unternehmen Juli 2016

suedwest.presse

unternehmen Juli 2016

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 51 | Juli 2016 | 3,00 €

4 197821 303000 5 1

Uli – ein Mann

und sein Bier

Erfrischend altmodisch führt Uli Zimmermann die

Berg-Brauerei in Ehingen. Die Tradition von 550

Jahren lehrt ihn: Sich Zeit nehmen bringt Erfolg.

Sprachmanagement Missverständnisse kommen Firmen teuer SEITE 6

Weiterbildung Wie ich den richtigen Anbieter finde SEITE 34

Umfrage Schulliebe und Abschlussnote: Führungskräfte erzählen SEITE 46


Jahre

M-net

it Highspeed

an die Spitze

Internet & Telefon mit Geschäftskundenvorteil

für Selbstständige und kleine Unternehmen.

Tel.: 0800 7767887

m-net.de/premium

18 Mbit/s ab

14,€ mtl.

90

1

1) Preis ab dem 13. Monat 24,90 € mtl., zzgl. Versandkosten und zzgl. MwSt. Verfügbare Maximalgeschwindigkeit bei Nutzung der Telefon-Hausverkabelung abhängig von deren Qualität.

In vielen Anschlussgebieten verfügbar.


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

Nachhaltigkeit ist ein großes Wort, das zuweilen

reichlich überstrapaziert wird. Im

grün-schwarzen Koalitionsvertrag kommt

es 137mal auf 140 Seiten vor. Ist das nun ein

Ausdruck, wie ernst die Landesregierung das

Thema nimmt oder ein Fall von Schwallhalla?

In dieser Ausgabe stellen wir Unternehmer

vor, die Nachhaltigkeit verinnerlicht

haben. Im Titelinterview erläutert Uli

Zimmermann, mit welchen Werten er die

550 Jahre alte Berg-Brauerei erfolgreich

führt (Seite 10). Firmenchef Jens Schenk aus

Schwendi bekennt sich zum Umweltschutz

und ist Vorreiter in Sachen Kunststoff-Recycling.

Der Alt-68er Dieter Gaißmayer lebt

seine Überzeugungen in seiner Illertissener

Staudengärtnerei in Reinkultur. Und von

den Göppinger Unternehmern Matthias und

Frank Weigele können Sie viel über die

Wertschätzung von Mitarbeitern lernen. Ich

wünsche Ihnen nachhaltig gute Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[spezial]

6 „Ich bin sehr heiß!“ Von den Irrungen

und Wirrungen der Sprache

[titelthema]

10 Schaffen, brauen, hoch die Bügel

Uli Zimmermann im Gespräch

[finanzieren]

20 Ein gutes Werk mit Tücken

Wie eine Stiftung das unternehmerische

Lebenswerk erhalten kann

[machen]

24 Die „Hölle Süd“ lockt Mitarbeiter an

Sportsponsoring macht EWS attraktiv

38 „Es ist schön, etwas tun zu können“

100 Jahre Sanitätshaus Häussler

42 Arbeit in einem blühenden Paradies

Dieter Gaißmayer macht sein Ding

[verantworten]

28 Kostbarer Kunststoff Recycling-Profi

Scheplast aus Schwendi

[gründen]

32 Mitfahrzentrale für Spediteure Vom

Manager zum Gründer: Jörg Frommeyer

[lernen]

34 Hilfe bei der Qual der Wahl Durchblick

bewahren im Weiterbildungsdschungel

[führen]

40 Sage es klar und respektvoll! Tipps

für die Kommunikation im Unternehmen

[leben]

46 Ein kranker Opa und kurze

Lederhosen Umfrage unter

Führungskräften zu ihrer Schulzeit

[namen & nachrichten]

4 Ulm soll digitaler Leuchtturm werden

4 Gute Baukonjunktur beschert

Leonhard Weiss Rekord

5 Bei Voith läuft es wieder besser

31 Umland profitiert von Messe

45 Beliebte BOB

50 Fitness-Metropole Schussental

50 Impressum

34

28 42

06

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Ulm soll digitaler Leuchtturm werden

In Ulms digitaler Entwicklung

bahnt sich ein Quantensprung

an. Derzeit bewirbt sich die Stadt

als Testfeld für das Thema

„Fahrerloses, vernetztes Fahren“

– und hat gute Chancen von der

Landesregierung den Zuschlag zu

erhalten. Dabei punktet Ulm

nicht nur mit IT-Kompetenz, exzellenter

Forschung und innovativen

Betrieben, sondern selbst

mit dem Ulmer Nebel. Denn der

stellt für die Funksteuerung von

Ampeln und Fahrzeugen eine Herausforderung

dar. Der Hintergrund:

Weil die Landesregierung

will, dass die Autos der Zukunft

im Südwesten gebaut werden,

hat sie dieses Testfeld ausgelobt,

das sie mit 2,5 Millionen Euro fördert.

Digital gestützte Mobilität

sei für das Autoland Baden-Württemberg

eines der wichtigsten

Zukunftsthemen, heißt es im

Stuttgarter Wirtschaftsministerium.

Dort bewertet eine Jury die

Bewerbungen von Karlsruhe,

Stuttgart/Ludwigsburg und Ulm.

Federführend bei dem Ulmer Antrag

ist die Universität. Mit dabei

sind die Stadt, die IHK Ulm sowie

der Stuttgarter Standort des Deutschen

Zentrums für Luft- und

Raumfahrt.

Ulm hat einige Trumpfkarten.

Klaus Dietmayer, Professor an

der Universität Ulm, forscht bereits

seit mehr als 15 Jahren an

automatisierten Fahrzeugen. Er

genießt einen exzellenten Ruf.

Zudem forschen in Ulm die Car-

IT-Töchter von Daimler, Audi,

BMW und Continental. Der Nokia-Konzern

betreibt hier ein Mobildfunknetzwerk

zu Forschungszwecken.

Erhielte Ulm

den Zuschlag, wäre die Stadt für

alle Firmen, die sich mit der Entwicklung

von Algorithmen beschäftigen,

als Testgebiet attraktiv.

Die Entscheidung soll im Juli

fallen. Angst vor dem Projekt

braucht niemand zu haben. Denn

die Autos fahren zwar hochautomatisiert,

dennoch sitzt ein Fahrer

im Wagen. [!] GAB/AMB

In Ulm ist nicht nur das Münster mit 161,5 Metern spitze, sondern auch die

Wirtschaftsstärke. Nun will die Stadt auch bei digitalen Themen strahlen.

Gute Baukonjunktur beschert Leonhard Weiss Rekord

Gleich in Serie hat das Bauunternehmen

Leonhard Weiss in den

vergangenen Monaten Preise abgeräumt.

Dazu gehören unter anderem

der deutsche Brückenbaupreis

für die Kochertalbrücke

(A6) und Auszeichnungen als

bester Arbeitgeber und bester

Ausbildungsbetrieb in der Bauindustrie.

Obendrein erhielt das

Familienunternehmen mit

Hauptstandorten in Göppingen

und Satteldorf (Kreis Schwäbisch

Hall) den Innovationspreis der

Baumaschinenmesse für die „Verstärkung

einer Stahlbrücke“.

Auch wirtschaftlich läuft es gut.

Im vergangenen Jahr legte der

Umsatz um 10 Prozent 1,1 Milliarden

Euro zu. Den Gewinn beziffert

das Unternehmen traditionell

nicht. Er sei gegenüber dem

Vorjahr nochmals gestiegen, die

Mit Bahn-Großbaustellen kennt sich Leonhard Weiss aus.

Rendite liege über dem Branchenschnitt,

sagte der Vorsitzende

der Geschäftsführung, Volker

Krauß. „Für Leonhard Weiss war

2015 das erfolgreichste Geschäftsjahr

aller Zeiten.“

Das Unternehmen gehört mit seinen

mehr als 4700 Beschäftigten

zur Bundesliga der deutschen

Bauindustrie. Die Bandbreite

reicht von der Verlegung von

Glasfaserkabeln über den Neubau

der Stuttgarter John-Cranko-

Ballettschule, dem Straßenbau

bis hin zu Eisenbahn-Großbaustellen

wie auf der Neubaustrecke

Stuttgart-Ulm. Mit Ralf

Schmidt, Stefan Schmidt-Weiss

und Alexander Weiss stammen

drei Geschäftsführer aus der vierten

Generation der Gesellschafterfamilien.

Insgesamt gibt es

neun Gesellschafter. [!] AMB

4


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[namen & nachrichten]

Bei Voith läuft es wieder besser

Was war das für eine Aufregung,

als der Maschinenbaukonzern

Voith im Februar 2015 einen radikalen

Jobabbau samt betriebsbedingten

Kündigungen ankündigte

– und obendrein den Verkauf

seiner Sparte Industrielle Dienstleistung

mit 18.000 Mitarbeitern.

Mancher Beobachter hielt die

Kommunikation in dieser Krise

für – freundlich ausgedrückt –

verbesserungswürdig. Bundesweit

gab es negative Schlagzeilen,

die das Image des

traditionsreichen Familienunternehmens

beschädigten. Knapp

anderthalb Jahre später ist die

Aufregung vorbei. Am Stammsitz

in Heidenheim hat Voith 295

Stellen abgebaut, ohne eine Kündigung

auszusprechen. Grundlage

waren konstruktive Gespräche

mit dem Betriebsrat. Allein

112 Mitarbeiter nutzten die

Chance der Frühpensionierung.

Auch der Verkauf ist über der

Bühne. Die britische Beteiligungsgesellschaft

Triton hat 80

Prozent der Sparte Industriedienstleistungen

mit 18.000 Mitarbeitern

übernommen. Damit

schrumpft die Voith-Belegschaft

um fast die Hälfte auf gut 20.000.

Voith will sich auf seine Ingenieur-Kompetenz

im digitalen Zeitalter

besinnen. In der ersten Hälfte

des Geschäftsjahres (31.März)

sank der Umsatz um drei Prozent

auf 2,04 Milliarden Euro. Der Verlust

nach Steuern schrumpfte

von minus 131 auf minus 48 Millionen

Euro. [!]

AMB

Die Entwicklung der Francis-Wasserturbine gilt als Synonym für Voith.

Firmengruppe Liebherr:

Erfolg im Verbund

Foto: Liebherr

Mit rund 41.500 Mitarbeitern gehört

die Firmengruppe Liebherr

zu den größten deutschen Familienunternehmen.

Der Umsatz legte

im vergangenen Jahr um 4,7

Prozent auf den Rekordwert von

9,3 Milliarden Euro zu. Das Jahresergebnis

sank jedoch um 22

auf 294 Millionen Euro. Die

Bandbreite der elf Geschäftsfelder

reicht von Fahrzeugkranen

über Baumaschinen, Hausgeräten

bis hin zu Hotels. In der Region

ist Liebherr in Ehingen, Biberach,

Ochsenhausen, Kirchdorf/

Iller und Lindenberg vertreten.

Sitz der Holding ist im schweizerischen

Bulle. Als zwei von mehreren

Meilensteinen im Jahr 2015

nennt Isolde Liebherr, Vizepräsidentin

des Verwaltungsrates, das

30-jährige Bestehen des Interalpen-Hotels

Tirol und die Feierlichkeiten

zum hundertsten Geburtstag

ihres Vaters Hans

Liebherr. [!]

AMB

In der Firmengruppe aktive Familiengesellschafter (v.l.n.r.): Patricia Rüf, Stéfanie

Wohlfarth, Jan Liebherr, Sophie Albrecht, Isolde Liebherr und Willi Liebherr.

Gründer: Warum der

Südwesten sexy ist

Arm aber sexy. Mit diesem Slogan

hat Berlins Ex-Bürgermeister

Klaus Wowereit einst das Lebensgefühl

der Stadt beschrieben.

Auch für Gründer scheint Berlin

attraktiv zu sein. Mit jährlich 26

Existenzgründungen je 1000 Erwerbsfähigen

führt Berlin den

Vergleich der Bundesländer an.

Schwere Zeiten für

kleine Autohäuser

Die Zahl der selbstständigen Autohäuser

in Deutschland ist 2015

um 400 auf 7400 gesunken. Der

Grund ist die Internet-Konkurrenz

und der allgemein hohe

Preisdruck, heißt es in einer Studie

des Nürtinger Instituts für

Automobilwirtschaft (IFA). Im

Jahr 2000 waren es mit 18.000

noch mehr als doppelt so viele.

Im Südwesten (Platz 10) sank die

Zahl 2015 um 1,3 Prozent auf

69.900. Jedoch haben laut L-Bank,

der Förderbank des Landes, viele

Gründer in Baden-Württemberg

mehr Substanz. Diese hätten den

Plan, ihre Ideen selbst am Markt

durchzusetzen und zum Mittelständler

aufzusteigen. [!] AMB

Ein weiterer Grund für den Trend

sei, dass der Automarkt in

Deutschland weitgehend gesättigt

sei – dass also nur noch wenig

Potenzial da ist für bessere Autoverkäufe.

Nach Einschätzung

von IFA-Chef Willi Diez wird es

2020 noch 4500 Autohändler geben

und der Trend hin zu großen

Handelsketten anhalten. [!] PAU

5


[spezial] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

„Puh, ist das mit der Sprache schwierig!“. Manchmal entscheiden Kleinigkeiten in der Formulierung, wie ich auf andere Menschen wirke.

„Ich bin sehr heiß!“

Sprache ist die Quelle aller Missverständnisse, erst recht im Ausland. Was im Privaten lustig sein kann, wird im

Geschäftsleben peinlich und kostet Umsatz. Für international tätige Firmen ist Sprachmanagement Pflicht.

Sprache ist etwas Wunderschönes, sie kann

aber auch eine Waffe sein, wie der begnadete

Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky

einst schrieb. Aus unseren Erfahrungen im

Alltag wissen wir: „Keiner versteht den anderen

ganz, weil keiner beim selben Wort genau

dasselbe denkt wie der andere.“ Das formulierte

Johann Wolfgang von Goethe bereits

vor rund 200 Jahren. Ein amüsantes Beispiel

für ein solches Missverständnis wird im Studenten-Online-Magazin

„pflichtlektuere.

com“ geschildert: Da saß die italienische Gaststudentin

an einem glühend heißen Sommertag

in einem Seminar, schwitzte stark und

traute sich nicht, das Fenster zu öffnen. Ihr

Professor hat das bemerkt und fragte sie, ob es

ihr gut ginge. Paola, eine sehr sorgfältige Studentin,

antwortete: „Ich bin sehr heiß.“ Damit

hatte sie einen Heiterkeitssturm ihrer Kommilitonen

ausgelöst. Der einfühlsame Professor

rettete die Situation.

KEIN GUTER NAME: „CUE“

Immer dann, wenn in deutscher Sprache gebräuchliche

Begriffe, im Ausland verwendet

oder wörtlich übersetzt werden, drohen peinliche

Pannen. Das wissen auch einige Firmen.

Colgate beispielsweise vertrieb in Frankreich

seine Zahnpasta mit der Marke „Cue“. Das Unternehmen

wusste nicht, dass „Cue“ auch

der Name eines in Frankreich bekannten

Porno-Magazins ist. Auch sollten

sich deutsche Firmen

davor hüten, in den USA

in der heißen Phase der

Fußball-Europameisterschaft

Geschäftspartner

zu einem „Public Viewing“

einzuladen. Denn

dieser Begriff steht in den

Staaten nun einmal für die

öffentliche Aufbahrung

6


[spezial]

Foto: © elnariz / Fotolia.com

eines Verstorbenen. Ein Rucksack-Importeur

nach England sollte sich hüten, sein Produkt

in wörtlicher Übersetzung als „Bodybag“ anzupreisen,

für Briten ist das ein Leichensack.

UNFALLFREI ÜBERSETZEN

Überall lauern Sprachfallen, manche sind mit

hohen Kosten verbunden. „Wenn Fach- und

Marketingtexte nicht von Profis übersetzt

werden, kann ein vermeintliches Schnäppchen

für Unternehmen schnell empfindlich

teuer werden“, sagt Reka Maret, Sprecherin

des Bundesverbandes der Dolmetscher und

Übersetzer und nennt Webshops als Beispiel.

Sie sind auf Sprachpräzision angewiesen,

um bei Suchanfragen gefunden zu werden.

Mehr als 70 Prozent der potenziellen

Kunden kaufen laut einer Studie

keine Waren und Dienstleistungen

auf einer Website, auf der sie

keine Informationen in ihrer

Muttersprache finden. Umso wichtiger

ist die so genannte Lokalisierung

von Internetseiten.

Doch die Zeiten sind vorbei, als das einzige

Werkzeug des Übersetzers ein Wörterbuch

war. Deshalb arbeiten Sprachdienstleister wie

Schmieder Übersetzungen

aus

dem oberschwäbischen

Fronreute-

Staig heute mit effizienteren

Lösungen – der

Kombination aus

Wörterbuch, einer

passgenauen IT-

Infrastruktur und Reka Maret vom Verband

einem leistungsstarken

Translati-

der Übersetzer.

on-Memory-System (TM-System), das einen

zu übersetzenden Begriff erkennt. „Auf diese

Weise werden Fachbegriffe, firmenspezifische

Termini oder Produkte in der jeweiligen

Zielsprache immer gleich übersetzt“, sagt Geschäftsführer

Florian Schmieder.

Für den Ulmer Gartengerätehersteller Gardena

ist Sprachmanagement ein Riesenthema,

sagt Pressesprecher Heribert Wettels. Die Aufgabe

lautet: Kataloge, Gebrauchsanleitungen,

Anzeigen, Filme, Imagebroschüren oder Pressemitteilungen

„unfallfrei“ in 16 Sprachen

vorzulegen. Sie sollen den Märkten entsprechen,

auf denen Gardena vertreten ist.

7


[spezial] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Gardena-Sprecher

Heribert Wettels.

Während bei kleineren

Firmen Werbe-

und Vertriebsmittel

oder

Dokumentationen

womöglich von

einzelnen Abteilungen

eigenständig

produziert

werden – mit der

Gefahr einer uneinheitlichen

Terminologie

–, ist

dies bei Gardena in einer Abteilung zentralisiert.

Das Sprachmanagement des Konzerns

wiederum ist zugleich einem großen externen

Übersetzungs-Dienstleister übertragen.

Grundsätzlich erfolge die Übersetzung immer

in die Mutter-, nie in die Fremdsprache. So seien

selbst kleinste Ungenauigkeiten, wie sie

ein Nicht-Muttersprachler viel leichter übersehe,

ausgeschlossen. Wichtig sei, dass das

Translation-Memory-System mit seinem

Glossar sämtlicher Fachbegriffe laufend fortgeschrieben

werde. Nur so sei die einheitliche

Terminologie in der Ausgangsprache wie in

allen übersetzten Dokumenten garantiert.

Gebrauchsanleitungen mit unfreiwilliger

sprachlicher Komik – für Wettels sind sie ein

untrügerisches Indiz dafür, dass einem Anbieter

der entsprechende Markt nicht viel bedeutet.

„Eine mangelhaft übersetzte Gebrauchsanleitung

wirft ein schlechtes Licht auf ein

ansonsten erstklassiges Produkt“, sagt Wettelks

mit Blick auf Gardena.

Bloß kein falsches Wort

Uno heißt auf Finnisch Trottel. Ob so ein Name den Auto-Absatz fördert, ist fraglich.

Die Bedeutung von Sprachmanagement

wird häufig unterschätzt und ist doch ein

wichtiger Bestandteil des Corporate-

Identity-Konzepts. Definitionsgemäß obliegt

ihm die richtige Handhabung des

Wording, also die bewusst definierte

Sprachwelt eines Unternehmens. Diese

leistet einen wichtigen Beitrag dazu, wie

Unternehmen von Geschäftspartnern

und Interessenten wahrgenommen werden.

Je vielfältiger das Auslandsgeschäft

desto schwieriger ist die Aufgabe und

desto höher ist die Gefahr peinlicher Formulierungen.

Typische Fehlerquellen sind:

Mehrere Autoren verwenden unterschied

liche Fach- und Schlüsselbegriffe.

Unterschiedliche Übersetzer übertragen

diese unterschiedlich.

Wandlungen im Sprachgebrauch werden

unzulänglich transferiert.

Übersetzungen verstoßen gegen den

Styleguide, weil das Sprachmanagement

nur unzulänglich in den kreativen

Prozess eingebunden ist.

THV

RISIKO MIT KUNSTNAMEN

Ein Spezialthema sind die Produkt-Namen.

Eine Rosenschere heißt allerdings auch bei

Gardena Rosenschere, und ein Rechen Rechen,

denn ungeachtet ihres ausgefeilten Designs

unterscheiden sie sich nicht grundlegend

von tradierten Geräten. Bei

Produktinnovationen ist dies anders. Wettels

bringt den „Automower“ von Husqvarna und

den „Sileno“ von Gardena ins Spiel, zwei Rasenmähroboter,

deren Alleinstellungsmerkmale

bereits in der Bezeichnung zum Ausdruck

gebracht werden sollen. Dabei spielt die

Hoffnung eine Rolle, dass im Laufe der Zeit

Produktname und Gattungsbegriff eins werden.

So wie beim Papiertaschentuch „Tempo“,

dem wohl bekanntesten Beispiel dafür.

Im Kunstnamen „Sileno“, in dem „Silentio, Silence,

Ruhe“ anklingt, „soll eine wesentliche

Eigenschaft des Geräts zum Ausdruck gebracht

werden“, erläutert Wettels die Überlegungen

bei der Namensfindung. Risikolos ist

das nicht: Denn „Sileno“ ist kein selbsterklärender

Begriff. Er muss durch PR-Maßnahmen

erklärt werden. Zudem stellt sich die Frage: Ist

dieser Begriff auf den Absatzmärkten rechtlich

geschützt? Und: Hat dieser Kunst-Namen

in anderen Sprachen peinliche Bedeutungen.

BLUMIGES ITALIENISCH

Wie bei sämtlichen Texten verlässt sich Gardena

dabei nicht allein auf die externen Übersetzer,

sondern zieht Wettels zufolge zur zusätzlichen

Absicherung auch noch

hausinterne „muttersprachliche Experten zu

Rate, Vertreter von Marketing, Vertrieb oder

dem Service“.

Nimmt ein Unternehmen die Aufgabe nicht

ernst genug oder gerät es an die Falschen,

drohten Übersetzungsflops, wie sie Verbandssprecherin

Maret immer wieder begegnet

sind. Als Beispiel führt sie einen italienischen

Hersteller an, der fälschlicherweise von einem

Auftrag seines deutschen Kunden für einen

Stempel ausgegangen war, wie er in dessen

Anlage tatsächlich vorkommt. Nur wollte

der aber eigentlich eine „stampo“, also eine

Gussform.

Gerade im Italienischen seien auch technische

Texte oft recht blumig formuliert, was

leicht zu Verstößen gegen die Regeln der technischen

Dokumentation im Deutschen führen

könne, sagt Maret. Peinlich war auch ein

Flop, den vor Jahren Fiat gelandet hat. Erst als

der Stadtflitzer „Uno“ in Finnland schon auf

der Straße war, drang ins Bewusstsein der Italiener,

was damit in der Landessprache gemeint

ist: „Trottel“. [!] THOMAS VOGEL

8


Tagen in

modernem

Ambiente.

ZEISS Forum

// INSPIRATION

MADE BY ZEISS

ZEISS Forum

Conference – Event – Museum

Auf rund 2.000 Quadratmetern bietet das ZEISS Forum in Oberkochen

auf insgesamt drei Ebenen inklusive Cafébar und dem ZEISS Museum der

Optik die ideale Plattform für Business-Veranstaltungen und Konferenzen.

Die 17 flexibel buchbaren Räumlichkeiten, ausgestattet mit modernster

Tagungs- und Veranstaltungstechnik, bieten bis zu 800 Personen Platz.

www.zeiss.de/zeissforum


10


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[titelthema]

Schaffen, brauen,

hoch die Bügel

550 Jahre Bier aus Ehingen-Berg: Uli Zimmermann führt die älteste Brauerei in

Baden-Württemberg. Der Familienunternehmer ist herrlich altmodisch.

Sein Braurezept: Wertschätzung, den Dingen Zeit lassen, verlässlicher Partner

sein – und der Mut, anders als die anderen zu sein.

Hand aufs Herz. Wann haben Sie Ihr erstes Bier

getrunken?

Meine erste Bier-Erfahrung war mit fünf. Ich bin in der

Brauereiwirtschaft aufgewachsen. Wir bezogen Hefe-

Weizen von Tante und Onkel aus Bayern; die brauten

damals kein Kristallweizen. In Baden-Württemberg

trank aber niemand Hefe-Weizen. Also versuchte man,

ohne Hefe einzuschenken und ließ den Rest in der Flasche.

Diesen Rest hab ich als Bub geschlürft. Es hat

furchtbar geschmeckt!

Was meinten Ihre Eltern dazu?

Ich hab noch im Ohr, wie mein Vater sagte, ich würde

von selbst damit aufhören.

Und das erste richtige Bier …

… trank ich mit meinen Mitschülern auf dem Gymnasium

ganz offiziell in der Wirtschaft. Ich glaube nicht,

dass wir über 16 waren.

Bier aus Ehingen-Berg gibt es seit 550 Jahren, das

Reinheitsgebot seit 500 Jahren. Wie fühlt sich das an?

Sehr gut! Manches in der Firmengeschichte stimmt

mich aber auch nachdenklich. Kürzlich las ich einen

Brief meines Großvaters an meine Großmutter aus

dem Jahr 1914. Sie waren frisch verheiratet, ihr Kind

war ein halbes Jahr alt. Er schrieb aus dem Ersten Weltkrieg

von der Front im Elsass. Wenn ich darüber nachdenke,

was er sich damals gewünscht hat und was eintraf,

stimmt mich das demütig.

In der wievielten Generation führen Sie die Brauerei?

Wir zählen die Inhaber. Denn zweimal kam es vor, dass

Frauen durch den relativ frühen Tod ihrer Ehemänner

die Inhaber-Rolle übernahmen. Seit 1757 ist die Brauerei

im Besitz der Familie Zimmermann. Ich bin der

neunte Inhaber mit diesem Namen. Zählen wir alle Inhaber

seit der ersten urkundlichen Erwähnung 1466,

bin ich der 21te.

Was bedeutet Ihnen Tradition?

Tradition ist für mich nicht das Bewahren von Asche,

sondern vielmehr das Feuer am Leben zu halten. Dieser

Grundsatz prägt unser Familienunternehmen. Wir

müssen wissen, wo wir herkommen, wir brauchen

aber auch den Blick nach vorne. Ansonsten gehen wir

rückwärts.

Ihr Ulrichsfest im Jubiläumsjahr feiern Sie ausgerechnet

mit einer Kölner Band, den „Höhnern“. Warum?

Aus Spaß und Lebensfreude. Ehingen ist eine Fasnetshochburg.

In den vergangenen Jahren haben Bands wie

die „Münchner Freiheit“ und die österreichische „EAV“

gespielt. Wir suchen bewusst Musiker, die nicht aus der

Region kommen und nicht in der allerersten Reihe stehen.

Bei 1400 Plätzen könnten wir die Topstars nicht

finanzieren. Wir wollen kein größeres Zelt aufstellen,

weil wir das Fest nicht vergrößern wollen, es soll seinen

Charakter behalten.

Sie haben viele Jubiläumsveranstaltungen, welche

ist für Sie die emotionalste?

Anfang Juni hatten wir eine Freibierstunde in der Gastronomie.

Dafür haben sich Stammgäste mit ihren

Gasthäusern beworben. Wo das Freibier auf den Tisch

kam, haben wir ausgelost. 25 Mitarbeiter waren für eine

Stunde draußen in den Wirtshäusern, egal ob Bierbrauer,

Stapler- oder Bierfahrer. Sie haben eine besondere

Kundennähe, Wertschätzung und oft Begeisterung

für unser Bier gespürt.

Zur Person

„Für mich ist Schaffen

Lebensinhalt im

positiven Sinn“, sagt

Uli Zimmermann. Der

56-Jährige hat Brauer

und Mälzer gelernt;

als Spross einer traditionsreichen

Brauerfamilie

war ihm das

in zwei Betrieben in

Geislingen und in Sigmaringen

möglich.

Danach sattelte er

ein Studium in Weihenstephan

drauf.

Nach Tätigkeiten in

anderen Brauereien

stieg er 1986 ins Familienunternehmen

ein, seit 1994 leitet er

die Brauerei zusammen

mit seiner Frau

Beate. Das Ehepaar

hat zwei Töchter und

zwei Söhne im Alter

zwischen 11 und 24

Jahren. Zum Abschalten

unternehmen Uli

und Beate Zimmermann

gemein same

Spaziergänge, Wanderungen

und Städtereisen

in Deutschland

und Europa.

„Ozapft is“: Brauereichef Uli Zimmermann prüft die Reife des Ulrichsbiers.

11


[titelthema] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Folgte Ihr Vater dem Rat?

Er probierte den „Pils-Weg“. Doch das funktionierte

nicht. Wenn man Pils in seiner extremen Art belässt,

trifft das nicht unseren süddeutschen Biergeschmack.

Dann hat mein Vater es genau andersrum gemacht: Er

hat das Ulrichsbier – völlig altmodisch, malzbetont,

bernsteingolden – das ganze Jahr über angeboten.

Wie war die Resonanz?

In den ersten drei, vier Jahren sehr mäßig. Aber auf einmal

sagten die Leute: „Das schmeckt anders als das Bier,

das ihr und eure Nachbar-Brauereien sonst machen.

Das waren nicht die typischen Biertrinker, es waren

Wenigtrinker, Frauen, junge Leute – diese Kunden haben

Brauereien damals wenig beachtet. Auch wir haben

etwas Zeit gebraucht, um diese Botschaft zu verstehen.

Dann haben wir zügig damit begonnen, mehrere

Sorten mit jeweils eigenem Charakter zu brauen. Weil

das wirtschaftlich und das Bier frisch sein musste, brauten

wir Saison-Biere. Dazu stellten wir seit 1986 Hefe-

Weizen im Fass her – als erste Brauerei in Baden-Württemberg.

Das und der Bügelverschluss der

Ulrichsbier-Flasche, für den wir damals in der gesamten

Branche belächelt wurden, hat uns wieder nach

oben gebracht. Aber da war auch ein bisschen Glück

dabei.

Glück. Wie meinen Sie das?

Dem Ravensburger Kinobesitzer Willi Burth, der auch

in Ehingen, Laupheim und Biberach Häuser hatte,

schmeckte unser Bier. Deshalb bot er es in seinen Kinos

an. Dann kam die Comic-Verfilmung „Werner“ 1990 in

die Kinos. Der Comic-Held trank sein Bier aus einer Bügelflasche.

Dass unser Bier ebenfalls einen Bügelverschluss

hatte, war ein super Gag – und ein Mosaikstein

für den Erfolg des Ulrichsbiers. Wir waren das Original,

keine Nachahmer.

Was waren weitere Faktoren?

Den Mut zu haben, Rezepte extrem zu ändern. Wenn

ein Bier gut ist, darf es nicht jedem schmecken. Wenn

Sie jedermanns Freund sind, haben sie niemandem

zum Freund.

Eins, zwei, drei, vier: Brauereichef

Uli Zimmermann

zählt auf , mit welchen Maßnahmen

die Berg-Brauerei eine

schwierige Zeit in den

1980er Jahren überstanden

hat. Ein wichtiger Punkt: Biere

mit eigenem Charakter.

Ihre Brauerei war Anfang der 80er in einer schwierigen

Phase. Wie kam es, dass das Ulrichsbier das

Unternehmen rettete?

Ulrichsbier ist ein altes Bier. Früher gab es die Sorte nur

zum Ulrichsfest in Ehingen-Berg. Die Branche war in

den 1980er Jahren auf die Sorte Pils gepolt. Ich weiß

noch, wie der Unternehmensberater Roland Berger damals

auf dem deutschen Bierbrauertag referierte und

behauptete: „Wer sich nicht auf Pils und eine einzige

Sorte konzentriert, den wird es im Jahr 2000 nicht mehr

geben.“

Der Biermarkt ist in der Hand weniger großer Biergiganten,

wie viel Platz bleibt mittelständischen

Brauereien?

Kleinere Betriebe müssen ihre Nische finden. Für uns

bedeutet das eine Mengenbegrenzung. Als Beispiel:

Wir brauen jährlich weniger Bier als in drei Wochen in

München auf dem Oktoberfest ausgeschenkt wird. Dafür

punkten wir durch die Nähe zum Kunden. Mein

Grundsatz lautet: Wir müssen jeden Kunden innerhalb

einer guten Autostunde erreichen können. Alles was

darüber rausgeht, ist nicht sinnvoll.

12


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[titelthema]

Wo gibt es Berg-Bier?

Da kann man nicht einen Kreis mit dem Zirkel um

Ehingen ziehen. Im Schnitt sind das 60 Kilometer. Das

Vertriebsgebiet reicht auf die Schwäbische Alb über

Reutlingen hinaus bis auf die Fildern. Das geschah aber

nicht über unseren eigenen Vertrieb, sondern über kleinere

Getränkefachgroßhändler auf der Alb. Die haben

erkannt, wenn Sie in Reutlingen/Tübingen und Stuttgart

erfolgreich sein wollen, müssen sie etwas anderes

bieten als die Händler, die in den Ballungsräumen sitzen

und auf große Biermarken setzen. Diese kleinen

Fachhändler haben erkannt, dass sie dort mit einem

regionalen Brauer etwas bewegen können, wenn dessen

Bier anders schmeckt und er eine klare Philosophie

verfolgt. Uns haben dabei auch unsere Erfahrungen

mit Ulrichsbier geholfen.

Und die sind?

Den Dingen Zeit zu lassen und verlässlicher Partner zu

sein. Die Getränkefachgroßhändler haben für sich diesen

Markt aufgebaut. Zu meinem Verständnis von Partnerschaft

gehört es, dem Fachhandel diesen wirtschaftlichen

Vorteil zu lassen und nicht – wenn das Geschäft

eine gewisse Größenordnung erreicht – die Gastronomiekunden

direkt zu beliefern.

Ist die Nische, die die Berg-Brauerei gefunden hat,

groß genug, um die Existenz des Unternehmens bis

zum 600-Jährigen zu sichern?

Ich bin sicher, dass auch die nachfolgende Generation

Der Ehinger Familienunternehmer

ist sich sicher: „Die

Bedeutung natürlicher Lebensmittel

und handwerklicher

Spezialitäten wird zunehmen.“

WAS ZÄHLT SIND

HARMONIE,

RUHE

UND SIE.

#usmmakeityours

Keep it simple. USM bringt Einfachheit in Ihr Leben:

klare Strukturen, nachhaltiges Design – Raum pur.

#usmmakeityours

buchbrunnenweg 16, 89081 ulm, tel. 0731-96 77 00

dreiköniggasse 20, 89073 ulm-innenstadt, objekt@fey-ulm.de, www.fey-ulm.de

www.usm.com

13


[titelthema] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Uli Zimmermann ist stolz darauf

anders zu sein als andere

Brauereien: „Mit der offenen

Obergärung und der Zweitank-Reifung

heben wir uns

ab.“

aktiv Chancen am Markt suchen und nutzen wird. Das

war immer so. Jede Generation macht es auf ihre Art.

Ich glaube, dass Bier seinen Stellenwert behalten wird

weil es natürlich ist. Durch den demografischen Wandel,

wird die Menge in den nächsten 20 Jahren zurückgehen

Die Bedeutung natürlicher Lebensmittel und

handwerklicher, charaktervoller Spezialitäten wird

zunehmen – dies werden wir nutzen.

Was erwarten Sie von sich und Ihren Mitarbeitern?

Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Achtung vor anderen,

etwa der Konkurrenz. Das heißt auch zu sagen: Der

Nachbar war schneller, das mache ich nicht nach. Oder

Vertriebsgebiete zu akzeptieren. Natürlich wollen wir

alle ein Geschäft machen, doch ich bin überzeugt, gehen

wir achtungsvoll mit Menschen um, bekommen

wir das zurück.

Der Markt teilt sich immer mehr in Fernsehbiere

und Gasthaus-Brauereien. Welche

Entwicklung erwarten Sie?

International wachsen die Großen

zwar noch, aber in Deutschland seit

Jahren nicht mehr. Hier machen sie

etwa 50 Prozent der Menge aus und

tauschen Marktanteile vor allem

untereinander aus. Was früher Warsteiner

hatte, hat heute Krombacher.

Ich bin zuversichtlich, dass

wir auch in Zukunft Verbraucher

von den großen bis mittelgroßen Brauereien dazubekommen,

denen unser Bier schmeckt.

Wir schauen

nicht

kurzfristig

auf die

Rendite

Wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab?

Unser Bier schmeckt anders als das

vom Nachbarn. Letztlich besser –

nach unserem Anspruch –, aber

das muss der Verbraucher entscheiden.

Für mich sind fünf Faktoren

entscheidend, um zu bestehen.

Erstens beziehen wir unsere

Gerste seit Jahrzehnten aus regionalem,

kontrolliertem Anbau. Mit

manchen unserer 36 Lieferanten

sind wir seit 90 Jahren im Geschäft.

Nur aus erstklassigen Rohstoffen entsteht schmackhaftes

Bier.

Craft Beer, also handwerklich gebrautes Bier, gilt

als großer Trend. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Gut und wichtig daran finde ist, dass Bier ins Gespräch

kommt. Das hätten wir Brauer allein nicht geschafft.

Crafts machen Bier interessant für Leute, die sonst kein

Bier trinken.

Was gehört noch zu Ihrer Erfolgsrezeptur?

Im Sudhaus und beim Maischverfahren lassen wir unseren

Zutaten Zeit, ihr Aroma zu entfalten. Technisch

heben wir uns mit der offenen Obergärung und der

Zweitank-Reifung ab. Zunächst kostet das viel Geld.

Anders als Brauereien, die vorrangig auf Rendite ausgerichtete

Aktionäre oder Anteilseigner haben, haben

14


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[titelthema]

wir den Vorteil, dass sich solche Investitionen nicht

innerhalb weniger Jahre lohnen müssen. Viele kleine

Brauereien sind eingegangen, weil sich Erben uneinig

waren oder die Firmen einen hohen Immobilienwert

hatten. Dann wird die Firma gerne verkauft. Das ist bei

uns – leider oder Gott sei Dank – nicht so. Wir verdienen

unser Geld mit Bier. Deshalb ist unsere Ausrichtung

klar. Letztlich spielt der Inhaber eine große Rolle:

was ihn prägt und trägt. Ich bin gelernter Brauer und

Techniker. Daher interessiert mich zuerst wie unser

Bier schmeckt, anders als ein Betriebswirtschaftler, den

zuerst Zahlen interessieren.

Auf welche Kriterien achten Sie beim Rohstoff-

Einkauf?

Zuerst auf den Menschen, mit dem ich arbeite. Weil der

Mensch die Qualität stark beeinflusst. Noch stärker bestimmt

das Wetter die Qualität. Damit müssen Lieferanten

umgehen können. Langfristiges Zusammenarbeiten

ist daher nichts Nostalgisches oder ein Festhalten

an Beziehungen, sondern wir sehen Qualitätswerte.

Mindestens genauso wichtig ist das Vertrauen zueinander.

Sie können alles schriftlich festhalten und unterschreiben.

Das ist müßig. Das Vertrauen, das man sich

schenkt wenn man sich ins Gesicht schaut, ist eine viel

größere Sicherheit.

Welche Trends erwarten Sie in Sachen Geschmack?

Der Trend zu authentischem Geschmack nimmt zu. Je

schnelllebiger unsere Welt wird, umso mehr sucht der

Verbraucher nach unkomplizierten, verlässlichen Angeboten.

Vielleicht auch nach Ruhe. Er muss sich nicht

mit Neuem profilieren, sondern kann einfach sagen,

mir schmeckt die Halbe Bier aus Berg. Das ist unsere

Chance. Wir nehmen die Geschwindigkeit raus.

– und das in einem schrumpfenden Markt. Es ist aber

nicht unser Ziel, mengenmäßig zu wachsen. Zu meinen

Mitarbeitern sage ich: Wir müssen die Chancen,

die uns der Markt heute bietet, nutzen. Denn die kommen

nicht wieder.

Andere Brauereien setzen auf alkoholfreie Erfrischungsgetränke,

haben Sie das auch schon erwogen?

Andere Brauereien suchen den Erfolg in Trends der

Misch- und alkoholfreien Getränke, weil sie im Biersegment

rückläufige Zahlen haben. Wir sind mit unseren

handwerklich gebrauten Bierspezialitäten sehr erfolgreich

und dieses Profil nimmt der Verbraucher wahr.

Mancher Brauer stellt alkoholfreie

Erfrischungsgetränke

her. Für Uli Zimmermann ist

das keine Option, er setzt auf

handwerklich gebraute Bierspezialitäten.

Der Bierdurst der Deutschen nimmt seit Jahren ab.

Die Berg-Brauerei legt seit 25 Jahren stetig minimal zu

Themenwechsel: Wann haben Sie das Zepter von

Ihrem Vater übernommen?

Purismus. Sinnlichkeit. Intelligenz.

Mehr über die Faszination der bulthaup Küche

erfahren Sie im Hause bulthaup bei Grüner in Ulm.

www.gruener-bulthaup.de

bulthaup bei Grüner

Grüner GmbH. Neue Straße 113. 89073 Ulm

Tel. 0731 92 70 59 30

15


[titelthema] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Das Führen der Brauerei

durch Vater und Sohn

entwickelte sich zu einer

Stärke. „Trotzdem gab es

viele Auseinandersetzungen“,

räumt Uli Zimmermann ein.

Der Wechsel war fließend. Ich kehrte 1986 in die Brauerei

zurück. Mein Vater war froh, den Vertrieb loszuwerden.

Durch verschiedene Interessen wurde diese

Zwei-Generationen-Führung zu einer Stärke. Trotzdem

gab es viele Auseinandersetzungen. Meistens ging es

darum, die beste Lösung für unser Geschäft zu finden.

Zum Glück waren wir beide nicht

nachtragend, und am nächsten Tag

war der Streit vergessen. Mein Vater

hat mir Sparsamkeit vorgelebt. Was

nicht heißt, kleinlich zu sein, sondern

bewusst mit Ressourcen umzugehen.

Etwas konkreter, bitte.

Beispielsweise haben wir bereits

vor 60 Jahren Kühlwasser für Pumpen

und Motoren aufgefangen und es zur Kastenreinigung

genutzt, obwohl damals der Wasserpreis noch

keine Rolle gespielt hat. Entscheidend war und ist das

Bewusstsein, dass alles einen Wert hat. Das prägt uns

bis heute. Die Übergabe der Geschäftsführung von meinen

Eltern an meine Frau und mich ab dem Jahr 1990

war keine Zepterübernahme sondern die Übergabe des

Staffelstabes. Wir Jungen sind losgelaufen, als meine

Eltern noch den Stab in den Händen hielten und haben

ihn in vollem Lauf dann übernommen.

Zum Glück

waren

wir beide

nicht

nachtragend

Wie herausfordernd ist es, als mittelständische

Brau erei im Lebensmitteleinzelhandel gelistet zu

werden?

Viele Supermärkte wie Edeka und Rewe haben erkannt,

dass es sich lohnt mit regionalen Produzenten wie uns

zusammenzuarbeiten. Kommen Verbraucher, um ihr

Lieblingsbier zu kaufen, nehmen

sie oft noch die regionalen Kartoffeln

mit. Bei einer großen Warenhauskette

dagegen sind wir schon

vor Jahren ausgestiegen. Nicht aus

wirtschaftlichen Gründen, sondern

weil keine gegenseitige Partnerschaft

gepflegt wurde. Als

Brauer tragen wir aber auch Verantwortung

für die Handelsstruktur.

Was meinen Sie mit Verantwortung für die Handelsstruktur?

Wenn wir wollen, dass die Vielfalt an Getränkemärkten

weiterhin existiert, müssen wir entscheiden, wen

wir in Partnerschaften stärken. An diesem Punkt standen

wir. Es ist falsch, nur zu klagen und sich in 20 Jahren

zu beschweren, was die Zeit gebracht hat. Stattdessen

müssen wir handeln und in Einzelfällen auf Umsatz

verzichten. Nach dem Ausstieg bei der großen Waren-

16


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[titelthema]

Alles richtig abgefüllt? Brauereichef Uli Zimmermann schaut morgens regelmäßig in der Abfüllanlage vorbei.

Die älteste Brauerei

im Südwesten

Die Berg-Brauerei ist eine von 190 aktiven

Brauereien in Baden-Württemberg.

Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1466 zurück,

damit ist sie ist die älteste urkundlich

erwähnte Brauerei im Südwesten.

Seit 1757 ist sie im Besitz der Familie

Zimmermann. Damals heiratete Cyriakus

Zimmermann, geboren 1726 in Mühlhausen

bei Wiesensteig, Maria Anna, die

Tochter des 1756 verstorbenen Wirts Anton

Weber. Heute gehört das Familienunternehmen

aus Ehingen-Berg zu den mittelgroßen

Brauereien mit einer Produktion

zwischen 50.000 und 100.000

Hektolitern. Vier Fünftel ihres Absatzes

vertreibt die Brauerei über den Getränkefachgroßhandel.

In der Brauerei sind 34,

in der Gaststätte 14 Mitarbeiter fest beschäftigt.

Hinzu kommen zu Saisonzeiten

jeweils rund 20 Aushilfen. 1981 führte die

Brauerei drei ganzjährige und zwei saisonale

Biersorten, heute sind es 8 ganzjährige

und sieben saisonale. Jährlicher Höhepunkt

ist das Ulrichsfest, das Kirchenpatrozinium

des Hl. Ulrich, das dieses

Jahr vom 8. bis 11. Juli gefeiert wird.

Zahlen zum Biermarkt: 1976 tranken die

Deutschen im Durchschnitt 151 Liter Bier,

2015 noch 106 Liter. Die Zahl der Brauereien

steigt zwar seit Jahren, auf aktuell

1388, die Hälfte sind Kleinstbrauereien.

hauskette stellten wir übrigens fest, dass mehr als die

Hälfte der Käufer uns treu blieben und die Absatzstelle

wechselten.

Wie sieht Ihre Strategie für die nächsten Jahre aus?

Strategie heißt für mich, geradlinig zu bleiben, auch

wenn es anstrengend wird. Genauso essenziell ist es,

dass wir weiterhin zuhören – Mitarbeitern, Kunden

und Biertrinkern.

Sie haben Ihre Brauereigaststätte aufwendig umgebaut.

Was hat sich dadurch verändert?

Das liebgewonnene Traditionelle haben wir durch pfiffig

Modernes ergänzt. Wir stellen Bier mehr in den Vor-

FACHKRÄFTETAG

ULM & NEU-ULM

JETZT

ANMELDEN!

WIR SIND DABEI:

15.10.2016

10 – 16 Uhr, ratiopharm arena, Neu-Ulm

fachkräftetag.de

Anmeldung unter T 0731 156-579 oder auf fachkräftetag.de

17


[titelthema] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Die Brauereiwirtschaft ist der

erste Schritt zum Kennenlernen.

„Zwei unserer Gaststätten-Mitarbeiterinnen

sind

Biersommeliers und können

viel über Bier erzählen.“

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

LARS SCHWERDTFEGER

dergrund durch viele Informationen, die in die Einrichtung

eingearbeitet wurden. Wir betreiben inzwischen

einen Shop – bei uns heißt das freilich Lädele, in dem

viele Geschenkideen zum Bier angeboten werden. Und

einen Bierkeller, in dem Gäste denen unser Bier bei der

Einkehr geschmeckt hat zu Getränkemarktpreisen unsere

Bierspezialitäten in allen Flaschenformen, Sixpack,

Kiste und sogar im Holzfass mitnehmen können.

Damit gewinnen wir neue Kunden und stärken den

Abverkauf in den Getränkemärkten.

Aber es gab auch Skeptiker.

Mancher einer von denen kam nach dem Umbau zu

uns und sagte: Toll, wie Sie den Raum weiterentwickelt

haben. Vorher war die Brauereigaststätte ein typisches

Speiselokal auf dem Dorf. Die Leute kamen zum Essen.

Die rustikalen Räumlichkeiten sprachen die 20- bis

40-Jährigen kaum an. Heute treffen sich hier Menschen

jeden Alters. An manchen Tagen sitzen Jung und Alt

zusammen am Tisch.

Wie wichtig ist die Brauereigaststätte für die Außendarstellung?

Sehr. Hier öffnen wir uns und laden den Kunden ein,

hinter die Mauern zu schauen. Es zählt nicht, was wir

in Prospekten schreiben, sondern das Bild, das sich jeder

selbst von uns macht. Ein Besuch in der Brauereiwirtschaft

ist der erste Schritt zum Kennenlernen. Zwei

unserer Gaststätten-Mitarbeiterinnen sind Biersommeliers.

Insgesamt haben sechs Damen im Betrieb die

Ausbildung. Unser Team kann einiges über Bier erzählen.

Gleichzeitig sind wir durch die Gaststätte nah am

Kunden. Die Mitarbeiterinnen bringen Themen und

Ideen aus der Wirtschaft in unsere Besprechungen mit.

Manches setzen wir um.

Welche Rolle spielt Ihr Brauerei-Museum?

Für die Stadt Ehingen ist das Museum ein Mosaikstein

für den Tourismus in der Bierkulturstadt. Ich sehe mich

als Ehinger und Brauer in der freudigen Pflicht, einen

Beitrag zu leisten. Es gibt aber einen zweiten Aspekt.

Welcher ist das?

Wenn wir mit dem Museum sichtbar machen können,

dass alte Gärtechniken nicht nur ein nostalgischer

Rückblick sind, sondern wie wir sie auf die heutige Zeit

übertragen – etwa in der Obergärung für Hefe-Weizen

– dann ist das ein Erfolg.

Was lieben Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Das Natürliche – der Weg vom kleinen Gerstenkorn

zum würzigen Bier. Ich liebe es zu sehen, mit welchem

Herzblut unsere Brauer ihr Bier herstellen. Wenn sie

mir zum Beispiel vorführen, wie etwas riecht und meine

Rückmeldung wollen, ist das toll. Auch der Kontakt

zur Landwirtschaft macht Spaß. Dazu gehört die Erzeugergemeinschaft

Albkorn, die ein spezielles Anbaukonzept

verfolgt.

Was ist das Besondere?

Zum Beispiel gibt es auf jedem Feld einen Blütenstreifen.

Nicht wegen der Optik, sondern für die Insekten,

die den Acker durchwandern. Ich bin bei Feldbegehungen

oder technischen Aufgaben dabei. Täglich zu beobachten,

wie aus dem, was die Natur uns gibt, ein Bier

wird, sehe ich als Privileg. [!]

18


NEU

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

SCHAUTAGE

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

Jeden Samstag von 13.00 - 17.00 Uhr*

Jeden Sonntag von 11.00 - 16.00 Uhr*

*Probefahrten, Beratung und Verkauf nur während der

gesetzlichen Öffnungszeiten.

FORD LEASE

Der neue Ford Edge

Einfach souverän.

FORD EDGE TREND

FORD MONDEO VIGNALE

Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),

Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung

und statischem Abbiegelicht, Hochwertige Sportsitze

mit exklusiver Lederausstattung, wabenförmig

gesteppt, mit Memory-Funktion, Rückfahrkamera

Bei uns für


39.950,- 1

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

FORD MONDEO VIGNALE

Adaptive LED-Scheinwerfer (Ford Dynamic LED),

Vignale Nebelscheinwerfer mit Chrom-Umrandung

Kraftstoffverbrauch und statischem Abbiegelicht, (in l/100 km Hochwertige nach VO (EG) Sportsitze

VO mit (EG) exklusiver 692/2008 Lederausstattung, in jeweils geltenden wabenförmig Fassung):

715/2007

und

Ford gesteppt, Mondeo mit Vignale: Memory-Funktion, 5,2 (innerorts), Rückfahrkamera

4,1 (außerorts), 4,5

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).

Bei uns für


39.950,- 1

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Mondeo Vignale: 5,2 (innerorts), 4,1 (außerorts), 4,5

(kombiniert); CO 2

-Emissionen: 119 g/km (kombiniert).

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

1

Gilt für Privatkunden. Gilt für einen Ford Mondeo Vignale Turnier 2,0-l-TDCi-

Dieselmotor 132 kW (180 PS) (Start-Stopp-System).

48,26 cm (19“)-Leichtmetallräder, Ford SYNC 2 mit

Touchscreen, Intelligenter Allradantrieb (AWD), Pre-

Collision-Assist, Klimaanlage mit automatischer

Temperaturkontrolle, Geschwindigkeitsregelanlage

Der neue Ford Edge

Günstig mit der monatl.

Ford Full-Service-Leasingrate von


Einfach souverän.

1,2,3,4

429,- netto

(

FORD € EDGE TREND

510,51 brutto)

48,26 cm (19“)-Leichtmetallräder, Ford SYNC 2 mit

Touchscreen, Intelligenter Allradantrieb (AWD), Pre-

Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Collision-Assist, Klimaanlage mit automatischer

Temperaturkontrolle, Geschwindigkeitsregelanlage

Günstig mit der monatl.

Kraftstoffverbrauch

Ford Full-Service-Leasingrate

(in l/100 km

von

nach VO (EG) 715/2007

und € VO (EG) 692/2008 in der 1,2,3,4 jeweils geltenden Fassung):

Ford 429,- Edge: 6,4 (innerorts), netto 5,4 (außerorts), 5,8 (kombiniert);

CO 2

-Emissionen: 149 g/km (kombiniert).

510,51 brutto)

(


Abbildung zeigt Wunschausstattung gegen Mehrpreis.

Kraftstoffverbrauch (in l/100 km nach VO (EG) 715/2007

und VO (EG) 692/2008 in der jeweils geltenden Fassung):

Ford Edge: 6,4 (innerorts), 5,4 (außerorts), 5,8 (kombiniert);

CO 2

-Emissionen: 149 g/km (kombiniert).

Schwabengarage Ulm/Neu-Ulm

Schwabengarage GmbH

Otto-Renner-Straße 2, 89231 Neu-Ulm, Telefon (0731) 162-0

www.schwabengarage-ulm.de

Ein Unternehmen der Emil Frey Gruppe Deutschland

1

Leasingrate auf Basis eines Kaufpreises von € 36.050,42 netto (€ 42.900,00

brutto), inkl. € 831,93 netto (€ 990,00 brutto) Überführungskosten. 2 Ford

Lease ist ein Produkt der ALD AutoLeasing D GmbH, Nedderfeld 95, 22529

Hamburg. Angebot gilt bei Vertragsabschluss bis 31.07.2016 und nur für

Gewerbekunden (ausgeschlossen sind Großkunden mit Ford Rahmenabkommen

sowie gewerbliche Sonderabnehmer wie z.B. Taxi, Fahrschulen, Behörden).

3

Das Technik-Service-Paket enthält Wartungs- und Inspektionsarbeiten sowie

anfallende Verschleißreparaturen in vereinbartem Umfang und die Kosten für

HU/AU. Die HU wird von einer amtlich anerkannten Prüforganisation (z. B. TÜV,

DEKRA, KÜS, GTÜ) durchgeführt. Details und Ausschlüsse zu allen Services

entnehmen Sie bitte unserer ausführlichen Produktbeschreibung. Nur

erhältlich im Rahmen eines Ford Lease Vertrags. 4 Gilt für einen Ford Edge Trend

2,0-l-TDCi-Dieselmotor 132 kW (180PS) (Start-Stopp-System) (Allradantrieb),

€ 429,- netto (€ 510,51 brutto) monatliche Leasingrate, € 0,- netto (€ 0,00

brutto) Leasing-Sonderzahlung, bei 36 Monaten Laufzeit und 45000 km

1

Gesamtlaufleistung.

Leasingrate auf Basis eines Kaufpreises von € 36.050,42 netto (€ 42.900,00

brutto), inkl. € 831,93 netto (€ 990,00 brutto) Überführungskosten. 2 Ford

Lease ist ein Produkt der ALD AutoLeasing D GmbH, Nedderfeld 95, 22529

Hamburg. Angebot gilt bei Vertragsabschluss bis 31.07.2016 und nur für

19


[finanzieren] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Ein gutes Werk mit Tücken

Viele Unternehmer wollen, dass ihr Lebenswerk auch nach ihrem Tod erhalten bleibt – und etwas Neues

schaffen. Eine Stiftung ist eine Möglichkeit dazu. Doch zur Regelung der Nachfolge eignet sie sich nur bedingt.

Und auch Streit mit potenziellen Erben lässt sich mit ihr nicht vermeiden.

Tue Gutes und schaffe eine dauerhaft gute Lösung – so ähnlich

wird es sich vielleicht Heinrich Grieshaber gedacht haben,

als er vor zwei Jahren zusammen mit seiner Frau Gabriele

eine Stiftung gegründet hat. In dieser Stiftung hat der Präsident

der IHK Bodensee-Oberschwaben alle Anteile seiner Speditionsfirma

in Weingarten eingebracht, um die Unternehmensnachfolge zu

regeln. So will er sicherstellen, dass die Unternehmenskultur fortgeführt

wird und die mehr als 500 Mitarbeiter an sieben Standorten Sicherheit

für ihre Zukunft haben. Ein Verkauf ist damit vom Tisch. „Bei

der Nachfolge war es uns ein Anliegen, dass die Firma in der jetzigen

Form weitergeführt wird.“ So begründete Heinrich Grieshaber seine

Entscheidung bei der Gründung der Stiftung. „Deshalb kam ein Verkauf

des Unternehmens, trotz attraktiver Angebote, nicht in Frage.“

Mit dem Aufbau eines Stiftungsmodells

sorgt der Unternehmer gleichzeitig dafür,

dass sein soziales Engagement auch nach

seinem Tod fortgeführt wird. Denn nach

dem Willen des Unternehmerehepaares

fließen der „Heinrich und Gabriele Grieshaber

Stiftung“ alle Unternehmenserträge

aus dem operativen Geschäft zu, um damit

Kinder und Jugendliche zu fördern sowie

Mitarbeiter in Not zu unterstützen.

Mit seiner Idee ist Grieshaber nicht allein.

Stiften liegt im Trend. 583 rechtsfähige Stiftungen

bürgerlichen Rechts sind nach An-

Michael Göring.

Verbandschef

gaben des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen

im vergangenen Jahr neu errichtet worden. Damit hat die Zahl

der Stiftungen in Deutschland die Marke von 21.000 deutlich übersprungen.

„Jede Woche gibt es elf neue Stiftungen – das ist eine gute

Nachricht aus der Zivilgesellschaft“, sagt Michael Göring, Vorstandsvorsitzender

des Bundesverbandes.

GESETZGEBER BLEIBT VAGE

Interessant dabei ist, dass sich der Gesetzgeber darüber ausschweigt,

was genau eine Stiftung ist. Ganz allgemein gelten Stiftungen als Institutionen,

die mit Hilfe eines Vermögens, das der Stifter mit der Gründung

einbringt, einen bestimmten Zweck verfolgen – und zwar auf

Dauer. Damit das Vermögen nicht irgendwann aufgebraucht und die

Stiftung ohne Mittel dasteht, dürfen nur die erzielten Erträge für den

Stiftungszweck verwendet werden.

Eine Stiftung ist wie eine Pflanze, die gegossen werden muss. Der Stiftungsvorstand

darf nur die erzielten Erträge für den Stiftungszweck einsetzen.

20


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[finanzieren]

Theoretisch können Stiftungen für jeden legalen Zweck und in verschiedenen

rechtlichen Varianten eingerichtet werden. Weit über 90

Prozent sind jedoch als gemeinnützige Stiftung eingetragen. Voraussetzung

dafür ist, dass die Stiftung karitative, soziale oder gemeinnützige

Zwecke verfolgt. Daneben gibt es in größerer Zahl Familienstiftungen.

Ihr Zweck ist es, entweder ganz oder teilweise eines oder

mehrere Familienmitglieder des Stifters aus den Erträgen des Stiftungsvermögens

zu versorgen.

Dass ein Stifter so wie der Unternehmer Grieshaber mit der Gründung

die Nachfolge regeln will, kommt vor, ist allerdings eher die Ausnahme.

Das geht aus der im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie des

Bundesverbandes Stiftungen hervor. Darin gaben nur 8,1 Prozent der

Befragten an, dass sie vor allem zu diesen Zweck eine Stiftung gegründet

haben. Etwa jeweils 30 Prozent wollten eine Rechtsform mit einem

positiven Image wählen oder es spielten steuerliche Motive eine Rolle.

ERBSCHAFTSSTEUER KANN ENTFALLEN

„Das Vorurteil, dass Stiftungen eine Art Steuersparmodell sind, hält

sich hartnäckig“, sagt Ulf Mücke, Fachanwalt für Steuerrecht und Stiftungsexperte

bei der Schweizer Großbank UBS. Doch pauschal stimmt

das nicht. „Eine Familienstiftung oder eine Unternehmensstiftung etwa

genießen keinerlei steuerliche Begünstigungen“, stellt Brun-Hagen

Hennerkes, Vorsitzender des Vorstands Stiftung Familienunternehmen

dazu fest. Der Vorteil einer gemeinnützigen Stiftung ist allerdings,

dass bei der Vermögensübertragung keine Erbschaftssteuer anfällt.

„Dadurch wird die Liquidität des Unternehmens geschont“,

erläutert der Göppinger IHK-Geschäftsführer Gernot Imgart.

Von der Besteuerung befreit sind Stiftungen nur, wenn sie gemeinnützige

Zwecke verfolgen. Dabei schreiben die Gesetze dem Stiftungsvorstand

vor, darauf zu achten, dass aus den Erträgen auch die laufenden

Verwaltungskosten gedeckt werden. Und er muss einen Teil wiederanlegen,

damit das Vermögen in seinem realen Wert erhalten bleibt.

Die Stifter selbst können darüber hinaus alle zehn Jahre eine Million

Euro – bei zusammen veranlagten Ehepaaren sind es zwei Millionen

Euro – als Gründungskosten von der Einkommensteuer absetzen.

Spenden an eine gemeinnützige Stiftung sind ebenfalls abzugsfähig.

Aber das sind Spenden zum Beispiel an gemeinnützige Vereine auch.

In jedem Fall sollten Unternehmer genau prüfen, ob die Gründung

Stiftungsgründer aus Weingarten: Heinrich und Gabriele Grieshaber.

einer Stiftung zu ihren Absichten passt. „Es

gibt einige Möglichkeiten, die Unternehmensnachfolge

neben der klassischen Erbfolge

durch Gründung einer juristischen

Person zu regeln– etwa mit einer gemeinnützigen

GmbH oder einer kleinen Aktiengesellschaft“,

sagt IHK-Experte Imgart. „Eine

Stiftung ermöglicht es allerdings dem

Eigentümer, die Firma langfristig zu sichern,

weil eine Zersplitterung im Zuge der

Erbregelung, eine Zerlegung oder der Verkauf

als Ganzes nicht mehr möglich ist.“

Der Grund hierfür: Eine Stiftung hat keine

IHK-Geschäftsführer

Gernot Imgart.

Eigentümer. Sie gehört sich selbst und unterliegt nur der Stiftungsaufsicht.

Der Stiftungsrat übernimmt die Steuerung, ein Vorstand führt

die Geschäfte „Durch diese Konstruktion können die potenziellen Erben

später eine Stiftung nicht auflösen“, erläutert Mücke. „Dieser Umstand

ist vielen Stiftern wichtig, weil sie ihr Lebenswerk sichern und

verhindern wollen, dass die Erben später die Hand auf das Vermögen

21


[finanzieren] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Ulf Mücke von der

Schweizer Großbank UBS.

legen.“ Dieser Punkt sollte nicht gering geschätzt

werden, denn Streitigkeiten und

Machtkämpfe unter Erben kommen auch

in den besten Familien vor, das hat jüngst

das Beispiel des Albrecht-Clans gezeigt.

STREIT VERMEIDEN

Ein Fallstrick sind dabei vor allem Pflichtteilsansprüche,

die die Erben unter Umständen

vor Gericht einklagen. Für den

Stifter kann das zu einem echten Problem

werden, weil die Stiftung, wenn

sie einmal steht, für die Auszahlung

der eingeklagten Erbansprüche nicht zuständig ist.

„Viele potenzielle Gründer wollen eine Stiftung gründen,

damit sich die Erben nicht streiten“, sagt Mücke.

„Wir erklären ihnen dann, dass sie das Problem

damit nicht lösen, sondern besser

vorher miteinander sprechen. Ein Testamentsvollstrecker

ist in diesem Fall

meist die bessere Lösung, denn er

kann individuelle Einzellösungen

finden und im Fall des Falles auch

einzelne Erben auszahlen.“ Der

Vorteil einer Stiftung liege darin,

dass ein Unternehmen

selbst dann fortgeführt werde,

„wenn keine Nachfolger

aus der eigenen Familie vorhanden

sind“, ergänzt Hennerkes.

„Dies ist für viele Familienunternehmen

oftmals die weit bessere Lösung

als ein Verkauf, was zum

Beispiel das Schicksal des vor

einigen Jahren verkauften Traditionsunternehmen

Geislinger

WMF gezeigt hat.“

Doch der Preis für diese Art der Sicherheit

ist vergleichsweise hoch. „Die Einbringung

von Vermögen in eine Stiftung ist im Regelfall

unwiderruflich. Der Stifter verliert

dauerhaft sein Eigentum am Unternehmen“,

hebt Hennerkes hervor. Die Vermögensübertragung

findet rechtlich für immer statt.

Die Regelungen der Abgabenordnung

sehen lediglich vor, dass der Stifter sich selbst und seinen

Angehörigen eine ganz kleine Apanage zahlen darf. Doch das

entspricht im Kern nicht dem Wesen einer Stiftung. „Jedem potenziellen

Stifter muss wirklich klar sein: Das Vermögen ist weg und ich bekomme

das Geld nie wieder“, warnt Mücke. Der Stifter sollte also bereit

für diesen Schritt sein und sich im Vorfeld überlegt haben, wie viel

Vermögen er zurückhalten muss, damit er selbst und bis zu einem

bestimmten Zeitpunkt auch seine Nachkommen und Angehörigen

versorgt sind. „Das erfordert eine gründliche Vermögensplanung

vor der Gründung. Der Unternehmer muss sich am besten mit

Hilfe seines Bankers ausrechnen, welchen Betrag er und seine

Familie benötigen plus Puffer, um abgesichert zu sein“,

empfiehlt der UBS-Experte. Seiner Erfahrung nach ist

oft dieser Punkt eine Art Weckruf für Unternehmer.

„Ich habe es häufig erlebt, dass Mittelständler

wieder Abstand von dem Gedanken nehmen,

eine Stiftung zu gründen, wenn sie das

Konzept genau verstanden haben.“

Dazu haben Unternehmer, die mit

einer Stiftung ihre Nachfolge regeln

wollen, ihr eigentliches Problem

nicht geklärt: nämlich

die Nachfolge in der Geschäftsführung

des Unternehmens

selbst. Der Eigentümer

steht

weiterhin vor der Aufgabe,

für das Unternehmen

eine oder mehrere

Personen zu suchen,

die sein Unternehmen

erfolgreich weiterführen,

wenn er sich selbst

etwa aus Altersgründen

aus dem Tagesgeschäft

zurückzieht. „Zwar kann

die Stiftung die Anteile dauerhaft

als Anteilseigner übernehmen,

es ist aber nicht ihre Aufgabe,

das Unternehmen operativ zu führen“,

sagt Imgart.

Heinrich Grieshaber hat bereits angekündigt,

dass er und seine Frau sich spätestens

2019 aus dem operativen Tagesgeschäft

in den Aufsichts- und Stiftungsrat

zurück-

22


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[finanzieren]

ziehen werden. Von dort aus kann der Spediteur mitbestimmen, wem

das Tagesgeschäft nach seinem Rückzug in die Hände gelegt wird. Viele

Stifter führen alternativ auch zunächst als Vorstand die Geschäfte

der Stiftung. Weil sie dies meist ohne Gehalt tun, spart die Stiftung

zunächst Kosten. „Die Stifter vergessen aber häufig, dass sie auch für

diese Funktion einen Nachfolger finden müssen, der sich dann weiter

kostenlos engagiert“, erzählt Mücke.

WETTBEWERB UM SPENDENGELDER

„Viele Unternehmer kommen dann ins Grübeln, weil sie merken, dass

das Stiftungsvermögen nicht dazu reicht, einen externen Stiftungsvorstand

angemessen zu entlohnen“, sagt Mücke. Häufig stellten sie dann

auch fest, dass sich mit den Erträgen aus einer Million Stiftungskapital

gar nicht alles bezahlenlasse, was sie selbst zu Lebzeiten noch kostenlos

an Arbeit übernehmen würden.

Jeder Stifter sollte sich daher gut überlegen, wie viel Vermögen seine

Stiftung braucht, um dauerhaft die laufenden Kosten zu decken und

genug Geld übrig zu haben, um den Stiftungszweck zu verfolgen.

„Wichtig ist auch, die Satzung so sauber aufzusetzen, dass die Stiftung

die Chance hat, erfolgreich zu agieren“, empfiehlt Mücke. „Denn sie

muss sich ja durchsetzen gegenüber anderen Stiftungen, weil sie häufig

darauf angewiesen ist, weitere Spendengelder einzusammeln.“ Dazu

kommt, dass die niedrigen Zinsen die Kapitalerträge schmälern.

Zunächst planen und beraten lassen,

dann erst stiften

Bei der Gründung einer Stiftung gilt es im Vorfeld viele Dinge

genau zu planen – etwa den Stiftungszweck – und die Transaktion

rechtlich sauber umzusetzen. Ohne die Hilfe von Fachleuten

wie etwa einem auf das Stiftungsrecht spezialisierten

Fachanwalt ist die Gefahr groß, entscheidende Fehler zu machen.

In Baden-Württemberg haben kleine und mittlere Unternehmen

die Möglichkeit, eine Beratungsförderung etwa über

die RKW, eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft (rkw-bw.

de), in Anspruch zu nehmen. Die Landesförderung unterstützt

bis zu 50 Prozent der Beratungskosten durch einen Zuschuss.

Große Beratungskompetenz in Sachen Nachfolgeregelung haben

zudem viele IHKs im Land. Die IHK Stuttgart zum Beispiel

stellt spezielle Nachfolgemoderatoren.

TL

Eine Änderung der Satzung – etwa um den Stiftungszweck zu erweitern

–, ist zwar grundsätzlich möglich, muss aber durch die Stiftungsaufsicht

genehmigt werden. Auch hier zahlt sich nach den Worten

Mückes gute Planung aus. „Bei der Genehmigung ist es nicht wichtig,

was der Stifter heute denkt, sondern was er gedacht hat, als er die Stiftung

errichtet hat.“ [!]

THOMAS LUTHER

Sie haben ein Lebenswerk geschaffen, mit viel Leidenschaft

und Fleiß, Schwierigkeiten überwunden und

Herausforderungen zum Guten gewendet.

Gründen Sie Ihre persönliche Stiftung, mit Ihrem

Namen, die Ihr Lebenswerk in guter Erinnerung hält.

Wir unterstützen Sie dabei mit unserem Wissen und

unserer langjährigen Erfahrung.

Ihre Ansprechpartnerin für die

Stiftung Sparkasse Ulm

Roschanak Nüssle

Private Banking Beraterin Stiftungen

Tel. 0731 101-1661

roschanak.nuessle@sparkasse-ulm.de

Zuwendungen an die Stiftung Sparkasse Ulm sind über

das Konto Nr. 31 31 bei der Sparkasse Ulm möglich.

23

Eine Initiative der Sparkasse Ulm


Matthias (links) und Frank Weigele

führen den Uhinger Werkzeugbauer

EWS. Sie engagieren

sich sozial und im Sportsponsoring.

Fotos: Giacinto Carlucci.

24


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[machen]

Die „Hölle Süd“

lockt Mitarbeiter an

Der Werkzeugmaschinenbauer EWS wächst rasant und tut viel für seine

Beschäftigten. Seitdem das Familienunternehmen den Handball-Bundesligisten

Frisch Auf Göppingen sponsert, ist Fachkräftemangel kein Thema mehr.

Die Firma EWS ist in aller Munde. Im

übertragenen Sinn, aber auch buchstäblich,

denn eine Wurst trägt ihren

Namen. Wenn Handball-Bundesligist Frisch

Auf Göppingen in der „Hölle Süd“ auf Torejagd

geht, gibt es für die Fans zur Stärkung

„EWS-Rote“. Der Uhinger Werkzeugbauspezialist

ist seit acht Jahren Namenspatron der

altehrwürdigen, früheren Hohenstaufenhalle,

die jetzt EWS-Arena heißt.

Sieben weitere Jahre kommen hinzu. Für das

Sponsoring Geld in die Hand zu nehmen, sei

ein kluger Schachzug gewesen, sind sich die

Geschäftsführer Matthias und Frank Weigele

einig. Die Begeisterung für den Handball habe

bei der Entscheidung eine untergeordnete

Rolle gespielt, unterstreichen die Brüder. Vielmehr

sei es um strategisches Marketing, ja in

erster Linie um Mitarbeitergewinnung, gegangen,

sagt Matthias Weigele. „Das ist voll

aufgegangen.“ Der Bekanntheitsgrad sei

enorm gestiegen, regelmäßig flattern dem international

tätigen Familienunternehmen

Initiativbewerbungen auf den Tisch. Wenn

Frisch Auf wie vor wenigen Wochen dann

noch den Europapokal gewinnt, „wird man

noch ein, zwei Mal mehr angesprochen“,

meint Frank Weigele. Zudem treiben Kinder

und Jugendliche Schulsport in der EWS-Arena

und kämen dadurch frühzeitig mit dem

Präzisionswerkzeugbauer in Kontakt.

500-EURO-GUTSCHEINE

Der viel zitierte Fachkräftemangel ist bei den

Weigeles also kaum ein Thema. Auch sonst

läuft es in der Ideenschmiede aus dem Filstal

rund: Aus einem Drei-Mann-Betrieb wurde in

56 Jahren ein Global Player mit Tochterunternehmen

in den USA, Südkorea, Russland und

China. Das EWS-Vertriebs- und Servicecenter

Fleißig, präzise

und jederzeit

einsatzbereit …

Mit uns st eigern sie

ihre Produktivität!

Setzen Sie zu Ihrer Entlastung auf IDS

Kompetenz für:

Technische Maschinen- /Anlagensanierung,

Instandhaltung und Wartung

Reinigung und Instandhaltung von

Lackieranlagen

Gebäudereinigung

Ent- und Beschichtung von

(Groß-)Bauteilen

Hallen- und Bodenbeschichtung/

Sanierung

Sondertechniken wie Höchstdruckwasserstrahlen

und Trockeneisstrahlen

Regalmontage und -Prüfung

Unsere über 700 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit

helfen Ihnen, Stillstände zu vermeiden und

die eigenen Ressourcen zu schonen.

Sprechen Sie uns an:

+49 7355 932480

IDS – Ihr Partner für

Industry & Facility Services

Personalleasing

Outsourcing

Casting Service

IDS Industry & Facility Services GmbH

Hochdorfer Straße 16, 88454 Unteressendorf

Lagerleiter Alexander Gensel und Disponentin Elena Seleshchuk im Lager der Montage.

www.id-s.de

25


[machen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

in Taicang wurde im vergangenen Jahr eröffnet.

„China ist ein wichtiger Markt, da müssen

wir vor Ort sein“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer

Matthias Weigele – auch wenn

das Beackern dieses Marktes sehr zeitaufwändig

sei. Das Russland-Geschäft macht dem Betrieb

zu schaffen: „Wir haben wegen der Sanktionen

unseren Service zurückgezogen. Das

ist zu gefährlich“, sagt der 51-Jährige. Seiner

Ansicht nach geht die Politik mit diesem Thema

„zu lax“ um. „Die Globalisierung ist super,

aber man muss halt aufpassen.“

Auch wenn EWS durch die Russland-Sanktionen

Geschäfte durch die Lappen geht, ins Trudeln

gerät der Hersteller von hochkomplexen

Werkzeugsystemen für Werkzeugmaschinen

nicht: „Wir machen 60 Prozent unseres Umsatzes

in Deutschland, hauptsächlich in Baden-Württemberg

und Bayern“, sagt Matthias

Weigele. Er und sein Bruder lassen keinen

Zweifel aufkommen, dass die innovative Firma

EWS (Ernst Weigele & Söhne) in Uhingen

am richtigen Platz ist: Hier haben sie 2012 einen

Erweiterungsbau eröffnet, der viel Platz

für Forschung und Entwicklung, aber auch

Montage und Konstruktion bietet.

Am Stammsitz in Uhingen sind 220 Mitarbeiter

beschäftigt, darunter etwa 20 Auszubildende,

die später als Eigengewächse nicht nur

einen festen Arbeitsplatz, sondern auch Aufstiegschancen

haben. „Unsere Mitarbeiter liegen

uns sehr am Herzen“, unterstreichen die

Chefs. Daher scheuen sie keine Kosten und

Mühen für betriebliches Gesundheitsmanagement:

Mit 500-Euro-Gutscheinen können

sich die Beschäftigten eine Massage gönnen,

zum Rückentraining oder zum

Heilpraktiker gehen. Das Ergebnis: Die Fehlzeiten

durch Krankheiten haben sich halbiert.

Sie selbst gehen mit gutem Beispiel voran und

fahren mit dem Fahrrad ins Geschäft.

Vom Drei-Mann-Betrieb zum Global Player

Die Getriebe-Gehäuse werden vollautomatisch bearbeitet und liegen – in Reih und Glied – zum

Transport bereit.

Der Familienbetrieb wurde 1960 von

Matthias Weigeles Vater Gerhard als Drei-

Mann-Betrieb gegründet. Mit im Boot saßen

Gerhard Weigeles Bruder Karl und

deren Vater Ernst. Der kleine Köngener

Betrieb im Kreis Esslingen war Zulieferer

für hydraulische Komponenten und stellte

Laborapparaturen her. 1970 brachte er

die erste CNC-Drehmaschine auf den

Markt. Für die Ideenschmiede begann eine

neue Ära: Das Unternehmen spezialisierte

sich auf die Herstellung von Werkzeughaltern

für solche CNC-gesteuerten

Drehmaschinen. Die Erfolgsgeschichte

begann: In Uhingen im Kreis Göppingen

fand die Firma in der Siemensstraße ein

neues Zuhause und wuchs und wuchs, sodass

im Jahr 2000 der Umzug in größere

„FRÜHER UNDENKBAR“

Was ist das Erfolgsrezept dieses Betriebs, dessen

Wachstum sich die Brüder nicht in den

kühnsten Träumen vorgestellt haben? Zum

einen sind sie durch und durch Optimisten

und immer am Puls der Zeit. Veränderungen

sind keine Schwierigkeiten, „sondern interessant

und spannend“. So wie das Schlagwort

Industrie 4.0, das die Verzahnung der industriellen

Produktion mit modernster Informations-

und Kommunikationstechnik bezeichnet.

„Wir stellen uns darauf ein und orientieren

uns an den Marktanforderungen“, sagt Matthias

Weigele – wohlwissend, dass dieses Thema

eine ungeheure Dynamik entwickelt und

sie und ihre Mitarbeiter fordern wird. Im Gegenzug

zeichne sich ein Trend ab, der vor einigen

Jahren noch undenkbar gewesen wäre:

Firmen ihrer Größe und Sparte kooperieren

verstärkt miteinander. „Die Werkzeugmacher

sind da in Richtung Winzer gegangen“, meint

Frank Weigele (54), der als technischer Geschäftsführer

der EWS vorsteht. So wie die

Weinbauer sich schon lange austauschten, sei

es auch in ihrer Branche mehr und mehr üblich.

„Jeder hat Stärken und Schwächen. Man

kann und muss nicht alles selbst machen“,

erklären die Brüder diesen Wandel.

Was bleibt, ist die Firmenphilosophie: Die

Weigeles schauen nicht nur auf den Gewinn,

sondern sind seit langem für ihr soziales Engagement

bekannt. Mit ihrem Sponsoring für

Gebäude am heutigen Standort in der

Maybachstraße nötig wurde. „Die neue

Technologie war sehr gefragt, wir konnten

eine relativ rasche Entwicklung verzeichnen“,

blickt Geschäftsführer Matthias

Weigele zurück, der 1995 zusammen mit

seinem Bruder Frank in die Firma einstieg.

Am Anfang teilten sich die beiden Brüder

und ihr Vater ein kleines Büro. Heute beschäftigt

die EWS rund 400 Mitarbeiter –

davon 220 im Uhinger Stammhaus und

hat Tochterunternehmen in den USA,

Südkorea, China und Russland. Seit 2009

ist der Werkzeugbauspezialist Namenspatron

der Göppinger Handball-Arena. Dort

geht der Bundesligist und frisch gebackener

Europapokalsieger Frisch Auf Göppingen

auf Torejagd.

SU

die EWS-Arena wollen sie nicht nur dazu beitragen,

dass junge Menschen Sport treiben

können. Matthias Weigele hat zudem ein

Herz für Kinder, mit denen es das Schicksal

nicht gut gemeint hat: Der EWS-Chef ist stellvertretender

Vorsitzender des Vereins „Heart

for Children Deutschland“, der sich für Aids-

Waisen in Uganda stark macht. Dabei krempelt

er selbst vor Ort die Ärmel hoch und packte

zum Beispiel beim Bau eines Schulgebäudes

mit an. Das war 2010, als die deutsche Wirtschaft

schwer zu kämpfen hatte. „Aber wenn

Sie in die leuchtenden Augen der Kinder

schauen, wird die Wirtschaftskrise relativ“,

sagte Matthias Weigele damals. Etwa alle eineinhalb

Jahre fliegt er nach Afrika, um dieses

Leuchten zu sehen und mit nach Hause zu

nehmen. [!] SUSANN SCHÖNFELDER

26


Anzeige

Die Zukunft in sicheren Händen

Erfolgreich in der dritten Generation:

Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-Kanzlei Unruh, Johne und Partner

Die Führungsriege der Steuerberater- und

Wirtschaftsprüfer-Kanzlei Unruh, Johne und

Partner hat Zuwachs bekommen.

Der Blick in die Zukunft gehört zum Erfolg! Bei

der Steuerberater- und Wirtschaftsprüfer-

Kanzlei Unruh, Johne und Partner weiß man

das. Denn ein Teil des täglichen Kerngeschäfts

der Neu-Ulmer Steuer- und Wirtschaftsspezialisten

ist es, ihre Mandanten bei Zukunfts- und

Nachfolgeplanungen ihrer Unternehmen sowie

bei An- und Verkaufsgeschäften zu beraten. Da

ist Weitblick und Klarsicht gefragt. Den haben

die erfahrenen Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

von jeher auch bei ihrer eigenen Unternehmensnachfolge

bewiesen – und gerade

wieder einen neuen Schritt zur Zukunftssicherung

getan.

Dritte Generation steigt ein

Mit Julia Erne (Steuerberaterin) und Florian

Baier (Diplom-Betriebswirt (FH), Steuerberater

und Wirtschaftsprüfer) sind zum Jahresbeginn

2016 zwei hochqualifizierte Mitarbeiter in

den Gesellschafterkreis von Unruh, Johne und

Partner eingestiegen. Sie bilden bereits die

dritte Gesellschafter-Generation und sichern

so die langfristige Zukunft des etablierten Unternehmens,

das mit etwa 40 Mitarbeitern zu

den führenden Kanzleien in der Region Ulm/

Neu-Ulm gehört. Gleichzeitig ist mit dem Drei-

Generationen-Konzept auch eine altersgemäße,

vertrauensvolle Ansprache aller Mandanten

gewährleistet.

Bald 40 Jahre Weitblick

1978 gründete der damals 31-jährige Diplom-

Kaufmann Reinhold Unruh seine eigene Kanzlei

als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Mit

dem Einstieg von Diplom-Kaufmann Dietmar

Johne, ebenfalls Steuerberater und Wirtschaftsprüfer,

war 1983 der Grundstein für eine

partnerschaftlich arbeitende Kanzlei gelegt.

Bereits zehn Jahre später leiteten die beiden

Unternehmenspartner erste Schritte für ihre

Hartmut Häußler, Dietmar Johne, Günter Augustin, Reinhold Unruh, Manfred Weydmann

Fotos: Lukas Hofstätter

langfristige Nachfolge und den Erhalt der weist die Kanzlei Verantwortungsbewusstsein,

Kanzlei ein: Günter Augustin (Diplom-Kaufmann,

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer) Sachverstand beim Thema Unternehmens-

Vertrauenswürdigkeit und nicht zuletzt hohen

und Hartmut Häußler (Diplom-Wirtschaftsingenieur

(FH) und Steuerberater) ergänzen seit doppelt zugute!

nachfolge. Der kommt den Mandanten nun

1992 in zweiter Generation die Führungsriege.

Sie erhielten im Jahr 2011 weitere Verstärkung

von Manfred Weydmann (Diplom-Betriebswirt

(FH), Steuerberater und Wirtschaftsprüfer).

Planungssicherheit für Mandanten

Vorausschauend und unternehmerisch klug,

haben Reinhold Unruh und Dietmar Johne ihre

Unternehmensweichen gelegt. Was den „Gründungsvätern“

persönlich nun mehr Freiheiten

Florian Baier

und einen teilweisen Rückzug aus dem aktiven

Berufsleben ermöglicht, bedeutet für die bestehenden

und künftigen Mandanten von Unruh,

Johne und Partner vor allem Planungssicherheit.

Denn die anspruchsvollen Beratungstätigkeiten

der Kanzlei setzen neben

hoher Fachkompetenz auch Kontinuität und

Verlässlichkeit voraus. Mit der jüngsten Entscheidung,

bereits jetzt die dritte Partner-Generation

ins Führungsensemble zu holen, be-

Julia Erne

27 41


Kostbarer

Kunststoff

Das Image von Plastik ist schlecht, dabei ist es einer der umweltfreundlichsten

Rohstoffe, sagt Firmenchef Jens Schenk. Doch längst nicht alle Unternehmen

strengen sich beim Recyceln so an wie der Mittelständler aus Schwendi.

Aus Kunststoff-Granulat entstehen dank moderner Spritzgusstechnik robuste Bauteile, wie beispielsweise

dieser Aufsatz für ein Akkuladegerät.

Fotos: Marc Hörger

28


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[verantworten]

Nur wenige Werkstoffe eignen sich für

eine Verwertung so gut wie Kunststoff.

„Wenn man es richtig macht, ist Kunststoff

einer der umweltfreundlichsten Rohstoffe,

die es gibt“, betont Jens Schenk. Natürlich

weiß auch der Inhaber und Geschäftsführer

der Kunststoff verarbeitenden Firma Scheplast,

dass sich im Recyceln und Entsorge von

Kunststoff noch viel verbessern lässt. Ein viel

zu hoher Anteil der Werkstoffe wird derzeit

nach dem Ende seines Ersteinsatzes thermisch

verwertet, also verbrannt, um Energie

zu erzeugen. Viel besser wäre eine stoffliche

Verwertung, also eine Aufbereitung als Recyclat

oder Regranulat, um so wieder in den Wirtschaftskreislauf

eingespeist zu werden.

Die Vorgaben für die Recyclingquoten in

Deutschland sind schon ein paar Jahre alt. Die

EU-Abfallrahmenrichtlinie schreibt bis 2020

vor, 50 Prozent der Siedlungsabfälle zu recyceln.

Die Richtlinie wurde in Deutschland im

Juni 2012 mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz

in nationales Recht umgesetzt. Sie gibt vor,

dass 65 Prozent der Siedlungsabfälle bis zum

Jahr 2020 recycelt werden müssen. „Deutschland

hatte dieses Ziel jedoch bereits damals

erreicht“, sagt Ronald Philipp vom Bundesverband

der Deutschen Entsorgungs-, Wasserund

Rohstoffwirtschaft (BDE).

UNGENUTZTES POTENZIAL

Verpackungskunststoffe bilden derzeit den

Hauptinput für die so genannten Recyclate. In

diesem wichtigen Bereich ist eine deutlich höhere

Quote in der stofflichen Wiederverwertung

durchaus drin. Das bestätigt Jörg Lacher,

Pressesprecher des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe

und Entsorgung (BVSE). Die Recyclingquote

bei Verpackungen hat sich EUweit

bei 37 Prozent eingependelt. Nach Lachers

Ansicht müsste diese mittlerweile 50

bis 70 Prozent betragen. „Das ist realisierbar

und lässt sich auch technisch und wirtschaftlich

darstellen“, meint er. Die Recyclate seien

vergleichbar mit den Primärrohstoffen und

fänden ihre Abnehmer in der Kunststoff verarbeitenden

Industrie. 2015, als es Verknappungen

auf dem Primär-Markt gegeben habe,

„hat sich gezeigt, dass die Recyclate eine willkommene

Alternative sind“. Bei anderen Stoffen

wie Schrott und Altmetall, Glas und Papier/Kartonagen

sei man dagegen schon sehr

nahe an den möglichen Umsetzungsquoten.

„Dass es bei Altkunststoff noch nicht so funktioniert,

hat mehrere Gründe“, erläutert BVSE-

Pressesprecher Lacher. Zum einen sei er im

Vergleich zu den anderen Materialien ein relativ

junger Industrierohstoff, die Kreislaufwirtschaft

hinke deshalb hinterher. Zum anderen

ist seine Zusammensetzung vom Menschen

bestimmt,

Unternehmer

Jens Schenk.

Ausgangsbasis ist

eben nicht nur

Rohöl, sondern je

nach Anwendung

werden sehr unterschiedliche

Additive

hinzugefügt. So

gebe es Kunststoffe,

die sehr gut sortenrein

zu halten

sind, wie die PET-

Flaschen, die nach

dem Waschen, Zerkleinern

und Sortieren neue Verwendung beispielsweise

als Flaschen oder in Textilien –

Kunststofffasern in der Multifunktionskleidung

– finden. Mittlerweile besteht für

Regranulate eine stabile Nachfrage. Die

Kunststoff-verarbeitende Industrie hat sich

nach Lachers Worten darauf eingestellt.

Firmenchef Schenk und die Mitarbeiter des

mittelständischen Betriebs in Hörenhausen,

einem Ortsteil von Schwendi (Alb-Donau-

Kreis), haben sich viele Gedanken gemacht,

wie sie Altkunststoff einsetzen können. „Es

gelingt nicht immer, aber es gelingt ganz gut“,

sagt Schenk. Wichtig sei bei nachhaltigem

Wirtschaften, dass der Wille dazu von der

obersten Führungsebene ausgehe. Ein „machen

wir auch mal mit“ funktioniere nicht,

meint er. Recycling sei nur ein Baustein unter

vielen, Wärmerückgewinnung, 100-prozentiger

Bezug von Ökostrom und eine Solaranlage

auf dem Firmendach sind in seinem Unternehmen

weitere. „Wir haben eine Unternehmensvision,

in der wir uns klar zur Umwelt

bekennen.“ Aus dieser wurden Ziele abgeleitet,

die dann umgesetzt wurden.

VISION, ZIELE, UMSETZUNG

Scheplast, Hersteller von hoch qualitativen

Kunststoff-Formteilen, die als Bauteile in vielen

Maschinen, Fahrzeugen, Baumaschinen

oder Elektrogeräten Verwendung finden, setzt

sehr viel Material ein, das recycelt ist. Obwohl

es immer Teile mit Anspruch sind: Entweder

müssen sie sehr belastbar sein oder es sind

sichtbare Teile, beispielsweise an Möbeln.

„Ein Großteil unserer Rohstoffe war schon

mal etwas, wurde wieder aufbereitet und als

Regranulat wieder zur Verfügung gestellt“,

29


[verantworten] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Die IHK-

Recyclingbörse

Die Industrie- und Handelskammern

(IHK) betreiben eine Recyclingbörse,

auf der Unternehmen bundesweit oder

in ihrem Umkreis Wertstoffe nachfragen

und anbieten können. „Der ganz

große Hype ist es nicht“, sagt Eckhardt

Zimmermann von der IHK Stuttgart zu

den Umsätzen über die Börse. Denn

viele Firmen kaufen die Wertstoffe über

direkte Wege ein, haben bereits Beziehungen

zu den entsprechenden Wirtschaftspartnern

und bekommen dort

oft einen besseren Preis als über die

Börse. „Aber wir sehen die Recyclingbörse

als Zusatzservice, wenn keine

Entsorgung direkt möglich ist oder

eventuell Kosten anfallen.“ Und

Schnäppchen sind manchmal auch

drin. Beispielsweise leere Kunststofffässer:

Die einen verkaufen sie, die anderen

verschenken sie.

GAL

www.ihk-recyclingboerse.de

Ein Mitarbeiter prüft den frisch gegossenen Aufsatz für ein Akkuladegrät.

sagt Schenk. Häufig sei Regranulat „einen Ticken

günstiger“ auf dem Markt zu haben, aber

das komme auf die Aufbereitungsprozesse an.

Dafür seien beispielsweise die Farben, die bei

Primärrohstoffen frei wählbar sind, bei Regranulaten

eher dunkel, „von grau aufwärts“.

Wenn mal weißes Regranulat auf dem Markt

ist, kaufe er auf Vorrat, sagt der 43-Jährige.

„Natürlich profitieren unsere Kunden davon,

wenn wir sagen, wir können da etwas günstiger

sein. Aber das ist nicht unser erster Anspruch“

– trotz des preisgetriebenen Marktes.

Scheplast habe aber auch Kunden, die selbst

auf nachhaltiges Wirtschaften Wert legen.

40 PROZENT FEHLWURFQUOTE

Zwischen 700 und 1000 Tonnen verschiedener

Kunststoffe verarbeitet Scheplast jährlich,

von Polyamid (Nylon) und Polyethylen bis zu

Hochleistungswerkstoffen wie das hoch temperaturbeständige

PEEK (Polyetheretherketon).

Das eigene Ziel von 50 Prozent Recyclat

im Fertigungsprozess hat Scheplast schon fast

erreicht. „Das ist extrem viel“, sagt Schenk.

Eine wichtige Voraussetzung, um Kunststoffe

wiederzuverwerten, ist wie beim Glas die sortenreine

Trennung. Festgestellt wurde, dass in

Bayern mit seinem Bring-System zu Wertstoffhöfen

die Qualität der Trennung wesentlich

besser ist als in anderen Bundesländern

mit gelbem Sack oder gelber Tonne. Dafür ist

im Freistaat die gesammelte Menge geringer.

„Eine Berliner Hinterhofsammlung“ bringe

deutlich mehr, sagt Ronald Philipp vom BDE.

Dafür gebe es dort „bis zu 40 Prozent Fehlwurfquoten“.

Sortieranlagen könnten bis zu 16

Fraktionen aussortieren. Doch bei Verbundstoffen

wird’s schwierig. Philipp: „Wenn alles

zusammenpappt, geht es in den Sortierrest.“

Und von dort in die Müllverbrennung. Da ist

dann der „In-Verkehr-Bringer“ gefragt, schon

in der Produktion das Recycling mitzudenken.

Vorschriften dazu könnten beispielsweise

in einer Öko-Design-Richtlinie auf EU-Ebene

erlassen werden.

In einer Analyse rechtlicher Hemmnisse entlang

der Recyclingkette von Kunststoffabfällen

kommt das Öko-Institut zu dem Schluss,

dass der Bundesgesetzgeber in einer Verordnung

Vorgaben erlassen könnte. Das Ziel:

„Den Wertstoff ‘Kunststoff‘ in einem größeren

Umfang als bisher im Stoffkreislauf zu

führen anstatt ihn nach einer Gebrauchsphase

energetisch zu verwerten. Davon hat er bisher

keinen Gebrauch gemacht.“

FERTIGUNGSROBOTER HILFT

Die Firma Scheplast greift nicht nur im Einkauf

auf Recycling-Ware zurück, sie beginnt

mit Recycling direkt an den vollautomatisierten

Fertigungsanlagen. Der Anguss, der bei

Spritzgussformteilen entsteht, wird von einem

Roboterarm entnommen und in eine

Mühle geworfen. Dort wird er geschreddert

und sofort wieder dem Fertigungsprozess zugeführt.

Bei der Verpackung der Ware setzt

Scheplast auf Kartonagen und Gitterboxen.

„Wir haben zwar auch schon in Schaumstoff

verpackt, doch das machen wir schon lange

nicht mehr“, betont Schenk. Foliensäcke, die

etwa beim Einkauf des Granulats anfallen,

werden gesammelt und wiederverwertet.

Für die Zukunft hofft er, dass mehr große Unternehmen

sich des Themas annehmen, denn

mit dem Wort Nachhaltigkeit werde oft

Schindluder betrieben. Dennoch sieht er, dass

sich viele, auch der größeren Betriebe, zumindest

Gedanken machen. „Wir Kleine machen

es aus Idealismus: Man muss es wollen, muss

etwas übrig haben für Natur und Menschheit.“

Dennoch sieht er auch in seinem Betrieb

Luft nach oben: „Auch wir können noch

viel tun.“ [!] WERNER GALLBRONNER

30


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[namen & nachrichten]

Einblicke in die

ARD-Sportschau

in Ehingen

Rund 500 bis 600 Mitarbeitersind

während der Bundesliga-

Stadion an der samstäglichen

„Sportschau“ beteiligt, vom Produktionsassistenten

über Kameramänner

in den Fußballstadien

bis hin zum Moderator.

Diese und andere Einblicke hinter

die Kulissen der Sportsendung

im ARD gab Moderator

René Kindermann vor 80 Interessierten.

Die waren auf Einladung

Guido Hunkes vom Netzwerk

Schwaben nach Ehingen

gekommen und erlebten so

gleichzeitig das „Pre-Opening“

der neuen Zentrale der Donau-

Iller Bank – noch bevor die Mitarbeiter

das 18 Millionen Euro

teure Gebäude bezogen hatten.

Offiziell eröffnet wird es am 13.

Juli. Die Donau-Iller-Bank beschäftigt

275 Mitarbeiter, betreut

47.600 Kunden. Ihr Geschäftsvolumen

beträgt rund

eine Milliarde Euro.

Zeitarbeit

boomt in

Oberschwaben

Umland profitiert von Messe

35 Zeitarbeitsfirmen sind zwischen

Ravensburg und Bad

Waldsee tätig, allein 17 davon

in der Ravensburger Innenstadt,

hat die Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg

gezählt.

Durch den Branchenmix und

die mittelständische Struktur

steht Oberschwaben gut da. Die

Nachfrage nach Personal ist

groß. Da die Region fast Vollbeschäftigung

aufweist und Fachkräfte

knapp am Markt sind,

konkurrieren nicht nur die Unternehmen,

sondern auch Zeitarbeitsfirmen

unter einander

um Mitarbeiter. Zeitarbeit sei

für einen flexiblen Umgang mit

Auftrags schwan k ungen unerlässlich,

betont der Präsident

der Industrie- und Handelskammer

Bodensee-Oberschwaben,

Heinrich Grieshaber.

Elero zieht mit

300 Mitarbeitern

nach Schlierbach

Die Elero GmbH, einer der größten

Hersteller von Antriebstechnik

für Rollladen und Sonnenschutz

in Deutschland,

verlegt ihre Produktion aus

Platzgründen von Beuren (Kreis

Esslingen) nach Schlierbach

(Kreis Göppingen). Dort baut

die Tochter des italienischen

Nice-Konzern für 8,5 Millionen

Euro auf 16.600 Quadratmetern

einen neuen Firmensitz. Ende

2017 soll der Umzug abgeschlossen

sein. Entscheidend

sei neben der Tatsache, dass die

vorwiegend im Raum Kirchheim

beheimateten Mitarbeiter

weiterhin einen kurzen Anfahrtsweg

haben, das große Engagement

von Verwaltung und

Gemeinderat in Schlierbach,

sagt der kaufmännische Leiter

Marco Linkenheil. Elero hat zudem

ein Zweigwerk in Thüringen

mit 150 Mitarbeitern.

Spedition lockt

junge Leute mit

Elektro-Rollern

Rund 146 Millonen Euro an „indirekter Kaufkraft“

erzeugt die Messe Friedrichshafen jährlich

in ihrem Umland. Dies ist das Ergebnis einer

Studie des Münchener Ifo-Instituts. Die

Messe wirkt sich auch direkt auf den regionalen

Arbeitsmarkt aus: die Veranstaltungen, die

auf der Messe stattfinden, sichern 1.700 Vollzeitstellen

in der Region. Zudem entfallen eine

Viertelmillion Übernachtungen im Jahr auf den

Messebetrieb. Die Verantwortlichen hoffen auf

die Elektrifizierung der Südbahn. Weil viele

Messebesucher in Ulm ihren Anschluss Richtung

Süden nicht bekommen, reise kaum noch

einer mit dem Zug an.

Zwar bildet nur jedes vierte Unternehmen

in Deutschland aus.

Doch viele Firmen, die ausbilden,

tun sich schwer, junge Leute

zu finden. Die Neu-Ulmer

Spedition Harder, die stark

wächst und Fachkräfte sucht,

geht nun einen neuen Weg. Firmenchef

Marcello Danie li hat

in einer Anzeigen-Kam pagne jedem

neuen Lehrling einen Elektro-Roller

ver sprochen. Nun

fangen zwei Ju gend liche eine

gewerbliche Ausbildung an. Die

Spedition, die auf Firmenumzüge

spezialisiert ist, beschäftigt

85 Mitarbeiter und hat ein Umsatzziel

von 10 Millionen Euro.

Einkaufszentrum

in Göppingen für

100 Millionen

Bereits seit Jahren ist das geplante

Einkaufszentrum an der

Göppinger Bleichstraße im Gespräch.

Nun haben die Investoren

um den Unternehmer Simon

Schenavsky und Peter

Lefeber von der Acrest Property

Group den Bauantrag für das

100-Millionen-Projekt bei der

Stadt eingereicht. Die Prüfung

dauert wohl bis September. Die

Verkaufsfläche beträgt 14.200

Quadratmeter. Die Eröffnung

ist für Herbst 2018 geplant, im

August soll mit dem Abriss des

bestehenden Frey-Centers begonnen

werden, das der Familie

Schenavsky gehört. [!]

31


[gründen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Mitfahrzentrale für Spediteure

Ungenutzte Kapazitäten bei Fahrten sind für Transportunternehmen ein Gräuel. Die junge Firma Colo21 hilft dabei, freie

Kapazitäten zu vermarkten und die Profitabilität zu steigern. Schlüssel dafür ist eine neuartige Internetplattform.

Preise nicht nennen, sollten sie eine Anfrage

ablehnen. Signalisieren sie jedoch Zustimmung,

kommt also eine Kooperation, sprich:

Sendung zustande, verdient auch Colo21 daran.

Die Firma erhält eine Vermittlungsgebühr

sowie drei Prozent des Frachterlöses. Dafür

übernimmt Colo21 die komplette Abrechnung.

Für den Break-Even seien rund 500 Sendungen

täglich nötig, „davon sind wir nicht

mehr weit entfernt.“

Jörg Frommeyer hat die Führungsposition im Großunternehmen gegen die Selbstständigkeit getauscht.

Der Logistik-Dienstleister Colo21

wächst in stürmischem Tempo. Das

stimmt „Chief Exekutive Officer“ Jörg

Frommeyer, der Gründer, Vorstand und Hauptaktionär

der AG, zuversichtlich. Immer mehr

Spediteure nutzen seine Internetplattform.

Im ersten Quartal lag die Zahl der Nutzer noch

bei 300, seither hat sie sich verdreifacht.

Die Idee seines 2014 gegründeten Unternehmens:

Frommeyer bietet Speditionen eine Art

Foto: Marc Hörger

Mitfahrzentrale für Stückgut an. Dabei bringt

Colo21 internetgestützt Anbieter („Sending-

Partner“) und Nachfrager („Transit- bzw. Distributions-Partner“)

im Stückgutgeschäft zusammen.

Die Transporteure haben auf einem

elektronischen Formular Firmendaten hinterlegt

und auf welchen Routen sie wann wie viel

Kapazität und zu welchen Preisen frei haben.

Bei Anfragen greift ein ausgetüfteltes Regelwerk.

Beispielsweise müssen Nachfrager die

STARTKAPITAL: 1,5 MILLIONEN

Doch selbst bei einem „Umsatz null“ im Jahre

drei der Firmengründung wäre die Existenz

von Colo21 nicht akut gefährdet gewesen,

verrät Frommeyer (49). Er hat mehr als zwei

Jahrzehnte im europäischen Logistikgewerbe

gearbeitet, zuletzt in leitenden Positionen. Eine

halbe Million Euro hat er aus dem Privatvermögen

als Startkapital in die Existenzgründung

gesteckt. Dazu kommt die knappe

Million, die ein Risikokapitalgeber bereitgestellt

hat. Ein beruhigendes Polster.

Größter Ausgabeposten am Anfang war der

Aufbau der IT-Plattform. Kooperationspartner

von Beginn an ist der Ulmer Wirtschaftsinformatiker

und Hochschulprofessor Reinhold

von Schwerin. Mittlerweile kommen die

Löhne von 17 Mitarbeitern hinzu, sechs von

ihnen arbeiten von Griechenland aus. Die im

Moment sechsköpfige IT-Abteilung sitzt in

der angemieteten Firmenzentrale in Dornstadt,

so mancher Ex-Student Schwerins ist

darunter. Von der ersten Idee bis zur Umsetzung

vergingen zwölf Jahre, erzählt Frommeyer.

Seither hat die IT-Entwicklung große

Sprünge gemacht. Dazu gehören die Nutzung

der Cloud sowie die Sendungsverfolgung per

Smartphone-App. Nach dem gedanklichen

Reifungsprozess ging es schnell. Im Februar

2014 ging es mit der Programmierung los, im

April folgte die Gründung, im Oktober waren

Mindestfunktionen bei der IT erreicht, im

März 2015 die ersten 100 Speditionen registriert.

Und aktuell: In vollem Tempo voran.

32


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[gründen]

Frommeyer hat die rasanten Veränderungen

der Branche wie auch den extremen Wettbewerb

im Frachtgeschäft hautnah miterlebt.

Die Konsequenz: „Wer im Stückgutgeschäft

heute weniger als 90 Prozent Auslastung hat,

verliert Geld.“

90 PROZENT SIND ZU WENIG

Und von den zwischen 40 und 80 Trucks, die

täglich zwischen dem Raum Stuttgart und

Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, verkehren,

betrage sie gerade einmal 60 Prozent,

sagt Frommeyer. Da die Transporte aber quasi

fahrplanmäßig festgelegt sind, „müssen die

Lkw fahren, ob voll oder halb leer.“

Hier setzt sein Geschäftsmodell an. Die IT-

Plattform von Colo21 unterstützt die Transporteure

bei der Steigerung der Auslastung

auf deren Hauptstrecken („Hauptlauf“). „Unsere

Lösungen sind nutzbar ohne Investment

in Hard- oder Software, ohne fixe Kosten oder

Mitgliedsbeiträge.“ Hinter dem Firmenkürzel

„Colo“ steckt der Begriff „Co-Loading“.

Warum aber die anfänglich so zögerlichen Reaktionen?

„Weil wir einen Systemwechsel voraussetzen

– von einem integrativen hin zu

einem modularen Netzwerk.“ Dafür aber

müsse erst ein anderes Denken Einzug halten

bei den Kunden in spe und eine Reihe von Prozessen

umgestellt werden.

Auf der Plus-Seite stehe, dass nicht nur Transporteure

profitieren, sondern auch Spediteure.

Für sie könne jetzt schon der Auftrag für

eine einzelne Palette profitabel sein. „Sie können

ein eigenes Stückgutnetz aufbauen oder

erweitern, ohne sich damit das Problem der

kritischen Masse aufzuhalsen.“ Über ein paar

Mausklicks erfahren sie binnen Minuten, welche

Transporteure bereit sind, ihre Sendung

abzuwickeln, wann und zu welchem Preis.

Weil das Ziel die eine hohe Standardisierung

dieses Prozesses ist, bleiben manche Sendungsarten

außen vor, etwa Zoll- oder Gefahrgutsendungen.

„Nur so können wir die Prozesse

schlank halten und industrialisieren“, sagt

Frommeyer. [!]

THOMAS VOGEL

Selbstständigkeit

als Befreiung

Jörg Frommeyer hat Colo 21 im Jahr

2014 gegründet. Die Firma mit Sitz in

Dornstadt beschäftigt derzeit 17 Mitarbeiter.

Zuvor hatte der 49-Jährige ein

lukratives Angebot für eine Führungsposition

abgelehnt, genervt von dem,

was er „Politik“ nennt. Er meint damit

die internen Machtkämpfe in großen

Unternehmen, das gegenseitige Rütteln

an Positionen, die Intrigen, die Unberechenbarkeit

der Chefs. „Damit verbringt

man 80 Prozent seiner Arbeitszeit.“

Man darf sich Jörg Frommeyer als

glücklichen Menschen vorstellen, jetzt,

da er sich im überwiegenden Teil seiner

Arbeitszeit fachlichen Fragen widmet.

Das erlebe er als sehr befreiend. „Als

Selbstständiger hat man einen hohen

Druck. Jedoch ist der Druck in Konzernen

genauso hoch, wenn auch anders

gelagert, sehr viel persönlicher.“ THV

„Nähe,Kompetenz,

Vertrauen.“

Anzeige

???

Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Wir machen den Weg frei.

33


[lernen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Hilfe bei der Qual der Wahl

Eine berufliche Weiterbildung eröffnet neue Perspektiven. Doch welches der vielen Angebote ist das richtige, welcher

Anbieter seriös? Neutrale Beratungsstellen geben Tipps, damit Arbeitnehmer den Durchblick bewahren.

Nadine Müller ist gegen Stillstand. Die

gelernte Industriemechanikerin sorgt

in der Produktion eines großen Pharmakonzerns

dafür, dass die Maschinen zur

Verpackung von Medikamenten jederzeit

rund laufen und eben nicht still stehen. Die

26-Jährige, die für Wartung, Reparaturen und

die Instandhaltung der Anlagen verantwortlich

ist, setzt auch in der beruflichen Ausbildung

auf Bewegung und Fortschritt. Aus diesem

Grund beschloss die Biberacherin eine

Weiterbildung zur Industriemeisterin Metall

zu machen: „Nachdem ich mit meinem Meister

gesprochen hatte, erkundigte ich mich im

Internet über die Möglichkeiten der Fortbildung

und bin dabei bei der Industrie- und

Handelskammer Ulm gelandet.“ Und damit

bei einer wichtigen und neutralen Anlaufstelle

für Weiterbildungsberatung. Für Joachim

Oelkuch ist dies ein wichtiger Bestandteil des

Auftrags der regionalen Industrie- und Handelskammern:

„Obwohl wir auch

Einblicke in akademische

Qualifizierungsmaßnahmen

geben und

wir auf zentrale

Studienberatungsstellen

verweisen

können, liegt unser

Schwerpunkt

Weiterbildungs-Experte

Joachim Oelkuch.

bei der beruflichen

Weiterbildung.

Über unser eigenes

Angebot hinaus hat jedoch Neutralität bei

uns im Haus oberste Priorität. Wir verstehen

uns als Türöffner für eine Vielzahl von Wegen.“

Der stellvertretende Leiter des Bildungszentrums

bei der IHK Ulm empfiehlt Interessenten

als ersten Schritt ein telefonisches

Vorgespräch: „Man muss natürlich wissen,

Vor einer Weiterbildung steht die Frage: Was will

ich künftig beruflich erreichen?

34


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[lernen]

Nadine Müller aus Biberach setzte noch mal auf die Schulbank. Sie ist nun IHK-geprüfte Industriemeisterin

Metall.

Handwerkskammer

Ulm

Bildungsakademie Ulm

was der Ratsuchende will, damit man bereits

im Vorfeld Möglichkeiten und Grenzen der

Beratung abstecken kann.“

ZWEITE MEINUNG EINHOLEN

Natürlich kann man sich auch direkt bei den

einzelnen Bildungsanbietern informieren.

Für Joachim Oelkuch ist dann jedoch Vorsicht

geboten: „Hier sollte man das Gefühl bekommen,

dass diese nicht nur ein Eigeninteresse

verfolgen, ihre Kurse zu verkaufen, sondern

neutral zu einem passenden Kursangebot raten.

Ansonsten bietet es sich an, eine zweite

Beratung bei einer anderen Informationsstelle

anzustreben.“

Die Auswahl an beruflichen Weiterbildungen

ist riesig und stellt viele Interessenten vor eine

große Herausforderung. So gibt es seit dem

Jahr 2015 unter anderem auch ein badenwürttembergisches

Landesnetzwerk für Weiterbildungsberatung,

in dem sämtliche Beratungsstellen

zusammengefasst sind und über

das man sich unter der Internetadresse www.

lnwbb.de informieren kann. „Hier findet man

regionale Institute und Ansprechpartner, die

sich dazu verpflichtet haben, nach einem festgelegten

Qualitätsmodell zu beraten“, erläutert

der Ulmer Weiterbildungs-Experte den

Ansatz des Landesnetzwerkes

Auf der Liste der Beratungsstellen stehen unter

anderem die jeweils regional zuständigen

Agenturen für Arbeit, die Bundesagentur für

Arbeit mit der Datenbank „Kursnet“ und dem

Berufsinformationsnetzwerk „Berufnet“, die

staatliche Zentralstelle für Fernunterricht

(ZFU), der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz

sowie der Bildungsserver

im Netz. Unter www.iwwb.de finden Interessierte

mehr als drei Millionen Kurse in regionalen

und überregionalen Weiterbildungsdatenbanken.

Auch die Stiftung Warentest

bietet kostenfreie Informationsdokumente

an. Darin enthalten sind unter anderem Prüflisten.

An Hand dieser können Interessierte

festzustellen, ob ein Kurs oder ein Anbieter zu

ihren Wünschen passt. „Zudem hält die Stiftung

auch eine Übersicht über anerkannte

Qualitätssiegel bereit“, sagt Oelkuch.

Eines ist klar. Ob bei Berufswechsel, Wiedereinstieg

nach Krankheit, Ende der Schulzeit,

Die erste Wahl

für Ihre berufliche

Weiterbildung!

Die Bildungsakademien der

Handwerkskammer Ulm

bieten Ihnen hochwertige

Aufstiegsfortbildungen.

• Betriebswirtschaft und

Unternehmensführung

• Meistervorbereitung

• EDV

• Energie und Umwelt

• Technische Fachlehrgänge

• Schweißen u. Materialprüfung

• Visualisieren. Kommunizieren.

Gestalten.

Alle Kurse & Seminare unter

www.hwk-ulm.de/weiterbildung

35


[lernen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Beginn der Ausbildung oder um einer längeren

Arbeitslosigkeit zu entkommen – die

Gründe eine Weiter- oder Fortbildung anzustreben

sind so vielseitig wie das Angebot von

staatlichen und privaten Bildungsinstituten

groß ist. Doch woran erkennt man seriöse Anbieter?

Joachim Oelkuch: „Auch hier ist eine

Abklärung im Vorfeld wichtig. Es sollten Fragen

gestellt werden, zum Beispiel zur Qualifikation

der Dozenten, zu den fachlichen Voraussetzungen

für einen Kurs, der

Gruppengröße, den genauen Lernzielen und

Lernmethoden.“

Bildungsurlaub kaum gefragt

Foto: © ra2 studio / Fotolia.com

Viele Wege führen in den Bildungsurlaub, doch das Gros der Mitarbeiter im Südwesten winkt ab.

Beschäftigte in Baden-Württemberg

haben einen Anspruch darauf, sich zur

Weiterbildung von ihrem Arbeitgeber bis

zu fünf Tagen pro Jahr freistellen zu lassen.

Die Freistellung, die seit 2015 im Bildungszeitgesetz

Baden-Württemberg geregelt

ist, erfolgt unter Fortzahlung des

Arbeitsentgeltes. Dieser sogenannte Bildungsurlaub

ist jedoch kaum gefragt.

Joachim Oelkuch, Weiterbildungsexperte

GUTE ANBIETER ÖFFNEN SICH

Thomas Borowiec vom Bundesinstitut für Berufsbildung

(BIBB) in Bonn hebt eines hervor:

„Das A und O ist zu wissen, wohin die Reise

gehen soll.“ Er rät Arbeitnehmern, die Angebote

nach bestimmten Kriterien zu durchleuchten

und sich zum Beispiel über die Erfahrung

des Anbieters im Bereich der

beruflichen Weiterbildung zu erkundigen:

Welche Reputation und welche Referenzen

hat der Anbieter? Arbeitet er mit anerkannten

Qualitätssicherungssystemen? Lässt er seine

Angebote evaluieren

oder gar die

Arbeitsergebnisse

und Erfolge der

einzelnen Weiterbildungsmaßnahmen

dokumentieren?

Der

Weiterbildungs-

Spezialist Borowiec

weist darauf

Thomas Borowiec vom hin, dass man unbedingt

mehrere

BIBB in Bonn.

Angebote von verschiedenen

Bildungsanbietern vergleichen

sowie die Vertragsgestaltungen studieren sollte:

„Es ist durchaus sinnvoll, die Allgemeinem

Geschäftsbedingungen zu lesen und sich über

Kündigungs- und Rücktrittsmodalitäten und

Bezugnahmen auf Angaben zu Lehrgangsrichtlinien

und Fortbildungsordnungen zu

informieren.“

Zudem empfiehlt er, das Preis-Leistungs-Verhältnis

genau zu vergleichen sowie „Tage der

offenen Tür“, individuelle Beratungen oder

auch „Schnupper-Teilnahmen“ bei langfristigen

und kostenintensiven Weiterbildungsangeboten

zu nutzen. Wichtige Anhaltspunkte

liefert auch die Checkliste Weiterbildung, die

das Bonner Institut zusammengefasst und unter

www.bibb.de/checkliste ins Netz gestellt

hat. Das Dokument ist als PDF abrufbar und

für all diejenigen gedacht, die sich bereits

grundsätzlich darüber informiert haben, welche

Art von beruflicher Weiterbildung für sie

infrage kommt. „Die Checkliste ersetzt aber

kein persönliches Beratungsgespräch“, betont

Borowiec.

HILFE VOM ARBEITGEBER

Zur leichteren Handhabung werden wichtige

Begriffe am Ende des ausdruckbaren Dokuments

in einem Glossar alphabetisch aufgeführt

und erläutert. Hier findet man alles Wissenswerte

von Aufstiegsfortbildung über

Duale Studienangebote bis hin zu den zuständigen

Stellen. Zudem umfasst der Wegweiser

eine Übersicht von Fördermöglichkeiten sowie

eine Prüfliste zum Vergleich von Weiterbildungsanbietern.

von der IHK Ulm: „Soweit wir das einschätzen

können, wird der Bildungsurlaub

eher in Ausnahmefällen von den Arbeitnehmern

in Anspruch genommen. In

vielen Unternehmen werden die Mitarbeiter,

wenn die Bildungsmaßnahme im Interesse

des Arbeitgebers ist, sowieso

freigestellt. Und dies auch für eine längere

Zeit, sodass Unternehmen dieses Gesetz

gar nicht brauchen.“ LOE

Nadine Müller hat die Schulbank erfolgreich

gedrückt und ist nun IHK-geprüfte Industriemeisterin

Metall. Sie freut sich, dass sie jederzeit

die nötige Rückendeckung für die Zusatzbelastung

von ihrem Arbeitgeber bekommen

hat. Der Vorteil für die Firma: Sie kann die

Maschinenführerin nun noch flexibler einsetzen.

Dies war das erklärte Ziel von Nadine

Müller: „Deshalb habe ich mich auch für eine

Fortbildung in Teilzeit entschieden, da mir

mein bisheriger Job viel Spaß macht und es

mir auch im Unternehmen gefällt. Die Weiterbildung

war eine Herausforderung, von der

ich mir nun auch neue Perspektiven verspreche.“

Dazu gehöre ein höheres Gehalt und

auch dieAussicht, künftig nicht mehr

Schichtarbeit machen zu müssen. „Ich möchte

in meinem Beruf einfach weiterkommen

und dadurch auch meine private Zukunft ein

Stück weit absichern.“ [!] STEFAN LOEFFLER

36


Ihr Partner für Personaldienstleistung und

-vermittlung im Metall- und Baubereich

Anzeige

Brückenbauer im Personalbereich

Unter den Personaldienstleistern hebt sich

die „Massziv Kft“ durch ihre Spezialisierung

hervor. Sie vermittelt qualifizierte Schlosser

und Schweißer im Metall- und Baubereich. Ihren

Stammsitz hat die „Massziv Kft,“ was in

etwa der Rechtsform einer GmbH entspricht,

in Ungarns Hauptstadt Budapest. Als Subunternehmer

entsendet man im Rahmen von

Werkverträgen und Arbeitnehmerüberlassungen

von Ungarn aus Fachkräfte an deutsche

Firmen. Als Ansprechpartner für den

süddeutschen Raum fungiert Generalmanager

Sandor Szücs. Vor kurzem ist sein Büro

von Elchingen nach Neu-Ulm auf die Insel umgezogen.

„Wir hatten in den vergangenen Jahren vier,

fünf große Kunden, alle waren zufrieden, so

dass zum September vergangenen Jahres

250 Mitarbeiter beschäftigt waren“, sagt Sandor

Szücs. Der Pool setzt sich zu einem kleinen

Teil aus Fensterbauern, zu 85 Prozent

aber aus Schlossern und Schweißern zusammen.

Die vermittelten Arbeitskräfte weisen

zertifizierte Schweißerprüfungen des TÜV

Rheinland vor, also europaweit gültige Lizenzen

– vorrangig in MAG und WIG- Schweißprozessen.

Um sprachlichen Problemen im Einsatz

vorzubeugen, bildet man stets Teams von

Mitarbeitern aus, darunter oder dazu ein

sprachkundiger, deutschlanderfahrener

Teamleiter, der zugleich die fachgerechte Ausführung

garantiert. Für die größtenteils jungen

Männer ist das Arbeiten in Deutschland

weitaus lukrativer als in ihrer Heimat, wo das

Lohnniveau spürbar niedriger ist. Sie sind

hochmotiviert und wollen möglichst viel arbeiten,

um sich und ihren Familien zu Hause

einen besseren Lebensstandard zu ermöglichen.

Bei den Löhnen gilt: „Equal Paying“,

gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Szücs berät

auch deutsche und ungarische Firmen in Sachen

Zusammenarbeit und Projektmanagement

in den Bereichen Bau, Metallverarbeitung

und Fleischerhandwerk.

Nicht unerwähnt bleiben soll seine Liebe

zum Basketball: Sandor Szücs ist mit seiner

Generalmanager Sandor Szücs

Firma ein wichtiger Sponsor der ScanPlus

Baskets Elchingen. Er ist ebenfalls Geschäftsführer

des ProB-Teams, Abteilungsleiter

der Basketball-Abteilung des SV

Oberelchingen und spielt nicht zuletzt selbst

aktiv – früher sogar in der ersten Basketballliga

Ungarns.

1

ARBEITS

KRÄFTE

VERLEIH

Pe

son

un

r

d

M

B

Masszív Kft.

a

v rmittl

-

l

e

et

au

dien

s

all- u

bere

le

t

r

e

is

nd

i

ch

i

t

m

er

massziv.com

massziv.com

WIR SPIELEN AUCH

IN IHREM TEAM

Sie brauchen Verstärkung

im Bereich

Schweißarbeiten

Schlosserarbeiten

Herstellung von Aluminium/

PVC-Fenstern

Schalungssanierungen

Fräs- und Dreharbeiten

Wir bieten Ihnen Zeitarbeit, Werkverträge

und Arbeitnehmerüberlassung.

motivierte Mitarbeiter

qualitativ hochwertige Arbeit

jahrelange Erfahrung als

Personaldienstleister

Hohes Niveau zu fairen Preisen!

Sprechen Sie uns an!

Masszív Kft.

Sandor Szücs

Insel 18

89231 Neu-Ulm

+49 (0)731 9773 5666

+49 (0)171 6277 328

info@massziv.com

www.massziv.com

49


Fotos: Marc Hörger

Das Häussler-Führungsteam (von links): Prokuristin Gudrun Hipp sowie die Geschäftsführer Armin Zepf, Alexander Pohl und Hans-Peter Dahlmann.

„Es ist schön, etwas tun zu können“

Die wenigsten Kunden des Sanitätshauses Häussler kommen aus freien Stücken. Vielmehr hoffen sie auf mehr

Lebensqualität und Wohlbefinden. Das Ulmer Unternehmen hilft ihnen – seit 100 Jahren.

Unterschiedlicher können Arbeitsplätze

kaum sein: In der Werkstatt des Ulmer

Sanitätshauses Häussler liegt der Geruch

von Kunstharz in der Luft. Die Mitarbeiter

gießen Kunststoffteile, modellieren und

schleifen. So entstehen jedes Jahr zwischen

150 und 200 maßgefertigte Prothesen nach

den neuesten medizintechnischen Erkenntnissen.

Wer bis zur Werkstatt vordringen will,

geht durch ein weitläufiges Labyrinth, durch

helle klinisch reine Büros und den modernen

Verkaufsraum.

Am Stammsitz in Ulm-Söflingen lässt sich die

Struktur des 100 Jahre alten Unternehmens

erkennen. „Wir sind eben beides, Händler und

Handwerksbetrieb“, erläutert Geschäftsführer

Armin Zepf. Die Produktion steuere etwa

ein Drittel des Jahresumsatzes bei, den er auf

rund 16 Millionen Euro beziffert.

EINES VON 60 SYSTEMHÄUSERN

Das Sanitätshaus hat sich in den vergangenen

Jahren rasant entwickelt und auf die Veränderungen

der Branche reagiert. Die Angebote

im medizinischen Bereich, in der Versorgung

und Rehabilitation und den damit verbundenen

Dienstleistungen, sind differenzierter, die

Kundenansprüche deutlich höher. Häussler

gibt es somit heute in sechsfacher Ausführung:

als Sanitätshaus, als Anbieter von Orthopädietechnik

und Orthopädieschuhtechnik,

Rehatechnik, Medizintechnik sowie von

so genannten Homecare-Dienstleistungen.

Bei letzterem geht es um Hilfe, wenn Schwerstkranke

zu Hause mit erklärungsbedürftigen

Geräten versorgt werden. „Hier bieten wir ein

Überleit-Management an, um die Patienten

möglichst schnell und reibungslos von der

Akutphase in eine stabile häusliche Versorgungssituation

zu bringen,“ erklärt Zepf.

Die sechs Geschäftsbereiche bilden das „Systemhaus“,

das ein Kernpunkt im Profil von

Häussler ist. Davon gebe es in Deutschland

rund 60. „Mit 160 Mitarbeitern zählen wir zu

den eher kleinen“, sagt Zepf. Der Markt ist

38


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[machen]

nach seinen Worten in Bewegung. In den Gewässern

dieser Großen tummelten sich inzwischen

eine Reihe von Unternehmen, welche

bislang inhabergeführte Systemhäuser aufkaufen,

um sie unter dem eigenen Dach weiterzuführen.

Gleichzeitig aber gebe es vielleicht

1000 Mitbewerber mit oft nur wenigen

Mitarbeitern, aber hoher Spezialisierung.

„Die Mittelschicht unsrer Branche schrumpft“,

erläutert Zepf. Um im Wettbewerb bestehen

zu können, sei die stetige Steigerung der Effizienz

unabdingbar.

HIGH-TECH IM ALLTAG

Die Besonderheit des Marktes: Er ist stark reguliert.

Letzlich bestimmen Gesetzgeber und

Krankenkassen zu weiten Teilen das Angebot

der Unternehmen. Beispiel: Mit dem Pflegegesetz

des damaligen Gesundheitsministers

Norbert Blüm ging ein starker Anstieg der

Nachfrage nach Rollstühlen einher. Zepf hat

ein weiteres Beispiel: Weil in den Betrieben

mehr auf die Arbeitssicherheit geachtet wird,

hat sich die Zahl der Betriebsunfälle mit Schäden

an Gliedmaßen stark verringert. Würde

Zepf das beklagen, wäre er ein Zyniker. Das ist

er nicht. Er fasst seine Einstellung und Erfahrung

so zusammen: „Es ist in unserem Beruf

selten schön, etwas tun zu müssen, aber es ist

schön, etwas tun zu können.“

Positiv aufs Geschäft wirkt sich aus, dass die

Menschen älter werden. Damit nimmt auch

der Anteil derjenigen zu, die die Dienste von

Sanitätshäusern in Anspruch nehmen.

Die Folgen sind bei Häussler seit Jahren spürbar:

Der Bereich Homecare, der sich heute bis

zur Heimbeatmung erstreckt, wächst deutlich,

ebenso die Bereiche Reha- und Medizintechnik.

Hier treibt der rasante technische

Fortschritt die Nachfrage nach oben. Passend

dazu demonstriert beim Betriebsrundgang

ein Häussler-Mitarbeiter, wie es komplett gelähmten

Menschen heute möglich ist, allein

per Augen-Steuerung die Kommunikation

mit ihrer Umwelt aufrecht zu erhalten. Zepf,

gelernter Orthopädietechniker, hatte das Sa

Gegründet im Ersten Weltkrieg

Ob Kompressionsstrümpfe, Massagerolle oder Beatmungsgerät: Die Beratung ist wichtig.

Die Wurzeln des Sanitätshauses reichen

ins Jahr 1916 zurück. Damals gründete

Thomas Oesterle, mitten im Ersten Weltkrieg,

in Ulm eine Spezialwerkstatt für

das örtliche Festungshauptlazarett. Zwischen

1944 und 1960 erfolgte eine intensive

Zusammenarbeit mit dem legendären

Ulmer Mediziner Prof. Alfred Mendler.

1962 übernahm Konrad Häussler die Firma,

der sie mit Schwerpunkt Prothesenbau

auch überregional bekannt machte.

Einer der Meilensteine war 1984. Damals

eröffnete Häussler an den Universitätsund

Rehabilitationskliniken Ulm eine

Werkstatt. 1996 übernahm Armin Zepf

das Sanitätshaus und hat es stetig ausgebaut.

Das Unternehmen erwirtschaftete

zuletzt mit 160 Mitarbeitern einen Jahresumsatz

von 16 Millionen Euro. THV

www.haeussler-ulm.de

nitätshaus 1996 übernommen. Weil er früh

die Notwendigkeit eines breiten Angebots erkannte,

holte er 2005 mit Alexander Pohl einen

zweiten geschäftsführenden Gesellschafter

in die Firma. Unter einer Dachgesellschaft

gibt es zum einen die Häussler Reha- und Medizintechnik

GmbH, die Alexander Pohl leitet,

zum anderen die von Zepf geführte Häussler

Technische Orthopädie GmbH. 2015 kam

Hans-Peter Dahlmann als weiterer Geschäftsführer

an Bord. Prokuristin Gudrun Hipp

komplettiert das Führungsteam.

Die Häussler-Wachstumstory ist imposant.

Seit Zepfs Einstieg hat sich die Mitarbeiterzahl

mehr als verfünffacht, er hat die Angebotspalette

systematisch erweitert. Die Produkte

wurden ausgefeilter und bieten mehr

Möglichkeiten. Damit ist der Bedarf nach einem

breit gefächerten Schulungsprogramm

entstanden. Unter dem Dach des Häussler-Forums

finden heute Fachseminare für Ärzte

und Fachkräfte verschiedener Berufe statt.

Großen Wert legen die Firmenchefs auch auf

den Austausch mit wissenschaftlichen Forschungsinstituten

und Kliniken in der Region.

Zudem arbeiten die Mitarbeiter an Innovationen.

Dazu gehören beispielsweise die

Entwicklung eines Hustenassistenten und eine

Vorfuß-Prothese aus carbonfaserverstärktem

Kunststoff. [!]

THOMAS VOGEL

konzipieren,

umsetzen,

betreuen

• Industrie- und Gewerbebau

• Architektur- und Ingenieurbüro

• Sport- und Veranstaltungshallen

• Reitsportanlagen

• Wohngebäude

SCHLOSSER®

Industriestraße 17-23

73489 Jagstzell

Tel. +49 7967 90 90 - 0

39

www.schlosser-projekt.de


[führen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Sage es klar und respektvoll!

Die Kommunikation in vielen Firmen läuft schief. Bei Konflikten wird mehr übereinander als miteinander geredet. Beim

5. Personalforum der SÜDWEST PRESSE zeigte Führungskräfte-Coach Petra Hoffmann, wie sich das verbessern lässt.

Das Führen von Mitarbeitern ist herausfordernd.

Diese Aussage würden die

meisten Führungskräfte unterschreiben.

Umgekehrt gibt es viele fachlich versierte

Chefs, denen die Sozialkompetenz fehlt.

Wie sehr das Thema „Wie sage ich es klar und

zugleich respektvoll?“ Personalverantwortliche

beschäftigt, zeigte sich beim 5. Personalforum

der SÜDWEST PRESSE. 90 Interessierte

kamen, um die Tipps von Führungskräfte-

Coach Petra Hoffmann zu hören. Die Themen

in den Betrieben sind ähnlich. Das zeigte sich

im Fragenteil: Wie geht man mit einem fachlich

versierten, beratungsresistenten Abteilungsleiter

um, der aber durch seine dominante

Art die Mitarbeiter demotiviert?

Nach den Worten Hoffmanns ist es eine Illusion

zu glauben: „Ich engagiere jemanden von

außen, dann wird alles gut.“ Eine solche Situation

lasse sich nur lösen, wenn sich die Beteiligten

einbringen. Zunächst müsse man klären,

ob dem Abteilungsleiter seine

Außenwirkung bewusst ist. In der Regel sei es

das nicht. Geschäftsführer oder Personalchef

müssten ihm vermitteln, dass seine Stärke in

der Fachkompetenz liegt, es aber eine Diskrepanz

zwischen Fremd- und Selbstbild gebe.

„Ist er bereit zur Reflektion und an sich zu arbeiten?

Wenn ja, was sind die richtigen Werkzeuge,

ein Vier-Augen-Gespräch oder ein

Gruppencoaching?“, erklärt Hoffmann.

TABU-THEMEN

Unangenehme Themen würden in Firmen

gerne unter den Teppich gekehrt und Mitarbeiter

auf ihre Rolle als Leistungsträger reduziert,

weiß Hoffmann. Mitunter entstehe eine

Kultur der Gleichgültigkeit oder der Angst,

die die Fortentwicklung der Firma hemme.

Für Unternehmen ist nach ihren Worten

Kommunikation in wertschätzender Klarheit

von hohem Nutzen: Heikle Themen kommen

Führungskräfte-Coach Petra Hoffmann vor aufmerksamen

Zuhörern.

40


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[führen]

auf den Tisch und können konstruktiv gelöst

werden. Das Gleiche gilt für Konflikte. „Unterschiedliche

Meinungen bringen neue Ideen

und fördern die Kreativität. So wird die Innovationskraft

des Unternehmens gestärkt.“.

Zum Handwerkszeug einer Führungskraft gehöre

auch eine konstruktive Gesprächsführung.

„Jedes Führungsinstrument ist aber nur

so gut wie die Einstellung, mit der es gelebt

wird“, erläutert Hoffmann.

Führungskräfte müssten sich darüber im Klaren

sein, dass die Art, wie sie mit Mitarbeitern

umgehen, viel mit ihnen selbst zu tun hat. In

Konflikten sei es wichtig, sich bewusst zu machen:

Welches Thema steckt dahinter? Warum

ärgert mich das so? Wichtig sei es, in einem

solchen Fall Distanz zu seinen Emotionen

zu bekommen und im Nachhinein die Gesprächssituation

zu reflektieren und als

Chance zum Lernen zu nutzen. Zu den unternehmerischen

Rahmenbedingungen für

wertschätzende Klarheit gehören laut Hoffmann:

Transparente Strukturen und Prozesse,

das Klären von Zuständigkeiten, Prioritäten,

von Rollen und Funktionen, aber auch das

Formulieren von Erwartungen.

Netzwerken

für Personaler

Das Personalforum der SÜDWEST

PRESSE gibt es seit 2014. (Personal-)

Entscheider erhalten praxisnahe Impulse

aus verschiedenen Bereichen.

Infos bei Rebecca Stadelmaier, r.stadelmaier@swp.de,

0731 156-619

Petra Hoffmann ist Fachbuchautorin

und arbeitet von Ludwigsburg aus seit

1998 freiberuflich als Coach, sie gibt

Seminare zu Führungsthemen und begleitet

Firmen bei der Umsetzung. AMB

KULTUR DER KLEINIGKEITEN

Neben persönlichen Voraussetzungen benötigen

Führungkräfte ein Handwerkszeug. In

Gesprächen mit Mitarbeitern seien konstruktive

Formulierungen Erfolg versprechend.

Das können „Ich-Botschaften“ sein. Bei heiklen

Themen ist ein bewusster Umgang mit

Rollen hilfreich, zum Beispiel: Ich sage Dir das

nicht in der Funktion als guter Kollege sondern

als Teamleiter. „Wir sollten auch auf einen

Perspektivenwechsel achten: Wie würde

es mir an Stelle meines Gegenübers gehen?“,

erklärt Hoffmann. Wertschätzung leben bedeutet

für sie, die Potenziale erkennen, Mitarbeiter

fördern, an Entscheidungen beteiligen,

ihre Meinung ernstnehmen und sich Zeit für

sie nehmen. Führungskräfte könnten Mitarbeitern

mit einer „Kultur der Kleinigkeiten“

Anerkennung zeigen. Ein freundliches „Guten

Morgen“, ein konkretes Lob, ein paar Minuten

des bewussten Zuhörens, wie der Urlaub

war, eine handgeschriebene Karte zum

Geburtstag, sich gelegentlich nach dem Wohlbefinden

erkundigen, anstatt blicklos vorüberzugehen.

„Das sind kleine Gesten, die oft

eine große Wirkung haben – vorausgesetzt,

sie sind ehrlich gemeint.“ [!]

AMB

Franz & Wach steht als erfolgreicher Personaldienstleister

für kluges Recruitment,

das alle Ihre Anforderungen berücksichtigt.

Profitieren Sie jetzt von unseren Stärken –

und von denen unserer Mitarbeiter.

LOGISTIK

Mehr auf:

www.franz-wach.de/logistik

Leidenschaftlich im Einsatz.

Personal – Smart auf Sie abgestimmt.

41


Traumhafte Perspektive: Die Holzskulptur

„Phloxalia“ wacht über die große

Phloxsammlung der Staudengärtnerei

Gaißmayer. Rechts: Ein kleiner schwimmender

Garten mit Staudenblüten.

Franz Brönner leitet den Privatverkauf

der Gärtnerei. Das Holzhaus ist das

Nachtquartier der Indischen Laufenten,

sie sind wichtige Verbündete im Kampf

gegen die lästigen Nacktschnecken.

42


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[machen]

Arbeit in einem blühenden Paradies

Firmenchef Dieter Gaißmayer lebt seine Überzeugungen. Die Illertissener Staudengärtnerei Gaißmayer verbindet

Ökologie und wirtschaftlichen Erfolg – und hat sich zum Ausflugsziel für Pflanzenfreunde entwickelt.

Diese Arbeitsumgebung weckt den Neid

und die Sehnsucht von Schreibtisch-

Tätern. Dieter Gaißmayer verbringt

zwar ebenfalls viele Stunden vor dem PC.

Wenn er etwas Abwechslung braucht oder

den Kopf frei kriegen will, dann geht er eben

mal raus in die Produktion. In seinem Fall

heißt das in Felder voller Stauden, Kräuter

und Gräser, in den weitläufigen Mutterpflanzen-Garten

oder in eines der vielen Gewächshäuser

mit den Pflanzen-Kinderstuben. Oder,

wenn’s rein der Entspannung dienen soll, auf

die Aussichtsplattform. Von hier oben schaut

die Firma aus Illertissen (Kreis Neu-Ulm) am

ehesten nach buntem Teppich oder nach blühendem

Paradies aus. Der 66-jährige Alt-68er

betreibt eine der größeren Staudengärtnereien

Süddeutschlands – natürlich als anerkannter

Bio-Betrieb.

Der Neid treibt dann freilich doch keine allzu

große Blüten. Gaißmayers wacher Blick streift

Felder und Beete. Während des Rundgangs

zupft er mal kurz Unkraut aus einem der Myriaden

von Pflanzentöpfen. Das ist eine mehr

als symbolträchtige Aktion. Sie macht unmissverständlich

klar: In einer Gärtnerei gibt

es immer was zu tun, außer im Winter.

Lebt und liebt seine Arbeit: Firmenchef Dieter Gaißmayer.

Während der Saison aber ist auch hier der übliche

Wettlauf mit unliebsamen Pflanzen (Unkräuter

gibt es in der Lesart des biologischen

Anbaus ja nicht) im Gange, nur eben auf vier

Hektar Betriebsfläche. Der bürokratische Aufwand

nehme auch ständig zu, sagt Gaißmayer.

Und überhaupt muss ein Betrieb mit rund

40 festen Mitarbeitern schlichtweg gut geplant

und organisiert sein.

Fotos: Marc Hörger

Dass der ausgebildete Drogist und studierte

Gartenbauer Gaißmayer nicht nur sehr viel

von Pflanzen versteht, sondern auch von geschäftlichen

Dingen, ist offenkundig. Als er

zusammen mit seinem Studienfreund Franz

Brönner, im früheren Leben Versicherungskaufmann,

1980 die ehemalige Krankenhausgärtnerei

auf der Jungviehweide in Illertissen

pachtweise übernahm, bestand der Betrieb

Holen Sie Kunden vom

Internet in Ihr Geschäft!

Gemeinsam mit uns in die Zukunft des modernen

Handels. Der lokale Online-Marktplatz für

Ulm/Neu-Ulm und Umgebung: www.locafox.de

Online fi nden.

Reservieren. Im

Geschäft abholen.

Mehr Umsatz

Neue Stammkunden gewinnen

Bessere Sichtbarkeit im Netz

Minimaler Aufwand & geringe

Kosten

Weitere Informationen unter

locafox.swp.de

FRÜHBUCHERBONUS: Die ersten 50 Locafox-Händler erhalten kostenlose Media leistung im Wert von über 4.400,- Euro

43


[machen] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Der Chef zeigt seinen Betrieb: Gemeinsam mit dem benachbarten Museum der Gartenkultur lockt die Staudengärtnerei Interessierte und Ausflügler an.

aus einem Hektar Fläche und „vereinigten

Hüttenwerken“. Bald schon trimmten sie ihn

in Richtung Staudengärtnerei, kauften ihn,

als nach zehn Jahren etwas Betriebskapital

angespart war, und erweiterten ihn schrittweise

und mit viel persönlichem Einsatz. Ein

sehr ansehliches Bürogebäude ist die jüngste

Investition, das entsprechende Jahresbudget

dafür gibt der Chef mit rund 200.000 Euro an.

IM ONLINEGESCHÄFT AKTIV

Bei aller Notwendigkeit, als Firma schwarze

Zahlen zu schreiben, steht bei Gaißmayer seine

Überzeugung im Vordergrund. Ein Großteil

der Pflanzen stammt aus eigener biologischen

Anzucht. „Uns liegt die Sortenechtheit

am Herzen“, sagt der Gartenbauer, der seine

Unabhängigkeit als Familienunternehmer genießt,

ebenso das Erdige, Lebendige und die

Spielräume, Neues auszuprobieren. „Ich hab’

doch keine Lust, zum Bankensklaven zu werden“,

betont er. Das macht den Unterschied zu

den „Pflanzenfabriken“, die allein auf Masse

und schnelle Produktion getrimmt seien.

Doch auch ein Staudengärtner hat es mit widrigen

Bedingungen zu tun. Die Natur kann

unerbittlich sein, etwa in Gestalt von Spätfrösten,

Schnecken-Invasionen, Krähen-Plagen

und Pflanzenkrankheiten. Rückschläge

einzustecken, gehört zum Alltag. Längst nicht

alle Pflanzen, die erprobt werden, schaffen es

Der Gründer zieht

sich langsam zurück

Dieter Gaißmayer ist das „Gesicht“

der gleichnamigen Staudengärtnerei in

Illertissen, aber nicht ihr Alleininhaber.

Der 66-Jährige zieht sich allmählich

aus dem Tagesgeschäft zurück. Daher

hat er seine Frau, seine Tochter und

drei Mitarbeiter als Mitgesellschafter

der GmbH aufgenommen und den Betrieb

in entsprechende Geschäftsbereiche

gegliedert. Wichtige Entscheidungen

fallen im Kollektiv – „wir sind halt

alte 68er“, lautet seine Begründung.

Der Mit-Gründer will sich auf seine Rolle

als Vorstand der Stiftung „Gartenkultur“

konzentrieren, welche das benachbarte

Museum betreibt. Zudem ist

auf dem weitläufigen Gelände bei der

Gärtnerei noch der „Verein zur Förderung

der Gartenkultur“ aktiv, der wiederum

die Themen- und Schaugärten

dort unter seinen Fittichen hat. THV

ins Sortiment. „Mist“ verkaufe er nicht. Die

meisten Neuzüchtungen rechnet er dazu. Und

Amazon, die „Internetkrake“ spielt auch bei

Pflanzen längst eine Rolle.

Gaißmayer führt den Betrieb nicht strikt nach

Deckungsbeitrag. Die Produktion mancher

der rund 3000 verschiedenen Pflanzenkulturen

lohnt sich nur mit Blick auf die Kosten

nicht. Allerdings bildet die imposante Auswahl

ein Alleinstellungsmerkmal des Betriebs,

der mit jährlichen Veranstaltungen wie

der „Gartenlust“ und den Flohmärken „Garten

& Krempel“ und „Kraut & Krempel“ auch

überregional bekannt geworden ist.

Dazu trägt auch das Online-Geschäft bei, auf

das der Betrieb seit Mitte der 1990er Jahre

setzt. Auf dieses entfallen zwei Drittel des Jahresumsatzes

in Höhe von drei Millionen Euro,

rund 30.000 Pakete werden jährlich in den gesamten

deutschsprachigen Raum versendet.

Im Feld der 120 Staudengärtnereien in

Deutschland verortet sich Gaißmayer bei den

Betrieben mittlerer Größe.

Stark zurückgefahren hat das Unternehmen

den Gartenbau. „Insbesondere bei Kommunen,

die immer den billigsten Anbieter nehmen

müssen, hat das keinen Spaß mehr gemacht“,

erklärt Gaißmayer, der offen

einräumt, als Bioland-Betrieb eine andere

Preisstruktur mit höheren Gestehungskosten

und daher auch Preisen zu haben. Doch warum

überhaupt „bio“? Naturgemäß liegen ihm

solche Fragen am meisten. Nun, die Sache mit

dem „bio“ hat auch sehr viel mit der Verantwortung

für die Belegschaft zu tun. Deren Gesundheit

ist ihm wichtig. Daher will er seine

Mitarbeiter „nicht diesem Chemie-Dreckszeug

aussetzen“. [!] THOMAS VOGEL

44


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[namen & nachrichten]

Claas verkauft

auch Gießerei

in Bad Saulgau

Start für

„Angewandte

Psychologie“

Der Landmaschinenhersteller

Claas verkauft seine Gießereien.

Eine Beschäftigungsgarantie

für die 105 Mitarbeiter der Gießerei

in Bad Saulgau gibt es nur

bis zum Ende dieses Jahres.

Claas betreibt auch Gießereien

in Nortorf in Schleswig-Holstein

mit 80 Mitarbeitern und

in Gütersloh mit 200 Mitarbeitern.

Mit weltweit mehr als

11.000 Mitarbeitern erzielte

Claas im Geschäftsjahr 2015 einen

Umsatz von 3,8 Milliarden

Euro. Unter anderem Überkapazitäten

im Markt sollen zu dem

Verkauf geführt haben.

Center Parcs

hat größere Pläne

im Allgäu

Über Jahre war die Finanzierung

des auf einem ehemaligen

Munitionsdepot nahe Leutkirch

geplanten Ferienparks

nicht gesichert. Nun macht

Center Parcs Deutschland mit

seinen Plänen ernst. Die Dimensionen

sind gewaltig: Zu den

bislang geplanten 750 Ferienhäuern

kommen 250 Wohneinheiten

hinzu. Damit wächst die

Gesamt-Investitionssumme von

255 auf mehr als 300 Millionen

Euro. Der „Center-Park Allgäu“

soll auf einer Fläche von 185

Hektar 2018 eröffnet werden.

Center Parcs gehört zur Tourismus-Gruppe

Pierre et Vacances

und betreibt 21 Ferienparks, davon

fünf in Deutschland.

Neues Parkhaus

in Ravensburg

geplant

Die Oberschwaben-Metropole

Ravensburg soll ein neues Parkhaus

in unmittelbarer Nähe der

Innenstadt bekommen. Das

Beliebte BOB

Rund 5000 Fahrgäste nutzen täglich die Bodensee-Oberschwaben-Bahn

(BOB), auch Geißbockbahn genannt. Sie verkehrt

zwischen Aulendorf und Friedrichshafen. Fahrgastaufkommen

profitiert. Das kommunale Unternehmen muss sich von 2021

an auf eine neue Situation einstellen. Bis dahin soll die Südbahnstrecke

elektrifiziert sein. Dann wird auch Schienenverkehr

zwischen Ulm und dem Bodensee neu ausgeschrieben.

neunte Parkhaus der Stadt soll

ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs

auf einem alten Industriegelände

entstehen und

300 Parkplätze aufweisen. Mit

etwa 50.000 Einwohnern, mehr

als 40.000 Arbeitsplätzen und

täglich 30.000 Einpendlern ist

Ravensburg auch wirtschaftlich

das Zentrum der Region.

Planungen für

1000-Kühe-Stall

gehen weiter

Vier bäuerliche Familienbetriebe

aus Ostrach im Kreis Sigmaringen

planen weiterhin den

Bau eines Stalls für 1000 Kühe.

Das wäre landesweit der größte.

Zwar ist der Widerstand bei

Landwirten und in der Bevölkerung

in Ostrach groß, der Gemeinderat

hat aber dem Bebauungsplanentwurf

zugestimmt.

Mit 240 mal 60 Metern stünde

der „Milchpark Hahnennest“

auf einer Grundfläche von

rund sechs Hektar. Mit dem

„Energiepark Hahnennest“ betreiben

die vier Familien bereits

eine Biogas-Anlage in unmittelbarer

Nähe des geplanten Stalls.

Maria Heubuch, Allgäuer

Milchbäuerin und Europa-Abgeordnete

der Grünen kritisierte,

der geplante Stall gefährde

die „funktionierenden Strukturen

vor Ort“.

Die Hochschule Ravensburg-

Weingarten bietet ab dem Wintersemester

2016/2017 einen in

ganz Deutschland einzigartigen

Bachelor-Studiengang an. Nach

dreieinhalb Jahren Studium sollen

die Absolventen direkt ins

Arbeitsleben starten. Schwerpunkte

des Studiums sind Klinische,

Interkulturelle und Gesundheitspsychologie.

Die

Verantwortlichen erwarten für

die 34 Studienplätze bis zu

2.000 Bewerbungen. Im Unterschied

zum klassisch-universitären

Psychologiestudium steht

in Ravensburg der Praxisbezug

im Vordergrund.

Stadtwerken im

Schussental

droht Verlust

Die Technischen Werke Schussental

(TWS) können keine weiteren

Aufgaben mehr übernehmen,

wenn diese mit

Mehrkosten verbunden sind.

Das hat Stadtwerkechef Andreas

Thiel-Böhm mit Blick auf Begehrlichkeiten

an die Adresse

der Stadt Ravensburg gesagt.

Dem städtischen Eigenbetrieb

droht in diesem Jahr ein Rekordverlust

von 2 Millionen Euro,

wenn nicht gegengesteuert

wird. Aus steuer lichen Gründen

hatte die Stadt Ravensburg in

den vergangenen Jahren immer

mehr Verlustbringer in die

Stadtwerke integriert: etwa die

Schwimmbäder und die Eissporthalle.

So ließen sich Verluste

mit Gewinnen der TWS verrechnen,

die zu 42,7 Prozent den

Stadtwerken Ravensburg gehören.

2015 haben die TWS ihren

Umsatz um 13 Prozent auf 120

Millionen Euro gesteigert. Der

Gewinn sank gegenüber dem

Vorjahr um 600.000 Euro auf

rund 3,2 Millionen Euro.[!] CRI

45


Ein kranker Opa und

kurze Lederhosen

Foto: © MK-Photo / Fotolia.com

Mathe oder Latein? Sport oder Biologie? Und was ist eigentlich

aus der Schulliebe geworden? Für unseren Mitarbeiter Stefan

Loeffler haben sechs Unter nehmer und Führungskräfte in ihren

Schul-Erinnerungen gekramt.

„Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln“, wusste schon der Schriftsteller Erich Kästner. Unsere Umfrage gibt amüsante Einblicke .

Tina James schob als Ausrede

fürs Zuspätkommen schon einmal

ihre Mutter vor. Die 62-jährige

Geschäftsführerin gründete

2004 die Weincontor Tina

James GmbH in Salach.

1) Wo sind Sie zur Schule gegangen?

2) Was waren Ihre Lieblingsfächer?

3) Was war die witzigste bzw. frechste Ausrede oder

Entschuldigung für Zuspätkommen, vergessene

Hausaufgaben …?

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis?

5) Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Schulliebe – und

was daraus geworden ist?

6) Hand aufs Herz. Was war Ihr Notendurchschnitt beim

Schulabschluss?

1) Ins Hilda-Gymnasium Koblenz mit 1200 Mädchen. Das ist heute

kaum mehr vorstellbar, aber damals waren in Koblenz alle Gymnasien

noch nach Geschlechtern getrennt.

2) Deutsch, Englisch und Französisch. Die Kommunikation mit Menschen,

die eigene Kultur und fremde Kulturen, Neues entdecken,

Abenteuer erleben und andere Menschen verstehen, das hat mir

schon immer Spaß gemacht.

3) Blumen pflücken für meine Mutter.

4) Ein halbes Jahr vor dem Abitur habe ich mich von der Schule abgemeldet.

Ich hatte genug davon und wollte meinen eigenen Weg ge-

hen. Das Rektorat hat meinen Klassenlehrer noch am selben

Tag davon informiert und er ist sofort zu uns nach Hause gekommen,

um mich umzustimmen. Er ging nicht, bevor ich

ihm versprochen hatte, mein Abitur zu machen. Das war

großartig.

5) In der Grundschule gefiel mir ein Junge mit kurzer Lederhose.

Den Schüler fand ich toll. Aber er mich nicht, weil ich keine

Lederhose hatte. Das war hart.

6) 3,5. Sie sind der erste, der mich seit meinem Abitur im Jahr

1973 danach fragt.

46


unternehmen [!] Ausgabe 51 | Juli 2016

[leben]

Die 1975 in Bad Oldesloe geborene

Birte Glimm meldete sich

beim Abfragen von Vokalen oftmals

freiwillig. Seit 2011 ist sie

Juniorprofessorin an der Universität

Ulm am Institut für

Künstliche Intelligenz.

1) Auf die Theodor-Mommsen-Schule in Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein.

2) Mathematik war mit Abstand mein liebstes Fach, aber die weiteren naturwissenschaftlichen

Fächer mochte ich auch sehr gerne.

3) Ich erinnere mich nicht wirklich an Ausreden, aber daran, dass ich mich beim Abfragen der

Vokabeln oft freiwillig gemeldet habe, obwohl ich nicht gelernt hatte. Denn unser Lehrer hat

immer Schüler aufgerufen, die sich nicht gemeldet haben. Das hat funktioniert.

4) Es war unsere Oberstufenfahrt mit dem Kanu die Dordogne entlang. Das war eine tolle Kombination

aus Natur und Sport – und das mit guten Freunden. Das würde ich bis heute gerne

noch einmal wiederholen.

5) Wir haben leider den Kontakt verloren. Ich weiß, dass er nach dem Abi tur Chemie studiert

hat, aber da ich schon ewig nicht mehr bei den Klassentreffen war, ist das so ziemlich das

einzige, was ich sagen kann.

6) 2.3.

Zum Schulabschluss gab es eine

Belobigung und ein Buch, das

Karin Stehr heute noch besitzt.

Die 64-jährige Mutter zweier

Kinder arbeitet im Personalbereich

der Fritz & Macziol

GmbH.

Jungs in Lederhose sind fesch. Das

fand auch Tina James in ihrer

Grundschulzeit.

Foto: © AK-DigiArt / Fotolia.com

1) Ich wurde in Bielefeld geboren und bin auch dort zur Schule gegangen.

2) Zuerst Mathe, Deutsch, Sport und Musik, später dann Deutsch, BWL und Englisch.

3) Die frechste Ausrede für nicht gemachte Hausaufgaben war, dass mein Opa krank sei. Das

war zwar wirklich so, aber ich hätte die Hausaufgaben ohne Probleme machen können.

4) Wir hatten einen sehr engagierten jungen Lehrer, der zwei Mal mit uns ins Schullandheim

gefahren ist. Diese Zeit war unglaublich schön, lehrreich und unvergesslich.

5) Selbstverständlich, so etwas vergisst man doch nicht. Er war zwei Klassen über mir und

mein großer Schwarm. Ich habe keine Ahnung, was aus ihm geworden ist.

6) Es ist mir etwas peinlich. Ich war keine Streberin, aber das Lernen fiel mir einfach

leicht. Daraus resultierte ein Zweierschnitt und ich habe eine Belobigung bekommen.

Als Präsent gab es ein Buch, das ich noch immer besitze.

47


[leben] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Mike Wagner verbesserte sich

im Fach Deutsch in vier Schuljahren

von der Note 4 auf 2. Der

40-jährige Stuttgarter ist seit

2013 Programmdirektor von

Radio 7.

Heimo Koch kam schon wegen

entlaufener Wüstenspringmäuse

zu spät zum Unterricht.

Der 56-Jährige ist seit vier Jahren

Direktor im Bereich

Firmenkunden und stellvertretendes

Vorstandsmitglied der

Sparkasse Ulm.

1) In Esslingen/Oberesslingen am Neckar.

2) Technik, Mathematik, Geschichte und Erdkunde. In

den letzten vier Schuljahren entdeckte ich auch

Deutsch für mich und konnte mich von einer ständigen

4 auf eine 2 verbessern.

3) Zu spät war ich nie. Bei den Hausaufgaben war das

schon anders. Da ich meine ganze Schulzeit immer

mit dem Fahrrad zur Schule gefahren bin, sind

mir wohl die Aufgaben ab und zu vom Gepäckträger

gerutscht. Oder ich sagte, dass ich sie einem

Kameraden in der Parallelklasse zum Lernen

und Abschreiben ausgeliehen und nicht

wieder bekommen habe.

4) Der Schullandheim-Aufenthalt auf der schwäbischen

Alb in Hepsisau oder 1988 in Wurmansquick in Niederbayern.

5) In Nina war ich verliebt. Ich habe sie seit der vierten Klasse jedoch

nie wieder gesehen. Aber ich höre sie ist Lehrerin geworden. Mit

Katrin war ich später in einer

Klasse und nach der Schule

waren wir auch für ein paar

Jahre ein Paar. Wir sind

heute noch ab und zu im

Austausch und lachen

gerne über die Schulzeit.

6) 2,25.

Foto: © Sergey Nivens / Fotolia.com

1) Ich war auf dem Immanuel-Kant-Gymnasium in Leinfelden-Echterdingen.

2) Biologie, Chemie, Sport, Musik.

3) Es war eine Tatsache und keine Ausrede. Meine Wüstenspringmäuse

waren in der Nacht ausgebüxt und meine Mutter ließ mich morgens

erst aus dem Haus, als alle wieder eingefangen waren.

4) Ich habe mit 16 Jahren zum ersten Mal einen Chor mit mehr

als 100 Sängern dirigiert. Das war ein gewaltiges Erlebnis, das

ich nicht vergessen werde.

5) Ja, aber daraus wurde nichts.

6) 2,6.

Kam Michael Haide zu spät

zum Unterricht, war schon

auch einmal ein Kolbenfresser

am Mofa schuld. Der 50-Jährige

ist seit 1992 geschäftsführender

Gesellschafter der Schmid &

Partner Gruppe in Salach.

1) Das war „notenbedingt“ eine kleine Odyssee. Gymnasium Eislingen, dann Göppingen, um

dann an der FH in Geislingen zu studieren.

2) Ganz prima gefiel mir Physik. Mein Physiklehrer wird sich jetzt jedoch fragen, warum ich

denn dann nicht mehr gelernt habe? Gut waren auch Englisch und natürlich Sport.

3) Neben „Plattfuß am Fahrrad“, „Bus ist nicht gekommen“ und „Kolbenfresser am Mofa“ hatte

ich einmal erzählt, dass die Bedienung im Café Berner einfach nicht zum Zahlen gekommen

wäre, weswegen ich nicht zum Mittagsunterricht erscheinen konnte.

4) Neben tollen Schulausflügen nach St. Anton und an die Mosel war es mit Sicherheit

die Erleichterung bei der Notenbekanntgabe in Mathematik.

5) Auf jeden Fall! Wir sind noch heute eng befreundet, die gute Frau wohnt in Berlin, ist

verheiratet und war Ehrengast auf meiner Hochzeit im vergangenen Jahr.

6) 2,4.

48


49


[namen & nachrichten] Ausgabe 51 | Juli 2016 unternehmen [!]

Führungsteam

von Höhn

erweitert

Alexandra Anhorn verstärkt die

Geschäftsführung der Ulmer

Höhn

GmbH. Das

Unternehmen,

das

210 Mitarbeiter

beschäftigt,

ist

Alexandra Anhorn

von der Ulmer

Höhn GmbH.

Druck-Spezialist

für

Faltschachteln,

Verpackungen

und Verkaufsdisplays. Anhorn

bildet mit dem geschäftsführenden

Gesellschafter Sebastian

Haug und Prokurist Jürgen May

ein Dreierteam und zeichnet

künftig mitverantwortlich für

die unternehmerische Ausrichtung.

Höhn steigerte zuletzt den

Jahresumsatz trotz des scharfen

Wettbewerbs um etwa drei Prozent.

Anhorn war zuvor zwölf

Jahre geschäftsführende Gesellschafterin

des Laupheimer

Druckunternehmens Geiselmann.

Katamaran fährt

weiter in den

roten Zahlen

Seit elf Jahren gibt es die schnelle

Direktverbindung zwischen

den Städten Friedrichshafen

Fitness-Metropole Schussental

Dreimal mehr Fitness-Studios als im Landesdurchschnitt

gibt es in Ravensburg und seinen

Nachbargemeinden Weingarten und Baienfurt.

Statistisch gesehen kommt in Baden-Württemberg

ein Anbieter auf 10.000 Einwohner. In

der 50.000-Einwohner-Stadt Ravensburg sind

und Konstanz, seit elf Jahren

schreibt die Katamaran-Reederei

rote Zahlen. Allerdings hat

sie im vergangenen Jahr das

beste Betriebsergebnis erreicht:

einen Verlust von 160.000 Euro.

Die drei Doppelrumpfschiffe,

die als besonders umweltfreundlich

gelten, beförderten

im vergangenen Jahr mehr als

453.000 Fahrgäste. Die Gesellschafter,

die Stadtwerke Friedrichshafen

und Konstanz, mussten

in den Vorjahren bis zu

einer Million pro Betriebsjahr

zuschießen. Sie hoffen ab 2018

auf eine schwarze Null.

Digitalisierung

treibt Umsatz der

Ingenics AG

Das Ulmer Planungs- und Beratungsunternehmen

Ingenics

hat 2015 den Umsatz um 15

Prozent auf 52 Millionen Euro

gesteigert und beschäftigt nun

420 Mitarbeiter an weltweit 14

Standorten. Vorstandschef Oliver

Herkommer begründet diesen

Erfolg mit den Themen Digitalisierung

und vernetzte

Produktion. Sein Bruder Jörg ist

in den Aufsichtsrat gewechselt.

Foto: © Peter Atkins / Fotolia.com

es aber nicht fünf, sondern elf Studios, in der

Nachbarstadt Weingarten, mit 24.000 Einwohnern

nicht einmal halb so groß, sind es bald

acht. Selbst Baienfurt, ebenfalls im Schussental,

hat zwei Studios für 7200 Bewohner. Etliche

Betreiber befürchten einen Preiskampf.

Risikokapital für

junge Ulmer

High-Tech-Firma

Die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft

Baden-Württemberg

und der High-Tech

Gründerfonds erhöhen ihre Beteiligungen

an der Immersight

GmbH. Sie investieren einen

sechsstelligen Betrag. Das Ulmer

Start-Up hatte sich 2012 an

der Uni Ulm formiert und eine

Raumbrille erfunden, mit der

man in den virtuellen Raum

eintauchen kann. [!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

Thomas Brackvogel

Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

a.boegelein@swp.de

Anschrift wie Verlag

Anzeigen

Dr. Thomas Baumann

(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

Alen Pahic (Art Director)

Bozena Demski (Bild)

Fotos Lars Schwerdtfeger (Titel

+ Interview), Marc Hörger, Giacinto

Carlucci, Werkfotos, Getty

Images, Colourbox, PR, Privat,

Archiv

Druck

Druck- und Verlagsgesellschaft

Bietigheim mbH

Kronenbergstraße 10

74321 Bietigheim-Bissingen

Objektleitung

Tobias Lehmann

Telefon 0731 156-515

t.lehmann@swp.de

Mediaberatung

Christine Blum

Telefon 0731 156-356

E-Mail c.blum@swp.de

Vertriebsservice

unternehmen.vertrieb@swp.de

Auflage: 18 000 Exemplare

Nächste Ausgabe

5. Oktober 2016

Die Themen

Arbeitsschutz

Container –

vielfältig und individuell

Flottenmanagement

Vermögensmanagement

u. v. m.

Anzeigenschluss

9. September 2016

www.swp.de/unternehmen

50


VERKAUFSSTART

Neubau „LivingWest“ Elisabethenstraße 18, Ulm-Weststadt

Genießen Sie Ihren Moment – in einem neuen, lebendigen Zuhause, das Sie

inspirieren wird. Machen Sie aus einer Wohnung, Ihre Wohnung und entdecken

selbst, welch Vielfalt an Möglichkeiten in unserem neuen Projekt steckt

… und das in nur 15-Minuten-Entfernung fußläufig zur Ulmer City.

» Attraktive 2 – 4-Zimmer-Wohnungen zum Süden und Westen

» Wohnungsgrößen von 52 – 112,5 m²

» Energieeffiziente KfW-55-Bauweise (EnEV 2016)

» Zinsgünstiges KfW-Darlehen mit bis zu 5.000 EUR Tilgungszuschuss

» Moderne Wohlfühl-Ausstattung

» Aufzug aus der Tiefgarage in alle Etagen und barrierefreie Zugänge

» Baubeginn im Herbst 2016

» Hervorragende Infrastruktur

FÜR KAPITALANLEGER

UND EIGENNUTZER

Zum Beispiel:

2-Zimmer-Wohnung

ab 199.000 EUR

Provisionsfreier

Verkauf

Dies ist ein Projekt der

Ambiente Wohnbau

Immobilien GmbH & Co. KG

Jetzt investieren und von

staatlichen Zuschüssen

und zinsgünstigen

Darlehen profitieren!

Unsere aktuellen Angebote

für Investoren und Kapitalanleger:

MFH am Hafenbad, Fußgängerzone

» Das Ulmer Münster als Nachbarn

» 4 Wohneinheiten

» 2 Gewerbeeinheiten

» 5 % Rendite

Kaufpreis 1.300.000 EUR

zzgl. 3,57 % Provision inkl. MwSt.

In kürze Verkaufsstart :

Imposantes, saniertes Jugendstil-MFH

» Ausgesuchte und erlesene Innenstadtlage

» 16 Wohneinheiten

(2 – 3 Zimmer) und 1.046 m²

» Ausbaupotenzial für 2 Penthouses je 160 m²

Kaufpreis 4.900.000 EUR

zzgl. 3,57 % Provision inkl. MwSt.

NEUBAU MFH

am Eselsberg:

» 11 Wohnungen komplett projektiert

» Tiefgarage und Außenstellplätze

» Penthouse Wohnungen mit unverbautem

Münsterblick

» Solide Rendite mit kompl. Vermietungsservice

Kaufpreis 3.950.000 EUR

– provisionsfrei –

LAUFEND GESUCHT » Mehrfamilienhäuser / Baugrundstücke / Baulücken und Abrissobjekte ...

Schnelle Angebotsprüfung und diskrete Abwicklung, zum bestmöglichen Preis!

Wenn Sie einen Partner suchen – nicht nur einen Makler

FIDUCIA IMMOBILIEN GMBH

Herdbruckerstraße 11 | 89073 Ulm | Telefon 0731 8801 5071 | Telefax 0731 8801 5077

info@fiducia-immobilien.de | www.fiducia-immobilien.de


Lassen Sie sich Probe fahren.

Die neue E-Klasse. Masterpiece of Intelligence.

Erleben Sie eine neue Dimension von Sicherheit und

beispielhaftem Komfort durch das optionale

Fahrassistenzpaket mit seinem einzigartigen

System – dem DRIVE PILOT 1 . Er kann als

Abstands-Pilot DISTRONIC 2 auf Autobahnen und

Landstraßen nicht nur automatisch den korrekten

Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen halten,

sondern auch erstmals im Geschwindigkeitsbereich

bis 210 km/h folgen.

Jetzt Probe fahren.

Telefon: 0731/700-1800

1

Nur in Verbindung mit dem optionalen Fahrassistenz-Paket

bzw. Fahrassistenz-Paket Plus.

2

Optional.

Anbieter: Daimler AG, Mercedesstraße 137, 70327 Stuttgart

Partner vor Ort: Mercedes-Benz VP GmbH, im Auftrag Daimler AG, Niederlassung Ulm/Neu-Ulm:

Von-Liebig-Straße 10 · 89231 Neu-Ulm

Tel.: 07 31/ 70 0-0 · www.mercedes-benz-ulm-schwaebischgmuend.de

Weitere Magazine dieses Users