unternehmen Mai 2013

suedwest.presse

unternehmen Mai 2013

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 32 | Mai 2013 | 2,00 €

4 197821 302003 3 2

Die Öko-Grafen

vom Bodensee

Die Insel Mainau. Ausflugsparadies, Blumenwunder

– und Pionier in Umwelttechnik. Dafür sorgen

Bettina und Björn Bernadotte.

Finanzierung Reden ist Gold: So klappt‘s auch mit der Bank SEITE 23

Gesundheitsmanagement Mitarbeiter auf Trab SEITE 6

Dresscodes Erlaubt ist viel – außer den Bermudashorts SEITE 38


Besser. Schöner.

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1

Kraftstoffverbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 13,1–4,1/7,4–4,0/9,5–4,1 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 222–107

g/km; Effizienzklasse: E–A+. Die Angaben beziehen sich nicht auf ein einzelnes Fahrzeug und sind nicht Bestandteil des Angebots, sondern

dienen allein Vergleichszwecken zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen. Abbildungen enthalten Sonderausstattungen.


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[rubrik]

30

34

38

6

20

Liebe Leserin, Lieber Leser

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

die Energiepolitik der Bundesregierung ist –

freundlich formuliert – grob fahrlässig. Mit

ihrem unsteten Kurs schwächt Kanzlerin

Angela Merkel den Wirtschaftsstandort.

Was passiert, wenn Unternehmen Kalkulationssicherheit

fehlt, zeigt auch die Misere

der Stadtwerke Ulm (Seite 5). Der Aufschrei

der Wirtschaft fällt nur deshalb nicht lauter

aus, weil viele Betriebe nur einen geringen

Energiekostenanteil haben. Jedoch trauen

immer weniger Unternehmen der Bundesregierung

eine halbwegs reibungsfreie Energiewende

zu. Daher entstehen wie in Laupheim

Pilotprojekte (Seite 30), die Energie

preiswerter machen und die Versorgungssicherheit

erhöhen. Sie könnten die Blaupause

sein für eine Energiezukunft nach

dem Motto: so dezentral wie möglich, so

zentral wie nötig. Ich wünsche Ihnen eine

anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[verantworten]

6 Auf dass der Laden läuft Was Betriebe

für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun

[titelthema]

10 e in blühendes Geschäft Bettina Gräfin

Bernadotte und Björn Graf Bernadotte

im Gespräch

[spezial]

20 Zum Glück gibt’s kurze Wege und

Maultäschle Was Tagungen in Ulm und

Neu-Ulm attraktiv macht

36 Der blaumann war einmal

Funktionale Arbeitskleidung muss heute

auch schick sein

[finanzieren]

23 Die bank? Chefsache! Gute

Finanzkommunikation vereinfacht

die Kreditaufnahme

[führen]

28 Wie man gute Leute findet und hält

Ursula Fuggis-Hahn von

Boehringer Ingelheim gibt Auskunft

[machen]

30 Hochburg der grünen energie

Laupheim zeigt, wie dezentrale

Energieerzeugung geht

34 solar-Galaxie auf der schwäbischen

Alb Galaxy Energy GmbH im Portrait

[leben]

38 rote Karte für die bermuda-shorts

Umfrage unter Führungskräften

zu Dresscodes in Unternehmen

[namen & nachrichten]

4 Aus Ulm ins Allgäu und nach

Klein-Katar

4 Per Laser für die ewigkeit

festgehalten

5 s tadtwerke Ulm rutschen tief in die

roten Zahlen

27 Abschied von sympathischem Pionier

42 Transport über den Las Vegas

boulevard

42 Impressum

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Aus Ulm ins Allgäu und nach Klein-Katar

Was verbindet das weltweit größte

Fendt-Traktorenwerk im Allgäu

und die Rieseninvestition des

High-Tech-Konzerns Carl Zeiss

auf der Ostalb? Was haben die Erweiterung

der Zeiss-Halbleiter-

Sparte, das neue Medizintechnikgebäude

und ein Parkhaus mit

1000 Stellplätzen gemeinsam? An

all diesen Baustellen war Nething

Generalplaner Ulm/Neu-Ulm

GmbH (NGP) für Ar chitektur, Generalplanung

und Bauleitung verantwortlich

Für den weltweit drittgrößten

Landmaschinenhersteller AGCO

baute NGP zuletzt drei riesige

Hallen-Komplexe, zwei in Marktoberdorf,

eine in Bäumenheim.

Insgesamt investierte der US-Konzern

300 Millionen Dollar an. Das

Fendt-Werk in Marktoberdorf, in

dem 2880 Beschäftigte arbeiten,

ist durch die Erweiterung zur

größten und modernsten Traktorenfertigung

der Welt aufgestiegen.

18.000 Schlepper sollen in

diesem Jahr produziert werden.

Das größte Traktorenwerk der Welt: die Fendt-Fertigung in Marktoberdorf (Ostallgäu).

Auch am Bau-Boom des Zeiss-

Konzerns wirkt NGP mit. Der

Konzern steckt am Stammsitz 400

Millionen Euro in Infrastruktur,

Gebäude, Produktionsanlagen

und Geschäftsausstattung. Angesichts

der vielen Baukräne hatte

Oberkochen schnell den Spitznamen

„Klein-Katar“ weg. Die

meisten Kräne sind dort jetzt verschwunden.

Vor wenigen Tagen

nahm Zeiss die Erweiterung der

Halbleiterfabrik und das neue Medizintechnikgebäude

offiziell in

Betrieb. Letzteres sei ein sehr komplexes

Bauvorhaben, bei dem

nachhaltige Lösungen eine große

Rolle gespielt haben. „Für uns war

Foto: Fendt

das eine Herausforderung“, sagt

Firmenchef Axel Nething. In dem

Gebäude sind nicht nur Fertigung

und Reinräume untergebracht,

sondern auch High-Tech-Labore,

Büros und Lagerflächen. Die NGP

erzielte 2012 mit 130 Mitarbeitern

einen Umsatz von 15 Millionen

Euro. [!]

AMB

Per Laser für die Ewigkeit festgehalten

Zoller & Fröhlich sorgt mit seiner

Lasertechnik für Schlagzeilen.

Traditionell stellt das Wangener

Familienunternehmen Steuer-,

Starkstrom- und Schwachstromanlagen

her, Maschinen für die

Kabelkonfektion und vieles

mehr. Den größten Wachstumsschub

verzeichnete die Firma, als

der damalige Juniorchef und heutige

Inhaber Christoph Fröhlich

Anfang der 90er Jahre in die bis

dato wenig verbreitete Lasertechnik

einstieg. Er hatte in seiner

Doktorarbeit eine neuartige Laserkamera

zur Steuerung von

Fahrzeugen vorgestellt. Erfolg

hatte er gleich mit seinem ersten

Lasersystem, das der Vermessung

von Tunneln diente. Heute ist

Zoller & Fröhlich weltweit tätig,

unterhält Niederlassungen in

England und den USA und beschäftigt

mehr als 200 Mitarbeiter.

Neuerdings unterstützt das

Unternehmen die Universität

von Kapstadt und konserviert digital

Kulturdenkmäler, die vom

Verfall bedroht sind. Dazu zählt

auch die Felsenstadt Petra in Jordanien,

der Witterung und Touristenströme

stark zugesetzt haben.

Lasertechnik aus Wangen

vermisst die Gebäude und liefert

Experten präzise Datengrundlagen.

So bleibt Petra zumindest

virtuell erhalten. Ein Geschäft ist

das nicht: Die Firma stellt ihr

Equipment kostenlos zur Verfügung.

[!]

MAU

Foto: Zoller & Fröhlich

Die Wangener Laser-Technik vor der Felsenstadt Petra in Jordanien.

4


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013 [namen & nachrichten]

Stadtwerke Ulm rutschen

tief in die roten Zahlen

Foto: picture alliance / dpa

Beim Holzgaskraftwerk in Senden hat die SWU Anlaufschwierigkeiten.

Der politische Zickzack-Kurs der

Bundesregierung bei der Energiewende

setzt viele Energieversorger

unter Druck. Die Stadtwerke

Ulm/Neu-Ulm (SWU) weisen

fürs Geschäftsjahr 2012 einen

Verlust von rund 15 Millionen

Euro aus. In der Folge stehen bei

dem Energieversorger alle Prozesse

auf dem Prüfstand. Im Rahmen

eines Sparprogramms wollen

die SWU fünf Prozent der

1100 Stellen abbauen, das entspricht

55 Beschäftigten. Dabei

solle es aber nicht zu Kündigungen

kommen, sagte SWU-Chef

Matthias Berz. Vielmehr soll der

Abbau über Fluktuation geschafft

werden. Die SWU besetzen

viele freiwerdende Stellen

nicht mehr. Verluste drohen bei

konventionellen Kraftwerksprojekten.

Zum einen weil Ökostrom

bei der Einspeisung ins Netz Vorrang

genießt, zum anderen weil

der Strompreis infolge der Steigerung

der Ökostromproduktion

gesunken ist. [!]

AMB.

Für Weiterbildung fehlt

Arbeitnehmern oft die Zeit

Fehlende Zeit ist einer der Hauptgründe,

warum Arbeitnehmer

keine berufliche Weiterbildung

machen. 30 Prozent derjenigen,

die nicht regelmäßig ihr Wissen

auffrischen, haben nach eigener

Aussage aufgrund von familiären

Verpflichtungen keine Zeit dafür.

Bei ebenso vielen waren die beruflichen

Verpflichtungen ein

Hindernis. Das geht aus einer

Studie des Instituts der Deutschen

Wirtschaft (IW) in Köln

hervor. Der am häufigsten genannte

Grund war jedoch, dass es

keinen beruflichen Bedarf für eine

Weiterbildung gab (40 Prozent).

Laut IW besuchten im Jahr

2010, dem Jahr der Untersuchung,

rund 42 Prozent der Arbeitnehmer

mindestens ein Seminar.

[!]

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[verantworten] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

AufdassderLadenläuft

Äpfel für alle, ein eigener Sportraum, eine Nordic-Walking-Gruppe … BetrieblichesGesundheitsmanagementist auch

für kleine und mittlere Unternehmen nicht unbezahlbar – und es lohnt sich.

zept. Darauf legt Personal- und Ausbildungsleiter

Jürgen Litz Wert: „Es geht uns nicht um

Aktionismus nach dem Gießkannenprinzip,

sondern vor allem um Nachhaltigkeit.“

Die Mitarbeiter von Beurer (oben) und Feinguss Blank kommen auch körperlich gehörig in Schwung.

Die zwei mittelständischen Unternehmen setzen seit langem auf umfassendes Gesundheitsmanagement.

Es muss was dran sein an dem Sprichwort

der Briten, das sich seit dem 19. Jahrhundert

weltweit verbreitet hat: „An apple

a day keeps the doctor away“, sagt man sich

auch bei Feinguss Blank in Riedlingen. Von

Herbst bis Frühjahr stehen in der Kantine

und an anderen Stellen des Werks Schalen

voller Äpfel – als gesunde Alternative zur

Pausenzigarette oder dem Schokoriegel. „Die

Mitarbeiter sind richtig scharf drauf“, sagt

Doris Ocker, zuständig fürs Betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM). Das gibt es bei

Blank schon seit 1999, und die Äpfel sind nur

eine winzige Facette im ganzheitlichen Kon-

KostenfAKtorKrAnKheit

Entscheidend ist die Prävention. Denn kranke

Mitarbeiter sind teuer. Wie teuer, das hat

die Studie „Vorteil Vorsorge – Die Rolle der

betrieblichen

Prävention für

die Zukunftsfähigkeit

des Wirtschaftsstandortes

Deutschland“ im

Auftrag der Felix-

Burda-Stiftung

herausgefunden.

Durch kranke Arbeitnehmer

ent-

Nur wer gesund ist, kann

länger arbeiten, sagt

Martin Heneke von der

WMF-BKK.

steht jährlich ein

volkswirtschaftlicher

Schaden von

225 Milliarden Euro.

Für die Unternehmen

belaufen sich die Produktivitätsverluste

auf 129 Milliarden Euro. Das Volumen

wäre nach Angaben der Bundesanstalt für

Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zu 30 bis

40 Prozent durch vorbeugende Maßnahmen

der Betriebe vermeidbar.

Andererseits werden auch die im Durchschnitt

älteren Belegschaften und die Zunahme

von psychischen Erkrankungen die

krankheitsbedingten Fehlzeiten der nächsten

Jahre beeinflussen, vermutet das „Ärzteblatt“.

Martin Heneke, stellvertretender Vorstand

der WMF Betriebskrankenkasse (BKK), sieht

das ebenso: „Die Menschen müssen länger

arbeiten, und das geht nur, wenn sie gesund

sind.“ Der Rücken und die Psyche seien am

häufigsten von Krankheiten betroffen. Mitarbeiterbefragungen,

Arbeitsplatzbegehungen

mit Fachleuten der Krankenkassen und Beratung

durch Physiotherapeuten sind wesentli-

6


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[verantworten]

cher Bestandteil des BGM. Seien es fehlende

Hebehilfen oder falsche Schreibtischhöhen:

„Kleine Ursachen können über die Jahre hinweg

zu großen Wirkungen führen“, sagt Heneke.

Für ihn steht fest: Die Überzeugungsarbeit

beginnt in den Chefetagen. „Wir müssen

den Vorgesetzten vermitteln, dass jemand,

der sich um seine Gesundheit kümmert, kein

Weichei ist.“

sensAtioneLLeresonAnz

Betriebliches Gesundheitsmanagement

bezieht sich auf Führungs- und Unternehmenskultur

ebenso wie auf Sicherheit am

Arbeitsplatz und die Eigenverantwortung

der Mitarbeiter. Hier können Unternehmen

aufklärend wirken und Anreize geben. Gesundheitstage

im Betrieb mit Herz-Kreislauf-

Checks, Blutzucker-, Blutfett- und anderen

Messungen sowie Fitness-Tests informieren

und sensibilisieren die Beschäftigten. „Solche

Angebote kommen gut an“, sagt Doris Ocker.

Der erste Gesundheitstag 2006 bei der Firma

Weichefaktorenhelfen,fachkräfteanzulocken

Umdiebetriebliche Gesundheitsförderung

auch bei kleinen und mittleren

Unternehmen in den Fokus zu rücken,

haben die baden-württembergischen

In dus trie- und Handelskammern eine

Inter net-Checkliste für ihre Mitgliedsbetriebe

entwickelt, teilt Simon Pflüger,

Ansprechpartner der IHK Ulm für Gesundheitswirtschaft,

mit. Unter www.

gesundheitsbewusster-betrieb.de

können sich die Unternehmen testen und

bekommen weitere Informationen, wie

sie ein wirksames Betriebliches Gesundheitsmanagement

aufbauen können.

Blank für die rund 470 Beschäftigten „war die

Sensation“, 2011 folgte der zweite. Zweimal

jährlich tagt der „Gesundheitszirkel“. Er setzt

sich zusammen aus Vertretern der Geschäftsführung,

Betriebsarzt, Betriebsrat, Sicherheitsfachkraft,

Jugendvertretern; Jürgen Litz

Außerdem existiert seit Juli 2012 mit

der DIN SPEC 91020 ein Standard zur

Zertifizierung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement.

Das fördert sowohl

die Gesundheit der Mitarbeiter als auch

das Betriebsklima und kann dazu beitragen,

Fachkräfte zu gewinnen. „Es hat

Strahlkraft nach außen“, bestätigt Litz.

In vielen Vorstellungsgesprächen fragten

Bewerber gezielt nach den Gesundheitsangeboten.

Die Aktivitäten der Firma

hätten sich herumgesprochen. „Für viele

zählen diese zu den Sozialleistungen wie

das Weihnachtsgeld.“

hib

und Doris Ocker sowie Manuel Kirsch von

der AOK Ulm-Biberach begleiten das BGM bei

Blank von Anfang an.

Die Zusammenarbeit mit Partnern wie den

Krankenkassen hält Litz für wichtig. Die Arbeitsgruppe

legt das Programm mit Kursen

Betriebliches Gesundheitssystem

wird immer wichtiger

Anzeige

Beim P 15 aktiv + fit mit Besitzer Alexander

Brender am Neu-Ulmer Petrusplatz

steht das Betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM) hoch im Kurs.

„Die Begeisterung ist unseren Mitarbeitern

immer anzumerken“, sagt Alexander Brender,

„das spiegelt sich auch bei unseren Mitgliedern

wider.“ Das hat eine jüngst durchgeführte

Mitgliederbefragung ergeben. Bei

allen Punkten, wie zum Beispiel Freundlichkeit

des Teams, Betreuung der Mitglieder

und deren Trainingserfolge, hat das P15

mit der Note eins

vor dem Komma

abgeschlossen.

„Das P15 hat einen

absoluten

Marketing-Ansatz“,

erzählt Alexander

Brender,

„wir müssen auf

einem hart umkämpften

Alexander Brender

Markt

bestehen und mit Leistung, Qualität und

Innovationen überzeugen.“

Für die Zukunft sieht Alexander Brender

für Unternehmen das Betriebliche Gesundheitsmanagement

immer mehr im

Kommen. „Klar ist doch“, sagt Alexander

Brender, „ein Unternehmen ist nur so gesund

und so leistungsfähig wie es seine

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind.“

Durch den demographischen Wandel sei es

unerlässlich, dass alle Mitarbeiter an Bord

sind und die krankheitsbedingten Fehlzeiten

minimiert werden. „Das BGM ist für uns

als Gesundheitsdienstleister deshalb ein

Schwerpunkt, für den wir uns diesbezüglich

über die IHK speziell ausgebildet haben“,

fügt Brender hinzu. Das P15 ist zertifizierter

BGM-Netzwerkpartner und bietet Fitnesstraining

und Gesundheitsdienstleistungen

an, die in die BGM-Programme integriert

werden können. Programme und Beratungen

sind beim P15 zu erhalten, Informationen

zum BGM gibt es unter www.gesundheitimbetrieb.de.

