Gemeindebrief Dezember 2017

cweber16

12

Die Advents­ und Weihnachtszeit

Brauchtum und volkskundliche Überlieferungen in unserer

Gemeinde (2)

Christbaum auf dem Marktplatz

Untermünkheim

Ouklopferle‘ und die Kinder wussten

von den Vorjahren, dass es an

diesem Termin immer die meisten

und besten ‚Brödle‘ gab: Anisbrödle,

Spitzbüble und auch einmal Bärentatzen.

Man erinnerte sich genau,

vor welchem Haus man besonders

schön singen musste. Der Sprechgesang

„Ouklopfe hämmerle, Broat

leit im Kämmerle, Messer leit

danewe, kousch mer ebbes gewe,

Äpfel raus, Biere raus, sonscht geh

mr ins andre Haus, ander Haus isch

gschlosse, hat mi reecht verdrosse‘

war um 1900 verbreitet. Der Inhalt

der Verse zeigt deutlich, dass das

Anklopferle ursprünglich die Bedeutung

einer Nahrungsspende für die

armen Dorfbewohner in der Vorweihnachtszeit

hatte.

Anklopferle

An den drei letzten Donnerstagen vor

Weihnachten fand bis in die 1950er

Jahre das ‚Ouklöpferle‘ statt, und die

Kinder zogen mit Einbruch der

Dunkelheit truppweise von Haus zu

Haus. Sie machten sich an der

Haustür durch Klopfen oder das Singen

von Advents‐ und Weihnachtsliedern

bemerkbar: ‚Macht

hoch die Tür, die Tor macht weit‘, ‚Es

kommt ein Schiff geladen‘, ‚Ihr Kindderlein

kommet‘.

Als Belohnung erwartete sie dann Äpfel,

Birnen Nüsse und Ausstecherle

(Albertle), die im mitgebrachten

‚Körble ‘ oder ‚Säckle‘ verstaut wurden.

Namentlich der dritte Donnerstag

– also der unmittelbar vor dem

Weihnachtsfest ‐ war der ‚reechte

Bild: ‚Hossegaul‘ – Weihnachtsgeschenk

von 1914

Christkindle und Pelzmärte

Am 24. Dezember war von der

Straße her Schellengeläut zu hören

und alle im Haus wussten: ‚Christkindle‘

und der ‚Pelzmärte‘ sind unterwegs.

Von den Eltern in aller

Regel bestellt, polterte es bald die

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine