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suedwest.presse

unternehmen Juli 2017

Das Wirtschaftsmagazin im Südwesten Ausgabe 58 | Juli 2017 | 3,00 €

4 197821 303000 5 8

Festivals?

Aber sicher!

Ihr Werdegang mutet wie eine Tellerwäscher-

Geschichte an. Besim und Barny Sancakli aus Ulm

sind mit ihrer Sicherheitsfirma bundesweit gefragt.

Handwerk Maßschuhe für Aladdin und Mary Poppins aus Ravensburg SEITE 06

IT-Sicherheit Wie Firmen sich vor WannaCry & Co. schützen können SEITE 20

Umfrage Die schönsten Urlaubsplätze von Führungskräften SEITE 40


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ist einfach.

Weil man die Sparkasse

immer und überall erreicht.

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unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[inhalt]

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

Alexander Bögelein,

Redaktionsleiter

unternehmen [!]

„Deutschland steht wirtschaftlich unter Drogen“,

sagt FDP-Chef Christian Lindner und

spielt damit auf den den Exportboom, den

niedrigen Eurokurs, die Nullzinspolitik und

die gesunkenenen Rohstoffpreise an. Angesichts

der fast berauschenden Wirtschaftsentwicklung

führen einem die Cyber-Angriffe

durch Trojaner wie „WannaCry“ und „Petya“

vor Augen, wie verletzlich die Digitalisierung

Unternehmen macht und warum sie gut daran

tun, in Prävention zu investieren (S. 20).

Experten für Sicherheit sind Besim und Barny

Sancakli. Im Titelinterview (S.10) erzählen

sie von ihrem Aufstieg zu einem der Top-

Zehn-Unternehmen ihrer Branche in

Deutschland. Passend zur Jahreszeit stellen

wir die Macher der Eisdielen-Kette Miraval

(S. 30) und den Faltboothersteller Out-Trade

(S.44) vor. Auch unsere Umfrage eignet sich

zur Ablenkung an heißen Tagen.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Alexander Bögelein

[machen]

6 Mit Aladdin hoch hinaus Märchenhafte

Schuhe von Alexander Harr

28 Mit sozialer Rendite Die Landes-

Bau-Genossenschaft macht Wohnraum

erschwinglich

30 Eiskalte Expansion Das erfolgreiche

Franchise-Konzept von Miraval

44 Ulmer Faltboote für Europa Warum

Out-Trade Marktführer in Europa ist

[titelthema]

10 Von Türstehern zu Firmenchefs

Barny und Besim Sancakli im Gespräch

[verantworten]

20 Das Dauerrisiko der Trojaner Warum

IT-Sicherheit nicht verhandelbar ist

[gründen]

24 Hotelchef mit sonnigen Aussichten

So gelingt der Start in die

Selbstständigkeit

[spezial]

32 Klimaschutz zum eigenen Vorteil

Wie die Landesregierung Unternehmen

zum Energiesparen motiviert

[führen]

37 Attraktiv sein für Talente BeCeo

hilft bei der Suche nach Fachkräften

[leben]

46 Mit vollen Segeln übers Meer

Umfrage unter Führungskräften zu ihren

Urlaubszielen

[namen & nachrichten]

4 Aufstieg in die Liga der

Biotech-Größen

4 Stellenabbau in Ulmer

Tradionsfirmen

5 Franzosen übernehmen schwer

angeschlagene Omira

27 Einweihung im August

43 Genbänkle für alte Sorten

46 MTU-Motor für Groß-Katamaran

46 Impressum

24 28

20 44

06

3


[namen & nachrichten] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Aufstieg in die Liga der Biotech-Größen

Genesis heißt das Projekt der neuen

Biotech-Anlage der Teva

Deutschland GmbH in Ulm. Der

Name ist Programm. Denn mit

der neuen Anlage, die ein Investitionsvolumen

von 500 Millionen

Euro aufweist, steigt der Standort

in die Liga der biotechnologischen

Großproduzenten auf, sagt

Hermann Allgaier, Geschäftsführer

der Teva Biotech GmbH. Die

Planungsphase für das Großprojekt

läuft bereits seit einem Jahr.

50 Mitarbeiter treiben das Projekt

voran. Ende Juni startete nun die

Bauphase. Im Jahr 2020 soll die

Anlage in Betrieb gehen.

In den vergangenen sechs Jahren

sind bereits vier biotechnologisch

hergestellte Medikamente

in Ulm zur Marktreife gebracht

worden. Dabei handelt es sich

laut Allgaier um hochwirksame

Medikamente, die im Bereich von

Millionstel Gramm dosiert werden.

In der neuen High-Tech-

Anlage werden monoklonale Antikörper

hergestellt. Diese gelten

unter den Biopharmazeutika und

im gesamten Arzneimittelmarkt

als der größte Wachstumsmarkt.

Ihre Dosierung erfolgt in Tausendstel

Gramm. Daher sind die

Bioreaktoren nicht wie bisher

100 bis 500 Liter groß, sondern

weisen ein wesentlich höheres

Bioreaktorvolumen auf.

Bei der biotechnologischen Produktion

werden mit Hilfe von

Zellkulturen Proteine, beispielsweise

auch monoklonale Antikörper,

gewonnen. „Diese kann

man so programmieren, dass sie

auf bestimmte Ziele einwirken“,

erläutert Allgaier. Krebszellen

wachsen schneller und benötigen

eine höhere Blutzufuhr. Ein

monoklonaler Antikörper lasse

sich so adressieren, dass er die

Krebszelle identifiziert, dort andockt

und die Blutzufuhr verringert,

ein Beispiel von vielen zur

Therapie mit Antikörpern.

Teva Deutschland beschäftigt

2900 Mitarbeiter in Ulm, Blaubeuren

und Berlin. [!] AMB

Die Zellen des Chinesischen Hamsters, aus denen Biotech-Präparate entstehen,

sind in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius tiefgefroren.

Stellenabbau in Ulmer Tradionsfirmen

Die Konjunktur an sich läuft

blendend, doch in einigen Ulmer

Unternehmen kommt es zu Einschnitten.

Beim Hersteller von

Feuerwehrfahrzeugen Magirus

soll der Abbau von bis zu 100 Arbeitsplätzen,

davon bis zu 70

noch in diesem Jahr, sozialverträglich

erfolgen. Betriebsrat und

die Konzernmutter CNH, die

2013 aus Fiat Industrial und CNH

Global entstanden ist, wollen

dies mit Altersmodellen erreichen,

bei denen Mitarbeiter abschlagsfrei

in Rente gehen können.

Von den 1650

Magirus-Beschäftigen arbeiten

1030 im Donautal.

Bei den Wieland Werken soll unter

dem neuen Vorstandschef Erwin

Mayr eine zweistellige Zahl

an Stellen in der Verwaltung und

in verwaltungsnahen Tätigkeiten

wegfallen. Kündigungen seien

aber kein Thema. Der Abbau

solle über die natürliche Fluktuation

erfolgen. Die Wieland-Werke

zählen zu den größten industriellen

Arbeitgebern in der

Region Ulm: mit 3800 Arbeitsplätzen,

davon 2500 im Gieß- und

Walzwerk in Vöhringen sowie

Blick in die Fertigung: Auch Magirus in Ulm will Stellen abbauen.

1300 am Firmensitz Donautal.

Schwerer trifft es den Ulmer

Standort des Schwertransportherstellers

Kamag, der zur Firmengruppe

des Heilbronner Unternehmens

Otto Rettenmaier

gehört. Bei Kamag soll jede vierte

Stelle gestrichen werden. Derzeit

sind in Ulm 250 Mitarbeiter beschäftigt,

am Hauptstandort Pfedelbach

sind es 500. Auch hier

will die Unternehmensleitung

versuchen, Mitarbeiter vor zeitig

in Ruhestand zu schicken. Hintergrund

ist nach den Angaben des

Unternehmens die Schwierigkeiten

in der Öl- und Stahlindustrie

sowie die Werften-Krise. Aus diesen

Branchen kommen sehr viele

Kamag-Kunden. [!]


4


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[namen & nachrichten]

Franzosen übernehmen schwer angeschlagene Omira

Der Name Omira stand einmal

für wirtschaftliche Stärke. Doch

die guten Zeiten der Oberland

Milchverwertungs Gmbh (Ravensburg),

die einmal zu den

zehn größten deutschen Molkereien

gehörte, sind lange vorbei.

Ende Juni haben die Gesellschafter

der Übernahme durch den

französischen Konzern Lactalis

mit 97,8 Prozent zugestimmt.

Der Weltmarktführer für Milchprodukte

erzielte 2016 einen Umsatz

von 17,3 Milliarden Euro

und verfügt über rund 240 Produktionsstätten

in 44 Ländern.

Lacatalis garantiert den Bauern

für mindestens 10 Jahre einen

Milchpreis, der dem Milchpreisindex

AMI-Bayern entspricht, die

Weiterentwicklung und Investition

in die Standorte Ravensburg

und Neuburg sowie die Rückzahlung

der Geschäftsguthaben an

die Milcherzeuger. Die Omira

erwartet die Zustimmung des

Kartellamts im August. Danach

werde der Geschäftsbetrieb mit

den Beschäftigungsverhältnissen,

auf die Omira Industrie

GmbH übertragen. Im nächsten

Schritt übernimmt Lactalis die

Omira Industrie GmbH.

In den vergangenen Jahren haben

fast die Hälfte der einstmals

5000 Milchlieferanten ihre Verträge

gekündigt, auch weil sie

mit dem Milchpreis unzufrieden

waren. Der Omira-Umsatz sackte

ab. Zuletzt erwirtschafteten 650

Mitarbeiter einen Jahresumsatz

von 420 Millionen Euro. [!] AMB

Weniger Omira-Bauern, weniger Milch im Tank, weniger Umsatz.

600 offene Stellen in der

Ulmer Metallindustrie

Die Metall- und Elektroindustrie

in der Region Ulm ist optimistisch

fürs laufende Jahr, die gute

Lage setze sich fort. Im vergangenen

Jahr erwirtschafteten 76 Unternehmen

mit rund 54.800 Mitarbeitern

einen Umsatz von 13,2

Milliarden

Euro. Das waren

3,7 Prozent

mehr als

im Vorjahr.

Der Export

wie die Inlandsnachfrage

wuchsen

Mario Trunzer:

Die Branche entwickelt

sich gut. ßen. „Das ist

gleicherma-

insgesamt eine

schöne Entwicklung, die sich

auch in diesem Jahr fortsetzt“,

sagte Mario Trunzer, Geschäftsführer

der Liebherr Werk Ehingen

GmbH und Vorsitzender der

Südwestmetall Bezirksgruppe

Ulm . „Aber nicht alle Unternehmen

profitierten davon“, betont

Trunzer. Demnach wuchs mit 36

Prozent die Zahl der Unternehmen,

die 2016 zum Teil starke

Umsatzeinbußen hinnehmen

mussten. Im laufenden Jahr erwarten

76 Prozent der Betriebe

ein Umsatzwachstum, nur 9 Prozent

einen Rückgang. Dieser falle

aber zum Teil erheblich aus.

Der Auftragsbestand sei im Vergleich

zum Vorjahresmonat April

gestiegen und bestätige die positive

Lage, sagte Götz Maier, Geschäftsführer

von Südwestmetall

Ulm. Auch für die nächsten sechs

Monate erwarteten die Firmen

mehr Aufträge. Nur 11 Prozent

befürchten einen Auftragsrückgang.

Die Hälfte der Firmen wolle

Personal einstellen. Allerdings,

so Maier, seien aktuell mehr als

600 Stellen nicht besetzt, obwohl

im vergangenen Jahr fast 500

Zeitarbeitnehmer übernommen

worden seien. [!]

PAU

Ravensburger will stärker

im Ausland wachsen

Der Spielehersteller Ravensburger

will künftig noch stärker auf

das Ausland setzen. Es gehe darum,

internationaler zu denken,

sagte Vorstandschef Clemens

Maier.

Statt ein Produkt für Deutschland

zu entwickeln und es dann

auch im Ausland zu verkaufen,

Auszeichnung für

gutes Marketing

Der Marketing-Club Ulm/Neu-

Ulm schreibt zum sechsten Mal

den „Ulmer Marketing Preis“ aus.

Gewürdigt werden Marketingleistungen,

„die in Konzeption

wie Umsetzung beispielhaft und

erfolgreich sind“, erläutert dessen

Präsident Bernd Radtke. Dabei

können die Marketingideen

von Unternehmen jeder Größe,

müsse man sich auf internationalen

Märkte anschauen, wo Bedarf

sei, sagte Maier. Bisher ist das Unternehmen

in Europa, den USA

und japan aktiv. Der Umsatz stieg

im vergangenen Jahr um knapp 7

Prozent auf 474 Millionen Euro.

Der Jahresüberschuss lag bei 32

Millionen Euro. . [!] PAU

öffentlichen Einrichtungen oder

von Vereinen stammen. Bewerben

kann man sich bis zum 13.

September mit einer 20 bis 40 Seiten

umfassenden, selbst erklärenden

Power-Point-Präsentation.

Nähere Informationen und die

Teilnahmebedingungen gibt es

unter www.ulmermarketingpreis.de.

[!]

AMB

5


Ob für Aladdin (oben) oder Mary Poppins: Wenn

der Ravensburger Unternehmer Alexander Harr

mit seiner Ehefrau in den Vorstellungen sitzt, genießt

sie das Stück. Er schaut indes, welche Bühnenschuhe

von ihm sind.

6


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[machen]

Mit Aladdin hoch hinaus

Sich abheben von der Masse – dieses Ziel hat Alexander Harr erreicht. Der Ravensburger versorgt mit seinem Betrieb

Musicals, Opern und Theater rund um den Globus mit Bühnenschuhen. Normales Schuhwerk kann er aber auch.

Wer Alexander Harr trifft, darf sich

nicht wundern: Statt ins Gesicht des

Gegenüber, geht sein Blick oft nach

unten – auf die Schuhe. Alexander Harr ist

Schuhmacher, aber kein gewöhnlicher: Sein

Familienbetrieb ist spezialisiert auf historisches

Schuhwerk und Bühnenschuhe. Wer

das Musical „Mary Poppins“ in Stuttgart besucht

hat, der hat mit ziemlicher Sicherheit

Harr-Schuhe gesehen – wenn man denn darauf

achtet. Alexander Harr tut das. „Mein Frau

schaut sich das Stück an und ich die Schuhe“,

erzählt er lachend. „Ich sitze da und überlege:

Ist der von uns? Da bin ich ehrgeizig. Mich ärgert

nichts mehr als in einem Stück zu sitzen

und fremde Schuhe zu entdecken.“

STRENGE US-FILM-STUDIOS

Sein persönliches Ziel und schon das seines

Vaters war es, sich als Schuhmacher von anderen

abzuheben. Raus aus der Masse. Weltweite

Bekanntheit. Das hat funktioniert. Von der

Opera Australia bis zum Royal National Theatre

in London, vom New National Theatre in

Tokyo bis zur Royal Swedish Opera in Stockholm

– überall sind Produkte aus dem Hause

Harr zu finden.

Schuster bleib‘ bei deinen internationalen Leisten: Firmenchef Alexander Harr.

Einige der Harr-Kunden umweht allerdings

ein kleines Geheimnis. „Wenn Sie den Fernseher

einschalten, sehen sie immer wieder

Schuhe von uns“, erzählt Harr. Welche genau

– darüber muss er meistens schweigen. Besonders

die US-Studios seien da streng. Ein bisschen

verrät er doch: Für den Til Schweiger-

Film „1 1/2 Ritter“ hat er Schuhe gefertigt

– und für Johannes Heesters. Der war von seinem

Filmschuhen so begeistert, dass er danach

auch privat bestellte.

Ein weiteres Standbein seine Betriebs: Die

Handelssparte „Tanzschuhe“. Diese sind Fertigwaren

aus dem Katalog, stammen aber zum

Teil aus eigener Herstellung.

Klingt im ersten Moment, als ob Harr Shoes

positiv in die Zukunft blicken kann. Doch in

Zeiten von Deichmann, Zalando & Co. haben

es Schuhmacher deutlich schwerer als früher.

Maß-Anfertigungen für Privatleute sind aufwendig,

vor allem, wenn es „Problem-Füße“

sind: „Für schwierige Einzelanfertigungen

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7


[machen] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

kann ich kaum so viel Geld verlangen, dass es

die Kosten decken würde“, erklärt Harr. Das

ginge höchstens in Metropolen wie München

oder London. „Nach dem Krieg gab es hier etwa

40 Schuhmacher“, erzählt er. Heute sind es

in Ravensburg noch vier, im Landkreis 17 –

von insgesamt 3.979 Handwerksbetrieben.

Das bekommt Harr zu spüren. Nicht nur, dass

es schwierig ist Personal zu finden, auch das

Know-How zur Wartung älterer Spezial-Maschinen

geht langsam verloren.

Um zukunftsfähig zu sein, achtete die Unternehmerfamilie

früh auf Internationalität.

Theaterschuhe werden über eine zweisprachigen

Homepage und einen zweisprachigen

Katalog vertrieben: „Heute ist es existenziell,

dass wir international so bekannt sind.“

UNGEHEURES GLÜCKSGEFÜHL

Ein Vorteil für Harr: Bühnenproduktionen

werden oft ins Ausland verkauft. Die Verantwortlichen

dort greifen gerne auf ihn zurück.

So kann es sein, dass Bestellungen aus Australien

eintrudeln. Konkurrenz gibt es sowohl in

Deutschland als auch im Ausland. In England,

Italien, Polen, Ungarn oder Holland. Harr be-

Utensilien für Maßanfertigungen:

Qualitativ hochwertiges

Leder und mehr als 1000

Leisten, die individuell auf

den Fuß angepasst werden.

kommt viele Aufträge über Empfehlungen

oder Mundpropaganda. Doch das hat auch eine

Kehrseite: „Es spricht sich nichts so schnell

herum, wie wenn jemand unzufrieden ist.“

Ein mühsam aufgebauter guter Ruf kann so

schnell ruiniert werden. Darum geht jeder

Schuh erst durch seine Hände, dann durch die

seiner Frau Sabine, bevor er das Haus verlässt.

Das sind 60 bis 70 Paar pro Woche.