Die Plattform ist von der

deutschen Hochschule für Prävention und

Gesundheitsmanagement in Saarbrücken

entwickelt worden.

P 15 · Petrusplatz 15 · 89231 Neu-Ulm

Telefon: (0731) 76 00 6

E-Mail: info@p15.de · www.p15.de

7


[verantworten] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

zu Ernährung, Entspannung und Bewegung

fest – vom Azubi-Kochkurs bis hin zu Rückentraining

und Wako-Kickboxaerobic, dem

aktuellen Renner im Angebot. Sehr gefragt ist

mittlerweile die Nordic-Walking-Gruppe für

Männer, die aus einem Kurs hervorgegangen

ist. Hinzu kommen Vorträge etwa zu Hautund

Darmkrebs oder Burnout.

Seit 2012 gibt es auch „Monatsaktionen“: Auf

dem Programm standen beispielsweise ein

Bowlingabend, ein „After-Work-Spaziergang“

mit Fackeln im Winter sowie ein sommerlicher

Grillabend speziell für Männer, bei dem

Gesundes auf den Rost kam. „Wir wollen auch

die erreichen, die keinen Kurs machen möchten“,

sagt Doris Ocker. Schichtarbeiter für einen

Abendkurs zu begeistern, sei eher schwierig.

Außerdem trage die Geselligkeit bei

solchen Anlässen zur Gesundheit bei, ist Jürgen

Litz überzeugt.

Auch die soziale

Verantwortung

ist ein Thema. So

ruft die Geschäftsführung

zum

Blutspenden auf

und gibt zehn Euro

pro Mitarbeiter,

der sich beteiligt,

in den Sozialfonds

Doris Ocker ist für das Gesundheitsmanagement

von konnte beispiels-

der Firma. Daraus

Feinguss Blank in Riedlingen

zuständig.

für das behinderte

weise Reittraining

Kind eines Kollegen

bezahlt werden, erzählt Doris Ocker.

Mittlerweile beteilige sich jeder Beschäftigte

im Schnitt an zwei Gesundheitsaktionen im

Jahr. Erfreut ist sie, dass Angebote zur Männergesundheit

gut angenommen werden: Die

seien auch deshalb wichtig, weil die Wehrpflicht

und damit die Musterung hinfällig

sind, erklärt Heneke. Die WMF-BKK biete mit

großem Erfolg Vorträge zum Thema Hodenkrebs

mit dem ehemaligen Fußballprofi Jimmy

Hartwig an.

sobleibensiegesund–tippsfürzwischendurch

Die Nordic-Walking-Gruppe von Feinguss Blank ist aus einem Kurs hervorgegangen.

Es gibt viele einfachetricks, mit denen

sich der Mensch auch im Büro fithalten

kann.

Öfter aufstehen: Wer viel sitzt, quetscht

die Bandscheiben und atmet flach.

Wer im Büro arbeitet, sollte Gelegenheiten

schaffen, um öfter mal aufzustehen.

Zum Beispiel beim Telefonieren. Auch in

Meetings müssen die Teilnehmer nicht

immer sitzen. Hilfreich ist es, Arbeitsmaterialien

außer Reichweite zu platzieren

und mit den Kollegen nicht über Telefon

und E-Mail zu kommunizieren, sondern

ihnen einen Besuch abzustatten.

Pausen aktiv nutzen: Experten empfehlen

Spaziergänge nach dem Mittagessen

und Dehnübungen zwischendurch.

„VonnULLAUf21“

In und um Ulm herum bringt vor allem der

Einstein-Marathon Belegschaften in Bewegung.

So gingen im vergangenen Jahr 140

Mitarbeiter der Geislinger WMF beim Fünf-

Kilometer-Gesundheitslauf der Be triebs kranken

kasse an den Start. Im Kurs „Von null auf

21“ trainierten etliche Laufanfänger für die

Halbmarathonstrecke. Gemeinsames Training

weckt den Spaß an der Bewegung, „die

Gruppendynamik ist bedeutsam“, sagt Heneke.

Besonders wenn die Chefs es unterstützen,

andere überzeugen und selbst mitlaufen.

Die Erfahrung macht man auch beim Ulmer

Gesundheitsspezialisten Beurer. Die Firma

gehört zu den Hauptsponsoren des Laufs und

schickt alljährlich eine etwa 60-köpfige Gruppe

auf die Strecken. Die Mitarbeiter trainieren

in Teams, zum Beispiel in der Mittagspause

oder am Feierabend. Etwa ein Drittel der Beschäftigten

hält sich auch an Geräten im Studio

fit; Beurer sponsert die Jahresbeiträge, jeder

dritte Mitarbeiter nimmt das Angebot an.

Personalreferentin Julia Schiller ist dabei, das

Betriebliche Gesundheitsmanagement aufund

auszubauen. Beurer arbeitet dabei mit

Aufzüge meiden: Jede Bewegung zählt.

Deshalb lieber Treppen steigen als den

Fahrstuhl nutzen. Wer nicht mit dem Rad

oder zu Fuß zur Arbeit kommt, sollte das

Auto nicht direkt vor dem Werkstor parken

oder eine Bushaltestelle früher aussteigen.

Kohlenhydratarme, vitaminreiche Ernährung

in der Mittagszeit schlägt der

Müdigkeit ein Schnippchen.

Sport in der Freizeit, im Fitnessstudio

oder in der freien Natur hält fit und hilft

beim Abschalten. Am besten mit Freunden,

Kollegen, Vereinskameraden oder

dem Partner. Das motiviert.

hib

Quellen: DAK, Arbeitskreis Krankenversicherungen

der SBK-Versicherung sowie der Olympia Fitness

Group Blaustein zusammen, die mehrere

Firmen bei der Gesundheitsförderung coacht.

Für Olympia-Fitness-Geschäftsführer Georg

Hatzichristou ist es übrigens unerheblich, ob

der Betrieb groß oder klein ist. „Kleine können

ebenso viel machen wie große.“ Die Beschäftigten

bei Beurer arbeiten vorwiegend am

Schreibtisch. Also schauen sich die Physiotherapeuten

vor allem an, ob die Mitarbeiter

richtig sitzen. Sie zeigen Entspannungs- und

Dehnübungen. Mit einem neuen computergestützten

System werde die Körperstabilität

der Mitarbeiter gemessen, erklärt Julia Schiller.

Exakte Werte und Diagnostik erlaubten

eine individuelle Beratung für jeden Einzelnen.

[!]

barbara hinzpeter

8


[titelthema] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[titelthema]

Einblühendes

Geschäft

BettinaundBjörnBernadottehaben ein Familienunternehmen der ganz besonderen

Art übernommen: den Abenteuerspielplatz ihrer Kindheit – die Insel

Mainau. Ihr Geschäft lebt von der Natur. Wie schon ihre Eltern gehen die beiden

nicht nur in der Umwelttechnik immer wieder mutig neue Wege.

Wie ist es, in einem Ausflugsparadies aufzuwachsen?

Graf Björn: Als Kind war das natürlich fantastisch – und

es ist es immer noch. Für uns war die Mainau ein 45

Hektar großer Abenteuerspielplatz. Wir kannten jedes

Gebüsch persönlich und sind auch auf jeden Baum geklettert.

Manchmal zum Leidwesen der Gärtner und

unserer Eltern.

Standen Sie als Kinder sehr unter Beobachtung?

Gräfin Bettina: Natürlich sind meine vier Geschwister

und ich in dem Bewusstsein aufgewachsen, zu einer

besonderen Familie zu gehören und einen besonderen

Namen zu tragen. Das gehört zu einem dazu – und es

eröffnet einem auch Möglichkeiten. Daraus etwas zu

machen, macht sehr viel Freude.

Wie ist das heute, wenn man im Schloss auf der

Mainau wohnt?

Graf Björn: Wenn man erwachsen wird, lernt man so

langsam aber sicher wirklich die Schönheit der Insel

Mainau und deren Artenvielfalt zu schätzen. Als Kind

nimmt man vieles einfach als gegeben hin. Als mich

einmal Freunde von den Royal Botanical Gardens Kew

in England – alles Botaniker – besuchten, haben sie nur

den Kopf geschüttelt und gesagt: Du gehst in Urlaub,

wo du doch auf der Mainau wohnst?!

Wie ist das bei Ihnen?

Gräfin Bettina: Meine Familie und ich wohnen in der

Stadt, in Konstanz. Wir sind trotzdem viel auf der Insel,

auch weil die Kinder es lustig finden. Für mich ist die

Insel hauptsächlich Arbeitsalltag. Da erkennen mich die

Gäste und schildern mir ihre Eindrücke. Das ist ein

schönes Feedback und zudem geben sie mir Anregungen.

Heißt das, Marktforschung erübrigt sich?

Gräfin Bettina: Aber nein, sie ist trotzdem von großer

Bedeutung. Wir müssen wissen, wo wir stehen. Als Unternehmen

in der Freizeitwirtschaft sind wir Mitbewerber

anderer Parks, anderer Gärten und sämtlicher

Freizeiteinrichtungen. Da ist es wichtig, sich umzuschauen:

Was sind die Bedürfnisstrukturen, die Trends?

Die Mainau hatte Anfang der 1990er Jahre schon

mal 2 Millionen Besucher pro Jahr. Wären Sie mit

solchen Besucherzahlen zufriedener als jetzt mit

1,2 Millionen?

Gräfin Bettina: Nein! Wenn man ein Produkt wie die

Mainau hat, muss man auch darauf schauen, dass die

Gäste ein gutes Besuchserlebnis haben, sich auf die

Mainau einlassen können und genügend Zeit und Ruhe

haben. Das sind sicherlich nicht Tage mit 25.000 und

mehr Besuchern. Und die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse

aus diesen früheren Jahren waren nicht besser

als heute, ganz im Gegenteil.

ZurPerson

Woran lag das?

Gräfin Bettina: Das Verhalten der Besucher war anders.

Der Pro-Kopf-Umsatz war wesentlich geringer. Die Zielmarke

von 2 Millionen Besuchern pro Jahr, die manchmal

in den Raum gestellt wird, ist definitiv nicht unser

Ziel, weil wir die Qualität ganz oben anstellen. Wenn

wir die Wahl haben zwischen 2 Millionen im Jahr, die

ihr Vesper selber mitbringen, oder 1,2 Millionen, die

sich die Zeit nehmen, in der Gastronomie schön zu Mittag

zu essen oder einen Kaffee zu trinken, ist die Ent-

BettinaGräfinBernadotte

(39) kommt

öfters mit dem Rad

zur Arbeit. Ihre Hobbys

sind Kunst und

Natur. Sie studierte

Kunstgeschichte in

Madrid und Betriebswirtschaft,

Fachrichtung

Tourismus, an

der Berufsakademie

Ravensburg. Seit

2007 ist sie Geschäftsführerin

der

Mainau GmbH und

vielfältig ehrenamtlich

engagiert. Die

schwedische Staatsangehörige

ist seit

2004 verheiratet und

hat drei Kinder.

Bettina Gräfin Bernadotte und ihr Bruder Björn im Palmenhaus – davor die Orchidee „Phalaenopsis Comtesse Bettina“.

11


[titelthema] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Wenn alle in der Bodensee-

Region an einem Strang ziehen,

lässt sich auch die Saison

verlängern, erklärt Bettina

Gräfin Bernadotte.

scheidung klar. Sich noch was für die Familie mitzunehmen

oder für den Garten einzukaufen, ist auch eine

Qualität; der Gast nimmt das Naturerlebnis Mainau

mit nach Hause.

Graf Björn: Aber wenn 100.000 Besucher mehr kämen,

würden wir sie nicht wegschicken. Die dürften selbstverständlich

auf die Insel.

Ihre Besucherzahl stagniert seit ein paar Jahren.

Gräfin Bettina: Seit einigen Jahren sind die Besucherzahlen

stabil bei rund 1,2 Millionen. Man kann die Mainau

nicht losgelöst von der Bodensee-Region betrachten.

Im Moment ist hier von Mitte März bis Mitte, Ende Oktober

Saison. Die Anstrengung der Region und auch

unser erklärtes Ziel ist es, die Saison etwas zu verlängern.

Das geht dann gut, wenn mehrere Anbieter an

einem Strang ziehen, wenn Hotels sich zusammentun

mit anderen touristischen Leistungsanbietern; so entsteht

für den Gast ein stimmiges Angebot. In diesem

Zug können sich auch die Besucherzahlen der Mainau

weiterentwickeln.

Wer sind ihre klassischen Tagesgäste?

Gräfin Bettina: Unsere Hauptzielgruppen sind Familien

mit kleineren Kindern bis etwa zehn Jahren und Garteninteressierte

im Alter von 50 plus. Zwei Drittel von

ihnen verbringen ihren Urlaub in der Bodensee-Region,

ein Drittel kommt von zu Hause oder ist auf der

Durchreise. Jeder Fünfte kommt als Teilnehmer einer

Busreise. Das kann ein Tagesausflug sein oder eine Gartenreise

durch Süddeutschland oder Europa. Auch Vereine

machen ihren Ausflug zu uns.

Hat sich das Verhalten der Gäste auf der Insel verändert?

Graf Björn: Die Gäste wollen heute mehr interaktive

Angebote als vor 20 Jahren. Sie möchten sich selber

mehr einbringen und viel erleben.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Graf Björn: Wir hatten eine dreijährige Ausstellungsreihe.

Im ersten Jahr gab es bei den Exponaten viel zum

Lesen, aber wenig Interaktives. Da kam die Rückmeldung:

Das ist ja alles ganz spannend, aber man kann

nicht aktiv werden. Im zweiten Jahr haben wir angefangen,

Experimente aufzubauen. Zum Thema Gesundheit

beispielsweise gab es ein Fahrrad. Wenn man

getreten hat, baute sich ein Luftkissen auf, und man

konnte durch die Gegend geschoben werden. Gleichzeitig

wurde den Besuchern erklärt, wie das physikalisch

funktioniert, und wie wichtig es ist, sich zu bewegen.

Mit Ihrem Erlebnisprojekt sind sie ganz schön in

Vorleistung gegangen …

Graf Björn: Das hat eine lange Vorgeschichte. Schon unsere

Mutter, Sonja Gräfin Bernadotte, wollte einen

Baumwipfelpfad bauen. Es hat sich aber nie richtig ergeben.

Vor vier Jahren kam die Stadt Konstanz auf uns

zu. Ein bloßer Kletterpark war uns aber zu wenig. Wir

wollen den Lebensraum Wald ins Zentrum des Erlebnisses

stellen und auch veranschaulichen, wie wichtig

er für unsere Gesellschaft ist, z. B. als Erholungsraum

oder auch Rohstoff- und Sauerstofflieferant.

Herausgekommen ist ein Waldhochseilgarten …

Graf Björn: Die Anlage ist mit dem Parkplatz bei der In-

12


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[titelthema]

sel über einen 800 Meter langen Sinnespfad verbunden.

Der Sinnespfad ist kostenlos, ihn können auch

Schulen zur Natur- oder Umweltbildung nutzen. Damit

gehen wir auf eine neue Zielgruppe zu, die wir auf

der Mainau noch nicht aktiv angesprochen hatten, junge

Leute zwischen 15 und 30 Jahren.

Die ersten naturnahen Baumhäuser

werden in die Anlage integriert.

Darin werden Themen bearbeitet.

Zum Beispiel Bäume in den Bergen

als Schutzwald, der Orte vor Lawinen

oder Steinschlag schützt.

Ist das der Bildungsanspruch,

den die Mainau früher schon hatte,

aber in die Moderne gesetzt?

Graf Björn: Genau und verknüpft mit dem aktiven Angebot.

Wann geht es im Erlebniswald los?

Graf Björn: Die Klettereinheiten an sich sind fertig. Bis

Ende April hängen auch die ersten zwei Baumhäuser in

den Bäumen. Die Eröffnung ist am 26. April.

Wasmanin

einem

Baumhaus

ausLehm

lernenkann

Wie muss man sich die Baumhäuser vorstellen?

Gräfin Bettina: Die sind sehr unterschiedlich. Eines von

den Kleineren ist ein Wurzelhaus aus Lehm, das man

erklettern kann. Da passen etwa zehn Leute rein. Der

Innenraum sieht aus wie ein Wurzelballen. Drinnen

versteht man sofort, warum ein

Wurzelballen Erde festhält.

Sie wollen auch als Anbieter für

Tagungen und Kongresse attraktiver

und wetterunabhängiger

werden. Ist der Kletterwald

Teil dieses Konzepts?

Gräfin Bettina: Auf jeden Fall. Der

Bereich Tagungen und Veranstaltungen

ist sehr wichtig, weil er

nicht vom Wetter abhängig ist. Die gebuchte Veranstaltung

findet statt, auch wenn es draußen regnet. Die

Mainau ist sehr gut als atmosphärische Umgebung für

Veranstaltungen, weil man aus seinem täglichen Alltag

rausgeholt wird. Man kommt in eine Umgebung, die

einen wirklich abschalten lässt. Ein wenig entschleunigt.

