MagaziN - Agentur für Text und Bild GbR

a.b.creativ.de

MagaziN - Agentur für Text und Bild GbR

Das Regional-Journal für den Wirtschaftsraum Leipzig/Halle (Saale)

Altenburg Bitterfeld Borna Dessau-Roßlau Jena Köthen Merseburg Naumburg Torgau Weißenfels Wittenberg

Quo vadis?

2/2008 4 EUR

ISSN 1614-2837

www.regjo-leipzig.de


Ihr Zuhause in Leipzig befindet sich

mitten im historischen Stadtkern,

gegenüber dem Leipziger Hauptbahn-

hof. Unser First Class Hotel bietet indi-

viduelle Wohnkultur im Art-Deco-Stil.

Hinter der denkmalgeschützten Fassade

befinden sich 288 Zimmer, das Restau-

rant „Steaktrain“, das „Nikolai Bistro“

und Tagungs- und Banketträume für

bis zu 110 Gäste. Für unsere Gäste

bieten wir spezielle Musik- und Kultur-

pakete an. Das Gewandhaus und die

Oper sind nur 200 m vom Hotel ent-

fernt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Richard-Wagner-Straße 7 · 04109 Leipzig

Tel.: 0341/98 52-0 · Fax: 0341/98 52-750

info@parkhotelleipzig.de · www.seaside-hotels.de

Standpunkte

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

regjo LeIPZIg/HALLe editorial 03

Unsere Sicht auf die Dinge bestimmt unser Standort. entsprechend

wichtig ist es, den richtigen Platz in der Welt zu finden.

„Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte

jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. An die Stelle der

alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit

tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit [...].“ Das

160 Jahre alte Vokabular des Kommunistischen

Manifests scheint überholt, doch die

Analyse ist überraschend aktuell. Unternehmen

und Regionen befinden sich im

globalisierten Wettbewerb. Welche Faktoren

bestimmen dabei Entscheidungen über

Ansiedlungen oder Standortschließungen?

REGJO hat sich dazu bei Unternehmen,

Standortvermarktern und Wissenschaftlern

der Region umgehört.

Im Interview fragten wir Deutschlands

obersten Standortvermarkter Michael

Pfeiffer nach den internationalen Anforderungen

an das Profil von Standorten und

danach, wie professionelles Standortmarketing aussehen muss.

Seinen geistigen Standort verteidigte Martin Luther gegen alle

Anfeindungen und veränderte damit von Mitteldeutschland aus die

Welt. Wir begaben uns auf die Spuren des Reformators und stellen

Ihnen die wichtigsten Stätten seines Wirkens vor.

Seit 2004 findet die Werkleitz Biennale nicht mehr in ländlicher

Umgebung, sondern am Standort Halle (Saale) statt. Im Vorfeld des

diesjährigen internationalen Forums für Medien und Kunst unterhielt

sich REGJO mit den Machern der „documenta des Ostens“ über

„Amerika als Neuanfang“. Wo sie auch stehen, viel Spaß beim Lesen!

Ihr Kai Bieler

Chefredakteur, E-Mail: k.bieler@regjo-leipzig.de

Die Ziele des regjo: Der Wettbewerb zwischen den Standorten in europa

wird schärfer. Die klare Positionierung und Profilierung einer region sichert

das Bestehen in diesem Wettbewerb. regjo berichtet mit überregionaler

Präsenz über Wirtschaft, Kultur und Leben aus der Wirtschaftsregion Leipzig-Halle.

Mit kompetenten Beiträgen und einprägsamen Bildern erhöht

regjo die Identifikation der Menschen mit der region. So gewinnt die

region als Standort weiter an Attraktivität. Bei Bewohnern und Investoren.


04 iNHalt regjo LeIPZIg/HALLe

14

31

36

42

20 Drum prüfe, wer sich...

Die Wahl eines Standortes gehört zu den

wichtigsten entscheidungen für ein Unternehmen.

Welche Faktoren entscheiden

dabei über den erfolg im internationalen

Wettbewerb der regionen?

Thema

Interview: Michael Pfeiffer, Geschäftsführer

der Invest in Germany GmbH

spricht über die internationale Investorenwerbung

und den Standort Deutschland.

Der Blick fürs Ganze: Flughafen-Befürworter

gründeten im Juni den Verein

„PRO Flughafen Leipzig/Halle“. Sie treten

für eine objektive Meinungsbildung ein.

Der Sprung ins kalte Wasser: Mehr als

30 Technologie- und Innovationszentren

in Mitteldeutschland sollen Existenzgründern

beim Start ihres Unternehmens

helfen. Ist das Konzept noch zeitgemäß?

Dem Investor auf der Spur: Kommunen

und Kreise versuchen mit gezielten Förderaktivitäten

die eigene Wirtschaftsstruktur

zu stärken.

Bildnachweis: Carmen j. Hoffmann; Dietmar Tondar; Tom Schulze; Fotolia.com

10

10

11

12

32

Wirtschaft

Mehr Wert: HHL unterzeichnet die

„Grundsätze für Management-Ausbildung“

– eine Initiative der Vereinten

Nationen, an der sich 122 Wirtschaftshochschulen

beteiligen.

do-it@Leipzig: Leipzig setzt neue Maßstäbe

im Messemarketing. Seit April

2008 steht das überarbeitete Online-Portal

„do-it-at-leipzig.de“ zur Verfügung.

Der Sonne entgegen: Im „Solarvally“ in

Thalheim/Wolfen stehen weitere Investitionen

in Milliardenhöhe an. Q-Cells

expandiert nach Amerika und Asien.

Die Mobilität der Zukunft: Das Weltverkehrsforum

2008 fand zum Thema „Verkehr

und Energie: Die Herausforderung

des Klimawandels“ in Leipzig statt.

Erfolgreich mit Verantwortung: Die Veranstaltungsreihe

„IMPULSE − Forum für

Corporate Social Responsibility in Mitteldeutschland“

erfolgreich gestartet.

9

66

68

71

72

58 Luthers Land

Die Wurzeln der religion von weltweit

400 Millionen Protestanten liegen in Mitteldeutschland.

regjo besuchte die

historischen Stätten, an denen der große

reformator wirkte.

Kultur & Gesellschaft

6 Köpfe: REGJO fragt seine Leser anlässlich

der vorraussichtlich letzten, in Leipzig

stattfindenden Games Convention:

Was für ein Spielertyp sind Sie?.

Explosive Malerei: Corinths Position ist

einzigartig unter den deutschen Malern.

Ob impressionistisch oder expressionistisch,

seine Werke sind voll Sinnlichkeit

und provokanter Direktheit.

Berühmter als berüchtigt: Die Willi-

Sitte-Galerie Merseburg zeigt ausgewählte

Werke von Otto Dix: Aquarelle,

Zeichnungen und Druckgrafiken.

Quadratisch, praktisch, gut: Arno

Fischer zeigt in der Stiftung Moritzburg

Halle Unikate der als laienhaft verschrienen

quadratischen Formate.

„Amerika“ als Neuanfang: Die Werkleitz

Biennale wird zum Festival und setzt

sich mit den Einflüssen des Landes

der unbegrenzten Möglichkeiten auf

Deutschland auseinander.


13

13

40

57

19 Fluch des Wissens

Viele Informationen, aber keiner weiß

etwas. Das Leipziger Start-up HANDSPIeL

widmet sich mit individuellen IT-Lösungen

der gezielten Informationsverbreitung in

Unternehmen.

Technik & Wissenschaft

Starke Bindung: Der IT-Dienstleister

perdata setzt erfolgreich auf optimale,

branchenfokussierte Vertriebs- und

Betreuungsstrukturen.

Brückenbauer: Sieben staatliche Hochschulen

Sachsen-Anhalts wurden als

Zentren eingerichtet, die den Wissenstransfer

zwischen Hochschule und Wirtschaft

verbessern sollen.

Raum für Investitionen: Ein deutscher

Weltkonzern, eine schweizer Firmengruppe

und ein junges Biotechnologieunternehmen

expandieren in Halle (Saale).

Holger Klappstein.TXT: Der Hallenser ist

Geschäftsführer der Deutschlandniederlassung

der internationalen TXT e-solutions

Group.

29

76

82

Service

Grafik: Bildwerk zur Veranschaulichung

des Schwerpunktthemas „Relevanz der

Standortfaktoren”.

Wo und was?: Der Kalender gibt einen

Überblick über die wichtigsten Kultur-

und Fachveranstaltungen von Juli bis

Oktober.

Fleißige Helfer: Im Impressum finden

Sie die Namen aller, die am Entstehen

des neuen REGJO beteiligt waren.

48

50

52

53

54

regjo LeIPZIg/HALLe iNHalt 05

47-55 PR im REGJO

MIt den „Verlagssonderveröffentlichungen“

bietet regjo der regionalen Wirtschaft

eine attraktive Plattform für ihre Unternehmenskommunikation.

Weitere Informationen

erhalten Sie unter 0341/90 32 28.

Sonderveröffentlichung

Es werde Licht!: Moderne Beleuchtungssysteme

für die „gute Stube”: der Auerbachs

Keller in der Leipziger Mädlerpassage

erstrahlt in neuem Glanz.

Überall ein Stückchen Raffinerie:

Im Zuge ihrer TÜV-Inspektion hat die

TOTAL-Raffinerie kräftig in die Zukunft

investiert.

Mit Outsourcing die Kosten im Griff:

Im Jahr 2008 feiert die ICS adminservice

GmbH unter dem Motto „Zukunft.

Gemeinsam!“ ihr 15-jähriges Jubiläum.

Da gibt‘s nichts dran zu meckern: Die

Verordnung 510/2006 der Europäischen

Union und die deutsche Käseverordnung

schützen den Altenburger Ziegenkäse.

Sparpotenzial: Mehr Energieeffizienz ist

das Gebot der Stunde. Die Stadtwerke

Leipzig verhelfen Geschäftskunden mit

ihren „endico“-Dienstleistungen zu deutlichen

Einsparungen.


Leipzig_Regio_215x140 25.06.2008 13:59 Uhr Seite 1

w o d e r H i m m e l a m s c h ö n s t e n i s t

Leipzig – Paris: 2 x täglich

Wann fliegen Sie?

www.airfrance.de

VNG_Anzeige_Danke_215x140_DRUCK.1 1 02.07.2008 16:49:22


1 3 5

2 4 6

regjo LeIPZIg/HALLe MeiNuNg 09

Was für ein Spielertyp sind Sie?

regjo fragt seine Leser anlässlich der voraussichtlich letzten, im August in Leipzig stattfindenden games

Convention nach ihren persönlichen spielerischen Vorlieben.

1. Wolgang Siebert, Business Development

Manager bei Radon Labs: „Ich

bezeichne mich als Gelegenheitsspieler:

Ich spiele wann immer sich die Gelegenheit

bietet. Das ist aber nicht so viel,

wie es sich anhört, denn Familie, Arbeit,

Garten und Sport gehören der Großteil

meiner Zeit. Berufsbedingt versuche

ich, möglichst viele Spiele anzuschauen

– gucken was andere machen. Wenn

ich mal spiele, dann auf dem heimischen

PC und eine Konsole steht noch

auf dem Wunschzettel. Mein Lieblingsspiel:

Toben mit meinem Sohn.“

2. Prof. dr. Hartmut Warkus, Professor

für Medienpädagogik der Universität

Leipzig: „Ich spiele generell sehr gern,

in den vergangenen Jahren vor allem

mit dem PC. Ich mag Adventures. Noch

lieber als dieses Genre spiele ich aber

mit dem Flugsimulator. Auch einfache

Ballerspiele zählen zu meinen Favoriten.

Von ‚Serious Sam‘ habe ich bis jetzt

alle Teile gespielt. Außerdem habe ich

den ‚Nintendo DS‘ als nahezu ständigen

Begleiter entdeckt. Dabei sind es vor

allem die Denk- und Knobelspiele, die

mich faszinieren. Den Englisch-Trainer

finde ich genial.“

3. Peter luczak, Präsident des Internationalen

Skatgerichts: „Ich habe als

Jugendlicher Spiele mit großer Risikobereitschaft

gespielt. Als ich aber

einem Skatclub beigetreten bin, begriff

ich, dass man mit konzentrierter Spielweise

fast jedes Spiel ausrechnen und

den Glücksfaktor weitestgehend ausschalten

kann. Im Turnierskat spiele ich

heute diszipliniert. Beim Geldskat bin

ich risikobereiter, reize das Spiel und

hoffe auf Fehler meiner Mitspieler oder

eine gute Findung im Skat. Das Faszinierende

am Skat ist, dass nach jedem

Spiel ein neues beginnt.“

4. Manja Kendler, DJane und Sängerin

aus Leipzig: „Bei mir geht nichts über

jamaikanisches Domino, ganz ohne PC.

Ab und an lasse ich mich aber auch zu

einem Spiel im Internet verleiten. Die

Welt der Onlinegames bietet dazu ja viele

Möglichkeiten, birgt aber auch Gefahren,

die man nicht unterschätzen sollte.

Interessant würde ich einen Blick in die

Zukunft finden: Wo entwickeln wir uns

hin? Meine Wunschvorstellung: Wenn

schon Krieg, dann in Zukunft über

Onlinespiele, ohne den Lebensraum

oder die Würde anderer anzugreifen.“

5. Henning Bürger, Trainer des 1. FC Carl

Zeiss Jena: „Willig, aber erfolglos – so

würde ich mich beschreiben, wenn ich

mit meinen beiden Söhnen am Computer

spiele. Hier stelle ich mich zwar gern

beim Fußball zur Verfügung, komme

jedoch über die Opferrolle kaum hinaus.

Meine Kinder schießen sogar

Eigentore, damit auch ich mal treffe.

Ich bin prinzipiell ein guter Verlierer

– an der Playstation. Beim wirklichen

Sport, zum Beispiel dem Tischtennis,

bin ich deutlich ehrgeiziger. Hier kann

ich mich für besonders bittere Niederlagen

in der virtuellen Welt revanchieren.“

6. J. Peter lemcke, Gründer und Direktor

des Deutschen Spielemuseum e.V.:

„Mein erklärtes Lebensziel ist es, die

Menschen zum Spielen zu bringen –

besonders die Erwachsenen, denn die

Kinder spielen sowieso. Es ist wichtig,

dass die Menschen das Spielen nicht

aus den Augen verlieren, denn wenn

wir spielen, lernen wir. Und außerdem

wusste schon der antike Philosoph

Plutarch: ‚Der Gipfel der Weisheit ist,

ernsthafte Lebensziele spielerisch zu

verfolgen.“

Bildnachweis: Wolfgang Siebert; Universität Leipzig; Matthias Bock; Stefan Schmidt; FC Carl Zeiss jena Fußball

Spielbetriebs gmbH; Deutsches Spielemuseum


10 MagaziN regjo LeIPZIg/HALLe

Stanislaw tillich, mit 66

von 121 abgegebenen

Stimmen ist der 49-jährige

bisherige Finanzminister

zum neuen Ministerpräsidenten

des Freistaates Sachsen

gewählt worden. Damit tritt er die Nachfolge

georg Milbradts an, der wegen

der Affäre um die Sachsen LB in die

Schlagzeilen geraten war und von seinem

Amt zurücktrat.

dr. angela Merkel hat

die ehrendoktorwürde der

Fakultät für Physik und

geowissenschaften der

Universität Leipzig erhalten.

Die Bundeskanzlerin, die von 1973

bis 1978 in Leipzig studierte, wurde für

ihre Verdienste um das Fachgebiet Physik

und dessen reputation, ihren einsatz

für die Demokratie und Menschenrechte

sowie für den Umweltschutz geehrt.

Stefan Voß wird ab

1. August 2008 die

geschäftsführung der

Stadtmarketing Halle

gmbH übernehmen. Der

42-jährige, der vor seiner Tätigkeit am

Düsseldorfer Schauspielhaus im Stadtmarketing

von Wolfsburg tätig war, tritt

damit die Nachfolge von Lothar Meyer-

Mertel an, der seit 1. juni den Aufbau

des Stadtmarketings Hildesheim leitet.

alexander lohse ist seit

1. Mai bei der Siemens

enterprise Communications

gmbH & Co. Kg

als Vertriebsleiter für den

raum Sachsen und Thüringen tätig.

Zuvor war er geschäftsführer der

Leipziger Niederlassung des Bundesverbands

mittelständischer Wirtschaft

(BVMW). Seine dortige Position hat zum

1. Mai ray erfurth übernommen.

engelbert lütke daldrup

erhielt am 2. juni den

„Urbanicom Preis 2008“

für die „Nationale Stadtentwicklungspolitik“.

Damit

ehrt der „urbanicom e.V.“ das herausragende

engagement des Staatssekretärs

für seine Stadtentwicklungspolitik auf

Bundesebene. Zuvor wirkte Lütke Daldrup

als Stadtbaurat in Leipzig.

K o N g r e S S e

do-it@Leipzig

Leipzig setzt neue Maßstäbe im Messemarketing.

Die „Mutter der Messen“ ist in Leipzig beheimatet,

und das seit über 1.000 Jahren. Die

Leipziger Messe zählt heute zu einer der

wichtigsten Messe- und Kongresszentren

der Welt und einer der modernsten in Europa.

Ein Zeugnis dafür ist die Entscheidung

der „International Congress & Convention

Association“ (ICCA), den ICCA-Weltkongress

2011 im Leipziger Congress Center

auszurichten.

Leipzig bietet Unternehmen den passenden

Rahmen für die verschiedensten

Veranstaltungsformate. Für eine einfachere

Planung haben die Leipziger Messe GmbH

und die Leipzig Tourismus und Marketing

GmbH ihr Angebot erweitert. So steht seit

April 2008 das überarbeitete Online-Portal

„do-it-at-leipzig.de“ zur Verfügung. Unternehmen

haben hier die Möglichkeit, Messeauftritte,

Kongresse oder Firmenevents zu

planen. Auf einen Blick finden sie Tagungshotels,

Kongresszentren und Event Locations

sowie die richtigen Dienstleister wie Agenturen,

POC's, Hostessen- und Security-Services

oder Verkehrsträger. KK

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.do-it-at-leipzig.de.

U N T e r N e H M e N S e T H I K

Mehr Wert

HHL unterzeichnet die „grundsätze für

Management-Ausbildung“.

Auf Initiative von Ban Ki-moon, Generalsekretär

der Vereinten Nationen, startete 2007

die Initiative zur freiwilligen Vereinbarung

der „Principles for Responsible Management

Education“ (PRME). Damit bekennen sich

122 Wirtschaftshochschulen zur Förderung

von Verantwortungsbewusstsein und Nachhaltigkeitsansätzen

in der Managementausbildung.

Während die Juristische und

Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

diese Vereinbarung bereits im Juli 2007

unterzeichnet hatte, zog die Handelshochschule

Leipzig (HHL) nun nach.

Prof. Dr. Andreas Suchanek, Inhaber der

Dow-Forschungsprofessur für Nachhaltigkeit

und Globale Ethik an der HHL, erklärt: „Die

HHL setzt bereits jetzt die ‚Prinzipien verantwortungsbewussterManagement-Ausbildung‘

in hohem Maße um. Dies geschieht

durch Pflichtveranstaltungen in Unternehmensethik,

studentische Praxisprojekte und

öffentliche Veranstaltungen zu Fragen der

Unternehmensverantwortung und werteorientierten

Unternehmensführung.“ KK

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.hhl.de.


e N e r g I e

Der Sonne entgegen

Im „Solarvally“ in Thalheim/Wolfen stehen weitere Investitionen in Milliardenhöhe an.

Q-Cells erweitert seine Auslandsexpansion im asiatischen und us-amerikanischen raum.

Die Sonne scheint immer höher über den

sachsen-anhaltischen Städten Thalheim

und Wolfen. Hier entstand innerhalb weniger

Jahre das weltweit größte Zentrum für

Solarenergie, das sogenannte „Solarvalley“.

Um den wachstumsstärksten Hersteller von

Solarzellen, Q-Cells, haben sich zahlreiche

Unternehmen der Photovoltaikbranche

angesiedelt. Mittlerweile sind rund 3.000

Mitarbeiter am Standort tätig.

Erst im Mai dieses Jahres weihte die

Q-Cells Tochter Solibro ihre erste Produktionsline

zur Herstellung von Kupfer-Indium-

Gallium-Diselenid-Dünnschichtmodulen

(CIGS) in Bitterfeld ein. „Mit der ersten

Produktionslinie machen wir einen großen

Schritt nach vorne auf unserem Wachstumskurs.

Wir stoßen auf ein starkes Interesse

am Markt und haben bereits einen großen

Anteil der Produktion verkauft“, erklärt Dr.

Johannes Segner, Chief Operating Officer

von Solibro.

Dass der Nutzung regenerativer Energiequellen

die Zukunft gehört, zeigen auch die

geplanten Investitionen der Unternehmen

innerhalb des Solarvalley. Diese kündigten

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.q-cells.de.

für die kommenden Jahre einen Einsatz von

rund 1,8 Milliarden Euro an. So sollen in den

nächsten Jahren 2.800 weitere Arbeitsplätze

entstehen. In diesem Zusammenhang seien

bis März 2008 35 Förderanträge beim Wirtschaftsentwicklungs-

und Tourismus-amt

der Kreisverwaltung Anhalt-Bittelfeld eingegangen.

Dabei lassen die Unternehmen sich

nicht von den geplanten Kürzungen bei der

Subvention für Strom aus Sonnenenergie –

um acht Prozent bis 2009 und um neun Prozent

2010 – abschrecken.

Die Unternehmen in Thalheim/Wolfen

wachsen weiter. Allein Q-Cells konnte

seine Umsatzzahlen von 2006 auf 2007 um

64 Prozent auf 269,7 Millionen Euro steigern.

Durch die Fortsetzung der Auslandsinvestitionen

soll Q-Cells weiter wachsen und

seine Stellung auf dem amerikanischen und

asiatischen Markt weiter ausbauen. Neben

einer Fabrik in Malaysia entsteht nahe der

US-amerikanischen Grenze in Mexiko eine

neue Produktionsanlage für Dünnschichtmodule.

Dies seien notwendige Schritte, um im

internationalen Wettbewerb Nummer eins

zu bleiben, so das Unternehmen. KK

regjo LeIPZIg/HALLe regioNale WirtScHaft 11

Mehr Kredite

Der ostdeutsche Sparkassenverband

will sein geschäft mit dem Mittelstand

weiter ausbauen. Das erklärte Verbandspräsident

Claus Friedrich Holtmann

am 27. Mai auf dem 6. ostdeutschen

Sparkassentag in Halle. Allein im ersten

Quartal 2008 wurden neue Kredite an

Unternehmen und Selbstständige in

Höhe von 463,4 Millionen euro ausgegeben.

etwa 70 Prozent der ostdeutschen

sind Kunden der Sparkasse und drei

von vier Unternehmen haben zu ihr oder

einer Landesbank geschäftsbeziehungen.

Dies bewertet Holtmann als gutes

Zeichen und fordert zudem vor allem

mehr Stabilität im Bankengeschäft. In

den vergangenen Monaten sei die Kreditwirtschaft

opfer einer selbstinitiierten

gier nach mehr rendite geworden.

(Infos: www.osv-online.de)

Weniger anteile

Das Land Sachsen-Anhalt hat die Anteile

der Stadt Halle an der Mitteldeutschen

Flughafen Ag (MFAg) bis auf einen symbolischen

Anteil von 0,2 Prozent übernommen.

Am 16. Mai unterzeichneten

oberbürgermeisterin Dagmar Szabados

und Finanzminister jens Bullerjahn einen

entsprechenden Vertrag, der die Stadt

von allen finanziellen Verpflichtungen an

den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden

befreit, ein Mitwirkungsrecht an der

entwicklung der MFAg jedoch weiterhin

möglich macht. Bisher hielten die Stadt

Halle 5,16 Prozent, das Land Sachsen-Anhalt

13,58 und Sachsen 76,64

Prozent. Weitere Anteilseigner sind die

Städte Dresden und Leipzig.

(Infos: www.mdf-ag.com)

Bildnachweis: Sächsiche Staatskanzlei/gerrit Meier; Bundesregierung/Laurence Chaperon; Sebastian Hoppe; BN; Bundesregierung/Faßbender; do-it-at-leipzig.de; HHL; Q-Cells Ag; Flughafen Leipzig/Halle


12 regioNale WirtScHaft regjo LeIPZIg/HALLe

M I T T e L S T A N D

Pool-Party

Der BVMW lädt am 1. oktober zum Mittelständischen

Unternehmertag 2008 ein.

Am 1. Oktober 2008 findet bereits zum vierten

Mal der Mittelständische Unternehmertag

im Congress Center Leipzig an der Neuen

Messe statt. Unternehmer und Führungskräfte

aller Branchen, hochrangige Vertreter

aus Politik und Wissenschaft sowie regionale

und überregionale Medienvertreter werden

zu dieser Leistungsschau erwartet.

Neben den Bundesländern Sachsen,

Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen

beteiligen sich erstmals auch Brandenburg,

Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen

und Bayern an dieser Veranstaltung

und werden mit ihren leistungsstarken

mittelständischen Unternehmen

vertreten sein. Über das Netzwerk des Bundesverbandes

mittelständischer Wirtschaft

(BVMW) sowie die Kunden- und Partnerpools

der Initiatoren erreicht der Unternehmertag

mittlerweile nahezu 50.000 Unternehmen

in ganz Deutschland. Der Themenkreis wird

dieses Jahr um die Bereiche „Innovative

Kunststoffindustrie“, „Wachstumsmotor

Maschinenbau“ und „Zukunftstechnologie

erneuerbare Energien“ erweitert. KK

Weitere Informationen: Tel. 0180-5656502

www.mittelstaendischer-unternehmertag.de.

V e r K e H r

Die Mobilität der Zukunft

Das Weltverkehrsforum 2008 zum Thema „Verkehr und energie: Die Herausforderung des

Klimawandels“ fand mit mehr als 600 Teilnehmern vom 28. bis 30. Mai in Leipzig statt.

Vom 28. bis zum 30. Mai fand auf dem

Gelände der Leipziger Messe der weltweit

größte Verkehrsgipfel mit über 600 Teilnehmern

aus Politik, Industrie, Wissenschaft und

Zivilgesellschaft statt: Das Weltverkehrsforum

2008 (International Transport Forum

- ITF) zum Thema „Verkehr und Energie: Die

Herausforderung des Klimawandels”. Der

Vorsitzende des Weltverkehrsforums, Jack

Short, erklärte: „Der Verkehrssektor steht

hier vor der schwierigsten Herausforderung,

denn es muss das richtige Gleichgewicht zwischen

der Stärkung von Verkehr und Handel

sowie der Verringerung der verkehrsbedingten

Treibhausgase und der Abhängigkeit von

Erdöl geschaffen werden.”

Das Forum, an dem unter anderem die

Verkehrsminister aus 51 Staaten teilnahmen,

gab Gelegenheit, Strategien und Maßnahmen

auszuarbeiten, die auf nationaler und

internationaler Ebene umgesetzt werden

müssen, damit der Verkehr bis Mitte des

Jahrhunderts einen deutlichen Beitrag zur

Senkung der Emissionen um rund 50 Prozent

leisten kann. „Es gab einen produktiven

und lebhaften Austausch zwischen den

Nationen”, resümiert Finnlands Verkehrsministerin

und diesjährige ITF-Präsidentin

Anu Vehviläinen. Zwar gebe es in den Ländern

unterschiedliche Voraussetzungen und

Bedingungen, aber in vielen Punkten habe

man sich angenähert und Gemeinsamkeiten

entdeckt. Das Abschlussdokument des

Weltverkehrsforums schlägt ein politisches

Maßnahmenpaket vor, welches die Förderung

von Forschung und Entwicklung neuer

Technologien und Kraftstoffe sowie den

stärkeren Einsatz von Informationstechnologien

beinhaltet. Des Weiteren sieht es ein

integriertes Mobilitätsmanagement und ein

Bündel nicht-technologischer Maßnahmen

vor, um die Energieeffizienz zu verbessern

und die Emissionen zu reduzieren.

Zeitgleich mit dem Kongress wurde

eine Ausstellung zum Thema Energie und

Verkehr in den Räumen des Congress Centers

Leipzig eröffnet, bei der sich Vertreter

von Verbänden, Unternehmen, Städten und

Kommunen beteiligten. Außerdem stellten

Wissenschaftler ihre aktuellen Forschungsprogramme

unter dem Motto „Open Forum”

vor.

jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.internationaltransportforum.org.


I T

Starke Bindung

IT-Dienstleister perdata ist mit Branchenorientierung

deutschlandweit erfolgreich.

Mit ausgeprägter Kundenbindung konnte

perdata nicht nur in der Region Leipzig,

sondern auch außerhalb des mitteldeutschen

Marktes zahlreiche Neukunden gewinnen,

so ein bayerisches Entsorgungsunternehmen

und einen großen süddeutschen Klinikverbund.

Wesentliche Erfolgsfaktoren waren

das bewährte, ganzheitliche Produkt- und

Leistungsportfolio sowie die Einführung

einer optimalen, branchenfokussierten Vertriebs-

und Betreuungsstruktur innerhalb des

Unternehmens im Jahr 2007. Das führte zu

einem Umsatz von 19,4 Millionen Euro und

einem Betriebsergebnis von 2,1 Millionen

Euro (2006 = 2,0 Mio).

Die 1999 gegründete perdata Gesellschaft

für Informationsverarbeitung hat

sich zu einem der führenden Full-Service

IT-Dienstleister für den Mittelstand entwickelt,

mit Schwerpunkt auf den Branchen

Versorgungs- und Verkehrsunternehmen

sowie Gesundheitswesen, und verfügt über

ein eigenes ISO-zertifiziertes Rechenzentrum.

Für über hundert Kunden sind 136

Mitarbeiter tätig. Sig

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.perdata.de.

A U S S C H r e I B U N g

MCs ermitteln

Die Marketingclubs Leipzig und Halle ehren

erneut herausragende Marketingleistungen.

Am 5. Juni hat die Ausschreibung für den

diesjährigen Mitteldeutschen Marketingpreis

der Marketing Clubs Leipzig und Halle

begonnen. Noch bis zum 31. Juli dürfen

sich Unternehmen aus der Region bewerben,

wenn sie nachweisen können, dass

ihre Marketingstrategien einen erheblichen

Unternehmenserfolg herbeigeführt haben,

unabhängig davon, ob dieser auf regionaler

oder bundesweiter Ebene realisiert wurde.

Konzepte, die sich auf komplette Unternehmensstrategien

beziehen, sind genauso willkommen,

wie Marketing, das gezielt auf ein

spezielles Produkt aufmerksam macht.

Der Sieger wird von einer Jury aus

Vorstandsmitgliedern der Clubs sowie aus

Unternehmerpersönlichkeiten ermittelt und

Mitte November bekannt gegeben. Seit 2004

vergeben die Marketing Clubs Leipzig und

Halle jährlich den Mitteldeutschen Marketingpreis

für herausragende Leistungen an

Unternehmen aus der Region. Preisträger

der vergangenen Jahre waren unter anderem

das Leipziger Klinikum St. Georg und

Lichtenauer Mineralbrunnen.

jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.marketing-club-leipzig.de.

regjo LeIPZIg/HALLe regioNale WirtScHaft 13

investitionsmacher

Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt

(IB) gab bei ihrer Bilanzpressekonferenz

am 26. Mai bekannt, dass mit einer Fördersumme

von insgesamt 211 Millionen

euro im vergangenen jahr Investitionen

in Höhe von 1,35 Milliarden euro angeschoben

wurden. Fast 80 Prozent der

290 bezuschussten Unternehmen der

gewerblichen Wirtschaft aus Sachsen-

Anhalt setzten die Mittel zur erweiterung

oder zum Bau von insgesamt 42 neuen

Betriebsstätten ein. Damit realisierten sie

mit rund 70 Millionen euro eingesetzten

Fördergeldern gesamtinvestitionen von

475 Millionen euro. „In das Fördergeschehen

sind auch 25 Projekte ausländischer

Unternehmen aus zwölf Ländern

eingebunden“, ergänzte Manfred Maas,

Sprecher der IB-geschäftsleitung.

(Infos: www.ib-sachsen-anhalt.de)

Brückenbauer

ein Pilotprojekt des Wirtschaftsministeriums

macht es vor und die sieben

staatlichen Hochschulen Sachsen-

Anhalts ziehen nach: Im rahmen einer

Initiative, gefördert durch das Land

Sachsen-Anhalt und den europäischen

Sozialfonds, wurden an den Hochschulen

Zentren eingerichtet, die den Wissenstransfer

zwischen den Hochschulen

und der Wirtschaft verbessern sollen.

Die Mitarbeiter beraten Unternehmen

bei Weiterbildungsfragen und vermitteln

Absolventen. Am 29. Mai kamen alle

Transferzentren zu einem ersten Arbeitstreffen

zusammen und einigten sich auf

eine Kooperation in den Bereichen Weiterbildung,

Absolventenvermittlung und

Öffentlichkeitsarbeit. Durch die Zusammenarbeit

soll die Wirtschaft Sachsen-

Anhalts gestärkt und Abwanderung qualifizierter

Fachkräfte verhindert werden.

(Infos unter: www.wiweiter.org)

Bildnachweis: BVMW/Christian Hüller; oeCD/ITF; perdata gesellschaft für Informationsverarbeitung mbH; Marketing Club Leipzig; FeZ-Magdeburg gmbH/Daniel gammert


»Jeder Investor ist ein scheues Reh«

es einzufangen ist Aufgabe von Michael Pfeiffer, geschäftsführer der Invest in germany gmbH. regjo unterhielt sich

mit ihm über die Instrumente der internationalen Investorenwerbung und den Standort Deutschland.

