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unternehmen Juli 2014

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 40 | Juli 2014 | 3,00 €

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Wir stellen alles

auf den Kopf

Die Studenten der Zeppelin Universität wissen, dass

sie nichts wissen und hinterfragen die Welt. Warum

das gut ist, erklärt ZU-Präsident Stephan Jansen.

Finanzierung Wie viel Fremdkapital ein Familienunternehmen verträgt SEITE 20

Personal Die kleine Chef-Schule. Auf was Vorgesetzte achten müssen SEITE 34

Umfrage Was so alles zu den perfekten Ferien gehört SEITE 47


Festnetz, Mobil, Internet, Vernetzung

und Rechenzentrum aus einer Hand.

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unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[inhalt]

Liebe Leserin, Lieber Leser,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

viele Chefs wollen vor allem eines: dass ihre

Mitarbeiter funktionieren. Einfühlsamkeit

bleibt oft auf der Strecke – mit teils fatalen

Folgen, wie unsere Geschichte „Die kleine

Chef-Schule“ (Seite 34) zeigt. Überhaupt

lautet die Frage: Was zeichnet einen guten

Manager aus? Professor Dr. Stephan Jansen,

Präsident der Zeppelin Universität in Friedrichshafen,

hat darauf im Titelinterview

(Seite 10) eine Antwort parat und erklärt,

warum es so wichtig ist, dass seine Absolventen

sich und ihr Tun hinterfragen. Das

sollten auch viele Inhaber kleiner Betriebe

machen, die im Werben um Fachkräfte und

Auszubildende schon heute leer ausgehen.

Da ist viel Kreativität gefragt (Seite 40).

Angesichts solcher Herausforderungen

brauchen Chefs Erholung. In unserer Umfrage

( Seite 47) verraten Führungskräfte, wie

ihr perfekter Sommerurlaub aussieht. Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Ihr Alexander Bögelein

[verantworten]

6 Der Gipfel des Glücks: helfen können

Gutes Tun leicht gemacht – Stiftungen

[titelthema]

10 Meine Absolventen sind kleine

bomben Uni-Präsident Stephan Jansen

im Gespräch

[finanzieren]

20 Luft für den Aufstieg Fremdkapital

kann Familienunternehmen

weiterbringen

24 Wozu Technik selber kaufen?

Mehr als nur Leasing – CHG Meridian

operiert weltweit

[machen]

28 Der Zauber der geraden naht

Bei Erpo ist man gut gepolstert

39 Kunst auf Messers schneide

Kostbare Klingen aus dem Unterallgäu

42 schätze aus dem silbersee

Aluschmelzer Oetinger – leichter Stoff

aus heißen Öfen

44 Per Kopfkino ins neue bad Raumbrille

macht virtuelle Welten greifbar

[spezial]

30 Klar zum start Existenzgründung ohne

Bruchlandung

40 e in Auto für den Zimmermann

So klappt‘s mit dem Nachwuchs

[führen]

34 Die kleine Chef-schule Von gesundem

Führungsstil profitieren alle

[leben]

47 n icht ohne meine Frau Umfrage unter

Führungskräften zu ihren Urlaubsplänen

[namen & nachrichten]

4 Chancen für Mittelstand und

Handwerk

5 Königliche ehre für Uzin Utz

19 b lumenwiesen als Projekt

50 ein Tunnel namens Gerlinde

50 Impressum

20 44

34 6

30

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Chancen für Mittelstand und Handwerk

Der Präsident des Baden-Württembergischen

Industrie- und

Handelskammertags (BWIHK),

Dr. Peter Kulitz, hat im Rahmen

einer Delegationsreise mit Finanz-

und Wirtschaftsminister

Nils Schmid (SPD) die Mongolei

erkundet. Bisher sind in dem

Land, das zwischen China und

Russland liegt, erst rund 80 Südwest-Firmen

engagiert. Die Mongolei

ist 4,5-mal größer als

Deutschland, hat aber nur 3,2 Millionen

Einwohner. Das Land sitzt

auf hohen Rohstoffvorkommen,

darunter Gold, Kupfer, Kohle und

Seltene Erden. Doch die Investoren

halten sich zurzeit zurück. So

fällt das Fazit des BWIHK-Präsidenten

aus:

BWIHK-Präsident Peter Kulitz mit Kriegsveteranen vor dem Regierungsgebäude

in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Foto: Christof Sage

Wie sind die Marktchancen für

Mittelständler aus dem Südwesten

in der Mongolei?

Die Reputation baden-württembergischer

Firmen mit ihrer Spitzentechnologie

hat bei den Mongolen

einen kaum zu überbietenden

Stellenwert. Aber in

Anbetracht der geringen Bevölkerungszahl

sind volumenmäßig

die Absatzchancen limitiert. Gefragt

sind deutsche Handwerker,

die dort schnell etwas aufbauen

und guten Erfolg erzielen können.

Neben Fahrzeugen der Premiumklasse

haben Maschinen und Anlagen

aus Baden-Württemberg

dann gute Chancen, wenn modernste

Fertigungseinrichtungen

gebraucht werden. Bisher allerdings

liegt der Fokus der mongolischen

Wirtschaft auf der Gewinnung

der reichlich vorhandenen

Rohstoffe. Beratungsleistung im

Bergbau ist nachgefragt, trifft aber

nicht das vorrangige Angebot aus

unserem Bundesland.

Was könnten die größten

Hemmnisse sein?

Mangelnde Vertragstreue, problematische

Rechtsprechung, daher

keine Rechtssicherheit, und eine

weit verbreitete Korruption auch

in der Verwaltung.

Sie hatten Kontakt zu einheimischen

Jungunternehmern,

wie ist Ihr Eindruck?

Der Elan und das Engagement der

jungen Unternehmer sind enorm.

Der Drang zur Selbstständigkeit

ist hoch, Loyalität zum Arbeitgeber

scheint im Gegenzug aber

eher gering ausgeprägt zu sein. Im

Übrigen wird die Wirtschaft in

hohem Maße von Familienclans

und deren Firmengruppen beherrscht.

Die in diesen Strukturen

integrierten jungen Unternehmer

entfalten eine beachtliche Dynamik

und nutzen ihre Chancen.

Ihr Sohn war als Vertreter Ihres

Familienunternehmens Esta

mit dabei und hat an den

Deutsch-Mongolischen-Kooperationstagen

teilgenommen.

Haben sich konkrete Projekte

ergeben?

Nein, das haben wir auch bei einem

Erstbesuch nicht erwartet. Er

war im Übrigen auch als Vorstandsmitglied

der Wirtschaftsjunioren

Deutschland (WJD) dabei

und kennt aus früheren Begegnungen

bereits eine Reihe dieser

jungen Mongolen, die allesamt

Mitglieder der Junior Chamber

Mongolia (JCI) sind. Aus der

jüngsten Begegnung hat sich eine

Partnerschaftsvereinbarung der

dortigen Jungunternehmerorganisation

mit den Baden-Württembergischen

Wirtschaftsjunioren

angebahnt. [!] KAREN EMLER

„Bedenklicher Trend zur Verlagerung“

Der Kampf um Marktanteile auf

dem Pharmamarkt wird härter.

„In der Generikaindustrie ist ein

deutlicher Trend der Verlagerung

der Produktion nach Osteuropa

und Asien zu erkennen“, sagte

Teva-Deutschlandchef Markus

Leyck Dieken bei einem Besuch

von Nils Schmid, dem badenwüerttembergischen

Finanz- und

Wirtschaftsminister, in Ulm. Der

immense Preisdruck durch die

Rabattverträge der Krankenkassen

verstärke diesen Trend. Jetzt

sei jedoch ein Punkt erreicht, bei

dem sich Krankenkassen und

Arzneimittelhersteller über eine

sinnvolle Ausgestaltung verständigen

sollten. Denn Forschung

finde langfristig nur dort statt,

wo neue Techniken in der Produktion

umgesetzt werden.

Teva Deutschland (Ulm) produziert

innovative Arzneimittel,

freiverkäufliche Präparate sowie

Nachahmerprodukte. Rund 3140

Mitarbeiter verteilen sich auf die

Standorte Ulm, Blaubeuren/Weiler

und Berlin. Insgesamt beschäftigt

der israelische Teva-

Konzern 45.000 Mitarbeiter. Der

Umsatz betrug 2013 rund 20,3

Milliarden US-Dollar (14,8 Milliarden

Euro). [!]

AMB

Hermann Allgaier (rechts) und Teva-Deutschlandchef Markus Leyck Dieken

erklärten Finanzminister Schmid (Mitte) die Biotech-Produktion in Ulm.

4


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[namen & nachrichten]

Königliche Ehre für Uzin Utz

Gruppenbild mit Königin (von links): Hofdame Lieke Gaarlandt-van Voorst van Beest, Unipro-Geschäftsführer Gerben

Bouwmeester, die Kommissarin des Königs, Anke Bijleveld-Schouten, Königin Máxima, Vorstandsvorsitzender

Werner Utz, Unipro-Geschäftsführer Frank ter Beke, der Finanzchef der Uzin Utz AG, Thomas Müllerschön, sowie

der Adjutant des Königs, Luitenant Kolonel Timo Beaufort.

Der Ulmer Bodenspezialist Uzin

Utz AG geht beim Thema Nachhaltigkeit

voran. Im niederländischen

Haaksbergen feierte das

Unternehmen die Eröffnung der

„Grünsten Fabrik“ Europas. Mit

von der Partie und dazu passend

im grünen Kleid: die niederländische

Königin Máxima.

Zwei Stunden habe die Zeremonie

mit Máxima gedauert, erzählt

Werner Utz. Der Chef der börsennotierten

Uzin Utz AG hielt sich

bei dem Anlass im Hintergrund.

Denn offiziell waren die beiden

Geschäftsführer der Tochtergesellschaft

Unipro die Gastgeber.

Sie klärten mit dem Königshaus

vorab, wie der Besuch ablaufen

soll. Während in den Niederlanden

und in England alle per Du

seien, gab es im Fall von Máxima

folgende Anweisung: Sie sei mit

„Majestät“ und mit „Sie“ anzusprechen,

erzählt Utz. „Sie war

auffallend gut informiert über

das Unternehmen.“ Sie habe

auch über das Engagement der

beiden Söhne von Werner Utz im

Unternehmen Bescheid gewusst.

Julian Utz (33) ist Geschäftsführer

der Wolff GmbH & Co. KG

(Tochtergesellschaft, Entwickler

und Produzent von Maschinen

und Werkzeugen für die Bodenbelagsentfernung,

und -verlegung

mit Sitz in Vaihingen/Enz) .

Philipp Utz (33) baut als Präsident

einer US-Tochtergesellschaft

gerade in Dover (US-Bundesstaat

Delaware) die dortige

Produktion auf.

Bevor der von den beiden Geschäftsführern

eingefädelte Besuch

stattfand, wurde über dessen

Ablauf gesprochen. Alles sei

sehr locker über die Bühne gegangen,

sagt Utz, der sich über die

Außenwirkung des Besuchs

freut. „Wir sind in ganz Holland

als Unternehmen bekannt.“ In

der Fabrik werden Kunstharzbeschichtungen

und Bodenbelagsklebstoffe

hergestellt. Das Besondere

dabei: Verwaltung und

Produktion sind unter einem

Dach. Die Umweltbilanz fällt wegen

der ausgeklügelten Heizung

sehr gut aus: einer Kombination

aus Pelletheizung und Erdwärme

in Verbindung mit einer Wärmepumpe.

Sowohl der Betrieb des

Gebäudes als auch die Produktion

am Standort Haaksbergen

sind CO2-neutral. Beim Bau des

Gebäudes wurden recycelte und

wiederverwendbare Materialien

wie Beton, Bitumen , Aluminium

oder Eisen verwendet. Zudem

sorgen natürliche Materialien

wie Holz, Sedum, Moos oder Oliven

für eine gute Isolierung sowie

biologische Vielfalt. Im Zertifizierungsverfahren

erhielt das

Gebäude die Note 8,66, die Bestnote

ist 10. Die Uzin Utz AG erzielte

zuletzt mit knapp 1000

Mitarbeitern einen Umsatz von

217 Millionen Euro. [!] OS

13 neue Genossenschaften Kammer sucht Chef

Im Südwesten haben sich im ersten

Halbjahr 13 neue Genossenschaften

gegründet. Damit seien

in den vergangenen zehn Jahren

rund 250 neue Genossenschaften

entstanden, teilte der Baden-

Württembergische Genossenschaftsverband

mit. Darunter

sind unter anderem Energiegenossenschaften,

Dorfläden und

Zusammenschlüsse von Ärzten.

Die 343 landwirtschaftlichen Genossenschaften

erwirtschafteten

im Südwesten zuletzt knapp 3,7

Milliarden Euro Jahresumsatz.

Sie erzeugen unter anderem

Wein, Getreide, Obst, Gemüse

und Milch. [!]

PAU

18.000 Betriebe, mehr als 100.000

Arbeitsplätze. Die Handwerkskammer

Ulm, deren Gebiet sich

von der Ostalb bis zum Bodensee

erstreckt, braucht einen neuen

Präsidenten. Denn Anton Gindele

(65), Schreinermeister aus Horgenzell

(Kreis Ravensburg), hört

auf. Bisher gibt es offiziell keine

Bewerber für die Wahl am 30.

September. Der neue Präsident

wird aus dem Kreis von 26 Kandidaten

kommen, auf die sich die

Kreishandwerkerschaften Ulm,

Heidenheim, Ostalb, Biberach,

Ravensburg und Bodensee für die

Wahl zur Vollversammlung, verständigt

haben. [!]

AB

5


[rubrik] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Am Ziel der Klettertour, über den Wolken – das schärft den Blick fürs Wesentliche: Stefan Glowacz mit Kletterfreund Holger Heuber (stehend).

DerGipfeldesGlücks:helfenkönnen

Wer ganz oben ist, kann alle Fünfe gerade sein und es sich selber gut gehen lassen. Kann, muss aber nicht. Viel mehr

Freude spendet eine Stiftung. Und Sinn stiftet es obendrein. Wie man es richtig angeht …

Stefan Glowacz ist Extremkletterer. In

seinem aktuellen Kino-Film spielt er

einen Bergsteiger, der Expeditionen im

Dreiländereck von Brasilien, Venezuela und

Guyana unternimmt. Der gebürtige Oberbayer

lebt ein Leben der Extreme. „Genau die sind

es, die das Leben prägen“, sagt der 49-jährige

Vater von drei Kindern.

Seine Leidenschaft für die Berge entstand

früh. Als er fünf war, zogen seine Eltern nach

Oberau bei Garmisch-Partenkirchen. Klettern

war für ihn stets nicht nur eine körperliche,

sondern auch eine mentale Herausforderung,

erzählt er. „Als Kind hatte ich Angst vor dem

Alleinsein. Trotzdem suchte ich schon sehr

früh die Konfrontation und bin gegen den

Strom geschwommen.“ Glowacz ist davon

überzeugt, dass jeder Mensch für sein Lebensglück

selbst verantwortlich ist. „Viele von uns

befinden sich in der komfortablen Lage, zahlreiche

Gestaltungsmöglichkeiten zu haben.“

Für herzkranke Kinder gilt das nur eingeschränkt.

Deshalb unterstützt der Kletterer

als „Botschafter“ die Stiftung „KinderHerz“.

HilfreicHeSGänSeblümcHen

Auch die Ulmer Unternehmerfamilie Nething

hat Gestaltungsmöglichkeiten. 2010 riefen

Brigitte und Frieder Nething die Privatstiftung

„Gänseblümchen“ ins Leben. Vom eigenen

Glück etwas an die Gesellschaft weiterzugeben

– das trieb die Architekten an. Neben

dem Stammhaus in Ulm/Neu-Ulm hat die

Nething-Gruppe Büros in Günzburg, Stuttgart,

Leipzig und Berlin. „Nicht jedes Kind hat

das Glück, ein Bergkind zu sein. Unser Ziel ist

es daher, Kindern aus sozial schwachen Familien

mit gemeinnützigen Institutionen die

Teilhabe an Kultur und damit ein neues Leben

zu ermöglichen“, erklärt die Stiftungsvorsitzende

Petra Nething (47). Bei der Auswahl der

Kinder helfen Schulen, Sozialarbeiter und Jugendämter.

„Damals gab es keine vergleichbare

Organisation in der Region. Meine Eltern

haben die Stiftung aus dem Wissen heraus gegründet,

dass zum Umstand, in eine bestimmte

Lebenssituation hineingeboren zu werden,

wohl einfach nur Glück gehört“, erzählt die

gelernte Architektin. Fast ein Fünftel der Ulmer

Kinder wächst in schwierigen Verhältnissen

auf. Viele Eltern sind einfach nicht in der

Lage, ihre Kinder auf dem Weg ins Leben zu

fördern.

Petra Nething entwickelt 20 Projekte im Jahr,

die von anderen gemeinnützigen Organisationen

umgesetzt werden. Für die Kinder ist die

Teilnahme kostenlos, es fällt höchstens ein

geringer Eigenbetrag an. Die Stiftungsgelder

werden projektbezogen gewährt. Finanziert

wird das Ganze über Spenden und über die

6


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[verantworten]

VieleStiftungsarten

Partner auf

Augenhöhe

Kopiersysteme

» Multifunktionale Systeme

» Managed Print Services

» Dokumentenmanagement

» Analyse & Optimierung

Die Stiftung Gänseblümchen fördert kreative Angebote für benachteiligte Kinder.

DerbegriffStiftung ist per Gesetz nicht

definiert. Er ist nur ein Oberbegriff für eine

Vielfalt von Körperschaften, die im privaten,

öffentlichen und kirchlichen Recht

verankert sein können. Zu den wichtigsten

Rechtsformen gehören die rechtsfähige

Stiftung bürgerlichen Rechts, die

Stiftungs-GmbH oder die Treuhandstiftung.

Der Prototyp einer Stiftung und die

mit Abstand am häufigsten verwendete

Form ist die rechtsfähige Stiftung bürgerlichen

Rechts. Sie ist das klassische

Werk zeug zur Verwirklichung eines auf

Dauer angelegten Zwecks und untersteht

der staatlichen Stiftungsaufsicht. Zu den

gebräuchlichsten Stiftungstypen zählen

die Bürger- und Familienstiftungen sowie,

kirchliche und öffentlich-rechtliche Stiftungen.

Zu den eher speziellen Stiftungsgründungen

zählen unter anderem unternehmensverbundene

Stiftungen wie

Beteili gungs trä ger und Unternehmensträgerstiftungen,

die an einer Gesellschaft

beteiligt sind.

SC

IT-Lösungen

» IT-Infrastruktur & Sicherheit

» Medien- & Konferenztechnik

» Cloud-Dienste & Storage

» Virtualisierungskonzepte

Vermietung von Kunstgegenständen: Zugunsten

der Stiftung trennte sich das Ehepaar

Nething von rund 300 Stücken aus 40 Jahren

Sammlerleidenschaft. Etwa 60.000 Euro können

so jährlich ausgeschüttet werden. „Das

macht uns sehr froh und darüber hinaus immer

wieder bewusst, dass wir nicht allein leben

auf der Welt. Wenn jeder das beiträgt, was

ihm möglich ist, geht es allen besser.“

Das Spektrum von „Gänseblümchen“ reicht

von Musikprojekten, Sprachförderung im

Kindergarten über Maltherapie in Frauenhäusern

bis zur Hausaufgabenbetreuung oder Zuschüssen

zum Gitarren unterricht. „Bei allen

Vorhaben müssen wir sehr feinfühlig vorgehen,

schließlich sollen keine ,Armenkurse‘

angeboten werden. Kinder konkret ansprechen

und auswählen ist schwieriger, als es

den Anschein macht“, sagt Petra Nething.

Auch der Ulmer Ernst-Wilken-Stiftung geht

es darum, die nachwachsenden Generationen

im Bereich der Bildung zu unterstützen. Als

ehemaliger Softwareunternehmer fördert

Wilken in seiner gemeinnützigen Stiftung herausragende

Leistungen im Bereich der Informationstechnologie,

der Geisteswissenschaft

und der sozialen Kunst. Dazu gehören unter

anderem Stipendien und Preisgelder für Studenten

der Uni Ulm und der Hochschule Ulm

sowie gemeinsam mit der Stadt Ulm und weiteren

Unternehmen die Finanzierung der Stiftungsprofessur

der Universität zum Thema

„Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung,

nachhaltiges Wirtschaften“. Darüber hinaus

unterstützt die Stiftung den Alternativen Nobelpreis,

Kindergärten, Behinderteneinrichtungen

und Schulen. Zu sehen, wie die Einrichtungen

mit den Spenden wertvolle Arbeit

leisten können, „macht viel Freude“, sagt Wilken.

Seine Firma unterstützt die Stiftung mit einer

vertraglich fixierten jährlichen Zuwendung.

Wilken: „Eine der schwierigsten Aufgaben für

alle Stiftungen ist angesichts der anhaltenden

Tiefzinsphase derzeit, ihre Vermögen gewinnbringend

anzulegen, um ihren Auftrag erfüllen

zu können.“ Zweck und innere Organisation

einer Stiftung legt der Stifter nach seinem

Büroeinrichtungen

» Sitzmöbel & Arbeitsplätze

» Beleuchtung & Beschattung

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» Planung & Konzeption

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7


[verantworten] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Eckpunkte für dessen weitere Entwicklung

weitgehend festlegen. „Die Gründung muss

sehr sorgfältig vorbereitet werden, denn die

einmal festgelegte Satzung kann kaum mehr

verändert werden.“, sagt die Münchner

Rechtsanwältin Katja Fleschütz. Mit staatlicher

Anerkennung durch die Stiftungsbehörde

erlangt die Stiftung den Status einer juristischen

Person und damit Rechtsfähigkeit. Eine

typische Stiftung gibt es nach den Erfahrungen

des Verbandes

ebenso wenig wie

den typischen Stifter.

Allerdings dominieren

soziale

Motive, berichtet

Fleisch: „Rund ein

Drittel aller Stiftungen

betätigt

sich mildtätig, in

der Kinder- und Jugendhilfe

sowie in

der Alten- oder Be-

Stiftungsexperte

Hans Fleisch.

hindertenhilfe. Das Spektrum reicht von der

kleinen ehrenamtlich geführten Stiftung für

Flüchtlinge bis hin zur Trägerstiftung, die ein

Hospiz betreibt.“

Vater und Tochter: Stiftungsgründer Frieder Nething und seine Tochter Petra, die Vorsitzende von „Gänseblümchen“.

Die Ulmer Stiftung fördert unter anderem Musikunterricht (Bild oben).

Willen in der Satzung fest, erklärt Professor

Dr. Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes

Deutscher Stiftungen: „Voraussetzung

für die Errichtung einer rechtsfähigen

Stiftung ist, dass der Stifter seinen Gründungswillen

rechtsverbindlich zum Ausdruck

bringt. Zudem muss er ein genau bestimmtes

Vermögen auf die künftige Stiftung

übertragen.“ Will er sein Unternehmen in eine

Stiftung umwandeln, kann der Inhaber

Klein,aberGut

Für erfolgreiche Stiftungsarbeit sind Einsatz

und Kapital notwendig. „Wie viel das ist,

hängt von den jeweiligen Aufgaben ab“, sagt

Fleisch. Rund 70 Prozent aller Stiftungen verfügten

über weniger als eine Million Euro.“ So

prägten zwar die großen Stiftungen das Bild in

der Öffentlichkeit, tatsächlich bestehe aber

das deutsche Stiftungswesen überwiegend

aus kleinen Stiftungen mit eng begrenzten

Spielräumen. „Große Sprünge lassen sich mit

den Erträgen kleinerer Vermögen nicht machen.“

Substanzerhalt und die Erwirtschaftung

der notwendigen Erträge seien eine große

Herausforderung. Die Verwendung der

Gelder muss gegenüber der Aufsichtsbehörde

ausführlich dokumentiert werden. Neben der

Vermögenslage sind Strategie, Knowhow und

die professionelle Arbeit des Stiftungspersonals

entscheidend. „Stiftungen fördern überwiegend

kleinere und überschaubare Projekte,

die hinsichtlich des konkreten Erfolges

einfacher zu beurteilen sind.“

Um die ganz persönliche Nachhaltigkeit sicherzustellen,

ist freilich mehr erforderlich

als nur das sichere Rangieren von Vermögensteilen.

Fleisch: „Manchmal wird Stiftern und

Stifterinnen unterstellt, sie agieren primär

zur Steuervermeidung. Dabei ist klar, dass die

deutsche Stiftung nicht zur Steuervermeidung

geeignet ist. Wer stiftet, trennt sich zugunsten

des Gemeinwohls unwiderruflich

von seinem Vermögen. Aus unseren Erfahrungen

geht es vor allem um Dankbarkeit und

Verantwortungsbewusstsein gegenüber den

Mitmenschen oder auch den Mitarbeitern des

Unternehmens.“ [!]


Stefanie Creutz

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unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[verantworten]

ausDankbarkeitgegenüberderGesellschaft

„Ideen sind die geistige Kraft, aus der Unternehmen

entstehen“– so lautet die Philosophie

des Ulmer Unternehmers Erich Wilken. Unsere

Mitarbeiterin Stefanie Creutz sprach mit

ihm über seine Stiftung, die herausragende

Leistungen im Bereich der Informationstechnologie,

der Geisteswissenschaft und der

Kunst fördert.

Welche Projekte unterstützen Sie mit der

Wilken-Stiftung?

Neben der Förderung unserer Studenten und

der Stiftungsprofessur zum Thema Nachhaltigkeit

ist es ein Anliegen der Stiftung, Menschen

mit einer Gesinnung zu fördern, die

auch im aktiven Wettbewerb ein faires Miteinander

ermöglichen. Die Stiftung unterstützt

hier Menschen und Visionen mit unterschiedlichen

Förderprogrammen. In diesem Rahmen

unterstützen wir Kindergärten, Be hinder

ten ein richtung

en und auch

Schulen.

Sie fördern auch

den alternativen

nobelpreis. Warum

tun Sie das?

Weil es ein außergewöhnlicher

Preis ist. Er unterstützt

Menschen,

Der Ulmer Unternehmer

Erich Wilken.

die ihr ganzes Handeln,

ihren Mut und die Kraft in Visionen einer

besseren Zukunft widmen. Und darüber

hinaus jene, die hinter ihnen stehen und sie

durch ihre Unterstützung stärken. 2013 wurde

unter anderem der mutige Gynäkologe Denis

Mukwege ausgezeichnet, der Tausende,

oft lebensgefährlich verletzte Vergewaltigungsopfer

im Kongo behandelt, psychologisch

betreut und reintegriert hat.

Wie kamen Sie als Softwareunternehmer

auf die idee, eine Stiftung zu gründen?

Nach der erfolgreichen Gründung und Führung

meines Unternehmens mit zwischenzeitlich

über 500 Mitarbeitern habe ich es als

meine Lebensaufgabe angesehen, mich meiner

gesellschaftlichen Verantwortung zu stellen.

Abgesehen von den beruflichen Verbindungen

gehört es nach meiner Ansicht zur

Verpflichtung eines jeden Menschen, im Rahmen

seiner Möglichkeiten zu helfen, damit

wir nicht in einer Welt mit Problemen leben,

von denen wir wissen, wie sie zu lösen sind.

Warum sollten unternehmer ihrer ansicht

nach stiften?

Aus Dankbarkeit gegenüber der Gesellschaft.

Stiftung Sparkasse Ulm

Fördern, was Ihnen am Herzen liegt.

Sie haben ein Lebenswerk geschaffen, mit viel Leidenschaft und Fleiß, Schwierigkeiten überwunden und

Herausforderungen zum Guten gewendet.

Gründen Sie Ihre persönliche Stiftung, mit Ihrem Namen, die Ihr Lebenswerk in guter Erinnerung hält.

Wir unterstützen Sie dabei mit unserem Wissen und unserer langjährigen Erfahrung.

Ihre Ansprechpartnerin

für die Stiftung Sparkasse Ulm

Katja Schwertle

Dipl. Betriebswirtin

Tel. 0731 101 - 1661

katja.schwertle@sparkasse-ulm.de

Zuwendungen an die Stiftung Sparkasse Ulm sind über das Konto Nr. 31 31 bei der Sparkasse Ulm möglich.

9


[titelthema] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[titelthema]

MeineAbsolventen

sindkleineBomben

Seinen Studenten fordert ProfessorDr.StephanJansen, Präsident der privaten

Zeppelin Universität in Friedrichshafen, einiges ab. Mut. Aber auch Demut.

Die Kraft, Freiheit auszuhalten. Er macht sie zu Unruhestiftern. In Unternehmen

schlagen sie ein wie Cruise Missiles, weil sie alles auf den Kopf stellen.

Ihr Werdegang ist beeindruckend: vom einstigen

Bafög-Empfänger zum jüngsten Präsidenten einer

Hochschule in Deutschland, nächstes Jahr lehren

Sie in Stanford. Sind Sie ein Nerd?

Wir haben an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen

ein „Nerd-Stipendium“. Dem Begriff Nerd bin ich

sehr zugetan. Ein Nerd ist jemand, der in die eigenen

Aktivtäten so verliebt ist, dass er viel Zeit und Leidenschaft

reinsteckt. Ich glaube, dass Künstler, Wissenschaftler

und Unternehmer auf andere manchmal ein

bisschen „nerdig“ wirken, weil sie einfach dauernd vor

Energie fast zerspringen. Aber Nerds und Hipster sind

wohl eher Begriffe der Medien, die für die Selbstbeschreibung

nicht taugen.

Wie würden Sie sich beschreiben?

Als unternehmerisch bildungsbegeistert. Das zieht

sich durch meine Biografie als Wissenschaftler und Unternehmer.

Wenn sich etwas Neues bildet, etwas im

Prozess des Entwickelns ist, begeistert mich das. Vielleicht

ist es das Verliebtsein in die Entwicklung anderer

und die soziale Bildung von Neuem – und eine Uni ist

kein schlechter Platz dafür.

Sie verlassen die Zeppelin-Universität kommendes

Jahr. Wird das hier langweilig für Sie?

Ich bin jetzt 43 Jahre und bin seit zwölf Jahren hier. Meine

Mutter ist sehr stolz auf mich. Sie sagt immer:

„Mensch Junge, wahrscheinlich hätten wir für Dich

früher Ritalin besorgen sollen. Aber, dass du zwölf Jahre

an einem Platz bleibst, hätte ich niemals geglaubt.“

Im Ernst: Universität wird nie langweilig, denn die Idee

der Uni verweilt schon 800 Jahre. Und bei allen Neuheiten,

der Wissenschaft bleibe ich ja erhalten.

Warum haben Sie Ihren Abschied von der Spitze so

frühzeitig angekündigt?

Weil ich das in der Lehre auch so erzähle. Und in der

Träger-Stiftung haben die Ehrenämter gewechselt, so

dass ich dies für redlich empfand. Solche Nachfolgen

brauchen Zeit.

Wie geht es weiter?

Da ich noch über ein Jahr arbeite – und dies in Vollzeit

– , weiß ich es noch gar nicht. Ich flachse ja seit Jahren:

„Wenn ich mal groß bin, möchte ich Professor an der

eigenen Uni sein.“ Aber ganz offen: Ich empfinde auch

Wehmut. Ich muss mich schon davon abhalten, mich

auf meine eigene Nachfolge zu bewerben.

Das hört sich etwas zerrissen an.

Ja, wer solche Kollegen und Studierende hat ... Aber keine

Sorge: Ich komm‘ durch.

Bei der Gründung der Zeppelin Universität im Jahr

2003 hat es reichlich Misstrauen und Vorbehalte

gegen die „elitäre Privatuni“ gegeben. Bilden Sie

Eliten aus?

Nein. Wie auch? Ich könnte Ihnen jetzt ein T-Shirt aus

dem Jahr 2004 mit den Worten „Pioniere statt Eliten!“

zeigen. Ich habe lange Zeit in der Arbeitsgruppe „Elitenintegration“

des Bundesforschungsministeriums

forschen dürfen. Wir haben in Deutschland ein grundsätzliches

Problem mit dem Elitenbegriff, der prä- und

postfaschistisch geprägt ist. Deshalb haben viele

Schwierigkeiten mit dem Begriff – und wegen der noch

immer unzureichenden sozialen Aufstiegsmöglichkeit.

Aber: Ich habe gar nichts gegen Verantwortungseliten.

ZurPerson

Legerundlocker

kommt Unipräsident

Stephan Jansen zum

Interview: in Anzug,

weißem Hemd, baren

Fußes in braunen Designerschuhen.

Der

43-Jährige (Sternzeichen

Zwilling) ist ein

ambitionierter Hobby-Rennradler,

der im

Uniteam mitfährt. Auf

der 210 Kilometer

langen Strecke um

den Bodensee

kommt er im Schnitt

auf Tempo 32. Der

gebürtige Papenburger

studierte Wirtschaftswissenschaften

in Witten/

Herdecke, Tokio und

New York. Bevor er

2003 die Zeppelin-

Universität aufbaute,

arbeitete er unter anderem

für Daimler,

Ergo und Mannesmann.

Jansen, der

auch Politiker berät,

ist einer der klügsten

Köpfe Deutschlands.

Er ist selbst Pionier und begeistert von eigenwilligen Pionieren: Präsident Stephan Jansen auf dem Dach des Unigebäudes;

hinter ihm blitzt die Manzeller Bucht auf, wo Graf Zeppelin, Namensgeber der Uni, die ersten Luftsschiffe aufsteigen ließ.

11


[titelthema] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

betuchten Eltern was ist, also quasi für die „Gestopften“.

Genau, das zu verhindern, war für mich – als Bafög-

Empfänger aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt –

die Herausforderung. Wir haben gesagt, wir bauen eine

private Bildungsarena, die zu einem Drittel durch ehrliche

Studiengebühren finanziert werden muss. Diese

werden aber von der Sparkasse Bodensee übernommen

und nach dem Studium zinsgesponsort zurückbezahlt.

Wir haben zudem ein umfangreiches und etwas ungewöhnliches

Stipendien-System. Das Thema bleibt an

einer Privatuniversität aber immer aktuell: Wie schaffen

wir es, die soziale Herkunftsunabhängigkeit unserer

Bewerber zu sichern? Wir ermitteln den Anteil der

Bafög-Empfänger unter unseren Studierenden. In den

vergangenen elf Jahren lagen wir ziemlich genau im

Bundesdurchschnitt.

Stimmt es, dass der Sparkasse Bodensee bei einer

Bonitätsprüfung die Zusage der Zeppelin Universität

ausreicht?

Ja! Jetzt merken Sie, dass zu meiner bewegten Biografie

eine Lehre zum Sparkassen-Kaufmann gehört.

Absolut ungewöhnlich! Wie funktioniert das?

35.000 Euro vorzufinanzieren – eine Menge Geld ...

Kennen Sie das Arbeitslosigkeitsrisiko von Akademikern?

Es liegt stabil unter 3 Prozent. Unter Volkswirten

heißt das „Vollbeschäftigung“. Bei uns sind die Studierenden

in der Situation, ihre eigene unternehmerische

Biografie zu gestalten. Die tollsten und traurigsten Feiern

an einer Uni sind die Graduierungsfeiern. Insbesondere

die Daddys erinnern sich daran, dass sie am

Anfang völlig dagegen waren, dass sich ihre Kinder bewerben,

weil sie das als Familie nicht zahlen können.

Und dann erklärten ihnen die eigenen Kinder: „Keine

Sorge. Das mache ich allein, über die Sparkasse, das

kriege ich hinterher wieder reinfinanziert.“ Einerseits

sind die Väter dann stolz…

Elite? Der Begriff ist nur am

Ende einer Biografie angemessen,

sagt Stephan Jansen,

– nicht am Anfang.

Womit haben Sie dann Schwierigkeiten?

Wenn Studierende im Alter von siebzehneinhalb mit

irgendwelchen Labels konfrontiert werden. An der

Zeppelin Universität machen wir eine ehrliche, interessenbasierte

Auswahl: Wir fragen, ob die Uni die richtige

ist für die Studierenden – und ob die jungen Leute

zu uns passen. Das als Elite zu bezeichnen, finde ich

unglücklich. Erstens kann Elite nur ein Zuschreibungsbegriff

sein: Wer würde es selbst von sich behaupten?

Zweitens ist der Begriff nur am Ende einer Biografie angemessen

und nicht am Anfang. Deswegen gibt es eine

starke Elitenbegriffs-Phobie an dieser Uni.

Und andererseits besorgt?

Ja, sie stellen sich anfangs die Frage: „Was ist das für ein

Laden, den kenne ich überhaupt nicht.“ Wenn aber die

Kinder begeistert von Bildung sind und sogar die Finanzierung

selbst organisieren, verstehen die Eltern, dass

es den Kindern um etwas geht: um ihr Leben. Genau

das zeichnet unsere Studierenden aus. Wir behandeln

sie als Erwachsene. Eine solche Einstellung ist selbst

für einen Kreditgeber eine ausgesprochen belastbare

Eignungsprüfung. Unsere Universität hat eine sehr enge

Partnerschaft mit der Sparkasse Bodensee. Der Chef

der Sparkasse, Werner Allgöwer, ist übrigens seit Februar

auch Vorsitzender des Stiftungsvorstandes.

Die Kritik war damals auch auf die Kosten des Studiums

gemünzt. Dass sie nur für Kinder von gut

Wie viele finanzieren ihr Studium auf diese Weise?

Knapp 70 Prozent. Das zeigt, dass wir nicht diese Koop-

12


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[titelthema]

dationseliten anziehen, also eine Gesellschaftsschicht,

die sich aus der Herkunft oder ihrem Vermögen selbst

reproduziert. Wir haben viele Studierende hier mit

ganz eigenen Geschichten.

Haben Sie ein Beispiel?

Viele. Als ich in Kairo gearbeitet habe, hat mich ein Taxifahrer

öfters zur Universität gefahren. Irgendwann

merkte ich, dass er Deutsch sprach, wir kamen ins Gespräch,

er erzählte mir seinen Lebensweg – und wurde

einer unserer ersten Studierenden.

Was macht er jetzt?

Er ist Unternehmer geworden, in Ägypten, sehr erfolgreich.

Er macht Softwarelösungen für den Compliance-

Bereich in der Nahrungsmittel- und Agrar-Industrie. Er

war jemand, der in seinem Leben durch alle Roste gefallen

ist, durch die man überhaupt durchfallen kann.

Nur hier nicht – er hat den besten Abschluss seines

Jahrgangs gemacht.

Ihre Auswahlverfahren sind unorthodox. Wenn jemand

sich telefonisch nach dem Auswahlverfahren

erkundigt, heißt es: Kommen Sie bitte persönlich.

Im Gespräch stellen Sie Fragen, die nicht beantwortbar

sind.

Ja, welche denn sonst? Wir sind eine Universität, die

sich auf das Nichtwissen konzentriert. Das muss man

An seiner Privatuni studieren

nicht nur junge Leute aus reichem

Hause. Das zu bewerkstelligen,

war dem Präsidenten

von Anfang an wichtig.

Raum für die Zukunft In der

Evolution eines Klassikers finden

sich schon heute Antworten auf

Fragen der Arbeitswelt von morgen.

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13


[titelthema] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Pionier Graf Zeppelin ist auch auf dem Schreibisch des Unipräsidenten präsent – neben Brieföffner, Bürotacker und Locher.

1200Studierende,

650Förderer

DieZeppelinUniversität(ZU) in Friedrichshafen

ist im Jahr 2003 mit 19 Studierenden,

vier Wissenschaftlern und

zwölf Mitarbeitern an den Start gegangen.

Heute sind es 1200 Studenten, mehr

als 130 Wissenschaftler und rund 270

Mitarbeiter. Die ZU ist eine staatlich anerkannte

und vom Wissenschaftsrat akkreditierte

Stiftungsuniversität zwischen

Wirtschaft, Kultur und Politik. Sie bietet

14 Bachelor-, Master- und Promotionsprogramme

der Wirtschafts-, Kultur- und

Sozialwissenschaften an, darunter sechs

berufsbegleitende Master-Studiengänge.

Die Studiengebühren betragen zwischen

15.800 und 35.600 Euro.

Die ZU ist eine der ersten freien Stiftungsuniversitäten

in Deutschland (derzeit

gibt es 13) – und: Sie gehört sich

selbst. Die ZU nimmt seit ihrer Gründung

als einzige Universität aufgrund einer

langfristigen Vorausfinanzierung durch

650 Förderer und einer Landesbürgschaft

keine staatlichen Zuschüsse in Anspruch.

Eine weitere Besonderheit: Die

Sparkasse Bodensee finanziert die Studiengebühren

zu einem sehr günstigen

Zins – derzeit liegt er bei 2,4 Prozent –

vor. Vereinbart wird ein individueller

Rückzahlungsplan, der ein Jahr nach dem

Einstieg ins Berufsleben beginnt. Insgesamt

nehmen rund zwei Drittel der Studenten

dieses Angebot in Anspruch: Darüber

hinaus gibt es zwölf eigene

Stipendienprogramme.

Mehr Infos unter: www.zu.de. AMB

vom allerersten Moment an deutlich machen. Das ist

eine Sozialisations-Frage: Wie gehe ich mit Studierenden

um? Behandle ich sie wie ein Lehrer seine Schüler,

dann habe ich ein Problem: nämlich Schüler. Das ist die

Infantilisierung von Bildung, die nach der Schule eine

große Renaissance im Bachelor gefunden hat. Lass uns

doch als Universität nicht dastehen wie die Besserwisser.

Wir wissen nichts besser! Wir stellen Fragen an den

Grenzen des Wissens. Deswegen finde ich unser Annahmeverfahren

nicht so ungewöhnlich, wie das immer

dargestellt wird.

Wirwissen

nichts

besser!

Wirstellen

Fragen...

Sie haben die Idee der Universität

gegen den Strich gebürstet

und neue Methoden angewandt,

einen neuen Stil reingebracht.

Wir in Friedrichshafen sind bescheiden:

Wir sagen, wir sind „old

school“. Wir machen Universität so

wie sie vor 800 Jahren gedacht wurde,

nicht modern, Benchmark-bezogen,

alles auf „employability“, also Beschäftigungsbefähigung,

ausgerichtet. Ganz ehrlich: Für unseren Ansatz

habe ich noch nie Kritik gehört. Es ist einfach die

Grundidee von Bildung, viel zitiert – wenig gelebt.

Welche Fähigkeiten brauchen junge Leute, um diese

Nichtwissen-Frage überhaupt gestellt zu bekommen.

Müssen sie zwei oder drei Sprachen sicher

beherrschen?

Nein, die meisten Menschen stellen Anforderungen an

andere, die sie selbst nicht erfüllen. Wir nicht. Es wäre

nur ganz gut, wenn die formale Hochschulzugangsberechtigung

vorliegt. Aber, wenn es eng wird, begleiten

wir Bewerber auch über Abendgymnasien.

Wie bitte?

Wir haben hier Leute, die im Alter von 42 ihr Studium

beginnen und uns seit 10 Jahren

beobachtet haben. Wir haben hier

Hauptschülerakademien für die

Roland-Berger-Stiftung auf die Beine

gestellt. Unis sind ja eigentlich

die High-End-Veredler, aber der

Reiz liegt woanders; es gibt in der

Durchlässigkeit des deutschen Bildungssystems

so viele Skandale:

die frühkindliche Erziehung, die

Problematik der Grund- und

Hauptschulen und und und …

Gibt es einen gemeinsamen Nenner Ihrer Studenten?

Nein, aber Klassensprecher, Klassenclowns und klasse

Musiker sind irgendwie häufig. Und was alle lernen:

Freiheit auszuhalten. Die fallen mit siebzehneinhalb

14


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[titelthema]

als G8-Beschleunigungsopfer aus der Schule. Wir entwickeln

die Förderung- und Forderungskultur immer

gleichzeitig. Es gibt auch einige, die sich bewusst gegen

uns entscheiden, weil denen das Studium und die

Kleingruppen zu intensiv sind.

Was kennzeichnet ihre Studenten noch?

Die Kombination aus Mut und Demut. Mut, sich zu verschulden

für ein Studium, aber nicht in dieser Hybris-

Fantasie: Ich hab es ja geschafft, ich bin ausgewählt

worden. Dazu die Demut vor dem Nichtwissen. Sie erwerben

jeden Tag mehr Wissen über ihr Nichtwissen.

Das müssen Sie aushalten. Wie Gregory Bateson, der

wunderbare Delfinforscher, sagte: Sie müssen sich die

Brücke im Gehen unter sich selber bauen. Das ist eine

Qualität, die im engeren Sinne des Wortes etwas mit

Selbstbewusstsein zu tun hat. Man braucht die richtige

Mischung aus Hybris und Selbstzweifel. Gucken Sie

mich an: Mit 31 Jahren eine Uni gründen, so jemanden

müssen Sie normalerweise betreuen!

Entscheidend ist die richtige

Mischung aus Mut und Demut,

sagt Stephan Jansen:

Mut, sich zu verschulden, und

Demut vor dem Nichtwissen.

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Folgt keinen

schnellen Trends.

Sondern

Überzeugungen.

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15


[titelthema] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Konkreter bitte!

An vielen Universitäten wird nun das Thema „Wirtschaftsethik“

angeboten, Nachhaltigkeitsseminare,

Vorlesungen wie „Richtig führen und kommunizieren

mit Mitarbeitern“ usw. Aber das bringt alles nichts,

wenn die Themen auf dem Vorlesungplan stehen, damit

sie auf dem Plan stehen. Mal ehrlich: Das ist alles

20. Jahrhundert, Kausallogik – Bildung als Fernbedienung.

Studierende müssen einerseits die Ideengeschichte

des Fachs verstehen, und die Ökonomie beispielsweise

kommt aus der Ethik, nicht umgekehrt,

und sie müssen das erleben dürfen – im geschützten

Raum des Studiums. Ich möchte mit Nietzsche, dass die

Studenten so werden, wie sie sind – und nicht, wie sie

die Arbeitsmärkte gerne haben wollen. Mir geht es in

Biografien auch um den Moment des Eigenwilligen.

Schauen Sie mal Ferdinand Graf von Zeppelin an. Was

hat der eigentlich gemacht? Er hat als Nicht-Ingenieur

im Seniorenalter ein Unternehmen gegründet, das

dreimal insolvent gegangen ist. Mit einem nichtfunktionierenden

Produkt. Das ist, finde ich, beeindruckend.

Was erwarten Sie von den Absolventen?

Ob sie nun eine Zeitung gründen, den Busfernverkehr

als Markt eröffnen oder ob sie Oberbürgermeister werden,

das ist mir vollkommen wurscht. Das einzige, was

ich möchte ist, dass sie sich selbst so gut kennen, dass

sie ihre Potenz an dem Ort in der Gesellschaft einsetzen,

wo sie in Differenz wirksam werden. Dieses Moment

der Wirksamkeit hat etwas mit Selbstreflektion

zu tun. Deswegen sage ich, dass diese Leute wie kleine

Bomben wirken. Erst jüngst hat mir der Personalvorstand

eines großen deutschen Konzerns gesagt: „Herr

Jansen, ich habe wieder Absolventen von Ihnen – ganz

ehrlich – mehr als zehn können wir als Konzern nicht

vertragen, denn die stellen ja alles auf den Kopf.“ Wenn

ich mich dann scheinheilig entschuldige, kommt die

Antwort: „Nein, Herr Jansen, ist schon gut so, aber auch

anstrengend.“ Weiß ich ...

Des Uni-Präsidenten Maxime:

Die Studenten sollen so

werden, wie sie sind – und

nicht, wie sie die Arbeitsmärkte

gerne haben wollen.

Sie haben Ihre Alumni in einem Interview einmal als

cruise Missiles bezeichnet. Wie meinen Sie das?

Das habe ich, als Zivildienstleistender, tatsächlich gesagt?

Oha. Mir geht es darum, dass kluge Einsteiger

schon kleine Bomben der Innovation und der Differenz

sein müssen. Sie brauchen ein Anti-Korrosionsschutz

durch Bildung im Beruf, um sich nicht verbiegen zu

lassen, kompromisslos nachzufragen, nicht in eine Rolle

zu schlüpfen, wie Führungskräfte-Coaches das empfehlen,

sondern eben bei sich bleiben, achtsam sein,

Rückgrat beweisen, die eigenen Werte durchhalten,

auch wenn es unangenehm wird. Vielleicht auch mal

zugeben, etwas nicht zu wissen, trotzdem und deswegen

zu entscheiden. Wir stecken ja momentan mitten

in der Moralisierung der Bildung.

Wie groß ist die Gefahr, dass die Studierenden mit

solchem Vorgehen anecken?

Es ist eine gewisse Eleganz der Empathie beim Anecken

nötig. Sie müssen sich schon gemein machen, in

eine Gemeinschaft eintreten. Aber jeder sollte hier seinen

eigenen Weg suchen.

Wie wichtig ist es für Unternehmen, sich zu hinterfragen?

Die deutschen Unternehmen brauchen im 21. Jahrhundert

zwei neue Innovationstypen. Sie werden nicht

mehr wie im letzten Jahrhundert nur irgendeine Technologie

in die Welt bringen und dadurch Weltmarktführer

werden. Vielmehr geht es darum, in komplexen

Systemen soziale und geschäftsmodellbezogene Innovationen

für Themen wie Energie, Mobilität, Gesund-

16


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[titelthema]

heit, Sicherheit neu zu diskutieren. Dann ist Hinterfragen

auch Vordenken!

Was macht einen guten Manager

in so komplexen Systemen und in

einer Phase des Umbruchs aus?

Viele Unternehmen wünschen sich

Führungskräfteentwicklung von

der Zeppelin Universität mit genau

dieser Frage. Für uns stellt sich die

Frage: Fortbildung, wie man ein guter

Manager wird in komplexen

Systemen: Wie soll das gehen?

Nicht trivial, also nicht auch noch 45-Jährige infantilisieren!

Wir brauchen neue, komplexere Formate. Wir

Diese

Absolventen

stellenja

allesauf

denKopf

nennen das „Impact Education“: „Nenne uns dein Problem

– und wir liefern dir das Rüstzeug für deine Lösungsfindung.“

Welche Eigenschaften benötigt

ein guter Manager?

Die Frage ist etwas schlüpfrig,

dann kann ich beim Antworten

nur Fehler machen. Also los! Manager

sind durch Fehlertoleranz

resilienzfähig, sie sind reflektionsfähig,

post-autistisch, also auf

neue Weise beziehungsfähig – jenseits

der Hierarchie. Dazu muss man Kunden, Zulieferer

oder unverwandte Branchen beobachten. Ich glau-

Einen Lehrplan zum guten

Manager gibt es nicht, erklärt

der Professor. Man kann aber

den Unternehmen das Rüstzeug

liefern, selbst die für sie

beste Lösung zu finden.

In die Zukunft gedacht

Nething Generalplaner heißt Michael Keller

in der Geschäftsführung willkommen

Nething

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17


[titelthema] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Vorbild Zeppelin: Wenn man

abstürzt, steigt man wieder

auf. Diese Haltung habe er in

Oberschwaben kennen und

auch lieben gelernt, erklärt

der gebürtige Niedersachse

im Gespräch mit Karen Emler,

Leiterin des Wirtschaftsressorts

der Südwest Presse,

und Alexander Bögelein, Redaktionsleiter

Unternehmen.

be fest: Führungskräfte müssen mehrsprachiger

werden; nicht national, sondern Wirtschafts-Manager

müssen die Sprachspiele des Politischen und der Zivilgesellschaft

verstehen und umgekehrt. Unternehmen

und Politiker haben mit Bürgern zu tun, mit sozialen

Protestbewegungen, Shitstorms oder was auch immer

– das sind andere Sprachlogiken. Wir brauchen Sensibilisierung

für diese Sprachspiele in der Gesellschaft,

weil auch Unternehmen in einem

Geflecht von unterschiedlichsten

Einflüssen stecken.

Was heißt das im Umkehrschluss?

Wir müssen sehr tolerant sein und

tatsächlich eher über Erzählungen

führen als über das Zählen. Wir

kommen ja aus einer objektivierungsoptimistischen

Welt, in der

die Wissenschaft zur Ersatzreligion geworden ist. Dabei

geht es häufig auch um Pseudoobjektivierung und

dauernde Abzählreime. Management als „Malen nach

Zahlen“ – funktioniert nicht. Aber Erzählungen funktionieren,

wenn sie weitererzählt werden.

Was haben Sie aus Ihrer Arbeit in Friedrichshafen

persönlich gelernt?

Dass der Graf Zeppelin verdammt recht hatte: „Man

muss nur wollen und daran glauben, dann wird es gelingen.“

Eine reine Privatuniversität ist unmöglich,

und deswegen wurde sie möglich. Und wir sind weniger

abgestürzt als unser Vorbild, aber das kann ja noch

kommen. Und dann steigen wir wieder auf. Diese Haltung

habe ich hier gelernt – auch lieben gelernt, denn

Management

funktioniert

andersals

„Malennach

Zahlen“

die Oberschwaben sind so unfassbar bodenständig innovativ,

dass man sich in sie trotz Kehrwoche auch verlieben

kann.

Was haben Sie über sich gelernt?

Dass dieser Zweitakt-Motor zwischen Hybris und

Selbstzweifel für mich doch ganz gut getaktet war. Es

gab schon viele Nächte, in denen ich wirklich dachte:

„Oh je, das kann nicht funktionieren.“

Auch weil viele Mitspieler im

privaten Universitätssegment

Schwierigkeiten haben. Ich denke,

eine ehrliche und spürbare Begeisterung

für das, was man tut, trägt

weiter. Und dann gilt für mich: immer

etwas schneller neue Erfolge

haben, als für die alten kritisiert

werden zu können.

Und was freut Sie?

Es ist ein unglaubliches Privileg, eine Uni gründen zu

dürfen, in der sich junge Persönlichkeiten selbst bilden,

und das macht einfach Spaß – jeden Tag. Das ist meine

re-generative Energiequelle, und deswegen bleibe ich

auch so gern in Lehre und Forschung.

DAS INtErVIEW FüHrtEN

KArEN EMLEr, LEItErIN

DEr WIrScHAFtSrEDAKtIoN SüDWESt PrESSE

UND ALExANDEr BöGELEIN,

rEDAKtIoNSLEItEr UNtErNEHMEN [!]

FotoS: oLIVEr ScHULZ

DoKUMENtAtIoN: ISABELLA BUrK

18


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[namen&nachrichten]

Hochland

investiert kräftig

in Russland

Der Gewinn der Hochland

GmbH in Heimenkirch bei

Wangen hat sich im Jahr 2013

fast halbiert auf 37 Millionen

Euro. Dem Schmelzkäsehersteller

gelang es nicht, die zwischenzeitlich

rasant gestiegenen

Erzeugerpreise für Milch

an den Handel weiterzugeben.

Der Umsatz legte leicht auf 1,2

Milliarden Euro zu. Im südrussischen

Prokhorovka verdoppelte

das Unternehmen für 25

Millionen Euro die Produktionskapazitäten

auf 18.000 Tonnen.

In Heimenkirch beschäftigt

Hochland 700 Mitarbeiter.

Letztes Kapitel

im Ausverkauf

von Sunways

Zwei Geschäftszweige des einstigen

Solar-Hoffungsträgers

Sunways aus Konstanz waren

schon verkauft, nun ist auch

ein Erwerber für den letzten

Geschäftsbereich im thüringischen

Arnstadt gefunden. Nach

Angaben des Insolvenzverwalters

Thorsten Schleich übernimmt

ein Investor den Betrieb

der Produktionstochter im thüringischen

Arnstadt. Zuvor war

bereits das Geschäft mit Wechselrichtern

und gebäudeintegrierter

Photovoltaik in Konstanz

an eine Tochterfirma des

Solarkonzerns Shunfeng Photovoltaic

gegangen. In Konstanz

arbeiten nur noch 40 Menschen,

in Arnstadt sind es 35.

Oberland sorgt

sich um Märkte in

Osteuropa

Besorgt verfolgt der Hohlglashersteller

Saint Gobain Oberland

AG in Bad Wurzach die Lage

in der Ukraine. Dessen drei

Blumenwiesen als Projekt

Mit „Blühinseln“ im Kreis Biberach will Erdgas Südwest Bauern,

Naturschützer und Imker versöhnen. Das Energieversorgungsunternehmen,

das 110 Mitarbeiter beschäftigt, betreibt

in Kooperation mit Landwirten Biogasaufbereitungsanlagen. In

der Folge sind Mais-Monokulturen entstanden. Um etwas für

die Artenvielfalt zu tun, hat Erdgas Südwest mit dem Maschinenring

Biberach auf zunächst sechs Flächen von jeweils etwa

einem halben Hektar Sommerblumen ausgesät. Die Kosten betragen

15.000 Euro.

Werke in Russland und in der

Ukraine entwickelten sich von

Anfang an nur mit mäßigem Erfolg.

2014 wollte man dort erstmals

schwarze Zahlen schreiben,

doch das ist nicht der Fall.

Dennoch soll an den Standorten

festgehalten werden. Im

Jahr 2013 stagnierte der Umsatz

bei 521 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss

des Gesamtunternehmens

stieg auf 4,7 Millionen

Euro nach einem Verlust

von 3,4 Millionen Euro im Jahr

zuvor. Oberland Glas stellt

Glasflaschen und Glasbehälter

für den Getränkemarkt her und

beschäftigt 3160 Mitarbeiter.

Großauftrag aus

Kasachstan für

Andritz Hydro

Die Andritz Hydro GmbH, tätig

im Bau von Wasserkraftwerken,

kommt mit den Nachfolgestaaten

der Sowjetunion immer

besser ins Geschäft. Vor allem

bei der Renovierung veralteter

Anlagen sind die Dienste der

Ravensburger gefragt. Nun erreichte

Andritz Hydro ein Großauftrag

aus Kasachstan. Für 75

Millionen Euro soll bis 2017 das

50 Jahre alte Kraftwerk Shardarinskaya

modernisiert werden.

Die Andritz Hydro Ravensburg

gehört seit 2013 zur

österreichischen Andritz AG. In

Ravensburg sind 500 Mitarbeiter

beschäftigt, weltweit sind es

24.000.

Weniger

Fluggäste in

Memmingen

Der Allgäu-Airport Memmingen

erwartet in diesem Jahr einen

Rückgang der Passagierzahlen

um 80.000 auf 780.000. Der

Hintergrund: Die ungarische

Gesellschaft Wizzair und der

irische Billigflieger Ryanair haben

ihre Verbindungen in die

Ukraine eingestellt beziehungsweise

reduziert. Der irische

Konzern bringt 65 Prozent des

Umsatzes und will seine Aktivitäten

ausbauen. Dazu ist ein

Ausbau nötig. Wie das 15,5 Millionen

Euro teure Projekt finanziert

werden soll, ist unklar. Eine

Möglichkeit wäre der

Einstieg des Landes Bayern in

den Kreis der 73 Gesellschafter.

Vetter investiert

50 Millionen Euro

in Ravensburg

Die Ravensburger Vetter-Gruppe

investiert kräftig am Firmensitz

in Ravensburg. Am erst

2012 fertiggestellten Standort

im Gewerbegebiet Erlen entsteht

in den kommenden Jahren

ein neues Gebäude, das die

Kapazitäten für Optische Kontrolle

und Logistik mehr als verdoppeln

wird. Das mehr als 50

Millionen Euro teure Projekt sei

ein klares Bekenntnis zur Wirtschaftsregion

Oberschwaben,

sagte Vetter-Geschäftsführer

Thomas Otto. Der Standort ist

künftig Arbeitsplatz für bis zu

800 Beschäftigte. Weltweit arbeiten

3300 Menschen für Vetter.

2013 stieg der Umsatz um

zehn Prozent auf rund 400 Millionen

Euro. [!]

19


[finanzieren] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

LuftfürdenAufstieg

Wer will schon von einer Bank abhängig sein – sich reinreden und gängeln lassen. Auch viele Familienunternehmen

setzen am liebsten auf Eigenkapital. Klug ist das nicht in jedem Fall. Tipps zum Einsatz von Fremdkapital.

Lange galt der Name „Strenesse“ nicht nur

in der Modebranche als erste Adresse.

Mit edler Damenmode war das Label seit

Mitte der 1990er Jahren zu einer international

begehrten Designermarke aufgestiegen. So

konnte das Unternehmen aus dem schwäbischen

Nördlingen, das seit der Gründung 1949

im Besitz der Familie Strehle war, vor gut einem

Jahr vergleichsweise zügig eine Anleihe

bei privaten Investoren platzieren. Doch es

stand es nicht zum Besten mit der Firma. Der

Vormarsch von

Billigmarken wie

Zara & Co. und die

Konkurrenz neuer

Edelmarken

machten Strenesse

zu schaffen. Das

Unternehmen

schrieb rote Zahlen.

Zudem gab es

Zwist unter den Familieneignern


mit fatalen Folgen:

Als die Anleihe im

Ökonomie-Professor

Mark Mietzner.

Frühjahr 2014 fällig war, fehlte das notwendige

Kapital zur Tilgung, neue Geldgeber waren

nicht in Sicht, und auch die Banken winkten

ab, so dass eine Refinanzierung nicht möglich

war. Obwohl die Gläubiger einer Fristverlängerung

zustimmten, musste Strenesse im April

Insolvenz anmelden.

Das Beispiel zeigt: Kapitale Pleiten kommen

unter ungünstigen Umständen auch bei alteingesessenen

Familienunternehmen vor.

Doch sie sind nach Beobachtungen von Mark

Mietzner, Professor an der Zeppelin Universität

in Friedrichshafen, eher die Ausnahme als

die Regel. „Familienunternehmen sind sehr

häufig konservativ finanziert“, berichtet der

Ökonom, „das heißt, sie haben höhere Eigen-

Ein Traum: völlig frei auf einem Berg von eigenem

Geld. Doch auch Familienfirmen müssen

nicht ganz auf Fremdkapital verzichten.

20


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[finanzieren]

kapitalquoten im Vergleich zu Unternehmen

mit breiter Eigentümerstruktur wie etwa börsennotierten

Aktiengesellschaften.“

Ein Grund für den Unterschied: Familienunternehmen

stehen anders als kapitalmarktorientierte

Konzerne nicht unter so starkem Renditedruck.

So können sie es sich erlauben,

mehr Eigenkapital einzusetzen. Das ist zwar

teurer als die derzeit zinsgünstigen Bankkredite

und Anleihen, doch mit dem sicheren Finanzpolster

im Rücken senken sie ihr unternehmerisches

Risiko. Sie können zum Beispiel

in Krisenzeiten ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen

anstatt sie zu entlassen – und damit

dauerhaft zu verlieren. „Das ist insofern

eine clevere Strategie, als dass viele dieser Firmen

in Branchen tätig sind, in denen spezifisches

Humankapital, also Fach- und Firmenwissen,

einen hohen Stellenwert besitzt – etwa

im Maschinenbau oder der Elektrotechnik“,

sagt Mietzner. „Das kann ich mir als Unternehmer

aber nur erlauben, wenn ich eine solide

Eigenkapitalquote habe.“

SchLüSSeLbegriFF:ebitdA

Dazu kommt: Anders als Konzerne denken

die Manager von Familienunternehmen generationenübergreifend

und haben eher die

langfristige Perspektive im Blick, wenn es darum

geht, sich nachhaltig geschäftliche Chancen

zu sichern. Nicht zuletzt sind sich die Manager

von Firmen in Familienhand darüber

bewusst, dass sie gegenüber börsennotierten

Unternehmen wegen

des eingeschränkten

Zugangs

zu

Kapitalquellen im

Nachteil sind. Eine

zu knappe Eigenkapitalausstattung

kann schnell

zu einem Existenzrisiko

werden.

Beteiligungsexperte

Christian Futterlieb.

„Die finanzielle Basis

muss also so

stabil sein, dass die

Firma bei einer Verschlechterung des Branchenumfeldes

nicht unter Druck kommt.

Denn das kann bedeuten, dass Investitionen

einschränkt werden, so dass die weitere Unternehmensentwicklung

blockiert oder zumindest

verzögert wird“, sagt Christian Futterlieb,

Geschäftsführer von VR Equitypartner,

der Beteiligungsgesellschaft aus der genossenschaftlichen

Finanzgruppe.

Alternativezumbeteiligungskapital

Strenesse – hier ein Showroom – hat den richtigen Bogen nicht rechtzeitig gekriegt.

Wassichhintermezzanineverbirgt

Kommt die (vollständige) Finanzierung

einer Investition mit Fremdkapital – etwa

durch ein Darlehen – ebenso wenig infrage

wie durch eine Aufstockung des Eigenkapitals

– etwa durch einen externen Investor

–, ist Mezzanine-Kapital eine

Alternative: Dabei handelt es sich um ein

Mittelding zwischen beiden Kapitalarten.

Die Frage indes ist: Wie sieht eine optimale

Finanzierungsstruktur aus? Ein gutes Maß für

die ausreichende Ausstattung mit Eigenkapital

ist Futterlieb zufolge der Verschuldungsgrad,

„weil diese Kennzahl eine finanzielle

Leistungsfähigkeitskomponente enthält.“

Der Verschuldungsgrad errechnet sich aus der

Höhe der Verschuldung geteilt durch das operative

Ergebnis – meist das Ebitda, also das

Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

„Allerdings ist es schwierig, pauschale

Empfehlungen dazu abzugeben, denn das

hängt im Einzelfall vom Geschäftsmodell eines

Unternehmens ab“, sagt Futterlieb.

ZugeknöpFteunternehmer

„Zyklische Unternehmen etwa in der Automobilzulieferindustrie

müssen alle paar Jahre

mit einer deutlichen Abschwächung der

Branchenkonjunktur rechnen.“ In diesem Fall

sei ein Verschuldungsgrad von zweieinhalb

bis drei angemessen. Bei Unternehmen, die

einen kontinuierlichen, stabilen Cashflow

haben – etwa aus dem Consumer-Segment –,

könne der Verschuldungsgrad auch bei vier

Ähnlich wie bei einer Anleihe steht das

Geld dem Unternehmen nur für eine begrenzte

Zeit zur Verfügung und muss zu

einem festen Zeitpunkt zurückgezahlt

werden. Andererseits haftet es wie Eigenkapital

für die Verbindlichkeiten des

Unternehmens. Vorteil: Die Eigenkapitalquote

verändert sich nicht. Nachteil:

Mezzanine-Kapital ist relativ teuer. TLU

liegen, ohne dass dadurch die strategische Position

des Unternehmens gefährdet wird.

Auf der anderen Seite stehen erfolgreiche Familienunternehmen

regelmäßig vor der Herausforderung,

ihr Wachstum finanzieren zu

müssen, ohne gleichzeitig die Eigenkapitalbasis

empfindlich zu schmälern. Dann kann die

mangelnde Auswahl an Finanzierungsquellen

zum Stolperstein werden. Viele Firmen

konnten sich nach Beobachtungen von

Mietzner in den vergangenen Jahren darauf

verlassen, sich von innen zu finanzieren, weil

sie gut verdient haben. „Darin schlägt sich die

gute Geschäftsentwicklung nieder, aber auch

der Wille, Unabhängigkeit gegenüber den

Hausbanken zu demonstrieren, mit denen

viele Unternehmen in der Finanzkrise

schlechte Erfahrungen etwa durch Kürzungen

von Kreditlinien gemacht haben.“

Ein neues Mitglied in den Eigentümerkreis

aufzunehmen, scheitert oftmals auch daran,

dass Familienunternehmen zugeknöpft sind,

wenn es darum geht, Mitspracherechte einzuräumen.

„Sie wollen in der Regel die unternehmerische

Führung in der Familie halten

21


[finanzieren] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

und damit die Fäden in der Hand haben“, berichtet

Mietzner. Der Gang an den Kapitalmarkt

ist dagegen nur selten eine Option. „In

diesem Fall müssen die Emittenten laufend

über ihre Geschäftsergebnisse berichten, also

deutlich transparenter werden – und das wollen

Familienunternehmen in der Regel nicht“,

sagt Mietzner. So kommt häufig nur der Einstieg

eines Finanzinvestors in Betracht, wenn

die Alteigentümer nicht frisches Kapital einbringen

können oder wollen. Solche Geldgeber

waren noch vor ein paar Jahren als „Heuschrecken“

verschrien, die Unternehmen

schlucken und rücksichtslos ausschlachten.

Doch das Bild hat sich gewandelt. „Ich glaube,

dass Finanzinvestoren eine Chance sein können,

die ein Unternehmen auch strategisch

weiterbringen können“, sagt der Professor.

Bei der in Aalen und Altbach ansässigen

Vohtec Rissprüfung

GmbH zum Beispiel wollten

die beiden

Alteigentü-

mer Kerstin Ott und Roland Vogt den anstehenden

Generationenwechsel möglichst früh

und ohne Komplikationen einleiten. Daher

haben im Sommer 2013 VR Equitypartner zusammen

mit der Bader & Hirn Beteiligungs

GmbH die Mehrheit an dem Spezialisten für

zerstörungsfreie Werkstoffprüfung übernommen,

die Volks- und Raiffeisenbank Aalen finanzierte

den Deal gemeinsam mit der Volksbank

Ulm-Biberach mit. „Mit der neuen

Gesellschafterstruktur haben wir nicht nur

die Voraussetzung für eine erfolgreiche Nachfolgelösung

geschaffen, sondern auch sichergestellt,

dass sich das Unternehmen kontinuierlich

weiterentwickeln kann“, sagt

Vohtec-Geschäftsführer Vogt.

AchtungkLumpenriSiko

Mittlerweile haben es viele Finanzinvestoren

zudem nicht mehr unbedingt auf eine Mehrheit

abgesehen. Eine große Zahl gibt sich auch

mit einem Minderheitsanteil auf Zeit zufrieden

und steigt dann wieder aus. Eine andere

Alternative ist Mezzanine-Kapital, eine

Art Mischung aus Fremd- und

Eigenkapital, das allerdings zu einem

bestimmten Zeitpunkt wieder zurückgezahlt

werden muss. Ähnlich wie bei einer Anleihe

besteht ein Refinanzierungsrisiko.

Die große Auswahl an Finanzierungsinstrumenten

bietet freilich auch Chancen. „Unternehmen

sollten es vermeiden, in alten

Strukturen zu verhaften und neue Finanzierungsmodelle

oder -optionen bewusst links

liegen zu lassen“, rät Uni-Professor Mietzner.

„Ich würde als Unternehmer versuchen, einen

möglichst breiten Mix von Finanzierungsinstrumenten

zu nutzen. Gibt es einen unerwarteten

Finanzierungsbedarf, kann ich diesen

Bedarf auch kurzfristig schneller und besser

umverteilen.“ Der Experte warnt zudem davor,

ein „Klumpenrisiko“ einzugehen. „Eine

Firma sollte nicht alle Kredite bei einer einzigen

Bank aufnehmen und eben auch Finanzinvestoren

nicht kategorisch ausschließen.

Man muss nur aufpassen, dass ein Familienunternehmen,

wenn es Anteile oder sogar die

Mehrheit abgibt, nicht seinen Charakter

verliert und fortan sehr stark von Renditedenken

beherrscht wird.“ [!]

THOMAS LUTHER

Einen Finanzinvestor im Boot zu

haben, kann Unternehmen strategisch

weiterbringen.

22


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

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23


Im Technologie- und Servicecenter der CHG Meridian werden zurückgegebene Geräte überholt – und fit gemacht für den Weiterverkauf.

Wozu Technik selber kaufen?

Leasing? Das verband man vor vielen, vielen Jahren mit Autos. Später entstanden auch Modelle für Software.

Kinderkram. Die CHG Meridian hat heute sogar Ultraschallgeräte und Roboter im Angebot – für 19 Länder weltweit.

Wenn Kunden nach drei Jahren die

gebrauchten Computer, Laptops,

Netbooks oder Server vom Kunden

an die Leasinggesellschaft CHG Meridian AG

zurückgeben, sind die Geräte noch lange

nicht am Ende ihres Lebenszyklus angekommen:

Das Unternehmen mit Sitz im oberschwäbischen

Weingarten überholt und verkauft

sie weiter. Rund 400.000 Computer

seien im vergangenen Jahr im Technologieund

Servicezentrum im hessischen Groß-Gerau

runderneuert worden, berichtet Jürgen

Mossakowski, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Die gebrauchten Computer werden

nach Afrika oder auch nach Osteuropa

weiterverkauft, Netbooks an Zwischenhändler,

die sie dann in großen Stückzahlen im Internet

weiter veräußern. Und 80.000 Mal wurden

alle Daten auf den Rechnern sicher

gelöscht – auch die verborgenen.

Das Geschäft

brummt. 2014 sollen

schon 450.000

Geräte generalüberholt

werden.

Die CHG zählt zu

den führenden

hersteller- und

bankenunabhängigen

Leasinggesellschaften

mit Nur Leasing gilt seit längereum

weltweit mehr als

8000 Kunden und als unsexy, sagt Chef

Jürgen Mossakowski .

zählt Ende 2013

beinahe vier Millionen Geräte im Bestand:

vom Computer bis hin zur für einige Zeit gemieteten

Telefonanlage. Doch nur Leasing sei

schon seit längerer Zeit unsexy, sagt Mossakowski.

Deshalb habe sich das Unternehmen,

das im vergangenen Jahr mit weltweit 795

Mitarbeitern im Neuinvestitionsgeschäft die

Milliardengrenze geknackt hat, vorgenommen,

den Bereich Service auszubauen und

weitere Bereiche zu erschließen.

KliniKen iM Visier

So ist Meridian auch im Bereich des Gesundheitswesens

und der Medizintechnik unterwegs.

Da geht es um die Verwaltung von Dialysepumpen

für Patienten oder auch um

Endoskopie- oder Ultraschallgeräte, die Kliniken

oder Ärzte mieten können. In Deutschland

sei die CHG schon größer am Start, in

Frankreich, den USA oder Großbritannien

laufe das Geschäft bislang eher nebenbei –

und soll jetzt ausgebaut werden. „Alle öffentlichen

Krankenhäuser in Frankreich bestellen

bei uns“, sagt Mossakowski. Darin lägen

große Entwicklungschancen. Der Bereich Industriegüter

ist im Jahr 2012 neu hinzuge-

24


R

unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[finanzieren]

kommen. In dem Segment geht es um die

Finanzierung von Spezialprojekten wie zum

Beispiel Ro botern oder Fertigungsstraßen.

Das Besondere daran ist: Solche Verträge laufen

mit fünf bis sieben Jahre deutlich länger

als der klassische IT-Vertrag. So kümmerte

sich die CHG in der Vergangenheit beispielsweise

um die Vor finanzierung einer neuen

Produktionsanlage mit Schweiß- und Montagerobotern

eines Autozulieferers, der für

Volkswagen tätig ist. Bei solchen Großprojekten

ist die Leasing gesellschaft ein wichtiger

Partner, damit die Geschäfte reibungslos in

Zusammenarbeit mit dem Zulieferer und den

entsprechenden Anlagenbauern abgewickelt

werden können.

nebenberuflich zum weltweiten unternehmen

Der Erweiterungsbau in Weingarten soll Ende kommenden Jahres fertig sein.

WildWuCHs ausliCHTen

Doch auch im klassischen Bereich der Informationstechnologie

sieht Mossakowski gleichermaßen

Chancen für Meridian, noch zuzulegen.

Beispiel: Drucker in den Büros.

Oftmals haben Firmen die unterschiedlichsten

Drucker von unterschiedlichsten Herstellern.

„Wenn man den Wildwuchs von Modellen

ordnet, kann man erheblich Kosten

sparen.“ Denn in der Regel werde für jedes Gerät

ein anderer Techniker benötigt, und dadurch

verteure sich alles unnötig. Oftmals

rechnen die Unternehmen ihre Druckkosten

direkt mit der Leasinggesellschaft ab, die in

ihrem Auftrag die genaue Anzahl der Ausdrucke

erfasst.

In den Ausbau seiner Zentrale in Weingarten

hat CHG 20 Millionen Euro investiert. Der

Erweiterungsbau soll Ende des kommenden

Jahres fertig sein. Von hier aus wird das Unternehmen,

das mittlerweile in 19 Ländern vertreten

ist, gesteuert. In Weingarten sind aktuell

über 270 Mitarbeiter beschäftigt.

Bei der Internationalisierung sind die Oberschwaben

ihren eigenen Weg gegangen. Sie

lassen Asien konsequenterweise links liegen.

„Wir haben uns bewusst vor Jahren für den

Gang nach Amerika entschieden“, sagt der

Vorstandschef. In den USA, Mexiko und Brasilien

sieht Meridian viel Potenzial, um weiter

wachsen zu können und unabhängiger vom

Heimatmarkt und Zentraleuropa zu werden.

Jürgen Gelf gründet das Unternehmen

1979 in Berg bei Ravensburg. In den Anfangstagen

baut er es neben seinem Job

als Leiter Organisation und Datenverarbeitung

bei einem mittelständischen Unternehmen

der Elektroindustrie auf. Die

Technik jener Tage können sich junge

Menschen heute schon fast nicht mehr

vorstellen. Gelfs Arbeitsplatz besteht aus

einem Tisch, einer zu dieser Zeit hochmodernen

Kugelkopf-Schreibmaschine

von IBM, vier Ringbuch-Ordnern, einem

Diktiergerät und einem Stanzband-Fernschreiber.

In den 1990er Jahren tätigt

Gelf Zukäufe – und gewinnt die öffentliche

Hand als Auftraggeber hinzu. 2002

zieht das Unternehmen nach Weingarten.

Es expandiert weiter.

2013 verstirbt der Unternehmensgründer

Jürgen Gelf.

OS

Der Gang nach Brasilien sei beschwerlich gewesen,

weil dort die Mühlen der Bürokratie

besonders langsam mahlen. In dem Schwellenland

entwickle sich der Markt langsam

– aber stetig. Um für die Zukunft gewappnet

zu sein, soll in den kommenden Jahren die Belegschaft

weiter aufgestockt werden. Im Jahr

2016 sollen nach den Vorstellungen der Unternehmensleitung

des Familienunternehmens

weltweit rund 1000 Mitarbeiter für den

Mittelständler arbeiten. [!] Oliver Schmale

Bauen zu können ist die eine Sache, zu dürfen die andere.

Wir sagen DANKE und freuen uns über neue Herausforderungen!

FKIRCHHOFF . SYSTEMBAU

Auftraggeber (v. l).: URACA GmbH & Co. KG - Bad Urach, Dr. Hannes Egle -Tuttlingen, Marc Cain Holding GmbH- Bodelshausen

Architektur: Hank + Hirth, Eningen, Objekt Mitte: Architekturbüro Weber, Gosheim - Fotos: Oliver Starke, FRICON - Alexander Frick

25


[finanzieren] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

leasing – von der iT bis zum roboter

Es gibt praktisch nichts, was nicht geleast

werden kann. Neben den klassischen Mobilien

und Immobilien – Fahrzeugen, Maschinen,

Computer-Hardware, Einrichtungen sowie

Gebäuden – sind Leasing-Lösungen auch für

immaterielle Güter verfügbar. Das Spektrum

reicht hier von Software über Marken- und

Patentrechte bis zur Vorfinanzierung von Forschungs-

und Entwicklungsprojekten. Die

Vorteile von Leasing lassen sich schnell aufzählen:

Liquidität bleibt erhalten, das Eigenkapitel

wird nicht belastet, die Kreditlinien

werden geschont. Infolge der fest vereinbarten

Leasing-Raten gibt es zugleich eine hohe

Planungssicherheit. Nach Ablauf der Leasing-

Dauer wird das genutzte Wirtschaftsgut zurückgegeben

oder kann gegen das technisch

aktuellste ausgetauscht werden.

Bei Autos bedeutet dies, stets das neueste Modell

und damit das umweltschonendste, sicherste

und verbrauchsgünstigste Fahrzeug

zu fahren. Der Aspekt des aktuellsten technischen

Standes ist speziell für High-Tech-Geräte

mit ihren kurzen Innovationszyklen interessant.

Gerade im IT-Segment sind laut CHG

die sogenannten Small-Ticket-Leasing-Verträge

stark verbreitet. Heute werden bereits

Objekte mit Investitionswerten von 500 Euro

geleast.

auf Was Muss Man

besonders aCHTen?

Das Unternehmen sollte vorab einen Bedarfsund

Nutzungsplan entwickeln und überlegen,

ob es Dienstleistungen zusätzlich nutzen

möchte. Zudem sollte mit der

Leasing-Gesellschaft geklärt werden, was

nach Ablauf des Vertrages mit dem Investitionsgut

geschieht und welcher Vertragstyp

gewählt werden soll.

Foto: © Rainer Plend/Fotolia.com

Foto: © mario beauregard/Fotolia.com

die besonderHeiTen

Leasing ist in aller Regel eben nicht der Erwerb

von Eigentum: Das geleaste Gut geht

nach Ablauf der Vertragslaufzeit an die Gesellschaft

zurück. Der Nutzer kann das Gerät oder

die Software folglich auch nicht verkaufen,

wenn er feststellt, dass er es doch nicht

braucht und nutzt Nichtnutzung oder wenn

er dringend Geld auftun muss.

Die feste Vertragslaufzeit ist einerseits ein

Vorteil. Andererseits kann der Vertrag auch

nicht ohne weiteres gekündigt werden. Somit

ist die Leasingrate ein fester Bestandteil der

Kosten.

Die Leasinggesellschaft kann den Vertrag

kündigen, wenn die Raten nicht regelmäßig

gezahlt werden. Möglicherweise wird auch

noch Schadenersatz fällig.

Die Raten sind auch dann fällig, wenn das Gerät

nur herumsteht und nicht genutzt wird.

Schließlich ist ja ein entsprechender Vertrag

geschlossen worden. Oliver Schmale

Seit 2012 bietet CHG Meridian auch Leasingund

Finanzierungsmodelle für Industriegüter wie

Roboter und Fertigungsstraßen an. Das Besondere:

Die Verträge laufen länger.


1984 – 2014

30

Schwäbisch.

Ehrlich.

Gut.

… und das schon seit 30 Jahren!

30 Jahre am Puls der Zeit

Im industriellen Zeitalter ist die Zeit zu einem

vielschichtigen Faktor geworden, der den Erfolg

entscheidend beeinfl ussen kann. Denn Zeit

ist letztendlich Geld. Deshalb müssen viele

As pekte der Zeit berücksichtigt werden: Wie

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27


[rubrik] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Qualität liegt im Detail – zum Beispiel in einer perfekten Naht, unter der sich ein Textilband verbirgt.

DerZauberdergeradenNaht

Wer je in einem Kleinstwagen über die Straßen geholpert ist, weiß, dass Auto nicht gleich Auto ist. Das gleiche gilt für

Sitzmöbel. Erpo fährt auf gehobenen Bahnen. Man vergleicht sich nicht mit Porsche und Bentley, eher mit Mercedes.

Stefan Bornemann hat den Kennerblick.

Der 45-Jährige ist einer der drei Geschäftsführer

der Erpo Möbelwerke

GmbH mit Sitz in Ertingen. Geht der Manager

durch Möbelhäuser, schaut er genau hin. So

zeichnen sich hochwertige und gut verarbeitete

Sitzmöbel mit Lederbezug unter anderem

durch gerade Nähte aus. Um das akkurat hinzubekommen,

ist einiger Aufwand nötig. Bei

Erpo wird er betrieben. Der Mittelständler mit

150 Mitarbeitern bedient das gehobene Segment.

Das Wort Luxus hört Bornemann nicht

gern. „Wir sind kein Bentley, Porsche oder

Rolls-Royce, sondern eher Mercedes.“

Der Lederanteil betrage bei Erpo über 70 Prozent.

Um perfekte Nähte hinzubekommen,

schneiden die Oberschwaben das Leder zurück

und nähen an den entsprechenden Stellen

ein Textilband ein, das andere laut Bornemann

entweder weglassen oder durch ein

Papierband ersetzen, manche brächten zusätzliche

Ziernähte an. „Eine weitere Voraussetzung

für eine

gerade Naht ist,

den Mitarbeitern

die entsprechende

Zeit zu geben.“

Das Unternehmen

produziert ausschließlich

in

Deutschland. Vom

Zuschnitt über das

Nähen, Polstern Geschäftsführer

und Kaschieren erfolgt

alles im eige-

Stefan Bornemann.

nen Werk. Rund 10.000 Garnituren haben das

Unternehmen vergangenes Jahr verlassen.

Zwei Drittel der Erlöse werden im Inland gemacht.

2013 betrug der Umsatz 27 Millionen

Euro. 2012 waren es 26 Millionen Euro.

Konkrete Angaben zum Gewinn macht der

Manager nicht, sagt aber: „Wir sind ein zu

hundert Prozent profitables Unternehmen.“

Mit Wachstumspotenzial. Der Mittelständler

sieht in Asien weiteres Potenzial. Außerhalb

Deutschlands ist Japan der wichtigste Markt.

Um dort zu bestehen, gibt es einiges zu beachten.

Japaner gelten als technikverliebt, in vielen

Haushalten gibt es einen Staubsaugerroboter.

„Es ist wichtig, ein Produkt anzubieten,

an dem der Staubsauger bei seiner automatischen

Fahrt nicht hängenbleibt“, erklärt Bornemann

eine der Besonderheiten. Der kleine

Saugroboter muss also unters Sofa fahren

können. Die Herkunft der Möbel gibt einen

Extra-Bonus: „Für Japaner ist alles, was aus

Deutschland kommt, etwas Gutes.“

Dass die Produkte in Ertingen hergestellt werden,

garantieren die Oberschwaben mit einem

eigenen Zertifikat – auch auf Englisch

und Japanisch. Darauf ist noch ein Bild von

Bornemann abgebildet sowie seine Unterschrift.

Das zeigt Wirkung. In Asien würde

man sein Gesicht verlieren, wenn die Angaben

nicht stimmen, erklärt der Manager, der

dem Slogan „Made in Germany“ kritisch ge-

28


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[machen]

genübersteht, wie er sagt. Außer auf Japan

setzt Erpo in Asien bislang vor allem auf Südkorea

und Taiwan. Demnächst soll auch Malaysia

hinzukommen. Zugleich verstärkt die

Firma ihre Aktivitäten in den Niederlanden,

der Schweiz und Österreich und schaut sich

Großbritannien als künftigen Markt an. Seit

einem Jahr ist es in Russland aktiv.

Erpo will freilich nicht nur durch Export zulegen,

sondern auch durch die dritte Kollektion,

die kürzlich auf den Markt gekommen ist. Sie

zeichnet sich unter anderem durch besondere

Funktionen aus: So kann etwa die Armlehne

weggeklappt werden. Die Produktentwicklung

finde ausschließlich im eigenen Haus

statt. „Von der Idee bis zum fertigen Produkt

dauert es rund ein Jahr.“ Angesiedelt ist sie in

Donzdorf bei Göppingen. Dort befindet sich

gleichfalls ein großer Ausstellungsraum.

AttrAktivELohNkostEN

Mit der neuen Kollektion soll auch in

Deutschland zugelegt werden. Hier sind die

Oberschwaben bei über 230 Händlern mit verschiedenen

Produkten vertreten. Zu mehr als

50 Prozent gehört das Unternehmen der BWK

GmbH, die im Sommer 2013 eingestiegen ist.

Die Unternehmensbeteiligungsgesellschaft

mit Sitz in Stuttgart ist eine der größten deutschen

Kapitalbeteiligungsgesellschaften, sie

verfolge einen langfristigen Investitionsansatz

und investiere mit Schwerpunkt in den

Mittelstand. BWK-Geschäftsführer Jochen

Wolf betont, Erpo passe mit seinem attraktiven

Geschäftsmodell ausgezeichnet ins Beteiligungsportfolio.

Das angestrebte Wachstum

werde eigenfinanziert. Der Rest von Erpo gehört

Bornemann und den geschäftsführenden

Erpo–einkunstwortausErtingenundPolstermöbeln

Wichtig ist nicht nur gutes Material, sondern auch gute, sorgfältige Mitarbeiter.

DerNameErpo ist ein Kunstwort und eine

Zusammenfügung aus dem Ort Ertingen

und dem Unternehmenszweck Polstermöbel.

Das Unternehmen ist 1952 von

Wilhelm und Maria Blauw gegründet worden.

Blauw war damals leitender Mitarbeiter

bei der dortigen Matratzenfabrik

und hatte aus der Insolvenzmasse das

Gesellschaftern Klaus Oevermann und Jürgen

Sollner. Das Trio ist schon lange bei Erpo in

verschiedenen Funktionen tätig.

Oberschwaben bietet für das Unternehmen

viele Möglichkeiten. Es gibt keine Probleme,

Mitarbeiter zu bekommen, wenn welche gesucht

werden. Und: „Hier sind die Leute fachlich

gut drauf“, sagt Bornemann. Auch die

Kostensituation ist nicht zum Nachteil. „Die

Lohnkosten sind nicht so hoch wie in Stuttgart.“

Der Mittelständler will auch in Bereiche

Gebäude übernommen. Er fing dann mit

der Produktion von Polstermöbeln an. In

den 1980er Jahren wird der Mittelständler

an einen norwegischen Konzern verkauft.

2009 steigt dann der Finanzinvestor

Afinum mit dem heute aktiven

Management ein. Afinum wird im Sommer

2013 von der BWK abgelöst. OS

vordringen, in denen er bislang noch nicht

aktiv ist. So ist ein Einzelsessel auf den Markt

gekommen, bevor die dritte Kollektion der

Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und da Qualität

bekanntlich länger hält als Billigware,

überlegt im Premiumsegment der ein oder andere

Kunde sicherlich etwas länger, wenn es

um die Anschaffung neuer Polstermöbel geht:

Denn im Durchschnitt vergehen genau 13,8

Jahre, bis eine Ledergarnitur ausgetauscht

wird. [!]

Oliver Schmale

29


[spezial] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Klar zum Start

Es ist wie beim Fliegen. Wer mit einer Geschäftsidee auf die Startbahn rollt, sollte behutsam abheben und nie das Ziel

aus den Augen verlieren. Rolf Essl und Andreas Müller von Altec tun das und setzen auf professionelle Unterstützung.

Foto: © MC_PP / Fotolia.com

Rolf Essl und Andreas Müller überließen

nichts dem Zufall und bereiteten den

Beginn ihrer Selbstständigkeit so akribisch

vor wie gute Piloten Start und Landung.

Dieser Vergleich ist beileibe nicht aus der Luft

gegriffen, denn die beiden geschäftsführenden

Gesellschafter haben sich mit ihrer noch

jungen Altec Airfield Lighting GmbH unter

anderem auf Vorfeld-Beleuchtungen von

Flughäfen und Hubschrauberlandeplätzen

spezialisiert.

Bei der Planung ihrer Unternehmensstrategie

sind die beiden jedoch jederzeit auf dem Boden

geblieben. Es ist noch gar nicht so lange

her – im Mai 2013 war es –, dass sie mit einer

vagen Idee vor einem weißen Blatt Papier saßen.

Dieses blieb allerdings nicht sehr lange

unbeschrieben. Betriebswirt Rolf Essl: „Existenzgründern

geistern wohl viele Gedanken

im Kopf herum. Wichtig ist es, dass man sie

niederschreibt. Was brauchen wir? Was müssen

wir wann tun? Mit wem müssen wir sprechen?

Womit haben wir Erfolg? Welche Fehler

können wir von Anfang an ausschließen?“

Zu Beginn ihrer gemeinsamen Überlegungen

hatten sie wahrscheinlich so viele Fragen wie

Flugzeuge tagtäglich auf dem Flughafen in

Frankfurt/Main landen. Sie holten sich die

Antworten. Der jungfräuliche Schreibblock

wurde alsbald die Basis eines tragfähigen Konzeptes.

Nicht deNKeN, fraGeN

Auch Essls Mitstreiter, Diplom-Ingenieur Andreas

Müller betont, wie wichtig es ist, sich zu

informieren, bevor man den großen Schritt

macht und seinen weiteren Berufsweg in die

eigenen Hände nimmt: „Es lohnt sich garantiert,

immer zu fragen – und nicht zu denken,

dass man sowieso schon alles weiß.“

Vor der Existenzgründung führten die beiden

Bankengespräche – und suchten erst einmal

das Beratungszentrum der Industrie- und

Handelskammer Ulm auf. Zum Team des Starter-Centers

gehört Jutta Peschel, die Unternehmensgründern

im wahrsten Sinn des

Wortes auf die Sprünge hilft. Sie weiß, dass

eine umfassende Information das A und O auf

dem Weg zum Erfolg ist. Sonst kann ein mutiges

Vorhaben sehr schnell in einer schmerzhaften

Bruchlandung enden: „Wir wissen,

dass 49 Prozent der Neugründer scheitern,

weil sie sich im Vorfeld nicht umfassend mit

der jeweiligen Marktsituation auseinandergesetzt

haben. Doch diese Analyse ist eben so

entscheidend wie eine gefestigte Finanzierung.

40 Prozent der Starter kümmern sich

zum Beispiel leider immer noch zu wenig um

eine Rentabilitätsvorschau und haben unter

anderem auch keinen ordentlich durchdachten

Geschäftsplan.“

Doch all das ist kein Hexenwerk, wie Rolf Essl

und Andreas Müller bestätigen können. Den

30


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[spezial]

existenzgründung in Zahlen

28

Eigentumswohnungen

2 Büros

2- 5-Zimmer-Wohnungen

von 67 - 147 m² mit Lift

und Tiefgarage. Neu-Ulm,

Gartenstraße 22 (neben Postbank)

Auf diesem Grundstück blühten bereits vor

über 200 Jahren die Gärten der in Ulm gegründeten

„Gartengesellschaft“. Heute ist

dies eine Top Wohnlage mitten in Neu-Ulm.

Sie liegt zwischen dem Bahnhof Neu-Ulm

und dem Stadtmittelpunkt Petrusplatz. Wenige

Gehminuten entfernt vom Glacis Park,

der Donau oder der Ulmer Altstadt.

Besser beraten ist, wer sich beraten lässt.

immer mehr Menschen machen sich im

Gebiet der Industrie- und Handelskammer

Ulm mit einem eigenen Unternehmen

selbstständig. So waren zum 1. Januar

dieses Jahres 337 Unternehmen

mehr gemeldet, als im gleichen Zeitraum

2013. Bei der Vorbereitung gehen viele

Neugründer mit gutem Beispiel voran.

69 Prozent nutzten das IHK-Beratungsangebot

für Durchstarter. Insgesamt gab

es hier im vergangenen Jahr 750 persönliche

Einzelberatungen. Rund 5000 Existenzgründer

holten sich eine telefonische

Erstauskunft ein.

Foto: © pressmaster/Fotolia.com

Im Durchschnitt sind die Menschen, die

den Sprung in die Selbstständigkeit wagen,

zwischen 38 und 42 Jahre alt.

IHK-Spezialistin Jutta Peschel kennt die

Gründe: „In dieser Phase des Lebens suchen

viele Menschen noch einmal eine

neue Orientierung.“ Die Gründungsberaterin

nennt auch persönliche Erfolgsfaktoren:

„Wenn man sich beruflich auf eigene

Beine stellen möchte, sollte man auf

jeden Fall prüfen, ob man über große Portionen

Eigeninitiative, Kreativität, Überzeugungskraft

und Kommunikationsfähigkeit

verfügt.“

sl

4-Zi-Whg – 101 m² 3-Zi-Whg – 97 m²

frischgebackenen Geschäftspartnern, die

mehr als zehn Jahre lang gemeinsam in einem

großen Unternehmen für den Bereich Flugfeld-Beleuchtung

tätig waren, war schnell

klar, dass sie sich von Anfang an auf ihre Kernkompetenzen

konzentrieren müssen – und

auf sonst nichts. Wenn möglich.

Für Rolf Essl ist es wichtig, dass man sein eigenes

Tun immer wieder selbstkritisch kontrolliert:

„Man muss jederzeit überprüfen, welche

Leistungen man in Eigenregie erbringen kann

und welche eben nicht. Mit einer eigenen

Rechnungsabteilung verdiene ich als Existenzgründer

erst einmal kein Geld, so dass wir

uns zum Unternehmensstart auch noch keine

eigenen Mitarbeiter in diesem Bereich leisten

können und wollen. Ganz darauf verzichten

können wir auf diese Tätigkeiten jedoch auch

nicht.“

Die Lösung ist einfach: Externe Dienstleister

halten den Neuen den Rücken frei und kümmern

sich in ihrem Namen um die alltäglichen

Dinge, die in einem Büro unerlässlich

sind. Dazu gehören unter anderem der Telefonservice,

die Organisation von Gesprächsterminen

oder die Reservierung eines Konferenzraumes.

firMa ohNe Büro

So kommen die beiden Geschäftsführer erst

einmal ohne ein eigenes Büro aus. Der Firmensitz

ist in Ulm angemeldet, auch wenn

Andreas Müller von seinem oberfränkischen

Wohnort aus und Rolf Essl von seiner Wohnung

in Erbach ihren Geschäften nachgehen.

Für Rolf Essl bedeutet Erfolg nicht unbedingt,

dass man auch in seinem eigenen Firmendomizil

thronen muss. Viel wichtiger als eine

Chefetage ist ihm der Blick fürs Wesentliche:

„Wir haben uns von Anfang an für eine dezentrale

Arbeitsweise entschieden und nutzen

den breitgefächerten Service eines Ulmer

Der geplante Baubeginn ist im

Sommer 2014

• Bäder alle mit Fenster (3-5-Zi-Whg)

• Abstellräume und Gäste WC

• 3-fach verglaste Fenster

• Fußboden heizung durchgehend

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31

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[spezial] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Dienstleisters in der Weststadt, bei dem wir,

wenn nötig, einen Besprechungsraum anmieten

können. Die Kosten für ein eigenes Büro

und das Gehalt von Angestellten können wir

uns erst einmal sparen.“

Doch wie lange noch? Was wird sein, wenn

sich der Erfolg einstellt und die Umsätze

wachsen? Auch daran haben die beiden Existenzgründer

längst gedacht. Für sie ist es jedoch

wichtig, dass sie den Blick auf ihr Ziel

nicht verlieren. Wie Piloten. Andreas Müller:

„Ich sage immer: alles zu seiner Zeit, denn das

Personal muss mit der Geschäftsentwicklung

mitwachsen und auf gar keinen Fall umgekehrt.“

Start iM NeBeNerwerB

So reißen die beiden findigen Geschäftsmänner

den Steuerknüppel bewusst nicht ruckartig

nach oben, um den Steigflug der Altec

GmbH nicht zu steil werden zu lassen. Rolf

Essl: „Es ist ganz klar, dass wir wachsen wollen,

jedoch auf keinen Fall zu schnell.“

So sieht das auch Peschel: „Wir empfehlen

Existenzgründern, ein langsames Wachstum

anzustreben. Eine weitere Alternative für einen

sicheren Einstieg in die Selbstständigkeit

kann übrigens auch eine Nebenerwerbsgründung

sein, bei der man erst einmal für ein paar

Stunden in der Woche ausloten kann, ob das

eigene Angebot auch angenommen wird.“

Der Vorteil dieses vorsichtigen Herantastens

an das eigene Unternehmen – und wohl auch

an die eigenen Fähigkeiten – ist, dass man unter

keinem hohen Druck steht, da man weiterhin

Gehalt bezieht und sozialversichert ist.

Jutta Peschel: „Wichtig ist, dass man seinen

Arbeitgeber auf jeden Fall über diesen Schritt

informiert.“

Für Andreas Müller und Rolf Essl war das keine

Option: Sie beendeten mit ihrer Firmengründung

ihre Arbeitslosigkeit. Dass die beiden

sich schon so lange kennen, ist ein starker

Trumpf, den sie nun tagtäglich ausspielen

können. Beide wissen, dass bei einer partnerschaftlichen

Beziehung der persönliche Umgang

eine nicht zu unterschätzende Rolle

spielt. Dies gilt nicht nur im eigenen Betrieb,

sondern auch bei Abschlüssen mit neuen Geschäftspartnern.

Andreas Müller: „Vereinbarungen

werden immer zwischen Menschen

getroffen, und man muss schon erkennen

Die Existenzgründer Andreas Müller (links) und

Rolf Essl planen Flugfeldbefeuerungen. Ein eigenes,

gemeinsames Büro ist dazu noch nicht nötig.


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[spezial]

können, ob das Miteinander passt. Natürlich

müssen auch die Familien mitziehen und voll

und ganz hinter uns und

unserem Projekt stehen.

Sonst geht das

alles nicht.“ Rolf

Essl nickt: „Man

sollte bei dem

Schritt in eine

neue berufliche

Zukunft auf jeden

Fall einen Schnellschuss

vermeiden und eine belastbare

Zusammenarbeit ausloten.

Wir beiden haben zum Beispiel

von Beginn an geregelt, wie es

weitergeht, wenn wir einmal

streiten.“

Das kam bis jetzt glücklicherweise

noch nicht vor. Aber wer weiß, vor welche

Herausforderungen die zwei in der

Zukunft gestellt werden? Doch eines ist

schon jetzt sicher. Beide haben den gemeinsa-

men Sprung in das oftmals sehr kalte Wasser

der Selbstständigkeit noch nicht

bereut, obwohl beide bei der

Gründung im September

2013 bereits über

50 Jahre alt waren.

Rolf Essl

nimmt es gelassen

und

vertraut auf seine

Erfahrung und

Reife: „Wenigstens können wir in unserem

Alter keinem jugendlichen Leichtsinn

mehr verfallen.“ Angst vor dem,

was kommt, haben beide nicht. Unisono

sagen sie: „Scheitern ist nicht im Plan vorgesehen.“

Und der wurde ja schließlich akribisch

erarbeitet. [!]

sTEPHAN lOEFFlER

Das Anschauungsmaterial für Kundentermine

(hier ein „Flugfeuer“) passt ins Handgepäck.

33


[führen] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

DiekleineChef-Schule

Mitarbeiter fühlen sich häufig zu wenig wahrgenommen, nicht gefördert oder gar unter Druck gesetzt. Folge: Stress – bis

hin zur psychischen Erkrankung. Hier sind die Vorgesetzten gefordert. Tipps für einen „gesundenFührungsstil“.

Als in ihrer Firma neue Strukturen geschaffen

werden, ist Margit Möller (45)

Führungskraft in einem Chemiebetrieb

und hat 13 Mitarbeiter. Durch die Umstrukturierung

verliert sie ihre Stellung und

kommt in eine andere Abteilung – in untergeordneter

Position. Zwei Jahre lang wird sie bei

mehreren Bewerbungen um Stellungen als

Abteilungsleiterin inner- und außerhalb der

Firma nicht berücksichtigt. Sie fühlt sich gekränkt,

enttäuscht, verliert die Motivation. Es

kommt noch schlimmer: Nur zwei Wochen

nach einem Führungswechsel in ihrer Abteilung

fordert der neue Chef mehr Leistung von

ihr und droht mit Kündigung. Die Unzufriedenheit

der einst kraftvollen Managerin – die

ihren richtigen Namen nicht nennen möchte

– verwandelt sich in quälende Existenzangst

und mündet schließlich in eine schwere Depression.

Sie wird krankgeschrieben, macht

eine Therapie und fällt lange aus.

ProblemFrühanSPreChen

In dieser Situation hat ihr Chef als Führungskraft

eine Chance ungenutzt verstreichen lassen.

Hätte er sich Margit Möller gegenüber

einfühlsam verhalten, Interesse an ihrem Befinden

gezeigt und sie gefragt, warum ihre

Leistung zu wünschen übrig ließ, wäre er vermutlich

dem Grund für deren Erschöpfungssymptome

auf die Spur gekommen. Im Idealfall

hätte er seine angeschlagene Mitarbeiterin

an eine Psychosomatische Sprechstunde direkt

im Betrieb verweisen können, und es wäre

womöglich nicht zum gesundheitlichen

Ernstfall gekommen. Professor Dr. Harald

Gündel von der Klinik für Psychosomatische

Medizin und Psychotherapie der Universität

Ulm weiß aus seiner Praxis: „Je früher Sie einen

betroffenen Mitarbeiter ansprechen, desto

besser steht es um die Heilungschancen –

und umso kürzer sind mögliche Fehlzeiten.“

Tanz, kleiner Mann: Wie ein wertloses Stück

Holz fühlen sich manche Arbeitnehmer behandelt.

34


1983 •

unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[führen]

Trainerin Ursula

Wendeberg.

Doch um die Mitarbeiterführung ist es vielerorts

nicht gut bestellt. „Die Bedeutung von

Führungsaufgaben wird von vielen Chefs gegenüber

reinen Sachaufgaben nicht hoch genug

priorisiert“, sagt die Trainerin und Teamentwicklerin

Ursula Wendeberg; sie

unterstützt als Netzwerk-Partnerin der Nürnberger

Firma „Wolfgang Holl & Partner“

Teams in Umbruchphasen, vor allem in der

Automobilindustrie

und in der Gesundheitsbranche.

„Lernen Sie, Ihr

‚daily business‘ effektiver

zu organisieren

und Aufgaben

zu delegieren.

Dadurch gewinnen

Sie Zeit für

Personalführungsaufgaben“,

rät sie

besonders angehenden

Führungskräften. Diese kommen

zwar mit einem großen Paket an Fachwissen

in ihre Position, haben in ihre Rolle als Chef

aber erst noch hineinzuwachsen.

erSChreCkenDeSergebniS

Dem „Faktor Mensch“ muss in Führungssituationen

mehr Bedeutung zugemessen werden,

denn: Mangelhafte Personalführung macht

krank. Das ist auch eines der Ergebnisse aus

dem „Stressreport 2012“, den die Bundesanstalt

für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

(BAuA) 2013 vorgestellt hat. Er stellt die bislang

umfassendste deutsche Datenquelle zum

Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“

dar. Das erschreckendste Ergebnis des

Reports: 53 Millionen Krankheitstage sind allein

2012 in Deutschland durch psychische

Erkrankungen verursacht worden. Bei der Befragung

von über 20.000 Erwerbstätigen kam

unter anderem heraus: Je häufiger Vorgesetzte

ihre Mitarbeiter unterstützen, für sie ansprechbar

sind, auf sie zugehen und ihnen

zum Beispiel konstruktives Feedback geben,

desto seltener treten gesundheitliche Beschwerden

auf.

Im Rahmen eines Pilotprojekts der Klinik für

Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

der Universität Ulm unter Leitung von

Professor Gündel wurden in mehreren Betrieben

niederschwellig zugängliche Angebote

für Mitarbeiter mit beginnenden psychischen

Problemen eingerichtet. Durch eine psychosomatische

Sprechstunde direkt in den Räumen

der Betriebsärzte sollen frühzeitig Symptome

erkannt und behandelt werden. So ist es

möglich, vorzubeugen beziehungsweise

rechtzeitig einzugreifen, damit es nicht zu

krankheitsbedingten Ausfallzeiten der Mitarbeiter

kommen muss.

Die wichtige Rolle der Führungskräfte für die

psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter wird

in diesem Projekt noch zusätzlich gestärkt.

Denn sie tragen Verantwortung nicht nur für

JÜRGEN BARZ

• BARZVERLÄSSLICH

SEIT

BERND NEHER

2006 •

• BARZVERLÄSSLICH

SEIT

35


[rubrik] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Führen heißt nicht zappeln lassen. Das macht die Leute krank – und kostet Unternehmen viel Geld.

Professor

Dr. Harald Gündel

ihr Unternehmen

und sich selbst,

sondern auch für

ihre Beschäftigten.

Durch ihr Verhalten

und ihr Vorbild

beeinflussen

sie, inwieweit

Stress und psychische

Belastung auf

die einzelnen Mitarbeiter

treffen

und definieren dadurch

die betrieblichen Rahmenbedingungen.

Im Rahmen des Ulmer Projektes lernen

Führungskräfte in speziellen Kursen zu „Führung

und Gesundheit“, wie sie psychische Störungen

erkennen und ihre Mitarbeiter darauf

ansprechen können. Dabei werden sie auch

geschult zu verstehen, wie ihr Führungsstil

auf ihre Mitarbeiter wirkt und wie sie eine

neue Anerkennungskultur etablieren können,

um den Beschäftigten zu vermitteln, dass

ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Gündel sieht

in der „Psychosomatischen Sprechstunde im

Betrieb“ (PSIB) „einen neuen Versorgungsbaustein

mit hoher Wirksamkeit“. Denn „Arbeit

hält eigentlich gesund. Nur unter bestimmten

schwierigen Bedingungen macht sie krank“,

erklärt er. Diesen widrigen Bedingungen aber

kann man mit entsprechendem Wissen und

speziellen Angeboten entgegentreten.

iDeeFürkleinereFirmen

Im Oktober 2013 ging die von Gündel geleitete

Klinik eine weitere Kooperation ein, um

aus dem Pilotprojekt zur PSIB gewonnene Erkenntnisse

auch auf kleine und mittlere Unternehmen

(KMU) zu übertragen, auf Firmen

ohne eigene Betriebsärzte. Gemeinsam mit

» weiter auf Seite 38

Weitereinformationen

iminternet

Das Projekt „Psychische Gesundheit

in der Arbeitswelt – psyGA“ bündelt

das vorhandene Know-how zu psychischer

Gesundheit im Beruf auf einer

sehr umfassenden Webseite:

www.psyga.info

Eine im Rahmen des psyGa-Projektes

entwickelte App und ein eLearning-

Tool zur Förderung psychischer Gesundheit

für Führungskräfte liefern

leicht verständliche Vorschläge, wie

Führungskräfte ihre Mitarbeiter vor

stressbedingter Überlastung schützen

und selbst gesund bleiben können

Der 2013 veröffentlichte, über 200

Seiten starke „Stressreport Deutschland

2012“ kann hier heruntergeladen

werden:

www.baua.de/dok/3430796

36


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[führen]

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Studien zum Verhältnis von Führungskräften

gegenüber ihren Mitarbeitern zeigen es immer

wieder: Mitarbeiter sähen es gerne, wenn

ihre Vorgesetzten mehr führen. Das haben sie

jedoch meist nicht gelernt. Ursula Wendeberg,

Netzwerk-Partnerin von Wolfgang Holl

& Partner in Nürnberg, gibt fünf Tipps: So

werden Chefs gute Bezugspersonen für ihre

Mitarbeiter und fördern dadurch deren Gesundheit.

meldenSiegelungeneszurück

Machen Sie sich kontinuierlich die gelungenen

Arbeitsaufträge und Stärken Ihrer Mitarbeiter

klar und kommunizieren Sie diese konkret,

zum Beispiel: „Die Art, wie Sie unser

Meeting letzten Donnerstag moderiert haben,

fand ich stark. Ich fand Sie gut vorbereitet und

Sie haben vom Thema abweichende Rede-

Beiträge sympathisch und mit Humor gestoppt.

Ihre Zusammenfassung der Ergebnisse

ist eine klare Basis für die Weiterarbeit.

Vielen Dank.“ So können Sie sicher sein, dass

dieser Mitarbeiter auch weiterhin souverän

moderiert und dass sich seine Motivation

auch auf andere Bereiche übertragen wird.

beobachtenSieundagierenSiemitempathie,klarheitundinteresse

Ärgern Sie sich nicht über unverständliches

Verhalten Ihrer Mitarbeiter. Versuchen Sie deren

wirkliche Beweggründe zu verstehen. Zeigen

Sie Verständnis für deren Bedürfnisse und

machen Sie gleichzeitig klar, was Sie konkret

erwarten. Fragen Sie konkret nach Lösungsvorschlägen

Ihrer Mitarbeiter und beziehen

Sie deren Ideen dann auch tatsächlich ein. Sie

werden sehen, dass Qualität und Effizienz der

Arbeit steigen.

Schaffen Sie eine tragfähige beziehungsebene

Sprechen Sie gerade zwischenmenschliche

Ungereimtheiten frühzeitig an und haken Sie

kontinuierlich nach. Nutzen Sie das Modell

der Ich-Botschaft. Damit bringen Sie den objektiven

Sachverhalt, dessen Wirkung auf Sie

und womöglich andere Kollegen und Ihre

konkrete Erwartung an den Mitarbeiter auf

den Punkt. Die Chance, dass er sein Verhalten

verändert ist groß, wenn Sie „dran bleiben“,

also etwa in kürzeren Zeitabständen nachfragen

und Rückmeldung geben.

machenSieihreerwartungenklarund

fassenSiesichkurz

Überlegen Sie sich grundsätzlich im Vorfeld,

was Sie von Ihren Mitarbeitern erwarten und

wie Sie sie unterstützen können. Gleichen Sie

dies mit Ihren Aufträgen und Arbeitszielen

ab. So können Sie mit wenigen Sätzen Ihre

Anliegen auf den Punkt bringen. Im Gespräch

entfalten Ihre Aussagen dadurch eine besondere

Klarheit und Ihnen bleibt Raum, Fragen

an Ihre Mitarbeiter zu stellen. Es gibt nicht

viel, das Mitarbeiter mehr demotiviert als lange

Monologe des Chefs.

FindenSieeingesundesmaßzwischen

modell-Seinundeinfordern

Ein Chef, der will, dass seine Mitarbeiter zum

Beispiel mehr Eigeninitiative entwickeln,

gleichzeitig aber selbst nichts aus der Hand

gibt, lässt seinen Mitarbeitern zu wenig Raum.

Gehen Sie also mit gutem Beispiel voran,

entwickeln Sie mit Ihren Mitarbeitern aber

auch gemeinsam konkrete Handlungsmöglichkeiten,

so dass diese tatsächlich selbst aktiv

werden. [!]

Birgit Weichmann

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37

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Vermittelt der Chef Wertschätzung, zieht das Personal auch gerne mit – und bleibt gesund.

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Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

der Arbeitsmedizinischen Praxis von Dr. Michael

Haas, der mit einem Team von sieben

Betriebsärzten mehr als 100 Unternehmen

und kommunale Einrichtungen im Großraum

Ulm arbeitsmedizinisch betreut, wird

auch Mitarbeitern kleinerer Firmen der Zugang

zu psychosomatischer Betreuung eröffnet.

„Das ist meines Wissens ein völlig neues

Angebot für kleine und mittlere Unternehmen“,

sagt Haas über die Kooperation.

Eine Therapeutin aus Gündels Team steht einmal

pro Woche in Haas‘ Praxis Mitarbeitern

aus den bislang rund zehn teilnehmenden Firmen

für Einzelgespräche zur Verfügung. Diese

werden direkt von ihrem Chef, von Personalern

oder dem Betriebsrat auf die neu

eingerichtete psychosomatische Sprechstunde

aufmerksam gemacht. Haas zieht nach den

ersten Monaten eine positive Zwischenbilanz:

„Das neue Konzept für KMU wird gut angenommen

und nimmt kontinuierlich zu. Für

die teilnehmenden Firmen, die die Kosten für

die ersten zehn Gesprächstermine übernehmen,

ist es ein interessantes Angebot: Die Therapie

kostet sie weniger als eine lange Arbeitsunfähigkeit

des Mitarbeiters“.

Insgesamt wird das als Pilotprojekt der Klinik

für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

der Universität Ulm gestartete Angebot

von allen Unternehmen jeder Größe immer

stärker angenommen. 2013 haben die

Mitarbeiter aus Gündels Team 110 Erstgespräche

geführt und Kurztherapien mit ihren „Patienten“

gemacht. 2014 ist diese Zahl bereits in

den ersten fünf Monaten erreicht worden. Der

Bedarf ist groß und wächst. [!]

Birgit Weichmann

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38


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[machen]

Kunst auf Messers Schneide

Robert Kaufmann ist nicht nur ein Messermacher, er ist ein Künstler aus dem Allgäu. Ins Berufsleben startete

er mit einer Industriemacher-Lehre. Heute fasziniert seine Schmiedekunst Sammler in der ganzen Welt.

Für die Küchenarbeit sind Robert Kaufmanns

Messer zu schade. Er formt aus

Stahl Klingen, fertigt Griffe aus Rentiergeweihen,

versieht sie mit Silbernieten am

Griffende. Ein vergleichsweise kleines Messer,

111 Gramm leicht, 21,5 Zentimeter lang, kostet

schnell 675 Euro. Die eigentliche Zielgruppe

sind Sammler, die fünfstellige Summen lockermachen

für so einzigartige Stücke.

Der Markt ist überschaubar. Trotz der Exklusivität

gibt es Ausschreibungen und Messen,

Kataloge und

Preisverleihungen.

Kaufmann besucht

regelmäßig

die namhaftesten

Veranstaltungen,

bevorzugt in Übersee,

und gewinnt

immer

wieder

Wettbewerbe.

In

den USA sitzen die

Robert Kaufmann lässt meisten Anhänger

sich von Stahl inspirieren. der

Kunstrichtung,

die Kaufmann

vertritt. In Russland ist es die Oberschicht,

die ihren überbordenden Reichtum

mit dem Kauf solcher Messer unterstreicht.

Der Markt in China beginnt sich zu entwickeln.

Entsprechend ist Kaufmanns Imagebroschüre

aufgebaut. Englisch, Deutsch, Russisch,

in dieser Reihenfolge. Um seine

Schöpfungen in den USA verständlich bekanntzumachen,

nennt er seine Kunst

„cuttingart“. „Was ich handwerklich

mache, sind mehrere einzelne

Berufe. Ich lege großen

Wert darauf, die komplette

Arbeit selber

zu machen“, er-

läutert

der 1970

in

Memmin-

gen geborene

Künstler. Den

beruflichen Grundstein

legte er mit einer

Lehre als Industriemechaniker.

Nach

kurzer Berufszeit ging er für zwei Jahre nach

Lappland. Das veränderte sein Leben: Schon

als Lehrling von Klingen fasziniert, begegnete

ihm dort das Handwerk des Messermachens.

Zurück in Deutschland begann er, die traditionelle

Form des nordischen Messers zu verändern.

Er experimentierte mit neuen Materialien,

vertiefte als Autodidakt sein Wissen – durchs

„Studium am Amboss“, wie er es ausdrückt. Er

lässt sich vom Material inspirieren, folgt seiner

Intuition, benutzt keine Entwürfe. Seine

Kreationen entwickeln während der Bearbei-

tung ein Eigenleben.

Kaufmann fertigt ausschließlich Damaszenerstahl,

jenes sagenhafte

Material aus dem

Morgenland,

das Härte

und

Elastizität in idealer

Weise verbindet und an

der Oberfläche herrlich kontrastreiche

Maserungen und Wellenmuster

bildet. Er verwendet als

Ausgangsmaterial hauchdünne Bleche,

die er in bis zu 40 Lagen übereinander

schichtet, faltet, verdreht

und – in der lodernden Esse glühend

erhitzt – in mehreren Arbeitsgängen

immer wieder schmiedet.

Bei der Gestaltung

der Handgriffe zählen Formgebung

und die Auswahl der Materialien.

Als Substanz benutzt er Hölzer aus

Afrika, die härter sind als Ebenholz, Hirsch-

oder Rentiergeweihe und, besonders beliebt,

das bläulich schimmernde Elfenbein der

Stoßzähne vom Mammut, das seit der letzten

Eiszeit ausgestorben ist. Nach und nach gibt

der auftauende Permafrostboden im nördlichen

Sibirien das Elfenbein frei. Als Einlegearbeiten

werden in die Messergriffe Gold, Silber,

Perlmutt und Edelsteine, auch Diamanten

eingearbeitet – Verzierungen der feinsten Art.

Obwohl die weltweite Wirtschafts- und Fi-

nanzkrise der Kunstszene einen Dämpfer verpasst

hat,

kann Kaufmann

nicht

über

schlechte

Geschäfte

klagen. Er bleibt

seiner Maxime treu: exklusive

Ware zu exklusiven Preisen [!]

HARTMUT MAUSCH

Eine Rochen-Skulptur: Über jahrelanges

„Studium am Amboss“

hat sich Robert Kaufmann

zum weltweit

gefragten Klingenexperten

entwickelt.

39


[spezial] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

EinAutofürdenZimmermann

Beim Werben um FachkräfteundAuszubildende ziehen kleine Betriebe häufig den Kürzeren. Das Handwerk will sich

damit nicht abfinden und setzt auf neue Wege: In Biberach bekommt der beste Azubi einen VW Up für ein Jahr.

Mehr als 300.000 Stellen in mittelständischen

Unternehmen können nach

einer Umfrage des Beratungsunternehmens

Ernst & Young nicht besetzt werden.

Das Problem trifft auch viele kleine und mittlere

Betriebe zwischen Ulm und Biberach. Sie

stehen beim Werben in Konkurrenz mit großen

Unternehmen aus den Branchen Metallund

Pharma, die außer hohen Tarifvergütungen

ihren Mitarbeitern auch viele freiwillige

Leistungen zukommen lassen. „Ich würde sofort

zwei gute Leute einstellen“, sagt Dietmar

Hagel. Der Obermeister der Zimmerer-Innung

Biberach führt einen Sechs-Mann-Betrieb in

Äpfingen. Allein die 48 Mitglieder der Innung

können nach seinen Worten derzeit 15 Stellen

nicht besetzen. Das hat einen einfachen

Grund: Der Arbeitsmarkt zwischen Ulm und

Bodensee ist wie leergefegt. „Zur Jahresmitte

ist die Arbeitskräftenachfrage unvermindert

hoch. Unter den 3700 unbesetzten Stellen

sind viele aus dem Handwerk“, sagt Peter Rasmussen,

der Chef der Agentur für Arbeit in

Ulm. Vor allem für kleine Betriebe sei es

schwer, geeignete Facharbeiter zu finden. „Ich

empfehle, auf Ausbildung und die Qualifizierung

eigener Mitarbeiter zu setzen. Dabei

kann die Agentur für Arbeit in bestimmten

Fällen finanzielle Hilfen anbieten.“

NichtmAlEiNEBEwErBuNg

Bei den Ausbildungsplätzen gibt es nach den

Worten Hagels bei den Zimmereibetrieben im

Kreis Biberach nicht auf jede offene Stelle eine

Bewerbung. Den Handwerkern macht ein

neuer Trend zu schaffen: Große Industrieunternehmen

stellen mittlerweile nicht nur die

sehr guten Schüler als Auszubildende ein,

sondern gezielt auch etwas schwächere. „Bei

den sehr Guten ist – wie im Handwerk auch

– die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie nach

der Lehre zum Studieren gehen“, erklärt Hagel.

Zudem benötigten die Metallbetriebe als

künftige Maschinenführer nicht die Besten

eines Jahrgangs.

Die kleinen Unternehmen haben einen weiteren

Nachteil: Weil viele Schulen auf dem Land

geschlossen und in größeren Städten zusammengelegt

werden, verlieren manche Betriebe

den Kontakt zu ihren bisherigen Ansprechpartnern

und zu Schülern der älteren Klassen.

„Die Betriebe, in denen eine Schule noch am

Ort ist, tun sich beim Besetzen von Lehrstellen

deutlich leichter“, sagt Hagel. Erschwerend

kommt hinzu, dass die Landesregierung

die Akademikerquote steigern will. Damit

droht, dass noch mehr junge Leute, sich gegen

eine berufliche Ausbildung entscheiden. Das

Handwerk hat angesichts des heraufziehen-

Gute Zimmermänner sind gesuchte Fachkräfte.

Viele Betriebe können mangels Bewerbern ihre

Ausbildungsplätze nicht besetzen.

40


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[spezial]

den Fachkräftemangels bereits vor fünf Jahren

eine Imagekampagne gestartet. „Der Erfolg

ist messbar – das Wissen über das

Handwerk und seine Berufe ist deutlich gestiegen“,

sagt Alexander Legowski vom Zentralverband

des Deutschen Handwerks. Die

Kampagne hatte über die fünf Jahre Laufzeit

einen Etat von 50 Millionen Euro. Im Herbst

2014 werde eine neue Agentur die Kampagne

fortführen. Das Handwerk will sich als spannender

und attraktiver Arbeitgeber positionieren.

Neudeutsch nennt man das „Employer

Branding“. Dahinter verbirgt sich die Idee,

Ansätze der Markenbildung auf die Mitarbeitergewinnung

zu übertragen. Dabei spielen

Mitarbeiterführung, Führungskultur und äußere

Rahmenbedingungen eine Rolle.

Größere Betriebe setzen bereits länger auf

Maßnahmen wie Tage der offenen Tür, feste

Termine für Kundenvorträge, gezielte Ansprache

von Jugendlichen oder die Einrichtung

einer eigenen Homepage für die Azubis der

Firma: Kleinere Betriebe tun sich beim „Employer

Branding“

schwerer. Mit ein

bisschen Kreativität

lässt sich aber

einiges ausgleichen:

So belohnt

die Zimmerer-Innung

Biberach seit

2013 den oder die

Beste in der Abschlussprüfung.

Er

Tobias Mehlich: Unsere

Gegenmaßnahmen greifen. oder sie fährt ein

Jahr lang kostenlos

einen VW Up. Leasingraten, Versicherung,

Steuer sowie Wartung und Kosten für Verschleißteile

trägt die Zimmerer-Innung. Das

kostet sie pro Monat 140 Euro. Die Aktion

kommt laut Hagel bei den Auszubildenden

gut an. Bevor das vorerst auf drei Jahre befristete

Projekt losging, fragte die Innung die Auszubildenden,

was sie davon halten. Dabei kam

heraus: Es muss ein Viertürer sein und: Der

Slogan „Der beste Auszubildende“ darf nicht

auf dem Auto stehen. Auch angesichts solcher

positiver Beispiele gibt sich Tobias Mehlich,

Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer

Ulm, optimistisch: „Wir sehen, dass unsere

Gegenmaßnahmen greifen.“ Die Sensibilisierung

für die Berufswege im Handwerk

beginne im Kindergarten und ende an den

Hochschulen, beispielsweise indem die Ausbildungsberater

der Handwerkskammer Ulm

die dortigen Studienabbrecher ansprechen

und ihnen Karrierechancen im Handwerk nahe

bringen. Mehlich: „Wir sind im engen Kontakt

mit allen Schulformen, Handwerksorganisationen

und den Arbeitsagenturen.“ Mit

Migranten-Verbänden spreche man seit einem

Jahr gezielt Jugendliche an. Zusätzlich

werben Auszubildende als Ausbildungsbotschafter

in den Schulen für eine Lehre. Generell

liegen die aktuellen Herausforderungen

weniger auf dem Auftrags-, als auf dem Arbeitsmarkt:

„Kluge Betriebe ziehen spätestens

jetzt ihr Auswahlverfahren für die Ausbildung

zeitlich vor.“ [!] aLEXaNDER BÖGELEIN

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[machen] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

SchätzeausdemSilbersee

Das Ambiente ist „Heavy Metal“, der Stoff, um den sich auf diesem Firmengelände in Weißenhorn alles dreht, hingegen

„light“: Das AluminiumschmelzwerkOetinger ist Spezialist für hochwertige Legierungen.

Auf dem Fußmarsch zu den Schmelzöfen

läuft unversehens ein innerer

Film ab. Ja, so könnte es im Ruhrpott

um die Ecke links ausgeschaut haben. Glitzernde

Hügel aus metallischem Schrott türmen

sich auf dem weitläufigen Oetinger-Firmengelände

im Weißenhorner Gewerbegebiet

„Eschach“. Hügel aus kieselsteingroßem

Recycling-Material von Müllverbrennungsanlagen

sind darunter, ebenso welche aus zu

Blocks gepressten Aluspänen. Dann wieder

welche, die ihre Herkunft aus technischen

Formen verraten. Stürzte plötzlich Alt-Kommissar

Schimanski ums Eck, würde das keinen

wundern. In der Halle nebenan öffnet

sich gleich der mächtige Schlund eines

Schmelzofens. 750 Grad zeigt das Display des

mit Erdgas befeuerten Drachens an. Das reicht

für Sauna-Temperaturen über den respektvollen

Sicherheitsabstand hinweg und erste

Schweißperlen unterm Schutzhelm.

Aber: Die Technik hier ist 21. Jahrhundert. Die

Einhaltung der Grenzwerte werde laufend

kontrolliert, sagt

Roland Keller, einer

der drei Geschäftsführer

der

Gruppe. Ob der

Himmel überm

Werk blau ist oder

grau, hängt allein

vom Wetter ab.

Hier dreht sich

alles um das Oetinger-Geschäftsführer

Leichtmetall Aluminium.

Roland Keller.

165.000

Tonnen im Jahr beträgt der Ausstoß der Oetinger-Gruppe,

zu der das Weißenhorner Werk

und ein Schwester-Betrieb gehören, die früheren

Karl Konzelmann Metallschmelzwerke in

Neu-Ulm. Beide sind „sekundäre Hersteller“,

also ausschließlich mit der Verarbeitung von

Recycling-Material befasst.

Die Wiederverwertung ist umweltfreundlicher

als Alu-Gewinnung aus dem Rohstoff

Bauxit. Im Vergleich seien nur fünf Prozent

der Energie notwendig, pro Tonne Aluminium

würden zehn Tonnen weniger CO2 ausgestoßen.

Warum ist das der Firma so wichtig?

Auch weil es die Klimabilanz von Aluminium

deutlich verbessert – umso mehr, je häufiger

der Recycling-Kreislauf sich schließt.

HeiSSbegeHrter„ScHrOtt“

Der „Schrott“ ist heiß begehrter Wertstoff, der

zunehmend auch aus Asien nachgefragt wird.

Er wird eingeschmolzen und durch Beimischung

von Metallen wie Kupfer, Nickel,

Mangan und Vanadium zu neuen Aluminium-Legierungen

veredelt. Etwa ein Drittel der

Produktion wird zu Block-Aluminium, zwei

Drittel gehen in flüssiger Form just in time zu

den Kunden. Bei der Ankunft muss die Temperatur

des Flüssig-Aluminiums innerhalb einer

definierten Toleranz liegen. Bei der Auslieferung

etwa 800 Grad Celsius heiß, ist daher

einzuberechnen, dass das in Spezialbehältern

transportierte Alu pro Stunde etwa 10 Grad

verliert, erklärt Keller. Abnehmerin sei zu 90

Prozent die Automobilindustrie, entweder direkt

oder über zuliefernde Gießereien.

Neben den vielleicht zwei Dutzend Standardlösungen

werden Keller zufolge sehr häufig

sehr spezielle Mischungen nachgefragt. Dass

das „Alu-Schmelzen“ längst eine höchst anspruchsvolle

Aufgabe geworden ist, hat viel

mit der rasanten Fortentwicklung der Materialtechnik

zu tun: Sie hat mehr Legierungen

für immer spezifischere Materialeigenschaften

hervorgebracht. Wenn Keller schließlich

anführt, dass der Schrott seinerseits nicht selten

aus Legierungen besteht, lässt sich erahnen,

dass die Mischerei so rein gar nichts mit

Alchimie zu tun hat. Aber sehr viel mit genauer

Materialanalyse – und der Erfahrung der

Schmelzer an den Öfen. „An diesen findet unsere

Wert schöpfung statt“, fügt Uwe Baur hin-

Ohne Sicherheitshelm und Schutzkleidung sollte

man dem glühenden Schlund des Ofens besser

nicht zu nahe kommen.


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[machen]

Co-Geschäftsführer

Uwe Baur.

zu, der für die Finanzen

zuständige

Geschäftsführer.

Wird an den Öfen

zu viel Energie verbraucht

oder ist

der „Abbrand“, also

Schwund, beim

(teuren) Material

übergroß, hat das

direkte Auswirkungen

auf die Bilanzzahlen.

Die Insolvenz vor einem Jahr hatte jedoch laut

Keller einen anderen Grund. In Folge der

Wirtschaftskrise in Südeuropa sei der deutsche

Markt mit Standard-Legierungen dortiger

Alu-Schmelzer überschwemmt worden.

Dies habe vor allem die – mittlerweile geschlossenen

– Standorte der Gruppe in Berlin

und Hannover in die Roten Zahlen gedrückt

und Anfang 2013 die gesamte Gruppe.

Seit Dezember 2013 sind die beiden verbliebenen

Standorte unter den Fittichen einer mittelständischen

Beteiligungsgesellschaft. Sie

habe frisches Eigenkapital eingebracht und

auch den Kauf ausschließlich mit Eigenmitteln

finanziert. Das sollte bei den Kunden neues

Vertrauen schaffen – was offenbar mittlerweile

gelungen ist. „Unser Eigentümer ist

keine Heuschrecke“, betont Baur. Die Stabilisierung

sei gelungen, die Kapazitäten seien

derzeit gut ausgelastet; so blickt das Unternehmen

zuversichtlich in die Zukunft.

Wieder in ruhigeren Fahrwässern navigierend,

bleibt nun eher der Spielraum, über Zukunftsstrategien

nachzudenken. Was ist mit

der Verringerung der hohen Abhängigkeit

von der Automobilindustrie? „Wir denken

darüber nach“, sagt Baur. Die Anlagen wären

durchaus auch in der Lage zur Produktion

von Walz-Aluminium; der Wettbewerb in dieser

Sparte sei allerdings noch härter. Denn

Kalt-Alu lässt sich im Gegensatz zu Flüssig-

Alu über beliebig lange Distanzen transportieren.

Grund zur Eile bestehe nicht. Alle Anlagen

seien auf einem zeitgemäßen Stand, die Lage

bei den Hauptkunden sehen die Geschäftsführer

als stabil an. [!] ThOMAS VOGEL

HöhenflügeundNackenschläge

Im Schmelzofen erreicht das Aluminium Temperaturen von 750 Grad. Auf unseren Bildern wird

die flirrende Flüssigkeit aus dem Ofen überführt und kühlt in Barrenform ab.

Ich denke, dass es einen

Weltmarkt für vielleicht

fünf Computer gibt.

Thomas Watson

(Gründer von IBM, 1943)

Zwischengipfelpunkten und Rückschlägen

lagen bei Oetinger – 1946 gegründet

und über Jahrzehnte als Familienunternehmen

geführt – zuletzt oft nur wenige

Jahre. Tragisch war das Jahr 2002, als ein

Großteil der Geschäftsführung bei einem

Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Mehr als 320.000 Tonnen Aluminium produzierte

die Gruppe 2007 – so viel wie nie

zuvor. Noch Mitte 2008 war man auf bestem

Weg, diese Marke zu übertreffen, die

Finanzkrise machte einen Strich durch

die Rechnung. Mit der wirtschaftlichen

Erholung ging es dann wieder aufwärts.

Doch 2013 geriet die Gruppe ins Taumeln:

Insolvenz, Konzentration auf die Standorte

Weißenhorn (heute 165 Mitarbeiter)

und Neu­Ulm (125), Umflaggung zur Oetinger

Aluminium WH GmbH. Käufer und

Retter ist die Beteiligungsgesellschaft SS­

VP III, die von der Orlando Management

AG mit Sitz in München beraten wird. Deren

Kerngeschäft ist die Akquisition von

im Kern gesunden Industrieunternehmen

im deutschsprachigen Raum, die sich in

„Sondersituationen“ befinden.

Die Oetinger­Gruppe wird geführt von einem

Geschäftsführer­Trio: den beiden

langjährigen Oetinger­Kräften Uwe Baur

(Finanzen) und Roland Keller (Vertrieb,

Einkauf) sowie von Dr. Volker Heidtmann

(Produktion und Technik).

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Wir korrigieren

Irrtümer!

Ihr SYSTEMHAUS aus Ulm:

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43


[machen] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

PerKopfkinoinsneueBad

Sage einer, Ingenieure hätten keine Phantasie. Von wegen. Die vier Gründer von Immersight machen virtuelle Räume

greifbar. Mit ihrer Raumbrille führt ein Neu-Ulmer seine Kunden durch ihr virtuelles neues Bad.

Vorne rechts ist die Duschkabine. Den

Kopf leicht nach rechts gedreht, fällt

der Blick auf das Waschbecken, das

sich in der Hocke auch aus der Kinderperspektive

betrachten lässt. Dann eine Kehrtwendung

und ein paar Schritte nach vorne. Jetzt

steht der „User“ unmittelbar vor der kühn geschwungenen

Badewanne. Alles wirkt wie

echt, und doch existiert dieses Bad noch nicht

in der Wirklichkeit, sondern allein auf dem

Rechner.

Dank Raumbrille wird aus einer Planung per

CAD (die Abkürzung steht für „computeraided

design“) eine dreidimensionale Umgebung.

Anders als im 3-D-Film aber spielt hier

der beteiligte Zuschauer die Hauptrolle. Die

Ansicht passt sich seinen Bewegungen perfekt

an. Ein leichtgewichtiger Ring mit integrierter

Videobrille um den Kopf, eine Kamera

im Raum und eine spezielle Software sind die

Schlüsselkomponenten.

RIsIKostattfestanstellung

Dass die virtuelle Realität neue Welten erobert,

geht auf vier frisch gekürte Absolventen

eines Ingenieurstudiums, Fachrichtung

Elektrotechnik bzw. Informatik, an der Universität

Ulm zurück. Die ehemaligen Kommilitonen

Simon Singler, Fabian Weiss, Stefan

Hörmann und Dominik Nuß hatten sich 2011

während eines studentischen Wettbewerbs

(Thema: „Autonomes Fahren“) näher kennengelernt,

angefreundet und dann eher nebenher

ihre Idee der Raumbrille entwickelt. Irgendwann

wurde ihnen klar, dass darin

Potenzial steckt für ein Start up. Risiko statt

Festanstellung.

Schlüsselerlebnisse bot die Teilnahme an einigen

Fachmessen, etwa der Cebit, am Stand der

Uni Ulm, erzählt Simon Singer aus der noch

sehr jungen Firmengeschichte. Der Zuspruch

Auf dem Weg zum Pferderennen nach Ascot?

Von wegen. Immersight-Mitarbeiterin Pia Köpf

erkundet ein virtuelles Bad mit der Raumbrille.

44


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[machen]

Gruppenbild (von links): aster-Student Christoph Reile und drei der Immersight-Gründer, Fabian

Weiß, Simon Singler und Stefan Hörmann.

also war da, das mögliche Anwendungsgebiet

fand sich, als der Kontakt zu einem Stuttgarter

Softwarehaus geknüpft wurde, das ein geeignetes

Planungsprogramm im Angebot hatte.

Binnen weniger Monate wurde aus der Idee

und den Prototypen ein einsatzfähiges Produkt.

Ihrer Firma, seit August 2013 GmbH,

gab das Quartett den Namen Immersight, angelehnt

an den Begriff der Immersion, der

Identifikation mit einer virtuellen Welt. Und

damit ist die nächste Phase angelaufen: die

Suche nach Kunden.

An dieser Stelle kommt Jürgen Maier ins

Spiel, gelernter Fliesenleger mit kaufmännischer

Ausbildung obendrauf. Vor einigen Monaten

wagte auch

er den Sprung in

die Selbständigkeit,

sein Fachgebiet

sind Badplanungen.

„Konzept3Zehn“

nannte er sein

kleines Geschäftslokal,

das er ebenfalls

im April in

Badspezialist

der Augsburger

Jürgen Maier.

Straße 5 in Neu-

Ulm eröffnet hat.

Maier ist für Immersight nicht irgendein Kunde,

sondern: der erste mit einem rein virtuellen

Schauraum – und damit quasi einem Labor:

Wie reagiert der Endverbraucher auf das

innovative Objekt? Für sein Büro für Badplanungen

bedeutet es derzeit ein Alleinstellungsmerkmal,

das Geschäftsmodell ist im

Moment noch „work in progress“. Einnahmen

generiert Maier erst, wenn ein größeres Projekt

von der Ideenfindungs- und Planungsschließlich

in die Umsetzungsphase tritt.

eIneVoRlesungfehlte

Tastend traten auch die jungen Diplomingenieure

in die Welt der Wirtschaft. Denn die

Entwicklung eines innovativen Produkts

steht auf dem einen Blatt, dessen erfolgreiche

Positionierung am Markt auf einem ganz anderen.

„Die Vorlesung ‚Unternehmensgründung’

gab’s an der Uni natürlich nicht“, erklärt

dazu Simon Singler mit leicht ironischem

Unterton. Die ermunternde Resonanz an den

Messeständen ergab in der Summe eine

Marktstudie und verstärkte den Mut. Ganz allein

gelassen wurden die frisch gekürten Dipl-

Ings dennoch nicht. Bis heute darf die junge

Firma in Räumlichkeiten der Uni logieren

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45


[machen] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

und deren Infrastruktur nutzen. Ihr „Prof“,

Klaus Dietmayer, Direktor des Instituts für

Mess-, Regel- und Mikrotechnik, erkannte das

Potenzial der Entwicklung seiner Studenten,

ebenso das Bundeswirtschaftsministerium. Es

bedachte das Quartett mit einem Hauptpreis

bei seinem Gründer-Wettbewerb: So konnte

die GmbH aus der Taufe gehoben werden.

VeRloRenIndeR3-d-Welt

Die denkbaren Anwendungsszenarien der

Raumbrille sind weit gespannt. Der Einrichtungsbereich

ist lediglich eines von vielen

möglichen Feldern. Das Thema Bad aber bildete

nicht von ungefähr den Einstieg. Weil

eine Investition kostspielig ist, sollten die

Kundenerwartungen möglichst exakt getroffen

werden. Innenarchitekten, aber auch Gebäudeplanern

oder Ingenieuren brächten 3-D-

Brillen ebenfalls Zusatznutzen. Per Raumbrille

ins zukünftige Einfamilienhaus oder Cockpit.

Doch aus betriebswirtschaftlicher Sicht

schien es Immersight geboten, sich am Beginn

erst einmal auf eine bestimmte Zielgruppe

zu fokussieren, um dort den Markteintritt

zu schaffen.

Jürgen Maier mit seinem „Konzept3Zehn“

wiederum hat die Brille bereits einige Aufträge

eingebracht. Im Schaufenster bilden sie einen

Eyecatcher, der Aufmerksamkeit bei

Passanten weckt. Bei Vorführungen bleibt er

immer in unmittelbarer Nähe. Vorsichtshalber.

Es könnte ja sein, ein Kunde taucht unversehens

völlig in die virtuelle Realität ein – und

„vergisst“ dabei den realen Raum um sich herum

– mit seinen Wänden, Möbeln und Ausstellungsgegenständen.

[!]

Thomas Vogel

sofunktioniertdievirtuelleRaumbrille

Erkundet ein Kunde das virtuelle Bad, bleibt Jürgen Maier dabei – damit keiner im realen Raum

stolpert und sich weh tut.

dietechnologie, die hinter der Raumbrille

steckt, wird als „optisches Tracking“

bezeichnet. Eine kleine, an der

Decke montierte Kamera verortet den

schwarzen, fünfeckigen Karbon­Ring, an

dem sich auffallende, weiße Kugeln befinden.

Mit Hilfe einer komplexen Software­

Rechen formel werden nun 60 Mal pro

Sekunde die exakte Position sowie die

genaue Blickrichtung des Benutzers berechnet.

Das alles geschieht in Echtzeit, weshalb

der Benutzer keine Verzögerung spürt

und mental perfekt in den virtuellen

Raum eintauchen kann. Die Darstellung

über die beiden Displays erfolgt dabei

„stereoskopisch“: Alles in dem virtuellen

Raum erscheint zum Greifen nah.

Die Aktionsfläche für „Fußgänger“ ist

derzeit noch auf sechs Quadratmeter

limitiert. Zusätzlich steht eine Fernbedienung

zur Verfügung, mit der sich der Nutzer

durch größere virtuelle Räume

bewegen kann.

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46


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[leben]

Nicht ohne meine Frau

Wenn der Küchenchef Sandburgen baut und die Diplom-Psychologin das Kartenspiel auspackt – dann ist

Sommer! Ferienzeit! Stefan Loeffler wollte in unserer Umfrage von Führungskräften aus der Region wissen, wo

und wie sie die schönsten Stunden im Jahr verbringen.

Foto: © MIGUEL GARCIA SAAVED/Fotolia.com

1) Welches ist Ihr Lieblingsreiseland und warum?

2) Wohin ging Ihr erster selbstständiger Urlaub?

3) Drei Dinge, die im Urlaub nicht zuhause bleiben.

4) Drei Dinge, an die Sie im Urlaub nicht denken wollen.

5) Bitte vervollständigen Sie diesen Satz:

Zum Entspannen im Urlaub gehört für mich …

6) Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie aus

dem Urlaub zurückkommen?

Fritz Lehmann (60) ist auch in

der schönsten Zeit des Jahres

nicht untätig und hilft schon

einmal bei der Olivenernte. Der

gelernte Bankkaufmann ist verheiratet,

hat drei Kinder und ist

seit 1998 Vorstandsvorsitzender

der Raiffeisenbank Ehingen-

Hochsträß eG.

1) Schwierig zu sagen, weil es viele schöne Reiseziele gibt, die sich

landschaftlich sehr unterscheiden. Mit vorne dabei ist sicherlich

Kroatien für den Sommerurlaub mit Entspannung, gutem Essen

und Kontakt zu den Menschen vor Ort. Gerne helfe ich auch schon

einmal bei der Olivenernte. Dennoch liegt auch Deutschland hoch

im Kurs, weil es viel Spaß macht, Radtouren entlang der verschiedenen

Flüsse zu unternehmen. Hier ist der Weg das Ziel.

2) Relativ spät, aber dann gleich per Flugzeug nach Tunesien - mit meiner

damaligen Freundin und heutigen Ehefrau.

3) Meine Frau, wir verbringen die Urlaube immer zusammen. Ein guter

Zigarillo für einen entspannten Abend im Freien. Leider auch

mein Handy – oftmals zum Leidwesen meiner Frau.

4) Hier gibt es nichts Spezifisches – einfach ein bisschen Abstand gewinnen.

5) … schöne Landschaft, gutes Essen, aromatischer Wein und neue Eindrücke

von Land und Leuten.

6) Auf das gute schwäbische Essen, meine Kinder und auf das Arbeiten

mit meinen MitarbeiterInnen.

Harald Laatsch taucht im Urlaub

gern unter. Im Meer.

Der 50-jährige Küchenmeister

ist verheiratet, hat zwei Kinder

und ist seit 1991 bei der

Wilken GmbH als Bereichsleiter

Casino eingestellt.

1) Ägypten. Sehr freundliche Menschen, wunderbare Unterwasserwelt

zum Tauchen und Schnorcheln, Sonnenschein mit Garantie,

kurze Flugzeiten.

2) Holland. 1981 war nicht nur mein erster selbstständiger Urlaub,

sondern auch der erste gemeinsame Urlaub mit meiner Frau. Ich bin

in dem Jahr 18 geworden und habe ein Auto gekauft. Mit diesem

sind wir zu meiner Tante in Haarlem bei Amsterdam gefahren. Zur

Nordsee waren es mit geliehenen Rädern nur wenige Kilometer. Unvergesslich

für mich sind die langen Spaziergänge im Wattenmeer

und die vielen Sandburgen, die wir zum Schutz gegen den Wind

gebaut haben.

3) Meine Frau, ein spannender Roman und meine Lesebrille.

4) Arbeit, Aktienkurse, mögliche Gewichtszunahme durch Faulenzen.

5) … ausreichend Liegen und Sonnenschirme am Strand, gutes Essen,

freundliches Hotelpersonal.

6) Auf das Wiedersehen mit meinen Kindern, das eigene Bett und

frisch gebackenes Brot von meiner Frau.

47


[rubrik] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Foto: © 2013 Artur Kotowski/Fotolia.com

Die einen lieben Kroatien (im Bild die Makarska-Bucht), die anderen Portugal , Italien oder Brasilien – oder einfach schöne Plätze auf der ganzen Welt.

Ein Glas Weißwein am Strand

gehört für Caroline Schwarz

zu einem wunderbaren Urlaub.

Die 48-Jährige hat zwei Töchter

und leitet seit 2013

die Ehinger-Schwarz GmbH &

Co. KG.

1) Welches ist Ihr Lieblingsreiseland und warum?

2) Wohin ging Ihr erster selbstständiger Urlaub?

3) Drei Dinge, die im Urlaub nicht zuhause bleiben.

4) Drei Dinge, an die Sie im Urlaub nicht denken wollen.

5) Bitte vervollständigen Sie diesen Satz:

Zum Entspannen im Urlaub gehört für mich …

6) Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie aus

dem Urlaub zurückkommen?

1) Brasilien, weil ich dort noch nie war! Ich stelle mir Brasilien aufregend

und sexy vor. Zudem gibt es dort die schönsten Edelsteine –

und die schönsten Strände.

2) Nach Griechenland mit meiner besten Freundin. Es fing schon damit

an, dass wir den Taxifahrer runterhandeln wollten und der einfach

ohne uns weiterfuhr. Wir sind dann auf die Insel Hydra geschippert

und haben uns ständig versichert, wie schön wir alles

fänden, was wir aber anfangs gar nicht taten. Dann wurde alles fantastisch,

denn wir waren jung und dachten, dass uns die Welt zu

Füßen liegt – und so fühlte sich dieser Urlaub wie ein Wham-Video-

Clip an!

3) Ich habe so etwas wie eine feste Liste nie! Natürlich achte ich darauf,

dass ich ausgefallenen Schmuck dabei habe, hohe Schuhe und schöne

Sachen. Was ich fast immer vergesse, sind der Pyjama und meine

Lesebrille.

4) An diese drei Dinge denke ich auch im Alltag nicht! Ich bin voll und

ganz davon überzeugt, dass man immer positive Gedanken hegen

und pflegen soll.

5) ... ein Glas Weißwein am Strand, barfuß gehen, ein gutes Buch, einfach

mal Zeit für Dummheiten zu haben und die Zahl 5 gerade sein

lassen.

6) Auf meine verrückte Familie, meine Freundinnen, meine Tiere,

mein Bett und natürlich meine Mitarbeiter, mit denen ich schließlich

die meiste Zeit verbringe.

Zeit und Muße sind für

Rainer Utz das Wichtigste im

Urlaub. Der 56-Jährige ist seit 37

Jahren Inhaber und Geschäftsführer

der Utz GmbH & Co. KG

in Ochsenhausen.

1) Italien wegen der Lebensart -– und die Schweiz der Berge wegen und

der kultivierten Gastlichkeit.

2) Mit 18 mit dem Firmen-VW Bus und Freunden an die Loire zum

Paddeln. Es waren Spaß und Abenteuer pur!

3) Meine Frau – und wenn es das Ziel erlaubt, meine Sportutensilien

wie Laufschuhe und Bike.

4) An das Geschäft, an nicht gelöste Probleme (nimmt man leider

meist mit) und an terminliche Verpflichtungen.

5) … Zeit und Muße zu haben und keinen festen Plan.

6) Auf unser Zuhause und ein geselliges Zusammensein mit Familie

und Freunden.

48


unternehmen [!] Ausgabe 40 | Juli 2014

[rubrik]

Ist Claudia Kastner (40) in

Portugal, würde sie manchmal

am liebsten nicht mehr heimfliegen.

Die Selbstständige berät

Firmen im Bereich Office

Management und ist seit 2012

die erste Vorsitzende des

Forums für Unternehmerinnen

und Gründerinnen e.V.

1) Portugal. Normalerweise finde ich es okay, nach 14 Tagen wieder

nach Hause zu dürfen, aber in Portugal könnte ich das Heimfliegen

glatt vergessen.

2) Wir waren schon früher immer wieder mit der Jugend unterwegs,

der erste längere Trip ging 14 Tage mit der Jugendgruppe nach Südfrankreich

in die Tarnschlucht. Mein erster Hotelurlaub war auf

Lanzarote, was einen leichten Kulturschock ausgelöst hat, da ich

noch nie als Touristin unterwegs war, sondern immer nur abseits

der Touristenpfade.

3) Flip-Flops, Reise- und Sprachführer, Kreditkarte.

4) Termine, To-Do-Listen, das wachsende Unkraut im Garten.

5) … gleich nach dem Aufstehen eine Tasse Kaffee auf der Terrasse mit

Blick auf das Meer oder die Landschaft und völlige Ruhe.

6) Auf die eigenen vier Wände, denn „Dahoam is dahoam“.

Alexandra Stork hat in den

Ferien immer Wanderschuhe

und ein Kartenspiel dabei.

Die 37-jährige Diplom-Psychologin

ist seit Dezember 2013

Regionalleiterin der Caritas

Region Ulm und lebt mit ihrem

Mann und zwei Kindern

in Kirchheim/Teck.

1) Es ist an vielen Orten so schön, und ich habe schon an ganz unterschiedlichen

Orten eine gute Zeit verbracht. Bis vor einem Jahr wäre

es mir ganz unpassend erschienen, ein „Lieblingsland“ zu küren.

Grundsätzlich bin ich ganz verliebt in den Bodensee, und der ist

nach wie vor nur schwer zu toppen. Aber unser letzter Urlaub ging

nach Schweden, in das Land von Pippi Langstrumpf, Michel aus

Lönneberga, der langen Sommertage und unendlich viel Weite. Unfassbar

schön!

2) Mit dem Auto nach Frankreich zu „meiner“ Austauschschülerin

und ihrer Familie. Es war aufregend und wunderbar.

3) Bücher. Wanderschuhe. Kartenspiel.

4) Zeit. Bügelwäsche. An all das, was ich alles noch tun wollte, bevor es

losging.

5) … ein Lagerfeuer am Abend.

6) Wieder Kuchen backen zu können und diejenigen wiederzusehen,

die nicht dabei waren.

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49


[namen & nachrichten] Ausgabe 40 | Juli 2014 unternehmen [!]

Drei Haare,

33 Jahre, 1200

Absolventen

Im Leben im Allgemeinen und

in der Betriebswirtschaft ist vieles

relativ. „Drei Haare auf dem

Kopf sind

wenig, drei

Haare in der

Suppe viel.“

Mit solchen

Erklärungen

wollte Prof.

War für viele das

Gesicht der BA:

Karl-Heinz Busam.

Karl-Heinz

Busam aus

Baindt

(Kreis Ravensburg)

seine Studenten nicht nur zum

Schmunzeln bringen, sondern

ihnen vielmehr ein Gespür für

Zahlen und Größenordnungen

auf den Weg mitgeben. Von

1981 bis im Frühsommer 2014

war er an der Berufsakademie

Ravensburg und später an der

Dualen Hochschule Ravensburg

Studiengangsleiter BWL-

Industrie. Bei seinem Start zählte

die dortige BA gerade einmal

220 Studenten. Viele Unternehmen

musste er erst von der neuen

Studienform überzeugen,

„und Klinken putzen“, wie er

bei seinem Abschied in den Ruhestand

erzählte. Er leistete Pionier-

und Aufbauarbeit. Heute

studieren an der DHBW Ravensburg

3900 Studenten. „Für

mich haben Sie die BA personifiziert:

Sie waren das Gesicht

Gerlinde Kretschmann

betätigte sich

bei der Tunneltaufe

in Dornstadt als

Baggerführerin.

Ein Tunnel namens Gerlinde

der Hochschule“, sagte Manfred

Romer, ehemaliger Ausbildungsleiter

der ZF Friedrichshafen

AG. In seinen 33 Jahren in

Ravensburg hat Busam 1200

Absolventen ausgebildet. Viele

von ihnen tragen heute als Führungskräfte

Verantwortung in

Unternehmen zwischen Ulm

und dem Bodensee. Zu seinen

prominenten Schützlingen gehören

Roland Zey, Direktor von

Mercedes Benz in Argentinien,

der Bundestagsabgeordnete

Thomas Bareiss (CDU) und Pater

Tutilo, der Abt des Klosters

Beuron.

AMB

Stadt Ulm

kanzelt Studie zu

Großprojekt ab

Der Streit um das Ulmer Projekt

Sedelhöfe reißt tiefe Gräben

zwischen Teilen des Handels

und der Stadtverwaltung. Bis

zum Jahr 2016 sollen gegenüber

des Hauptbahnhofs 18.000

Quadratmeter zusätzliche Einzelhandelsflächen

entstehen.

Im Grundsatz begrüßt der Ulmer

Handel das Projekt. Manche

Läden befürchten aber Frequenzverluste.

Einer Studie der

Rund 200 Tunnelbauer der Arbeitsgemeinschaft

Züblin/Max Bögel arbeiten rund um die

Uhr am 5,9 Kilometer langen Albabstiegstunnel

zwischen Dornstadt und Ulm. Etwa 250

Millionen Euro kostet dieser Teil der Eisenbahn-Neubaustrecke

von Ulm nach Wendlingen,

für die insgesamt 3,3 Milliarden Euro veranschlagt

werden. Gerlinde Kretschmann,

Ehefrau des baden-württembergischen Ministerpräsidenten,

ist Namensgeberin des Tunnels.

Sie setzte sich in den Bagger und hatte

bei der Tunneltaufe sichtlich Spaß.

Hochschule Ostfalia (Bielefeld)

zufolge könnten diese bis zu 30

Prozent betragen. Die Stadt akzeptiert

die Studie aber nicht

und will nicht auf Änderungswünsche

eingehen. Baubürgermeister

Alexander Wetzig sagte,

es gehe darum, die Attraktivität

der Innenstadt als Ganzes zu

stärken. Das werde die Stadt

auch gegen Widerstand tun.

Die Studie tat er als „penible

Fleißarbeit“ ab, die sich für ein

studentisches Oberseminar eigne.

Damit hat Wetzig den Streit

um das 130-Millionen-Euro-Projekt

kräftig angeheizt. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.),

Irmgard Städele,

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Bozena Demski (Bild)

Fotos Oliver Schulz (Titel + Titelinterview),

Marc Hörger,

Volkmar Könneke, Getty Images,

imago/Klaus Haag, Privat,

Archiv

Druck

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Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

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Telefon 0731 156-515, Fax 481

unternehmen@swp.de

Mediaberatung

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E-Mail s.kulbe@swp.de

Auflage: 15 000 Exemplare

Nächste Ausgabe

2. Oktober 2014

Die Themen

Kaufen statt gründen – was bei

Übernahmen wichtig ist.

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u. v. m.

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