health@work Ausgabe 6/2017

glcconsulting

06 I 2017

health@work 06/2017

health work

MAGAZIN FÜR BETRIEBLICHES GESUNDHEITSMANAGEMENT

FÜHRUNG

Vorbildlich

führen

VERHALTEN

Achtsamkeit

im Beruf

SYSTEME

Arbeitswelt 4.0

KULTUR

BGM im

Gesundheitswesen

ISSN 1869-7992

1

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health@work 06/2017

FÜHRUNG I VERHALTEN I SYSTEME I KULTUR

Liebe Leserin,

Lieber Leser,

der Mensch ist ein soziales Wesen. Zwischenmenschliche

Beziehungen sind von zentraler

Bedeutung für Problemlösung und Gefühlsregulierung,

für biologische Prozesse und Verhalten.

Deshalb hängen Wohlbefinden, Gesundheit und

Arbeitsverhalten der Mitarbeiter maßgeblich ab

von der Qualität, Stabilität und vom Umfang ihrer

sozialen Beziehungen.

Wird die Zusammenarbeit im Unternehmen als

vertrauensvoll und unterstützend erlebt, hat dies

einen stark positiven Einfluss auf Denken, Fühlen

und Handeln. Insgesamt werden hierdurch

das Arbeitsverhalten und das berufliche Engagement

verbessert.

Auch die Führung eines Unternehmens wirkt

sich positiv oder negativ auf die Gesundheit der

Mitarbeiter aus: durch Einflussnahme auf Ziele,

Strukturen und Prozesse einer Organisation und

durch das tagtägliche Entscheidungs- und Kommunikationsverhalten

des Führungspersonals.

Und vor allem durch ihr Vorbild.

dann entwickeln, wenn sie dazu entsprechend

motiviert und befähigt werden. Gesundheitsbewusstsein

muss gepflegt und Gesundheit zum

Kernbestandteil von Leitbild und Kultur eines Unternehmens

werden. Und wer kann dies besser

vorleben als Führungskräfte?

Das ist vielen Führungskräften durchaus bewusst.

Und viele bemühen sich auch (hier absolut

positiv und nicht im Sinne einer bemäntelnden

Zeugnisformulierung gemeint) – aber sie

werden im Stich gelassen. Das individuelle Vorbild

kann nur wirken, wenn es eingebunden ist

in gemeinsame Überzeugungen, Werte und Regeln.

Sie sind wichtige Quellen des betrieblichen

Sozialkapitals. Sie stiften Sinn, reduzieren den

Aufwand an Koordination, motivieren zu gemeinsamem

Handeln, verpflichten auf gemeinsame

Ziele und verbindliche Verhaltensstandards.

Gesunde Führung und werteorientierte Führung

sind darum zwei Seiten einer Medaille, meint Ihr

xx

Joachim Gutmann

Chefredakteur

health@work

Natürlich ist jeder Beschäftigte für seine Gesundheit

selbst verantwortlich. Doch Menschen können

ihre eigenen Gesundheitspotenziale oft nur

Joachim Gutmann

Chefredakteur

3


FÜHRUNG I VERHALTEN I SYSTEME I KULTUR

Inhalt

FÜHRUNG 6 – 15

VERHALTEN 16 – 23

SYSTEME 24 – 33

Wenn Mitarbeiter sich nicht

so verhalten, wie Chefs es

wünschen, liegt das häufig

daran, dass sie es selbst

nicht tun. Das Schlüsselwort

heißt Authentizität. Erfolgreiche

Führungskräfte verhalten

sich vorbildlich. Unfehlbar

sein müssen sie jedoch nicht.

Viel Fluktuation, hohe Fehlerquote:

Wenn im Unternehmen

etwas schief läuft, sollte

nach den Ursachen gesucht

werden. Es lohnt sich ein Blick

auf die Strukturen und Rahmenbedingungen

– aber auch

auf sich selbst. Oft sorgen

eingeübte Verhaltensmuster

für Fehlentscheidungen und

Ärger. Achtsamkeitstrainings

helfen dies zu vermeiden.

Wie sieht die Arbeitswelt der

Zukunft aus? Darüber diskutieren

viele Experten. Es gibt

eine Reihe von Veränderungen

und Trends, die das Berufsleben

schon heute beeinflussen.

Aber auch Konzepte,

wie sich die neuen Herausforderungen

meistern lassen.

Mir nach! ........................... 6

Höchstleister fortbilden ...... 10

Auf Nummer sicher............... 12

Volles Potenzial ................. 14

Fokus auf mich ................. 16

Sicher unterwegs ............. 20

Gealtert ............................. 22

Gesnackt........................... 23

Arbeitswelt 4.0 ................. 24

Telemedizin .......................... 28

Fehlzeiten auswerten ....... 30

Bewegt.............................. 32

4


health@work 06/2017

KULTUR 34 – 41

EVENTS 42 – 43

INTERNA 44

Die Gesundheitsbranche

macht ihrem Namen keine

Ehren. Die Arbeitssituationen

in Krankenhäusern

und Pflegeeinrichtungen ist

sowohl körperlich als auch

psychisch stark belastend.

Studien zeigen jedoch auch,

dass betriebliche Gesundheitsförderung

einen Unterschied

machen kann.

Was Sie interessieren könnte

oder wo Sie hingehen sollten.

Was wir und andere über uns

erzählen.

Kränkelnd heilen...................34

Aus alt mach bio ............... 36

Geärgert............................ 40

Gestresst .......................... 41

Veranstaltungen ............... 42

Gesunde Vorsätze ............ 44

Impressum......................... 46

5


FÜHRUNG

Mir nach!

Loyal, leistungsstark und gesund – diese Attribute wünschen sich

Führungskräfte in ihren Mitarbeitern. Wer Traummitarbeiter will,

muss selbst mit gutem Beispiel voran gehen. Da sind sich die Experten

einig. Doch: Auch Führungskräfte können nicht perfekt sein.

Fehler werden verziehen, wenn sie offen kommuniziert werden

und damit wieder eines stärken: die Glaubwürdigkeit des Chefs.

6


health@work 06/2017

Es gibt Chefs, die eine gesunde Lebensweise

predigen und dabei selbst jeden Tag die

Currywurst am Schreibtisch essen, da viele

kleine Raucherpausen die Zeit für die Mittagspause

schlucken. Andere leiten pflichtbewusst

die Unternehmensleitlinien zum

Erhalt psychischer Gesundheit per Mail an

ihre Mitarbeiter weiter – am Sonntagabend,

zusammen mit der Terminerinnerung an die

Projektdeadline am Montag, Priorität: hoch.

Glaubwürdigkeit: niedrig.

Wenn Mitarbeiter sich nicht so verhalten, wie

Chefs es wünschen, liegt das häufig daran,

dass sie es selbst nicht tun. Entscheidend ist

die Authenzität.

Der Chef als Vorbild

Eine vorbildliche Führungskraft ist konsequent,

berechenbar, gerecht und setzt um,

was sie verspricht. Sprich: Sie muss Werte

schaffen und diese auch vorleben. Vor allem

aber muss sie sich an die eigenen Spielregeln

halten. Wer etwa von seinen Mitarbeitern

erwartet, dass sie Abgabetermine oder Verabredungen

mit Kunden einhalten, darf nicht

selbst das jährliche Feedbackgespräch vier

Mal verschieben, bis es schließlich endgültig

unter den Tisch fällt.

Um herauszufinden, wie vorbildlich sie wirklich

führen, können sich Vorgesetzte ein paar

simple Testfragen stellen:

1. Behandele ich meine Mitarbeiter anständig

und respektvoll?

2. Halte ich Versprechen ein?

3. Erreiche ich selbst meine Leistungsziele?

4. Bleibe ich auch in stressreichen Situationen

freundlich und beherrscht?

5. Habe ich eine positive Einstellung zu meiner

Arbeit?

6. Verhalte ich mich loyal gegenüber meinen

Mitarbeitern und dem Unternehmen?

7. Lebe ich die Unternehmenskultur?

Gesundheit vormachen

Vorbild zu sein – das spielt auch eine wichtige

Rolle beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Führungskräfte sollen ihre Mitarbeiter

dazu motivieren, gesund zu leben und

an betrieblicher Gesundheitsförderung teilzunehmen.

Beim Thema Gesundheit zeichnet

sich bei den Führungskräften selbst jedoch

ein gemischtes Bild. Laut einer Befragung,

die die Max Grundig Klinik in Auftrag gegeben

hat, pflegt ein Drittel der Führungskräfte

regelmäßig gesunde Rituale. Eines der wichtigsten

Rituale ist Sport. Den treiben rund

64 Prozent der Führungskräfte regelmäßig.

„Dies ist ein bemerkenswert hoher Wert, der

interessanterweise auch bei älteren Managern

nicht wirklich abnimmt“, erläutert Prof.

Dr. Curt Diehm, Ärztlicher Direktor der Max

Grundig Klinik.

Dem Bild des gesundheitsbewussten, sportlichen

Managers stehen jedoch Zahlen einer

früheren Befragung gegenüber, wonach fast

die Hälfte aller Führungskräfte übergewichtig

ist. Ebenfalls nur jeder zweite Manager geht

regelmäßig zu Gesundheits-Check-ups. „Wer

selbst nicht gesund lebt, kann auch andere

schwer dazu motivieren“, sagt Marion Hahn,

Führungskräfte-Coach aus Mainz. „Gute Führung

steht und fällt mit der Glaubwürdigkeit.“

Übermensch Führungskraft?

So soll er also sein: Der Chef, der jeden Tag

lobt, das Zugpferd des Unternehmens ist, die

höchsten Umsätze generiert, am längsten im

Büro bleibt, seine Mitarbeiter jedoch pünktlich

nach Hause schickt, den Abfall in der

Büroküche selbst nach Altpapier, Glas und

Verpackung sortiert und in der Mittagspause

bei Salat und Mineralwasser stets ein offenes

Ohr für die Belange seiner Mitarbeiter hat –

wenn er nicht gerade einen Halbmarathon

zugunsten herzkranker Kinder läuft? Diesem

Ideal kann kaum jemand entsprechen.

7


FÜHRUNG

Mir nach!

„Auch Führungskräfte sind nicht perfekt –

das sollen sie auch gar nicht sein“, erläutert

Hahn. „Denn zur Berufsbeschreibung eines

Managers gehört es, auch einmal ein Risiko

einzugehen. Das beinhaltet, dass auch Fehler

passieren. Wichtig ist nur, dass diese Fehler

offen kommuniziert werden und das gesamte

Unternehmen aus ihnen lernt.“

Mehr als Kollegen

Gute Führung steht

und fällt mit der

Glaubwürdigkeit.

Marion Hahn,

Führungskräfte-Coach,

Mainz-Gonsenheim

Der vorbildliche Chef ist das Paradebeispiel

eines guten Mitarbeiters, an ihm sollen sich

alle orientieren. Doch wie kommt es dann,

dass es für Führungskräfte Ausnahmeregeln

gibt? Ist es vorbildlich, dass der Chef mehrere

Tage die Woche im Homeoffice arbeiten

darf und die anderen nicht? Oder, dass er auf

Geschäftsreisen in einem Vier-Sterne-Hotel

übernachtet, während die anderen Mitarbeiter

in eine Drei-Sterne-Herberge einchecken?

„Ja“, findet Führungskräfte-Coach Hahn.

„Solange sich das Verhalten der Führungskräfte

im Rahmen der Unternehmensleitlinien

befinden.“ Diese sollten möglichst genau

festlegen, welche Hierarchiestufe welche Privilegien

bereithält.

Auch wenn Führungskräfte vorbildlich sein

sollen, bedeutet das nicht, dass sie die gleichen

Rechte und Pflichte haben wie ihre Mitarbeiter.

Ein Beispiel aus der Kindererziehung:

Eltern sollen die Verhaltensweisen vorleben,

die sie sich von ihrem Nachwuchs wünschen,

zum Beispiel gesunde Ernährung oder ein soziales

Verhalten. Dennoch gibt es Dinge, die

Erwachsene dürfen und Kinder eben nicht:

Alkohol und Kaffee trinken oder Aufbleiben

bis nach zehn Uhr an einem Mittwochabend.

Gleichzeitig gibt es auch eine Reihe von

Pflichten, die Erwachsenen erfüllen müssen

und Kinder nicht, wie etwa Rechnungen zu

begleichen und für einen vollen Kühlschrank

zu sorgen.

Ungleich und doch fair

So kann eine ungleiche Behandlung als fair

gelten, wenn zum Beispiel Führungskräfte

aufgrund ihres erhöhten Reiseaufkommens

zum Ausgleich häufiger von zu Hause aus

arbeiten oder in einem Hotel übernachten, in

dem sie nach Dienstschluss im Fitnessraum

Sport treiben können.

Eine andere Situation ist es, wenn etwa der

Chef eines gemeinnützigen Unternehmens

sich einen Maserati als Dienstwagen aussucht.

„Hier sind wir wieder beim Punkt der

Glaubwürdigkeit“, erklärt Hahn. „Ein protziges

Auto passt nicht zum Unternehmensleitbild

– und das steht als Wert über allen anderen.“

jbr

8


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9


FÜHRUNG

Höchstleister fortbilden

„Die Reform beginnt an der Spitze. Die Treppe

muss von oben gekehrt werden“ – so formuliert

der Wirtschaftswissenschaftler Hermann

Simon die Bedeutung von Führungskräften.

Dem pflichtet Clara Venjakob, Geschäftsführerin

von Clarzeit, einem Institut für EAP und

Personalentwicklung mit Sitz in Düsseldorf,

bei. Sie unterstützt seit Jahren Führungskräfte

sowohl bei beruflichen als auch bei privaten Herausforderungen.

Mittlerweile arbeiten im Clarzeit-Team

über zwei Dutzend Experten, die aus

dem gesamten Spektrum der Personalentwicklung,

Mitarbeiter- und Sozialberatung kommen.

? Frau Venjakob, inwieweit hat sich aus Ihrer

Sicht die Führungskräfteentwicklung verändert?

! Früher hat sich die Schulung von Führungskräften

oft auf berufliche Themen konzentriert.

Da aber die Probleme und Herausforderungen,

vor denen Mitarbeiter stehen,

beständig zunehmen, steigen auch die Anforderungen

an die Führungskräfte. Eindeutigkeit,

Flexibilität und Kompetenz sind nach wie

vor fundamentale Anforderungen. Immer

mehr Unternehmen kümmern sich nun ganzheitlich

um ihre Führungskräfte und unterstützen

sie zum Beispiel auch beim eigenen Ressourcenmanagement.

Dazu hat sich auch die Art der Kommunikation

verändert. E-Mail, Chat, Messenger und viele

andere nonverbale Kommunikationswege

haben uns und vor allem unsere Fähigkeit der

klassischen verbalen Kommunikation verändert.

? Viele Unternehmen rücken die Generation

Y in den Vordergrund. Inwieweit verändert

dies das Thema Führung?

! Die Generation Y verlangt ein anderes

Führungsverhalten als die Mitglieder anderer

10


health@work 06/2017

Generationen. Wo früher Status und Prestige

an erster Stelle standen, gewinnen heute die

Chance auf Selbstverwirklichung sowie Zeit

für Familie und Freizeit zunehmend an Bedeutung.

Auch die charakteristische Frage

„Why?“ lässt viele Führungskräfte verzweifeln,

weil sie es nicht gewohnt sind, ihr Führungsverhalten

hinterfragt zu wissen und ein

anderes Anspruchsdenken gewohnt waren.

Gleichzeitig strömt die Generation Y immer

mehr in Führungspositionen und sieht sich

hier mit Mitarbeitern konfrontiert, die oft noch

eine hierarchische Leitung gewohnt sind. Auch

hier muss eine moderne und zielgerichtete

Führungskräfteentwicklung Aufklärungsarbeit

leisten und Kommunikationswerkzeuge liefern.

? Führungskräfte begleiten – Welche neuen

Ansätze gibt es?

Wir laufen Gefahr,

die Grenzen unserer

Mitarbeiter zu überschreiten.

Burnout, Überarbeitung und

Frustration können durch

eine zielgerichtete

Führungskräfteentwicklung

gemindert werden.

Clara Venjakob,

Geschäftsführerin von Clarzeit,

Düsseldorf

! Im Rahmen eines Seminars werden Wissen

und Werkzeuge vermittelt. Dabei habe ich

oft erlebt, dass – wenn die Teilnehmer erst

einmal wieder zurück im Tagesgeschäft sind

– gar keine Zeit und Energie bleibt, das erlernte

Wissen in die Praxis umzusetzen.

Neues Wissen anzuwenden, ist wesentlich

anstrengender als bei Altgelerntem zu bleiben

und wir erleben oft, dass die Führungskräfte

Bedenken haben, Neues auszuprobieren. Eine

individuelle telefonische Begleitung war für

uns die logische Konsequenz. Im Nachgang

zu unseren Schulungen arbeiten wir mit den

Teilnehmern persönlich, geben Hilfestellung

beim Praxistransfer. Mittlerweile betreuen wir

Kunden auch ausschließlich telefonisch.

Überarbeitung, Frustration, innere Kündigung

– all das kann zum Großteil durch eine ehrliche,

zielgerichtete und effiziente Führungskräfteentwicklung

gemindert werden.

Ich denke, dass jede Zeit ihre neuen und innovativen

Ansätze hat, von denen die wenigsten

wirklich konsequent gelebt werden. Scrum,

Kanban oder Agiles Management: Sicherlich

alles Methoden, die ihre absolute Berechtigung

haben, aber ich erlebe zu oft, dass diese

halbherzig umgesetzt werden.

? Viele Experten diskutieren derzeit über

die Zukunft der Arbeit und wie Führungskräfte

in der modernen Arbeitswelt leistungs- und

führungsfähig bleiben. Wie sehen Sie die Zukunft

der Arbeit?

! Aktuell laufen wir Gefahr, die Grenzen unserer

Mitarbeiter zu überschreiten. Burnout,

Es reicht nicht aus, seine Büroräumlichkeiten

auf Open Space umzustellen und sonst nichts

am gelebten Miteinander zu ändern. Es geht

vielmehr darum, eine gemeinsame Wertebasis

zu finden, auf deren Grundlage das gemeinsame

Arbeiten permanent konstruktiv

hinterfragt und damit optimiert wird – und

zwar auf allen Ebenen. red

11


FÜHRUNG

Auf Nummer sicher

Suchtkranke Mitarbeiter sind ein Risiko für

Unternehmen. Wie der Alkoholentzug gelingt,

erklärt Dr. Reingard Herbst, Chefärztin

der Nescure Privatklinik am See im Interview.

? Frau Dr. Herbst, die Nescure Privatklinik

am See gibt es erst seit knapp drei Jahren,

trotzdem haben Sie bei dem Bewertungsportal

Jameda bereits den ersten Platz unter 450

Suchtkliniken erreicht. Woran liegt das?

! Die Klinik wurde mit dem Ziel gegründet,

allerhöchste Qualität anzubieten und altbewährte

Methoden mit innovativen Ansätzen

zu kombinieren. Die Neuro-Elektrische Stimulation

(NES), die der Klinik auch ihren Namen

gibt, ist dabei ein ganz wichtiger Bestandteil.

Durch die NES empfinden die Patienten kaum

Entzugssymptome und verspüren bereits

nach ein bis zwei Tagen keinen Suchtdruck

mehr.

Die Ergebnisse, die wir bei über 500 Patienten

gesammelt haben, sind so überzeugend,

dass wir dieses Verfahren in Zukunft sehr

wahrscheinlich in vielen Suchtkliniken sehen

werden.

? NES stimuliert das Gehirn, wieder Glücksbotenstoffe

auszuschütten, die Suchtkranke

ansonsten nur schwer selbst produzieren können.

Braucht es dann überhaupt noch all die

anderen Methoden, wie Gruppen- oder Einzelgespräche?

! Oh ja! NES darf man sich vorstellen wie

die Anästhesie bei einer Operation. Ohne die

Betäubung ist eine OP viel schwieriger oder

unmöglich. Aber ohne einen guten Chirurgen

nutzt der Tiefschlaf auch nichts.

Dadurch, dass die Suchtkranken im Entzug

keinen Suchtdruck verspüren, sind Gruppenund

Einzeltherapie wesentlich effizienter und

12


health@work 06/2017

erfolgreicher. Medizinisch ausgedrückt: Erst

mit einem ausreichend hohen Dopamin-Spiegel

kann der Mensch überhaupt Verhaltensänderungen

einsehen und durchführen.

? Sie sind die einzige Klinik, die sich rein auf

Alkoholabhängigkeit spezialisiert hat? Welche

Vorteile bringt das?

! Wir hatten zu Beginn Alkoholiker mit Abhängigen

von illegalen Drogen gemischt,

dann aber schnell die Vorteile einer Spezialisierung

erkannt.

Alle Patienten haben nun die gleiche Diagnose,

fühlen sich verstanden und angenommen.

Der Genesungsprozess verläuft in der Regel

parallel. Wir kombinieren das mit dem gleichzeitigen

Start der Patienten, die als Gruppe

ein gemeinsames Programm durchlaufen. In

der Einzeltherapie werden dann die individuellen

Ursachen und Gründe der Abhängigkeit

erarbeitet. Wir halten das für die einzig erfolgreiche

Vorgehensweise. Der gleichzeitige

Start hat auch noch einen weiteren Vorteil,

der gerade für Führungskräfte und Manager

wichtig ist. Da man in unserem Haus nur mit

maximal elf anderen Mitpatienten zusammenkommt,

ist ein Höchstmaß an Diskretion

gewährleistet.

? Ihr Konzept sieht insgesamt 23 stationäre

Therapietage vor, inklusive Entgiftung. Ist dieser

kurze Zeitraum denn ausreichend?

! Alkoholismus ist eine chronische Erkrankung,

die nur schwer heilbar ist. Das Ziel einer

stationären Behandlung ist, Veränderungsprozesse

anzustoßen und einzuüben. Wir wollen

die Patienten psychisch stabil und gestärkt

wieder in ihr berufliches Umfeld entlassen.

Durch das NES Verfahren verkürzt sich der

reine Entgiftungsprozess auf zwei bis drei

Tage und bereits ab dem ersten Tag kann therapeutisch

gearbeitet werden. 23 Tage haben

sich als idealer Zeitraum herauskristallisiert

und entsprechen auch dem Konzept des so-

Erst mit einem ausreichend

hohen Dopamin-Spiegel

kann der Mensch überhaupt

Verhaltensänderungen

einsehen und durchführen.

Dr. Reingard Herbst,

Chefärztin der Nescure Privatklinik

am See, Bad Bayersoien

genannten qualifizierten Entzugs, der als

Kombination von Entgiftung und Entwöhnung,

also Therapie ab dem ersten Tag, anerkannt

ist.

Einige große Firmen haben bereits ihr Interesse

bekundet. Sie sparen viel Geld, wenn der betroffene

Mitarbeiter nur drei oder vier Wochen

im Krankenstand ist, anstatt sechs Wochen

oder mehr. Zudem lassen sich drei Wochen

viel leichter als Urlaub verkaufen. Die Hemmschwelle,

eine Therapie endlich in Angriff zu

nehmen, wird dadurch deutlich verringert.

? Gibt es auch Nachteile Ihres Konzepts?

! Die Spezialisierung in Verbindung mit der

NES bringt nur Vorteile. Der einzige Nachteil

ist, dass man bei uns nicht spontan beginnen

kann. Wir starten nur einen Therapieblock pro

Monat, daher sind Wartezeiten von zwei bis

acht Wochen durchaus möglich. Es lohnt

sich, den Aufenthalt gründlich zu planen. red

13


FÜHRUNG

Voller Potenzial

Mit dem Einsatz erfolgversprechender Managementmethoden

könnten Unternehmen

hierzulande deutlich an Produktivität gewinnen.

Wenn die Methoden „US-Niveau“ hätten,

könnte die Produktivität in Deutschland

um rund 1,5 Prozent höher sein. Zu diesem

Ergebnis kommt eine Auswertung von Daten

hunderter deutscher Betriebe durch das Kieler

Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Institut

für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

(IAB). Bislang fehlten für Deutschland geeignete

Daten, auf deren Basis man den Einfluss

von Managementinstrumenten auf die Produktivität

und den wirtschaftlichen Erfolg einzelner

Betriebe bestimmen konnte. Daher befragten

das IfW und das IAB gemeinsam mit

dem infas (Institut für angewandte Sozialwissenschaft)

im Jahr 2015 die Manager und Geschäftsführer

von rund 1.900 Betrieben. hwa

Weitere Infos: www.ifw-kiel.de

markt

Voller Risiko

Jeder Mensch hat eine andere Risikobereitschaft.

Diese kann sich in verschiedenen Lebensbereichen

unterscheiden. Dennoch gibt es – ähnlich

dem IQ – einen individuellen Faktor der Risikobereitschaft,

der über die Zeit hinweg beständig ist.

Dieser kann allerdings nicht aus den herkömmlichen

Verhaltenstests erschlossen werden. Das

zeigt eine Studie der Universität Basel und des

Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Investiere

ich mein Geld oder lasse ich es auf dem

Konto liegen? Nehme ich Drogen oder führe ich

ein gesundes Leben? Dies sind Entscheidungen,

die wir in dem Wissen treffen, dass sie Konsequenzen

haben können und mit Risiken verbunden

sind. Variieren sie je nach Lebensbereich

oder ist sie weitestgehend gleichbleibend? Sowohl

als auch, sagen die Forscher mit Verweis

auf die aktuelle Studie. hwa

Weitere Infos: www.mpib-berlin.mpg.de

14


health@work 06/2017

Voller Fragen

Chefs, die Fragen stellen, haben motiviertere

Mitarbeiter. Das legt eine Arbeit von

Prof. Niels Van Quaquebeke von der Hamburger

Kühne Logistics University (KLU),

und Will Felps, PhD von der University of

New South Wales (UNSW) nahe. Dabei

kommt es nicht nur auf die Art der Fragen,

sondern auch auf die Art des Zuhörens an.

In ihrer konzeptionellen Arbeit überprüfen

Van Quaquebeke und Felps, warum Führungskräfte,

die öfter Fragen stellen, auf

engagiertere Mitarbeiter zählen können.

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die

richtige Art, Fragen zu stellen, eine ganze

Reihe von Effekten hat. „Fragen sind nicht

einfach nur eine Möglichkeit, an Informationen

zu kommen“, erklärt Van Quaquebeke

von der KLU. Sie tragen vielmehr dazu

bei, drei grundlegende psychologische Bedürfnisse

auf einmal zu erfüllen. hwa

Weitere Infos: http://amr.aom.org

Voller Aggression

Unternehmen setzen zur Mitarbeitermotivation

gern auf leistungsbasierte Bonussysteme.

Diese Systeme beeinflussen allerdings

das Verhalten am Arbeitsplatz nicht nur in

der gewünschten, leistungssteigernden Weise:

Bonussysteme fördern soziale Vergleiche

und Wettbewerb und können zu aggressivem

Verhalten der Mitarbeiter führen. Das kann so

weit gehen, dass sich Kollegen untereinander

aktiv schaden.

Zu diesem Ergebnis kommen: Forscher der

Kühne Logistics University, der Universität

Hamburg und der Universität Maastricht, die

die Kollateraleffekte von Bonussystemen in

Organisationen untersucht haben. So genannte

Pay-for-Performance-Systeme (PfP-

Systeme) haben sich in vielen Branchen erfolgreich

etabliert, vom Gesundheits- bis zum

Bankwesen. Sie gelten als besonders effektives

Mittel zur Steigerung der Motivation. Die

Mitarbeiter erhalten finanzielle Boni, wenn sie

festgelegte Ziele erreichen.

Die unschönen Begleiterscheinungen dieser

Praxis wurden bislang jedoch außer Acht gelassen.

In einer branchenübergreifenden Querschnittsstudie

richten die Autoren ihren Blick

genau auf diese negativen Konsequenzen für

den einzelnen Mitarbeiter und die Gesamtorganisation.

Daniel Gläser fasst zusammen: „PfP-

Systeme können für Organisationen zu einem

Problem werden. In einem Unternehmen, dessen

Erfolg von Wissensaustausch, Innovation

und guter kollegialer Zusammenarbeit seiner

Mitarbeiter und Führungskräfte abhängt, vergiftet

ein aggressiver Wettbewerb zwischen

den Kollegen das Arbeitsklima.“ hwa

Weitere Infos: www.the-klu.org

15


VERHALTEN

Fokus auf mich

Viel Fluktuation, hohe Fehlerquote, unzufriedene Kunden

und Mitarbeiter: Wenn im Unternehmen etwas

schief läuft, sollte nach den Ursachen gesucht werden.

Es lohnt sich ein Blick auf die Strukturen und Rahmenbedingungen

– aber auch auf sich selbst. Oft sorgen eingeübte

Verhaltensmuster für Fehlentscheidungen und

Ärger. Das lässt sich durch Achtsamkeit vermeiden.

16


health@work 06/2017

Der Mensch lebt einen Großteil seines Lebens

auf Autopilot – so hat es der Autor Alexander

Stern formuliert. Das bedeutet: Wir denken,

fühlen und verhalten uns nach automatisch

ablaufenden Mustern. Diese sind oft geprägt

durch die Erziehung und die Erfahrungen, die

wir in unserem Leben gemacht haben.

Ein Beispiel: Der Vorgesetzte, der als Kind von

seinem Vater nicht gelobt wurde, geht auch

als Erwachsener sehr sparsam mit bestärkenden

Worten für seine Mitarbeiter um. Das

Verhalten, das einmal erlernt wurde, dient als

Muster, das in ähnlichen Situationen automatisch

wieder angewandt wird.

Denkschubladen auf

Das Gehirn ist es gewohnt, zu kategorisieren,

denn dies ist eine effiziente Strategie, Informationen

zu speichern und bei Bedarf wieder

abzurufen. Dieses „Schubladendenken“

hat aber auch eine soziale Komponente: Bestimmte

Verhaltensweisen und Gedanken als

Muster abzuspeichern, kommt dem Wunsch

entgegen, uns den Normen unserer Mitmenschen

entsprechend zu verhalten. „Der

Mensch wird sein Leben lang von anderen

bewertet“, erläutert Joachim Nickelsen, Organisationsberater

aus Hamburg. „Die Angst

vor Abwertung treibt uns dazu, den Autopiloten

einzuschalten und auf bewährte Muster

zurückzugreifen.“

Und das nicht immer zum eigenen Vorteil.

Denn wo es viele Beispiele für den Nutzen des

Musterverhaltens gibt, etwa dass ein Lächeln

in der Regel mit einem Gegenlächeln belohnt

wird, eignet sich der Mensch auch viele Denkund

Verhaltensmuster an, die ihm das Leben

schwer machen. Und auch das Leben derer,

die mit oder für ihn arbeiten.

Konsequenzen fürs ganze Unternehmen

Zurück zu dem Beispiel von dem Vorgesetzten,

der in der Kindheit nicht gelobt wurde.

Vielleicht wurde er nicht nur nicht positiv bestärkt,

sondern im Gegenteil für kleine Fehler

sogar hart bestraft. Dadurch hat sich das

Denkmuster eingeprägt, dass keine Fehler

gemacht werden dürfen. Oder das Verhaltensmuster:

Wenn doch Fehler passieren, dann

müssen diese vertuscht werden.

Dieses Denkmuster schadet der Person

selbst: Die Angst davor, Fehler zu begehen,

kann zu Stress, innerer Unruhe, Energieverlust,

Konzentrationsstörungen und dadurch

– so schließt sich der Kreis –zu Fehlern und

Fehlentscheidungen führen.

Für die Mitarbeiter hat das Verhaltensmuster

die Konsequenz, dass der Vorgesetzte wenn

etwas schief läuft, eigene Fehlentscheidungen

überspielt, Mitarbeiter dafür jedoch streng

tadelt. Dadurch leidet das Betriebsklima und

letztlich auch die Unternehmenskultur: Denn

durch das schlechte Fehlermanagement wird

aus Fehltritten nicht gelernt, im Gegenteil: Sie

wiederholen sich, was letztlich zum Nachteil

des gesamten Unternehmens führt.

Gedanken auf den Tisch

Es lohnt sich also, wenn im Unternehmen etwas

schief läuft, den Fokus nicht nur auf die

Strukturen zur richten, sondern auch auf sich

selbst: Wie tragen meine Gefühle, Gedanken

und Verhaltensweisen zu der Situation bei?

Das Stichwort lautet Achtsamkeit.

Das Konzept der Achtsamkeit ermöglicht es,

sich selbst zu beobachten, indem man Gedanken,

Gefühle oder ein bestimmtes Verhalten

wahrnimmt, ohne es zu bewerten. Wenn ein

Mitarbeiter sich etwa ärgert, weil der Chef

ihm schon wieder den Kunden mit den vielen

Extrawünschen zugeteilt hat, reagiert er

womöglich gereizt und fühlt sich gestresst.

Nach dem Prinzip der Achtsamkeit gilt es in

dieser Situation zunächst, sich diese Gefühle

und Gedanken bewusst zu machen und sich

selbst zu fragen:

17


VERHALTEN

Achtsamkeit

ist eine Haltung und

keine Aktivität.

Joachim Nickelsen,

Organisationsberater,

Hamburg

Die Erfahrungen, die ein Mensch macht, formen

sein Gehirn. Durch sie entstehen Verbindungen

zwischen den Gehirnzellen. Das führt

oft dazu, dass Erwachsene häufig in sprichwörtlichen

„Bahnen“ denken. Aber: Aus diesen

Bahnen kann jederzeit ausgebrochen werden.

Denn das Gehirn ist neuroplastisch. Das

bedeutet, dass die Gehirnstrukturen durch

den Geist jederzeit verändert und neu geformt

werden können. So lassen sich etwa durch

Achtsamkeitsübungen bessere Denkmuster

trainieren.

Am Anfang eines Achtsamkeitstrainings steht

klassischer Weise die Meditation. Hier wird in

regelmäßigen Sitzungen gelernt, im Hier und

Jetzt zu verweilen und zu einem Zustand der

Leere zu finden: der Abwesenheit von Bedeutung.

Ziel ist es, sich selbst möglichst objektiv

wahrnehmen zu können. „Sich als Subjekt

nicht subjektiv wahrzunehmen, ist gewissermaßen

die Königsdisziplin“, erläutert Nickelsen.

„Doch je häufiger das praktiziert wird,

desto besser gelingt es.“

Aufmerksam im Alltag

Fokus auf mich

• Was denke ich gerade?

• Wodurch wird dieser Gedanke hervorgerufen?

• Welche Gefühle bringt dieser Gedanke

hervor?

• Warum passiert das?

• Woran erinnert mich das?

• Wie reagiere ich auf die Situation?

„Wer den Fokus auf sich lenkt und die Verantwortung

bei sich selbst sucht, erkennt, dass

er nicht in den Umständen gefangen ist“, erklärt

Nickelsen. „Dadurch wird die Energie gespart,

die sonst dazu verwendet würde, sich

über eine Situation zu ärgern.

Achtsamkeit trainieren

Die neu gewonnene Objektivität soll Bedeutungen

auflockern und damit Vorurteile aufbrechen.

Im nächsten Schritt muss dies dann

im Alltag angewandt werden. Das beinhaltet,

in schwierigen Situationen wieder die eigenen

Gedanken und Gefühle auf den Tisch zu legen,

zu betrachten und zu analysieren. Achtsamkeit

im Alltag kann trainiert werden, indem zum

Beispiel Vorgänge bewusst wahrgenommen

werden: Ich gehe zum Telefon, meine Hand

umfasst den Hörer, er fühlt sich glatt und rund

an, ich hebe ab, höre ein Klicken. Auf diese

Weise gelingt es langfristig leichter, auch diejenigen

Situationen aufzuspüren, die einen so

richtig auf die Palme bringen.

Doch: Ist die Selbstbeobachtung im Alltag ein

Zeiträuber? „Achtsamkeit ist eine Haltung und

keine Aktivität“, sagt Nickelsen. „Sie kann in

vielen Situationen im Berufsalltag Zeit und vor

allem Energie einsparen.“ jbr

18


health@work 06/2017

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19


VERHALTEN

Sicher unterwegs

Um gut arbeiten zu können, müssen Mitarbeiter

zunächst einmal sicher am Arbeitsplatz

ankommen. Der VDSI – Verband für Sicherheit,

Gesundheit und Umweltschutz bei der

Arbeit und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat

(DVR) zeichneten zum dritten Mal in Folge

innovative Konzepte aus, die das Unfallrisiko

auf dem Arbeitsweg, dem Schulweg oder

beim innerbetrieblichen Transport und Verkehr

senken.

Eine Fachjury, bestehend aus Fachleuten des

VDSI und des DVR sowie aus Industrie und

Medien, hat unter allen Einreichungen drei

Gewinner ausgewählt.

Entscheidende Kriterien waren neben der

Schutzwirkung auch Nachhaltigkeit, Effizienz

und Kreativität der Projekte.

Fahrsicherheit fürs Rad

Den ersten Platz belegte SAP SE mit seinem

Projekt „Bike to work month“. 2016 gab es

bei SAP in Deutschland erstmals mehr meldepflichtige

Fahrrad- als Autounfälle. Daher

setzte das Team Occupational Safety Germany

zahlreiche Aktionen zum Thema „Sicher

Fahrradfahren“ um. Das seit fünf Jahren

stattfindende, globale SAP-Projekt „Bike to

work“ gab Anlass, einen besonderen Fokus

auf die Verkehrssicherheit zu legen.

Hierbei geht es um eine nachhaltige Verbesserung

der Infrastruktur inner- und außerhalb

des Firmengeländes sowie um eine gezielte

Schulung der Mitarbeiter rund um das Thema

Fahrradfahren. Zu den Maßnahmen gehören

unter anderem Fahrradsicherheitstrainings,

der Einsatz von Tourguides, die den Beschäftigten

sichere Arbeitswege aufzeigen, sowie

kostenlose Fahrrad-Check-ups.

20


health@work 06/2017

Schutz vor Wildunfällen

Die wuidi GmbH sicherte sich den zweiten

Platz. Alle zwei Minuten verursacht ein Wildtier

auf Deutschlands Straßen einen Unfall.