Interview: Kai Bieler Fotografie: Christian Hüller

Wie sehen ausländische Unternehmen den

Standort Deutschland?

Das Bild im Ausland hat sich in den vergangenen

Jahren nachhaltig verbessert.

Das hat zum einen zu tun mit den richtigen

politischen Weichenstellungen. Aber zum

anderen mit dem Umstand, dass die deutsche

Wirtschaft auch in schwierigen Zeiten

immer wieder ihre Leistungs- und Innovationsfähigkeit

unter Beweis gestellt hat. Das

imponiert ausländischen Unternehmen.

Welche Standortfaktoren sind für ausländische

Unternehmen entscheidend?

Alle Investoren haben eine Frage, die im

Vordergrund steht: Wie groß ist mein Markt?

Denn ein Unternehmen lebt davon, dass es

Produkte und Dienstleistungen verkauft.

Wir sind das größte Land in der EU und

haben die höchste Kaufkraft. Deshalb ist

Deutschland sehr attraktiv für Investoren.

Und unmittelbar damit verbunden ist die

Frage, welche Märkte kann ich vom Standort

aus gut bedienen? Auch hier punktet

Deutschland durch seine zentrale europäische

Lage und die guten Verbindungen

nach Osteuropa. Erst danach kommen aus

unserer Erfahrung alle anderen Faktoren:

Sind die richtigen Flächen vorhanden? Wie

ist die Verkehrsanbindung? Sind die Preise,

Steuern und Löhne wettbewerbsfähig?

Kann Deutschland bei der letzten Frage aus

Ihrer Sicht überzeugen?

Natürlich reden alle darüber, wie teuer der

Standort Deutschland ist. Aber „made in

germany“ ist ein hoher und anerkannter

Qualitätsstandard, der dazu führt, dass deutsche

Produkte weltweit gekauft werden.

Deutschland ist weiter Exportweltmeister

vor China und den USA. Das beweist doch

unsere Wettbewerbsfähigkeit. Es macht keinen

Sinn, immer nur isoliert auf Löhne oder

Steuersätze zu schauen. In der Summe ist

Deutschland extrem wettbewerbsfähig und

wir haben dabei in den vergangenen Jahren

nochmals zugelegt. Die Unternehmen

haben sehr viel investiert, sind dadurch effizienter

geworden und die Lohnstückkosten

sind damit relativ gesunken.

Wettbewerbsfähigkeit meint also mehr als

niedrige Löhne und Steuern?

Ja. Jeder Standort, der sich auf einen reinen

Kostenwettbewerb einlässt, hat früher

oder später ein Problem: Der nächst günstigere

Wettbewerber wird ihm bald den

Rang ablaufen. Deshalb werden Standorte,

die nichts anderes als nur Kostenvorteile zu

bieten haben, nicht bestehen können. Das

ist in Deutschland glücklicherweise nicht

so. Unsere Standortqualität zeichnet sich

neben der hohen Produktivität auch durch

eine sehr enge Verflechtung zwischen den

Bereichen Produktion sowie Forschung und

Entwicklung aus. Unsere dichte, vielfältige

und wirtschaftsnah ausgerichtete Wissenschaftslandschaft

ist ein entscheidender

Faktor, gerade für ausländische Unternehmen

aus dem Bereich der Hochtechnologie.

Da spielt es auch keine Rolle, dass wir an

der einen oder anderen Stelle etwas teurer

sind.

Für Nokia scheinbar schon …

Unternehmen wie Nokia und unter Umständen

andere verlassen Deutschland, wenn es

um die reine Produktfertigung geht. Sobald

wieder eine Entwicklungsleistung damit verbunden

ist, sind wir sehr wettbewerbsfähig.

Das sehen Sie auch am Beispiel Bochum,

wo der kanadische Blackberry-Hersteller

„Research In Motion“ (RIM) demnächst

ein europäisches Forschungs- und Entwicklungszentrum

eröffnen wird.

Wie wichtig sind die oft genannten „weichen

Standortfaktoren“ aus Ihrer Sicht?

Sie spielen eine nicht zu unterschätzende

Rolle. Denn den neuen Standort eines

Unternehmens bauen Menschen auf. Mitarbeiter

und Führungskräfte müssen sich

wohlfühlen. Das tun sie nur in einer Region,

wo ihre Kinder vernünftig zur Schule gehen

regjo LeIPZIg/HALLe iNterVieW 15

können, wo es vielfältige Freizeit- und Kulturangebote

für ihre Familie gibt, wo sich

diese auch sicher fühlt. Wir merken aus

unseren Kontakten, dass dieser Wohlfühlfaktor

zunehmend wichtiger wird. Das hat

auch damit zu tun, dass man in dieser globalisierten

Welt wieder stärker an einem Platz

zu Hause sein möchte. Als Unternehmen

und als Individuum.

Woher kommen ausländische Investoren in

Deutschland?

Die meisten und wichtigsten Auslandsinvestitionen

kommen aus den USA. Das wird

auch in Zukunft so bleiben. In der Statistik

der Invest in Germany GmbH ist Japan die

Nummer zwei. Was einfach daran liegt, dass

wir ein sehr gutes Büro in Tokio haben. Beide

Länder gehören zu den technologieführenden

Ländern weltweit und setzen Maßstäbe

in Sachen Qualität. Ein Umstand, der im

globalisierten Wettbewerb immer wichtiger

werden wird. Die eigentliche Nummer zwei

bei den ausländischen Investitionen ist aber

der europäische Raum. Hier werden wir

unsere Aktivitäten nachhaltig verstärken.

Was sind genau Ihre Aufgaben?

Wir haben als Investitionsagentur des Bundes

die Aufgabe, Neuansiedlungen von ausländischen

Unternehmen zu akquirieren.

Wir müssen den ausländischen Investor

dazu zu kriegen, sich für Deutschland zu

interessieren. Und herausfinden, wer es ist.

Das ist das vielleicht komplizierteste an dem

ganzen Prozess. Denn der Investor hat nur

das allgemeine Ziel, wirtschaftlich zu wachsen,

aber kein bestimmtes Land vor Augen.

Hier müssen wir im internationalen Wettbewerb

der Standortagenturen bestehen.

Wie sieht Ihre Zielgruppe dabei aus?

Wir analysieren den Standort Deutschland

sehr genau und schauen: Was sind hier die

Zukunftsbranchen? Erst wenn wir genau

wissen, wo wir stark sind und was Unternehmen

an uns schätzen, gehen wir auf


diese zu. Im Ergebnis konzentrieren wir uns auf den Bereich der

Hochtechnologie. Bei allen anderen ist es nahezu aussichtslos, eine

Neuinvestition für Deutschland zu gewinnen.

Bei welchen Branchen macht eine Ansprache für Sie Sinn?

Ein großes Thema ist der Bereich der Erneuerbaren Energien. Die

führende Rolle Deutschlands und speziell Mitteldeutschlands mit

seinem „Solar Valley“ ist eines der besten Beispiele für den Erfolg

moderner Industriepolitik. Hier wurde auf Grundlage einer vorhandenen

Industriekultur in der Chemie und dem Maschinenbau

ein neuer Schwerpunkt geschaffen, der den Standort Deutschland

weltweit interessant macht. Selbst Vertreter aus der arabischen

Welt sprechen mittlerweile von „Green Technologies“ und meinen

Deutschland. Dieses Image des Technologieführers bei der grundlegenden

Modernisierung des Fundaments unserer Weltwirtschaft

wird sich für unsere Unternehmen enorm auszahlen, wenn es

darum geht, neue Märkte zu erschließen.

Auf welche Ansiedlungserfolge können Sie verweisen?

Erweiterungen oder Beteiligungen, die den Großteil der ausländischen

Investitionen bilden, sind nicht unser Geschäft. In unserem

Feld liegen wir in der europäischen Spitzengruppe. Seit 1998 haben

wir rund 150 Unternehmen nach Deutschland geholt, in diesem

Jahr bereits über 20. Wir sind also nicht schlecht.

Bis 2006 existierte eine eigene Vermarktungsgesellschaft des Bundes

für ostdeutschland, das Industrial Investment Council. Ist dies

nicht mehr notwendig?

Die parallele Vermarktung war gewachsen aus einer besonderen

historischen Situation. Irgendwann kam aber ein Punkt, an dem

klar wurde: Es hinterlässt keinen optimalen Eindruck, wenn wir

mit mehreren von Bund und Ländern finanzierten Organisationen

ohne Abstimmung den gleichen Kundenkreis bedienen. Die Argumente

für das getrennte Auftreten sind immer schwächer geworden.

Wir richtig die Zusammenlegung war, zeigt unsere Bilanz. Wir sind

erfolgreicher als unsere beiden Vorgängerorganisationen zusammen.

Wo finden Sie die potenziellen Investoren?

Auf verschiedenen Wegen. Zum Beispiel auf großen internationalen

Fachveranstaltungen, auf denen die Entscheider anwesend sind. Da

sind wir mit Franzosen, Briten oder Chinesen in einem internationalen

Wettbewerb, bevor wir überhaupt den potenziellen Investor

identifiziert haben. Es wird einfacher, wenn wir ihn kennen. Darum

bemühen sich unsere rund 80 Mitarbeiter, zehn davon an unseren

acht Standorten im Ausland.

Das klingt nicht besonders viel.

Ist es im internationalen Vergleich auch nicht. Deshalb haben wir

Ende Mai durch eine Kooperation mit den Auslandshandelskammern

ein starkes Auslandsnetz mit 120 Büros in 80 Ländern geschaffen.

In den Kammern sind deutsche und ausländische Unternehmen

organisiert, die am Standort Deutschland vertreten sind. Die Multiplikatorenwirkung

dieser weltweit rund 1.400 ehrenamtlichen Mitarbeiter

ist kaum zu überschätzen. Dazu werden die Geschäftsführer

der Kammern durch uns geschult. Bislang haben sie im Rahmen

der Exportförderung „made in germany“ im Ausland verkauft. Jetzt

geht es darum, den ausländischen Unternehmen zu zeigen: Diese

Marke ist auch gut für euch, kommt und produziert hier.

ein öffentlich oft diskutiertes Instrument ist der einsatz von Fördermitteln.

Ist das noch zeitgemäß?

Die Höhe der Subventionen oder Steuervergünstigungen ist nur

ein kleiner Teil der ganzen Palette an Faktoren. Deswegen steht

sie auch bei der Ansprache von Investoren nicht am Anfang. Das

ist im Rahmen der gesamten Kostenstruktur, die mit einer solchen

Standortentscheidung verbunden ist, nicht so entscheidend, wie

es auf den ersten Blick scheint. Wenn alle anderen Faktoren nicht

stimmen, helfen auch keine Investitionskostenzuschüsse von 30

oder 50 Prozent.

Fördermittel spielen also keine rolle für Unternehmen?

Doch, sie sind natürlich ein Argument. Aber Sie kriegen das

Unternehmen nicht, indem Sie einfach diese Zahl nennen. Das ist


denen richtig egal. Die wollen wissen, ob

der Standort für sie gut ist. Und wenn das

klar ist und es einen Wettbewerb zwischen

mehreren Standorten gibt, dann wird um

die Subventionen gepokert.

Wie finden Sie den richtigen Standort in

Deutschland für ein Unternehmen?

Der idealtypische Prozess sieht so aus: Wir

identifizieren den potenziellen Investor im

Ausland und führen mit ihm die erforderlichen

Gespräche, bis wir genau wissen, was

er will. Wenn das geschehen ist, geben wir

die Dokumentation seiner Anforderungen

an die Wirtschaftsförderungsgesellschaften

der Bundesländer. Diese prüfen dann, ob sie

der Nachfrage mit einem passenden Angebot

entsprechen können. Dieses Angebot

wird von uns dem Investor vorgelegt. Zu

diesem Zeitpunkt kennen die Länder-Agenturen

den Namen des Unternehmens noch

nicht.

Warum nicht?

Jeder Investor ist ein scheues Reh und nichts

findet er schrecklicher, als von dutzenden

Agenturen angesprochen zu werden. Das

kostet Zeit, Geld und Nerven. Außerdem

legen Unternehmen großen Wert darauf,

dass ihre wirtschaftlichen Pläne nicht sofort

in der Öffentlichkeit und damit auch ihren

Wettbewerbern bekannt werden.

Wie geht es dann weiter?

Wir sprechen die eingegangenen Angebote

mit dem Investor durch. Er entscheidet

letztendlich, welche Standorte er sich vor

Ort ansieht. Das ist nicht mehr unsere Entscheidung.

Dann informieren wir die Wirtschaftsförderungsgesellschaft

und sprechen

mit ihr die Details für den Besuch ab. Wenn

sich dann der Investor für einen Standort

entschieden hat, übergeben wir das ganze

Projekt an das Land.

Das klingt nach einer Art gatekeeper-Funktion

für ihre Agentur.

Genau das ist unser Ziel. Wir planen jetzt

bereits unser Programm für 2009, weil wir

es mit allen Bundesländern abstimmen

wollen. Es geht darum, die erfolgversprechendsten

Veranstaltungen und Instrumente

zu identifizieren und die gemeinsamen

Auftritte weiter zu verstärken. Es ist

nicht sehr sinnvoll, wenn 16 Bundesländer

auf eine Veranstaltung gehen, um internationale

Investoren zu werben. Hier ist es besser,

man präsentiert sich zusammen unter

der Dachmarke Deutschland. Das bündelt

finanzielle Mittel und ist gut für das Ansehen

unseres Landes.

Aber die Bundesländer stehen untereinander

auch im Standort-Wettbewerb.

Wir sehen die deutschen Standorte nicht als

Konkurrenten und haben es insofern leichter

als die regionalen Standortvermarkter

in Leipzig oder Halle. Im internationalen

Geschäft geht es für uns nur um eins: Wir

müssen den ausländischen Investor dazu

kriegen, dass er sich für Deutschland interessiert.

Alles andere ist dem nachzuordnen.

regjo LeIPZIg/HALLe iNterVieW 17

Michael Pfeiffer

wurde am 20. juni 1946 in Sielbeck/eutin

geboren. er studierte von 1966 bis 1972 Wirtschaftswissenschaften

an der American

University of Beirut und der rheinischen

Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Nach

verschiedenen leitenden Funktionen in der Auslandshandelskammer

Hamburg übernahm der

verheiratete Diplom-Volkswirt die Leitung des

Bereichs International/Außenhandelskammern

des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Seit 1. oktober 2007 ist Michael Pfeiffer

geschäftsführer der Invest in germany gmbH.

Also sind internationale Imagekampagnen

der regionen nicht sinnvoll?

Doch. Natürlich ist das für die Regionen ein

entscheidender Punkt der Argumentation,

denn in vielen anderen Punkten wie dem

Steuerniveau oder der Infrastruktur sind

die innerdeutschen Unterschiede doch eher

gering. Aber wir müssen bei aller notwendigen

Profilbildung aufpassen, dass wir mit

unseren Spezialitäten nicht irgendwo hingehen,

wo man damit nichts anfangen kann.

Was meinen Sie damit?

Wir alle wissen viel über Deutschland und

können deshalb schnell die Unterschiede

zwischen Regionen festmachen. Aber mit

zunehmendem Abstand werden diese

immer kleiner. Aus der Sicht eines asiatischen

oder australischen Investors sind die

Unterschiede zwischen Sachsen, Sachsen-

Anhalt und Niedersachen schon begrifflich

sehr gering. Das ist für ihn eine zentrale

Wirtschaftsregion in Deutschland mit

bestimmten Vorteilen.

Wir dürfen nach außen kein Bild abgeben,

dass der ausländische Kunde nicht will und

nicht versteht. Niemand glaubt dort ernsthaft,

dass es gravierende Unterschiede zwischen

zwei eng nebeneinander liegenden

Standorten wie Leipzig und Halle (Saale)

gibt, nur weil sie in unterschiedlichen

Bundesländern liegen. So etwas schwächt

unsere Glaubwürdigkeit. Hier muss es uns

gelingen, dass wir die gemeinsamen Vorteile

der Dachmarke Deutschland zukünftig stärker

betonen.


IHR PARTNER FÜR

BIOGASANLAGEN

IN DER REGION

Projektentwicklung und

Beratung der Investoren

Erarbeitung von Förder- und

Finanzierungsanträgen

Genehmigungsanträge nach

dem Bundes-Immisionsschutzgesetz

Baubetreuung in allen

Phasen der Investition

PLANUNGSBÜRO

Matthias Thorwirth

Ihr Team rund um das Bauen in der Landwirtschaft

Potsdamer Straße 55 - 14552 Michendorf

Tel. 033205/62932 - Fax 033205/44062

E-Mail: Thorwirth-Michendorf@t-online.de

www.thorwirth-planungsbuero.de


Der Fluch des Wissens

regjo LeIPZIg/HALLe iNNoVatioN 19

Wenn jeder etwas weiß, werden daraus nicht automatisch für alle im Unternehmen verfügbare Informationen.

Das Leipziger Start-up HANDSPIeL widmet sich diesem Problem mit individuellen IT-Lösungen.

Text: Knut Bertram Fotografie: Tom Schulze

Gelbe Dinge! Wir befinden uns in einem mittelständischen

Unternehmen, das sich auf die Herstellung von „gelben Dingen“

spezialisiert hat. Darin sind sie wirklich exzellent, die

Nachfrage boomt. Gelbe Klebezettel, Limonade und Quietscheentchen

– kurzum: gelbe Dinge stehen hoch im Kurs.

Es ist Montagmorgen. Wie immer geht es hektisch zu,

eine wichtige Lieferung muss zum Kunden. Nervös eilen der

Firmenchef und sein Lagerleiter durch das Depot. Auf den

Hochregalen stapeln sich große und kleine Kartons. Regal „K-

R 1-5-0-2-2-a“, „Fach 9“ – hier müsste die gesuchte Ware liegen.

Doch das Fach ist leer, die Ware ist bereits verkauft und

die Information wurde nicht weitergeleitet. Nun ist Improvisationstalent

gefragt. Der Firmenchef wird den Kunden

vertrösten und der Lagerleiter begibt sich auf die Suche.

In dem Unternehmen weiß jeder etwas. Der Chef

weiß, welche Kunden er hat und was sie sich wünschen.

Der Lagerleiter weiß, in welchem Regal was zu finden ist

und der Praktikant weiß, welche „gelben Dinge“ noch auf

Lager sind. Aber nicht nur das Wissen ist groß, sondern auch

die Erfahrung, schließlich ist das Unternehmen seit Jahren

auf dem Markt. Der erfahrene Leiter plant die Produktion

aus dem Bauch heraus. Er kalkuliert, wie er es schon immer

getan hat. Ein zentrales Informationssystem über Absatz und

Marktentwicklungen gibt es nicht. Oft wissen sie nicht genau,

welches Produkt wo und in welcher Stückzahl noch auf Lager

liegt. Aber irgendwie funktioniert es.

Traurig, aber wahr: Das Unternehmen hat sich in einer

Mischung aus fehlenden Informationen und nicht verfügbarem

Wissen verstrickt. Unstrukturierte Prozesse und eingefahrene

Strukturen bremsen die Firma mit den gelben

Dingen aus. Um den Anforderungen des Marktes gewachsen

zu sein, spezialisieren sich mittelständische Unternehmen.

Je ausgefeilter die internen Abläufe werden, umso schwieriger

wird die Einführung einer standardisierten Organisationssoftware.

Gerade bei etablierten Unternehmen fällt es

schwer, sie um eine neue Software „herum“ zu bauen.

Die Leipziger Firma HANDSPIEL hat daher neue und

innovative Lösungen entwickelt. Sie nutzt bewährte Internettechnologien,

um für Unternehmen eine individuelle

Organisationssoftware zu entwickeln: Zentrale Server,

Open Source Software, Desktopanwendungen, Web-Zugriff,

Handy-Anbindung, Tablet PC und Barcodescanner – mit die-

HANDSPIeL arbeitet für europäische großunternehmen und als

bundesweiter Full-Service-Partner für mittelständische Firmen.

sen Werkzeugen entstehen maßgeschneiderte IT-Lösungen.

Prozesse, Management, Controlling und Reporting werden

erheblich vereinfacht. HANDSPIEL nennt das „Business 2.0“.

Dabei bezieht das Start-up die Anwender aktiv mit ein. „Eine

neue IT-Lösung muss sich nahtlos in das Unternehmen einfügen,

Abläufe zwischen Mitarbeitern rationalisieren und

einfach in der Bedienbarkeit sein“, weiß Geschäftsführer

Stephan Preuß. Für die Konzeption holt er daher alle wichtigen

Personen an einen Tisch, um deren Erwartungen und

Vorbehalte zu klären. Dadurch können Mitarbeiter und

Unternehmensführung ihre gewünschte IT mitentwickeln

und sich auf deren Einführung vorbereiten.

Weitere Informationen zum Angebot von HANDSPIeL finden Sie im

Internet unter www.handspiel.net.


Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Die Wahl eines Standortes gehört zu den wichtigsten Entscheidungen für ein Unternehmen. Welche Faktoren

entscheiden dabei über den Erfolg im internationalen Wettbewerb der Regionen?


egjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 21


Alles eine Frage des Geldes?

Kaum eine Ansiedlung scheint

ohne großzügige Vergabe von

Fördermitteln denkbar, besonders

im Osten Deutschlands.

Doch im Prozess der Standortwahl

spielen sie eher die Rolle

des Sahnehäubchens.


Text: Kai Bieler Fotografie: Carmen j. Hofmann

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 23

„Neuer Standort: Daimler investiert 800 Millionen Euro in Ungarn.“

„Werksschließung: Nokia kündigt 2.000 Beschäftigten in Bochum.“

Standortentscheidungen von Unternehmen beherrschen regelmäßig

die Schlagzeilen. Obwohl sie meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit

stattfinden, ist das Interesse an ihnen enorm. Sie sind Gradmesser

für die Zukunftsfähigkeit einer Region und beeinflussen das

wirtschaftliche Schicksal von Menschen, die durch sie Arbeit finden

oder eben verlieren. Auch für die Unternehmen selbst sind sie von

besonderer Tragweite. Von ihnen gehen vielfältige Folgewirkungen

aus und, einmal getroffen, lassen sie sich nur unter hohen Kosten

revidieren. Aber anhand welcher Kriterien treffen Unternehmen Entscheidungen

über Standorte und wie müssen sich diese präsentieren,

um erfolgreich im internationalen Wettbewerb zu sein?

In der betriebswirtschaftlichen Theorie ist die Standortwahl

ein komplexer, mehrstufiger Planungs- und Entscheidungsprozess.

In ihm werden auf Basis unternehmerischer Ziele eine Reihe von

Eigenschaften eines Standortes, die sogenannten Standortfaktoren,

untersucht, anhand derer der beste Standort gefunden wird. Doch oft,

so zeigt die Praxis, wird diese wichtige Entscheidung ohne vorherige

fundierte Analysen getroffen. So ermittelte die Forschungsstelle für

empirische Sozialökonomik in Köln in einer Befragung, dass in den

meisten Entscheidungsprozessen in Unternehmen statistisch gesehen

gerade einmal 2,1 Standorte geprüft würden.

Eine Erfahrung, die auch Dr. Steffen Kinkel vom Fraunhofer-

Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe

bestätigt. Besonders bei der Verlagerung von Produktionskapazitäten

herrsche oft eine eindimensionale Betrachtungsweise in den Unternehmen

vor. „Rund neun von zehn Unternehmen nennen hier die

Reduzierung der Personalkosten als Hauptargument. Dann kommt

lange nichts und erst dann werden von einem Drittel bis einem Viertel

der Befragten absatzorientierte Faktoren wie neue Märkte oder

Kundennähe genannt“, so Kinkel. In einer Studie analysierten der

Leiter des Kompetenzzentrums „Industrie und Serviceinnovation“

und seine Kollegen grundlegende Fehler bei rein kostenorientierten

Standortverlagerungen ins Ausland anhand von mehr als 40

Betrieben des verarbeitenden Gewerbes. Die Fehlentscheidungen

beginnen bereits auf der strategischen Ebene. Zum einen machten die

Lohnkosten in vielen Betrieben nur noch zehn Prozent der Gesamtkosten

aus, die hier zu erzielende Hebelwirkung sei also begrenzt.

„Zum anderen definieren sich die wenigsten deutschen Unternehmen

im Wettbewerb als Kostenführer, dennoch dominieren fast immer

Kostengrößen bei einer Standortverlagerung“, so der Forscher. Die

möglichen negativen Auswirkungen eines neuen Standortes auf die

Zuverlässigkeit, Qualität und Innovation der Produkte würden dagegen

kaum berücksichtigt. So unterschätzten die Manager fast immer

die Anlaufzeiten zur Sicherung der Prozesssicherheit und Produktivität,

die im Mittel mehr als doppelt so lange wie geplant dauer-


Unter Justitias Schutz

Nur, wo rechtssicherheit herrscht, also staatliches Handeln nicht

willkürlich erfolgt, Konflikte auf Basis transparenter regeln gelöst

und der Schutz des eigentums gewährleistet wird, ist langfristig

wirtschaftliches Handeln möglich. entsprechend hoch ist die

Bedeutung dieser rahmenbedingungen als einer Art Vorfilter für

Standortentscheidungen von Unternehmen.

ten. Gleichzeitig herrsche Unklarheit über

die damit verbundenen Kosten. „Das betrifft

sowohl die Qualifizierung von Arbeits- und

Führungskräften als auch die Overheads,

also die Kosten für die Betreuung, Koordination

und Kontrolle des ausländischen

Standorts“, erläutert Dr. Steffen Kinkel. Im

Gegenzug gäbe es in vielen Fällen keine fundierte

Analyse der möglichen Potenziale zur

internen Kostenoptimierung am bestehenden

Standort, die nicht selten zwischen 15

und 30 Prozent lägen. Bei einem fundierten

Vergleich „schließt sich die Kostenschere von

beiden Seiten“, so der Wissenschaftler. Eine

solche Analyse müsse ausgehend von der

Unternehmensstrategie die Aufgaben des

Nur vom Ist-Zustand eines Standortes auszugehen,

kann sich als fatal erweisen.

künftigen Standortes definieren und dessen

Faktoren dynamisch betrachten.„Denn niemand

weiß heute, wie hoch das Lohnniveau

in Tschechien in zehn Jahren ist“, weist Kinkel

auf mögliche Unsicherheiten hin.

Auf die Erfahrung eines missglückten

Auslandsaufenthalts scheint auch die merkliche

Zahl von Unternehmen hinzudeuten,

die Standorte zurück nach Deutschland

verlagern. „Aus unseren Erhebungsdaten

bei 1.663 Industriebetrieben wissen wir,

dass jedes 4. bis 5. Unternehmen, das Auslandsverlagerungen

vorgenommen hat, nach

zwei bis vier Jahren eine Rückverlagerung

durchführt“, so Kinkel. Für Unternehmen,

die eine solche Erfahrung von Anfang an vermeiden

wollen, entwickelte seine Abteilung

ein Instrument zur Bewertung von Standorten.

Die Excel-Anwendung kombiniert Kostenstrukturvergleich,

Investitionsrechnung

und Nutzwertanalyse für einen fundierten,

zukunftssicheren Vergleich von Standorten

anhand verschiedener Szenarien – von pessimistisch

über realistisch bis optimistisch.

Einer der wieder aus dem Ausland

zurückkam und doch von Anfang an auf

den Standort Mitteldeutschland setzte, ist

Daniel Gollmann. Der heute 30-jährige

Diplom-Ingenieur studierte Mechatronik an

der Hochschule Merseburg und absolvierte

ein MBA-Studium an der Handelshochschule

Leipzig. Anschließend ging er in die

Schweiz, wo er in einem Consultingunternehmen

arbeitete. Über einen persönlichen

Kontakt erfuhr er von den Problemen, die

Apotheker bei der Lagerung und Bereitstellung

von Medikamenten haben. Denn bei

bisherigen Systemen ließen sich pro laufendem

Meter nur rund 1.000 Packungen

lagern, was schnell Längen von acht bis zehn

Metern notwendig macht. Doch „die Apotheke

um den Automaten herum zu bauen“,

war oft nicht realisierbar oder ließ die Kosten

explodieren. „Es kann doch nicht so schwer

sein, etwas Besseres zu entwerfen“, dachte

sich Daniel Gollmann und entwickelte eine

Kombination aus beweglicher Rollenschrankarchitektur

und hochflexiblem Greifarm,

die den erforderlichen Raum bis auf ein Drittel

verringert.

Viel länger dachte er mit seinem Partner,

dem Schweizer Dr. Iwan Zwick, über die

„entscheidende Frage des Standortes“ für das

geplante gemeinsame Unternehmen nach.

Gegen die Schweiz sprach neben den kaum

vorhandenen und kaum bezahlbaren Gewerbeflächen

auch der Mangel an verfügbaren

Fachkräften. „Dort gibt es sprichwörtlich

mehr Millionäre als Arbeitslose“, erinnert

sich Daniel Gollmann. Das entscheidende

Argument jedoch war der Markt. Denn in

Deutschland, einem der größten pharma-

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 25

zeutischen Märkte weltweit, war die Anzahl

potenzieller Kunden, sprich Apotheken, rund

zehnmal so hoch wie in der Alpenrepublik.

Die können von Mitteldeutschland aus

sehr gut und schnell bedient werden und

auch an qualifizierten Fachkräften und Produktionsflächen

mangelt es hier nicht. Die

vorhandenen Kontakte zu den Hochschulen

sowie das Engagement der Wirtschaftsförderer

von Stadt und Land sorgten schließlich

mit dafür, dass die Gollmann Kommissioniersysteme

GmbH Anfang 2006 mit vier Mitarbeitern

in Halle (Saale) gegründet wurde.

Heute beschäftigt die Gollmann Kommissioniersysteme

GmbH über 70 Mitarbeiter.

Derzeit arbeiten die zehn Ingenieure in

der Entwicklungsabteilung an neuen Automaten

für die effiziente Lagerhaltung von

kleinteiligen Materialien in Industrie und

Einzelhandel. In der Entwicklung solch

innovativer Lösungen sieht Daniel Gollmann

auch die Kernkompetenz seines Unternehmens.

Ein wichtiger Grund, warum für ihn

eine Standortverlagerung aus reinen Kos-

eine alte Kaffeefabrik im Herzen Halles ist der

Sitz des Unternehmens von Daniel gollmann.

tengründen undenkbar ist. „Unser Erfolgsgeheimnis

ist die enge Verbindung zwischen

Entwicklung, Produktion und Vertrieb unter

einem Dach. Denn wir bauen keine 0815-

Massengüter, sondern fertigen hochpräzise

und extrem individualisierte Automatisierungstechnik.“

Dazu brauche es kurze Wege

zum Kunden und Kompetenz-Netzwerke am

Standort. „Das vermeintlich billigere Ausland

erweist sich da schnell als Illusion, die einem

beim ersten gescheiterten Projekt böse auf

die Füße fällt“, so der Unternehmer.

Gegenüber dem westeuropäischen


Eine Frage des Standpunktes

Hohe Umweltauflagen können sowohl positive als auch negative

Standorteffekte haben. Für viele Unternehmen verursachen sie zusätzliche

Kosten. Für andere schaffen sie Anreize für eine umweltbewusste

Produktgestaltung und forcieren die entwicklung moderner Technologien

sowie die entstehung neuer Wachstumsmärkte. (Foto linke Seite)

Während die erschließung von Absatzmärkten bereits immer eine zentrale

rolle bei den Standortentscheidungen von Unternehmen spielte,

rücken die steigenden Kosten für energie und Transport zunehmend

in den Fokus der Überlegungen. (Fotos rechte Seite)

Brüssel war der ostdeutsche Flughafen Leipzig/Halle sicherlich der

kostengünstigere Standort. Doch wie genau der Auswahlprozess für

das neue europäische Luftfrachtdrehkreuz der Post-Tochter DHL verlief,

möchte Manfred Hauschild nicht verraten. Und das, obwohl seit

der Bekanntgabe der Entscheidung über die 300-Millionen-Euro-

Investition für den Ende Mai offiziell eröffneten Hub über dreieinhalb

Jahre vergangen sind. „Zu Unternehmensinterna geben wir

grundsätzlich keine Auskunft“, so der für das Drehkreuz zuständige

Sprecher aus der Post-Pressestelle Berlin. Nur dass die 2004 abgeschlossene

Suche länger als ein Jahr gedauert habe und der letzte

neben Leipzig/Halle verbliebene Bewerber das im Nordosten Frankreichs

gelegene Vatry gewesen sei, könne er verraten. Etwas mehr

sagt der DHL-Sprecher über die Gründe die gegen Brüssel sprachen.

„Als Dienstleister mussten wir angesichts hoher Wachstumsraten

in der Expresslogistik zukunftssicher planen. Diese Erweiterungen

an Start- und Landekapazitäten waren in Brüssel politisch nicht

durchzusetzen.“ Dagegen habe DHL in Leipzig eine uneingeschränkte

Nachtflugerlaubnis, zwei von einander unabhängige Start- und Landebahnen

als ideale Verbindung zu den Wachstumsmärkten in Osteuropa

und Asien sowie „schnell und flexibel arbeitende Behörden“

vorgefunden. „Wir sind dahin gegangen, von wo wir unsere Kunden

einfach erreichen können.“ Damit die noch geringe direkte Nachfrage

für DHL-Dienstleistungen in der Region wächst, arbeitet das

Unternehmen mit den Wirtschaftsförderern in Sachsen und Sachsen-

Anhalt zusammen. 2005 entstand eine gemeinsame Übersicht über

Standortangebote in der Region Leipzig/Halle für Unternehmen, die

sich hier ansiedeln wollen. Die CD dazu nutzt auch DHL, um seinen

Kunden den Standort Leipzig/Halle vorzustellen.

