

Holzschnitt zur Offenbarung

in der „Biblia“ 1545

Solche

Prophetien

werden gegeben,

um Gottes

Strategien zu

erkennen,

aber auch, um

Aussagen der

Bibel klarer zu

beleuchten

Rick Joyner,

„Der letzte Aufbruch“

Buch bestellen

Er betont ausdrücklich:

„Ich glaube nicht, dass

irgend eine Form prophetischer

Offenbarung dazu

dienen soll, daraus eine

Theologie zu entwickeln.

Dafür haben wir die Heilige

Schrift. Solche Prophetien

werden gegeben, um eine

gegenwärtige oder zukünftige

Strategie Gottes zu erkennen, aber auch, um

Aussagen der Bibel klarer zu beleuchten.“

Ein kurzer Einblick

in diese Vison:

Bei den „törichten Jungfrauen“

Bald mündete der Weg in eine Halle, die so groß

war, dass ich dachte, auf der ganzen Erde sei kein

Platz für sie. Ihre Schönheit war mit Begriffen

menschlicher Architektur nicht zu erfassen. Sie

übertraf alles, was ich je erlebt hatte. Am anderen

Ende war die Quelle der Herrlichkeit, die alles in

diesem Raum überstrahlte: der Richterstuhl Christi,

Ursprung größter Geborgenheit und zugleich

Quelle einer tieferen, aber reineren Furcht.

Ich bemerkte, dass meine Gedanken hier

bedauerlicherweise genauso dumm waren wie auf

der Erde – nur: Hier konnte jeder sie lesen! Einer

antwortete auf meine Gedanken: „Unser Verstand

ist nicht mehr länger von Sünde getrübt, deshalb

sind wir fähig, ein Vielfaches von dem zu begreifen,

was selbst der größte Denker auf Erden nicht

ergründen kann. Unsere Fähigkeit, zu verstehen,

wird die ganze Ewigkeit hindurch zunehmen. Auf

der Erde kannst du nicht ansatzweise verstehen,

was der Geringste hier weiß – und wir sind die

Geringsten von allen hier!“

„Wie könnt ihr die Geringsten sein? Bei dieser

Herrlichkeit?“, fragte ich ungläubig.

„Der Lohn für unser irdisches Leben ist unsere

Stellung, die wir hier für immer einnehmen. Wir

hier sind diejenigen, die Jesus als die ‚törichten

Jungfrauen‘ bezeichnete. Wir haben zwar das

Kreuz als das Mittel unserer Erlösung gewählt,

aber nicht für Christus gelebt, sondern für uns

selbst. Es gibt keine größere Torheit, als die Erlösung

Gottes zu kennen und doch weiter für sich

selbst zu leben.“

Ich fing an, über all die Zeit nachzudenken,

die ich in meinem Leben vergeudet hatte. Das

überwältigte mich. Bestimmte Dinge des Lebens

zogen an mir vorüber, und ich empfand schrecklichen

Schmerz über verschiedene Sünden. „Auch

ich gehöre zu diesen törichten Jungfrauen“,

dachte ich.

Ich erkannte einige, die als die größten geistlichen

Leiter ihrer Zeit gelten; sie waren hier unter

den „törichten Jungfrauen“.

Zerstörerischer Stolz

Ein Mann sprach mich an, den ich immer für den

größten geistlichen Leiter aller Zeiten gehalten

hatte: „Gegen Ende seines Lebens sagte der

Apostel Paulus, dass er der Geringste aller Heiligen

sei. Kurz vor seinem Tod nannte er sich sogar

den Größten aller Sünder. Hätte er das nicht während

seines Lebens auf der Erde gelernt, wäre

auch er in Gefahr gewesen, im Himmel einer

der geringsten Heiligen zu sein. Aber weil er es

gelernt hat, kann er Christus nun ganz nahe sein

und in Ewigkeit einen der höchsten Ränge im

Himmel einnehmen.“

Diesen Mann unter den törichten Jungfrauen

zu sehen, war eine große Überraschung für mich.

„Warum sind Sie hier?“

„Ich bin hier, weil ich einen der schwersten

Fehler begangen habe, den man begehen kann,

wenn einem das herrliche Evangelium anvertraut

ist. Der Apostel Paulus hielt sich zuerst den großen

Aposteln gegenüber für gleichrangig; am

Ende aber hielt er sich für einen der größten Sünder.

Ich habe es umgekehrt gemacht: Ich fing an

in dem Bewusstsein, einer der größten Sünder zu

sein, der Gnade gefunden hat, hielt mich aber am

Ende für einen der größten Apostel. Aus großem

Stolz, nicht aus Unsicherheit, fing ich an jeden

anzugreifen, der etwas anders sah als ich.

Denen, die mir folgten, raubte ich ihre Berufung,

ja sogar ihre Persönlichkeit, und setzte sie

unter Druck, so zu werden wie ich. Niemanden

ließ ich ihn selber sein. Niemand wagte, mich zu

hinterfragen, denn ich hätte ihn zermalmt. Ich

dachte, ich könnte mich größer machen, indem

70

Z für Zukunft


Historisch

ich andere erniedrige. Von außen sah mein Dienst

aus wie eine perfekt funktionierende Maschine;

aber es war eine Zuchthaus-Ordnung: Ich machte

aus den Kindern des Herrn Roboter, sie wurden

zu meinem Ebenbild anstatt zu seinem.

Am Ende dienten sie nicht mehr dem Herrn,

sondern dem Götzen, den ich aus mir gemacht

hatte. Am Ende meines Lebens war ich in Wirklichkeit

ein Feind des Evangeliums, wenn auch meine

Lehren und Schriften unanfechtbar schienen.“

„Wenn Sie ein Feind des wahren Evangeliums

geworden sind, warum sind Sie dann trotzdem

hier?“, wollte ich wissen.

„Es war Gottes Gnade, dass ich dem Kreuz vertraute,

wenn es um meine eigene Errettung ging.

Andere hielt ich davon ab, indem ich sie zu mir

selbst und nicht zu ihm führte. Aber auch da ist

der Herr treu, selbst wenn wir untreu werden. Es

war seine Gnade, dass er mich früher als geplant

von der Erde nahm, damit die Menschen unter

mir zu ihm finden und ihn erkennen konnten!“

„Bei Gott sieht Geschichte

ganz anders aus“

Das von diesem Mann zu hören, erschütterte

mich zutiefst; die Geschichte hat uns ein ganz

anderes Bild von ihm vermittelt!

Er konnte lesen, was in meinem Herzen vor

sich ging: „Bei Gott sieht Geschichte ganz anders

aus. Irdische Geschichte wird vergehen, aber die

Bücher, die hier geschrieben werden, bleiben für

immer. Wenn du dich darüber freuen kannst, was

der Himmel über dein Leben berichtet, dann bist

du wirklich gesegnet.

Menschen sehen wie durch ein dunkles Glas,

immer verzerrt, und manchmal sogar völlig falsch.“

„Kann ich, wieder auf der Erde, die Geschichte

richtig beurteilen, weil ich hier war?“

„Du bist hier, weil du gebetet hast, dass der

Herr dich richten und ohne Rücksicht zurechtweisen

möge, damit du ihm noch besser dienen

kannst. Das war eine deiner weisesten Bitten

überhaupt. Der Weise richtet sich selbst, damit

er nicht gerichtet wird. Die noch Weiseren bitten

um das Gericht des Herrn, denn sie erkennen,

dass nicht einmal sie selber sich recht beurteilen

können. Mir wurde

erlaubt, mit dir zu reden,

denn in einem gewissen

Sinne habe ich dich durch

meine Bücher unterrichtet“,

schloss der berühmte

Reformator.

„Nur mit einer

reinen Seele“

Eine Frau kam hinzu, ich kannte sie nicht. Ihre

Schönheit war atemberaubend, aber nicht auf

eine sinnliche Weise.

„Auf Erden war ich seine Frau; vieles, was du

über ihn weißt, stammt eigentlich von mir, deshalb

geht es nicht nur um ihn, sondern um uns beide. Du

kannst die Kirche reformieren, ohne deine eigene

Seele zu reformieren. Du kannst den Lauf der

Geschichte prägen und doch nicht den Willen des

Vaters tun, nicht seinen Sohn verherrlichen.“

Ich entgegnete: „Aber Ihr Werk hatte einen

starken und guten Einfluss auf die nachfolgenden

Generationen. Wie dunkel wäre die Welt, hätte es

Sie nicht gegeben!“

„Du kannst die ganze Welt gewinnen und doch

deine eigene Seele verlieren. Nur mit einer reinen

Seele kannst du die Welt prägen mit dem ewigen

Anliegen Gottes. Mein Mann hat seine Seele

an mich verloren; vieles, was er tat, tat er mehr

für mich als für den Herrn. Ich setzte ihn unter

Druck und vermittelte ihm sogar viele der Einsichten,

die er lehrte. Ich benutzte ihn als Fortsetzung

meines Egos, denn als Frau durfte ich

damals kein geistliches Amt ausüben. Ich nahm

sein Leben in meine Hand, damit ich mich durch

ihn ausleben konnte. Bald tat er alles, um mir

wohlgefällig zu sein.“

„Sie müssen sie sehr geliebt haben“, sagte ich

zu ihm.

„Nein. Ich habe sie überhaupt nicht geliebt,

und ich habe auch mich nicht geliebt. Nach einigen

Jahren Ehe konnten wir uns nicht einmal

mehr leiden. Aber wir brauchten einander und

so fanden wir einen Weg, miteinander zu arbeiten.

Unsere Ehe war ein Joch der Gebundenheit.

Je erfolgreicher wir wurden, umso unglücklicher

waren wir, und wir betrogen diejenigen, die uns

In der Mitte thront eine

Blitze aussendende, vom

Regenbogen und vier Tieren

umgebene Gestalt, die dem

„Lamm“ ein Buch übergibt

Holzschnitt zur Offenbarung

in der „Biblia“ 1545

„Du kannst

eine Kirche

reformieren,

ohne deine

eigene Seele

zu reformieren.

Du kannst

den Lauf der

Geschichte

prägen und doch

nicht den Willen

des Vaters tun“

Z für Zukunft

71


Historisch

Die vier Reiter: Der erste als Türke

mit dem Krummschwert, der

zweite als „Krieg und Blut“, der

dritte mit der Waage als „teure

Zeit und Hunger“ und der vierte

mit der Sense als „Pestilenz“ mit

dem Höllenrachen hinter ihm

Holzschnitt zur Offenbarung

in der „Biblia“ 1545

Wahre

Reformation

geschieht nur,

wenn man mit

seinem Erlöser

eins wird

folgten. Am Ende unseres

Lebens waren wir arme,

elende Narren.

Je größer der Einfluss,

den man sich selbst verschafft,

umso mehr muss

man kämpfen, um diesen

auch zu erhalten, und umso

dunkler und grausamer wird

das Leben. Könige fürchteten

uns, aber wir fürchteten jeden, vom König bis

zum Bauern. Wir konnten niemandem vertrauen,

wir trauten ja nicht einmal einander. Wenn man

die größten Wahrheiten predigt, selber aber nicht

danach lebt, dann ist man der größte Heuchler.“

Ich konnte sehen, dass mein Leben auch schon

in diese Richtung ging: Was tat ich nicht alles, um

mich groß zu machen anstatt Christus!

Ich betrachtete dieses Ehepaar. Sie legten um

meinetwillen ihre geheimsten Sünden offen und

freuten sich noch darüber.

Dann gab mir der berühmte Reformator eine

letzte Ermahnung mit auf meinen Weg:

„Reformation ist nicht nur eine Lehre“

„Versuche nicht, andere dazu zu bringen, das zu

tun, was du selber nicht tust. Reformation ist nicht

nur eine Lehre. Wahre Reformation geschieht nur,

wenn man mit seinem Erlöser eins wird.

Wenn du mit ihm an einem Strang ziehst und

die Lasten trägst, die er dir gibt, dann wird er auch

bei dir sein und sie für dich tragen. Du kannst sein

Werk nur tun, wenn du es mit ihm zusammen tust,

anstatt es für ihn zu tun.

Nur der Geist kann hervorbringen, was Geist

ist. Wenn du dich mit ihm zusammentust, wirst du

nichts mehr aus reiner Taktik unternehmen oder

um einen Platz in der Geschichte zu bekommen.

Wenn du nicht lebst, was du anderen predigst,

disqualifiziert du dich selber für Gottes hohe

Berufung, so wie wir es taten.

