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Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 47 | Oktober 2015 | 3,00 €

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Die zwei

Gipfelstürmer

Sport ist Mord? Nicht, wenn man gut beraten ist.

Christoph und Dr. Oliver Holbein, die Chefs von

Sport Sohn, über Männer, Material und das Internet.

EDV Wie aus der Datenflut wertvolle Informationen werden SEITE 22

Liquidität So legt man Überschüsse intelligent an SEITE 28

Deutschland Als zusammenwuchs, was zusammengehört SEITE 46


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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

kaum je gab es so viele Krisen in der Welt:

Abermillionen sind auf der Flucht, Kriege,

Leid, die ungelöste Euroschuldenkrise, Börsencrash

in China. Ohne Antidepressiva

kann man im Jahr 2015 fast nicht Nachrichten

lesen oder hören Und was macht die

Wirtschaft? Sie wuchs im Südwesten im ersten

Halbjahr um 3,1 Prozent und wird weiter

boomen. Von der steigenden Kaufkraft

der Arbeitnehmer profitiert auch der Handel.

Die Mischung aus Kundenorientierung

und guter Beratung macht Sport Sohn in

Ulm erfolgreich (Titelinterview Seite 10).

Mittelständler wie Friedrich Sailer (Seite 26)

sind Sinnbild der Innovation. Der Energiesparspezialist

Gaiser zeigt sich erfinderisch,

Mitarbeiter zu gewinnen. Es gibt viele Gründe,

zuversichtlich und sogar dankbar zu sein

– auch über die deutsche Wiedervereinigung

vor 25 Jahren (Umfrage Seite 46). Ich

wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[verantworten]

6 Ein Traum von Manager Gesundheitsvorsorge

als Führungsqualität

[titelthema]

10 Es geht um Leben und Tod

Christoph und Dr. Oliver Holbein von

Sport Sohn im Gespräch

[gründen]

20 Drehen an der eigenen Schraube

Zwei Jung-Ingenieure starten durch

[spezial]

22 Daten sind wie Rohöl Auf Schatzsuche

in den Tiefen des EDV-Systems

36 Auf Achse Vom Suchen und Finden des

richtigen Unternehmensstandortes

[machen]

26 „Nur“ eine kleine Blechschlosserei

Sailer macht Edelstahl in reinster Form

34 Alles aus einer Hand Knochen, Knorpel

und Bänder, sie richten’s: die Spezialisten

der Nova Clinic in Biberach

44 Altbacken ist hier nix! Bellenberger

Hobbybäcker-Versand – da isst das

Auge mit

[finanzieren]

28 Wohin mit dem Überschuss?

Anlegen – und trotzdem flüssig bleiben

[führen]

32 „Man muss auch in Vorleistung

gehen“ Wie Gaiser mit dem

Biberacher Modell für Nachwuchs sorgt

[leben]

40 Faszinierend, Captain Da staunt selbst

Mr. Spock: Was heute aus Automaten

kommt

42 Chef – uns schmeckt’s Die Kantine ist

tot, es lebe das Catering

46 … und meine Oma weinte So haben

Führungskräfte die Wiedervereinigung

vor 25 Jahren erlebt

[namen & nachrichten]

4 Job-Perspektiven für Flüchtlinge

4 Bier. Bekömmlich. Verboten.

5 Futuristische Architektur an der

Donau

49 Paradies für Skater

50 Kletter-Pilotprojekt von Mini in Ulm

50 Impressum

40 28

06 22

46

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Job-Perspektiven für Flüchtlinge

„Den bürokratischen Aufwand?

Ich persönlich empfand das als

unproblematisch“, sagt Ulrich

Möschl. Er ist Produktionsleiter

der Ulmer Großbäckerei Staib,

die im September drei Flüchtlinge

als Auszubildende eingestellt

hat. Außer dem Ulmer Unternehmen

hat zwischen dem Bodensee

und der Ostalb auch die Tettnanger

Schreinerei Hollitsch einem

Flüchtling aus Gambia eine

Chance als Lehrling gegeben.

In solchen Fällen sei die Bürokratie

oft beschwerlicher, sagt

Katharina Wischenbarth, Nachwuchsexpertin

der Handwerkskammer.

Der größte Aufwand

bleibe aber an dem Einwanderer

selbst hängen. Die Unternehmen

müssten vor allem einige Wochen

Zeit mitbringen, bis das

Asylverfahren abgeschlossen ist.

Zuerst prüft die Agentur für Arbeit,

ob für die offene Stelle ein

deutscher oder ein EU-Bürger zur

Verfügung steht. Dann muss die

Ausländerbehörde eine Arbeitserlaubnis

ausstellen. „Es ist nie

verkehrt, wenn der Betrieb dort

kurz anruft und versichert, dass

er den Flüchtling einstellt“, sagt

Wischenbarth.

Möschl sieht die größte Hürde in

der Sprachbarriere: „Wir versuchen,

auf Deutsch durchzukommen.

Manchmal muss man etwas

zweimal sagen, dann klappt es

aber.“ Auch die geringe Mobilität

der Flüchtlinge sei schwierig,

meint Wischenbarth. Dem will

Möschl mit Fahrgemeinschaften

entgegenwirken.

Firmenchef Marcus Staib freut

sich über den Nachwuchs. Von

der Einstellung der jungen Männer

profitieren beide Seiten: „Wir

bekommen Lehrlinge, die jungen

Leute eine Perspektive.“ Auch Tobias

Mehlich, Hauptgeschäftsführer

der Handwerkskammer

Ulm, sieht in der Beschäftigung

von Flüchtlingen eine große

Chance – trotz aller Schwierigkeiten,

die damit verbunden sind.

[!] BIANCA FRIESS

Ahemed Abdi Jama aus Somalia freut sich, als Lehrling bei der Bäckerei

Staib in Ulm zu arbeiten.

Bier. Bekömmlich. Verboten.

Wie wäre es mit „bierkömmlich“?

Oder „bekommlich“? Immerhin

bekommt man das Bier

überall in der Region. Etliche

Fans haben der Leutkircher

Brauerei Clemens Härle zuletzt

Ideen für einen neuen Werbeslogan

geschickt, nachdem ihr das

Landgericht Ravensburg den Begriff

„bekömmlich“ verboten hatte:

Das Wort suggeriere, Bier sei

für den Körper verträglich und

stelle so einen unerlaubten Gesundheitsbezug

her, befanden die

Richter.

Brauereichef Gottfried Härle ist

immer noch fassungslos. „Ich wäre

im Schlaf nicht darauf gekommen,

dass ‚bekömmlich‘ nicht

zulässig ist“, sagt er.

Bekömmlich? Nein, so darf man auch Bio-Bier nicht nennen, urteilte das

Landgericht Ravensburg. Brauereichef Gottfried Härle geht in Berufung.

Der Unternehmer geht in Berufung

und stößt damit auf viel Zustimmung.

Mehr als 1000 Leute

hätten sich bei ihm gemeldet und

ihre Solidarität ausgesprochen.

Nur ein verschwindend geringer

Anteil könne das Urteil nachvollziehen,

berichtet Härle.

Auch die Resonanz der Medien

habe ihn überwältigt, erzählt der

Brauereichef. Nicht nur lokale,

sondern auch überregionale Sender

haben die Geschichte aufgegriffen

– sogar Moderator Stefan

Raab hat sich darüber ausgelassen.

Bedeutet all das nicht zusätzliche

Werbung für die Brauerei?

Natürlich sei die Nachfrage etwas

gestiegen, räumt Härle ein. Den

Trubel hätte er sich trotzdem lieber

erspart. Mit dem Filzstift

mussten seine Mitarbeiter rund

30.000 Etiketten schwärzen.

Die Bio-Brauerei Clemens Härle

beschäftigt derzeit 30 Mitarbeiter;

sie produziert rund 34.000

Hektoliter Bier und Erfrischungsgetränke

pro Jahr. Der Jahresumsatz

beträgt rund 5,5 Millionen

Euro. [!] BIANCA FRIESS

4


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[namen & nachrichten]

Futuristische Architektur über der Donau

Die Lage des Brückenhauses der

Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen ist

1a, die Architektur futuristisch,

und stadtbildprägend. Die Büros

und Konferenzräume sind so

großzügig gestaltet, dass ein Besucher

beim Tag der offenen Tür

meinte: „Dafür müssten die Mitarbeiter

fast Geld mitbringen.“

Das neue Haus eröffne neue und

zeitgemäße Möglichkeiten,

Bankgeschäfte zu betreiben, sagt

Vorstandschef Armin Brugger.

Die Planung für das 30-Millionen-Projekt

stammt aus einer

Zeit, als die Sparkassen und Banken

noch nicht unter den Niedrigzinsen

ächzten. Neben dem

Brückenhaus gehören zwei weitere

Neubauten zu dem Ensemble.

Von den 4300 Quadratmetern

des Brückenhauses nutzt die

Sparkasse 2550. Dazu gibt es vier

Wohn- und Büroeinheiten, ein

Restaurant und eine Bar. Insgesamt

sind in den drei Gebäuden

21 Wohnungen entstanden.

Überschattet wurde das Projekt

zuletzt von einer erregten Diskussion

über den großen Sparkassen-Schriftzug

im Durchgang

des Gebäudes zum „Schwal“. Dieser

ist der östliche Teil der Donauinsel

und einer der schönsten

Plätze in Neu-Ulm. Anwohner

und Bürger protestierten. Beim

Festakt kündigte Vorstandschef

Brugger unter dem Beifall der 200

geladenen Gäste an, dass der rote

Schriftzug wieder entfernt werde.

Die Sparkasse wolle die Insel

nicht dominieren. [!] AMB

Das Brückenhaus: Eigentümer und Investor ist die Sparkasse Neu-Ulm .

Hoffnung auf bezahlbare

und sichere Versorgung

Unternehmer und Manager fühlten

sich in den vergangenen Jahren

von der Politik beim Thema

Energiewende alleine gelassen.

Daher war die Sorge groß, dass es

zu Versorgungsengpässen

und

Stromausfällen

kommt,

wenn die

Atomkraftwerke

bis

Umweltminister 2022 vom

Franz

Netz gehen.

Untersteller. Denn selbst

kurze Unterbrechungen

können große Schäden

an Produktionsanlagen verursachen.

Seit dem „Strom-Gipfel

Süd“ in Neu-Ulm, zu dem die IHK

Ulm, Schwaben und Ostwürttemberg

eingeladen hatten, sind

viele Wirtschaftsvertreter zuversichtlicher.

Ihr Eindruck: Eine sichere

und bezahlbare Versorgung

ist machbar. Die bayerische Wirtschaftsministerin

Ilse Aigner

(CSU) und der baden-württembergische

Umweltminister Franz

Untersteller signalisierten: „Wir

haben die Nöte der Unternehmen

verstanden.“

Vor allem Untersteller punktete

mit Detailwissen. Er mahnte die

Unternehmen aber auch, nicht

zu vergessen, wie sehr die Strompreise

gesunken seien. „Das hat

niemand erwartet.“ Neben einer

höheren Energieeffizienz sei für

das Gelingen der Energiewende

der Bau zweier Gaskraftwerke in

Süddeutschland nötig, um die

Schwankungen in der Erzeugung

erneuerbarer Energien auszugleichen.

Zugleich macht er sich für

den Ausbau der Stromautobahnen

in den Norden stark und für

den Bau von Windkraftanlagen

im Südwesten: „Wir dürfen uns

nicht zu sehr vom Norden abhängig

machen.“ [!]

AMB

Kaufland zieht bei

Möbel Mahler aus

Schlechte Nachricht für Möbel

Mahler in Neu-Ulm. Das Unternehmen

verliert Kaufland als

Mieter. Die Geschäftsentwicklung

hat laut Kaufland in den

letzten Jahren dazu geführt, dass

ein wirtschaftliches Betreiben

des Standortes auf Dauer nicht

möglich sei. Auch entspreche die

Immobilie nicht mehr den Anforderungen

von Kaufland an eine

zeitgemäße Einkaufsstätte. Von

der Schließung der Filiale sind 50

Mitarbeiter betroffen. Bei der Eröffnung

des 74.000 Quadratmeter

großen Möbelhauses 2013

galt Kaufland als wichtiger Baustein

der Finanzierung. [!] PAU

Service im Kampf gegen

Zeitfresser erwünscht

Vier von fünf Verbrauchern haben

Interesse an Dienstleistungen,

die ihnen helfen, Zeit zu sparen.

Dafür sind 70 Prozent bereit,

Geld auszugeben. Das ist das Ergebnis

des Consumer Barometers

des Handelsinstituts IFH. Vor allem

jüngere Konsumenten und

Besserverdiener sind offen für eien

solchen Service – insbesondere

bei Arbeiten im Haushalt und

beim Einkauf . So wünschen sich

acht von zehn Befragten Entlastung

beim Putzen, 40 Prozent

möchten weniger Zeit fürs Kochen

aufwenden. Auch der Einkauf

von Lebensmitteln und anderen

Gütern (41,9 Prozent) wird

als zeitliche Belastung wahrgenommen.

[!]

PAU

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[verantworten] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Ein Traum

von Manager

Wie der Herr, so’s Gescherr. Die Redensart trifft auch

auf die Gesundheitsvorsorge in Unternehmen zu.

Mitarbeiter achten eher darauf, wenn die Chefs es

vorleben. Für die gibt es speziell auf Führungskräfte

zugeschnittene Check-ups und Programme.

Foto: © kazzakova / Fotolia.com

Firmen handeln global, die Welt ist immer enger vernetzt.

Das macht es zunehmend schwierig für Führungs-

und Spitzenkräfte, Berufs- und Privatleben

voneinander zu trennen. Ständige Erreichbarkeit am

Wochenende oder Feiertag ist heute selbstverständlich. Dazu

kommt der demografische Wandel, der sich auch in den

Unternehmen bemerkbar macht. Eine alternde Gesellschaft

bedeutet eine alternde Belegschaft. „Und die junge

Generation, die sogenannte Generation Y, stellt neue Anforderungen

an Arbeit und Führung. Sie legt Wert auf

eine Work-Life-Balance“, sagt Gottfried Richenhagen,

Professor für Betriebswirtschaftslehre an der privaten

Essener Hochschule für

Ökonomie und Management

(FOM). Auch wenn

sie Karriere machen

wollen, legen junge

Mütter und Väter

heute starken Wert

auf die Vereinbarkeit

von Familie

und Beruf.

„Die Unternehmen

und Verwaltungen

benöti-

Gottfried Richenhagen.

Management-Professor

gen

ein

betriebliches Gesundheitsmanagement der

dritten Generation: strategisch orientiert, in

das Personalmanagement integriert“, sagt Richenhagen

.

Gesundheitsvorsorge für Führungs- und Fachkräfte

sei für Unternehmen schon heute ein

wichtiger Wettbewerbsfaktor. Insbesondere, da

auf dem Arbeitsmarkt in vielen städtischen Gebieten,

aber auch im ländlichen Raum, der Mangel

an gut ausgebildeten Fachkräften immer deutlicher

zutage tritt, sei es sogar notwendig zur

6


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[verantworten]

Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Wenn sich Unternehmen um

das gesundheitliche Wohl ihrer Mitarbeiter kümmern, komme das

überdies der Produktivität zugute. „Das kann man rechnen“, was man

für jeden eingesetzten Euro zurückbekomme.

Um für gute Leute interessant zu sein und sie an sich zu binden, müssten

Unternehmen mittlerweile weit mehr tun als nur auf die klassischen

Faktoren zu setzen. „Gutes Essen in der Kantine, Bewegung, Betriebssport

reicht nicht“, sagt der Professor. Da gehe es unter anderem

um gute Führung, gute Zusammenarbeit, Teamarbeit, die Gestaltung

des Arbeitsplatzes und dessen Umgebung, um Arbeitszeitgestaltung

und auch Freizeitorientierung.

VOM NICE-TO-HAVE ZUM MUST-HAVE

„Es ist nicht so, dass die junge Generation nicht bereit ist, Überstunden

zu machen.“ Aber eher nicht spontan, kurzfristig, sondern nach Vereinbarung,

meint Richenhagen. Gute Führung, gesundheitlich orientiert,

bedeute Teamarbeit auf Augenhöhe; es genüge nicht Arbeitsanweisungen

von oben nach unten zu geben. Der Wettbewerbsfaktor

Gesundheit ist vom „nice-to-have“ zum „must-have“ geworden.

Dazu kommt: „Das Gesundheitsverhalten der Führungskräfte schlägt

durch auf die nachgeordneten Mitarbeiter“, sagt Dr. Martin Sillem.

„Wenn der Chef raucht oder die Chefin stark übergewichtig ist, sehen

Mitarbeiter es nicht ein, ihr Verhalten in diesen Punkten zu ändern“,

nennt der Mannheimer Mediziner Beispiele. Umgekehrt, wenn es gelingt,

dass Vorgesetzte ihr Gesundheitsverhalten ändern, habe das eine

Vorbildfunktion. Deshalb würden in vielen Unternehmen Führungskräfte

mit einem gewissen Nachdruck dazu aufgerufen, bei betrieblichen

Präventionsangeboten mitzumachen, berichtet Richenhagen.

Zudem organisieren etliche Firmen in diesem Bereich eigene Programme

für ihr hoch qualifiziertes Personal und betreiben Coaching zu

gesundheitlichen Themen. Manager seien heute auch aufgeschlossener

sich coachen zu lassen, als das früher der Fall war.

Dass Menschen in Führungspositionen häufiger oder schwerer erkranken

sollen als andere, hat der Professor übrigens nicht beobachtet;

es sei auch nicht plausibel. Klar gebe es eine höhere Arbeitsbelastung

auf der einen Seite, „auf der anderen Seite haben Führungskräfte aber

mehr Gestaltungsmöglichkeiten, diese Belastungen zu kompensieren,

sie durch gute Führung und Teamarbeit abzufedern.“

Männerleiden, Frauenleiden

Spezielle Spurensuche je nach Geschlecht.

Foto: © bertys30/Fotolia.com

Auf vier signifikante gesundheitliche Besonderheiten geht

Dr. Martin Sillem beim Geschlechtervergleich ein. So haben

Frauen ein anderes Risikoprofil bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

als Männer – sie bekommen seltener einen Herzinfarkt,

sie bekommen andere Krebserkrankungen als Männer, seelische

Ursachen von körperlichen Beschwerden sind bei Frauen

häufiger und schließlich brechen sich Männer die Knochen in

der Jugend, Frauen im Alter.

Auf diese geschlechterspezifischen Merkmale gehen auch die

Vorsorgeangebote der gesetzlichen Krankenkassen ein, etwa

mit Krebsvorsorge ab 20 Jahren, Check-up und Hautkrebs-

Screening ab 35, Darmkrebsvorsorge ab 50 und dem staatlichen

Mammografiescreening zwischen 50 und 70. GAL

Obwohl immer mehr Firmen jährliche medizinische Screenings für

Mitarbeiter in ihr Gesundheitsprogramm aufnehmen, tun sich noch

immer viele männliche Manager schwerer mit der eigenen Gesundheitsvorsorge

als weibliche Führungskräfte. Was allerdings nicht nur

in Leitungspositionen zu beobachten ist, sondern generell. „Das hängt

7


[verantworten] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Foto: © Andres Rodriguez / Fotolia.com

wohl mit dem männlichen

Selbstbild zusammen“,

meint Richenhagen. Männer gehen oft rücksichtsloser

mit der eigenen Gesundheit um, als es vielleicht Frauen

tun. Der Körper hat zu funktionieren. Ständige Erreichbarkeit, Arbeitssucht,

und auch der Wunsch, sich unentbehrlich zu fühlen, führten

dazu, Warnsignale wie Kopf- oder Rückenschmerzen zu verdrängen.

Frauen geben Körpersignalen eher ihre eigene Berechtigung.

CHECK-UP FÜR DIE CHEFIN AN EINEM TAG

Dennoch gehen auch rund ein Drittel der Frauen nicht zur Vorsorge,

weiß Dr. Martin Sillem. „Und das ist nicht von der sozialen Schicht

abhängig“, sagt der Gynäkologe. Es sei auffällig, dass Frauen, „wenn sie

die Anti-Baby-Pille nicht mehr brauchen, nicht mehr so häufig zu uns

kommen“. Aussagen wie „das bringe ich in meinem beruflichen Alltag

nicht unter“ setzt seine Mannheimer Praxisklinik am Rosengarten einen

speziellen medizinischen Check-Up

für Frauen entgegen: Alles passiere an einem

Tag – „aus der Erkenntnis, dass die gesetzlichen

Vorsorge-Angebote, die es bisher

gibt, typisch männliche Beschwerden in

den Vordergrund stellen“. Zum Beispiel

Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder körperliche

Fitness.

Auch das Gefährdungsprofil von Männern

und Frauen unterscheidet sich. So rauchen

Frauen seltener als Männer, sind aber stärker

als diese durch Alkoholsucht gefährdet.

Und zwar je höher der soziale Status,

© Christoph Bastert Photographie

Gynäkologe

Dr. Martin Sillem.

desto eher. „Wir wissen aber auch,

dass Frauen anderen, teils böswilligen

Erkrankungen ausgesetzt

sind wie Brustkrebs

oder Osteoporose

– der Knochenentkalkung,

mit der viele

Frauen mit Einsetzen

der Wechseljahre zu

kämpfen haben.“ Für

viele funktionale Beschwerden

wie Bauchweh

finde man keine organischen

Ursachen. Und bei der Betrachtung

nur eines Organsystems komme

vieles zu kurz.

„Wenn ein Unternehmen uns seine Führungskräfte

schickt, nehmen wir sie samstags

in die Klinik. Dann ist auch niemand

sonst in der Praxis. Wir sind dann bis

zum Nachmittag durch,

und die Frauen wissen,

wo sie stehen“,

erläutert

Sillem den Ablauf

eines interdisziplinären

Screenings.

Das Programm

sieht Untersuchungen

beim Gynäkologen, Radiologen und Kardiologen vor sowie ein

Gespräch mit einer Präventologin. Bei dem ganzheitlichen Check-up

werde großer Wert auf Gespräche und Beratung gelegt, anstatt mal

eben ein Mittelchen – etwa gegen Hormonmangel – zu verschreiben

und dann irgendwann zu kontrollieren, ob es auch etwas gebracht

hat. Die Präventologin helfe zudem, ein realistisches, langfristiges

Trainingsprogramm festzulegen, zum Beispiel, um abzunehmen und

dann auch bei dem Gewicht zu bleiben.

Ob medizinischer Check oder andere Maßnahmen: Viele Unternehmen

haben den Nutzen und die Bedeutung betrieblicher Gesundheitsförderung

bereits erkannt und eigene Programme und Projekte eingeführt.

„Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen aber

sind noch nicht hinreichend über die Chancen und Möglichkeiten

betrieblicher Gesundheitsförderung informiert“, schreibt das Bundesgesundheitsministerium

dazu auf seiner Homepage.

WO STEHEN WIR? WO WOLLEN WIR HIN?

Generell gilt: Wie sich ein Unternehmen im Bereich betriebliches Gesundheitsmanagement

aufstellt, dafür gibt es kein Patentrezept. „Es

sind viele Stellglieder, die in einem solchen Steuerungskonzept zu

drehen sind“, sagt Professor Richenhagen. Das Unternehmen müsse

sich ansehen, wo es steht, Ziele formulieren und überlegen, wie es sie

erreicht, „wie sonst in anderen Bereichen der Unternehmensführung

auch“. Um zu sehen, dass es sich auswirkt, müsse ein solches Konzept

dann auch über mehrere Jahre durchgezogen werden. [!]

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unternehmen [!]

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Ausgabe

Neugestaltung

47 | Oktober 2015

Ihrer Welt

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[titelthema] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[titelthema]

Es geht um

Leben und Tod

Halbgare Beratung – zackzack – Hauptsache, die Kasse klingelt? Undenkbar für

Christoph und Dr. Oliver Holbein, die Chefs von Sport Sohn in Ulm – und ihre

Mitarbeiter. Sie sind leidenschaftliche Sportler und Spezialisten in vielen

Diszi plinen. Müssen sie auch sein. Am Berg geht es schnell um Leben und Tod.

Geben die Kunden im Sportfachhandel heute mehr

Geld aus als früher?

Insgesamt ja, weil Sport mittlerweile auch viel mit Fitness

und Gesundheit zu tun hat – und ein Riesentrend

ist. Früher ging es hauptsächlich um klassische Sportarten

wie Fußball, Skifahren oder Tennis.

Sport Sohn wurde 1950 in Neu-Ulm gegründet. Wie

hat sich die Kundschaft verändert?

Die Kunden kommen heute gut informiert zu uns in

den Laden, sind aber empfänglich für Beratung. Sie

sind qualitätsbewusst, erwarten eine sehr gute Funktionalität

und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis,

sind aber nicht fixiert auf eine Marke – mal abgesehen

von Adidas und Nike bei Lifestyle-Produkten.

Sportmode gehört heute zum Straßenbild. In den

50er Jahren wäre doch keiner auf die Idee gekommen,

mit Turnschuhen zum Einkaufen zu gehen.

Sich leger in Sportbekleidung auf die Straße zu wagen,

war früher sozial nicht akzeptiert. Es hat sich ganz

schön viel geändert. In den 50er Jahren, der Aufbauzeit

nach dem Krieg, herrschte Mangelwirtschaft. Die Menschen

hatten existenzielle Probleme. Heute sind bei einem

Großteil der Bevölkerung die Grundbedürfnisse

gedeckt. Die Freizeit hat einen immer größeren Stellenwert,

die Leute haben Zeit und Geld. Zu unserem Glück

ist Sport ein gern betriebenes Hobby.

Was hat sich noch geändert?

Heute gibt es viel mehr Waren, viel mehr Marken von

viel mehr Herstellern für viel mehr Sportarten. Das bedeutet

gleichzeitig, dass wir mehr Fläche brauchen, um

Ware zu präsentieren. Obendrein ist das Bedürfnis

nach Individualisierung gewachsen. Wir sehen uns

zwar als Gruppe, jeder Einzelne will darin aber individuell

aussehen, einen eigenen Stil haben.

Und damals?

Denken Sie nur an den Wintersport. In den 50er Jahren

gingen die Menschen zum Skifahren und waren glücklich,

in den Bergen zu sein. Die Leute sahen ziemlich

einheitlich aus. Es gab zwei Arten von Hosen: Keilhosen

für Männer und Keilhosen für Frauen – in Schwarz

und in Schwarz.

Und heute?

Da gibt es die sportlichen Pistenfahrer, Freerider, die

neben der Piste fahren oder Skitouren gehen, und junge

Leute, die Tricks und Sprünge in den Snow-Parks machen;

es gibt „Après-Skifahrer“ ... Jede der Zielgruppen

hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen von Bekleidung,

Handschuhen, Helm, Brille, Ski und Schuhen.

Was bedeutet das für die Warenpräsentation?

Früher sprach man von der sogenannten Ärmelparade:

Die Kleidungsstücke hingen dicht an dicht an einer

langen Stange. Heute soll man jedes Kleidungsstück so

gut wie möglich sehen können; man präsentiert es

frontal, in Brust- oder Rückenansicht. Die Kunden sollen

schon im Vorbeischlendern erkennen, ob das ihr

Stil ist, ob ihnen Passform und Material gefallen. Dafür

brauchen Sie Platz.

Wie wichtig ist der „Erlebnisfaktor“ beim Einkaufen?

Nun ja. Für uns ist maßgeblich, welchen Eindruck der

Kunde am Ende von uns hat. Die Präsentation der Ware,

Ladenbau, Architektur, Licht, Raumklima sehen wir

im Grunde als Hardware – die muss funktionieren. Elementar

aber ist die Software: Beratung, guter Service,

Zur Person

Dr. Oliver Holbein

stieß nach seiner

Facharztausbildung

im Jahr 2001 in die

Geschäftsführung

des Ulmer Handelsunternehmens.

Wie

sein Bruder lebt der

Unfallchirurg für den

Sport. Der 48-Jährige

ist verheiratet und

hat mit seiner Frau

Anette drei Kinder im

Alter von 16, 15 und 8

Jahren. Er fährt

Mountainbike, zudem

ist er ein leidenschaftlicher

Freerider

und Ski-Tourengeher.

Im Unternehmen

kümmert er sich

schwerpunktmäßig

um den Einkauf. Dafür

ist er sechs Monate

im Jahr auf der

Straße.

Ein Glück auch für den Fachhandel. Sport ist heute ein beliebtes Hobby: Christoph (links) und Oliver Holbein.

11


[titelthema] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Zwischen Männern und Frauen gibt es mehr Unterschiede,

als man denkt, erklärt Christoph Holbein. Männer etwa

fassen Textilien nur an, wenn sie ernste Absichten haben.

richtig. Pflicht ist, den Kunden zu begrüßen und ihm so

das Signal zu geben: Ich bin in deiner Nähe – nicht aufdringlich,

aber bereit Dich zu beraten. Wenn ein Kunde

auf Ware zugeht, dann zeigt er, dass er ein weitergehendes

Interesse hat. Speziell Männer.

Speziell Männer?

Genau. Männer fassen Textilien nicht zum Spaß an.

Männer fassen Textilien an, weil sie ernste Absichten

haben. Männer brauchen in der Regel Hilfe. Viele kennen

ihre Größe nicht. Sie sagen, sie haben L, wissen

aber nicht, ob sie nun in 50 oder 52 passen. Für uns ist

das aber auch eine Möglichkeit, unkompliziert ins Gespräch

zu kommen.

Running, Hiking, Skifahren, Schwimmen ... Welches

Segment ist das beratungsintensivste?

Skifahren, Skitouren, Höhenbergsteigen.

Zur Person

Wie sein Bruder ist

Christoph Holbein ein

Quereinsteiger im

Einzelhandel. Er studierte

Sportwissenschaften

in München

und absolvierte ein

Architektur-Grundstudium.

Er stieß im

Jahr 1996 zum Familienunternehmen.

Seine Hobbys sind

Skitouren, Walken, Inliner-Fahren

und

Schwimmen. Im Winter

hat er viel Spaß

bei Nacht-Ski-Touren

auf der Piste mit

Stirnlampe, sommers

paddelt er schon mal

stehend Flüsse hinunter.

Der 47-Jährige

ist verheiratet und

hat mit seiner Frau

Sybille drei Kinder

(16, 15, 11). Im Unternehmen

ist er der „Innenminister“.

Zudem

kümmert er sich um

den Einkauf von

Sportschuhen und Inline-Skates.

ein freundliches, kompetentes und vertrauenswürdiges

Verkaufsteam. Der Kunde muss sich wohlfühlen.

Das „Einkaufserlebnis“ hängt auch Studien zufolge extrem

vom Verhalten und Wissen des Mitarbeiters ab –

weniger davon, ob ich meine Waren wie Kunstwerke in

einem Museum darbiete und zelebriere. Derart durchgestylte

Läden wirken oft sehr kalt und wenig lebendig.

Worauf kommt es an?

Der Kunde will einfach und komfortabel einkaufen,

schnell finden, was er sucht. Daher müssen wir den Laden

oft umräumen, um wetter- und saisongerecht die

Bedürfnisse zu erfüllen.

Wie schwierig ist es für Verkäufer zu erkennen,

wann der Kunde mit ihm in Kontakt treten will?

Ein erfahrener Verkäufer liegt in 90 Prozent der Fälle

Warum?

Bei diesen Sportarten können extreme äußere Bedingungen

herrschen: bis minus 40 Grad C, Wind über 100

km/h, Schneetreiben, Lawinengefahr. Dementsprechend

hoch sind die Anforderungen an Bekleidung,

Schuhe und Gerät – vom Schlafsack und Zelt über Seile,

Keile bis hin zur Lawinensicherheitsausrüstung. So eine

Beratung dauert leicht drei bis vier Stunden.

So lange?

Am Berg kann es um Leben und Tod gehen! Beim Thema

Sicherheit muss alles passen. Das sind die Königsdisziplinen

im Sportfachhandel. Wir haben Himalaya-

Expeditionen ausgestattet; einige unserer Mitarbeiter

sind selbst, privat, in diesen Bergregionen unterwegs.

Unsere Leute sind leidenschaftliche Sportler, mit viel

Praxiserfahrung – in allen Segmenten. Das ist unser

Anspruch. Bereiche, in denen wir den nicht erfüllen,

lassen wir lieber sein.

Gibt es dafür ein Beispiel?

Als wir 2001 an die Bahnhofstraße umgezogen sind,

gab es einen Golf-Boom. Wir hatten viel Platz und richteten

scheinbar folgerichtig eine Golfabteilung ein.

Nur spielt keiner von uns beiden Golf. Keiner unserer

Mitarbeiter war ein wirklicher Golffreak – oder eben

spezialisiert. Die Abteilung gibt es nicht mehr, sie funktionierte

nicht. Weil wir in der Beratung nicht kompetent

genug waren. Das war uns eine Lehre: Wir konzentrieren

uns auf die Themen, die wir beherrschen.

Was machen Sie, wenn Sie erkennen, dass ein Kunde

nicht fit genug ist? Etwa für einen Klettersteig.

12


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[titelthema]

Wer auf einen Klettersteig geht, benötigt einen Gurt,

trittsichere Schuhe und einen Helm. Aber nur weil jemand

eine gute Ausrüstung kauft, ist er nicht alpintauglich.

Zu einer guten Beratung gehört eben auch

Aufklärung. Einsteigern erklären wir, wie sie diesen

Sport beginnen sollen, empfehlen ihnen ein Anfängerbuch

und raten eindringlich, mit der leichtesten Kategorie

A anzufangen. Und vorher Kurse zu machen.

Sehen Sie sich in der Beratungspflicht?

Natürlich. Wir kümmern uns nicht nur um die Wünsche

des Kunden, sondern schauen auch, welche körperlichen

Voraussetzungen er mitbringt.

Sie sind selbst Bergsteiger. Was erleben Sie da so?

Diesen Sommer waren wir zusammen auf dem Hindelanger

Klettersteig. Kaum zu fassen, wie die Leute da

zum Teil unterwegs sind – etliche hatten eine völlig

unpassende Ausrüstung und waren alles andere als fit.

Manche hatten Joggingschuhe an, hatten keine oder

gruselige Helme. Es war abenteuerlich. Ein Glück, dass

es trocken und einigermaßen griffig war. Ist es nur ein

bisschen feucht, wird so ein Ausflug schnell extrem gefährlich.

Ehrlich gesagt haben wir uns danach gewundert,

dass nicht mehr Unfälle passieren.

Was geben Sie Einsteigern mit auf den Weg?

Am besten schließen sie sich die ersten Male geführten

Touren an. Mit einem Verein oder einem eigenen Berg-

Leute mit Joggingschuhen und

gruseligen Helmen auf dem

Klettersteig: Bei dem Anblick

schüttelt es die bergerfahrenen

Brüder.

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Lösung zur Strukturierung von

Arbeitsplätzen und Optimierung

der Raumakustik.

Fragen Sie nach detaillierten Unterlagen

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13


[titelthema] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Was hilft, um gegen die Online-Konkurrenz

zu bestehen?

Völlig klar für Oliver Holbein:

Beratung und Service –

auch nach dem Kauf.

führer. Auch wir hatten einen Bergführer auf dem Klettersteig

dabei. Wir arbeiten übrigens mit den drei DAV-

Sektionen in der Region Ulm/Neu-Ulm zusammen und

empfehlen auch ihre Kurse.

Gibt es weitere Tipps?

Am Sparkassen-Dome in Neu-Ulm gibt es eine Klettersteig-Anlage.

Da kann man die Sache ausprobieren und

sich Basics erklären lassen. Man findet schnell selbst

heraus, ob man weitere Hilfe benötigt.

Welche Rolle spielen Dienstleistungen

rund ums Sportgerät?

Sie sind unverzichtbar. Das ist wie

der Kundendienst am Auto. Das

Spektrum reicht vom Skiwachsen

und Kantenschleifen übers Schläger-Bespannen

und Wanderschuhe-

Neu-Besohlen bis hin zu Updates

für elektronische Geräte. Richtig

spannend wird es bei der Individualisierung

von Produkten.

Ein Skischuh

kann fast so

gut passen

wie ein

Pantoffel

Inwiefern?

Beispiel Skifahren: Viele kennen es, dass die Füße taub

oder kalt werden, dass die Skischuhe drücken. Das

muss nicht sein. Man kann sie individuell anpassen.

Bei der Schale wird das über ein Vakuumverfahren gemacht;

zuerst werden sie erhitzt, dann zieht der Kunde

die Schuhe wieder an, darüber kommt eine Art Überschuh,

der mit Luft gefüllt wird. Innenschuh und Sohle

lassen sich dann auch durch Erwärmen verändern.

Wie wichtig sind solche Angebote, um sich gegenüber

der Online-Konkurrenz abzugrenzen?

Sehr wichtig. Das sind keine Produkte von der Stange.

So etwas kann kein Online-Shop. Wir sind mittlerweile

in der Lage, nahezu alle Schuhe individuell anzupassen,

selbst Fußballschuhe.

Was ist ihr wichtigster Trumpf?

Beratung und Service auch nach

dem Kauf. Die Kunden können zu

uns kommen, wenn sie mit einem

Produkt nicht klarkommen oder

wenn ein Defekt aufgetreten ist.

Wir lösen Probleme. Mit der Sport-

Sohn-Kundenkarte gibt es automatisch

eine Zufriedenheitsgarantie.

Wer etwa mit seinem neuen

Ski auf der Piste nicht glücklich ist,

wird noch einmal gründlich beraten – und wir tauschen

das Produkt dann auch um. Für uns gibt es nichts

Schlimmeres, als wenn ein Kunde das falsche Produkt

erhält. Nur so können wir wettbewerbsfähig sein –

auch gegenüber reinen Online-Playern.

Wie entwickelt sich Ihr Online-Shop?

Wir haben dort nur ein sehr schmales Sortiment: Ski

im Winter, Zelte im Sommer.

14


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[titelthema]

Woher kommen Ihre Online-Kunden?

Die Online-Kundschaft wohnt 100 Kilometer und weiter

von Ulm entfernt, München, Stuttgart ... Die Leute,

die in der Nähe leben, kommen zu uns ins Geschäft.

Denken Sie nur an Alpin-Ski. Hier wird alles innerhalb

von 60 Minuten passgenau eingestellt, das kann „online“

nicht gemacht werden.

Wie funktioniert das Ski-Geschäft im Internet?

Über den Preis und Nischenprodukte. Wir sehen „online“

jetzt ja noch als Lernprojekt. Manchmal machen

wir Ski deutlich günstiger als der bis dato billigste Online-Anbieter.

Keine zwei Stunden später haben die

Schnäppchenjäger bestellt.

Gibt es die Online-Preise auch im Laden?

Natürlich. Wir ändern die Preise im Netz erst, nachdem

sie in der Abteilung gesenkt wurden. Bei uns wird es

nie einen Cent Abweichung geben. Gleiche Preise für

alle sind eine Grundvoraussetzung im Handel.

Wie beurteilen Sie den boomenden Online-Handel?

Der Wettbewerb ist knallhart und wird durch das große

Kapital und große Anbieter dominiert: europaweite,

wenn nicht weltweite Online-Plattformen. Der Wert

dieser Unternehmen wird nach Wachstumsphan tasien

und Höhe der Marktanteile bewertet und nicht daran,

ob sie Handelserträge erwirtschaften. Unternehmen

wie Zalando sind bisher den Beweis für die nachhaltige

Ertragsgewinnung schuldig geblieben. Im Grunde sind

das reine Finanzprodukte – Wetten in die Zukunft. Daher

auch der Gang an die Börse. Nahezu alle Unternehmen

aus unserer Branche, die als Benchmark für Onlinehandel,

Onlineshops gelten oder gegolten haben,

arbeiten defizitär, sind insolvent oder werden von Finanzinvestoren

gesteuert. Online-Umsatz zu machen,

ist nicht schwierig; online Geld zu verdienen, ist derzeit

fast nicht möglich.

Was heißt das für SportSohn.de?

Wir glauben nicht, dass SportSohn.de oder SportSohn.

com deutschlandweite Relevanz erfahren wird. Um

sich als Marke im Internet zu etablieren, braucht es Kapital

ohne Ende, aggressives Marketing. Für mittelständische

Unternehmen ist das nicht zu leisten. Drittplattformen

wie Amazon dagegen bringen Millionen Klicks

am Tag; aber weil sie als Händler eine Provision von bis

zu 20 Prozent abführen müssen, bleibt kein Ertrag übrig.

Bevor wir Amazon Provisionen in den Rachen stecken,

investieren wir unser Geld lieber in gute Preise

für unsere Kunden und in unser Mitarbeiterteam.

Christoph Holbein hält nichts

davon, Online-Plattformen

wie Amazon Provisionen in

den Rachen zu stecken. Das

Geld investiere man lieber in

gute Preise für die Kunden

und ins Mitarbeiterteam.

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.

Mehr über die Faszination der bulthaup Küche

erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.

www.gruener-bulthaup.de

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Grüner GmbH. Neue Straße 113. 89073 Ulm

Tel. 0731 92 70 59 30

15


[titelthema] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Bei einer so riesigen Auswahl ist Beratung elementar. Die Mitarbeiter sind selbst Sportler und ausgewiesene Kenner in ihren Fachgebieten.

Pistenverbot

am Arlberg

Trends aufzunehmen und selbst zu setzen.

Diesen Anspruch verfolgt Sport Sohn

seit 65 Jahren. Christoph und Oliver Holbeins

Großmutter, Ilse Sohn, hatte ein

ausgeprägtes Stil- und Modebewusstsein.

Sie brachte Marken aus Frankreich und

Italien nach Ulm und Neu-Ulm, zu einer

Zeit, in der Sportfachhändler die Funktionalität

der Sportgeräte in den Vordergrund

stellten. In den frühen 80er Jahren

waren die Holbeins gar zu fortschrittlich

für die Pistenwarte der Arlberger Bergbahn

in St. Anton. Ihr Vater Bernd (72),

der heute noch in der Firma mitarbeitet,

hatte von der Sportartikelmesse Ispo

Snowboards mitgebracht. Die Weltneuheit

sollten seine sportbegeisterten Jungs am

Arlberg ausprobieren. Nach drei Abfahrten

erhielten sie Pistensperre und Liftverbot.

In der Folge schuf Sport Sohn seine

eigene Snowboardmarke und hatte – bis

die großen Hersteller die Zeichen der Zeit

erkannten – einen Marktanteil von zehn

Prozent. Aus einer Verkaufsfläche von

200 Quadratmetern im Jahr 1950 sind bis

heute rund 6000 geworden. Inklusive Büro-,

Lager und Dekoräumen kommt Sport

Sohn auf 10.000 Quadratmeter.

Die Zahl der Lieferanten und Hersteller erhöhte

sich von 5 auf 350. Sport Sohn ist

mit Läden in Ulm und Neu-Ulm vertreten

und hat einen Lagerverkauf sowie eine

Tennis- und Freizeitanlage in Neu-Ulm-

Ludwigsfeld. Das Unternehmen beschäftigt

mehr als 200 Mitarbeiter, auf Vollzeitstellen

umgerechnet etwa 110, und 20

Auszubildende.

AMB

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Online-Shop?

Wir wollen erreichbar sein, auch wenn unsere Kunden

am Sonntag auf dem Sofa liegen. Sie sollen online unser

Lager durchstöbern können, schauen, ob wir einen

gewünschten Artikel in ihrer Farbe und Größe verfügbar

haben und was er kostet. Wenn er gefällt, können

sie ihn für sich reservieren und einen Beratungstermin

vereinbaren, um zum Beispiel die

Größe und Passform zu prüfen.

Stammkunden können auch online

bestellen. Dafür bereiten wir unseren

Online-Shop und unsere EDV

aktuell im Hintergrund vor.

Je mehr

Leute wir auf

die Bretter

bringen,

desto besser

Themenwechsel: Seit 1960 unterhält

Sport Sohn eine eigene

Skischule. Wie ist sie ausgelastet?

Das hängt stark an der Schneelage und dem Wetter.

Wenn beides passt, ist die Auslastung gut. Schwerpunkt

sind Kinder, Einsteiger und Wiedereinsteiger.

Wir haben ein tolles Skilehrer-Team, gestandene, erfahrene

Leute mit hoher sozialer Kompetenz. Man

spürt, dass sie die Kurse nicht wegen des Geldes, sondern

aus Leidenschaft machen. Wir bekommen sehr

viele positive Rückmeldungen von den Teilnehmern.

Wie ist die Konkurrenzsituation?

Ehrlich gesagt ist die Skischule ein Non-Profit-Unternehmensteil.

In schneearmen Wintern gleichen wir

das Defizit aus. Wir sehen auch Vereine, die Skikurse

anbieten, nicht als Konkurrenten.

Im Gegenteil: Je mehr Menschen

wir und die Vereine zusammen auf

die Bretter und in den Schnee bringen,

desto besser.

Sie haben einen zweiten Laden

in Neu-Ulm – und überdies einen

Lagerverkauf im Stadtteil

Ludwigsfeld. Wie läuft der?

Wir sind zufrieden. Schwaben

sind bekanntlich Schnäppchenjäger – erst recht in Zeiten

von Rabattaktionen landauf landab. Nach der Abschaffung

des Rabattgesetzes und der Sonderverkaufsregulierung

haben die sogenannten Rotpreise deutlich

zugenommen; Tendenz weiter steigend. Darauf gehen

wir mit unserem Lagerverkauf ein. Es bleibt ja in unse-

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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[titelthema]

ren beiden Häusern zum Saisonende immer Ware übrig.

Ziel ist es, 80 Prozent abzuverkaufen. Wir ergänzen

das durch gezielte Einkäufe vom Restlager der Industrie

– europaweit, nicht nur in Deutschland.

Welche Ware läuft am besten?

Die Umsatzanteile sind ähnlich wie in unseren regulären

Geschäften: 55 Prozent Textil, 25 Prozent Schuhe,

20 Prozent so genannte Hartware.

In Ludwigsfeld steht auch Ihre große Tennis- und

Freizeitanlage: Wer kommt dorthin?

Freizeitsportler, die nicht an Vereinstrainingszeiten gebunden

sein wollen. Vereinsspieler, die im Winter

keine eigenen Hallenplätze haben, Betriebssportgruppen.

Auf unserer Anlage ist der erste Ulmer Squash

Club beheimatet, Tennistrainer nutzen unsere Plätze

für Unterricht. Zudem bieten wir Badminton- und

Tisch tennisplätze an. In den 70er Jahren waren wir eine

der ersten kommerziellen Tennis-Anlagen in Süddeutschland.

Wie ist das Altersspektrum?

Die Tennisspieler sind oft zwischen 55 und 60 Jahre, der

Älteste ist über 80 Jahre alt. Die Squasher sind zwischen

25 und 30 Jahren. Die Badminton-Plätze nutzen neben

Freizeitspielern auch Familien.

Was ist vom Tennishallen-Boom übriggeblieben?

In den 80er, 90er Jahren lösten Boris Becker, Steffi Graf

und Michael Stich einen Boom aus. Es entstanden viele

Anlagen. Doch die Begeisterung hat sich überlebt, in

den vergangenen 15 Jahren haben viele Betreiber ihre

Hallen und Anlagen geschlossen. In Ulm/Neu-Ulm

sind wir der letzte Anbieter für Squash und Badminton.

Auch im Tennis gibt es nur noch wenige Anbieter. Wir

haben in den letzten Jahren stabile Zahlen mit leichter

Aufwärtstendenz.

Wie kostenintensiv ist eigentlich der Unterhalt einer

solchen Anlage?

Enorm. Die Energiepreise für Strom, Heizung und Wasser

sind sehr dynamisch. Wir haben über 8000 Quadratmeter

Hallenflächen zu versorgen. Unser betriebswirtschaftliches

Ziel ist eine schwarze Null, um das

Sportangebot für die Region erhalten zu können.

Sport Sohn ist – wie Sie auf Ihrer Homepage

schreib en – das größte Sportgeschäft zwischen

Stuttgart, München und Bodensee. Wie stehen sie

im Branchenvergleich da?

Wir sind im Umsatz in den Top 10 der nicht-filialisierten

stationären Sporteinzelhandelsgeschäfte in

Deutschland. Ulm und Neu-Ulm kommen zusammen

auf knapp 180.000 Einwohnern und liegen im Ranking

der Großstädte bundesweit etwa auf Rang 40. Die anderen,

führenden Sportfachgeschäfte sind in deutlich

größeren Städten.

Der Tennis-Boom der 80er

hat sich überlebt. Ihre eigene

Anlage betreiben die Geschäftsführer

vor allem deshalb

noch, um das Sportangebot

für die Region zu erhalten.

Ziel: eine schwarze Null.

DEKRA Akademie qualifiziert:

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Entsorgungslogistik

Gefahrgutfahrer/-in und Gefahrgutbeauftragte/-r

Fachkraft Lagerlogistik und Logistikmeister/-in

Gabelstapler bedienen (jährliche Unterweisung)

Brandschutzhelfer/-in mit Feuerlöschübung

Hubarbeitsbühne

Baustellensicherung

Regalanlagen prüfen

Hygiene im Lebensmitteltransport

SAP (auch berufsbegleitend)

DEKRA Akademie GmbH | Tel.: 0731.93769-0 | www.dekra-akademie.de/ulm

17


[titelthema] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Warum ziehen Sie eigentlich nicht als Mieter in die

Sedelhöfe ein; sie sollen ja laut Plan 2018 vollendet

sein.

Zu unseren Grundsätzen gehört, in den eigenen Läden

zu arbeiten und nicht in gemieteten. Multi-Label-

Händler wie wir können nur überleben, wenn sie die

Mietkosten im Griff haben: Entweder sie zahlen an sich

selbst Miete oder diese ist so niedrig, dass sie auch mal

einen Umsatzrückgang verkraften können.

Was ist der Hintergrund?

Im Einzelhandel gibt es drei große Kostenblöcke: Der

wichtigste und teuerste ist der Wareneinkauf. Den

können sie selbst steuern. Den zweiten Block, also die

Personalkosten, können Sie auch anpassen – wobei so

etwas schmerzhaft ist.

Oliver und Christoph Holbein

im Gespräch mit Karen

Emler, der Ressortleiterin

Wirtschaft der SÜDWEST

PRESSE, und Alexander

Bögelein, dem Redaktionsleiter

unternehmen [!]“.

DAS INTERVIEW FÜHRTEN

KAREN EMLER,

LEITERIN DER

WIRTSCHAFTSREDAKTION

DER SÜDWEST PRESSE,

UND ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

FOTOS:

LARS SCHWERDTFEGER

DOKUMENTATION:

ISABELLA BURK

Wollen Sie expandieren?

Grundsätzlich gibt es dazu zwei Möglichkeiten: Filialisierung

oder Flächenzuwachs am Standort.

Welche bevorzugen Sie?

Filialisierung ist für uns kein Thema. Wir haben schon

viele Angebote bekommen, gute Standorte in Stuttgart,

Augsburg, München oder Nürnberg zu übernehmen.

Aber ein großes Haus wie unseres in Ulm mit einem

Vollsortiment auf hohem Niveau, tiefer Spezialisierung

und hoher Beratungsintensität lässt sich nicht

vervielfältigen. Unser Mitarbeiter-Team ist in vielen

Jahrzehnten gewachsen, wir haben Betriebszugehörigkeiten

von mehr als 40 Jahren. Das können Sie an einem

neuen Standort nicht einfach aus dem Hut zaubern.

Ein solches Team muss über Jahre wachsen.

Aber es gibt doch Sportfilialisten?

Schauen Sie sich die Ergebnisse der meisten Sportfilialisten

in Deutschland an – das ist für uns nicht erstrebenswert.

Sporteinzelhandel auf hohem Niveau ist zu

komplex für eine Filialisierung. Das haben schon viele

versucht, nach unserem Erachten hat es keiner gut hinbekommen.

Nicht weil alle anderen doof sind, sondern

weil es sehr schwierig ist – wenn nicht gar unmöglich.

Bleibt also nur der Flächenzuwachs an Ihrem

Standort.

Ja, doch auch das ist schwierig. Direkt neben unserem

Standort in Ulm soll das Handels- und Wohnprojekt

„Sedelhöfe“ gebaut werden. Wir wollten uns als Eigentümer

beteiligen und hätten uns an jede Vorgabe gehalten.

Aber die Stadt Ulm konnte oder wollte uns das

nicht ermöglichen.

Und der dritte?

Das ist eben die Miete. Wenn sie in einem Vertrag drinstecken,

lässt ihnen der Vermieter in der Regel nichts

nach. Geht der Umsatz zurück, sitzen sie schnell in

einer Kostenfalle und sie kommen an einen Punkt, wo

sie defizitär arbeiten. Dann können sie gleich aufhören.

Das Thema Miete ist für uns existenzentscheidend, wir

wollen, dass dieser Faktor in unserer Hand bleibt.

Wie beurteilen Sie die neuen Sedelhof-Pläne?

Das städtebauliche Konzept des neuen Investors DC

Commercial passt. Es ist die natürliche Verlängerung

der Fußgängerzone, die künftig auf einem neuen Platz

enden beziehungsweise beginnen wird. Alle Geschäfte

des Großprojektes „Sedelhöfe“ sind dahin ausgerichtet.

Die Kunden werden nicht zwangsweise durch das Handels-Großprojekt

geführt, sie haben einen Überblick,

haben Verweilqualität. So haben wir uns das Konzept

immer gewünscht; wir hatten ja auch versucht, die Pläne

des aufgelösten Investors MAB in diese Richtung

anzupassen. Die neue städtebauliche Idee gefällt nicht

nur den Einzelhändlern besser, sondern auch der Bevölkerung.

Es ist augenscheinlich, dass die Innenstadt

so besser funktioniert. Prima.

Und was halten Sie von dem Handelskonzept, das

hinter der Großinvestition steht?

Es ist anspruchsvoll. DC Commercial plant im Vergleich

zur MAB-Variante mit größeren Flächen pro

Geschäft, bis zu 3500 Quadratmeter. Es sind weniger

Flächen, man kann die Mieter nicht so leicht austauschen.

Aber es ist auch eine große Chance, relevante

und ausstrahlungskräftige Händler nach Ulm zu bekommen.

Wir finden das Konzept richtig, mutig und

zeitgemäß, weil sich die Nachfrage im Handel seit zwei

Jahren hin zu größeren Flächen verschiebt. Wir drücken

die Daumen, dass die Vermietung klappt und attraktive,

starke Unternehmen kommen. Wir freuen

uns darauf. [!]

18


Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Die Schwabengarage GmbH ist unter neuer Leitung

Herr Andreas Dobbert ist seit

01.Juli 2015 für die Schwabengarage

GmbH zuständig und

damit verantwortlich für die

Niederlassungen Neu-Ulm, Biberach,

Heidenheim und Geislingen.

Herr Dobbert arbeitet bereits

seit 1991 für das Unternehmen

Schwabengarage GmbH/

Emil Frey Gruppe Deutschland.

Zuletzt war er Geschäftsführer

der AHZ Automobil Handelszentrum

GmbH und für die

Marken Toyota und Lexus verantwortlich.

Herr Dobbert ist

51 Jahre alt, verheiratet und hat

zwei erwachsene Kinder.

Er freut sich auf die neue Aufgabe

und hat sich zum Ziel gesetzt,

– die Kunden in den Fokus

des Unternehmens zu stellen,

wofür vor allem ein gutes

Betriebsklima verantwortlich

zeichnet,

– das Unternehmen weiterhin

auf ein gesundes Wachstum

auszurichten

– den traditionsreichen Namen

„Schwabengarage“ zu pflegen

und insbesondere die Werte des

Gesellschafters der Emil Frey

Gruppe, zu leben.

AB 12.09.2015

BEI UNS

AB 12.09.2015

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Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Typisch Ford:

der neue Ford S-MAX

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Audiosystem CD inkl. Ford SYNC 2 mit Touchscreen

(20,3 cm Bildschirmdiagonale), Fahrspur-Assistent

inkl. Fahrspurhalte-Assistent und Müdigkeitswarner,

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Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford S-MAX: 8,0 (innerorts), 5,6 (außerorts), 6,5

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 149 g/km (kombiniert).

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Galaxy: 8,0 (innerorts), 5,6 (außerorts), 6,5 (kombiniert);

CO 2

-Emissionen: 149 g/km (kombiniert).

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Gilt für Privat- und gewerbliche Kunden (außer Autovermietern, Behörden,

Kommunen sowie gewerblichen Abnehmern mit gültigem Ford-Werke

Rahmenabkommen). Gilt für einen Ford S-MAX Titanium 1,5-l-EcoBoost-

Benzinmotor 118 kW (160 PS) (Start-Stopp-System), inkl. Überführungskosten

in Höhe von € 890.

1

Gilt für Privat- und gewerbliche Kunden (außer Autovermietern, Behörden,

Kommunen sowie gewerblichen Abnehmern mit gültigem Ford-Werke

Rahmenabkommen). Gilt für einen Ford Galaxy Trend 1,5-l-EcoBoost-

Benzinmotor 118 kW (160PS) (Start-Stopp-System), inkl. Überführungskosten

in Höhe von € 890.

19


[gründen] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Drehen an der eigenen Schraube

Das Angestelltendasein war einfach nichts mehr für die Bauingenieure Stefan Brand und Leander Gleinser – immer

behielt ein Vorgesetzter das letzte Wort. Also wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit.

Die Einrichtung im kleinen Büro im

Neu-Ulmer TFU-Gründerzentrum ist

noch eher minimalistisch, die Visitenkarten

sind noch nicht gedruckt. Bis vor wenigen

Tagen standen selbst die Listeneintragungen

und Mitgliedschaften in der Bayerischen

Inge nieurekammer-Bau aus. Jetzt wäre auch

diese Klippe genommen; wahrlich, Klippen

gab es während der gerade mal dreimonatigen

Gründungsphase nicht wenige. Als unüberwindbar

aber hat sich bislang keine erwiesen.

Eher als Steinbrocken auf dem Weg in die

Selbstständigkeit – und im Rückblick

schrumpfen sie eher noch.

Bislang jedenfalls läuft es so richtig gut im

jungen, als GmbH geführten Bauingenieursbüro

„Brand & Gleinser“. Sogar die Auftragsbücher

sind schon gut gefüllt, obwohl der offizielle

Start gerade erst einen Monat

zurückliegt. Da machten sich die guten Kontakte

aus achtjähriger Berufserfahrung der

beiden 33-Jährigen bezahlt. Was die Finanzierung

betrifft, hätten sie bei den regionalen

Banken offene Türen eingerannt. „Diesen

reichte der Hinweis auf unseren Beruf und ein

kurzer Blick in den Business-Plan“, berichtet

Leander Gleinser – und schon räumte die

Bank eine Kreditlinie von 100.000 Euro ein:

das Startkapital. Nur bei der Agentur für Arbeit,

bei der sie noch aus dem Angestelltenverhältnis

heraus einen Gründerzuschuss beantragen

wollten, passten sie anfangs nicht

recht ins Schema. „Die waren auf Vermittlung

gepolt.“ So zog sich die Zusage für den Zuschuss,

der Arbeitslosigkeit und erfolglose

Bewerbungen voraussetze, erst mal hin.

WARUM NICHT BALD WACHSEN?

Denn welcher Bauingenieur mit Berufserfahrung

ist derzeit schon arbeitslos? Deshalb ja

auch die frühen Aufträge. „Für die kommenden

Quartale ist der erforderliche Grundumsatz

schon beinahe gesichert“, erwähnt Stefan

Brand. So rücken bei den Gründern bereits

jetzt Gedanken nach vorne, die laut Plan noch

ein wenig Zeit gehabt hätten: „Sollen wir uns

personell verstärken?“ Vorerst ist Entlastung

von Bürotätigkeiten angesagt, mittel- bis langfristig

aber solle ihr Büro auf 10 bis 15 Mitarbeiter

wachsen, auf eine Größe also, „mit der

man eigentlich alles hinkriegt“. Also auch

Großaufträge in der komplexen Kombination

von Beton- und Stahlbau. Das Feld, das die

Selbststständig statt sicherem Job ? Schraube locker?

Von wegen. Das Ingenieurbüro von Leander

Gleinser (links) und Stefan Brand läuft.


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[gründen]

Bauingenieure beackern, ist die bautechnische

Planung im Bereich Industrie- und Anlagenbau.

Bisher waren die Jungunternehmer für Auftraggeber

weltweit im Einsatz; an dieser internationalen

Ausrichtung wollen sie auch weiterhin

festhalten. Nicht aber an der einseitigen

Koppelung an eine einzige Branche, wie sie

sie in ihrer alten Firma kannten: Grund: „Eine

höhere Diversifizierung reduziert die Abhängigkeit

von konjunkturellen Einschnitten.“

Dass sie den Fuß auch bei der regionalen Wirtschaft

in die Türe bekommen wollen, hängt

gleichermaßen damit zusammen.

Mit ihrem ersten Auftrag hat schon mal beides

geklappt – die Entwurfsplanung für ein

Parkhaus. Auftrag Nummer zwei ist dagegen

die Fortsetzung des bisherigen Tätigkeitsschwerpunkts.

Im Auftrag eines Schweizer

Unternehmens konzipieren die Ingenieure

Kalkschachtöfen für dessen internationale

Kundschaft. Als Besonderheit kommt hinzu,

dass die allermeisten der Öfen ausgerechnet

in stark erdbebengefährdeten Gebieten gebraucht

werden – ein Spezialgebiet des jungen

Büros.

Ihr bisheriger Arbeitgeber hat die beiden nur

ungern ziehen lassen. „Die Trennung war unser

größtes Sorgenkind“, räumen die Gründer

ein, „doch auch dieser Punkt ist schließlich

weitaus besser gelaufen als gedacht.“

Mehr als ein Jahr waren sie mit der Idee

schwanger gegangen, ein eigenes Büro auf die

Füße zu stellen. Der „sehr ausführliche“ Business-Plan

entstand binnen dreier Monate. Warum

sie sich aus einer gesicherten Position

heraus überhaupt ins Risiko begeben haben?

Gleinser erklärt es an einem Beispiel aus der

Praxis: „Stahlverbindungen lassen sich mit

vielen kleinen oder mit wenig großen Schrauben

herstellen.“ Ja und? „Ich möchte bestimmen

können, welche Variante gewählt wird.“

Auf eine höhere Ebene übertragen, heißt dies:

Es geht um die Frage, welche technische Linie

ein Büro vertritt. Und künftig sind die beiden

Herr darüber. [!]

THOMAS VOGEL

Die verflixte Sache

mit der Motivation

Sie seien auf derselben Wellenlänge,

„und wir können uns offen die Meinung

sagen.“ Stefan Brand und Leander

Gleinser sehen darin eine wichtige Voraussetzung

für die gemeinsame Arbeit

– vor allem, wenn eines Tages der personelle

Ausbau des Büros akut wird.

Mit zwei Fragen haben sie sich schon

jetzt intensiv auseinandergesetzt:

Wie bekommen wir qualifiziertes Personal?

Und wie schaffen wir es, dessen

Motivation hoch zu halten? Letzteres

werde sehr stark von ihrem eigenen

Verhalten gegenüber den Mitarbeitern

in spe abhängen, sind sich die jungen

Bauingenieure sicher. Da wird es gewiss

kein Nachteil sein, wenn sie zur

Selbstreflexion fähig sind und mit dem

Partner gegebenenfalls offen über kontraproduktives

Verhalten sprechen

können.

THV

21


[spezial] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Daten sind wie Rohöl

Ein gewaltiger Schatz schlummert ungeborgen in den EDV-Systemen etlicher Unternehmen: vielfältigste Daten und

Informationen. Wirklich kostbar werden sie, wenn man sie vernünftig verarbeitet und intelligent nutzt.

Vor wichtigen Entscheidungen stehen

die Chefs mittelständischer Unternehmen

täglich. Sei es die Preisgestaltung,

sei es die Kundenausrichtung – der Geschäftsführer

ist gefragt und muss wissen, wo es hin

gehen soll. Jeder gute Unternehmensführer

muss die Kunst beherrschen, nicht aus dem

Bauch heraus irgendwo hinzupreschen, sondern

von einer sicheren Basis aus zu handeln.

Unerlässlich dafür: Informationen.

Florian Heim wollte sich diese Entscheidungen

erleichtern und suchte Anhaltspunkte

dafür. Für den Geschäftsführer des Hagenauer

Haushaltsgerätehändlers „Heim Hausgeräte“

ist es wichtig, sich in der Zeit von Versandund

Internethandel nicht abhängen zu lassen.

„Zu der Zeit kam dann der E-Business-Lotse

Ulm-Oberschwaben auf uns zu und fragte, ob

wir bei einem Projekt zur Analyse von Unternehmensdaten

mitmachen wollten“, berichtet

Heim. Der Fachbetrieb aus der Bodenseeregion

ergriff die Chance – und sprang auf den

großen „Big Data“-Zug auf.

Das Schlagwort „Big Data“ steht für die massenhafte

Ansammlung von Daten in der digitalisierten

Welt. Im Jahr 2015 werden laut der

Studie „Digital Universe“ über 8590 Exabyte

an Daten anfallen, das sind etwa acht Billionen

Gigabyte. Sie entstehen, weil praktisch

überall, wo Menschen oder Maschinen interagieren,

ständig Daten produziert werden.

Die Bandbreite ist enorm. Daten können alles

sein: von Ihrem letzten Einkauf über eine der

200 Millionen Mails, die pro Minute versandt

werden, bis hin zu Adressen und Telefonnummern.

SMART STATT BIG DATA

Es ist kein Geheimnis mehr, dass diese Daten

sehr wertvoll sind. „Daten sind das Rohöl des

21. Jahrhunderts“, findet IT-Professor Manfred

Reichert von der Universität Ulm. Der

Wissenschaftler hat das Themenfeld schon

länger im Blick. An dem Begriff „Big Data“

stört er sich ein wenig: „Das ist momentan ein

absoluter Hype, der den Begriff viel zu

schwammig macht, da wird irgendwie alles,

was mit Daten zu tun hat, zusammengeworfen.“

So sieht es auch Thomas Menner, der IT-

Experte des E-Business-Lotsen. Er fände es

besser, den Begriff „Smart Data“ zu verwenden:

„Eigentlich geht es ja darum, die anfallenden

Daten intelligent zu nutzen.“

An dieser Stelle wird es für die Unternehmen

interessant. Denn die Daten besitzen sie ja bereits.

Sie müssen nur den Weg finden, sie auch

IT-Professor Manfred Reichert

, Universität Ulm.

wirklich vernünftig

zu nutzen. Vom

Entschluss, Daten

im Unternehmen

auszuwerten, hin

zu diesem Ziel, ist

der Weg freilich

oft weit – und mit

einem guten

Stück Arbeit gepflastert.

Am Anfang steht

einer der wichtigsten

Schritte überhaupt: die Auswahl der Daten.

Schon in einem eher kleinen Unternehmen

mit 80 Mitarbeitern ist eine Datenmenge

von einem Terabyte, also 1000 Gigabyte pro

Bevor das hochgepumpte Rohöl in Tanks und Kesseln landen kann, stehen

etliche, raffinierte Verarbeitungsschritte an. Foto: © igor/Fotolia.com

22


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[spezial]

Tag, gut möglich. Klar sind Umsatzdaten immer

schon von Interesse gewesen, jedoch können

beispielsweise auch Daten von Maschinen

(etwa deren Arbeitszeiten) oder von

Produkten wichtige Erkenntnisse liefern. Dagegen

dürften die Nutzungszeiten der Kaffeevollautomaten

in einem Unternehmen von

eher geringem Interesse sein. Man muss also

zunächst sortieren und aussondern. Dieser

Prozess geht dann nahtlos in die Aufbereitung

der Daten über.

DIE FEHLERHAFTE HAND

Reichert veranschaulicht den Vorgang abermals

mit Öl: „Wenn man die Daten als Rohöl

bezeichnet, dann macht das deutlich, dass

man sie erst aufbereiten muss, um sie nutzen

zu können. Das ist der größte Aufwand bei der

Sache.“ Aufbereiten bedeutet, dass die Daten

in eine einheitliche, konsistente Form gebracht

werden müssen. Dabei ist es zentral,

wie sie gespeichert sind. E-Business Experte

Menner hat Unternehmern wie Florian Heim

bei der Aufbereitung geholfen und berichtet:

„In den meisten Unternehmen erfolgt die Dateneingabe

händisch, zum Beispiel via Excel.

Dabei entstehen natürlich viele Fehler, die

aufwendig beseitigt werden müssen. Es ist

schon schwierig, wenn verschiedene Begriffe

für dieselbe Sache benutzt werden.“

Deutlich einfacher ist der Prozess, wenn

das Unternehmen bereits ein Softwareprogramm

benutzt, das Daten in

einer einheitlichen Form speichern

kann.

Bereits bei der Aufbereitung sollte man

wissen, für welches Datenbanksystem

man die Daten bereitmacht. Grundsätzlich

kann hier die Überlegung helfen,

welche Daten analysiert werden

sollen. In der Regel sind sogenannte

strukturierte Daten, wie etwa Zahlen,

Namen oder Adressen, am wichtigsten für Unternehmen.

E-Mails wiederum gelten als semi-strukturierte

Daten: Sie haben zwar eine

Adresse, der Text aber ist nicht strukturierbar.

Unstrukturierte Daten sind zum Beispiel Bilder,

Fehlerberichte oder Fließ texte.

Nach dieser Einteilung kann man dann eine

Software auswählen. Die Auswahl am Markt

freilich ist gewaltig. Menner rät „Es gibt genügend

frei verfügbare Programme, die das können,

was ein Unternehmen im Mittelstand

braucht. Da muss also kein teures Geld für eine

Software lizenz ausgegeben werden.“

Beispiele dafür sind das Microsoft-Excel-Add-

In „Power Pivot“ oder das freie Framework

„Apache Hadoop“. Diese Datenbanksysteme

sind in der Lage, die eingespeisten Daten aus

Excel, einem Customer-Relationship-Managementprogramm

oder auch jeder anderen konsistenten

Quelle zu verarbeiten, zu verknüpfen

und zu katalogisieren.

WICHTIGE ZAHLEN PER KLICK

„Ziel der Datenbankanalyse ist zunächst die

Erstellung eines Dashboards, auf dem dann

jeden Morgen die aktuellen Zahlen des ganzen

Unternehmens erscheinen“, erklärt Menner.

Das bedeutet, dass dem Betrieb jederzeit

per Mausklick ein Blick auf Bilanzen, Kundenverhalten

oder Preisentwicklungen möglich

ist. Diese Zahlen sind dann immer auf dem

neuesten Stand. Der Unternehmer kommt

also schnell und unkompliziert an Informationen,

die ihm bei anstehenden Entscheidungen

helfen.

Die Frage ist aber, wofür die ausgewerteten

und aufbereiteten Daten benutzt werden können.

Das Heranziehen aktueller Ergebnisse,

um beispielsweise eine Preisanpassung vorzunehmen,

ist da nur ein kleiner Aspekt. „Die

Daten kann man auch gut für Projekte heranziehen.

Zum Beispiel, um die wichtigen Kun-

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[spezial] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Foto: © TTstudio/Fotolia.com

E-Business-Lotse

Thomas Menner.

den des Unternehmens zu identifizieren.“ Da

bei Unternehmen im Durchschnitt 20 Prozent

der Kunden 80 Prozent des Umsatzes ausmachen,

ist eine aktuelle Übersicht über den

Kundenstamm natürlich Gold wert.

Professor Reichert nennt ein weiteres Beispiel:

„Bei uns an der Universität Ulm war es im

Rahmen einer Masterarbeit möglich, mit Hilfe

einer Kundendatenanalyse herauszufinden,

wie viele Kontakte ein Unternehmen

durchschnittlich benötigt hat, um einen Auftrag

zu bekommen.“ Die Uni Ulm beschäftigt

sich auch im Rahmen eines Weiterbildungsstudienganges

mit dem Thema „Business

Analytics“ (siehe Infokasten).

KNACKPUNKT DATENSCHUTZ

Die Analyse und Nutzung von Daten in Unternehmen

ist freilich mit einigen Problemen

verbunden. Dass falsche Daten falsche Ergebnisse

produzieren können, ist nicht das größte.

Komplex ist vor allem der Datenschutz.

„Da gibt es auf der einen Seite das Problem,

dass die Daten des Unternehmens in falsche

Hände gelangen können. Auf der anderen Seite

stellt der rechtliche Schutz personenbezogener

Daten immer einen Knackpunkt dar“,

sagt Reichert. Während eine Veröffentlichung

der eigenen Daten geschäftsschädigend und

entblößend sein kann, ist die Herausgabe personenbezogener

Daten immer mit ernsthaften

juristischen Folgen verbunden – so es

denn herauskommt. Menner rät: „Grundsätzlich

sollte man alle diese Daten anonymisieren

und einen Rechtsbeistand zur Eliminierung

aller Risiken heranziehen.“ Bei der

Datenanalyse der Firma Heim wurde peinlich

genau darauf geachtet, dass keine personenbezogenen

Daten den Betrieb verließen.

NICHT ABSCHRECKEN LASSEN

Ist die Analyse von im Unternehmen anfallenden

Daten nun eine Chance, ein Risiko oder

sogar eine Pflicht? Menner und Reichert sind

sich einig. „Die Unternehmen müssen das unbedingt

machen!“ Reichert: „Das ist wie die

Einführung des Internets. Wer da nicht mitmacht,

ist in ein paar Jahren raus.“ Auch Menner

ermuntert: „ Man sollte sich da keinesfalls

abschrecken lassen, der Aufwand ist meist

geringer, als man denkt.“

Florian Heim zieht derweil sein eigenes Fazit

„Geholfen hat uns das vor allem bei der Optimierung

unseres Geschäfts; die Analysen haben

großes Potenzial. Als extrem hoch würde

ich den Nutzen aber nicht bezeichnen. Trotzdem

werden wir uns bei dem Thema noch

stärker engagieren.“ [!] GABRIEL BOCK

24


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[spezial]

Neuer Studiengang Business Analytics

Auch Berufstätige können sich an der Uni Ulm weiterbilden.

Der Studiengang Business Analytics

wird an der Universität Ulm im Wintersemester

15/16 zum ersten Mal angeboten.

Er richtet sich an Berufstätige, die sich

im Themenfeld „Big Data“ und „Industrie

4.0“ weiterbilden möchten. Im Mittelpunkt

steht ein Onlinelearning-Angebot.

Die Teilnehmer können in der Regel von

zuhause aus studieren. Der Studiengang

verknüpft relevante Aspekte aus Informatik,

Mathematik und Wirtschaftswissenschaften

und schafft eine fundierte, wissenschaftliche

Ausbildung im Bereich

wirtschaftlicher Datenanalysen.

Wahrscheinlich ist das erst ein Anfang.

Professor Manfred Reichert: „Natürlich

stecken hinter den Datenanalysen komplizierte

Abläufe und Mechanismen. Das

wird zukünftig einen neuen Berufszweig

schaffen.“

GAB

25


So geht‘s heute in der „kleinen Blechschlosserei“ zu, von der Geschäftsführer Christoph Mützel gerne spricht: Präzisionszuschnitt mit dem High-Tech-Laser.

„Nur“ eine kleine Blechschlosserei

Tief im Handwerk verwurzelt, ist die Firma Friedrich Sailer in der High-Tech-Welt durchgestartet. Einst produzierte man

Einrichtungen für Metzgereien, heute ist Sailer überall gefragt, wo es nicht nur sauber, sondern rein zugehen muss.

Wir sind eine kleine schwäbische

Blechschlosserei mit Laser-

Schweißanlage“, flicht Christoph

Mützel, geschäftsführender Gesellschafter in

dritter Generation, gegen Ende ins Gespräch

ein. Das Bonmot verwendet er gerne, wenn es

um eine Standortbestimmung seiner Firma

geht. 1926 gegründet, war sie jahrzehntelang

fokussiert auf die Planung und den Bau von

Metzgerei-Einrichtungen aus Edelstahl. Erst

in jüngerer Zeit wurden die Stellschrauben

neu justiert. „Wir brauchen eine breitere Auffächerung

der Zielgruppe“, lautete die Devise.

Statt allein Betriebe aus dem Lebensmittelbereich,

rückten seither verstärkt auch Pharma-,

Medizintechnik- und auch Optik-Unternehmen

ins Blickfeld.

Die branchenübergreifende Gemeinsamkeit:

In den Produktionen muss es äußerst sauber,

ja vielfach sogar höchst rein zugehen. Erforderlich

sind dafür entsprechend konzipierte

Räumlichkeiten, aber auch Edelstahlmöbel

mit einem speziellen Design: mit einer geschlossenen,

komplett verschweißten Bauform,

mit äußerst glatten Oberflächen und

großen Radien – und völlig ohne Ecken oder

Kanten, in denen sich Schmutz oder Keime

festsetzen könnten.

HYGIENE KANN GUT AUSSEHEN

Das Fraunhofer Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung hat eine darauf

fußende Produktreihe von Hygiene- und Reinraummöbeln

aus dem Hause Sailer getestet

und entsprechend zertifiziert. „Hygienedesign“

lautet der Fachbegriff dafür. Dass mit

26


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[machen]

diesem Ansatz auch ästhetisch anspruchsvolle

Ergebnisse zu erzielen sind, bekam die Firma

im Jahr 2010 sogar von designpäpstlicher

Stelle bestätigt: Gestalterisch von Eisele Kuberg

Design unterstützt, heimste sie für ihre

Entwicklung den renommierten „red dot

design award“ ein. 2012 kam für die Möbelreihe

noch der Europäische Stahlinnovationspreis

dazu. Nicht wirklich schlecht – für so

„eine kleine Blechschlosserei“!

Natürlich schwingt in dem Bonmot ein wenig

der Schalk des Geschäftsführers mit, nicht weniger

auch sein Ethos, nur ja nicht zu großspurig

aufzutreten. Wenn einer ihm nachsagte, er

wolle abheben – das würde er mit Sicherheit

als eine üble Nachrede werten.

RECHNEN ODER AUCH NICHT

2010 tätigte die Firma ihre bis dato größte Investition.

650.000 Euro flossen in eine automatisierte

Laser-Schweißanlage, wie sie noch

immer einzigartig sei im deutschen Handwerk.

Die Besonderheit, die noch dazukommt,

erwähnt Mützel fast beiläufig. Er, ein diplomierter

Kaufmann, habe nie bis auf die letzte

Stelle hinterm Komma ausgerechnet, ab wie

vielen Betriebsstunden die Anlage eigentlich

rentabel sein wird. Immerhin sprachen einige

Kennziffern klar für die Anschaffung.

Die Anlage kann Stücke von bis zu fünf Meter

Länge verarbeiten und schweißt 120 Mal so

schnell, wie es ein Arbeiter mit einem Handgerät

schaffen würde, viel präziser noch dazu.

Sie war der Schlüssel, mit dem sich das Tor in

die neue, von stetig steigenden Anforderungen

an Hygiene und Sicherheit geprägte

Produktewelt öffnen ließ. Die Überzeugung,

in Zukunftstechnologien zu investieren, wog

schließlich stärker als Zahlenspielereien bis

ins Unendliche.

DAS ZERWIRKRAUMMODUL

Um die Auftragsbücher zu füllen, verlässt die

Firma mitunter die gewohnten Pfade. Teilweise

wurde sogar für ein paar Wochen eine im

Regelbetrieb nicht vorgesehene Nachtschicht

als dritte Schicht eingeführt – „nicht ohne vor

Annahme des entsprechenden Großauftrags

das Einverständnis der Mitarbeiter dafür einzuholen“,

betont Katrin Mützel, die Ehefrau

des Geschäftsführers; sie ist für das Marketing

und die Organisation zuständig.

Gute Fachkräfte oder Auszubildende zu finden,

werde immer schwieriger, da ist eine hohe

Zufriedenheit der Mitarbeiter unbedingtes

Muss. Doch eine hohe Flexibilität erhöht eben

Mit Metzgerei-Ausstattungen hat’s begonnen

Die Mitarbeiter müssen zufrieden sein. Das ist Katrin und Christoph Mützel wichtig.

Die Friedrich Sailer GmbH betätigt sich

seit 1926 deutschlandweit als Komplettanbieter

für die Planung, Fertigung, Montage

und Betreuung von Fleischerei- und

Schlachtbetriebsausstattungen. Christoph

Mützel – dritte Inhaber-Gene ration

– führt die Neu-Ulmer Firma seit 2001 als

geschäftsführender Gesellschafter. Er

hat in diesen Jahren die Belegschaft auf

auch die Chance auf Zusatzaufträge. Bindend

aber blieben die Wurzeln des Betriebs. „Wir

planen kein exorbitantes Wachstum, wir wollen

uns unbedingt den Charakter des Familienunternehmens

bewahren.“

Zur Verstetigung und Auslastung der Produktion

ist Sailer auch als Lohndienstleister für

die Industrie in der Komponentenfertigung

tätig. Gleichzeitig wird das eigene Produktspektrum

immer wieder erweitert. Relativ

neu im Angebot ist das „Wildsammel- und

Zerwirkraummodul“ zum Sammeln, Kühlen

und Zerwirken erlegten Wildes; die Zielgruppe

sind vor allem Jäger, Forstverwaltungen

und Wildvermarkter. Mehr als 30 Module seien

bereits verkauft; das freut Christoph Mützel,

hat man doch abermals die Metzgerei-

Kompetenz auf ein weiteres Einsatzfeld

transferiert.

Was die Neukundengewinnung betrifft, werde

die Website, die gerade überarbeitet wird,

heute 40 Mitarbeiter in etwa verdoppelt.

Zudem erschloss er weitere Geschäftsbereiche,

um die Abhängigkeit von der

Fleischerei-Branche zu reduzieren.

Den Jahresumsatz beziffert Mützel mit

rund 6 Millionen Euro. Als eine der Hauptaufgaben

für die Zukunft sieht er es an,

„engagierten Handwerks-Nachwuchs zu

finden“.

THV

zu einem immer wichtigeren Faktor. Als unverzichtbar

gelten Messebesuche.

„Wir müssen einen Tischkicker bauen“ – dem

Fingerzeig aus der Belegschaft habe er erst keine

sonderliche Beachtung geschenkt. Dann

wurde doch ein Tischkicker gebaut, aus Edelstahl

im „Hygienic Design“: reinraumtauglich,

lasergeschweißt, mit reinigungsfreundlichen

Innenradien, dicht verschweißtem

Torraum, verformungsfreier Spielfläche, elektrolytisch

aufgebrachten Spielfeldmarkierungen,

speziellen Gleitlagern, Griffen aus lebensmittelzugelassenem

und reinraumtauglichem

Kunststoff, vollständig abgedichteten

Maschinenfüßen. Kurzum: Sailer bündelte

seine Kompetenz in einem Messestand-Hingucker

– und landete damit einen Volltreffer.

Noch stärker als zuvor richtete sich die Aufmerksamkeit

des Fachpublikums auf den

Sailer-Stand, den Stand einer „kleinen Blechschlosserei“.

[!]

THOMAS VOGEL

27


[finanzieren] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Wohin mit dem Überschuss?

Anlegen oder nicht? Und wenn ja, wie? Das sind hier die Fragen. Anlagetipps für Unternehmen, die sich entscheiden,

ihre Liquidität zu binden. Vorab sei verraten: nicht zu lange – und nicht auf nur einen Partner setzen.

Die Onlineabfrage seines Firmenkontos

macht Manfred Weber (Name von der

Redaktion geändert) seit einigen Monaten

ausgesprochen gerne. Nach der Gründung

krebste die Spezialmaschinenbaufirma

des Ingenieurs lange Zeit an der Nulllinie herum.

Doch vor vier Jahren hat der 55-jährige

Ulmer den Durchbruch geschafft. Seither sind

die Auftragsbücher ebenso gut gefüllt wie das

Firmenkonto.

So gut wie Webers Maschinenbaufirma geht

es zwar nicht jedem Unternehmen. Er ist aber

auch kein Einzelfall. Die vergleichsweise gute

Konjunktur und ein dank des schwachen Euros

florierendes Auslandsgeschäft haben

vielen Mittelständlern in den vergangenen

Jahren ordentliche Gewinne beschert. Dieses

Geld horten sie oft. „Viele Unternehmen sind

weiterhin recht zurückhaltend, was Erweiterungsinvestitionen

angeht. Und ein Großteil

der Ersatzinvestitionen wird weitgehend über

Eigenkapital finanziert“, sagt Andreas Killmaier,

Bereichsleiter Firmenkunden bei der

Südwestbank. Folge: Viele Firmen schieben

hohe Liquidität vor sich her. Die liegt dann oft

zu null Prozent Verzinsung bei der Bank quasi

brach, was viele Finanzverantwortliche ärgert.

Dann rückt die Überlegung in den Fokus,

zumindest einen Teil des Geldes anzulegen,

solange nicht entschieden worden ist, ob und

wann es wieder investiert wird. Dabei sollten

jedoch einige Punkte beachtet werden.

1. SICHERHEIT GEHT VOR

Eine hohe Liquidität ist meist nur ein temporärer

Zustand, über kurz oder lang wird man

auf diese Gelder angewiesen sein. Dazu

kommt, dass ein Unternehmen beziehungsweise

ein Unternehmer anders als etwa ein

Arbeitnehmer kein regelmäßiges Einkommen

hat. Für die Auswahl einer Geldanlage

heißt das: jedes unnötige Risiko vermeiden!

Nicht die weiseste Idee, Gewinne bei null Prozent

zu horten. Ein bisschen Jonglieren darf sein.

28


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[finanzieren]

„Bei Unternehmern, die ihre überschüssige

Liquidität anlegen, steht der nominale Kapitalerhalt

und damit die Sicherheit im Vordergrund“,

sagt Killmaier.

Unter diesem Gesichtspunkt kommen für

eine kurzfristige Anlage fast ausschließlich

kurzlaufende Bundespapiere oder Terminund

Festgelder bei Banken in Frage. Soweit

diese in der EU ihren Sitz haben, sind Einlagen

bis zu einer Höhe von 100.000 Euro geschützt,

sollte das Geldhaus

insolvent

werden. „Die Frage

ist allerdings,

wann der jeweils

nationale Einlagensicherungsfonds

das Geld auszahlt,

sollte eine

ausländische Bank

einmal pleitege-

Andreas Killmaier,

Südwestbank.

hen“, gibt Carl-

Dietrich Sander,

Leiter der Fachgruppe Finanzierung/Rating

des Bundesverbandes „Die KMU-Berater“, zu

bedenken. Deutsche Sparkassen und Genossenschaftsbanken

bieten demgegenüber eine

Institutssicherung an. Auch die deutschen

Privatbanken haben mit ihrem Einlagensicherungsfonds

eine Reserve in petto. Das bietet

zusätzliche Sicherheit.

Der Kehrseite des Vollkaskoschutzes: Risikolos

Geld anlegen in Fest- und Termingeldern

bringt – von Ausnahmen abgesehen (siehe

Kasten) – zurzeit selten mehr als 0,1 bis 0,2

Prozent Zinsen. Bei kleineren Summen lohnt

sich dadurch nur selten der Handlingaufwand.

Rentablere Anlageformen, wie etwa

Fondsprodukte, kommen erst ab Laufzeiten

von drei Jahren und länger in Frage. Dabei gilt:

Höhere Renditechancen gehen üblicherweise

einher mit höheren Risiken!

2. FLEXIBEL BLEIBEN

Unternehmer sollten es vermeiden, alles auf

eine Karte beziehungsweise Anlage zu setzen,

sondern besser Laufzeiten und Anbieter

streuen. Schließlich kann ein Unternehmer

trotz Planung nie ausschließen, dass er auf

dem falschen Fuß erwischt wird. „Wenn ich

alles auf ein halbes Jahr anlege und plötzlich

kommt nach zwei oder drei Monaten ein größerer

Auftrag rein, den ich dann über einen

Kontokorrentkredit vorfinanzieren muss,

weil ich das Geld fest angelegt habe, kostet das

unnötiges Geld”, sagt Sander.

Die Verteilung auf

verschiedene Konten

und Laufzeiten

hat darüber hinaus

einen weiteren Vorteil:

„Habe ich als

Unternehmen mehrere

Hausbanken,

würde ich das in

meine Anlagepolitik

einbeziehen und

überschüssige Liquidität

auf all diese Carl-Dietrich

KMU-Berater

Sander.

Ob Wochenmarkt oder Weltmarkt:

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Ihrer Investitionsvorhaben, auch international.

29


[finanzieren] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Institute verteilen, um zu zeigen, wie gut es

mir geht“, rät Sander.

3. VORAUSSCHAUEND PLANEN

Immer eine liquide Reserve halten, um auch

im finanziellen Notfall flüssig zu bleiben –

was Anlageexperten jedem privaten Anleger

mit auf den Weg geben, gilt erst recht für Unternehmen.

Die notwendige Basisliquidität

auf dem Firmenkonto sollte nicht unterschritten

werden. „Unternehmen brauchen

immer einen finanziellen Puffer“, weiß Berater

Sander. „Das kann in letzter Konsequenz

zwar auch die Kontokorrent-Linie bei der

Bank sein. Aber es ist ärgerlich, wenn ich ein

Festgeld habe, das 0,2 Prozent Zinsen abwirft,

und dann muss ich bei der Bank einen Kredit

für 7 oder 8 Prozent

aufnehmen,

weil ich an das

Geld nicht herankomme.“

Eine sorgfältige

Wolfgang Hach,

Sparkasse Ulm.

Finanzplanung

spart jedoch nicht

nur Geld, sondern

ist im Fall des Falles

auch eine Art

Lebensversicherung

für das Unternehmen.

Bevor

Immer schön mitdenken – wie im Supermarkt

Das scheinbar tollste Angebot rechnet sich langfristig beileibe nicht immer.

überhaupt der Anlagegedanke weiter verfolgt

wird, sollte sich der Finanzverantwortliche

einen genauen Überblick darüber verschaffen,

welche Gelder im Unternehmen wo und

wie lange gebunden sind. Unter Umständen

ist ein Kontoguthaben von ein paar hunderttausend

Euro lediglich einer saisonalen Situation

geschuldet, und das Geld fließt schon in

ein oder zwei Monaten wieder ab für Vorprodukte.

Auch die strategische Unternehmensentwicklung

ist zu berücksichtigen. Plant das

Management zum Beispiel auf Sicht von ein

oder zwei Jahren eine Umsatzsteigerung von

20 Prozent, ist damit in der Regel ein höheres

Umlaufvermögen verbunden. In der Liquiditätsplanung

muss der damit verbundene, höhere

Finanzierungsbedarf berücksichtigt werden.

„Wir schauen uns dann zusammen mit

dem Unternehmer seine Bilanzen an und achten

darauf, wie und wo Kapital im Unternehmen

gebunden ist“, erklärt Wolfgang Hach,

stellvertretender Vorsitzenden des Vorstandes

der Sparkasse Ulm. „Was langfristig an Geldern

gebunden ist, etwa in betriebsnotwendigen

Immobilien, und der Bodensatz des Umlaufvermögens

sollten langfristig finanziert

werden.“

4. RENTABLERE ALTERNATIVEN

Statt zu überlegen, wie mit überschüssiger Liquidität

Zinserträge generiert werden können,

sollte jeder Unternehmer die Gegenüberlegung

anstellen: Wie lassen sich mit der

überschüssigen Liquidität Zinsen sparen?

„Überschüssige Gelder sollten wenn möglich

für die vorzeitige Tilgung von Darlehen verwendet

werden, wenn die Vereinbarungen

mit den Hausbanken dies zulassen“, sagt Joachim

Rupp, Referent Unternehmensfinanzierung

der IHK Ulm. „Mit dieser Strategie der

Kreditvermeidung erzielen Sie Nettorenditen

von oftmals 10 Prozent und mehr – das bietet

zurzeit keine Geldanlage.“ Zusätzlich positiver

Effekt: Die Rückführung von Verbindlichkeiten

hat oftmals positive Auswirkung auf

das Rating, weil unter sonst gleichen Bedingungen

die Bilanzsumme sinkt und sich damit

Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote

positiv verändern.

Was in jedem Supermarkt gang und gäbe

ist, gilt auch für die Geldanlage: Einzelne

Institute locken immer wieder mit Sonderangeboten

und Vorzugskonditionen,

vor allem Direktbanken ohne eigenes Filialnetz.

Die ppbdirekt etwa bietet derzeit

für sechsmonatige Festgelder 0,9 Prozent

Zinsen an. Andere wie etwa die Opel Bank

bieten auf zwölf Monate sogar 1,4 Prozent.

Allerdings gilt dieses Angebot nur für Privatpersonen.

Einige Institute bezahlen

den hohen Zins nur für eine begrenzte

Zeit und nur neuen Kunden. Nach Ablauf

des Angebotszeitraums gelten dann die

oftmals weitaus niedrigeren Standardkonditionen.

Einen aktuellen Überblick bieten

Finanzportale im Internet (etwa managermagazin.de,

Rubrik „Finanzen“) und Fachmagazine

wie zum Beispiel Finanztest

(online unter: test.de).

TL

Eine andere Möglichkeit, Geld zu sparen, ist

die Änderung des Zahlungsverhaltens. „Firmen

können nicht mehr verdienen als mit

dem Ausnutzen des Skontos“, weiß KMU-Experte

Sander. In seiner Beratungspraxis erlebe

er es immer wieder, dass dieser Punkt nicht zu

100 Prozent im Fokus steht. Wodurch die Unternehmen

schlicht und ergreifend ohne Not

Geld verschenken. Wichtig: Kürzere Zahlungsfristen

dürfen nicht dazu führen, dass

dafür hin und wieder der Kontokorrentkredit

auf dem Firmenkonto in Anspruch genommen

wird. Das würde den Einspareffekt

schnell auffressen.

5. KÜHLEN KOPF BEWAHREN

Die aktuell niedrigen Zinsen lassen die Anlage

auf sicheren Tages- und Festgeldkonten

wenig lukrativ aussehen. In vielen Fällen gibt

es jedoch kaum eine Alternative dazu. „Wer

sich nur des höheren Zinses wegen zum Beispiel

in Anleihen mit längeren Laufzeiten bindet

und dann seine Papiere vorzeitig verkaufen

muss, geht das Risiko ein, dass die Zinsen

zwischenzeitlich gestiegen sind“, warnt IHK-

30


Experte Rupp. Dann bekommt der Anleger

einen niedrigeren Kurs zurück. Das sieht auch

Sparkassenvorstand Hach so. „Für einen höheren

Zins sollten keine Risiken eingegangen

werden, die man

nicht fundiert beurteilen

kann –

denn dann sind sie

im Grunde schon

zu hoch.“ Auf der

anderen Seite sollten

sich Unternehmer

von den niedrigen

Zinsen nicht

zu vorschnellen

Joachim Rupp, Finanzierungsexperte

der IHK Ulm scheidungen ver-

Investitionsentleiten

lassen.

Killmaier beobachtet freilich, dass die Unternehmen

erfreulicherweise nicht der Verlockung

der günstigen Kreditkonditionen

nachgeben, sondern „nur dann Geld in die

Hand nehmen, wenn es unternehmerisch

Sinn macht und sie auch die mit der Investition

verbundenen Risiken eingehen möchten

– erst dann lohnt es sich“. Das gilt auch für das

Ansparen von Kapital für eine Sprunginvestition

– etwa für den Aufbau einer weiteren Produktionsstätte.

Das Kapital muss dann pünktlich

zum Start des Projektes vorhanden und

verfügbar sein. Killmaier: „Die Rendite der

Anlage ist dann nicht das Entscheidende.“ [!]

THOMAS LUTHER

Ökonomisch

Ökologisch

Verena Paul,

Inhaberin ECHT BIO Markt, Riedlingen

Gutes Geld – gutes Gewissen.

Die Kreissparkasse Biberach finanziert den Mittelstand in ihrer Region. Wir sind ein bedeutender

Wirtschaftsfaktor in der Region. Ob Existenzgründung oder Traditionsunternehmen – wir begleiten

zahlreiche Mittelstandsunternehmen auf ihrem Weg zum Erfolg. Durch die flächendeckende

Vergabe von Krediten tragen wir wesentlich zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei. Das ist gut für die

Menschen und gut für die Wirtschaft. www.gut-fuer-deutschland.de

31

Kreissparkasse Biberach. Gut für die Region.


[führen] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

„Man muss auch in Vorleistung gehen“

Das Unternehmen Julius Gaiser hilft anderen Betrieben beim Energiesparen. Seine Fachkräfte zieht es sich selbst heran

– seit diesem Herbst auch mit einer bundesweiten Premiere: dem Biberacher Modell für Energie-Ingenieure.

Modell auch in der Sanitär-Heizung-Klima-

Branche anzuwenden. Diese spürt den Fachkräftemangel

schon jetzt. „Nach einem auf

Blockheizkraftwerke spezialisierten Ingenieur

haben wir mehr als ein Jahr gesucht“,

nennt er ein besonders krasses Beispiel. Er

selbst sieht es als seine Aufgabe zu vermitteln,

dass der Beruf interessante und spannende

Aufgaben bietet. Das habe sich bei vielen jungen

Leuten noch nicht herumgesprochen.

Nicht so bei Alexander Nothacker. Der Abiturient

des Ulmer Schubart-Gymnasiums besuchte

2014 die Ulmer Bildungsmesse und

stieß am Stand der Hochschule Biberach auf

das neue Angebot. Er recherchierte über die

Firmen, bei denen die duale Ausbildung möglich

ist, und bewarb sich bei Gaiser, die er vom

Namen zuvor schon gekannt hatte. Ihm gefiel

der starke Praxisbezug, das zukunftsträchtige

Thema und dass Gaiser auch große Anlagen

für Kunden aus der Industrie baut.

Projektverantwortlicher Tobias Ludwig (rechts) zeigt Azubi Maximilian Nothacker die Gaiser-Welt.

Als Pionier fühlt sich Max Nothacker

nicht. Dabei betritt der 18-Jährige aus

Lonsee-Radelstetten mit zwei Handvoll

weiteren jungen Leuten gerade Neuland

in der Energietechnik – bundesweit. Er nimmt

am Biberacher Modell im Studiengang Energie-Ingenieurwesen

teil. Dieses verbindet die

Ausbildung zum Anlagenmechaniker mit

dem Studium des Energie-Ingenieurs. Die Absolventen

des dualen Studienmodells finden

gute berufliche Perspektiven in einem Aufgabenbereich,

der Zukunft hat: der technischen

Ausstattung von Gebäuden, dem Einsatz erneuerbarer

Energien und dem Thema Energieeffizienz.

Seit 1. September ist Nothacker

bei der Julius Gaiser GmbH & Co. KG als Anlagenmechaniker-Azubi

angestellt.

Der Geschäftsführer des 1928 gegründeten

Ulmer Unternehmens Harald Kretschmann

hat sich stark dafür engagiert, das Biberacher

14 NEUE LEHRLINGE

Das Ulmer Unternehmen hilft anderen Betrieben

beim Energiesparen, plant und baut maßgeschneiderte

technische Lösungen für Produktions-

oder Verwaltungsgebäude und trägt

so zum Gelingen der Energiewende bei.

Kretschmann sieht das Unternehmen in der

Region zwischen Stuttgart und Augsburg als

die Nummer 1 bei energieeffizienten Industrieanlagen.

Maximilian Nothacker ist einer von 14 neuen

Lehrlingen, so viele wie nie zuvor. Über alle

drei Lehrjahre sind es 28. Das starke Engagement

in der Ausbildung sieht Geschäftsführer

Reinhold Köhler als Investition in die Zukunft.

Denn das Unternehmen, das in Ulm

und Heidenheim insgesamt 232 Mitarbeiter

beschäftigt, will sich über die duale Ausbildung

die Fachkräfte von morgen selber heranziehen,

sei es als Anlagenmechaniker SHK,

technische Systemplaner oder Bürokaufleute.

Dazu hat Gaiser in seinem Ausbildungsmarketing

ein umfassendes Maßnahmenbündel.

32


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[führen]

Geschäftsführer Harald

Kretschmann.

Dieses reicht von

Bildungspartnerschaften

mit der

Hillerschule in

Steinheim am Albuch

(zwei weitere

sind geplant) bis

hin zu Gastvorlesungen

an Hochschulen.

Zudem

habe das Unternehmen

ein Nachwuchsprogramm

aufgelegt für Bachelor- und Master-Studenten.

„Die werden nicht als billige Arbeitskräfte

eingesetzt“, sagt Kretschmann.

Das Abschlussgespräch führt er gerne selbst.

„Und auch später stehen wir für Fragen und

Rat zur Verfügung“, sagt er. Gaiser setze darauf,

dass die Studenten ihren Kommilitonen

über ihre guten Erfahrungen in der Firma berichten.

Das erhoffen sich Kretschmann und

Köhler auch vom Biberacher Modell im Studiengang

Energie-Ingenieurwesen. In zweieinhalb

Jahren, wenn die jungen Leute an die

Hochschule Biberach wechseln werden, bleiben

dort ein paar Plätze frei. Statt der erhofften

20 Teilnehmer, sind es nur sechs. Weil der

Studiengang noch brandneu war, gab es nur

wenige Bewerbungen.

MUND-ZU-MUND-PROPAGANDA

Die Gaiser-Geschäftsführer sind zuversichtlich,

dass sich das ändern wird. Kretschmann

und Köhler setzen auch hier auf Mund-zu-

Mund-Propaganda. Das mit der Ausbildung

kombinierte Studium ist für Absolventen mit

Fachhochschulreife oder Abitur nicht nur wegen

der späteren Aussichten attraktiv. Während

der Lehre zahlen die Betriebe eine Ausbildungsvergütung

und beteiligen sich an

den Wohnheimkosten; auch im Studium erhalten

die jungen Leute finanzielle Unterstützung.

Kretschmann: „Unternehmen müssen

auch mal in Vorleistung gehen.“[!]

ALEXANDER BÖGELEIN

Praxisnahes Studium

in Biberach

Die Hochschule Biberach hat ihr Angebot

dualer Studienmodelle um das

Angebot TGA/Energie-Ingenieurwesen

erweitert. 15 Unternehmen machen

mit, sechs Anwärter haben ihre Lehre

begonnen und kommen 2017 an die

Hochschule. Nach der Lehre starten

sie im Sommersemester das Studium.

In den Praxisphasen und Semesterferien

gehen sie zurück in den Betrieb.

Das Biberacher Modell gibt es seit fünf

Jahren. In diesen Bereichen wird es angeboten:

Holzbau/Projektmanagement

(Zimmermann, Ingenieurstudium,

48 Studierende verteilt auf vier

Semester; Bauingenieur Plus (Beton-,

Stahlbeton- oder Straßenbauer, BA),

39 Studierende in drei Semestern.

Ebenfalls neu ist der Baubetriebswirt

Plus (Industriekauffrau/ -mann und

BWL-Studium), 2 Teilnehmer. AMB

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33


Gemeinsam geht auch Operieren leichter: Eine Kollegin assistiert Christian Ziegler.

Alles aus einer Hand

Ob Therapie, OP, ambulante oder stationäre Behandlung: Die Nova Clinic in Biberach gehört seit 15 Jahren zu den

Spezialisten für Wirbelsäule, Gelenke, Hand- und Fußchirurgie. Mit zwei neuen Gesellschaftern geht sie in die Zukunft.

Arbeitsunfall. Handverletzung. Ein

Liebherr-Angestellter hat an diesem

Freitag Pech gehabt. Er liegt schon auf

dem OP-Tisch. „Bei einer Montage eines Getriebes

wollte ich ein Zahnrad einbauen. Das

hat sich aber irgendwo verklemmt“, sagt er.

„Als ich es losgerüttelt hatte, ist es reingerutscht.

Mein kleiner Finger war irgendwo

dazwischen; ich musste feststellen, dass Stahl

deutlich härter ist als mein Finger.“ Draußen

desinfiziert sich schon Dr. Christian Ziegler

gründlich die Hände. Er ist der Handspezialist

im Ärzteteam der Biberacher „Nova Clinic“. Er

wird den Mann operieren.

Ein Stockwerk höher schaut sich Zieglers Kollege

Dr. Michael Schempf nochmals das Knie

von Anke Mayerföls an, das er vor einiger Zeit

operiert hat. Alles in Ordnung. Eigentlich ist

die Patientin heute wegen eines Rückenproblems

da. Ihre guten Erfahrungen beim ersten

Mal haben sie dazu bewogen, erneut vom 22

Kilometer entfernten Bad Waldsee nach

Biber ach zu fahren. „Ich fühle mich hier einfach

gut aufgehoben“, sagt sie, „das Personal

ist sehr freundlich und man fühlt sich nicht

so, als ob man nur eine Nummer wäre.“

EINE ART HAUSGEMEINSCHAFT

Als Anke Mayerföls gegangen ist, führen

Schempf und Geschäftsführerin Elisabeth

Pollak-Wilske durch die Klinik. „Sie müssen

sich das hier wie eine Art Hausgemeinschaft

vorstellen“, sagt

Pollak-Wilske, „in

der man die Philosophie

verfolgt,

privat wie gesetzlich

versicherten

Patienten ein Gesamtpaket

anzubieten:

Diagnose,

Therapie, OP, Reha,

ambulante wie stationäre

Behand-

Dr. Michael Schempf

Neuer Gesellschafter:

lung und mehr.“

Tatsächlich ist in dem dreigeschossigen Haus,

in dem rund 100 Menschen arbeiten, mehreres

untergebracht: das Gesundheitszentrum

34


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[machen]

„Impuls“ mit Fitnesstraining, Saunabereich

und physiotherapeutischen Anwendungen,

ein Sanitätshaus, ein Café mit Essensangebot,

eine Kranken- und Pflegestation, eine Anästhesie-Abteilung

sowie eine neurochirurgische

und eine orthopädische Praxis mit Unfallfallchirurgie.

Weniger Kliniken, mehr Versorgungszentren

Das Team der Nova Clinic (v. l.): Dr. Thomas Kühn, Dr. Michael Gasper, Dr. Philip Kühn, Dr. Harald

Junghanns, Dr. Juris Bruklis, Dr. Christian Ziegler, Dr. Michael Schempf, Dr. Max Kirchner.

In Deutschland gibt es immer weniger

Krankenhäuser. Im Jahr 2013 existierten

noch 1996, ein Jahr zuvor waren es laut

Statistischem Bundesamt noch 40 mehr,

vor 15 Jahren noch rund 250 mehr. Die

Zahl der Betten sank seit Beginn des

Jahrtausends um 50.000 auf rund eine

halbe Million.

1991, kurz nach der Wiedervereinigung,

waren nur rund 15 Prozent aller Krankenhäuser

in privater Hand – 2013 bereits

34,8 Prozent. „Im gleichen Zeitraum sank

der Anteil öffentlicher Krankenhäuser von

46 Prozent auf 29,9 Prozent“, schreiben

die Statistiker in ihrem aktuellsten Bericht

BIBERACHER PIONIERE

„Die Orthopädie ist das Zugpferd“, sagt

Schempf. „Mit unserem Profil unterscheiden

wir uns von anderen Kliniken im Umkreis.“

Sei es mit dem Gesamtangebot und den kurzen

Wegen oder eben auch Orthopädie-spezifisch.

„Wir offerieren die gesamte Palette, egal

ob es um die Wirbelsäule oder Gelenke geht,

und haben auch Spezialisten für die Handund

Fußchirurgie.“

Nach Sprechstunden- und Behandlungszimmern

betritt Schempf den Konferenzraum.

Hier tagen die Gesellschafter der „Nova Clinic“

viermal im Jahr. Als ein solcher wird von

2016 an auch Schempf hier am Tisch sitzen. In

der Führungsebene findet ein Generationenwechsel

statt. Die Ärzte Thomas Kühn und

Max Kirchner werden altersbedingt aussteigen.

Viele Jahre hatten sie bereits in Biberach

praktiziert und sich als „K&K“ einen Namen

gemacht, als sie 2000 die „Nova Clinic“ gründeten

und sich damit einen Traum erfüllten.

„Heute sind solche Medizinische Versorgungszentren

ja normal, aber Anfang der

2000er war das noch Neuland in Deutschland“,

sagt Elisabeth Pollak-Wilske.

Neben Schempf (46) verjüngt Kühns Sohn

Philip (37) den vierköpfigen Gesellschafterkreis.

„Es ist durchaus nicht selbstverständlich,

dass der Generationswechsel so gut funktioniert“

sagt Pollak-Wilske. „Wir sind ja

Mitglied im Verband operativ tätiger Privatkliniken

– VOP –, und da habe ich schon aus

vielen Häusern gehört, in denen die Gründer

jetzt in Rente gehen wollen, aber große Probleme

haben, Nachfolger zu finden. Denn die

müssen sowohl ins Team passen als auch das

Geld und die Risikobereitschaft mitbringen,

in so ein Unternehmen einzusteigen.“

Schempf nickt. „Dieses unternehmerische

Denken ist bei Ärzten kein Bestandteil der

Ausbildung“, sagt er, „da hab‘ auch ich noch

meine Schwierigkeiten. Zum Glück darf ich

seit einem Jahr schon an Gesellschaftersitzungen

teilnehmen und über die Schulter gucken.“

Schempf ist anzusehen, dass er sich auf

diese Aufgabe freut. Er hat eine ungewöhnliche

Laufbahn hinter sich. Seine Karriere begann

mit einem Realschulabschluss und einer

Ausbildung zum Informations-Elektroniker.

Erst nach dem Zivildienst verschlug es ihn in

den medizinischen Bereich. Er war OP-Pfleger,

machte eine Ausbildung zum Medizintechniker,

holte das Abitur nach und begann in Ulm

1996 ein Medizinstudium.

100 KILOMETER EINZUGSGEBIET

Als Assistenzarzt zog es ihn für mehrere Jahre

in die Schweiz, bis er 2008 nach Ulm zurückkehrte

und ein Jahr später eine Dissertation

in „Computernavigierte Chirurgie“ abgab.

Vor fünf Jahren kam er dann zur „Nova Clinic“

als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Fußchirurgie zählt zu seinen Spezialgebieten.

Die beiden scheidenden Gründer der

„Nova Clinic“ und die anderen Gesellschafter,

Dr. Harald Junghanns und Dr. Michael Gasper,

zur deutschen Krankenhauslandschaft.

Der Anteil von Krankenhäusern in Trägerschaft

von Kirchen, Wohlfahrtsverbänden

und privaten Stiftungen sank in dieser

Zeit von 39,1 Prozent auf 35,4 Prozent.

Die Zahl der Medizinischen Versorgungszen

tren (MVZ) hat sich 2014 um 67 auf

2073 erhöht. Das schreibt die Ärztezeitung

unter Berufung auf Angaben der

Kas senärztlichen Bundesvereinigung

(KBV). Bei den meisten der hinzugekommenen

MVZs ist ein Krankenhaus als Träger

beteiligt. Diese Betreiberform ist speziell

in Baden-Württemberg weit

verbreitet.

AC

haben für die Nachrücker das Feld gut bestellt.

Aus einem Umkreis von 100 Kilometern kommen

Patienten zu ihnen.

Der Umsatz in Orthopädie- und OP-Bereich

stieg zwischen 2000 und 2014 um 157 Prozent,

die Patienten- und OP-Zahlen um jeweils

66 Prozent. Schempf ist optimistisch, dass es

so weitergeht, und Kollege Christian Ziegler

hat unten im OP-Saal gerade einen Beitrag dazu

geleistet. Einen Tag nach der Operation

meldet sich der Liebherr-Mitarbeiter per E-

Mail und berichtet, wie er die Behandlung

empfunden hat: „Da ich selber bei Liebherr

Ersthelfer bin, war es für mich sehr interessant,

was in der ,Nova Clinic‘ auf die Patienten

zukommt, die ich auch selber schon hinfahren

ließ“, schreibt er. Er sei „sehr zufrieden“

gewesen, „die können mit Folgeaufträgen

rechnen“. [!]

ANDREAS CLASEN

35


[spezial]

Auf Achse

Was zählt? „Lage! Lage! Lage!“ Der alte Maklerspruch gilt nicht nur für

Wohnimmobilien. Wo und wie sollten sich Unternehmen ansiedeln?

Je näher an großen Verkehrsachsen, desto besser. Tipps und Tricks.

Das Gewerbegebiet im Ulmer Norden hat alles, wovon andere träumen – insbesondere die perfekte Lage, nur einen Katzensprung von A 8 und A 7 entfernt.

Seit Jahren brummt der Wirtschaftsmotor

in Deutschland, es läuft gut, auch

bei vielen Unternehmen in der Region.

Doch sind neue Gewerbeflächen zum Teil

heute schon rar. Vor allem an den begehrten

Standorten entlang der Verkehrsachsen A 8

und A 7 ist es für Firmen, die eine Neuansiedlung

planen, schwierig, geeignete Flächen zu

finden.

Von 48.000 Quadratmetern des neuen Gewerbegebietes

seien noch etwa 7000 Quadratmeter

zu haben, berichtet der Merklinger Bürgermeister

Sven Kneipp. Das Gebiet ist mit seiner

Lage auf der Albhochfläche direkt an einer

A8-Ausfahrt für Unternehmen besonders attraktiv;

auch zur A 7 ist es nicht weit. Für die

Restfläche gebe es bereits mehrere Interessenten.

„Dann sind wir ausverkauft.“ Immer wieder

müsse man Interessenten auch absagen.

Doch dem Bürgermeister ist es wichtig, dass

in seiner Gemeinde weitere Arbeitsplätze entstehen,

am liebsten durch „eine gute Durchmischung

von großen und kleinen Firmen.

Mehr kleine als große, sonst ist die Abhängigkeit

in Krisenzeiten

von einem

einzigen Unternehmen

zu hoch.“

So leistet es sich

die Albgemeinde

auch mal, eine Gewerbefläche

nicht

gleich an den

nächsten Interessenten

zu verkaufen.

Merklingen

Der Merklinger Bürgermeister

Sven Kneipp.

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wartet lieber ein bisschen, bis die „richtige“

Firma kommt.

Noch gibt es keine genauen Untersuchungen

zur Situation gewerblicher Flächen in den

verschiedenen Gemeinden der Region, aber

im kommenden Jahr will die IHK Ulm eine

solche Studie in die Wege leiten. „Das Thema

haben wir aufgenommen, weil wir die Gefahr

sehen, dass bereits heute und künftig nicht

genügend Flächen vorhanden sind“, sagt Simon

Pflüger, der Referent für Standortpolitik

der IHK Ulm. „Wir wollen uns frühzeitig einmischen,

die Bedürfnisse der Unternehmen

den Kommunen und den Genehmigungsbehörden

– also den Regierungspräsidien und

dem Land – mitteilen.“ Die Kammer will für

Unternehmen als Vermittler fungieren: „Wir

geben Auskünfte, stehen mit Rat und Tat zur

Seite, wir telefonieren mit den Kommunen

oder koordinieren Gespräche. Wir führen

auch mal eine Suche für Unternehmen

durch.“

AN DER A 8 WIRD ES ENG

Offensichtlich ist: An den verkehrsgünstig angebundenen

Standorten entlang der Autobahn

– Ulmer Norden, Dornstadt, Langen au

oder eben auch Merklingen – wird es eng. So

hatte die IHK im Juli eine Anfrage eines Unternehmens,

das in Süddeutschland eine Produktion

aufbauen

möchte, mit „Leider

nein“ beantworten

müssen:

Die Kommunen

entlang der Autobahn

konnten keine

Flächen in der

benötigten Größenordnung

anbieten;

es gab IHK-Standortexperte

schlicht nichts Simon Pflüger.

Passendes mehr.

Nicht nur Neuansiedlungen benötigen Fläche,

auch Betriebserweiterungen. Sie sind Investitionen

in die Standort- und Zukunftssicherung.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist

früher oder später oft eine Betriebserweiterung

notwendig. „Firmen müssen zum Beispiel

ihren Maschinenbestand erweitern oder

den Produktionsablauf an heutige Verhältnisse

anpassen“, erläutert Simon Pflüger. Auch

der Arbeitsschutz dürfe nicht vergessen werden,

sagt er. Die Anforderungen an gesunde

Arbeitsverhältnisse sind gestiegen: Da geht es

beispielsweise um den Platz zwischen Maschinen,

um Durchgänge, Belüftung, Licht,

und vieles mehr. Pflüger weiß: „Bei Erweiterungen

sind die Firmen auf direkte räumliche

Nähe angewiesen.“ Wenn sie am bisherigen

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[spezial] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Grüner und die Merklinger Erfolgsgeschichte

Merklingen lockte – und der große Automobilzulieferer ließ sich gerne nieder.

Die größte Gewerbeansiedlung in den

vergangenen Jahren war für Merklingen

die Firma Grüner. Bürgermeister Sven

Kneipp bezeichnet sie als Erfolgsgeschichte

für das Unternehmen und die

Gemeinde. Der Automobilzulieferer hatte

an seinem Stammsitz in Bad Überkingen

nicht mehr genügend Platz für eine Expansion

gefunden. Durch die gute Zusammenarbeit

der verschiedenen Genehmigungsbehörden

konnte die Firma nach

Vorlage des Bauantrags schon in kürzester

Zeitbauen.

Am Merklinger Standort beschäftigt

Grüner mittlerweile mehr als 90 Mitarbeiter

und hat jetzt schon Flächen aus

seinen Optionen gekauft und investiert

nun weiter: In den kommenden zwei Jahren

soll in Merklingen ein weiteres Werk

entstehen.

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Unternehmensstandort nicht mehr anbauen

können, achten sie deshalb bei Flächen für

Neuansiedlungen eines Werks auf Möglichkeiten,

dort später erweitern zu können. Diese

Erfahrung hat auch Bürgermeister Kneipp

gemacht: „Die Entwicklungsmöglichkeiten

spielen eine wichtige Rolle. Firmen wollen

sich schon vor dem ersten Bau Optionsflächen

nebenan sichern, beispielsweise das Vorkaufsrecht

für mehrere Jahre.“

DER FAKTOR ZEIT

Aber auch Vorgaben des Bebauungsplans

spielen eine große Rolle bei der Standortentscheidung.

Da schauen Firmen genau, was sie

einschränken könnte, wie etwa die maximal

zulässige Höhe, zum Beispiel für ein Hochregallager.

Mitentscheidend ist der Realisierungszeitraum

– der Faktor Zeit. „Unternehmen

sagen, wenn es ein bis zwei Jahre dauert,

suche ich mir den nächsten Standort“, berichtet

Bürgermeister Kneipp.

Nach einer Vorgabe des Landes Baden-Württemberg

soll der Flächenverbrauch reduziert

werden – bis 2020 soll er insgesamt auf einen

Wert von drei Hektar pro Tag sinken, mittelfristig

sollen sogar gar keine neuen Flächen

mehr verbraucht werden. Kneipp sieht das

zwiespältig: „Das wird uns in den nächsten

Jahren erheblich in der positiven Vermarktung

behindern.“ Eine Flächenvorratspolitik

sei so kaum noch möglich. Denn die Kommunen

müssen direkt nachweisen, dass sie Fläche

benötigen, um sie genehmigt zu bekommen.

Solche Genehmigungsverfahren

dauern, was es schwierig macht, Flächen

schnell anzubieten. „Das wird gefährlich für

den Standort Baden-Württemberg“, meint

Kneipp. „Auch ich halte es für wichtig, den

Flächenverbrauch zu reduzieren“, beteuert er,

aber an bestimmten regionalen Achsen müsse

eine Weiterentwicklung möglich sein.

Um der Flächennot zu begegnen, hat der Gemeindeverwaltungsverband

Laichinger Alb

einen Beschluss zum Flächennutzungsplan

gefasst; er soll fortgeschrieben werden. In

Merklingen sollen direkt am bisherigen Gewerbegebiet

drei Hektar Fläche neu ausgewiesen

werden. „Die benötigen wir dringend“,

sagt Kneipp. Die Gemeinde könnte auch

38


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[spezial]

sechs oder acht Hektar an Interessenten verkaufen,

„aber wir wissen, dass die Behörden

das nicht mittragen werden“.

Dennoch gebe es „bei uns auf der Laichinger

Alb“ von Heroldstatt und Westerheim bis Nellingen

„noch gutes Potenzial“. In interkommunalen

Gewerbegebieten wie dem mittlerweile

gefüllten IKG Laichinger Alb sieht

Kneipp zukünftig vielleicht die einzige Möglichkeit,

eine Flächenvorratspolitik zu betreiben.

Auch der Flächenausgleich für die betroffenen

Landwirte laufe interkommunal; die

Bauern hätten in dieser Region durch den

Ausbau der A8 und die Bahn-Neubaustrecke

eh schon viel Fläche eingebüßt.

WOHNUNGEN NICHT VERGESSEN

Weiter weg von den Schnittstellen großer Verkehrsachsen,

in Oberschwaben, ist es möglicherweise

einfacher, einen geeigneten Platz

zu finden, da dort noch mehr Gewerbeflächen

zur Verfügung stehen, sagt IHK-Experte Pflüger.

„Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesstraßen

B311 und B312 in einem guten Zustand

sind und ausgebaut werden.“ Ein

Ausbau sei auch für die bereits vorhandenen

Firmen in diesen Gebieten wichtig.

Die Kommunen dort müssten andere Standortfaktoren

ins Feld führen, um Unternehmen

anzulocken: beispielsweise Bebauungspläne

ohne große Restriktionen, schnelle

elektronische Datenwege durch Breitband-

Internet oder das Angebot, die Firmen bei Genehmigungsverfahren

unterstützend zu begleiten.

Da hätten noch einige Gemeinden

Nachholbedarf. Bei der derzeit geringen Arbeitslosenquote

gelte es, Fachkräfte anzuziehen.

Es müsse also ausreichend Wohnraum

Foto: © ThomBal/Fotolia.com

Wer jenseits der großen Verkehrsachsen Interessenten in seine Gewerbegebiete locken will, muss mit anderen

Pfunden wuchern: günstigen Wohnungen, guten Schulen, Breitband-Internet …

vorhanden sein. Auch das Angebot an Schulen

oder die Versorgung im Pflegebereich spiele

eine tragende Rolle, um nur einige wichtige

Punkte zu nennen.

„Unser ländlicher Raum lebt von den Arbeitsplätzen

und wird gestärkt durch zusätzliche

Arbeitsplätze, die bei Erweiterungen und Ansiedlungen

geschaffen werden.“ Also müsse

man die Infrastruktur erhalten und ausbauen.

„Wir dürfen uns nicht auf den bisherigen Erfolgen,

wie einer niedrigen Arbeitslosenquote,

ausruhen.“ [!] WERNER GALLBRONNER

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Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Faszinierend,

Captain

Was heute so alles aus Automaten kommt, dürfte

selbst Captain James T. Kirk und seine Crew

faszinieren: Da geht es längst nicht mehr nur um

Snacks oder Getränke. Nicht einmal ein

Ersatzschlüssel ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Seit der Antike löst eine griechische Wortschöpfung Faszination

bei Visionären aus: „Automatos“ – „von selbst geschehend“. Der

Grad der Automatisierung war stets ein Synonym für den Fortschritt,

der gerade bei Science-Fiction-Autoren immer schon grenzenlos

war. Nicht von ungefähr konnte Captain James T. Kirk vom TV-

Raumschiff Enterprise bereits in den 1960er Jahren sein Steak via

Bordcomputer beim „Replikator“ bestellen, das eine Sekunde später

wie von Geisterhand frisch gebraten vor ihm auftauchte.

Die Automaten-Realität sah damals dagegen noch anders aus. Um etwa

an den Inhalt eines Kaugummispenders zu kommen, waren bisweilen

Muskelkraft und Geschick gefragt. Das begann bereits beim

Versuch, eine Münze in den Schlitz zu fummeln.

Diesen Kinderschuhen ist die Automatenwirtschaft

längst entwachsen: Vom Apfelsaft

bis zur Zahnpasta ist alles rund um die

Uhr erhältlich, sagt Mieke Feldmann, Sprecherin

des Bundesverbands der Deutschen

Vending-Automatenwirtschaft: „24 Stunden,

sieben Tage die Woche.“

Auch Caterer bestücken neben Buffets

mittlerweile verstärkt Automaten, wie

Christopher Lück vom Deutschen Hotel-

Automaten-Expertin

Mieke Feldmann.

und Gaststättenverband (Dehoga) sagt.

„Der Trend zum Thema Vending ist deutlich

stärker geworden, weil man sich nicht

mehr an Schließzeiten der Restaurants halten

muss.“ Gerade im Gemeinschaftscatering wurde die „Angebotspalette

vom belegten Brötchen bis zum Dessert entsprechend angepasst“.

Freilich halten nicht alle Zeitgeist-Entwicklungen Einzug in den Speiseplan.

Der gegenwärtige Hype um vegetarische und vegane Ernährung

gehe nahezu spurlos an der Automatenwirtschaft vorbei. „Das

spielt keine gravierende Rolle“, sagt Feldmann. „Vielmehr geht es um

den Preis. Im Prinzip sind die angebotenen Produkte die gleichen geblieben.“

Gemessen am Ergebnis fahren die Vending-Unternehmen

Lebe lang und in Frieden: Der Vulkanier Mr. Spock hätte vegetarische Kost

aus dem Replikator bevorzugt. Ein Trendsetter vor der Zeit.

40


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[leben]

damit bestens: „Die Branche steht gut da. Aktuell liegen wir im Umsatz

bei 2,5 Milliarden Euro.“

Die gute Botschaft für die rund 15.000 Beschäftigten innerhalb des

Wirtschaftszweigs: „Die Automaten werden sich auch in Zukunft

weiter verbreiten.“ Die schlechte: „Auch wir spüren den Fachkräftemangel“,

sagt Aude Masserann, Ausbildungsbeauftragte der AWI Automaten-Wirtschaftsverbände-Info

GmbH. Dabei sind die Perspektiven

gut und die Einstiegshürden nicht allzu hoch: „Es kann sich jeder

mit einem guten Hauptschulabschluss bewerben.“ Seit August 2015

besteht die Möglichkeit sich innerhalb von drei Jahren zu einem anerkannten

Automatenkaufmann mit zwei Spezialisierungen ausbilden

zu lassen: Automatentechnik oder kaufmännische Prozesse.

SPONTANES BARBECUE? KEIN PROBLEM

Die Anforderungen sind dagegen nicht trivial, zumal sich nicht nur

die Technik stetig weiterentwickelt, sondern auch die flankierenden

Richtlinien, von der Verpackungsverordnung, der Kennzeichnungspflicht

der Lebensmittel am Automaten über die Wertstoffentsorgung

bis hin zur Nachhaltigkeit im Sinne der Kooperation mit „Fairtrade

Deutschland“. Auch die Bezahlungssysteme werden immer ausgeklügelter.

Einen Warenposten via Smartphone zu begleichen, „ist längst

Alltag“, sagt Mieke Feldmann.

Während die Automatenlandschaft im „Public Vending“, also im öffentlichen

Bereich, etwa an Bahnhöfen, aus Kostengründen kaum

Wachstum verzeichnet, weil dortige Gerätschaften zum Schutz vor

Vandalismus oder Aufbruch besonders gesichert werden müssen, haben

Erzeuger vor Ort neue Verkaufsnischen entdeckt. Vornehmlich

Hofläden und Metzgereien bieten ihre Produkte jetzt auch per „Regiomat“

feil, in Anlehnung an die regionale Herkunft der Waren. So kann

man sein Grillgut für ein spontanes Barbecue auch am Sonntag beim

Händler des Vertrauens aus dem Automaten ziehen.

Ob neue Anwendungen dazukommen, respektive inwieweit sie sich

hierzulande durchsetzen, bleibt abzuwarten. Zumindest mangelt es

der Vending-Industrie nicht an Ideen. So hat der wohl berühmteste

Hersteller koffeinhaltiger Limonade eine Anwendung entwickelt, mit

der jeder Kunde am Automaten seinen individuellen Soft-Drink mixen

und zapfen kann. Eine App generiert zuvor einen persönlichen

QR-Code mit dem Rezept und übermittelt ihn ans Gerät.

Was ist Vending?

Vending bedeutet nichts anderes, als den Verkauf von Waren

und Dienstleistungen über Automaten. Dabei werden insbesondere

heiße und kalte Getränke, Snacks, Fertiggerichte und

anderweitige Lebensmittel aber auch Non-Food-Produkte in

einer großen Bandbreite vertrieben.

Nach Informationen des Bundesverbands der Deutschen Vending-Automatenwirtschaft

sind über 1000 zumeist mittelständische

Dienstleistungs-Unternehmen mit rund 15.000 Beschäftigten

in der Branche tätig. 80 Prozent der Automaten

stehen in Unternehmen, 20 Prozent im öffentlichen Bereich.

Ergänzt wird das Angebot durch den „Office Coffee Service“–

also die Aufstellung von besonderen Kaffeeautomaten vornehmlich

im Bürobereich. Derzeit sind 516.000 Automaten

deutschlandweit im Einsatz, täglich werden 11,8 Millionen

Snacks und Getränke verkauft. Der aktuell angegebene Jahresumsatz

liegt bei 2,5 Milliarden Euro.

DB

Wer diese Zeilen nicht klar lesen kann, hat die Möglichkeit, seine Brille

vom „Optic Wash“-Automaten reinigen zu lassen. Der mechanische

Saubermann wird derzeit in Florida getestet, während in New York

vergesslichen Zeitgenossen auf die Sprünge geholfen wird: Wer nachts

heimwankt und feststellt, keinen Hausschlüssel dabei zu haben, kann

sich am Automaten einen Ersatz fertigen lassen – sofern er zuvor seinen

Schlüssel eingescannt, der Datenbank mitgeteilt hat und sich per

Fingerabdruck identifizieren kann.

MEIN AUTOMAT KENNT MEIN GESICHT

Was beim „Luce X2 Touch TV“ nicht nötig ist, denn der Genuss-Automat

verfügt über eine Gesichtserkennung und kann den Käufer nicht

nur identifizieren, sondern sich auch dessen Kaufgewohnheiten merken

– und im Zweifelsfall bestimmte Produkte verweigern. Dafür

orientiert er sich am Alter des Käufers, an medizinischen Informationen

oder dem vorausgegangenen Kaufverhalten.

Angesichts dessen ist der Weg zu Captain Kirks Enterprise-Kantine gar

nicht mehr so weit. Und möglicherweise wünscht man sich dann die

alten Kaugummi-Automaten zurück. [!]

BERND RINDLE

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41


[leben] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Chef – uns schmeckt’s

Früher war alles besser? Von wegen – wenn man an die eher aufs Überleben ausgerichteten Firmenspeisungen

vergangener Tage zurückdenkt. Moderne Catering-Produkte kann man nicht nur essen, man hat sogar Freude daran.

Service GmbH bestätigt: „Früher wurde versorgt,

heute wird auf hohem Niveau bewirtet.

Die Bedürfnisse und Ansprüche unserer Gäste

sind gestiegen, der Konsument von heute ist

mobiler, weiß mehr und will mehr.“

In Unternehmen hat man erkannt, dass sich

die Gaumenfreude auch positiv auf das Betriebsergebnis

auswirken kann. „Je besser die

Ernährung, desto größer die Zufriedenheit

unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

und desto besser deren tägliche Leistungsbereitschaft“,

sagt Jochen Schumm, Personalvorstand

bei MAN SE und MAN Truck & Bus AG

in München: „Dafür investieren wir in Top-

Qualität in Bezug auf die Lebensmittel.“

Das Auge isst mit. Und wie!

Es gab Zeiten, in denen die Mittagspause

etwas Bedrohliches hatte. Der Gang zur

Kantine stand an. Unwillkürlich fragte

man sich danach: Welchen Beruf haben die

Köche gelernt?

An der Frage des Geschmacks schieden sich

die Geister, was den Ruf einer ganzen Branche

in Mitleidenschaft zog, die bis heute den etwas

schwerfällig wirkenden Namen Gemeinschaftsverpflegung

(GV) trägt. Gleichwohl

hat sich das längst nachhaltig geändert, die

Zeiten von Wassersuppen, undefinierbaren

Soßen und fetttriefendem Fleisch sind vorüber.

Die Catering-Betriebe haben die Zeichen

der Zeit erkannt und auf die Bedürfnisse reagiert

– sowohl was die Speisen als auch was

das Ambiente betrifft.

Im Wesentlichen decken sie vier Sparten ab:

Unternehmen, Schulen/Hochschulen, Krankenhäuser

und Seniorenheime. Allein im

Businessbereich verfügen rund 9000 Unternehmen

über Betriebsküchen, das Marktvolumen

liegt bei 15 Milliarden Euro. Dem Deutschen

Hotel- und Gaststättenverband

(Dehoga) zufolge erzielen allein die vier größten

deutschen Cateringbetriebe rund eine

Milliarde Nettoumsatz. Wie groß der Markt

ist, zeigt der zusätzliche Verpflegungsbedarf

von cirka 2000 Krankenhäusern, mehr als

1230 Reha-Kliniken, 12.300 Altenpflege-Einrichtungen,

17.000 Ganztagsschulen und 875

Hochschul-Mensen und Cafeterien.

Während im Klinik- und Seniorenbereich die

medizinischen Aspekte die Speisekarte bestimmen

und eine gesunde Ernährung in

Schulen mittlerweile zum Bildungsauftrag

gehört, hat sich auch die kulinarische Erwartungshaltung

in Unternehmen deutlich verändert.

Der Trend geht in Richtung frischer

regionaler Produkte, Gesundheit, Fair Trade

und Nachhaltigkeit, wie Helmut Heinz, Geschäftsführer

der Frankfurter Airport Cater

SIEGESZUG DER VEGETARIER

Angesichts flexibler Arbeitszeiten soll alles

mittlerweile ständig verfügbar und am besten

mitzunehmen sein. Gefragt sind vor allem

„To-Go“-Produkte; Wraps, Cerealien, Joghurts

und Bagels liegen im Trend – frisch gebrühter

Espresso oder Cappuccino sowieso. Gerade

der Gesundheitsaspekt mit dem Wunsch

nach leichter, ausgewogener Nahrung hat

Einzug gehalten in die Menüplanung, ebenso

der Anteil vegetarischer Gerichte, der nach

Dehoga-Erkenntnissen derzeit geradezu

„boomt“. Auch Veganes und Regionales werden

immer beliebter.

Dementsprechend wird Transparenz und die

Offenlegung von Herkunft und Inhaltsstoffen

erwartet. Was in Zeiten von Smartphones,

Table-Computern und Wlan zum Standard

werden soll. Mittlerweile können Mahlzeiten

online geordert werden, wobei die elektronische

Speisekarte via Ampelsystem bisweilen

Auskunft gibt über die Qualität der Inhaltsstoffe,

deren Ursprung, Anbauweise und

Nachhaltigkeit.

Dass die Caterer in der Lage sind, außerhalb

des Alltags für Events und Firmenfeiern noch

eine Schippe draufzulegen und selbige aufs

Feinste auszurichten, versteht sich fast von

selbst. [!]

BERND RINDLE

42


unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[rubrik]

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[machen]

Foto: © guy/Fotolia.com

Altbacken ist hier nix!

Wenn Amateur-Backwaren aussehen, als hätte ein Profi Hand angelegt, könnte die Firma Hobbybäcker-Versand im Spiel

sein. Die in Bellenberg ansässige GmbH versorgt ambitionierte Laien mit Produkten, die etwas hermachen.

rück, sind aber dankbar, wenn jemand dabei

hilft. Ach ja, und eine Art Erfolgsgarantie erwarten

sie selbstredend auch.

Diese Klientel hat dem Hobbybäcker-Versand

zu einem kontinuierlichen Auftrieb verholfen.

Mit den rund 2500 Artikeln aus dem

Katalog können ambitionierte Amateure

über sich hinauswachsen und

erleben zugleich das befriedigende

Gefühl, eigenhändig etwas Großartiges

kreiiert zu haben.

Zum Geschäftsmodell gehörte von Beginn

an, ins Sortiment Produkte aufzunehmen,

die ansonsten nur Profis zur Verfügung

stehen, beispielsweise Pralinenhohlkörper,

bestimmte Teige oder eine große

Geschmackspalette beim für den Tortenbau

nötigen Zusatzstoff „Sahnesteif“.

„Brot und Brötchen“, „Kuchen und Torten“,

„Pralinen“ und „Back-Haushaltswaren“ sind

Grimm zufolge die größten Geschäftsbereiche.

„Schokolade“, „Eis“, „Dekorieren“ und

„Bücher“ gelten ebenfalls als unverzichtbar.

Schließlich will man als Vollsortimenter den

Kunden die Mühen der Sucherei abnehmen.

Warum nicht ein süßes Handtäschchen als ausgefallenes Geschenk?

Typische Kundinnen, wie sie Geschäftsführer

Friedrich-Christian Grimm ausgemacht

hat, haben tausend Sachen

um die Ohren und gleichzeitig Lust, zum Ausgleich

auch mal „handwerklich was zu tun“.

Ihnen fehlt die Zeit, stundenlang in der Küche

zu stehen, geschweige denn, von Geschäft zu

Geschäft zu eilen, um die vielen Zutaten zu

besorgen. Doch sind sie vom Ehrgeiz gepackt,

sehen exquisite Backwaren, bei denen sie

selbst mit Hand angelegt haben, als Bewältigung

einer persönlichen Herausforderung an.

Sie scheuen trotz begrenzter Kenntnisse nicht

mal vor dem Backen schwieriger Torten zu-

DER KATALOG IST WICHTIG

Gleichermaßen „unverzichtbar“ ist laut

Grimm auch der gedruckte Katalog, der es

derzeit auf satte 260 Seiten bringt. Wie das,

wo doch alle Welt über den Untergang von

„Print“ orakelt? Und derweil bei den Bellenberger

„Hobbybäckern“ bereits mehr als 50

Prozent der Bestellungen per Online-Auftrag

einlaufen? Bei den Kunden spielten die Kataloge

als Faktor, sich Anregungen einzuholen,

eine nicht zu vernachlässigende Rolle, ebenso

das regelmäßig erscheinende Kundenmagazin,

erklärt Grimm. Wer wisse schon, ob Bestellungen

per Mausklick allein auf dem Besuch

des Online-Shops beruhten?

Gleichwohl schenkte Grimm dem Shop erhöhte

Aufmerksamkeit, als er 2014 zusammen

mit einem stillen Teilhaber die 1995 gegründete

Firma übernahm. Forciert wurde

auch die Präsenz auf regionalen Messen. Der

„backaffine Endverbraucher“ wolle eben auf

unterschiedlichstem Weg angesprochen werden.

Wichtig ist Grimm

Foto: © rdnzl/Fotolia.com

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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[machen]

Foto: © Africa Studio/Fotolia.com

auch der Laden am Firmensitz, schaffe er doch

den Bezug zur Region und sei das „Schaufenster

für unseren Anspruch als Manufaktur“.

Und er bringe unmittelbare Reaktionen auf

neue Produkte. Denn immerhin rund 350 der

2500 Produkte des jährlichen Katalogs seien

Neuheiten . Nicht ausschließen will Grimm,

in Zukunft weitere Shops zu eröffnen. Es stehe

aber nicht aktuell auf der Agenda.

GEHEIME GEWÜRZMISCHUNG

Wer verbirgt sich hinter dem Kundenkreis?

„Zu 90 Prozent Frauen“, sagt Grimm. Die jüngeren

Altersgruppen interessierten sich mehr

für die Themen „Schokolade“ und „Dekorieren“,

die älteren eher für „Brot und Kuchen“.

Auch innerhalb der Sparten seien die Ansprüche

höchst differenziert. Hinter der Torte in

Gestalt einer Handtasche dürfte vor allem die

Absicht stecken, ein originelles Geschenk zu

schaffen. Die Brotbackmischung aus hochwertigen

Mehlen spricht wiederum eher Leute

an, die keine Lust auf Discounter und Backketten

haben. Entsprechend

ist die

Produktpalette

laut

Grimm im „mittel- bis höherpreisigen Bereich“

angesiedelt.

Die Mehle bezieht die „Hobbybäcker-Versand

GmbH“ von der Benz-Mühle, einer bis ins 15.

Jahrhundert zurückreichenden Traditionsmühle

in der Nähe von Heidenheim. Hier

werden die Mehle nach den Rezepturen der

Bellenberger gemischt. Wie genau sich zugehörigen

Gewürze zusammenstellen, bewahrt

man sich als Geheimnis. Die Abfüllung in

Kleinverpackungen, die Konfektionierung

und der Versand geschehen in Bellenberg. Damit

beim Transport nichts dahinschmilzt

oder zu Bruch geht, werde den Verpackungen

und dem Verpacken hohe Aufmerksamkeit

geschenkt, unterstreicht Grimm. Er sieht in

der Nische die Chance, „Old school“ mit der

schönen neuen Einkaufswelt zu verknüpfen:

„Manufaktur“ und „Versand“ als eine Einheit.

[!] THOMAS VOGEL

Vom Finanzsektor

in Genusswelten

Die Hobbybäcker-Versand GmbH

wurde vom Ehepaar Inge und Heinz

Pinzer aus Vöhringen gegründet. Aus

Bäckerfamilien stammend, fingen die

beiden 1995 mit dem Versand von

Backmischungen an, zunächst quasi

als „Garagenfirma“. Altershalber suchten

sie vor zwei Jahren einen Nachfolger

und trafen auf Friedrich-Christian

Grimm, der die Firma mit einem stillen

Teilhaber erwarb. Die GmbH beschäftigt

derzeit knapp 60 Mitarbeiter, größtenteils

Frauen, viele davon in Teilzeit.

Zur Firma gehört eine Versuchsbackstube

mit drei Fachkräften. Den derzeitigen

Jahresumsatz beziffert der geschäftsführende

Gesellschafter

Grimm, der vorher im Bankenbereich

tätig war, mit 4,4 Millionen Euro. Angestrebt

werde ein jährliches Wachstum

„von mindestens fünf Prozent“. TV

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Hohe Politik am Stamm-Tisch. Das Foto entstand Mitte Juli 1990 im kaukasischen Kurort Schelesnowodsk. Es zeigt Bundeskanzler Helmut Kohl (r), den sowjetischen

Staatspräsidenten Michail Gorbatschow (M) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l). Die Herren ebneten der deutschen Einheit den Weg.

... und meine

Oma weinte

Ob mitten in Berlin, zuhause mit der Oma vor dem

Fernseher oder auf einem USA-Trip. Für Stefan

Loeffler kramen fünf Führ ungs kräfte in ihrem

Gedächtnis und erzählen, wie sie den Tag der

deutschen Wiedervereinigung erlebt haben.

Dr. Uta Feser, seit 2006 Präsidentin

der Hochschule Neu-

Ulm, fragte sich bei der Wiedervereinigung,

ob es überhaupt

möglich sei, die westlichen

Standards der Bundesrepublik

auf die DDR zu übertragen.

1) Erinnern Sie sich noch an den 3. Oktober 1990? Wie

haben Sie den Tag verbracht?

2) Elf Monate zuvor fiel die Mauer. Wie haben Sie dieses

Ereignis erlebt und was ist Ihnen damals durch den

Kopf gegangen?

3) Was haben Sie vor 25 Jahren gemacht?

4) Mit welchem Auto waren Sie damals unterwegs?

5) Was hat sich durch die Wiedervereinigung für Sie verändert,

persönlich und beruflich?

6) Was ist Ihr Lieblingsplatz zum Erholen im wiedervereinigten

Deutschland?

1) Wir waren damals als Assistenten vom Lehrstuhl für Banking &

Finance der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

zur Beratung in Leipzig, um ehemalige Staatsbetriebe der DDR auf

die Erstellung von Eröffnungsbilanzen vorzubereiten.

2) Ich habe die Wiedervereinigung in Nürnberg vor dem Fernseher

erlebt und habe mich tatsächlich gefragt, ob es möglich ist, nicht

nur unsere westlichen Standards auf die DDR zu übertragen, sondern

auch aus dem System der DDR etwas zu übernehmen, wie zum

Beispiel die Kinderbetreuung oder die Polikliniken.

3) Ich war Akademische Rätin an der Friedrich-Alexander-Universität

Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für Banking & Finance.

4) Ein Golf Cabriolet classic.

5) Der freie Reiseverkehr, sowohl beruflich als auch privat.

6) Nach wie vor Oberbayern.

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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[leben]

Heiner-Matthias Honold erlebte

den 3. Oktober mitten im Berliner

Trubel. Der 45-jährige Geschäftsführer

der Honold

Logistik Gruppe in Neu-Ulm ist

verheiratet und hat zwei Kinder.

Dr. Brigitte Zürn fuhr bei der

Grenzöffnung von Bamberg an

die Grenze nach Coburg und erlebte

dort einen Mann, der die

westliche Marktwirtschaft bereits

verinnerlicht hatte. Die

49-jährige Steuerberaterin ist

bei der Dr. Horn Unternehmensberatung

GmbH

beschäftigt.

1) Ich machte eine Lehre in Hannover, und mit Freunden haben wir

beschlossen, nach Berlin zu fahren. In Erinnerung bleibt mir, dass

Ost-Berlin ziemlich dunkel und eher ruhig war – im starken Gegensatz

zu West-Berlin. Ich erinnere mich an die vielen Menschen in

den Straßen. Wir haben schon gemerkt, dass etwas Historisches

stattfindet.

2) Den Fall der Mauer habe ich bewusst damals im Café D‘Art in Neu-

Ulm erlebt. Wir sind dann zum Brunnen auf dem Ulmer Marktplatz

gefahren. An diesem Tag gab es auch ein wichtiges Fußballspiel. Zu

dieser Zeit standen wir kurz vor dem Abitur. Unser Geschichtslehrer

hatte noch Wochen davor gesagt, dass es unmöglich zu einer Vereinigung

kommen könnte.

3) Eine Lehre als Speditionskaufmann in Hannover, wo die Kollegen

dachten, dass ich aus dem Osten komme. Den schwäbischen Dialekt

kannten die Norddeutschen damals anscheinend nicht. Ich

kann mich erinnern, dass meine Aufgabe auch darin bestand, Telefonverbindungen

nach Magdeburg zu organisieren. Teilweise

mussten wir zur Nachrichten-Übermittlung auch Kurierfahrten

machen.

4) Ein Opel Kadett. Nach Berlin sind wir mit einem Trabi gefahren.

5) Persönlich fühlt man sich freier und freut sich, dass die Freiheit gewonnen

hat. Beruflich haben wir in Dresden und Cottbus große

Standorte aufgebaut, die heute noch prima funktionieren. Ausgehend

von Dresden sind wir dann auch Richtung Tschechien aufgebrochen.

6) Joggen in den Wäldern der Region.

1) An den 3. Oktober 1990 kann ich mich noch ganz genau erinnern,

da ich zu dieser Zeit an der Universität Bamberg als wissenschaftliche

Mitarbeiterin ein Projekt betreut hatte, über das ich an der TU

Berlin einen Vortrag halten sollte. Und so war ich am 3. Oktober in

Berlin, hatte tagsüber meinen Vortrag und abends war ich mitten in

den Feierlichkeiten dabei. Die Freude an diesem Tag und dieser

Nacht bei Ost und West war unbeschreiblich. Es wurde auf der Straße

getanzt und alle waren bis spät in der Nacht in Feierstimmung –

für mich unvergesslich!

2) Die elf Monate vorher war ich auch in Bamberg, vor meiner Promotion

habe ich dort Betriebswirtschaft studiert. Am Abend der Öffnung

der Grenzen klingelten Kommilitonen bei mir Sturm und erzählten

mir von der Grenzöffnung. Ich hatte keinen Fernseher und

noch nichts mitbekommen. Wir wollten es gar nicht glauben und

sind sofort nach Coburg an die Grenze gefahren. Es stimmte, es fuhren

scharenweise Trabbis aus dem Osten über die Grenze; die Menschen

jubelten aus offenen Fenstern und veranstalteten ein Hupkonzert.

Am besten ist mir aber ein aus dem Osten herüberfahrender

Mann in Erinnerung geblieben. Er warf haufenweise Visitenkarten

aus dem offenen Autofenster; wir dachten uns nur: Der hat aber die

Marktwirtschaft schon gut verstanden.

3) Siehe oben.

4) Mit meinem heißgeliebten, betagten VW-Käfer.

5) Ich hatte mit meiner Promotion an der Universität Bamberg auch

diesbezüglich viel Glück, da mein Doktorvater sich stark für die Unterstützung

und den Aufbau der Ost-Universitäten nach westlichen

wirtschaftswissenschaftlichen Lehrplänen und Standards engagiert

hat. Ich war vom Herbst 1989 bis 1994 immer die halbe Woche

in Bamberg und die halbe Woche an der TU Dresden. Leider verunglückte

mein Doktorvater 1992 auf dem Weg von Bamberg nach

Dresden tödlich. Uns, seinen Mitarbeitern aus Dresden und Bamberg,

ist es dann aber mit viel Unterstützung aus der Bamberger Professorenschaft

und dem Wissenschaftsminister von Sachsen gelungen,

sein Werk in Bamberg und Dresden fortzuführen, worauf wir

schon etwas stolz waren. Ich habe in dieser Zeit unwahrscheinlich

viel erlebt und gelernt. Positives wie negative Dinge. Es war aber

alles sehr hilf- und lehrreich für mein weiteres Leben.

6) Dresden natürlich!

Erinnerung in Schwarz-Rot-Gold: ein liebevoll aufgehübschter Trabbi samt

Ährenkranz, Zirkel und Hammer. Foto: © planetadiseno/Fotolia.com

47


[leben] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Klaus Gehauf hat in den USA

auf die Wiedervereinigung angestoßen.

Der 59-jährige Wahlschwabe

ist Geschäftsführer der

Ravensburger Gehauf GmbH,

die sich auf Schulung und Beratung

spezialisiert hat.

Sabrina Neumeister war am

3. Oktober 1990 gerade einmal

neun Jahre alt. Dennoch kann

sich die Leiterin der Ulmer Kulturabteilung

sehr gut an den

Tag erinnern.

Foto Flagge: © Carsten Reisinger/Fotolia.com

1) Wir waren in den USA und haben das erst so richtig mitbekommen,

als wir wieder in Deutschland waren. Meine Mutter hatte uns im Urlaub

angerufen und uns an den Tag erinnert. Da haben wir dann auch

ein Glas darauf getrunken. Meine Eltern stammen selbst aus Thüringen,

sind 1949 in den Westen gezogen und hatten auch niemals damit

gerechnet, dass es zu einer Wiedervereinigung kommen würde.

2) Den Fall der Mauer habe ich zusammen mit meiner Frau zuhause im

Fernsehen erlebt. Nachdem wir jahrelang, sowohl in der Schule als

auch von unseren Eltern, immer gehört hatten, dass damit niemals zu

rechnen sein würde, waren wir bereits seit den Vorgängen in Ungarn

mehr als überrascht, dass das nun doch wahr geworden war.

3) Ich war im Aufbau meines Bildungsunternehmens begriffen.

4) Das war ein Daimler Benz. Ich bin ja Wahlschwabe, also was sonst?

5) 1991 hatten wir eine Niederlassung unseres Unternehmens in

Heiden au, in der Nähe von Dresden eröffnet. Der Ort kam erst in den

letzten Tagen wegen der fremdenfeindlichen Ausschreitungen zu

trauriger Berühmtheit. Ich selbst hätte das dort nie erwartet, ich habe

fast nur positive Erfahrungen mit den Heidenauern gemacht. Sonst

hätten wir dort vermutlich auch keine Ferienwohnung erworben.

6) Trotz der Ausschreitungen in Heidenau sind wir dort immer noch

gerne. Vor allem die Nähe zum wirklich tollen Dresden mit seinen

kulturellen und sonstigen Freizeit-Möglichkeiten spielt natürlich

auch eine Rolle.

1) Mein kleiner Bruder bekam an diesem historischen Datum seine

Mandeln entfernt – ich bekam Eis, um die Wartezeit zu versüßen,

und eine kleine Geschichtsstunde von meiner Mama, was es mit der

Wiedervereinigung auf sich hat.

2) Im Alter von acht Jahren kann man die ganze Dimension des

Mauerfalls natürlich nicht erfassen. Die Übertragungen im Fernsehen

habe ich mit meiner ganzen Familie verfolgt. Was mir an diesem

Tag richtig naheging, waren die Tränen meiner Oma, die mit

ihrer Familie im Zuge des 2. Weltkrieges aus ihrer Heimat, dem Erzgebirge,

vertrieben und getrennt worden war. Für meine Oma war

der Mauerfall die „Wiedervereinigung“ ihrer Familie.

3) Ich besuchte die dritte Klasse .

4) Mit dem meiner Eltern – einem Toyota Camry Kombi. Auf dem Rücksitz,

versteht sich.

5) Durch die Wiedervereinigung wurde unsere Familie deutlich größer.

Wir lernten die bis dahin nur namentlich bekannten Geschwister

meiner Oma und deren Kinder und Enkel kennen. Heute sind sich der

westliche und östliche Teil der Familie sogar teilweise wieder richtig

nahe – meine „Großcousine“ aus dem „östlichen Familienzweig“ arbeitet

heute in Neu-Ulm und wir treffen uns regelmäßig.

6) Über Freunde habe ich vor einigen Jahren die Halbinsel Fischland-

Darß-Zingst kennengelernt. Ein unbeschreiblich schönes Gebiet an

der Ostsee, nahe Stralsund .

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unternehmen [!] Ausgabe 47 | Oktober 2015

[namen & nachrichten]

Jobaktion von

Schwäbisch Hall

verpufft

Die Anwerbung portugiesischer

Arbeitnehmer der Stadt Schwäbisch

Hall hat wenig gebracht.

Die Aktion hatte 2012 ein großes

Medienecho ausgelöst. Die

Kampagne habe zwar eine gute

Absicht gehabt, doch sei sie unkonkret,

nicht zielgerichtet und

damit nicht nachhaltig gewesen,

sagte der Chef von Baden-

Württembergs Regionaldirektion

der Bundesarbeitsagentur,

Christian Rauch.

Nur etwa 100 Portugiesen seien

in Jobs vermittelt worden, davon

seien aktuell nur noch etwa

30 bis 50 in der Region beschäftigt.

Reinz investiert in

seinen Standort

Neu-Ulm

Mehrere Millionen Euro hat der

Neu-Ulmer Dichtungshersteller

Reinz in seine neue Produktionshalle

gesteckt. Dort stellt

das Unternehmen, das 1100

Mitarbeiter beschäftigt, Getriebesteuerplatten

für die Autoindustrie

her. Reinz gehört zum

US-Konzern Dana, der seinen

Sitz in Maume im Bundesstaat

Ohio hat. Das Dana-Netzwerk

besteht aus rund 100 Entwicklungs-,

Fertigungs- und Vertriebszentren.

Der Autozulieferer

erwirtschaftete zuletzt mit

23.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz

von 6,6 Milliarden

US-Dollar (5,9 Milliarden Euro).

Schwarzwälder

Käse aus

dem Allgäu

Für Verwirrung sorgt bei Verbrauchern

und Markenschützern

die Praxis der Molkerei

Schwarzwaldmilch in Freiburg

und Offenburg im Ortenaukreis,

ihren „Bio Bergkäse“ als

Schwarzwaldkäse zu deklarieren,

obwohl der Käse im bayerischen

Kimratshofen bei Kempten

hergestellt wird. Zwar wird

der Bergkäse aus Bio-Milch aus

dem Schwarzwald gewonnen

und im Schwarzwald vermarktet,

der Produktionsort aber

liegt im Westallgäu. Das rief die

Verbraucherzentrale Baden-

Württemberg auf den Plan; sie

wirft der Schwarzwaldmilch

mangelnde Transparenz vor. Es

ist bereits das zweite Mal, dass

sich Verbraucherschützer in die

Praktiken von Schwarzwaldmilch

einschalten. 2010 hatte

die Molkerei Butter aus dem

Allgäu aus Allgäuer Milch als

Schwarzwälder Butter in den

Handel gebracht. Der Protest

hatte Erfolg und die Butter verschwand

vom Markt.

Ein Paradies für Skater

Aus dem hohen Norden kommt das Unternehmen, das den

spektakulärsten Outdoor-Skatepark zwischen Alb und Bodensee

konzipiert und gebaut hat: Anker Skateboard Rampen aus

Kiel. Dank speziellem Baumaterial und persönlicher Skate-Erfahrung

haben die Handwerker einen guten Ruf und kaum Konkurrenz.

Sie verwirklichten Projekte von Holland bis Italien.

Nicht zuletzt das veranlasste die Stadt Ulm dazu, 230.000 Euro

in den Skatepark unter der Blautalbrücke zu investieren. SG

Allgäu Airport in

Memmingen darf

erweitert werden

Der jahrelange Rechtsstreit um

eine Erweiterung des Allgäu-

Airports in Memmingerberg im

Unterallgäu ist beendet. Der

Bayerische Verwaltungsgerichthof

hat die Klage zweier

Gemeinden, des Bunds Naturschutz

(BUND) und einer Bürgerinitiative

gegen den Planfeststellungsbeschluss

der

Regierung von Oberbayern zurückgewiesen,

auch die

beanstandete Verkürzung des

Nachtflugverbots. Die Geschäftsführung

des Regionalflughafens

verspricht sich vom

Ausbau des Terminals und einer

Verbreiterung der Start- und

Landebahn von 30 auf 45 Meter

höhere Fluggastzahlen durch

mehr Fluglinien – und damit

mehr Rentabilität. Der Allgäu-

Airport kämpft seit seiner Inbetriebnahme

mit finanziellen

Schwierigkeiten. Dagegen soll

ein neues Finanzkonzept helfen.

Bisher haben die Landkreise

Ober-, Unter und Ostallgäu

sowie die Städte Kempten,

Kaufbeuren und Memmingen

zugesagt, sich mit insgesamt 6,6

Millionen Euro an einem 30

Hektar großen, interkommunalen

Gewerbepark auf dem Flughafengelände

zu beteiligen.

Kunststoff Weiss

mit kräftigem

Umsatzplus

Die Firma Weiss Kunststoffverarbeitung

(Illertissen) hat ihren

Umsatz 2014 um 12 Prozent

auf 47,5 Millionen Euro erhöht.

Der Autozulieferer, der 172 Mitarbeiter

am Stammsitz und 91

im ungarischen Györ beschäftigt,

ist Spezialist für Spritzgussteile.

Die Entscheidung für Györ

im Jahr 2007 sei richtig

gewesen, sagt Geschäftsführer

Jürgen Weiss. Dort könnten

auch Teile hergestellt werden,

die mehr Handarbeit benötigen.

Metallverarbeiter

Kontek steht

vor dem Aus

Entgegen der früheren Einschätzungen

des Insolvenzverwalters

Tobias Sorg kann der

Lohnfertiger Kontek (Blaubeuren-Seißen)

nicht saniert werden.

Weil Sorg keinen Käufer

findet und das Insolvenzgeld

ausgelaufen ist, hat er den 70

Mitarbeitern gekündigt. [!]

49


[namen & nachrichten] Ausgabe 47 | Oktober 2015 unternehmen [!]

Widmaier leitet

Finanzamt

Ravensburg

Erst anderthalb Monate nach

Amtsbeginn, dafür im Kreise

von 200 geladenen, hochrangigen

Gästen

ist Frank

Widmaier

als Leiter des

Finanzamtes

Ravensburg

eingeführt

Kehrt als Chef zurück:

Frank

Widmaier.

worden. Der

Jurist hatte

schon in den

90er Jahren

in den Finanzämtern

Ravensburg und

Wangen gearbeitet, später unter

anderem in der Oberfinanzdirektion

Karlsruhe. Die vergangenen

vier Jahr leitete er das Finanzamt

Ehingen. Widmaier

(Jahrgang 1959) löste Robert

Sattler ab, der im April in Ruhestand

gegangen war.

Das Finanzamt Ravensburg beschäftigt

derzeit 255 Mitarbeiter

und 22 Auszubildende. Es ist

zuständig für rund 35.000 Einkommensteuerfälle.

Hinzu

kommen mehr als 23.000 Arbeitnehmerfälle.

Mehr als

14.000 Firmen werden zur Umsatzsteuer

und 7500 Unternehmer

zur Gewerbesteuer veranlagt.

Das gesante Steueraufkommen

des Finanzamts betrug

im vergangenen Jahr mehr

als 811 Millionen Euro.

Kletter-Pilotprojekt von Mini in Ulm

Einen neuen Weg im Sponsoring beschreiten

Mini Deutschland und das Autohaus Reisacher

(Memmingen). Sie sponsern die Ulmer Boulderhalle

im Rahmen eines Drei-Jahres-Vertrags

mit einem fünfstelligen Betrag. Mini

Deutschland finanziere unter anderem die 30

Gefährliches

Grundrauschen

des Internets

IT-Experten ist es in einem Experiment

gelungen, mit einem

nachgebauten Eisenbahnsystem

binnen sechs Wochen fast

2,7 Millionen Angriffe aus dem

Internet anzulocken. Der Sicherheitssoftwarehersteller

Sophos

hatte das als „Honigfalle“

für Hacker konzipierte Projekt

„Honeytrain“ mit dem deutschen

Industriedienstleister Koramis

organisiert. Mit fast 90

Prozent seien die meisten Zugriffe

automatisiert erfolgt, sagte

Sophos-Experte Chester Wisniewski.

Dahinter steckten also

keine gezielten Angriffe auf das

vermeintliche Verkehrssystem;

vielmehr handele es sich um

„das generelle Rauschen des Internets“.

Ungefähr in der Hälfte

der Fälle sei ein Eindringen mithilfe

sogenannter Wörterbuchattacken

versucht worden

– dabei werden automatisiert

lange Wörterlisten für Benutzername

und Passwort durchprobiert,

um sich in ein System

einzuloggen.

Meter breite und 4,5 Meter hohe Kletterwand

im ersten Jahr komplett, sagt Swen Schulmeyer,

Teamleiter Marketing bei Reisacher. Von

Ulm aus will Mini das Engagement im Bouldersport

deutschlandweit ausbreiten. Geplant ist

eine Mini-Boulderleague im Jahr 2016.

Zum 25. Mal

neue Studenten

an der ZU

Die Zeppelin Universität (ZU)

hat zu Beginn des Herbstsemesters

mehr als 280 neue Studierende

begrüßt. Es ist der 25.

Jahrgang, der an der ZU das Studium

aufnimmt. Rund 220 haben

sich dabei in den Bachelorund

Masterprogrammen neu

eingeschrieben, hinzu kommt

die Rekordzahl von 65 Gaststudierenden

aus 19 Ländern von

den Partnerunis der ZU. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.),

Irmgard Städele,

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Antje Glinka (Bild)

Fotos Lars Schwerdtfeger (Titel

+ Interview), Volkmar Könneke,

Matthias Kessler, Siegfried Geyer,

Getty images, picture alliance,

Werkfotos, PR, Archiv

Druck

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Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

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Telefon 0731 156-515, Fax 481

unternehmen@swp.de

Mediaberatung

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Telefon 0731 156-137

E-Mail s.kulbe@swp.de

Auflage: 15 000 Exemplare

Nächste Ausgabe

2. Dezember 2015

Die Themen

Corporate Clothing

& Dresscodes

Coaching & Mitarbeiterführung

Cybersicherheit: Wo sind

Schwachstellen?

u. v. m.

Anzeigenschluss

6. November 2015

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Suite 7: 182,0 m 2 1.910.500 EUR

Wohnbeispiele

Suite 2: 139,8 m 2 678.000 EUR

Suite 3: 86,4 m 2 509.500 EUR

Suite 4: 103,1 m 2 608.300 EUR

Suite 7: 160,7 m 2 1.542.200 EUR

GSB-UNT-1509

Gräfliche Seedomaine zu Bodman GmbH

Kontakt: Sina Hummler, +49 8382 960630, s.hummler@seedomaine-bodman.com, www.seedomaine-bodman.com


Eines der größten und schönsten

Einrichtungshäuser Süddeutschlands!

50 Jahre Tradition –

die Meilensteine des

Familienunternehmens

Schreinerei und kleiner Möbelhandel in

Nasgenstadt, 1965.

Möbelhaus auf der grünen Wiese, 1977.

Gebäudekomplex um 1989.

Gebäudekomplex um 1993/94 mit einer Ausstellungsfläche

von 22.000 m 2 .

2013, Eröffnung des komplett neu gestalteten und erweiterten Möbelhauses.

Damit verfügt Möbel Borst mit trendpoint über 35.000 m 2 Verkaufsfläche und

einer Lagerkapazität von über 90.000 m 3 .

Von der Schreinerei mit einem kleinen Möbelhandel

zum modernen Möbelhaus inklusive

Mitnahmemarkt – und das in einem halben Jahrhundert.

Möbel Borst in Ehingen blickt auf eine

Wachstumsgeschichte zurück,

die beeindruckt.

Das Einzugsgebiet des Möbelhauses

erstreckt sich heute

von Meßkirch bis Günzburg,

von Bad Urach bis Bad Waldsee.

Mit derzeit über 270 Mitarbeitern

ist Möbel Borst ein

gesundes mittelständisches

Unternehmen mit stetigem

Wachstum und ein sicherer

Arbeitgeber in der Region.

NEU:

2015

2012

2012

2012

2009

Zum 5. Mal der Beste!

Zum fünften Mal insgesamt und dabei zum dritten Mal in Biberach sind wir nun zum

Branchensieger gewählt worden. Auch weiterhin werden wir natürlich alles dafür tun, dieses

Vertrauen zu rechtfertigen und uns bemühen, damit unsere Kunden neben einer riesigen

Auswahl und hervorragendem Service auch die beste Qualität zum günstigen Preis erhalten.

311

A8 10

28

311

trendpoint

10

A7

Möbelhaus Borst GmbH + Co., Karpfenweg 8

89584 Ehingen, direkt an der B311

Tel. 07391/587- 0, Fax. 07391/587-175

www.moebel-borst.de, info@moebel-borst.de

Öffnungszeiten

Montag-Freitag: 9 - 20 Uhr

Samstag: 9 - 18 Uhr

durchgehend geöffnet

Über

1000

311

30

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