Natürlich wäre auch die Vergabe von Fördermitteln ein Argument

bei der Standortwahl gewesen, räumt Hauschild ein. Aber was

nützten diese, wenn alles andere nicht stimme? Ein entscheidender

Faktor seien dagegen die „vielen engagierten Menschen in der Region

gewesen“, wovon die rund 50.000 eingegangenen Bewerbungen

zeugten. Rund 2.000 von ihnen haben heute einen Job bei DHL

gefunden, 90 Prozent davon aus der Region. Bis 2012 sollen es 3.500

Arbeitsplätze sein. „Wichtig ist, dass auch die Menschen in der Region

etwas von unserer Ansiedlung haben“, so Hauschild.

Was die Post-Tochter außer den genehmigten 70,8 Millionen Euro

staatlicher Beihilfen noch von ihrer Standortwahl hatte, beschäftigt

derzeit die EU-Kommission, die wegen unerlaubter Beihilfen ermittelt.

So wurden bereits rund 7,7 Millionen Euro für die Ausbildung

von Mitarbeitern zum größten Teil als unzulässig eingestuft. Außerdem

geht es um den 290 Millionen teuren, durch die Gesellschafter

des Flughafens finanzierten Bau der Start- und Landebahn Süd und

um eine 30-jährige Patronatserklärung des Freistaates Sachsen gegen-


über DHL. Darin werden Zahlungen von bis

zu 500 Millionen Euro zugesichert, falls es zu

Einschränkungen im Betrieb kommen sollte.

Das könnte theoretisch ab 15. Juli der Fall

sein, wenn das Bundesverwaltungsgericht

erneut über die Nachtflugerlaubnis verhandelt.

An Spekulationen darüber will sich

Manfred Hauschild nicht beteiligen. „Es gibt

ein Urteil des BVG aus dem Jahr 2006, das

Expressflüge uneingeschränkt erlaubt, und

wir haben einen Vertrag mit dem Flughafen

über eine Laufzeit von 30 Jahren. Deshalb

gehen wir von einer langfristigen Planungssicherheit

für unser Drehkreuz aus.“

Wie schnell sich Rahmenbedingungen

ändern können, zeigt allerdings das Beispiel

seiner rund 4.000 Kollegen im amerikanischen

Wilmington. Für das neben Leipzig

und Hongkong dritte weltweite Luftkreuz

wurde im Rahmen der Restrukturierung

des defizitären US-Express-Geschäftes jetzt

von der Deutschen Post das vorausichtliche

Aus verkündet. Ganze drei Jahre nach Inbe-

Im Umfeld des DHL-Drehkreuzes soll eine ganze

Logistik-region entstehen.

triebnahme des 300 Millionen Dollar teuren

Frachtflughafens. Und zwei Tage nach der

offiziellen Einweihung in Leipzig.

In der Nähe von Leuna südöstlich von

Halle (Saale) kann man dagegen erleben, wie

ein Standort durch sein besonderes Profil zu

einem weltweiten Zukunftsmodell für eine

Branche wurde. Dabei stand am Anfang des

Chemieparks Leuna „der Umstand, dass man

das ehemalige DDR-Chemiekombinat nicht

als Ganzes privatisieren konnte“, so Andreas

Hiltermann, Geschäftsführer der InfraLeuna

GmbH. Daraus entwickelte sich das Konzept

des Chemieparks, das seitdem oft kopiert und

zum weltweiten Vorbild für neue Chemiestandorte

wurde. Für die Unternehmen der

Branche stehen angesichts des steigenden

Wettbewerbs- und Kostendruckes vor allem

drei Faktoren im Mittelpunkt der Standortwahl.

„Es geht um die Nähe zu Wachstumsmärkten,

um Rohstoffverfügbarkeit und

eine effiziente Infrastruktur“, weiß Andreas

Hiltermann. Sein Unternehmen stellt als

Eigentümer und Betreiber der Infrastruktur

den ansässigen Firmen die gesamte notwendige

Logistik aus einer Hand zur Verfügung.

Das reicht von der Lieferung von Strom,

Wärme und Wasser über die Abfallentsorgung

und Sicherheitsdienstleistungen bis zu

Laboranalysen. „So können sie sich auf ihr

Kerngeschäft konzentrieren, um alles andere

kümmern wir uns.“ Dabei arbeitet die Infra-

Leuna GmbH nach dem Low-Profit-Prinzip

und ihre Gesellschafter sind mehrere hier

ansässige Firmen. Die Gewinne werden zur

langfristigen Senkung der Preise und Tarife

verwendet.

Außerdem haben viele Unternehmen

in Leuna neben qualifizierten Fachkräften

auch ihren Markt gleich vor der Tür. Denn

die ausgeprägte Verbundwirtschaft sorgt für

kurze Wege zu Vorlieferanten und Nachverarbeitern

und senkt die Transportkosten.

Ihren Kern bilden die TOTAL-Raffinerie, die

modernste in Europa, die Caprolactamsynthese

der DOMO Group und das weltgrößte

Gasezentrum der Linde AG. Um sie herum

haben sich rund 100 Unternehmen der Petro-

und Feinchemie, der Biotechnologie und

Dienstleister mit etwa 9.000 Beschäftigten

angesiedelt und seit Mitte der 1990er Jahre

rund sechs Milliarden Euro investiert.

Damit diese Entwicklung weiter anhält,

ist die InfraLeuna GmbH auch als Standortentwickler

und -vermarkter tätig. Ein Großteil

der neuen Ansiedlungen basiert auf

Erweiterungen ansässiger Firmen. „Wir sprechen

aber auch direkt potenzielle Investoren

an und unterbreiten ihnen auf Basis unserer

Potenziale neue Vorschläge für Projekte“, so

der Chemieparkchef. Unterstützung erhält

er dabei von ehemaligen Topmanagern aus

der Chemieindustrie, die als Senior Berater

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 27

ihre Kontakte für die Kundenakquise zur

Verfügung stellen. Im Ansiedlungsmanagement

arbeitet sein Unternehmen eng mit der

Invest-in-Germany GmbH, der Investitions-

und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt

und der Wirtschaftsförderung des Landkreises

Merseburg-Querfurt zusammen. „Hier

ziehen wir zusammen alle Register, wenn es

um die Beantragung von Fördermitteln oder

schnelle Genehmigungsverfahren geht“,

bekräftigt Andreas Hiltermann. Im Mittelpunkt

der Ansiedlungsbemühungen steht

dabei seit einiger Zeit eine bessere Einbindung

des Standortes in die ihn umgebende

Wissenschaftslandschaft. „Wir versuchen,

zusammen mit den Hochschulen und Forschungsinstituten

zunehmend auch Kapazitäten

im Bereich Forschung und Entwicklung

anzusiedeln“, so Hiltermann. Das führe

Alles aus einer Hand ist das weltweit oft kopierte

erfolgskonzept des Chemieparks Leuna.

nicht nur zu mehr Wertschöpfung, sondern

auch zu einer höheren Standortbindung.

Für Dr. Thomas Hofmann bietet die

Region Leipzig-Halle-Dessau wie ganz

Mitteldeutschland eine Vielzahl positiver

Standortfaktoren. Was der Hauptgeschäftsführer

der Industrie- und Handelskammer

(IHK) zu Leipzig dann aufzählt, klingt nach

einem Mekka für Investoren: Die optimale

Lage im Zentrum Europas mit perfekter

Anbindung an europäische Verkehrswege,

eine zukunftsorientierte Wirtschaftsstruktur,

die preiswerten Gewerbeimmobilien,

die attraktive Investitionsförderung und die

hohe Lebensqualität der Region. Doch der

Teufel steckt im Detail „des erfolgreichen

Strukturwandels“. Auf der Habenseite stehen

heute rund 570 Industriebetriebe mit

insgesamt mehr als 88.000 Beschäftigten, die

einen Jahresumsatz von 34 Milliarden Euro

und eine Exportquote von rund 31 Prozent

vorweisen können.


„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt der IHK-Chef und räumt

dann ein: „Wir haben in der Region nach wie vor eine zu geringe

Gründungsaktivität und eine zu kleinteilige Wirtschaftsstruktur. Circa

95 Prozent unserer rund 63.000 IHK-Mitgliedsunternehmen sind

kleine und mittlere Unternehmen.“ Auch bei der positiven Wirkung

der vielen Universitäten und Hochschulen sieht er noch Defizite. So

verließe der Großteil der gut ausgebildeten Fach- und Führungskräfte

immer noch die Region. „Hier müssen wir früher den Kontakt suchen,

damit potenzielle Gründer ihre Geschäftsideen hier umsetzen".

Dazu brauche es neben intensiver Beratung auch schnelle

Genehmigungsverfahren, individuelle Finanzierungs- und Fördermittelangebote

und ausgeprägte Kompetenznetzwerke, so Dr.

Thomas Hofmann. Gerade in der Beratung von Existenzgründern

sieht er eine „Kernkompetenz der Industrie- und Handelskammern“.

Entsprechend bietet das Gründerbüro der IHK Leipzig Hilfe bei der

ostdeutschland ist bei den wichtigsten Standortfaktoren im Vergleich mit

Südosteuropa und Asien wettbewerbsfähig, so das ifo-Institut.

Erstellung von Businessplänen, der Beantragung von Krediten und

Fördermitteln und branchenspezifische Folgeberatungen. Mit aktuellen

Informationen zu Gewerbeflächen und der Einzelhandelsstruktur

unterstützt die Kammer angehende Unternehmer bei der Suche nach

dem richtigen Standort. Neuansiedlungen von Investoren seien zwar

„Sache der Wirtschaftsförderer“, so Hofmann. „Wir liefern diesen

aber Zahlen und Fakten im Vorfeld von Ansiedlungen und auch

unsere Aktivitäten im Bereich der Außenwirtschaft führen mitunter

zu ausländischen Investitionen in der Region.“

Doch wie ist es mit der Wettbewerbsfähigkeit Ostdeutschlands

im Vergleich zu Mittel- und Osteuropa und Südostasien tatsächlich

bestellt? Dieser Frage widmete sich im Sommer 2007 die Dresdner

Niederlassung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag

des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Dazu wurden 39 Standortfaktoren untersucht und sowohl deutsche

Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland als auch ausländische

Unternehmen mit Niederlassungen in Ostdeutschland auf deren

Relevanz für ihre Standortwahl befragt.

Reine Formsache

Starke regulierung und hohe bürokratische

Hürden verursachen erhebliche

Kosten für Unternehmen. entsprechend

negativ beeinflussen sie

die Attraktivität eines Standortes.

Am Anfang der Rangliste stehen dabei allgemeine Faktoren wie

Rechtssicherheit, politische Stabilität und Eigentumsverhältnisse.

„Damit ein Standort international überhaupt in die engere Auswahl

kommt, müssen grundlegende Rahmenbedingungen erfüllt sein“,

erklärt Dr. Joachim Ragnitz, einer der Verfasser der Studie, deren

hohe Bedeutung. Erst dann kämen andere Faktoren zum Tragen.

Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass sich ausländische Investoren

aufgrund der günstigen Produktionsbedingungen in Ostdeutschland

ansiedeln. „Das wirkt angesichts der Diskussionen um den teuren

Standort Deutschland erst einmal überraschend.“ Doch bei den ausländischen

Investoren tauchten die Arbeitskosten erst an 14. Stelle

des Rankings auf. „Für ausländische Direktinvestitionen stehen eher

die Infrastruktur, das Fachkräftepotenzial, die dichte Forschungslandschaft

sowie Fördermittel im Vordergrund. In diesen Punkten ist

Ostdeutschland gut aufgestellt“, so Ragnitz weiter. Dagegen tauchen

weiche Standortfaktoren nur auf den hinteren Plätzen auf. „Diese

werden in ihrer Bedeutung für den internationalen Wettbewerb klar

überschätzt“, glaubt der Wissenschaftler, sondern kämen frühestens

bei der lokalen Standortwahl zum Tragen.

In ihrer Zusammenfassung kommen die Autoren zu dem

Schluss, „dass Ostdeutschland entgegen einem weit verbreiteten

Vorurteil ein attraktiver Investitionsstandort ist, der bei vielen für

Ansiedlungen relevanten Standortfaktoren gut oder sogar sehr gut

abschneidet“. Diese Vorteile müssten besser kommuniziert werden,

so Dr. Joachim Ragnitz. Weiteren Handlungsbedarf sieht er in der

besseren Vernetzung der Forschung mit der Wirtschaft aber auch in

der Bildungspolitik. Denn angesichts des demografischen Wandels

gehöre es zu einer der großen Herausforderungen, die Verfügbarkeit

von hochqualifiziertem Personal weiter zu gewährleisten.

Wie das demografische Problem zum Standortrisiko werden

kann, zeigt eine Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle.

Demnach sinkt die Zahl der 20-59-Jährigen im Osten bis zum Jahr

2020 auf 80 Prozent des Niveaus von 2007. Bis zum Jahr 2050 droht

gar fast eine Halbierung. Eine Entwicklung, die später auch den Westen

Deutschlands treffen wird. Nur verstärkte Investitionen in Bildung

könnten helfen, einen „Herbst in den blühenden Landschaften“

am Standort Deutschland zu verhindern.


Tabelle 7-6: Relevanz der Standortfaktoren

Alle Ausländische Deutsche

Standortfaktor Muttergesellschaften Muttergesellschaften Muttergesellschaften

Rechtssicherheit

Eigentumsverfassung

Größe des Absatzmarktes

Arbeitskosten

Verfügbarkeit Hochqualifizierte

Verkehrsinfrastruktur

Korruption

Persönliche Sicherheit

Steuerbelastung

Verfügbarkeit Facharbeiter

Energie- und Wasserversorgung

Arbeitsmarktregulierung

Öffentliche Förderung

Kommunikationsnetze

Bürokratie

Finanzierungsbedingungen

Transportkosten

Umweltauflagen

Sprachkompetenz

Währungsrisiken

Verfügbarkeit ungelernter AK

Handelshemmnisse

Medizinische Versorgung

Technologieakzeptanz

Rohstoffvorkommen

Konkurrenzsituation

Forschungseinrichtungen

Image der Region

Büropreise

Preisniveau (Konsum, Miete)

Umweltqualität

Grundstückspreise

Weiterbildungsmöglichkeiten

Naherholungsmöglichkeiten

Internationale Schulen

Kinderbetreuung

ÖPNV

Einkaufsmöglichkeiten

Kulturelles Angebot

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

Rang

1

2

8

14

6

11

3

9

13

10

7

12

4

5

15

16

24

17

19

21

20

18

27

22

23

28

29

34

25

36

26

30

32

37

35

31

33

38

39

2

4

1

3

5

6

13

9

7

8

10

12

18

21

14

17

11

20

19

15

22

29

16

27

28

24

26

23

31

25

39

32

38

30

36

34

37

35

33

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 29

Quelle: ifo Dresden Studien 43, ifo Institut für Wirtschaftsforschung Niederlassung Dresden, 2008


Anz_Regjo_BahnCard 17.06.2008 17:50 Uhr Seite 1

Mit der BahnCard

europaweit bei Avis

am Zug.

NEU: BahnCard-Tarif jetzt

grenzüberschreitend gültig!

Als Partner der Bahn bietet Avis allen

BahnCard-Inhabern jetzt auch Vergünstigungen

in Frankreich, Österreich, Benelux, Großbritannien

und in der Schweiz.

Mieten Sie einfach wie gewohnt Ihr Fahrzeug mit

der Avis Worldwide Discount (AWD) Nummer

W123701 und Sie sind auch im Ausland mit Avis

günstig unterwegs!

Buchung auf www.avis.de oder

unter 01805 55 77 55*

* 0,14 Euro/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk abweichend.

Freuen Sie sich auf einen entspannten und kommunikativen Abend

mit interessanten Gästen aus Wirtschaft, Politik, Medien, IT/Internet

und der Games Branche in einem der spektakulärsten Bauwerke

in Leipzig. Verschaffen Sie sich hier einen ersten Eindruck dieser

monumentalen Location: www.voelkerschlachtdenkmal.de

Die Kommunikation unter den Gästen steht im Vordergrund - und

genau das macht die Leipziger Koepfe Community aus: Kontakte

knüpfen, Kooperationen ausbauen und Freunde treffen. Anregungen

und Beiträge zu diesem Treffen fi nden Sie unter: www.xing.

com/net/leipzigerkoepfe/ und www.xing.com/net/gameskoepfe

Bringen Sie gerne auch weitere Gäste zu diesem interessanten

Networking Abend mit! Nicht xing Mitglieder sind auch herzlich

Willkommen!

Sollten Sie Interesse haben sich auf einer dieser Veranstaltungen

zu präsentieren, so können Sie gerne mit uns in Kontakt treten.

Termin: 19.8.2008 ab 20 Uhr

Veranstalter: VELVET Agentur GmbH und die

koepfe.net group laden Sie ein!

Ort: Völkerschlachtdenkmal!

Ziel: exklusiven Networking-Abend im

Moderatoren der Leipziger Köpfe:

Ines Scheibe

VELVET I agentur GmbH

Industriestr. 85-95

04229 Leipzig

Tel.: 0341 - 480 95 15

Fax: 0341 - 480 95 16

www.velvet-agentur.de

is@velvet-agentur.de

Vorfeld der „Games Convention“

Eintritt: 5 Euro (inkl. Begrüßungsgetränk/

Namensschild/Los)

Nils Rüstmann

NG Networking Group GmbH

Friedrichstrasse 171

Einstein Palais

10117 Berlin

030 303663666 Büro

030 303663667 Fax

networkinggroup.de

nils.ruestmann@berlin.de


Der Blick fürs Ganze

Der Flughafen Leipzig/Halle machte in den vergangenen

Monaten zahlreiche Schlagzeilen: Von einer neuen Start-

und Landebahn war die Rede, Berichte über das DHL-Drehkreuz

füllten die Seiten und parallel dazu wurden immer wieder

Stimmen von Nachtflug-Gegnern laut, die dem ganzen

Thema einen bitteren Beigeschmack verliehen. „Gott sei Dank

leben wir heute in Zeiten, in denen sich jeder Bürger über

Entscheidungen der Verwaltung beschweren kann. Leider

hat das manchmal zur Folge, dass die Öffentlichkeit den Blick

für das Ganze verliert, wenn nur noch einzelne Betroffene

in der Berichterstattung zu Wort kommen”, erklärt Friedrich

Weiss, stellvertretender Vorsitzender für die Stadt Halle des

Vereins PRO Flughafen Leipzig/Halle. Deshalb haben er und

neun weitere Flughafen-Befürworter Anfang Juni beschlossen,

im Interesse der Wirtschaftsregion Leipzig/Halle damit

zu beginnen, sich offen für den Flughafen auszusprechen:

„Wir wollten nicht mehr nur zuhören, also haben wir uns

ganz spontan in guter deutscher Tradition dazu entschieden,

den Verein PRO Flughafen Leipzig/Halle zu gründen.” Künftig

möchte man der Öffentlichkeit durch wissenschaftliche

Veranstaltungen, Vorträge und nicht zuletzt mit der gerade

entstehenden Homepage umfassende Informationen über

den Flughafen zugänglich machen. „Damit möchten wir zu

einem objektiven Meinungsbild über den Flughafen beitragen”,

ergänzt Maria Sharichin, stellvertretende Vorsitzende

des Vereins für Leipzig.

Eine Vorbereitungsphase für PRO Flughafen Leipzig/

Halle gab es nicht. „Am 15. Juli wird das Bundesverwaltungsgericht

in einer ersten mündlichen Verhandlung über

das Thema Nachtflugverbot entscheiden. Da das Gericht in

Leipzig sitzt, hat die öffentliche Wahrnehmung auch Einfluss

„Wir sind genauso wenig der verlängerte Arm des Flughafens, wie ein gegner des Ig

Nachtflug e. V. Uns geht es um den Wirtschaftsraum Mitteldeutschland als ganzes.“

auf die Entscheidung. Es war uns also wichtig, den Befürwortern

des Flughafens möglichst schnell eine Stimme zu

geben”, so der Vorstand. Gesagt – getan. Innerhalb von vier

Tagen wurde zur Gründungsveranstaltung eingeladen, an

der 20 Interessierte teilnahmen. Mittlerweile zählt der Verein

bereits 70 Mitglieder – Tendenz steigend. „Derzeit versuchen

wir, der enormen Flut von Beitrittserklärungen Herr zu werden.

Es sind auch Bürger aus den vom Fluglärm betroffenen

Gebieten dabei, die uns erklärten, dass ihnen durchaus

bewusst ist, wie wichtig der Flughafen für unsere Region ist”,

erklärt Sharichin. „Es ist uns wichtig, dass man uns nicht als

Gegenstück zum Verein IG Nachtflugverbot sieht, denn wir

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 31

Anfang juni gründeten rund 20 Flughafen-Befürworter spontan den Verein „Pro Flughafen Leipzig/Halle“

und wollen sich damit für eine objektive Meinungsbildung einsetzen.

Text: jessica Schöberlein Fotografie: Flughafen Leipzig/Halle, Uwe Schoßig

sind weder gegen den Verein, noch wollen wir bestreiten,

dass ein Flughafen Lärm mit sich bringt”, so der Vorstand

und ergänzt: „Außerdem möchten wir zwar den Ausbau

des Flughafens unterstützen, wehren uns aber sehr dagegen,

als verlängerter Arm des Flughafens bezeichnet zu werden.

Dem ist nicht so!” Dem Verein ginge es auch nicht nur um

DHL, sondern vielmehr um die gesamte Wirtschaftsregion

Leipzig/Halle. Weiss: „Es ist eine entscheidende Frage, wie

die gesamte Logistikbranche unseren Standort wahrnimmt.

Die öffentliche Meinung ist wichtig für Neuansiedlungen und

deshalb wollen wir mit unserer Arbeit nicht nur Vorteile für

die nächsten fünf, sondern vielmehr für die kommenden

fünfzig Jahre schaffen.”

Die beginnende Diskussion in Politik und Medien wertet

der Verein als ersten, dahingehenden Erfolg seiner Arbeit.

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.proflughafen-lej.de.


Erfolgreich mit Verantwortung

erfolgreicher Auftakt für die Veranstaltungsreihe „IMPULSe − Forum für Corporate Social responsibility in Mitteldeutschland“

− die region diskutiert über unternehmerische Verantwortung in Theorie und Praxis.

Text: Nadine jukschat; Katharina Kunath Fotografie: Christian Hüller; Premium Cola © Alan von Lützau; Michael ebert und Martin Terhart

Corporate Social Responsibility (CSR) ist

ein Thema, das in der Gesellschaft und vor

allem bei großen Unternehmen zunehmend

an Relevanz gewinnt. Dabei geht es

um unternehmerische Verantwortung, die

über die Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener

Maßnahmen und reine Sponsoringaktivitäten

weit hinausgeht. Für viele kleine

und mittelständische Unternehmen ist CSR

jedoch noch ein Fremdwort, so die Einschätzung

der Organisatoren Jörg Müller und

Tina Leeb von der Leipziger Agentur Ideen.

Quartier, die in Partnerschaft mit REGJO

das „IMPULSE − Forum für Corporate Social

Responsibility in Mitteldeutschland“ initiiert

haben. „Oft herrscht die Einstellung, man

müsse erst wirtschaftlich erfolgreich sein

und könne sich dann über Dinge wie CSR

Gedanken machen“, sagt Jörg Müller. Doch

besonders in Zeiten eines verschärften Wettbewerbs

sei es nötig, darüber nachzudenken,

welche Werte die eigene Unternehmenskultur

prägen sollen. Dazu will die IMPULSE-

Reihe einen Beitrag leisten. So bietet diese

Veranstaltungsreihe eine Plattform, auf der

die vielseitigen Möglichkeiten zur Umsetzung

unternehmerischer Verantwortung aus

verschiedenen Perspektiven beleuchtet und

mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft

diskutiert werden.

Beim Auftakt Ende Mai im bis auf den

letzten Platz gefüllten Seminarraum des

Zeitgeschichtlichen Forums (ZGF) in Leipzig

gab Herr Prof. Dr. Andreas Suchanek von

der Handelshochschule Leipzig eine Einführung

in die vielschichtigen Facetten und die

Bedeutung von CSR. Wie das Konzept in

der Praxis umzusetzen ist, darüber diskutierten

anschließend Vertreter der regionalen

Wirtschaft. Ein Unternehmen, das sich seit

Jahren konsequent damit auseinandersetzt,

sind die Wasserwerke Leipzig. „Für uns ist

die Übernahme von Verantwortung kein

Marketing-Gag, sondern eine Investition in

Verantwortung ist kein Marketing-gag, sondern

eine Investition in die Zukunft.

die Zukunft“, so deren technischer Geschäftsführer

Andreas Schirmer während der

Podiumsdiskussion. Verantwortlich für ihre

Mitarbeiter und die Region fühlt sich auch

Angela Papenburg, Aufsichtsrätin der Günter

Papenburg AG. Die Hallesche Niederlassung

des Bauunternehmens fördertunter anderem

die Vorleseinitiative „Lesewelt Halle“,

den Fußballverein HFC und unterstützt über

Public Private Partnership die Sanierung von

neun Schulen. Das Label „CSR“ mochte die

Familienunternehmerin trotzdem nicht ver-

wenden und verwies auf die oft fehlenden

Ressourcen in mittelständischen Unternehmen

für eine systematische Beschäftigung

mit diesem Thema.

Bei der 2. Auflage der IMPULSE-Veranstaltungsreihe,

am 8. Juli im ZGF gingen

die Teilnehmer den Fragen nach: Inwieweit

beeinflussen moralische Werte die Rendite

eines Unternehmens? Wie können diese

Werte innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette

etabliert werden und welche

Wettbewerbsvorteile ergeben sich daraus?

Unter der Moderation von Rommy Arndt

sprachen während der Podiumsdiskussion

Prof. Dr. Ingo Pies vom Lehrstuhl für Wirtschaftsethik

an der Martin-Luther-Universität

Halle-Wittenberg, Matthias Brühl,

Geschäftsführer des IT-Dienstleisters Alpha

2000 aus Leipzig, Uwe Lübbermann vom

Hamburger Kollektiv Premium Cola und

Rüdiger Lorch, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes

Sachsen e.V. über die Themen

Ökonomie und Markt. Verantwortliche

Unternehmertätigkeit, so das Credo, zeichnet

sich in diesem Bereich durch vorbildliche und

über gesetzliche Regelungen hinausgehende

wirtschaftliche Aktivitäten in Herstellung,

Lieferkettenmanagement, Materialeinkauf,

Marketing, Preisgestaltung und Verkaufsmethoden

aus.


Uwe Lübbermann von Premium Cola verdeutlichte über sein

Kollektiv Premium Cola, dass man auch abseits der klassischen Wege

der Unternehmensführung sowohl erfolgreich als auch sozial gerecht

arbeiten kann. Das Konzept hinter Premium Cola liegt in der Entstehungsgeschichte

des Unternehmens begründet: Es entstand als

„Protestreaktion” auf die stillschweigend vollzogene Rezepturänderung

von Afri-Cola nach der Übernahme dieser Marke durch die

Mineralbrunnen Überkingen-Teinach AG. Ohne die Verbraucher zu

informieren, kam Afri-Cola 1999 mit verändertem Geschmack und

Uwe Lübbermann: „geld ist ein gestaltungsmittel, sag ich immer gerne – je

mehr davon reinkommt, desto mehr gutes können wir damit machen.“

einem stark reduzierten Koffeingehalt in die Läden. Daraufhin ging

Lübbermann mit Freunden auf die Barrikaden und sie schlossen sich

zu einer Interessengemeinschaft zusammen. 2001 gründeten sie dann

„Premium Cola“ und begannen mit der Abfüllung von zunächst 1.000

Flaschen für den Eigenbedarf. Mittlerweile sorgen 145 Mitstreiter in

54 Städten, unter anderem Leipzig, dafür, dass pro Jahr rund 220.000

Flaschen der braunen Brause ihre Anhänger über ausgewählte Händler

und Lokalitäten erreichen.

Während die meisten Unternehmen CSR-Aktivitäten erst nach

Etablierung auf dem Markt einführen, standen bei Premium Cola die

unternehmerische Verantwortung, der faire Umgang mit Kunden,

Geschäftspartnern, Mitarbeitern und der Umwelt von Anfang an im

Mittelpunkt allen Handelns. Als eine Art Kodex haben sich die Premium-Macher

sechs Begriffe nicht nur auf die Fahne, sondern auch

auf das Flaschenetikett geschrieben: Geschichte, Kraft, Geschmack,

Aufrichtigkeit, Konsequenz und Leben. Premium Cola arbeitet

nicht mit jedem zusammen. So müssen die Lieferanten, die Händler

Back to the roots

regjo LeIPZIg/HALLe iMPulSe 33

Zurück zum Urpsung des unvergleichlichen Afri-Colageschmacks.

Premium Cola ist aber weit mehr als nur eine

koffeinhaltige Limonade, es ist eine eigene Philosophie,

die über das Produkt transportiert wird: geschichte, Kraft,

geschmack, Aufrichtigkeit, Konsequenz und Leben.

und Cola-Ausschenker das Unternehmen von ihrer verantwortungsvollen

Wirtschaftsweise überzeugen. Dabei wurden schon Anfragen

von namhaften Unternehmen und Szeneclubs abgelehnt.

„Die Idee hinter Premium ist nichts weiter als der praktische

Versuch, Wirtschaft und Moral konsequent zu verbinden – so wie

es ein Haufen enttäuschter Konsumenten eben tut, wenn sie durch

Zufall plötzlich eine eigene Marke aufbauen können“, sagt Lübbermann.

In der Umsetzung sieht das so aus, dass es im Kollektiv keinen

Chef gibt, alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen

und die Abläufe transparent allen Beteiligten, auch den Händlern,

zugänglich gemacht. Entgegen der üblichen Vorgehensweise, bei

höheren Absatzmengen den Überschuss als Gewinn einzufahren,

senken die Premium-Macher die Preise und verzichten damit auf

rund 23 Prozent mehr Umsatz. Der Haken an dieser Unternehmenspraxis

ist, dass die Premium-Macher allein von den Einnahmen

aus dem Cola-Geschäft noch nicht leben können und sich ihren

Lebensunterhalt neben ihrem Beruf, Nebenjob oder Studium verdienen

müssen. Lübbermann bekennt „Der Premium-Ansatz kostet

viel Arbeit, aber er gibt eine Menge zurück“, denn “selbst und besser

machen, das ändert was!”

Was Unternehmen anders und besser machen können, das

zeigen die dritten IMPULSE, die am 24. September 2008 auf dem

Mediencampus Villa Ida in Leipzig stattfinden. Dann werden unter

dem Titel „Die Dimension Ökologie – die Umwelt“ Fragen nach der

unternehmerischen Strategie zur nachhaltigen Entwicklung in Verbindung

mit Maßnahmen zum Umweltschutz gestellt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.impulse-mitteldeutschland.de,

www.premium-cola.de und www.soundofsirens.net.


TOTAL Raffi nerie

Mitteldeutschland GmbH

Maienweg 1

06237 Spergau

Telefon: (03461) 48-0

www.total.de

Mobilität

für Mitteldeutschland

Eine der modernsten Raffi nerien Europas steht in Mitteldeutschland. Sie gehört zu den Top 10

Unternehmen im Osten Deutschlands. Mit dem Raffi nerieneubau wurden die Weichen für die

Zukunft des traditionsreichen Chemiestandortes Leuna mit seinen ca. 9.000 Arbeitsplätzen

gestellt. Das Unternehmen stärkt, als Teil der französischen TOTAL Gruppe, die Wirtschaftskraft

der Region und setzt Maß stäbe in Sachen Sicherheit sowie Umweltschutz.

TOTAL Raffi nerie Mitteldeutschland GmbH

Stadtverwaltung Werdau

Wirtschaftsförderung

Ihr Ansprechpartner:

Dipl. Ing. (FH) Kurt Groß

Telefon: 03761/594-328

Telefax: 03761/ 594-267

wirtschaft-sv@werdau.de

www.werdau.de

Investieren in Werdau

Standortfaktoren

• Strategisch günstige Lage

• Erschließung neuer Märkte in Europa

• Erste Förderpriorität im Freistaat Sachsen

• Optimal erschlossene Industrie- und

Gewerbegebiete zwischen 3.000 und 50.000 m²

SAXAS Nutzfahrzeuge Werdau AG

Der Profi für den Verteilerverkehr!


Verbundnetz für die Region?

Text: Kai Bieler Fotografie: Verbundnetz gas Ag

Arbeitgeber. Noch größer ist der indirekte

Effekt auf die regionale Wertschöpfung.

Von den 2007 in Auftrag

gegebenen Lieferungen und Leistungen

in Höhe von rund 116 Millionen

Euro bestellte die VNG rund 73 Prozent

in Ostdeutschland, davon 38 Prozent in

Sachsen. Indem man die Region stärke,

stärke man auch den größten eigenen

Absatzmarkt, so das Credo der VNG.

Auch deshalb unterstützt die VNG zahlreiche

soziale, kulturelle und sportliche

Aktivitäten in Ostdeutschland. Dazu

zählen unter anderem die Förderung

des bürgerschaftlichen Engagements

durch das VNG-„Verbundnetz der

Wärme“, der Kampf gegen Rechts mit

dem „Verbundnetz für Demokratie und

Toleranz“ sowie die Unterstützung von

Kommunen bei Projekten zum Einsatz

regenerativer Energien. „Unsere ostdeutsche

und kommunale Vernetzung

war und ist die existenzielle Grundlage

für unser grenzüberschreitendes Engagement“,

so Dr. Klaus-Ewald Holst.