Was gut ist, wenn man sich trifft und über Dinge

Raumerweiterung Freiraum ist Voraussetzung

für offene Kommunikation –

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Raum in alle Dimensionen.

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13


[titelthema] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

nachdenkt, die man vielleicht anders machen möchte.

Oder sich überlegt, wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Der Markt für Kongresse und Tagungen ist umkämpft.

Was sagen die Hoteliers um den See herum?

Zur Mainau als Konkurrenz?

Gräfin Bettina: Den Kollegen ist es nur recht, weil die

Region dadurch an Attraktivität gewinnt. Nur wenn

eine Region Vielfältiges bietet, sind die anderen auch

erfolgreich. Man nimmt sich nicht gegenseitig die Gäste

weg, sondern gibt im Gegenteil noch mehr Gründe,

an den See zu kommen – egal welches Wetter herrscht.

Deshalb gibt es auch Attraktionen wie das Schmetterlings-

und Palmenhaus, Ausstellungen im Schloss und

vieles mehr.

Themenwechsel. Wie familienfreundlich sind Sie

als Arbeitgeber für Ihre 300 Beschäftigten?

Gräfin Bettina: Wir hoffen, dass wir als Arbeitgeber sehr

familienfreundlich sind. Wir versuchen, unseren Mitarbeitern

zuzuhören und auf deren Bedürfnisse einzugehen.

Oft geht es um Teilzeitlösungen. Um das zu ermöglichen,

kann es aber sein, dass Mitarbeiter in eine

andere Abteilung wechseln müssen. Flexible Arbeitszeiten

sind für uns völlig selbstverständlich. Wir wissen,

dass die Möglichkeit, sich Arbeit selber einzuteilen,

auch mal von zu Hause aus zu arbeiten, vieles

vereinfacht. Da geht es heute nicht mehr nur um Kinderbetreuung,

sondern auch um die Pflege und Betreuung

von Eltern oder älteren Verwandten. Das ist ein

großes Thema – und wir sind da schon ziemlich weit.

Wie helfen Sie bei der Kinderbetreuung?

Gräfin Bettina: Früher hatten wir einen Betriebskindergarten;

in den bin ich selbst gegangen. Dann war das

Thema eine Zeit lang gar nicht mehr aktuell. Mittlerweile

haben wir wieder ein ganzes Haus auf der Insel

zur Kinderbetreuung. In der Krippe mieten wir Plätze

an, die wir an die Mitarbeiter weitergeben.

Einen großen Teil der Mitarbeiter können Sie nur in

der Saison beschäftigen. Wie problematisch ist

das?

Gräfin Bettina: Wir kooperieren mit anderen Unternehmen,

deren Saison gegenläufig ist zu unserer: Zum Beispiel

Unternehmen in Skigebieten. Ich kann dazu noch

nichts Näheres sagen, weil wir noch in den Vertragsverhandlungen

stecken.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Die Mainau lebt von der Natur. Das Thema spielt aber

auch im Unternehmen Mainau eine wichtige Rolle – im

Großen wie im Kleinen: So motiviert eine Tombola die Mitarbeiter,

zur Arbeit zu radeln.

14


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[titelthema]

Gräfin Bettina: Als kooperativ und dialogorientiert.

Und Ihre Mitarbeiter?

Gräfin Bettina: Sie können sie gerne selber fragen, auch

wenn wir nicht dabei sind. Unsere Mitarbeiter sind uns

sehr wichtig, weil sie kompetent sind. Wenn man das

nicht nutzt, lässt man ein großes

Potenzial außen vor. Außerdem ist

der Mitarbeiter als ganzer Mensch

wichtig – und er hat nur dann Lust,

sich wirklich einzubringen, wenn

es ihm gut geht. Familienfreundlichkeit

oder auch Gesundheitsorientierung

sind für uns selbstverständlich.

Auch wenn wir vor

Entscheidungen stehen, ziehen wir

Mitarbeiter häufig hinzu und fragen:

Was schlagen Sie vor? Das gleichen wir mit den

anderen Aspekten ab.

Frage: Haben Sie einen Betriebsrat?

Graf Björn: Ja, seit rund 25 Jahren. Und mit dem arbeiten

wir auch auf diese Weise zusammen.

Auchdie

Mitarbeiter

werden

zuRate

gezogen

Stichwort Gesundheitsmanagement – was tun Sie

für Ihre Mitarbeiter?

Graf Björn: Das Thema war schon unseren Eltern wichtig.

Im Jahr 2008 haben wir es professionalisiert. Zum

Konzept gehört zum Beispiel, dass Mitarbeiter, die mit

dem Fahrrad kommen, am Inseleingang einen Stempel

auf eine Karte bekommen. Die

Karten werden bei der Weihnachtsfeier

in eine Lostrommel

gegeben, drei Karten werden gezogen,

und die Leute bekommen einen

Preis: Das geht vom Einkaufsgutschein

in einem Radgeschäft

bis hin zu einem Wellnesswochenende.

Die gleiche Aktion gibt es

nun auch für Mitarbeiter, die ihr

Auto auf dem Festland abstellen

und zu Fuß auf die Insel gehen.

Wie kam das?

Ein Mitarbeiter fand die Aktion unfair: Er wohnt 30 Kilometer

entfernt und kann nicht jeden Morgen mit

dem Fahrrad kommen.

ZurPerson

BjörnGrafBernadotte

lebt mit seiner

Ehefrau Sandra auf

dem Schloss Mainau.

Der 38-Jährige ist der

erstgeborene Sohn

von Sonja Gräfin Bernadotte

(† 2008) und

Lennart Graf Bernadotte

(† 2004). Er

studierte Sozialpädagogik

in der Schweiz

und absolvierte mehrere

Praktika, bevor

er in die Lennart-Bernadotte-Stiftung

einstieg.

Seit 2011 ist er

Geschäftsführer der

Mainau GmbH. Seine

Hobbys sind Fotografie,

Sport und Natur.

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15


[titelthema] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Im Umweltbereich war schon

Lennart Graf Bernadotte, der

Vater der Geschwister, seiner

Zeit voraus. Auch heute setzt

die Mainau mutig auf neue

Techniken. Die Erfahrung:

Kinderkrankheiten sind bald

kuriert.

Gibt es weitere Maßnahmen?

Graf Björn: Ja, das ist ein Gesamtpaket. Wir machen beispielsweise

regelmäßig Arbeitsplatzbegehungen. Dabei

geht es nicht nur um gesetzliche Vorschriften, sondern

auch um Fragen wie: Ist der Schreibtisch richtig?

Passt der Stuhl? Darüber hinaus haben wir unsere so

genannten Donnerstags-Gespräche, in denen Fachreferenten

über die verschiedensten Themen informieren:

von gesunder Ernährung über Wirbelsäulengymnastik

bis hin zur Suchtprävention. Der Besuch zählt zur Arbeitszeit.

Was sagen die Mitarbeiter dazu?

Gräfin Bettina: Wir sind zufrieden mit der Resonanz. Bei

den Gesprächen geht es beispielsweise auch um partnerschaftliches

Verhalten am Arbeitsplatz. Das ist auch

ein Signal an die Mitarbeiter: Wir möchten wertschätzend

miteinander umgehen. Es soll sich hier jeder wohl

fühlen, es soll niemand diskriminiert werden oder Ziel

von Spott sein.

Welche Bedeutung hat der Umgang mit Energie für

Sie?

Gräfin Bettina: Das touristische Angebot der Insel Mainau

ist die Natur. Wir strengen uns an, wenig Energie

zu verbrauchen und sie möglichst umweltfreundlich

selbst herzustellen. In Blockheizkraftwerken erzeugen

wir Strom und Wärme selbst. Wir haben auch Solarpaneele.

Und neuerdings ein Holzgaskraftwerk. Wir wünschen

uns einen sinnvollen Energiemix, der gerne auch

regional sein darf. Aber es muss Sinn ergeben.

Sie haben ja schon früh auf Holzhackschnitzel gesetzt


Graf Björn: Wir haben die Anlage vor mehr als 15 Jahren

gebaut. Die Frage lautete damals: Sollen wir eine neue

Ölheizung einbauen oder gehen wir zu Holz über? Das

war zu einer Zeit, in der hier kein Mensch in dieser Größenordnung

an Holzenergie gedacht hat. In Schweden

war das damals aber schon relativ populär. Dort gab es

schon große Anlagen, die ganze Dörfer mit Strom und

Wärme versorgt haben.

Waren Sie durch Ihre schwedische Herkunft näher

an dem Thema dran?

Graf Björn: Das ökologische Bewusstsein war schon bei

unseren Eltern sehr ausgeprägt. Unser Vater, Lennart

Graf Bernadotte, hat bereits 1961 die grüne Charta von

der Mainau verkündet. Er hat in Zusammenarbeit mit

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Themen aufge-

16


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[titelthema]

GrößteTourismusattraktion

amBodensee

MitihrerBlütenpracht, ihrem tropischen

Flair, ihrer botanischen Kompetenz, dem

150 Jahre alten Baumbestand, einem der

größten Schmetterlingshäuser Deutschlands,

Tagungsmöglichkeiten und vielen

Angeboten für Kinder zieht die Mainau

jährlich rund 1,2 Millionen Besucher an.

Die Insel und alle Liegenschaften wurden

1974 von Gräfin Sonja und Graf Lennart

Bernadotte in die Mainau GmbH eingebracht.

Das Privatunternehmen, das ohne

öffentliche Subventionen arbeitet, beschäftigt

ganzjährig 150, in der Blumensaison

von März bis Oktober 300 Personen.

Gesellschafter der Mainau GmbH sind die

gemeinnützige Lennart-Bernadotte-Stiftung

(99% der Anteile), sowie die Sonja-

Bernadotte-GmbH. Lennart Bernadotte

(1909-2004), ein Enkel des schwedischen

Königs Gustav V., verzichtete als junger

Mann auf eine möglicheThronfolge, um

die bürgerliche Fabrikantentochter Karin

Nissvandt zu heiraten. Aus dieser Ehe

stammen vier Kinder; 1972 heiratete er

nach der Scheidung seine persönliche

Assistentin Sonja Haunz, die mit ihm fünf

Kinder bekam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Lennart

Bernadotte auf die Insel Mainau zurück

und setzte seine Arbeit fort, aus den

verwilderten Parkanlagen Friedrichs I. von

Baden das Blumen- und Pflanzenparadies

Mainau aufzubauen. Heute verantwortet

Gräfin Bettina die Bereiche: Park und Garten,

Gastronomie und Souvenir. Ihr älterer

Bruder Björn übernimmt viele repräsentative

Aufgaben. Zudem ist er zuständig

fürs Geschäft mit dem Wald der Familie,

für Land- und Forstwirtschaft, Jagd und

Fischerei sowie zwei Familienarchive. Zudem

ist Graf Björn das Verbindungsglied

zum Gesellschafter, der Stiftung. AMB

griffen, die damals noch niemand auf dem Schirm hatte.

Die Experten stellten in der Charta zwölf Forderungen

zur Sicherung gesunder Lebensgrundlagen der

Bevölkerung zusammen. Da war es ein logischer

Schritt, auf der Mainau neue umweltfreundliche Technologien

auszuprobieren.

Mit der Holzhackschnitzelanlage

waren Sie Pionier?

Graf Björn: Ja, und viele haben geunkt,

dass das nicht funktioniert. Es

gab auch jede Menge Kinderkrankheiten.

Die haben wir in den ersten

Jahren kuriert. Schon im zweiten

Jahr waren rund 150 Bürgermeister

bei uns, die schauen wollten, ob das

auch etwas für ihre Gemeinden ist.

Dasneue

Restaurant

schmiegt

sichins

Geländeein

Und wie sieht es bei Ihrer neuen Holzvergaseranlage

aus?

Gräfin Bettina: Wir haben sie seit mehr als einem Jahr in

Betrieb. Hier wird durch Erhitzen aus dem Holz ein

brennbares Gasgemisch, so genanntes Holzgas, erzeugt.

Wenn wir mit dem Holzvergaser und den dazugehörigen

Blockheizkraftwerken im konzipierten Betrieb

sind, werden wir einen regenerativen Anteil von

mehr als 70 Prozent auf der Insel haben.

Wie gut läuft die Anlage?

Graf Björn: Man muss auch mal eine mutige Entscheidung

treffen, wie vor 15 Jahren. Es ist noch nicht ganz

ausgereift, wir machen es aber trotzdem.

Wie hoch ist denn der Anteil der

regenerativen Energie im Moment?

Gräfin Bettina: Bei 55 bis 60 Prozent.

Wärme können wir selber genug

produzieren. Wenn der Winter

sehr kalt ist, dann ist der Anteil höher.

Wie sieht die Stoßrichtung Ihres

Energiekonzeptes aus?

Gräfin Bettina: Wir fahren zweigleisig: Auf der einen

Seite wenig Energie verbrauchen und auf der anderen

Seite die Energie, die man braucht, umweltfreundlich

produzieren. Beim Neubau des Restaurants Comturey-

Keller am Hafen geht es beispielsweise um Themen wie

Absorptionskühlung und Dämmung. Das neue Gebäu-

17


[titelthema] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Gewinnmaximierung über

alles? Nicht auf der Mainau.

Ihn mache es glücklich, sagt

Graf Björn, dass sich das Unternehmen

sozial und ökologisch

engagieren kann.

de hat sechs Seiten, und an fünf davon ist es ins Gelände

eingebaut. Das ist die beste Wärmedämmung, die man

sich vorstellen kann. Im Winter wird es vor der Kälte

geschützt, im Sommer vor der Wärme. Solche Lösungen

versuchen wir konsequent bei neuen Projekten

umzusetzen.

Es war schon damals im Wesentlichen

eine Familienentscheidung?

Gräfin Bettina: Dadurch, dass die Familie

immer wesentlicher Teil der

Geschäftsführung war, kann man

das so sagen. Aus dem gesellschaftsrechtlichen

Blickwinkel würde

man sagen, es ist eine Entscheidung

der Geschäftsführung und Gesellschafter.

Unsere nachhaltige Einstellung

ist Teil der philosophischen Ausrichtung unserer

Familie.

Zuweilen

gehtesum

simpleDinge

wierichtiges

Lüften

sich gut mit diesem Netz machen. Insgesamt sind wir

an einem Punkt, wo wir durch große Veränderungen

den Energieverbrauch zu 80 Prozent optimiert haben.

Um die restlichen 20 Prozent zu erreichen, sind viele

kleine Schritte nötig. Dazu muss jeder Mitarbeiter an

seinem Arbeitsplatz mitdenken und helfen.

Graf Björn: Da geht es auch um ganz einfache Sachen

wie richtiges Lüften. Oder dass die

Mitarbeiter den Computer ausschalten,

wenn sie abends das Büro

verlassen oder ins Wochenende

gehen. Früher liefen bei manchen

die Bildschirmschoner das ganze

Wochenende. Das macht ja keiner

absichtlich, um Energie zu verschwenden,

sondern weil man

nicht darüber nachgedacht hat.

Wenn man so etwas anspricht, haben

die Mitarbeiter einen Aha-Effekt: Daheim mache

ich das auch, und das muss ich bezahlen.

Haben Sie ein Energiesparmanagement?

Gräfin Bettina: Das systematisieren wir gerade. Einer der

größten Fortschritte war das Einrichten eines Nahwärmenetzes.

Wir brauchen Wärme für die Gewächshäuser

und Gebäude, für das Spülen und Kochen. Das lässt

Sie sind ja auch zertifiziert.

Graf Björn: Ja, wir sind seit 15 Jahren durch EMAS zertifiziert.

Das ist eine freiwillige EU-Zertifizierung, die alle

drei Jahre erneuert wird. Dieses Instrument hilft Unternehmen,

ihre Leistungen in diesem Bereich

18


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[titelthema]

kontinuierlich zu verbessern. Es gibt immer Verbesserungsvorschläge,

weil sich das Wissen und die Technik

weiterentwickelt haben.

Worauf sind Sie als Unternehmer besonders stolz?

Gräfin Bettina: Wenn wir uns etwas vornehmen, sind

wir sehr bissfest. Das was wir sagen, tun wir auch. Und

nicht nur wir, sondern auch unsere Mitarbeiter, die in

den Planungsprozess einbezogen sind. Wenn ich das

Gefühl habe, es ist gelungen, dass wir das Unternehmen

mit unseren Vorstellungen und Werten durchdringen,

freut mich das.

Wie ist das bei Ihnen?

Graf Björn: Großartig finde ich, dass es uns immer wieder

gelingt, neue Impulse zu setzen. Uns weiterzuentwickeln.

Glücklich bin ich darüber, dass wir uns in einer

Zeit, in der viele nur auf Gewinnmaximierung aus

sind, sozial und ökologisch engagieren. Nicht um jeden

Preis Gewinn aus dem Unternehmen rausholen zu

müssen, sondern mit dem, was am Ende des Jahres übrigbleibt,

in der Lennart-Bernadotte-Stiftung soziale

und ökologische Belange zu unterstützen.

Was haben Sie von Ihren Eltern mitbekommen?

Graf Björn: Freude an der Arbeit. Denn dann kann man

sich extrem engagieren. Und auch wie wichtig Disziplin

und Verantwortungsbewusstsein sind.

Was war für Sie am wertvollsten?