Alles, was du tust, um dich selbst groß zu

machen, wird dir eines Tages die schlimmste

Demütigung bringen. Alles, was du aus echter

Liebe zu dem Erlöser tust, alles, was du tust, um

seinen Namen zu verherrlichen, wird die Grenzen

seines ewigen Reiches erweitern und dir letztlich

einen höheren Platz einbringen. Kümmere dich

nicht darum, was man auf Erden sagt.“

Dann verabschiedeten sich die beiden mit

einer fröhlichen Umarmung. Ich allerdings fühlte

mich alles andere als fröhlich. Erneut wurde ich

von meinen eigenen Sünden überwältigt – die

Erinnerung an Situationen, in denen ich Menschen

ausgenützt hatte, um meinen Ehrgeiz zu

befriedigen, oder den Namen Jesu benutzte, um

mein Ansehen zu verbessern.

„Schau auf den Sohn!“, rief mir die Frau des

Reformators nach.

Gekürzte Auszüge aus: Rick Joyner, „Der letzte Aufbruch“, Schleife

Verlag, Winterthur 1998, 4. Aufl. 1999, S. 15; 16; 88; 90–92; 94;

97–104 (redaktionell bearbeitet, Hervorhebungen hinzugefügt).

Der Autor hat bewusst keine Namen genannt.

http://shop.agentur-pji.com/der-letzte-aufbruch.html

Über Einheit wird

viel geredet, aber was

das sein soll, darüber

gibt es Uneinheit

Nicht überall, wo „Einheit“ draufsteht, ist

auch Einheit drin. Aber was ist Einheit? Eines

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Wo ihm das nicht gelingt, erzeugt er die

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– Um Einheit jedenfalls nicht.

PETER ISCHKA

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das nicht gelingt, erzeugt er die schillernsten Imitationen.

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17

eigentlich gebetet? – Um Einheit jedenfalls nicht.

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ISBN 978-3-944764-14-6

W I E G E H T E I N H E I T

PETER ISCHKA

WIE GEHT

EINHEIT

Nicht überall, wo´s draufsteht, ist Einheit drin

72

Z für Zukunft


Historisch

Fotos: © Wikipedia

10 Schandflecke der Reformation

Martin Luther und seine „vier Soli“, wer kennt sie nicht: sola scriptura, sola fide, sola gratia, solus

Christus – allein die Bibel; allein durch Glauben; allein aus Gnade; allein Christus. Luther war eine

apostolische Figur, durch die viel Licht in eine von monopolisierter Religion verdunkelte Welt kam.

Wolfgang Simson

Sein Leben kann grob in zwei Phasen

dargestellt werden: Zu Beginn seiner

reformatorischen Arbeit war Luther

voller Glauben, Revolution und Hoffnung;

gegen Ende seines Lebens

wurde er bitter, verärgert und müde von den vielen

politischen und religiösen Winkelzügen. Es ist

nicht zu übersehen, dass seine Reformation entweder

nicht weit oder nicht tief genug ging; sie

blieb stecken.

„Die Kirche Luthers kämpft mit ungelösten

Herausforderungen“, sagt der Lutheraner Prof.

Gerhard Maier, ein früherer Bischof in Deutschland.

Es gab wenigstens zehn unvollendete oder

gar konträre Bereiche in Luthers Reformation.

Sie sind inzwischen, 500 Jahre danach, zu schwelenden

Krebsherden geworden, die alle betreffen,

die im Protestantismus ihre Wurzel haben.

Die zehn Übel in Luthers Reformation

1) Personenkult. Es liegt in der Natur des religiösen

Menschen, Führungspersonen zu glorifizieren,

ja zu vergöttern. Das geschah auch mit

Luther. (Auch wenn er das selber vielleicht nicht

wollte: „Zum Ersten bitte ich, man solle meines

Namens schweigen und sich nicht lutherisch, sondern

Christen heißen. Was ist Luther?“ – Aber es

geschah doch.)

Die Überhöhung Luthers mit all seinen Stärken

und Schwächen ist das Zentralübel des Protestantismus.

Der Freiraum für Personenkult lenkte

nicht nur von der Zentralität Christi ab, sondern

schuf Raum für ein Heer von Luther-Imitatoren

und Mega-Persönlichkeiten mit Guru-Status, die

sich am Jubel ihrer Anhänger laben.

Anfangs

war Luther

voller Glauben,

Revolution und

Hoffnung; gegen

Ende wurde er

bitter, verärgert

und müde von

den vielen

politischen und

religiösen

Winkelzügen

Z für Zukunft

73


Historisch

Das

Problem

mit der Ich-

Zentriertheit:

Wie entkomme

ich der Hölle?

Wie blühe ich

auf? Wie werde

ich erfolgreich?

Was springt für

mich dabei

heraus?

mit den Armen zu teilen, obwohl das in der frisch

übersetzten Bibel nun jeder lesen konnte. Luther

rief die Bauern zur Geduld und Diplomatie auf;

doch diese hatten bereits zu lange auf Veränderungen

gewartet und hatten das Stillhalten satt.

Manche pöbelten, polterten, einige mordeten.

Daraufhin wechselte Luther die Seiten und

erklärte die Bauern zu Feinden seiner Reformation.

In einer regelrecht dämonischen Schrift mit

dem Titel „Wider die räuberischen und mörderischen

Rotten der Bauern“ rief Luther dazu auf,

man solle die Bauern, die „Teufelswerk treiben“,

„zuschmeißen, würgen und stechen, heimlich

oder öffentlich, wer da kann, und gedenken, dass

nichts Giftigers, Schädlichers, Teuflischers sein

kann denn ein aufrührischer Mensch, gleich als

wenn man einen tollen Hund totschlagen muss“.

Damit gab er den Heeren der Adligen die theologische

Genehmigung für einen der blutigsten

Kriege der Geschichte, den Bauernkrieg (1524–

1526), in dem über hunderttausend Arme brutal

umgebracht wurden.

Wer diesen Krieg überlebte, wähnte sich

nicht nur vom Klerus, von Luther oder der

Bibel verlassen, sondern auch von Gott

selbst. In der Folge schworen viele aus der armen

Bevölkerung, nach außen hin jeder Religion zu

huldigen, die man ihnen aufdrängte – im Herzen

aber würden sie Heiden bleiben! Das ist einer der

Gründe, weshalb bis heute der Aberglaube und

heidnische Feste wie Fasnacht, Sonnenwenden

oder neuerdings Halloween die eigentliche Religion

des Volkes geblieben ist.

Das war ein traumatischer Moment für den

Protestantismus: Er verlor hier nicht nur seinen

ansatzweise revolutionären Geist, sondern vor

allem das Vertrauen der Armen. Der Protestantismus

wurde mehr und mehr zum Bewahrer der

alten Ordnung. Er erhebt als Kirche zwar ab und

an den moralischen Zeigefinger und macht halbherzige

(und in aller Regel folgenlose) Einwürfe,

nimmt aber weiterhin fleißig den Armen Kirchensteuern

oder „den Zehnten“ ab.

9) „Wie finde ich?“ Eine der großen Fragen

Luthers war: „Wie finde ich einen gnädigen Gott?“

Doch das blieb nicht die einzige Ich-Frage im Protestantismus.

Weitere folgten: Wie entkomme

ich der Hölle? Wie blühe ich auf? Wie werde ich

erfolgreich? Was springt für mich dabei heraus?

Bis heute hat der Protestantismus diese eingebaute

Ich-Zentriertheit nicht abgelegt. Wer eine

anthropozentrische Sicht (der Mensch steht im

Mittelpunkt) vertritt, hat es nicht leicht, zu einer

theozentrischen Sichtweise (Gott steht im Mittelpunkt)

zu finden. Und genau das ist einer der neuralgischen

Punkte: Denn in Wahrheit stehen nicht

der Mensch und „seine Kirchen“ im Mittelpunkt,

sondern Gott und sein Reich.

10) Billiger Protest. Protestieren war schon

immer billiger, als das alternative Modell zu leben.

Viele Protest-Gruppen haben eines gemeinsam:

Sie schießen sich ein auf die Verantwortlichen

in Politik, Kirche, Wirtschaft und Gesellschaft,

ohne dass sie bereit wären, selber dauerhaft Verantwortung

zu übernehmen. Der protestantische

Urschrei war: „Wir wollen die Kirche reformieren,

aber nicht die alternative Kirche sein.“

Heute flirtet der Protestantismus mit Rom

und gibt sich „ökumenisch“. Längst hat er seine

Motivation verloren, sich selbst – oder andere

– zu reformieren. Eine Reihe lutherischer Theologen

kommt zu der Einsicht, dass die evangelische

Kirche nichts anderes als eine religiöse Bürgerrechts-Bewegung

geworden ist, die sich die

sozialen und politischen Themen anderer auf die

Fahnen schreibt, weil sie ihren ureigenen protestantischen

Impuls (von einem prophetischen ganz

zu schweigen) längst verloren hat. Das Luthertum

reagiert nur noch, weil es die Fähigkeit verloren

hat, pro-aktiv zu sein.

Wolfgang Simson ist Autor und Innovatoren-Coach für Menschen

mit bahnbrechenden Erfindungen in allen Bereichen des

Lebens. Er ist auch der Verfasser des „Kingdom Manifests“, das als

Ergänzung zu diesem Artikel kostenlos abgerufen werden kann

auf: www.simsonmedia.com.

1 Römer 11,14.

2 Apostelgeschichte 2,44.45; 4,32–5,4.

76

Z für Zukunft


Historisch

Die Täufer – eine Provokation

Wie Reformatoren die Reformation blutig niederschlugen

Eine Reformation

des Glaubens

genügte ihnen nicht,

sie wollten eine

Reformation

des Lebens –

und zogen den

Tod vor

Verbrennung von Salzburger

Täufern 1528

Jan Luyken

Mitten in der Reformation, 1525,

lebten die Täufer ihren Glauben

gewaltfrei in einer Gesellschaft,

die sich im Umbruch befand.

Sie strebten nach einer Kirche,

die vom Staat unabhängig war, und trafen

sich in ihren Häusern oder im Freien. Sie tauften

nur Menschen, die sich bewusst für den Glauben

entschieden hatten. Auf dieses Vergehen stand im

16. Jahrhundert die Todesstrafe.

In kurzer Zeit entstanden überall im ganzen

deutschsprachigen Raum Täufer-Gemeinden.

Trotz mancher Auswüchse mit eindeutigen Irrwegen

und massiven Fehlern ist ihr Zeugnis für

das Christentum heute immer noch Vorbild und

Herausforderung.

Die etablierten Kirchen damals und die Landesfürsten,

die, sofern evangelisch, in ihrem

Gebiet ja Oberhaupt der „Landeskirche“ waren,

sahen in den Täufern jedoch eine Gefahr für die

öffentliche Ordnung: Sie wagten es, eine andere

Kirche aufzumachen, eine Kirche, zu der man

gehören konnte oder auch nicht! Die Fürsten

witterten Kontrollverlust – und mussten feststellen,

dass diese Menschen Gott mehr gehorchen

als den Menschen. Das war für die Obrigkeit

unerträglich! So wurden sie blutig verfolgt und

viele erlitten die „Feuertaufe“ – den Tod auf dem

Scheiterhaufen, sie wurden ertränkt oder gnädigerweise

nur geköpft.

So wurden in Mitteleuropa im Namen der Kirche

und der Obrigkeit Tausende von Christen enteignet,

ihrer Kinder beraubt und ermordet. Es

ist tief bewegend, wie die Täufer die Nachfolge

Jesu verstanden haben: Eine Reformation des

Glaubens genügte ihnen nicht, sie wollten eine

Reformation des Lebens. Das ist auch für uns

heute eine Herausforderung, wie damals, so auch

heute: eine Provokation im ursprünglichen Wortsinn

– es will etwas hervorrufen.

Z für Zukunft

77


Historisch

Ekklesiozid

mit Schwert, Scheiterhaufen und Galeere

Hinrichtung von Jan van

Leiden in Münster 1536;

Stich, Hermann von

Kerrsenbroick, 1771

An den

Verfolgungen

waren neben

den staatlichen

Behörden auch

die römischkatholische,

die

lutherische und

die reformierte

Geistlichkeit

beteiligt

Etwa 1000 namentlich erfasste Täufer

ließen im 16. und 17. Jahrhundert

aufgrund ihrer Glaubensüberzeugungen

ihr Leben. Davon sind etwa 800

Namen im mennonitischen Märtyrerspiegel

erfasst. Das Geschichtsbuch der Hutterischen

Brüder beschreibt auf rund 670 Seiten viele

Einzelschicksale täuferischer Märtyrer. Die Täuferforschung

geht davon aus, dass die dokumentierte

Zahl der Opfer mindestens verdoppelt werden muss;

aber auch das wird dem ganzen Ausmaß der Verfolgung

nicht gerecht: Täufer wurden ihres Besitzes

beraubt, des Landes verwiesen und in die Sklaverei

verkauft. An den Verfolgungen waren neben den

staatlichen Behörden auch die römisch-katholische

Kirche, die lutherische und die reformierte Geistlichkeit

beteiligt.