Ausdruck der starken Stellung der

Kommunen ist die VNG Verwaltungs-

und Beteiligungsgesellschaft (VuB), die

25,79 Prozent der Aktien hält. Als Treuhänderin

verwaltet sie die Anteile von

zwölf kommunalen Stadtwerken aus

Ostdeutschland an der VNG.

Doch diese Konstellation scheint

regjo LeIPZIg/HALLe WirtScHaft 35

Als größtes eigenständiges Unternehmen ostdeutschlands übernimmt die VNg – Verbundnetz gas Ag auf

vielfältige Weise Verantwortung in der region. ob es dabei bleibt, ist unter den gesellschaftern umstritten.

„Unser Ziel für die kommenden Jahre

ist es, VNG als eigenständiges ostdeutsches

Unternehmen bestens aufzustellen“,

bekräftigte Prof. Dr.- Ing. Klaus-

Ewald Holst, Vorstandsvorsitzender der

VNG – Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft

bei der Bilanzpressekonferenz

seines Unternehmens im Mai dieses

Jahres. Nach den vorgestellten Zahlen

ist die VNG mit einem Gasabsatz

Insgesamt beschäftigt der VNg-Konzern 1.126 Mitarbeiter,

von denen 591 am Hauptsitz in Leipzig arbeiten (31.12.2007).

von 165,2 Milliarden Kilowattstunden

und rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz

der drittgrößte Erdgasimporteur und

siebentgrößter Energieversorger in

Deutschland.

Zum Geschäft der Konzerngruppe

gehören der Import, der Großhandel,

der Transport und die Speicherung von

Erdgas sowie Energiedienstleistungen.

Außerdem erschließt sich die VNG

durch den Erwerb von Förderlizenzen

in Norwegen sowie den Ausbau der

Auslandsaktivitäten weitere Märkte.

Entsprechend groß ist die Bedeutung

des größten eigenständigen Unternehmens

Ostdeutschlands für die wirtschaftliche

Entwicklung der Region. So

ist die VNG der größte Steuerzahler der

Stadt Leipzig und einer der wichtigsten

gefährdet. Bereits im März gaben die

Stadtwerke Jena-Pößneck bekannt,

ihren Anteil von 1,04 Prozent an

den Oldenburger Energiekonzern

EWE, der bereits 47,9 Prozent der

Aktien hält, verkaufen zu wollen.

Auch die Stadtwerke Halle erwägen

einen Verkauf ihrer 3,66 Prozent

VNG-Aktien. Damit ginge die Sperrminorität

der kommunalen Anteils-

eigner und – so die Befürchtungen

– die wirtschaftliche Eigenständigkeit

der VNG verloren. Unterstützung bei

der Übernahme der Aktienmehrheit

erhält EWE jetzt auch vom drittgrößten

deutschen Energiekonzern EnBW, der

Anfang Juli 26 Prozent der Anteile an

der EWE übernahm. An solchen „Waswäre-

wenn-Spielen“ will sich Dr. Ralf

Borschinsky, Informationsmanager der

Verbundnetz Gas AG nicht beteiligen.

„Auch bei einem Anteil von unter 25

Prozent wird sich am Verhältnis zu

den Kommunen nichts ändern“, so

Borschinsky. Ungeachtet der aktuellen

Entwicklungen werde sein Unternehmen

weiter Verantwortung für die

Region übernehmen, ist sich der VNG-

Sprecher sicher.

Weitergehende Informationen zur VNg finden

Sie im Internet unter www.vng.de.


Der Sprung ins kalte Wasser

In Mitteldeutschland gibt es mehr als 30 Technologie- und Innovationszentren. regjo fragt, wie zeitgemäß das Konzept

„gründungszentrum“ ist und wo die Probleme deutscher gründer liegen.

Text: Thomas Magosch Fotografie: Fabian Heublein


Auf der rechten Seite der Karl-Heine-Straße in Leipzig, stadtauswärts,

hinter der Kanal-Brücke, dominiert wieder das Brachland. Zwischenzeitlich

kultiviert durch das Jahrtausendfeld und ein Zirkuszelt des

„Theaters der Jungen Welt“, ist es jetzt wieder verunkrautet und lässt

einen freien Blick auf Gründerzeitruinen und ein Bordell. Deutet man

dieses Bild als mäßige Perspektive für das Haus mit der Nummer 99,

dem „Business & Innovation Centre“, kurz BIC Leipzig, liegt man

falsch. Im BIC wird Zukunft geprobt und gestartet oder zumindest

innovative Gegenwart praktiziert.

Um es gleich vorwegzunehmen: Es geht hier vordergründig

nicht um Unternehmen, die derzeit gerne unter dem undifferenzierten

feuilletonistischen Schlagwort der „digitalen Boheme“ subsumiert

werden. Auch über den Nachfolger der „Ich-AG“, den „Gründungszuschuss“,

bietet das BIC zwar Beratung an, mehr aber auch nicht.

Den Einrichtungen geht es um weit mehr.

Innovationszentren werden gerne mit dem Attribut „Inkubator“

versehen. Ein Inkubator steht häufig auf Kinderintensivstationen in

Kliniken. Er wärmt bzw. brütet die Nachkommen aus. Ein Raum, wo

etwas wachsen und gedeihen soll, ein behüteter Raum. Offensichtlich

scheint heutzutage ein solcher Raum in Deutschland nötig zu

sein, wenn man sich in die Selbstständigkeit stürzt und, wie es Dr.

Maik Schedletzky formuliert, den „Sprung ins kalte Wasser wagt“.

Schedletzky war „auf der Suche nach einer Möglichkeit, eine Idee

umzusetzen“. So einfach klingt das am Anfang. Und dann sei er

erstmal in Leipzig umhergeirrt. Hier setzt eine Institution wie die BIC

Leipzig GmbH an. „Es gibt tausend Informationsseiten, aber regional

ein behüteter raum scheint in Deutschland heutzutage notwendig zu sein,

wenn man sich in die Selbstständigkeit stürzt.

oder lokal herrscht oftmals Unkenntnis darüber, welche Einrichtung

welche Dienstleistung bis zu welchem Grad erbringen kann“, meint

Ernest Freyers, Technologieberater bei der BIC Leipzig GmbH und

fügt hinzu: „Wir merken natürlich, dass die Gründer oft abgeholt

werden müssen.“

„Ich muss mich ständig um Geldquellen kümmern. Das raubt

einen Haufen Zeit.“ Zeit, die Dr. Maik Schedletzky lieber in Forschung

und Entwicklung neuer Produkte, neuer Denkansätze für seine Firma

4d-technologie GmbH stecken würde. Bei diesem Problem setzt der

Coach der BIC Leipzig GmbH an. Ernest Freyers ist selbst ausgewiesener

Fachmann auf dem Umwelt- und Energiesektor sowie der IT.

Und er hat ausreichend persönliche Erfahrung in Sachen Existenzgründung

und Erfahrung im Umgang mit „Denkfabriken“, wie er

Schedletzky gern nennt, gesammelt. „Die Schwierigkeit bei einem

Tüftler ist immer die Finanzierung. Der tüftelt und tüftelt und tüftelt,

aber es fehlt an Geld, um den Prototypen zu bauen. Oder, wenn dann

Geld für den Prototypen da ist, verlangen die Fördermittelgeber von

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 37

staatlicher Seite oft, dass die Firma Umsätze erzielt haben muss in

den vergangenen Jahren. Das hat sie in der Regel nicht.“

Der Begriff Innovationszentrum umfasst sowohl Technologie-

und Gründerzentren als auch Wissenschafts- und Technologieparks

wie beispielsweise die Leipziger BIO CITY. Wesentlich sind die günstigen

Rahmenbedingungen, die ein Innovationszentrum schaffen

soll: Fläche, Kapital und Kontakte. Gefördert werden Unternehmen

in der Konzept-, Start- und ersten Entwicklungsphase, bevorzugt in

zukunftsweisenden Branchen aus den Bereichen IT, Umwelt/Energie/

Kunststoff und, für die BIO CITY, aus dem Cluster Biotechno-

Alleinstellungsmerkmale erzielen die gründerzentren durch ihre Netzwerk-

und Coachingangebote.

logie und Life Sciences. Zentrale Dienste und günstige Raumeigenschaften

sind allerdings noch kein Alleinstellungsmerkmal. Eine gute

Infrastruktur ist Voraussetzung für ein gutes Technologiezentrum.

Alleinstellungsmerkmale erzielen die Häuser durch Netzwerk- und

Coachingangebote wie das Leipziger Projekt SMART START, das es

zehn Unternehmen ermöglicht, für die Dauer eines Jahres die Coaching-

und Infrastrukturmöglichkeiten des BIC kostenlos zu nutzen,

vorausgesetzt, der Sitz der Firma ist in Leipzig oder wird hierher

verlegt.

Eine Erfolgsgeschichte aus den vergangenen Jahren ist das

Unternehmen PURinvent, das gerade Clustersieger beim IQ Innovationspreis

Mitteldeutschland wurde, einem der renommiertesten Preise

dieser Sparte. Dr. Frauke Petry, Gründerin und Geschäftsführerin von

PURinvent, ist vom Konzept des Technologiezentrums überzeugt:

„Die BIC Leipzig GmbH ist Anlaufstelle für alle Fragen, die im Zusammenhang

mit dem Aufbau des Unternehmens auftauchen.“ Das hat

die innovative Gründerin bewogen, ihr Unternehmen in Leipzig und

nicht in Göttingen, wie ursprünglich geplant, anzusiedeln.

Infrastruktur bedeutet, einer „Denkfabrik“ Mittel und Wege

aufzuzeigen, Ideen in Produkte oder Dienstleistungen zu verwandeln,

sich am Markt zu positionieren und auch, mögliche Förderoptionen

oder Beteiligungen zu eruieren und, wenn möglich, vertragsfertig

zu gestalten. Auf der Basis von individuell auf das Vorhaben zugeschnittenen

Coaching-Verträgen begleitet der Berater den Gründer.

Wichtig für Freyers ist dabei, auch mal „über den Tellerrand hinauszuschauen“.

Das heißt, offen und transparent Informationsaustausch

mit anderen Technologiezentren oder Universitäten zu betreiben.

„Was kann man auf mitteldeutscher oder gar europäischer Ebene

bewegen?“ Jenseits sensibler Daten versteht sich. Auf dem Gründermarkt

tummeln sich mittlerweile zahlreiche Spieler. Da sind zum

einen die aus der öffentlichen Hand und von den Kammern IHK

und HWK getragenen Einrichtungen wie die BIC Leipzig GmbH -

letztere ist vor allem für Gründungen aus technologieorientierten


Gründer und Coach

Dr. Maik Schedletzky von der 4d-technologie

gmbH (umseitig) und der Technologieberater

ernest Freyers (links) von der BIC

Leipzig gmbH.

Bereichen zuständig. Andere Gründerforen

wie Univations, das Hochschulgründer-Netzwerk

Sachsen-Anhalts oder, eine Dimension

kleiner, das IGZ Fügetechnik Halle konzentrieren

sich auf spezielle Zielgruppen. Infrastruktur

bedeutet: kurze und effektive, also

vor allem auch fachspezifische Wege. Das

IGZ ist ein spezialisiertes Kompetenzzentrum.

Hier dreht sich alles ausschließlich um

Füge- und Werkstofftechnik, sowohl in der

technischen Infrastruktur durch die unmittelbare

Nähe zur Schweißtechnischen Versuchs-

und Lehranstalt (SLV) Halle als auch

die Nähe zu Kompetenzträgern wie dem

Süddeutsches Kunststoffzentrum (SKZ), das

eine Zweigstelle auf dem Gelände betreibt.

„Die republik ist quantitativ ausgelastet“, was

gründerzentren anbelangt.

Es ist ein Cluster entstanden, das heißt es

erfolgen ausschließlich fachverwandte Firmenansiedlungen

neben einem Forschungszentrum.

Neben den Beratungsfirmen mit

öffentlichen Beteiligungen gibt es private

Berater, als Gesellschaften unterstützt von

Firmenkonsortien oder als Einzelpersonen

wie Steuerberatern mit Zusatzkompetenzen.

Dabei steht bei den öffentlichen wie privaten

Coaches der Kooperations- und nicht der

Konkurrenzgedanke im Vordergrund.

Ziel eines jeden Kompetenzzentrums

ist immer die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Und im optimalen Fall auch die Installation

einer kompletten Wertschöpfungskette von

Forschung und Entwicklung bis zu Produktion

und Vertrieb. Unterstützt wird die BIC

Leipzig GmbH hier vom Unternehmensgründerbüro

Leipzig ugb (ugb), das ebenfalls im

Haus sitzt und das ein wenig wie „ein viertes

Auge“ über die Projekte wacht, wie Freyers

das etwas scherzhaft formuliert. Das ugb

ist eng mit der Sparkasse vernetzt, welche,

neben der Stadt, auch Betreiber des BIC ist

und die Finanzierungen für die Gründer vorschlägt

und bewilligt. Die BIC Leipzig GmbH


verlangt von jedem ehemaligen Mitstreiter eine Dokumentation der

Firmenentwicklung, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung

der Zahl der Arbeitsplätze. Und zwar für die Dauer von fünf Jahren

nach Beendigung der Coaching-Phase.

Betrachtet man die Geschichte der Innovationszentren, handelt

es sich fast schon um einen alten Hut. Auch wenn Deutschland im

europäischen Kontext ein wenig spät mit der Initiative für Gründer

begann. Ausgangspunkt war das Berliner Innovations- und Gründerzentrum

BIG, gefolgt vom Technologiezentrum in Aachen im Jahr

1983. 1987 hielt man mit 50 Zentren die Obergrenze des Möglichen

in der BRD erreicht. Nach der politischen Wende wurde die Gründung

von Innovationszentren vor allem in den deindustrialisierten neuen

Bundesländern gefördert. Sie erhielten hier, anders als die Technologiezentren

im Westen, auch eine Förderung vom Bund. Im Jahr 2000

bestanden ca. 75 TGZ in den neuen Bundesländern, in denen 1.800

Betriebe und mehr als 10.000 Beschäftigte angesiedelt waren. Im

Bundesverband deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren

e.V. (ADT) sind derzeit noch 59 TGZ aus den neuen Bundesländern

als Mitglieder registriert. Tendenz rückläufig. „Die Republik

ist quantitativ ausgelastet“, stellt Rolf Friedrichsdorf vom Phoenix

Gründerzentrum in Berlin nüchtern fest. Technologie- und Gründerzentren

waren und sind noch immer prestigeträchtige Schaufenster

für die regionale Politik, sodass rückblickend nicht alle Zentrumsgründungen

inhaltlich sinnvoll erscheinen. Wenn die „hard facts“, die

Infrastruktur und das Umfeld nicht stimmen, kann keine sinnvolle

Gründungspolitik betrieben werden. Das Profil eines Zentrums ist

das A und O, „Technologiezentren können nicht willkürlich versetzt

Die rahmenbedingungen für gründer verschlechtern sich seit jahren. Im

internationalen Vergleich liegt Deutschland lediglich im Mittelfeld.

werden“, so Friedrichsdorf. Sie sollten Alleinstellungsmerkmale am

Standort aufweisen können. Die Dynamik der Zentrengründungen

hat ein gewisses Plateau erreicht, ein clearing-Prozess hat eingesetzt,

der die Spreu vom Weizen trennt. Aber auch die rückläufige Gründeraktivität

macht den Zentren phasenweise zu schaffen.

Die Rahmenbedingungen für Gründer in Deutschland verschlechtern

sich trotz der Innovationszentren Jahr für Jahr zusehends.

Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) fördert teilweise

erstaunliche Ergebnisse hinsichtlich der Rahmenbedingungen für

Neugründungen in Deutschland zutage. Neben der bekannten und

oft diskutierten mangelnden schulischen und auch außerschulischen

gründungsbezogenen Ausbildung und dem überfrachteten Bereich

der Regulierung und Steuerregelung sowie dem Wissens- und Technologietransfer

fällt auch das schlechte Abschneiden hinsichtlich der

gesellschaftlichen Werte und Normen auf (GEM National Report Ger-

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 39

many 2006). Der landesweiten Gründungskultur wird ein schlechtes

Zeugnis ausgestellt: „Vor allem die Bereitschaft zur Übernahme eines

unternehmerischen Risikos sei […] im internationalen Vergleich

unterentwickelt. Ebenso wenig stünden Werte wie Selbstständigkeit,

Autonomie oder Eigeninitiative besonders hoch im Kurs und auch

die Förderung von Kreativität und Innovativität gereicht der (noch)

drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nach Ansicht der Experten

nicht zur Ehre.“ „Motivation“ nennt Rolf Friedrichsdorf von Phoenix

dieses Problemfeld.

Gerne werden die Zentren deshalb von dem Monitoring generell

als positiver Standortfaktor herausgestellt und in der öffentlichen

Förderinfrastruktur schnitt Deutschland im Länderranking außerordentlich

gut ab. Positive Punkte außerdem: die physische Infrastruktur,

der Schutz des geistigen Eigentums und unternehmensbezogenen

Dienstleistungen. Im formalen Bereich werden erste Schritte

unternommen, Barrieren abzubauen oder zumindest übersichtlicher

zu gestalten. Grundlegende Reformen im Steuer- und Arbeitsrecht

wären freilich sinnvoller und effektiver. Auch die zunehmende internationale

Vernetzung stellt eine Herausforderung für die Zukunft dar.

Formale Hürden und Regulierungsprobleme gibt es auch in anderen

Ländern, sie werden dort aber teilweise besser gebündelt und somit

der Weg für Gründer wesentlich vereinfacht. Einrichtungen wie das

BIC sind auf dem Weg dorthin.

Neben den harten formalen Fakten lebt ein Gründerzentrum

naturgemäß auch von sekundären, sogenannten „weichen“ Faktoren.

„Atmosphäre“ ist so ein Schlagwort für einen unkomplizierten

Informationsaustausch, möglicherweise nach Feierabend, möglicherweise

bei einem Glas Bier. Neben dem Profil des Zentrums kommt

es dabei auch auf die Kompetenz der Coaches an. Möglichst allseitig

vernetzt und immer up to date, von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

bis hin zu Informationen über regionale Verbände – ein

Netzwerker und Kommunikator par excellence ist hier gefragt. Einer

wie Ernest Freyers von der BIC Leipzig GmbH.

Die Gründerzentren in Leipzig beweisen, dass im Zuge einer

zumindest phasenweise dynamischen und möglicherweise auch ein

wenig risikofreudigen Politik, gerade was die Anschubfinanzierung

und die Zurverfügungstellung von Infrastruktur betrifft, erfolgreiche

Vorbildmodelle geschaffen werden können. Die Perspektiven in der

Karl-Heine-Str. 99 sind gut. Das BIC ist im „Kooperations-Wettbewerb“

der Gründerzentren gut aufgestellt. Und mal ganz ehrlich: Wer

hat schon Vergangenheit und Zukunft so eng und heterogen verortet

vor der Haustür wie die Karl-Heine-Strasse in Leipzig?

Infos unter: www.bic-leipzig.de; www.igz-fuegetechnik.de; www.startothek.

de; www.univations.de; www.existenzgruender.de und www.adt-online.de.


Raum für Investitionen

ein deutscher Weltkonzern, eine Schweizer Firmengruppe und ein junges Biotechnologieunternehmen expandieren in

Halle (Saale). Die Wirtschaft wächst in der Händelstadt mit ihrem Technologiepark weinberg campus. Drei Beispiele.

Text: Dr. Markus Folgner Fotografie: Fechner & Tom (Luftbild Technologiepark weinberg campus); Ö-Konzept; Scil Proteins

Es sind Unternehmen mit ganz eigenen Geschäftsfeldern: die KSB AG,

die Zur Rose AG und die jungen halleschen Existenzgründungen die

Scil Proteins-Unternehmen. Sie haben Erfolg in Halle (Saale). Drei

Beispiele für das Wachstum der halleschen Wirtschaft im Maschinenbau,

in der Pharmalogistik und der roten Biotechnologie.

Die KSB AG mit Sitz in Frankenthal investiert in Halle rund 18

Millionen Euro. Der international agierende Konzern betreibt und

entwickelt hier sein Kompetenzzentrum für Wasser- und Abwasserpumpen.

Etwa 450 Mitarbeiter sind dort beschäftigt; die Tendenz ist

steigend. Eine neue moderne Montagehalle mit eigenem Prüffeld für

große und leistungsstarke Wasserpumpen wird noch in diesem Jahr

gebaut. Mit der Investition entstehen über 60 neue Arbeitsplätze.

Die Bauleistungen und Energieversorgung übernehmen potente

regionale Fachunternehmen. Bereits in den Jahren zuvor flossen 45

Millionen Euro aus dem Konzern in den mitteldeutschen Standort.

KSB übernahm hier 1991 die traditionsreichen Pumpenwerke Halle.

Seit 1996 liegt das durchschnittliche jährliche Wachstum konstant

über sechs Prozent. Geliefert wird in die ganze Welt. Der Dubai-Tower

ist ein aktuelles Referenzprojekt für die mitteldeutsche KSB-Technik.

Er gilt mit 819 Metern als zur Zeit höchstes Gebäude der Welt.

69 Hochleistungspumpen aus Halle kühlen dort in der arabischen

Sonne die Luft, umgeben von Stahl, Glas und Beton. Die Kontakte

des Konzerns zur Wirtschaft in Dubai sind glänzend, und die Qualität

der KSB-Technik aus Halle ist exzellent. Gute Voraussetzungen für

eine nachhaltige Auftragslage.

Die Zur Rose AG aus der Schweiz investierte schon 2004 rund 10

Millionen Euro im halleschen Riebeckviertel. Dort wurde ein 3.000

Quadratmeter großes Logistikzentrum der deutschen Tochter Zur

Rose Pharma GmbH errichtet, mit etwa 8.000 Lagerplätzen. Gebaut

wurde auf einer komfortablen Fläche von 13.500 Quadratmetern.

Ausreichend Platz für künftige Erweiterungen. Das Unternehmen

arbeitet als Dienstleister der Zur Rose Versandapotheke am gleichen

Standort. Dabei übernimmt die Zur Rose Pharma GmbH die Logistik,

den Einkauf, das Marketing und den Vertrieb. Etwa 1.000 Aufträge

pro Stunde werden bewältigt. Bis zu 10.000 Pakete pro Tag können

versendet werden. Über eine Million Kunden in ganz Deutschland

werden derzeit schnell und zuverlässig von der Zur Rose Gruppe mit

apothekenpflichtigen Arzneimitteln versorgt. Rund 100 qualifizierte

Mitarbeiter sorgen für den akkuraten, reibungslosen Ablauf. Ein

Wachstumsmarkt. Es geht schnell in Halle. Die Verkehrsinfrastruktur

stimmt. Der Service örtlicher Behörden wird von den Schweizern

KSB, Zur rose, Scil Proteins investieren in Halle: drei repräsentative Beispiele

für das erfolgreiche Wachstum der halleschen Wirtschaft.

ausdrücklich gelobt. Und die Investoren aus der Alpenrepublik sind

von der Stadt fasziniert. Kultur, Geschichte, Natur, Innovationen

– Halle überrascht.

Zur Rose wurde 1993 als Ärztegrossist gegründet. Die Gruppe

ist mit der Tochtergesellschaft Helvepharm im Generikageschäft vertreten,

gehört heute zu den bedeutendsten Anbietern der Schweiz

und wächst international, besonders mit dem Versand von Medikamenten,

der seit 2001 zum Portfolio zählt. Auf diesem Wachstumsmarkt

hat sich die Zur Rose Gruppe in Europa eine führende Stellung

erarbeitet; vorrangig in der Schweiz und in Deutschland. In Halle hat

sich die Apotheke Zur Rose in der Thüringer Straße auch innerhalb

der Stadt zum Anziehungspunkt entwickelt: „Sie ist bekannt für ihre

günstige Lage und die tollen Preise und hat daher einen großen und

treuen Kundenstamm“, freut sich die Geschäftsleitung.

Im April 2008 eröffnete die Scil Proteins Production GmbH in

Halle eine neue Produktionsanlage für pharmazeutische Proteinwirkstoffe.

Mit einer Fermentationskapazität bis zu 1.000 Liter netto pro-


duziert sie Proteine für klinische Tests und den

kommerziellen Markt. Über 25 neue Arbeitsplätze

entstanden. Das Unternehmen, 2005

gegründet, arbeitet eng mit der Schwester

Scil Proteins GmbH zusammen. Die startete

1999 und beschäftigt inzwischen fast 50 Mitarbeiter.

Scil Proteins erforscht und entwickelt

die innovativen Wirkstoffe, die dann

von Scil Proteins Production hergestellt werden.

Insgesamt haben die Scil-Schwestern

20 Millionen Euro in Halle investiert. Beide

firmieren im Technologiepark weinberg campus,

dem zweitgrößten Technologiepark in

Ostdeutschland. Das Areal ist das Innovationszentrum

der Saalestadt. Hier konzentrieren

sich die naturwissenschaftlich-technische

Forschung der Universität, renommierte Forschungsgesellschaften,

moderne Unternehmen.

Hier etablierte Netzwerke sind lokal,

es geht schnell in Halle. Die Verkehrsinfrastruktur

stimmt.

national und international ausgerichtet. „Wir

profitieren von dieser Infrastruktur“, bekennt

Dr. Ole Fütterer. Er verantwortet den Bereich

Geschäftsentwicklung beider Firmen. „Unser

schnell erforderliches Wachstum wäre ohne

qualifiziertes Personal für die besonderen

Arbeitsprozesse gar nicht denkbar. Hier hift

uns sehr die Nähe zur Universität.“ Mit der

Wachsende Unternehmen

Hochqualifiziertes Personal und optimale

Bedingungen in Halle ermöglichen Unternehmen

wie KSB, Zur rose und Scil Proteins (v.l.)

exzellente und innovative Leistungen.

neuen Produktionsanlage schafft Scil Proteins

den Aufstieg zu den führenden Produzenten

für Arzneimittelwirkstoffe biologischer

Herkunft. Wie etabliert die Hallenser bereits

in der sensiblen Pharmabranche sind, zeigt

ein Großauftrag der Schweizer Pharmafirma

Roche. Bald werden im Technologiepark

weinberg campus Arzneimittelwirkstoffe

produziert, die dann der Generikahändler

Actavis vermarktet. Zuvor muss die europäische

Arzneimittelzulassungsbehörde die

hallesche Anlage prüfen und zur Produktion

freigeben.

Im Gegensatz zu den meisten Produktionsanlagen

weltweit eignet sich die

erste Anlage dieser Art in Sachsen-Anhalt

durch die Verwendung besonderen Stahls

auch für den Einsatz aggressiver Hochsalzlösungen.

Die werden bei der Rückfaltung

von Proteinen aus sogenannten Inclusion

Bodies benötigt. „Der Vertrag mit Roche

unterstreicht unsere Expertise bei der Herstellung

hochkomplexer Proteine“, berichtet

Ulrike Fiedler. Die promovierte Chemikerin

ist Geschäftsführerin beider Unternehmen.

„Wir haben beträchtliche Investitionen für

die Errichtung der modernen Anlage getätigt.

Zusätzlich konnten Fördermittel vom Land

Sachsen-Anhalt genutzt werden. Wir freuen

uns sehr, dass sich die staatlichen Investitionen

der letzten Jahre in die mitteldeutsche

regjo LeIPZIg/HALLe KooPeratioNSPartNer 41

Biotechnologie gelohnt haben.“ Nach der

förderintensiven Forschung erreichen solche

Wirkstoffentwicklungen jetzt eine Phase, in

der sie die klinische Erprobung am Menschen

bestehen müssen. Erst danach und bei Erfolg

gelangen sie als Medikament zum Patienten.

Es sind die letzten Schritte in der pharmazeutischen

Wertschöpfungskette.

Die Zeit scheint günstig für Ansiedlungen

und Neugründungen weiterer Pharma-

bzw. Biotechnologieunternehmen. Noch

fehlen Medikamente gegen Erkrankungen,

Im Technologiepark weinberg campus konzentriert

sich die Forschungselite.

die schlecht oder gar nicht behandelt werden

können, darunter Krebs, Diabetes oder

Alzheimer. Für derart ausgerichtete Firmen

gibt es noch Platz in Halle. Zum Beispiel im

Technologiepark weinberg campus. Gleich

neben schon erfolgreichen Pharmaforschern

wie der Probiodrug AG, einem innovativen

Patententwickler, oder der Icon Genetics AG,

einer Bayer-Tochter, die kürzlich eine Pilotanlage

zur Herstellung therapeutischer Proteine

aus Tabakpflanzen in Betrieb nahm.

Infos unter www.wifoe.halle.de, www.ksb.com,

www.zurrose.de und www.scilproteins.com.


Dem Investor auf der Spur

Kommunen und Kreise versuchen, mit gezielten Förderaktivitäten die eigene Wirtschaft zu stärken. Dazu wollen die Wirtschaftsförderer

bei einigen Themen zukünftig grenzenübergreifend zusammenarbeiten.

Text: Katharina Kunath Fotografie: Dirk Houben - Fotolia.com

Manchmal dauert es etwas länger. Am 3. Juli 2008 verkündete die

Stadt Halle, dass der Solarmodulhersteller intico solar AG aus Wien,

585 Millionen Euro im Industriegebiet Halle-Saalekreis an der A14

investieren wird. Dieses Gebiet wurde bereits 2001 im Zuge des BMW-

Standortauswahlverfahrens entwickelt. Nachdem BMW sich damals

für Leipzig entschied, wurde das Gelände weiter für industrielle Großprojekte

reserviert. „Unsere Strategie, das Gebiet zu entwickeln und

ausschließlich für Großprojekte vorzuhalten, war der richtige Weg

und ist jetzt von Erfolg gekrönt. Uns ist damit der Einstieg in eine

Branche gelungen, die den Wirtschaftsstandort Halle als Hochtechnologie-

und Produktionsstandort für die Zukunft hervorragend positioniert“,

so Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados.

Das Beispiel von intico solar zeigt, welchen Stellenwert eine

professionelle Wirtschaftsförderung für die Region hat und dass es

dabei mitunter eines langen Atems bedarf. Denn einen entscheidenden

Anteil an dieser Ansiedlung hat die Wirtschaftsförderung Halle

(Saale), welche über zehn Monate eng mit intico solar an der Realisierung

dieses Vorhabens arbeitete und dieses Projekt bis zum Abschluss

und darüber hinaus betreuen wird. Besonders ostdeutsche Städte

standen zu Beginn der 1990er Jahre vor großen Herausforderungen.

Die mit großen Einschnitten verbundene Transformation von einer

Planwirtschaft in die Marktwirtschaft, das Abwandern qualifizierter

Arbeitskräfte sowie unzureichende Infrastrukturen machten eine

gezielte Wirtschaftsförderung notwendig und boten gleichzeitig die

Chance zum strukturgestaltendem Handeln. Im REGJO Gebiet wird

sie über die zwei Landesgesellschaften von Sachsen und Sachsen-

Die Wirtschaftsförderer fungieren als Schnittstelle zwischen wirtschaftlichen

und kommunalen Interessen.

Anhalt sowie zwölf Landkreis- und zehn Kommunalwirtschaftsförderungen

abgedeckt. Diese agieren entweder als Tochterunternehmen

der Kreise und Kommunen oder sind direkt in der Stadtverwaltung

verankert. In Leipzig und Halle sind sie dem Dezernat für Wirtschaft

und Arbeit angegliedert, das dem Oberbürgermeister untersteht.

Durch die Nähe zu anderen Ämtern und wichtigen Gremien können

sie sich aktiv in Entscheidungsprozesse zur Wirtschaftspolitik

einbringen. Dabei fungiert die Wirtschaftsförderung gewissermaßen

als „Schnittstelle“ zwischen wirtschaftlichen und kommunalen

Interessen. Ziel ist es, bestehende Arbeitsplätze zu sichern, neue zu

schaffen sowie die Finanzkraft der Kommune zu stärken. Die Handlungsfelder

erstrecken sich über die Akquisition neuer Unternehmen,

die Bestandspflege der regionalen Wirtschaft, die Förderung von

Existenzgründungen und das Standortmarketing.

In der Wirtschaftsförderung Halle arbeiten daran 24 Mitarbeiter,

die jeweils auf bestimmte Wirtschaftszweige spezialisiert sind. Dabei

konzentrieren sie sich auf ausgewählte Branchen, denen ein gro-


ßes Zukunftspotenzial zugesprochen wird:

Technologie und Innovation; Industrie und

Handwerk; Logistik; IT und Medien; Dienstleistung/Handel/Immobilien.

Den gleichen

Ansatz mit einem etwas anderen Fokus verfolgt

auch Leipzig mit seiner Konzentration

auf die fünf Cluster Life Sciences, Energie und

Umwelttechnik, Automotive, Querschnittstechnologien

und Dienstleistungen sowie

Medien- und Kommunikationstechnik.

Ein weiterer, zentraler Arbeitsschwerpunkt

der Wirtschaftsförderung ist die

Betreuung ortsansässiger Unternehmen.

Dazu zählen die Beratung zu Beschäftigungs-

und Qualifizierungsfragen, Betriebserweiterungen

und -verlagerungen sowie innovative

Arbeitsmarktprojekte. Über gemeinsame

Messeauftritte und die im Jahresturnus stattfindenden

kleinen Branchentreffen haben

die Unternehmen die Möglichkeit, sich zu

präsentieren und über mögliche Koopera-

Nicht nur die Akquise neuer Investoren, auch die

Bestandspflege gehört zu ihren Aufgaben.

tionen auszutauschen. Im Bereich der Neuansiedlungen

informieren die Wirtschaftsförderer

über die Möglichkeiten am Standort,

beraten die Unternehmen entsprechend ihrer

Bedürfnisse und vermitteln Kooperationspartner,

Bauland und Immobilien. Darüberhinaus

hilft die Wirtschaftsförderung bei der

Recherche nach geeigneten Finanzierungs-

und Fördermitteln. Im Fall von intico solar

erhielt das Unternehmen EU-Fördergelder in

Höhe von 73 Millionen Euro.

Bevor es soweit ist, müssen potenzielle

Investoren den Standort und seine Vorzüge

erst einmal wahrnehmen. Dabei stehen bei

der Standortvermarktung längst nicht nur

harte Standortfaktoren im Mittelpunkt.

„Deshalb gehört es zu den Aufgaben der

Wirtschaftsförderer, das Image der Standorte

durch Information zu prägen und den Blick

der Zielgruppe entsprechend zu führen.“ sagt

Dr. Heinz Friedrich Franke, Leiter der Wirtschaftsförderung

Halle.

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 43

In der aktuellen Diskussion über kommunale

Wirtschaftsförderung wird immer

stärker gefordert, die Standorte nicht mehr

isoliert, sondern als Teilausschnitte einer

Region zu betrachten und zu regionalen

Vermarktungsstrategien überzugehen. Dr.

Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer

der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu

Leipzig sieht hier Nachholbedarf. „Seit Jahren

wird darüber diskutiert, dass Leipzig und

das Leipziger Land sich als als einheitliche

Region vermarkten sollten. Die Zusammenarbeit

ist aber bislang nicht optimal, da kann

man viel mehr machen.“

Dr. Rolf Müller-Syring, Geschäftsführer

der Wirtschaftsförderung Leipziger Land

(WILL GmbH) betont hingegen die gute

Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig. Diese

zeige sich in gemeinsamen Projekten und der

regelmäßigen Teilnahme Müller-Syrings an

Sitzungen des Wirtschaftsbürgermeisters von

Leipzig. So sei es mit dem Flughafen Leipzig/Halle

und dem benachbarten Güterverkehrszentrum

gelungen, über Städte- und

Ländergrenzen hinweg eines der weltweit

bedeutendsten Logistikzentren zu etablieren

und zu vermarkten. Trotz der positiven Einschätzung

sieht auch Müller-Syring Möglichkeiten,

die Zusammenarbeit zu intensivieren.

„Durch die neue Kreisgebietsreform rückt das

Umland näher an Leipzig heran. Das bringt

ganz klar auch Chancen für weitere Gemeinschaftsprojekte“,

so Müller-Syring.

Eines könnte das neue „Netzwerk Logistik

Leipzig-Halle e.V.“ werden, dem auch

Leipzig mit seinem Amt für Wirtschaftsförderung

beitreten will. „Wir werden eigene

Aktivitäten in die Netzwerkarbeit einbringen

und wollen so auch die Zusammenarbeit

der umliegenden Landkreise sowie der

Städte Schkeuditz, Halle und Leipzig weiter

optimieren“, erklärt Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister

Uwe Albrecht.

eine Übersicht über die Wirtschaftsförderer der

region finden Sie auf unserer Karte (Seite 44-45).


Wirtschaftsförderer

in Mitteldeutschland

Wirtschaftsförderung Stadt Aschersleben

Amtsleiter Matthias May

Markt 1, 06449 Aschersleben

Tel.: 034 73/95 89 80, Fax: 034 73/95 89 20

wirtschaft@aschersleben.de

www.aschersleben.de

Wirtschaftsförderung Lutherstadt Eisleben

Eckart Harrmann

Markt 1, 06295 Lutherstadt Eisleben

Tel.: 034 75/65 55 00, Fax: 034 75/65 55 02

wirtschaftsfoerderung@lutherstadt-eisleben.de

www.lutherstadt-eisleben.de

Burgenlandkreis – Wirtschaftsamt und WFG

Schönburgerstr. 41

06618 Naumburg

Tel.: 034 45/73 13 08, Fax.: 034 41/28 02 99

www.burgenlandkreis.de

© AB-Creativ gbr, 2008

Stadt Jena – Wirtschaftsförderung

Sigrid Mettig

Löbdergraben 12; 07743 Jena

Tel.: 036 41/49 50 20 ; Fax: 036 41/49 11 50 20

wifoe@jena.de

www.jena.de

Niedersachsen

Bayern

Bode

Thüringen Thü gen

Erfurt

Unstrut

Magdeburg

Lutherstadt Eisleben

Saale

Saale

Elbe

Sachsen-Anhalt n-A

Bernburg

Aschersleben

Mansfeld-Südharz

Salzland

Sangerhausen

Saalekreis

Merseburg

Jena

Halle

Burgenland

Zerbst

Dessau-

Roßlau

Köthen

Anhalt-

Bitterfeld

Bitterfeld-Wolfen

Naumburg

Zeitz

Leipzig

Wittenberg

Borna

Zwickau

Werdau

Brandenburg

Wittenberg

Torgau

Mulde

Landkreis Leipzig

Altenburg

Altenburger

Land

Zwickau

Nordsachsen

Freiberg

Mittelsachsen

Sachsen


Elbe

Dresden

Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft

Anhalt-Bitterfeld mbH

Andresenstraße 1a, 06766 Bitterfeld-Wolfen, OT Wolfen

Tel.: 034 94/63 83 66, Fax: 034 94/63 83 58

info@ewg-anhalt-bitterfeld.de

Niederlassung in Zerbst

Amt für Wirtschaftsförderung Halle

Marktplatz 1, 06108 Halle (Saale)

Tel.: 03 45/221 47 60, Fax.: 03 45/221 47 76

www.wifoe.halle.de

Wirtschaftsförderung Stadt Zeitz

Rainhilde Beret

Altmarkt 1, 06712 Zeitz

Tel.: 034 41/832 82, Fax: 034 41/833 35

wirtschaftsfoerderung@zeitz.de

www.zeitz.de

Stadtverwaltung Werdau Wirtschaftsförderung

Dipl. Ing. (FH) Kurt Groß

Markt 10-18, 08412 Werdau

Tel.: 03761/594-328, Fax: 03761/ 594-267

wirtschaft-sv@werdau.de

www.werdau.de

Stadt Leipzig

Stadt Leipzig – Wirtschaftsförderung

Dr. Michael Schimansky

Martin-Luther-Ring 4-6, 04109 Leipzig

Tel.: 03 41/123 58 10, Fax: 03 41/123 58 25

wirtschaft@leipzig.de

www.leipzig.de

Wirtschaftsförderung Stadt Merseburg

Hans-Dieter Weber

Lauchstädter Str.10, 06217 Merseburg

Tel.: 034 61/44 53 07, Fax: 034 61/44 52 98

wirtschaftsfoerderung@stv-merseburg.de

www.merseburg.de

Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

Die landeseigene Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH

(WFS) baut Brücken: Für Investoren auf ihrem Weg nach

Sachsen und für sächsische Unternehmen auf ihrem Weg in

die Welt. Wir bieten stets aktuelle Angaben zu Wirtschaftsdaten,

unternehmensbezogene Standortangebote, Kontakte

zu regionalen Entscheidern, Zugang zu Branchennetzwerken

sowie Hilfestellung bei der Erschließung neuer Märkte und

der Anbahnung von Kooperationen.

Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS)

Bertolt-Brecht-Allee 22

01309 Dresden

Tel.: 03 51/213 80

Fax: 03 51/213 83 99

info@wfs.saxony.de

www.wfs.sachsen.de

IMG Investitions- und Marketinggesellschaft

Sachsen-Anhalt mbh

regjo LeIPZIg/HALLe tHeMa 45

Die IMG Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-

Anhalt mbH ist die Ansiedlungs- und Marketingagentur des

Landes. Unsere Mitarbeiter bieten alle Leistungen rund um

die Ansiedlung von Unternehmen. Von der Standortsuche

über die Investitionsberatung bis zum Behörden- und Projektmanagement.

Außerdem vermarkten wir das Land nach

außen und entwickeln touristische Konzepte. Überzeugen

Sie sich selbst: Wir stehen früher auf!

IMG Investitions- und Marketinggesellschaft

Sachsen-Anhalt mbH

Kantstraße 4

039104 Magdeburg

Tel.: 03 91/56 89 90

Fax: 03 91/568 99 50

welcome@img-sachsen-anhalt.de

Mitteldeutschland

Verbreitungsgebiet REGJO

Grenze Landkreise

Landeshauptstädte

Kreisstädte

Sitz der Wirtschaftsförderer

Weitere Wirtschaftsförderämter:

Amt für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung

Dessau-Roßlau; Wirtschaftsförderungsgesellschaft

mbH des Landkreises Wittenberg; Amt für Wirtschaftsförderung

Landkreis Saalekreis; Wirtschaftsförderung

Nordsachsen, Wirtschaftsförderung Landkreis

Leipzig; Wirtschaftsförderung Mittelsachsen; Referat

für Wirtschaftsförderung Stadt Altenburg


Das Regional-Journal für den Wirtschaftsraum Leipzig/Halle (Saale)

Altenburg Bitterfeld Borna Dessau-Roßlau Jena Köthen Merseburg Naumburg Torgau Weißenfels Wittenberg

48

49

49

Inhalt

Es werde Licht: Moderne Beleuchtungssysteme

für die „gute Stube”: der Auerbachs

Keller in der Leipziger Mädlerpassage

erstrahlt in neuem Glanz.

Feinschmecker: Der Leipziger Sternekoch

Peter Maria Schnurr vom Restaurant

FALCO macht mit seinem neuen Kochbuch

Lust auf kreative Küche.

Helferlein: Das Amt für Wirtschaftsförderung

der Stadt Aschersleben steht

Unternehmen bei allen wichtigen Fragen

beratend zur Seite.

50

51

51

Überall ein Stückchen Raffinerie: Im

Zuge ihrer TÜV-Inspektion hat die TOTAL-

Raffinerie kräftig in die Zukunft

investiert.

Neue Bank: Die Sachsen Bank will sich

zukünftig als Partner des regionalen Mittelstandes

und Kompetenzzentrum für

Osteuropa profilieren.

Schiff ahoi: Zum Sachsen-Anhalt-Tag

in Merseburg wurde der Nachbau einer

historischen Galere vorgestellt, die zur

touristischen Attraktion werden soll.

52

53

54

Outsourcing: Die Kosten im Griff. Im Jahr

2008 feiert die ICS adminservice GmbH

unter dem Motto „Zukunft.Gemeinsam!“

ihr 15-jähriges Jubiläum.

Nichts zu meckern: Die Verordnung

510/2006 der Europäischen Union und die

deutsche Käseverordnung schützen den

Altenburger Ziegenkäse.

Sparpotenzial: Die Stadtwerke Leipzig

verhelfen Geschäftskunden mit ihren

„endico“-Dienstleistungen zu deutlichen

Einsparungen.


48 MagaziN regjo LeIPZIg/HALLe

F r e I L I C H T I N S Z e N I e r U N g

Flieg Gedanke

Das Schlosshotel Schkopau präsentiert

am 19. August Verdis oper „Nabucco“.

586 v. Chr.: Babylons König Nebukadnezar

II., kurz Nabucco, belagert mit seinen Truppen

Jerusalem, als seine Tochter Fenema

zur Geisel genommen wird. Zwar kann sie

befreit werden, gerät aber schnell in erneute

Gefahr: Ein intrigenreicher Streit um den

Thron entflammt und lässt „Nabucco“, den

großen Opernerfolg von Giuseppe Verdi, zu

einem dramatischen Spiel um Macht, Liebe

und Religion werden.

Am 19. August wird das Schlosshotel

Schkopau für dieses Bibel-Epos zur Freilichtbühne

und präsentiert die Oper in einer

beeindruckenden Naturkulisse. Die Schlesische

Staatsoper Bytom zeigt mit fast 100 Mitwirkenden

in italienischer Originalsprache

ihr Können und unter der Stabführung von

Tadeusz Serafin wird der Chor der Gefangenen

erklingen, der nicht zuletzt die bekannte

Hymne an die Freiheit „Va pensiero“ (Flieg

Gedanke) darbietet. Passend zu „Nabucco”

hält das Schlosshotel Schkopau ab 17 Uhr

zudem ein italienisches Buffet „à la Verdi“

bereit, das für 25 Euro pro Person zur Stärkung

vor der Oper einlädt. jS

Weitere Infos zur Buchung unter www.schlosshotel-schkopau.de

oder 03461/7490.

g A S T r o N o M I e

Es werde Licht!

Moderne Beleuchtungsanlage für die „gute Stube“: Auerbachs Keller in der Leipziger

Mädlerpassage erstrahlt in neuem glanz.

„Wein ist ein vorzügliches Prophylaktikum

gegen vielerlei Gebrechen, wenn man ihn

denn richtig anwendet“, erklärte der Mediziner

und Universitätsprofessor Heinrich

Stromer von Auerbach, als er 1525 einen

Weinausschank im Keller seines Hauses

errichtete. Ob er wohl damals zu träumen

wagte, dass eben dieser Jahrhunderte später

unter dem Namen Auerbachs Keller als die

berühmteste Traditionsgaststätte in Leipzig

bekannt sein würde? Nicht ganz unschuldig

an dieser Entwicklung dürfte sein Urenkel

Johann Vetzer sein. Er ließ 100 Jahre nach

der Eröffnung zwei Tafeln für das Kellergewölbe

malen, die später Johann Wolfgang

von Goethe zu einem Teil seines Hauptwerkes

inspirierten: Sie zeigen den Fassritt des

Faust und verhalfen der einstigen Studentenkneipe

zu Weltruhm.

Damit dieser Ruhm nicht verblasst,

erstrahlt Auerbachs Keller seit dem 9. Mai in

einem neuen Licht. Ein modernes Beleuchtungssystem

setzt nun die historischen

Räume in der Mädlerpassage besonders in

Szene. „Wir haben etwa 60.000 Euro in

das neue System investiert und es hat sich

gelohnt“, freut sich Geschäftsführer Bernhard

Rothenberger. Die Gestaltung aus den

1960er Jahren, die mit weißem, kaltem Licht

und Blendeffekten die Bilder farblos und fast

unkenntlich wirken ließ, wurde durch den

„Mercedes unter den Beleuchtungssystemen“

ersetzt, so Rothenberger. Decke, Säulen und

Bilder werden jetzt indirekt angestrahlt, was

den Keller wärmer und gemütlicher wirken

lässt. So soll die „gute Stube“ für die Leipziger

wieder attraktiver werden.

„Man glaubt gar nicht, welcher Aufwand

hinter einem solchen Projekt steht“,

erklärt Rothenberger weiter. Bereits im

vergangenen November war der Auftrag

dafür erteilt worden. Da der Denkmalschutz

jedoch erst sechs Monate später seine Einwilligung

zu dem Projekt gab, verzögerte sich

die Umsetzung. Gesteuert wird die Anlage

über einen Computer, der für verschiedene

Anlässe im Haus das passende Licht bietet.

Das ist vor allem vorteilhaft für das jährlich

zweimal stattfindende „Theater im Gewölbe“

und die „Rockoper Faust“, die im kommenden

Januar in Auerbachs Keller stattfinden

wird.

jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.auerbachs-keller-leipzig.de.


W I r T S C H A F T S F Ö r D e r U N g

Helferlein

Mehr als nur Standortmarketing: das Amt

für Wirtschaftsförderung Aschersleben.

„Wir sehen unsere Aufgaben vor allem in

der Zusammenarbeit mit den hier ansässigen

Unternehmen“, erklärt Thorsten Ducke

vom Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt

Aschersleben. Hierbei stehen er und seine

Kollegen den Firmen aus der Stadt im Salzlandkreis

besonders bei der Erstellung und

Begleitung von Fördermittelanträgen beratend

zur Seite. „Außerdem unterstützen

wir die Unternehmen bei Genehmigungsverfahren

durch alle Ämter und Behörden“,

so Ducke weiter.

Auch die Organisation von arbeitsplatzbezogenen

Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen

gehört zum Aufgabengebiet des

Amtes, denn schließlich will man den ansässigen

Firmen qualifizierte Arbeitnehmer bieten

können. Ducke: „Das realisieren wir in

Zusammenarbeit mit den Bildungsträgern

der Stadt.“ Zudem bietet das Amt Beratung

bei der Auswahl von Angeboten für Erdgas,

Strom, Wasser und Abwasser, verhandelt

vorteilhafte Grundstückspreise und beantwortet

Fragen rund um Wohnen, Bildung,

Freizeit und Kultur in Aschersleben jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.aschersleben.de.

T o U r I S M U S

Gewassert

Freizeiterlebnis galeere wurde zum Sachsen-Anhalt-Tag

vorgestellt.

Wie sich ein Landrat tüchtig in die Riemen

legt, und zwar im Wortsinne, war Mitte Juni

beim Sachsen-Anhalt-Tag in Merseburg zu

erleben. Frank Bannert, Landrat des Saalekreises,

hatte die Schirmherrschaft über den

Nachbau einer historischen Galeere übernommen,

die auf dem Gotthardsteich der

Kreisstadt ihre Jungfernfahrt unternahm.

Gebaut wurde sie von der Merseburger Tischlerei

Oliver Bach zusammen mit dem halleschen

Holzgestalter Raik Dornis. Das Boot

aus Kiefernholz misst 9 Meter in der Länge,

2,4 Meter in der Breite, der Mast ist 6 Meter

hoch und der Tiefgang beträgt 0,6 Meter. Mit

1.200 kg ist sie noch eine schlanke Dame,

die auf den Namen „Cecilie“ getauft wurde,

nach der berühmten Grube im Geiseltal, die

inzwischen von den Wassern des Geiseltalsees

geflutet wurde. Für den Geiseltalsee sind

dann auch zwei drei Mal so große Galeeren

bestimmt, die gewiss zur touristischen

Attraktion werden. Ihr Vorbild wurde 1691

auf der Havelberger Werft gebaut und diente

Kurfürst Friedrich III. zur Repräsentation auf

Spree und Havel.

Sig

Weitere Informationen finden Sie im Internet

unter www.geiseltalsee.com.

regjo LeIPZIg/HALLe VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg 49

ganz oben,

im 27. Stock des Hotels The Westin

Leipzig, ist das reich von Peter Maria

Schnurr, einem der begnadetsten und

kreativsten Köpfe der gegenwärtigen

gourmetküchen-Szene. Vom Magazin

„Der Feinschmecker“ 2007 zum restaurant

des jahres gekürt, ist das FALCo

unter seiner Leitung in nur zwei jahren

zum kulinarischen Aushängeschild Mitteldeutschlands

avanciert. Alchemie

nennen es die einen, Zauberei die anderen

– Leidenschaft, Neugier, unstillbaren

Drang nach immer neuen Herausforderungen,

gradlinigkeit, Disziplin und

eine Spielernatur an einem Hauch von

Provokation benennt der Chef selbst

als Zutaten für seinen erfolg in seinem

jüngst erschienenen Kochbuch. ein Charakterkopf

mit Kochprofil. Anschaulich

beschreibt der Autor Ingo Swoboda den

Weg des Patrons vom Fast-Banker bis

zum Sternekoch, der ihn 2005 nach langen

jahren des Suchens und Lernens an

die Pleiße und hier in sein erstes eigenes

restaurant führte, dessen Möglichkeiten

und Ambiente im Zeichen des Falken ihn

zu immer neuen Kreationen inspiriert.

einige von ihnen hat Schnurr nun preisgegeben.

Illustriert von dem Fotografen

Bernd grundmann, der die Künste des

Cuisiniers leicht, dezent und mit dem

Blick fürs Wesentliche in Szene zu setzen

weiß, trifft das Buch nicht nur bei

ausgewiesenen Freunden der gourmet-

Küche schon beim Durchblättern den

geschmacksnerv. „Annika Maria“, Blauflossen-Thun,

essenz von eingemachten

Steinpilzen, Noir de Bigorre-Schwein,

Corrèze-Kalb und Petit Fours - ein Fest

für alle Sinne. Peter Maria Schnurr, Bibliothek

der Köche, Süddeutsche Zeitung

edition, ISBN 978-3-86615-563-3.

Bildnachweis: Veranstaltungsbüro Paulis; rothenberger Betriebs gmbH - Auerbachs Keller; Stadt Aschersleben; Axel Berger; Dietmar Fischer


50 VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg regjo LeIPZIg/HALLe

g e W e r B e F L ä C H e

Punktlandung

Mit dem Flugzeug vor dem eigenen Werktor

in Dessau-roßlau starten und landen.

Die Stadt Dessau-Roßlau wird seit Jahrzehnten

mit der Fliegerei in Verbindung gebracht.

Der Professor und Erfinder Hugo Junkers

baute hier das erste Ganzmetallflugzeug der

Welt, die J1, und auch das erste Ganzmetallkabinenflugzeug

F3 sowie die legendäre

JU52 sind hier entstanden. Er war es auch,

der den Flugplatz in Dessau einst als Flugzeugforschungs-

und Entwicklungsgelände

errichtete. Heute trägt der Verkehrslandeplatz,

mit allem technischen Know-how

ausgestattet und den Mittelpunkt eines neu

entstandenen Industrie- und Gewerbegebietes

bildend, seinen Namen.

Von den preisgünstigen und voll

erschlossenen Flächen des Hugo Junkers

Flugplatzes aus sollen nun wieder Innovationen

in die Welt getragen werden. Neu angesiedelte

Unternehmen wie Saxon Junkalor,

Cemag Anlagenbau und die Dessauer Schaltschrank

und Gehäusetechnik machen es

bereits vor. Noch stehen etwa 130 Hektar

mit vorhandenem Baurecht und der Aussicht

auf 50 Prozent Investitionsförderung

zur Verfügung. jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.dessau-rosslau.de.

C H e M I e

Überall ein Stückchen Raffinerie

Steigende Ölpreise stellen auch Mineralölkonzerne vor neue Herausforderungen. Im

Zuge ihrer TÜV-Inspektion hat die ToTAL raffinerie kräftig in die Zukunft investiert.

„Die Fackel ist unser Sicherheitsventil.“ Olaf

Wagner, Sprecher der TOTAL Raffinerie Mitteldeutschland

GmbH, deutet durch das große

Fenster seines Büros auf eine 140 Meter

hohe Stahlkonstruktion auf dem Gelände.

„Da brennt Tag und Nacht eine Flamme.“

Dieses Fackelsystem dient der gefahrlosen

Verbrennung von Gasen, die beispielsweise

beim Anfahren der Raffinerie nach einer

Generalinspektion anfallen. Ende Mai hielt

man jedoch vergeblich Ausschau nach der

Flamme. Denn die gesamte Raffinerie in

Leuna stand wegen eines turnusmäßigen

TÜV-Checks still. Mehr als 3.500 Arbeitskräfte

von etwa 150 Firmen waren vor Ort

und haben die Anlagen gereinigt, inspiziert

und instandgesetzt. Auch der Kopf der Fackel

wurde dabei erneuert (Foto). Es war die

zweite Generalinspektion in der Geschichte

der Raffinerie. Seit ihrer Inbetriebnahme

1997 hat sich viel getan am Mineralölmarkt.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl zum

Beispiel ist von etwa 20 Dollar im Jahr 1996

auf mittlerweile über 140 Dollar gestiegen.

Mit Konsequenzen für die Raffinerien: „Die

Verbraucher in Deutschland haben in den

vergangenen Wochen und Monaten kräftig

auf die Bremse getreten. Allein im Mai ging

der Absatz beim Benzin um rund acht und

beim Diesel um rund drei Prozent zurück.“

Diese Entwicklung stellt auch TOTAL vor

neue Herausforderungen. Im Zuge der

Inspektion hat das Unternehmen daher 200

Millionen Euro für die Generalinspektion und

Modernisierungsinvestitionen in die Hand

genommen, unter anderem für die Destillation.

„Wir haben damit dem Markttrend

entsprechend unsere Produktion angepasst.“

Bis 2009 sollen weitere 120 Millionen Euro

in den Bau einer neuen Entschwefelungsanlage

fließen.

Rund elf Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet

die Raffinerie im Jahr. „Jeder zehnte

Liter, der in Deutschland getankt wird, kommt

von uns.“ Doch nicht nur das. Die Raffinerie

bildet auch den Kern des Chemiestandortes

Leuna. TOTAL liefert beispielsweise Methanol

an die Firma Hexion, die daraus unter

anderem Leim herstellt, oder Rohbenzin zur

Kunststoffproduktion an DOW. „So findet

man am Ende ein Stückchen Raffinerie in

vielen alltäglichen Produkten.“

Nj

Weitere Informationen zur ToTAL raffinerie in Leuna finden Sie im Internet unter www.total.de.


F I N A N Z D I e N S T L e I S T e r

Neue Bank für Mitteldeutschland

Die Landesbank Baden-Württemberg bündelt das Firmenkundengeschäft der Sachsen LB und

große Teile des Kundengeschäfts der BW-Bank unter der neuen Marke Sachsen Bank.

Mit der neu entstandenen Sachsen Bank

startet die Landesbank Baden-Württemberg

(LBBW) seit dem 1. April im Unternehmenskunden-

und gehobenen Privatkundengeschäft

in Mitteldeutschland durch. Ähnlich

wie die BW-Bank in Baden-Württemberg

wird die Sachsen Bank mittelständische

Unternehmen und gehobene private Anlagekunden

in Sachsen und den angrenzenden

Wirtschaftsräumen betreuen. Darüber

hinaus wird Leipzig zum Kompetenzzentrum

für den künftigen Marktauftritt der LBBW in

Polen und Tschechien.

„Der neue Name Sachsen Bank ist ein

klares Bekenntnis zur Region. Die eigene

Marke unterstreicht die Bedeutung des

Geschäftsgebietes und macht unseren Kunden

ganz deutlich: Wir bleiben fest in der

Region verwurzelt“, erklärte Harald P. Pfab,

ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sachsen

LB und jetziger Chef der Sachsen Bank.

Dr. Siegfried Jaschinski, Vorstandsvorsitzender

der LBBW, ergänzt: „Der Wirtschaftsraum

Mitteldeutschland bietet für unsere Bank

gute Wachstumsperspektiven, die wir durch

das erweiterte Produktspektrum im LBBW-

Netzwerk und die Bereitstellung zusätzlicher

Vertriebskapazitäten nutzen werden.“ Durch

die Bündelung der Geschäftsaktivitäten der

Sachsen LB und der bisherigen BW-Bank-

Filialen Dresden, Halle und Leipzig entstehe

ein leistungsfähiger Finanzdienstleister, der

auch einen wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung

der regionalen Wirtschaft leiste.

„Die Nähe zum Kunden bei umfassendem

Produktangebot durch die LBBW-Gruppe ist

für uns das Fundament einer erfolgreichen

Zusammenarbeit“, betonte Jaschinski.

Auch Harald P. Pfab zeigte sich hinsichtlich

der Entwicklung des Standortes optimistisch:

„Langfristig wird die neue Geschäftsausrichtung

der Sachsen Bank dem Standort

einen erheblichen Mehrwert bieten. Die

größte Landesbank in Deutschland hat sich

nachhaltig in Leipzig und Mitteldeutschland

etabliert. Davon wird die Region mittelfristig

profitieren – sei es von ihrer Rolle

als Finanzierungspartner des Mittelstandes,

vom Engagement im kulturellen und sozialen

Bereich, das wir ganz klar weiterführen,

oder aber von den Arbeitsplätzen, die wir

schaffen werden.“

jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.sachsenbank.de.

regjo LeIPZIg/HALLe VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg 51

leben am geiseltalsee in Mücheln

Im Herzen Mitteldeutschlands zwischen

dem Wirtschaftsraum Halle-Leipzig und

der Weinregion Saale-Unstrut entsteht

der zukünftig größte künstliche See

Deutschlands, der geiseltalsee. An

diesem, direkt vor den Toren der Stadt

Mücheln, liegt die MArINA MÜCHeLN.

Nach über zwei jahren Bauzeit ist die

Hafenanlage im Mai 2008 der Öffentlichkeit

übergeben worden. Somit ist das

erste größere Projekt am entstehenden

geiseltalsee fertig. Der Fertigstellung

der Infrastruktur, der Hausanschlüsse

für 140 Ferien- und Bootshäusern sowie

des Hafenplatzes und dreier gebäude

zur Bewirtschaftung der Hafenanlage

sollen gewerbliche Ansiedlungen folgen.

Die Vermarktung von privaten beziehungsweise

gewerblichen Flächen sowie

die reservierung von Wasser- und Landliegeplätzen

erfolgt durch die Marina

Mücheln gmbH, die mit dem Hafenkontor

im Hafenturm ihre Büros bezogen

hat. Bereits jetzt gibt die Touristeninformation

Auskunft über den Stand der

entwicklung, Ausflugsziele und Veranstaltungen.

Unter dem Dach des Piergebäudes

kann man den Blick auf den

See und einen Imbiss genießen. Schon

vor dem Flutungsende 2010 gibt es in

der region, neben dem 41 Kilometer

langen um den See führenden radweg

und dem Weinberg am geiseltalsee, mit

dem kulturhistorischen Umfeld der Himmelswege

viele touristische Anziehungspunkte

und Ausflugsziele wie das Saale-

Unstrut-gebiet, den Pilgerweg und die

Straße der romanik. Veranstaltungen

an der MArINA MÜCHeLN runden das

Angebot ab. So gibt es monatlich einen

Cocktailabend und eine Weinverkostung.

Am 20. September 2008 laden

der geiseltalseewinzer Lars reifert und

das Team der MArINA MÜCHeLN zum

Federweißerfest ein.

(Infos: www.marina-muecheln.de)

Bildnachweis: Stadt Dessau-roßlau; ToTAL Deutschland gmbH; MArINA MÜCHeLN


52 VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg regjo LeIPZIg/HALLe

Mit Outsourcing die Kosten im Griff

Im jahr 2008 feiert die ICS adminservice gmbH ihr 15-jähriges jubiläum – unter dem Motto „Zukunft. gemeinsam!“ wird

der Blick weiter nach vorn gerichtet.

Text: Ute Bachmann Fotografie: ICS adminservice gmbH

Für viele Unternehmen ist der Blick in die Zukunft mit einer Analyse

der internen Geschäftsstrukturen und –prozesse verbunden. Resultat

solcher Untersuchungen ist immer häufiger, dass die Produktionskosten

zwar weitestgehend konstant geblieben sind, aber die Verwaltungskosten

zunehmend aus dem Ruder laufen. Will ein Unternehmen

konkurrenzfähig bleiben, darf die Kostenschere nicht weiter

auseinander gehen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, bietet

die ICS adminservice GmbH in Leuna seit 15 Jahren ihre Leistungen

an. Über 40 Unternehmen aus den verschiedensten Branchen übertragen

der ICS teilweise oder vollständig administrative Aufgaben,

beispielsweise Buchhaltung, Kosten- und Leistungsrechnungen oder

die Entgeltabrechnung.

Das Angebot der ICS umfasst ein breites Spektrum an kaufmännischen

Dienstleistungen und IT-Lösungen in den Bereichen

Personal-, Finanz- und Rechnungswesen. Daneben können Unternehmen

auch eine betriebswirtschaftliche Beratung verbunden mit

der Optimierung von Geschäftsprozessen und Arbeitsabläufen von

der ICS in Anspruch nehmen. Auftraggeber werden binnen kurzer

Zeit die Vorteile eines solchen Outsourcings bemerken: Geschäftsziele

können zügiger erreicht werden, Kosten lassen sich senken, Risiken

minimieren. Dies sind notwendige Rahmenbedingungen für eine

Konzentration auf das Kerngeschäft und der vollen Ausnutzung von

Wertschöpfungspotenzialen.

Die ICS adminservice GmbH wurde 1993 in Leuna gegründet

und hat innerhalb von 15 Geschäftsjahren Regionalbüros in Berlin,

Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf und Duisburg aufgebaut. Seit 1999 ist

die ICS eine hundertprozentige Tocher der GISA GmbH in Halle, eines

der führenden IT-Unternehmen Mitteldeutschlands. Das Rechenzentrum

der GISA, von dem auch die ICS-Kunden profitieren, zählt

zu den leistungsfähigsten Deutschlands und ist zertifiziert für seine

Durch die entlastung von administrativen Aufgaben ist eine Konzentration

auf das Kerngeschäft möglich.

Qualität. Unternehmen wie die InterContinental Hotels Group, die

Bonner Zeitungsdruckerei und die DPD Systemlogistik GmbH & Co.

KG sind von den Leistungen der ICS überzeugt. Mit umfangreichem

Service, qualifizierten Mitarbeitern und einem durchgängig hohen

Qualitätsniveau gelingt es der ICS, langfristige Kundenbeziehungen

aufzubauen. Jeder Auftraggeber erfährt eine individuelle Betreuung

mit gleich bleibenden Ansprechpartnern. Dabei richten sich die

Mitarbeiter der ICS nach den kundenspezifischen Bedürfnissen und

stellen auf deren Grundlage ein passgenaues Servicepaket zusammen.