Gräfin Bettina: Wirklich offen zu sein für alles, was um

einen herum passiert. Wo sich die Umgebung hinentwickelt.

Unser Vater war ein tolles Beispiel und bis ins

hohe Alter neugierig auf technische Entwicklungen

oder was sich so um uns herum getan hat. Das zweite

ist der Blick für das Ganzheitliche. Dass man nicht nur

einen Aspekt verfolgt, sondern vor einer Entscheidung

einen Rundum-Check macht: Ist das mit allem, wo ich

hin will, vereinbar? Ist das in alle Richtungen die richtige

Entscheidung?

Graf Björn: Und das Wichtigste ist, glaube ich, die Liebe

zur Mainau, zu unserem Unternehmen.

DAS GESPräcH FüHrTEn IrMGArD STäDElE, rEDAKTIon

MAGAZIn, UnD AlExAnDEr BöGElEIn, rEDAKTIonSlEITEr

UnTErnEHMEn [!]

FoToS: MArc HörGEr

DoKUMEnTATIon: MonIKA MEHES

Im Gespräch mit Gräfin

Bettina und Graf Björn:

Irmgard Städele und Alexander

Bögelein von der Redaktion

Unternehmen [!] der

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[spezial] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Historisches Flair, eine überschaubare Größe – und reichlich Angebote für Genießer machen Ulm/Neu-Ulm zu einem attraktiven Tagungsort. Im Bild (von links):

Zum Glück gibt’s kurze

Wege und Maultäschle

Zusammenkommen, wo Albert Einstein geboren wurde. Der Kongress- und

tagungsstandort ulm/neu-ulm punktet mit Stärken wie den kurzen Wegen

und dem persönlichen Touch. Und findet damit auch überregionale Resonanz.

Ob kleines Seminar oder ausgewachsener

Kongress – in der Doppelstadt

Ulm/Neu-Ulm gibt es viele Möglichkeiten.

Ein kompaktes Messegelände, zwei

leistungsstarke Kongresszentren, diverse Tagungshotels,

historische oder moderne Veranstaltungssäle

machen sie zu einem gut gebuchten

Standort für Treffen aller Art

zwischen 5 und 1500 Personen.

Wer lässt sich anlocken? Nicht die, die ihren

Teilnehmern das Größte, Feinste und Klangvollste

bieten wollen. Im Luxusbereich mit

20


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[spezial]

Ihr Partner für Büro-

Technik &Einrichtung

der Löwensaal im Kornhaus, der Schwörsaal und das KCC-Restaurant-Theater.

Fünf-Sterne-Hotels müsse Ulm/Neu-Ulm passen,

ein international klangvolles Renommee

wie Salzburg könne es ebenso nicht in die

Waagschale werfen, und für einen Mammut-

Kongress reichten die Kapazitäten nicht aus,

erklärt Wolfgang Dieterich, Chef der Ulm/

Neu-Ulm-Touristik (UNT). Für Leitmessen

mit bundesweiter Ausstrahlung fehlt Ulm-

Messe-Geschäftsführer Jürgen Eilts die nötige

Kapazität an Ausstellungsfläche, abgesehen

davon, dass in dieser Liga ein ganz anderer

Aufwand und damit höhere Risiken meist für

kommunale Haushalte im Raum stehen. Was

die Messen anbelangt, ist der Zuschnitt auf die

nähere und weitere Region ausgelegt, Tagungen

und sonstige Veranstaltungen seien derzeit

ebenfalls gut gebucht. Eilts rechnet mit

210 bis 230 Veranstaltungen in diesem Jahr

wie schon 2012.

Fotos: UNT

Auf ein Bierchen in die StAdt

Was den Bereich der Kongresse und Tagungen

betrifft, lasse sich damit punkten, erläutert

Dieterich, „dass sich bei uns zwei Bundesländer

zusammenspannen lassen“, mit der zentralen

Lage zwischen München und Stuttgart,

mit den ausgefeilten Angeboten für das Freizeitprogramm,

der guten Erreichbarkeit und

den unkomplizierten Parkverhältnissen. Von

Vorteil sei auch die Fußläufigkeit zwischen

den Orten des Tagens, Übernachtens und Ausgehens,

sagen der UNT- und der Messechef

unisono. Abends kurz noch in die Altstadt auf

ein Bier – kein Umstand, kein Problem.

All diese Kleinigkeiten und „weichen Faktoren“

summieren sich zu einem Faktor mit Gewicht,

wenn auswärtige Firmen oder Institutionen

nach einem Tagungsort suchen. Der

Anteil überregionaler Kundschaft im lokalen

Tagungsgeschäft dürfte je nach Location stark

schwanken. „Fifty-fifty“, peilt Herbert Lang,

der Geschäftsführer der Hallenbetriebe der

Stadt Neu-Ulm fürs Edwin-Scharff-Haus

übern Daumen. Bei der Ulm-Messe macht er

nach Eilts Aussage ebenfalls etwa die Hälfte

aus. Eben hat ein Autokonzern seinen Händlern

in der Friedrichsau ein neues Modell vorgestellt.

Ulm war einer von vier Präsentationsorten,

die verteilt übers Land liegen.

Entsprechend gewichtig sind die Kunden

„von hier“ – ebenso wie etwa die Universität,

deren „Entscheider“ von der UNT gezielt angesprochen

würden. Bei den Tagungen selbst

schaffen überdies die persönliche Betreuung

und die individuellen Angebote Kundenbindung.

„Wer erst einmal nach Ulm/Neu-Ulm

gelockt werden konnte, kommt meistens sehr

gerne wieder“, sagt Eilts.

Gründe dafür sind nicht allein die genannten

Vorzüge, sondern auch unternehmensinterne

Entwicklungen. Zum einen fielen die Entscheidungen

bei den Geschäftskunden immer

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» Managed Print Services

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» LED-Drucktechnik

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21


[spezial] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

kurzfristiger. Dem Ulm-Messe-Geschäftsführer

zufolge müssen zum anderen die Vorbereitungen

von Tagungen & Co. in verstärktem

Maße von Mitarbeitern zusätzlich zu ihren

eigentlichen Aufgaben miterledigt werden.

Nachvollziehbar, dass da der Hang zum Wechsel

des Tagungsortes und damit zu einem gewissen

Experiment eher wenig ausgeprägt ist

– was natürlich umgekehrt bei der Neukunden-Akquise

eine zusätzliche Hürde darstellt.

Der Neu-Ulmer Lang setzt hier auch auf die

Präsenz bei speziellen Messen (etwa mit dem

Zielpublikum „Chefsekretärin“). Zudem ist

das Edwin-Scharff-Haus Mitglied der „Kongressallianz

Bayern“: sieben Häuser, die sich

gegenseitig empfehlen.

Ist die Tagungsinfrastruktur heute weitgehend

standardisiert, kommt der Umrahmung

des Arbeitsprogramms ein umso höherer Stellenwert

zu. Um dem „internationalen Geschmack“

zu entfliehen, werde beim Catering

verstärkt auf regionale Speisen wie Maultäschle

gesetzt, beobachtet Eilts. Die Themen

Dirndl, Tracht und Hausbrauerei fallen ebenso

darunter. Dieterich hebt die Vielfalt an Angeboten

für den Freizeit-Teil hervor, wofür aus

einer Fülle an „Bausteinen“ ausgewählt werden

kann. So lassen sich Wohlfühl-Interessen

ebenso bedienen

wie sportliche, es

wird geklettert,

per Oldtimer eine

Schnitzeljagd bewältigt

oder ein

Kochevent be-

UNT-Chef Wolfgang Dieterich

weiß, womit die

Städte punkten können.

sucht.

Prickelnd sei, dass

zwischen Ulm und

Neu-Ulm eine Landesgrenze

verläuft.

Die UNT hat eigens

ein mobiles

„Zollhäusle“ angeschafft,

das bei Bedarf, ausgestattet mit zwei

„Zöllnern“, auf einer der Donaubrücken positioniert

wird. [!]

Thomas Vogel

Guter Start ins

tagungsjahr 2013

Anders als Publikumsveranstaltungen

wie Gartenträume, Unternehmertag,

Technorama oder Orchideentage werden

die allermeisten Messe- und Tagungs-Veranstaltungen

von der Öffentlichkeit

gar nicht wahrgenommen. In

den Übernachtungszahlen schlagen sie

dafür umso mehr zu Buche. Etwa ein

Drittel der Übernachtungen seines Beritts,

schätzt UNT-Geschäftsführer

Wolfgang Dieterich, entfielen auf den

Bereich Tagungen und Seminare.

Und nicht nur in diesem Sektor läuft es

derzeit gut. Im abgelaufenen Jahr hat

die Zahl der Übernachtungen in der

Doppelstadt erstmals die Marke von

600.000 geknackt. Das Jahr 2013 hat

im Bereich Tagungen und Kongresse

wiederum gut begonnen, bestätigen

die Geschäftsführer von ESH und Ulm-

Messe unisono.

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Spirituelle Quelle für neue Ideen

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Seit Graf Bibereck im Jahr 1126 seine Burg

als Kloster stiftete, sind die Prämonstratenser-Chorherren

in Roggenburg beheimatet.

Im Kloster Roggenburg begegnen sich Historie

und Moderne. Inmitten dieser Atmosphäre

ergeben sich viele Möglichkeiten

Veranstaltungen erfolgreich zu realisieren.

2002 wurde der Neubau des Bildungszentrums

und des Klostergasthofs mit 3*** Superior

Hotel in Betrieb genommen. Für Veranstaltungen

stehen im Klostergelände 15

Tagungs- / Seminarräume in unterschiedlicher

Größe für 10 bis 400 Personen, mit

moderner Tagungstechnik und individueller

Betreuung zur Verfügung.

Teamgespräche, Tagungen, Fortbildungen,

Klausur-Meetings oder andere Firmen-

Events wie Kongresse oder Jubiläums- und

Jahresfeiern – wir bieten für Ihre Veranstaltung

in jeder Hinsicht einen passenden

Raum und Rahmen.

Der Klostergasthof und

das Bildungszentrum

bieten dazu verschiedene

Büffets, Pausenund

Tagungspauschalen

an.

Bei einem persönlichen Beratungsgespräch

nehmen wir gerne Ihre Wünsche auf

und erstellen Ihnen ein individuelles Angebot.

Für weitere Informationen senden wir

Ihnen gerne unsere Tagungsmappe zu.

Firmenveranstaltungen

Klostergasthof Roggenburg

Klosterstraße 2 · 89297 Roggenburg

Tel. (0 73 00) 9 21 92-0

klostergasthof@kloster-roggenburg.de

Bildungsseminare

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Tel. (0 73 00) 96 11-0

zentrum@kloster-roggenburg.de

22


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[finanzieren]

die Bank? Chefsache!

Wer einen guten Draht zu seiner Hausbank hat, bekommt leichter und zu besseren Bedingungen Gelder als mögliche

Mitstreiter. Durch offene Finanzkommunikation gelingen Investitionen und Übernahmen. Und die Liquidität stimmt.

Eine gute Finanzkommunikation sichert

die Beziehung zur Bank und erhöht ihre

Kreditbereitschaft. Das weiß auch

Gregor Gerhard, Inhaber der Firma Levitake.

Der Ingenieur aus Krefeld plant den Kauf eines

Unternehmens mit 15 Mitarbeitern, das

zwischen Stuttgart und Würzburg eine von

ihm entwickelte Antriebstechnik für den

Flugmodellbau vertreiben soll. Um die Finanzierungsgespräche

vorzubereiten, hat sich

Gerhard den Berater Harald Rüttling, Geschäftsführer

der RPW Rüttling & Partner

Wirtschaftsberatung aus Remseck, ins Boot

geholt. „Wir haben das Unternehmen durchleuchtet,

die Risiken bewertet und sind zu einem

nachvollziehbaren Kaufpreis gekommen“,

berichtet der Ingenieur Gerhard. Mit

Erfolg: Sämtliche Unterlagen liegen bereit.

Wenn der Kauf im Spätsommer perfekt sein

wird, zieht der Krefelder in den Süden

Deutschlands.

Wer offen mit der Bank umgeht und nicht nur Routineinformationen preisgibt, hat spürbare Vorteile.

Foto: Getty Images/ArtBox Images RF

Vertrauen ist das a und O

„Bei Finanzierungsfragen ist ein gegenseitiges

Vertrauensverhältnis das A und O. Das kann

man systematisch aufbauen“, sagt Rüttling,

der als KMU-Fachberater Sanierung seine

Mandanten zwischen Ulm, Stuttgart und Ludwigsburg

beim Aufbau einer neuen Bankbeziehung

unterstützt, wenn sie ein Unternehmen

kaufen wollen oder sanieren müssen.

Neben einer sauberen Liquiditätsplanung gehöre

dazu eine Ertragsplanung und eine Produktivitätsplanung,

außerdem ein regelmäßiger,

proaktiver Austausch mit dem

Bankkundenberater. „Die Beziehung zur Bank

gleicht einem schweren Schwungrad – aber

BF.direkt AG | Corporate Advisory

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unternehmerisches Finanzmanagement

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23


[finanzieren] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

wenn es erst einmal in Gang gekommen ist,

dreht es sich auch in schwierigen Zeiten weiter“,

hat er beobachtet.

Dass sich Mittelständler mit einer guten Finanzkommunikation

in ihrer betriebswirtschaftlichen

Performance positiv abheben,

dass sie im Vergleich weniger Sicherheiten

stellen müssen und mehr Finanzmittel bekommen,

belegt auch eine aktuelle Studie der

Euler Hermes Deutschland AG, die in Zusammenarbeit

mit GE Capital, der Commerzbank

und dem Bundesverband der Deutschen Industrie

(BDI) unter der Schirmherrschaft des

Bundeswirtschaftsministeriums entstanden

ist.

„Firmen, die ihre Kapitalgeber nicht nur

mit Routineinformationen wie Bilanz,,

Gewinn- und Verlustrechnung versorgen,

sondern sie zeitnah, umfassend, persönlich

und mit kreativen Methoden informieren, haben

Vorteile bei der Finanzierung ihres Geschäfts“,

bestätigt auch Peter Lemke von Euler

Hermes.

Als Unternehmen mit einer vorbildlichen Finanzkommunikation

gilt die ZEG Zentraleinkauf

Holz + Kunststoff eG aus Stuttgart: Vor

zwei Jahren wurde die Genossenschaft von

Euler Hermes und seinen Partnern mit dem

Wirtschaftspreis „Beste Finanzkommunikation

im Mittelstand“ ausgezeichnet. Das im

Holzgroßhandel tätige Unternehmen mit etwa

900 Mitarbeitern und einem Umsatz von

270 Millionen Euro hatte die Jury vor allem

mit seiner guten und verlässlichen Berichterstattung

überzeugt.

„Vor über

zehn Jahren in der

Krise haben wir realisiert,

dass eine

offene, aktuelle

und transparente

Kommunikation

mit Banken, Factoring-Unternehmen

und Kreditversicherern

Als vorbildlich gilt Christian

Kösslers ZEG Holz +

unerlässlich für

unser Überleben Kunststoff eG.

ist“, sagt Christian

Kössler, ZEG-Vorstand Finanzen & Services.

Bei der ZEG ist die Finanzkommunikation

seither Chefsache. Das eigene Reporting wurde

an die Bedürfnisse der Finanzpartner angepasst.

Dazu gehören quartalsweise Berichte

inklusive Angaben zur Wachstumsstrategie

und zum Risikomanagement, wobei die Risiken

in den Bereichen Finanzen, Vertrieb, Warenwirtschaft,

Personal, IT aber auch Konjunkturdaten

der Branche beleuchtet werden.

Fatale Geheimniskrämerei

Das ist nicht selbstverständlich. Berater Rüttling

hat beobachtet, dass sich viele Mittelständler

im Kontakt mit ihrer Bank eher misstrauisch

und verschlossen zeigen, vor allem

ältere Geschäftsführer hätten Angst vor zu

viel Transparenz. Gerade kleine und mittlere

Unternehmen informierten aus einer Art Unabhängigkeitsanspruch

heraus ihre Kapitalgeber

nur ungern und wüssten meist nicht,

wie die Bank die übermittelten Informationen

nutzt. Dadurch überließen sie Daten wie

Gerade

ältere Chefs

halten

nichts von

Offenheit

beispielsweise den Jahresabschluss unkommentiert

ihrer Bank. Oft fehlt die Darstellung

von Zukunftsplänen: „Wenn der Unternehmer

nicht kommuniziert, warum er eine bestimmte

Summe gerade jetzt braucht oder

welche Gewinne er sich von den Aufträgen

verspricht, die die Bank vorfinanzieren soll,

bekommt er im Zweifel die notwendigen Mittel

nicht“, sagt Carl-Dietrich Sander, Leiter der

Fachgruppe Finanzierung-Rating im KMU-

Beraterverband.

Das ist fatal, gilt der klassische Kredit doch

Studien zufolge nach wie vor als wichtigste

Fremdkapitalquelle für kleine und mittlere

Unternehmen. Künftig dürfte es zudem

schwieriger werden, gewünschte Kredite

überhaupt zu bekommen: „ Die Basel III-Bestimmungen

und die 15 anstehenden Regulierungsvorhaben

der Finanzmärkte auf EU-Ebene

dürften sich insgesamt negativ auf die

Möglichkeiten der Banken auswirken, Kredite

auszuleihen“, sagt Marc Evers, Mittelstandsexperte

beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag

(DIHK). Insbesondere der

„schwachen Mitte“ – also Firmen mit durchschnittlicher

oder mäßiger Bonität – dürfte

nach Einschätzung von Unternehmensberater

Oliver Briemle aus Türkheim künftig der

Wind kräftig ins Gesicht blasen.