Um die Unfallzahl zu senken, riefen die drei

Gründer Alfons Weinzierl, Alexander Böckl

und Jozo Lagetar wuidi ins Leben.

Dieser digitale Wildwarner warnt Autofahrer

bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit

erhöhtem Wildwechsel, erstmals orts- und

zeitabhängig. Die Warnung erfolgt entweder

über eine App oder mittels Bluetooth-Kopplung

direkt über das Automobil. Dank eines

Hintergrundmodus ist keine Bedienung während

der Fahrt notwendig und wuidi kann problemlos

im Straßenverkehr eingesetzt werden.

Kommt es dennoch zu einem Wildunfall,

hilft die App bei der effizienten Abwicklung.

Der Wettbewerb zeigt,

wie vielfältig

Maßnahmen zur

betrieblichen Verkehrssicherheit

sein können.

Prof. Dr. Rainer von Kiparski,

Vorstandsvorsitzender

des VDSI, Wiesbaden

Besser Aussteigen

LSG Sky Chefs ist das Catering-Tochterunternehmen

der Deutschen Lufthansa AG und belegte

den dritten Platz. Zum Catern von Flugzeugen

werden spezielle Hubwagen genutzt.

Der Hubwagenfahrer muss beim Beladen

häufig zwischen der Arbeitsplattform und

dem Fahrerhaus wechseln. Dieser Prozess

stellt die häufigste Unfallursache bei dieser

Mitarbeitergruppe dar.

Bei der Konstruktion neuer Fahrzeuge war der

Aspekt des Ein- und Aussteigens wesentlich

bei der Auswahl des Chassis. Für den Wechsel

zwischen Fahren und Beladen ist nun keine

Treppe oder Leiter mehr notwendig; es ist

lediglich ein Plattformwechsel vorgesehen.

Der Ein- und Ausstieg wird über eine deutlich

breitere Treppe mit größerer Auftrittsfläche

realisiert. Die Umsetzung dieser Veränderungen

konnte im Rahmen der Neugestaltung

der Hubwagen kostenneutral umgesetzt werden.

Pro Jahr können durch diese Modifizierung

bis zu 18 Unfälle vermieden werden.

Ziel: Unfallstatistik zeigt Null an

Die veranstaltenden Verbände zogen eine positive

Bilanz: „Die Fachjury war der Meinung,

dass die drei ausgewählten Gewinnerprojekte

die Vorgaben des Wettbewerbs ganz besonders

gut erfüllen – und das, obwohl sie so unterschiedlich

sind. ,Unterwegs – aber sicher!‘

zeigt also einmal mehr, wie vielfältig Maßnahmen

zur betrieblichen Verkehrssicherheit

sein können“, resümiert Prof. Dr. Rainer von

Kiparski, Vorstandsvorsitzender des VDSI.

„Unser gemeinsamer Wettbewerb hat ein

ambitioniertes Ziel und zwar die Strategie der

Vision Zero weiter in der Fachöffentlichkeit zu

verankern. Die Verkehrssicherheit ist hierbei

ein überaus bedeutender Baustein“, ergänzt

Kay Schulte, Referatsleiter Unfallprävention –

Wege und Dienstwege beim DVR. jbr

21


VERHALTEN

Gealtert

Im Alter verschlechtert sich die Wahrnehmungsleistung,

was mit einer Vergrößerung

der entsprechenden Gehirnaktivität einhergeht.

Training kann die Wahrnehmung wieder

verbessern. Die altersbedingten Hirnveränderungen

verschwinden dabei allerdings

nicht. Das haben Forscher der Ruhr-Universität

Bochum in einer Studie herausgefunden.

Die Forscher ließen Versuchspersonen

verschiedenen Alters mit der Fingerkuppe

zwei Nadelspitzen ertasten, die in engem

Abstand zueinander standen. Ältere Personen

nahmen die beiden Spitzen schon bei

relativ großen Abstand als eine wahr, während

jüngere sie noch unterscheiden konnten.

Diese Wahrnehmungseinschränkungen

der älteren Menschen werden begleitet von

einer räumlichen Ausbreitung der Hirnaktivität,

was Wissenschaftler allgemein als Kompensationsmechanismus

interpretieren. hwa

Weitere Infos: www.ruhr-uni-bochum.de

markt

Geschätzt

Frauen bewerten ihre Stärken im Berufsleben

selbst weit niedriger als ihr direktes Umfeld

diese einschätzt. Das bestätigt eine Studie

der Hochschule Bad Honnef Bonn, die branchenübergreifend

die Kompetenzen von mehr

als 1.000 Mitarbeitern in verschiedenen Funktionen

untersucht hat. Die Daten zeigen, dass

grundsätzlich sowohl Männer als auch Frauen

bei der Einschätzung ihrer beruflichen Kompetenzen

zu Selbstkritik neigen – bei Frauen ist diese

Neigung aber deutlich höher. Sie stufen sich

insbesondere in Bereichen, die extrovertiertes

und strategisches Verhalten erfordern – etwa in

den Kompetenzen Verhandlungsgeschick oder

Gesprächsführung – selbstkritischer ein als ihre

männlichen Kollegen. Männliche Teilnehmer

neigen in kommunikativen Bereichen zur leichten

Selbstüberschätzung. hwa

Weitere Infos: www.iubh-dualesstudium.de

22


health@work 06/2017

Geheilt

Depressionen lassen sich über das Internet

erfolgreich behandeln. Das haben Wissenschaftler

der Universität Lübeck herausgefunden.

Im Internet gibt es eine ganze Reihe

an Programmen, die bei der Bewältigung von

Depressionen hilfreich sein können, indem

sie den Nutzern psychotherapeutische Inhalte

vermitteln. Die meisten von ihnen zählen

zu den sogenannten Selbstmanagement-

Programmen. Das bedeutet, dass die Inhalte

nicht durch einen Therapeuten vermittelt werden,

sondern durch das Programm. Dass derartige

Programme in der Behandlung von depressiven

Symptomen wirksam sein können,

war bekannt. Allerdings wurden in vorherigen

Studien meist die Nutzer des Programms

selber nach ihren Beschwerden befragt. Die

aktuelle Studie belegt die Wirksamkeit von

Selbstmanagement-Programmen auch durch

Untersuchung durch Experten. hwa

Weitere Infos: www.uni-luebeck.de

Gesnackt

Wer Stress im Beruf hat, nascht zwischendurch

häufiger Süßigkeiten. Das ist das Ergebnis

einer kürzlich veröffentlichten Studie von

Psychologen der Universität Mannheim. Nun

untersuchen die Forscher, wie Smartphones

und Bewegungstracker helfen können, sich im

Arbeitsalltag trotzdem gesünder zu ernähren.

Um sich in Form zu halten oder als Vorsatz

fürs neue Jahr entscheiden sich viele Menschen

bewusst für eine gesunde, leichte Ernährung.

Doch schaffen es Berufstätige auch

im stressigen Arbeitsalltag, auf das Stück Kuchen

am Nachmittag zu verzichten und stattdessen

zum Apfel zu greifen? Mit dieser Frage

beschäftigte sich ein Team von Mannheimer

Arbeits- und Organisationspsychologen um

Prof. Dr. Sabine Sonnentag in einer Studie.

Für die Studie wurden 247 berufstätige Personen

aus verschiedenen Organisationen zu

ihren Arbeitsbedingungen und ihrem Snacking-Verhalten

befragt. Das Ergebnis: Die Berufstätigen

greifen vor allem dann zu ungesunden

Snacks wie Kuchen oder Schokoriegel,

wenn sie ihre schlechte Laune kompensieren

möchten. Die wiederum wird häufig ausgelöst

durch hohe Arbeitsanforderungen und Stress

im Beruf. „Müssen sie sich bei der Arbeit

stark zusammenreißen, um ihre Aufgaben zu

bewältigen, fällt es vielen Menschen schwerer,

auch noch auf ungesunde Snacks zu verzichten“,

erklärt Sonnentag diesen Fund. Und

so greifen Menschen an solchen Tagen am

Arbeitsplatz verstärkt zu Süßigkeiten. Zu Obst

und anderen gesunden Snacks griffen die Teilnehmer

hingegen eher an Tagen, an denen sie

besonders auf ihre Gesundheit achten wollten.

hwa

Weitere Infos: www.uni-mannheim.de

23


SYSTEME

Arbeitswelt 4.0

modelle

Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Darüber

diskutieren viele Experten. Es gibt eine

Reihe von Veränderungen und Trends, die das

Berufsleben schon heute beeinflussen. Dazu

gehören zum Beispiel die Flexibilisierung von

Arbeitszeit und –ort sowie die zunehmende

Digitalisierung. Diese Wandlungen bringen

eine Reihe von Herausforderungen mit sich:

für Unternehmen, für die Beschäftigten und

das Betriebliche Gesundheitsmanagement.

Es gibt jedoch auch Konzepte, wie sie sich

meistern lassen.

Digitalisierung

und oft auf vielen Kanälen gleichzeitig. Diese

Entwicklung macht vielen Menschen Angst:

knapp einem Fünftel der Beschäftigten in

Deutschland. Das zeigt eine Studie von Sopra

Steria Consulting. „Das Problem ist, dass Digitalisierung

immer noch stark auf technischer

Ebene vorangetrieben wird“, erklärt Jürgen

Prinz, Leiter Human Capital Management

Solutions bei Sopra Steria Consulting. „Pläne

für die Mitarbeiter findet man in den Prozesslandkarten

und Pflichtenheften selten. Bei

aller Begeisterung für Apps und Vernetzung

drohen sie auf der Strecke zu bleiben.“

Digitales Mentoring

Zu den größten Trends der Arbeitswelt 4.0

gehört die zunehmende Digitalisierung. Zettelwirtschaft

war gestern. Arbeitsmaterialien

werden digital erstellt und abgelegt, Kommunikation

mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden

findet ebenfalls digital statt – in Echtzeit

Unternehmen müssen daher nicht nur die

technischen Werkzeuge bereitstellen, sondern

auch das Know-how, wie man mit ihnen

umgeht. Das bedeutet, dass Mitarbeiter

regelmäßig geschult werden müssen und im

besten Fall einen Ansprechpartner zur Seite

24


health@work 06/2017

gestellt bekommen, der sie im Betriebsalltag

unterstützt. Bewährt haben sich Mentoring-

Programme oder Tandemprojekte, bei denen

immer ein digital versierter mit einem weniger

digital affinen Mitarbeiter zusammenarbeitet.

Flexible Arbeitszeiten

Präsenzarbeit von neun bis fünf ist in vielen

Berufen ein Relikt der Vergangenheit. Viele

Beschäftigte wünschen sich ein Arbeitsmodell,

dass es ihnen ermöglicht, zeitlich flexibel

arbeiten zu können – abseits der klassischen

Bürozeiten und auch abseits der 40-Stunden-

Woche.

Auch Unternehmen kommt der Trend zum

zeitlich flexiblen Arbeiten grundsätzlich entgegen.

Die zunehmende Globalisierung macht

es notwendig, dass Mitarbeiter auch mit Kollegen

in anderen Zeitzonen kommunizieren.

Auch Mitarbeiter, die häufig auf Geschäftsreise

sind, arbeiten üblicherweise jenseits typischer

Geschäftszeiten.

Mehrarbeit und Erreichbarkeits-Stress

Die Kinder um neun in den Kindergarten bringen,

dann bis 14:00 Uhr im Büro Meetings abhalten,

zurück nach Hause, hier noch ein paar

E-Mails bearbeiten und dann nach der Tagesschau

noch die Präsentation für den nächsten

Tag fertigstellen: Während zeitliche Flexibilität

in vieler Hinsicht das Leben der Beschäftigten

erleichtert, bringt sie auch Probleme mit sich:

Durch die flexible Zeiteinteilung findet häufig

eine Vermischung von Berufs- und Privatleben

statt. Dieses sogenannte Work-Life-Blending

führt in der Praxis dazu, dass die Beschäftigten

am Ende mehr arbeiten. Laut einer Umfrage

der Talent- und Karriereberatung von

Rundstedt leisten 34 Prozent der Work-Life-

Blender bis zu zehn Überstunden pro Woche.

Das Problem ist, dass

Digitalisierung immer

noch stark auf

technischer Ebene

vorangetrieben wird.

Jürgen Prinz,

Leiter Human Capital

Management Solutions

bei Sopra Steria Consulting,

Hamburg

Ein weiteres Problem ist, dass Mitarbeiter, die

zeitlich flexibel arbeiten, im Grunde 24 Stunden

auf Stand-by stehen, Mails und Telefonate

empfangen – und bearbeiten. Die ständige

Erreichbarkeit belastet die Gesundheit: Wer

auch in der Freizeit für den Job verfügbar ist,

kommt nicht zur Ruhe, kann sich schlechter

erholen und leidet häufiger unter schlechtem

Schlaf. Das belegt eine Studie der Initiative

Gesundheit und Arbeit.