Besonders lang anhaltend war die Verfolgung

der Täufer in der Schweiz. Die reformierten Städte

Zürich und Bern verhängten noch im 17. Jahrhundert

die in den meisten Fällen tödlich endende

Galeerenstrafe. Die Stadt Bern richtete 1699 eine

besondere „Täuferkammer“ ein, die die Verfolgung

koordinieren und die Güter der geflohenen oder

vertriebenen Täufer verwalten sollte; es gab sogar

„Täuferjäger“! Allein 1709 sollen mit Hilfe der Täuferkammer

etwa 500 Personen aus der Schweiz

vertrieben worden sein. Nahezu 25 Prozent der

Hinrichtungen in protestantischen Gebieten des

Deutschen Reiches fanden in Kursachsen statt;

hier hatte sich bereits 1531 Philipp Melanchthon in

einem Gutachten für die Todesstrafe für aufrührerische

Täufer ausgesprochen. Auch in den Niederlanden

endeten viele Täufer auf dem Scheiterhaufen.

Im Erzbistum Salzburg wurde im April 1523

bekannt, dass sich in Salzburg neben Anhängern

Luthers auch Wiedertäufer befänden; als ihr

Anführer wurde Hans Hut vermutet (daher kommt

die Bezeichnung „Hutterer“). Man spürte eine Versammlung

von 32 Täufern auf; von ihnen wurden

drei verbrannt, fünf durch das Schwert hingerichtet,

eine Frau und ein sechzehnjähriges Mädchen

wurden ertränkt. Vier Tage später wurden wieder

vier Täufer zum Scheiterhaufen geführt, vier

Widerrufende enthauptet und fünf mitsamt dem

Versammlungshaus verbrannt. Die überlebenden

Täufer gingen nach Tirol.

Im Weinviertel wurden 1538 in den Verliesen

der Burg Falkenstein zahlreiche aus Mähren vertriebene

Täufer inhaftiert. Die Frauen und Kinder

wurden bald wieder freigelassen, die Männer

kamen in Triest auf habsburgische Galeeren.

Der Täuferforscher Wolfgang Krauss spricht

im Blick auf das Ausmaß des Martyriums, das die

Täufer durchlitten haben, von „Ekklesiozid“.

In manchen Territorien fanden die Gesetze

gegen die Täufer keine strikte Anwendung. Man

verwies die Angehörigen der Täufergemeinden,

die nicht „abschwören“ wollten, des Landes oder

sprach eine Duldung aus, sofern sich die Täufer in

aller Stille versammelten und auf Missionierung

verzichteten. Unter dem hessischen Landgrafen

Philipp I., einem Lutheraner, kam die Todesstrafe

trotz Androhungen nicht zur Anwendung.

Anlässlich des „Täuferjahres 2007“ baten Vertreter

der Reformierten Kirche der Schweiz die

Nachfahren der Täuferbewegung um Vergebung.

Bei einem Bußgottesdienst in Stuttgart (Juli 2010)

legte auch der Lutherische Weltbund gegenüber

Vertretern der reformatorischen Täuferbewegung

ein umfassendes Schuldbekenntnis ab.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Täufer (Zugriff am 3.11.2017).

82

Z für Zukunft


Historisch

Lernen aus der

Erweckungsgeschichte

Erweckungen im 20. Jahrhundert in Wales und auf den schottischen Hebriden

Hanspeter Nüesch

Foto: © Postkarte aus jener Zeit

Von der Erweckungsgeschichte können

wir für unsere Zeit eine Menge

lernen, um auch für einen neuen

geistlichen Aufbruch in Europa vorbereitet

zu sein. Ich habe insbesondere

die zwei Erweckungen des 20. Jahrhunderts

in Europa studiert, die in Wales (1904–1906) und

die auf den schottischen Hebriden (1949–1952),

um Merkmale und Voraussetzungen zu verifizieren

– und zu erkennen, was das für uns heute

bedeuten könnte.

Eine persönliche Erweckung erleben

1972, während meines Sprachaufenthaltes in

England, erfuhr mein oberflächlicher Glaube eine

dramatische Wende. In einer tiefen persönlichen

Krise erkannte ich meinen innerlichen Zustand

schonungslos deutlich. Zum ersten Mal wurde

mir klar: Ohne die Erfüllung durch den Heiligen

Geist kann ich kein glaubwürdiger Christ sein.

Im Gebet übergab ich Jesus Christus die Leitung

über mein ganzes Leben, und was ich daraufhin

erlebte, war eine gewaltige persönliche

Erweckung, ein geistliches Wachwerden, eine

Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist, eine

grundlegende Veränderung.

Nach diesem Tag fanden Menschen um mich

herum zum Glauben. Eine depressive Schweizerin,

der ich seit Wochen von Jesus erzählt hatte, verlor

ihren Argwohn mir gegenüber, wie sie sagte, und

nahm Jesus Christus als Erlöser und Herrn auf.

Eine griechische Studentin, die im selben Haus

wohnte, wollte noch auf dem Weg zur Schule mitten

auf dem Weg Gott in ihr Leben einladen.

Ohne mein Zutun wurden sich Menschen ihrer

Sündhaftigkeit bewusst und wollten mit Gott ins

Reine kommen. Gottes Gegenwart war manchmal

so stark, dass in einem Fall zwei buddhistisch

erzogene Japaner ausriefen: „Jetzt erleben

wir den Gott, von dem du sprichst“, während

gleichzeitig ein Mann aus Panama zum

Restaurant hinausrannte, weil er diese

Atmosphäre offensichtlich nicht mehr

aushielt.

Ein italienischer Playboy, der sich

über die wachsende Bibelgruppe in der

Es kamen so viele Menschen

zu den öffentlichen Predigten,

dass man Veranstaltungen ins

Freie verlegen musste

Foto: Postkarte 1905

Hanspeter und Vreni Nüesch

haben sich eingehend mit

„Erweckung“ befasst

Z für Zukunft

83


Historisch

Gleichzeitig begriff ich, dass Erweckung untrennbar

mit Evangelisation zusammenhängt: Erweckung

macht die Menschen Gottes bewusst, und

Evangelisation zeigt auf, wie sie Vergebung ihrer

Sünden erhalten können. Bei meinem eigenen

Aufbruch erlebte ich zum ersten Mal, was Erweckung

ist und welch entscheidende Rolle der Heilige

Geist spielt, aber auch das ernsthafte Gebet,

damit Menschen zu einem lebendigen Glauben

gelangen und zu echter Lebensveränderung.

Bei meinem Studium der Erweckungsgeschichte

ist mir aufgefallen, wie stark das eine

das andere fördert: Die evangelistische Verkündigung

war gerade dort um ein Vielfaches

effektiver, wo Christen als Antwort auf außerordentliches

Gebet zuvor selbst Erweckung

erlebt hatten und neu mit dem Heiligen Geist

erfüllt worden waren.

Im Jahr 1906 wurde über die

Erweckung in Wales auch

in Deutschlands berichtet.

Das Interesse am Evanglium

nahm deutlich zu. Die Zelte

der Deutschen Zeltmission

konnten die Interessierten

nicht mehr fassen,

wie hier in Elberfeld.

Foto: Postkarte aus jener Zeit

Cafeteria lustig gemacht hatte, kam zu uns mit

den Worten: „Mich interessiert nicht, was ihr

da lest, mich interessiert nur, wie ich mit Gott

ins Reine kommen kann.“ Und eine lebenslustige

Sprachlehrerin, die ich an den Tanzabenden

der Schule als gute Tänzerin kennengelernt

hatte, fragte eines Morgens: „Ich konnte

die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich Angst

hatte um meine Seele. Habt ihr so etwas auch

schon erlebt?“ Auf meine Antwort: „Sie müssen

Ihr Leben Jesus Christus unterwerfen (surrender)!“,

korrigierte sie mich, ganz Lehrerin: „Nein,

Sie müssen Ihr Leben Jesus Christus anvertrauen

(commit)!“, worauf ich meinte: „Ja, das ist es, was

Sie tun müssen!“

Erweckung und Evangelisation

1906 lud man den Evangelisten Reuben Archer

Torrey an die Tersteegen-Ruh-Konferenz in Mühlheim

an der Ruhr ein, um von ihm Näheres über

die Erweckung in Wales zu erfahren. Seine Botschaft

von der vollständigen Hingabe und dem

Erfülltsein mit dem Heiligen Geist schlug bei den

anwesenden Leitern ein wie eine Bombe. Eine

direkte Folge war, dass evangelistische Aktivitäten

ihre Wirkung vervielfachten und die drei Zelte

der Deutschen Zeltmission die Menschen, die mit

Gott ins Reine kommen wollten, kaum noch fassen

konnten. Wenn solche Aufbruchsströme aber

nicht einfach über das Land hinwegfließen, sondern

eine tiefgreifende Veränderung bewirken

sollen, sind konstante Evangelisation und Anleitung

in der Nachfolge Jesu unabdingbar.

Sehen wir uns hier insbesondere die beiden

Erweckungen des 20. Jahrhunderts in Europa an,

die in Wales (1904–1906) und die auf den schottischen

Hebriden (1949–1952), um herauszufinden,

was das für uns heute bedeuten könnte.

Merkmale einer Erweckung

Duncan Campbell (1898–1972), der die Erweckung

auf den Hebriden maßgeblich prägte, hat

sie so definiert: „Das Hauptmerkmal einer Erweckung

ist ein Gottesbewusstsein, das sich über

eine ganze Gegend legt, sodass es für alle Teile

sichtbar ist.“ Alle Erweckungen zeichnen sich

durch eine machtvolle Gegenwart Gottes aus,

die zu Gottesfurcht und Sündenerkenntnis führt.

In Erweckungszeiten sind es nicht die Evangelisten,

die auf der Suche nach bußwilligen Sündern

sind, sondern die bußwilligen Sünder sind auf der

Suche nach Evangelisten, um ihre Lasten loszuwerden

und Frieden mit Gott zu erlangen.

1. Gottes Gegenwart bewirkt

Gottesfurcht und Sündenerkenntnis

Diese beiden Eigenschaften sind sicher das Kennzeichen

der Gegenwart Gottes. In Erweckungszeiten

wird den Menschen ihre Sündhaftigkeit

84

Z für Zukunft


Historisch

zutiefst bewusst. In einem Bericht über einen der

letzten Aufbrüche in Europa liest man:

„Im April 1957 kamen vier hübsche Evangelistinnen

der ‚Edinburgh Faith Mission‘ zwischen

zwanzig und dreißig nach North Uist, einer Insel

der Äußeren Hebriden in Schottland. In Lochmaddy

wiesen die Pastoren die Bewohner an, den

Frauen keine Unterkunft anzubieten; so besorgten

sich diese selber eine ärmliche Wohnung.

Zwei Wochen hielten die Evangelistinnen Gott

seine Verheißung vor, er wolle ‚Wasser gießen auf

das dürre Land‘ (Jesaja 44,3), bis sie Gewissheit

erhielten, dass die Erweckung kommen würde.

Eine von ihnen predigte über den reichen

Mann und den armen Lazarus und zitierte dabei

John Bunyan: ‚Hört auf die Seufzer der Hölle.‘

Von diesem Moment an brach auf der Insel die

Erweckung aus. Eine Person schrie in ihrer Sündenerkenntnis

laut auf, und andere begannen am

ganzen Körper zu zittern. Noch um Mitternacht

wurden die jungen Frauen in ihrer Hütte von dreißig

bußfertigen Personen besucht. Am nächsten

Morgen war die Kirche überfüllt. Die Furcht Gottes

erfüllte in der Folge die ganze Insel.“

2. Menschen werden

tiefgreifend verändert

Bei der Erweckung in Wales (1904–1906) wurden

aus Spielern und Alkoholikern fürsorgliche

Ehemänner und Väter, aus Taugenichtsen disziplinierte

Arbeiter und aus schüchternen Frauen

mutige Verkündiger für Jesus, die kraftvoll den

Menschen den Weg wiesen. Herkunft und Ausbildung

spielten nur noch eine Nebenrolle. Die

bestimmenden Wesenszüge waren Freude am

Herrn Jesus und der tiefe Wunsch, dass ihre Mitmenschen

diese Freude auch erleben mögen.

William Stead sah in der Tatsache, „dass aus

Christen Evangelisten wurden“, das wichtigste

Merkmal der Erweckung in Wales. Und David

Matthews fasste es so zusammen: „Schwächlinge

wurden zu Giganten. Junge, gut gekleidete

Frauen knieten mit Vagabunden. Sie baten

diese eindringlich, den verkehrten Weg zu verlassen

und ihr Leben Christus anzuvertrauen, dem

neuen und lebendigen Weg.“

3. Die Atmosphäre

ist geprägt von Liebe und Freude

Colin Peckham beschrieb die Atmosphäre zur Zeit

der Erweckung auf den Hebriden anhand zweier

herausragender Merkmale: „Ein Geist der Liebe

durchwehte alles. Die Einheit untereinander

war unbeschreiblich. Man muss es erlebt haben,

um es zu glauben. Die ganze Atmosphäre war

geprägt von einer tiefen Freude.“

Evan Roberts, der Kohlenarbeiter, der zur

Schlüsselperson der Erweckung in Wales wurde,

betonte, dass die Gläubiggewordenen sich als

eine große Familie empfanden: „Es gibt keine

Spaltungen mehr. Lange genug haben wir einander

bekämpft; von nun an haben wir mehr Zeit,

den Teufel zu bekämpfen.“

4. Alter und Geschlecht

werden zweitrangig

In einem Rückblick betonte William Edwards in

der Zeitschrift „The Sunday Strand“ den starken

Einfluss der Erweckung auf die Rolle der Frau in

Kirche und Gesellschaft: „Die Frauen erhielten

einen starken Ruf, sich voll im christlichen Dienst

zu engagieren. Es gab revolutionäre Veränderungen

in der Rolle der Schwestern.“

William Stead sah sogar die Möglichkeit, dass

die Frauen als Folge der Erweckung im Staat

mehr Rechte bekommen würden: „In der jetzigen

Erweckung sind die Frauen überall an der Front,

indem sie singen, Zeugnis geben, beten und predigen

… Die gegenwärtige Erweckung könnte damit

gekrönt werden, dass die Frauen die staatliche

Anerkennung der vollen Bürgerrechte erhalten.“

David Matthews zeigte sich vor allem beeindruckt

von der Rolle, die Kinder in der Erweckung

einnahmen: „Sie drückten ihre Gedanken in Gebet

und Zeugnis intelligent und schriftgemäß aus, wie

sie durch den Geist Gottes geführt wurden.“

5. Sämtliche Gesellschaftsbereiche

verändert

Ein Artikel in der Tageszeitung „Western Mail“ vom

31. Januar 1905 berichtete von gewaltigen Veränderungen:

„Eine Erweckung dieser Dimension ist

geradezu eine Revolution. Das soziale und politi-

Foto: © Hanspeter Nüesch

Aus

Spielern und

Alkoholikern

wurden

fürsorgliche

Ehemänner

und Väter, aus

Taugenichtsen

disziplinierte

Arbeiter und aus

schüchternen

Frauen mutige

Verkündiger

für Jesus

Duncan Campbell

(1898–1972) hat die

Erweckung auf den Hebriden

maßgeblich geprägt

Z für Zukunft

85


Historisch

Evan Roberts gab nie

Interviews, aber in

zahlreichen Briefen

inspirierte er andere,

ähnliches Wirken des

Heiligen Geistes zu

erbitten. So war er

im Briefkontakt mit

Frank Bartleman, einer

Schlüsselperson der

Erweckung in der Azusa

Street, Los Angeles

Foto: © Hanspeter Nüesch

Das Problem

Europas sei nicht

der Unglaube der

Heiden, sondern

der Kleinglaube

der Gläubigen –

sie vertrauen

nicht mehr

Gottes Wort

wurde: Er war ein gefragter Konferenzredner und

stolz darauf; aber tief im Inneren fühlte er eine

große Leere. Gebet war für ihn eine Last und das

Wort Gottes toter Buchstabe, und er wollte den

Dienst quittieren. Später wies Duncan Campbell

immer darauf hin, dass seine Rolle bei der Erweckung

auf den Hebriden nur klein gewesen sei.

Die meisten Menschen seien vom Heiligen Geist

überführt worden, noch bevor sie über die Kirchenschwelle

getreten seien, berichtete er. Wenn

schon, dann sei es das verzweifelte Gebet der einfachen

Gläubigen gewesen, das den Boden vorbereitet

habe. In Erweckungszeiten leben die Gläubigen

in einer andauernden Abhängigkeit von

Gott, die sich im Gehorsam auch in ganz banalen

Dingen äußert.

Charles Thomas Studd, der Gründer des WEC

(„Weltweiter Einsatz für Christus“), formulierte

es so: „Erweckung ist in Tat und Wahrheit Gehorsam

gegenüber dem Heiligen Geist … Lasst uns

gehorchen, und wir werden unmittelbar Gottes

Wirken erleben in unserem eigenen Leben und in

unserem Umfeld.“

5. Gottes Wort in der Kraft

des Heiligen Geistes

Durch das Studium der Erweckungsliteratur ist

bei mir die Erwartung gewachsen, dass Gott auch

heute übernatürlich wirken will; doch empfinde

ich gleichzeitig Trauer, dass es zurzeit so wenig

Glauben gibt, besonders in Europa. Ein Inder hat

mir einmal gesagt, das geistliche Problem Europas

sei nicht der Unglaube der Heiden, sondern

der Kleinglaube der Gläubigen – dass sie Gott und

seinem Wort nicht mehr vertrauen.

Wir passen die biblischen Wahrheiten an

unsere beschränkten Erfahrungen an, anstatt

mit der Erfüllung der Verheißungen der Bibel zu

rechnen.

Ich bin überzeugt: Wir brauchen eine neue

Erfüllung mit dem Heiligen Geist, gleichgültig,

ob unser Glaube charismatisch geprägt ist

oder nicht. Dazu der Erweckungsprediger Evan

Roberts: „Die Taufe mit dem Heiligen Geist ist

die Essenz der Erweckung – einer Zusammenarbeit

mit dem Heiligen Geist, die Gott ermöglicht,

in Kraft zu wirken.“ Duncan Campbell beschrieb

seine Veränderung so: „Die Taufe im Heiligen

Geist kam zu mir in einer mächtigen, reinigenden,

bevollmächtigenden Kraft … Ich ging hinaus

und predigte die gleiche Predigt, die ich siebzehn

Jahre lang gepredigt hatte – mit dem Unterschied,

dass ich nun erlebte, dass Hunderte die Erlösung

durch Christus ergriffen.“ Laut Apostelgeschichte

5,32 bekommen jene den Heiligen Geist, die

ihm gehorchen. Das betonte auch Evan Roberts

gegenüber Edwin Orr: „Das völlige Sich-Gott-

Überlassen stellt sicher, dass Gott uns während

des ganzen Tages leitet; deshalb besteht unsere

Aufgabe ganz einfach darin, auf Gottes Stimme zu

hören und ihr zu gehorchen.“

6. Für Nachhaltigkeit sorgen

Auf die Frage, warum der mächtige Aufbruch auf

den Hebriden so nachhaltig war, dass als Folge

viele Menschen in den geistlichen Dienst traten

oder gar in die Mission gingen, meinte Duncan

Campbell: „Wir haben hier ein Volk, das sich

der Autorität und Inspiration des Wortes Gottes

nicht berauben ließ. Die Autorität und Inspiration

der Bibel wurde nicht infrage gestellt.“ Das

scheint mir für unsere Zeit ein Schlüssel zu sein:

Heute gibt es kein biblisches Grundwissen mehr,

88

Z für Zukunft


Historisch

auf dem aufgebaut werden könnte. Die Gefahr

besteht, dass eine Erweckung über das Land hinwegströmt,

ohne nachhaltige Veränderung bewirken

zu können.

Nach dem 11. September wollte ich in New

York lernen, wie wir als Gemeinde Jesu uns optimal

auf Katastrophen vorbereiten können, und

suchte zahlreiche geistliche Leiter unterschiedlicher

Denominationen auf. Die wichtigste Lektion

daraus: Unmittelbar nach 9/11 hatten die

Menschen ein großes Bedürfnis, sich mit jemandem

über die traumatischen Erlebnisse auszutauschen.

Aber nur jene Kirchen mit Erfahrung in

Nachbarschaftsevangelisation und die, die Kleingruppen

hatten, waren darauf vorbereitet. Der

Gottesdienstbesuch bei der großen Mehrheit der

Kirchen veränderte sich hingegen kaum.

Dieses Muster wird sich auch bei uns wiederholen,

wenn wir nicht alles unternehmen, um

in jedem Christen die „Basics“ des christlichen

Glaubens wieder zu verankern, also alles rund um

den Kreuzestod Christi und wie jeder den Heiligen

Geistes empfangen kann.

Alpha-Kurse oder ähnliches sind sicher gute

Mittel dafür. Zusätzlich gilt es, Beziehungsgruppen

zu bilden, in denen das Wort Gottes gemeinsam

bewegt wird. Kirchen sollten Kurse anbieten,

um Nachfolger Jesu auszubilden, die im Ernstfall

die vielen suchenden Menschen begleiten und im

Glauben festigen können. Angenommen, wir hätten

plötzlich zehnmal so viele am Glauben interessierte

Menschen wie heute, was müssten wir

tun? Wären wir darauf vorbereitet?

Lektionen aus der

Erweckungsgeschichte für heute

Was können wir also aus früheren Erweckungen

lernen? Wie können wir uns auf einen großen

geistlichen Aufbruch am besten vorbereiten?

Kurz zusammenfasst:

Jede Erweckung sieht anders aus. Wir dür-

uns nicht festlegen auf etwas, was frü-

01fen

her funktioniert hat.

Selbstzufriedenheit muss Platz machen für

02einen Hunger nach Gottes mächtigem, veränderndem

Wirken.

In einer Haltung tiefgreifender Umkehr

03müssen wir auch solche Dinge vor Gott

bekennen und dafür um Vergebung bitten, die

Sünde sind, aber jetzt nicht mehr als Sünde

gelten.

Unsere eigene Vorstellung von Stärke

04und Schwäche muss Platz machen für die

Abhängigkeit vom Heiligen Geist.

05

In ernsthaftem Flehen müssen wir Gottes

Gegenwart suchen mit außerordentlichem

Gebet, auch im Gottesdienst.

Zielloser Aktivismus muss einem Leben

06Platz machen, das vom Wort Gottes und der

Leitung des Heiligen Geistes geprägt ist.

Wir müssen lernen, unser Denken, Beten

07und Handeln nicht an unseren beschränkten

Erfahrungen auszurichten, sondern an den

Verheißungen der Bibel.

Auf alle Weise müssen wir das ABC des

08Glaubens weitergeben, verbunden mit persönlichem

Glaubenszeugnis, um eine biblische

Grundlage für Erweckung zu legen.

Jeder Christ muss zum Dienst ausgerüstet

09 werden, damit der kommende Aufbruch in

gute Bahnen gelenkt werden und von Dauer

sein kann.

Wir müssen lernen, der Verständnislosig-

und der Kritik der Umwelt zu begeg-

10keit

nen in Liebe und mit Segnen.

Hanspeter Nüesch, bis 2013 Leiter von Campus für Christus

Schweiz, Integrationsfigur für Christustag-International

(redaktionell bearbeitet)

Angenommen,

es würden sich

plötzlich zehnmal

so viele für den

Glauben interessieren

wie heute:

Wären wir darauf

vorbereitet?

Z für Zukunft

89


Historisch

Der Weg des Buches

Werner Bartl

Foto: © Werner Bartl

Kaiserin Maria Theresia von Österreich

war überzeugte Katholikin

und keineswegs tolerant. Noch

1776 – also im Jahr der Unabhängigkeitserklärung

Amerikas und 13

Jahre vor der Französischen Revolution – ließ sie

über viertausend „Geheimprotestanten“ auf der

Donau nach Siebenbürgen schaffen.

Das hatte Tradition: Ein halbes Jahrhundert

zuvor, 1730/31, mussten über 22 000 Salzburger

Protestanten binnen acht Tagen das Land verlassen;

ein Fünftel der Bevölkerung wurde zwangs-

deportiert. Zwar brannten keine Scheiterhaufen

mehr, aber die Evangelischen mussten für ihren

Glauben trotzdem teuer bezahlen.

Bibellesen streng verboten!

Kinder unter 14 wurden den Eltern entrissen

und ins Kloster gesteckt, wo sie mit aller Gewalt

zwangskatholisiert wurden. Viele der Deportierten

starben schon auf dem Transport oder im

ersten Jahr in der Fremde; andere wurden ins

Gefängnis geworfen und gingen dort jämmerlich

zugrunde. Was hatten sie verbrochen?

90

Z für Zukunft


Historisch

Zum Gedenken an die Zeit, zu der Bibellesen streng verboten war und auf diesen

abenteuerlichen Pfaden jahrhundertelang Bibeln geschmuggelt wurden, um so die

„Geheimprotestanten“ mit dem Wort Gottes zu versorgen

Es genügte bereits, wenn man beim Bibellesen

erwischt wurde. Das widerfuhr auch dem Altbauern

Jakob Schenner im Salzkammergut: Er hatte

nachts in seiner Stube heimlich in der Bibel gelesen

und starb – wie viele andere auch – hinter

modrigen Gefängnismauern.

Bibelschmuggel in Mitteleuropa

Der Besitz und das Lesen der Bibel in deutscher

Sprache waren in Österreich bis zum Erlass des

Toleranzpatents (1781, Joseph II.) verboten. Zum

Gedenken an diese Zeiten eröffnete die Evangelische

Kirche in Österreich 2008 den „Weg des

Buches“ – auf diesen abenteuerlichen Pfaden

wurden jahrhundertelang Bibeln geschmuggelt,

um die „Geheimprotestanten“ mit dem Wort Gottes

zu versorgen.

Wegen (und trotz!) der Verfolgung trafen sich

die Evangelischen heimlich in Wäldern und Höhlen;

sie hatten sogar verborgene Friedhöfe. Der

600 Kilometer lange „Weg des Buches“ führt zu

vielen dieser Höhlen, Felsformationen, Waldlichtungen

und Anhöhen.

Z für Zukunft

91


Historisch

DE

Salzburg

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Passau

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Schladming

Österreich

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Villach

Slovenien

Triest

Bild oben: Der Autor Werner Bartl an einem

geheimen Treffpunkt der Christen im Wald

Wegbeschreibung und Karte:

http://www.wegdesbuches.eu

An den einzelnen Stationen

und durch viele Erzählungen

wird verständlich, warum

diese „Abtrünnigen und Widerspenstigen“

den Mächtigen

Linz

jener Zeit so gefährlich schienen,

dass sie sie ins Gefängnis

warfen und zur Auswanderung

zwangen. Viele der „Ketzer“

wurden auch zum Tod auf dem

Scheiterhaufen verurteilt oder

mit einem Stein um den Hals

ertränkt. Diese Auswüchse

der Intoleranz erschüttern

– und zeigen, wie notwendig

die Reformation war, der Protest

gegen die Bevormundung

durch die Kirche.

Nachdenken

Der Blick in die Vergangenheit

macht uns auch der Verantwortung

bewusst, jeglicher aggressiven

Intoleranz gegen Andersdenkende

und Andersgläubige

entgegenzutreten. Vor allem

aber bringt er uns hoffentlich

zum Nachdenken: Diese Menschen

waren bereit, für ihren

Glauben an ein rettendes Evangelium

in den Tod zu gehen!

Sie waren überzeugt, dass sie

sich das ewige Leben nicht verdienen

konnten, weder durch

gute Werke noch durch religiöse

Rituale, auch nicht durch

das Märtyrerschicksal. Für

ihren Glauben brauchten sie

weder Gebäude noch Organisation.

Seit 236 Jahren dürfen sich

Evangelische in Österreich wieder

versammeln, anfangs nur in

Gebäuden ohne Turm und Glocken,

und alle mussten „durch

die Hintertür“: die evangelischen

Gotteshäuser durften auf der Straßenseite

keinen Eingang haben. Viele Jahrzehnte warnten

katholische Pfarrer in Österreich vor der „Sekte der

Evangelischen“, meine Großmutter hat das noch

selber erlebt. Das ist vorbei und das ist gut so.

Das Begonnene zu Ende führen

Sollen wir uns darüber freuen, dass heute erlaubt

ist, was vor 500 Jahren als heftig bekämpfte Reformation

begann? Ja. Aber das war damals nur der

Anfang; Martin Luther startete eine Reformation,

aber sie muss noch zu Ende geführt werden. Er

ging den ersten Schritt; in den fünf Jahrhunderten

seither haben andere die nächsten Schritte getan.

Auch heute werden Nachfolger Jesu, die ihre

Stimme erheben gegen die etablierten Kirchen

und Freikirchen, weil sie Menschen wiederum

oder noch immer in Abhängigkeit halten von Ritualen,

Kirchenzugehörigkeit und Amtsverständnis

– auch heute werden diese Nachfolger Jesu oft ins

„Sekteneck“ gestellt.

Der Kampf um die von Gott geschenkte Freiheit

in Christus ist noch nicht zu Ende. Es ist der

„Weg des Geistes Gottes“, der uns am „Weg des

Buches“ dem Ziel entgegen führt: Erneuerung,

aber ohne das Bewährte zu verlieren; Wahrheit

behalten und bisher verdeckte Wahrheit finden;

und natürlich ein Leben in der Liebe zu Gott und

dem Nächsten.

Werner Bartl ist Österreicher und als Fernsehjournalist und -

korrespondent tätig. Er ist den „Weg des Buches“ als Erster von

Anfang bis Ende gegangen. Seine Wegbeschreibung „Auf

Schmugglerpfaden von Passau zum Dreiländereck pilgern“ ist im

Conrad Stein Verlag erhältlich. ISBN 978-3-86686-299-9.

92

Z für Zukunft


Visionär

Bild: © Leonardo da Vinci

Ekklesia

wird Humanismus überwinden,

Kirche nicht

George Markakis

Reformation

lässt sich nicht

stoppen. Jedoch

werden Reformer

aufs Erbittertste

bekämpft von

denen, die

aus deren Mitte

sie hervorkommen

Was verhindert, dass „Kirche“

zur ekklesia wird? Luthers

Thesen wandten sich gegen

den Ablasshandel der römischkatholischen

Kirche; gegen

was oder wen müssten sich „Thesen“ heute richten?

Eine ekklesia als oikos-Familie Gottes, ein

Organismus, eine allgemeine königliche Priesterschaft,

die auf der Erde die Autorität Jesu

Christi ausübt – das hätte doch was; es wäre in

der Lage, einem atheistisch-humanistischen Denksystem

gegenüberzutreten. Warum Humanismus

mit Atheismus so eng verbunden ist, wird in der

zweiten Hälfte des Artikels deutlicher.

Gottes Reich komme, Gottes Wille geschehe –

auf Erden genauso, wie es im Himmel geschieht!

Vor 500 Jahren wurde die Wahrheit in Sachen

Glauben verdunkelt durch die römisch-katholi-

sche Kirche, die Seelenheil verkaufte, um den

Bau prunkvoller Tempel zu finanzieren. Wer ist

es heute, der Verdunkelung betreibt? Welcher

Art ist die Finsternis unserer Tage? Sie hat mit

einem Denkkonzept zu tun. Die Evangelische Kirche

Deutschlands (EKD) maßt sich an, mit „vernünftiger“

Theologie Gott beibringen zu wollen,

wie er sein Wort zu verstehen hat. Damit hat sie

ihr lutherisches Erbe, die Reformation, gründlich

„deformiert“ und sich in einen Zustand begeben,

der wohl noch finsterer ist als die römisch-katholische

Kirche zur Zeit Luthers.

Doch Reformation lässt sich nicht stoppen; die

Wiederentdeckung der ursprünglichen, der biblischen

Wahrheit hat nie aufgehört – auch wenn

die Geschichte zeigt: Die Reformer werden aufs

Erbittertste bekämpft von denen, aus deren Mitte

sie hervorkommen. Und noch ein Prinzip: Wenn

Z für Zukunft

93


Visionär

Das „Gemasolar“ – ein

Solarkraftwerk bei Sevilla

in Spanien

Foto: © Torresol Energie

Die ekklesia Jesu

soll dieser

verfinsterten

Welt zur

Beleuchtung

dienen

ein Erneuerungsprozess in einer Denomination

zum Stillstand kam, wurde er in einer anderen

weitergeführt – wie beim Stafettenlauf. Das hört

sich allerdings leichter an, als es war; schon so

mancher hat dafür mit dem Leben bezahlt.

In den letzten hundert Jahren wurden die

Reformationszyklen immer kürzer; überall auf

der Welt geschah Erweckung und man erlebte

wieder Realitäten, die für die ersten Christen normal

gewesen waren. Die Wiederentdeckung der

Kraft des Heiligen Geistes führte in vielen Ländern

zu einer explosionsartigen Ausbreitung des

christlichen Glaubens.

Wir sind dankbar für jeden Fortschritt, aber

noch ist nicht alles perfekt im „Hause Gottes“.

Der Reformationsprozess der Wiederherstellung

verschütteter Wahrheiten ist immer noch im

Gange; jetzt steht er vor einer neuen Phase.

Etwa hundert Jahre nach der „Azusa-Street-

Erweckung“, durch die unzählige neue Denominationen

entstanden, ist es Zeit für eine weitere

Ebene, denn noch sind bei Weitem nicht alle

Ankündigungen der Bibel erfüllt. Ein wichtiger

Teil von Gottes Plan ist, dass wir Christen zusammenwachsen

zu einem lebendigen Organismus,

der auf der Erde den Himmel vertritt als Spiegel

der Autorität und Herrlichkeit Gottes. Das hat

Gott gemeint, als er die ekklesia ins Leben rief.

Der Unterschied zwischen „Kirche“ und

ekklesia – drei Hauptpunkte

1. „Kirche“, wie Gott sie gedacht hat, ist weder

ein Tempelgebäude noch eine Organisation und

auch keine bloße Versammlung von geretteten

Sündern, sondern eine oikos-Familie Gottes,

eine Lebensgemeinschaft. Hier zählen Gemeinsamkeit

statt Individualität, Liebe statt Selbstzentriertheit.

So wird Gott sichtbar und spürbar

und seine Herrlichkeit zeigt sich durch ganz

normale Menschen.

2. „Kirche“, wie Gott sie gedacht hat, also ekklesia,

ist von Gott berufen, auf der Erde die königliche

Priesterschaft Jesu Christi zu sein. Jesus

Christus ist der Hohepriester Gottes; er sitzt zur

Rechten Gottes des Vaters und wird als König

wiederkommen. (Das kennen wir aus dem Glaubensbekenntnis

und sprechen es brav nach; ist

uns aber auch klar, was das bedeutet?)

3. „Kirche“, wie Gott sie gedacht hat, wurde

durch das Blut Jesu erkauft und gebildet, und

zwar nicht nur zum Zwecke der Erlösung von

Sünde und Gottesferne, sondern auch, um uns

aus einem tödlichen Machtbereich herauszuretten.

Die so Erlösten und Erretteten werden zur

ekklesia Jesu, die in dieser verfinsterten Welt

zur Beleuchtung dienen soll, um etwas bislang

Unsichtbares sichtbar zu machen – das Reich

Gottes.

Diese oikos-Gemeinschaft Gottes soll als

ekklesia die juristische Autorität ausüben, die

Gott an seinen Organismus delegiert hat – sie

soll also richten und regieren:

damit das Reich Gottes auf Erden sichtbar werden

kann (Vaterunser: „Dein Reich komme!“);

damit die Pforten der Hölle nicht herrschen

können, weil die ekklesia proklamierend betet;

sodass das Licht Gottes auf Erden leuchtet,

damit alle Menschen es sehen können.

In der nächsten Phase der Reformation soll

dieser lebendige Organismus sichtbar werden

und an die Stelle von Organisationen treten.

94

Z für Zukunft


Visionär

Der Geist des Humanismus hat inzwischen

die „Kirche“ stark durchdrungen; kein

Wunder, dass an die Stelle des gottzentrierten

Evangeliums vom Reich Gottes ein Ichzentriertes,

humanistisches Evangelium der Rettung des Einzelnen

und des privaten Wohlstands getreten ist.

Damit beschränkt sich „Kirche“ auf die individuellen

Bedürfnisse und Wünsche des Menschen

und dient den Prinzipien des Zeitgeists.

Gottes Version und Zweck der Errettung

Gott rettet Sünder aus dem Griff des Todes, um

auf Erden seine Familie (oikos) zu bauen. Diese

ist sein königliches Priestertum, das ihm dient

und auf Erden sein Reich vertritt – und als ekklesia

agiert, die ihr von Gott verliehene Autorität

ausübt. Die ekklesia ist also eine „Körperschaft“;

der Einzelne ist Teil eines Gesamtleibes, der

oikos-Familie Gottes. Dieser Leib, diese Körperschaft

ist geistlich vereint mit Christus, dem

Haupt, und übt gemeinsam die ihr vom Himmel

verliehene (delegierte) Autorität aus.

Satans fauler Trick:

Das Ich-zentrierte „Seelenheil“

Der Geist des Humanismus hat den Menschen

glauben gemacht, dass Jesus für mich starb, um

mich vor dem Bösen und der Finsternis dieser

Welt zu retten, weil er mich so sehr liebte, damit

er mich dieser Welt entreißen konnte, damit ich

einmal in den Himmel komme. Man achte auf

die Betonung: „Ich, mich, meiner, mir – Herr,

segne du uns vier!“

Dieses individualistische „Evangelium“ kennt

weder Auftrag noch Pflicht. Es macht mich zum

Mittelpunkt des Wirkens Gottes, ohne Reich-Gottes-Perspektive:

„Jesus starb, um mich zu retten“

– und jetzt, wo ich errettet bin, kann ich Gott

benutzen, um mich zu segnen? Das ist eine völlig

verzerrte Sicht. Richtig ist: Gott hat mich gerettet,

um mich in seinen oikos einzufügen: „Trachtet

als Erstes nach dem Reich Gottes!“

Ja, es kommt eine Zeit, da wird Jesus sein Volk

aus dieser Welt nehmen; aber bis dahin hat er für

uns auf dieser Erde einen Auftrag, einen Zweck,

den es zu erfüllen gilt. Der Humanismus jedoch

verdreht dem „Kirchen“volk den Verstand, sodass

es weder Gottes Pläne noch seine Rolle als königliche

Priesterschaft erkennt.

Durch das Werk Jesu werde ich für Gott aus

den Klauen der Finsternis erkauft, damit ich ein

Mitglied seines oikos werde und als Teil seiner

königlichen Priesterschaft seinen Willen ausführen

kann: „Dein Wille geschehe, dein Reich

komme auf Erden wie im Himmel.“ Ja, wer

glaubt, der wird errettet; und ja, wir sind gesegnet

– aber vor allem, um auf Erden Gottes Willen

auszuführen, damit sein Reich „kommt“ und

sichtbar wird, und zwar hier und jetzt!

Aber die momentane Realität?

Die „Kirche“ interessiert sich nicht dafür, oder sie

weiß es nicht, wie sie zur ekklesia Gottes werden

kann oder wie man die Schlüssel des Reiches

Gottes gebraucht, um damit etwas zu bewirken,

das auf Erden Veränderung bringt.

Infolgedessen nährt die „Kirche“ den Individualismus

ihrer Mitglieder: „Hauptsache gerettet!“,

statt sie zu einem mündigen, lebendigen Organismus

werden zu lassen.

Die Perspektive der

nächsten Reformation

Die ekklesia Christi baut Gottes Reich auf Erden

und zwar in kleinen oikos-Familien vor Ort, in

denen Gottes gegenwärtig ist und die durch

seine Autorität Einfluss auf das Geschehen um

sich herum nehmen.

Es ist Zeit, dass Reformation in eine neue

Phase tritt und „Kirche“ zur ekklesia wird. Das

geht Hand in Hand mit der „Lösung“ der Denominationen

und Gemeinden, der Pfarrer und

Pastoren sowie Bibelschulen und theologischen

Hochschulen von der Bevormundung durch

Denkmuster des Humanismus.

Andernfalls bleiben sie lediglich gerettete Sünder,

die, isoliert und kraftlos, sich in religiösen

Versammlungen aufpäppeln lassen, bis Jesus sie

heimholt von dieser ach so bösen Erde …

Errettung und

Seelenheil sind

wichtig, aber das

ist nur eine Seite

der Medaille

Ohne Auszug aus „Ägypten“

kommt man nicht in das

Land der Verheißung!

Werk von Léon Gruel, Paris.

Walters Art Gallery, Baltimore.

Wikipedia

Z für Zukunft

97


Visionär

Aus dem Inhalt:

Leitthema

­ Gender für Anfänger ­

­ Affenjungen spielen mit Autos … ­

­ Weniger Menschen, dafür mehr Sex ­

­ Entmännlichung der Gesellschaft ­

Gender-Taktik

­ Von Herren Professorinnen ­

Gender-Blüten

­Freie Fahrt ins Irrenhaus ­

­Die 60 Geschlechter von Facebook ­

Europa

­ Verschlungene Wege der EU ­

Historisch

­ Gehirnwäsche missglückt ­

Politik

­ Gender – eine totalitäre Bedrohung ­

Sexualpädagogik

­ Wie viel Wissenschaft steckt drin? ­

­ Wie das „Gehirn“ der sexuellen

Vielfalt tickt ­

Unsere Kinder

­ Identität zerbrechen?

­ Staatlich verordneter Kindesmissbrauch

­

­ Die „Vielfalts“-Indoktrinierung ­

Homosexualität

­ Der Homosexuelle als Spezies ­

Pädophilie

­ Pädophilie ­

Spiritualität

­ SEX: Beliebigkeit oder höhere Spiritualität? ­

­ Was ist schon gerecht? ­

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Errettung und Seelenheil sind wichtig,

aber das ist nur eine Seite der Medaille

Es ist absolut genial, wenn man Vergebung erfahren

hat und vom Sünder zu einem Kind Gottes

geworden ist!

Es ist Grund zur Freude, wenn ein Kind geboren

wird; aber niemand ist glücklich, wenn das

Kind ewig ein Baby bleibt. Oder wie damals,

als die Israeliten beim Auszug aus Ägypten das

Blut des einjährigen Schafbocks an die Türpfosten

ihrer Häuser strichen und daraufhin vor dem

Todesengel geschützt waren: Sinn und Zweck der

Übung war, dass sie sich auf den Weg machten

und das verheißene Land in Besitz nahmen. Das

Blut Jesu rettet uns aus dem Griff des Todes – und

es ermöglicht uns, aus der Sklaverei hinaus- und

weiter in die Freiheit zu gelangen, um Verheißenes

in Besitz zu nehmen.

Gott rettet Sünder, um sie aus dem Griff des

Todes zu befreien und damit sie zu seinen Söhnen,

zu Brüdern Jesu Christi werden. Aber das

ist nur der Anfang des Weges hin zu einem sehr

konkreten Ziel: dem verheißenen Land – wo die

ekklesia das Reich Gottes auf Erden sichtbar

werden lässt, indem sie in engster Verbindung

mit dem auferstandenen Jesus Christus die von

ihm an sie delegierte Autorität gebraucht.

Wenn Christen aber in ihrem eigenen „Ägypten“

steckenbleiben und Kirche spielen, ist das fast, als

wäre das Blut Jesu für sie vergeudet worden!

Durch den Humanismus will Satan die „Kirche“

in Ägypten gefangen halten; sie soll sich in

religiöser Bescheidenheit und Selbstgefälligkeit

damit zufriedengeben, eines Tages im Himmel

aufzuwachen …

Das Evangelium des Reiches Gottes hat eine

andere Botschaft! Aber um sie hören zu können,

müssen wir den Geist des Humanismus überwinden.

George Markakis, Athen, ist prophetischer Visionär, vertraut

mit den griechischen Wurzeln europäischer Philosophien, internationaler

Referent.

1 Matthäus 16,22–23.

2 Apostelgeschichte 2,32–36; Psalm 110,1.

3 Epheser 4,11.

4 Jakobus 3,15.


Visionär

Einheit – Traum oder Wirklichkeit?

Über Einheit wird viel gesprochen und geschrieben; aber was das bedeutet, darüber

besteht weitgehend Uneinigkeit. Auch ist nicht überall, wo „Einheit“ draufsteht, tatsächlich

auch Einheit drin. Und vor allem sollten wir uns fragen: Einheit – mit wem?

Peter Ischka

Foto: © Agentur PJI UG, Montage

Einheit unter Christen – die Einheit,

von der das Johannes-Evangelium

in Kapitel 17 handelt, die wird auf

jeden Fall kommen. Die Frage ist

nur: Sind wir dabei oder nicht?

Auch dieser Spruch von Jesus schwebt im

Raum: „Viele sagen: ‚Herr, Herr!‘, aber ich kenne

sie nicht.“ Wie viele rufen „Einheit, Einheit!“, sind

aber selber meilenweit davon entfernt?

Mit dem Traum von Einheit ist es ein wenig

wie mit dem Traum vom Fliegen: Wir wollen hoch

hinaus und malen uns aus, wie das wohl wäre,

wenn alle Christen eins wären.

Was Einheit nicht ist

Wer sich mit Einheit befasst, sollte aber auch ein

wenig Bescheid wissen, was Einheit nicht ist.

So denkt man unter dem Begriff „Petrusdienst“

laut darüber nach, die weltweite Christenheit

unter dem Vorsitz einer Integrationsfigur

zu vereinen – gemeint ist der Papst. Dafür soll

dessen Amt teilweise abgespeckt werden; nur

in dem römisch-katholischen Teil soll die ganze

Amtsgewalt Anwendung finden. – Kirchenpolitische

Überlegungen gibt es viele, aber die müssen

nicht unbedingt Einheit bewirken.

Heute finden wir weltweit über 46 000 christliche

Denominationen, christliche Kirchenarten

sozusagen, und täglich werden es mehr. Ein Teil

davon ist der Sprachenvielfalt zu verdanken, aber

etliche Denominationen sind deshalb entstanden,

weil ein paar Leute entdeckt haben, dass sie „die

einzig Wahren“ unter uns Christen sind. Viele

davon sind absolut für Einheit – wenn sich der

Rest nur an ihre Vorgaben halten würde …

Einheit im Sinne des Erfinders

Um aus der Verwirrung um das Thema „Einheit“

auszusteigen und zu verdeutlichen, was der Erfinder

von Kirche – Jesus – gemeint hat, wenn er von

Einheit sprach, nennen wir diese Einheit „Gleichwie-Einheit“.

Wie kann ein Gerichtsmediziner herausfinden,

ob eine einzelne Hand oder ein separierter Fuß

zum selben Körper gehören? Er macht einen DNA-

Test. – Haben die einzelnen Teile dieselbe DNA wie

Um aus der

Verwirrung um

das Thema

„Einheit“ auszusteigen

und uns

dem nähern,

was Jesus

gemeint hat,

nennen wir sie

„Gleichwie-

Einheit“

Z für Zukunft

99


Visionär

Foto: © Wikipedia, Ailura

Die Latte ist

gelegt!

So wie Jesus eins

war mit dem

Vater, so sollen

wir eins mit ihm

sein. Und nur

jene, die so eins

sind mit ihm,

können diese

„Gleichwie-

Einheit“ untereinander

erleben

das Haupt, dann kann man von ein und demselben

Leib sprechen: Einheit! Daher ist es gut, ja notwendig,

die DNA des Hauptes zu kennen.

Verwirklichte Einheit

ist jemandes Super-GAU

Da ist einer darauf spezialisiert, echte Einheit in

der Christenheit zu verhindern und dafür Ersatzformen

in Umlauf zu bringen – und vieles, was

heute als „Einheit“ verkauft wird, ist bei Lichte

betrachtet nur ein miserables Imitat.

Übrigens: Jesus hat gar nicht

um Einheit gebetet

Gebetet hat Jesus um drei elementare Voraussetzungen

für Einheit; man muss nur genau hinschauen,

was in Johannes 17 tatsächlich steht,

und nicht nur nachsprechen, was viele vermutet

oder in diesen Text hineininterpretiert haben.

1. Bewahre sie in der Autorität deines Namens,

den du mir gegeben hast (V. 11b): also in seinem,

Jesu, Namen und nicht im Namen der

evangelischen, katholischen, baptistischen,

pfingstlichen oder einer der anderen 46 000

Denominationen.

2. Bewahre sie vor dem Bösen (V. 15b). Der geht

nämlich umher wie ein brüllender Löwe und

sucht, wen er verschlingen kann. Und was der

ganz sicher nicht leiden kann, ist die Einheit

unter den Leuten von Jesus! Die zu verhindern,

darin ist er seit Jahrtausenden Profi. Die Vermischung

mit Heidnischem, der Einzug des humanistischen

Geistes oder dogmatische Einseitigkeiten

sind solche Wirkungen des Bösen, und

vor denen will uns dieses Gebet bewahren.

3. Heilige sie durch die Wahrheit, dein Wort ist die

Wahrheit (V. 17). Wenn in einer Denomination

die unumschränkte Autorität des Wortes Gottes

relativiert wird, dann erübrigt sich alles Weitere.

Denn Christus selbst ist das Wort Gottes,

und der Geist Gottes leitet in die ganze Wahrheit.

„Aber was ist Wahrheit?“, fragt sich so

mancher aufgeklärte Christ.

Bewahre sie in deinem Namen, bewahre sie

vor dem Bösen, heilige sie durch die Wahrheit:

Diese drei Bitten müssen in Erfüllung gehen,

damit Einheit möglich wird. Rührende Lieder wie

„Vater, mach uns eins“ verleiten eher zum Fatalismus

und vernebeln den realistischen Blick auf

diese drei entscheidenden Voraussetzungen für

Einheit: die Autorität seines Namens, das Überwinden

des Bösen und gefestigt zu sein in der

Wahrheit. Was immer wir davon relativieren,

wird nur ein weiteres schlaffes Imitat von Einheit

zustande bringen.

Das Schlüsselwort in Johannes 17:

„gleichwie“

Mit „gleichwie“ ist die Latte gelegt; das stellt

alle unsere Vorstellungen von Einheit sowie all

die Ersatzformen bloß. So wie Jesus eins war mit

dem Vater, so sollen wir eins sein mit ihm. Und

nur jene, die so eins sind mit ihm, können diese

„Gleichwie-Einheit“ untereinander erleben.

Wenn wir uns Einheit wünschen, geht es nicht

in erster Linie um die Frage nach Unterschieden

in Lehrmeinungen oder des Frömmigkeitsstils

oder um Projekte, die man gemeinsam durchführen

könnte. Die netten Bemühungen, nur das

Gemeinsame zu suchen und das Trennende unter

den Teppich zu kehren, haben auf lange Sicht

noch nie gefruchtet. Nein, im Zentrum steht einzig

und allein die Frage nach der Einheit mit Christus,

dem Auferstandenen, dem alle Macht im Himmel

und auf Erden gehört.

100

Z für Zukunft


Visionär

Solange die Einheit dieser „Fünf“ nicht wenigstens

ansatzweise zum Durchbruch kommt, wird die

„Gleichwie-Einheit“ des Leibes Christi wohl weiter

ein Traum bleiben. Dabei sind die Fünf – Apostel,

Propheten, Evangelisten, Hirten, Lehrer – so etwas

wie der Schlüssel zur Ausbreitung des Reiches Gottes

auf Erden („Dein Reich komme!“, sagen wir im

Vaterunser) und zur Formierung des Leibes Christi.

Diese Qualität von Einheit ist für uns Menschen

aber nicht machbar; wir erleben sie nur, wenn wir

in der Kraft Gottes die Einheits-Hindernisse überwinden.

Was Gott den Überwindern verheißt, das

können wir in den Briefen lesen, die Jesus an seine

Gemeinde geschrieben hat, zu finden am Anfang

der Johannes-Offenbarung.

Die Fünf sind der Schlüssel …

… damit Gottes Bodenpersonal ausgerüstet wird

zum Dienst.

… damit das Volk Gottes zur Einheit des Glaubens

kommt.

… damit die Gläubigen den Sohn Gottes erkennen,

wie er wirklich ist („Gleichwie“-Erkenntnis).

… damit wir alle zur vollen Reife gelangen, zum

Vollmaß der Erfüllung in Christus.

… damit wir nicht weiter als Unmündige umgeworfen

werden von jeder neuen Welle der Lehre.

… damit der ganze „Leib“ durch diese Dienst-

Gelenke zusammengehalten und bewegungsfähig

wird.

… damit das eine Haupt seinen Platz auf dem Leib

einnimmt und dieser aufhört, ein vielköpfiges

Monster zu sein.

… damit jeder Teil am Leib in seiner Funktion

(Berufung) agieren kann, und zwar nach dem

Maß, das ihm in Gottes Plan zugeteilt ist – und

das ist meist größer, als wir denken.

Wenn die Fünf nicht in Einheit zusammenwirken,

dann bleiben die Ergebnisse aus, die ihnen

zugedacht sind: Die Ausrüstung zum Dienst wird

grobe Mängel aufweisen; es fehlt an Einheit des

Glaubens, an Reife und am Sichtbarwerden der

Erfüllung in Christus.

Doch wenn die Fünf „in Einheit zusammen

sind“, wie es Psalm 133 besingt, dann offenbaren

sie damit das Haupt samt dem Leib als eine Einheit,

und es wird der sichtbar, der die Fülle dessen

ist, der alles in allem erfüllt – Christus, der

König der Könige.

Klein anfangen und

eine große Rolle spielen

Legen wir also unsere Kronen nieder und entscheiden

wir uns dazu, die „größeren Diener“

zu sein, damit Jesus Christus der König und das

Haupt seines Leibes sein kann. Dann werden wir

ihn erkennen, wie er ist, und wir werden umgewandelt

in sein Bild – und das führt ziemlich automatisch

zur Einheit mit Ihm.

Die schöne und höchst erwünschte Nebenwirkung:

Wer eins ist mit dem Haupt, Christus, der

kann auch eins sein mit denen, die ebenfalls eins

sind mit ihm – und das ganz ohne Anstrengung.

Wer im Kleinen treu ist, der wird das auch auf

höherer Ebene realisieren können. Sie als Einzelner

spielen eine große Rolle

in der Verwirklichung dieses

Traumes! Denn die eigentliche

Herausforderung liegt

in der Einheit von zwei, drei

Menschen in einem anhaltend

aktiven Prozess. „Wo zwei

oder drei ‚gleichwie-eins‘

sind in der Autorität meines

Namens, da bin ich mitten

unter ihnen, und worum sie

in dieser Einheit bitten, das

wird ihnen widerfahren.“ 4

Das wäre doch eine attraktive

Perspektive, nicht wahr?

Ausführlicher wird dieses Thema behandelt in

dem Buch „Wie geht Einheit?“; dort finden Sie auch

eine Erläuterung für Ihr persönliches „Einheits-Entwicklungs-Labor“.

Ein Handbuch, wie Sie mit zwei,

drei anderen schrittweise in diese übernatürliche

„Gleichwie-Einheit“ kommen können.

Leseprobe: http://shop.agentur-pji.com

Siehe auch Kurzvideo „Höhere Mathematik für einfache Christen“,

www.youtube.com/watch?v=FigVB1p-2-0

1 Offenbarung 12,10.

2 Matthäus 5,23–24.

3 Jakobus 5,14.

4 Matthäus 18,19–20.

5 Hesekiel 37,4–5.

Die Glieder des

„Leibes“ – noch

sind sie kaltgestellt

und warten auf die

eigentliche

Reformation.

„Weissage über diesen

Körperteilen:

Ihr vertrockneten

Glieder, hört das

Wort des HERRN:

Siehe, ich bringe

Odem in euch, dass

ihr wieder lebendig

werdet!“ 5

QR zum Video

„Höhere Mathematik

für einfache

Christen“

Foto: © Agentur PJI UG, Montage

Z für Zukunft

103


Visionär

Evangelium –

was ist das eigentlich?

Dank Luther konnten plötzlich alle die Bibel lesen. Heute geht das auf jedem Smartphone,

aber wer tut es noch? Was das Evangelium, die Frohe Botschaft, sein soll, wissen daher

nur noch wenige. Meist sind gekürzte Versionen im Umlauf – oft im Format einer „überlieferten“

Meinung. Doch „Selber lesen!“ war immer schon der Schlüssel jeder Reformation

Peter Ischka

Welches Bild verkündigt

welches Evangelium? Eine

königliche Maria mit einem

Kindlein auf dem Schoß – Der

leidende Jesus gemartert am

Kreuz – Jesus Christus, der

Pantokrator, sitzend

auf dem Thron

Madonna im Rosenhag,

Stefan Lochner um 1450.

Isenheimer Altar,

Matthias Grünewald 1523–25.

Basilika San Miniato al Monte

Jesus sprach

immer von einem

Evangelium des

Reiches Gottes.

Wie konnten

wir das nur

übersehen?

„Evangelium“ – das war ursprünglich

ein militärischer Begriff: Wenn an der Front der

Feind besiegt war, brachte ein Eilbote die erfreuliche

und ersehnte Nachricht ins Kernland. Auch

die Thronbesteigung eines neuen Kaisers wurde

als „Evangelium“ verkündigt.

Wussten Sie das? Nun, mich hat es auch überrascht,

dieses Wort ist inzwischen doch sehr

„christlich“ konnotiert. Doch in der Tat – das Evangelium

der Christen ist die Frohe Botschaft, dass

Jesus Christus durch sein Leiden und Sterben am

Kreuz die Schuld der ganzen Menschheit beglichen

und uns somit Sündenvergebung erwirkt hat.

Zur Zeit Luthers wurde das Schuldbewusstsein,

das jeder nur zu gut kennt, von der römisch-katholischen

Kirche extrem missbraucht; der Ablasshandel

war ein willkommenes Geschäftsmodell,

um die hohen Summen für den Bau des Petersdoms

zu generieren: „Sobald das Geld im Kasten

klingt, die Seele in den Himmel springt!“

Damit hat Luther aufgeräumt; er hielt dagegen:

„Gerechtfertigt aus Gnade“. Das war ein

gigantisch großer Schritt, aber das ganze Evangelium

bietet deutlich mehr! Nach Zeiten gnadenloser

religiöser Unterdrückung schlägt das

Pendel meist in ein anderes Extrem – man könnte

auch sagen: Aus einer (durchaus notwendigen)

Betonung wird Einseitigkeit. So wurde Gottes

Gnade in den Augen vieler zur „billigen Gnade“:

„Komm zu Jesus, du kriegst Freibier“; „Hauptsache,

ich bin errettet, mir geht es gut, mein Jesus

wird es schon richten …“

„Evangelium“ nannte man auch, wenn verkündet

wurde, dass ein neuer Herrscher den Thron

bestiegen hatte (dann gab es oft Geschenke bis

hin zur Generalamnestie). Jesus hat sich zur

Rechten Gottes des Vaters gesetzt!

Wie hat Jesus es wirklich gemeint? Die ganze

Zeit seines Wirkens auf dieser Erde sprach Jesus

von einem Evangelium des Reiches Gottes;

104

Z für Zukunft


Visionär

besonders nach seiner Auferstehung nützte er

die verbleibenden 40 Tage, um mit seinen Freunden

über all das zu sprechen, „was das Reich

Gottes betrifft“. Eine Videoaufzeichnung davon

wäre sicher interessant!

Adam, Eva und der „linke Deal“

Foto: © wallpapervortex.com

Evangelium von der Errettung – Evangelium des

Reiches Gottes – was ist der Unterschied? Ist das

nicht nur eine theologische Spitzfindigkeit?

Könnte man meinen; deshalb beginnen wir

auch gleich bei Adam und Eva: „‚Lasst uns Menschen

nach unserem Bild machen, uns ähnlich!

Sie sollen herrschen über die ganze Erde und

über alle Lebewesen.‘ Und Gott schuf den Menschen

nach seinem Bilde, als Mann und Frau.“ So

lesen wir es in 1. Mose 1,26; der Psalmist unterstreicht

den Herrschaftsauftrag: „Der Himmel ist

der Himmel des Herrn, die Erde aber hat er den

Menschenkindern gegeben.“ 1

Das war der Ausgangspunkt. Die Erde war

also ursprünglich das Herrschaftsgebiet des

Menschen; der Mensch regierte über die Erde,

die war ihm übergeben. Genau das sagen die

Begriffe, die am Anfang der Bibel stehen. Aber

wir wissen es aus dem Geschichtsunterricht:

Herrschaftsansprüche sind nicht „in Stein gemeißelt“,

Regierungsautorität kann in andere Hände

gelangen – durch Heirat, durch Siege oder auch

durch Betrug.

In der Anfangszeit war es für den Menschen

ganz normal, Gott zu begegnen und mit ihm

einige Worte zu wechseln. Es gab eine unmittelbare

Beziehung.

Aber dann schlich sich ein Etwas ein und

stellte die verfängliche Frage: „Sollte Gott gesagt

haben?“ Eine Frage, die aus atheistisch-humanistischer

Perspektive auch heute jeden Tag gestellt

wird. Wir kennen sie ja, die Geschichte vom

Sündenfall, die auf den ersten Seiten der Bibel

erzählt wird.

Wer steckte hinter diesem Etwas? Zu gern

hätte Satan die Herrschaft über die Erde gehabt,

aber die war schon vergeben. Was tun? Er schlug

den aktuellen Herren der Erde einen äußerst linken

Deal vor: verbotene Frucht essen gegen eine

Art Neuprogrammierung mit Bewusstseinserweiterung

(was diese doch gar nicht nötig gehabt

hätten!). Der Mensch hat sich übel austricksen

lassen – und sein Erbrecht für ein „Linsengericht“

verkauft, hat die Herrschaft über die Erde eingetauscht

gegen den Genuss einer ominösen Frucht.

So wurde Satan zum „Fürsten dieser Welt“.

Wie aus dem Deal herauskommen?

Großer Sprung: Was hat nun Jesus, der auch „der

letzte Adam“ genannt wird, tatsächlich bewirkt

durch seinen Tod am Kreuz und die Auferstehung?

In einer Ankündigung seines nahen Todes

zeigt Jesus, wie sehr dieser gegen den Fürsten

dieser Welt gerichtet war: „Jetzt ist das Gericht

dieser Welt, jetzt wird der Fürst dieser Welt

hinausgeworfen werden. Ich werde nicht mehr

viel mit euch reden, denn der Fürst dieser Welt

kommt, aber in mir hat er gar nichts.“ 2

Was hatte er nicht, dieser „Fürst dieser Welt“?

Er hatte keinen Deal mit Jesus, es gab kein Vertragsverhältnis,

worauf der „Fürst dieser Welt“

einen Anspruch hätte geltend machen können.

Durch diesen ursprünglichen „linken Deal“ waren

zunächst die ersten Menschen, „der erste Adam“,

und anschließend die ganze Menschheit in einer

Vertragsabhängigkeit gefangen. Jesus als „der

letzte Adam“ aber war, weil er nie gesündigt

hatte, davon frei und konnte deshalb nicht korrumpiert

werden. Dadurch hatte Jesus Christus

das volle Recht und die Möglichkeit, die Menschheit

aus dieser tödlichen Abhängigkeit herauszukaufen

und ihr ursprüngliches Recht, über die

Erde zu herrschen, wieder zurückerlangen.

Paulus hat das zutiefst erkannt: „Ihr wart tot

in euren Verfehlungen, in denen ihr gemäß dem

Zeitgeist dieser Welt, gemäß seinem Fürsten, als

Söhne des Ungehorsams unterwegs wart.“ 3 Das

Das Eigentliche

des Evangeliums

ist nicht die

Erlösung von

Sünden, es geht

um Veränderung

von Machtverhältnissen!

Sündenvergebung

ist „lediglich“

eine gute Begleiterscheinung

Z für Zukunft

105


Visionär

Es fällt

uns nicht leicht

zu begreifen,

wie umfassend

das war, was

Jesus Christus

in Tod und

Auferstehung

erreicht hat.

Zu sehr sind

wir von einem

verkürzten

Evangelium

geprägt

Hauptanliegen des Evangeliums ist nicht primär

die Erlösung von Sünden, es geht um die Veränderung

von Machtverhältnissen; Sündenvergebung

ist sozusagen „lediglich“ eine gute Nebenwirkung!

„Er hat uns errettet aus den Machtverhältnissen

der Finsternis und uns versetzt in

den Herrschaftsbereich des Sohnes seiner Liebe;

dadurch haben wir auch die Erlösung von den

Verfehlungen unserer Sünden im Beipack.“ 4

Paulus selbst hat seinen eigenen Auftrag so

beschrieben: „… den Menschen die Augen zu öffnen,

dass sie sich von der Finsternis zum Licht

und von der Macht des Satans zu Gott bekehren,

damit sie Vergebung der Sünden empfangen und

ein Erbe im Reich Gottes.“ 5

Die oberste Priorität

Jesus sprach ständig von dem Evangelium des

Reiches Gottes. Im „Vaterunser“ spiegelt sich

das deutlich wider – wir rufen aus: „Dein Reich

komme!“ Wir sprechen das vielleicht gewohnheitsmäßig

und haben dabei aus den Augen verloren,

welche Tragweite das beinhaltet – ein echter Verlust,

aber kein irreversibler. „Sucht als Erstes das

Reich Gottes!“ 6 – als Erstes! Das ist im Evangelium

oberste Priorität. Wie kriegen wir das hin?

Paulus fordert uns auf: Seid nicht gleichförmig

dieser Welt. Seid nicht systemabhängig vom „Fürsten

dieser Welt“, sondern werdet verändert durch

die Erneuerung eures Denkens. Genehmigt euch

ein Update! Das atheistisch-humanistische Denkkonzept

soll gegen die „Gesinnung Christi“ ausgetauscht

werden – damit wir überhaupt in der Lage

sind, all das zu prüfen, was auf uns einströmt, und

zu erkennen, was eigentlich der Wille Gottes ist,

und damit wir nicht weiterhin den Manipulationen

des Systems dieser Welt ausgesetzt sind. 7

Wir wechseln sozusagen den Provider, sind nicht

länger in einem Vertragsverhältnis mit dem Fürsten

dieser Welt; dann können auch wir sagen: „Wenn

dieser kommt, hat er gar nichts in uns.“ 2 Denn

überall dort, wo ihm die Kooperation versagt wird,

verliert er seinen Regierungsanspruch. Und überall

dort, wo der Wille Gottes geschieht, da breitet sich

das Reich Gottes aus: „Dein Reich komme!“

Jesus Christus, Erlöser und Sieger

Es fällt uns nicht leicht zu begreifen, wie umfassend

das war, was Jesus Christus in Tod und Auferstehung

erreicht hat. Zu sehr sind wir geprägt

von einem verkürzten Evangelium der Erlösung.

„Alle sind abgewichen, da ist kein Gerechter,

auch nicht einer; da ist keiner, der verständig ist;

da ist keiner, der Gott sucht. Alle sind abgewichen,

sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner,

der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“ 8

„Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an

Jesus Christus gilt für alle, die glauben. Denn es

ist kein Unterschied: Alle haben gesündigt und

erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden

umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade,

durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.“ 9

Das war die Schlüsselerkenntnis von Martin

Luther – und sie ist von hoher Bedeutung für

jeden Einzelnen, der die Vergebung der Sünden

zu erlangen sucht und die Rechtfertigung vor

Gott. Wohlgemerkt: ohne Gegenleistung!

So weit, so gut, und jedes Wort ist wahr. Aber

die Auswirkung des am Kreuz vollbrachten Erlösungswerks

Jesu Christi ist weit umfassender, ja

„universell“, ganz und gar systemverändernd.

Jesus Christus hat nämlich nicht nur den

Schuldschein gelöscht, der gegen uns gerichtet

war, und ihn aus unserer Mitte fortgeschafft,

indem er ihn ans Kreuz nagelte; sondern er hat

vor allem die Gewalten und die Mächte (des Fürsten

dieser Welt) völlig entwaffnet und sie öffentlich

zur Schau gestellt. In Christus hat Gott den

Triumph über diese Mächte voll ausgedrückt. 10

Urteil und Vollstreckung

Wenn wir uns nun die Lage in dieser Welt

anschauen, kommen wir in einen Konflikt; alles

sieht schlimmer aus denn je, und man hat gar

nicht den Eindruck, dass das Böse völlig entwaffnet

wäre. Korruption und Terror scheinen sich

auszubreiten. Hat Jesus Christus den Fürsten dieser

Welt nun hinausgeworfen oder nicht?

Der Autor des Hebräerbriefes gibt darüber Aufschluss:

„Indem Gott Christus alles unterwarf, ließ

er nichts übrig, was ihm nicht unterworfen wäre.

Jetzt aber sehen wir ihm noch nicht alles unter-

106

Z für Zukunft


Visionär

worfen.“ 11 An anderer Stelle heißt es: „Fortan wartet

Christus, bis seine Feinde als Schemel seiner

Füße hingelegt sind.“ 12

Das könnte man vergleichen mit dem Richter-

Henker-Prinzip: Der Richter fällt ein Urteil, aber

dieses bedarf der Vollstreckung. In der Zwischenzeit

ändert sich für den Verurteilten nicht viel,

besonders wenn er von dem Urteil noch nichts

weiß, und auch nicht für die Geschädigten, die

auf Gerechtigkeit hoffen.

Daher ist es wichtig, dass das umfassende Evangelium

verkündigt wird: Die Frohe Botschaft ist

zunächst für jeden persönlich die Vergebung der

Sünden und die Rechtfertigung aus Glauben; aber

darüber hinaus und übergeordnet verkündet sie,

dass der Fürst dieser Welt alles Recht an der Welt

verloren hat und per Gerichtsurteil entmachtet ist.

Unsere Rolle

Gott will das Herrschaftsverhältnis, das im Schöpfungskonzept

ursprünglich vorgesehen war, auf der

Erde wiederherstellen: „Christus muss freilich im

Himmel aufgenommen werden bis zu den Zeiten

der Wiederherstellung aller Dinge, von denen Gott

durch seine Propheten von jeher geredet hat.“ 13

Jeder einzelne Mensch, der das Erlösungswerk

Jesu im Glauben für sich in Anspruch nimmt und

diese Veränderung der Herrschaftsverhältnisse

erkennt, nimmt sozusagen eine neue Staatsbürgerschaft

an, die des Reiches Gottes. Wer „von

Neuem“, also aus dem Geist Gottes geboren ist,

der überwindet die Welt und wechselt das Reich

– er ist also nicht mehr gleichförmig mit diesem

Weltsystem. Diese „Wiedergeborenen“ können

über sich und Christus sagen: „Wir haben die Welt

überwunden. Denn der, der in uns ist, ist größer

als der, der in der Welt ist.“ 14

Jesu Worte an Gott, seinen Vater, machen das

noch deutlicher: „Ich habe ihnen dein Wort weitergegeben;

dafür hasst sie die Welt, weil sie ihr nicht

gleichförmig sind, so wie auch ich nicht zur Welt

gehöre. Ich bitte dich nicht, sie aus der Welt herauszunehmen;

aber ich bitte dich, sie vor dem Bösen zu

bewahren. Sie gehören so wenig zur Welt, wie ich

zur Welt gehöre. So wie du mich aus deinem Reich

in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie als Vertreter

meines Reiches in die Welt gesandt.“ 15

Und hier schließt sich der Kreis: „Wer überwindet,

der wird mit mir auf dem Thron sitzen,

wie auch ich überwunden und mich mit meinem

Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ 16 Wer sitzt

auf dem Thron? Üblicherweise der, der regiert.

Der Mensch als Überwinder wäre dann wieder

in derselben Position wie bei der ursprünglichen

Auftragserteilung: „Sie sollen herrschen über die

ganze Erde und über alle Lebewesen.“

Inkompatibel

Aber alles, was gleichförmig ist mit dieser Welt,

ist absolut inkompatibel mit dem Reich Gottes –

und umgekehrt. Deshalb der energische Aufruf:

„Seid nicht gleichförmig mit dieser Welt!“ Jede

Gleichförmigkeit bedeutet Kooperation mit dem

Fürsten dieser Welt und nährt seine unrechtmäßigen

Herrschaftsansprüche. Er hat nämlich nur

die Macht, die ihm dummerweise eingeräumt

wird von den Christen, die nur das halbe Evangelium

kennen; wo immer ihm aber widerstanden

wird, entzieht ihm das seine Macht.

Widerstand – wie soll das gehen? Ganz einfach.

Sagen Sie jeden Tag: „Dein Reich komme.

König Jesus, regiere du in meinem Leben. In mir

und meinem Leben hat der Fürst dieser Welt

keine Regierungsgewalt mehr! Vater, dein Wille

geschehe in meinem Leben, nicht die bösen Pläne

dieser Welt.“ – Und schon hat sich das Reich Gottes

um ein paar Zentimeter mehr ausgebreitet.

Das Evangelium spricht von Jesus, dem Erlöser,

aber auch von Christus, dem König, dem alle Macht

und Gewalt gegeben ist, im Himmel und auch auf

Erden – jetzt schon!

1 Psalm 115,16.

2 Johannes 12,31; 14,13.

3 Epheser 2,1–2.

4 Kolosser 1,12–14.

5 Apostelgeschichte 26,18.

6 Matthäus 6,33.

7 Römer 12,2.

8 Römer 3,9–12.

9 Römer 3,22–24.

10 Kolosser 2,14–15.

11 Hebräer 2,8.

12 Hebräer 10,13.

13 Apostelgeschichte 3,21.

14 1. Johannes 5,4; 4,4.

15 Johannes 17,14–18.

16 Offenbarung 3,21.

Wer diese

Veränderung

der Herrschaftsverhältnisse

erkennt, nimmt

eine neue Staatsbürgerschaft

an,

die des Reiches

Gottes

Z für Zukunft

107


S u c h e n a c h d e n W u r z e l n e i n e r v e r l o r e n e n K u l t u r

REFORMATION

beginnt, wenn du deinen Verstand benützt,

aber nicht auf ihn vertraust, weil du durchschaust,

wie manipulierbar der doch ist.

Dafür verlässt du dich von ganzem Herzen

auf den Herrn, deinen lebendigen Gott.

[Nach Sprüche 3,5]

Foto: © fotolia.com

Reformatio • re • formatio Etwas neu formatieren. Wenn der Computer nicht mehr ordentlich läuft,

ist das die Lösung. Re – zurück zur Werkseinstellung, so wie sich das der Erfinder gedacht hat. In

der christlichen Kirche haben sich viel Bugs und Viren angehäuft. Immer „neue“ Software-Pakete

wurden draufgepackt. Das System erlahmte. Die Reset-Taste ist gefragt, denn der Erfinder wird

seine ekklesia bauen, nicht irgendeine Kirche, und die wird in der Lage sein, auch die Pforten der

Hölle zu überwinden. Diese »Z« ist wie eine Anleitung für diese Re-formatierung.

108

Z für Zukunft

Z u k u n f t E u r o p a e . V .

w w w . Z w i e Z u k u n f t . d e

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