Gerade kleinere Firmen aber sind es, die oft

nur über eine unzureichende Finanzkommunikation

verfügen. „Viele haben weder eine

aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung,

noch eine Liquiditätsplanung oder Rentabilitätsvorschau“,

sagt

Joachim Rupp, Referent

für Unternehmensfinanzierung

bei der

Industrie- und

IHK-Referent Joachim

Rupp: Viele kleinere Firmen

haben Nachholbedarf.

Handelskammer

Ulm. „Das sind

aber wichtige Instrumente,

die die

Bank für ihre Kreditentscheidungen

im Rahmen

von Investitionsoder

Nachfolgefinanzierungen

benötigt.“ Gemeinsam mit den

für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

und die IHK tätigen Beratern unterstützt die

IHK ihre Mitgliedsunternehmen bei der laufenden

Bankenkommunikation und bei der

Vorbereitung von Gesprächen mit der Bank.

Außerdem begleitet sie die Unternehmen zu

den Finanzierungsverhandlungen.

die Bank ist niCht der Feind

Zu einer guten Finanzkommunikation gehören

regelmäßige und zeitnahe Jahres- und

Zwischenberichte sowie Mitteilungen aus

dem operativen Geschäft. Je umfassender Firmen

zusätzlich über Innovationen, Finanzierungen

und ihre Marktstrategie Auskunft geben,

desto besser können sie die Nachhaltigkeit

ihres Geschäftsmodells und die eigene Zukunftsfestigkeit

belegen.

Es empfiehlt sich, strukturelle Trends aus der

eigenen Branche mitzuliefern und eine Brücke

zu schlagen von der Entwicklung der globalen

Märkte zu den eigenen Zahlen. „Je frühzeitiger

und nachhaltiger der

Informationsfluss über anstehende Projekte

einsetzt, desto bedarfsgerechter kann die

Bank ihre Unterstützung ausrichten“, bemerkt

Jochen H. Ihler, Bereichsvorstand Mittelstand

der Regionen Süd und Ost der Commerzbank.

Die Informationen sollten aktuell,

vollständig und strukturiert sein und möglichst

persönlich übermittelt werden. „Die

Bank sollte nicht als Gegner, sondern als Partner

verstanden werden. Der hilft aber nur,

wenn er sich ein realistisches Bild machen

kann.“ [!]

PETRA HOFFKNECHT

24


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[finanzieren]

mit dem Online-stresstest Warnzeichen aufspüren

Damit Unternehmer und Geschäftsführer

prüfen können, wie ihre Chancen

auf neue Kredite von der Hausbank,

etwa zur Vorfinanzierung neuer Aufträge stehen,

bietet das Deutsche Institut für Kreditmediation

(IKME) seit dem Jahr 2011 im Internet

unter www.ikme.de einen „Stresstest

Unternehmensfinanzierung“ an.

Der Test ist kostenlos und dauert ungefähr 15

Minuten. Abgefragt werden allgemeine Daten

zum Unternehmen, zur Finanzierungssituation

sowie Angaben zur Finanzkommunikation

zwischen Unternehmen und Hausbank

und zu aktuellen Kreditverhandlungen. Alle

Angaben werden verschlüsselt übertragen

und vertraulich behandelt.

„Oft sehen Unternehmen nur isolierte Ereignisse,

etwa dass die Bank den gewünschten

Kredit nicht verlängert oder dass es Probleme

bei den Sicherheiten gibt“, sagt Rainer Langen,

Leiter des IKME. Der Stresstest bette eine

Rainer Langen leitet das

Deutsche Institut für Kreditmediation.

solche Erfahrung in den Gesamtzusammenhang

ein, indem er eine Verbindung herstelle

zwischen der Bank verhandlung, der Güte der

Finanzkommunikation

und dem

wirtschaftlichen

Um feld, in dem

sich das Unternehmen

befindet. „Dadurch

wird das

Unternehmen dafür

sensibilisiert,

sich darüber klar

zu werden, wo es

mit Blick auf seine

Finanzierungssituation

steht.

Denn nur so kann

es mögliche Hürden vor anstehenden Bankgesprächen

erkennen und rechtzeitig aus der

Welt schaffen.“

Anwender erhalten direkt nach der Beantwortung

der Fragen eine Auswertung: Eine Kreditampel

steht auf Grün, Gelb oder Rot. Grün

bedeutet eine gute Finanzierungssituation,

die Firma dürfte auch in Zukunft über ausreichend

Liquidität verfügen. Gelb signalisiert,

dass das Unternehmen unter Umständen Unterstützung

braucht. Steht die Ampel auf Rot,

gibt es unmittelbaren Handlungsbedarf, da

die Existenz gefährdet sein kann.

Bislang haben 221 Mittelständler den Stresstest

genutzt. Bei knapp einem Drittel bestand

laut IKME akuter Handlungsbedarf, bei weit

über der Hälfte zumindest Gesprächsbedarf.

Nur bei 15 Prozent der Mittelständler war die

Finanzierungssituation zufriedenstellend.

„Unsere Testauswertungen zeigen, dass sich

eine transparente und proaktive Finanzkommunikation

in vielen Unternehmen

noch immer nicht durchgesetzt hat“, sagt Langen.

[!]

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25


[namen & nachrichten] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Milei steckt

Millionen in die

Modernisierung

Die Milei GmbH in Leutkirch,

Hersteller von hochveredelten

Molkeprodukten und Milchinhaltsstoffen

wie Proteinkonzentraten,

Milchzuckererzeugnissen

und Lactose, baut in den

nächsten Jahren mit einem

zweistelligen Millionenbetrag

die Kapazitäten um ein Drittel

aus und modernisiert die Produktion.

Dieser Schritt wird

notwendig, weil der schwedisch-dänische

Molkereikonzern

Arla Foods, der vor kurzem

die Molkereien der früheren

Allgäuland Käsereien übernommen

hat, die Käseproduktion

auf neue Verfahren umstellt.

Milei, ein deutsch-japanisches

Unternehmen mit 200 Mitarbeitern,

wurde in den 70er Jahren

gegründet. Eine Niederlassung

existiert in Stuttgart.

Uzin Utz mit

Nachhaltigkeit

erfolgreich

Vorstandschef

Werner Utz.

Der Ulmer Bauchemiespezialist

Uzin Utz profitiert von der positiven

Entwicklung in der Bauwirtschaft.

Der Hersteller

von Klebstoffen

für

Bodenbeläge

steigerte seinen

Gewinn

im vergangenen

Jahr

um 12 Prozent

auf 13,5 Millionen Euro.

Der Umsatz erhöhte sich um 4

Prozent auf den Rekordwert

von 207 Millionen Euro. Mit

veränderten Verpackungen und

durch die Verwendung

nachwachsender Rohstoffe will

Uzin Utz künftig den CO2-Ausstoß

senken, sagte Vorstandschef

Werner Utz. Die Zahl der

Mitarbeiter stieg auf 919.

Gemeinsam am Bodensee

Städte und Landkreise am nördlichen Bodenseeufer schließen

sich zur Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), zusammen.

Ihr Ziel ist es, Präsentation und Werbung zu vereinheitlichen.

Die Kreise Bodensee, Lindau, Sigmaringen und die Städte

Stockach und Bodman-Ludwigshafen sind mit von der

Partie. Konstanz, das sich bereits in der Internationalen Bodensee

Tourismus GmbH engagiert, zögert bisher noch. Unser

Bild zeigt den Hafen von Lindau.

Diehl Ako gibt

Photovoltaik an

Mutares ab

Foto: © damapix - Fotolia.com

Angesichts der Verwerfungen

auf dem Solarmarkt trennt sich

die Diehl Ako Stiftung & Co.

KG in Wangen von ihrer Photovoltaiksparte.

Neue Eigentümerin

ist die Beteiligungsgesellschaft

Mutares AG in München,

die bevorzugt Unternehmen

übernimmt, die sich in einer

Umbruchphase befinden.

Durch die Übernahme verändert

sich für die Beschäftigten

wenig. In einer vertraglichen

Vereinbarung ist festgelegt, dass

die Produktion von Wechselrichtern

für Photovoltaikanlagen

für mindestens fünf Jahre

am Standort Wangen bleibt.

Diehl Ako gehört zu Diehl Controls,

einem Teilkonzern der

Diehl-Gruppe in Nürnberg. Mit

625 Beschäftigten ist die Stiftung

der zweitgrößte Arbeitgeber

in Wangen.

200 neue Stellen

bei Glas Marte

in Kisslegg

Glas Marte im vorarlbergischen

Bregenz schafft sich eine Niederlassung

in Kißlegg bei Wangen.

Auf einer Fläche von

50.000 Quadratmetern sollen

für rund 22 Millionen Euro

zwei Produktionshallen und

ein Verwaltungsgebäude im Interkommunalen

Gewerbegebiet

Waltershofen entstehen. Glas

Marte ist ein familiengeführtes

Unternehmen in der dritten Generation,

das als Komplettlieferant

für Glasprodukte und Glasbaulösungen

auftritt . Die

Firma mit bisher rund 270 Mitarbeitern

versorgt vor allem

Handwerksbetriebe in Österreich,

Süddeutschland und der

Schweiz. In der Niederlassung

in Kißlegg sollen rund 200 weitere

Arbeitsplätze entstehen.

Carthago kehrt

Ravensburg

den Rücken

Die Carthago Reisemobilbau

GmbH hat ihre beiden Werke in

Ravensburg aufgelöst. Sie verlagert

jetzt auch die Zentrale an

den Stadtrand von Aulendorf.

Dort sind Verwaltung, Produktion,

Service-Center und Verkaufsausstellung

untergebracht.

Mit einer Investition

von 25 Millionen Euro sind

neue Arbeitsplätze für die mehr

als 400 Mitarbeiter entstanden..

Die Eröffnung feiert Carthago

vom 8. bis zum 11. Mai.

Widerstand gegen

Ausbau des

Allgäu-Airports

Mit einer Klage vor dem Bayerischen

Verwaltungsgerichtshof

will eine Interessengemeinschaft

aus Fluglärmgegnern,

dem Bund für Naturschutz und

der Gemeinde Westhagen den

15 Millionen Euro teuren Ausbau

des Allgäu-Airports in

Memmingen zu Fall bringen.

Die Behörden hatten zuvor den

Bauplänen zugestimmt und die

reguläre Betriebszeit bis 22.30

Uhr ausgeweitet. Verspätete

Flugzeuge dürfen bis 23 Uhr in

Memmingen landen. [!]

26


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[namen & nachrichten]

Leutkircher Bank

fusioniert mit

Bad Waldsee

Die Leutkircher Bank und die

Bad Waldseer Bank verschmelzen

zur größten Genossenschaftsbank

im Kreis Ravensburg.

Ar beits plätze und

Ge schäfts stellen der Banken

bleiben erhalten.

Die

Fusion bringe

den Instituten

eine

Bankchefin

Rosemarie

Miller-Weber.

höhere Effizienz

in den

internen

Strukturen

und stärke

die Eigenkapitalbasis,

sagte Rosemarie Miller-Weber,

Vorstandsvorsitzende

der Leutkircher Bank,. Beide

Banken seien in ihrem Geschäftsgebiet

Marktführer, sie

seien im Kredit- und Anlagegeschäft

gut aufgestellt, würden

seit Jahren gute Ergebnisse ein

fahren und sichere, wohnortnahe,

familienfreundliche Arbeitsplätze

bieten. Die Leutkircher

Bank ist nach der Bilanzsumme

(642 Millionen. Euro) deutlich

größer als die Waldseer Bank

(293 Mio. Euro). Gemeinsam

kommen sie auf 50.000 Kunden,

und 20 Geschäftsstellen. Mit einer

Bilanzsumme von 935 Millionen

Euro und 256 Mitarbeitern

ist das fusionierte Institut die

viertgrößte Genossenschaftsbank

zwischen Ulm, Kempten

und dem Bodensee. Auf Platz

eins steht die Volksbank Ulm/

Biberach (2,4 Milliarden Euro

Bilanzssumme, 464 Vollzeitstellen),

gefolgt von den Volksbanken

Überlingen (1,2 Milliarden

Euro, 240) und Konstanz (995

Millionen Euro, 195). amB

Abschied von

sympathischem

Pionier

Starb im Alter von 82 Jahren:

Erwin Hymer.

Unter großer Anteilnahme ist

Erwin Hymer in Waldsee beigesetzt

worden. Der 82-Jährige

galt schon zu Lebzeiten als Unternehmerlegende

und Pionier

der Fahrzeugbranche. Mit seinen

Fähigkeiten als Konstrukteur

und seinem klaren Blick

auf die Bedürfnisse der Menschen

verhalf der Pionier der

Freizeitfahrzeugbranche dem

Huckepack-Hotel schon in den

1960er Jahren zum Durchbruch.

Freunde, Mitarbeiter

und Geschäftspartner schätzten

ihn wegen seiner bodenständigen,

humorvollen Art. 1990

brachte er sein Unternehmen

nach einem Schlaganfall an die

Börse, um dessen Fortbestand

zu sichern. Denn seine Kinder

Carolin (28) und Christian waren

damals noch klein. Auf der

letzten Hauptversammlung Ende

April besiegelte das Unternehmen

den Rückzug von der

Börse und den Zwangsausschluss

der Minderheitsaktionäre.

Zuletzt erzielte Hymer mit

2780 Beschäftigten einen Jahresumsatz

von 859 Millionen

Euro. amB [!]

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Mentalcoaching für junge unternehMer

und geschäftsführer

Der kluge Umgang

mit der Vielfalt der Möglichkeiten

für Profisportler gehört

es dazu, einen persön-

lichen coach zu engagieren. Vor

allem in Krisensituationen, nach

unfällen, gesundheitlichen einbrüchen

oder zur Vorbereitung

auf wichtige Wettkämpfe baut

man verstärkt auf mentale techniken.

auch die junge unternehmergeneration

hat erkannt, dass

ihre aufgaben immer komplexer

werden, deshalb selbstreflexion

unabdingbar ist und sie bedient

sich immer mehr der Methoden

aus dem Mentalcaoching.

Mentalcoaching ist eine zeitgemäße

Methode für einen klugen

umgang mit verschiedenen

Möglichkeiten. dabei ist eine

unterscheidung zwischen beruflichen

und privaten anlässen

kaum noch möglich. Berufliche

Probleme haben stets einfluss

auf die private situation eines

Menschen und umgekehrt. eine

als fragil wahrgenommene führungssituation

wird sich im Privatleben

bemerkbar machen,

persönliche schwierigkeiten werden

sich auf die arbeitsleistung

auswirken.

Mentalcoaching basiert auf der

erkenntnis, das denken, Worte

und Bilder unsere stimmung und

damit unser Verhalten bestimmen.

außerdem nutzt Mentalcoaching

die erfahrungen aus der

hirnforschung, dass gedanken

biochemische Botenstoffe beeinflussen.

dass gewinnbringende

Bilder, Wörter und gedanken im

gehirn glücksbotenstoffe auslösen,

die motivieren, anregen und

damit Verhaltensveränderung

einleiten können. im Prinzip geht

es darum, in hilfe zur selbsthilfe

lösungen zu schaffen, klarer zu

sehen, um selbst bestimmter und

weitsichtiger handeln zu können.

Mentalcoaching vermittelt praktische

Methoden dazu.

Mentalcoaching erfordert den

mutigen Blick nach innen, um

nach außen wirken zu können.

so dient der mentale ansatz im

coaching dem jungen unternehmer

und geschäftsführer zur Profilschärfung.

Mentalcoaching leistet

einen wesentlichen Beitrag

zur Bildung der unternehmerpersönlichkeit.

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[führen] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

WiemanguteLeutefindetundhält

Ein Pharmakonzern wie Boehringer Ingelheim lebt von Innovationen – und die kommen nur von qualifizierten,

engagierten Mitarbeitern, erklärt Human-Resources-ChefinUrsulaFuggis-Hahn in unserer Umfrage.

Ursula Fuggis-Hahn ist Geschäftsführerin der Boehringer Ingelheim Deutschland GmbH und Leiterin Human Resources Deutschland.

Welche Themen beschäftigen Sie derzeit

am meisten?

Das Talent-Management, das heißt den richtigen

Mitarbeiter zum richtigen Zeitpunkt an

den richtigen Platz im Unternehmen zu bekommen.

Das hat für Boehringer Ingelheim

als forschendes und international tätiges

Pharmaunternehmen besondere Bedeutung.

Die Innovation kommt von unseren qualifizierten

und engagierten Mitarbeitern. Aus

diesem Grund ist es wichtig, die Mitarbeiter

über den Lebenszyklus im Berufsleben adäquat

zu begleiten und ihnen ein Arbeitsumfeld

zu bieten, in dem sie bestmögliche Leistungen

erbringen können.

Wo und wie finden Sie die richtigen Mitarbeiter?

Die demographische Veränderung und die Digitalisierung

kennzeichnen unseren Alltag.

Das hat auch Auswirkungen auf unsere Rekrutierungskanäle.

Wir stellen uns fokussiert

auf die Zielgruppen ein. Wir arbeiten mit

Printmedien, haben unsere Karriere-Webseite

und nutzen Online-Stellenbörsen. Mit Blick

auf die Generation Y, also jene gut ausgebildeten,

und technisch affinen jungen Menschen,

die im Umfeld eines allgegenwärtigen Internets

aufwachsen, nutzen wir auch mobile Kanäle,

um potenzielle Mitarbeiter zu erreichen.

Zur Direktansprache werden wir zukünftig

noch stärker persönliche Netzwerke wie LinkedIn

oder Facebook nutzen. Die Maßnahmen

erfolgen stets zielgruppenorientiert. Es

gibt ein spezifisches Schul- und Hochschulmarketing

zur frühzeitigen Kontaktaufnahme

mit potenziellen Kandidaten sowie ein

breites Angebot an verschiedenen Einstiegsprogrammen

von Direkteinstieg, Traineepro-

28


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[führen]

grammen und „Post doc“-Stellen bis zu Praktika

und Abschlussarbeiten.

ForschungshochburgBiberach

Was tun Sie, um Mitarbeiter langfristig ans

Unternehmen zu binden?

Basis ist unsere Unternehmenskultur und unser

gemeinsamer Erfolg. Es ist Teil unseres

Führungsverständnisses, eine Arbeitsatmosphäre

zu schaffen, die von Vertrauen und einer

hohen Leistungsbereitschaft geprägt ist

und die Raum für neue Ansätze und Ideen

gibt. Unsere Vision ist: Werte schaffen durch

Innovation. Unsere Mitarbeiter sollen sich dazu

einbringen können und anspornen lassen.

Als Unternehmen legen wir Wert auf eine innovative

Personalpolitik, die das unterstützt.

Was bedeutet das konkret?

Das bedeutet für uns, Rahmenbedingungen

zu schaffen, die die Mitarbeiter in ihrem Berufslebenszyklus

begleiten. Neben umfangreichen

fachlichen Maßnahmen gilt es darüber

hinaus Bedingungen zu schaffen, die die

Mitarbeiter dabei unterstützen, ihre Leistung

in jeder Berufsphase erbringen zu können. Da

geht es beispielsweise um das Thema mobiles

Arbeiten: Welchen Teil ihrer Arbeit erledigen

Mitarbeiter im Unternehmen und welchen

zuhause. Wir begleiten Eltern durch Maßnahmen

der Vereinbarkeit von Familie und Beruf,

wie zum Beispiel durch Krippenplätze, die

Boehringer Ingelheim in Kooperation mit den

Gemeinden anbietet. Wir sensibilisieren die

Mitarbeiter zum Thema Gesundheit und bieten

dazu Präventionsuntersuchungen, Seminare

und umfangreiche Informationen an. Es

geht stets darum, eine gute Balance zwischen

Berufs- und Privatleben zu ermöglichen. Darauf,

dass das Thema Pflege von Angehörigen

an Bedeutung gewinnt, haben wir mit einer

Konzernbetriebsvereinbarung reagiert.

Wie sieht diese Vereinbarung aus?

Wenn so eine Situation eintritt, benötigen die

ZurPerson

UrsulaFuggis-Hahn arbeite nach

dem Jura-Studium als Rechtsanwältin.

1998 trat sie ins Unternehmen ein,

sammelte Erfahrungen in verschiedenen

Personalbereichen, bevor sie verschiedene

Führungspositionen übernahm.

Seit 2012 verantwortet sie das

gesamte Personal in Deutschland.

Mitarbeiter Informationen und Zeit zur individuellen

Lösung. Deshalb enthält unsere Regelung

ein umfassendes Beratungsangebot,

bezahlte Pflegetage und die Familienpflegezeit

für einen vorübergehenden Zeitraum. In

jedem Einzelfall wird das passende Modell

mit den Beteiligten abgestimmt. Dies kann

zum Beispiel eine Arbeitszeitreduktion für

eine bestimmte Zeitdauer sein, gegebenenfalls

verbunden mit einer finanziellen Aufstockungsleistung,

die nach Beendigung der

Pflegezeit sukzessive durch den Mitarbeiter

wieder ausgeglichen wird. Diese Regelung

hilft Mitarbeitern, eine solch schwierige

Situation besser zu meistern und Privates und

Berufliches zu vereinbaren. Dies fließt ins Unternehmen

zurück – davon sind wir überzeugt.

Wie messen Sie die Atmosphäre im Unternehmen?

Zentrales Führungsinstrument ist bei uns das

verbindliche Mitarbeitergespräch zwischen

Mitarbeiter und Vorgesetztem. Dabei ist ein

wichtiger Punkt, wie beide die Zusammenarbeit

bewerten und weiterentwickeln. Darüber

hinaus messen wir die Stimmung durch regelmäßige

Befragungen. Deren Ergebnisse arbeiten

wir mit den Mitarbeitern auf, das heißt:

im Sinne einer gemeinsamen Verpflichtung

von Unternehmen und Mitarbeitern.

BoehringerIngelheimgehört zu den 20

größten Pharmafirmen weltweit. Der Unternehmensverband

umfasst 145 Gesellschaften

mit mehr als 44.000 Mitarbeitern

auf allen Kontinenten. Biberach ist

der größte Forschungs- und Entwicklungsstandort

im Unternehmensverband.

Ein zweiter Schwerpunkt dort ist die Produktion

von sogenannten Biopharmazeutika.

Das sind Medikamente, die mit Hilfe

von gentechnisch veränderten Hamsterzellen

hergestellt werden. Zudem werden

in Biberach umfangreiche Arbeiten erledigt,

die für die Zulassung von Arzneimitteln

nötig sind. An dem Standort in Oberschwaben

waren zuletzt mehr als 4600

Mitarbeiter beschäftigt sowie 275 Auszubildende.

Wie hoch ist das Weiterbildungsbudget

von Boehringer Ingelheim in Deutschland?

Eine solche Zahl geben wir grundsätzlich

nicht weiter. Für uns sind lebenslanges Lernen

und die kontinuierliche Qualifizierung

unserer Mitarbeiter Garant für den Erfolg des

Unternehmens auch in der Zukunft. In diese

Weiterbildungen fließt auch die umfangreiche

fachliche Weiterbildung ein. Darüber hinaus

gibt es die so genannte BI-Academy. Sie

bündelt die nicht-fachspezifischen Themen.

2012 gab es nahezu 4000 Veranstaltungen. Zudem

gibt es eine Vielzahl von Fort- und Weiterbildungen,

Kongressbesuche und anderes.

Wichtiger als eine Zahl ist für uns die Meinung

der Mitarbeiter, die die Qualifizierung

bei BI in Befragungen positiv bewertet haben.

Gibt es eine feste Zahl an Weiterbildungstagen

pro Mitarbeiter im Jahr?

Die Qualifizierung bei BI wird individuell und

bedarfsspezifisch auf Mitarbeiter und Mitarbeitergruppen

abgestimmt. Auch dies ist ein

wichtiger Bestandteil im Mitarbeitergespräch

und mündet in einem Qualifizierungs- und

Entwicklungsplan. Als Faustregel finden 70

Prozent der Maßnahmen durch ein „on-the –

job“-Lernen statt, 20 Prozent ergeben sich aus

der Führung und Zusammenarbeit mit anderen,

und rund 10 Prozent decken wir über

Trainings und Programme ab. [!] AMB

29


Energie-Fachleute unter sich im Blockheizkraftwerk: Jörg Riekenbrauck (rechts) von Uhlmann Pac-Systeme und der Planer der Anlage, Christian Walter.

Hochburg der grünen Energie

Im oberschwäbischen Laupheim hat die Zukunft der dezentralen Energieerzeugung begonnen. Unternehmen stellen

Strom und Wärme in Blockheizkraftwerken selbst her. Das könnte ein Erfolgsmodell werden.

Unscheinbar wirkt das neue Gebäude, das am

Rande des Parkplatzes der Uhlmann Pac-Systeme

in Laupheim steht. Keiner, der hier zufällig

vorbeikommt, ahnt wohl, dass die neue

Heizzentrale des Maschinenbauers die Keimzelle

einer neuen Art der Energieversorgung

in Oberschwaben darstellen könnte. Hinter

den Mauern mit den großen getönten Scheiben

steckt ein Blockheizkraftwerk, von dem

sich die Erdgas Südwest GmbH einiges verspricht.

Unter dem Motto „Energie aus der

Region für die Region“ hat der Versorger ein

ausgeklügeltes Konzept umgesetzt. „Das soll

die Erdgas-Importe verringern, die Versorgungssicherheit

erhöhen, dem Klimaschutz

dienen und der Region Wirtschaftsimpulse

geben“, erklärt Geschäftsführer Ralf Biehl.

„Unser Ziel ist es, die Biogas-Produktion in

30


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[machen]

ländlichen Räumen zu bündeln und den Verbrauchern

über intelligente Vertragsmodelle

Strom und Wärme aus regenerativer Erzeugung

zur Verfügung zu stellen. Das stärkt die

Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze im ländlichen

Raum.“ Uhlmann Pac-Systeme ist das

erste Unternehmen, dass das neue Konzept

nutzt und sich über geringere Energiekosten

freuen kann.

GErinGErE EnErGiEkostEn

„Für uns stand die Wirtschaftlichkeit bei dem

Projekt klar im Vordergrund“, sagt Joerg Riekenbrauck,

Chef der elektrischen Energietechnik

bei Uhlmann. „Dass wir dadurch in

Sachen Energie unabhängiger werden, ist ein

positiver Nebeneffekt. Wir sparen 7 Prozent

unserer jährlichen Energiekosten bei langfristiger

Preis- und Versorgungssicherheit.“ Und

das geht so: Erdgas Südwest hat das Grundstück

von Uhlmann Pac-Systeme für zehn

Jahre gemietet, gebaut und liefert zehn Jahre

Energie zu festgeschriebenen Preisen. „Wir

bezahlen nur für den Strom und die Wärme,

die wir abnehmen – und haben Planungssicherheit“,

erklärt Riekenbrauck. In Spitzenlastzeiten

deckt die Anlage 70 Prozent des

Energiebedarfs. Die Idee, das Blockheizkraftwerk

selbst zu betreiben, habe das Unternehmen

schnell wieder

verworfen. „Das gehört

nicht zu unseren

Kernkompetenzen.“

Ziel des Projektes

„Energie aus der Region

für die Region“

ist es, das regionale

Biogas effizienter

einzusetzen, erläutert

Ingo Landtha-

Ingo Landthaler von

Erdgas Südwest.

ler, der bei Erdgas

Südwest den Vertrieb

für Geschäftskunden leitet. Das lässt

sich nur erreichen, wenn das Biogas zu Abnehmern

gebracht wird, die Wärme und

Strom nutzen. Bei der reinen Verstromung des

Biogases geht ein Großteil der Wärme verloren.

Blockheizkraftwerke sind für Unternehmen

immer dann eine Erwägung wert, wenn

diese Wärme und Strom benötigten. Um sie

wirtschaftlich zu betreiben, müssen sie meist

mehr als 5000 Stunden im Jahr in Betrieb sein.

Das Biogas, das in der Anlage für Uhlmann

verbrannt wird, stammt von einem Landwirt

aus dem wenige Kilometer entfernten Achstetten.

„Wir bereiten Biogas auf dem Bauernhof

auf und transportieren es durch eine eigens

verlegte Leitung (120 Millimeter) zu

Uhlmann“, berichtet Landthaler. Doch damit

erschöpft sich der regionale Aspekt nicht. Die

Aggregate in dem Blockheizkraftwerk stammen

von der Ehinger Firma AVS, das Gebäude

wurde vom Baltringer Bauunternehmen

Schmid erstellt, obendrein sind Handwerker

aus der Region im Einsatz.

Steffen Fetzer, Leiter des Geschäftskundenvertriebs

der Stadtwerke Ulm, sieht sich durch

solche Projekte in seiner Einschätzung bestä-

Versorgungssicherheit.

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31

Ideenstark für die Region


[machen] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

tigt. „Wir merken das bei unseren Veranstaltungen:

Das Interesse vieler Unternehmen am

Thema Energie ist derzeit riesengroß.“ Die

Entscheidung zu Investitionen hänge aber

von zwei Aspekten ab: einer höheren Energieeffizienz

und damit einem wirtschaftlichen

Vorteil oder dem Sicherstellen der Versorgungssicherheit.

In Laupheim gibt es für beide Fälle Beispiele.

Uhlmann Pac-Systeme zum einen, zum anderen

den direkten Nachbarn, den Biotechnologie-Experten

Rentschler. Dort soll zum Jahresende

ein Blockheizkraftwerk aus Erdgas

Strom, Wärme und Dampf erzeugen, alles in

allem mit 1280 Kilowatt elektrischer, 940 Kilowatt

thermischer Leistung und 500 Kilowatt

Dampf, sagt der projektverantwortliche

technische Leiter des Pharmaunternehmens,

Ralf Rieger. 80 Prozent der benötigten elektrischen

Energie werde Rentschler künftig selbst

erzeugen. Der Grund für den Bau sei natürlich

auch wirtschaftlicher Natur, diene in erster

Linie aber der langfristigen Versorgungssicherheit,

betont Rieger mit Blick auf das Ende

des Atomzeitalters. „Wir gehen davon aus,

dass bis 2025 nicht alle erforderlichen Stromtrassen

von den Windkraftanlagen in Norddeutschland

in den Süden fertiggestellt sind.

Doch dann drohen Stromausfälle. Bei so sensiblen

Produktionsprozessen wie den unseren

darf das nicht passieren“, erklärt Rieger. Im

Gegensatz zu Uhlmann betreibt Rentschler

das Blockheizkraftwerk selbst, den Brennstoff

liefert Erdgas Südwest.

Es liEGt am mais

Mit den Projekten bei Uhlmann und Rentschler

nimmt Laupheim endgültig eine Vorreiterrolle

ein. Vor fünf Jahren wurde nahe Laupheim,

in Burgrieden, eine der ersten

Biogas-Aufbereitungsanlagen im Land in Betrieb

genommen. Betrieben wird sie von der

Erdgas Südwest. Zulieferer sind 23 Landwirte.

Dieses Biogas wird dort gereinigt, auf Erdgas-

Qualität getrimmt und ins Netz eingespeist.

Mittlerweile werden in Laupheim auch etliche

öffentliche Gebäude mit Biogas-Blockheizkraftwerken

versorgt. Für Ingo Landthaler

hat der Biogas-Boom in Laupheim einen

einfachen Grund: „Der Mais und damit der

Rohstoff für die Anlagen gedeiht in Oberschwaben

sehr gut.“ Allein im Kreis Biberach

gibt es nach seinen

Worten rund 200

Biogasanlagen. Für

Blockheizkraftwerke

sieht er in

der Region ein großes

Potenzial, auch

weil eine wachsende

Zahl Unternehmer

Interesse an

innovativer und

IHK-Energiefachmann

Werner Kühl

umweltfreundlicher

Energieerzeugung

und an Versorgungssicherheit

haben. Den Beginn des

Trend, Energie regional zu erzeugen, sieht

Steffen Herrmann, der Geschäftsführer der

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Von nordbaden bis zum Bodensee

Die Erdgas südwest GmbH ist eine

Tochter der ENBW Vertrieb GmbH, die 79

Prozent der Anteile hält. 21 Prozent der

Anteile gehören der Oberschwäbischen

Elektrizitätswerke Energie-Beteiligungs

GmbH und damit den Landkreisen und

Kommunen in Oberschwaben. Zuletzt

kam das Unternehmen mit 108 Mitarbeitern

auf einen Jahresumsatz von 145 Millionen

Euro. Zu den Geschäftsbereichen

gehören die Beschaffung und der Vertrieb

von Erdgas, Erzeugung von Bioerdgas,

Wärme und Strom, Bereitstellung

und Instandhaltung der Leitungsinfrastruktur.

Das Unternehmen mit Sitz in

Ettlingen beliefert 44.200 Privatkunden

und mehr als 950 Geschäftskunden in 94

Gemeinden mit 200 Ortsteilen in Nordbaden,

Oberschwaben, auf der Schwäbischen

Alb und am westlichen Bodensee.

AVS Aggregate Bau in ganz Deutschland. „Das

ist ein Wechsel der Geschäftspolitik der Energieversorger“,

sagt er. Ein Drittel der technischen

Lösungen zur Stromversorgung des

Ehinger Unternehmens mit 140 Mitarbeitern

geht bundesweit an Energieversorger, zweite

große Kundengruppe ist

die Industrie. Derzeit halten

sich nach seiner Meinung

viele Unternehmen

bei dem Thema zurück –

sei es wegen der flauen

Konjunktur oder deshalb,

weil Energie aus seiner

Sicht immer noch vergleichsweise

günstig ist.

Deutlich zugenommen

hätten indes die Anfragen von Unternehmen

nach technischen Lösungen für eine Notstromversorgung.

FirmEn macHEn strom

Nach Angaben der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm

(SWU) wächst auch die Zahl der Unternehmen,

die Strom erzeugen und diesen ins öffentliche

Netz speisen. Im April gab es im

SWU-Netzgebiet 261 Anlagen mit einer Leistung

von mehr als 50 Kilowatt. In dieser Größenordnung

handelt es sich meist um Photovoltaik-Anlagen

von Unternehmen. Einen

kleine

Betriebe

haben viel

Potenzial

zum sparen

Boom bei der eigenen Energieerzeugung von

Firmen erwartet Werner Kühl von der IHK

Ulm aber nicht. Dazu sei der Anteil der Energiekosten

an den Gesamtausgaben der Industrie

im Durchschnitt mit 3 Prozent zu gering.