Arbeit endlich machen

Damit aus flexiblen Arbeitszeiten nicht Arbeit

rund um die Uhr wird, müssen der Freiheit

Grenzen gesetzt werden. Dies liegt zum einen

in der Verantwortung der Beschäftigten

selbst. Sie müssen sich einen Feierabend

schaffen und im Alltag klar definieren, wann

sie arbeiten und eben auch, wann Laptop,

Smartphone und Co. ausgeschaltet werden.

Die Unternehmen müssen einen Rahmen geben,

der es zulässt, nicht erreichbar zu sein,

25


SYSTEME

Arbeitswelt 4.0

Die grenzenlose Flexibilität

ist ein Mythos.

Auch Heimarbeiter

müssen zu Bürozeiten

erreichbar sein, Termine

und Deadlines

einhalten.

Prof. Dr. Jutta Rump,

Leiterin des Instituts für

Beschäftigung und

Employability, Ludwigshafen

ohne dass es die Beschäftigten Konsequenzen

fürchten müssen. Eine wichtige Rolle

kommt hierbei den Führungskräften zu. „Die

Führungskräfte müssen beim Thema Erreichbarkeit

selbst Vorbilder sein“, sagt Anja Niekerken,

Persönlichkeitstrainerin und Expertin

für Natural Leadership. „Das beinhaltet, selber

auch nach Feierabend nicht zu arbeiten,

aber auch sofort einzugreifen, wenn im Büro

Sprüche oder Sticheleien gegenüber Kollegen

auftauchen, die ihr Handy nach Feierabend

abschalten.“

Ortsunabhängiges

Arbeiten

Nicht nur in Bezug auf die Arbeitszeit, sondern

auch auf den Arbeitsort wünschen sich

die meisten Beschäftigten mehr Flexibilität.

Vor allem die Heimarbeit ist gefragt. Über die

Hälfte der Beschäftigten würden gerne von

zu Hause aus arbeiten. Die Arbeit im Homeoffice

führt laut AOK Familienstudie dazu,

dass Mitarbeiter glücklicher sind und Beruf

und Familie besser vereinbaren können.

Für Unternehmen hat die zeitweise Ausgliederung

der Mitarbeiter ebenso Vorteile: Sie

sparen Bürofläche und damit Kosten.

Arbeitgeber in der Verantwortung

Die Verantwortung für die Gesundheit der

Mitarbeiter endet per Gesetz jedoch nicht

an der Bürotür. Wenn Beschäftigte mit der

Zustimmung des Arbeitgebers von zu Hause

aus arbeiten, trägt das Unternehmen die

Verantwortung in Sachen Gesundheits- und

Arbeitsschutz. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber

die Mitarbeiter bei der Gestaltung

ihres Arbeitsplatzes unterstützen muss. Gut

umgesetzt wird das bisher aber nicht: Nur

etwa fünf Prozent der Arbeitnehmer, die im

Homeoffice arbeiten, bekommen Büromöbel

gestellt. Geld zur Selbstausstattung bekommen

sogar nur vier Prozent der Heimarbeiter.

Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des

bso Verbands Büro-, Sitz- und Objektmöbel.

Auch für die Beschäftigten hält das ortsunabhängige

Arbeiten nicht immer das, was es

verspricht. Der Traum, dem grauen Büroalltag

zu entfliehen und vielleicht sogar im Dezember

unter Palmen arbeiten zu können, wird so

gut wie nie Realität. „Die grenzenlose Flexibilität

ist ein Mythos. Auch Heimarbeiter müssen

zu Bürozeiten erreichbar sein, Termine

und Deadlines einhalten“, erklärt Prof. Dr. Jutta

Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung

und Employability. „Zu Hause arbeitende

Beschäftigte brauchen zudem ein hohes

Maß an Eigenverantwortung, Selbstständigkeit

und die Fähigkeit, trotz der engen Verschmelzung

dieser beiden Lebensbereiche,

Beruf und Privatleben trennen zu können.“ jbr

26


27


SYSTEME

ADVERTORIAL

Neues aus der bKV

TELEMEDIZIN:

Die mobile Sprechstunde

für alle Mitarbeiter

Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) ist auf Innovationskurs

und bietet neue, flexible Leistungen – bei der Barmenia

sogar inklusive digitaler Versorgung. Daniel Schmalley

leitet dort das Kompetenzcenter Firmenkunden und erklärt

im Interview, welchen Wert telemedizinische Beratung hat

und wie Unternehmen davon profitieren.

Herr Schmalley, die Barmenia bietet in der bKV exklusive

telemedizinische Versorgung. Wann brauche ich als Arbeitgeber

die mobile Arztberatung für meine Belegschaft?

Schmalley Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Ihr Angestellter

kommt mit leichten Beschwerden aus der Mittagspause, hat am

Nachmittag aber einen wichtigen Kundentermin und eigentlich

keine Zeit, zwischendurch im Wartezimmer zu sitzen. Für Vielbeschäftigte

keine untypische Situation…

…und da kommt die Telemedizin ins Spiel?

Schmalley Genau! Telefon- oder Videoanruf überbrücken die

räumliche Distanz zwischen Patient und Praxis. In der „Digitalen

Sprechstunde“ können die Mitarbeiter direkt mit einem kompetenten

Allgemein- oder Facharzt sprechen und erörtern, wie bei

Beschwerden zu verfahren ist. So fallen lange Wartezeiten weg

– und der Arbeitnehmer schafft es doch noch pünktlich zum Kunden-Gespräch.

Wie sieht der Telemedizin-Service der Barmenia in der bKV aus?

Schmalley Wir arbeiten hier exklusiv mit der TeleClinic zusammen.

Ein hochqualifizierter Dienstleiter, der sich auf alle Services

rund um Telemedizin spezialisiert hat. Gemeinsam bieten wir eine

mobile medizinische Beratung durch qualifizierte Ärzte – sieben

Tage die Woche und rund um die Uhr – auch am Wochenende

und an Feiertagen.

men auch andere Benefits bei Mitarbeiten gut an – von bunten

Sofaecken im Büro bis zu Smoothies im Kühlschrank. Doch sie

tragen beispielsweise nicht dazu bei, Fehlzeiten zu reduzieren.

Ganz im Gegensatz zur bKV.

Thema Krankenzeiten: Das ist ein wachsendes Problem, mit

etwa 15 Fehltagen pro Kopf im Jahr. Was können Unternehmen

tun?

Schmalley Belegschaften altern, Belastungen nehmen in vielen

Feldern zu. Eine bessere Vorsorge auf Privatpatienten-Niveau, wie

sie unsere bKV bietet, ist ein wichtiger Hebel, um gegenzusteuern.

Denn für einen Betrieb mit 1.000 Mitarbeitern bedeuten 15

Fehltage: Kosten von gut vier Millionen Euro jährlich. Gelingt es,

nur einen halben Ausfalltag zu reduzieren, hat sich eine bKV bereits

amortisiert.

Herr Schmalley, im November wurde Ihr Telemedizin-Service

mit dem „Innovationspreis 2017“ der Assekuranz ausgezeichnet.

Sind Sie stolz?

Schmalley Vor allem froh. Es zeigt, dass wir auf einem guten

Weg sind! Die Zukunft der gesundheitlichen Vorsorge ist zunehmend

digital. Arbeitnehmer müssen immer flexibler sein – und

stellen oft ihre Arzttermine hinten an. Das muss und sollte nicht

sein.

Deswegen haben wir in unserem bKV-Angebot die telemedizinische

Versorgung aufgenommen.

Telemedizin-Service mit dem „Innovationspreis 2017

(Doppel-Gold) der Assekuranz ausgezeichnet:

Wo liegen die Vorteile für Unternehmen?

Schmalley Der Telemedizin-Service kann zum Beispiel helfen,

Fehlzeiten zu reduzieren, Vielflieger besser zu versorgen und generell

als Arbeitgeber bei Top-Kräften zu punkten. Natürlich kom-

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health@work 06/2017

ADVERTORIAL

Kommentar: Marco Scherbaum

bKV-Experte und Inhaber von HEALTH FOR ALL®

„Zeit ist Geld –

Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital!”

Der direkte Draht zum Arzt ermöglicht es, unter Einsatz audiovisueller

Kommunikationstechnologien trotz räumlicher Trennung zum Beispiel

Diagnostik, Konsultation und medizinische Zweitmeinung anzubieten.

Telemedizin – ein neuer Begriff?

Viele kennen Telemedizin nur als Instrument aus der Raumfahrt oder aus militärischen

Einsätzen. Doch die Telemedizin hat sich heute zu einem Baustein

effizienter, benutzerfreundlicher und umfassender Gesundheitsdienste weiterentwickelt.

Die zunehmende Belastung am Arbeitsplatz gefährdet die Leistungsfähigkeit

der Arbeitnehmer. Fakt ist: Jeder krankheitsbedingte Ausfall von Mitarbeitern

kostet Unternehmen Geld. Nur ein gesunder und motivierter Mitarbeiter kann

am Erfolg des Betriebes mitwirken.

Telemedizinische Leistungen können gerade in der modernen Arbeitswelt als

ergänzender Bestandteil konventioneller Versorgungsszenarien angesehen

werden. Die mobile Sprechstunde für alle Mitarbeiter trägt, durch eingesparte

Wege zum Arzt, zur Verbesserung der Lebensqualität bei und stellt somit eine

Lösung mit Mehrwert für Patient/Arbeitnehmer und Arbeitgeber dar.

Telemedizin ist eine Innovation am Gesundheits- und bKV-Markt

Aus diesen Gründen bieten wir als unabhängiges Beraterhaus und bKV-Experten

ab sofort allen Arbeitgebern im Rahmen unserer Produktpalette auch den

Service der Barmenia-Telemedizin als attraktive Leistung an.

HEALTH FOR ALL®

Unabhängiges Beraterhaus –Spezialist in Sachen Betriebliche

Krankenversicherung

Schürerstr. 5, 97080 Würzburg

Tel: 0931-99118619

Email: info@health-for-all.de

Website: health-for-all.de

Inhaber: Marco Scherbaum

29


SYSTEME

Fehlzeiten auswerten

Spricht man von Krankenstand, wird darunter

eine krankheitsbedingte Abwesenheit in

Form einer Prozentzahl verstanden. Kranke

Mitarbeiter müssen nicht zwangsläufig Arbeitsunfähig

sein, weshalb bei einer Krankschreibung

durch den Arzt eine krankheitsbedingte

Arbeitsunfähigkeit attestiert wird. In

diesem Falle ist ein Mitarbeiter krankheitsbedingt

nicht mehr in der Lage, seine berufliche

Tätigkeit zu verrichten.

Wie lassen sich BGM-Konzepte

in die Praxis umsetzen? In

der Rubrik Praxistipp zeigen

Experten der Deutschen Hochschule

für Prävention und Gesundheitsmanagement

(DHf-

PG), wie das gelingt. In dieser

Ausgabe geht es darum, wie

Unternehmen die Fehlzeitenstatistiken

richtig auswerten.

Welche Kennzahlen sind wesentlich?

Meldet sich ein Arbeitnehmer morgens bei

seinem Arbeitgeber krank, beginnt dort auch

die Erfassung der krankheitsbedingten Fehlzeit,

deren Dauer dann in die Krankenstandstatistik

einfließt. Für ein Unternehmen ist

dabei zu unterscheiden, welche Tage in der

Lohnfortzahlung (die ersten sechs Wochen)

liegen und welche im Rahmen der Krankengeldzahlung

durch die Krankenkassen (ab

der siebten Woche) abgedeckt sind. Darüber

hinaus können die krankheitsbedingten Fehlzeiten

innerhalb der Lohnfortzahlung auch

danach unterschieden werden, ob der Mitarbeiter

an den betreffenden Tagen hätte arbeiten

müssen oder ob es sich um freie Zeiten

handelt.

DHfPG

Praxistipp

Nach wie vor sind krankheitsbedingte Fehlzeiten

der primäre Anlass, ein betriebliches Gesundheitsmanagement

zu starten. Während

insbesondere die Ursachen für die Arbeitsunfähigkeit

interessieren, lohnt auch eine vertiefende

und differenzierte Auswertung. Was

bedeutet das? Zuerst gilt es, die Begrifflichkeiten

in diesem Zusammenhang zu klären.

Fehlt ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz, kann

dies an einer Erkrankung liegen, aber auch

daran, dass der Mitarbeiter sich in einer Kur

oder Fortbildungsmaßnahme befindet.

Fazit: ökonomisch wesentlich relevant sind

für ein Unternehmen die Fehlzeiten innerhalb

der Lohnfortzahlung und deren Bezug zur

Arbeitstätigkeit, da hier Lohnfortzahlung geleistet

werden muss, dieser jedoch keine Arbeitsleistung

entgegensteht. Außerdem können

Zusatzkosten für Überstunden anderer

Kollegen, für den Einbezug von Leiharbeitnehmern

oder Strafzahlung für nicht fristgemäß

erbrachte Leistungen gegenüber Kunden aufgrund

arbeitsunfähiger Mitarbeiter entstehen.