Als Business Process Outsourcing-Dienstleister genießt die ICS

einen ausgezeichneten Ruf und das uneingeschränkte Vertrauen

ihrer Kundschaft. Die Sicherheitsstandards der ICS entsprechen den

Richtlinien des Bundesdatenschutzgesetzes und werden regelmäßig

Leuna-Dialog 2008

Andreas Hiltermann, geschäftsführer

der InfraLeuna gmbH,

Thomas Pleye, Staatssekretär im

sachsen-anhaltische Wirtschaftsministerium

(l.) und Frank Bannert,

Landrat des Saalekreises

(2.v.r.), am ICS-Messestand.

von internen und externen Sicherheitsbeauftragten überwacht. Für

den Mittelstand, der das Hauptklientel der ICS darstellt, ist dies ein

wesentlicher Faktor bei der Vergabe von Outsourcing-Aufträgen.

Nach 15 Jahren erfolgreicher Firmengeschichte garantiert die

ICS auch zukünftig ihre Leistungsfähigkeit, indem sie Nachwuchskräfte

ausbildet und eng mit den Fachhochschulen und Universitäten

der Region zusammenarbeitet. Regelmäßig werden Abschlussarbeiten

betreut und jungen Akademikern mitunter ein Berufseinstieg

ermöglicht. Dieses Engagement wurde im September 2007 mit dem

„Fair Company“- Gütesiegel des Job- und Wirtschaftsmagazins „karriere“

honoriert. Mit effizienter Organisation und schneller Kommunikation,

Zuverlässigkeit und Ertragsorientierung wird die ICS

adminservice GmbH auch in Zukunft namhafte Kunden anziehen,

ihnen administrative Aufgaben abnehmen und sie somit von zu

hohen Verwaltungskosten entlasten.

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.ics-adminservice.de.


egjo LeIPZIg/HALLe VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg 53

Da gibt's nichts dran zu meckern

Die Verordnung 510/2006 der europäischen Union und die deutsche Käseverordnung werden streng ausgelegt

und schützen eine Thüringer Spezialität, den Altenburger Ziegenkäse.

Text: Sigrid gaulrapp Fotografie: Cordula giese

Einfach köstlich, dieser Grüne Altenburger! Ziegenkäse, mild und

würzig zugleich. Eine Spezialität mit Tradition aus einem 1897

gegründeten Thüringer Betrieb. Dass wir ihn auch heute, nach

dem umfassenden wirtschaftlichen Umbau, genießen können,

verdanken wir vor allem drei Männern.

Da wäre zuerst der 1996 verstorbene EU-Jurist Theo Nebe,

Nachfahre der Alteigentümer, der die Reprivatisierung bewerkstelligte

und die Chancen erkannte, die das 1992 neu entstehende

EU-Recht zum „geschützten geographischen Ursprung“

eröffnete. In der Folge trat in Deutschland 1994 eine Änderung

der Käseverordnung in Kraft, durch die der Altenburger

Käse seinen absoluten Ursprungsschutz erhielt. Das bedeutete unter

anderem einen Mindestgehalt an Ziegenmilch von 15 Prozent. Die Milch

und das Futter der Tiere müssen aus der genau bezeichneten Region

stammen. Als zweiter Retter machte sich der Dortmunder Unterneh-

mer Peter Jülich jun. verdient. Der Inhaber und Chef von „Rotkäppchen“,

der Nr. 1 im deutschen Camembert-Markt, übernahm das

in Insolvenz geratene, aber nie zum Stillstand gekommene Unternehmen

Ende 1999. Er hat dessen Potenzial richtig erkannt und

gewann den Mann für's Altenburger Land, der vor Ort die Erfolgsstory

bewirkte: Claus Katzenberger (Foto links). Er sah, dass es bei

der Modernisierung versäumt worden war, zu der modernen Ausstattung

auch die fachliche Kompetenz ins Haus zu holen. Die noch

verbliebenen 34 Mitarbeiter, die überwiegend in Handarbeit jährlich

600 Tonnen Weichkäse herstellten, wussten sehr wohl, wie Käse

gemacht wird. Aber mit welchen Tricks sie ihn den stahlglänzenden,

computergesteuerten Anlagen abringen konnten, das auch richtig

zu tun, war neu für sie. Katzenberger brummte seinen Leuten nicht

etwa teure, unpersönliche Qualifizierungsmaßnahmen auf, sondern

setzte auf das individuelle Gespräch. Der Molkereimeister, von Haus

aus gelernter Maschinenbauer, der mit zwanzig Jahren in die Molkereibranche

wechselte, war dafür genau der richtige Mann, auch

mit Feingefühl und Verständnis für fremde Lebenswege ausgestattet.

Heute stellen 80 Mitarbeiter rund 4.500 Tonnen Weichkäse und seit

Altenburger Ziegenkäse mit seinem mild duftenden Camembert-edelschimmel

ist Deutschlands beliebtester Ziegenkäse.

zwei Jahren dazu noch 1.000 Tonnen Rotkäppchen Landrahm her.

Denn Rotkäppchen Camembert in seiner Sortenvielfalt produzieren

längst überwiegend die Altenburger. Claus Katzenberger ist stolz auf

sein Team: Zu meckern gibt's da so gut wie nichts. Das gilt selbstverständlich

auch für die zertifizierten Produkte. Neu darunter ist nun

auch ein 100-prozentiger Ziegenkäse.

Und die Rohstofflieferanten? „Da sie sich, entsprechend EU-Verordnung,

ganz in unserer Nähe befinden, haben wir enge Kontakte zu

den Ziegenhöfen. Wir haben mit ihnen gute Preise ausgehandelt, die

dem gegenseitigen Vorteil dienen. Also auch da nichts zu meckern.

Das überlassen wir unseren Vierbeinern.“

Für die bundesdeutschen Sparkassen ist Katzenberger ein seriöser

Partner, der immerhin Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe

verwaltet. Der Sparkasse vor Ort stellt auch er ein gutes Zeugnis

aus: „Die machen einen guten Job als regionale Bank.“

Dem gebürtigen Franken gefällt's im Altenburger Land. Seine

Freizeit verbringt er gerne beim nur wenige hundert Schritte entfernten

Fußballplatz des SV Lumpzig, dessen Präsident er ist. Wenn der

45-jährige Molkerei-Experte Zwischenbilanz in seinem Leben zieht,

sagt er mit zufriedenem Lächeln voller Stolz: „Alles Käse“.

Käserei Altenburger Land gmbH & Co. Kg, Theo-Nebe-Str.1, 04626 Lumpzig,

ortsteil Hartha, Tel. 034495/7700, www.kaeserei-altenburger-land.de


Dienstleistungen mit Sparpotenzial

Mehr energieeffizienz ist das gebot der Stunde. Die Stadtwerke Leipzig verhelfen geschäftskunden mit ihren „endico“-

Dienstleistungen zu deutlichen einsparungen.

Text: eva Badenschier Fotografie: Stadtwerke Leipzig

Längst haben sich die Stadtwerke Leipzig von einem regionalen Versorger

zu einem bundesweit tätigen Energiedienstleister entwickelt.

Im Mittelpunkt der deutschlandweiten Wachstumsstrategie steht

dabei der konsequente Ausbau von Angeboten für Geschäftskunden.

Diese Dienstleistungsangebote sind unter der Marke „endico“

zusammengefasst und umfassen drei Produktlinien: individuelle

Contracting-Lösungen, umweltfreundliche Biomasse-Anlagen sowie

technischen Service.

Unternehmen, Institutionen und Kommunen, die „endico“-

Dienstleistungen dieser drei Sparten buchen, haben dadurch nicht

„endico“-Dienstleistungen für geschäftskunden bieten die Stadtwerke

Leipzig bundesweit in den Sparten Contracting, Biokraft und Service an.

nur mehr Freiräume für ihr eigentliches Kerngeschäft, sondern profitieren

zusätzlich von Einsparpotenzialen, die durch die Stadtwerke

ermittelt und realisiert werden. Damit sind gerade angesichts aktuell

steigender Energiepreise eine nachhaltige effiziente Energieversorgung

und ein ressourcenschonender Umgang mit Energie garantiert.

Unter dem Namen „endico Biokraft“ stellen die Stadtwerke

Leipzig ihren Kunden Know-how und Erfahrungen bei Planung,

Finanzierung, Errichtung und Betrieb von Biomassekraftwerken zur

Verfügung. Mit diesem Angebot verfolgen die Stadtwerke Leipzig das

Ziel, sich auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien als Marktführer

im Bereich Biomasseanlagen in Mitteldeutschland zu etablieren.

„endico Service“ steigert die Effizienz, Lebensdauer und Werthal-


Weniger Energiekosten

etwa eine Million Zeitungen druckt die Leipziger

Verlags- und Druckereigesellschaft

(LVDg) in Leipzig/Stahmeln jeden Tag.

Durch „endico Contracting“ konnten in der

größten Druckerei Sachsens die energiekosten

um 30 Prozent gesenkt werden.

tigkeit von Energieerzeugungsanlagen der

Kunden durch professionellen Service. Dazu

gehört zum Beispiel auch die Analyse von

Prozessen und Anlagen.

„Mehr Power für weniger Geld“ – damit

lässt sich der Effekt von „endico Contracting“-Lösungen

beschreiben. Ob im Strom-,

Wärme-, Kälte-, Druckluft- oder Beleuchtungsbereich

– überall bieten die Stadtwerke

Leipzig ihren Kunden die Optimierung der

Energieversorgung, sodass die Kosten sinken.

Dabei übernehmen die Stadtwerke alle

notwendigen Investitionen.

Ein Beispiel, das 2007 für Furore am

Markt sorgte, ist das Produkt „endico Lichtcontracting“.

Ein innovatives elektronisches

Vorschaltgerät für Hochdruckentladungslampen

sorgt für eine längere Lebensdauer

und stärkere Leuchtkraft der Lampen, was

zu einer deutlichen Betriebskostensenkung

führt. Mit 20 Industriekunden verschiedener

Branchen wurden bundesweit bereits

Verträge zu diesem Produkt abgeschlossen.

Dabei profitieren die Kunden von einem

neuartigen elektronischen Vorschaltgerät

mit integriertem Mikroprozessor, das die

Zündung 30 Mal schneller als bislang auf-

baut. Das reduziert den Verschleiß der Lampe

erheblich und sorgt für eine längere Lebenszeit

sowie stärkere Leuchtkraft, da die Elektroden,

die den Lichtbogen erzeugen, kaum

mehr abgenutzt werden. Dadurch lebt die

„Lichtcontracting“ setzte sich 2007 am Markt durch.

Bisher gibt es Verträge mit 20 Industriekunden.

Lampe nicht nur länger – sie leuchtet auch

heller. Denn bei der herkömmlichen Technik

setzen sich die Reststoffe der Elektroden am

Leuchtkörper ab. Die Folge: Gasverlust, hohe

Temperaturen, weniger Licht und höherer

Stromverbrauch. Mit dem neuen Vorschaltgerät

bleibt die Leuchtkraft der Lampe stabil,

und das zwei bis drei Mal so lange wie bisher.

Und das bedeutet mehr Licht aus weniger

Strom – bei halb so großem Wartungsaufwand.

Zudem verfügen die eingesetzten Vorschaltgeräte

über eine integrierte Kommunikationsschnittstelle

und können über Datenkabel

mit einer Zentrale vernetzt werden.

Dadurch ist die gesamte Beleuchtungsanlage

von einem Computer aus programmier- und

steuerbar. Umgekehrt können von jeder

Lampe permanent Daten über Betriebstem-

regjo LeIPZIg/HALLe VerlagSSoNderVeröffeNtlicHuNg 55

peratur, Energieverbrauch oder Störungen

an die Zentrale weitergeleitet werden. Ein

weiterer Vorteil der innovativen Vorschaltgeräte

ist die Möglichkeit einer „intelligenten“

Dimmung. Mit Hilfe von Lichtsensoren, die

den Lichtstrom abhängig vom Tageslichteinfall

regeln, wird zusätzlich der Energieverbrauch

gesenkt, und das ohne Einschränkung

der Beleuchtungsqualität. Abhängig

von Einsatzort und -umgebung lassen sich

allein durch das kontinuierliche Dimmen

über den vollen Beleuchtungsbereich bis zu

30 Prozent der Stromkosten einsparen.

Durch den Einsatz der innovativen Vorschaltgeräte

können die Stromkosten für die

Beleuchtung um bis zu 40 Prozent gesenkt

werden. Die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen

durch die Stadtwerke Leipzig erfolgt

im Rahmen eines Contracting-Modells. Dabei

tragen die Stadtwerke sämtliche erforderlichen

Investitionen und übernehmen auch die

Gewährleistung für Lampen und Steuerungstechnik

sowie Wartung und Service.

Mehr Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.endico.de und www.swl.de.


Bundesverband mittelständische Wirtschaft –

die Stimme des Mittelstandes

„Der BVMW schafft Verbindungen, baut Netzwerke und initiiert Kooperationen und Partnerschaften – für mehr

Geschäftskontakte, mehr Wissenstransfer zwischen Forschung und Unternehmen, mehr Miteinander zwischen Politikern und

Unternehmern. Der BVMW ist die Stimme des Mittelstandes. Der Regionalverbund des BVMW Leipzig mit 7 Geschäftsstellen

betreut ca. 1.000 Mitgliedsunternehmen mit zahlreichen Veranstaltungen, Projekten, Netzwerken und Kontaktbörsen. Der

Regionalverband Sachsen-Anhalt Südost umfaßt 6 Geschäftsstellen mit über 800 Mitgliedsunternehmen und über 100.000

Beschäftigten von Wittenberg bis Zeitz.“

Dipl.-Soziologe Jochen Lohse

Geschäftsführer des Regionalverbundes

BVMW Leipzig

Bundesverband mittelständische Wirtschaft – Unternehmerverband Deutschlands e.V.

Region Leipzig, Leipziger Land, Friedrich-List-Platz 1, 04103 Leipzig

Telefon: 0341 / 215 848-0/-1, Telefax: 0341 / 215 848-2; www.bvmw-leipzig.de

E-Mail: leipzig@bvmw.de; Geschäftsführung: Dipl.-Soziologe Jochen Lohse

Dipl.-Ing. Ralf-Dieter Höfer

stellvertr. Landesgeschäftsführer Sachsen-Anhalt

Regionalgeschäftsführer Sachsen-Anhalt Südost

Regionalgeschäftsstelle BVMW Sachsen-Anhalt Südost, Naumburger Str. 63, 06712 Zeitz

Telefon: 034 41 / 22 85 01, Telefax: 034 41 / 22 85 02; www.bvmw-sachsen-anhalt-sued.de

E-Mail: ralf-dieter.hoefer@bvmw.de; Geschäftsführung: Ralf-Dieter Höfer


Holger Klappstein.TXT

regjo LeIPZIg/HALLe KooPeratioNSPartNer 57

Der bekennende Hallenser trägt Verantwortung in der internationalen TXT e-solutions group. er ist

geschäftsführer der Deutschlandniederlassung in Halle an der Saale. IT für geschäfte und Waren aller Art.

Text: Dr. Markus Folgner Fotografie: joachim Blobel

„Guten Morgen, Klappstein, TXT.“ Die

Stimme am Telefon klingt freundlich

und hellwach. Klappstein ist bekannt

beim IT-Management von Hugo Boss,

Gerry Weber oder Hellmann Worldwide

Logistics. Auch die Stockmeyer-

Gruppe, ein führender Fleisch- und

Wurstwarenproduzent, arbeitet mit

TXT.

Seit 2003 sitzt der italienische

Softwarekonzern in Halle und agiert

von der mitteldeutschen Saale aus auf

dem gesamtdeutschen Markt. Beste

Fachkräfte, Hochschulen, moderne

Infrastruktur, IT-Firmen und Holger

Klappstein. Der Geschäftsführer der

Deutschlandniederlassung von TXT

e-solutions ist bekennender Hallenser.

Er mag diese Stadt, deren spannende

Geschichte sich ins markante Stadtbild

gegraben hat. Klappstein führte hier

schon seine Softwarefirma MSO mit

Furore und weckte so das Interesse des

TXT-Konzerns. Jetzt wächst das börsen-

Hier haben wir gute Bedingungen, hervorragende

Leute, gewachsenes Wissen.

notierte Unternehmen in Deutschland

unter Klappsteins Leitung. „Dahinter

steht das Team“, betont er nachdrücklich.

„Warum woanders hingehen? Hier

haben wir gute Bedingungen, hervorragende

Leute, gewachsenes Wissen.

Erfahrene und junge Mitarbeiter in

allen Bereichen.“ Der großgewachsene

Manager studierte in Ilmenau Elektrotechnik,

leitete dort ein Team für den

technischen Support in der Prozessindustrie.

Seit 1990 ist er selbständiger

Unternehmer. Als Mitbegründer des

Softwareberatungsunternehmens

CuBuSS arbeitete er vorrangig für die

Bekleidungsindustrie. Mit der Chemnitzer

OPEN SOFT GmbH entwickelte

Klappstein die Firma MSO concept und

übernahm in der GmbH die Vermarktung

der MSO-Produkte. Seit 2003

leitet er den Vertrieb der TXT-Software

Flughafen, Bahn, Autobahnen rund um Halle

sind für TXT die Basis für Kundennähe.

in Deutschland. Und das, wenn es sein

muss, auch am Wochenende. Flughafen,

Bahn, Autobahnen rund um Halle

sind für Klappstein und sein Team die

Basis für Kundennähe. „Wenn wir

die günstigen Fluggesellschaften hier

haben, wird es noch interessanter.“

TXT-Deutschland ist viel unterwegs

– oder am Telefon. „Guten Tag, Klappstein,

TXT.“ Die Software erlaubt die

komplexe Steuerung bis zum Controlling

von Waren, Produkten, Prozessen.

„Wir haben es mit individueller Software

für schwierige Geschäftsprozesse

geschafft. Wo befindet sich die Lieferung?

Welche Waren- oder Materialbestände

habe ich? Wo verkauft sich

was? Und wie? Welches Produkt? Welche

Farbe?“ Klappsteins Augen blitzen.

„Wir können für alle Branchen, ob

Bekleidung, Lebensmittel oder Logistik,

die erforderlichen Parameter berücksichtigen.

Das Datenhandling wird sehr

überschaubar. Aber wir können mehr.“

Kurze Pause. „Unsere neue Software

ermöglicht die Simulation ganzer

Geschäftsszenarien; berechnet, ja zeigt

dem Management die Konsequenzen

alternativer Entscheidungen.“ Das

stößt auf Interesse; rund um die Uhr.

„Guten Abend, Klappstein, TXT.“

Freizeit ist knapp für den Mittfünfziger.

Der Diplomingenieur und Vater

zweier Kinder spielt seit Jahrzehnten

begeistert Volleyball. Mit Folgen: Auch

Tochter und Sohn sind im Sand und

auf dem Hallenboden am Netz unterwegs.

Klappstein‘s ganz privater Stolz.

Mit seiner Frau, einer Volleyballerin,

reist er gern ans Ende der Welt oder

fährt Rad an der Saale durch Halles

Auen zu den Brachwitzer Alpen. Erholung,

Inspiration, Kraft für die Zukunft.

„Guten Morgen, Klappstein, TXT.“

Weitere Informationen hierzu finden Sie im

Internet unter www.txtgroup.de.


Luthers Land

400 Millionen Protestanten gibt es weltweit. Die Wurzeln ihrer Religion liegen in Mitteldeutschland,

denn keine Region ist so eng mit Luther und der Reformation verbunden.


egjo LeIPZIg/HALLe geSellScHaft 59


geschichte erleben

An die Pforte der Schlosskirche in Wittenberg hat

Martin Luther am 31. oktober 1517 seine 95 Thesen

„Über die Kraft der Ablässe“ geschlagen und damit

ganz entscheidend die Kirche und die Welt verändert.


egjo LeIPZIg/HALLe geSellScHaft 61


Text: Nadine jukschat Fotografie: Dietmar Tondar

„Weltweit ist keine Region so sehr mit dem

historischen Wirken Martin Luthers verbunden

wie Mitteldeutschland. Begib dich doch

mal auf seine Spuren.“ Das war der Auftrag,

den ich einige Wochen vor Erscheinen dieses

Heftes von der Chefredaktion erhielt. Das

klang nach einer spannenden Geschichte

und so stürzte ich mich in die Recherche.

Ein paar Wirkungsstätten Luthers waren

mir aus Schullektüre und einigen kunsthistorischen

Begegnungen mit der Renaissance

noch im Hinterkopf: Wittenberg, die Wartburg

natürlich, auch Eisleben und Mansfeld.

Alles in allem stellte sich mein Wissen jedoch

als eher rudimentär heraus. Vor allem in

Sachen Religion. Ich bin Atheistin. In Kirchen

gehe ich eigentlich nur zu zwei Anlässen:

Erstens im Urlaub – aus touristischer

Neugier. Und zweitens zu Weihnachten – der

Tradition wegen.

Wie also fange ich diese Geschichte an?

Mein erster Gedanke: Internet. „Luther UND

Mitteldeutschland“ tippe ich in das Eingabefeld

meiner Standardsuchmaschine. Und die

spuckt unglaubliche 246.000 Treffer aus. Ich

fange an, mich durch die einzelnen Websites

hindurchzuklicken.

Das sachsen-anhaltische Eisleben, so

erfahre ich dabei, bildet die Klammer um

Martin Luthers Leben. Hier wurde er am 10.

November 1483 geboren und hier starb er

500 jahre reformation − Mitteldeutschland feiert

das mit der Lutherdekade.

am 18. Februar 1546. Luther war kaum ein

Jahr alt, da zog seine Familie ins nahe gelegene

Mansfeld. Die ersten fünf Schuljahre

verbrachte Luther hier, dann wechselte er

nach Magdeburg und später ins thüringische

Eisenach. 1501 begann er, in Erfurt zu studieren

und vier Jahre später trat er dort ins

Augustiner-Kloster ein. Wittenberg ist die

Stadt, in der Luther schließlich den größten

Teil seines Lebens verbrachte. Er verließ sie

nur vorübergehend − zum Beispiel, um in

Torgau 1544 den ersten evangelischen Kirchenneubau

einzuweihen (Foto: Seite 65)


Auf den Spuren des Reformators

In erfurt kann man − wie einst Luther auf dem Weg in die Universität

− über die Krämerbrücke schlendern und eine der schönsten

mittelalterlichen Städte Deutschlands bestaunen.

oder um in den Kirchen Mitteldeutschlands zu predigen, unter anderem

auch in der Marktkirche in Halle, wo heute Luthers Totenmaske

zu sehen ist.

Inzwischen bin ich auf Seite zwei der Trefferliste angelangt und

langsam schwindet meine Lust an der Internetrecherche. Schließlich

will ich doch Luther erleben, ihn „zum Anfassen“ haben. Darum

ändere ich meine Strategie und rufe Stefan Rhein an. Er ist Vorstand

und Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

und so etwas wie der Marketingchef des Reformators. Wir verabreden

uns zu einem Interview in Wittenberg. Bis dahin sind jedoch noch

einige Tage Zeit. Und ich beschließe fürs Erste, vor meiner eigenen

Haustür hier in Leipzig nach Luther zu suchen.

Der Reformator war einige Male in der Stadt. Zu seinen wichtigsten

Besuchen zählt jedoch sein Aufenthalt vom 27. Juni bis zum 15.

Juli 1519. In diesem Zeitraum stritt er gemeinsam mit seinen Wittenberger

Kollegen Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon gegen

den katholischen Theologen Johannes Eck über die zeitgenössische

Kirche. Das Streitgespräch in der Hofstube der herzoglich sächsischen

Pleißenburg ging als Leipziger Disputation in die Geschichtsbücher

ein. Heute sieht man in Leipzig von der Pleißenburg nichts mehr. 1897

wurde sie abgerissen. An ihrer Stelle stehen nun das Neue Rathaus

mit dem Burgplatz und das Gebäude der Deutschen Bank.

Von Luther und Co. fehlt jede Spur. Fast zumindest. Einige

hundert Meter entfernt, in der Hainstraße, zeugt noch eine kleine

Steintafel mit der Aufschrift „An dieser Stelle stand das Wohnhaus

des Buchdruckers Melchior Lotter, in dem Martin Luther zusammen

mit Philipp Melanchthon waehrend der Leipziger Disputation 1519

wohnte“ von dem Ereignis. Viele Leser hat die Gedenktafel aber

höchstwahrscheinlich nicht. Keine 20 Zentimeter rechts neben ihr

läuft eine Regenrinne entlang, der Putz bröckelt von der Hausfassade.

Mein Blick wandert fast wie von selbst in das große Schaufenster

links. Es gehört zu einem Antiquitätenladen. In der Hoffnung, zwischen

all dem Porzellan und Trödel etwas aus Luthers Zeit zu entdecken,

gehe ich hinein. Aus der hintersten Ecke des Ladens kommt die

Verkäuferin hervor. Auf meine Frage nach einem Lutherrelikt reagiert

sie ein wenig überrascht, überlegt einen Moment und entschuldigt

sich dann: „Nein, da haben wir leider nichts da.“

Etwas enttäuscht kehre ich von meinem Ausflug aus dem Leipzig

des frühen 16. Jahrhunderts zurück nach Hause. Was ich suche, ist

mehr Authentizität. Ich möchte Luthers Aura spüren. Die Wartburg

– so nehme ich an – muss hierfür der richtige Ort sein. Stefan Rhein

erzählt mir später, dass ich mit diesem Gedanken nicht allein bin.

Die Burg bei Eisenach ist mit über 400.000 Besuchern jährlich der

beliebteste Lutherpilgerort. (Fotos: Seite 58/59) Dabei verbrachte

der Reformator nur 300 Tage dort. Am 17. April 1521 hatte Kaiser

Karl V. in Worms über Luther die Reichsacht verhängt, nachdem

dieser den Widerruf seiner Ideen wiederholt verweigert hatte. Auf

dem Rückweg nach Wittenberg wurde der nun Vogelfreie auf Befehl

regjo LeIPZIg/HALLe geSellScHaft 63

seines Gönners – dem sächsischen Kurfürst Friedrich dem Weisen –

entführt und auf die Wartburg gebracht. Am Abend des 4. Mai 1521

erreichte er sein Schutzquartier. Von nun an lebte Luther unter dem

Namen Junker Jörg in einer kleinen Stube in der Vogtei, trug ritterliche

Kleidung und ließ sich Haar und Bart wachsen. Ihn, der es

gewohnt war, viele Freunde um sich zu scharen, quälte hier vor allem

die Einsamkeit. Den einzigen Ausweg aus seiner Krise sah Luther

in unermüdlicher Arbeit. Den Höhepunkt erreichte sein gewaltiges

Schaffen mit der Übersetzung des Neuen Testaments der Bibel ins

Deutsche. Nur zehn Wochen benötigte er dafür – ein außerordentliches

Werk, wenn man bedenkt, dass ihm dafür auf der Wartburg

sämtliche wissenschaftlichen Hilfsmittel fehlten. Ein halbes Jahr nach

einen halben gulden kostete ein exemplar der ersten Lutherbibel 1522 −

genauso viel wie ein halbes Kalb.

Luthers Rückkehr nach Wittenberg, im September 1522, erschien das

sogenannte September-Testament in einer Auflage von 3.000 Stück

im Druck. Trotz des hohen Preises von einem halben Gulden – dafür

bekam man ein halbes Kalb – waren die Exemplare in kürzester Zeit

ausverkauft.

Schon seit Ende des 16. Jahrhunderts wurde Luthers Stube auf

der Wartburg zum Ziel vieler seiner Anhänger. Oft ritzten sie Namen

und Jahreszahlen in die Bohlen und nahmen Teile des Mobiliars als

Souvenir mit. Das einzige im original erhaltene Einrichtungsstück ist

ein Walwirbel, den Luther vermutlich als Schemel nutzte.

Nun stehe auch ich an diesem historischen Ort. Ein dickes

Absperrseil hält mich auf gebührendem Abstand zu den Ausstellungsstücken.

Eigentlich würde ich auch gern meinen Namen hier

im Holz hinterlassen. Aber das geht natürlich nicht. Stattdessen blicke

ich andächtig in das spärlich eingerichtete Zimmer. Diffuses Licht fällt

durch zwei kleine Holzfenster auf einen über 400 Jahre alten Kastentisch.

Darauf liegt, durch die einfallenden Sonnenstrahlen fast von

einem heiligen Schimmern umgeben, aufgeschlagen ein Faksimile

des September-Testaments. Von der Wand schaut Martin Luther in

den Raum. Hier ist also der Geburtsort unserer modernen deutschen

Sprache. Noch einen Moment bleibe ich gedankenversunken stehen,

dann drängt sich eine Horde Schüler an mir vorbei in das kleine

Stübchen und holt mich zurück ins 21. Jahrhundert.

„Willkommen in Wittenberg“, Stefan Rhein begrüßt mich im

Lutherhaus mit einem kräftigen Händedruck und führt mich in sein

geräumiges, helles Büro. Seit 1998 ist er Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten

in Sachsen-Anhalt, die er mit aufbaute und zu der

neben dem Lutherhaus auch noch das Melanchthonhaus in Wittenberg

sowie in Eisleben das Geburts- und das Sterbehaus des Reformators

gehören. Der Mann mit der Halbglatze, dem grauen Schnauzer

und der schwarzen, eckigen Brille ist Wissenschaftler, ein klassischer

Philologe. Seine Doktorarbeit schrieb er über die griechischen


Was haben REGJO

und Auerbachs Keller

gemeinsam?

Immer erste Klasse!

• Mädler-Passage • Grimmaische Str. 2-4 • 04109 Leipzig

Telefon (0341) 216100 • www.auerbachs-keller-leipzig.de

Mit zwei Standorten in Deutschland und einem in der tschechischen

Republik bieten wir unseren Service an:

► ENGINEERING – PLANUNG

Das Angebot erstreckt sich vom Fließschema über R&I,

Anlagenpläne, Isometrien bis hin zu Elastizitäts- und Bauteilberechnungen

Aufstellungs- und Rohrleitungsplanungen in 2D und 3D

inklusive Visualisierung

Stahlbauplanung von Übersichtsplänen bis zu Werkstattzeichnungen

► ZEITARBEIT – DIENSTLEISTUNG

Verwaltung und Vermittlung von kaufmännischem Personal,

Erziehungsberufen und Ingenieuren

► ZEITARBEIT – GEWERBLICH

Wir verfügen ausschließlich über TÜV- geprüfte Schweißer

nach DIN EN 287-1 für die folgenden Prozesse:

WIG (141)

MAG (135)

UP (121)

Lichtbogenhandschweißen (111)

sowie Vorrichter und Schlosser für den Anlagenbau

Bewerber mit entsprechender Qualifi kation sind uns stets willkommen.

►►► www.ctr-engineering.de

Hauptsitz

CTR - Engineering GmbH ► Alte Dorfstraße 87 ► D - 27367 Sottrum

Telefon: + 49 42 64 / 370 83 10 ► E-Mail: info@ctr-engineering.de

Niederlassung Merseburg

CTR - Engineering GmbH ► Teichstraße 7 ► D - 06217 Merseburg

Telefon: + 49 34 61 / 54 75 90 ► E-Mail: info@ctr-engineering.de

Hauptsitz Tschechien

CTR - Engineering CZ s.r.o. ► J.S.Baara 828 ► Decin 5 – Rozbelesy ► Dezin 405 02 CZ

Telefon: + 420 412 105 056 ► E-Mail: info@ctr-engineering.de


Reformation als Medienrevolution

Luther setzte mit Buchdruck und Deutsch auf die modernen Medien seiner Zeit,

seine gegner dagegen blieben bei Latein und Predigt. „Damit war Luther bereits im

rTL, während die katholische Kirche noch auf Phönix lief“, sagt Stefan rhein.

Gedichte Philipp Melanchthons. Doch

wenn er über die Arbeit an den Lutherstätten

spricht, glaubt man eher einen

PR-Mann vor sich zu haben. Die 400

Millionen Protestanten weltweit sind

für ihn eine „wunderbare Zielgruppe“,

die es gilt, nach Mitteldeutschland zu

holen. Ganz besonders natürlich jetzt

während der Luther-Dekade, die diesen

Herbst mit zahlreichen Veranstaltungen

eröffnet wird und am 31. Oktober 2017

mit dem 500. Jubiläum des Thesenanschlags

an die Wittenberger Schlosskirche

ihren Höhepunkt erreicht.

Weltweit gibt es 400 Millionen Protestanten − für Stefan

rhein eine „wunderbare Zielgruppe“.

Sehr gelegen für die Feierlichkeiten

kommt nun, dass Martin Treu, einer

von Rheins Mitarbeitern, kürzlich eine

aufregende Entdeckung bezüglich der

95 Thesen gemacht hat. „Dass Luther

sie tatsächlich geschrieben hat und dass

sie ganz entscheidend waren für die

Reformation, ist völlig unumstritten“,

sagt Rhein. Nur hat er sie wirklich an

die Tür genagelt oder nicht – darüber

streiten sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten.

Bisher gab es nur einen Beleg

für den Thesenanschlag: eine Aussage

Melanchthons, datiert auf die Zeit nach

Luthers Tod. Der neue Fund ist eine

Notiz, die Luthers Privatsekretär Georg

Rörer noch zu Lebzeiten des Reformators

in dessen Arbeitsbibel hinterlassen

hat: „Am Vorabend des Allerheiligenfestes

im Jahre des Herren 1517 sind

von Doktor Martin Luther Thesen über

den Ablass an die Türen der Wittenberger

Kirchen angeschlagen worden.“ Für

Rhein bedeutet das: „Wenn wir im Jahr

2017 feiern, können wir das auch mit

Fug und Recht tun.“

Die rund 350.000 Touristen, die

jährlich nach Wittenberg kommen,

kümmert diese theoretische Diskussion

vermutlich kaum. Allenfalls wundern

sie sich, vor der „meistfotografierten

Tür Europas“ stehend, wie Luther wohl

den Nagel in die Bronze bekommen hat.