Einer der beiden Söhne des Chefs, Christoph

Harr, absolviert ein Duales Studium Fachrichtung

„BWL – Handel Plus“. Die Praxisphasen

absolviert er im elterlichen Betrieb. Sollte er

sich für eine Weiterführung entscheiden, wäre

er bereits die fünfte Generation.

Trotz aller Schwierigkeiten liebt Harr seinen

Beruf. Das spürt man an seiner Begeisterung:

„Es ist einfach schön, einen Schuh wachsen zu

sehen. Wenn man an etwas arbeitet und es gelingt,

ist das ein ungeheures Glücksgefühl. Es

erfüllt uns alle mit Stolz, wenn wir ein Stück

auf der Bühne sehen oder den Fernseher einschalten

und unsere Schuhe dabei sind.“

Auf Termintreue legt er großen Wert. „Wir haben

noch nie einen Auftrag so spät ausgeliefert,

dass ein Kunde einen Nachteil gehabt

hätte“, sagt Harr. „ Wir haben deswegen auch

schon komplette Nächte oder Wochenenden

durchgearbeitet. Irgendwie geht‘s immer.“

Nur einmal, da war Harr skeptisch. Es ging um

Schuhe für das Hamburger Musical „Aladdin“.

Mehr als einhundert Paare. Extrem aufwendig

und schwierig – mit unzähligen Schnörkeln

und Verzierungen oder nach oben gezogenen

Schuhspitzen. „Nach einer Woche hatte es das

Team raus. Plötzlich lief es.“ Das Gute an diesem

Stress: „Die Glücksgefühle danach waren

gigantisch“. [!]

JULIA RIZZOLO

Handwerker in

der vierten Generation

1902 wurde das Unternehmen von Alexander

Harrs Pflege-Urgroßvater Xaver

Scheu gegründet. 1966 zog der Betrieb

aus der Innenstadt in die Schubertstraße,

nahe der Ravensburger AG. Mitte

der 80er Jahre nahm die Spezialisierung

auf historische Bühnen- und Theaterschuhe

ihren Anfang: Durch eine

Kooperation mit dem Ravensburger

Rutenfest, entstand bei Harrs Vater die

Idee, anderen Heimatfesten die Dienste

auch anzubieten. Seit 1995 führt Alexander

Harr den Betrieb und seine 10 bis

14 Mitarbeiter in vierter Generation. RIZ

8


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9


Zur Person

Besim Sancakli verantwortet

das kaufmännische

Geschäft

der SHS Sicherheit &

Service GmbH. Der

50-Jährige wurde in

Neu-Ulm geboren,

besuchte die Hauptschule

und begann

bei den Wieland Werken

eine Lehre zum

Verfahrensmechaniker.

Besim Sancakli

ist verheiratet und

hat einen Sohn (23).

Nach anstrengenden

Arbeitstagen entspannt

er sich gerne

mit Sport. Er macht

auch heute noch

Kampfsport. Im Bogenschießen

qualifizierte

er sich im Jahr

2006 für die Deutsche

Meisterschaft.

Im Großkaliber ist

das Vereinsmitlied

des SV Beimerstetten

in seiner Altersklasse

amtierender Meister

im Schützenkreis

Ulm.

Ihr unternehmerischer Werdegang hat das Zeug zum Kinofilm: die Brüder Besim (links) und Barny Sancakli im Gespräch

Von Türstehern

zu Firmenchefs

Besim und Barny Sancakli widerlegen alle Vorurteile, die es landläufig über

Hauptschüler mit Migrationshintergrund gibt. Mit ihrem Unternehmen SHS

sorgen sie bei Musikfestivals und Unternehmen für Sicherheit. Ein Gespräch

über Leistungswillen, die Branche und den Papstbesuch in Freiburg.

Sie haben Ihre Unternehmer-Karriere als Türsteher

begonnen. Denken Sie manchmal an Ihre Anfänge

zurück?

Barny Sancakli: Klar, wir waren jung und es hat Spaß

gemacht. Diskotheken gehörten anfangs zu unseren

wichtigsten Säulen. Wir haben uns aber 2008 aus dem

Türsteher-Geschäft zurückgezogen. Immer wieder hatten

wir Ärger mit Personengruppen und mussten oft

diese Konflikte mit Polizei und Ordnungsamt klären.

Das war für uns auf Dauer nicht tragbar, weil wir immer

auf ein positives Image hingearbeitet haben.

Besim Sancakli: In der Spitze haben wir 30 Diskotheken

von Ulm über Ingolstadt bis Bamberg betreut. Bei

den großen Clubs hatten wir an einem Samstag zwi-

10


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[titelthema]

mit Alexander Bögelein, Redaktionsleiter unternehmen [!].

schen zwei und fünf Mitarbeiter im Einsatz, insgesamt

also 150 bis 200 nur für die Discos. Das waren natürlich

zum Großteil Aushilfen. Mit den Jahren nahm die Zahl

der Veranstaltungen im Tagesgeschäft zu, so dass wir

diesen Bereich für uns aufgebaut haben. Zudem wollten

wir unsere Mitarbeiter auch nicht mehr an Türen,

in Gefahr bringen. In den 26 Jahren hatten wir zum

Glück aber keine ernsthaften Vorfälle.

Wie kamen Sie darauf, sich als Türsteher selbstständig

zu machen?

Barny S.: Unser Hobby war und ist der Kampfsport.

Vom Ringen übers Kickboxen bis hin zu Ving Tsung

Kung Fu haben wir alles ausprobiert. Als junge Männer

waren wir sehr aktiv auf Wettkämpfen unterwegs und

haben uns mit den Besten gemessen.

Besim S.: In dieser Zeit haben wir schon die ersten, privaten

Türsteherjobs angenommen. Gleichzeitig hat

unser damaliger Sportschulbetreiber Uli Michael ein

Sicherheitsunternehmen gegründet. Wir arbeiteten

für ihn und machten in dieser Zeit eine Personenschutzausbildung.

Unter anderem lernten wir von Ausbildern

der GSG9, zu denen Michael einen guten Kontakt hatte,

viele nützliche Einsatztechniken. Nach drei Jahren

haben wir entschieden, uns selbständig zu machen.

Das war die Geburtsstunde von SHS.

Fotos: Marc Hörger

Wie verlief der Start?

Barny S.: Wir hatten Glück. Zu dieser Zeit setzten Diskotheken,

die sich bis dahin selbst um das Thema Sicherheit

gekümmert hatten, auf Dienstleister – um

Verantwortung abzugeben und sich selbst abzusichern.

Zufällig knüpften wir damals Kontakt zu einem Ulmer

Konzertveranstalter, dessen Mitarbeiter sich primär

um Auf- und Abbau kümmerten. Ein super Synergieeffekt,

denn die Kollegen wollten mit Security nichts am

Hut haben. Also übernahmen wir diesen Part.

Sie beide wohnten damals noch bei Ihrer Mutter in

der Ulmer Parkstraße.

Besim S.: Wir haben im Jugendzimmer Aufträge angenommen.

Dort hatten wir uns ein kleines Büro eingerichtet,

mit unserem ersten Rechner und einem gebrauchten

Tischkopierer, der nie funktioniert hat

(lacht).

Barny S.: 1993 haben wir unser erstes Büro in der Ulmer

Radgasse bezogen. Das war ein Riesenmeilenstein für

uns. Die Gründung der GmbH war ein weiterer Meilenstein

und der Moment, in dem wir aus unserem Hobby

unseren Beruf gemacht haben.

Heute leiten Sie ein mittelständisches Unter nehmen.

Beschreiben Sie in einem Satz, was Sie tun?

Zur Person

Barny Sancakli ist im

deutschsprachigen

Raum ein gefragter

Ansprechpartner von

Konzertveranstaltern.

In Istanbul geboren

kam er mit vier Mo naten

nach Deutschland.

Er besuchte die

Hauptschule, begann

eine Lehre zum Elektriker,

die er aber abbrach.

Er arbeitete als

Ungelernter bei den

Wieland-Werken,

bevor er dort eine

Aus bildung zum Verfahrensmechaniker

absolvierte. Direkt danach

startete er in die

Selbstständigkeit und

leitet seither das operative

Geschäft des

Familienunternehmens.

Er ist verheiratet

und hat einen

Sohn (14). Zu seinen

Hobbys gehören Boxen

und Lesen. Zum

Abschalten cruist er

auf seiner Harley-Davidson

Road King.

11


[titelthema] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

SHS betreut in diesem Jahr

50 Open-Air-Konzerte. „Unsere

Stärke ist, die verschiedenenen

Gewerke zu korrdinieren“,

sagt Besim Sancakli.

Besim S.: Wir bieten Facility-Management im Event-

Bereich.

Und was heißt das konkret?

Besim S.: Wir bieten alles an, was ein Veranstalter für

sein Event benötigt. Wir haben unter unseren Mitarbeitern

Meister für Schutz und Sicherheit, Meister für

Veranstaltungstechnik, Fachkräfte im Helferbereich,

sowie im Sicherheitsbereich. Alles was wir nicht haben,

holen wir uns über unser bundesweites Netzwerk

ein, sodass wir eine Veranstaltungen komplett umsetzten

können. Für den Konzertveranstalter Provinztour

beispielsweise übernehmen wir seit Jahren die komplette

Durchführung. Unsere Konzertpartner schicken

uns die Bühnenanweisungen der Künstleragenturen,

mit welchen wir die gesamte Produktion inklusive

Bühnen, Locations, Licht sowie Ton umsetzen.

Bei wie vielen Musik-Festivals sorgen Sie in diesem

Sommer für Sicherheit?

Barny S.: Bei rund 50 Open-Airs. Allein im Juni betreuen

wir 18 Großveranstaltungen. Das reicht von kleinen

Konzerten mit 5.000 Besuchern bis hin zu Rock am

Ring mit 82.500 Besuchern.

Wie lange sind Sie bei Rock am Ring schon dabei?

Barny S.: Seit 15 Jahren kümmern wir uns um einzelne

Aufgaben. Seit acht Jahren haben wir komplette Bereiche

übernommen, wie z.B. den Campingplatz. Allein

bei diesem Festival sind wir mit rund 400 Mann tätig.

Wie bereiten Sie solche Einsätze vor?

Barny S.: Im Vorfeld suchen wir unsere Nachunternehmer

aus, aktuell sind das bundesweit 25 Firmen. Bei

denen können wir auf einen Personalpool zurückgreifen.

Viele der Firmenchefs kenne ich seit Jahren und

habe deren Mitarbeiter mitausgebildet.

Besim S.: Wir erstellen zudem einen Lageplan, teilen

das Gelände in Zonen auf und legen fest, welche Firma

welchen Bereich übernimmt. Im Voraus gibt es für jede

Firma ein Einzelbriefing, sodass die richtigen Kräfte in

der richtigen Zahl auf dem Gelände ankommen. Wir

stellen dann die Supervisoren, die die Einsatzleiter der

Nachunternehmer koordinieren.

Wer leitet die Großeinsätze?

Barny S.: Wir haben ein sehr gutes Kader-Team mit bis

zu 20 Fachkräften aus Ulm, die die Leitung übernehmen

können. Den Kontakt zum Veranstalter und zu

den Behörden halte ich in der Regel selbst.

Warum sind Sie mit Ihrem Ansatz so erfolgreich?

Besim S.: Subunternehmer kann jeder suchen, aber die

Gewerke zusammenzuhalten und zu koordinieren, ist

eine Kunst. Das ist unsere Stärke, wegen der uns viele

Veranstalter buchen. Die Verantwortung liegt am Ende

bei uns. Wir sind einer von drei Allroundern in

Deutschland. Beim Thema Sicherheit gehören wir zu

den Top-Ten in Deutschland.

Wie haben Sie die Räumung wegen Terrorverdachts

dieses Jahr bei Rock am Ring erlebt, wird Ihnen

manchmal nicht angst und bang?

Barny S.: Angst habe ich nur um meine Mitarbeiter und

die Besucher. In Notfallsituationen ist Ruhe bewahren

das Wichtigste für mich, um alle Bereiche bestens zu

führen. Durch unsere Erfahrung haben wir oft schon

eine Lösung parat, wenn andere anfangen, nervös zu

werden. Außerdem erstellen wir präventive Notfallkonzepte,

damit im Ernstfall klare Strukturen herrschen

und jeder weiß, was er zu tun hat. Ist Gefahr im

Verzug übernehmen Polizei oder Feuerwehr. Zum

Glück gibt es derzeit auf allen Festivals gute Notfallkonzepte,

bei denen alle Blaulichtorganisationen beteiligt

sind. Bei Rock am Ring sind wir genau nach Plan

vorgegangen und haben das Festivalgelände ohne nennenswerte

Probleme geräumt. Natürlich ist es auch

wichtig, dass die Besucher mitspielen. In diesem Fall

hat das Publikum super mitgemacht.

Wach- und Sicherheitsdienste genießen ja nicht

den besten Ruf. Die Schwarzen Schafe der Branchen

machen Schlagzeilen. Auf welche Kriterien

legen Sie Wert bei Ihren Mitarbeitern?

Besim S.: Sozialkompetenz ist das Wichtigste.

12


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[titelthema]

Barny S.: Und natürlich ein guter Leumund und ein

sauberes Führungszeugnis. Unsere Mitarbeiter werden

alle über das Ordnungsamt Ulm überprüft und erst

wenn eine Freigabe erfolgt ist, werden sie eingesetzt.

Viel mehr können wir leider auch nicht machen. Als

Dienstleister sind wir auch auf einfach gestrickte Menschen

angewiesen, die zu uns kommen, weil sie woanders

nicht unterkommen. Darunter sind aber tolle

Menschen, sogenannte A-Typen, oft aber auch B- oder

C-Typen. Wir probieren es in der Regel aus. Wer nicht

genügend Sozialkompetenz mitbringt, fliegt wieder

raus. Gerade bei Einsätzen in Flüchtlingsheimen können

wir niemanden gebrauchen, der mit rechts sympathisiert

oder generell Probleme mit Ausländern hat.

Wie sind die Anforderungen an Sicherheits- und

Wachdienste?

Barny S: Seit sieben Jahren arbeitet die Branche nach

Tarif. Das heißt, es gibt Vorgaben, an die sich jeder halten

muss, wie zum Beispiel die Unterrichtung nach

§34a, Führungszeugnisse und bestimmte Schulungsnachweise.

14 Tage vor Beginn der Veranstaltungen

müssen wir alle jeweiligen Mitarbeiter der Polizei melden,

die diese überprüft. Insbesondere bei Fußballspielen

sind die Anforderungen sehr hoch.

Was hat sich durch das Unglück bei der „Love Parade“

2010 in Duisburg mit 21 Toten für die Sicherheitsbranche

verändert?

Barny S.: Das war ein furchtbares Unglück und ein Einschnitt

für die Branche. Zwar gilt seit dem Jahr 2002 die

Versammlungstättenverordnung, in der alle Punkte

geregelt sind: vom Aufbau eines Geländes über bauliche

Maßnahmen, die Breite von Rettungswegen bis hin

zur Anzahl der Besucher pro Quadratmeter. Aber häufig

wurde ein Auge zugedrückt oder die Behörden prüf-

Barny Sancakli ist in der Musikfestival-Saison

viel im Reisemobil

unterwegs und übernachtet

vor Ort. Er hält den

Kontakt zu den Veranstaltern.

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UND SIE.

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13


[titelthema] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Für den Schwörmontag, den

Nationalfeiertag der Ulmer,

haben Barny Sancakli und

sein Bruder Besim das Sicherheitskonzept

mitentwickelt.

ten die Angaben der Veranstalter nicht richtig. Seit

Duisburg ist Sicherheit nicht mehr verhandelbar.

Besim S.: Die „Love Parade“ in Duisburg hätte so nie

stattfinden dürfen. Es war insgesamt zu wenig Platz für

diese Anzahl von Menschen, die Wegeberechnung war

katastrophal. Viel zu viele Menschen haben dort mitgeredet,

die auf Biegen und Brechen die Veranstaltung

wollten. Seit Duisburg gibt es keinen Event, keine Veranstaltung

ohne Sicherheitskonzept.

Was war die Folge für die Branche und SHS?

Besim S.: Viele Kommunen sagten in der Folge ihre Veranstaltungen

ab, weil sie verunsichert

waren. Andere schalteten teure

Ingenieure ein, die abstruse

Konzepte entwickelten. Wir haben

uns mit den Leuten hingesetzt und

darüber gesprochen, dass wir schon

immer nach Vorschrift gearbeitet

haben. Und dass man wegen der

Tragödie in Duisburg nicht die gesamte

Branche unter Generalverdacht

stellen kann.

Was hat sich für Sie verändert?

Besim S.: Die Diskussionen mit den Veranstaltern

waren früher schwieriger, nach Duisburg sind sie leichter

geworden. Unsere Akzeptanz und die Vertrauensbasis

sind gewachsen. die Kunden sehen, dass wir unsere

Erfahrung nie missbraucht haben und bei unseren

Veranstaltungen nie etwas Schwerwiegendes passiert

ist.

Muslime

sorgen beim

Papstbesuch

für die

Sicherheit

Was war Ihr bisher schwierigster Auftrag?

Barny S.: Definitiv der Papstbesuch in Freiburg 2011.

Wie kommt eine Ulmer Sicherheitsfirma zu so einem

Auftrag?

Besim S.: Mit ein bisschen Glück. Wir hatten uns damals

zwar über unsere Freiburger Niederlassung beworben,

doch kamen wir auf diesem Weg nicht zum

Zug. Als Partner für das Großereignis hatte die Diözese

den Konzertveranstalter Koko ausgewählt. Unser langjähriger

Partner Koko wiederum wollte, dass wir den

Sicherheitspart übernehmen.

Zwei Muslime, die für die Sicherheit

beim Papstbesuch in

Freiburg zuständig sind. Mussten

Sie da nicht schmunzeln?

Besim S.: Als wir mit den Zuständigen

der Diözese im Gespräch waren,

fragten wir auch, ob sie kein

schlechtes Gefühl hätten, weil wir

zwei Muslime sind. Darauf meinte

unserer Gesprächspartner nur:

„Sie wurden gewogen und für gut befunden, glauben

Sie mir!“ Das war schon witzig.

Wie mulmig war Ihnen ob der Größe der Aufgabe?

Besim S.: Wir hatten in den neun Monaten der intensiven

Vorbereitung gar keine Zeit, uns solche Gedanken

zu machen.

Barny S.: Erst als ich am zweiten Tag des Besuchs sah,

wie sich der Flugplatz Freiburg mit Gottesdienst-Besu-

14


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[titelthema]

chern füllte, ist mir bewusst geworden, was wir da tun.

Das war ein Staatsbesuch mit fünf Großveranstaltungen

an zwei Tagen an unterschiedlichen Orten und

hunderttausenden Besuchern in der Stadt, für deren

Sicherheit wir verantwortlich waren.

Wie funktioniert in solchen Fällen die Zusammenarbeit

mit der Polizei?

Barny S.: Normalerweise gibt‘s ein Lagezentrum, in

dem alle Blaulichtgewerke zusammen kommen. Dort

fordern wir über den kurzen Dienstweg Hilfe an, wenn

es eine Straftat gegeben hat oder Sanitäter benötigt

werden. Das funktioniert inzwischen reibungslos.

Besim S.: Ab 5000 Besuchern ist der Veranstalter verpflichtet,

ein solches Zentrum einzurichten. Aber oft

wird es auch bei kleineren Veranstaltungen so gehandhabt.

Bei Fußballspielen in Ulm zum Beispiel, zu denen

meist um die 3000 Besucher kommen, haben wir mit

der Polizei ein gemeinsames Lagezentrum.

Mit wieviel Mitarbeitern haben Sie den Papst-Besuch

gemanagt?

Besim S.: In der Spitze waren es 1800 für die Sicherheit

und die Verkehrsregelung. Zusätzlich waren 200 Mitarbeiter

mit Auf- und Abbau beschäftigt.

Wie lange sind Sie schon beim Schwörmontag in

Ulm dabei?

Barny S.: Von Anfang an. Wir haben das Sicherheitskonzept

mit entwickelt – etwa bei den Weather Girls, mit

denen die Schwörmontagskonzerte 1998 losgingen.

Was ist aus Security-Sicht das Besondere am Nationalfeiertag

der Ulmer ?

Barny S.: Auch wenn ich den Schwörmontag praktisch

aus dem Stehgreif heraus plane, bleibt es immer spannend.

Die Menschen, das Wetter. Man kann trotz sehr

guter Vorbereitung bei keinem Event voraussagen, dass

er reibungslos verläuft.

Besim S.: Am Münsterplatz haben wir das Thema, dass

am Freitagabend das erste Konzert stattfindet, samstags

der Wochenmarkt. Das heißt wir bauen auf und so viel

wie möglich wieder ab. Dabei müssen wir Messe-Zeiten

im Münster und die Nachtruhe beachten. Sprich kein

Bilden seit 26 Jahren ein Führungs-Duo:

Besim Sancakli

(li.) verantwortet das kaufmännische,

sein Bruder Barny

das operative Geschäft.

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15


[titelthema] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Spürt eine höhere Nachfrage

von Unternehmenn. „Unser

Personal prüft nachts auch

Anlagen in der Produktion,

sagt Besim Sancakli.

Gehämmere und keine Soundchecks in bestimmten

Zeitfenstern. Solche Themen haben Sie auf einem offenen

Festival-Gelände nicht, da arbeitet man durch bis

alles fertig ist.

Wie wichtig ist das Standbein „Wach- und Streifendienste“

fürs Unternehmen?

Besim S.: Die Sicherheit mit Objektschutz, Revier- und

Wachdienst ist unser Brot- und Butter-Geschäft, denn

es läuft kontinuierlich das ganze

Jahr. Die Festivals sind von Mai bis

September die Spitze. Beide Bereiche

sind gleichwertig. Die Sommerfestivals

decken unseren hohen

Personalaufwand. Wir haben hohe

Overheadkosten, weil wir viel gutes

Personal im Hause haben, damit die

Planung zu jeder Zeit reibungslos

läuft. Für die Grundauslastung

sorgt die Objektschutzsparte. In

dem Bereich machen wir sehr viel. Wir übernehmen

unter anderem Alarmverfolgung, Revierdienste oder

Dienste an Pforten und Telefonzentralen.

Der Trend

geht hin zu

Technik, die

mittlerweile

bezahlbar ist

Welche Entwicklungen gibt es hier?

Besim S.: Die technische Ausstattung wie Videoüberwachung

und Eintrittskontrollen nehmen zu. Inzwischen

ist die Technik auch bezahlbar. Der Kunde kann sich also

entscheiden, ob er sich das Kamerasystem leistet und

dafür den Wachmann spart oder anders herum. Oder er

sagt: Ich habe ein Kamerasystem, will aber zu bestimmten

Zeiten einen Wachmann im Haus haben.

Hat das Sicherheitsbewusstsein der Firmen zugenommen?

Besim S.: Ja, weil viel passiert. Viele Firmen erkennen,

dass ein Wachmann nicht nur für Sicherheit sorgt, sondern

auch andere Aufgaben erledigen kann. Unsere

Mitarbeiter kontrollieren Anlagen in den Zeiten, in denen

die Produktion ruht, überprüfen beispielsweise die

Temperaturwerte von Stickstoffanlagen

und lösen Alarm aus,

wenn etwas nicht funktioniert.

Installieren Sie auch Video-Anlagen?

Besim S.: Vor allem für Privatkunden.

Dabei handelt es sich um einfache

Plug-and-Play-Anlagen mit

Kameras, Bewegungsmeldern und

Türkontrollmeldern. Für komplizierte

Aufträge haben wir Partnerfirmen, die High-

End-Sensoren für höhere Schutzklassen verbauen.

Die Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte ließ ihr

Geschäft 2016 boomen. Wie viele Mitarbeiter haben

Sie dafür fest eingestellt?

Barny S.: Das waren mehr als 50 Leute. In den Spitzenzeiten

haben wir 14 Objekte betreut, aber auch einige

fremdvergeben. Mittlerweile ist es wieder ruhiger.

Besim S.: Momentan betreuen wir nur noch ein größeres

Objekt in Ulm, an das mehrere kleine angedockt sind.

16


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[titelthema]

Der bisher schwierigste Einsatz war der Papstbesuch in Freiburg im Jahr 2011. Das Brot- und Buttergeschäft der SHS ist der Objektschutz.

Partner für die großen Konzertveranstalter im deutschsprachigen Raum

Die SHS Sicherheit & Service GmbH ist

bei großen Musikfestivals in Deutschland,

Österreich und der Schweiz für die Sicherheit

zuständig. Für solche Aufträge

arbeitet das Ulmer Unternehmen eng mit

bundesweiten Partnern zusammen und

ist seit 2008 auch als Zeitarbeitsfirma tätig.

Zu den Säulen des Ulmer Familienunternehmens

gehören auch der Objektund

Werkschutz sowie die Tochterfirma

CPN (Cross Promotion Network). Deren

Dienstleistung reicht von der Konzeption

über die logistische Planung bis hin zur

Umsetzung von Veranstaltungen samt

Personal für Auf- und Abbau sowie Service.

Barny und Besim Sancakli haben

das Unternehmen 1991 gegründet. Neben

dem Firmensitz in Ulm verfügt SHS über

Niederlassungen in Freiburg und Bruchsal.

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen

160 Festangestellte, 300 Aushilfen

sowie 9 Auszubildende.

Die SHS erwirtschaftete 2016 einen Umsatz

von 7,5 Millionen Euro – mit rund

2220 Veranstaltungen und Aufträgen. In

diesem Jahr werden es bis zu 2500 sein.

Davon werden rund 1000 auf die Tochtergesellschaft

CPN entfallen. Diese Veranstaltungen

werden rund 2,8 Millionen

Menschen besuchen. AMB

Ein zweites – außerhalb von Ulm – kommt bald hinzu.

Was machen Sie mit den extra eingestellten Mitarbeitern?

Besim S.: Die konnten wir auf andere Projekte umschichten.

Einige wandern auch immer wieder ab.

Unsere Fluktuation in der Belegschaft ist relativ hoch.

Das hat einen einfachen Grund: Wir bewegen uns im

Niedriglohnsektor. Wer eine Weile bei uns gearbeitet

hat, schafft oft den Sprung in die Industrie.

Beschäftigen Sie auch Flüchtlinge?

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17


[titelthema] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

„Wir sind Rotationseuropäer“,

sagen Besim (links)

und Barny Sanackli.

Sie haben noch einen älteren

Bruder, der in der Türkei lebt,

und eine Schwester.

DAS INTERVIEW FÜHRTE

ALEXANDER BÖGELEIN,

REDAKTIONSLEITER

UNTERNEHMEN [!]

DOKUMENTATION:

RONJA GYSIN

FOTOS:

MARC HÖRGER

Barny S.: Einige als Helfer beim Auf- und Abbau im

Eventbereich, im Sicherheitsbereich nicht. Für die

Qualifizierung muss man sehr gut Deutsch sprechen.

Ihre Eltern sind in den 1950er Jahren aus Montenegro

in die Türkei geflüchtet, kamen wenige Jahre

später nach Deutschland. Haben Sie aufgrund ihrer

Familiengeschichte ein besonderes Verhältnis

zu Flüchtlingen?

Barny S.: Unsere Familie besteht

zwar aus Rotationseuropäern, aber

im Grunde nicht. Ich denke eher,

dass wir es durch unser Unternehmen

gewohnt sind, verschiedene

Kulturen um uns zu haben. Egal ob

Italiener, Türken oder Russen – wir

haben sie alle bei uns und kommen

mit allen klar. Da wir selbst einen

Migrationshintergrund haben, genießen

wir den Vorteil, niemals als Rassisten dargestellt

zu werden (lacht).

Wie ist es, wenn man mit dem Bruder ein Unternehmen

gründet und groß macht?

Besim S.: Besser geht es gar nicht. Wir können uns immer

aufeinander verlassen. Ich kann beruhigt in den

Urlaub fahren, weil ich weiß, es ist jemand da, der in

meinem Sinn entscheidet. Umgekehrt funktioniert es

genauso. Außerdem haben wir uns die Arbeit aufgeteilt.

Barny ist für das Operative zuständig, ich für alles

Kaufmännische. Einer allein, könnte das niemals

schaffen. Trotzdem unterstützen wir uns gegenseitig.

Einfach … ja, Familie …

Unser Vorteil:

Wir werden

nie als

Rassisten

dargestellt

Wie wichtig ist es Ihnen als Familienunternehmen

wahrgenommen zu werden?

Barny S.: Sehr wichtig, genauso in der Innen- wie auch

in der Außendarstellung. Wenn sich Mitarbeiter bewerben

oder wir jemanden ausbilden, muss die Chemie

passen. Deshalb lassen wir jeden erst einmal ein

Praktikum machen, um zu sehen, ob derjenige das

überhaupt will und zu uns passt … Flache Hierarchien

mit Entscheidungsspielraum sind

nicht für jedermann gemacht.

Manche sehen das als Vorteil andere

als Nachteil.

Wie geht es mit Blick auf die Familie

weiter?

Barny S.: Meine Frau arbeitet in der

Buchhaltung mit, unsere Schwester

kümmert sich um alle Personalangelegenheiten.

Besim S.: Mein Sohn studiert an der DHBW BWL Messe-,

Event-, Kongressmanagement und wird dieses Jahr

fertig. Er kann das Unternehmen gerne in 10 Jahren

übernehmen (lacht).

Um sich um die Nachfolge Gedanken zu machen,

sind Sie noch ein bisschen jung.

Barny S.: Mit diesem Thema muss man sich rechtzeitig

beschäftigen. Das ist ja ein Prozess, der gut und gerne

zehn Jahre dauert. Wir haben schon länger eine zweite

Ebene aufgebaut mit Mitarbeitern, die seit Jahren bei

uns beschäftigt sind. Die könnten die Firma leiten,

ohne dass es große Reibungsverluste geben würde.

Aber noch macht uns die Arbeit selbst Spaß. [!]

18


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[verantworten] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Das Dauerrisiko der Trojaner

Täglich sind etwa eine halbe Million Rechner durch Schadprogramme wie „WannaCry“ oder „Petya“ bedroht. Viele

Unternehmer sind sich dieser Gefahr bewusst, doch fehlt ihnen ein umfassendes Konzept zur IT-Sicherheit.

Die Deutsche Bahn macht mobil.

Manchmal bietet sie ihren Kunden

auch Zeitreisen an, wie beispielsweise

am 14. Mai dieses Jahres, als am Frankfurter

Hauptbahnhof an jedem Bahnsteig ein Schiefertäfelchen

zu finden war. Auf dem war mit

Kreide notiert, wann und wohin der

nächste Zug fährt. Die sonst für

diese Information zuständigen

elektronischen Reiseinformationsanzeigen

zeigten nur

„Bitte Aushangfahrplan beachten“.

Zwar war der Zugverkehr

nicht betroffen,

dennoch stellten die Schiefertäfelchen

dem Staatskonzern

mit 40,6 Milliarden

Grafiken: Jef Thompson / shutterstock.com

Euro Jahresumsatz ein denkbar schlechtes

Zeugnis aus. Denn es zeigte der Öffentlichkeit,

wie lax die Bahn mit dem Thema Datensicherheit

umgeht.

Auch sie war Opfer der Schadsoftware „WannaCry“.

Diese verschlüsselte die Datenspeicher

der befallenen Systeme

und erpresste deren Besitzer

mit einer Zahlungsaufforderung.

Wer nicht bezahle,

so ein sich selbst öffnendes

Desktopfenster,

dessen Daten werden in

einem bestimmten

Zeitraum gelöscht.

„WannaCry“ gelang es,

sich rasant in mehr als 100

Ländern zu verbreiten. Schätzungen

zufolge waren zwischen

40.000 und 75.000

Computern betroffen. Erst

vor drei Wochen fraß sich der

noch aggressivere Trojaner „Petya“

durch zigtausende Festplatten.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes

ereigneten sich im Jahr 2015 rund 244.000

Delikte mit dem „Tatmittel Internet“. Darunter

fallen auch Angriffe mit Trojanern,

die Festplattenbereiche verschlüsseln oder

DDoS-Attacken, die Computer lahmlegen.

Drei Viertel der Fälle waren Betrugsstraftaten.

Viele Unternehmen seien sich mittlerweile

der Tragweite des Problems bewusst, sagt

Gernot Schnaubelt, IT-Referent der IHK

Ulm, sie wüssten jedoch nicht, wie sie es lösen.

Die IHK setze daher auf Information über

aktuelle Angriffsmuster und Weiterbildungsangebote.

„Doch den Unternehmen muss eines

klar sein: IT-Sicherheit darf nicht als Kostenfaktor

betrachtet werden, sie ist ein

Wertschöpfungsfaktor. „Die zunehmende Digitalisierung

der Produktion ist mit einem

unzureichenden Datenschutz nicht denkund

auch nicht machbar“, betont Schnaubelt.

Der Trojaner „WannaCry“ konnte rasch aufgehalten

werden, weil ein junger Brite die Möglichkeit

fand, um dessen Verbreitung zu stoppen.

In dem kurzen Zeitraum richtete

„WannaCry“ etlichen Schaden an, insgesamt

aber kam die Wirtschaft glimpflich davon.

Unternehmer sollten sich nach Einschätzung

von Stefan Wagner, Professor an der Universität

Stuttgart, angesichts solcher Bedrohungen

drei Fragen stellen und beantworten: Welche

Einfallstore für Schadsoftware bietet das

Unternehmen? Wie können wir uns schützen?

Was machen wir, wenn Rechner befallen

sind? Angesichts der rasanten Digitalisierung

und damit der Verbreitung von Software im

normalen Leben wie im Arbeitsalltag sei es

unverzichtbar, sich mit dem Thema IT-Sicherheit

zu befassen“, mahnt Wagner.

VIELE EINFALLSTORE

Die Möglichkeiten, wie sich Firmenrechner

mit Schadsoftware infizieren, sind vielfältig.

So hat sich „WannaCry“ beispielsweise zunächst

über Phishing-E-Mails verbreitet. Das

sind E-Mails, die versuchen den Adressaten

dazu zu verleiten einen Anhang oder Link zu

Zu Zeiten der alten Griechen war es eine schweißtreibende Angelegenheit, sich Feinde ins gut geschützte

Troja zu holen. Heutzutage reicht ein Mausklick, um großen Schaden anzurichten.

20


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[verantworten]

öffnen. Sobald das passiert wird der

Trojaner heruntergeladen und kann

mit der Verschlüsselung der Daten

beginnen. Danach nutzte „Wanna-

Cry“ eine Schwachstelle in Windows-

Betriebssystemen, um sich in lokalen

Netzwerken schnell weiter zu verbreiten.

In anderen Fällen wurden gefälschte

Websites oder herumliegende USB-

Sticks genutzt, um Trojaner zu verbreiten.

„Wir sprechen hier von einem sozio-technischen

System. Das besteht aus den Faktoren

Mensch und Technik. Beide bieten

zahlreiche Möglichkeiten um Systeme zu

infizieren und müssen daher beachtet werden,

wenn man Einfallstore für Viren sucht“,

sagt Wissenschaftler Stefan Wagner.

PRÄVENTION IST DAS A UND O

Vor Verschlüsselungstrojanern schützt man

sich am besten durch Prävention. Beim Faktor

Mensch geht das nur über Aufklärung und

Schulung: Alle Mitarbeiter müssen wissen,

wie sie potenzielle Phishingmails erkennen

und diese behandeln. Ein guter Virenscanner

auf dem Mailserver ist Pflicht, aber er kann

niemals komplett für Sicherheit sorgen. Ebenso

muss der richtige und sichere Umgang

mit USB-Sticks und Passwörtern (mehr

dazu im Infokasten) vermittelt werden.

Grundlage für diese Maßnahmen ist ein

IT-Konzept, und auch das muss den Mitarbeitern

erklärt werden.

„Auf der technischen Seite sind regelmäßige

Updates der erste Schritt, der gemacht

werden muss“, erklärt Wagner. Die Sicherheitslücke

in Windows etwa, die von „WannaCry“

genutzt wurde, war auf den aktuellen

Windows-Systemen bereits im März geschlossen

worden. Doch nur wer, wie die

Bahn, Updates nicht eingespielt hatte oder

ein veraltetes Betriebssystem wie etwa Windows

XP verwendete, war überhaupt anfällig

für diese Weiterverbreitung des Trojaners im

Rechnernetzwerk.

In Zeiten, in denen auch in der Fertigung immer

mehr Maschinen über IP-Adressen verfügen,

ist es herausfordernd, alle Computersysteme

aktuell zu halten. Wagner berichtet: „Ich

habe mir selbst ein paar Glühbirnen gekauft,

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[verantworten] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

die über das Smartphone

steuerbar

sind. Jetzt muss ich

natürlich auch

dran denken, dass

ich immer wieder

die Software meiner

Glühbirnen

aktualisiere.“

Dabei, so Wagner,

Stefan Wagner,

müsse man auch

Universität Stuttgart. darauf achten,

Software von entsprechender

Qualität und Aktualität zu verwenden.

Gut programmierte Softwares weisen

weniger Schwachstellen auf und werden

regelmäßig mit Sicherheitsupdates versorgt.

Das gilt besonders auch für Virenscanner. Diese

müssen regelmäßig und häufig aktualisiert

werden, um auch die neusten Viren zu erkennen.

Ebenso können auch die Virenprogramme

selbst Sicherheitslücken aufweisen, die

durch Updates geschlossen werden müssen.

Wagner empfiehlt auf die großen Anbieter,

wie etwa McAfee oder Norton zu setzen.

GUTES BACKUP-KONZEPT NÖTIG

Wie das Beispiel „WannaCry“ zeigt, ist auch

ein aktuelles Betriebssystem unerlässlich für

die IT-Sicherheit. „Durch die hohe Verbreitung

ist es attraktiv, Windows-Betriebssysteme

zu hacken. Ein erfolgreiches Tool für das

Hacking von Windows-Rechnern, hat eine

riesige Auswahl an PCs zum Angreifen“, erklärt

Wagner. Windows-Hersteller Microsoft

veröffentlicht regelmäßig Sicherheitsupdates,

jedoch nur für die aktuellen Betriebssysteme.

Am 11. April 2017 endete die Unterstützung

von Windows Vista, am 14. Januar

2020 ist Windows 7 an der Reihe.

Zuletzt gilt es, einen Notfallplan in der Tasche

zu haben. Das heißt im Fall der Verschlüsselungstrojaner,

dass ein entsprechendes Backup-Konzept

besteht. „Wenn die wichtigen

Daten und Softwares regelmäßig extern gespeichert

werden, ist ein Verschlüsselungsangriff

keine wilde Sache mehr. Man kann das

befallene System platt machen und das Backup

einspielen“, erläutert IT-Experte Wagner.

Er hält es für das Beste, eine Kombination aus

lokaler Sicherung und internetbasiertem

Cloudspeicher als Backup zu verwenden.

Was aber tun, wenn der Trojaner schon da ist

und kein Backup existiert? Dann wird es

schwierig. Wagner meint: „Bezahlen hilft

meist nicht. Die Schlüsselübergabe für die Daten

stellt für die Täter ein Risiko dar, entdeckt

zu werden, die melden sich oft nicht mehr.“

Vielversprechender erscheint es ihm, in den

Communities im Netz zu recherchieren, in

denen sich über Trojaner und Hacking-Programme

ausgetauscht wird: „Die meisten

Schadsoftwares sind Kombinationen aus Programmteilen,

die im Internet kursieren. Möglicherweise

kann man so wichtige Informationen

über die Zusammensetzung des

Trojaners und der Verschlüsselung erfahren.“

KOOPERATION MIT UNIS

Am besten sei es jedoch, ein Konzept zur IT-

Sicherheit zu erstellen und konsequent umzusetzen.

„Sicherheitslücken entstehen oft im

Zusammenspiel von Faktoren, beispielsweise

Passwortsicherheit – die Länge zählt (auch)!

Passwort-Manager-Programme bieten Schutz vor Angreifern.

einer geöffneten Phishing-Mail in Kombination

mit veralteten Softwares. Deshalb ist es

wichtig die Maßnahmen zu koordinieren und

richtig kombiniert umzusetzen.“

Dafür braucht es Kompetenz und Erfahrung.

Die kann man sich bei IT-Dienstleistern einkaufen.

Aber ein Experte im Unternehmen,

der Erarbeitung, Koordination und Umsetzung

der IT-Sicherheitskonzepte begleiten

kann und weiß, wie mit Software richtig umgegangen

wird, ist laut Wagner viel wert. Solche

Informatiker sind aber derzeit schwer zu

finden. Meist lohnt es sich für Unternehmer

mit den Universitäten zu kooperieren und talentierte

junge Menschen schon im Studium

anzusprechen, macht der Professor Werbung

in eigener Sache. [!]

GABRIEL BOCK

Foto: Maksim Kabakou / shutterstock.com

Das beste Sicherheitskonzept ist wenig

wert, wenn die Passwörter unsicher sind.

Studien zufolge bestehen diese häufig

aus Variationen des Wortes „Passwort“

oder Namen. Stefan Wagner erklärt warum

das problematisch ist: „Solch einfache

Passwörter kann man mit einem

Wörterbuch-Angriff leicht knacken. Dabei

probiert ein Programm einfach so lange

Begriffe aus Wörterbüchern, bis es durch

Zufall das richtige herausfindet.“

Fast noch einfacher sind Zahlen wie die

beliebte Kombination „1234“ zu knacken.

Wie einfach das ist kann man mit etwas

Mathematik zeigen. Die Maximalmöglichen

Kombinationen von vier Zahlen entsprechen

der Menge der potenziell verwendbaren

Ziffern potenziert mit der

Länge des Passwortes. In unserem Fall also

10 hoch vier. Ein Computer benötigt

für diese 10.000 Möglichkeiten nicht einmal

eine Sekunde. Anders sieht es bei einer

langen Kombination aus Ziffern und

Buchstaben aus. Die zehn möglichen Ziffern

und 52 mögliche Groß- und Kleinbuchstaben

ergeben bei einem Passwort

mit zehn Stellen etwa 839 Trilliarden

Möglichkeiten. Dafür braucht auch ein

schneller Computer Jahre. Das solche

Passwörter kompliziert sind, empfiehlt es

sich Passwort-Manager-Programme zu

nutzen. Diese erstellen sehr lange und

komplexe, vor allem aber für jede Anwendung

unterschiedliche Passwörter, speichern

diese verschlüsselt und geben sie

aus, wenn das Master-Passwort eingegeben

wird. So muss man sich nur ein Passwort

statt sehr vieler merken. GAB

22


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Wir unterstützen unsere

Kunden dabei, Ihre IT-

Angriffsfläche klein zu halten.

Wir sind der Anbieter für vollumfängliche

Sicherheitskonzepte

- entweder zum Kauf oder Full

Managed als Service.

Unsere Kunden erhalten bei

uns leistungsstarke und zukunftssichere

Datacenter und

Cloud Lösungen.

Wir bieten Ihnen diese dabei zum

Kauf oder auch monatlich nach

Verbrauch an.

Wir bieten unseren Kunden

einen erstklassigen Rund-um-

Service, der zu den jeweiligen

Anforderungen passt, schnelle

Reaktionszeiten hat und kosteneffizient

ist.

„LASST MICH ENDLICH

IN RUHE MIT

IT SICHERHEIT!“

Das Thema Sicherheit nimmt enorm an

Bedeutung zu. Sowohl die Bedrohungen

als auch die Lösungen werden stetig

komplexer. Deshalb hat die IT sure GmbH

eine eigene Securtiy Division gegründet

und die Zusammenarbeit mit dem Sicherheitsprodukthersteller

Sophos intensiviert.

Unter der Leitung von Marc Frank

kümmern sich Experten um den professionellen

Schutz der IT-Systeme der Kunden.

Aber, worauf sollte man besonders

achten? Security Specialist Marc Frank

steht Rede und Antwort:

WannaCry ist in aller Munde

WannaCry ist ein herkömmlicher Verschlüsselungstrojaner,

der sich durch eine

Sicherheitslücke im Netzwerk verbreitet.

Bei diesem Virus hat sich die Spreu vom

Weizen getrennt: Je sorgloser mit der Sicherheit

umgegangen wurde, desto größer

der Schaden. Bei einem Unternehmen

mit aktuellen Software Updates im Microsoft

Server Umfeld und einer sauberen

Netzwerktrennung, wären maximal vereinzelte

PCs betroffen gewesen.

Umkehrung der Wertigkeit

Viren und Trojaner gibt es schon lange in

der IT. Früher war die Frage: „Was sind meine

Daten anderen wert?“. Heute wird die

Frage umgedreht, „Was sind meine Daten

mir wert?“ Die Erpresser geben dieser Frage

bereits eine Antwort in Form von Bitcoins.

IT Unsicherheit im Unternehmen und

die Folgen

Drohender Vertrauensverlust bei Kunden.

Vermögensschaden, direkt und indirekt.

Ein Ausfall der IT Systeme über mehrere

Tage kann finanziell eine Herausforderung

für das Unternehmen werden. Leider fehlt

oft das Bewusstsein für das Einhalten von

notwendigen Sicherheitsstandards - denn

diese werden keinen Cent Umsatz bringen.

Was sind die Maßnahmen für Firmen?

Am Anfang einer jeden seriösen Beratung

steht ein Sicherheits-Audit, um den Ist-Zustand

und die notwendigen Maßnahmen

zu ermitteln. Eine Bäckerei mit 3 PCs hat

andere Anforderungen als ein Technologieunternehmen

mit 100 Arbeitsplätzen.

Lediglich der Basisschutz ist immer gleich.

Was ist der Unterschied zwischen

Virenscanner und Endpoint Protection

Der Schutz muss dem User folgen, gerade

bei mobilen Geräten wie z. B. Laptops. Es

macht keinen Sinn, wenn der Anwender in

der Firma perfekt geschützt ist und in einem

öffentlichen WLAN offen ist „wie ein

Scheunentor“. Deshalb bietet eine professionelle

Endpoint Security Lösung nicht

nur Virenschutz, sondern Webfilter, Intrusionprevention,

Firewall, Datensicherheit,...

Sie haben von Patchmanagement

gesprochen, was bedeutet dies genau?

Fast jede Software, die auf einem System

läuft, bringt eine Angriffsfläche für

Schadcode mit sich. Diese werden durch

Updates der Hersteller geschlossen. Leider

sind die Informationen zu diesen

Schwachstellen im Internet sogar mit

Anleitungen zum Ausnutzen erhältlich.

Deshalb ist es wichtig, nicht wie früher

einmal im Quartal seine Systeme auf den

aktuellen Stand zu bringen. Dies muss bei

Sicherheitsupdates tagesaktuell erfolgen.

Welche Bedeutung hat das Backup

in einem Sicherheitskonzept?

Die 100% Lösung gibt es bei diesem Thema

nicht, es ist immer eine Summe aus

den Maßnahmen. Deshalb ist das Backup

die letzte Instanz in einer Multilayer Security

Strategie. Sollte doch einmal etwas

passiert sein, können hieraus die betroffenen

Daten oder sogar ganze Systeme

wiederhergestellt werden. Dadurch ergibt

sich automatisch die Notwendigkeit eines

täglichen georedundanten Backups.

Fazit:

Die IT Abteilung hat andere Aufgaben als

den ganzen Tag der Sicherheit hinterher

zu rennen. Die Komplexität der einzelnen

Systeme lässt heutzutage keine „Turnschuh

Administration“ mehr zu. Um die

Kosten gering und transparent zu halten,

ist der Einsatz von Cloud Management

Lösungen inzwischen für den kleinen Mittelstand

unumgänglich. Möchten Sie nach

einem Medienaufschrei zu einer neuen

Angriffswelle am Montag entspannt in das

Büro kommen oder schon das gesamte

Wochenende unruhig schlafen? Es liegt

an Ihnen. Für den Fall der Fälle haben wir

den einen oder anderen Bitcoin auf Lager.


24

Im Schatten des Ulmer

Wahrzeichens betreibt

der gelernte Hotelkaufmann

Florian Röhrig

seit fast drei Jahren sein

eigenes Haus.


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[gründen]

Hotelchef mit sonnigen Aussichten

Florian Röhrig wollte sein eigener Chef sein, statt weiter angestellt zu arbeiten. Bei seiner Existenzgründung griffen ihm

seine Hausbank und die L-Bank unter die Arme. Doch beide musste er erst mit einem guten Business-Plan überzeugen.

Wenn Florian Röhrig früh morgens in

sein Ulmer Münster Hotel kommt,

führt ihn sein erster Weg zum Frühstücksbuffet.

Dort bedient sich der Hotelchef

nicht selbst, sondern kontrolliert, „ob die Auslage

so ausschaut, wie sie ausschauen sollte,

wenn ich selbst Hotelgast wäre“. Für Röhrig

ist die Qualität und Präsentation des morgendlichen

Speiseangebotes die Visitenkarte

seines Hauses, an die sich seine Gäste im Idealfall

auch dann noch positiv erinnern werden,

wenn sie längst wieder zu Hause sind.

Seit nunmehr fast drei Jahren führt der gelernte

Hotelkaufmann das Hotel. „Für mich war

klar, dass ich mich selbstständig machen und

unternehmerische Verantwortung übernehmen

muss, wenn ich es in der Branche zu etwas

bringen will.“

Dass Röhrig der Sprung in die Selbstständigkeit

erfolgreich gelungen ist, verdankt er seiner

Geduld, einer guten Planung und der Mithilfe

durch seine Hausbank. „Ich habe lange

Zeit mit der Suche nach einem passenden

Objekt verbracht, ehe ich hier fündig wurde“,

erzählt er. „Vom Erstkontakt bis zur Übergabe

durch die ehemalige Betreiberin hat es noch

einmal gut drei Jahre gedauert.“

EINSTIEG ALS NACHFOLGER

Der Hotelbetreiber steht für eine Gründungskultur,

die in Deutschland seit einigen Jahren

zögerlich Einzug hält. Anders als es in der Öffentlichkeit

oftmals den Anschein hat, ist sie

weniger geprägt von jungen Start-ups, die mit

Innovationen vom Digitalisierungstrend profitieren

wollen. Häufig sind es traditionelle

Branchen, in denen Jung-Unternehmer tätig

werden – zum Beispiel, weil sie wie Röhrig eine

Nachfolge antreten. Viele von ihnen sind

motiviert von dem Gedanken, dass Selbstbestätigung

und die Zufriedenheit mit der eigenen

Arbeit mehr zählt als die Perspektive eines

sicheren Jobs mit regelmäßigem

Einkommen. Damit gehören sie allerdings zu

einer eher schwindenden Gruppe. Auf Basis

der Daten der Gewerbeämter geht die Zahl der

Gründer in Deutschland seit Jahren zurück.

Allein im Jahr 2016 ist sie um 91.000 auf

672.000 gefallen. Dabei ist die Zahl derjenigen,

die ihre Gründung als Vollerwerb und nicht

nur als Nebentätigkeit betreiben, sehr viel

niedriger. Sie lag nach Zahlen des Instituts für

Mittelstandsforschung bei 378.000.

Ein Grund für den anhaltenden Abwärtstrend

ist die gute Konjunktur. „Derzeit sind die Aussichten

auf dem Arbeitsmarkt vor allem für

qualifizierte Fachkräfte hervorragend“, sagt

Nikolaus Paffenholz, Gründungsexperte und

Leiter Abteilung Recht und Steuern bei IHK

Düsseldorf. „Viele Arbeitnehmer fragen sich

daher, warum sie sich mit einer Gründung beschäftigen

sollten.“ Häufig scheitern Grün-

Staatliche Anlaufstelle für Gründer

dungsideen am

mangelnden Finanzierungskonzept.

Für den Start

sind in der Regel

hohe Anfangsinvestitionen

nötig,

etwa für Maschinen

oder die Ausstattung

von

Räumlichkeiten. Nikolaus Paffenholz,

Dazu kommen IHK Düsseldorf.

laufende Kosten

wie zum Beispiel Miete, denen am Anfang

häufig nur geringe Umsätze gegenüber stehen.

Dafür benötigt der Gründer neben einem

Startdarlehen oft einen zusätzlich Betriebs-

Das Internet-Portal Ifex hilft auch dabei, die richtigen Ansprechpartner zu finden.

Das Land Baden-Württemberg betreibt

über das Wirtschaftsministerium die Initiative

für Existenzgründung und Unternehmensnachfolge,

kurz Ifex genannt

(www.gruendung-bw.de). Auf dem Internet-Portal

können sich angehende Existenzgründer

einen Überblick über Fördermittel

und Finanzhilfen des Landes

und des Bundes verschaffen sowie Beratungsgutscheine

für eine individuelle,

Grafik: Stocker top / shutterstock.com

mehrstufige Gründungsberatung beantragen.

Darüber hinaus bietet die das Internet-Portal

Basiswissen zur Gründung

an. Aber auch Unternehmer, die auf der

Suche nach einem Nachfolger sind, können

sich zum Beispiel darüber informieren,

wo sie Nachfolge-Moderatoren oder

Anlaufadressen finden, die ihnen bei der

Suche nach einem passenden Nachfolger

behilflich sind.

LU

25


[rubrik] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

oder der L-Bank zu beantragen. Die beiden

Förderinstitute bieten spezielle Gründerdarlehen

an, die auf die Anlaufphase eines jungen

Unternehmens abgestimmt sind. Dazu gehören

lange Laufzeiten ebenso wie eine anfänglich

tilgungsfreie Phase und niedrige Zinsen.

„Angesichts des Risikos, das mit einer Existenzgründung

verbunden ist, kommt ein normaler

Bankkredit dafür oft gar nicht infrage“,

weiß IHK-Experte Nägele.

Schlüsselkasten des Ulmer Münster Hotels: Florian Röhrig hat ein gut gehendes Hotel übernommen.

mittelkredit. Denn es braucht erfahrungsgemäß

einige Zeit, bis sich das eigene Produkt

oder die Dienstleistung durchgesetzt hat.

Darauf musste Hotelbetreiber Röhrig nicht

warten. Er profitierte davon, einen sehr gut

eingeführten Betrieb übernommen zu haben.

Dafür stand er vor der Herausforderung, den

Kaufpreis zu finanzieren. „Da ich nahezu kein

Eigenkapital hatte und auch keinen Bürgen in

der Familie, musste ich einen Kredit bei meiner

Hausbank beantragen.“

BUSINESS-PLAN IST PFLICHT

Häufig endet das Gründungsvorhaben, bevor

es richtig angefangen hat. Wegen des hohen

Risikos agieren viele Banken bei Gründungskrediten

sehr zurückhaltend. Das gilt vor allem

dann, wenn es außer der Geschäftsidee

keine Sicherheiten gibt. „Wir finanzieren per

se nicht jedes Gründungsvorhaben“, sagt

Heimo Koch, Direktor Firmenkunden bei der

Sparkasse Ulm. „Uns muss vor allem ein stimmiges

Konzept überzeugen. Der Antragsteller

sollte plausibel und für uns nachvollziehbar

darstellen können, was genau er vorhat und

welchen Finanzierungsbedarf er sieht. Ein

Business-Plan ist dafür unabdingbar.“

Punkten konnte Gründer Röhrig bei seiner

Hausbank neben einem guten Konzept damit,

dass er das Hotelgewerbe von der Pike auf gelernt

hat und die Branche gut kennt, unter

anderem durch Betriebsleiter-Tätigkeiten im

Ausland. Zudem hatte er von Anfang an die

Selbständigkeit im Blick und die Zeit vor der

Übergabe genutzt, um an seinem Business-

Plan zu arbeiten.

Darin beschreiben angehende Unternehmer

ihre Qualifikationen und Geschäftsideen. Sie

analysieren den Markt, nennen Wettbewerber

und führen unternehmerische Chancen

und Risiken auf. Vor allem aber gibt er einen

Ausblick darauf, mit welchen Umsätzen sie

planen und wann mit schwarzen Zahlen zu

rechnen ist. „Der Gründer kann sich durch

den Business-Plan intensiv mit seiner Geschäftsidee

auseinandersetzen“, sagt Artur

Nägele, Leiter des Starter-Centers der IHK

Ulm. „Er ist das wichtigste Planungs- und

Steuerungsinstrument und gleichzeitig Argumentationshilfe

gegenüber Investoren, Partnern

und Banken, um an Kapital zu kommen.“

Informationen, wie ein Business-Plan aufgebaut

ist und was in

ihm alles enthalten

sein sollte, finden

sich im Internet

zuhauf. Die

IHK Ulm stellt auf

ihren Internetseiten

ein Online-

Tool zur Verfügung,

das

Gründern bei der

Artur Nägele, Leiter des Erstellung des

Starter-Centers, IHK Ulm. Plans hilft. Darüber

hinaus stehen

in vielen Städten und Kommunen Experten

der Handwerks- und Industrie- und Handelskammern

oder der Wirtschaftsförderung als

Ansprechpartner zur Verfügung. Dazu bietet

zum Beispiel die IHK Ulm Existenzgründungsseminare

und individuelle Einzelberatungen

an. Unter bestimmten Voraussetzungen

können Gründer sogar einen Gutschein

für eine intensive Beratung bei einem Gründungscoach

beantragen (siehe Kasten).

Gründungsexperten und Bankberater helfen

zudem dabei, einen Förderkredit bei der KfW

HILFE VON DER L-BANK

Für Röhrig wäre der Traum von der Selbstständigkeit

ohne einen Förderkredit der landeseigenen

L-Bank nicht in Erfüllung gegangen.

Aus Sicht der Hausbank zählen diese

Darlehen wie Eigenkapital, weil sie durch

Förderbanken wie die L-Bank komplett abgesichert

sind. Dadurch bekommen Gründer

häufig erst Zugang zu einer Finanzierung und

können bei Bedarf zusätzliche Bankkredite

oder Leasingfinanzierungen beantragen. Die

Beantragung und Auszahlung läuft dabei

über die private Hausbank des Gründers. Allerdings:

„Der Aufwand für das Ausfüllen der

vielen Formulare ist schon hoch. Aber für

mich gab es kaum eine andere Möglichkeit,

um an Kapital zu kommen“, sagt Röhrig. Hapert

es an den Sicherheiten oder ist das unternehmerische

Risiko sehr hoch, kann die Hausbank

die landeseigene Bürgschaftsbank mit

ins Boot holen. Durch die zusätzliche staatliche

Bürgschaft werden Förderdarlehen und

Kredite unter Umständen erst möglich.

Eine Alternative ist es, bei einer Beteiligungsgesellschaft

anzuklopfen. Diese Finanziers

stellen entweder Nachrangdarlehen als stille

Gesellschafter zur Verfügung, die ebenfalls

den Charakter von eigenkapitalähnlichen

Mitteln haben, oder sie steigen als Gesellschafter

direkt mit in das Unternehmen ein.

Solche Beteiligungsgesellschaften unterhalten

sowohl das Land als auch die verschiedenen

Bankengruppen wie etwa die Sparkassen

sowie die Volks- und Raiffeisenbanken.

Komfortabler sieht die Finanzierungssituation

von wachstumsstarken Start-ups in Technologiebranchen

aus. Sie können auf eine

Heerschar von strategischen Investoren setzen,

die auf der Suche nach dem neuen Facebook

oder Microsoft sind. Sie investieren oft

direkt in Start-ups, indem sie Geschäftsanteile

kaufen. „Diese Investoren erwarten dann aber

auch deutlich höhere Renditen auf ihr Beteiligungskapital“,

gibt IHK-Experte Nägele zu

bedenken. [!]

THOMAS LUTHER

26


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[namen & nachrichten]

Carthago

strebt höhere

Produktion an

Der Reisemobilhersteller Carthago

will bis zum Jahr 2020

seine jährliche Produktion auf

8000 Fahrzeuge erhöhen. Auf

der Suche nach Fachkräften kooperiert

das Unternehmen mit

Hochschulen. Derzeit sind 500

der 1100 Mitarbeiter am Firmensitz

im oberschwäbischen

Aulendorf beschäftigt. Eine

bauliche Erweiterung ist vorerst

ausgeschlossen. Carthago,

das in Odranci – rund 80 Kilometer

südlich von Graz gelegen

– über einen weiteren Standort

verfügt, hat im Geschäftsjahr

2016/17 einen Umsatz von rund

300 Millionen Euro Euro erzielt.

Nach Frost im

April Kurzarbeit

bei Salem Frucht

Die Salem-Frucht GmbH hat

Kurzarbeit angemeldet. Vom 1.

September an sind rund die

Hälfte der etwa 120 Mitarbeiter

des Obstgroßhandels betroffen.

Grund sind durch den Frosteinbruch

im April hervorgerufene

Ernteeinbußen der Bodensee-

Obstbauern von bis zu 70 Prozent.

Der 2001 gegründete Betrieb

aus Neufrach verarbeitet

normalerweise bis zu 55.000

Tonnen Äpfel pro Jahr. 2017

werden es höchstens 15.000

Tonnen sein. Umsatzeinbußen

sind laut Geschäftsführer Rainer

Wielatt nicht zu vermeiden.

Mikromobilität:

ZF gründet

Joint-Venture

Die ZF Friedrichshafen AG will

den Markt für Mikromobilität,

also kleinste Autos mit zwei,

drei oder vier Rädern, erobern.

Hierfür wurde ein Joint-Venture

mit den Unternehmen Magura,

Einweihung im August

Vergangenheit und Zukunft der Schuler AG (Göppingen): Der

54 Meter hohe Schuler Innovation Tower (SIT) wird am 18. August

eingeweiht. Dazu kommt auch Baden-Württembergs Ministerpräsident

Winfried Kretschmann. Ab Herbst werden im

SIT 750 Ingenieure ihre Arbeit aufnehmen.

BrakeForceOne und Unicorn

Energy (Tübingen) gegründet.

Ziele sind die Entwicklung, Herstellung

und Vertrieb von Produkten

für E-Mobilität. Die ZF

erzielte mit 137.000 Mitarbeitern

zuletzt einen Jahresumsatz

von 35,2 Milliarden Euro.

Aulendorf

gestaltet

Bahnhofs-Areal

Mit 4,6 Millionen Euro ist es das

größte Bauprojekt, das die

10.000 Einwohner große Stadt

Aulendorf in den vergangen

neun Jahren angepackt hat. In

dessen Rahmen wird unter anderem

der Bahnhofsvorplatz

barrierefrei gestaltet und die

Poststraße ausgebaut. Das Land

schießt 1,3 Millionen Euro zu.

Das Projekt sollen die Unternehmen

Heydt aus Aulendorf

und Burk aus Ravensburg bis

zum Jahr 2018 realisieren.

Sana baut

neue Klinik

in Biberach

Für Mitte 2020 ist die Aufnahme

des Regelbetriebs des Sana-

Klinikneubaus in Biberach geplant.

Gerade läuft die zweite

Stufe des europaweiten Vergabeverfahrens

um einen Generalübernehmer

für das Projekt

zu finden. Dieser soll im Oktober

präsentiert werden. Der erste

Spatenstich wäre damit Ende

2017 möglich. Entstehen soll eine

Akutklinik mit 370 Betten

und sieben OP-Räumen. Mit

75.000 Patienten jährlich ist die

Sana Kliniken Landkreis Biberach

GmbH der größte Gesundheitsanbieter

im Landkreis.

Gästekarte soll

die Marke

Bodensee stärken

Vom Jahr 2018 an werden sich

die Gemeinden Frickingen,

Owingen, Heiligenberg, Nonnenhorn

und Wasserburg an

der Echt-Bodensee-Card beteiligen.

Die gemeinsame Gästekarte

ist ein Baustein der Deutsche

Bodensee Tourismus GmbH,

um die Marke „Echt Bodensee“

in der Region zu etablieren. Ziele

sind die Verbundenheit mit

der Region auszudrücken, einen

Wiedererkennungswert und

Eindeutigkeit zu schaffen – unter

anderem als Abgrenzung zu

anderen Ferienregionen wie

Allgäu oder Schwarzwald.

IWO erweitert in

Weingarten für

2,1 Millionen Euro

Die Integrations-Werkstätten

Oberschwaben gGmbH (IWO)

aus Weingarten (Kreis Ravensburg)

erhält neue Räumlichkeiten.

Derzeit entsteht auf dem

Areal der früheren Argonnen-

Kaserne ein rund 600 Quadratmeter

großer Anbau mit zusätzlichen

Produktionsflächen

sowie Räume für Kleinstarbeitsgruppen

und berufliche Bildungsangebote.

Das bestehende

Gebäude wird modernisiert. Die

Gesamtinvestition beträgt etwa

2,1 Millionen Euro. Das Sozialunternehmen

beschäftigt derzeit

rund 310 Menschen mit Behinderung.

[!]

RIZ

27


Frisch sanierte Häuser, gepflegter Garten: Die Hausmeister Frank Richter (Bild) und Karl Eckle schauen in Ulm nach dem Rechten.

Foto: Lars Schwerdtfeger

Mit sozialer Rendite

Ihre günstigen Mieten machen die LBG bei ihren Mitgliedern beliebt. Doch die drittgrößte Wohnungsgenossenschaft im

Südwesten tut sich schwer, weil Grundstücke rar sind und der Bau von Wohnungen auch an der Bürokratie scheitert.

Mitten in Ulm stehen Dutzende Wohnungen

leer. An diesem Sommertag

spiegeln sich die ausladenden Bäume

in den gardinenlosen Fenstern. Schon bald

werden hier die Bagger anrollen. „Die Gebäude

zu sanieren, hat sich nicht mehr gelohnt“,

sagen Josef Vogel und Mathias Friko, die geschäftsführenden

Vorstände der Landes-Bau-

Genossenschaft Württemberg eG (LBG) mit

Sitz in Stuttgart. Gemeinsam mit der Genossenschaft

für Wohnungsbau Oberland aus

Laupheim (GWO) baut die LBG hier 102 Mietwohnungen

im „Postdörfle“. Kostenpunkt: 23

Millionen Euro. Zeitgleich sanieren die Genossenschaften

benachbarte Immobilien.

Mit den betroffenen Mietern ist die LBG schon

länger in Kontakt. Die drittgrößte Wohnungsgenossenschaft

im Südwesten, mit rund 5500

Wohnungen beschäftigt zwei hauptamtliche

Sozialarbeiterinnen. Diese und die für Ulm

zuständigen Sachbearbeiter betreuen die Mieter,

die während der Bauzeit in anderen LBG-

Wohnungen unterkommen, die dafür freigehalten

wurden. Die allermeisten Mieter

wollen nach den Worten Vogels nach dem

Ende der Sanierung und der Fertigstellung der

neuen Gebäude Ende 2019 bzw. Anfang 2020

wieder ins Postdörfle zurück.

Vogel und Friko betonen: „Wir sehen unsere

Verantwortung. Die Wohnung ist auch Sozialgut

– auch wenn wir die Gebäude sanieren,

müssen unsere Mieter die Wohnungen bezahlen

können“. Daher bekommen Bestandsmieter,

die in die neuen Postdörfle-Wohnungen

zurückkehren, einen Nachlass auf die Miete.

Auch ansonsten verfügt die LBG über ein ausgeprägtes

Sozialmanagement.

Die

Bandbreite reicht

von einer Senioren-WG

in Stuttgart,

einem Mietertreff,

Ausflüge,

preisgekrönte Sozialprojekte

wie

beispielsweise die

Wohnungslosenhilfe

in Sigmarin-

Josef Vogel.

LBG-Vorstandsmitglied

gen bis hin zu Ferienwohnungen,

die die LBG-Mieter für 35 Euro

pro Tag in Friedrichshafen direkt an der Seepromenade

mieten können.

Der Hintergrund: Als Genossenschaft strebt

sie nicht nach Gewinnmaximierung, sondern

28


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[machen]

orientiert sich an

den Bedürfnissen

ihrer Mitglieder.

Dazu gehört

Wohnsicherheit

zu angemessenen

Mieten, Wohnrecht

auf Lebenszeit

sowie eine satzungsgemäße

LBG-Vorstandsmitglied Gewinnbeteiligung.

„Daher neh-

Mathias Friko.

men wir auch

nicht die Mieten, die der Markt hergibt“, betont

Vogel. Über den gesamten Wohnungsbestand

bezahlen die Mitglieder 5,90 pro Quadratmeter

– und das obwohl sich 40 Prozent der

LBG-Wohnungen direkt in Stuttgart befinden.

Dort liegt die LBG mit durchschnittlich 6,50

Euro deutlich unter dem Schnitt der Landeshauptstadt

(8,80 Euro).

Zugleich investierte die die Genossenschaft

im vergangenen Jahr 21 Millionen Euro, vor

allem für energetisches und altersgerechtes

Wohnen. „Wir machen nur noch Duschen, die

barrierearm sind, bauen auch im Altbau großzügige

Bäder. Denn wir wollen, dass unsere

Mitglieder so lange wie möglich in ihrem gewohnten

Umfeld leben können“, betont Friko.

ULM BESSER ALS STUTTGART

Und wie kann die LBG dennoch mit dieser

günstigen und bezahlbaren Miete wirtschaften?

„Uns reicht beim Rückfluss der Investitionsbeträge

statt 25 Jahre auch 50 Jahre und

auch knapp 3 Prozent Rendite. Wir brauchen

keine 6 oder 8 Prozent“, erläutern Vogel und

Friko. Allerdings tun sich die Wohnungsgenossen

zunehmend schwer Grundstücke zu

erhalten. „Mit den Preisen, die Bauträger bieten,

können wir nicht mithalten. Wir brauchen

günstige Grundstücke, um Wohnungen

günstig vermieten zu können“, sagt Friko.

Doch Grundstücke sind Mangelware. Erschwerend

hinzu kommt nach seinen Worten,

dass viele Bebauungspläne in den 60er

Jahren entstanden sind und nicht mehr zu

den heutigen Bedürfnissen passen. Daher gewinnt

das Thema Nachverdichtung, wie in

Ulm beim Postdörfle-Projekt, an Bedeutung.

Doch auch das ist kein einfaches Thema, sagt

Friko. „Oftmals wird der Bau von günstigem

Wohnraum verhindert.“ Vergleiche man die

Städte Ulm und Stuttgart, so sei bei der Frage,

wie man den Bau von Wohnungen ermöglichen

kann, der Willen dazu an der Donau

Der LBG gehören in der Region Ulm 445 Wohnungen. Dazu gehören auch die Hauser „In der Wanne“.

deutlich ausgeprägter als am Neckar. Für

Stuttgart sieht Vogel die Gefahr, dass Busfahrer

und Krankenschwestern, also solche Arbeitnehmer,

die für das Funktionieren einer

Stadt wichtig sind, sich Mieten von 15 Euro

pro Quadratmeter nicht leisten können und

aus der Stadt gedrängt werden. Auf ein LBG-

Wohnungsangebot in Stuttgart, das übers

Wochenende auf Immoscout.de stand, seien

5500 Wohnungen in 58 Städten

500 Bewerbungen eingegangen. Ein hohes

Mietniveau und der Wohnungsmangel erschwere

mittelfristig auch Unternehmen die

Personalsuche. Für die Post und vor allem die

Bahn, die aufgrund der Historie der Wohnungsgenossenschaft

Belegungsrechte für

rund 2000 Wohnungen hätten, würden diese

in jüngster Zeit diese Möglichkeit wieder interessanter.

[!]

ALEXANDER BÖGELEIN

Ein Beispiel für das soziale Engagement der LBG: die preisgekrönte Senioren-WG in Stuttgart.

Die Landes-Bau-Genossenschaft ist im

Jahr 1921 gegründet worden. Sie verfügt

über 5500 Wohnungen in 58 Städten. Die

meisten Wohnungen besitzt sie in Stuttgart

(2206), der Region (445), Bietigheim-

Bissingen (105), Crailsheim (100) und der

Region Göppingen (76). Im vergangenen

Jahr investierte die Landes-Bau-Genossen

schaft 21 Millionen Euro. In den vergangenen

fünf Jahre steckte die Ge nossen

schaft 103 Millionen Euro in ihren

Ge bäudebestand. Die Eigenkapitalquote

klettert seit Jahren stetig auf mittlerweile

49,6 Prozent. Die Umsatzerlöse betrugen

im vergangenen Jahr 24,9 Millionen Euro,

der Bilanzgewinn lag bei 708.851. Die Mitglieder

erhalten eine Bruttodividende auf

ihre Anteile von fünf Prozent. Die LBG beschäftigt

60 Mitarbeiter sowie 59 geringfügig

Beschäftigte.

AMB

29


[machen] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Eiskalte Expansion

Eisdielen sind meist selbstständige Familienbetriebe. Danilo Miraval und Mirco Dal Col haben erfolgreich ein

Franchise-Konzept entwickelt, das an fünf Standorten in der Region Ulm umgesetzt wird – und bald auch in Tettnang.

Später Vormittag, Sommer, Sonne, 28

Grad Celsius. Der Laden brummt. Ein

Schüler-Pulk umlagert gerade den Tresen

der Eisdiele in der Ulmer Fußgängerzone,

doch von Hektik keine Spur. Das liegt zu einem

Gutteil an den souveränen Gelateristi,

die geduldig die Wünsche der jungen Kunden

abarbeiten.

„Gutes Personal ist mitentscheidend für den

Erfolg, aber schwierig zu bekommen“, sagt

Foto: Marc Hörger

Mirco Dal Col, welcher der Filiale einen Kontrollbesuch

abstattet. Gemeinsam mit seinem

Geschäftspartner Danilo Miraval hat Dal Col

ein Franchisekonzept entwickelt, das mittlerweile

an fünf Standorten zum Einsatz kommt.

In der von Familienbetrieben geprägten Branche

ist das eine Ausnahme.

„Das System muss laufen, das ist unser Image“,

erläutert Dal Col dazu. Zum „System“ gehört

nun mal ein mit professioneller Freundlichkeit

auftretendes, aber ebenso sehr gewissenhaftes

Personal. Bei diesem Stichwort zählt

Dal Col eine Reihe von Eigenschaften auf, die

er voraussetzt. Diese klingen sehr nach den

vielzitierten „deutschen Tugenden“. Dazu gehört

auch unbedingte Sauberkeit und strikte

Einhaltung der Hygienevorschriften.

EINHEITLICHE EISKARTE

Den Grundstein für ihre Eisdielen-Kette Miraval

haben die beiden im Jahr 2008 gelegt. Ihre

Franchise-Nehmer sind als Pächter selbständige

(Klein-)Unternehmer. Von der Muttergesellschaft

beziehen sie das Konzept, das Erscheinungsbild,

das Knowhow sowie die

Basis-Zutaten, außer den frischen, die von regionalen

Erzeugern zugekauft werden. Alle

Beschäftigten in den Miraval-Filialen tragen

ein einheitliches braunes Dress.

Das Corporate Design wurde zusammen mit

einem kleinen Team aus Architekten und

Grafikern entwickelt. Zu diesem gehört, dass

die Abbildungen der Eiskreationen auf den

Karten grundsätzlich gezeichnet sind. Das

Angebot darauf ist bewusst überschaubar gehalten.

Die Miraval-Eisdielen befinden sich

durchweg in guten Lauflagen. „Die Mieten

müssen stimmen“, ergänzt Dal Col den Kriterienkatalog.

Schließlich dauert eine Saison

nur rund neun Monate, doch auch in der umsatzlosen

Zeit fallen Mieten an. Nur in Ulm

gelingt es, winters über einen Zwischenmie-

Frisches Erdbeereis: Steven Buccol führt die Miraval-Eisdiele

in der Ulmer Innenstadt.

30


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[machen]

ter zu finden, einen Nürnberger Lebkuchen-

Großbäcker.

Dal Col und Miraval wollen weiter expandieren

– aber behutsam. Doch womit kann man

als Franchise-Geber überhaupt punkten?

„Hauptsächlich mit Wissen“, sagt Dal Col. Daher

feilen die Firmenchefs stetig an ihrem Unternehmenskonzept.

Im Winter sei nicht etwa

Dolce Vita angesagt, sondern die

Produktentwicklung. Konkret heißt das: Er

steht mit seinem Geschäftspartner Danilo Miraval

in der Eisküche und testet neue Sorten

und Variationen.

BIS ZU 200 VARIANTEN

Sowohl Dal Col (42) als auch Miraval (56), die

beide aus der Stadt Conegliano in Norditalien

stammen, haben ihr Handwerk von der Pike

auf gelernt – an der berühmten Ausbildungsschule

im norditalienischen Longerone bei

Venedig. Dort haben schon viele Eis-Karrieren

ihren Ausgangspunkt genommen. Beide

Gründer gingen zunächst unabhängig voneinander

über viele Jahre hinweg ihren beruflichen

Weg, bis sie sich wiedertrafen und beschlossen,

gemeinsam etwas auf die Beine zu

stellen.

Daraus entstand das Miraval-Konzept, das

auch Steven Buccol und seine Bald-Ehefrau

Patrizia Cadore in der Ulmer Innenstadt umsetzen.

Den Franchise-Nehmern ist das Drumherum

des Konzeptes wichtig, doch im Mittelpunkt

steht das Produkt. „Unsere Kunden sind

die besten Gutachter“, beantwortet Buccol die

Frage, nach welchen Kriterien das Paar sein

Angebot ausrichtet und wie umfassend das

sein muss.

Immerhin lassen sich aus dem Miraval-Set

rund 200 Eisvarianten erzeugen. Die Rezepturen

sowie die Zutaten, außer den frischen, liefert

nach Vorgaben der Zentrale der Gelateria-

Versorger Concept Food Creations CFC aus

Altheim (bei Riedlingen).

Der Arbeitstag von Buccol beginnt während

der Saison für gewöhnlich um 5 Uhr in der

Früh. Seine bis zu 36 verschiedenen Eissorten

Zwei weitere Standorte

in Vorbereitung

Franchise ist in der kleinteilig und familiär

strukturierten Branche der Gelaterias

in der Region kaum verbreitet.

Miraval bildet da die Ausnahme. Im

Jahr 2008 gegründet, umfasst das Filialnetz

bislang fünf Adressen, in Ulm,

Neu-Ulm, Senden, Ehingen und Biberach.

2018 soll eine weitere Filiale in

Tettnang hinzukommen, eine siebte ist

nach den Worten von Mitgründer und

-inhaber Mirco Dal Col in Planung. Die

geeigneten Betreiber zu finden, nennt

er die größte Hürde. Vorteil der Branche:

Das Eisgeschäft ist weitgehend

konjunk tur unabhängig. Ihr Nachteil: Es

ist extrem wetterabhängig. THV

bereite er täglich frisch zu, erzählt er. Und

nach der Saison? „Da bin ich erst einmal geplättet.“

[!]

THOMAS VOGEL

Mehr als nur 4 Wände …

Anzeige

Seit 1985 ist dieses Motto Leitlinie des erfolgreichen Ulmer Maklers und Bauträgers.

Munk verwirklicht die individuellen Vorstellungen seiner Kunden – nun das Ypsilon.

Ob Neubau, Immobilien aus zweiter Hand

oder Gewerbeimmobilien, ob Kauf oder

Miete: Munk bietet als Bauträger, Makler

und Mietservice sämtliche Leistungen aus

einer Hand – das ist in Ulm einmalig.

„Unsere Mitarbeiter sind erfahrene Profis, sie

begleiten den Kunden auf dem ganzen Weg bei

ihrer Immobilien-Transaktion. Von der Idee bis

zum Abschluss – dafür stehen wir mit unserem

guten Namen“, betont Volker Munk.

Fachkompetenz und Erfahrung des 20-köpfigen

Teams bündeln sich nun auch in dem Großprojekt

„Das Ypsilon“, welches nach seiner Fertigstellung

Ende 2018 das Ehinger Tor städtebaulich

prägen wird. Der zehnstöckige Hochbau

und der siebenstöckige Langbau

verschmelzen zu einem Gebäude und verbindet

dabei Flexibilität und Design. Ins Erdgeschoss

ziehen Ladengeschäfte ein, darüber

werden sich auf den Ebenen eins bis vier Büroeinheiten

erstrecken, ab der Ebene fünf entstehen

21 außergewöhnliche

Wohneinheiten. Das Y-Wohnen

bietet dabei Wohnen im „Manhattan

Feeling“ mit 2,80 Meter

Raumhöhe. Viele der Wohnungen

sind dabei nach Süden

Richtung Donau ausgerichtet.

Große und geschützte Loggien

sorgen für Aufenthaltsqualität

im Freien. Im Turmbereich entsteht

ein neues Wohnkonzept

für Wohnen und Arbeiten auf

Zeit: mit den so genannten Das Ypsilon: das aktuelle Leuchtturmprojekt

Service-Apartments die über von Munk in Ulms Mitte.

Foto: Munk

eine Wohnfläche von 30 bis 40

m² verfügen, bietet sich Reisenden und Geschäftsleuten

ein Zuhause auf Zeit zum Wohlnenstadt

sogar fußläufig in wenigen Minuten.

schnell zu erreichen, der Bahnhof und die Infühlen.

Die ideale Verkehrsanbindung ist ein

weiterer Vorteil. Das Ehinger Tor, der wichtigste Informationen zu Büros + Läden

Nahverkehrsknotenpunkt in Ulm, befindet sich Julika Kern, 0731- 96896-47

direkt vor dem Ypsilon. Alle Verkehrsadern wie

die B10, A7 und A8 sind von diesem Standort

31


[spezial] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Klimaschutz zum eigenen Vorteil

Mit ihrem Projekt KEFF will die Landesregierung ein Dilemma auflösen: Der Energieverbrauch vieler Unternehmen ist

gering und dessen Optimierung kein großes Thema. Firmen wie Krieghoff in Ulm nehmen die Beratung gerne an.

Robert Ströbele steht auf dem Dach des

Produktionsgebäudes. Nach dem sommerlichen

Starkregen fließt das Wasser

nur langsam ab. Der Betriebsleiter des Ulmer

Jagd- und Sportwaffenherstellers Krieghoff

deutet auf die Lichtkuppeln. „Wir wollen das

Dach dämmen und auch die Lichtkuppeln erneuern“,

sagt Ströbele.

„Wir haben schon länger mit dem Gedanken

gespielt, weitere

Energiesparmaßnahmen

in unserem

Haus anzugehen,

um effizienter

und nachhaltiger

zu werden. Als unser

Geschäftsführer

Phil Krieghoff

über die Handwerkskammer

und die IHK Ulm

über die Möglichkeit

des KEFF-

Betriebsleiter

Robert Ströbele.

Checks erfahren hat, war der Entschluss kurzerhand

gefasst“, erzählt Ströbele. Schnell war

ein Termin mit Theresa Volk von der Regionalen

Kompetenzstelle Energieeffizienz Donau-

Iller (KEFF) vereinbart.

KOSTENLOSE ERSTBERATUNG

Bei dieser Begehung fanden sich weitere Ansatzpunkte,

an denen das Unternehmen seinen

Energieeinsatz optimieren kann. Im ausführlichen

Abschlussbericht stehen

Empfehlungen für weitere Maßnahmen.

„Den KEFF-Check kann ich für eine erste Orientierung

absolut empfehlen“, sagt Ströbele.

Für die Firmen ist diese KEFF-Erstberatung

kostenlos. Hinter der Abkürzung verbirgt sich

ein Projekt der Landesregierung, das kleine

Ein Krieghoff-Mitarbeiter entgratet ein Teil an einem

CNC-Bearbeitungszentrum. Die Leuchtstoffröhren

in der Halle werden durch LED ersetzt

werden.

Fotos: Marc Hörger

32


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[rubrik]

und mittlere Unternehmen beim Thema

Energieeffizienz unterstützt. In der Region

sind die Industrie- und Handelskammer Ulm

sowie die Energieagenturen in Ulm und Biberach

die Projektpartner. Diese bieten unter

anderem Informationsveranstaltungen für

Geschäftsführer, Betriebsleiter, Umweltbeauftragte

oder auch Energieberater an.

RUNDGANG DURCH DIE FIRMA

Neben Auskünften rund um die Themen

Energiesparen oder effiziente Anlagentechnik

dienen diese Treffen zu einer ersten Kontaktaufnahme

zu einem der Projektverantwortlichen.

So zum Beispiel zu Theresa Volk,

die Gebäudeenergieberaterin der Regionalen

Energieagentur in Ulm ist für die Handwerksbetriebe

in und um Ulm herum zuständig: „Ist

eine Firma an einer Betriebsbesichtigung interessiert,

führe ich ein erstes Impulsgespräch

am Telefon, um mir vor meinem ersten Besuch

vor Ort ein Bild über die wichtigsten Eckdaten

des Unternehmens zu machen. Dazu

Das Dach der H. Krieghoff GmbH wird gedämmt, die Lichtkuppeln ausgetauscht.

gehören unter anderem die Anzahl der Mitarbeiter,

die Verbräuche und ob zum Beispiel im

Schichtbetrieb gearbeitet wird.“ Erst danach

folgt der sogenannte KEFF-Check, bei dem die

Energieexpertin gemeinsam mit dem Geschäftsführer

oder einem Beauftragten des

Unternehmens einen ausgiebigen Rundgang

durch Verwaltung und Produktion unter-

Energie für den Erfolg!



Großeislinger Straße 30

73033 Göppingen

Telefon 07161 / 6101-0

www.evf.de

33


[spezial] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Projekt mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren

KEFF-Startschuss in Ulm im April diesen Jahres (von links) mit Otto Sälzle (IHK Ulm), Markus

Möller (Alb-Donau-Kreis), Helmfried Meinel (Umweltministerium BW), Hannes Spieth (Umwelttechnik

BW), Roland Mäckle (Energieagentur Ulm), Mustafa Süslü (IHK), Tim von Winning

(Stadt Ulm), Michael Maucher (Energieagentur Biberach), und Theresa Volk (Energieagentur).

Ein Krieghoff-Mitarbeiter beim Hartlöten von Visierschienen

auf einen Schrotlauf. Um Energie zu

sparen, kann man die Absaugvorrichtung mit einem

Wärmetauscher nachrüsten.

nimmt. Dieser kann je nach Größe des Betriebes

bis zu zwei Stunden dauern. „Danach fertige

ich dem Unternehmen eine Ist-Analyse

an und zeige sinnvolle Maßnahmen zur Energieeffizienz

auf“, erläutert Volk.

Die Ideen hierzu sind mannigfaltig. So können

Unternehmen aus der Holz- und Metallverarbeitenden

Industrie die Abwärme ihrer

Druckluftkompressoren zum Beispiel in Wärme

für die Heizung umwandeln. Dies wird

laut Volk in vielen Firmen bisher nicht getan.

Auch lässt sich mit Absauganlagen Strom sparen.

Mittels eines Wärmetauschers kann

durch die aufgeheizte Abluft die in die Halle

eingebrachte Frischluft vorgewärmt werden.

Auch im Thema Licht steckt Sparpotenzial.

„Viele Leuchtstoffröhren oder Halogen-

Leuchten haben längst ausgedient und könnten

durch sparsame und vor allem langlebige

LED-Systeme ersetzt werden“, erläutert Volk.

Nach ihren Worten legen die KEFF-Effizienzmoderatoren

großen Wert auf eine ganzheitliche

Beratung: „Wir erarbeiten nicht nur Maßnahmen

zur Energieeinsparung, sondern

werfen für unsere Kunden immer auch ein

Auge auf bestehende und anstehende gesetzliche

Vorgaben. Zum Beispiel legt das Erneuerbare-Wärme-Gesetz

bestimmte Anforderungen

fest. Nur wenn man diese kennt, kann

man sie durch ein geschickt aufeinander abgestimmtes

Paket mit Effizienzmaßnahmen

ohne zusätzlichen Aufwand erfüllen.“

Die Regionalen Kompetenzstellen Netzwerk

Energieeffizienz (KEFF) unterstützen

als unabhängiger Ansprechpartner

vor allem kleine und mittlere Unternehmen

dabei, Energieeffizienzmaßnahmen

umzusetzen. Die KEFF-Effizienzmoderatoren

initiieren, unterstützen und begleiten

Maßnahmen. Dabei werden neben

der Gebäudehülle und -infrastruktur

auch der Produktionsprozess und Querschnittstechnologien

in die Betrachtung

einbezogen. Die Trägerorganisationen der

KEFF werden aktuell für vier Jahre aus

Mitteln der Europäischen Union und des

Landes gefördert. Nach drei Jahren Projektlaufzeit

wird eine Evaluation der KEFF

durchgeführt. Nach sieben Jahren Laufzeit

soll das Netzwerk Energieeffizienz

ausreichend bekannt und auch regional

verankert sein.

SL

INFOS ZU FÖRDERTÖPFEN

Die KEFF-Experten erklären auch, welche Förderprogramme

für die einzelnen Unternehmen

in Frage kommen. Die Anträge müssen

die Betriebe selbst ausfüllen, werden dabei jedoch

von den Effizienzexperten unterstützt.

Theresa Volk: „Es ist wichtig zu betonen, dass

wir keine Konkurrenz zu bestehenden Energieberatungsangeboten

darstellen. Wir bieten

unsere Tätigkeiten neutral, unentgeltlich

und im nicht-wettbewerblichen Bereich an.“

Das landesweite KEFF-Projekt soll helfen, die

CO2-Emissionen in Baden-Württemberg bis

zum Jahr 2050 um 90 Prozent zu senken. Mit

der Förderrichtlinie „Regionale Kompetenzstellen

Netzwerk Energieeffizienz (KEFF)“

setzt sich das Ministerium für Umwelt, Klima

und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

(UM) deshalb für die Steigerung von Energieeffizienz

in Unternehmen ein. Im Fokus stehen

vor allem jene kleinen und mittleren Unternehmen

(KMU), denen im Vergleich zu den

großen Unternehmen oftmals die Zeit und die

Kapazitäten fehlen, um sich mit möglichen

34


Mit biotark business zur

CO 2 -freien Nudel

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Nudeln sind wahre Energiebündel. Dies gilt

auch für ihre Produktion. Mit einem auf wändig

en, energieintensiven Prozess wird den

Teig waren Feuchtigkeit entzogen – für das Tradi

tionsunternehmen Franz Tress GmbH & Co.

KG (Tress) ein nicht unerheblicher Kostenfaktor.

Hier setzen die Energiespezialisten der

Erdgas Südwest GmbH an. Das Konzept nennt

sich biotark business. Das langfristige Ziel:

Unternehmen zum Selbstversorger machen.