Fehlzeiten können BEM notwendig machen

Neben dieser Betrachtung ist aber auch die

Erfassung aller krankheitsbedingten Fehltage,

egal ob Arbeits- oder freie Tage betroffen sind,

für das betriebliche Eingliederungsmanagement

(BEM) gemäß § 84 Abs. 2 SGB IX durchzuführen.

Demnach ist Mitarbeitern mit einer

Arbeitsunfähigkeit von mehr als sechs Wochen

innerhalb eines Jahres ein BEM anzubieten,

weshalb Unternehmen auch hierzu eine

Statistik führen müssen. Innerhalb dieser auf-

30


health@work 06/2017

KENNZAHL/VERDICHTUNG

Arbeitsunfähigkeit

(AU-Tage/AU-Stunden & AU-Fälle,

Differenzierung nach bezahlt

und unbezahlt;

Krankenstand in %)

Krankenstand + Alter

BEM-Fälle

Dffferenzierung nach Abteilung:

Krankenstand + Altersdurchschnitt

+ BEM-Fälle

n

n

n

n

ERLÄUTERUNG & RISIKOBETRACHTUNG

• hat Einfluss auf die Produktivität (Gefährdung der Kernprozesse)

• Kostenbetrachtung durch Lohnfortzahlung

• Folgekosten aufgrund von Überstunden, Nachbesetzung durch Springer/

Leiharbeiter etc.

• Darstellung des Arbeitsunfähigkeitsgeschehen i.d.R. in %

• Darstellung Krankenstand nach Altersgruppen zur Visuali sierung von Auffälligkeiten

und Zusammenhängen – dadurch Vergleich zu Kassenstatistiken möglich

• Berechnung statistischer Zusammenhang – dadurch Risikobetrachtung für eine

alternde Belegschaft möglich (wenn „älter = kränker” zutrifft, ist aufgrund des

demografischen Wandels mit höheren Krankenständen zu rechnen)

• Beschäftigte mit mehr als 42 AU-Tagen innerhalb von 12 Monaten

weisen eine gegenüber dem Bundeschnitt höhere AU auf.

• hoher Handlungsbedarf, da bei diesen Beschäftigten auch das Risiko eines

dauerhaften Ausfalls und somit der Erwerbsminderungs- bzw. Berufs-Erwerbsunfähigkeitsrente

vorhanden sein kann

• Sofern viele AU-Tage eines BEM-Falls auch innerhalb der Lohnfortzahlung

liegen, hat dies auch entsprechende finanzielle Auswirkungen.

• Darstellung der Einzelwerte Krankenstand gesamt, Krankenstand bezahlt,

Altersdurchschnitt und Anzahl BEM-Fälle nach Abetilungen

• Risikobewertung: in einer Abtelung mit hohem Krankenstand, hohem Altersdurch

schnitt und hoher Anzahl von BEM-Fällen besteht insbesondere Handlungsbedarf

gezeigten Auswertungen können dann noch

Differenzierungen nach Alter, Abteilungen und

Vorjahresvergleich durchgeführt werden.

Unternehmenskrankenstand versus Krankenstand

der Kassen

Vorsicht beim Vergleich von prozentualen

Krankenständen. In die Unternehmensverzeichnisse

fließen die Arbeitsunfähigkeitsdaten

in der Regel bereits ab dem ersten

Fehltag ein. Für gewöhnlich müssen Beschäftigte

jedoch erst ab dem dritten Fehltag einen

Krankenschein einreichen – sowohl beim Unternehmen

als auch bei der jeweiligen Krankenkasse.

Hierdurch können Unterschiede in

der Berechnung des Krankenstandes entstehen.

Des Weiteren ist die Beachtung der verwendeten

Berechnungsmethode erforderlich.

Während sich der Krankenstand der Unternehmen

durch das Verhältnis „Arbeitsunfähigkeitstage

zu Arbeitstage“ in einem betreffenden

Zeitraum (zum Beispiel pro Monat

oder Jahr) und unter Einbezug der arbeitsfreien

Tage (i. d. R. das Wochenende, bei Schichtarbeit

und Wochenendarbeit auch andere

Tage) ermitteln lässt, ziehen Krankenkassen

die Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherungsjahre

heran und dividieren diese durch

365 Tage. Schließlich wird deutlich, dass sich

Krankenstände der Unternehmen nicht exakt

mit denen der Kassen vergleichen lassen.

Ermitteln Sie die die wesentlichen

Kennzahlen, wie in der Abbildung

beschrieben, und ziehen Sie aus hieraus Erkenntnisse

für die Bewertung der Gesundheitssituation

in Ihrem Unternehmen.

Kristin Hunsicker und Oliver Walle

31


SYSTEME

Bewegt

Wenn ein Gerinnsel dazu führt, dass Blutgefäße,

zum Beispiel in den Beinen, verstopfen,

sprechen Mediziner von einer Thrombose.

Die Thrombose ist nach Herzinfarkt

und Schlaganfall die dritthäufigste Herz-

Kreislauf-Erkrankung. Besonders gefährdet

sind ältere Menschen sowie Personen, die

etwa im Büro über einen langen Zeitraum

hinweg sitzen müssen. Spezielle Übungen

für Beine und Füße können vorbeugen. Wie

man hierbei die Motivation erhöhen kann,

haben Forscher der Arbeitsgruppe wear-

HEALTH an der Technischen Universität

Kaiserslautern untersucht. Sie haben ein

Computerspiel entwickelt, das über Bewegungen

der Füße gesteuert wird. In einer

Studie haben sie gezeigt, dass das Spiel

bei Probanden die Motivation fördert, Anti-

Thrombose-Übungen durchzuführen. hwa

Weitere Infos: www.cs.uni-kl.de

markt

Beschützt

Unter dem Motto „Erfolgreich gegen Asbest“

sucht der 12. Deutsche Gefahrstoffschutzpreis

nach innovativen Konzepten und praktischen

Lösungen zum Schutz von Beschäftigten. Trotz

des Verbotes im Jahr 1993 gefährdet das einstige

„Wundermineral“ Asbest noch heute die Beschäftigten.

Insbesondere bei Instandhaltungsarbeiten

an und in Gebäuden können die Fasern

freigesetzt werden. Betroffen sind Gebäude,

die vor 1993 gebaut wurden. Mit dem Gefahrstoffschutzpreis

will das Bundesministerium für

Arbeit und Soziales Praxislösungen auszeichnen,

die Beschäftigte beim Bauen im Bestand

vor Asbest schützen. Preiswürdig sind außerdem

neue Schulungskonzepte zur Qualifikation

der Arbeiter. Die Bewerbungsfrist für den mit

insgesamt 10.000 Euro dotierten Gefahrstoffschutzpreis

läuft bis zum 15. April 2018. hwa

Weitere Infos: www.baua.de

32


health@work 06/2017

Beziffert

Berufseinsteiger und Geringqualifizierte

befinden sich häufiger in einem scheinselbständigen

Vertragsverhältnis als andere

Erwerbstätige. Das geht aus einer aktuell

veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt-

und Berufsforschung hervor. Erwerbstätige

unter 25 Jahren haben ein sechs

Prozent höheres Risiko, scheinselbständig zu

sein, als eine Vergleichsgruppe von 35- bis

44-Jährigen. Das Fehlen eines beruflichen

Abschlusses erhöht das Risiko dabei um drei

Prozent. Bei Personen, die zuvor arbeitslos

waren, steigt das Risiko einer Scheinselbständigkeit

um etwa ein Prozent je Jahr der

Arbeitslosigkeit. Menschen mit Migrationshintergrund

weisen ein zwei Prozent höheres

Risiko auf, scheinselbständig zu sein, als

Personen ohne Migrationshintergrund – dasselbe

gilt für Frauen. hwa

Weitere Infos: www.iab.de

Bedacht

Die Arbeitszeit bestimmt den Lebensrhythmus

vieler Beschäftigter. Damit ausreichend

Lebenszeit für Familie, Freizeit und Regeneration

bleibt, begrenzt das moderne Arbeitszeitrecht

einerseits die Arbeitszeit. Andererseits

ermöglicht es innerhalb eines definierten Rahmens

flexible Arbeitszeiten und fördert damit

die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Durch

digitale Techniken lassen sich Arbeitszeit und

-ort zunehmend flexibilisieren. Davon profitieren

nicht nur die Unternehmen, sondern auch

die Beschäftigten. Wenn sie ihre Arbeitszeit

flexibel selbst gestalten können, gelingt es oft

besser, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren.

Doch bei der Wahl des passenden

Arbeitszeitmodells stehen Unternehmen vor

der Herausforderung, sowohl den Bedürfnissen

der Beschäftigten als auch der eigenen

Wettbewerbsfähigkeit gerecht zu werden.

In der Broschüre „baua: Praxis. Flexible Arbeitszeitmodelle.

Überblick und Umsetzung“

stellt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin (BAuA) insgesamt 16

verschiedene Arbeitszeitmodelle vor und

zeigt die damit verbundenen Chancen und Risiken

auf. Zudem vermittelt sie kompakt und

praxisorientiert Grundlagen des gesetzlichen

Arbeitszeitschutzes sowie aktuelle arbeitswissenschaftliche

Erkenntnisse. Damit bietet

sie den Verantwortlichen in Unternehmen

einen umfangreichen und zugleich übersichtlich

strukturierten Einstieg in das Thema. Zu

den vorgestellten Modellen gehören neben

bereits etablierten Konzepten wie Gleitzeit,

Teilzeit oder Mehrarbeit auch neuere Formen

wie Jobsharing oder Funktionsarbeitszeit.

hwa

Weitere Infos: www.baua.de

33


KULTUR

Kränkelnd heilen

Die Gesundheitsbranche macht ihrem Namen

keine Ehren. Die Arbeitssituationen in

Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

ist sowohl körperlich als auch psychisch

stark belastend. Das liegt vor allem an den

Rahmenbedingungen: Stress und Leistungsdruck

stehen auf der Tagesordnung, Schlaf

und Freizeit leiden. Studien zeigen jedoch

auch, dass betriebliche Gesundheitsförderung

einen Unterschied machen kann.

Leistungsdruck und Arbeitsverdichtung

Ärzte arbeiten unter verschärften Bedingungen

– das gilt vor allem für Mediziner im Krankenhaus.

Die Schichten sind lang, der Schlaf

kurz und der Leistungsdruck ebenso wie die

Verantwortung hoch. Eine Befragung der

Ärztegewerkschaft Marburger Bund zeigt,

dass die Hälfte der Krankenhausärzte jede

Woche bis zu 59 Stunden arbeitet, ein Viertel

sogar bis zu 80 Stunden wöchentlich. Den

aller meisten ist das zu viel: Drei von vier Ärzten

geben an, dass die Arbeitszeiten ihre Gesundheit

beeinträchtigen. Rund 60 Prozent

fühlen sich psychisch belastet.

Personalmangel und ein Übermaß an Bürokratie

führen dazu, dass die Ärzte mehr arbeiten

müssen, als sie eigentlich wollen. Die

Work-Life-Balance leidet erheblich – eine

belastende Situation. „Die Dienstplangestaltung

ist alles andere als verlässlich. Die

kurzfristigen Inanspruchnahmen von Ärzten,

die eigentlich dienstfrei haben, nehmen überhand“,

erklärt Rudolf Henke, 1. Vorsitzender

des Marburger Bunds. „Wenn etwa die Hälfte

der Ärzte immer wieder bis zu zwei Mal im

Monat zu solchen außerplanmäßigen Einsätzen

gerufen wird, bleibt von den freien Wochenenden

nicht mehr viel übrig.“

34


health@work 06/2017

Gesundheitsrisiko Pflegejob

Schwierige Arbeitsbedingungen betreffen

jedoch nicht nur Ärzte, sondern auch

Beschäftigte in der Pflege. Laut dem Gesundheitsatlas

2017 des Dachverbands der

Betriebskrankenkassen (BKK) verbuchten

Beschäftigte in Pflege- und Altenheimen

rund 24 Fehltage im Jahr 2015 – der Schnitt

aller Berufsfelder lag bei 16 Fehltagen. Damit

sind Pflegeberufe Spitzenreiter in Sachen

Fehltage.

Die Zahlen spiegeln sich auch in der subjektiven

Einschätzung der Pflegebeschäftigten

zur eigenen Gesundheit wider. Die

im Rahmen der BKK-Studie durchgeführte

Befragung zeigt, dass Pflegende ihre eigene

Arbeitsfähigkeit als mäßig bis schlecht

einschätzen. Mehr als ein Drittel ist besorgt,

ob die Ausübung des eigenen Berufs in zwei

Jahren noch möglich ist. Grund hierfür ist laut

Studie die ungewöhnlich intensive Kombination

aus psychischer und physischer Belastung.

Betriebliche Gesundheitsförderung als möglicher

Ausweg

Die Autoren der BKK-Studie betonen, dass

betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) die

Situation der Beschäftigten im Gesundheitswesen

verbessern könnte. Neun von zehn

Befragten finden Gesundheitsförderung am

Arbeitsplatz wichtig oder sehr wichtig. Rund

80 Prozent der Pflegebeschäftigten, die in

einem Betrieb arbeiten, der BGF anbietet,

nehmen diese Angebote auch in Anspruch.

Allerdings arbeitet nicht mal die Hälfte in

solch einem Betrieb. Dort, wo es keine BGF-

Maßnahmen gibt, ist auch der Anteil Beschäftigter

mit Zweifeln an der langfristigen

Arbeitsfähigkeit deutlich höher.

„Die Herausforderung bei betrieblicher Gesundheitsförderung

im Gesundheitswesen

Umfrage: Vorhandensein von und Teilnahme

an betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)

56,2 %

Kein

BGF-Angebot

vorhanden

Quelle: BKK Dachverband

ist, sinnvolle Angebote bereitzustellen und

zwar so, dass sie für alle Mitarbeiter nutzbar

sind“, sagt Natalie Schult, Leiterin Personalmanagement

bei der Schön Klinik.

BGM für Schichtarbeiter

43,8 %

BGF-Angebot

vorhanden

Die Schön Klinik beschäftigt rund 10.000 Mitarbeiter

an 23 Standorten bundesweit. Seit

2006 gibt es ein Betriebliches Gesundheitsmanagement,

das in den unterschiedlichen

Standorten umgesetzt wird. Hierzu gehören

zum Beispiel BGF-Angebote wie Ernährungskurse,

Stressprävention, Rückenfit- und

Yoga-Kurse, aber auch Schulungen für Führungskräfte.

In Krankenhäusern wird, wie in vielen anderen

Bereichen des Gesundheitswesens

auch, im Schichtsystem gearbeitet. „Um die

61,3 %

38,7 %

Teilnahme

Keine

Teilnahme

35


KULTUR

Kränkelnd heilen

Die Herausforderung bei

betrieblicher Gesundheitsförderung

im Gesundheitswesen

ist es, sinnvolle

Angebote bereitzustellen

und zwar so, dass sie für

alle Mitarbeiter wirklich

nutzbar sind.

Natalie Schult,

Leiterin Personalmanagement

bei der Schön Klinik,

Prien am Chiemsee

Mitarbeiter zu motivieren, die Angebote auch

wirklich zu nutzen, legen wir die Termine für

Kurse immer möglichst an den Beginn oder

das Ende einer Schicht“, erklärt Schult. Eben

weil in Gesundheitsberufen klassischerweise

rund um die Uhr gearbeitet wird, gibt es an

vielen Standorten auch eine erweiterte Kinderbetreuung.

Gespräche gegen Belastung

Neben der körperlichen Belastung, die vor

allem bei Pflegebeschäftigten durch die Lagerung

und das Tragen von Patienten entsteht,

ist die Arbeit in einer Klinik auch für die

Psyche eine Herausforderung. „Sterbefälle

oder schwere Krankheitsverläufe, vor allem

wenn es um Kinder geht, sind für medizinisches

Personal emotional belastend“, erläutert

Schult. „Besonders hart ist es, wenn ein

ärztlicher Fehler passiert ist – das Sprichwort

stimmt: Ärzte sind auch nur Menschen und

Menschen machen Fehler.“

Bei kritischen Vorfällen besteht für Mitarbeiter

der Schön Klinik die Möglichkeit, auf psychologische

Unterstützung zurückzugreifen.

„Es ist für die Betroffenen entlastend, noch

einmal detailliert durchzusprechen, warum

welche Entscheidungen gefällt wurden und

mit welcher Konsequenz“, sagt Schult.

Verbundprojekt für Prävention

Ein systematisches BGM, wie es in den

Schön Kliniken umgesetzt wird, fehlt in den

meisten Krankhäusern. Dabei würden gerade

die Mitarbeiter dieses Berufsfelds davon

profitieren. Wie sich die seelische Gesundheit

von Beschäftigten unterstützen lässt,

untersucht der Forschungsverbund „Seelische

Gesundheit am Arbeitsplatz“, der auch

vom Bundesministerium für Bildung und Forschung

gefördert wird.

Im Rahmen des Projekts sollen die Strukturen

im Krankenhauswesen analysiert und

aus den Ergebnissen verhaltens- und verhältnispräventive

Maßnahmen speziell für Beschäftigte

in Krankenhäusern abgeleitet werden.

„Außerdem wollen wir die Ergebnisse

und Erfahrungen aus diesem Verbundprojekt

auch auf gesundheitspolitischer Ebene diskutieren

und möglichst Veränderungen erreichen“,

sagt informiert Professor Dr. Harald

Gündel, Verbundprojektleiter und Ärztlicher

Direktor der Ulmer Uniklinik für Psychosomatische

Medizin und Psychotherapie.

Denn einig sind sich die Beschäftigten im Gesundheitswesen

in diesem Punkt: Gesundheitsarbeiter

brauchen vor allem gesunde

Rahmenbedingungen. jbr

36


Gesundheit · Prävention · Gesundheitsmanagement

www.messekongress-bgm.de

KONGRESS & MESSE

für das betriebliche Gesundheitsmanagement

27. & 28. Februar 2018

Postbahnhof am Ostbahnhof · Straße der Pariser Kommune 8 · 10243 Berlin

täglich 9.30 bis 16.30 Uhr

Fachvorträge · Gehwettbewerb · Wellness-Lounge

37


KULTUR

Aus alt mach bio

maßnahmen

Gutes Essen, am liebsten in Bio-Qualität: Das

war das Ziel der Geschäftsleitung der St. Josef

Krankenhaus GmbH Moers. Es sollte moderner,

besser und wirtschaftlicher werden

und den Patienten und Mitarbeitern richtig gut

schmecken. Daher hat sich das Krankenhaus

entschieden, auf Bio-Catering zu setzen.

Das Thema Catering ist ein enorm wichtiger

Aspekt, damit sich Patienten und Mitarbeiter in

Krankenhäusern wohl fühlen. Mithilfe des Catering-Anbieters

Rebional wurde für den Neubau

der Krankenhausküche im St. Josef Krankenhaus

ein komplett neues Küchen-Konzept

umgesetzt, welches zwar die Technik und das

Prinzip, jedoch nicht die Mitarbeiter der Küche

austauschen würde.

Kochen neu lernen

Die Mitarbeiter sind geblieben und Räume wurden

extra neu gebaut: Die gesamte Technik, die

Art und Weise zu kochen, die Lieferanten, die

Speisenfolge, Speisenerfassung und das Transportsystem

wurden komplett umstrukturiert.

Verantwortlich ist der Rebional-Gastronomie-

Betriebsleiter Markus Schmidt. Er führt die

Küche im Sinne des neuen Bio-Konzepts. Seine

tägliche Präsenz vor Ort hat dafür gesorgt,

dass die Mitarbeiter das neue, frische Kochen

nicht nur lernen, sondern auch verinnerlichen.

Das gesamte Küchenmanagement, der Einkauf

und viele interne Abläufe wurden unter die

Lupe genommen und bestmöglich optimiert.

Herausforderung: regional und bio

Bio bedeutet zu produzieren, ohne Ressourcen,

Ökosysteme und Umwelt unnötig zu belasten.

So wurden beispielsweise neue Lieferanten

aus der Region gesucht. Die ortsansässige

Bäckerei liefert frisch und auf kurzen Wegen.

Auch die Bio-Kartoffeln kommen direkt aus der

38


health@work 06/2017

Region. Auch hier konnte Rebional mit Erfahrung

und Kontakten helfen. Die Moerser Klinik-

Küche ist nun biozertifiziert und verarbeitet folgende

Lebensmittel aus biologischem Anbau:

• Gewürze

• Reis, Mehl, Stärke, Kartoffeln,

Schmelzflocken, Zwieback, Müsli,

Nudeln, Hülsenfrüchte

• Milchprodukte

• Obst und Gemüse

Alles auf frisch

Es wird nach dem Cook-and-Serve-System

frisch gekocht, Tütenprodukte sind aus den Lagern

verschwunden. So werden zum Beispiel

Soßen und Brühen selbst angesetzt und Desserts

eigenhändig zubereitet. Convenience-

Produkte kommen nur bis Stufe zwei von

fünf zum Einsatz: das beinhaltet ungewürzte,

kochfertige aber nicht gegarte Lebensmittel.

Gemüse, Salat und Obst werden täglich frisch

geputzt, geschnitten und verarbeitet.

Bio bedeutet

zu produzieren, ohne

Ressourcen, Ökosysteme

und Umwelt unnötig

zu belasten.

Markus Schmidt,

Gastronomie-Betriebsleiter

Rebional, Moers

Speisepläne neu gedacht

Die Regelleistung in der Klinik Moers umfasst

drei Menüs, die im Siebenwochenrhythmus

wechseln. Es gibt Vollkost, leichte Vollkost und

Vegetarisches. Für Wahlleistungspatienten stehen

zusätzlich zum Regelleistungsangebot fünf

weitere Menüs zur Auswahl. Außerdem gibt

es einen Kostformkatalog, bei dem ganz genau

auf die vom Arzt verschriebenen Bedürfnisse

der Patienten eingegangen wird. Spezielle Diäten,

Unverträglichkeiten aber auch persönliche

Wünsche werden von der Küche berücksichtigt.

Möglich ist dies durch ein neu eingeführtes

Speisenerfassungssystem. Insgesamt vier

Menü-Assistentinnen durchlaufen täglich alle

Stationen und geben die unterschiedlichen

Essensanforderungen eines jeden Patienten

ins System ein. Der persönliche Kontakt, die

freundliche Zuwendung und die Rücksichtname

auf bestimmte Essanforderungen sorgen

für zufriedene Patienten.

Portionierzeit gut getimt

Eine weitere Veränderung betrifft die Speisenverteilung:

das Geschirr, das Transportsystem

und eine andere Portionierzeit sorgen für perfekt

temperierte Mittagessen sowie schmackhaftes

Frühstück und Abendbrot.

Die Teller mit Brot, Käse, Butter und Wurst für

das Abendessen werden erst um 16:00 Uhr

vorbereitet anstatt wie früher schon mittags.

Gut isolierte Transportwagen ohne Elektronik

haben je eine kalte und eine warme Seite: Das

hoch erhitzte Geschirr mit Wachskerntellern

hält das Essen auf Temperatur bis es bei den

Patienten ist. Kältespeicherplatten sorgen dafür,

dass die kalten Gerichte und Lebensmittel

auch kalt bleiben. So kommt zum Beispiel der

Aufschnitt immer frisch an, rollt sich nicht an

den Rändern hoch – so bleibt das Essen ansehnlich

und schmackhaft. jbr

39


KULTUR

Geärgert

Konfliktkosten – ein Begriff, der sich aus zwei

unerfreulichen Wörtern zusammensetzt. Vielleicht

werden sie deshalb gemieden. Sicher

ist, dass deutsche Unternehmen die intensive

Beschäftigung mit dem Thema scheuen. Wer

gibt schon gerne zu, dass es Konflikte gibt?

Und wer braucht eigentlich noch weitere Kostenarten?

Indes wären Transparenz und die

richtige Einordnung ratsam, möglicherweise

sogar gewinnmaximierend. An der Hochschule

Fresenius beschäftigten sich gleich

zwei Antrittsvorlesungen im Fachbereich

Wirtschaft & Medien mit der Problematik

und entsprechenden Lösungsansätzen. Konfliktkosten

von deutlich mehr als 10.000 Euro

sind laut Prof. Dr. Karsten Munscheck keine

Seltenheit. Bei Großkonzernen können diese

auf zweistellige Millionenbeträge anwachsen,

ohne dass es die Beteiligten überhaupt merken.

hwa

Weitere Infos: www.hs-fresenius.de

markt

Gespalten

Unternehmen haben soziale Netzwerke für

sich entdeckt – und laden den Beschäftigten

damit oft eine zusätzliche Belastung auf. Das

zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte

Studie. Ein bisschen wie Facebook sein,

das wünschen sich manche Chefs für ihre

Firma. Die Idee: Mitarbeiter sollen über eine

gemeinsame Plattform einfacher in Kontakt

kommen, Ideen austauschen, Projekte bearbeiten.

Die Studienautoren untersuchten, was

die sogenannte „Social Collaboration“ für die

Beschäftigten bedeutet. Das Ergebnis: Die Belegschaft

ist in der Social-Media-Frage gespalten.

Für manche erweis sich Social Media als

das passende Werkzeug, um sich mit Kollegen

zu vernetzen. Viele empfinden diese Form der

Kommunikation allerdings als Belastung und

fühlen sich nicht gut genug vorbereitet. hwa

Weitere Infos: www.boeckler.de

40


health@work 06/2017

Gestresst

Leistungsdruck am Arbeitsplatz, private Verpflichtungen,

hohe eigene Ansprüche und

ständige Erreichbarkeit: Mehr als die Hälfte

der Erwachsenen in Deutschland fühlt sich

gestresst. Damit steigt das Risiko für psychische

Erkrankungen. Führende Psychiater

haben auf dem DGPPN Kongress in Berlin Risikofaktoren

in den Vordergrund gerückt, die

mit modernen Lebensumständen verbunden

sind. Sie fordern, diese noch stärker zu erforschen

und daraus neue präventive und therapeutische

Konzepte zu entwickeln. Stress ist

nicht grundsätzlich negativ. Ein bestimmtes

Stressniveau hilft sogar, Herausforderungen

und Belastungssituationen zu meistern. Ständiger

Stress ist allerdings ein Risikofaktor, der

zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen

und zu körperlichen Krankheiten wie Tinnitus

oder Bluthochdruck führen kann. hwa

Weitere Infos: www.dgppn.de

Gewinnen

Der „Digital Health Wettbewerb“ der Barmer

ist im November gestartet. Start-ups, Gründer

und junge Unternehmen sind noch bis zum 22.

Januar 2018 aufgerufen, sich zu beteiligen. Gesucht

werden digitale Lösungen zur nachhaltigen

Gesundheitsförderung. Dabei spielt es

keine Rolle, ob zum Beispiel die Themen gesunde

Ernährung, Bewegungsförderung oder

die Förderung der Gesundheitskompetenz

im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass die

Nutzer jeweils dort angesprochen werden, wo

sie leben und sich aufhalten. „Die Digitalisierung

hat das Potenzial, das Gesundheitswesen

nicht nur weiter zu entwickeln, sondern zu revolutionieren.

Beim Thema Prävention sehen

wir einen wachsenden Bedarf. Wir erhoffen

uns daher viele kluge und spannende Lösungen

der Wettbewerbsteilnehmer, die die Prävention

im Alltag deutlich erleichtern“, betonte

Dr. Mani Rafii, Schirmherr des Wettbewerbs.

Barmer begleitet die besten Lösungen auf

dem Weg zur Marktreife. Der Gesundheitsmarkt

sei für Außenstehende sehr undurchsichtig.

Es gebe viele Hürden und gesetzliche

Auflagen. Ziel des Wettbewerbs sei es daher,

die Gewinner fit für die Gesetzliche Krankenversicherung

zu machen. Ausgewählt werden

drei digitale Lösungen, die dann auf dem Weg

in den Gesundheitsmarkt unterstützt werden.

Dazu gehören ein strukturierter Austausch und

ein Coaching mit Experten zur Umsetzungsund

Entwicklungsmöglichkeit der Produkte.

„Eine interne Barmer-Jury wird zunächst alle

Bewerbungen bewerten und entscheiden,

welche acht Vorschläge zur Vorstellung eingeladen

werden. Unter diesen acht wird die Jury

die drei Gewinner ermitteln“, so Rafii. hwa

Weitere Infos: www.barmer.de

41


FÜHRUNG I VERHALTEN I SYSTEME I KULTUR

JANUAR

Mo Di Mi Do Fr Sa So

01 02 03 04 05 06 07

08 09 10 11 12 13 14

15 16 17 18 19 20 21

22 23 24 25 26 27 28

29 30 31

FEBRUAR

Mo Di Mi Do Fr Sa So

01 02 03 04

05 06 07 08 09 10 11

12 13 14 15 16 17 18

19 20 21 22 23 24 25

26 27 28

Die Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz

beschäftigt

sich vor allem mit den Entwicklungen

in der Chancengleichheit.

Unter dem Motto „Gesundheit

für alle – neue Erkenntnisse zur

Chancengerechtigkeit“ lädt die Gesundheitsförderung

Schweiz gemeinsam

mit dem Bundesamt für

Gesundheit am 18. Januar 2018

Interessierte in die Eventfabrik

nach Bern. In zahlreichen Workshops

und Vorträgen können die

Besucher einen Überblick über die

Möglichkeiten der Förderung von

gesundheitlicher Chancengerechtigkeit

bekommen.

Informationen und Anmeldung:

www.konferenz.gesundheitsfoerderung.ch

In der modernen Welt wird es immer

schwieriger, sich eine Identität

aufzubauen. Auch über den Beruf

identifizieren sich Menschen immer

seltener. Bei der Changetagung

in Basel dreht sich alles

darum, wie neue Konzepte für

Identität, Zusammenarbeit und

Führung aussehen können. Außerdem

soll am 25. und 26. Januar

2018 erarbeitet werden, wie Identität

in der modernen Arbeitswelt

aufgebaut werden kann und wie

wichtig sie auch in der heutigen

Zeit für die Persönlichkeit ist.

Informationen und Tickets unter:

www.changetagung.ch

Die Risiken und Chancen der Arbeit

4.0 stehen im Mittelpunkt der

Veranstaltung Forum protecT in

Potsdam. Nach einer erfolgreichen

Auftaktveranstaltung in Bamberg

werden am 20. und 21. Februar

2018 Assistenzsysteme vorgestellt,

in Workshops über Cybersecurity

diskutiert und bei Vorträgen

Innovationen für den Arbeitsschutz

vorgestellt. Ein besonderes Augenmerkt

wird hier auf die Auswirkungen

der Digitalisierung und neuen

Technologien auf die Sicherheit

und Gesundheit von Arbeitnehmern

gelegt.

Informationen und Anmeldung:

forum-protect.de

Am 22. und 23. Februar 2018

finden sich Fachkräfte, Professionals

sowie Interessierte aus

dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement

in München zum 5.

Jahresforum Betriebliches Gesundheitsmanagement

zusammen.

In Vorträgen, Workshops und

Diskussionen werden aktuelle Themen

im BGM von der Digitalisierung

über Resilienz sowie Betriebliche

Wiedereingliederung bis hin

zu New Work und Vertrauenskultur

behandelt. Teilnehmer können sich

mit BGM Preisträgern, Praxis-Profis

und Top-Wissenschaftlern über

die neuesten Entwicklungen austauschen.

Informationen und Anmeldung:

www.management-forum.de

42


health@work 06/2017

MÄRZ

Mo Di Mi Do Fr Sa So

01 02 03 04

05 06 07 08 09 10 11

12 13 14 15 16 17 18

19 20 21 22 23 24 25

26 27 28 29 30 31

Mit Digitalisierung, Globalisierung

und Individualisierung geht eine

große Umstrukturierung unserer

Arbeitswelt einher. Mit den aktuellen

Entwicklungen im BGM,

Erfahrungen und Best-Case-

Modellen beschäftigen sich die

Referenten bei der 8. Tagung

Corporate Health. Vom 26. bis

27. Februar 2018 sind BGM-

Fachkräfte eingeladen, sich untereinander

über neue Maßnahmen

und Studien auszutauschen und

Vorträgen unter anderem von der

TU München oder der Fraport AG

beizuwohnen.

Informationen und Anmeldung:

www.humanresourcesmanager.de

Die Veranstaltung Gesund im Unternehmen

ist Kongress und Messe

in einem und zeigt die aktuellen

Weichenstellungen im Betrieblichen

Gesundheitsmanagement. Die Messe

vom 27. bis 28. Februar 2018

soll eine Plattform sein, auf der sich

Unternehmen mit Anbietern von gesundheitsfördernden

Maßnahmen,

gesundheitsorientierter Büroausstattung

oder EDV-Lösungen austauschen

können. Außerdem haben

alle Besucher die Möglichkeit, sich

über Schritte und Maßnahmen im

Betrieblichen Gesundheitsmanagement

zu informieren.

Informationen und Anmeldung:

www.messekongress-bgm.de

Die Jahreskonferenz WAI-Netzwerk

wendet sich in diesem Jahr

insbesondere an Personaler, Führungskräfte

und Mitarbeitervertreter,

die sich und ihr Unternehmen

auf die zahlreichen Veränderungen

der Zukunft vorbereiten möchten.

Teilnehmer haben die Wahl, am 6.

und 7. März 2018 nur an der Tagung

teilzunehmen oder anschließend

noch ein Seminar zu besuchen. Bei

diesem Seminar werden die angesprochenen

Themen noch vertieft

und Einblicke in die gegenwärtige

Forschung und in mögliche neue

Handlungsstrategien gegeben.

Informationen und Anmeldung:

www.arbeitsfaehig.com

Im Rahmen der Tiroler Frühlingsmesse

findet in diesem Jahr bereits

zum vierten Mal die Feel

Good – Messe für Bewegung,

Ernährung und mentale Gesundheit

statt. Hier erhalten Besucher

aktuelle Informationen über

Gesundheit und Prävention. Vom

8. bis 11. März 2018 können sie

sich außerdem direkt vor Ort einem

Gesundheitscheck unterziehen,

auf der Messe mit Anbietern

verschiedener gesundheitsfördernder

Maßnahmen in Kontakt treten

oder in Workshops und Vorträgen

über neueste Studienergebnisse

informiert werden.

Informationen unter:

www.feelgood-messe.at

43


FÜHRUNG I VERHALTEN I SYSTEME I KULTUR

Gesunde Vorsätze

Neues Jahr, neues Glück – für viele ist der

Jahreswechsel Anlass, um die vergangenen

Monate zu rekapitulieren. Was ist gut gelaufen,

was nicht so gut? Wo besteht Verbesserungsbedarf?

Und nicht selten münden diese

Überlegungen in Vorsätzen, die fürs neue Jahr

gefasst werden. Einer der beliebtesten Vorsätze:

gesünder leben. Viele Menschen nehmen

sich vor, im neuen Jahr mehr Sport zu treiben,

häufiger Obst statt Kuchen zu naschen oder

Laster wie Zigaretten oder das Feierabendbier

aufzugeben. Auch Unternehmen können sich

Gesundheit zum Vorsatz nehmen: Mehr investieren

in ein Betriebliches Gesundheitsmanagement

oder für eine gesunde Unternehmenskultur

sorgen.

In health@work werden wir auch weiterhin von

Unternehmen berichten, die ihre gesunden Vorsätze

in die Tat umgesetzt haben.

Neue Serie: Besseres Ich

Apropos Vorsätze: Im nächsten Jahr wird sich

health@work in einer Artikelserie dem Themenschwerpunkt

„Selbstoptimierung“ widmen. Immer

mehr Menschen befinden sich auf der Suche nach

einem besseren Ich. Digital Devices machen es

leicht, sich selbst zu kontrollieren und zu optimieren:

hin zu vollwertiger Ernährung, mehr Fitness, weniger

Stress und einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.

Zu diesem Thema ist Ihre Meinung gefragt: Was tun

Sie, um sich selbst zu optimieren? Arbeiten Sie in einem

Unternehmen, das Konzepte bereithält, die Mitarbeiter

dabei unterstützen? Und wo verläuft Ihrer

Meinung nach die Grenze zwischen gesundheitsbewusstem

Verhalten und Optimierungswahn? Schreiben

Sie uns Vorschläge, Ideen und Meinungen an:

verlag@healthatwork-online.de.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und wünschen

Ihnen ein gesundes neues Jahr!

Ihr health@work-Team

44


health@work MARKTPLATZ

health@work MARKTPLATZ

Kontakt und Anzeigenverkauf:

verlag@healthatwork-online.de · Tel.: 040 85 40 06 43

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FÜHRUNG I VERHALTEN I SYSTEME I KULTUR

Die nächste Ausgabe

erscheint am

20. Februar 2018

Herausgeber und Verlag:

GLC Glücksburg Consulting AG,

Albert-Einstein-Ring 5,

22761 Hamburg,

Tel.: 040/ 85 40 06 0,

Fax: 040/ 85 40 06 58,

info@glc-group.com,

www.glc-group.com

Redaktion:

Joachim Gutmann (jg),

Julia Brandt (jbr),

Edith Brasche,

Kristin Bußmann (kbu),

Heiner Walberg (hwa),

Oliver Walle, Kristin Hunsicker,

Phillipe Bopp

Satz und Gestaltung:

Medienfactory, Peter Kanzler,

Gudrun Haberkern,

kanzler@medienfactory.de,

www.medienfactory.de

Fotos:

Titel: iStockphoto.com/Choreograph

Innen: Heider Fotografie, Nescure, Ralf Bauer,

iStockphoto.com: Halfpoint, gilaxia, Jirsak, AzmanJaka,

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Kristin Bußmann

Betriebliches

Gesundheitsmanagement

jetzt anmelden!

2018

5. Jahresforum

am 22./23. Februar 2018 in München

www.management-forum.de/bgm


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Wir möchten uns bei allen Lesern,

Kunden und Mitwirkenden dafür bedanken,

dass sie health@work die Treue halten.

Ihnen allen ein frohes und gesundes neues Jahr!

Ihr health@work-Team


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Arbeiten und mobiles Lernen: Vielfältige Veränderungen erfordern eine Neuausrichtung der

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