Die Erklärung ist einfach: Das heutige

Portal ist keine 150 Jahre alt.

Viel mehr als die sagenumwobene

Tür beeindruckt mich jedoch das

Grab Luthers in der Kirche. Oder besser

gesagt der Fakt, dass es so schlicht,

ja fast unscheinbar daher kommt und

gleichwertig neben dem Grab seines

Kollegen Melanchthon liegt. Der Blick

auf die beiden schlichten Bronzeplatten

macht anschaulich, was Stefan Rhein

meint, wenn er sagt: „Die Reformation

ist eine Wittenberger Teamleistung.

Luthers Erkenntnis ist natürlich zentral.

Aber es brauchte viele Geburtshelfer:

Dass es Bild wurde, Cranach; dass

es Text wurde, Melanchthon ...“.

regjo LeIPZIg/HALLe geSellScHaft 65

Luthers Erkenntnis? Ja, was ist

eigentlich seine größte Leistung? Stefan

Rhein gibt eine Antwort, die ich

am Ende dieser Geschichte gern mit

nach Hause nehme: „Es ist die Entdeckung

des eigenen Gewissens. In

dem Sinne, wie Luther Zivilcourage

zeigte, sich nicht an die vorgegebenen

Regeln der universellen Kirche hielt.

„reformation ist nicht nur Luther, reformation

ist Wittenberger Teamwork.“

Man muss sich das mal vorstellen, da

stellt sich einer nahezu allein gegen alle

und sagt nein, hier stehe ich, ich kann

nicht anders, ich vertraue nur meinem

Gewissen.“

Als ich wieder aus der Kirche hinauskomme,

bleibe ich noch einmal kurz

an dem kleinen gusseisernen Zäunchen

vor der Thesentür der Schlosskirche

stehen. Zwei ältere Frauen stellen sich

neben mich. „Kannst du lesen, was da

steht?“, fragt die eine. Ihre Reisebegleiterin

kneift die Augen angestrengt

zusammen. „Leider nicht.“ Noch einen

Moment harren sie aus. Dann Schulterzucken.

„Naja, wir haben sie wenigstens

gesehen.“

Weitere Infos finden Sie im Internet unter

www.martinluther.de und www.unesco.de.


Explosive Malerei

ob impressionistisch oder expressionistisch – Corinths Position ist einzigartig unter den deutschen Malern, voll Sinnlichkeit

und provokanter Direktheit, in Farben schwelgend.

Text: Sigrid gaulrapp Fotografie: Museum der bildenden Künste Leipzig

Zwölf Wochen im Pariser Musée d'Orsay

adeln die Ausstellung „Lovis Corinth und

die Geburt der Moderne“, die vom 11. Juli

bis 19. Oktober im Museum der bildenden

Künste Leipzig gezeigt wird. Die Retrospektive

mit ihrer hochkarätigen Auswahl gibt

einen überzeugenden Eindruck vom künstlerischen

Werdegang Corinths. In Frankreich

war die erste umfangreiche Schau, die dem

Werk Corinths gewidmet wurde, und hatte

sich dort als ausgesprochener Publikumsmagnet

erwiesen. Für Leipzig ist sie der absolute

künstlerische Höhepunkt im Jubiläumsjahr

des „Bildermuseums“. Das Gründungsjahr

des Musentempels 1858 ist zugleich das

Geburtsjahr Corinths. Das Leipziger Museum

hatte 1927, zwei Jahre nach seinem Tod,

mit einer Corinth-Gedächtnis-Ausstellung

bereits einen Überblick über seine Arbeiten

vermittelt. Leipzig gehört mit vier Gemälden,

zwei Zeichnungen und 103 Druckgraphiken

durchaus zu den wichtigen Besitzern

von Corinth-Werken und damit auch zu den

wesentlichen Leihgebern des Gesamtprojektes,

das unter der Schirmherrschaft von Bun-

„Die Kreuzabnahme“ stieß 1910 auf ein geteiltes

echo, von „gräßlich“ bis „kühn und kraftvoll“.

deskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs

Staatspräsident Nicolas Sarkozy steht.

Als erstes Werk Corinths kam 1910 die

„Kreuzabnahme“ in die Leipziger Sammlung,

als Schenkung des Leipziger Verlagsbuchhändlers

und Kunstsammlers Emil Arthur

Meiner und unter Zwischenschaltung Max

Klingers. Überraschenderweise hatte es bis

dahin trotz Angeboten der Berliner Seces-

sion keinen Ankauf eines Corinth-Gemäldes

gegeben, obwohl man Liebermann, Sterl und

Slevogt erwarb.

Es ist fraglich, ob man außerhalb einer

begrenzten Anhängerschaft überhaupt

zu schätzen wusste, was einem da Gutes

geschah. In der Leipziger Abendzeitung war

dann auch zu lesen: „Lange nicht wurde hier

ein Kunstwerk ausgestellt, das so geeignet ist,

viele Menschen abzustoßen, wie gegenwärtig.“

Das Blatt bescheinigt dem Werk zwar

eine ihm innewohnende „ungewöhnliche

Kühnheit und Kraft“, warnt aber: „Die Wirkung

ist gräßlich und kann dem Betrachter

auf acht Tage den Appetit nehmen, Nervenschwache

aber beinahe in Gefahr bringen.“

Und weiter: „Corinth rollt vor uns den nackten

gräßlichen Naturalismus aus und rückt

einen legendären Vorgang in die Region der


Vom Musée d‘Orsay nach Leipzig zurück

Die „Kreuzabnahme“ aus dem jahre 1906, „Selbstporträt als Fahnenträger“ von

1911 aus Poznan und „Porträt Frau Douglas“ (Irma Hübner), entstanden 1909 sowie

„Salome“, II. Fassung von 1899 (v.l.n.r.).

bluttriefenden Abschlachterei.“ Und weiter in diesem Stile.

Längst ist klar, dass es sich um ein herausragendes Corinthsches

Gemälde handelt. Bereits ein Vergleich mit Max Beckmanns

„Kreuzabnahme“ von 1917, die ihren Platz im New Yorker Museum

of Modern Art gefunden hat, läßt erkennen, wie berechtigt der Aus-

Die Ausstellung bedient die fünf klassischen Themenfelder Selbstporträt,

Mythos und Bibel, Akt und Alltag, Porträt, Landschaft und Stillleben.

stellungstitel von der Geburt der Moderne gewählt ist. Die Ankäufe

von 1935 und 1962 – das „Porträt Frau Douglas“ und „Johannes

der Täufer“– sowie die durch Testament eines Dresdners dem Hause

1956 vermachte „Salome II“ erfreuten sich dagegen einer begeisterten

Aufnahme.

Die alttestamentarische Gestalt der Salome war seit den 1880er

Jahren, besonders aber nach der Dramatisierung durch Oscar Wilde

1883, ein Vorzugsthema der bildenden Kunst. Die perverse Entartung

des Sexuellen, die liebeshungrige Weiber zu schmachtenden Hyänen

macht, deren Exstase sich nur mit Blut befriedigen lässt, fesselte die

regjo LeIPZIg/HALLe Kultur 67

Zeitgenossen des Fin de Siècle, rief aber auch zum offenen Protest

gegen unheilige und antireligiöse Erotik auf.

Was die Erotik anbelangt, ist Corinths Werk gewiss nichts für

Kostverächter. Er liebte die fülligen Formen wie Rubens, sein Modell

war häufig seine Gattin Charlotte Berend-Corinth, selbst eine

begabte Künstlerin, die nach seinem Tode am 17. Juli 1925 sein

Werk betreute. So beschreibt sie ihn: „Er war bei den Vorberei-

tungen zu einem Bild sehr sensibel. Es musste gute Laune auf beiden

Seiten sein, ... ein schwingender Ton.“ Wir erleben Corinth in der

Ausstellung mit Selbstporträts und als hervorragenden Porträtisten,

meist bedeutender Zeitgenossen und reizvoller Damen, wie etwa

Frau Douglas, so der Spitzname der Ehefrau des Landschaftsmalers

Ulrich Hübner, weiterhin mit feurigen Blumenstillleben und

nicht zuletzt mit Landschaften rund um den von ihm so sehr gelieb-

ten Walchensee.

Im 150. jahr: Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10, 04109

Leipzig, Tel. 0341/216990, www.mdbk.de


68 MagaziN regjo LeIPZIg/HALLe

M U S e U M

Vierte Säule

Das Museum für Vorgeschichte in Halle präsentiert

eine neue Dauerausstellung.

Nach eineinhalbjähriger Generalsanierung

öffnete das Landesmuseum für Vorgeschichte

in Halle am 23. Mai wieder seine Pforten für

die Öffentlichkeit. Damit hat die Stadt Halle

jetzt nicht nur ihre berühmte Himmelsscheibe

wieder, sondern nun auch eine neue

Dauerausstellung über die Jungsteinzeit und

die Bronzezeit.

Nach den Umbauarbeiten am ältesten

Museumsbau eines Vorgeschichtsmuseums

in Deutschland begeistert das gesamte

Gebäude nun wieder als reines Ausstellungshaus,

das jetzt eine fast dreimal so große Fläche

bietet. So ist das erste Obergeschoss mit

sieben hellen Räumen neu hinzugekommen.

Sie sind für die ab Oktober geöffnete Landesschau

„Fundsache Luther” reserviert.

Parallel zur Wiedereröffnung des Museums

gab der Wirtschaftsminister des Landes

Sachsen-Anhalt, Dr. Reiner Haseloff,

bekannt, dass die Archäologieroute „Himmelswege”,

in der das Landesmuseum für

Vorgeschichte eine wichtige Station darstellt,

zur vierten touristischen Markensäule des

Landes erhoben wird. jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.archlsa.de.

A U S S T e L L U N g

Berühmter als berüchtigt

Die Willi-Sitte-galerie Merseburg zeigt Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik von otto

Dix, ausgewählt aus den reichen Beständen im otto-Dix-Haus der Kunstsammlung gera.

Eine Fahrt kreuz und quer durch die Bundesrepublik

muss unternehmen, wer die

wichtigsten Gemälde von Otto Dix im Original

sehen möchte; aber auch nach Paris

und Basel führt der Weg. Von Düsseldorf und

Wuppertal über Hannover, Berlin, Dresden,

Gera und Chemnitz, München, Stuttgart und

Karlsruhe führt die Route bis zum Bodensee ,

wo er von 1933 an bis zu seinem Tode am 25.

Juli 1969 lebte. Seine Professur in Dresden

hatte er bereits im ersten Jahr der Naziherrschaft

eingebüßt. Wer den Überblick über das

Werk von Otto Dix sucht und dabei auf die

Faszination der wertvollen Farben und auf

den Reiz der in altmeisterlicher Manier vorgetragenen

Malerei zu verzichten bereit ist,

erhält durch die derzeitige Otto-Dix-Ausstellung

in der Willi-Sitte-Galerie in Merseburg

(bis 28. September – unser Foto) einen komprimierten

Überblick. Der resultiert aus der

Zusammenarbeit mit der Otto-Dix-Sammlung

in Gera-Untermhaus.

Sein Geburtshaus dort zeigt seit 1991 in

einer ständigen Ausstellung wichtige Werke

des Künstlers sowie das historische Ambiente

eines Arbeiterhaushaltes um 1900 und gibt

Einblicke in das Leben der Familie Dix zu

Ottos Kindheits- und Jugendzeit.

„Entweder werde ich berühmt oder

berüchtigt.“ Diesen Dix-Anspruch hat uns

der sächsische Maler Otto Griebel in seiner

Autobiographie von1986 überliefert. Dix

hat beides geschafft. Dazu hätte es vielleicht

sogar nur eines einzigen Bildes bedurft, des

in Dresden begonnenen und 1923 in Düsseldorf

vollendeten pastos, gemalten gewaltigen

Bildes „Der Schützengraben“. Im Kölner

Wallraff-Richartz-Museum nach einem

großen Kunstskandal abgehängt, reiste es

noch in der Ausstellung „Nie wieder Krieg“

erfolgreich durch deutsche Städte, gilt aber

als verschollen oder gar zerstört.

Nach dem 2. Weltkrieg pendelte Dix

zwischen seinem Wohnort am Bodensee

und Dresden, wo er wieder eine Professur

innehatte. Als 75-Jähriger erhielt er 1966 die

Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Gera.

Ein deutsch-deutscher Künstler, der zu den

bedeutendsten des 20. Jahrhunderts zählt.

Als realistischer Maler hat Otto Dix in

der Willi-Sitte-Galerie einen angemessenen

zeitweiligen Platz gefunden.

Sig

Weitere Infos hierzu unter www.willi-sitte-galerie-merseburg.de und www.kunstsammlung-gera.de.


A r C H I T e K T U r

Favoritenmangel

Das neue gesicht der Meisterhaussiedlung

des Bauhauses Dessau ist noch offen.

Ende 2007 hatte die Stadt Dessau-Roßlau

einen internationalen Wettbewerb zum

Erhalt des im Zweiten Weltkrieg beschädigten

Meisterhausensembles ausgeschrieben. 115

Architekten hatten sich daran beteiligt, aber

mangels eines klaren Favoriten bleibt nach

der Ergebnispräsentation Ende Mai auf dem

ersten Platz eine ähnliche Lücke, wie die, die

der Krieg in der weltbekannten Siedlung hinterließ.

„Wir sind doch ein wenig enttäuscht

worden”, sagte Jury-Mitglied Georg Mörsch.

Zwar ernannten die Juroren zwei zweite

Preise, aber selbst diese konnten sie nicht zur

unmittelbaren Umsetzung empfehlen.

Die Bauten des Bauhauses in Dessau

und Weimar gehören zu den weltweit wichtigsten

materiellen Zeugnissen der Moderne

und wurden 1996 von der UNESCO auf die

Liste der Welterbes gesetzt. Man wolle nun

auf „prozessualem Weg” weiter nach einer

Lösung zur „Aktualisierung der Moderne”

suchen. Unklar bleibt weiterhin, ob das bis

auf den Sockel abgetragene Haus des Bauhausgründers

Walter Gropius wieder aufgebaut

werden soll. jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.bauhaus-dessau.de.

K U L T U r P o L I T I K

Gesund & Schlank

Die Kultur gmbH soll ab 2009 in Halle die

Staatskapelle und alle Bühnen vereinen.

Der Grundsatzbeschluss des halleschen

Stadtrates zur Umwandlung von Kulturinsel,

Thalia Theater, Oper und Staatskapelle Halle

in ein großes Mehrspartenhaus war bereits

im September 2007 gefallen. Nun soll zum

1. Januar 2009 eine gemeinnützige GmbH

– die Kultur GmbH – gegründet werden.

Die künstlerische Freiheit der Sparten wird

weiterhin erhalten bleiben. „Jetzt gilt es, die

unabgestimmte Doppelstruktur abzubauen”,

erklärt Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados.

„Bislang hatte jedes Haus nur sich im

Blick. Das war keine gesunde Konkurrenz,

sondern ein ruinöser Wettbewerb.”

Außerdem erhofft sich die Stadt Einsparungen

von bis zu 685.000 Euro. Um dies zu

realisieren, streicht sie 15 Stellen im nichtkünstlerischen

Bereich und verpflichtet die

Kultur GmbH zur Nutzung der stadteigenen

Theaterwerkstätten. Letztere waren in der

Vergangenheit nicht ausgelastet, weil die Kulturhäuser

Aufträge aus Kostengründen nach

Außen gegeben hatten. Oberbürgermeisterin

Szabados erklärt: „Im Endeffekt haben wir

dadurch vieles doppelt bezahlt.”

jS

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.halle.de.

regjo LeIPZIg/HALLe MagaziN 69

tomasz Kajdanski heißt

der zukünftige Ballettdirektor

des Anhaltischen Theaters

Dessau. Der gebürtige

Pole tritt zur neuen Spielzeit

an und blickt auf eine erfolgreiche

Karriere: Unter anderem war er Ballettdirektor

am Stadttheater Heidelberg, am

Volkstheater rostock und Chefchoreograf

am Landestheater eisenach.

Sebastian Hartmann wird

ab dem 1. August neuer

Intendant des Schauspiels

Leipzig und seiner beiden

neu benannten Spielstätten

Centraltheater und Skala. Der 40-jährige

löst damit nach über einem jahrzehnt seinen

Vorgänger Wolfgang engel ab. Hartmann,

geboren in Leipzig, hat zuvor unter

anderem an der Volksbühne Berlin und

am Schauspielhaus Hamburg inszeniert.

christian Kreis erhält am

10. oktober den mit 5.000

euro dotierten georg-

Kaiser-Förderpreis des

Landes Sachsen-Anhalt.

Der 1977 in Bernburg geborene Schriftsteller

erhält die Auszeichnung für sein

Debütwerk „Nichtverrottbare Abfälle“

und wird gleichzeitig für sein bisheriges

lyrisches Schaffen, das häufig regionalen

Bezug hat, geehrt.

Horst, das Marketinglama

aus dem Leipziger Zoo,

gibt es seit dem 29. Mai in

limitierter Auflage als Spielfigur.

„Lama Horst“ ist etwa

zehn Zentimeter hoch und zehn Zentimeter

lang und seinem Vorbild täuschend

ähnlich. Die 5.000 Figuren können nur

in den Shops des Zoos Leipzig oder bei

galeria Kaufhof in Leipzig käuflich erworben

werden.

riccardo chailly beendete

zum 31. Mai vorzeitig

sein Wirken als generalmusikdirektor

der oper

Leipzig. er schließt aber

nicht aus, dort in Zukunft als gastdirigent

tätig zu werden. Im gegenzug

dazu wird er seinen Vertrag als Kapellmeister

am gewandhaus Leipzig ab

dem 31. August 2010 um fünf jahre bis

zum 31. juli 2015 verlängern.

Bildnachweis: Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/juraj Lipták; Willi Sitte galerie Merseburg; Stiftung Bauhaus Dessau; IMg Sachsen-Anhalt; Anhaltisches Theater Dessau; rolf Arnold/Centraltheater Leipzig 2008; Christian Kreis; Zoo Leipzig gmbH; oper

Leipzig - Andreas Birkigt


70 MagaziN regjo LeIPZIg/HALLe

M A r K e T I N g

Querdenker

Mit einer neuen Kampagne verweist Sachsen-Anhalt

auf kulturelle glanzleistungen.

Im Rahmen der Kampagne „Sachsen-Anhalt.

Wir stehen früher auf” werden seit Juni sechs

kulturtouristische Glanzleistungen in Sachsen-Anhalt

als „Erfolgsgeschichten – made

in Sachsen-Anhalt” geadelt. Damit soll die

besondere kulturelle und geistesgeschichtliche

Rolle, die Menschen aus dem Land in

der europäischen Geschichte spielten, in den

Blick der Öffentlichkeit gerückt werden.

Stellvertretend für die Kultureinrichtungen

werden das Gartenreich Dessau-Wörlitz,

die Stiftung Bauhaus Dessau, die Arche

Nebra, das Europa-Rosarium Sangerhausen

sowie das „Grüne Band“ geehrt. Ein Großflächenplakat

an der Wittenberger Schlosskirche

erinnert an den Reformator Martin

Luther, der 1517 seine 95 Thesen gegen den

Ablass dort anbrachte. „Nur wer vertraute

Denkmuster und -strukturen hinterfragt und

querdenkt, trägt zur gesellschaftlichen Veränderung

bei. Martin Luther ist ein Paradebeispiel

für diese Mentalität, auf die wir mit

unserer Frühaufsteherkampagne hinweisen

wollen”, erläutert Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister

Dr. Reiner Haseloff. KK

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.sachsen-anhalt.de.

K U L T U r S T I F T U N g

Wunderkammer

Die Franckeschen Stiftungen in Halle

haben ihre Sammlung erweitert.

Der Kunsthistoriker und Kunstsachverständige

Dr. Hans Stula aus Hannover übereichte

drei wertvolle Porzellanobjekte aus seiner

Hallensia-Sammlung den Franckeschen

Stiftungen. Sie stammen aus seiner umfangreichen

Sammlung, die 2006 anlässlich des

1.200-jährigen Jubiläums der Stadt Halle

erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Die reich verzierten Porzellantassen aus

der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen verschiedene

Ansichten der Schulstadt August

Hermann Franckes und stammen aus Berlin

sowie Schlesien.

Die Jahresausstellung der Franckeschen

Stiftungen hingegen widmet sich in einem

Gemeinschaftsprojekt mit dem „Theater der

Welt in Halle 2008“ den Wunderkammern

der Erde und zeigt über 200 zeitgenössische

Objekte unter dem Titel „Dinge der Welt”.

Während früher die Wunderkammern als

Symbol für Erkenntnis und Impulse für Neuerungen

standen, geht das Theaterensemble

„Nico and the Navigators” mit ihrer Installation

der Frage nach: Worüber wundert sich

die Welt heute?

KK

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.francke-halle.de.

P e r F o r M A N C e

Legendär

Das WM-Spiel BrD gegen DDr von 1974

erlebte in Halle sein revival.

Europa hat das Fußballfieber gepackt. Passend

zur Fußball-Europameisterschaft ließ

das „Theater der Welt 2008” das einmalige

deutsch-deutsche Länderspiel vom 22. Juni

1974 auf den Tag genau 34 Jahre später im

Halleschen Kurt-Wabbel-Stadion wieder

lebendig werden. Damals gelang der Nationalmannschaft

der DDR das unfassbare 1:0

gegen ihre deutschen Kontrahenten aus der

BRD.

Vor rund 2.000 Zuschauern, dem

Torschützen von '74 und dem West-Kommentator

Heribert Fassbender schlüpfte der

Schweizer Performancekünstler Massimo

Furlan in die Rolle des damaligen DDR-

Nationalspielers Jürgen Sparwasser, der

in der 78. Minute das entscheidende Tor

schoss. Furlan rannte als Sparwasser-Kopie

im blauen Trikot mit der legendären Nummer

14 als einziger Spieler 90 Minuten lang

über das Grün. Über kleine Transistorradios,

welche die beiden historischen Kommentare

abspielten, den Solokünstler und die Phantasie

der Fußballfans wiederholten sich so die

geschichtsträchtigen Szenen.

KK

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet

unter www.theaterderwelt.de.


F o T o g r A F I e

Quadratisch, praktisch, gut

Arno Fischer zeigt in der Stiftung Moritzburg Halle Unikate der als laienhaft verschrienen

Polaroid-Formate – aber: ein Mythos geht zu ende.

„Erst einmal haben wir die Puppenposen

abgeschafft.“ Das gesteht Arno Fischer,

wenn man ihn auf seine Zeit bei der DDR-

Modezeitschrift Sibylle anspricht. Gleich

seine erste Serie für die Sibylle wurde 1962

ein durchschlagender Erfolg. Er hatte die

Modekollektion von Design-Studentinnen

der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, an

der er Fotografie unterrichtete, fotografiert –

vor Alltagsmotiven aus der DDR-Hauptstadt.

Selbst ein Gasometer war da zu sehen, groß

und dominierend, nicht etwa klein im Hintergrund

versteckt. Er und seine Kollegen

hätten versucht, Kleidung nicht bloß abzubilden,

sondern Modefotografien im Reportagestil

oder als Porträts zu schaffen. Über

zwanzig Jahre lang blieb er der Sibylle treu

und schuf perfekt komponierte Schwarzweißbilder,

in denen Mode, Model und Hintergrund

eine ästhetische Einheit bilden. Mit

diesen Aufnahmen und nicht zuletzt jenen,

die im „Magazin“ erschienen, wurde er nicht

nur zu einem der erfolgreichsten, sondern

auch populärsten Fotografen der DDR.

Mitteldeutschland war der Berliner

verbunden durch seine Lehrtätigkeit an der

Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

seit 1972, die dort in eine Professur für

künstlerische Fotografie von 1985 bis 1993

mündete. Einen Lehrauftrag für Bildjournalismus

erfüllte er von 1990 bis 2000 an der

Fachhochschule Dortmund.

Umso verblüffter dürften es die Fotografiefans

aufgenommen haben, dass Arno

Fischer auch mit der Polaroidkamera gearbeitet

hat. Dabei befindet er sich allerdings

in bester Gesellschaft. Denn auch Helmut

Newton, Gisèle Freund, Robert Mapplethorpe,

Richard Hamilton, Roy Lichtenstein,

David Hockney und Andy Warhol nutzten

die Authentizität und das schnelle Ergebnis

für ihr Schaffen. Arno Fischer setzte die

legendäre SX 70 für seine Garten-Bilder ein.

Ohne ein langwieriges weiteres Verfahren

lag ein unikates Ergebnis vor. Zu Triptychen

angeordnet, zeigt sie die Moritzburg Halle ab

20. Juli. Nachdem Polaroid im Februar dieses

Jahres verkündet hat, dass aufgrund sinkender

Nachfrage die Produktion der Schnellbildkamera

und des dazugehörigen Materials

nach 60 Jahren eingestellt wird, auch ein

Gedenken am Ende eines Mythos. Sig

Weitere Informationen hierzu finden Sie im Internet unter www.kunstmuseum-moritzburg.de.

regjo LeIPZIg/HALLe MagaziN 71

eigentum verpflichtet

Nach 46 jahren ist der Besitz zahlreicher

bedeutender Bücher der Leipziger

Universitätsbibliothek wieder juristisch

geklärt. Die Stadt Leipzig, bisheriger

eigentümer der einzigartigen Schriftwerke

im Millionenwert, hat am 19. juni

sowohl den Verbleib in der Bibliothek,

als auch ihre Pflege vertraglich fixiert.

Die Übergabe der Sammlung, die 1.700

abendländische und orientalische Handschriften,

650 Wiegendrucke mit einem

erscheinungsjahr vor 1501 sowie 2.100

Drucke, die vor 1800 veröffentlicht wurden,

beinhaltet, war ursprünglich nur per

Handschlag vereinbart worden. Zu ihnen

zählen das evangeliar der reichenau

aus dem zehnten jahrhundert, eine der

ersten zehn Ausgaben der deutschsprachigen

Bibel von 1483 sowie ein einmaliger

Stammbucheintrag des Leipziger

Malers Max Klinger aus dem jahr 1872.

(Infos: www.ub.uni-leipzig.de)

trockenschwimmen

Das Stadtbad galt bis zu seiner Schließung

2004 als juwel Leipziger Hallenbäder.

Der 1916 fertiggestellte Bau

verfügt neben zwei Schwimmhallen über

Wannen- und Sitzbäder sowie Saunen.

Herzstück der Badeanstalt ist nach wie

vor die im maurischen Stil errichtete

Damensauna, die heute unter Denkmalschutz

steht. Am 13. Mai 2008 wurde auf

Initiative der „Förderstiftung Leipziger

Stadtbad“ das gebäude teilweise wieder

der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Ab sofort stehen die repräsentative

empfangshalle sowie die prächtigen

ruheräume der Saunen zur Vermietung

und können bei der Förderstiftung

Leipziger Stadtbad gebucht werden“,

erklärte Stiftungsdirektor Dirk Thärichen.

Die Mieteinahmen sind für die Sanierung

vorgesehen.

(Infos: www.herz-leipzig.de) Bildnachweis: IMg Sachsen-Anhalt; Archiv der Franckeschen Stiftungen zu Halle,/© Klaus e. göltz; Theater der Welt 2008/© Falk Wenzel; Stiftung Moritzburg; Förderstiftung Leipziger Stadtbad


„Amerika“ als Neuanfang

Die Werkleitz Biennale wird zum Festival und setzt sich mit den Einflüssen des Landes der unbegrenzten

Möglichkeiten auf Deutschland auseinander – aus ost- wie westdeutscher Perspektive.

Text: Susanne Schulze Fotografie: Tom Schulze; Daniel Herrmann

„Die ersten Tage eines Europäers in Amerika seien ja einer Geburt vergleichbar“,

schrieb Kafka in seinem unvollendet gebliebenen Roman

„Amerika“. „Und wenn man sich hier auch (...) rascher eingewöhne,

als wenn man vom Jenseits in die menschliche Welt eintrete, so

müsse man sich vor Augen halten, daß das erste Urteil immer auf

schwachen Füßen stehe und daß man sich dadurch nicht vielleicht

alle künftigen Urteile, mit deren Hilfe man ja hier sein Leben weiterführen

wolle, in Unordnung bringen lassen dürfe.“ Woher einer,

der die Prager Stadtgrenzen so gut wie nie in seinem Leben verlassen

hat, dieses Gespür für ein Land – denn schon Kafka verwendete

„Die Biennale war schon etwas Besonderes – aber einige hielten uns für

linke Spinner.“ (Marcel Schwierin)

politisch unkorrekt Amerika als Synonym für die USA – entwickeln

konnte und vor allem wollte, dringt als undeutliches, diffuses Gefühl

in die Jetztzeit herüber. Das gelobte oder verfluchte Land hat schon

immer polarisiert.

In den letzten Jahren, unter der Bush-Regentschaft, habe sich

zudem ein „erschreckender“ Anti-Amerikanismus etabliert, der selbst

vor „reflektierten Intellektuellen“ nicht halt machte und für Marcel

Schwierin, Kurator und Filmemacher, den Anstoß gab, tiefer in die

Thematik einzusteigen und ihr eine ganze Werkleitz Biennale, das

bisher größte Medienkunstfestival in den neuen Bundesländern, zu

widmen. Ein Unterfangen, das in mehrerlei Hinsicht für Diskussions-

stoff sorgte, da die Biennale aus finanziellen Gründen in ein Festival

umgemünzt werden musste. Eine Tatsache, die nicht nur die Arbeit

der Werkleitz Gesellschaft in Frage stellte, sondern auch wieder einmal

das Arbeiten im Kunstkontext überhaupt.

Als gemeinnütziger Verein zur Förderung und Realisierung von

Film-, Kunst- und Medienprojekten auf dem Lande, zwischen Halle

und Magdeburg, in dem Örtchen Tornitz/Werkleitz 1993 gegründet,

entwickelte sich die Werkleitz Gesellschaft e.V. im Laufe der Jahre

von einem anfangs belächelten alternativen Dorfprojekt zu einem

international bekannten Anlaufpunkt für an sperriger und politischer

Gegenwartskunst Interessierte. Seit 1996 wird sie vom Kultusministerium

des Landes Sachsen-Anhalt als Zentrum für künstlerische

Bildmedien institutionell gefördert. Als solches unterstützt Werkleitz

Künstler mit Stipendien und Produktionsmöglichkeiten bei der

Entwicklung ihrer Projekte und bietet Workshops in den Bereichen

Kamera, Postproduktion und digitaler Bildbearbeitung sowie zu

film- und medientheoretischen Themen an. 1993 wurde erstmals

eine Biennale als internationales Forum für Medien und Kunst ins

Leben gerufen. Die Veranstalter sorgten mit Themen wie der Darstellung

und Verknüpfung von medial generierten Bildern und deren

Übertragung in andere Medien (Cluster Images, 1996), dem Begriff

Arbeit und seiner gesellschaftlichen Bewertung (real[work], 2000),

Ursachenerforschung in Belangen sozialer Ausgrenzung (Zugewinngemeinschaft,

2002) und der Untersuchung von gesellschaftlichen

Konsequenzen, die der Privatisierung von geistigem Eigentum inne-


wohnen (Common Property, 2004) für eine

vielschichtige Auseinandersetzung mit aktuellen

kulturpolitischen Fragen. 2004 zogen

die Werkleitzer nach Halle um. Ein Schritt,

der auf der einen Seite politisch begrüßt

wurde, da Halle als Medienzentrum effektiver

erschien, auf der anderen Seite aber den

Verlust des Alleinstellungsmerkmals einer

ländlichen Kunstinitiative dieses Ausmaßes

bedeutete.

Eine weitere grundlegende Veränderung

betrifft die Fördersituation: Hatte die

Biennale früher eine relativ solide Sockelfinanzierung

durch Zuwendungen von der

Stiftung Kunstfonds, der kulturellen Filmförderung

und der Lotto-Toto-Stiftung, so

kämpft sie nun ums Überleben. 20.000 Euro

sind von der Mitteldeutschen Medienförderung

bewilligt, 15.000 vom Land Sachsen-

Anhalt, 30.000 fließen aus der Lotto-Toto-

Stiftung ein und maximal 10.000 von der

Kunststiftung Sachsen-Anhalt. Zusammen

mit den Geldern einiger privater Förderer

und Sponsoren käme man so auf höchstens

80.000 Euro. Als Finanzierungssumme

„eindeutig zu wenig, um den Stadtraum zu

bespielen“, was ja eigentlich der Sinn einer

Biennale sei, so Schwierin.

200.000 Euro seien dagegen das Minimum,

um eine „gewisse Planungssicherheit

zu haben“. Die Gründe für die Schwierigkeiten

bei der Mittelbeschaffung sieht der

Kurator neben einer „spürbaren Verarmung

„Man kann nur einmal alle seine Freunde bis auf

das Blut ausbeuten.“ (Marcel Schwierin)

der öffentlichen Hand“ auch darin, dass es

noch nie einfach gewesen sei, „wirklich zeitgenössische

Kunst außerhalb der Metropolen

publikumswirksam zu etablieren“, vor allem,

wenn sie nicht einfach rezipierbar sei. So war

die Werkleitz Biennale seit jeher international

beachteter als in der eigenen Region. Vor

allem die eingeladenen Künstler schätzten

sie als Möglichkeit für einen intensiven Austausch

und fühlten sich gut betreut, meint

Schwierin.

Der Beschluss, in diesem Jahr mit einem

deutlich kleineren Werkleitz Festival weiter-

regjo LeIPZIg/HALLe Kultur 73

Amerika versus Halle

Das Kuratoren-Team des Werkleitz

Festivals, Marcel Schwierin und Daniel

Herrmann, will Amerika wieder salonfähig

machen, ohne mit Kritik zu sparen.