Das Unternehmen Tress verbraucht pro Jahr

rund 7,5 Millionen Kilowattstunden Strom und

Wärme. Geschäftsführer Markus Tress möchte

den Energiebedarf und den CO 2

-Ausstoß reduzieren

– der Grundstein für eine grüne, nachhaltige

Produktwelt. „Wir arbeiten auf die ‚CO 2

-

freie Nudel‘ hin“, erklärt Markus Tress.

Also nahmen die Erdgas Südwest Mitarbeiter

den Teigwarenhersteller genau unter die Lupe.

Die Experten studierten Produktionsprozesse

und Energieverbräuche. Heraus kam ein maßgeschneidertes

Konzept mit erstaunlichem

Optimierungspotenzial: Senkung der Energiekosten

um circa 20 Prozent und Verminderung

des CO 2

-Ausstoßes um bis zu 30 Prozent pro

Jahr (Basisjahr 2013). „Wir haben uns bewusst

für biotark business von Erdgas Südwest entschieden.

Das Energiekonzept erfüllt genau

unsere Anforderungen an Umwelt- und Klimaschutz“,

so Geschäftsführer Markus Tress. Positive

Begleiterscheinung: 83 Prozent des

Stroms und 84 Prozent der benötigten Wärme

erzeugt das Unternehmen heute selbst. Tress

ist damit auf dem Weg zum Energieselbstversorger.

Während der Nudelherstellung Temperatur absenken

und Hydraulik anpassen waren zwei

der empfohlenen Verbesserungen. Das Prinzip

der Kraft-Wärme-Kopplung nutzen und gleichzeitig

Strom und Wärme erzeugen eine weitere.

Möglich ist dies durch kleine Kraftwerke, sogenannte

Blockheizkraftwerke (BHKWs). Die

Funktionsweise eines BHKWs ist dabei denkbar

einfach: Durch Verfeuern eines Brennstoffes

– in der Regel Erdgas – wird ein Generator

zur Stromerzeugung angetrieben. Bei diesem

Prozess entsteht zusätzlich Wärme. Tress setzt

diese Wärme direkt im Gebäude ein. Zu viel erzeugte

Wärme wird in einem zusätzlich installierten

Energiespeicher „zwischengelagert“

und kann bei späterem Bedarf genutzt werden.

Anstatt klassischem Erdgas verwendet das

Unternehmen so oft wie möglich Biomethan

für die Energiegewinnung. Benötigten Reststrom

deckt der Teigwarenhersteller über grünen

Strom aus Wasserkraft ab. Beides wirkt

sich positiv auf die CO 2

-Bilanz des Familienbetriebes

aus.

In den Nudeln von Tress steckt also keine Kilowattstunde

mehr als nötig. Dass sie trotzdem

als kleine Energiebündel gelten, liegt rein an

ihrem Nährwert von etwa 370 Kalorien pro 100

Gramm.

Kontakt

Erdgas Südwest GmbH

Brunnenbergstraße 27

89597 Munderkingen

Tel. 07393 958-100

info@erdgas-suedwest.de

www.erdgas-suedwest.de

ENERGIE

„MODERNE

LÖSUNGEN:

HAUSGEMACHT

WIE UNSERE NUDELN.“

Markus Tress,

Geschäftsführer des Teigwarenherstellers

Franz Tress GmbH & Co. KG,

schätzt uns als kompetenten

Energie-Lösungspartner.

ENERGIE VON HIER ZU DIR

www.erdgas-suedwest.de


[rubrik] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Prozent, sagt Roland Mäckle, Geschäftsführer

der Regionalen Energieagentur Ulm. Zudem

laufe das Geschäft vieler Firmen zu gut, als

dass sich die Inhaber mit dem Thema Energieeffizienz

auseinandersetzen. Mäckle und sein

Team wollen daher die Firmen in Seminaren

an Hand von erfolgreichen Praxisbeispielen

sensibilisieren: „Die Firmen sparen ja nicht

nur Geld, sondern stellen ihre Produkte auch

umweltfreundlicher und nachhaltiger her.“

Auch die Abwärme von Elektromotoren lässt sich nutzen.

Energieeffizienzpotenzialen auseinanderzusetzen.

Doch das ist keine leichte Aufgabe. Im

Durchschnitt aller Betriebe liegt der Energiekostenanteil

am Umsatz zwischen 1 und 3

Foto: Joyseulay / shutterstock.com

DIE ANSPRECHPARTNER

Die Regionale Kompetenzstelle Energieeffizienz

Donau-Iller ist eine von zwölf Zentren im

Südwesten. Ansprechpartner für Industrie

und Handel ist Konsortialführer Dr. Mustafa

Süslü (Telefon. 0731/173-170), für Handwerksbetriebe

ist Theresa Volk von der Regionalen

Energieagentur zuständig (Tel. 0731/173-273).

Michael Maucher (Tel. 0751/76470-70) von

der Energieagentur Biberach kümmert sich

um das Handwerk im Kreis Biberach. Für den

Kreis Göppingen sind die KEFF-Effiziemzmoderatoren

Eberhard Wachter, Tobias Knayer

und Steffen Koci zuständig. Sie sind bei der

IHK Region Stuttgart angesiedelt, Tel.

0711/20051506. [!] STEFAN LOEFFLER

36


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[führen]

Beurer-Geschäftsführer Marco Bühler, Studentin Jennifer Schein und Produktmanagerin Katharina Frasch, die das Projekt „Digitale Hörhilfe“ betreut.

Attraktiv sein für Talente

Familienunternehmen tun sich schwer bei der Suche nach Fachkräften. Die Initiative „BeCeo“ fängt einen Schritt vorher

an. Sie bringt Mittelständler und junge Leute in Projektarbeiten zusammen, auch bei der Ulmer Beurer GmbH.

Talente wie Jennifer Schein aus Günzburg

sind begehrt. Die 21-Jährige studiert im 6. Semester

Betriebswirtschaft an der Hochschule

Neu-Ulm und hat einen klaren Blick auf ihre

Situation. „Orientierung ist wichtig. Zu wissen,

wo man hin will“, sagt Schein. In diesem

Punkt sei das Studium wenig hilfreich gewesen,

auch darin, wie man Herausforderungen

im Unternehmensalltag meistert. Darum findet

sie die Initiative „BeCeo“ interessant. „Ein

Studienkollege hat mir davon erzählt und ich

habe mich beworben“, sagt die 21-Jährige.

Denn sie will ihre persönlichen, sozialen und

methodischen Fähigkeiten weiter entwickeln

und hat dabei mehr im Blick als nur Karriere.

GEMEINSAME WERTE

Ins Leben gerufen hat die Initiative Personalund

Organisationsentwicklerin Birgit Soukup-Bilger.

Ziel sei nicht etwa gewesen, ein

weiteres Instrument fürs Recruiting zu schaffen.

„Mir geht es um eine werteorientierte

Ausbildung junger Menschen, um tragfähige

Beziehungen zwischen den Unternehmen

und den jungen Talenten. Diese sollen lernen,

gesellschaftliche und unternehmerische Verantwortung

miteinander zu verbinden“. Die

zehnmonatigen Kurse richten sich an Studierende

ebenso wie an Nachwuchskräfte aus

Unternehmen. Sie beinhalten unter anderem

Seminare für Persönlichkeitsentwicklung

und Führung. Eine weitere Säule des Programms

stellen Unternehmensprojekte dar:

Hier bearbeiten die Talente gemeinsam Themen

und arbeiten dafür eng mit den beteiligten

Firmen zusammen.

37


[führen] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Dieser Ansatz gefällt auch Marco Bühler, dem

geschäftsführenden Gesellschafter der Beurer

GmbH. Das 1919 gegründete Unternehmen

stellt Geräte rund um Gesundheit und Wohlbefinden

her: von Blutdruckmessgeräten bis

hin zu Heizdecken. Beurer ist rasant gewachsen.

Von den 900 Mitarbeitern weltweit arbeiten

200 am Firmensitz in Ulm. „Wir haben

unsere Belegschaft in den vergangenen fünf

Jahren verdoppelt“, sagt Bühler.

Beurer steht stellvertretend für viele erfolgreiche

Familienunternehmen: „Wir waren so in

der operativen Hektik und haben verschlafen,

uns zu positionieren, deutlich zu machen, wofür

wir als Unternehmen stehen und wie wir

als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen

werden können“, sagt Bühler.

Mit diesem Thema tun sich viele Mittelständler

schwer. Dementsprechend wenig werden

sie von Nachwuchskräften beachtet. In der

jährlichen Untersuchung der Hochschule

Neu-Ulm zur Arbeitgeberattraktivität in der

Region Ulm nehmen regelmäßig die großen

Unternehmen wie Daimler, Liebherr oder Teva

die vorderen Plätze ein. Kleine, wenngleich

erfolgreiche Firmen, werden kaum von Studierenden

wahrgenommen. Dabei macht erst

die Kombination aus Bekanntheit, Sympathie

und Attraktivität Unternehmen für Fachkräfte

interessant. Viele Mittelständler scheitern

schon am ersten Schritt.

Laut Bühler müssen Mittelständler auch aus

einem anderen Grund umdenken. Die Digitalisierung

verändere die Geschäftsmodelle radikal.

Für Beurer bedeutet das: „Wir stellen

Blutdruckmessgeräte her, in fünf Jahren werden

wir viel mehr als heute Dienstleistungen

anbieten. Dann geht es nicht um den Verkauf

von Geräten, sondern darum, Kunden eine Lösung

zu bieten. Für diesen Wandel benötigen

wir entsprechende Mitarbeiter.“ Schon bald

würden Mittelständler Programmierer für

Apps suchen und müssten sich daher als attraktiver

Arbeitgeber positionieren. Zudem

stehen nach seinen Worten Firmenchefs vor

der Aufgabe, Technologien einzuführen, in

denen sie sich nicht auskennen. Junge Talente

verfügten aber über dieses Wissen.

PROJEKT MIT TIEFENWIRKUNG

Umso wichtiger sei es, mit diesen in Kontakt

zu treten, Netzwerke aufzubauen und die Vorteile

von Familienunternehmen hervorzuheben.

Bei Beurer treten junge Mitarbeiter rasch

in Verantwortung, arbeiten in bereichsübergreifenden

Projektgruppen und – wegen der

starken Internationalisierung – auch mit

Menschen aus unterschiedlichen Kulturen

zusammen. „Mittelständler können nicht so

sehr über ihre Marke wirken, für sie ist Mundzu-Mund-Propaganda

wichtig“, sagt Bühler.

Auch das ist für Bühler ein Grund, warum sich

Beurer bei „BeCeo“ beteiligt.

Das Besondere an der Initiative ist, dass die

beteiligten Firmen diese zwar finanzieren,

sich aber nicht sicher sein können, dass sie

eines der Talente abkriegen. Dennoch profitieren

die Firmen. Zum einen über den Input

der jungen Leute und die Ergebnisse konkreter

Projektarbeit. Jennifer Schein beispielsweise

arbeitet mit acht anderen Talenten in

ihren wöchentlichen Treffen an der Fragestel-

Bei Beurer ist Teamarbeit gefragt: Ob in der Qualitätsicherung

von Butdruckmessgeräten (Bild

oben) oder bei Besprechungen.

38


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[führen]

lung, welche Werte die „BeCeo“-Unternehmen

vertreten und wie Mittelständler ihre

Unternehmenskultur Talenten und Fachkräften

glaubwürdig vermitteln können. In einem

anderen Projekt erarbeiten Talente und

Nachwuchskräfte von Beurer einfache Hörhilfen

für Entwicklungs-

und

Schwellenländer,

die per Smartphone-App

„aufgewertet“

werden, beschreibt

Bühler

das Projekt. Das

junge Team soll

das Business-Mo-

„BeCeo“-Gründerin

Birgit Soukup-Bilger.

dell aus unterschiedlichen

Perspektiven

beleuchten – und

ein Teammitglied soll für die Marktrecherche

sogar nach China reisen.

„Das ist ein tolles Projekt mit Tiefenwirkung“,

sagt Personalchefin Anke Dadder über „Be-

Ceo“. Beurer erhöhe damit seine Bekanntheit

und hinterlasse Eindrücke. „Wir sind ein familienfreundliches

Unternehmen mit einem

Frauenanteil von 70 Prozent, hoher Teilzeitquote

und einer Stiftung, die ökologische und

soziale Projekte unterstützt. Natürlich geht es

uns auch darum, mittelfristig Menschen zu

erreichen, die als Mitarbeiter zu uns passen“,

erklärt Dadder.

Unter Studenten habe sich die „BeCeo“ bereits

herumgesprochen, sagt Soukup-Bilger. Wer

teilnehmen möchte, muss ein Motivationsschreiben

verfassen und die schriftliche Referenz

eines Dozenten oder einer Führungskraft

vorlegen. Am Ende des Auswahlverfahrens

steht ein Vorstellungsgespräch, in dem ausgelotet

wird, wie motiviert die jungen Leute sind

und ob sie von ihrer Einstellung zu den Mittelständlern

passen. „Die Talente“, so Soukup-

Bilger, „können dann schauen, wie reizvoll es

ist, an den Herausforderungen des Mittelstandes

zu wachsen.“ [!] ALEXANDER BÖGELEIN

Zehn Förderer, zehn

Monate Programm

Die Initiative „BeCeo – The Global

Shift“ ist im vergangenen Jahr gegründete

worden. Sie richtet sich an engagierte

Studenten, Nachwuchskräfte

aus Firmen, Studienabbrecher und

Quereinsteiger, die mit Mittelständlern

der Region zusammengebracht werden.

Das zehnmonatige Programm für

jeweils bis zu 12 Teilnehmer umfasst

Workshops, Vorträge, Projektarbeiten

in Unternehmen und individuelles Coaching.

Begleitet wird die Initiative

durch Mentoren. Finanziert wird die Initiative

bisher von zehn Förderern. Die

Teilnahmegebühr für die jungen Talente

beträgt 85 Euro pro Monat. Es gibt

aber Stipendien und Förderungen. Die

nächsten Kurse finden im Herbst und

Frühjahr statt. Infos unter www.beceo.

global; Kontakt: info@beceo.global; Telefon

0731 17662638.

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39


[rubrik] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Foto: Alvov / shutterstock.com

Mit vollen Segeln übers Meer

Sommer, Sandstrand, Dünenlandschaft, viel Wasser unter dem Kiel, exotische Gewürze und magische Orte in

Oberbayern: Sechs Führungskräfte haben unserem Mitarbeiter Stefan Loeffler in unserer Umfrage ihr

Lieblingsreiseziel verraten und was auf keinen Fall für die Entspannung in einem perfekten Urlaub fehlen darf.

40


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[leben]

Wo verbringen sie am liebsten ihre Ferien und warum?

Ich verbringe meinen Urlaub am liebsten an der Westküste von Marokko.

Denn dort gibt es alles, was mein Herz begehrt. Am Strand findet

man das perfekte Zusammenspiel von Aktion mit Surfen oder Kamelreiten

und Entspannung beim Sonnenbad oder mit Yoga. Die

Menschen sind supernett und aufgeschlossen. Das Land selbst bietet

zahlreiche interessante Sehenswürdigkeiten – und auch das Essen ist

ein wahrer Gaumenschmaus. Die Marokkaner verstehen

es wirklich mit Gewürzen umzugehen.

Eva Geiselmann, freie Finanz- und Versicherungsmaklerin

in Geislingen/Steige.

Mein Lieblingsurlaubsort ist das Meer mit Sandstrand. Für mich spielt

es dabei eine untergeordnete Rolle, ob es nach Griechenland, Portugal

oder auf die Kanaren geht. Am Meer kann ich am besten vom stressigen

Alltag abschalten und neue Energie für die anstehenden Projekte

sammeln. Mindestens einmal pro Jahr gönne ich mir zwei Wochen

Erholungsurlaub am Stück. Den benötige ich auch, um

den Akku wieder voll aufzuladen. Alternativ verbringe

ich sehr gerne ein paar Tage am Gardasee.

Foto: Netfalls Remy Musser / shutterstock.com

Leitet die Geschäftsstelle der

Göppinger City e.V.: Oliver Sihler.

Mein Mann und ich verbringen unsere Ferien sehr gerne auf Texel.

Diese kleine Insel an der Nordsee im Norden von Holland bietet eine

Vielfalt an Naturschönheiten. Wir verbringen die meiste Zeit mit langen

Strand- und Dünenspaziergängen. Alles liegt so nah beieinander,

dass wir das Auto in dieser Zeit stehen lassen können. Ein perfekter

Urlaub, um die Seele baumeln zu lassen und um sich für

die Herausforderungen zu rüsten, die der Alltag im Betrieb

mit sich bringt.

Birgit Stier, Geschäftsführerin der

Agaplesion Bethesda Klinik Ulm.

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[leben] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Wo verbringen sie am liebsten ihre Ferien und warum?

Mein Urlaubsfavorit ist der Chiemsee und das Chiemgau. Hier gibt es

traumhafte Landschaften und ein nahezu unerschöpfliches Spektrum

an Freizeitaktivitäten. Vom Wandern, über Biken bis zum Rudern und

Segeln ist alles möglich. Dies alles verbindet sich mit der oberbayerischen

Lebensart zu einer einmaligen Mixtur, die ich so nirgendwo

sonst auf der Welt gefunden habe. Wer einmal auf der Fraueninsel vor

der über 1000 Jahre alten Tassilo Linde stand, kann sich

der Magie dieses Ortes nicht mehr entziehen.

Christoph Botzenhart, geschäftsführend. Gesellschafter Botzenhart

Management Consulting GmbH & Co.KG.

Mein liebster Urlaubsort ist das Deck der Sea Cloud. Dieses über 85

Jahre alte Segelkreuzfahrtschiff nennt man zu Recht „Legende unter

weißen Segeln“. Neben einem einzigartigen Ambiente, einer hervorragenden

Küche, einer kompetenten und freundlichen Besatzung, ist es

die besondere Atmosphäre dieses Viermasters, die eine Reise für mich

immer zu einem einmaligen Erlebnis werden lässt. Der Entspannungsfaktor

ist für mich nirgendwo größer als an Deck der Sea Cloud,

wenn diese mit voller Takelage über die Weltmeere segelt.

Ganz nebenbei lerne ich wunderschöne und spannende

Orte kennen.

Wolfgang Brauchle ist Geschäftsführer der Reisebüro

Honold GmbH & Co. KG in Neu-Ulm.

Mein Lieblingsreiseziel ist Mallorca, die Insel ist extrem abwechslungsreich

mit wunderschönen Sandstränden und Steilklippen. Das

Wasser ist kristallklar und lädt zum Schwimmen und Bootfahren ein.

Die Stadt Palma punktet mit der berühmten Kathedrale und den beeindruckenden

Bauten und Museen. Auch ein Bummel durch die geschäftigen

Straßen und ein Besuch auf dem Blumenmarkt sind empfehlenswert.

Ein absolutes Highlight ist die Mandelblüte im Februar

und März, die die Insel in ein duftendes, rosa-weißes Blütenmeer verwandelt.

Auch die mallorquinische Küche ist sehr, sehr

lecker und bietet eine große Vielfalt an Gerichten und

Gewürzen.

Susanne Jäger, Inhaberin des Bang&Olufsen Geschäfts

am Ulmer Münsterplatz.

42


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[namen & nachrichten]

Kooperation zum

Thema „Mensch

und Maschine“

Immer mehr Firmen setzen auf

enge Zusammenarbeit zwischen

Mensch und Maschine.

Solche Prozesse effizient zu gestalten,

hat sich ein neugegründetes

Promotionskolleg zum

Ziel gesetzt. Bis zum Jahr 2020

sollen zwölf Stipendiaten der

Hochschule Ulm und der Universität

Ulm Konzepte entwickeln,

die Maschinen eine höhere

Flexibilität ermöglichen.

„Durch selbstlernende Systeme

können intelligente Service-Robotik-

und Companion-Systeme

realisiert werden. Diese stimmen

ihre Funktion individuell

auf den Nutzer ab“, erklärt Projektleiter

Christian Schlegel.

Praxispartner aus der Region

können eigene Fragestellungen

einbringen. Kontakt: schlegel@

hs-ulm.de.

Bewährungstest

für Rennwagen

in Hockenheim

Im August zeigt sich beim internationalen

Rennen auf dem Hockenheim-Ring,

ob der Rennwagen

„Stinger 17“ der Hochschule

Ravensburg-Weingarten konkurrenzfähig

ist. An der Entstehung

und Realisierung des

„Stinger 17“ waren mehr als 50

Studenten aus den Bereichen

Maschinenbau, Elektrotechnik,

Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaftslehre

und Soziale

Arbeit beteiligt – unterstützt

von Sponsoren.

Hochschule Ulm

konzipiert kluges

Stromnetz

Mit gleich drei Projekten erweitern

die Stadtwerke Ulm/Neu-

Ulm und die Hochschule Ulm

ihre seit 11 Jahren bestehende

Genbänkle für alte Sorten

Rund 220 seltene Gemüsesorten haben Roman Lenz und sein

Projektteam an der HfWU Nürtingen-Geislingen im „Genbänkle“

bereits gelistet. Ziel der Initiative ist es, altes Saatgut zu

schützen und zurück in die Gärten zu bringen. Dafür gab es

nun eine Auszeichnung der Vereinten Nationen. Der Schutz alter

Arten macht aus ökologisch und ökonomischer Sicht Sinn.

Denn in den Züchtungen steckt über Jahrhunderte erbrachte

Kulturarbeit und wertvolles genetisches Kapital.

Kooperation zum Forschungsgebiet

Smart-Grids. Mithilfe

von Realdaten konzipieren die

Wissenschaftler ein intelligentes

Stromnetz, das einen hohen

Anteil erneuerbarer Energie zulässt

und gleichzeitig trotz

schwankender Einspeisung eine

stabile Elektrizitätsversorgung

gewährleistet. Dazu testen

die Projektpartner auch sogenannte

Quartierspeicher, die

den Solarstrom ganzer Nachbarschaften

zwischenspeichern

könnten. Ab Oktober sollen Anlagen-Besitzer

Solarwetterberichte

und Live-Erzeugungsdaten

per Website abrufen

können. Mehr Informationen

unter www.hs-ulm.de.

Transferzentrum

für Fertigung

in Kempten

Foto: VICUSCHKA / shutterstock.com

Produzierendes Gewerbe pro fitiert

ab sofort vom Technologietransferzentrum

der HS Kempten.

Das auf fünf Jahre angelegte

und mit 2,4 Millionen Euro geförderte

Projekt soll Fertigungsverfahren

im Hinblick auf Ressourcenverbrauch

und Wirtschaftlichkeit

verbessern. „Wir

optimieren Prozessketten und

stellen uns den Herausforderungen

der digital isierten Produktion“,

sagt Projektleiter Christian

Donhauser. Kontakt: christian.

donhauser@hs-kempten.de.

Für Robo Marvin

fängt die Arbeit

jetzt richtig an

Der von Studierenden und Mitarbeitern

der Hochschule Weingarten-Ravensburg

entwickelte

Assistenzroboter Marvin hat bei

der Deutschen Robotikmeisterschaft

in Magdeburg Platz fünf

belegt. In der Kategorie „Robo-

Cup@Home“ meisterten die

Roboter Aufgaben wie Einkäufe

verstauen. Für Marvin geht es

jetzt aber erst richtig los. Ein interdisziplinäres

Team aller Fakultäten

wird Marvin weiterentwickeln

und sich weiterhin

mit der Konkurrenz messen.

Lob vom

VDMA für

Praxisbezug

„Digital und regional“ verspricht

der Kooperationsstudiengang

Systems Engineering

der Hochschulen Augsburg und

Kempten. Das Konzept, das sowohl

ein berufsintegriertes als

auch ein Vollzeitstudium zulässt,

bringt die Region voran.

Das würdigte der Verband Deutscher

Maschinen- und Anlagenbau

mit dem Sonderpreis „Bestes

Maschinenhaus“.

Lucia Reisch von

der ZU erhält

Verdienstorden

Lucia Reisch, Wirtschaftswissen

schaftlerin an der Zeppelin

Universität Friedrichshafen, hat

den Landesverdienstorden erhalten.

„Sie vernetzt Akteure

der Verbraucherforschung und

sorgt für den Wissenstransfer

zwischen Wissenschaft und Politik“,

heißt es in der Würdigung.

Lucia Reisch gibt unter

anderem Landes- und Bundesregierung

Handlungsempfehlungen

in Verbraucher belangen.

[!] GYS

43


Die Ulmer Firma Out Trade entwickelt Faltboote von leichten Freizeitkajaks, die in eine Sporttasche passen, bis hin zu Expeditions-Testsieger-Seekajaks. Pro-

Ulmer Faltboote für Europa

Nach einem Griechenland-Urlaub von Studenten hat sich ein kleines, aber erfolgreiches Unternehmen entwickelt. Die

Firma Out-Trade ist in ihrer Nische sogar Marktführer – auch dank der Zusammenarbeit mit ihrem russischen Partner.

Preisfrage: Was haben Microsoft, Google

und die im Ulmer Donautal ansässige

Out-Trade GmbH gemeinsam? Es sind

die Orte, in denen alles begann – Garagen. Das

ist dann aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit,

die sich die Software- und Internetgiganten

aus den USA und der Faltboot-Spezialist

haben. Schon allein deswegen, weil

Faltboote einen Nischenmarkt bilden. Doch

in diesem entwickelte sich das Ulmer Unternehmen

in den vergangenen 15 Jahren dank

ihres Willens zur Innovation sehr gut.

Sommer, Sonne, Ferien. Auch damit könnte

man diese Firmengeschichte beginnen. Die

Gründer um Steffen Sator waren damals Student

der Wirtschaftswissenschaften und

suchten nach einem geeigneten Faltboot, aber

sie fanden keines, das sie zufrieden stellte. Zu

schwer, zu unhandlich, zu teuer für ihren

Geldbeutel, so lautete das Ergebnis nach Sichtung

des überschaubaren und antiquierten

Angebots. Doch sie hätten ihre Paddeltour in

Griechenland gerne etwas sportlicher angegangen,

als es damit möglich schien.

ERST URLAUB, DANN TESTLAUF

„Eher durch Zufall“, erzählt der Inhaber von

Out-Trade, seien sie dann auf ein Faltboot der

in St. Petersburg ansässigen Firma Triton gestoßen,

das schon eher ihren Vorstellungen

entsprach. Es war verhältnismäßig günstig,

passte in einen Rucksack und hatte einen sehr

viel sportlicheren Bootsriss. Während sich

dieser Einkauf im Urlaubseinsatz bewährte,

reifte bei den jungen Leuten der Gedanke,

dass auch andere Freizeitpaddler sich mit dem

lückenhaften Angebot quälten. Und dass in

diesem Falle doch auch ein Markt für ein solches

Boot vorhanden sein müsste. Sie ließen

es auf einen Testlauf ankommen, legten etwas

Geld zusammen, importierten eine Handvoll

Triton-Boote und bestückten mit diesen einen

selbstgebastelten Stand auf der Interboot in

Friedrichshafen. Die Resonanz, erinnert sich

Sator, sei vielversprechend gewesen. Daraufhin

erfolgte die Anmietung besagter Garage.

Die Geschäftsidee bekam bald Auftrieb. Mehr

oder weniger Zufall war es dann, dass der erste

44


unternehmen [!] Ausgabe 58 | Juli 2017

[machen]

70 Partner im Fachhandel

Produktion in St. Petersburg: In Faltbooten steckt viel Know-How und Handarbeit.

duziert werden sie von Triton in St. Petersburg.

Boote von Out-Trade waren schon bei

Expeditionen im Einsatz, etwa in der Antarktis.

Doch was deren werbliche Ausstrahlung

betrifft, zeigt sich Firmenchef

Steffen Sator realistisch. Anders als im

Fußball, wo die Ausrüster hohe Summen

investieren, sei bei Expeditionen der Promotion-Effekt

eher gering. Extrem wichtig

sei hingegen die direkte Ansprache

von Kunden auf Fachmessen. Zum größten

Teil sind dies Freizeitsportler. Den

wichtigsten Vertriebsweg stellen mehr

als 70 stationäre Fachhändler im Segment

Outdoor und Wassersport dar.

Gegründet haben die Out-Trade-Gesellschafter

ihre GmbH im Juli 2002. Der

Umsatz betrug im vergangenen Jahr rund

zwei Millionen Euro.

THV

Umzug ausgerechnet in die Hallen eines ehemaligen

Faltbootherstellers führte, in die

Hammer-Faltbootwerft in Erbach.

Schon bald erweiterte das Team das Sortiment

um Boote des US-amerikanischen Herstellers

Pakboats, die sich in der Szene einen guten

Namen mit Expeditions-Faltkanadiern sowie

mit Leichtgewichts-Faltkajaks gemacht hatten.

Doch das Team um Sator, das heute fünf

Mitarbeiter umfasst, beließ es nicht bei importierter

Ware und dem Handel damit, sondern

machte sich daran – ganz dem schwäbischem

Tüftelgeist entsprechend – eigene

Produktlinien zu entwerfen, mit verbesserten

Materialien und angepassten Bootsrissen.

Produziert werden diese bis heute von Triton,

der zum strategischen Partner aufgestiegen

ist. „Mittlerweile belegen wir dort sieben Monate

der Produktion“, erläutert Sator. Die Zusammenarbeit

funktioniere gut. Daran hätten

auch die momentanen politischen Spannungen

nichts geändert. Die vom Westen verhängten

Sanktionen gegen Russland, versichert

Sator, hätten auf die deutsch-russische

Partnerschaft keine Auswirkungen.

Im Katalog von des Ulmer Unternehmens

finden sich inzwischen 25 verschiedene Modelle,

darunter 13 unter dem eigenen Label

„nortik“. Ausstattung und Design der für Out-

Trade gefertigten Triton-Produkte sind längst

auf den anspruchsvolleren deutschsprachigen

Markt ausgerichtet und entsprechend

hochwertiger.

KONSTRUKTION AUS ALUMINIUM

Das Sortiment wird laut Sator ständig weiter

entwickelt, denn „zu optimieren gibt es immer

was“, so lautet das Motto der jungen Firma.

Nur in einem Modell findet sich noch das

traditionelle Holzgestänge, ansonsten kommt

Aluminium zum Einsatz. Es gibt aber auch

luftkammerbasierte Boote fürs Rafting.

Mit den eher unhandlichen und klobigen

Booten von einst haben aber alle aktuellen

Modelle nur noch wenige Ähnlichkeiten. Die

Fahreigenschaften seien durchweg stark verbessert,

die Bootshäute seien hermetisch

dicht, nennt Sator wesentliche Unterschiede.

Und in Gestalt der Hybridboote ist eine Mischform

entstanden, eine Kombination aus

Schlauch- und Faltboot.

Die Produktinnovationen blieben nicht unbemerkt.

Nach seinen Worten ist es Sator gelungen,

seine aus einem Hobby abgeleitete Geschäftsidee

auf so solide Beine zu stellen. „Die

befindet sich schon lange auf einem stetigen,

Firmenchef

Steffen Sator.

gesunden Wachstumskurs“.

Dabei ist dieser

Markt – Kernmarkt

von Out-

Trade ist der

deutschsprachige

Raum – nach wie

vor überschaubar

und stabil. Innerhalb

des europäischen

Gesamtmarkts,

den Sator

jährlich auf rund 3000 Faltboote schätzt, sei

man mit bis zu 2000 abgesetzten Booten – gemessen

an der Stückzahl – Marktführer.

Wer hier weiterhin wachsen möchte, muss

also neue Kundengruppen erschließen. Sator

fischt dabei insbesondre im Teich der Freizeitsportler,

bedient auch solche Menschen, die es

gerne trendy haben und den großen Auftritt

am Gewässer schätzen. Im Verdacht, besonders

viele Blicke anzuziehen, stehen dabei eigens

entwickelte Modelle, die beim Aufbau

ein ganz spezielles Falten erfordern. „Gefaltet“

werden hier Bootswände aus Hartkunststoff

– nach dem Origami-Prinzip. [!]


THOMAS VOGEL

45


[namen & nachrichten] Ausgabe 58 | Juli 2017 unternehmen [!]

Tomschi soll

SAP-Geschäft von

Wilken beflügeln

Mit Christine Tomschi (45) ist

eine erfahrene IT-Managerin in

die Geschäftsführung

der

Wilken PRO

GmbH berufen

worden.

In der

Wechselt von Aachen

nach Ulm:

Christine Tomschi.

Dienstleistungstochter

der Wilken-

Software-

Gruppe

(Ulm) und der Factur Billing Solutions

GmbH soll sie gemeinsam

mit dem bisherigen Geschäftsführer

Daniel Samatin

vor allem das Geschäft im SAP-

Umfeld deutlich ausbauen. Das

Ulmer Softwarehause erzielte

2016 einen Umsatz von 60 Millionen

Euro und beschäftigt insgesamt

520 Mitarbeiter an sechs

Standorten.

Laute Flieger

bezahlen

höhere Gebühr

Airlines mit besonders lauten

Maschinen werden am Flughafen

Friedrichshafen künftig

stärker zur Kasse gebeten. Das

Verkehrsministerium Baden-

Württemberg hat eine Entgelterhöhung

von durchschnittlich

MTU-Motor für Groß-Katamaran

5 Prozent für große Maschinen

zum 1. Juli genehmigt. Die

Preisspanne für sehr leise bis

sehr laute Maschinen liegt

künftig bei 1 bis 520 Euro pro

Landung. Hinzu kommt eine

am Bodensee-Airport erstmals

eingesetzte emissionsabhängige

Gebühr – hier liegt die Spanne

für sehr saubere bis sehr

schmutzige Flieger zwischen 1

bis 200 Euro. Die meisten Passagiermaschinen

liegen auf den

Skalen in der mittleren Kategorie.

Zuletzt wurden die Friedrichshafener

Landegebühren

2013 erhöht.

Dethleffs baut

neue Produktion

am Stammsitz

Der Reisemobil- und Caravan-

Hersteller Dethleffs aus Isny

wächst kräftig und geht optimistisch

ins neue Jahr. Im Geschäftsjahr

2015/16 hatte Dethleffs

den Umsatz um 17 Prozent

auf 311 Millionen Euro gesteigert.

In diesem Jahr will der Reisemobilbauer

mit dem boomenden

Markt wachsen. Dieser

wird laut Vertriebsgeschäftsführer

Alexander Leopold um 11

Die MTU Friedrichshafen plant, bis Ende 2018

vier 20-Zylinder-Motoren an die Werft Incat

Tasmania auszuliefern. Vorgesehen sind diese

für den größten Schnellkatamaran im Mittelmeer.

Er wird eine Länge von 110 Metern haben

und Platz für 900 Fahrgäste sowie 167 Autos

und Parkplätze für Lastwagen auf 490

Metern Länge. Zudem hat MTU in Friedrichshafen

eine neue Lackieranlage für 17 Millionen

Euro in Betrieb genommen. MTU und seine

weltweit 10.000 Mitarbeiter sind Teil der britischen

Rolls-Royce-Gruppe.

Prozent zulegen, nach einem

Plus von 18 Prozent im vergangenen

Jahr. Derzeit läuft der

Bau einer zweiten, 8000 Quadratmeter

großen Produktionshalle

am Stammsitz in Isny, die

2018 fertig gestellt sein soll.

Dethleffs investiert nach früheren

Angaben bis Ende 2019

rund 50 Millionen Euro in die

Werkserweiterung. Damit soll

die Fertigungskapazität auf

16.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen

und Produktionsabläufe

optimiert werden. Das Isnyer

Unternehmen ist Teil der Erwin-Hymer-Gruppe.

[!]

[impressum]

Verlag/Herausgeber

Neue Pressegesellschaft

mbH & Co. KG

Frauenstraße 77, 89073 Ulm

Geschäftsführer:

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Redaktion

Alexander Bögelein (verantw.)

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Anschrift wie Verlag

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(verantwortlich)

Anschrift wie Verlag

Gestaltung

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Fotos Marc Hörger (Titel + Titelinterview),

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Giacinto Carlucci, Werkfotos,

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74321 Bietigheim-Bissingen

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Nächste Ausgabe

11. Oktober 2017

Die Themen

Familienunternehmen – das

Rückgrat der Wirtschaft

Wirtschaftskanzleien in

der Region

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