Allerdings schärften mehr und mehr Firmen

ihr Bewusstsein, wie sie

effizienter mit Energie

umgehen und den Verbrauch

steuern können,

um Kosten zu senken.

Denn die Stromspitzen

im Verbrauch kommen

die Unternehmen teuer,

erklärt der Energieexperte.

Nach Kühls Einschätzung

besteht in vielen Unternehmen ein erhebliches

Sparpotenzial. Viele Mittelständler setzen

sich aus Zeitgründen nicht mit dem Thema

Energie auseinander. Doch das Thema

gewinne an Bedeutung. Gerade für kleine Betriebe

biete sich eine so genannte Initialberatung

an. Die staatliche Förderbank KfW übernimmt

hierbei im Rahmen ihrer

Mittelstandsförderung 80 Prozent der Kosten,

bei einer Detailberatung sind es 60 Prozent.

„Das ist ein guter Einstieg zu mehr Energie-

Effizienz“, sagt Kühl. [!]


ALEXANDERBÖGELEIN


[machen] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Solar-GalaxieaufderSchwäbischenAlb

Eitel Sonnenschein herrscht in der Solarbranche schon lange nicht mehr. Da bedarf es pfiffiger Ideen, um nicht auf die

Schattenseite zu geraten. Die GalaxyEnergyGmbH setzt auf ästhetische Lösungen und auf Zusatznutzen für die Kunden.

Es werde Tageslicht: Die „Indachsysteme“ gibt es auch in transparenten Versionen.

Wenn es bei Galaxy Energy ein irdisches

Problem zu besprechen gilt,

wird kurzerhand der Familienrat

einberufen. Am Besprechungstisch nehmen

dann Platz: Georg Schöll, der Geschäftsführer

und Gründer, seine Frau Karin Schöll, welche

die Buchhaltung und das Personalwesen unter

sich hat, sowie ihre drei Kinder Manfred

(Projektleitung), Eva Maria (Marketing) und

Dieter (Vertriebschef).

Mehr Familienunternehmen geht wohl kaum

– was die Nachfrage provoziert, ob Papa und

Mama nicht ständig in alte Erziehungsmuster

verfallen, wenn der Rat tagt. Manfred Schöll

räumt ein, dass so eine Konstruktion nur

funktionieren könne, wenn man sich als Partner

sieht und anerkennt. „Vorteil ist, dass man

innerhalb einer Familie eine ganz andere gegenseitige

Vertrauensbasis hat.“ Offenheit

und ein ehrlicher Dialog, die werden von ihm

insgesamt sehr wichtig genommen.

GrEnzEndErVErtrAutHEit

Stürmisch. So war die Entwicklung der Firma

in jüngerer Zeit: die Neuausrichtung vom Hersteller

von Fitnessgeräten zum Systemanbieter

für Solarlösungen, der Umzug von Heroldstatt

in einen Neubau in Berghülen und nicht

zuletzt der Personalaufbau:

Binnen

18 Monaten hat

sich die Zahl der

Mitarbeiter, derzeit

22, annähernd

verdoppelt, am

meisten durch Vertriebler.

„Das Familiäre“

aufs Betriebsklima

zu

Ingenieur und Galaxy-

Gründer Georg Schöll.

übertragen, ist erklärtes

Ziel. Alle

sind mit allen per Du. „Natürlich gibt es auch

Grenzen.“ Die Vertrautheit werde schwierig,

„wenn man merkt, das jemand zu uns nicht

passt und es zur Kündigung kommen muss“,

erklärt Manfred Schöll.

Expansion in Zeiten der Verunsicherung und

der Pleiten auf dem Solarmarkt, wie passt das

zusammen? Das Schlüsselwort der Energie-

Galaktiker lautet „Indachsystem“, eine 2009

erstmals vorgestellte Entwicklung des Firmengründers

und Dipl-Ingenieurs. Wer ein

solches System montieren lässt, kann auf die

übliche Dachhülle aus Ziegel, Eternit oder

Blech verzichten. Denn bei diesem „gebäudeintegrierten

System“ bilden die Photovoltaikmodule

gleichzeitig die Dachhaut. Sie werden

auf eine spezielle und ebenfalls eigen entwickelte

Unterkonstruktion aus Aluminiumprofilen

montiert, in welche das Knowhow

aus dem Sportgerätebau miteingeflossen ist.

Der Tüftlergeist schloss die Dichtung ebenso

ein, denn eine Hülle aus Solarmodulen muss

natürlich wasserdicht sein.

Ein weiteres Qualitätskriterium ist die Rissfestigkeit

der Elemente. Energy Galaxy lässt

sie in China bei einer Partnerfirma fertigen,

„nach unserem Rezept, mit den von uns besorgten

Komponenten und Materialien, mit

Leuten unseres Vertrauens in der Qualitätssicherung“,

berichtet Eva Maria Schöll. Diese

Module besäßen im Vergleich zu Standardmodulen

auch einen etwas höheren Wirkungs-

34


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[machen]

grad von bis zu 16 Prozent, da man sie hinterlüften

und damit kühlen könne. Und es gibt

sie in einer transparenten Variante, so dass Tageslicht

ins Gebäude fällt.

Im großen Maßstab lässt sich dies an der großen,

sehr hellen Halle des Firmengebäudes

studieren, wo rund 2000 Quadratmeter Modulfläche

installiert sind. Für dieses Praxis-

Beispiel wurde die Firma kürzlich mit dem

Innovationspreis 2013 ausgezeichnet, den eine

Fachjury im Rahmen eines Branchentreffens

ermittelt hat. Soll ein Dach gedämmt

werden und die Lichtdurchlässigkeit erhalten

bleiben, bietet der Hersteller seit neuestem

auch dafür eine Lösung an, auf Basis von Acrylglas.

PräsenzauchinÜbersee

trEndzuklEinErEnAnlAGEn

Die Zeit, da große Dachflächen mit Solarzellen

bestückt werden in der Absicht, damit eine

gute Rendite zu erwirtschaften, geht zu

Ende. Die Absenkung der Einspeisevergütung

mache diesem Modell immer mehr den Garaus,

sagt Manfred Schöll. Die Nachfrage verschiebe

sich wieder mehr in Richtung kleiner

Anlagen, nun vermehrt für den Strom-Eigenbedarf.

Da derzeit lediglich sechs Prozent der

Dächer mit Zellen bestückt seien, sich aber

etwa 50 Prozent dafür eigenen würden, sieht

er noch ausreichend Marktpotenzial für die

inkanada und in der Tschechischen Republik

unterhält Energy Galaxy kleine Vertriebsniederlassungen,

in Tschechien sei

zudem der Bau einer Solarmodul-Recyclinganlage

geplant. Süddeutschland,

Österreich und die Schweiz sind derzeit

die wichtigsten Märkte.

Das Indachsystem eignet sich ebenso für

die Nachrüstung von Bestandsbauten etwa

im Zuge einer Dachsanierung. Die

Montage der Anlagen vor Ort wird über

Fremdfirmen aus dem Fachhandwerk abgewickelt.

Was die weitere Expansion betrifft,

wollen die Schölls zunächst in ruhigere

Gewässer segeln. „Wir wollen nicht

der Größte sein, aber einer der Besten“,

lautet das Firmenmotto.

Hervorgegangen ist die Firma aus der Galaxy

Sport GmbH, die ihre Geschäftstätigkeit

mit der Umfirmierung eingestellt hat.

Ihr Vater setzte um die Jahrtausendwende

dann voll auf Solar, weil er darin ein

größeres Potenzial erkannt hatte, erläutert

Tochter Eva Maria. Der Einstieg begann

mit dem Bau von Nachführsystemen

für die Module.

TV

Zukunft. Dazu kämen die Fassaden, auch dafür

biete man Lösungen, aufgeschlossene Bauherrn

und Architekten vorausgesetzt. Und

wenn die Subventionierung von Solarstrom

komplett gestrichen würde? „Darauf sind wir

eingestellt“, gibt sich Manfred Schöll

zweckoptimistisch. [!] Thomas Vogel

IHK-Fachkräfteinitiative – Unser Engagement für Ihren Erfolg

Demografische Entwicklung

Alterung der Belegschaft

Weniger Fachkräftenachwuchs

Demografiebewusstes

Personalmanagement

• Demografie-Initiative

Fachkräftereport/

Fachkräftemonitor

Verbesserung der Berufsorientierung

• Bildungsnetzwerk Schule /

Wirtschaft

• Bildungsmesse Ulm

• Ausbildungsbotschafter

• »BoriS« Berufswahl

Förderung technischer und

naturwissenschaftlicher

Neigungen

• Faszination Naturwissenschaft

und Technik

• Girls‘ Day Akademie

• SFZ – Schülerforschungs

zentrum Südwürttemberg

Erfolgreich ausbilden

im demografischen Wandel

• Ausbilder-Akademie

• Azubi-Akademie

• Azubi-Börse

• »Azubis finden« /

»Kompetenz-Check«

• Praktikant 24 – Lernen und

Studieren mit Praxisbezug

Berufliche Weiterbildung

• »Kapital bilden« –

Qualifizierungsstrategien

• Akademie für Technik Ulm

• Microsoft IT Academy –

Program Member

Vereinbarkeit von Familie

und Beruf

• Kontaktstelle Frau und Beruf

X

Demografie

Initiative

35


[spezial] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

DerBlaumannwareinmal

Beige für die Schreiner, Grün für die Gärtner und Weiß für die Maler und Stuckateure. Die Welt der Arbeitskleidung ist

bunt – und wird immer bunter. Schürzen, Hosen, Kittel müssen nicht mehr nur funktional, sondern auch schick sein.

Vom Mediziner bis zum Maurer: Silke und Mark Bulling kleiden sie ein.

Manchmal tragen auch die Halbgötter

in Weiß Grün. Und zwar immer

dann, wenn ihr Arbeitsplatz der Operationssaal

ist. Prof. Dr. Doris Henne-Bruns,

seit 2001 ärztliche Direktorin der Klinik für

Allgemein- und Viszeralchirurgie am Universitätsklinikum

Ulm, erklärt den Grund: „Es

gibt zwar keine offizielle Erklärung, doch

heutzutage sind die OP-Leuchten sehr hell, so

dass der Operateur von der weißen Kleidung

der anderen Ärzte oder Schwestern während

des Eingriffs geblendet werden würde.“ Blaue

und grüne Arbeitskleidung absorbiere das

Licht wesentlich besser. „Die Pupillen können

sich weiten, und das Auge bekommt wesentlich

mehr Tiefenschärfe – was sehr wichtig ist,

wenn man zum Beispiel in einen Bauchraum

blickt.“

MAnsiehtDieBlutspritzer

Jenseits der Operationssäle bestimmt Weiß

aber auch weiterhin das Bild in vielen medizinischen

Bereichen, etwa Arztpraxen, Tageskliniken

und Ambulanzen. Auch das hat einen

Grund, erklärt die Professorin: „Auf Weiß

sieht man ganz einfach sehr schnell alle Verunreinigungen,

darunter mitunter auch Blutspritzer.

Deshalb ist es enorm wichtig, dass

weiße Arztkittel jederzeit blütenrein gewaschen

sind. Nur dann stehen sie für ein

Höchstmaß an hygienischer Sauberkeit.“

Wenn der Doktor seine Patienten in der Praxis

empfängt oder im Krankenhaus auf Visite

geht, gilt: Arztkittel ist nicht gleich Arztkittel,

berichtet Mark Bulling, der Inhaber des Fachgeschäftes

„Bulling - der Profi für Berufskleidung“

im Ulmer Hafenbad: „Bei der Visitenkleidung

gibt es große Unterschiede. Manche

Ärzte bevorzugen zum Beispiel Mäntel mit

Stehkragen, andere wünschen verdeckte

Knopfleisten, manche achten ganz besonders

auf den taillierten Schnitt.“

Nicht nur die Chefs und Chefinnen haben

modische Formen im Blick. Auch die Arzthelferinnen

achten auf ihr Äußeres, vielleicht

mehr als die meisten Kollegen in der Gesundheitsbranche.

„Für diese Berufsgruppe haben

wir allein 25 verschiedene Hosenmodelle im

Sortiment. Die Auswahl reicht von Röhrenoder

Stretchjeans über Caprihosen bis hin zu

Beinkleidern aus Chino-Twill“, sagt Silke

Bulling, die ihren Mann in der Beratung und

im Verkauf unterstützt.

Tristesse tabu: Grundsätzlich tragen die Angestellten

in Arztpraxen oder in Pflegeheimen

eher schillernde Farben, die die Patienten aufmuntern

sollen. Und das wird auch so bleiben.

Silke Bulling: „Die neuesten Trends sind zum

Beispiel apfelgrün und pink.“

WoistDerMeterstAB?

Doch nicht nur dort, wo chirurgisch exakt geschnitten

wird, achtet man auf die passende

Tracht. Auch die Arbeiter, die Tag für Tag gehörig

anpacken müssen, sind froh, wenn sie

eine funktionale Kleidung am Leibe tragen,

bei der sie nicht ständig nach dem Zollstock

suchen müssen. An klassischen Arbeitshosen

sitzt die Meterstab-Tasche daher immer an

derselben Stelle. Darauf kann man sich blind

verlassen.

Doch gesehen werden möchte man schon.

Deshalb nutzen viele Firmen die Arbeitsklei-

36


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[spezial]

hammerkettenundnageltaschen

1699.-*w

Jura J9.3TFT Aroma +

Brillant Silber

Die Löwenkette eines Zimmermanns: Tragen darf er sie erst, wenn er Geselle ist.

* Aktionspreis

inkl. Inbetriebnahme und

Lieferung (Umkreis 20km)

imJahr1948 hat Alfons Bulling im Ulmer

Münsterbazar sein Fachgeschäft für Berufskleidung

und Schürzen gegründet. Mit

der Übergabe an seinen Sohn Wolfgang

und dem Umzug ins Hafenbad wurde aus

„Schürzen Bulling“ dann „Bulling, der Profi

für Berufskleidung“.

Nicht nur Mediziner, Gastronomen, Köche

oder Industriearbeiter gehen hier ein und

aus. Auch Zimmerleute auf Wanderschaft

schauen schon mal im Geschäft vorbei,

das Mark Bulling mit seiner Frau Silke nun

bereits in der dritten Generation führt:

„Diese Handwerker sind sehr stolz auf ihren

Berufsstand und tragen ausschließlich

Hammerketten oder Nageltaschen mit

den entsprechenden Zunftzeichen, die sie

bei uns bekommen.“

sl

dung ihrer Handwerker und Arbeiter, um damit

auch ein bisschen die Werbetrommel für

ihren Betrieb zu rühren. Mark Bulling: „Viele

Geschäftsleitungen passen die Hosen und Jacken

immer mehr dem farblichen Erscheinungsbild

des Unternehmens an, auch die

Firmenlogos sind eingestickt. Der klassische

Blaumann hat so nach und nach ausgedient.“

200KiloAufDeMfuss

Neben dem modischen Aspekt spielt bei der

Berufskleidung natürlich auch die Sicherheit

eine große Rolle. Dies gilt ganz speziell für

Schuhe. Europäische Sicherheitsstandards

sorgen dafür, dass niemand während der

Dienstzeit ins Straucheln gerät oder sich

dicke Zehen holt.

So schreibt die berufsgenossenschaftliche

Norm S1 vor, dass Arbeitsschuhe für bestimmte

Bereiche mit Sicherheitskappen aus Aluminium,

Plastik oder Stahl ausgestattet sein

müssen, die einer Belastung von 200 Joule

standhalten. Diese Kraft entspricht einem 200

Kilogramm schweren Eisenstück, das aus einem

Meter Höhe auf den Boden fällt. Das tut

mehr als weh.

Schuhe der Sicherheitskategorie S2 haben

ebenso Schutzkappen-Pflicht und sind zudem

wasserabweisend. Mark Bulling: „Diese Schuhe

muss man zum Beispiel in Großküchen

tragen oder auch in Industriebetrieben, wo Öl

aus den Maschinen auslaufen kann.“

Weiter geht es mit S3. In diese Sicherheitskategorie

gehören Schuhe, die zusätzlich noch

einen Nageldurchtrittschutz haben. Mark

Bulling: „Grundsätzlich gibt es Sicherheitsschuhe

in allen gewünschten Formen, darunter

auch als sportliche Sneakers, Turnschuhe

und sogar als elegante Business-Schuhe zum

Anzug.“

Mit dem Thema „Sicherheitsschuhe für leitende

Angestellte“ beschäftigt sich auch der

Weißenhorner Martin Blässing. Der findige

Fertigungsleiter betreibt seit einiger Zeit als

Hobby einen Onlineshop, in dem Mitarbeiterinnen

in Führungspositionen fündig werden:

„Viele Frauen, die in ihrem täglichen Beruf

oftmals zwischen Konferenzraum und

Fertigungshalle pendeln müssen, zum Beispiel

Auditorinnen, sind verzweifelt, dass es

kaum Damenschuhe gibt, die die gängigen

Sicherheitsbestimmungen erfüllen und zudem

elegant sind.“

Eine Marktlücke? Auch für die Ulmer Architektin

Anja Stemshorn sind Sicherheitsschuhe

Tag für Tag ein Muss. Stilvoll müssen sie

jedoch nicht unbedingt sein: „Schuhe mit Absätzen

sind am Bau eher kein Thema. Was

glauben Sie, wie die nach einem Baustellenbesuch

aussehen?!“ [!] sTEFANlOEFFlER

37


[leben] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

RoteKartefürdie

Bermuda-Shorts

Kleider machen Leute – so heißt die Novelle des Dichters

Gottfried Keller, die Mitte des 19. Jahr hunderts er schienen ist. Ist

feinerZwirn auch heute noch ein persönliches Mar ken zeichen,

oder regiert in den Büros längst legeres Outfit? Einige

Unternehmer haben für uns ihre Kleiderschränke geöffnet.

Heribert Fritz (49, verheiratet,

eine Tochter) ist seit 25

Jahren Geschäftsführer der

Fritz & Macziol Software

und Computervertrieb

GmbH. Die Unternehmensgruppe

beschäftigt rund 1000

Mitarbeiter in Deutschland, der

Schweiz und Asien.

Foto: Miriam Groener

1) Wir legen generell Wert auf ein gepflegtes Äußeres, und selbstverständlich

gilt generell „Business Kleidung“ als vereinbart, ohne dies

explizit in einem Mitarbeiter-Leitfaden zu erwähnen. In einem professionellen

Umfeld gehört ein professionelles Outfit dazu. Hier

bauen wir auf unsere über 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

selbst. In den vergangenen Jahren sind mir nur vereinzelt Themen

zu Ohren gekommen, wo sich jemand nicht daran gehalten hat.

2) Nein, das ist überhaupt nicht schwer. Alle ziehen voll mit.

3) Diese Aussage kann ich grundsätzlich bestätigen.

4) Gar nichts. Gefällt mir persönlich auch bei coolen Jüngeren nicht.

Aber generell gilt, erlaubt ist, was gefällt.

5) Habe ich zuletzt vor 15 Jahren. Das war, soweit ich mich erinnere,

das einzige Mal.

6) Ja, je nachdem, wann ich heimkomme.

7) Oh ja, Ende der 80er habe ich bisweilen – wie damals üblich –

zu Business-Anzügen weiße Socken getragen. Diese Bilder von

damals anzuschauen, ist aus heutiger Sicht schlichtweg peinlich.

Foto: © Aaron Amat - Fotolia.com

38


unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[leben]

1) Welche Dresscodes gelten in Ihrem Unternehmen?

2) Ist es schwer, diese Regeln durchzusetzen?

3) Haben Frauen mehr Freiheiten als Männer?

4) Was halten Sie von Business-Bermudas für Männer?

5) Haben Sie schon einmal einen Mitarbeiter zum

Umziehen nach Hause geschickt?

6) Feierabend. Ziehen Sie sich zu Hause um?

7) Ein Blick zurück: Erinnern Sie sich an Ihre grässlichste

Modesünde?

Gut informiert,

besser beraten,

bestens verkauft!

Herrenkellergasse 19 · 89073 Ulm

Tel.: +49-(0)-731-9380760

www.engelvoelkers.com/ulm

Immobilienmakler

Der 56-jährige Grünen-Politiker

Eugen Schlachter ist seit 23

Jahren Sprecher des Vorstands

der Raiffeisenbank Dellmensingen

eG. Der verheiratete Bankbetriebswirt

hat drei Kinder

und ist in seinem Beruf für 14

Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen

verantwortlich.

1) Bei unserer Raiffeisenbank gibt es keinen schriftlich formulierten

Dresscode. Es gilt aber ein ungeschriebenes Gesetz: „ordentlich“.

Das wird unisono eingehalten und ist Ausdruck des Respektes und

der Hochachtung gegenüber Kunden und Geschäftspartnern.

2) Der Begriff „ordentlich“ wird von meinen Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern wohl verstanden. Seit 23 Jahren bin ich Vorstand hier

und hatte noch nie Grund, am äußeren Erscheinungsbild des Teams

zu kritteln.

3) Der Begriff „ordentlich“ ist geschlechtsneutral. Den Freiheitsbegriff

definiere ich nicht über Kleidung.

4) Wenn es Männer gibt, die das mögen – meinetwegen. Für mich persönlich:

„no go“.

5) Nein, dazu hatte ich bisher noch keine Veranlassung.

6) Es kommt darauf an, ob ich am Abend noch Verpflichtungen habe.

Aber meistens ziehe ich mich zu Hause um. Ich bewohne einen Bauernhof.

Insbesondere von Frühjahr bis Herbst gibt es da immer etwas

zu tun. Ein dunkler Anzug ist dabei nicht die geeignete Kleidung.

7) Nein, eine Modesünde fällt mir nicht ein. Vor etwa zwei Jahren ging

ich im Anschluss an eine Tagung auf eine Party im Clubhaus meines

Motorradvereins. Bei Hardrock, Benzingesprächen, Fassbier und einer

Sau am Spieß war ich im feinen Zwirn mit Krawatte doch etwas

unpassend gekleidet.

Fotos: © dispicture - Fotolia.com (Socken, S. 41), © sveta - Fotolia.com (Jeans

S.39, Hemden, S. 40, Sonnenbille, S.41)

39


[leben] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

1) Welche Dresscodes gelten in Ihrem Unternehmen?

2) Ist es schwer, diese Regeln durchzusetzen?

3) Haben Frauen mehr Freiheiten als Männer?

4) Was halten Sie von Business-Bermudas für Männer?

5) Haben Sie schon einmal einen Mitarbeiter zum

Umziehen nach Hause geschickt?

6) Feierabend. Ziehen Sie sich zu Hause um?

7) Ein Blick zurück: Erinnern Sie sich an Ihre grässlichste

Modesünde?

Roland Reischmann, geschäftsführender

Gesellschafter des

1860 gegründeten Familienunternehmens

Reischmann, ist

verheiratet und hat vier Kinder.

Das Unternehmen beschäftigt

1200 Mitarbeiter an den Standorten

Ulm, Ravensburg, Kempten

und Memmingen.

1) In unseren Häusern schreiben wir keine Einheitskleidung vor. Wir

haben viel zu heterogene Stilgruppen unter einem Dach. Unsere

Berater sind für spezielle Stilgruppen zuständig – und fühlen sich in

der Welt dieser Stilgruppe am wohlsten.

2) Ganz im Gegenteil.

3) Ich würde lieber von mehr oder weniger Kreativität sprechen. Und

diese darf bei Frauen in der Tat manchmal etwas größer sein.

4) Warum nicht? Wem es steht und wer sich darin wohlfühlt, darf sie

von mir aus gerne tragen.

5) Nein, aber ein persönliches „Face to Face“-Gespräch, um die Kleiderordnung

in Zukunft etwas anders zu gestalten, gab es schon das ein

oder andere Mal.

6) Meistens schon. Ich liebe Cashmere-Pullover und bequeme Chinos

in meinem privaten Umfeld.

7) Wenn man heute alte Bilder anschaut, wundert man sich manches

Mal, wie man etwas gut gefunden haben konnte. Aber es hatte eben

auch seine Zeit. Deshalb würde ich zu nichts sagen, dass es eine

„Sünde“ war. Ich wehre mich auch gegen den Gedanken, dass es Mode

gibt, die Sünde ist. Liegt das Empfinden nicht viel mehr bei dem,

der es trägt?

Der Dipl.-Sachverständige

Erik Nothhelfer (47) ist seit

1988 selbständiger Immobilienmakler

mit drei Mitarbeitern.

Der Vorsitzende des Immobilienverbands

Deutschlands IVD-

Süd ist seit 1990 verheiratet

und hat einen 20-jährigen Sohn

und eine 16-jährige Tochter.

Foto: Jürgen Hofstätter

1) In der Regel ist Businesskleidung, also Anzug und Krawatte, angesagt.

Wobei sich dies auch nach den jeweiligen Kundenterminen

richtet.

2) Nein, ein gepflegtes Erscheinungsbild sehe ich heute als selbstverständlich

an.

3) Das ist sicher so. Die Kleidung im Büro und bei Kundenkontakten

sollte jedoch nicht zu freizügig sein.

4) Ganz ehrlich – gar nichts. Das finde ich unpassend und peinlich.

5) Ja, einen Praktikanten vor einem Notar-Termin. Da sind Anzug und

Krawatte Pflicht.

6) In der Regel ja. Privat trage ich gerne Jeans, ist einfach bequem und

sieht gut aus.

7) Weiße Socken zum dunklen Anzug. Das ist jedoch schon 30 Jahre her.

Michael Ratter ist Inhaber

und Geschäftsführer des Schuhhauses

Ratter. Der 54-jährige

Familienvater (drei Kinder)

beschäftigt in seinem Unternehmen,

das er in der vierten

Generation führt, derzeit

22 Mitarbeiter.

Foto: Ralph Rösch

1) Wir sind ein Geschäft, das Schuhmode und einen gepflegten Lifestyle

verkauft. Deshalb gilt für jeden Mitarbeiter auch der Dresscode

„gepflegt-sportiv“ – natürlich mit der aktuellen, saisongerechten

Schuhmode am Fuß.

2) Manchmal erlaubt sich die Geschäftsleitung, dezent darauf hinzuweisen,

wenn die Rocklänge zu kurz oder die Jeans zu „schäbig“ sind.

3) In unserem Unternehmen arbeiten fast nur Frauen. Generell haben

in unserer Branche die Damen meiner Meinung nach im Outfit

mehr Entfaltungsmöglichkeiten und deshalb auch mehr „Freiheiten“

als Männer.

40


SÜDWEST PRESSE

dass keine Teile der Datei abgeschnitten/überdeckt werden.

Bitte achten Sie in Ihren Veröffentlichungen auf auch auf die Verhältnismäßigkeit unseres Logos zu den

restlichen Logos/Inhalten. Lieber kleiner/dezenter einbauen als überdimensioniert.

unternehmen [!] Ausgabe 32 | Mai 2013

[leben]

Feuer & Flamme

Der richtige Start in die Grillsaison

4) Business-Bermudas? Das ist zwar ein Mode-Gag und vielleicht auch

ein Hingucker, dennoch … ziemlich „daneben“.

5) Siehe 2)

6) Ganz ehrlich, ich freue mich auf meine Fußbett-Schlappen und ein

lässiges T-Shirt am Feierabend.

7) Ich fühle mich diesbezüglich eigentlich ziemlich „sündenarm“, weil

ich berufsbedingt den herrschenden Modethemen schon immer

mehr oder weniger verbunden war. Allerdings war der eine oder

andere Auftritt von mir in Jugendzeiten und als Student vielleicht

etwas zu brav.

Das ist drin:

Auf 60 Seiten alles rund ums Grillen:

• Welcher Grilltyp bin ich?

• Rezeptideen von Profis und Promis

• Rind, Schwein, Fisch & Co. – über

30 Rezepte

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mit Ihrem Grillwissen

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Händlern

• Für nur 2,95 1 in den SWP-Geschäftsstellen

und im Zeitschriftenhandel

Sonja Grau arbeitet in ihrer

Ulmer Agentur als Personal-

Shopperin und Stilexpertin.

Die 52-jährige Einzelunternehmerin

ist unverheiratet und

hat eine Tochter.

1) Der Dresscode ist nicht eingeschränkt. Die Kleidung muss in erster

Linie zur Persönlichkeit des Trägers passen – nur dann stimmt auch

die Ausstrahlung, und man hat den Erfolg auf seiner Seite. In den

Abteilungen meiner verschiedenen Kunden plädiere ich darauf,

dass generell kein zu strenger Dresscode gelten soll.

2) Keinesfalls. Vorgenannte Regeln gehören zu meiner Firmenphilosophie.

Manches Mal bedarf es etwas Überzeugungsarbeit, bis der Träger

die ersten positiven Erfahrungen gemacht hat.

3) Ich finde nicht. Frauen haben für meine Begriffe lediglich eine größere

Variationsbreite.

4) Auf den Bermuda-Inseln getragen, gilt die Business-Bermuda für

Männer als korrekte Business-Kleidung. In unseren Breitengraden

ist dieser „Island-Look“ fehl am Platz. Für meine Begriffe wird er sich

hier auch nicht durchsetzen – und sei es im Sommer noch so heiß.

5) Wenn ich in die unterschiedlichsten Abteilungen meiner Kunden

sehe, wäre der eine oder andere Mitarbeiter durchaus dabei

gewesen, welchen ich als Chef nach Hause geschickt hätte. Diese

Auffälligkeiten spreche ich bei meinen Kunden grundsätzlich

auch an.

6) Im Normalfall nicht – es ist heutzutage auch grundsätzlich nicht

notwendig, sich nach Feierabend komplett umzuziehen. Die Mode

bietet uns viele Möglichkeiten, sich für den Arbeitstag so zu kleiden,

dass man lediglich ein Kleidungsstück auswechselt, um nach

Feierabend für die Freizeit oder für den Abendtermin perfekt gekleidet

zu sein.

7) Die gibt es bei mir nicht. Teilweise könnte man allerdings

die 80er Jahre als allgemeine Modesünde bezeichnen. Ansonsten

erinnere ich mich an nichts gravierend Hässliches.

Partner:

Jetzt im

Handel

Bitte beachten:

Die Datei darf proportional in der Größe angepasst werden. Bitte unbedingt darauf achten,

südwestpresse.de

41


[namen & nachrichten] Ausgabe 32 | Mai 2013 unternehmen [!]

Foto: PHH

Transport über den Las Vegas Boulevard

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein

(verantwortlich),

Irmgard Städele

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director),

Stefanie Zwiebel (Layout),

Ana Borrero (Bild)

Fotos

Marc Hörger (Titel und Interview),

Matthias Kessler, Lars

Schwerdtfeger, Fimenfotos

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Objektleitung

Tobias Lehmann

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Auflage: 15 000 Exemplare

Kontakt & Mediadaten

www.swp.de/unternehmen

unternehmen@swp.de

Telefon 0731 156-515

Fax 0731 156-481

Nächste Ausgabe

12. Juli 2013

Anzeigenschluss

21. Juni 2013

Einen spektakulären Auftritt in den USA hatte

die Goldhofer AG aus Memmingen. Der Herstel

ler von Spezialtransportfahrzeugen brachte

eine 190 Tonnen schwere, 30 Meter lange

Elektro­Diesel­Lok vom Bahnhof über den Las

Unicredit muss

Schadenersatz

bezahlen

Das Landgericht Stuttgart hat

die Bank Unicredit zu Schadenersatz

von 440.000 Euro gegenüber

einem Unternehmen wegen

eines Swap-Geschäfts

verurteilt. Das berichten die

Kanzleien Menz und Partner

(Memmingen/Kempten) sowie

Dollinger, Schneider & Partner

(Ostfildern). Laut Gericht hat

die Bank das Unternehmen vor

Abschluss des Absicherungsgeschäfts

nicht hinreichend beraten.

Sie habe es versäumt, darüber

aufzuklären, dass auf Seiten

des Unternehmens ein Risikomanagement

nötig sei. Nach

Angaben der Memminger Kanzlei

ist das Urteil (Az. 38 O 85/12

KfH), das noch nicht rechtskräftig

ist, deshalb besonders interessant,

weil in den vergangenen

Jahren eine Vielzahl von

Unternehmen und wohlhabenden

Privatkunden ähnliche

Swap-Verträge mit Banken abgeschlossen

haben.

Aesculap im

Ausland auf

Wachstumskurs

Der Medizintechnik-Hersteller

Aesculap aus Tuttlingen sieht

zurzeit nur noch auf Auslandsmärkten

in Übersee Wachstumschancen.

Im Inland macht

dem Hersteller von Prothesen

und chirurgischen Instrumenten

die Unterfinanzierung der

Krankenhäuser zu schaffen, in

Europa zwingt die Eurokrise die

Regierungen zum Sparen. Der

Umsatz wuchs 2012 um 6 Prozent

auf 1,44 Milliarden Euro.

Ende Dezember beschäftigte

Aes culap 10.250 Mitarbeiter, davon

3900 in Deutschland.

Weniger Geld

für weibliche

Führungskräfte

Vegas Boulevard zum Messegelände. Goldhofer

stellt Fahrzeuge für einen Nutzlastbereich

von 25 bis 10.000 Tonnen her. Zuletzt erwirtschafteten

in dem Unternehmen 650 Mitarbeiter

einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Frauen in Führungspositionen

verdienen in Deutschland im

Schnitt immer noch deutlich

weniger als Männer. Das Gehalt

von Frauen in der Geschäftsführung

ist rund 15 Prozent geringer

als das Salär eines Mannes

in gleicher Position. Das ergab

eine Studie der Managementberatung

Kienbaum. Der

Frauena nteil auf dieser Hierarchieebene

liegt lediglich im einstelligen

Prozentbereich. Bei

den Führungskräften unterhalb

der Geschäftsführung beträgt

der Vergütungsunterschied

zwölf Prozent. Hier liegt der

Frauenanteil bei 13 Prozent.

Ulmer

Wochenblatt

erhält Preis

Das Ulmer Wochenblatt, das

zur Neuen Pressegesellschaft

gehört, ist vom Bundesverband

Deutscher Anzeigenblätter mit

dem „Durchblick“-Preis ausgezeichnet

worden. Dieser wird

jährlich an Anzeigenblätter verliehen,

die sich durch hohe Bürger-

und Verbrauchernähe auszeichnen.

Die Preisgelder

zwischen 2500 Euro und 7500

Euro setzen die Verlage für bürgernahe

Projekte ein. [!]

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