„Im Flower Power“ in Halle frönt man

indessen dem Indianerkult. Nur wer

genau da abgebildet ist, weiß die nette

Bedienung nicht. „Winnetou?“ fragt

sie unsicher und weiß gleich, dass sie

falsch liegt.


Stars and Stripes im Schrebergarten

In dieser Kleingartenanlage an der B100 weht die amerikanische Flagge genauso selbstverständlich,

wie anderswo manch einer mit einem alten Buick cruist und Hip-Hop hört. Dazu

dann noch ein paar Pommes und einen saftigen Burger – willkommen in Deutschland.

zumachen, fußt auch auf dem Gedanken, dass man keine Zugeständnisse

bei der Künstlerauswahl und -betreuung machen möchte und

außerdem nicht den Weg für „die totale Selbstausbeutung“ bereiten

wolle. Das gehe auf Dauer an die Substanz einer Organisation – auch

einer wie Werkleitz, die sich als demokratisches Gremium versteht

und aus Mitgliedern besteht, die mit viel ideellem Enthusiasmus an

ihrer Sache arbeiten.

Der neue Weg sieht ein „flexibleres Format“ vor, mit projektorientierten

Vorhaben. Man wolle so „kurzfristiger auf aktuelle Themen

reagieren“ und weiter möglichst eng mit den Künstlern zusammenarbeiten.

Das statische Modell, mit einer regelmäßig aller zwei Jahre

stattfindenden Biennale sei ein zu großer Kraftakt geworden.

Völlig neu ist die angedachte Form für die Werkleitz Gesellschaft

nicht, organisierte sie doch neben der Biennale schon immer

auch Ausstellungen, Symposien und kleinere Festivals. 2008 bis 2009

findet zum Beispiel das European Media Art Network – EMARE

Stipendienprogramm statt, das Ende 2009 in einer großen Abschlussausstellung

in Halle münden wird.

„Konstruktive Streitgespräche“ birgt jedoch das Thema „Amerika“

auch in der kuratorischen Auseinandersetzung, trifft doch mit

Marcel Schwierin als künstlerischem Leiter und Daniel Herrmann,

Co-Kurator, west- auf ostdeutschen Hintergrund. Schwierin arbeitet

dabei auch Teile seiner eigenen Biografie auf. Im Westen Deutschlands,

im linksintellektuellen Milieu aufgewachsen, sei ihm ein tie-

fer Amerikaskeptizismus „anerzogen“ worden, der bis zum Abitur

nachhaltig Wirkung zeigte. Erst die Begegnung mit amerikanischen

Intellektuellen ließ das Bild bröckeln und heute weiß der 42-Jährige

die ur-demokratischen amerikanischen Werte der freedom of speech

und einer public domain sehr zu schätzen.

Daniel Herrmann hingegen ist gebürtiger Hallenser. Für ihn

war Amerika schon immer ein positiv besetztes „Identifikationsmuster“.

Für viele Ostdeutsche bedeutete der ferne Kontinent auch den

„Ich fahre seit jahren kein Auto. Aber neulich stand ich vor einem panzerartigen

SUV und kam nicht umhin, schwer begeistert zu sein.“ (Daniel Herrmann)

Inbegriff des „Westens“ schlechthin. Alles war noch unerreichbarer,

bunter, größer und vielfältiger als im westdeutschen Nachbarland.

„Amerika ist für mich das kleine Kind, das vieles einfach ausprobiert

und von den anderen dabei ambivalent begutachtet wird“, erzählt

Herrmann, der neben seinen kuratorischen Tätigkeiten auch als

Autor, Publizist und Künstler tätig ist.

Dabei setzt er sich auch immer wieder mit seiner Heimatstadt

auseinander. Diesmal interessieren ihn die Spuren, die vor allem die

amerikanische „Dingwelt“ in Deutschland, insbesondere Halle, hinterlässt.

Workshops als künstlerische Labors werden sich im Vorfeld

des Festivals unter anderem mit der „Ikonografie Amerikas“ beschäftigen

und ihre „Aneignung und Vervollkommnung“ thematisieren.


Dabei soll ein Konvolut „Amerika-affiner

Zeichenvorräte“ in Halle angelegt werden –

wo tauchen Typografisches, Symboliken des

Lifestyles, des Konsums und Verkehrs in der

Stadt auf, die einen Amerikabezug aufweisen

und eventuell sogar noch amerikanischer als

das Original sein wollen? Außerdem wird

durch die kritisch-ironische Auseinandersetzung

mit amerikanischen „Fashion Items“

ein eigenes Merchandising für das Festival

entwickelt. Inwiefern Parka, Jeans und Sneakers

dabei Berücksichtigung finden, bleibt

der Kreativität der Workshopteilnehmer

überlassen.

Herzstück des Werkleitz Festivals bildet

ein Filmprogramm, das die vielen Facetten

des Einflusses Amerikas auf unsere Kultur,

unser Selbstverständnis und auch die Art,

wie wir Kultur, explizit Film, wahrnehmen,

diskursiv beleuchten möchte. Die Bandbreite

reicht vom Vietnamkrieg, der in den Filmen

von Jonas Mekas (Time & Fortune Vietnam

Newsreel , USA 1968) und dem Winterfilm-

Kollektiv (Winter Soldier, USA 1971) einmal

als Doku-Fiction und einmal als tatsächliches

Dokument behandelt wird, bis hin zur Auseinandersetzung

mit den DDR-Indianern, einer

Gruppe, die in ihrer Freizeit Tipis erbauten

„Kennst du diese gegend?“ „Sehr!“ „Nun? Was

ist‘s?“ „Amerika!“ (von Karl May)

und die passende Kleidung trugen und somit

in gewisser Weise ein Äquivalent zur westdeutschen

Hippie-Kultur bildeten.

Bill Meyers, 2005 verstorbener amerikanischer

Germanist, wollte in einem Videoessay

das Alltagsleben hinter dem eisernen

Vorhang zeigen und interviewte 1968 dafür

auch den damaligen Leiter des Karl May

Museums in Radebeul. In diesem Gespräch

wird deutlich, dass dieser einige Probleme

hat, seinem Gegenüber unbefangen zu

begegnen, da die Geschichte der indigenen

Völker Nordamerikas von DDR-Stellen zu

propagandistischen Zwecken gegen die USA

eingesetzt wurde. Der heute eher belächelte

„Kulturkampf“ auf der Leinwand, zwischen

regjo LeIPZIg/HALLe Kultur 75

dem ostdeutschen „Winnetou“ Gojko Mitic

und seinem westdeutschen Pendant Pierre

Brice war damals alles andere als ein Spaß.

Nur in einem war man sich einig, die Indianer

waren die Guten.

Apropos Winnetou: Sein Erfinder Karl

May reiste bekanntlich auch nur mit dem

Finger auf der Karte ins Land seiner Romanhelden.

Als Jugendlicher soll er hingegen

schon wegen Hochstapelei mit dem Gesetz in

Schwierigkeiten geraten sein, was bei seiner

blühenden Phantasie nicht wirklich überrascht.

Dafür hat er Millionen von Kindern

eine Projektionsfläche erschaffen, die bis

heute den Traum vom Wilden Westen nährt.

Eine Woche vor den US-Präsidentschaftswahlen

kann man in einem kleinen Städtchen an

der Saale sein ureigenes Amerikabild hinterfragen

und reflektieren – sind wir im Herzen

nicht alle ein bisschen Winnetou?

Weitere Informationen zum Programm und den

Workshops finden Sie unter www.werkleitz.de.


76 KaleNder regjo LeIPZIg/HALLe

8. bis 16. August:

Classic Open 2008

Die 14. Auflage des oper-Air-Festivals lädt

erneut auf den Leipziger Markt ein.

(www.leipzig.de/classic-open).

Klassik

26. und 28. juli

Johann Sebastian Bach und seine Städte

Der Chamber Choir of Ireland, das raschér Saxophon

Quartet und jürgen Wolf an der orgel spielen

Werke von johann Sebastian Bach.

17 Uhr, Leipzig, Nikolaikirche, Thomaskirche

www.mdr.de/musiksommer

5. September

doppel-eröffnung: großes concert

Zwei musikalische Highlights werden gefeiert: die

eröffnung der 228. gewandhaus-Saison und die

Mendelssohn-Festtage 2008.

20 Uhr, Leipzig, gewandhaus zu Leipzig,

www.gewandhaus.de

13. bis 21. September

38. Merseburger orgeltage

Unter dem Motto „Sachsen-glanz“ werden Dombesichtigungen

und Konzerte präsentiert.

Merseburg, Dom Merseburg,

www.merseburger-orgeltage.de

17. September

„Planetarisches eröffnungskonzert“

Die Stadt der Wissenschaft zeigt das erste Philharmonische

Konzert reihe A.

20 Uhr, jena, Volkshaus jena,

www.jena.de

4. oktober

„Parsifal“

ein Bühnenweihfestspiel von richard Wagner in

drei Akten.

16 Uhr, Dessau, Anhaltisches Theater,

www.anhaltisches-theater.de

6. September:

Pyro Games

Durch effekte mit Licht und Feuer wird die

Kulisse von Ferropolis verzaubert.

(www.pyrogames.de).

Theater & Events

11. juli bis 5. August

theatersommer giebichenstein

Die freie Theaterszene von Halle präsentiert sich

mit 30 Vorstellungen in der Saale-Stadt.

Halle, Burg giebichenstein,

www.burg-halle.de

18. juli bis 18. August

Sommerkino

Zahlreiche alte Filmklassiker, ebenso wie neue

Produktionen werden auf einer großen open-Air-

Leinwand gezeigt.

Leipzig, Moritzbastei,

www.moritzbastei.de

25. bis 28. juli

alice vs. Wunderland

eine bedingt realitätsgebundene Sommerkomödie

zwischen Irrsinn, Tiefsinn und Unsinn im rahmen

des Sommertheaters des TheaterPacks.

20 Uhr, Leipzig, Werk II,

www.werk-2.de

9. August

11. Burgtheatersommer rosslau

Die theaterBurg roßlau präsentiert das Stück

„Frauenvolksversammlung“ von Aristophanes.

Dessau-rosslau, Burg rosslau,

www.dessau.de

11. August

dschungelnacht

ein exotisches Festival der Kulturen verwandelt

den Zoo Leipzig.

17 Uhr, Leipzig, Zoo,

www.zoo-leipzig.de

Bildnachweis: Leipzig Tourismus und Marketing gmbH; Lux concerts.events. gmbH & Co. Kg; Isabella Hollauf, Kulkwitzer See (aus: oasen in Leipzig), 2006; Stadt Wurzen

17. August bis 26. oktober

„famose Virtuosen“

ein Varietéspektakel mit klassischen, präzisen

Darbietungen bis hin zum außergewöhnlichen,

visionären Vortrag.

Leipzig, Krystallpalast Varieté,

www.krystallpalast.de

27. August

„ein Sommernachtstraum“

Chaos, gestiftet von elfenhand – auch die vier

Handwerker, die heimlich für des Herzogs Hochzeit

ein Theaterstück proben, trifft es.

Leipzig, Westwerk,

www.theaterpack.de

5. bis 7. September

tag der Sachsen

Unter dem Motto „Für ein weltoffenes Sachsen“

feiert das Bundesland sein größtes Volksfest.

grimma, verschiedene Veranstaltungsorte,

www.tagdersachsen-grimma.de

6. September

„die Melankomiker“

Fragen, die die Welt nicht braucht und die trotzdem

gestellt werden müssen.

20 Uhr, Delitzsch, Schlosskeller,

www.schlosskeller-delitzsch.de

5. oktober

Premiere: „die räuber“

Das Drama um den Konflikt der Brüder Karl und

Franz neu insziniert vom Theater Altenburg.

19 Uhr, Altenburg, Landestheater Altenburg,

www.tpthueringen.de


28. Juni bis 3. August:

„Erholungsräume“

Leipzig: Die galerie für Zeitgenössische

Kunst zeigt 56 Fotografien von Isabella

Hollauf. (www.gfzk.de)

Museen & Ausstellungen

11. juli bis 19. oktober

lovis corinth und die geburt der Moderne

Die Ausstellung erlaubt anhand einer konzentrierten

und hochkarätigen Auswahl einen Überblick

über den künstlerischen Werdegang Corinths.

Leipzig, Museum der bildenden Künste,

www.mdbk.de

14. juli bis 9. August

diplomausstellung 2008

38 Diplomanden der Hochschule für grafik und

Buchkunst Leipzig präsentieren ihre Abschlussarbeiten

in verschiedenen räumen der Hochschule.

Leipzig, Hochschule für grafik und Buchkunst,

www.hgb-leipzig.de

20. juli bis 5. oktober

arno fischer. der garten

eine Austellung, die 30 jahre seines Schaffens

mit der Polaroid umfasst.

Halle, Stiftung Moritzburg,

www.kunstmuseum-moritzburg.de

26. August bis 9. November

frauen des fürsten franz von anhalt-dessau

Die Bildnisse des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau

(1740-1817).

Dessau, Museum für Stadtgeschichte,

www.stadtgeschichte.dessau.de

21. September 2008 bis 4. januar 2009

Spektakel der Macht. rituale im alten europa

objekte und Darstellungen von ritualen und symbolischen

Handlungen zwischen 800 und 1800.

Magdeburg, Kulturhistorisches Museum,

www.spektakeldermacht.de

Jazz, Rock & Pop

6. August

Katie Melua

Die Musikerin und ihre Band begeistern mit Songs

zwischen Blues, jazz, Pop, Soul und Folk.

20 Uhr, Leipzig, Arena,

www.eventim.de

9. August

Manfred Krug & Berlin Jazz orchester

Der Sänger und Schauspieler singt zusammen

mit Marc Secada begleitet von dem Berlin jazz

orchester.

20 Uhr, jena, Kulturarena

www.kulturarena.de

12. August

eric clapton

einer der besten Blues- und rockmusikgitarristen

zu gast in Leipzig.

Leipzig, Arena

www.kulturarena.de

19. September

13. Jugendmusikfest Sachsen-anhalt

Mit seinem unverwechselbaren Big Band Sound

eröffnet das jugendjazzorchester Sachsen-

Anhalt das jugendmusikfest.

19.30 Uhr, Halle, oper Halle,

www.opernhaus-halle.de

3. oktober

Helge Schneider

„Akopalüze nau!!!“ heißt das Programm des

Unterhaltungskünstlers und jazzmusikers.

20 Uhr, Magdeburg, Stadthalle Magdeburg,

www.eventim.de

Sport

regjo LeIPZIg/HALLe KaleNder 77

30. August:

Mulde-Regatta 2008

Unterwegs auf der Mulde von grimma

über Nerchau und Trebsen nach Wurzen.

(www.mulde-regatta.de)

26. juli

Weißenfelser Sportfest

Mit NSB Streetsoccer Cup, dem Weißenfelser

Paarlauf und dem UHC open Air Turnier.

10 Uhr, Weißenfels, Markt,

ww.weissenfels.de

26. juli

21. internationale thüringenrundfahrt

rundfahrt der Frauen um Schmölln mit Start und

Ziel am Markt.

Schmölln, Markt,

www.schmoelln.de

22. bis 24. August

Meisterschaft im Kanuslalom

etwa 150 aktive Teilnehmer kämpfen in den

Kajak- und Canadierdisziplinen bei der deutschen

jugend- und juniorenmeisterschaft.

Markkleeberg, Kanupark Markkleeberg,

www.kanu.de

7. September

7. Mitteldeutscher Marathon

entdecken Sie bei einer Schnupperrunde, beim

10-km-Lauf oder beim Halbmarathon die Stadt

an der Saale.

Halle, Marktplatz,

www.halle.de

14. September

10. internationaler dessauer city-lauf

Fünf verschiedene Disziplinen mit Start und Ziel

am Fürst-Leopold-Carrè.

Dessau, Fürst-Leopold-Carré

www.davengo.com


HEFT 9

Lovis und die Geburt der Moderne

Corinth

s

Ostdeutsche Sparkassenstiftung

gemeinsam mit

der Sparkasse Leipzig

Förderer des

Museums der

bildenden

Künste Leipzig

e. V.

kunststoff

DAS KULTURMAGAZIN FÜR MITTELDEUTSCHLAND

informiert, unterhält, inspiriert

und kommentiert

THEATER

LITERATUR

KUNST

MUSIK

LEBENSKULTUR

Plöttner Verlag Leipzig GbR

Marbachstraße 2a

Telefon 03 41. 5 61 08 72

Telefax 03 41. 5 90 38 59

www.ploettner-verlag.de

4,00 EURO.

zweimonatlich

kultur

www.kunststoff-kulturmagazin.de

11. Juli – 19. Oktober 2008

Katharinenstraße 10, 04109 Leipzig

www.mdbk.de

Di und Do bis So 10 –18 Uhr

Mi 12–20 Uhr. An Feiertagen 10 –18 Uhr


20. bis 23. August:

GC-Business-Center

Messe Leipzig: Der Fachkongress zur

games Convention 2008.

(www.gc-germany.com)

Kongresse und Tagungen

25. bis 27. juli

iaMo forum 2008

Weltagrarmärkte, Bioenergie und Agrarpolitik im

Mittelpunkt der vom Leibniz-Institut veranstalteten

Konferenz.

Halle, Leibniz-Institut,

www.iamo.de

31. August bis 4. September

Symposium Pflanzen-Viren

Pflanzen-Viren mit pilzlichen Vektoren unter Fragestellungen

der Viruserkennung und epidemiologie.

Quedlinburg, julius Kühn-Institut,

www.iwgpvfv2008.bafz.de

11. bis 12. September

8. Kongress zur geschichte der Pflege

Thema: Alltag in der Pflege – Wie mach(t)en sich

Pflegende bemerkbar?

jena, Hotel Steigenberger esplanade,

www.thueringer-pflegetag.de

15. bis 19. September

european ecological congress

Internationaler Kongress zum Thema Artenvielfalt

im ökologischen Kontext.

Leipzig, Congress-Center,

www.eureco-gfoe2008.ufz.de

16. bis 18. September

78. deutscher archivtag 2008

rahmenthema: Bestandserhaltung analoger und

digitaler Unterlagen.

erfurt, Messe erfurt,

www.archivtag.de

Bildnachweis: www.gc-germany.de; MVgM gmbH

23. bis 25. September

dSag-Jahreskongress 2008

Die Deutschsprachige SAP Anwendergruppe e.V.

lädt unter dem Motto „SAP erP 6.0: der nächste

Schritt“ nach Leipzig ein.

Leipzig, Congress-Center,

www.dsag.de

24. September

13. taSiMa

Tagung der Siedlungsabfallwirtschaft Magdeburg:

Abfall als Stoff- und energieressource.

Magdeburg, Hotel ratswaage,

www.uni-magdeburg.de

24. September

Polymerwerkstoffe 2008

Tagung zu Synthese, Modifizierung und Verarbeitung

von Polymerstoffen und Nanomaterialien.

Halle, Martin-Luther-Universität,

www.physik.uni-halle.de

25. September

13. Städtekonferenz

Forum zur internationalen Bauaustellung „Stadtumbau

Sachsen-Anhalt 2010“.

Dessau, Bauhaus Dessau,

www.bauhaus-dessau.de

1. oktober

unternehmertag 2008

4. Unternehmertag des Bundesverbandes der

mittelständischen Wirtschaft für Unternehmen

aus Mitteldeutschland.

Leipzig, Congress Center,

www.mittelstaendischer-unternehmertag.de

Messen

regjo LeIPZIg/HALLe KaleNder 79

5. bis 7. September:

Air 2008 Magdeburg

Messe Magdeburg: Internationale Messe

für Luftsport und Luftfahrt mit spektakulären

Flugshows. (www.mvgm.de)

20. bis 24. August

games convention

europas bekannteste Computerspielemesse

zum letzten Mal in Leipzig.

Leipzig, neues Messegelände,

www.messe-leipzig.de

6. und 7. September

die chemnitzer oldtimer-Messe

ein Teilemarkt für Veteranenfahrzeuge, oldtimer

und alles, was mit dem Hobby „oldtimer“ zu

tun hat.

Chemnitz, Messe Chemnitz,

www.messe-chemnitz.de

12. bis 14. September

Haus + technik

jährliche Messe für Bau- und Modernisierungsmaßnahmen.

erfurt, Messe erfurt,

www.messe-hausundtechnik.de

26. bis 28. September

ecovita

Verschiedene Naturwarenversandhäuser präsentieren

sich gemeinsam bei dieser kostenfreien

Messe.

Halle, Messe Halle,

www.halle-messe.de

26. und 27. juli

floristik trend

Trends und Fertigkeiten im Bereich Straußbinden

und -gestaltung.

Chemnitz, Messe Chemnitz,

www.messe-chemnitz.de


Digitalisieren Sie Ihr Archiv mit HP – platzsparend

und rechtskonform. Ob Papierdokumente oder

E-Mails – mit unserer digitalen Archivierungslösung

sparen Sie nicht nur Platz, sondern auch Zeit.

Fragen Sie Ihren HP Preferred Partner –

er berät Sie gern.

©2008 Hewlett-Packard Company, L.P. Alle Rechte vorbehalten. Beste Beratung durch HP Preferred Partner exklusiv für Geschäftskunden.

wichmann@mittelstand-hp.de

hp.com/de/mittelstand


Standort im Dreiklang

regjo LeIPZIg/HALLe KoluMNe 81

Für die entwicklung und Vermarktung eines Wirtschaftsstandortes sind Cluster wichtige Faktoren. Aber

nicht die einzigen.

Verfügen eine Stadt oder eine Region

über Cluster, sind die Menschen dort

wohlhabender als in Gebieten ohne

Cluster. Diese Erkenntnis hat dazu

geführt, dass sich in den letzten 20

Jahren der Clusteransatz zu dem

heute führenden Konzept der regionalen

Wirtschaftspolitik durchgesetzt

hat. Dem guten Willen stehen jedoch

häufig Unkenntnis und Aktionismus

entgegen.

„Alter Wein in neuen Schläuchen“,

hieß es zunächst, als der renommierte

Harvard-Professor Michael E.

Porter die oben erwähnte These Ende

1990 formulierte. Schon vor hundert

Jahren habe man gewusst, dass

Unternehmen Kosten sparen, wenn

sie nahe beieinander liegen. Porters

Cluster-Begriff geht jedoch weiter. Er

bezeichnet die räumliche Konzentration

von Unternehmen oder Betrieben

und auch Begleitinstitutionen

wie Hochschulen oder Verbänden, die

allesamt Wertschöpfungsketten bilden

und Austauschbeziehungen pflegen. So

kann ein Textilunternehmen zu einem

Automotive-Cluster zählen, wenn es

Sitzbezüge herstellt.

Der positive Effekt eines Clusters

ist schnell erläutert: Aufgrund der Konzentration

qualifizierter Arbeitskräfte,

dem Vorhandensein einer speziellen

Infrastruktur und den entstehenden

Lerneffekten bei allen Beteiligten tragen

Cluster dazu bei, dass Unternehmen

ihre Erträge steigern und ihre Produkte

ständig verbessern können. Davon profitieren

die Mitarbeiter durch höhere

Löhne und davon wiederum die Region

durch höhere Kaufkraft. Verwaltungsgrenzen

gibt es dabei keine, denn Wirtschaft

und Wissenschaft arbeiten dort

zusammen, wo es effektiv ist.

In Deutschland hat nicht zuletzt

die Wiedervereinigung für den erfolgreichen

Einzug des Clusteransatzes

in die Regionalentwicklung gesorgt,

Bildnachweis: Uwe Frauendorf

Klaus Wurpts

ist geschäftsführer der Wirtschaftsinitiative

für Mitteldeutschland. Darin engagieren

sich strukturbestimmende Unternehmen

sowie Kammern und Städte aus Sachsen,

Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem

gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen

entwicklung und Vermarktung der Wirtschaftsregion

Mitteldeutschland.

(www.mitteldeutschland.com)

da ein erfolgreiches Konzept für den

„Aufbau Ost“ gesucht wurde. An dieser

Stelle spielt auch die Wirtschaftsinitiative

für Mitteldeutschland eine

wichtige Rolle, da sie sich seit 2003 für

einen solchen Ansatz („Stärken stärken“)

eingesetzt hat und ihn selbst –

bis heute – unterstützt. Inzwischen

tragen bundesweit „Clustermanager“

in verschiedenen Organisationen dazu

bei, dass der notwendige Austausch

zwischen den Unternehmen zustande

kommt. Wobei jedoch allzu selten die

tatsächlichen Verflechtungen, sondern

eher die Verwaltungsgrenzen die Größe

der Cluster bestimmen, was wiederum

zu einer völlig unproduktiven Konkur-

renz der Förderer führt.

Diese Konkurrenz ist auch deshalb

nachteilig, da Cluster im Prozess der

Globalisierung an Bedeutung gewinnen.

Gerade in den für Deutschland

wichtigen Hochtechnologie-Bereichen

spielt die Infrastruktur der Forschungs-

und Ausbildungskapazitäten und das

damit verbundene Innovations- und

Fachkräftepotenzial für Unternehmensansiedlungen

die entscheidende

Rolle. Ein gut funktionierendes Cluster

ist ein Anziehungspunkt für Investoren

und somit auch ein regionaler Entwicklungsmotor.

Cluster können nicht künstlich

geschaffen werden. Man kann und sollte

aber ihre Entwicklung fördern, wie das

in Mitteldeutschland derzeit im Bereich

der Solarenergie bzw. der Erneuerbaren

Energien der Fall ist. Dafür bedarf es

eines attraktiven Umfelds für „Talente“

und Unternehmer.

Unter „Talenten“ sind die „innovativen

Köpfe“ zu verstehen. Die besten

Leute suchen sich ihren Arbeitsort

immer häufiger nach der Qualität

des Lebensumfeldes aus. Schon längst

zahlen viele ostdeutsche Unternehmen

„Westlöhne“, um solche „Talente“ zu

gewinnen. In anderen Bereichen – wie

Toleranz, Offenheit oder Internationalität

– ist jedoch mancherorts noch

Einiges zu leisten, um auch künftig

ein attraktiver Standort für „Talente“

zu sein.

Um die Voraussetzungen für Fachkräfte

und Unternehmen zu schaffen,

bedarf es einer strategischen und gezielten

Förderpolitik, gesetzlicher Standards

und der Weiterentwicklung der

Infrastruktur. Allein dieser Dreiklang

aus Clusterstrukturen, Standortattraktivität

für Talente und optimalem

Unternehmensumfeld ermöglicht es

Städten und Regionen, im 21. Jahrhundert

weiterhin Wohlstand aufbauen zu

können.


82 Kultur & geSellScHaft regjo LeIPZIg/HALLe

Wussten Sie, ...

Denkwürdiges, Sonderbares und Wissenswertes aus der region – von alt eingesessenen,

jungen Wilden, virtuellem glauben und Dinos aus Kühltruhen.

... dass das Sodawerk Staßfurt das älteste

noch produzierende chemiewerk in Sach-

sen-anhalt ist?

Vor 125 Jahren wurde in Staßfurt die Sodaproduktion

nach dem Ammoniak-Soda-Verfahren

begonnen. Voraussetzung waren die lokalen

Steinsalz- und Kalksteinvorkommen. 1888

wurde eine planmäßige Kapazität von zehn

Tonnen kalziniertem Soda pro Tag erreicht.

Das Sodawerk Staßfurt gehört seit Ende vorigen

Jahres zur polnischen Ciech Gruppe, dem

zweitgrößten Sodahersteller in Europa

... dass der eM 2008 torhüter rené adler

aus leipzig stammt?

Der heute 23-Jährige spielte als kleiner Junge,

wie schon sein Vater und Bruder, für seinen

Heimatverein SV Liebertwolkwitz. Seine Fußballkarriere

begann er beim VfB Leipzig und

wechselte mit 15 Jahren zu Bayer Leverkusen,

wo er zunächst in der Jugendmannschaft und

ab 2002 in der Regionalmannschaft spielte.

Seit 2003 ist Adler in der Bundesliga. Bisheriger

Höhepunkt seiner Torhüter-Karriere war

die Nominierung zur Fußball EM 2008.

... dass die älteste handschriftliche Bibel

der Welt in leipzig digitalisiert wurde?

Die Universitätsbibliothek Leipzig ist im Besitz

von 43 Blättern des sogenannten Codex Sinaiticus,

dem ältesten Bibelmanuskript der Welt.

In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit

der British Library, der Russischen Nationalbibliothek

und dem Katharinenkloster auf dem

Sinai sollen alle Teile und Fragmente virtuell

zusammengeführt und im Sommer 2008

im Internet digitalisiert und transkribiert der

Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

... dass der erfinder vom beliebten „urmel

aus dem eis“ aus Bad Kösen stammt?

Max Kruse schuf 1969 die Figur des Urmels

aus dem Eis – inspiriert von seiner nagelneuen

Kühltruhe. Elf Bände mit verschiedenen

Geschichten über Urmel erfreuen seither

viele Kinderherzen. Max Kruse wurde 1921

als Sohn der weltberühmten Puppenmutter

Käthe Kruse und des Bildhauers Carl Max

Kruse in Bad Kösen geboren. „Urmel aus dem

Eis“ wurde 1969 von der Augsburger Puppenkiste

inszeniert und 2005 verfilmt.

Bildnachweis: Sodawerk Staßfurt gmbH und Co. Kg; Bayer 04 Leverkusen Fußball gmbH, KSmediaNeT; Universitätsbibliothek Leipzig; Thienemann

Verlag gmbH

impressum:

4. jahrgang, Ausgabe 13

ISSN 1614-2837

Herausgeber

regjo – Agentur für regionales Marketing gmbH

Delitzscher Straße 68

04129 Leipzig

Telefon 0341/903221

Telefax 0341/903223

e-Mail info@regjo-leipzig.de

Web www.regjo-leipzig.de

regjo ist eine eingetragene Marke (39867052) der

regjo − Verlag für regionales Marketing gmbH.

chefredaktion

Kai Bieler (k.bieler@regjo-leipzig.de)

(V.i.S.d.P.)

redaktionsmanagement

AB-Creativ - Agentur für Text und Bild gbr

Stallbaumstraße 11, 04155 Leipzig

Telefon 0341/59166-09/-10, Fax 0341/4624308

e-Mail post@abcreativ.de, www.abcreativ.de

autoren

Nadine jukschat, Sigrid gaulrapp, regine Aselmann,

jessica Schöberlein, Thomas Magosch,

Susanne Schulz, eva Badenschier, Maximilliam

grimm, Katharina Kunath

autoren – Verlagssonderveröffentlichung

regine Aselmann, Sigrid gaulrapp, Dr. Markus Folgner,

Ute Bachmann, Steffi emde

fotografie

Axel Berger, Dietmar Fischer, Tom Schulze, Dietmar

Tondar, Carmen j. Hoffmann, Christian Hülle,

Fabian Heublein

art direction & layout

Astrid Stieler (layout@abcreativ.de)

leitung Vertrieb & Marketing

jörg Maasch (j.maasch@regjo-leipzig.de)

anzeigen

Steffi emde, Philipp Thorwirth, Annette Köchling,

Hilke Dierkes

Vertriebsassistenz

Annette Köchling (a.koechling@regjo-leipzig.de)

geschäftsführung

Claus-Peter Paulus (cp.paulus@regjo-leipzig.de)

lektorat

André Hille

druck

Druckerei Vetters gmbH & Co. Kg

www.druckerei-vetters.de

erscheinungsweise

viermal im jahr

Bezugsbedingungen

Abonnement 16,- eUr inkl. Mehrwertsteuer

und zzgl. Zustellgebühr für vier Ausgaben.

einzelpreis 4,- eUr.

Kooperationspartner des regJo:

Kommunale Partner des regJo:

Mitgliedschaften:

mitte | deutschland

LEIPZIG ı MAGDEBURG ı HALLE ı JENA ı DESSAU


endico

Contracting

Teamgeist, der voranbringt.

Erfolg ist eine Frage des Energieeinsatzes.

Um wirtschaftlich zu arbeiten, müssen Ressourcen

gezielter eingesetzt werden. Mit

den individuellen Contracting-Lösungen

der Stadtwerke Leipzig, einem der erfolgreichsten

unabhängigen Energiedienst-

www.endico.de

leister Deutschlands, nutzen Sie Ihre Energie

effizienter als bisher und können so

mehr Power für das wirklich Wichtige freisetzen

– Ihre Ziele.

Mehr Informationen unter: 0341 121-6418 oder endico@swl.de


Ein Tag kann

viel verändern.

Auch Ihre Meinung über den Unternehmensstandort Sachsen-Anhalt.

Standortservice

für Investoren

www.investieren-in-sachsen-anhalt.de

Seit 2000 wurden mit Hilfe der EU-Strukturfonds 61.000 Projekte in

Sachsen-Anhalt gefördert. Dadurch wurden rund 24.000 Arbeitsplätze

geschaffen und weitere 78.400 Arbeitsplätze gesichert.

Investoren erhalten in Sachsen-Anhalt

in nur 24 Stunden ein Standortangebot.

Wer hier investiert, fi ndet eine moderne

Infrastruktur, hoch qualifi zierte und

motivierte Fachkräfte sowie zahlreiche

Fördermöglichkeiten vor. Investoren

schnellstmöglich und fl exibel zu betreuen,

ist unser Ehrgeiz. Der Erfolg gibt uns

recht: Mittlerweile ist Sachsen-Anhalt

das dynamischste neue Bundesland.

DIESES PROJEKT WIRD DURCH

DIE EUROPÄISCHE UNION KOFINANZIERT.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine