Stahlreport 2017.07

markushuneke

72. Jahrgang | Juli/August 2017

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

7/8|17

Läuft rund – die deutsche Stahlkonjunktur


Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Dipl.-Ing. Jochen Adams

Dr. rer. nat. Peter Drodten

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Bundesverband Deutscher Stahlhandel

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Läuft rund –

die deutsche Stahlkonjunktur

EDITORIAL

INHALT

Liebe Leserinnen und Leser,

nicht nur die Seilbahn auf der IGA in Berlin

(S. 64f) – auch die deutsche Stahlkonjunktur läuft

rund. Die wichtigsten stahlverarbeitenden Industriezweige

sind gut beschäftigt. Allen voran die

Bauwirtschaft freut sich über Auftragseingänge, wie

sie seit den Jahren der deutschen Wiedervereinigung

nicht mehr erlebt wurden. Hiervon profitiert auch die Stahldistribution.

Dass dies auch, zugegebenermaßen in etwas geringerem Maße,

schon im Jahr 2016 der Fall gewesen ist, verdeutlicht die Analyse des

Lagerabsatzes samt Abnehmergruppen, die wir alljährlich im Sommer

für Sie aufbereiten (S. 32ff). Auch in diesem Jahr ist die Mengenentwicklung

bei den meisten Produkten bisher positiv verlaufen. Dies

zeigen die neuesten Zahlen aus dem Bereich Research (S. 44f).

Auch die Resultate des 19. Jahrgangs des in Kooperation mit WGM

und VDM durchgeführten BDS- Fernstudiums waren größtenteils sehr

ordentlich. Die Ergebnisse der Abschlussprüfungen in Karlsruhe zeigten,

dass sich dieses meist dreijährige Engagement zusätzlich zu den

beruflichen und vielleicht auch privaten Belastungen lohnt. Besonders

erfreulich waren einige Leistungen von Studierenden, die sich

im Laufe des Studiums nicht immer leichtgetan haben, auf der Zielgeraden

dann aber zu Hochform auflaufen konnten. Weiterhin in Topform

präsentiert sich das verbandliche Studienangebot selbst. 29 neue

und motivierte Studenten konnten Anfang Juli zum Auftaktseminar

in Soltau begrüßt werden. Ab diesem Jahrgang ändert sich im Studienablauf

einiges. Das Angebot ist nun digital (S. 52f).

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Und

das ist selbstverständlich auch beim Stahlhandelstag, der Ende

September in Darmstadt stattfinden wird, der Fall. Im Vorfeld dieses

Branchenevents hat der Stahlreport ein Interview mit einem der

Referenten der Veranstaltung, Dr. Heinz-Jürgen Büchner, geführt.

Schwerpunkt ist auch hier die robuste Stahlkonjunktur. Es werden

aber auch Risikofaktoren wie die unberechenbare Politik des US-Präsidenten

Trump und die noch unklaren Folgen des Brexit angeschnitten.

Diese und viele Themen mehr werden am 28. September diskutiert.

Bisher haben sich schon über 200 Gäste angemeldet, unter

ihnen selbstverständlich auch Herr Jürgen Almert, langjähriger BDS-

Gebietsvorstand Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie Darmstädter

Stahlhändler, der dem Stahlreport dankenswerter Weise für

eine Homestory zur Verfügung gestanden hat (S. 8ff).

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre und verbleiben mit

sommerlichen Grüßen

Jörg Feger

BDS-Bereichsleiter Research

PERSÖNLICHES

4 Kurznachrichten

STAHLHANDEL

6 Handelshof Bitterfeld – näher am Kunden

8 Hofmann-Rieg – Klassiker zwischen Rhein und Main

12 Schmobi – Stahl-Service-Center investiert in Bandsäge

STAHLVERARBEITUNG

14 Der Stahlbau im BIM-Prozess

STAHLPRODUKTION

16 Vallourec Deutschland –

neues Schrägwalzwerk eingeweiht

ANARBEITUNG & LOGISTIK

18 Behringer Hausmesse – Sägen, Trends und Technik

20 Remmert – Herausforderung Blechbearbeitung

MESSEN UND MÄRKTE

22 Schwerpunkt: Vorschau auf die EMO

Was Kasto in Hannover zeigt, Elektromobilität und

Industrie 4.0, Wälzschälen

26 Schwerpunkt: Konjunktur, u.a.

Gute Aussichten für die Stahlnachfrage

Interview mit IKB-Experte Dr. Heinz-Jürgen Büchner

BDS

32 Research: Abnehmergruppenanalyse 2016

44 Research: Absatzzahlen im Frühjahr 2017

46 Kommunikation: Vorschau auf den

Stahlhandelstag 2017

48 Berufsbildung: u.a. BDS-Fernstudium –

Abschlussprüfung und neuer Jahrgang

56 Recht: Antidumpingzölle

VERBÄNDE & POLITIK

58 Schwerpunkt: Bauwirtschaft

LIFESTEEL

64 Masse statt Klasse – Stahl auf der Internationalen

Gartenausstellung

66 Monströse Maschinen – die größten Bagger

Stahlreport 7/8|17

3


Persönliches

Kurznachrichten

Foto: Nordwest

Foto: thyssenkrupp

Annick vom Kolke

ist Mitglied der Geschäftsführung der G. Elsinghorst

Stahl und Technik GmbH in Bocholt und

begleitete jetzt 20 Auszubildende dieses Nordwest-Mitglieds

in die neue Zentrale dieser Verbundgruppe

in Dortmund. In Vorträgen erhielten

sie einen Einblick in die Arbeit des Einkaufsverbandes

– z.B. im Geschäftsfeld Stahl. Zusätzlich

dazu führten Nordwest-Auszubildende durch

den neuen, interaktiven Showroom (Foto) und

stellten die Bereiche Stahl, Werkstatt-, Industriebedarf

sowie Arbeitsschutz vor – Schwerpunkte

von Elsinghorst. „Verstehen sollten sie, dass ein

hochaktiver Verband, Themen wie beispielsweise

die Digitalisierung oder Optimierung der

Logistik leichter vorwärtstreiben kann, als ein

einzelnes Unternehmen. Ich war sehr begeistert

von der Aufmerksamkeit, die Nordwest unseren

Azubis zuteilwerden ließ. Es war ein gut durchdachtes

Programm, so dass alle erwähnten

Punkte erklärt wurden.“ So Annick vom Kolke

zum Schluss.

Andrea Nahles

hat den Besuch der Arbeitsminister der G20-

Staaten bei thyssenkrupp im Mai in Andernach

dazu genutzt, die Duale Berufsausbildung zu

loben. Sie genieße weltweit einen ausgezeichneten

Ruf, sagte die Bundesarbeitsministerin. „Sie

bietet jungen Leuten einen optimalen Start in

den Beruf, indem sie Theorie und Praxis direkt

zusammenbringt. Sie ist ein festes Fundament,

auf das man ein erfolgreiches Arbeitsleben aufbauen

kann. Das ist gerade vor dem Hintergrund

des steigenden Fachkräftebedarfs wichtig. Aber

auch, wenn es darum geht, Migrantinnen und

Migranten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu

eröffnen“, so Andrea Nahles (r.). Die Arbeitsmi-

nister der G20-Staaten waren im Vorfeld des

G20-Gipfels im Juli in Hamburg zu Rasselstein

nach Andernach gekommen, an den weltweit

größten Produktionsstandort für Verpackungsstahl.

In den letzten Jahren waren Fragen der

Berufsbildung zunehmend in den Fokus der 20

wichtigsten Industrieländer gerückt.

Dieter Babiel

tritt spätestens zum 1.11.17 die Nachfolge von

Michael Knipper an, der – nach über 21 Jahren

als Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes

der Deutschen Bauindustrie – in den Ruhestand

tritt. Das Präsidium des Hauptverbandes hatte

den gebürtigen Flensburger, Jahrgang 1960, im

Juni in Berlin im Rahmen des dortigen Branchentreffens

(vgl. Schwerpunkt in diesem Heft) als

neuen Hauptgeschäftsführer ernannt. Dieter

Babiel hatte nach Abschluss des Studiums in

Erziehungswissenschaften erste berufliche

Erfahrungen als Leiter Personalentwicklung und

Geschäftsführer eines Schulungszentrums bei

einer Versicherung in München gesammelt. Von

1992 bis 2001 arbeitete er als Leiter Personalentwicklung

der Würth-Gruppe. Seit 2001 war

Babiel in verschiedenen Funktionen für Saint-

Gobain tätig. Der neue Hauptgeschäftsführer

gehört zu den Gründern der Initiative „Deutschland

Baut!“, deren Ziel es ist, Image und Attraktivität

der Bauwirtschaft nachhaltig zu steigern.

Volker Seitz

hat in diesem Frühjahr die Position des Leiters

Marketing D-A-CH (Deutschland, Österreich,

Schweiz) bei Linde Material Handling übernommen.

In dieser Rolle steuert er Marketing, Produktmanagement

und die Linde-Akademie, das

nationale Schulungszentrum des Flurförderzeugherstellers

und logistischen Lösungsanbieters.

Seitz berichtet an

Marc Wehner, den

General Manager

Sales Central Europe.

Seitz ist gleichzeitig

neuer Turnierdirektor

des über die Branchengrenzen

hinaus

bekannten Stapler-

Cups mit seinen nationalen

und internationalen

Meisterschaften für Staplerfahrer und

Staplerfahrerinnen. Seit über 20 Jahren ist Volker

Seitz in der Nutzfahrzeug- und Logistikbranche

tätig. Der musikbegeisterte ehemalige Leistungssportler

und diplomierte Ingenieur der

Luft- und Raumfahrttechnik übernimmt die

Funktion von Emil Schneider, der sich Ende

Foto: Linde

2016 nach über drei Jahrzehnten prägendem

Tun für Linde Material Handling in den Ruhestand

verabschiedet hatte.

Reke Salievski

ist Geschäftsführer von STILL Danmark A/S und

in diesen Monaten Axel Heiberg besonders

dankbar, der im Mai 1957 – also vor 60 Jahren –

mit der Gründung der Axel Heiberg Aktiengesellschaft

den Grundstein für den Erfolg von Still in

Dänemark gelegt hatte. „Wir sorgen für ein reibungsloses

Zusammenspiel von Gabelstaplern

und Lagertechnik, Software, Dienstleistungen

und Service“, bringt Salievski das heutige Leistungsspektrum

der Landesgesellschaft mit Sitz

in der Hafenstadt Kolding auf den Punkt – nach

mehreren Umfirmierungen, Umzügen sowie

einer etablierten Zusammenarbeit mit den

schwedischen Kollegen. „Unser Konzept der

Zusammenarbeit beider Länder ist in unserer

Branche einzigartig. Unsere Kunden genießen

den großen Vorteil, dass sie überall die gleiche

Qualität und den gleichen Kundenservice

bekommen – ganz egal, wo in den beiden Ländern

sie sich befinden“, so Salievski.

Thomas Groß

ist designierter Vorsitzender der Bundesfachabteilung

(BFA) Wasserbau, die zur Beschleunigung

von Planungs- und

Genehmigungsverfahren

im Wasserstraßenbereich

beitragen und

der Kommentierung

von neuen technischen

und umweltrechtlichen

Vorschriften sowie der

Foto: Hauptverband der deutschen Bauindustrie

Nachwuchsgewinnung

dienen soll. (Vgl.

Bericht im Bau-

Schwerpunkt dieses Heftes) Der Diplom-Ingenieur

und Geschäftsführer der Huelskens Wasserbau

GmbH & Co. KG, Wesel, wurde in Berlin für

dieses Amt vorgeschlagen – von der Mitgliederversammlung

des Hauptverbandes der Deutschen

Bauindustrie. Die konstituierende Sitzung

der neuen BFA ist für den 18.9.17 geplant.

Holger Bingmann

soll am 26.9.17 neuer BGA-Präsident werden.

Das Präsidium des Bundesverbandes Großhandel,

Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hatte

den Medienunternehmer auf Vorschlag von Präsident

Anton F. Börner im Juni einstimmig für die

Wahl nominiert. Börner selbst steht nach 2017

an der Verbandsspitze nicht mehr zur Verfü-

4 Stahlreport 7/8|17


gung. Holger Bingmann ist Geschäftsführender

Gesellschafter der MELO-Group in München mit

Niederlassungen u.a. in Berlin, New York und

Dubai. Ehrenamtlich ist er seit 2015 Vizepräsident

des BGA-Landesverbandes Bayern und seit

2016 Mitglied des BGA-Präsidiums. Der 1961 in

Stuttgart geborene, promovierte Diplom-Kaufmann

ist verheiratet und hat vier Kinder. Nach

beruflichen Stationen bei der Daimler Benz AG

und als Geschäftsführender Gesellschafter bei

der Süddeutschen Zeitungszentrale hatte er

2001 die Geschäftsführung der MELO-Group

übernommen. Das besondere Interesse Bingmanns

gilt dem kulturellen und digitalen Wandel

in Unternehmen.

Foto: Bitkom

sprechen, den Branchenverband

der deutschen

Informationsund

Telekommunikationsbranche

mit ihren

in Deutschland zwei

Millionen Beschäftigten.

Ulrich Dietz und

Timotheus Höttges

wurden als Bitkom-

Vizepräsidenten bestätigt. Neu zum Vizepräsidenten

gewählt wurde Michael Kleinemeier.

Catharina van Delden rückt als neue Schatzmeisterin

in den Geschäftsführenden Vorstand

auf.

um die Qualität des Roheisens zu ermitteln.

Abseits des Arbeitsalltags am Hochofen eröffnete

sich die Möglichkeit, mit den Kollegen vor

Ort ins Gespräch zu kommen. Mahmut Özdemir

(l.) zeigte sich erfreut darüber, dass das Thema

Arbeitsschutz im Unternehmen einen derart

hohen Stellenwert genießt. Nach einer Schale

Pommes rot-weiß beim Mittagsimbiss auf dem

Werksgelände besuchte der SPD-Politiker dann

die Auszubildenden des Unternehmens an der

Werkbank im Metallbereich.

Günter Gebhardt

Foto: Industrieverband Feuerverzinken

Martin Kopf

ist neuer Präsident der European General Galvanizers

Association. Der geschäftsführende

Gesellschafter der Zinkpower-Kopf-Gruppe ist

der 23. Amtsinhaber und folgt auf den Briten

Jeremy Woolridge (l.). Die EGGA ist die europäische

Vereinigung der nationalen Verbände der

Stückverzinkungsindustrie und vertritt rund 600

Unternehmen in Europa, die mehr als 6 Mio. t

Stahl/Jahr feuerverzinken. Der Verband bündelt

die Interessen der Mitglieder gegenüber der

Politik auf EU-Ebene sowie in der Normungsarbeit

und koordiniert Marketingaktivitäten.

Zudem bietet die EGGA eine Plattform zum fachlichen

Austausch. Hierzu gehört auch der alle

drei Jahre stattfindende, weltgrößte Fachkongress

INTERGALVA, der 2018 in Berlin ausgerichtet

wird. Neben seiner Funktion als EGGA-

Präsident ist der 51-jährige Unternehmer Martin

Kopf (r.) auch im Industrieverband Feuerverzinken

als Sprecher des Vorstandes ehrenamtlich

eingebunden.

Achim Berg

ist neuer Präsident des Digitalverbands Bitkom.

Der 53-Jährige wurde im Juni auf der Jahrestagung

in Berlin einstimmig gewählt. Er folgt auf

Thorsten Dirks, der nicht erneut kandidiert

hatte. Berg wird in den kommenden zwei Jahren

für die mehr als 1.700 Mitglieder des Bundesverbands

Informationswirtschaft, Telekommunikation

und neue Medien e.V. (Bitkom)

Foto: thyssenkrupp

Stefan Haas

hat am 1.7.17 in der Albin Stapf GmbH & Co.

KG in Frankfurt/M. sein 25-jähriges Dienstjubiläum

gefeiert. In dem Handelshaus für Stahl,

Rohre, Sanitär und Haustechnik ist der Jubilar

Bereichsleiter Stahl, Rohre, Metalle.

Annette Gartner

ist per 1.7.17 zur weiteren Geschäftsführerin

der Cronimet Holding GmbH bestellt worden.

Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Karlsruhe

ist auf Edelstahlschrott, Ferrolegierungen und

Primärmetalle spezialisiert. Gartner ist seit

2006 für Cronimet tätig und war zuletzt für die

SAP-Einführung in der Gruppe zuständig. Die

Managerin wird in ihrer neuen Geschäftsführungsfunktion

für das Personalmanagement

sowie die Digitalisierung verantwortlich sein.

Mahmut Özdemir

hat seine Unternehmenstour mit dem Ziel, die

Berufe und Arbeitsabläufe der Duisburgerinnen

und Duisburger besser kennenzulernen, fortgesetzt:

Mit Schichtbeginn am Werkstor der thyssenkrupp

Steel Europe AG auf der Kaiser-Wilhelm-Straße

wurde der Duisburger

Bundestagsabgeordnete in die Geheimnisse

der Stahlproduktion eingeweiht. An der Gießbühne,

eingekleidet mit dem sogenannten „Silbermantel“,

führte er eine „Eisenprobe“ durch,

Foto: BDS

geht jetzt in den Ruhestand und wurde deshalb

kürzlich im BDS-Vorstandsrat, in dem er die

REMAG Stahl Distribution und Service GmbH

in Nürnberg lange vertreten hatte, von seinen

Kollegen verabschiedet. Die Urkunde dazu

überreichten als Vorsitzender des Vorstandsrates

Eberhard Frick (l., Geschäftsführender

Gesellschafter, Friedrich Kicherer GmbH & Co.

KG, Ellwangen) sowie als Stellvertretender

Vorsitzender dieses Gremiums Volker Schult (r.,

Vorsitzender des Vorstands, Salzgitter Mannesmann

Stahlhandel GmbH, Düsseldorf). Der so

Geehrte war im Vorstandsrat des Bundesverbands

Deutscher Stahlhandel (BDS) von 2004

bis 2017 stellvertretendes Mitglied für das

Gebiet Nordbayern.

Reiner Temme

ist neuer stellvertretender Vorsitzender von

bauforumstahl. Der Geschäftsführender Gesellschafter

der Temme Stahl- und Industriebau

GmbH hat dieses Amt von Dipl.-Ing. Ralf Luther

übernommen. Die Mitglieder und Geschäftsführung

von Bauforum Stahl dankten aus diesem

Anlass Ralf Luther für sein Engagement und

freuten sich, Reiner Temme im Vorstand begrüßen

zu können. „Mit seinem enormen Erfahrungsschatz

im Stahl- und Industriebau wird

Herr Temme den Vorstand von bauforumstahl

bereichern“, so Dr. Bernhard Hauke, Geschäftsführer

der Organisation. Außerdem neu in den

Vorstand gewählt wurden Dipl.-Ing. (FH) Thorsten

Pollok (Salzgitter Mannesmann Stahlhandel)

und Dr. Tobias Lehnert (DILLINGER).

Stahlreport 7/8|17

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Stahlhandel

Bericht

Fotos: Handelshof Bitterfeld

Mit seiner Stahlbevorratung in den drei Filialen in Bitterfeld, Leipzig und Halle a.d. Saale

bedient der Handelshof Bitterfeld vor allem die Baubranche, Metallverarbeiter, das SHK-Gewerbe

sowie Industriekunden.

Der Hauptstandort der Handelshof Bitterfeld GmbH

in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt

Handelshof Bitterfeld stärkt den Bereich Baustahl

Näher am Kunden

Den aktuellen Rückenwind aus der Baubranche spürt auch der Handelshof Bitterfeld. Das

Stahlhandels unternehmen hat darauf reagiert und schon im vergangenen Jahr den Bereich Baustahl

gestärkt. Einen ungewöhnlichen Weg hat der Handelshof Bitterfeld in Sachen Kundenbindung

eingeschlagen. Seitdem ist ein Baustein des Erfolgs, dass Kunden als Teilhaber wichtige

Entscheidungen mittreffen können.

Stahl hat Gewicht bei der Handelshof Bitterfeld

GmbH. Inklusive Biegereibetrieb macht die Stahlsparte

rund zwei Drittel des Geschäftsvolumens aus. Vor allem

der Bereich Baustahl ist in den letzten Jahren gewachsen

– der guten Konjunktur sei dank. Die Kapazität der

Biegerei am Standort in Bitterfeld wurde daher schon

vor zwei Jahren auf 2.000 t erweitert, die dort seitdem

pro Monat bearbeitet werden können.

Auch ländliche Gebiete fragen stärker nach

Zum aktuellen Nachfragehoch tragen vor allem die Großstädte

rund um Bitterfeld bei, Leipzig und Halle an der Saale.

Doch auch die eher ländlichen Gebiete rund um den Standort

werden Geschäftsführer Heiko Schnarr zufolge – zumindest

ein wenig – vom Bauboom wachgeküsst.

Die Konjunktur meint es derzeit also gut – Heiko

Schnarr zufolge auch im Stahl- und Metallbau. Eine

Ursache des Booms in der Baubranche sieht der

Geschäftsführer in der aktuellen Niedrigzins-Phase:

„Es fehlen die Anlagemöglichkeiten, daher wird mehr

Geld ausgegeben und investiert – zum Beispiel in Immobilien“,

analysiert Schnarr.

Doch so schön und gut eine Hochphase auch ist:

Jeder Boom wird irgendwann wieder zu Ende sein und

Risiken, wie volatile Preise, müssen immer im Blick

bleiben. „Auch wenn wir hoffen, dass das noch eine

Weile anhält, müssen wir uns darauf vorbereiten, dass

es irgendwann ein Ende hat. Aber dafür sind wir ja

schließlich Unternehmer“, sagt Heiko Schnarr.

Derzeit ist das aber noch kein Thema. Der Geschäftsführer

beobachtet eine aktivere Investitionsbereitschaft

nicht nur in der Baubranche. Auch in Industrie und

Gewerbe ziehen seiner Wahrnehmung nach Investitionen

an.

Stahlverarbeiter, SHK, Industrie

In Sachen Stahl ist der Handelshof Bitterfeld breit aufgestellt.

Neben Betonstahl umfasst das Produktsortiment auch

Walzstahlprodukte (Stabstahl, Träger, Formstahl, Bleche),

Rohre sowie nicht rostende Stähle und NE-Metalle.

Daneben hat das Unternehmen aber noch anderes

im Visier. Mit seinen insgesamt drei Filialen in Bitterfeld-Wolfen,

Leipzig und Halle an der Saale richtet sich

der Handelshof an Metallverarbeiter, Baubetriebe sowie

Unternehmen des SHK-Handwerks (Sanitär, Heizung,

Klima) und die Industrie. Organisatorisch untergliedert

in die Bereiche Stahl & Werkstoffe, Heizung & Sanitär

sowie Werkzeuge & Bauelemente ist es das Ziel, den

Kunden alles zu liefern, was diese für ihre tägliche

Arbeit benötigen.

6 Stahlreport 7/8|17


Anarbeitung voll im Trend: Unter anderem betreibt das Unterehmen am

Standort Bitterfeld eine kombinierte Autogen-/Plasmaschneid-Anlage

Teil der Partner-für-Technik-Gruppe

Übergeordnet gehört der Handelshof Bitterfeld als Franchise-Unternehmen

zur Partner-Für-Technik-Gruppe.

Die Gruppenzentrale, die Handelskontor Seevetal GmbH

in der Nähe Hamburgs, gibt ein unternehmerisches

Gesamtkonzept vor, das eigenständige Partner als Franchisenehmer

umsetzen. Es gibt das gemeinsame Auftreten,

das Marketing wird ebenso wie der Einkauf gruppenweit

organisiert.

Die Keimzelle der Gruppe liegt in der traditionsreichen

Rudolf Sievers GmbH & Co. KG, einem bereits 1831

bei Hamburg gegründeten Land- und Eisenhandel. Zu

Zeiten der Wende entstand zu Beginn der 1990er-Jahre

bei der Rudolf Sievers KG der Plan, im Baufachgroßhandel

tätige Unternehmen in den neuen Bundesländern

mit einem Franchise-Konzept für sich zu gewinnen. Profitieren

sollten die Partner von der strategischen Kompetenz

sowie der langjährigen Erfahrung der Rudolf Sievers

GmbH & Co. KG in der Branche. Mitte 1991 wurde

dann der Plan in die Tat umgesetzt und die Handelskontor

Seevetal GmbH gegründet.

Das Konzept ging auf: Die Gruppe „Partner für Technik“

ist heute mit acht eigenständigen Betrieben – unter

anderem in Riesa, Bautzen, Stendal, Cottbus und Bitterfeld-Wolfen

etabliert und erfolgreich im Markt aktiv.

Erweiterung der Anarbeitung voll im Trend

Vorteile bietet die Zugehörigkeit zur Gruppe nicht nur

bei Marketing und Einkauf. Auch bei Anarbeitungsdienstleistungen

können die einzelnen Unternehmen

und Standorte auf die Produktionsmittel der Gruppe

zugreifen. So werden größere Investitionen zunächst nur

an einem Standort getätigt. In Bitterfeld wird zum Beispiel

eine kombinierte Autogen-/Plasmaschneidanlage

für Bleche betrieben – ebenso wie eine Strahl- und Primeranlage

in Arneburg.

Die Anforderungen der Kunden gehen deutlich in Richtung

Anarbeitung. „Sehr viel mehr, als noch vor fünf Jahren“,

wie Heiko Schnarr berichtet. Auf dem Investitionsplan

der Gruppe steht deshalb auch ein Anarbeitungszentrum,

das zusätzlich mit einem Säge-Bohr-Zentrum

ausgestattet werden soll – der Baustart steht bevor.

Neben der Stahlsparte werden aber auch die anderen

Bereiche des Unternehmens nicht vernachlässigt.

So stehen die Eröffnung einer neuen Badausstellung und

die Vergrößerung des Lagers in Bitterfeld an.

Digital im Tempo der Kunden

Die Digitalisierung ist auch für den Handelshof Bitterfeld

ein Thema. Die technologische Entwicklung wird

wahrgenommen, Projekte – wo angebracht – aktiv umgesetzt.

Einen Webshop betreibt das Unternehmen seit vielen

Jahren, die interne Datenverarbeitung ist auf dem

neuesten Stand. „Oberste Priorität ist für uns, ob die

neuen Technologien und Ideen den Kunden auch nützen

und ob sie gewünscht sind. Was nützt es, großen

Aufwand zu betreiben für Projekte, die in der Praxis dann

nicht einsatztauglich sind – weil sie am Kunden vorbeigehen?“,

so Heiko Schnarr.

Kunden entscheiden mit

Der Kunde im Mittelpunkt – dieser Satz gehört für viele

Unternehmen zu den wichtigsten Leitmotiven. Vermutlich

einmalig in der Handelslandschaft ist der Weg, den

die Partner-Für-Technik-Gruppe in Sachen Kundenbindung

geht. Seit der Gründung sind Kunden in einer

„Beteiligungs-KG“ an den einzelnen Unternehmen der

Gruppe beteiligt. Als Anteilseigner haben Kunden ein

Mitspracherecht in wichtigen Fragen der Weiterentwicklung

des Unternehmens. Das wird genutzt: Etwa

200 Kunden sind aktuell an der Handelshoff Bitterfeld

GmbH beteiligt. 2

[ Kontakt ]

Handelshof Bitterfeld

GmbH

Partner für Technik

06749 Bitterfeld –

Wolfen

+49 3493 6081-0

www.pftbitterfeld.de

Stahlreport 7/8|17

7


Stahlhandel

Bericht

Hofmann-Rieg in Darmstadt

Hofmann-Rieg in Darmstadt

Ein Klassiker zwischen Rhein und Main

Stabstahl, Träger, Baueisen, Edelstahl, Aluminium – und eine Feuerschutztür, wenn der

Kunde sie braucht. Hofmann-Rieg in Darmstadt ist ein klassisches mittelständisches

Stahlhandelsunternehmen. Selfmade, regional, Vollsortimenter und Gesamtversorger – und

seit Jahrzehnten erfolgreich im Markt.

Foto: Hofmann-Rieg

Hofmann-Rieg:

Inhaber und

Geschäftsführer

Jürgen Almert

Vor Jahren hat ihm ein großer Wettbewerber

gesagt, dass es „kleine, regional aufgestellte Stahlhandlungen“

wie Hofmann-Rieg bald nicht mehr geben wird.

Jürgen Almert, Inhaber und Geschäftsführer der Hofmann-Rieg

GmbH, sitzt allerdings nach wie vor an seinem

Platz. Verschwunden vom Markt ist das Wettbewerbsunternehmen.

Die „kleinen, regional aufgestellten

Stahlhandlungen“ machen also etwas nachhaltig

richtig – sonst würden sie am Markt, trotz aller Unkenrufe,

nicht bestehen.

Kunden die Beschaffung erleichtern

Wer den Schlüssel des Erfolgs von Hofmann-Rieg sucht,

sollte sich zunächst das Produktsortiment des Darmstädter

Stahlhändlers ansehen: Von Stabstahl, Trägern

und Baueisen bis hin zu Edelstahl- und Aluminiumprodukten

bietet es seinen Kunden alles, was sie für ihr

tägliches Tun brauchen – just in time, aus einer Hand.

Für die Kunden – die in der Regel aus der Bauindustrie

und dem baunahen Gewerbe, aus dem Stahl- und

Metallbau, aber auch aus der Industrie kommen – sind

Zulieferer wie Hofmann-Rieg ein wichtiger, wenn nicht

elementarer Bestandteil ihrer Beschaffung.

Müssten Baubetriebe, Schlosser und Metallverarbeiter

jedes Teil auf ihrer Stückliste – oder auch nur für

jedes fünfte – anderswo einkaufen, würde die Beschaffung

deutlich mehr Ressourcen binden. Der „kleine,

regionale Stahlhandel“ trägt also nicht unwesentlich

zur Wettbewerbsfähigkeit seiner Kunden bei.

Komplexes Geschäft

Das Geschäftsmodell des regionalen Versorgers hat

allerdings einen Nachteil: Sein Image ist verhältnismäßig

„unsexy“. In Zeiten, in denen seriös diskutiert wird,

dass Produktionsmaschinen ihr benötigtes Material

künftig kurzerhand selbst ordern und Lieferprozesse

bald weitgehend automatisiert ablaufen könnten, scheint

das Geschäftsmodell „Proximity Business“ (sozusagen

um den Kirchturm herum) wenig aufregend.

Die Marktfunktion des regionalen Versorgers ist

tatsächlich schnell erklärt. Diese Einfachheit sollte aber

nicht mit der tatsächlichen Leistung verwechselt werden,

die sich dahinter verbirgt. Denn ein genauerer

Blick auf das Geschäft des regionalen Versorgers zeigt

schnell, wie komplex es in Wirklichkeit ist. Es geht um

ein sehr vielschichtiges Geschäft mit einer großen Produktvielfalt

und einer großen Kundenzahl, die zudem

noch sehr heterogen nachfragt. „Der Bauunternehmer

bekommt bei uns seinen Betonstahl, seine Matten, seine

Abstandshalter, sein verzinktes Bandeisen und seinen

Draht – wenn er den auch noch haben möchte. Er

bekommt, wenn er schlüsselfertig baut, seine Feuerschutztür

und sein Garagentor. Für Schlosser und Metallbauer

haben wir im Stabstahlbereich zum Beispiel weit

über 600 Positionen vorrätig“, erklärt Jürgen Almert.

Zum Leistungsspektrum gehören daneben Röhren

– bis hin zu gängigen Hohlprofilen –, Profilstahlträger,

Stabstahl, Bleche. Auch Edelstahlrohre und Aluminiumteile

bekommt der Kunde bei Hofmann-Rieg. Und

8 Stahlreport 7/8|17


Mit dem eigenen Fuhrpark liefert Hofmann-Rieg von heute auf

morgen, just in time.

AUS EDELSTAHL

geliefert wird mit dem eigenen Fuhrpark von heute auf

morgen.

Zu dieser Produktvielfalt gesellt sich eine Reihe von

Anarbeitungsdienstleistungen: Stahlbearbeitung nach

Kundenzeichnung, Bohren und Verzinkungen. Im Verbund

mit dem zugehörigen Unternehmen Rüsselsheimer

Stahlbiegerei (RSB GmbH), dem Biegebetrieb für

Baueisen, ist man zudem für Schweißarbeiten zertifiziert.

Bereich Flachstahl ausgebaut

Diese Produkt- und Dienstleistungsvielfalt muss gepflegt

und weiterentwickelt werden. Dazu gehört strategisches

Geschick, ein offenes Ohr für den Markt, ein gutes Mitarbeiterteam

und auch der Mut, eigene Entscheidungen

zu treffen.

Hofmann-Rieg hat in den letzten drei Jahren die beiden

Bereiche Edelstahl- und Flachprodukte stark ausgebaut.

„Speziell bei den Flachprodukten muss man

Geduld mitbringen, um sich am Markt zu halten. Da

haben wir einen langen Atem gehabt und sind nun im

dritten Jahr belohnt worden. Wir haben ein deutliches

Wachstum verzeichnen können“, sagt Jürgen Almert.

Um den Anforderungen der Kunden kontinuierlich

gerecht zu werden, kommt es als Lieferant darauf an,

sich immer wieder neu Kontur zu verleihen. Da zählen

auch scheinbare Kleinigkeiten. Ein Beispiel bei Hofmann-Rieg

ist das Sortiment im Profilbereich. Dort bietet

das Unternehmen mit Profilen bis zum 500 mm Größen,

die Geschäftsführer Jürgen Almert zufolge „kein

anderer in der Umgebung“ hat.

Investition in Hochregallager

Dem Unternehmen im Wettbewerb Kontur verleihen

ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf dem Radar

bleiben muss auch die eigene technische Ausstattung.

Hofmann-Rieg investiert aktuell in ein neues Hochregallager,

das im März 2018 in Betrieb gehen soll. Die

Biegerei wird mit neuen Maschinen und einer neuen q

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Stahlreport 7/8|17 9

NUR FÜR DEN FACHHANDEL


Stahlhandel

Bericht/Nachrichten

q Produktionsanlage ausgestattet. „Damit sind wir in der

Lagerlogistik für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre

gerüstet“ , erklärt Almert.

Zu den Investitionen des Darmstädter Stahlhandels

zählt auch ein Webshop, der derzeit aufgebaut wird.

Der Start ist für Ende 2017 geplant. „Die Digitalisierung

wird meiner Ansicht nach oft übertrieben dargestellt.

Man muss die Kirche im Dorf lassen. Dennoch

bin ich mir sicher, dass wir daran nicht mehr vorbeikommen“,

sagt Jürgen Almert.

Der größte Gewinn bei der Digitalisierung sind nach

Einschätzung des Geschäftsführers die kurzen bzw.

vermiedenen doppelten und dreifachen Wege, die sie

ermöglicht – sowohl bei der Kommunikation als auch

in der Logistik. „Das ist das Entscheidende. Wenn pro

Vorgang nicht mehr drei oder vier Gespräche notwendig

sind, um zum Beispiel erstmal den richtigen

Ansprechpartner zu erwischen, haben wir enorme Effizienzgewinne“,

so Almert.

Aber nicht alles an der Digitalisierung ist gut. Gegenwärtig

verschieben sich in der Wertschöpfungskette

Almert zufolge ganze Aufgabenfelder – zu Ungunsten

des Stahlhandels. „Die Industrie schafft es derzeit durch

die Digitalisierung, Dinge, die sie eigentlich selbst betreffen,

an den Stahlhandel zu verlagern – beispielsweise

bei der Qualitätssicherung. Das wird nicht vergütet und

das ist ein Problem“, so Almert. Auch aus der Haftung

ziehe die Industrie vermehrt heraus.

Starke Geschichte

Die Ursprünge der Hofmann-Rieg GmbH liegen in der

Eisen-Hofmann Rüsselsheim GmbH und der Rieg-Stahlhandel

GmbH, die Jürgen Almert 1994 zusammengeführt

hat. Ein Risiko, denn nicht nur war das neue Unternehmen

zum Start mit einem deutlichen Minusbetrag

ausgestattet, sondern wurde von Jürgen Almert in vergleichsweise

jungen Jahren übernommen. Nach seiner

Ausbildung bei der Eisen-Hofmann GmbH in Rüsselsheim

hatte er dort bereits als Prokurist den Vertrieb geleitet.

Doch die Risikobereitschaft zahlte sich schnell aus.

Bereits im Folgejahr konnte der frisch gebackene

Geschäftsführer mit seiner jungen Mannschaft den

neuen Betrieb in positive Zahlen führen – ohne dabei

das Minus per Verlustvortrag ins nächste Jahr mitzunehmen.

„Wir haben damals wirklich mit einer sehr

jungen Mannschaft angefangen. Die alten Hasen konnten

wir uns einfach nicht leisten. Das war oft eine schwierige,

aber auch dankbare Zeit. Wir haben ja alles mit

den eigenen Leuten gemacht“, erzählt Almert.

Für Hofmann-Rieg zahlt sich dieser Selfmade-Start

noch heute aus. Die Mitstreiter von damals sind zu großen

Teilen noch im Unternehmen tätig, es besteht eine

hohe Bindung an das Unternehmen. Ein Resulat dieses

Werdegangs ist auch, dass Jürgen Almert konsequent

auf den eigenen Nachwuchs im Unternehmen setzt.

Rund 75 % der Mitarbeiter haben ihre Ausbildung bei

Hofmann-Rieg absolviert – ob im gewerblichen oder

kaufmännischen Bereich. Es gibt so gut wie keine Fluktuation.

„Wir glauben an uns. Das ist ein wichtiger Baustein

unseres Erfolgs“, sagt Almert.

Der erste Gesamtumsatz der Unternehmen unter

Almert betrug 3 Mio. DM, heute erzielt Hofmann-Rieg

gemeinsam mit RSB über 25 Mio. €. Die Zahlen geben

ihm recht. Die Eigenkapitalquote bei liegt 70 %. Damit

ist Hofmann-Rieg mit RSB gut für die Zukunft aufgestellt.

2

Info

Im Vorfeld des kommenden Stahlhandelstages

am 28. September 2017 nehmen wir im Stahlreport

die Region rund um den Veranstaltungsort

Darmstadt in den Blick – und berichten über dort

ansässige Stahlhandelsunternehmen. In dieser

Ausgabe stellen wir die Hofmann-Rieg GmbH mit

Inhaber und Geschäftsführer Jürgen Almert vor –

der seit Jahrzehnten auch als Sprecher des

BDS-Regionalkreises Rhein-Main aktiv und zugleich

Mitglied des BDS-Vorstandsrats ist.

Jung und engagiert

Wie Köstner Nachwuchswerbung betreibt

Köstner in Plauen setzt auf soziales

Engagement und realisierte deshalb im Juni

gleich zwei Projekte mit heimischen Jugendlichen.

Zunächst besuchten zwei Schüler

des Diesterweg-Gymnasium in Plauen die

Köstner Stahlzentrum GmbH im Rahmen

des Projekts „genialsozial – Deine Arbeit

gegen Armut“. Kurze Zeit später erhielten

Schüler der Oberschule Weischlitz einen

Einblick in das Unternehmen.

Als das Familienunternehmen Anfang Mai

die Anfrage der Gymnasiasten erhielt,

zögerte Niederlassungsleiter Felix Windisch

nicht lange. Seit mehreren Jahren unterstützt

Köstner das Projekt „genialsozial“,

das durch die Sächsische Jugendstiftung ins

Leben gerufen wurde. Das Konzept: Schüler

tauschen für einen Tag die Schulbank gegen

eine Arbeitsstelle. Den dafür vom Arbeitgeber

erhaltenen Lohn spenden sie an Hilfsprojekte.

Der bei diesem Projekt erwirtschaftete

Erlös fließt beispielsweise in den

Bau eines Waisenhauses in Kamerun oder

ein Ausbildungszentrum in Sierra Leone.

Aber auch soziale Projekte in Sachsen finden

dadurch Unterstützung.

Es war in diesem Frühsommer nicht das

einzige Vorhaben mit Schülern, das in dem

Plauener Stahlhandelshaus umgesetzt werden

konnte. Ende Juni machten zehn Schüler

der Oberschule Weischlitz einen Rundgang

über das Firmengelände. Mehrere

regionale Unternehmen beteiligten sich an

der Aktion, die Ausbildungsberufe in der

Region näher vorzustellen. Zu diesem

Zweck lernten die Jungen und Mädchen aus

der siebten bis neunten Klasse die Ausbilder

von Köstner bei einem gemeinsamen

Frühstück kennen. Anschließend erfuhren

sie mehr über die Berufe Fachkraft für

Lagerlogistik und Kaufmann im Groß- und

Außenhandel.

10 Stahlreport 7/8|17


Lotter hat Ausstellung neu gestaltet

Die Gebr. Lotter KG hat ihren Ausstellungsbereich zum Teil neu gestaltet.

Schwerpunkte der Sanitärausstellung sind nun unter anderem das „smarte“

Bad, in dem man sich über die Möglichkeiten modernster Technik im Bad

informieren kann, oder das „Duschzentrum“. Ganz neu in der Lotter-Ausstellung

ist ein großer Bereich für Sicherheitstechnik, in dem sämtliche Produkte

für den Einbruchschutz, wie Fenster- und Türsicherung oder Videoüberwachung,

als Gesamtkonzept dargestellt werden. Ebenfalls neu im Programm ist

ein Sortiment von Solar-Pergolen mit Lamellendachfunktionen und integrierten

Solarzellen zur eigenen Stromversorgung. Umgebaut und erweitert hat

Lotter auch die Küchenausstellung. Auf 300 m 2 können Kunden jetzt 15 hochwertige

Küchen, von Landhaus-Stil bis puristisch, erleben.

Kicherer wirbt unkonventionell um Nachwuchs

Auszubildende gestalten Kampagne

Das baden-württembergische Stahlhandelsunternehmen Kicherer wirbt

für das kommende Ausbildungsjahr mit einer unkonventionellen Kampagne

um Nachwuchskräfte. Bei der Gestaltung der ins Auge springenden Motive für

die Plakataktion haben die Kicherer-Auszubildenden kräftig mitgestaltet.

Schließlich wissen sie am besten, was in der jungen Zielgruppe zieht.

So ist eine Ausbildungskampagne enstanden, die gemeinsam mit der Zielgruppe

selbst entwickelt wurde. Bewusst hat man dabei gewohnte Pfade

verlassen und auf Slogans gesetzt, die nicht von PR-Strategen, sondern von

den Auszubildenden stammen. Ebenso haben die Auszubildenden als Models

für die Kampagne vor der Kamera gestanden.

Nur bei der grafischen Gestaltung hat die Marketingabteilung von Kicherer

über die Einhaltung des Corporate Designs gewacht. Das gemeinsame Foto -

shooting und das spätere Plakatkleben entpuppte sich als eine echte Teambuilding-Aktion.

Parallel erscheinen die Kicherer-Motive auch auf Litfasssäulen.

Das Finale passend zum Bewerbungsendspurt gibt ein Azubi-Flyer, der

interessierten Jugendlichen und ihren Eltern detailliertere Informationen liefert.

so seh´n

Adrian Simunic, Azubi zum Berufskraftfahrer

Sieger

aus

SAFE!

Anna-Lena, Franziska & Laura, Azubis zur Groß- & Außenhandelskauffrau

Metallbau

Stahlbau

Fahrzeug-/ Landmaschinen-/

Schiffsbau

Ich lern´ bei

Kicherer.

Maschinenschutzeinrichtung/

Maschinenbau und Anlagenbau

Foto: Kicherer

Nais!

Moritz Veit, Azubi zum Groß- & Außenhandelskaufmann

I bims

1 Stahlverkäufer

vong Kicherer.

Ich Lern ´

Tobias Rapp, Azubi zum Groß- & Außenhandelskaufmann

BLAU

Wir lernen

bei Kicherer.

und zwar bei

Kicherer.

LÄUFT!

Lukas Burkart, Dual Degree Studium / Industriekaufmann

Ich studier

bei Kicherer.

Regalbau und Lagersysteme

Containerbau

Möbel-/ Laden-/ Innenausbau

Klima- und Solartechnik

Motive der Auszubildenden-

Kampagne 2017 von Kicherer

Stahlreport 7/8|17

11


Stahlhandel

Bericht/Nachrichten

Foto: Schmolz + Bickenbach

Die SCHMOLZ + BICKENBACH Stahlcenter AG hat in eine neue Bandsäge investiert. Die KASTOtec F 4 ist ein vollautomatischer Hochleistungsbandsägeautomat

für Rund-, Vierkant- und Flachmaterial sowie für Rohre und Profile in allen Qualitäten.

Schmolz+Bickenbach Stahl-Service-Center hat in eine Bandsäge investiert

Hochleistungsbandsäge

SCHMOBI investiert kräftig in die Zukunft. Das Schweizer Stahlhandelsunternehmen aus Wil hat

einen neuen Bandsägeautomaten angeschafft. Mit dieser Investition unterstreicht das im Kanton

St. Gallen gelegene innovative Stahl-Service-Center seine Kompetenz rund um das Sägen.

Weil das schweizerische

Unternehmen SCHMOLZ + BICKEN-

BACH Stahlcenter AG – für viele

besser bekannt als SCHMOBI –

die Nachfrage nach Fix-Zuschnitten

als steigend beurteilt, hat man

sich für die Anschaffung einer

neuen Bandsäge von KASTO entschieden.

Die KASTOtec F 4 ist ein

vollautomatischer Hochleistungsbandsägeautomat

zum Sägen von

Rund-, Vierkant- und Flachmaterial

sowie von Rohren und Profilen in

allen Qualitäten. Er eignet sich speziell

für schwer zerspanbare Werkstoffe

wie rostbeständigen Stahl

oder Werkzeugstahl. Der Schnittbereich

reicht bis 430 x 430 mm –

bei einer Präzision von bis zu +/-

0,2 mm pro 100 mm Schnittlänge

sowie Schnittgeschwindigkeiten von

bis zu 180 m/min.

Mit der neuen Hochleistungsbandsäge

steigert das schweizweit tätige

Stahlhandelsunternehmen eigenen

Angaben zufolge nochmals seine

Produktivität und Flexibilität. Mit

einer minimalen Reststücklänge

von 35 mm im Automatikbetrieb

verbessere sich zudem die Materialauslastung

deutlich.

Outsourcing-Partner gefragt

Das Schweizer Stahlhandelsunternehmen

legt besonderen Wert auf

einen hohen Qualitätsstandard.

Trotz der großen Anzahl an Auftragspositionen

– über 100.000 pro

Jahr – und der Maßgabe engster

Toleranzen liege die Reklamationsquote

unter 0,5 %. Schmobi biete

sich damit als der ideale Outsourcing-Partner

für Sägezuschnitte an

– eine Dienstleistung, die am Markt

zunehmend auf große Nachfrage

stoße.

Schmobi – verfügt im sankt-gallischen

Wil über ein großes Materiallager,

ein vollautomatisches Sägecenter

und einen leistungsstarken

Maschinenpark. An 32 Maschinen

werden dort täglich über 10.000

Zuschnitte gesägt – rund 2,5 Mio.

pro Jahr. Zu den Auftragspositionen

zählen sowohl Großserien von über

10.000 Stück als auch Kleinstlose

ab Losgrösse 1.

Auch für anspruchsvolle Gehrungsschnitte

ist der Maschinenpark

eingerichtet. Auf den Zuschnitt folgen

die Verpackung und die Just-in-time-

Lieferung mit firmeneigenen Lastwagen.

Weiter bietet das Stahlcenter

seinen Kunden zahlreiche Zusatzservices

wie Trowalisieren oder Endenbearbeitung.

2

12 Stahlreport 7/8|17


Strategische Beteiligung

an Technologie-Start-up

Klöckner investiert

in 3D-Druck

Klöckner & Co hat sich über die

Venture-Capital-Tochter kloeckner.v an

dem Technologie-Start-up BigRep beteiligt.

Damit steigt das Unternehmen in die additiven

Fertigung ein – ein Markt, dem gegenwärtig

eine hervorragende Entwicklung prophezeit

wird: Bis 2020 wird eine jährliche

Wachstumsrate von rund 20 % erwartet.

Foto: Sülzle-Gruppe

Heinrich Sülzle (li.) und Andreas Sülzle, Gesellschafter der SÜLZLE Gruppe, freuen sich über die

Erweiterung des Produktangebots am SÜLZLE Stahlpartner Standort in Lübeck.

Breites Portfolio für regionale Kunden

Sülzle Stahlpartner erweitert Lagersortiment in Lübeck

Die SÜLZLE-Gruppe mit ihrem Unternehmen

Sülzle Stahlpartner erweitert seit

Juli 2017 das Lagersortiment am Standort

Lübeck. „Unser umfangreiches Produktangebot

umfasst neben Trägern, Blechen,

Rohren und Flachstahl auch das Schweißen

von Betonstahl nach DIN EN ISO 17660-1“,

erläuterte der Lübecker Niederlassungsleiter

Martin Vestring.

Der Standort in Norddeutschland entstand

bereits im März 2015 durch die Übernahme

des Biegebetriebes und der Trägerhalle der

Max Schön GmbH. Seinen Kunden in der

Region rund um Lübeck, Hamburg und Kiel

bietet das Unternehmen seither sämtliche

Anarbeitungen nach DIN EN 1090 sowie

den Zuschnitt von Profilstählen.

„Wir freuen uns, dass wir den mittelständischen

Unternehmen in Lübeck und

Umgebung neben kompetenter Beratung

und Service vor Ort auch ein breites

Produktsortiment anbieten können“,

betonte Heinrich Sülzle, Gesellschafter

der Sülzle Gruppe.

BigRep ist Entwickler und Hersteller des

größten serienmäßig verfügbaren 3D-Druckers

weltweit. Daneben berät die GmbH

zu Anlagen der additiven Fertigung. Klöckner

& Co plant, industrielle 3D-Drucker von

BigRep zukünftig an seinen Standorten in

Europa und den USA einzusetzen. „Unsere

Beteiligung an BigRep ermöglicht uns, an

einem sehr vielversprechenden Wachstumsmarkt

zu partizipieren“, kommentierte

Gisbert Rühl, Vorsitzender des Vorstands

der Klöckner & Co SE.

Während sich Klöckner & Co an BigRep

beteiligt, hat der werksunabhängige Stahldistributeur

die Contorion GmbH abgestoßen.

Der digitale Fachhändler für den professionellen

Handwerks- und Industriebedarf ist

seit Juni Teil der Hoffmann SE, einem der

führenden europäischen Systempartner für

Qualitätswerkzeuge. Die Übernahme gilt vorbehaltlich

der Zustimmung der zuständigen

Kartellbehörden.


Stahlverarbeiter

Bericht/Nachrichten

Zukunftsorientierte Fragen jetzt klären

Der Stahlbau im BIM-Prozess

Mit zunehmender Digitalisierung der Wirtschaft wird auch das digitale Planen, Bauen und Betreiben

von Gebäuden immer wichtiger. An diesen Punkten setzt Building Information Modeling ein (kurz:

BIM), das gerade für den Stahlbau viele Vorteile bietet. Stahlbauspezialisten haben bislang aber

versäumt, sich in den Gesamtprozess einzutakten. Um den Fachbereich zukunftsorientiert weiterzuentwicklen,

ist es jetzt nötig, die anstehenden Fragen gemeinsam zu erörtern. Das meint Andreas

Kohlhaas, GSP Network GmbH/buildingSMART German Speaking Chapter, in seinem Gastbeitrag.

GERMAN SPEAKING CHAPTER

[ Kontakt ]

buildingSMART e.V.

Wiener Platz 6

01069 Dresden

Tel. +49 30 55571996-

0

www.buildingsmart.de

Info buildingSMART e.V.

Die neue Arbeitsmethode

basiert auf der integralen Vernetzung

aller Beteiligten und bedeutet

eine grundsätzlich bauteilorientierte

Herangehensweise. Dabei

werden Bauwerke in der Planungsphase

aus parametrischen 3D-

Objekten „modelliert“, die neben

den geometrischen Informationen

zahlreiche notwendige alphanumerische

Informationen enthalten.

Viele einzelne sogenannte „Fachmodelle“

können in allen Phasen

und mit unterschiedlichen Zielen

über offene Schnittstellen koordiniert

und ausgewertet werden (zum

Beispiel Mengenermittlung, Bauablaufplanung,

Wartungsintervalle).

Das BIM-Modell wird so über den

gesamten Lebenszyklus von Generationen

von Anwendern genutzt

und ständig fortgeschrieben.

Softwareneutraler Datenaustausch

bietet Vorteile

Die Kommunikation und der softwareneutrale

Datenaustausch zwischen

den zahlreichen Baubeteiligten

(„Open BIM“) wird durch den

offenen IFC-Standard („Industry

Foundation Classes“) ermöglicht,

der von der internationalen buildingSMART-Initiative

seit Mitte der

1990er-Jahre ständig weiterentwickelt

wird und in vielen Softwareprodukten

implementiert ist. Leider

erschwert der zögerliche Einstieg

der Öffentlichen Hand als wichtiger

Bauherr die Entwicklung von

BIM hierzulande. Dabei liegen

Der buildingSMART e.V. wurde 1995 auf Initiative führender deutscher

Planungs-, Ausführungs- und Bausoftwareunternehmen gegründet, um

den damals noch neuen Überlegungen zu modellbasierten, intelligenteren

Planungstools Vorschub zu leisten. Ein zentraler Punkt ist dabei die Verbesserung

des immer wieder nicht zufriedenstellenden Datenaustauschs

auf Grund fehlender und ungenügender Schnittstellen der IT-Lösungen im

Bauwesen. Der Verein ist offen für alle Unternehmen, Forschungs- und

Bildungsstätten sowie Einrichtungen der öffentlichen Hand, die mit dem

Bauwesen verbunden sind.

gerade die Vorteile auch für den

Stahlbau auf der Hand.

Standardprozesse müssen

definiert werden

Wird in Bauprojekten von Anfang

an nach der BIM-Methode geplant,

zum Beispiel schon in der Leistungsphase

Null, in der die Anforderungen

der Auftraggeber formuliert

werden, können die Planer

frühzeitig entscheiden, in welcher

Form Stahlbau benötigt wird und

zu welchen Phasen hierfür Mitarbeiter

in das Projekt einsteigen sollten.

Obwohl es schon seit vielen Jahren

bewährte und zum Teil BIMfähige

Softwareprodukte zur

Berechnung und Konstruktion gibt,

haben es die Stahlbauspezialisten

bislang versäumt, sich in den

Gesamtprozess mit anderen Beteiligten

in der Planung und Ausführung

einzutakten. Notwendig wäre

es, die idealtypischen Prozesse im

Stahlbau sowie die Schnittstellen

zu anderen Gewerken zu definieren

und ebenso selbstbewusst wie diese

eine möglichst frühe Beteiligung

im Planungs- und Ausführungsprozess

zu beanspruchen.

14 Stahlreport 7/8|17


Stahlbau müsste anstehende

Fragen klären

Unter dem Dach des neutralen Verbandes

buildingSMART sind bereits diverse

Arbeitsgruppen wie die Fachgruppe

Tragwerksplanung oder die Fachgruppe

TGA aktiv, die entsprechende Prozesse

und Standardisierungsbedarf identifizieren

und vorbereiten. Um auch den

Fachbereich Stahlbau zukunftsweisend

weiterzuentwickeln, wäre die Gründung

einer Anwendergruppe Stahlbau

sinnvoll.

Denn jetzt gilt es zu klären: Wie

kann durch die frühe Einbindung des

Stahlbaus eine Steigerung der Planungs-

und Ausführungsleistung

bewirkt werden? Zu welchem Zeitpunkt

sollte der Stahlbau mit der Gesamtplanung

in Berührung kommen? Welche

BIM-Daten sollten Produkthersteller

der Stahlbranche vorhalten, um reibungslos

Eingang in digitale Planungsprozesse

zu finden? Und wie läuft idealerweise

die Verzahnung mit dem

Betonbau? 2

Konstruktions-App für

Edelstahlrohre

Der finnische Hersteller und Lieferant von

Edelstahlrohren Stalatube bietet Kunden

eine digitale Anwendung, die dem Anwender

hilft, die Rohre auszuwählen, die am

besten auf seine Bedürfnisse zugeschnitten

sind – auch unter Berücksichtigung

der Norm EN 1003-1-4 und der dabei

anzuwendenden Auflagen. Stalafit

ermöglicht Kunden, die Rohrgrößen so zu

wählen, dass Installations-und Konstruktionsanforderungen

bestmöglich erfüllt

werden. Dank dieses neuen Servicekonzepts

müsse der Entwickler keine Kompromisse

mehr eingehen, wenn es um

passende Rohrgrößen geht, so das Unternehmen.

Die äußeren Abmessungen

könnten nun auf den Millimeter genau

bestimmt werden. Bei Materialkäufen und

in der Logistik machen sich dem Unternehmen

zufolge damit schnell Kosteneinsparungen

bemerkbar. Parameter wie

Drehwiderstand und Querschnitteigenschaften

der Rohre werden anhand der

Vorgaben in Echtzeit aktualisiert. Der Entwicklungsprozess

könne somit entscheidend

verbessert werden. Die Stalafit-

Anwendung steht als Web- oder

Mobiltelefon-Anwendung zur Verfügung.

Foto: worldsteel/Heckmann

Dr. Roger Schlim, Vorsitzender der Geschäftsführung der Peiner Träger GmbH und Mitglied der

Konzerngeschäftsleitung der Salzgitter AG, auf der worldsteel construction conference 2017.

worldsteel-Konferenz zum Stahlbau

Stahl muss einfacher werden

Das Bauen mit Stahl ist für Anwender oftmals zu komplex. Das sagte Dr. Roger Schlim,

Vorsitzender der Geschäftsführung der Peiner Träger GmbH und Mitglied der Konzerngeschäftsleitung

der Salzgitter AG, auf der worldsteel construction conference Ende Mai in Düsseldorf.

Die zu komplexe Anwendung von Stahlprodukten sei einer der Gründe, warum der

Werkstoff in Bau und Architektur hinter seinem Potenzial zurückbleibe, so Schlim.

Der Lagerabsatz von Profilstahl ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich

gesunken. Nach Zahlen des Bundesverbands Deutscher Stahlhandel (BDS) lag der

Lagerabsatz 2011 im Schnitt bei rund 113.000 t pro Monat, fünf Jahre später nur noch

bei rund 90.500 t pro Monat.

Ein Blick auf die verschiedenen Märkte in Europa zeigt, dass die Entwicklung der Stahlbaumärkte

regional sehr unterschiedlich verläuft. „Wir müssen uns die Märkte isoliert ansehen,

um die individuellen Ursachen für die verschiedenen Marktentwicklungen zu verstehen“,

sagte Schlim. „Es sind nicht die Kosten, die die unterschiedliche Entwicklung ausmachen“,

so Schlim weiter. Auch die Importsituation sei nicht ausschlaggebend für einen nachlassenden

Markt. Vielmehr spielten individuelle Faktoren eine Rolle.

Der Blick für die jeweiligen Eigenheiten der Märkte müsse daher geschärft werden, um

herauszufinden, in welche Richtung Hersteller ihre Stahlprodukte weiterentwickeln müssen

und in welche Innovationen es sich für sie lohnt zu investieren. Um Stahl besser zu positionieren,

sei es nötig, besser zu verstehen, nach welchen Mechanismen die Märkte funktionierten

und was Anwender jeweils konkret benötigten.

Dass dabei behutsam vorgegangen werden müsse, unterstrich Dr. Edwin Basson, Generaldirektor

des Weltstahlverbands worldsteel. Global betrachtet werde der Stahlbau in den

kommenden 20 Jahren voraussichtlich langsamer wachsen als bisher. Daher müsse bei der

Produktentwicklung seitens der Stahlhersteller sehr achtsam vorgegangen werden, um die

eigenen Ressourcen zielgenau einzusetzen, so Basson.

Ein Beispiel, an dem sich die Entwicklung von Produkten für den Stahlbau orientieren

könne, gebe die enge Kooperation von Automobilbau und Stahlproduzenten, ergänzte

Terrence Busuttil, Head of Construction Coalitions bei worldsteel.

Stahlreport 7/8|17

15


Stahlproduktion

Bericht/Nachrichten

Das neue Schrägwalzwerk ist mit einer Drei-Walzen-Technik ausgerüstet und

leistungsstärker als das alte Modell, das noch aus den 1960er-Jahren stammte.

Vallourec Deutschland investiert in Produktionstechnologie

Neues Schrägwalzwerk eingeweiht

Vallourec hat im Rohrwerk Pilgerstraße in Düsseldorf-Rath ein neues Schrägwalzwerk in Betrieb

genommen. Das Aggregat ist dem Unternehmen zufolge das weltweit größte und modernste

Walzwerk seiner Art. Der französische Stahlrohrproduzent rüstet sich damit für die schnelle,

hochwertige und energieeffiziente Produktion von Qualitätsrohren höher- und hochfester Güten.

Das mit einer Drei-Walzen-

Technik ausgerüstete Schrägwalzwerk

ist leistungsstärker und präziser als

das alte Modell. In Kombination mit

dem Pilgerwalzwerk am Düsseldorfer

Standort Rath bietet es unter deutlich

verringertem Energieeinsatz eine

größere Flexibilität bei den Abmessungen

(Außendurchmesser, Wanddicken

und Längen).

Wachsende Nachfrage

nach Premium-Stahlrohren

Mit der neuen Anlage, in welche die

Gruppe rund 45 Mio. € investiert hat,

wolle man die Position als Marktführer

stärken, erläuterte CEO Philippe

Crouzet. Mit dem Schrägwalzwerk

sei man bestens gerüstet, der Nachfrage

nach hochfesten und/oder hochlegierten

Stahlrohren zu begegnen.

Lieferant der Anlage ist das italienische

Maschinenbauunternehmen

Danieli.

Insbesondere für Stahlrohre aus

Legierungen mit einem optimalen

Verhältnis aus Festigkeit und Gewicht

sieht Valllourec eine wachsende

Anzahl an Anwendungen: unter anderem

im Maschinenbau (Zylinderrohre

und Krankomponenten), im Stahlbau

(Bauteile für Bohrplattformen), in der

Energieindustrie (Futterrohre und

Gewinderohre, Leitungsrohre), im

Kraftwerksbau (Kesselrohre) und in

der Petrochemie.

Neben der Investition in das neue

Walzwerk hat der französische Konzern

auch intern an Verbesserungen

bei Produktion und Qualität gearbeitet

sowie den gesamten Prozessablauf

vollständig automatisiert.

Die Wiege der

Nahtlos-Produktion

Historisch gesehen befindet sich das

neue Walzwerk ohnehin am richtigen

Standort. Nahtlose Rohre entstehen

in Deutschland bereits seit über

einem Jahrhundert: Im Jahr 1899 nahmen

die Brüder Mannesmann in Düsseldorf

die Produktion auf und legten

den Grundstein für den weiteren

Erfolg. 1997 gingen die Mannesmannröhren-Werke

AG und die Vallourec-

Gruppe ein Joint Venture ein, und es

entstand Vallourec & Mannesmann

Tubes, das 2005 hundertprozentige

Tochter des französischen Konzerns

wurde. Seit dem 1. November 2013 firmiert

das deutsche Unternehmen als

Vallourec Deutschland GmbH.

In Düsseldorf-Rath wird eine

umfangreiche Palette nahtloser Stahlrohre

sowie runder, rechteckiger und

quadratischer Hohlprofile gefertigt.

Zudem befindet sich dort das Vallourec

Reserach Center Germany. In den

Rather Werken sind rund 1.600 Mitarbeiter

beschäftigt. Weitere Standorte

des Konzerns in Deutschland

sind das Presswerk Düsseldorf-Reisholz

und das Rohrkontiwalzwerk Mülheim

an der Ruhr.

Insgesamt beschäftigt der Konzern

rund 19.000 Mitarbeiter in über

20 Ländern. Rund zwei Drittel des

Gesamtgeschäfts machen Anwendungen

der Öl- und Gasbranche aus,

inklusive Petrochemie. Vallourec

Deutschland bedient für sich genom-

16 Stahlreport 7/8|17


Meilenstein bei der digitalen Transformation

Thyssenkrupp vernetzt Maschinenpark

Fotos, 3: Vallourec

Blick in den Kontrollraum der neuen

Anlage (hier mit Besuchern): „Die

Kombination von moderner Anlagentechnik

und Prozessautomatisierung

beschleunigt den Produktionsprozess

deutlich und ermöglicht es uns gleichzeitig,

höchste Qualitätsstandards

zu halten“, erläuterte Werksleiter

Christoph Bem.

men dagegen nur zu rund einem Drittel

den Öl- und Gasmarkt, rund 50 %

gehen in industrielle Anwendungen.

Europa als zentralen

Standort konsolidieren

In den vergangenen Jahren hat der

Konzern tiefgreifende Restrukturierungen

vornehmen müssen. Hintergrund

war hauptsächlich die negative

Entwicklung der Öl- und Gasbranche.

Organisatorisch hat der

Konzern nun in Deutschland die

Walzaktivitäten konzentriert, während

die französischen Standorte auf

das High-end-Finishing der Produkte

fokussieren. Strategisch soll Europa

als zentrales „Premium-Zentrum“ der

Gruppe konsolidiert werden, sagte

CEO Philippe Crouzet. 2

Philippe Crouzet, Vorstandsvorsitzender

der Vallourec-Gruppe

Tyssenkrupp hat seinen Maschinenpark

in der Werkstoffsparte mit einer neuen

digitalen Plattform vernetzt, welche die Anlagen

direkt miteinander kommunizieren lässt.

In Zukunft soll so auch durch Predictive Maintenance

der Wartungsbedarf der Maschinen

vorausgesagt werden.

Die Plattform „toii“ des Geschäftsbereichs

Materials Services wurde komplett inhouse

von Unternehmensexperten aus dem

Bereich Software Engineering entwickelt

und speziell auf die Gegebenheiten bei

Materials Services zugeschnitten. Denn der

Anlagenpark des Geschäftsbereichs, der

sich auf den weltweiten Handel mit Werkund

Rohstoffen sowie auf umfangreiche

Anarbeitungsdienstleistungen konzentriert,

ist äußerst vielschichtig: Die Maschinen

führen verschiedenste Arbeiten aus, stammen

von zahlreichen Herstellern und sind

unterschiedlich alt.

Dank toii können nun Bandsägen und Kantmaschinen,

mobile Objekte, darunter Krane

und Gabelstapler, und komplexe Produktionsanlagen

wie komplette Längs- und Querteilanlagen

sowie anspruchsvolle Anarbeitungslösungen

durch Fräsmaschinen und

Laseranlagen ganz im Sinne des „Industrial

Internet of Things“ (IIoT) vernetzt werden.

Die digitale Plattform ermöglicht sowohl

den Datenaustausch und die Kommunikation

von Maschinen untereinander als auch

Foto: Thyssenkrupp

Bereits heute vernetzt: Maschinenpark bei Thyssenkrupp

zwischen Maschinen und IT-Systemen. So

können Abläufe optimal und flexibel geplant

sowie aufeinander abgestimmt werden –

standortübergreifend, weltweit. Ein weiterer

großer Nutzen der Plattform ist die einfache

Datenanalyse.

„Wir haben eine Komplettlösung geschaffen,

die genau auf unsere Anforderungen

zugeschnitten ist. Sie ermöglicht uns, die

Automatisierung in der Produktion schnell

voranzutreiben und macht unsere Abläufe

deutlich effizienter“, sagt Hans-Josef Hoß,

Vorstandsmitglied von thyssenkrupp Materials

Services. „Damit bringen wir den digitalen

Wandel jetzt auch in das „Kernland“

unseres Geschäfts: in die Werkshallen, in

den Maschinenpark, an die Materialien. Das

kommt natürlich unseren Kunden zugute –

aber auch uns.“

Neues Kaltwalzwerk geordert

Die Risse + Wilke Kaltband GmbH & Co. KG hat den Auftrag zum Bau eines neuen Kaltwalzwerks

erteilt. Inklusive Elektrik und Automatisierung wird die neue Anlage von Maschinenbauunternehmen

Andritz geliefert. Das neue Kaltwalzwerk soll die Bandqualität verbessern

und die Produktivität steigern. Es ist für Breiten von 750 mm und Dicken von bis zu 5 mm

ausgelegt. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für das dritte Quartal 2018 vorgesehen.

Auch strategisch hat das Unternehmen eine Veränderung zu vermelden: Risse + Wilke hat

mit Wirkung zum 1.7.2017 das italienische Unternehmen GBS (General Business Service

S.r.l.) übernommen. GBS ist ein Verarbeiter und Händler von Sägenbandstahl zur Herstellung

von Steingattersägen. Die Marke „GBS“ ist insbesondere auf dem chinesischen Markt

von großer Bedeutung und hat dort ein Markenimage als Anbieter von Material mit hohem

Qualitätsanspruch. Risse + Wilke will GBS als Kompetenzzentrum für Steingattersägen weiterführen.

GBS erzielt mit einer Versandtonnage von ca. 1.300 t einen Umsatz von rd.

3,5 Mio. €. Die Wilke GmbH erzielt mit dem Spalten von Warmband bei einer Jahresversandtonnage

von 22.000 t einen Umsatz in Höhe von 13 Mio. € pro Jahr.

Stahlreport 7/8|17

17


Anarbeitung

und Logistik

Bericht

Stahlschnitt auf

einer Behringer-

Großbandsäge

Fotos, 2: Behringer

Behringer Hausausstellung 2017

Sägen, Trends und Technik

Trends im Maschinenbau haben zwar eine viel höhere Halbwertszeit als in schnelllebigeren Branchen.

Doch auch im Maschinenbau ist nicht klar, ob die Trends von heute der Standard von morgen sind.

Ein Indikator, ob ein Unternehmen die technologische Entwicklung im Blick hat, sind dabei seine

aktuellen Entwicklungen. Die Hausmesse 2017 von Behringer im Juni hat gezeigt: Die Zukunftshemen

hat der Hersteller von Sägeanlagen im Blick. Zur „Erlebniswelt Sägen“ kamen bei hochsommerlichen

Temperaturen rund 550 Kunden und Interessenten aus über 30 Nationen.

Auf einer externen Messe sind

solche Ausstellungsstücke wegen

ihrer Größe in der Regel nicht zu

sehen: große und kombinierte Anlagen

der Behringer GmbH und ihrer

„Partners 4 Steel“. Das geht nur auf

einer Hausmesse. Mit im Boot waren

dabei neben der Behringer GmbH

selbst auch die Tochtergesellschaft

Behringer Eisele GmbH (Kreissägen)

sowie die französische Schwestergesellschaft

Vernet Behringer

(Stahlbauanlagen). In Sachen Strahltechnik

präsentierte zudem die Rösler

GmbH aus Untermerzbach Anlagen

zur Oberflächenbehandlung von

Stahlträgern.

Große Fertigungstiefe

sichert Qualität

Eine Besonderheit fällt Gästen der

Behringer GmbH am Standort Kirchhardt,

Baden-Württemberg, sofort

ins Auge: die unternehmenseigene

Giesserei. In dem Werksgebäude,

das sich auf einer leichten Anhöhe

des Firmengeländes befindet, werden

Grau- und Spärogussteile hergestellt.

Der weitaus größte Teil der

Produktion wird für den Markt gefertigt.

Doch mit der Giesserei ist Behringer

der Lage, die entsprechenden

Komponenten für die Anlagen selbst

zu produzieren. Die große Fertigungstiefe

soll neben hochwertigen

Bearbeitungszentren, neusten Fertigungsmethoden

und einem durchgängigen

Qualitätsmanagement den

hohen Standard der Produkte

sichern.

Trends der

Sägetechnologie im Blick

Ein Schwerpunkt auf der Hausmesse

waren unter anderem die Themen

„Trennen von Sonderwerkstoffen“

und „Sägetechnik trifft Intralogistik“

– die derzeit auch in der Fachwelt

stark diskutiert werden.

Automatisierung ist zudem

Abläufe, die nur von einer Handvoll

Mitarbeiter gesteuert und überwacht

werden und die vom Wareneingang

bis zur Verladung kaum direkten

Kontakt des Personals mit Material

oder Maschinen vorsehen.

Die Anlagensysteme von Behringer

bzw. der „Partners 4 Steel“

ermöglichen das. Automatisierte Systemlösungen

mit kombinierten Produktionsanlagen

für Profilstahlbearbeitung

zeigen die Unternehmen

als Verkettung von Sägen, Bohren,

Strahlen und Konservieren.

In dem Anlagensystem wird die

Warenwirtschaft, von der Bearbeitung

und Kommissionierung bis zur

Auslieferung, als programmierter

Prozessablauf entworfen: Ohne

Kreuzverkehr gelangen Träger und

Profile an der Hallenwand entlang

direkt ins Lager und von dort über

Zufuhrrollenbahnen zu den Bearbeitungsmaschinen.

Angeschlossene

Sägeanlagen, wie die Gehrungsbandsäge

HBP510-923G-NAP, trennen das

Material. Optional durchlaufen Teile

anschließend eine Konservierungs-

18 Stahlreport 7/8|17


linie zur Oberflächenbehandlung,

oder sie werden direkt verladen.

Automatisierte Intralogistik

Die Anarbeitung erfolgt programmgesteuert

und staboptimiert. Ein

Transportmanagement-System sorgt

für die materialsparende Zuordnung

von Ausgangslängen passend zum

Auftrag sowie für den Warenfluss

auf der Anlage. Material und Daten

sind zum richtigen Zeitpunkt am

richtigen Ort – was einen maximalen

Output erlaubt. Markier- und Etikettier-Einrichtungen

kennzeichnen

das Material auftragsgemäß. Für die

Rückführung von Reststücken ist ein

separates Transportsystem vorgesehen,

ohne den Ablauf zu stören oder

zu unterbrechen.

„Die Vorteile von automatisierten

Intralogistiksystemen macht aus

verschiedenen Gründen Sinn. Neben

der Prozesssicherheit spielt auch die

Sicherheit der Mitarbeiter, die Durchlaufgeschwindigkeit

und natürlich

die Vermeidung von Fehlern eine

Rolle“, so Geschäftsführer Christian

Behringer.

Große Brocken: Die Besucher der Behringer-Hausmesse

konnten Ausstellungsstücke begutachten, die – wie dieser

Großbandsägeautomat – auf einer externen Präsentation so

schnell nicht zu sehen sind.

Alle Materialbewegungen des Prozesses

werden von einem zentralen

Leitstand aus koordiniert. An den

Maschinen selber befinden sich nur

noch eine Steuerung mit Funktionen

für Service, Reparatur und Wartung.

Es kommen mobile Bedienpanels

zum Einsatz, die an verschiedenen

Stellen an der Gesamtanlage angedockt

werden können.

Den Trend zur Vernetzung von

Maschinen und Produktion hat Behringer

mit seiner Lösung „Smart-

Hub“ aufgegriffen. Mit diesem Software-Werkzeug

können Sägeanlagen

digital gesteuert und überwacht werden.

Auch Roboter werden in Bearbeitungsprozessen

in Zukunft

voraussichtlich eine noch viel größere

Bedeutung bekommen. Mit

einer Kombination von Säge- und

Robotertechnik ist Behringer auch

bei dieser Entwicklung dabei. Ein

Roboter, ausgestattet mit einem starken

Magneten, greift in dieser Konfiguration

gesägte Abschnitte aus

dem Sägebereich der Kreis- oder

Bandsäge, führt sie weiteren Bearbeitungs-

und Prozessschritten zu

– etwa der Späneentfernung, dem

Wiegen und dem Markieren – und

lagert sie schließlich ordnungsgemäß

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Anarbeitung

und Logistik

Bericht/Nachrichten

Intelligente Lager- und Bestückungstechnik von Remmert

Herausforderung

Blechbearbeitung

Fotos, 2: Remmert

Kleine Losgrößen, steigender Wettbewerbsdruck, zunehmende

Vernetzung: Es sind große Herausforderungen, denen sich

Unternehmen aus dem Stahlhandel derzeit stellen müssen. Die

höhere Komplexität erfordert flexible Lösungen sowie schnelle

und kosteneffiziente Prozesse. Doch, wie lassen sich bei der

Blechbearbeitung die hohen Anforderungen konkret in Anarbeitung

und Lager umsetzen? Lösungen für intelligente Langgut- und

Blechlagersysteme hat Remmert parat.

BASIC Tower 4.0:

Der Anschluss an

größere oder bereits

bestehende Remmert-Lagersysteme

ist jederzeit möglich.

Der Markt verlangt ständig

nach anpassungsfähigeren, komplexeren

und effizienteren Lösungen.

„Momentan steigt die Nachfrage

nach kleinen Losgrößen stark an –

bis hin zu Losgröße 1“, so Matthias

Remmert, Geschäftsführer der Remmert

GmbH. Zu den kleinen Losgrößen

kommen oftmals kurze Fertigungshorizonte

hinzu, welche die

Planbarkeit in der Produktion zusätzlich

erschweren. Eine Lösung ist –

je nach Anforderung – ein flexibles

und voll- oder halbautomatisches

Blechlagersystem.

Dem Unternehmen zufolge lassen

sich mit dem Remmert-BASIC

Tower Blech 4.0 auch kleine Mengen

Blech effizient bevorraten und zügig

an der Bearbeitungsmaschine bereitstellen.

Die Bedienbarkeit der Anlage

via Touchscreen unterstützt das

schnelle und einfache Arbeiten mit

dem System. „Die hohe Bedienerfreundlichkeit

der Anlagen spielt im

industriellen Umfeld eine immer

zentralere Rolle“, erläutert Matthias

Remmert.

Laseranlagen

effizient bestücken

Wer die Kosten seiner Laseranlage

mithilfe bestmöglicher Prozesseffizienz

reduzieren möchte, ist dem

Unternehmen zufolge bei der Materialbestückung

mit der FLEX 4.0 von

Remmert gut beraten. Die Automationslösung

für Blech lässt sich herstellerunabhängig

in Laseranlagen

integrieren. Mit 65 s Materialwechselzeiten

ist das System dem Hersteller

zufolge die derzeit schnellste

am Markt.

Die fortschreitende Automatisierung

sorgt aber nicht nur für schnellere

Prozesse. Auch Big Data gehört

zum nächsten Schritt: die Speicherung,

Verarbeitung und Auswertung

großer Datenmengen, die während

des automatisierten Produktionsprozesses

anfallen. Auf der Basis

solcher Daten ermittelt Remmert

zum Beispiel Wartungstermine

bedarfsgenau.

„Damit Anlagen jederzeit optimale

Leistungen erbringen und über

eine möglichst lange Lebensdauer

verfügen, sind frühzeitige und anforderungsgerechte

Wartungen zwingend

notwendig“, so Matthias Remmert.

In Zukunft werde es auf

Grundlage von identifizierbaren

Mustern möglich sein, die voraussichtliche

Nachfrage nach Blechen zu

berechnen. 2

Der Laser FLEX 4.0 für die Bevorratung

im unmittelbaren Produktionsumfeld

20 Stahlreport 7/8|17


Voortman-Stahlbautag 2017

Automatisierung im Stahlbau auf dem Vormarsch

Chancen und Herausforderungen

der „Industrie 4.0“ waren das Leitmotiv des

Voortman-Stahltags 2017. Teilnehmer

konnten sich in den Werkshallen des niederländischen

Maschinenbauunternehmens

einen „Live“-Überblick zu den aktuellen

Entwicklungen verschaffen. Die Voortman-

Steel-Group entwickelt mit seinen beiden

Unternehmen Voortman Steel Machinery

und Voortman Steel Construction speziell

für die Stahlbaufertigung vernetzte Maschinen

und Systeme. Das besondere Interesse

der Teilnehmer galt dem „Voortman Fabricator“,

einem vollautomatisert arbeitenden

Fertigungs- und Schweissroboter.

Neben Voortman selbst präsentierte auch das

in Essen beheimatete Softwarehaus Graitec

sein speziell für den Stahlbau konzipiertes

Management-Information-System „Advance

Foto: Voortman

Voortman-Stahlbautag 2017: Vernetzte Maschinen

bergen für den Stahlbau großes Potenzial.

Workshop“. Die Software verspricht die vollständige

Steuerung und Kontrolle über jede

Phase der Stahlbau-Produktion.

Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers

(PwC) präsentierte Inhalte aus

ihrer letztjährigen Studie zum Thema

„Industrie 4.0“.

Hergarten erweitert

Lagerfläche in Neuss

Stahl-Logistiker

baut Standort aus

Die Hergarten-Gruppe, Logistikdienstleister

für die Stahlbranche, erweitert

ihren Standort in Neuss-Holzheim,

dem bundesweit größten Lager der

Gruppe. Die Kapazität dort soll von

7.500 m 2 auf 11.500 m 2 angehoben werden.

Der Startschuss für die Bauarbeiten

ist für den Sommer geplant, zum Ende des

Jahres soll der Neubau fertiggestellt sein.

Der Standort Neuss-Holzheim ist gegenwärtig

mit elf Krananlagen mit einer Nutzlast

bis zu 60 t, kundenspezifischen

Sägen, einer Brenntischanlage für Grobbleche

bis 45 mm, einem Jochlager,

einem Hürdenlager und drei Toreinfahrten

für die effiziente und materialgerechte

Wendetisch INVERTO mit neuen Funktionen

Coils besser wenden

Foto: Pfeifer GmbH

Der Pfeifer-Wendetisch INVERTO, der

unter anderem für das Coilhandling konzipiert

ist, wurde überarbeitet und um zahlreiche

nützliche Zusatzfunktionen ergänzt.

Zusätzlich zu den bisherigen Größen ist der

Inverto jetzt auch in einer kleineren Ausführung

für Lasten bis 2 t erhältlich. Bei den

größeren Varianten sind Belastungen bis

maximal 30 t möglich.

Neue Steuerung mit robuster Funk-Fernbedienung:

der Pfeifer-Wendetisch Inverto

Des Weiteren wurde der Wendetisch der

Pfeifer Seil- und Hebetechnik GmbH mit

neuer Technik ausgestattet. Die Steuerung

erfolgt über eine robuste und zuverlässige

Funk-Fernbedienung. Mit dem sogenannten

Positionsgeber lässt sich der gewünschte

Kippwinkel über eine Standard-USB-Verbindung

und der mitgelieferten Software bis

maximal 90° frei wählen und programmieren.

Kurz vor der eingegebenen Endstellung

wird der Wendetisch durch den Frequenzumrichter

automatisch abgebremst und

anschließend sanft gestoppt. Zusätzlich

lässt sich auch die Geschwindigkeit des

Wendevorgangs am Motor regulieren.

Zudem wurde ein Zähler integriert, der die

Anzahl der Wendevorgänge erfasst und

somit als Hilfestellung für die regelmäßigen

Wartungs- und Prüfungsintervalle dient. Eine

weitere Neuerung ist ein Kettenschutz, der

als sicherheitstechnische Einrichtung ein

Eingreifen in den Antrieb verhindert und

gleichzeitig die Antriebsketten vor übermäßiger

Verschmutzung bewahrt.

Mit dem Inverto können schwere Lasten

komfortabel und sicher in vertikale und mit

einer 180°-Dreheinheit auch in horizontale

Richtung gedreht und gewendet werden.

Passgenaue Auflagen und Aussparungen

ermöglichen es, Produkte aus nahezu allen

Materialien und Formen zu handhaben. Der

Wendetisch lässt sich darüber hinaus einfach

mit einem Stapler transportieren – und ist

deshalb so gut wie überall einsetzbar. Sollten

die Standard-Modelle des Wendetisches

einem Interessenten nicht genügen, fertigt

das Unternehmen auch Sondermodelle.

Foto: Hergarten

Der Standort Neuss-Holzheim platzt aus allen

Nähten: Bis zum Ende des Jahres soll der

größte Lagerstandort der Hergarten-Gruppe

auf 11.500 m 2 erweitert werden.

Anarbeitung, Lagerung und Logistik des

Materials von zahlreichen Kunden ausgestattet.

Zu den Lagerprodukten gehören

beispielsweise Grob- und Feinbleche, Profile,

Rohre, Stabstahl und Vollmaterial –

jeweils in Handels- und in Fixlänge.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Hergarten

sein Transportnetzwerk im süddeutschen

Raum ausgebaut. So wurde

Anfang 2016 ein Lager- und Anarbeitungszentrum

am Standort Kornwestheim

in Betrieb genommen. Von dort aus verteilt

die Hergarten-Flotte mit Fokus auf

die Postleitzahlengebiete 70 bis 89 Stahlrohre

in Handels- und Fixlängen bis 12 m

sowie Aluminium in Handels- und Fixlängen

an diverse Großkunden im Automobil-,

Maschinen- und Stahlbau. Für 2017

rechnet Hergarten mit insgesamt rund

50.000 t Material, das in Kornwestheim

umgeschlagen wird.

Stahlreport 7/8|17

21


Messen

und Märkte

Schwerpunkt: Vorschau auf die EMO

Quelle: VDW

Der Bundespräsident wird die EMO in Hannover eröffnen

Die Welt der Metallbearbeitung

Erstmals seit vier Jahren findet die EMO wieder in Hannover statt: vom 18.-23.9.17.

Mehr als 2.000 Aussteller haben sich angemeldet, um die Welt der Metallbearbeitung zu

präsentieren. Dabei und im Begleitprogramm zur Messe geht es nach Angaben des VDW

sowohl um technische Themen als auch um aktuelle Marktfragen. Eröffnet wird die

Veranstaltung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Unter diesem Logo

präsentiert sich in

diesem Jahr auf der

EMO in Hannover

die Welt der Metallbearbeitung.

Digitalisierung bzw. Vernetzung

sind die zentralen Themen der diesjährigen

EMO, die unter dem Motto

„Connecting systems for intelligent production!“

stattfindet. Diese Überschrift

macht nach Ansicht von EMO-Generalkommissar

Carl Martin Welcker deutlich,

dass Werkzeugmaschinen die

Industrie 4.0 längst realisiert haben.

Die Basis dafür sind im Zusammenhang

mit diesen Maschinen

sogenannte Befähigungstechnologien,

über die Ende Juni in Hannover

– ebenfalls auf der Ausblickveranstaltung

zur diesjährigen Messe

– Prof. Hans-Christian Möhring referierte.

Der Leiter des Instituts für

Werkzeugmaschinen (IFW) an der

Universität Stuttgart stellte dabei

den aktuellen Forschungsstand dar.

Die wichtigsten Trends dabei sind

nach seinen Angaben die

z Verbindung klassischer Werkzeugtechnologien

mit dem Additiv

Manufacturing, um zu leichteren

Instrumenten mit einer höheren

Leistungsdichte zu kommen,

z Kombination mehrerer Bearbeitungsverfahren

mittels hybrider

Maschinen, in denen ganze Teile

von Wertschöpfungsketten abgebildet

werden können, sowie

z die Ausstattung der neuen Aggregate

mit vielerlei Sensoren, um

einerseits die Qualität der erzeugten

Produkte sicherzustellen und

andererseits Daten für Simulationsverfahren

zu generieren.

Maschinen und Märkte

Diese und weitere Trends werden

nach Angaben des Vereins Deutscher

Werkzeugmaschinenfabriken (VDW),

der die EMO in diesem Jahr im Auftrag

des europäischen Werkzeugmaschinenverbands

CECIMO veranstaltet,

in den Ausstellungshallen sichtbar

werden. Präsentiert wird für

Anwendergruppen wie z.B. den

Maschinen- und Apparatebau, den

Stahl- und Leichtmetallbau, die Automobilindustrie

und ihre Zulieferer,

den Schiffsbau sowie für die Bereiche

Ziehereien, Kaltwalzwerke und

Stahlverformung.

Spanende, zerteilende und abtragende

Werkzeugmaschinen bilden

ebenso Ausstellergruppen wie etwa

Blech-, Draht- und Rohrbearbeitungsmaschinen

sowie Qualitätsmanagementsysteme,

Kühl-Schmierstoffe

oder das Schweißen, Schneiden, Härten

und Erwärmen (vgl. weitere

Berichte in diesem Schwerpunkt).

Außerdem werden Rahmenveranstaltungen

mit Blick in die Technik

und auf die Märkte angeboten.

Stichworte dazu sind neben der

Industrie 4.0 die Produktion von

morgen, additive Fertigungsverfahren,

die Sicherheit von Werkzeugmaschinen

sowie die Entwicklung

der entsprechenden Märkte in den

USA, in Indien und Mexiko, ferner

Start-ups für die intelligente Produktion

oder die Nachwuchswerbung.

Der globale Markt für Werkzeugmaschinen

belief sich 2016 laut

VDW-Weltstatistik auf 67,7 Mrd. €.

Dies entsprach im Jahresvergleich

einem Rückgang um 3 %. Die Industrieproduktion

und der Werkzeugmaschinenverbrauch

sollen entsprechend

dieser Quelle in 2017 jedoch

um jeweils 3,1 % bzw. 3,2 % anziehen.

2

22 Stahlreport 7/8|17


Die Schwenkrahmen-Bandsäge KASTOmicut für

den Werkstattbereich ist erstmals auch in einer

vollautomatischen Ausführung erhältlich.

Was Kasto in Hannover zeigt

Zwei Geschäftsbereiche

Auf der EMO in Hannover präsentiert Kasto in Halle 015 (Standnummer D58) Innovationen aus den

beiden Geschäftsbereichen Säge- und Lagertechnik.

So bietet die KASTO Maschinenbau

GmbH & Co. KG aus dem

mittelbadischen Achern seine Lagersysteme

schon seit Jahren mit einer

optionalen Energierückspeisung an.

Überschüssige Bewegungsenergie,

die beispielsweise beim Abbremsen

des Regalbediengerätes oder beim

Senken des Hubwerks entsteht, lässt

sich damit in Strom umwandeln und

in das Netz zurückspeisen. Nun stattet

Kasto seine Automatiklager auf

Wunsch auch mit einem integrierten

Energiespeicher aus. Die zurückgewonnene

Energie wird damit flexibel

nutzbar gemacht. Das Unternehmen

demonstriert sein neues

Energiekonzept in Hannover anhand

eines Turmlagersystems vom Typ

UNITOWER.

Mit der KASTOwin pro AC 5.6 zeigt

der Spezialist zudem eine Hochleistungs-Bandsäge,

die durch kurze

Schnitt- und hohe Standzeiten sowie

eine intuitive Bedienung überzeugen

will. Der Vollautomat ist für den Einsatz

mit Bi- und Hartmetall-Sägebändern

optimiert, etwa im Stahlhandel,

in der Stahlerzeugung, in Schmiedewerken,

im Maschinenbau oder in der

Automotive-Industrie. Anwender sollen

damit ihre Werkzeugkosten senken

Fotos, 2: Kasto

und die Sägefertigung deutlich schneller

und effizienter gestalten können.

Vollautomatische

Schwenkrahmensäge

Im vergangenen Jahr präsentierte

Kasto mit der neuen Baureihe KAS-

TOmicut eine vielseitige Schwenk-

rahmen-Bandsäge für den Werkstattbereich.

Diese ist nun erstmals auch

in einer vollautomatischen Ausführung

erhältlich, der KASTO micut A

2.6. Auf der EMO 2017 kann sie mit

all ihren technischen Eigenschaften

zum ersten Mal vom Publikum

betrachtet werden. 2

Das Langgutlager

UNITOWER von

Kasto mit einem

System zur Energierückspeisung

und -

speicherung.

Stahlreport 7/8|17

23


Messen

und Märkte

Schwerpunkt: Vorschau auf die EMO

Das Ziel von EMAGs Industrie 4.0-Produkten

ist eine ganzheitlich steuerbare, vorhersagbare

und überwachte Produktion.

Was der Maschinenbauer EMAG für die EMO plant

Elektromobilität und Industrie 4.0

Elektromobilität und Industrie 4.0 – diese aktuellen Megatrends prägen den Messestand

der EMAG-Gruppe auf der diesjährigen EMO in Hannover (Halle 17, Stand C 31).

Die Maschinenbauer der

EMAG GmbH & Co. KG aus Salach

wollen dabei ihre Rolle als „Möglichmacher“

für den technologischen

Wandel deutlich machen:

z Bereits heute verfügen sie über

Komplettlösungen, mit denen sich

zentrale Bauteile von elektrischen

Antriebssystemen effizient produzieren

lassen. Beispielhaft dafür

sehen die Messegäste mehrere

High-Performance-Maschinen im

Einsatz – darunter Weltneuheiten

aus den Bereichen Drehbearbeitung,

Laserschweißen/Fügen und

Verzahnen.

z Gleichzeitig treibt die Gruppe die

Digitalisierung ihrer Produktionstechnologie

für die Etablierung von

intelligenten Fabriken massiv

voran. Deshalb gibt es auf der EMO

einen eigenen Bereich, in dem Kunden

zentrale Industrie-4.0-Lösungen

testen können.

Das Ziel ist eine ganzheitlich steuerbare,

vorhersagbare und überwachte

Produktion – so könnte man

Fotos, 2: EMAG

die Botschaft des Industrie-4.0-Auftritts

von EMAG auf der EMO umreißen.

Die Produktionsdaten der

Maschinen bieten dabei viele Möglichkeiten,

um zentrale Prozesse

mithilfe von passgenauen Software-

Tools zu perfektionieren: Mit dem

„MultiMachineMonitor“ ist es zum

Beispiel möglich, unterschiedliche

Maschinen von zentraler Stelle aus

per Tablet oder PC zu kontrollieren.

Die Software „EC Data“ soll

garantieren, dass der Herstellungsprozess

eines Werkstücks zurückzuverfolgen

ist. Und „Machine-

Status“ bietet eine Analyse der

Maschine sowie der Werkzeuge im

Einsatz. 2

In den neuen VL-Maschinen für die Bearbeitung von Futterteilen sorgen wassergekühlte

Motorspindeln bis zu 32,4 kW Leistung für Produktivität.

24 Stahlreport 7/8|17


Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir einen

Bereichsleiter

Edelstahl/NE-Metalle (m/w)

mit Berufserfahrung.

Kunden- und Prozessorientierung bei Liebherr

Wälzschälen

Das Wälzschälen stellt Liebherr in Halle 26 auf

Stand A72 als einen Fokus seiner Präsentationen

anlässlich der EMO dar. Dabei gibt man sich

bewusst kunden- und prozessorientiert.

„Für erfolgreiches Wälzschälen brauchen Anwender

mehr als nur eine gute Maschine“, fasst Dr.-Ing. Oliver

Winkel, Leiter Anwendungstechnik, zusammen.

„Beim Skiving 3 verkaufen wir nicht die LK 300 oder

500, sondern einen Prozess. Der Kunde präsentiert uns

ein Zahnrad und wir liefern Maschine, Werkzeuge und

Technologie für dessen Produktion.“

In der Praxis habe sich der ganzheitliche Ansatz der

Liebherr-Verzahntechnik GmbH bereits bewährt. Für

viele Kunden sei der Prozess des Schälens neu, die

Bediener der Maschinen bräuchten entsprechend umfassende

Schulungen und Hilfestellungen. Hinzu komme,

dass die Werkzeugauslegung ein sehr komplexes Thema

ist.

„Wir haben unsere Arbeitsteilung sehr gut organisiert“,

berichtet Oliver Winkel. „In Kempten berechnen

wir die Werkzeuge, die dann in Ettlingen oder im italienischen

Collegno ausgelegt und gefertigt werden – so

haben wir den kompletten Prozess im Griff, sowohl für

zylindrische als auch für konische Werkzeuge.“

Die Wälzschälmaschinen LK 300 und 500 selbst

basieren auf den bewährten Komponenten der entsprechend

großen Fräsmaschinen. Allerdings waren verfahrensbedingte

Modifikationen unumgänglich. So musste

die gesamte Maschine deutlich steifer sein und extrem

starke Spindeln erhalten.

Da Schälen ein hochdynamischer Prozess ist, wird

die Maschine praktisch „schlüsselfertig“ ausgeliefert: mit

individuellen Aufspannungen je Werkstück, präziser

Steifigkeit und Konturtreue. „Diese Gesamtbetrachtung

ist eine wichtige Leistung für den Erfolg der Fertigung“,

erläutert Siegfried Schmidt, Teamleiter Entwicklung

und Konstruktion Wälzschälen. „Ein komplexer Prozess

wie das Schälen hat viele individuelle Hürden, die wir

mit mathematisch hochspezifischen Lösungen überwinden.“

2

Ihr Hauptaufgabengebiet

Sie sind in Ihrer Funktion zuständig für die Ausrichtung des Fachbereichs

Edelstahl/NE-Metalle entsprechend der Strategie des

Unternehmens und der vereinbarten Ziele.

Sie verantworten die operative Gesamtsteuerung der Abteilung

mit folgenden Schwerpunkten:

• Eigenständige Auftrags- und Einkaufsverhandlungen sowie

Auftragsprüfung und Kontrolle der termingerechten Belieferung

• Weiterentwicklung des Produktportfolios

• Betreuung und Erweiterung unseres nationalen und internationalen

Lieferanten- und Kundenkreises

• Key-Account für strategische Kundenbeziehungen

• Führung, Motivation und Weiterentwicklung der zugeordneten

Mitarbeiter

Was bieten wir Ihnen

• Ein ständig wachsendes innovationsstarkes Unternehmen

• Ein wertorientiertes Unternehmensumfeld mit mittelständischen

Strukturen und Gestaltungsspielräumen für Menschen,

die etwas bewegen möchten

• Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege in einem

hochmodernen Arbeitsumfeld

• Wir bieten eine intensive Einarbeitung, kontinuierliche Weiterbildungsmaßnahmen

und Entwicklungsmöglichkeiten in einem

vielfältigen Marktumfeld

• Wir wertschätzen Ihr Engagement durch ein attraktives

Gehaltspaket und innovative Aktionen im Rahmen unseres

Betrieblichen Gesundheitsmanagements

Was bringen Sie mit

• Abgeschlossene kaufmännische Ausbildung (idealerweise im

Bereich Groß- und Außenhandel) oder vergleichbares abgeschlossenes

wirtschaftswissenschaftliches Studium

• Sortiments- und Branchenkenntnisse im Bereich Edelstahl/

NE-Metalle

• den-

und Vertriebsorientierung

• Professionelles Auftreten im Umgang mit Kunden und Partnern

verschiedener Kulturkreise

• Sehr gute Englischkenntnisse

• Hohes Maß an Belastbarkeit und Flexibilität

• Teamfähigkeit und die Bereitschaft für lebenslanges Lernen

Wir freuen uns auf Ihre schriftliche Bewerbung an

Friedrich Kicherer GmbH & Co. KG

Postfach 1261, 73472 Ellwangen

oder an bewerbung@kicherer.de.

Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kicherer.de.

Stahlreport 7/8|17

25


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Konjunktur

Der EMI-Index stellt neue Rekorde auf

In Höchstform

Die deutsche Industrie ist in Höchstform und im Juni noch etwas stärker gewachsen als im Mai.

Überdies blieben die Geschäftsaussichten des Verarbeitenden Gewerbes binnen Jahresfrist

ausgesprochen optimistisch. Das signalisiert der saisonbereinigte EMI, der aktuell gegenüber

dem Vormonat um 0,1 Punkte auf 59,6 zugelegt und damit das kräftigste Wachstum seit April 2011

erzielt hat. Dieser Konjunktur-Indikator notiert bereits seit 31 Monaten über der 50-Punkte-Marke

– das ist der zweitlängste Zeitraum ununterbrochenen Wachstums seit dem Umfragebeginn vor

21 Jahren, teilte der BME mit.

Wiederum veröffentlichte der

Bundesverband Materialwirtschaft,

Einkauf und Logistik (BME) zu diesen

aggregierten Daten des IHS Markit/

BME-Einkaufsmanager-Index (EMI)

fachliche Kommentare und Detailinformationen.

Der EMI gibt einen allgemeinen

Überblick über die konjunkturelle Lage

in der deutschen Industrie. Der Index

erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft

des BME. Er wird vom Anbieter

von Unternehmens-, Finanz- und

Wirtschaftsinformationen IHS Markit

mit Hauptsitz in London erstellt und

beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern/

Geschäftsführern der

verarbeitenden Industrie in Deutschland

(nach Branche, Größe sowie

Region repräsentativ für die deutsche

Wirtschaft ausgewählt).

Kommentare

„Die anhaltende Robustheit der deutschen

Wirtschaft überrascht angesichts

nach wie vor bestehender globaler

Risiken. Gleichzeitig stimmt

uns das EMI-Hoch für den weiteren

Jahresverlauf optimistisch“, betonte

Dr. Silvius Grobosch, Mitglied des

geschäftsführenden Bundesvorstandes

des BME.

„Laut EMI ist die Stimmung in

der Industrie ausgezeichnet. Es

scheint, als ob die Bäume in den Himmel

wachsen. Wie wahrscheinlich ist

das aber?“, kommentierte Dr. Gertrud

R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba

Landesbank Hessen-Thüringen die

aktuellen EMI-Daten. Die Korrektur

an den Aktienmärkten sei nach Einschätzung

der Helaba-Bankdirektorin

ein erstes Anzeichen dafür, dass

die Stimmung über die Lage hinaus

gewachsen und entsprechend zu viel

Euphorie eingepreist ist. „So ist es

wahrscheinlich, dass der nächste EMI

schwächer reinkommt“, sagte Traud.

Nach Ansicht von Dr. Ulrich Kater,

Chefvolkswirt der DekaBank, „geht

die Party weiter“. Die politischen Risiken

hätten im Euroraum in den vergangenen

Monaten deutlich abgenommen.

Die Europäische Zentralbank

plane nur einen sehr langsamen Ausstieg

aus der extrem lockeren Geldpolitik.

Zudem sei der weltwirtschaftliche

Rahmen laut Kater solide.

Tatsache sei aber, dass der Bezug der

Stimmungsindikatoren zur tatsächlichen

Entwicklung verloren gegangen

ist. „Schon im ersten Quartal war

die Stimmung der Unternehmen im

Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung

viel zu optimistisch. Diese Euphorie

wird sich im weiteren Jahresverlauf

korrigieren. Dann muss man sich

davor hüten, diese Normalisierung

gleich wieder als den Weg in die

nächste Rezession zu interpretieren“,

sagte Kater.

Details

Industrieproduktion: Die Produktionssteigerungsrate

schwächte sich

im Berichtsmonat gegenüber Mai

zwar marginal ab, blieb aber immer

noch die zweithöchste seit April 2011.

Seit 50 Monaten, und damit so lang

wie nie zuvor in der bisherigen Umfragegeschichte,

wird die Produktion

nun bereits ununterbrochen ausgeweitet.

Spitzenreiter in dieser Kategorie

war diesmal der Investitionsgüterbereich.

Auftragseingang: Die Nachfrage

zog im Juni zum sechsten Mal innerhalb

der vergangenen sieben Monate

an und sorgte dafür, dass das 31. Auftragsplus

in Folge sowohl bei Global

Playern als auch bei KMU so hoch

ausfiel wie zuletzt im März 2011.

Beschäftigung: Der 15. Jobaufbau

in Folge fiel nur geringfügig

schwächer aus als zum Sechs-Jahreshoch

im Vormonat und war damit der

zweitstärkste seit Mai 2011. Grund

hierfür waren vor allem notwendige

Kapazitätsausweitungen infolge der

kräftigen Nachfrage.

Einkaufs-/Verkaufspreise: Der

Anstieg der Einkaufspreise schwächte

sich im Juni saldiert ab. Der entsprechende

Teilindex landete auf dem tiefsten

Wert seit November 2016, er notiert

jedoch noch immer über seinem Langzeit-Durchschnittswert.

Mit dazu beigetragen

haben die hohen Rohstoffpreise

und verbreitete Lieferschwierigkeiten.

Wegen der anhaltenden Verteuerung

einiger Rohstoffe beschleunigte sich

der Anstieg der Verkaufspreise und fiel

erst zum zweiten Mal so hoch aus wie

zuletzt im Juli 2011. Seit zehn Monaten

und damit so lange wie seit über fünf

Jahren nicht mehr werden die Verkaufspreise

nun bereits ununterbrochen

angehoben. Am stärksten fiel die Erhöhung

diesmal im Vorleistungsgüterbereich

aus. 2

26 Stahlreport 7/8|17


Eingeordnet

Erfolge im Außenhandel

Die jüngsten Erfolgszahlen der deutschen Wirtschaft spiegeln

sich auch in den Daten wider, die der BGA Anfang Juli zum Außenhandel

vorgelegt und zum Anlass genommen hat, aktuelle wirtschaftspolitische

Ereignisse wie den G-20-Gipfel oder die bevorstehenden Bundestagswahlen

entsprechend positiv und wertend einzuordnen.

„Der Abschluss des deutschen Außenhandels im Mai ist angesichts

der anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten

besonders beeindruckend. Export-, aber vor allem importseitig konnten

wir große Zuwächse im zweistelligen Bereich von je mehr als 10 %

verzeichnen. Dies ist wohl stark auf die konjunkturelle Erholung im

Umfeld der deutschen Außenwirtschaft zurückzuführen – eine Entwicklung,

die für Europa genau richtig kommt.“ Dies erklärte Anton F.

Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel,

Dienstleistungen (BGA), in Berlin zur Entwicklung des deutschen

Außenhandels.

Zuvor hatte das Statistische Bundesamt die Außenhandelszahlen für

Mai 2017 bekannt gegeben. Demnach wurden Waren im Wert von

110,6 Mrd. € exportiert, ein Plus von 14,1 % im Vorjahresvergleich. Mit

einem Warenwert von 88,6 Mrd. € sind die deutschen Importe sogar

stärker gestiegen, im Vorjahresvergleich um 16,2 %. Die Außenhandelsbilanz

schloss damit mit einem Überschuss von 22 Mrd. € ab.

Bilanziert

Erfolge im Großhandel

Die jüngsten Erfolgszahlen der deutschen Wirtschaft spiegeln sich

auch in den Daten wider, die der BGA Anfang Juni zum Großhandel vorgelegt

hat. Diese Bilanz bezieht sich auf die Zahlen zum I. Quartal 2017.

„Das erste Quartal verlief für den Großhandel besser als erwartet. Nachdem

die Händler seit 2014 immer mehr Waren verkaufen mussten, um

ihre Umsätze stabil zu halten, konnte erstmals wieder ein ordentliches

Umsatzplus erzielt werden. Es ist aber noch zu früh, von einem Trend zu

sprechen. Zudem ist der Löwenanteil Preiseffekten geschuldet.“ Dies

erklärte Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel,

Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), in Berlin zu den Ergebnissen des

Statistischen Bundesamtes zu den Umsatzzahlen im Großhandel für das

erste Quartal.

Die Großhandelsunternehmen haben nach Angaben des Statistischen

Bundesamtes im ersten Quartal 2017 real 4,5 % und nominal 8,5 % mehr

Umsatz erwirtschaftet als im ersten Quartal 2016. Der Produktionsverbindungshandel

konnte erstmals sowohl nominal als auch real Umsatzsteigerungen

aufweisen. Der konsumnahe Großhandel setzte, wie bereits in Vorquartalen,

nominal 3,7 % mehr um. Real verkauften die konsumnahen

Großhändler 2,4 % mehr Güter und Dienstleistungen. Schwachpunkt

bleibe aber die trotz einer soliden gesamtwirtschaftlichen Lage zu

schwache Investitionsdynamik kommentierte Anton F. Börner.

Details stützen Trend

Aktuelle Baukonjunktur

Auch die neuesten Monatszahlen aus

der Branche stützen den allgemeinen Trend

(vgl. Schwerpunkt in diesem Heft, S. 60): In

der deutschen Bauwirtschaft hat sich der

Aufschwung auch im April fortgesetzt. Das

hat der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Ende Juni in der neuesten Ausgabe

seines aktuellen Zahlenbildes mitgeteilt.

Demnach legte der baugewerbliche Umsatz

im vierten Monat im Vergleich zum Vorjahr

zwar nur um nominal 3,3 % zu, nach 18,2 %

im Vormonat. Die Verlangsamung sei allerdings

nicht Ausdruck einer sich eintrübenden

Baukonjunktur, sondern lasse sich vollständig

auf den Effekt einer geringeren Anzahl von

Arbeitstagen zurückführen – im April standen

drei Arbeitstage weniger zur Verfügung als im

vergleichbaren Vorjahresmonat.

Aufgrund des ausgesprochen guten ersten

Quartals lagen die Umsätze in den ersten vier

Monaten um 8,9 % über dem Niveau des vergleichbaren

Vorjahreszeitraums. Entsprechend

zufrieden zeigten sich die Bauunternehmen:

90 % der im Rahmen des ifo

Konjunkturtests Befragten beurteilten ihre

aktuelle Geschäftslage als gut bzw. befriedigend

– so viele wie noch nie in einem April.

Auch der Auftragseingang trotzte dem statistischen

Effekt: Die Bauunternehmen meldeten

ein Orderplus von nominal 2,7 %, für

Januar bis April ergibt sich ein Plus von 7,8 %.

Die gute Entwicklung spiegelt sich auch in

dem vom Statistischen Bundesamt berechneten

(preis-, saison- und arbeitstäglich) bereinigten

Auftragseingang wider: Er lag im April

um 0,9 % über dem Vormonat.

Es ist somit logisch, dass die Branche bei der

Reichweite der Bestände immer neue

Rekorde meldet: Im April lag die Reichweite

laut ifo bei 3,8, im Mai sogar bei 3,9 Monaten

(Vorjahr: 3,2 bzw. 3,4 Monate).

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Die Baukonjunktur im April 2017.

Stahlreport 7/8|17

27


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Konjunktur

Interview mit IKB-Experte Dr. Heinz-Jürgen Büchner

Gute Aussichten für die Stahlnachfrage

Die Nachfrage nach Stahl in Deutschland wird sich auch im zweiten Halbjahr 2017 weiter positiv

entwickeln. Die wichtigsten Abnehmerbranchen wie Bau, Fahrzeugbau sowie der Maschinen- und

Anlagenbau sind weiterhin gut beschäftigt. Im Interview analysiert Dr. Heinz-Jürgen Büchner,

Managing Director Industrials, Automotive & Services – IKB Deutsche Industriebank AG und

einer der Referenten des kommenden Stahlhandeltages, vorab die aktuelle Marktlage.

Stahlreport: Herr Dr. Büchner,

wie wird sich die Stahlnachfrage im

zweiten Halbjahr 2017 entwickeln?

Dr. Heinz-Jürgen Büchner: Wir

glauben, dass die Konjunktur in

Deutschland weiterhin ordentlich

läuft – ebenso wie in Europa insgesamt.

Die wichtigen Abnehmerbranchen

verfügen nach wie vor über

eine gute Auftragslage. Ob Maschinenbau,

die Automobilindustrie oder

die Baubranche: Im laufenden Jahr

sind diese Wirtschaftszweige nicht

auf Moll gestimmt. Wir gehen für

das zweite Halbjahr 2017 also von

einer sehr ordentlichen Stahlnachfrage

aus.

Viel Freude macht dem Stahlhandel

derzeit insbesondere die Baubranche.

Wie lange noch?

Die Nachfrage in der Baubranche

in Deutschland wird relativ stark

vom Wohnungsbau getrieben. Das

wird voraussichtlich auch im nächsten

Jahr noch der Fall sein. Im Schnitt

werden wir in Westeuropa insgesamt

noch bis etwa 2019 ein Wachstum

der Baubranche von durchschnittlich

rund 2 % pro Jahr sehen.

Dabei entwickelt sich die Nachfrage

im Detail sehr unterschiedlich. In

Deutschland wird sich zum Beispiel

der Gewerbeimmobilienbau in den

nächsten zwei Jahren voraussichtlich

etwas schwächer entwickeln.

Beim Tiefbau hängt es davon ab, was

in den einzelnen Ländern von der

Öffentlichen Hand investiert wird.

Ein Bick über den deutschen Tellerrand

hinweg: Wie entwickelt sich

die Baubranche auf europäischer

Ebene?

Mit Blick auf Europa ist festzustellen,

dass sich die spanische Baubranche

erfreulicherweise wieder

erholt hat – wenn auch auf einem

niedrigeren Niveau als noch 2007, als

das Land noch rund zwei Drittel der

Wohnungsbaufertigstellungen in

Europa beigetragen hat.

Sehr gut aufgestellt sind einige

osteuropäische Märkte. Eine deutliche

Bewegung ist auch im Benelux-

Raum zu beobachten. Das wird

voraussichtlich bis Ende 2017 noch

anhalten, danach wird das Wachstum

der Baubranche etwas schwächer,

aber nicht besorgniserregend.

Wie läuft es im Maschinen- und Anlagenbau?

Im Maschinen- und Anlagenbau

hatten wir es in Deutschland über

einige Jahre mit einer schwachen

Binnennachfrage zu tun. Das korrigiert

sich gerade wieder ein wenig.

Viele Branchen sind ja sehr gut ausgelastet,

unter anderem der Automobilbau.

Aber es gibt auch Branchen im

Maschinen- und Anlagenbau, in

denen es nicht so gut läuft. Vor allem

explorationsnahe Bereiche haben zu

kämpfen, etwa Hersteller von

Maschinen für den Bergbau oder für

Hüttenwerke. Die Ausrüster für

Stahlwerke bekommen gerade zu

spüren, dass die Kapazitäten, die

von 2008 bis 2014 in den Markt

gekommen sind, noch nicht vollkommen

absorbiert worden sind. Auch

die Sanktionen gegen Russland treffen

diese Hersteller.

Und wie entwickelt sich die Situation

in der Automobilherstellung weiter?

In der Automobilindustrie in

Deutschland wird es auch im zweiten

Halbjahr 2017 weiterhin sehr gut

28 Stahlreport 7/8|17


laufen. Die Branche wird voraussichtlich

weitere Exporterfolge erzielen.

Auch 2018 wird es noch relativ gut

laufen – vielleicht mit einem etwas

niedrigeren Zuwachs als noch in diesem

Jahr.

Das sind bisher gute Aussichten für

den Stahlhandel. Bestehen auch

Unwetterrisiken?

Ein Risiko stellt zweifellos der

Brexit dar. Der britische Markt ist ja

ein wichtiger Absatzmarkt für die

deutsche Automobilproduktion. Je

nachdem, wie die anstehenden Verhandlungen

ausgehen, könnte das zu

einem Problem werden.

Zu den Risikofaktoren zählt

ebenso, ob und inwieweit die Administration

unter Trump noch in die

Märkte eingreift. Weder hierfür noch

für den Brexit ist momentan aber

sicher abzusehen, wie sich das entwickelt.

Geopolitisch betrachtet ist auch

die Golfregion in massiver Unruhe.

Schwer abzuschätzen ist zudem, wie

sich die Dinge in der Türkei weiter

entwickeln. Wir beobachten momentan,

dass dort eine Reihe von Investitionen

etwa von Automobilzulieferern

aufgeschoben wird.

Info

Dr. Heinz-Jürgen Büchner ist Referent

auf dem kommenden Stahlhandelstag

des BDS am 28. September

2017 in Darmstadt. In

seinem Vortag analysiert der IKB-

Experte die „Volkswirtschaftlichen

Entwicklungen und deren Auswirkungen

auf die Stahlmärkte“ im

Detail.

Dr. Heinz-Jürgen Büchner trat 1990

in die IKB, Deutsche Industriebank

AG, ein. Nach verschiedenen Stationen

ist er seit 2011 Managing

Director Industrials, Automotive,

Services.

Die letzte Frage bringt die europäsiche

und die innerdeutsche Perspektive

zusammen: Welche Auswirkugen

hätte aus volkswirtschaftlicher

Sicht eine Fusion der Stahlsparte

von Thyssenkrupp und Tata Steel

Europe?

Eine Fusion der beiden Unternehmen

könnte ein wichtiger Beitrag

zur Konsolidierung der Branche

in Europa sein. Ein fusioniertes

Unternehmen würde zudem einen

deutlichen Sprung im Weltranking

Informationen zum Programm des

Stahlhandelstags unter

www.stahlhandel.com

machen und wäre neben Arcelor-

Mittal der führende Stahlproduzent

in Europa.

Herr Dr. Büchner, vielen Dank für

das Gespräch.

Positive Signale

Aktuelle Einblicke in den Fahrzeugbau

Positive Signale kommen derzeit

auch aus dem Fahrzeugbau. Aktuelle Daten

dazu hat der VDIK beigesteuert. Dieser Verband

sieht die Märkte aus einem internationalen

Blickwinkel.

Die neuesten Zahlen von Ende Juni

beziehen sich sowohl auf den Pkwals

auch auf den Nutzfahrzeugmarkt.

Sie geben außerdem interessante

Einblicke in die Zusammensetzung

der Marktteile, wie der Verband der

Internationalen Kraftfahrzeughersteller

mitgeteilt hat.

Personenkraftwagen

Der Pkw-Markt in Deutschland hat sich

demnach im ersten Halbjahr mit einem

Plus von voraussichtlich 3,2 % zum Vergleichszeitraum

und mit ca.1,79 Millionen

neu zugelassenen Pkw deutlich besser als

erwartet entwickelt.

An der guten Entwicklung partizipieren

die VDIK-Mitgliedsunternehmen überdurchschnittlich,

sie steigern ihren Marktanteil

um zwei Prozentpunkte auf 37,7 %.

Mit insgesamt über 670.000 Einheiten

erreichten sie das beste Halbjahresergebnis

seit dem Jahr der Umweltprämie.

VDIK-Präsident Reinhard Zirpel: „Der Pkw-

Markt in Deutschland entwickelte sich von

Januar bis Juni 2017 sehr positiv. Die nach

wie vor positiven Rahmenbedingungen

veranlassen uns zu einer Erhöhung unserer

Prognose für das Gesamtjahr 2017 auf

über 3,4 Millionen Neuzulassungen.“

Nutzfahrzeuge

Mit voraussichtlich 181.000 Einheiten im ersten

Halbjahr 2017 wuchs der Markt der leichten

und schweren Nutzfahrzeuge um 2,3 Prozent

im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Die internationalen Hersteller haben im gleichen

Zeitraum rund 49.000 neue Nutzfahrzeuge

zugelassen und halten ihren Marktanteil

vonrund 27 %.

Zahlenmäßig tragen die leichten Fahrzeuge

erheblich zum Wachstum des Nutzfahrzeugmarktes

bei. Sie werden mit rund 130.000

Einheiten und einem Plus von 3 % wieder ein

Rekordniveau erreichen. Die mittelschweren

und schweren Nutzfahrzeuge liegen in etwa

auf dem Vorjahrswert. Im langjährigen Vergleich

ist es in dieser Gewichtsklasse ein

sehr gutes Ergebnis, meint der VDIK.

Stahlreport 7/8|17

29


Messen

und Märkte

Schwerpunkt Konjunktur

Erfolgszahlen aus dem Maschinenbau

Erhöhte Jahresprognose

Auch der deutsche Maschinenbau meldet in seinem jüngsten Monatsbericht Erfolgszahlen, die

den mittel- und langfristigen Trend positiv stützen. Sie beziehen sich u.a. auf die Produktion, die

Kapazitätsauslastung und den Auftragseingang. Quelle ist der VDMA, der inzwischen seine Jahresprognose

deutlich erhöht hat.

In den ersten vier Monaten

dieses Jahres übertraf die Produktion

im Maschinenbau ihr Vorjahresniveau

nach vorläufigen Berechnungen

um 2,3 %. Der Verband Deutscher

Maschinen- und Anlagenbau

(VDMA) hat dies zu Anlass genommen,

seine Produktionsprognose für

das Jahr 2017 von real plus 1 % auf

plus 3 % zu erhöhen. Vor allem das

starke Wachstum der Orders aus den

Euro-Partnerländern, die Hoffnung

auf eine weiter anziehende Nachfrage

aus Deutschland sowie die

bereits in den ersten vier Monaten

des Jahres stark gestiegenen Exporte

nach China sollten nach Ansicht des

Verbandes trotz aller Risiken für ein

stärkeres Produktionswachstum sorgen.

Die Kapazitätsauslastung der

Branche lag im April 2017 mit 85,6 %

nur knapp unter dem langjährigen

Durchschnitt des Deutschen Maschinenbaus.

Die Auslastungsquote ist

damit seit Oktober 2016 wieder leicht

gestiegen, nachdem sie seit Ende

2012 fast ausnahmslos stagniert

hatte.

Auftragseingang

Der Auftragseingang hat im Mai

2017 sein Vorjahresniveau deutlich

num real 17 % übertroffen und damit

nach Ansicht des VDMA ein klares

Quellen, 3: Statistisches Bundesamt/VDMA

Deutsche Maschinenproduktion

Preisbereinigter Index, Basis 2010 = 100

170

160

150

140

130

120

110

100

90

80

70

Auftragseingang in Deutschland Maschinenbau

Preisbereinigte Indizes, Basis Umsatz 2010 = 100

170

160

150

140

130

120

110

100

90

80

70

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Inland

Ausland

Gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Im April positiv fortgeschrieben: die Deutsche Maschinenproduktion

Originalindizes

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Inland Ausland

Gleitender 12-Monats-Durchschnitt

Originalindizes

Im Mai positiv fortgeschrieben: die Auftragseingang im deutschen Maschinenbau

30 Stahlreport 7/8|17


Signal gesetzt. Die Inlandsorders

legten um 5 % zu. Die Bestellungen

aus dem Ausland stiegen sogar um

23 %.

Zum Auftragseingang teilte der

VDMA ergänzend mit, dass fünf

Fachzweige des Verbands Zuwachsraten

von 40 % und mehr erzielen

konnten. Dazu zählen Verfahrenstechnische

Maschinen und Apparate,

Hütten- und Walzwerkseinrichtungen,

Bergbaumaschinen, die

Landtechnik und Textilmaschinen.

Gießereimaschinen und Power Systems

(Turbinen) hätten hingegen

Einbußen von 30 % und mehr hinnehmen

müssen. 2

Kapazitätsauslastung im deutschen Maschinenbau

In Prozent der üblichen Vollauslastung

95

90

50%-Streuband*

mittlerer Wert: 85,9

85

80

75

70

65

2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017

Im April positiv fortgeschrieben: der Kapazitätsauslastung im deutschen Maschinenbau

Nochmals besser

Zulieferer achten auf Bodenhaftung

Die Zulieferunternehmen der ArGeZ

haben im Juni die Lage und Perspektiven der

Branche nochmals deutlich besser eingeschätzt

als im Vormonat. Sie wollen die Bodenhaftung

aber dennoch nicht verlieren.

Von Übertreibungen, wie sie das Geschäftsklima

des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt

womöglich signalisiert, sind die Zulieferer

dennoch deutlich entfernt, hat die

Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie

(ArGeZ) geurteilt. Die Branche sei realistisch

genug, den Abgleich mit dem realen

Geschäft nicht zu scheuen:

z Das Automobilgeschäft in Europa laufe

noch auf hohem Niveau, im Gegensatz zu

den USA sowie China. Dass selbst der Verband

der Automobilindustrie (VDA) seine

Markteinschätzung für China, den größten

Pkw-Markt der Welt, nach unten revidiert

hat, sollte allerdings zu denken geben,

meint man bei der ArGeZ.

z In der zweitgrößten Kundenbranche der

Zulieferer, dem Maschinenbau, liege

zudem der Auftragseingang nach vier

Monaten lediglich 1 % Prozent im Plus –

unabhängig von weitergehenden Spekulationen.

Auch dies sei ein Signal, die

Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Geschäftsklima Zulieferindustrie Deutschland März 2017

Saldo der positiven und negativen Meldungen

Aktuelle Lage Zukunftserwartungen

60

50

40

30

20

10

Der Geschäftsklimaindex Zulieferindustrie

wird von der ArGeZ in Zusammenarbeit mit

dem Ifo-Institut, München, ermittelt. Er

beruht auf der Befragung von rund 600

Unternehmen und deckt die in der Arbeitsgemeinschaft

Zulieferindustrie zusammengeschlossenen

Branchen Gießerei-Industrie,

Kunststoffverarbeitung, Stahl- und Metallverarbeitung,

NE-Metall-Industrie, Kautschukindustrie

sowie Technische Textilien

ab.

Quelle: ArGeZ

0

-10

-20

-30

-40

-50

-60

-70

-80

Jan 06 Jan 07 Jan 08 Jan 09 Jan 10 Jan 11 Jan 12 Jan 13 Jan 14 Jan 15 Jan 16 Jan 17 Jan 18

Das Geschäftsklima der Zulieferindustrie

im Juni 2017.

Stahlreport 7/8|17

31


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

32 Stahlreport 7/8|17


Zuwachs bei Walzstahlfertigerzeugnissen, Rückgänge bei Rohren und Rohrverbindungen

Abnehmergruppenanalyse 2016

Nach bewährter Tradition halten wir im Sommer Rückschau auf die Geschäftsentwicklung des

Stahlhandels im vergangenen Jahr. Dabei wird zuerst auf den Geschäftsverlauf bei der Summe aller

Walzstahlfertigerzeugnisse geschaut, bevor wir die einzelnen Produkte detailliert analysieren. Von

Jörg Feger, Bereichsleiter Research beim BDS.

Basis der folgenden Auswertungen

sind die Meldungen zur Stahlhandelsstatistik

Deutschland, die seit Anfang

2010 exklusiv vom BDS herausgegeben

wird. Der nahezu identische Kreis

der beteiligten Unternehmen und

zusätzliche Berechnungsmethoden

ermöglichen hierbei eine absolute Vergleichbarkeit

mit den Zahlen, die bis

Ende 2009 vom Statistischen Bundesamt

erhoben wurden.

Als Ergebnis kann festgehalten

werden, dass die Lagerabsätze des

Stahlhandels in den Jahren 2010 und

2011 zugelegt und dann 2012 und 2013

wieder nachgegeben haben. In 2014

konnte ein leichtes Absatzplus verzeichnet

werden. 2015 waren die Mengen

dann wieder rückläufig. 2016

konnte sich der Lagerabsatz bei Walzstahlfertigerzeugnissen

etwas erholen,

bei Rohren und Rohrverbindungen

wurden leichte Rückgänge festgestellt.

Lagerabsatz und -bestand

Walzstahlfertigerzeugnisse

Im Jahr 2016 wurden von der deutschen

Stahldistribution knapp 10,8 Mio. t

Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt.

Dies ist ein leichtes Plus von 1 % im Vergleich

zum Vorjahr. Zuwächse konnten

dabei im zweiten und in einem vergleichsweise

starken vierten Quartal

erzielt werden. Die stärksten Monate

waren der Juni und der November mit

jeweils fast 990.000 t. Das erste und

das dritte Quartal verliefen dagegen

leicht rückläufig.

Nachdem Ende 2015 ein ungewöhnlich

niedriger Lagerbestand

gemeldet wurde, füllten sich in der

ersten Jahreshälfte 2016 die Läger

sukzessive wieder auf. Mit knapp

2,43 Mio. t erreichte der Bestand im

Juli sein Höchstwert. Der Herbst war

mit der Ausnahme des Monats Oktober

von einem jahreszeitlich typischen

Bestandsabbau geprägt. Ende

Dezember wurden von der deutschen

Stahldistribution insgesamt 2,22 Mio.

t gemeldet. Dies sind 7,9 % mehr als

zum Jahresende 2015 bevorratet wurden.

Im Vergleich zu den meisten Vorjahren

ist dies jedoch ein immer noch

recht niedriger Wert. (Abb. 1).

Bei den einzelnen Produkten

konnte der Betonstahl wie schon 2015

Zuwächse beim Lagerabsatz verzeichnen.

Es wurde 2,2 % mehr Menge als

im Vorjahr geliefert. Zulegen konnten

ebenfalls Kaltgewalzte Bleche (+1,8 %).

Die größten Zuwächse konnte Bandblech

mit einem Plus von 5,9 % und

Oberflächenveredeltes Blech mit einer

Mengensteigerung von 9,3 % verzeichnen.

Bei den anderen Produktgruppen

wurde weniger Tonnage als im

Jahr 2015 abgesetzt. (Abb. 2).

Bei der Verteilung des Lagerabsatzes

nach Bundesländergruppen ragt

historisch die Bedeutung Nordrhein-

Westfalens heraus. Gut 48 % der Lagerabgänge

fanden an Standorten des

einwohnerstärksten deutschen Bundeslandes

statt. Dies bedeutet jedoch

nicht, dass jede einzelne Tonne hiervon

auch in Nordrhein-Westfalen verarbeitet

wurde, vielmehr ist der hohe Anteil

durch die Tatsache begründet, dass in

der Region Rhein-Ruhr überdurchschnittlich

viele Zentralläger und Stahl-

Service-Center ansässig sind, die

ebenso Verbraucher außerhalb der

Landesgrenzen bedienen und im

Händler-Händler-Geschäft eine bedeutende

Rolle spielen. Mit deutlichem

Abstand folgen Baden-Württemberg

q

Lagerabsatz und -Bestand Walzstahlfertigerzeugnisse Abb. 1

Angaben in Millionen Tonnen

12

11,6

10 9,8

11,3

10,9

11,0

10,7

10,8

8

6

4

2

2,0

2,4

2,3

2,4

2,3

2,1

2,2

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Stahlreport 7/8|17

33


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

Vergleich Lagerabsatz 2003, 2015 und 2016 Abb. 2

Angaben in Millionen Tonnen

3,0

2,5

2,0

2,23

2,48

2,71

1,5

1,0

1,45

1,10

0,9

1,45

1,26

0,98

1,10 1,21 1,11 1,22 1,09

1,41

1,06

1,09 1,15 1,13 1,09 1,15 1,44

1,03

0,5

0

0,47

2003 2015

2016

Angaben in Prozent

4,8

14,7

9,9 10,3

9,9 10,1

22,7

12,9

10,0

2003

14,8

11,1

9,1

23,2

13,2

2015

10,2

11,4

10,4

10,4

25,1

13,3

2016

10,7

10,6

10,1

10,5

n Träger n Stabstahl n Betonstahl n Quartoblech

n Bandblech n Feinblech n OV-Material n Sonstiges

Regionale Absatzverteilung Walzstahlfertigerzeugnisse 2015 Abb. 3

Angaben in Prozent

1,21 Berlin/Brandenburg

Bayern

3,66 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/Schleswig Holstein

10,04

8,44

Bremen/Niedersachsen

Baden-

Württemberg

16,30

5,20

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

2015

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

6,80

48,35

Nordrhein-Westfalen

34 Stahlreport 7/8|17


Veränderungen von Anteilen der Verbrauchergruppen bei Walzstahlfertigerzeugnissen Abb. 4

0,30

0,30

0,25

0,24

0,20

0,15

0,20

0,15

0,12

0,15

0,17

0,15 0,14

0,11

0,20

0,20

0,19

0,19

0,16

0,14

0,12

0,20

0,19

0,19

0,16

0,14

0,12

0,10

0,08

0,05

0

1998 2003 2015 2016

n Stahlbau n Maschinenbau n Fahrzeugbau n EBM n Bauwirtschaft n Sonstiges

q mit rund 16 % und Bayern mit etwas

über 10 %. Im Vergleich zu den Vorjahren

hat es hier keine nennenswerten

Veränderungen gegeben (Abb. 3).

Betrachtet man die Lieferanteile

nach Kundengruppen, stellt man fest,

dass im Vergleich zu 2015 keine Veränderungen

stattgefunden haben. Der

Fahrzeugbau und seine Zulieferer, die

2015 Steigerungen erzielen konnten,

waren auch 2016 mit 20 % die größte

Abnehmerbranche des deutschen

Stahlhandels. Es folgen der Stahlbau

und die Bauwirtschaft mit jeweils

19 %, der Maschinenbau mit 16 % und

die Eisen, Blech, und Metall verarbeitende

Industrie (EBM) mit 14 %. Trotz

der jüngst boomenden Entwicklung

der baunahen Abnehmerbranchen

stellt man im langjährigen Vergleich

fest, dass die Bauwirtschaft und der

Stahlbau an Menge eingebüßt haben

und insbesondere EBM sowie der

Fahrzeugbau mit seinen Zulieferern q

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Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

Lagerabsatz und -bestand Formstahl und Breitflanschträger Abb. 5

Angaben in Millionen Tonnen

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

0

1,45

0,31

n Absatz

n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 6

Formstahl und Breitflanschträger 2016 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

Bayern

19,37

8,61

12,26

34,31

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 7

Bauwirtschaft

EBM

Fahrzeugbau

Maschinenbau

6,70

2,43

1,36

Sonstiges

8,99

12,70

0,17

9,56

1,27

0,18

1,15

0,18

5,60

Formstahl und Breitflanschträger 2016 (Angaben in Prozent)

59,63

1,16

0,18

Stahlbau

1,10

0,17

1,09

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

Berlin/Brandenburg

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

2,95

Schleswig Holstein

7,80

9,10

Bremen/Niedersachsen

0,17

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

q ihre prozentualen Anteile steigern

konnten (Abb. 4).

Lagerabsatz und -bestand Formstahl

und Breitflanschträger

Im vergangenen Jahr wurden bei der

Produktgruppe Formstahl/Breitflanschträger

1,09 Mio. t abgesetzt.

Das ist ein Minus von 1,5 % gegenüber

2015. Auch schon in den Vorjahren

wurden spürbare Mengenrückgänge

registriert. Trotz guter Bau- und Stahlbaukonjunktur

ist der 2016 erzielte

Absatz ein sehr schwacher Wert,

genau genommen der niedrigste seit

der deutschen Wiedervereinigung.

Es ist davon auszugehen, dass größere

Mengen aus im Ausland ansässigen

Lägern den deutschen Markt

versorgt haben. Diese Lieferungen

fließen nicht in die deutsche Lagerstatistik

ein. Ebenfalls kann angenommen

werden, dass verstärkt zu

Konstruktionen verarbeitete Träger

die Anarbeitungsbetriebe von lagerhaltenden

Händlern verlassen. Diese

Volumina werden ebenfalls nicht in

die Stahlhandelsstatistik gemeldet.

Seit 2011 bewegen sich die Lagerbestände

bei Trägern auf einem recht

niedrigen Niveau. Zum Stichtag

31. Dezember 2016 wurden bundesweit

169.372 t Lagerbestand gemeldet.

Dies sind 0,6 % weniger als Ende

Dezember 2015 (Abb. 5).

Etwas über ein Drittel des Lagerabsatzes

dieser Produktgruppe findet

in Nordrhein-Westfalen statt, mengenmäßig

folgt Baden-Württemberg

mit etwa 19 % vor Bayern mit gut 12 %

(Abb. 6).

Laut der BDS-Jahresmeldung entfielen

beim Lagerabsatz von Trägern

im Jahr 2016 fast 60 % auf die Abnehmergruppe

Stahlbau. Knapp 13 % der

Lieferungen richteten sich an den

Maschinenbau. Es folgt die Bauwirtschaft

mit 9 % (Abb. 7).

Lagerabsatz und -bestand

Stabstahl

Nach Zuwächsen in den Jahren 2010

bis 2012 war der Lagerabsatz von

Stabstahl in den Jahren 2013, 2014

und 2015 rückläufig. Dieser Trend

setzte sich auch 2016 fort. Der Absatz

fiel um 5,5 % auf knapp 1,15 Mio. t.

Der Lagerbestand erreichte im

Juli mit 466.000 t seinen Höchst- q

36 Stahlreport 7/8|17


Lagerabsatz und -bestand Stabstahl Abb. 8

Angaben in Millionen Tonnen

1,50

1,25

1,09

1,21

1,34

1,28

1,27

1,21

1,15

1,00

0,75

0,50

0,25

0,32

0,43

0,47

0,45

0,43

0,42

0,44

0

2003 2010 2011 2012 2013 2014 2016

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 9

Stabstahl 2016 (Angaben in Prozent)

Bayern

9,74

Berlin/Brandenburg

1,76

5,44

8,59

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

Baden-

Württemberg

21,12

4,69

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

6,95

41,71

Nordrhein-Westfalen

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 10

Angaben in Prozent

50

41,09

40

46,82

30

22,74

22,88

25,69

31,70

20

10

15,82

8,91

5,32 6,12

8,37

5,90

2,95

13,09

14,41

8,27

4,89

15,04

0

allgemeiner Stabstahl Qualitätsstabstahl Stabstahl gesamt

n Stahlbau n Maschinenbau n Fahrzeugbau n EBM n Bauwirtschaft n Sonstiges

Stahlreport 7/8|17

37


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

Lagerabsatz und -bestand Betonstahl Abb. 11

Angaben in Tausend Tonnen

1066

1108 1132

1000

994 1005

949

895

800

600

400

200

160

169

179

185

165

190

192

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 12

Betonstahl 2016 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Bayern

17,25

24,47

0,26 Berlin/Brandenburg

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

2,81

Bremen/Niedersachsen

6,22

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

2,65

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

14,54

31,80

Nordrhein-Westfalen

q stand. Danach erfolgte ein moderater

Bestandsabbau. Ende Dezember

wurden 435.314 t gemeldet. Dies sind

gut 4 % mehr als im Dezember 2015

(Abb. 8).

Auch beim Stabstahl wird die

wichtige Bedeutung der Stahlhandelsläger

in Nordrhein-Westfalen

deutlich. Knapp 42 % aller Lieferungen

stammen aus Lägern des einwohnerstärksten

Bundeslandes. Es

folgt Baden-Württemberg mit 21 %

(Abb. 9).

Bei unseren Erhebungen fällt

unter den Begriff des Stabstahls

sowohl der Stabstahl der Gütegruppe

der allgemeinen Baustähle als auch der

Qualitätsstabstahl. Nach Erhebungen

der BDS-Lagerabsatzmeldung für das

Jahr 2016 wurden knapp 32 % des

Gesamtabsatzes an Stabstahl an den

Maschinenbau geliefert. Es folgt der

Stahlbau mit knapp 26 %. Beim Qualitätsstabstahl

ist der Lieferanteil an

den Maschinenbau mit fast 47 % noch

deutlich höher. Zulegen konnte hier

in den letzten Jahren der Fahrzeugbau,

der knapp 23 % erreichte.

Folgender Trend im Verhältnis des

Lagerabsatzes von Stabstahl und Qualitätsstabstahl

ist festzustellen: Lag der

Anteil des Qualitätsstabstahls am

Gesamtvolumen des Lagerabsatzes

Stabstahl Anfang der 1990er Jahre bei

16 %, beläuft er sich auf mittlerweile auf

über deutlich über ein Drittel (Abb. 10).

Lagerabsatz und -bestand

Betonstahl

Betonstahl konnte wie schon in den

Vorjahren auch 2016 Zuwächse beim

Lagerabsatz verzeichnen. Die Bauindustrie

boomt wie seit der Wiedervereinigung

nicht mehr. Vor allem der

Wohnungsbau ist ein starker Mengentreiber.

Insgesamt wurden im vergangenen

Jahr gut 1,13 Mio. t abgesetzt.

Dies ist eine Steigerung von 2,2 % im

Vergleich zum Vorjahr.

Die Lagerbestände erreichten

schon zu Beginn des Jahres im Januar

mit knapp 204.000 t ihren Höchststand.

Nach einem leichten Bestandsrückgang

konnte dieses Niveau im

November fast noch einmal erreicht

38 Stahlreport 7/8|17


werden. Am 31. Dezember 2016 wurden

rund 192.000 t gemeldet. Dies

sind 1,3 % mehr als im Dezember 2015

(Abb. 11).

Knapp 32 % des im Jahr 2016 gelieferten

Betonstahls stammen aus

Lägern in Nordrhein-Westfalen und

fast 25 % aus Bayern, wo traditionell

viele überregional tätige Biegebetriebe

beheimatet sind. Es folgt Baden-Württemberg

mit gut 17 % (Abb. 12).

Die Hauptkundengruppe für

Betonstahl ist die Bauwirtschaft.

Nahezu 100 % der Lieferungen gehen

an diese Branche.

Lagerabsatz und -bestand

Quartoblech

Im vergangenen Jahr wurden von

Stahlhandelslägern in der Bundesrepublik

Deutschland 1,09 Mio. t

Quartoblech (einschließlich Breitflachstahl)

abgesetzt. Dies ist, wie

auch schon in den Vorjahren, ein

Rückgang, dieses Mal mit 10,5 % ein

recht deutlicher im Vergleich zu 2015.

Da die Nachfrage in diesem Produktsegment

relativ stabil war, ist anzunehmen,

dass die Mengen, die direkt

von Werkslägern und von nicht in

der Bundesrepublik ansässigen

Hafenlägern geliefert wurden, zugenommen

haben.

Nach sehr niedrigen Beständen

Ende 2015 legte der bundesweite

Lagerbestand in den ersten acht Monaten

des Jahres 2016 sukzessive zu und

erreichte im August mit rund 516.000 t

seinen Höchstwert. Danach erfolgte

mit Ausnahme des Oktobers ein

Bestandsabbau. Ende Dezember wurde

ein Bestand von knapp 455.000 t

gemeldet. Dies sind 3,9 % mehr als im

Dezember 2015 (Abb. 13).

Auch beim Quartoblech ist die

wichtige Distributionsfunktion der

Stahlhandelsläger in Nordrhein-Westfalen

spürbar. Gut 45 % des Lagerabsatzes

fanden in NRW statt. Es folgen

mit jeweils etwa 13 % die Bundesländer

Baden-Württemberg, wo viele

Maschinenbauer ansässig sind, sowie

Niedersachsen und Bremen. Dort spielen

die Windkraft und – zumindest

traditionell – der Schiffsbau eine Rolle.

(Abb. 14).

Hauptkundengruppe für Quartobleche

ist mit knapp 32 % der Maschinenbau.

Es folgt der Stahlbau. Fast ein q

Lagerabsatz und -bestand Quartoblech Abb. 13

Angaben in Millionen Tonnen

1,75

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

1,45

0,45

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 14

Quartoblech 2016 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 15

Quartoblech 2016 (Angaben in Prozent)

Sonstige

Bauwirtschaft

EBM

Fahrzeugbau

6,58

4,89

10,55

1,42

Bayern

13,21

12,36

0,48

16,47

8,46

1,37

0,49

1,28

24,07

31,66

0,49

Berlin/Brandenburg

2,71

4,76

45,25

12,59

6,44

1,30

Stahlbau

0,49

Maschinenbau

1,22

0,44

1,09

Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

Bremen/Niedersachsen

0,45

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

Stahlreport 7/8|17

39


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

Lagerabsatz und -bestand Bandblech Abb. 16

Angaben in Millionen Tonnen

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

0

0,98

0,15

1,24

0,21

1,30

0,23

1,25

0,23

1,30

0,25

1,09

0,20

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 17

Bandblech 2016 (Angaben in Prozent)

Bayern

Lagerabsatz und -bestand

Kaltgewalztes Blech

Nach starken Absatzsteigerungen

von Kaltgewalztem Blech in 2011 und

2012 und einem Minus beim Lagerabsatz

in den Jahren 2012, 2013 und

2014 verlief der Lagerabsatz im Jahr

2015 stabil. 2016 konnte wieder ein

Zuwachs verzeichnet werden. Knapp

1,44 Mio. t wurden abgesetzt. Dies

ist ein Plus von 1,8 % im Vergleich zu

2015. Dabei war das zweite Quartal

mit einer monatlichen Durchschnittstonnage

von 123.000 t das mengenmäßig

Beste. Der stärkste Monat hin-

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-Pfalz,

Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 18

Sonstiges

Bauwirtschaft

EBM

Fahrzeugbau

22,14

3,67

16,82

18,97

16,71

4,86

Bandblech 2016 (Angaben in Prozent)

13,15

19,55

31,44

7,10

30,09

Stahlbau

Maschinenbau

1,15

1,44 Berlin/Brandenburg

4,74 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

9,31

Bremen/Niedersachsen

0,22

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

q Viertel aller Lieferungen gehen an

diese Abnehmergruppe (Abb. 15).

Lagerabsatz und -bestand

Bandblech

Nach sehr deutlichen Rückgängen des

Lagerabsatzes in 2015 konnte im vergangenen

Jahr die Produktgruppe

Bandblech wieder Zuwächse verzeichnen.

Insgesamt wurden rund 1,15 Mio. t

geliefert. Das sind 5,9 % mehr als 2015

abgesetzt wurden. Im Vergleich zu

den Jahren vor 2015 ist dies jedoch

ein schwacher Absatz. Auch hier ist

anzunehmen, dass die Mengen, die

direkt von Werkslägern und von nicht

in der Bundesrepublik ansässigen

Hafenlägern geliefert wurden, im Vergleich

zu früheren Jahren zugenommen

haben.

Das Bestandsniveau bewegte sich

fast im gesamten vergangenen Jahr

über den Werten des Vorjahres. Der

Höchstbestand wurde mit 271.000 t

im Juli erreicht. Zum 31. Dezember

2016 wurden knapp 220.000 t Bestand

gemeldet. Dies entspricht einem Plus

von 11,3 % gegenüber dem Vorjahreswert

(Abb. 16).

Auch beim Bandblech ist das Land

Nordrhein-Westfalen mit knapp 32 %

des gesamten Lagerabsatzes führend,

es folgen Baden-Württemberg mit 22%

und Bayern mit 19 % (Abb. 17).

Die Lagerabsatzstruktur nach

Abnehmergruppen ist bei Bandblech

relativ ausgewogen. Der größte Anteil

entfällt mit 30 % auf den Maschinenbau,

es folgt der Stahlbau mit rund

19 %. Die Eisen, Blech und Metall verarbeitende

Industrie erreicht fast 17 %

und der Fahrzeugbau kommt auf etwa

13 % (Abb. 18).

40 Stahlreport 7/8|17


gegen war der November mit knapp

137.000 t.

Im Juli wurde mit rund 346.000 t

der Höchstbestand erreicht. Im August

fand ein kräftiger Bestandsabbau statt.

In den drei Folgemonaten legten die

Lagerbestände wieder signifikant zu.

Am 31. Dezember 2016 wurden

309.560 t gemeldet. Dies sind 10,6 %

mehr als zum Ende des Vorjahres gelagert

wurden (Abb. 19).

Aufgrund der zahlreichen Großhändler

und Schwerpunktstandorte

von Stahl-Service-Centern ist Nordrhein-Westfalen

mit rund 50 % des

Lagerabsatzes führend in der regionalen

Verteilung. Es folgt Baden-Württemberg

mit 16,7 % (Abb. 20).

Größte Abnehmergruppe von Kaltgewalztem

Blech sind der Fahrzeugbau

und seine Zulieferer. Knapp 37 %

der Gesamttonnage wurden dorthin

geliefert. Es folgt die Eisen, Blech und

Metall verarbeitende Industrie mit

20 % und der Maschinenbau mit knapp

11 % (Abb. 21).

Lagerabsatz und -bestand

Oberflächenveredeltes Material

Auch bei Oberflächenveredeltem Blech

mussten nach sehr guten Absätzen in

2010 und 2011 in den Jahren 2012,

2013 und 2014 Absatzrückgänge verzeichnet

werden. 2015 wurde, ähnlich

wie beim Kaltgewalzten Blech, eine

stabile Entwicklung beobachtet. 2016

konnten die Lagerabsatzmengen deutlich

gesteigert werden. Im Vergleich

zu 2015 nahm der Lagerabsatz um

9,3 % zu und erreichte mit 2,71 Mio. t.

einen ähnlich hohen Wert wie in den

Jahren 2010 und 2011.

Die Bestände erreichten mit knapp

372.000 t im Juni ihren ersten Höhepunkt.

Nach einem zwischenzeitlichen

Bestandsabbau lagen sie Ende

September bei 383.000 t. Ihren absoluten

Höhepunkt erreichten sie sehr

spät im Jahr im November mit

402.000 t. Ende Dezember wurden gut

385.000 t Lagerbestand gemeldet. Dies

sind rund 20 % mehr als im Vorjahr

(Abb. 22).

Ähnlich wie bei Kaltgewalzten Blech

ist Nordrhein-Westfalen aufgrund der

zahlreichen Großhändler und Schwerpunktstandorte

von Stahl-Service-Centern

mit zwei Dritteln des Lagerabsatzes

absolut führend in der regionalen q

Lagerabsatz und -bestand Kaltgewalztes Blech Abb. 19

1,50

1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

1,26

0,23

1,71

0,41

1,49

0,33

Kaltgewalztes Blech 2016 (Angaben in Prozent)

1,46

Regionale Absatzverteilung Abb. 20

0,35

Angaben in Millionen Tonnen

1,41

0,33

1,41

0,28

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 21

Sonstiges

Bauwirtschaft

EBM

7,36

6,55

19,89

Bayern

16,72

16,27

5,06

Kaltgewalztes Blech 2016 (Angaben in Prozent)

0,40 Berlin/Brandenburg

2,16 Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern/

Schleswig Holstein

10,68 Bremen/Niedersachsen

50,29

9,60

8,33

Stahlbau

10,85

36,84

Maschinenbau

Fahrzeugbau

1,44

0,31

Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen

Nordrhein-Westfalen

Stahlreport 7/8|17

41


Spezialreport BDS Abnehmergruppenanalyse Research – Abnehmergruppenanalyse 2016 2016

Lagerabsatz und -bestand OV-Material Abb. 22

Angaben in Millionen Tonnen

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00

2,23

2,73

2,57

2,54

0,50 0,38

0,50

0,41 0,40 0,37 0,32 0,39

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Absatz n Bestand

Regionale Absatzverteilung Abb. 23

OV-Material 2016 (Angaben in Prozent)

Baden-

Württemberg

Hessen,

Rheinland-

Pfalz, Saarland

Bayern 2,24

3,1

11,87

66,73

2,49

Nordrhein-Westfalen

Anteile der Verbrauchergruppen Abb. 24

OV-Material 2016 (Angaben in Prozent)

Sonstiges

Bauwirtschaft

EBM

13,78

20,44

10,22

13,43

Stahlbau

4,13

38,00

Maschinenbau

Fahrzeugbau

2,48

0,18 Berlin/Brandenburg

2,71

0,83 Hamburg/Mecklenburg-

Vorpommern/

Schleswig Holstein

10,78 Bremen/Niedersachsen

4,27 Sachsen/Sachsen-Anhalt/

Thüringen

q Verteilung. Es folgt Baden-Württemberg

mit knapp 12 % (Abb. 23).

Bei den Abnehmerbranchen entfallen

38 % auf den Fahrzeugbau samt

seinen Zulieferern. Die Eisen, Blech

und Metall verarbeitende Industrie

folgt mit gut 20 % (Abb. 24).

Lagerabsatz und -bestand Stahlrohre

und Rohrverbindungen

Anders als bei Walzstahlfertigerzeugnissen

hatte es bis zum Jahr 2014

weder für die Produktgruppe der Stahlrohre

noch für Rohrverbindungen eine

monatliche Statistik über Lagerabsätze

und Lagerbestände gegeben. Seit

2014 gibt es monatliche Erhebungen

bei Stahlrohren, die durch den BDS

durchgeführt werden. Die Ergebnisse

hierbei sind deckungsgleich mit den

weiterhin durchgeführten jährlichen

BDS-Lagerabsatzmeldungen.

Wie bei den Walzstahlfertigerzeugnissen

hat sich der Lagerabsatz bei

Stahlrohren und Rohrverbindungen

nach guten Jahren 2004 bis 2008 und

einem kräftigen Einbruch 2009 in den

Jahren 2010 und 2011 deutlich erholt.

2012 ist er beinahe konstant geblieben.

2013 und 2014 mussten Rückgänge

verzeichnet werden. Dieser Trend hat

2015 noch einmal an Fahrt gewonnen.

2016 konnte diese Negativdynamik

etwas gebremst werden.

Es wurden 1,398 Mio. t in diesen

Produktbereichen von dem BDS angeschlossenen

Unternehmen abgesetzt.

Im Vergleich zu 2015 ist dies ein Minus

von 1,1 %. Verglichen mit dem Rekordjahr

2008 ist der Absatz fast 23 %

geringer ausgefallen (Abb. 25).

Zum Stichtag 31. Dezember 2016

wurde ein Lagerbestand von rund

450.000 t geführt. Dies sind 7,7 % mehr

als zum Jahresende 2015.

Stahlrohre

Der Lagerabsatz von Stahlrohren (ohne

Rohrverbindungen) lag im Jahr 2016

bei rund 1,33 Mio. t. Damit lag er 1,1 %

unter dem Wert des Vorjahrs. Im Vergleich

zum Rekordjahr 2008 fiel der

Lagerabsatz um fast 23 % geringer

aus.

Im Jahr 2016 entfielen vom Lagerabsatz

bei Stahlrohren rund 38 % auf

warmgefertigte Stahlrohre, knapp 35 %

auf kaltgefertigte Stahlrohre und gut

27 % auf Hohlprofile sowie sonstige

42 Stahlreport 7/8|17


Stahlrohre. Im Vergleich zum Vorjahr

hat der Anteil der warmgefertigten

Rohre leicht abgenommen, während

der prozentuelle Anteil der kaltgefertigten

Rohre und der Hohlprofile etwas

zugenommen hat. (Abb. 26).

Der Lagerbestand Ende Dezember

2016 betrug rund 421.000 t. Er lag

knapp 9 % über dem des Vorjahres. Von

den knapp 1,33 Mio. t bei Stahlrohren

im Jahre 2016 gelangten knapp

1,01 Mio. t direkt zum Verbraucher, die

restlichen knapp 323.000 t wurden im

Händler-Händler-Geschäft abgewickelt.

Wie bei den Walzstahlfertigerzeugnissen

findet auch bei Stahlrohren mit

über 46 % das Gros des Lagerabsatzes

in Nordrhein-Westfalen statt, es folgen

Baden-Württemberg mit knapp

16 % und Bremen/Niedersachsen mit

rund 11 %.

Von den im letzten Jahr gelieferten

Stahlrohren gelangten knapp

24,7 % an den Stahlbau. 24,4 % des

Gesamtabsatzes wurden dem Maschinenbau

geliefert. Die nicht näher definierten

Kundenbranchen „Sonstige

Abnehmer“ sind mit knapp 25 % ebenfalls

stark vertreten.

Lagerabsatz Stahlrohre und Rohrverbindungen

Angaben in Millionen Tonnen

2,0

1,54

1,59

1,5

1,0

0,5

0

Rohrverbindungen

Der Lagerabsatz bei Rohrverbindungen

gab 2016 im Vergleich zum Vorjahr

um 1,6 % nach und belief sich auf

66.238 t. Ins Händler-Händler-Geschäft

gingen davon 28.314 t. Das Verbrauchergeschäft

belief sich auf 37.924 t

(Abb. 27).

Der Lagerbestand zum 31. Dezember

2016 betrug 29.646 t. Dies sind

2,1% weniger als zum Jahresende 2015

gemeldet wurden. Bei der regionalen

Verteilung des Lagerabsatzes von

Rohrverbindungen ist Nordrhein-

Westfalen mit knapp 58 % mit Abstand

führend, es folgen Niedersachsen und

Bremen mit knapp 20 % sowie Hamburg,

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

mit fast 15 %.

Klammert man das Händler-Händler-Geschäft

aus und betrachtet die

Verteilung des Lagerabsatzes nach

Verbrauchergruppen, stellt man fest,

dass über 33 % der im letzten Jahr

gelieferten Rohrverbindungen in den

Maschinenbau gelangten. Dies ist ein

deutliches Plus im Vergleich zum Vorjahr.

Noch mehr als bei Rohren spielen

die nicht näher definierten Kunden

unter dem Begriff „Sonstige

Abnehmer“ mit über 41 % eine bedeutende

Rolle. Knapp 17 % wurden dem

Stahlbau geliefert. Die beiden letzten

Abnehmerbranchen haben im Vergleich

zu 2015 Anteile eingebüßt.

Bei diesen Ausführungen zur

Lagerabsatz- und der Bestandssituation

von Rohren und Rohrverbindungen

wurde bewusst nur auf grobe Entwicklungen

bei den Produktgruppen

eingegangen. Die detaillierte BDS-Jahresmeldung

mit einer exakten Darstellung

des produktspezifischen

Lagerabsatzes und -bestandes nach

BDS-Gebieten und Abnehmergruppen

ist exklusiv den BDS-Mitgliedsunternehmen

vorbehalten und den entsprechenden

Häusern Anfang Juni dieses

Jahres zugegangen. 2

Abb.25

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Stahlrohre und Rohrverbindungen

Lagerabsatz Stahlrohre

Angaben in Millionen Tonnen

2,0

1,48 1,51

1,5

1,0

0,5

Abb.26

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Stahlrohre

Lagerabsatz Rohrverbindungen

Angaben in Tausend Tonnen

80

80

69

60

40

20

1,58

1,50

76

1,40

Abb.27

0

2003 2011 2012 2013 2014 2015 2016

n Rohrverbindungen

1,51

1,43

73

1,50

1,43

77

1,41

1,35

67

1,33

66

Stahlreport 7/8|17

43


BDS

Research

Neueste Zahlen aus dem Bereich Research

Gute Stahlkonjunktur im Frühjahr

Nach einem mengenmäßig ordentlichen Start in das Jahr 2017 im Januar und Februar konnte im März

ein ungewöhnlich hoher Lagerabsatz erzielt werden. Nach einem etwas bescheideneren April folgte

dann ein Wonnemonat Mai, der mengenmäßig fast an die Märzzahlen anknüpfen konnte. Der Ende

2016 einsetzende Preisaufbau hat sich in den ersten Monaten des Jahres 2017 fortgesetzt, scheint aber

nun zu einem Halt gekommen zu sein.

Foto: privat

Jörg Feger, Bereichsleiter

Research im

Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

(BDS), berichtet

zusammenfassend

angesichts der ihm

bis Mai 2017 vorliegenden

Zahlen. Wie

üblich, hat er seinen

monatlichen und

kommentierenden

Bericht anhand der

Kriterien Lagerabsatz,

-bestand,

-reichweite und

-verkaufspreise

gegliedert.

Lagerabsatz

Im Januar und Februar wurden

jeweils etwas mehr als 900.000 t.

Walzstahlfertigerzeugnisse abgesetzt.

Das Geschäft im März profitierte

nicht nur von einer guten

Beschäftigungslage der Kunden, sondern

auch von satten 23 Arbeitstagen.

Es wurden 1,06 Mio. t. abgesetzt.

Dies ist ein Volumen, das letztmals

im Mai 2011 erreicht wurde.

Die Ausgleichsbewegung folgte

dann im April mit Ostern, lediglich

18 Arbeitstagen und einem Absatz

von knapp 860.000 t. Trotz der Feiertage

konnten im Mai knapp über

1 Mio. t. abgesetzt werden. Besonders

dynamisch verliefen die Lagerabsätze

bei Betonstahl sowie Bandblech

und oberflächenveredeltem

Blech.

Lagerbestand

Nach dem üblichen Lagerabbau zum

Jahresende 2016 legten die Lager-

bestände im Januar und bei den

meisten Produkten auch im Februar

2017 spürbar zu. Auch aufgrund des

sehr hohen Lagerabsatzes kam es

im März zu einem leichten Bestandsabbau.

Dieser setzte sich im April

und Mai fort. Ende Mai wurden von

der deutschen Stahldistribution 2,39

Mio. t. Walzstahlfertigerzeugnisse

bevorratet.

Dies ist ziemlich genau das Niveau,

das auch vor zwölf Monaten gemeldet

wurde.

Lagerreichweite

Hohe Lagerabsätze und sinkende

Bestände führen zu einer recht niedrigen

Lagerreichweite.

Sie lag im Mai bei 2,4 Monaten bzw.

72 Tagen und damit knapp 12 % unter

dem Vorjahreswert (vgl. Abb. 1).

Lagerverkaufspreise

Den Angaben des BDS-Marktinformationsverfahrens

für durchschnittliche

Verkaufspreise im kleinlosigen

Bereich zufolge setzte sich der

starke Preisanstieg, der am Ende des

Jahres 2016 angefangen hatte, im

ersten Quartal 2017 fort. Dieser fiel

bei Flachprodukten sowie Quadratund

Rechteckrohren noch deutlich

ausgeprägter aus als bei Langprodukten.

Im Laufe des Frühjahrs ebbte dieser

Preisauftrieb von Produkt zu Produkt

unterschiedlich ab und es wurden

auch wieder fallende Preise im Markt

festgestellt (vgl. Abb. 2 und 3).

[ Info ]

Fragen zu den genannten statistischen

Größen beantwortet im Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS) Jörg Feger,

Bereichsleiter Research:

Feger-BDS@stahlhandel.com

44 Stahlreport 7/8|17


Quelle Bild 2 u. 3: BDS Quelle: Statistisches Bundesamt/BDS

lagerAbsatz und Lagerreichweite der Stahldistribution Abb. 1

140

120

100

80

60

40

20

0

Preisentwicklung bei Langprodukten Abb. 2

160

150

140

130

120

110

100

90

Index (Januar 2010 = 100)

Formstahl Breitflanschträger Stabstahl Betonstahl in Stäben Betonstahlmatten

Preisentwicklung bei Flachprodukten und Rohren Abb. 3

Index (Januar 2010 = 100)

150

140

130

120

110

100

90

80

n Absatzindex (2007 = 100)

n Lagerreichweite in Tagen

200

180

106

160

99 99

101

91 92 140

89 90 92 89

85 90 93 90

92 92 86

120

68

100

81 84 78 78 81 81 72 84 78 72 78 69 99 78 81 69 84 72

80

60

40

20

0

Ø

2013

Ø

2014

Ø

2015

Ø

2016

Ø

2016

Mai

2016

Juni

2016

Juli

2016

Aug.

2016

Sep.

2016

Okt.

2016

Nov.

2016

Dez.

2016

Jan.

2017

Feb.

2017

Mär.

2017

Apr.

2017

Mai

2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

1. Q. 2010

2. Q. 2010

3. Q. 2010

4. Q. 2010

1. Q. 2011

2. Q. 2011

3. Q. 2011

4. Q. 2011

1. Q. 2012

2. Q. 2012

3. Q. 2012

4. Q. 2012

1. Q. 2013

2. Q. 2013

3. Q. 2013

4. Q. 2013

1. Q. 2014

2. Q. 2014

3. Q. 2014

4. Q. 2014

1. Q. 2015

2. Q. 2015

3. Q. 2015

4. Q. 2015

1. Q. 2016

2. Q. 2016

3. Q. 2016

4. Q. 2016

1. Q. 2017

2. Q. 2017

Quartoblech Bandblech Kaltgewalztes Blech OV Blech Quad. & RE-Rohr Nahtloses Rohr

Absatz und Lagerreichweite

der

Stahldistribution

Preisentwicklung

bei Langprodukten

Preisentwicklung bei

Flachprodukten und

Rohren

Stahlreport 7/8|17

45


XXXXXXXXXX

BDS

XXXXX Kommunikation Bezeichnung A XXXXX | XXXXX

Stahlhandelstag 2017

9:30 Uhr Empfang

10:00 Uhr Eröffnung des

Stahlhandelstages 2017

Eberhard Frick, F. Kicherer

Oliver Ellermann, Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

10:15 Uhr Volkswirtschaftliche

Entwicklungen und deren

Auswirkungen auf die

Stahlmärkte

Dr. Heinz-Jürgen Büchner,

IKB Deutsche Industriebank

11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr Markt und Verband

Oliver Ellermann, Bundesverband

Deutscher Stahlhandel

12:15 Uhr Perspektiven des

Stahlhandels aus Sicht

eines inhabergeführten

Mittelständlers

Iris Karsten,

Karsten Stahlhandel

13:00 Uhr Mittagspause

ZEIT, Ort und Hotels

Wo? Kongresszentrum „Darmstadtium“, Darmstadt

Wann? 28. September 2017

9.30 Uhr bis ca. 23.00 Uhr

[ Anmeldung ]

14:30 Uhr Aktuelle Rechtsthemen

im Stahlhandel

Tim Lieber, Henseler &

Partner Rechtsanwälte

15:15 Uhr Kaffeepause

15:45 Uhr Quo Vadis

Edelstahlmarkt?

Ralf Winterfeld, Edelstahlhandels-Vereinigung

16:30 Uhr Kaffeepause

17:00 Uhr Digitalisierung:

Die Zukunft des

Stahlhandels?

Gisbert Rühl,

Klöckner & Co.

17:45 Uhr Ausblick

Eberhard Frick, F. Kicherer

ab 18.00 Uhr Abendveranstaltung

im Foyer 1.05 des

Darmstadtiums

ca. 23.00 Uhr Ende des Stahlhandelstages

2017

Anmeldung zum Stahlhandelstag unter www.stahlhandel.com/Stahlhandelstag-2017

Fachausstellung

In einer begleitenden Ausstellung präsentieren

sich die Ausrüster und Partner

der Branche. Die Ausstellung befindet

sich im Foyer unmittelbar vor dem

Veranstaltungsraum, der auch für Kaffeepausen,

den Mittagsimbiss und die

Abendveranstaltung zur Verfügung

steht. Aussteller sind:

z Behringer GmbH, Kirchhardt

z EVG Entwicklungs- u. Verwertungs-

Gesellschaft m.b.H., Raaba (A)

z Fehr Lagerlogistik, Winterthur (CH)

z Forschungs- und Technologie zentrum

Ladungssicherung Selm gGmbH, Selm

z Fraunhofer Institut für Produktionstechnik

und Automatisierung IPA,

Stuttgart

z FUMO Solutions GmbH, Dornstadt

z GWS Gesellschaft für Warenwirtschafts-Systeme

mbH, Münster

z Ingenieurbüro Roth, Unterheinriet

z KALTENBACH GmbH + Co. KG,

Lörrach

z Kasto Maschinenbau GmbH & Co,

Achern

z Kerschgens Werkstoffe und mehr

GmbH, Stolberg

z Montanstahl GmbH, Oelde

z Nissen & Velten, Stockach

z OttComputer, Langenfeld

z Planungsgruppe Lapp GmbH,

Groß-Gerau

z Progress Maschinen & Automation

AG, Brixen (I)

z Scheffer Krantechnik GmbH,

Sassenberg

z SE Padersoft GmbH & Co. KG, Paderborn

z SHComputersysteme GmbH, Speyer

z Wiegel Verwaltung GmbH & Co. KG,

Nürnberg

[ Sie möchten ausstellen?]

Weitere Informationen unter infobds@stahlhandel.com

oder Tel. +49 211 86497-21.

46 Stahlreport 7/8|17


Fotos: BDS/SuevieW

„Stahlgolf-Turnier“ 2017

Gut gegolft

Es ist Tradition seit 1977: das alljährliche „Stahlgolf-Turnier“. Zum Andenken an

Karl A. Thoelke, ehemals Mitglied der Gesamtleitung der Klöckner & Co KG, fand

es in diesem Jahr am 30. Juni 2017 erneut in Düsseldorf statt – und feierte damit

sein 40-jähriges Bestehen. Seit 33 Jahren trägt es den Namen von Karl A. Thoelke.

Auf dem legendären Ostplatz spielten 36 Kolleginnen und Kollegen aus der Stahlbranche

im Golfclub Hubbelrath die Entscheidungen aus.

Beim diesjährigen Thoelke-Turnier im Gespräch und beim Golfen.

Der Karl-A.-Thoelke-Preis ist

ein Wanderpreis, der 1984 gemeinsam

von Klöckner & Co., der Thyssen

AG, der Wirtschaftsvereinigung

Stahl und dem Bundesverband Deutscher

Stahlhandel im Andenken an

den Mitbegründer des „Stahlgolfs“,

Karl A. Thoelke, gestiftet wurde.

Werke gewinnen

Mannschaftswertung

Bei der diesjährigen Auflage konnte

Dietrich Böntgen die Bruttowertung

mit 17 Punkten vor Hans-Christian

vom Kolke, Alexander Lassen und

Dr. Jürgen E. Platt (alle 16 Punkte)

für sich entscheiden. Das erste Netto

entschied ebenfalls Dietrich Böntgen

mit 37 Punkten für sich, vor Dr. Jürgen

E. Platt. Das zweite Netto führte

Oliver Ellermann mit 34 Punkten

gleichauf mit Christophe Lagrange

an. Die Wertung „Nearest to the Pin“

ging an Hans-Christian vom Kolke.

Den Longest Drive hat Bernd P.

Worms geschlagen.

Die Mannschaftswertung „Stahlwerke

gegen Stahlhandel“ gewann,

zum ersten Mal seit 2008, die Werksseite

mit 25,8 Punkten.

Die Spielleitung bedankte sich

herzlich bei Alexander Lassen für

das Sponsoring aller Preise sowie

bei Dietrich Böntgen, Michael Witt

sowie Hans-Joachim Rotthäuser für

Golfbälle, ebenso bei Margret Thoelke

und Anja Süselbeck für weitere Geldspenden.

…auf dem Golfplatz in Düsseldorf-Hubbelrath.

Mitspieler gesucht

Für das Thoelke-Turnier werden noch

Mitspielerinnen und Mitspieler

gesucht. Das Turnier vereint Golffreunde

der Stahlbranche in der

Freude am gemeinsamen Spiel und

der Pflege persönlicher, sportlicher

Beziehungen. Teilnahmeberechtigt

sind aktive und im Ruhestand

lebende Inhaber, Vorstände und

Geschäftsführer sowie in vergleichbarer

Verantwortung stehende Mitarbeiter

von Unternehmen und Verbänden

der Stahlindustrie sowie des

Stahlhandels. 2

[ Info ]

Für Kontaktanfragen zum

Golfturnier steht beim BDS gerne

Susanne Wagner zur Verfügung unter

Telefon + 49 211 86497-13 oder unter

Wagner-bds@stahlhandel.com

Und wieder wehten

die Fahnen des BDS…

Stahlreport 7/8|17

47


BDS

Berufsbildung

Nach der Prüfung:

glückliche und entspannte

Gesichter

der 27 erfolgreichen

Kandidaten.

Abschlussprüfung des 19./2. Studienjahrgangs

Doppelter Abschied

Der 19./2. Jahrgang hat das BDS-/WGM-Fernstudium erfolgreich abgeschlossen. Beide Teilbranchen

des Großhandels freuen sich nun auf 27 neue Betriebswirte, die ihr erweitertes Know-how in technischen,

wirtschaftlichen und methodischen Zusammenhängen einsetzen können. Nachgewiesen haben sie

diese Fähigkeiten u.a. auch im Rahmen der dreitägigen Abschlussprüfung Mitte Juni in Karlsruhe.

Dort wurden bei dieser Gelegenheit zudem drei langjährige Mitarbeiter aus dem Prüfungsausschuss

verabschiedet und für ihr weitgehend ehrenamtliches Engagement geehrt.

Für den Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS) gratulierte

Vorstand Oliver Ellermann den erfolgreichen

Absolventen, Nikolai Malanowski,

Geschäftsführer des Wirtschaftsverbands

Großhandel Metallhalbzeug

(WGM), übernahm diese

Aufgabe für die Teilnehmer aus seiner

Branche. Beide Verbände arbeiten

seit vier Jahren im Fernstudium

zusammen; 2015 war mit dem Verband

Deutscher Metallhändler

(VDM) ein weiterer Kooperationspartner

hinzugekommen. Der erwartet

erste Abschlüsse im kommenden

Jahr. Dann findet die Abschlussprüfung

(für den 20./3./1. Jahrgang)

vom 24.-26.6.18 in Karlsruhe statt.

Dieser Leistungsnachweis wird

dann gemäß Studien- und Prüfungsordnung

– wie auch in diesem Jahr

– dreigeteilt durchgeführt: Schriftlich

geht es um die Studieninhalte

aus dem Fachbereich Methoden,

zweitens müssen Ergebnisse aus

den angefertigten Studienarbeiten

präsentiert und schließlich muss im

Rahmen einer Gruppenarbeit die

Fähigkeit nachgewiesen werden,

einen komplexen Metallhandelsfall

auch unter technischen und wirtschaftlichen

Aspekten lösen zu

können. Die Ergebnisse dieser

Abschlussprüfung gehen zu einem

Viertel in die Gesamtnote ein. Die

drei anderen Teile ergeben sich

bereits vorher aus der Bewertung

der Studienarbeit sowie den Prüfungen

zur Technik und zur Wirtschaft.

Flagge gezeigt

Mit dem 19./2. erreichte in diesem

Juni in Karlsruhe, wo der BDS bei den

Abschlussprüfungen regelmäßig

Flagge zeigt, erstmals ein Jahrgang

in der Abschlussprüfung durchschnittlich

über 80 Punkte und damit

fast ein „gut“, das ab 81 Punkten

vergeben wird. Die Prüfer führten

dies nicht nur auf die Lernleistungen

der Studentinnen und Studenten

zurück, sondern auch auf die in

den letzten Jahren realisierten Studienreformen

zur Verbesserung der

Betreuung in diesem Fernstudium.

Dieses didaktische Konzept ist

von der Staatlichen Zentralstelle für

Fernunterricht (ZFU) genehmigt, und

schlägt sich – nach Selbsteinschätzung

auf der Basis der Kriterien des

Fernlehrverbands Forums DistancE-

Learning – in der Zuordnung dieses

Abschlusses auf der Stufe 7 des achtteiligen

Deutschen Qualifikationsrahmens

(DQR) nieder. Es spiegelt

zudem die Erfolge des Kontinuierlichen

Verbesserungsprozesses (KVP)

im Rahmen des praktizierten Qualitätsmanagements

(QM) wider. Auf

dieser Basis sind die angebotenen

Betriebswirts-Abschlüsse zudem vom

Deutschen Patent- und Markenamt

markenrechtlich geschützt.

Fest verankert

Dafür, dass dieser Abschluss in der

Stahlhandelsbranche fest verankert

ist, hatten u.a. drei Mitglieder des

48 Stahlreport 7/8|17


Fotos: BDS

Verabschiedeten sich aus Altersgründen als Mitarbeiter im Fernstudium:

Heinz Schürmann (l.) und Hans Joachim Jurkscheit erhielten als

Symbol für Ihre Leistungen je einen verzinkten Stahlanker.

Zeigt seit Jahren bei den Abschlussprüfungen zum Fernstudium in

Karlsruhe vor dem Akademiehotel Flagge: der BDS.

Prüfungsausschusses gesorgt, die

aus Anlass der diesjährigen Abschlussprüfung

in Karlsruhe aus diesem

Gremium verabschiedet wurden:

Heinz Schürmann, Hans Joachim

Jurkscheit und Thorsten Erny

erhielten als symbolischen Dank je

eine BDS-Urkunde und einen verzinkten

Stahlanker – weil sie im

Zusammenhang mit eben diesem

Material dafür gesorgt haben, „dass

das Schiff der Berufsbildung des

BDS stets Boden- und damit Basiskontakt

gehalten hat“, wie Dr. Ludger

Wolfgart, zuständiger Bereichsleiter

im Bundesverband Deutscher

Stahlhandel, in seiner Würdigung

formulierte.

Sichtlich bewegt bedankten sich

anschließend Heinz Schürmann und

Hans Joachim Jurkscheit für die

Ehrung. Beide sind aus Altersgründen

aus ihren Funktionen im BDS-

Fernstudium ausgeschieden und

zeigten sich zufrieden, von ihrem

Wissen und ihren Fertigkeiten etwas

an nachfolgende Generationen weitergegeben

zu haben. Thorsten Erny

hatte vor einiger Zeit aus dem Stahlhandel

in die Kommunalpolitik

gewechselt und ist inzwischen Bürgermeister

der Schwarzwaldgemeinde

Gengenbach. Und eben dieses

Amt hatte ihn kurzfristig daran

gehindert, den Dank in Karlsruhe

persönlich entgegenzunehmen. 2

Quelle: BDS

Vincent Baumert Dorow & Sohn Oschatz

Kai Burmeister Heinrich Dittmar GmbH & Co. KG Osterode am Harz

Chris Chlodek Salzgitter Mannesmann Stahlhandel GmbH Gladbeck

Jonathan Dietl Gebr. Lotter KG Ludwigsburg

Michael Dumalski ArcelorMittal Stahlhandel GmbH Bad Oldesloe

Christian Föhr IMS Trade GmbH Düsseldorf

Hauke Fuschera-Petersen Georg C. Hansen GmbH & Co. KG Husum

Thomas Gabor Heinemeyer Stahlhandel GmbH Rastatt

Florian Haug Gebr. Lotter KG Ludwigsburg

Manuel Häusleigner HEFELE GmbH & Co. KG Plattling

Andy Herrmann Gustav Gross Stahlhandel GmbH Flensburg

Jonas Holzer BIEBER + MARBURG + CO KG Gießen

Alwina Huber ArcelorMittal Stahlhandel GmbH Regensburg

Julian Hüllbrock Mosecker GmbH & Co. KG Rheda-Wiedenbrück

Vinzenz Knöpfler EHG Thommel GmbH Gewerbegebiet Niederbiegen Baienfurt

Eugen Koch BIEBER + MARBURG + CO KG Gießen

Christian Kötter Hydro Aluminium Rolled Products GmbH Hamburg

Denny Krispin Salzgitter Mannesmann Stahlhandel GmbH Köthen

Marco Lenz Laun GmbH Zimmern o.R.

Kai Lorenz Heinemeyer Stahlhandel GmbH Rastatt

Steve Nürmberger Köstner Stahlzentrum GmbH Plauen

Alexander Piesch AMARI Austria GmbH St. Johann im Pongau ÖSTERREICH

Sina Riede Bucher Stahlhandel GmbH Rottweil

Kevin Schelenz Eisen & Sanitär M. Bauer GmbH Bayreuth

Fabian Schick Carl Spaeter GmbH Bietigheim-Bissingen

Patrick Sibilja Blechform GmbH + Co. KG Köln

Marlo Welsch KAUFMANN Stahl- und Metallhandel GmbH Köln

Die Liste der in

Karlsruhe erfolgreichen

Prüflinge

umfasst 27 Namen

aus BDS und WGM.

Stahlreport 7/8|17

49


BDS

Berufsbildung

Akteure im Fokus

Studienbeiratssitzungen

Foto: BDS

Der große Augenblick: BDS-Vorstand Oliver Ellermann (r.) gratuliert Vinzenz Knöpfler zu

seinem Erfolg und überreicht ihm die Zeichen dafür.

Vinzenz Knöpfler ist jetzt Betriebswirt

Vom EDE gefördert

Auch EDE-Stipendiat Vinzenz Knöpfler gehört in den Kreis der 27 neuen

Betriebswirte Stahlhandel BDS/WGM. Der Mitarbeiter aus dem Hause

Thommel schloss sein Fernstudium mit „gut“ ab. Die letzte der insgesamt

vier Prüfungen fand Mitte Juni in Karlsruhe statt (vgl. S. 48f).

Der Studienbeirat hat wichtige Empfehlungen

für das BDS-Fernstudium formuliert:

Bei den Sitzungen im Juni in Karlsruhe

und im Juli in Soltau fokussierten sich die

drei beteiligten Verbände dabei auf die Operationalisierung

der genehmigten Lehrgangsplanung

für die Akteursgruppen der Autoren,

Referenten und Prüfer.

Wichtigstes Werkzeug dabei ist die

Geschäftsordnung, in der die Lösungen zu

den entsprechenden Herausforderungen

formuliert werden – im Sinne eines Kontinuierlichen

Verbesserungsprozesses, der

in der Zulassung durch die Staatliche Zentralstelle

für Fernunterricht hinterlegt ist.

Vor gut drei Jahren hatte das

Wuppertaler Einkaufsbüro Deutscher

Eisenhändler GmbH (E/D/E) beschlossen,

bis zu zwei Kandidaten in diese

Qualifizierungsmaßnahme zu entsenden

und dies durch die E/D/E-Stiftung

finanzieren zu lassen. Die Verbundgruppe

machte damit deutlich, wie eng

ihre Verbindungen zum Produktionsverbindungshandel

mit Stahl ist und welche

große Bedeutung sie der beruflichen

Bildung zumisst.

So studierte Vinzenz Knöpfler seit

2014 beim Bundesverband Deutscher

Stahlhandel (BDS) berufsbegleitend –

was in seinem Fall in dieser Zeit auch

einen Arbeitgeberwechsel einschloss.

Inzwischen ist der ursprünglich einmal

als Koch Ausgebildete, der aber aus

einer Stahlhandelsfamilie aus dem Allgäu

stammt, für die EHG Thommel

GmbH in Baienfurt tätig.

Dort kann er jetzt sein neues Wissen

und seine neuen Fertigkeiten zum

Wohle des Unternehmens und für seine

eigene Karriere einsetzen. Dieses Knowhow

umfasst nicht nur die branchenbezogene

Werkstoff-, Produkt- und Anarbeitungskunde.

Im BDS-Fernstudium

vermittelt wurden auch kaufmännische

und Kompetenzen zur Unternehmensführung.

Dritter Fachbereich war die

Methodik, um die erweiterten Fähigkeiten

auch anwenden zu können –

etwa in der Ausbildung des Branchennachwuchses.

Kurz nach der Abschlussprüfung,

die Vinzenz Knöpfler in Karlsruhe

absolviert hat, begann mit dem Eröffnungsseminar

im niedersächsischen

Soltau ein neuer Fernstudienjahrgang.

Für dessen 29 Teilnehmerinnen und

Teilnehmer ist der frisch gebackene

Betriebswirt nun eines der Vorbilder

dafür, dass man ein solches Ziel auch

berufsbegleitend erreichen kann.

Ein weiterer Jahrgang im BDS-

Fernstudium, zu dem es inzwischen

auch Abschlussvarianten im NE-

Metall- (Wirtschaftsverband Großhandel

Metallhalbzeug, WGM) und im

Handel mit Schrotten (Verband Deutscher

Metallhändler, VDM) gibt, soll

dann am 1.7.18 starten. Das Bildungsangebot

ist über den BDS zertifiziert

und bei der Staatlichen Zentralstelle

für Fernunterricht zugelassen. Der

Abschluss ist zudem markenrechtlich

geschützt sowie – nach Selbsteinschätzung

durch den BDS – auf der Stufe

7 des Deutschen Qualifikationsrahmens

angesiedelt; das entspricht im

akademischen Bereich einem Master-

Abschluss. 2

Dies betrifft in den nächsten Studienquartalen

schwerpunktmäßig die Prüfungen,

die Thema einer Werkstatt sind, zu der die

Teilnehmer des neuen Jahrgangs (2017)

im Frühjahr 2018 (19.-22.4.2018 in Rösrath

bei Köln) eingeladen werden. Nach

dem Auftaktseminar Anfang Juli in Soltau

wird dies für die 29 neuen Fernstudentinnen

und -studenten die zweite Präsenzphase

in dem dreijährigen Lehrgang sein.

Für Prüfer ebenso wie für Autoren und

Referenten gilt die Verständigung im Studienbeirat,

die gesamte Informationsvermittlung

sowie die Kommunikation und

Administration ausschließlich über die

Elektronische Bildungsplattform OPAL

(Online-Plattform für akademisches Lehren

und Lernen) abzuwickeln, die auch die

Studentinnen und Studenten des neuen

Jahrgangs nutzen.

Dem Studienbeirat gehören die führenden

Vertreter der drei beteiligten Verbände

BDS (Bundesverband Deutscher Stahlhandel),

VDM (Verband Deutscher Metallhändler)

und WGM (Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug) sowie die

fünf Fachbereichsleiter zur Technik, Wirtschaft

und Methodik an. Über OPAL wird

dieser Kreis sein nächstes Treffen absprechen,

das für Sommer 2018 angedacht

ist.

50 Stahlreport 7/8|17


Warum der Fernunterricht boomt

Drei Verstärker

Fernunterricht war, ist und bleibt ein entscheidendes Thema in der beruflichen Bildung – nicht nur beim

BDS. Verstärkt wird die Bedeutung entsprechender Angebote aktuell vor allem durch die Einbeziehung

des DQR, durch Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und durch die Digitalisierung. Das berichtet Dr. Ludger

Wolfgart, Bereichsleiter Berufsbildung beim BDS, von drei Terminen, die er Ende Juni in Hamburg

und Berlin für den Verband wahrgenommen hat – zwischen der Abschlussprüfung für den 19. und der

Auftaktveranstaltung für den 21. Jahrgang im BDS-Fernstudium (vgl. ges. Berichte in diesem Heft).

In der Hansestadt tagte das DQR-

Council, mit dem der Fernlehrverband

Forum DistancE-Learning (FDL), in dem

der Bundesverband Deutscher Stahlhandel

(BDS) Mitglied ist, die Nutzung der

Möglichkeiten des Deutschen Qualifikationsrahmens

(DQR) verbessern will.

Außerdem haben in Hamburg Fernhochschulen

ihren Sitz, die für Absolventen

des BDS-Fernstudiums potenzielle Partner

bei weiteren Karriereschritten sein

können, weil sie auch akademische

Abschlüsse im wirtschaftlichen Fernunterricht

anbieten. In der deutschen Hauptstadt

schließlich fand die Jahrestagung

der Arbeitsgemeinschaft Fernstudium

(AG-F) statt – zum Thema „Fernstudium

im digitalen Zeitalter – ein Bildungsformat

im Wandel“.

Qualifikationsrahmen

Basis dieser dreiteiligen Thematik ist die

europäische Grundidee des DQR, alle

Bildungsabschlüsse in ein System einzuordnen

– insbesondere die schulischen,

akademischen und berufsbezogenen.

Ziel dabei ist eine Vergleichbarkeit,

nicht eine Egalisierung. Der BDS

hat diesen Ansatz im vergangenen Jahrzehnt

umgesetzt und sein Fernstudium

auf der Stufe 7 des achtteiligen DQR eingeordnet.

Dies ist das Ergebnis einer

Selbsteinschätzung auf der Basis eines

Kriterienkatalogs, den das FDL vor wenigen

Jahren erarbeitet hatte, weil der DQR-

Arbeitskreis aus Kapazitätsgründen noch

nicht alle gewünschten offiziellen Einordnungen

vorgenommen hat.

Da sich an diesem Einordnungsdefizit

in absehbarer Zeit nichts zu ändern

scheint, überlegen im DFL organisierte

Anbieter – unter ihnen der BDS – gemeinsam,

wie der gewünschte Prozess

beschleunigt werden kann. Das war

Thema des Treffens in Hamburg. Eines

der Motive für die entsprechenden Aktivitäten

ist es auch, dass viele Absolven-

ten aus dem Fernunterricht ihre Studienaktivitäten

fortsetzen und dabei z.B.

aus dem beruflichen in den akademischen

Bereich wechseln wollen.

Wirtschaftlichkeit

Dafür kommen nur Fernunterrichtsformen

in Frage, denn zum einen haben

die Absolventen beim BDS die Wirtschaftlichkeit

solcher Lernformen erfahren,

zum anderen sind sie beruflich und privat

in Lebenssituationen angekommen,

die längere Präsenzphasen quasi ausschließen.

Das jedenfalls ergaben entsprechende

Gespräche mit Betriebswirten

der letzten Jahrgänge.

Deutlich wurde dabei vor allem aber

auch, dass ein Großteil der Absolventen

nach dem branchenbezogenen Abschluss

seine Lernkarriere fortsetzen möchte –

vornehmlich im akademischen Bereich

und ohne dafür die Berufstätigkeit aufgeben

zu müssen.

Deshalb bemüht sich der BDS um

einen Hochschulpartner, der Teile aus

dem verbandseigenen Fernstudium für

einen weiteren Berufsbildungsschritt

anerkennt. Das wird derzeit mit einem

möglichen Anbieter aus dem Fernhochschulbereich

auf der Basis der Modulblätter

des digitalisierten BDS-Fernstudiums

geprüft.

Digitalisierung

Solche Kooperationen waren auch

wichtiges Thema bei der Tagung „Fernstudium

im digitalen Zeitalter – ein

Bildungsformat im Wandel“, zu der

die Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche

Weiterbildung und Fernstudium

nach Berlin eingeladen hatte.

Einer der Referenten dort war Prof. Dr.

Dietmar Nolting von der DIPLOMA

Hochschule.

Er ging in seinem Beitrag darauf ein,

dass es unterschiedliche Modelle solcher

studiengangsbezogenen Kooperationen

gibt, zu denen der Wissenschaftsrat

Anfang dieses Jahres Stellung bezogen

hatte. In deren Mittelpunkt stehen die

„Hochschulförmigkeit von Lernorten“

und die „akademische Letztverantwortung“

für diese ja eigentlich außeruniversitären

Bereiche. So habe die „gradverleihende

Hochschule“ bei diesen

Lernorten u.a. auf einen geeigneten institutionellen

und organisatorischen Rahmen

zu achten, auf die Art der (zunehmend

digitalisierten) Lernprozesse sowie

auf die Qualifikation des Lehrpersonals

und der Studierenden.

Die so angesprochenen Lernorte –

etwa solche aus dem Bereich der beruflichen

Bildung – hatte zuvor auf derselben

Tagung Prof. Dr. Werner Sauter (blended

solutions) angesprochen und in

diesem Zusammenhang einen die Digitalisierung

nutzenden Ansatz sowie

damit ein Geschäftsmodell für die Digitalisierung

von Studiengängen vorgestellt,

den man auch auf überbetriebliche

Bildungsanbieter übertragen könne –

„als völlige Abkehr von dem weitgehend

sinnlosen Vorratslernen der heutigen

Fernstudiengänge.“

Fazit

Fernunterricht in Zeiten der Digitalisierung

kann – in welchen Ausprägungen

auch immer – eine nicht nur wirtschaftlich

attraktive Form auch der beruflichen

Bildung sein. Wichtig wäre nur,

dass sich die beteiligten Akteure auf ein

einheitliches Instrumentarium zur Bearbeitung

der auftauchenden Fragen verständigen.

Dies könnte der DQR sein,

wenn er nicht in der Realität vielfältig der

Politik und den Hochschulen Anlass böte,

den Wettbewerb auf dem Bildungsmarkt

zu behindern. Die Wirtschaft ist von einer

solchen Kritik aber keineswegs ausgenommen.

Sie leistet sich diesen unlauteren

Konkurrenzkampf sogar innerhalb

der eigenen Reihen. 2

Stahlreport 7/8|17

51


BDS

Berufsbildung

Foto: BDS

Blickten von Soltau aus optimistisch

auf ihr weiteres Fernstudium, die

29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer

des Jahrgangs 2017.

Einführungsseminar des Jahrgangs 2017

Innovativer Auftakt: jetzt vernetzt

Kaum hatte der „19. Jahrgang“ Mitte Juni in Karlsruhe seine Abschlussprüfung abgelegt

(vgl. ges. Bericht auf S. 48f), begann Anfang Juli in Soltau mit dem „Jahrgang 2017“ ein

neues Kapitel des BDS-Fernstudiums. Dabei war die geänderte Bezeichnung nur ein kleiner

Teilaspekt der Innovation. Entscheidend für das reformierte Angebot ist vielmehr, dass

die 29 Teilnehmer aus den drei beteiligten Branchen des Großhandels jetzt digital studieren

und damit die Vorteile der allgegenwärtigen Vernetzung nutzen können.

Entscheidendes Werkzeug

dabei ist die Elektronische Bildungsplattform

OPAL (Online-Plattform

für akademisches Lehren und Lernen).

Über sie werden in dem dreijährigen

Fernstudium mit Betriebswirts-Abschluss

alle Informationen

bereitgestellt und die gesamte Kommunikation

abgewickelt, zudem

werden die Ergebnisse darin verwaltet.

Diese Vorteile galt es in Soltau

ebenso zu vermitteln wie die

umfangreichen methodischen und

inhaltlichen Programmpunkte, um

einen Ausblick zum weiteren Ablauf

des Fernstudiums zu gewinnen.

Vorteile

Diese Art der Information, Kommunikation

und Administration bringt

nicht nur wirtschaftliche Vorteile

für alle Beteiligten.

Durch den nun möglichen

neuen didaktischen Ansatz mit kleineren

Lerneinheiten und deren

intensiverer Vernetzung sowie

durch die Nutzung neuer Unterrichtsmöglichkeiten

– etwa in virtuellen

Klassenzimmern – sollen

auch die Lernerfolge weiter verbessert

werden.

Lernziel ist vor allem die Gewinnung

von Handlungskompetenz auf

der Stufe 7 des Deutschen Qualifikationsrahmens.

Dort sind die auch

markenrechtlich geschützten und

durch die Staatliche Zentralstelle

für Fernunterricht zugelassenen

sowie über den BDS zertifizierten

Abschlüsse „Betriebswirt/-in Stahlhandel

BDS“, „Betriebswirt/-in

Metallhandel VDM“ bzw. „Betriebswirt/-in

Metallhandel WGM“ nach

Selbsteinschätzung auf der Basis

des entsprechenden Kriterienkatalogs

des Fernlehrverbands eingeordnet.

Die neuen methodischen Möglichkeiten

und Inhalte sind in dem

aktuellen Ablaufplan zudem so auf

die Studienzeit verteilt, dass sie in

den beiden anderen Fachbereichen

(Wirtschaft und Technik) von

Anfang an genutzt werden können.

Programm

Das spiegelte sich in dem Programm

des Auftaktseminars wider:

z Das begann mit kommunikativem

Training, z.B. zum Feedback, um

den Umgang aller Beteiligten un-

52 Stahlreport 7/8|17


tereinander auf eine gute Basis zu

stellen.

z Danach wurde der marktbezogene

Rahmen aufgezeigt, in den alle

Studieninhalte eingeordnet werden

müssen. Dafür wurde die aktuelle

Lage in den drei beteiligten

Branchen des Stahl-, NE-Metallund

Schrotthandels skizziert.

z Außerdem stellten die drei Fachbereiche

ihre Teilthemen und ausführlich

deren Zusammenhänge

vor.

z Auf dieser Basis konnten die Referenten

dann in dem insgesamt

sechstägigen Seminar auch erstes

Detailwissen zur Werkstofftechnik,

zur Wirtschaft des Werkstoffhandels

sowie über das nutzbare

Lern- und Zeitmanagement

vermitteln.

z Wie ein roter Faden zogen sich

zudem die Einführungen in OPAL

sowie allgemein in das Fernstudium,

verdichtet in den Vorstellungen

der Studien- und der Prüfungsordnung,

durch das Programm.

Ausblick

So wurde den Teilnehmerinnen

und Teilnehmern deutlich, welche

Lernziele es in den drei ersten

Studienquartalen zu erreichen gilt,

bis sich die Gruppe im Frühjahr

2018 das nächste Mal trifft – vom

19.-22.4.2018 in Rösrath bei Köln

zu einer Werkstattveranstaltung,

um die auf die gesamte Studienzeit

verteilten Prüfungen vorzubereiten.

Dabei können Josip Basa als

Jahrgangssprecher und seine Stellvertreter

(Nina Baumann und Alexander

Hermann) ein Mitspracherecht

geltend machen.

Die Prüfer stammen – ebenso

wie die bei den Seminaren eingesetzten

Referenten und die Autoren

der Studienmodule – in der

Regel aus der Praxis der am Fernstudium

beteiligten Branchen. Die

werden durch die Verbände VDM

(Verband Deutscher Metallhändler)

und WGM (Wirtschaftsverband

Großhandel Metallhalbzeug) repräsentiert,

die in dem Studienprojekt

mit dem BDS (Bundesverband Deutscher

Stahlhandel) kooperieren. Entsprechend

nutzten auch BDS-Vorstand

Oliver Ellermann und VDM-

Geschäftsführer Ralf Schmitz die

Gelegenheit, die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer aus dem Stahlhandel

(17), aus dem NE-Metallhandel

und dem Metallhandel (je 6) in Soltau

persönlich zu begrüßen und

gemeinsam auf die nächsten drei

Jahre zu blicken.

In dieser Zeitspanne sollen auch

weitere Gruppen ihr digitalisiertes

Fernstudium beginnen – der Jahrgang

2018 mit der Eröffnung des

Einführungsseminars am 1.7. des

kommenden Jahres – wiederum in

Soltau. Auskünfte dazu bieten die

drei beteiligten Verbände an, u.a.

der BDS (Wynands-BDS@stahlhandel.com).

2

Quelle: BDS

Jonas Austermühle Meinolf Gockel GmbH & Co. KG Warburg

Josip Basa J.N. Kreiller KG Traunstein

Nina Baumann Salzgitter Mannesmann Stahlhandel GmbH Peine

Alexander Birk Carl Spaeter GmbH Oberhausen

Tobias Blesch häuselmann metall GmbH Mannheim

Niklas Bodenstab AFS Fittings Service Achim GmbH&Co.KG Achim

Jennifer Böhm ArcelorMittal Stahlhandel GmbH Niederlassung Schäfer Halle (Westf.)

Fred Diekmannshenke Alba Electronics Recycling GmbH Eppingen

Robin Fischer Carl Berghöfer GmbH Altena

Kim Stefanie Garber MKR Rothenbücher GmbH Köln

Christoph Hänsch Vetter Stahlhandel GmbH Loxstedt

Alexander Hermann ArcelorMittal Stahlhandel GmbH Niederlassung Schäfer Halle (Westf.)

Arnold Holik Kranner GmbH Wien ÖSTERREICH

Uwe Huttenlocher Alu-met GmbH Bludenz ÖSTERREICH

Pascal Korb von Schaewen AG Essen

Simon Matthis Weinmann Aach AG Dornstetten

Vincent Thomas Matz rff Rohr Flansch Fittings Handels GmbH Bremen

Marian Merkel Universal Eisen und Stahl GmbH Neuss

Jonas Müller Weinmann Aach AG Dornstetten

Stefanie Müller Electrocycling GmbH Goslar

Max Oberföll Universal Eisen und Stahl GmbH Neuss

Max Penkuhn Ed. Prosch KG Grabow

Tim Rohr MECU-Metallhalbzeug GmbH & co. KG Velbert

Pascal Schmidt Karsten Stahlhandel GmbH Grevenbroich

Christian Schöpf Batz & Burgel GmbH & Co. KG Friedberg

Marcel Spach Max Schön GmbH Lübeck

Dominik Spitzer Salzgitter Mannesmann Stahlhandel GmbH Düsseldorf

Kevin Wille Electrocycling GmbH Goslar

André Eric Wolf Weinmann Aach Schwäbisch Gmünd GmbH Schwäbisch Gmünd

Liste der im Jahrgang

2017 gemeinsam

Studierenden

aus den Bereichen

der Verbände BDS,

VDM und WGM

Stahlreport 7/8|17

53


BDS

Berufsbildung

Wintersemester der Arbeitskreise im Norden

Überbetriebliche

Ausbildungsbegleitung

In Kürze beginnt für die Arbeitskreise der Jungkaufleute

des Stahlhandels im Norden das Wintersemester 2017/2018:

In Hamburg und in Schleswig-Holstein steht für diese

überbetriebliche Ausbildungsbegleitung jeweils der erste

Kurs mit zwölf bzw. fünf Terminen an.

Gemeinsame Veranstaltungen

der beiden Arbeitskreise sind für vier

Termine geplant:

z „Korrosionsschutz und Oberflächenveredelung

von Stahl und NE-Metallen“

steht am 19.9.17 in Neumünster

auf dem Programm, wenn dort

der Besuch bei des Branchennachwuchses

bei ZinkPower geplant ist.

z Ferner geht es am 10.10.17 unter

der Überschrift „Stahl live“ um eine

Werksbesichtigung bei der Salzgitter

AG.

z Nach diesem Ausflug nach Salzgitter

und damit in die Produktion stehen

am 7.11.17 in Hamburg Verarbeitungsfragen

von Stahl bei der

Herstellung von STILL-Gabelstaplern

und Lagertechnik im Mittelpunkt

sowie – danach – unter der

Überschrift „Zukunft im Stahlhandel“

berufliche Chancen in der Branche.

Zu ihnen referiert in der Hansestadt

Dr. Ludger Wolfgart,

Bereichsleiter Berufsbildung bei der

BDS AG – Bundesverband Deutscher

Stahlhandel.

z Schließlich wird am 5.12.17 bei ArcelorMittal

in Hamburg ein Sonderweg

der Stahlerzeugung vorgestellt

(„Ministahlwerk mit Drahtherstellung“),

bevor es wenige Stunden

später mit Torsten Studemund von

der Voß Edelstahlhandel um neue

Verkaufswege im Stahlhandel geht:

„E-Commerce“.

Für den Kurs in Schleswig-Holstein

ist eine weitere Besichtigung für den

21.11. bei KremerGlismann in Elmshorn

vorgesehen – unter der Überschrift

„Stahlhandel heute“ geht es

vor allem um lagerwirtschaftliche

Aspekte. Darüber hinaus werden in

Schleswig-Holstein insbesondere Produkte

thematisiert: Rohre und Fein-

bleche am 19.9.17, Profile und Betonstahl

am 21.11.17.

Auch das weitere Programm in

Hamburg ist sowohl werkstoff- als

auch produktkundlich orientiert,

am 12.9. bzw. am 14.11. und am

12.12.17. Darüber hinaus werden

u.a. Themen wie das Qualitätsmanagement

aufgegriffen (21.11.17), die

Werkstoffprüfung (5.9.17) oder aktuelle

betriebswirtschaftliche Aspekte

des Stahlhandels (19.12.17). Auch

Prüfungsaspekte werden thematisiert

(28.11.17).

Vortragsort in Schleswig-Holstein

ist in der Regel die Walther-Lehmkuhl-Schule

in der Roonstraße 90 in

Neumünster, in Hamburg die Staatliche

Gewerbeschule Stahl- und Maschinenbau

in der Angerstraße 11.

Die vollständigen Programme,

die allen Interessenten offenstehen,

können über die Arbeitskreisleitung

angefordert werden, die

auch für die Anmeldungen zuständig

ist: Stefan Jungblut und Helmer

Blikslager, bds-jungkaufleute@web.de.

2

Sich ergänzende Angebote

Berufliche Bildungsangebote

für den Großhandel

Das Bildungszentrum Groß- und

Außenhandel hat sein Seminarprogramm

2017/2018 vorgelegt – für die Zielgruppe der

Auszubildenden wiederum mit Hinweisen

auf sinnvolle Ergänzungen durch stahlhandelsspezifische

Prüfungs-Vorbereitungsseminare

des BDS in Goslar.

Der rund 30-seitige Katalog zielt mit seinen

Angeboten auf Auszubildende ebenso

ab wie auch auf Führungskräfte, thematisiert

den Verkauf ebenso wie Rechtsfragen.

Eines der Angebote für Auszubildende im

letzten Lehrjahr ist das Intensivtraining

zur Vorbereitung auf die schriftlichen

Prüfungen – in Form von Förderwochen

für Kaufleute im Groß- und Außenhandel,

für Fachkräfte der Lagerlogistik sowie für

Fachlageristen. Entsprechende Kurse sind

u.a. für Goslar ausgeschrieben.

Dort sind üblicherweise auch die Lernteams

des Bundesverbands Deutscher

Stahlhandel (BDS) zur Werkstoff- und Produktkunde

beheimatet, die für angehende

Stahlhändlerinnen und Stahlhändler Hilfen

für das Prüfungsgespräch bieten. Für die

mündliche Prüfung gilt im Gegensatz zur

schriftlichen Prüfung eine Branchenorientierung.

So bietet es sich für Auszubildende im

Stahlhandel an, im kommenden Frühjahr

die großhandelsorientierte Förderwoche

zur Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung

durch eine entsprechend mündlich

ausgerichtete Ergänzung im branchenbezogenen

Lernteam zu vervollständigen.

Der komplette Katalog ist über die DAHD

Bildungszentrum Groß- und Außenhandel

GmbH zu beziehen: www.dahd.de.

[ Info ]

Informationen zum ergänzenden BDS-Angebot,

auch zu den Lernteams über Verkaufsfragen,

gibt es unter Wynands-BDS@stahlhandel.com.

54 Stahlreport 7/8|17


Neuordnung ist nun auf dem Weg

Ausbildung im Groß- und

Außenhandel

Der BGA bringt in diesen Wochen die

Neuordnung der Ausbildung im Groß- und

Außenhandel offiziell auf den Weg. An den

Beratungen zu diesem Antrag war auch der

BDS beteiligt. Mit einer Umstellung wird derzeit

in 2019 gerechnet.

Ab dann könnten aus den Kaufleuten im

Groß- und Außenhandel Kaufleute für

Groß- und Außenhandelsmanagement

werden. Hinter dieser Änderung der

Bezeichnung steht eine Anpassung der

Ausbildungsordnung hinsichtlich vor allem

dreier Inhalte: an die Digitalisierung mit

ihren innovativen Geschäftsmodellen

sowie an aktuelle Entwicklungen in

Sachen Nachhaltigkeit und Compliance.

Methodisch sind die Ideen der Kompetenzorientierung

ebenso aufgenommen

worden wie das Bekenntnis zur gestreckten

Abschlussprüfung.

Die entsprechenden Beratungen im

Berufsbildungsausschuss des Bundesverbands

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen

e.V. (BGA) hat auch der Bundesverband

Deutscher Stahlhandel (BDS)

begleitet, der in diesem Gremium einen

Gaststatus besitzt. Deshalb sind auch aus

dieser Branche interessierte Mitgliedsunternehmen

gebeten, Sachverständige für

die anstehenden Beratungen der Sozialpartner

zu benennen – Gespräche, die

nun über das Kuratorium der Deutschen

Wirtschaft für Berufsbildung und das

Bundeswirtschaftsministerium eingeleitet

werden.

Die dreijährige Ausbildung zur

Kauffrau/zum Kaufmann im Groß- und

Außenhandel war zuletzt 2006 reformiert

worden. Sie ist inzwischen auf der Stufe 4

des Deutschen Qualifikationsrahmens eingeordnet.

Vorschläge für Sachverständige aus dem

Stahlhandel nimmt beim BDS Dr. Ludger

Wolfgart, Bereichsleiter Berufsbildung,

entgegen: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Seminare nach der Sommerpause

Stahl- und Verkaufskunde

Stahl- und verkaufskundlich geben sich die BDS-Seminare,

die unmittelbar nach der Sommerpause auf dem Programm

stehen. Zielgruppe sind die Mitarbeiter des Stahlhandels,

und berücksichtigt werden in diesem Zusammenhang auch

die speziellen Interessen von Berufsanfängern.

Da es in diesem Jahr für Auszubildende

und Quereinsteiger kein

entsprechendes Lernteamangebot

gegeben hat, wird Prof. Dr.-Ing. Joachim

Lueg von der Fachhochschule

Dortmund als Referent des Seminars

„Stahlkunde“ vom 22.-24.8.17

in Gröditz in Sachsen in der Veranstaltung

auch auf spezielle Fragen

aus diesem Kreis eingehen.

Das ist möglich, weil er nicht nur

die üblichen Themen der Schulung

koordiniert – von der Gewinnung

von Stahl aus Roheisen über die

Stahlkennwerte und ihre Ermittlung

bis zu den wichtigen Stahlsorten –,

sondern er bindet auch die Betriebsbesichtigung

bei der Schmiedewerke

Gröditz GmbH sowie wichtige

Aspekte der Laborarbeit mit ein. So

entsteht eine Mischung aus Theorie

und Praxis, von der in der Seminarveranstaltung

schon erfahrene Stahlhändler

ebenso profitieren können

wie auch Anfänger in diesem

Bereich.

In Sachen Verkauf bleibt es allerdings

auch in dieser Veranstaltungssaison

bei einer differenzierten Zielgruppenansprache:

z Das „Lernteam Verkauf“ für Einsteiger

in den Distributionssektor

ist als Tageskurs für den 20.9.17

geplant, findet in Norderstedt nahe

Hamburg statt und konzentriert

sich auf das richtige Verhalten am

Telefon. Dabei geht es insbesondere

um die passende Ansprache

der Kunden und die optimale Vorbereitung

von solchen und von persönlichen

Kontakten. Als Basis

dafür werden die geeignete Einstellung

auf unterschiedliche Kundentypen

sowie der gezielte Einsatz

von Stimme und Sprache vermittelt,

Diese Aufgabe übernimmt Werner

Möstl, der seit 1987 als Vertriebstrainer

insbesondere für den technisch

orientierten Großhandel tätig ist und

sich für die entsprechende Aufgabe

in der Stahldistribution von Stahlhändler

Heinz Schürmann hat briefen

lassen, der aus Altersgründen

für entsprechende Aufgaben nicht

mehr zur Verfügung steht.

z Werner Möstl, Partner der DV Deutsche

Vertriebsberatung GmbH in

Mettmann, ist auch der entscheidende

Akteur bei der zweiteiligen

Verkaufsschulung am 18./19.9.17 in

Norderstedt bzw. am 25./26.10.17 in

Nürnberg. Bei dem ersten Termin

geht es um das Thema „Neue

A-Kunden gewinnen und Anfragen

professional managen“, im zweiten

Fall darum, „Mehr Aufträge durch

professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung“ zu

generieren. Teilnehmer, die beide

Veranstaltungen erfolgreich absolvieren,

die sich an der Stufe 6 des achtteiligen

Deutschen Qualifikationsrahmens

orientieren, erhalten zu

ihren Teilnahmebescheinigungen

das Verbandszertifikat „Vertriebsmanager

Stahlhandel (BDS)“.

Gedacht sind die beiden Seminare für

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

des Verkaufs im Innen- und Außendienst,

die bereits über Praxiserfahrungen

verfügen. 2

[ Info ]

Auskünfte und Anmeldemöglichkeiten zu

der Lernteamveranstaltung und den Seminaren

gibt es unter Wynands-BDS@stahlhandel.com.

Stahlreport 7/8|17

55


BDS

Recht

Endgültiger Ausgleichszoll festgelegt

Antidumpingzoll auf

Flacherzeugnisse aus China

Die EU-Kommission hat mit Wirkung vom 10.6.2017 einen endgültigen Ausgleichszoll auf die Einfuhren

bestimmter flachgewalzter Erzeugnisse aus Eisen, nicht legiertem Stahl oder legiertem Stahl, auch in

Rollen (Coils) (auch zugeschnittene Waren und Schmalband („narrow strip“)), nur warmgewalzt,

weder plattiert noch überzogen, mit Ursprung in der Volksrepublik China eingeführt.

Von der Maßnahme nicht

betroffen sind:

z Erzeugnisse aus nicht rostendem

Stahl und kornorientiertem Siliciumelektrostahl,

Erzeugnisse aus

Werkzeugstahl und Schnellarbeitsstahl,

z Erzeugnisse, nicht in Rollen, ohne

Oberflächenmuster, mit einer

Dicke von mehr als 10 mm und

einer Breite von 600 mm oder

mehr, und

z Erzeugnisse, nicht in Rollen, ohne

Oberflächenmuster, mit einer Dicke

von 4,75 mm oder mehr, aber nicht

Endgültiger Ausgleichszoll

Chinesische ausführende Dumpingspanne (in der Höhe der Schadensbeseitigungs- Ausgleichs- Antidumping-

Hersteller Antidumpinguntersuchung anfechtbaren schwelle zollsatz zoll

ermittelt)

Subventionen

Benxi Group 97,3 % 28,5 % 28,1 % 28,1 % 0 %

Hesteel Group 95,5 % 7,8 % 18,1 % 7,8 % 10,3 %

Jiangsu Shagang Group 106,9 % 4,6 % 35,9 % 4,6 % 31,3 %

Shougang Group

Nicht in die Stichprobe der

Antidumpinguntersuchung

einbezogen 38,6 % 31,5 % 31,5 % 0 %

Andere Unternehmen, die sowohl bei

der Antisubventionsuntersuchung als

auch bei der Antidumpinguntersuchung

mitgearbeitet haben 100,5 % 17,1 % 27,9 % 17,1 % 10,8 %

Andere Unternehmen, die zwar bei der

Antidumpinguntersuchung, nicht aber

bei der Antisubventionsuntersuchung

mitgearbeitet haben 100,5 % 38,6 % 35,9 % 35,9 % 0 %

Alle übrigen Unternehmen 106,9 % 38,6 % 35,9 % 35,9 % 0 %

Durchführungsverordnung (EU) 2017/969 der Kommission vom 8. Juni 2017 zur Einführung endgültiger Ausgleichszölle auf die Einfuhren bestimmter warmgewalzter

Flacherzeugnisse aus Eisen, nicht legiertem Stahl oder anderem legiertem Stahl mit Ursprung in der Volksrepublik China und zur Änderung der Durchführungsverordnung

(EU) 2017/649 der Kommission zur Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren bestimmter warmgewalzter Flacherzeugnisse

aus Eisen, nicht legiertem Stahl oder legiertem Stahl mit Ursprung in der Volksrepublik China; ABl. L 146 vom 9.6.2017, S. 17.

56 Stahlreport 7/8|17


mehr als 10 mm, und einer Breite

von 2 050 mm oder mehr.

Betroffene Waren

Die von dieser Maßnahme betroffenen

Waren werden derzeit unter den

KN-Codes

7208 10 00, 7208 25 00, 7208 26 00,

7208 27 00, 7208 36 00, 7208 37 00,

7208 38 00, 7208 39 00, 7208 40 00,

7208 52 10, 7208 52 99, 7208 53 10,

7208 53 90, 7208 54 00, 7211 13 00,

7211 14 00, 7211 19 00, ex 7225 19 10

(TARIC-Code 7225 19 10 90),

7225 30 90, ex 7225 40 60 (TARIC-

Code 7225 40 60 90), 7225 40 90,

ex 7226 19 10 (TARIC-Code

7226 19 10 90), 7226 91 91 und

7226 91 99

eingereiht.

Die Zölle gelten zusätzlich zu den

endgültigen Antidumpingzöllen, die

zum 7. April dieses Jahres eingeführt

wurden (siehe Stahlreport 5/17,

S. 39), allerdings nur bis zum Erreichen

der Schadensbeseitungsschwelle.

Letztere markiert daher

die Gesamthöhe der Zölle (Antidumping-

und Ausgleichszölle), die bei

der Einfuhr der fraglichen Produkte

in die EU gezahlt werden müssen.

Eine Übersicht bietet die Tabelle auf

der gegenüberliegenden Seite.

Hintergrundinfo

Neben dem Antidumpingverfahren

gab es ein Antisubventionsverfahren.

Die zu Grunde liegenden

Zolltarifnummern sind

identisch. Die endgültigen Antidumpingzölle

wurden Anfang

April festgesetzt. Nun wurden

zusätzlich Ausgleichszölle eingeführt

und beide Zölle an die

Schadenbeseitigungsschwelle

als Höchstgrenze angepasst.

Die Schadensbeseitigungsschwellen

decken sich bei fast

allen Unternehmen mit den endgültigen

Antidumpingzollsätzen

vom April. Sie liegen zwischen

18,1 und 35,9 %. Lediglich der

Prozentsatz für Produkte der

Shougang Group, die im April

laut Anhang mit 27,3 % beaufschlagt

werden sollten, erhöht

sich auf 31,5 %.

Einführung einer endgültigen Antidumping-Abgabe

Antidumpingzoll auf Betonstabstahl aus Belarus

Die EU-Kommission hat mit Wirkung

vom 18.6.2017 einen endgültigen Antidumpingzoll

auf die Einfuhren von bestimmtem

Betonstabstahl aus Eisen oder nicht legiertem

Stahl, nur geschmiedet, nur warmgewalzt,

nur warmgezogen oder nur warmstranggepresst,

ob nach dem Walzen

verwunden oder nicht, mit vom Walzen herrührenden

Einschnitten, Rippen (Wülsten),

Vertiefungen oder Erhöhungen mit Ursprung

in der Republik Belarus eingeführt.

Aus der Warendefinition ausgenommen sind

hochdauerfester Betonstabstahl aus Eisen

oder Stahl sowie andere Profilerzeugnisse,

wie etwa runder Stabstahl.

Die von dieser Maßnahme betroffenen

Waren werden derzeit unter den KN-Codes

ex 7214 10 00, ex 7214 20 00,

ex 7214 30 00, ex 7214 91 10,

ex 7214 91 90, ex 7214 99 10 und

Anordnung der zollamtlichen Erfassung

Antidumping auf korrosionsbeständige Stähle aus China

Die Zollbehörden der Mitgliedstaaten

sind angewiesen, seit dem 9.7.2017, befristet

für neun Monate, die Einfuhren bestimmter

korrosionsbeständiger Stähle mit Ursprung in

der Volksrepublik China in die Union zollamtlich

zu erfassen. Bei den von der Maßnahme

betroffenen Waren handelt es sich um flachgewalzte

Erzeugnisse aus Eisen oder legiertem

oder nicht legiertem Stahl; aluminiumberuhigt;

schmelztauchbeschichtet mit Zink

und/oder Aluminium, jedoch nicht mit anderen

Metallen; chemisch passiviert; mit einem

Kohlenstoffgehalt von 0,015 Gewichtshundertteilen

(GHT) bis 0,170 GHT, einem Aluminiumgehalt

von 0,015 GHT bis 0,100 GHT,

einem Niobgehalt von 0,045 GHT oder weniger,

einem Titangehalt von 0,010 GHT oder

weniger sowie einem Vanadiumgehalt von

0,010 GHT oder weniger; aufgerollt, als auf

Länge zugeschnittene Bleche und als

Schmalband („narrow strip“) angeboten.

Die Waren werden derzeit unter den KN-Codes

ex 7210 41 00, ex 7210 49 00, ex 7210 61 00,

ex 7210 69 00, ex 7212 30 00, ex 7212 50 61,

ex 7212 50 69, ex 7225 92 00, ex 7225 99 00,

ex 7226 99 30 und ex 7226 99 70 (TARIC-

Codes: 7210 41 00 20, 7210 49 00 20,

ex 7214 99 95 (TARIC-Codes:

7214 10 00 10, 7214 20 00 20,

7214 30 00 10, 7214 91 10 10,

7214 91 90 10, 7214 99 10 10,

7214 99 95 10)

eingereiht.

Der endgültige Antidumpingzollsatz auf den

Nettopreis frei Grenze der Europäischen

Union, unverzollt für die vorstehend

genannten Waren, beträgt 10,6 %. Die

Sicherheitsleistungen für die mit der Durchführungsverordnung

(EU) 2016/2303 eingeführten

vorläufigen Antidumpingzölle werden

endgültig vereinnahmt.

[ Quelle ]

GTAI und Durchführungsverordnung (EU)

2017/1019 der Kommission vom 16.6.2017 zur

Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls

und zur endgültigen Vereinnahmung des vorläufigen

Zolls auf die Einfuhren von bestimmtem

Betonstabstahl mit Ursprung in der Republik

Belarus.

7210 61 00 20, 7210 69 00 20, 7212 30 00 20,

7212 50 61 20, 7212 50 69 20, 7225 92 00 20,

7225 99 00 22, 7225 99 00 35, 7225 99 00 92,

7226 99 30 10 und 7226 99 70 94)

eingereiht.

Ausgenommen sind Erzeugnisse aus nichtrostendem

Stahl, aus Silicium-Elektrostahl

und aus Schnellarbeitsstahl sowie nur

warm- oder nur kaltgewalzte Erzeugnisse.

Derzeit untersucht die Kommission im Rahmen

eines Antidumpingverfahrens (Einleitungsbekanntmachung

– ABl. C 459 vom

9.12.2016, S. 17), ob bei der Einfuhr

bestimmter korrosionsbeständiger Stähle

mit Ursprung in der Volksrepublik China

eine entsprechende Maßnahme zu ergreifen

ist. Mit der zollamtlichen Erfassung soll

sichergestellt werden, dass eine spätere

Maßnahme gegenüber diesen Einfuhren ab

dem Zeitpunkt der zollamtlichen Erfassung

angewandt werden kann.

[ Quelle ]

GTAI und Durchführungsverordnung (EU)

2017/1238 der Kommission vom 7. Juli 2017

zur zollamtlichen Erfassung der Einfuhren

bestimmter korrosionsbeständiger Stähle mit

Ursprung in der Volksrepublik China; ABl. L 177

vom 8.7.2017, S. 39.

Stahlreport 7/8|17

57


Verbände und

Politik

Schwerpunkt Bauwirtschaft

Das beeindruckende Bild der Bauwirtschaft in Berlin

Bundestagswahlkampf

Der Tag der Deutschen Bauindustrie 2017 am 1.6. in Berlin stand unter dem Motto „Werte schaffen,

Werte schützen.“ Kurz zuvor hatte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie beeindruckend positive

Zahlen für 2016 sowie das laufende Jahr vorgelegt und mit einer Sonderveranstaltung zur Schwarzarbeit

am Bau auch die makroökonomische Verantwortung der Branche unterstrichen. Abgerundet

wurde das Bild des Baus in Berlin und wird dieser Schwerpunkt durch viel Aktuelles sowie den Wohnungsbau-Tag

am 22.6. (Vgl. ges. Berichte in diesem Heft) Dieser Veranstaltungsreigen zeigte zudem:

ein passendes Thema für den begonnenen Bundestagswahlkampf.

Foto: BDS

Entsprechend bedeutend war

die Bühne. So schlug Peter Hübner,

Präsident des Hauptverbands der

Deutschen Bauindustrie, in seiner

Begrüßung am 1. 6. einen Bogen zwischen

den branchenbezogenen Werten

des Tagungsmottos und den politischen

Werten, die derzeit global in

Gefahr seien. Einen besonderen Fokus

legte er dabei auf Personalfragen und

insbesondere die Nachwuchssicherung.

Große Politik

Zunächst aber war die große Politik

angesagt: Friedrich Merz, Geschäftsführender

Vorsitzender der Atlantik-Brücke

und ehemaliger Vorsitzender

der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion,

referierte über „Europa und

die USA – die Zukunft unserer Wertegemeinschaft“.

Er griff dabei

besonders die Bedeutung des Brexit

sowie der US-Präsidentenwahl auf,

plädierte in diesen Zusammenhängen

für eine gut geregelte Handelspolitik

und versicherte, dass die USA

„unsere wichtigsten Verbündeten

bleiben“ werden.

Schwieriges Werben um Branchennachwuchs: die mittägliche

Diskussionsrunde beim Tag der Deutschen Bauindustrie.

Alexander Graf Lambsdorff, Vizepräsident

des Europäischen Parlaments,

setzte sich ein für eine dienende

Führungsrolle Deutschlands

in Europa – als (relative) Insel des

Wohlstands und Friedens. Die Arbeit

auf der „Baustelle Europa“ könne

wegen der Krisen rundherum nicht

durch einzelne Staaten geleistet werden.

So gebe es eine umfangreiche

Liste europäischer Aufgaben, insbesondere

in der Asyl-, Migrationsund

Flüchtlingspolitik. Ihre erfolgreiche

Erledigung wäre gut auch für

den deutschen Arbeitsmarkt.

Große Aufgaben

Trotz des personellen Fokus‘ des

Präsidenten in seiner Einleitung: In

doppeltem Sinn etwas fehl am Platze

war die mittägliche Diskussionsrunde

zur Fachkräftesicherung. Zeitlich

parallel zur Mittagspause in

einen Nebenraum ausgelagert, hatten

es sieben Herren in gesetztem

Alter schlichtweg schwer, die Zielgruppe

der eingeladenen Schüler

und Studenten, vor allem die weiblichen,

von den Vorzügen einer Karriere

in Bauberufen zu überzeugen.

Daran änderte auch Staatssekretär

Matthias Machnig aus dem Bundesministerium

für Wirtschaft und

Energie nichts, der sich zu Beginn der

Nachmittagsveranstaltung in Vertretung

des in Baufragen bundesweit

engagierten Ersten Bürgermeisters

von Hamburg, Olaf Scholz, an die

Versammlung wandte. Er unterstrich

dabei die quantitative Bedeutung der

Baubranche und forderte, Politik und

Wirtschaft müssten im Gespräch bleiben.

In diesem Zusammenhang hatte

Peter Hübner schon zu Beginn der

Veranstaltung als aktuelle Schwachstelle

die Planung identifiziert. Die

dürfe nicht allein bei der Verwaltung

liegen. Die Bauindustrie biete sich

als Partner an.

Dieses Angebot griff Alexander

Dobrindt, Bundesminister für Verkehr

und digitale Infrastruktur, in

seinem auf den Nachmittag verschobenen

Redebeitrag auf. Er bedankte

sich für politischen Beratungsleistungen

der Bauindustrie, lobte die Partnerschaft

von Wirtschaft und Politik

als Grundlage für soziale

Marktwirtschaft und benannte die

Planungsbeschleunigung als Schwerpunkt

in der nächsten Legislatur. Im

Übrigen gelte es, noch mehr über

erfolgreiche Bauprojekte zu sprechen.

Große Herausforderungen

Die so deutlich gewordene Nähe zwischen

Bauwirtschaft und Politik

bereitete dem Tag der Deutschen

Bauindustrie allerdings auch organisatorische

Probleme: Die prominent

besetzte Rednerliste und die

strategisch geschickt platzierten

Inhalte gerieten immer wieder ins

Schwimmen – angesichts der zeitgleichen

namentlichen Abstimmung

im Deutschen Bundestag, einer personell

plötzlich neu aufgestellten

SPD. Und zum Schluss sprach – in

Vertretung seines Ministerpräsidenten

Horst Seehofer – der bayerische

Innenminister Joachim Herrmann.

Da war es gut, dass die Grußbotschaft

von Bundeskanzlerin Angela

Merkel von vornherein per Video

eingespielt worden war: Darin

bemühte sie das einprägsame und

die Bauindustrie aufwertende Bild

von „Gebäuden als Visitenkarten

unseres Landes“. 2

58 Stahlreport 7/8|17


Bauwirtschaft ermittelt für sich Spitzenposition

Bekämpfung der Schwarzarbeit

Gut ein Viertel der in der deutschen Bauwirtschaft erzielten Umsätze mit Personal und Material

entfallen auf die Schattenwirtschaft. Um dieser Spitzenposition künftig effektiver entgegentreten

zu können, hat die Bundesvereinigung Bauwirtschaft Ende Mai in Berlin ein Fachforum zur

Schwarzarbeitsbekämpfung veranstaltet. Es war Teil der politischen Präsentationen und Gespräche

der Branche im Frühsommer in der Hauptstadt.

Zur Eröffnung des Forums

sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung,

Karl-Heinz Schneider: „Die

Schwarzarbeit ist das Krebsgeschwür

der deutschen Bauwirtschaft.

Sie belastet all jene Betriebe, die ihre

Mitarbeiter legal beschäftigen.“ Die

Bundesvereinigung Bauwirtschaft

ist ein Zusammenschluss des deutschen

Bau- und Ausbauhandwerks

– mit insgesamt 380.000 Betrieben.

Für die hat Prof. Dr. Friedrich

Schneider von der Universität Linz

die Lage in Sachen Schwarzarbeit

untersucht. Für ihn umfasst die

„Schattenwirtschaft die eigentlich

legale Produktion, die absichtlich

vor den staatlichen Stellen verheimlicht

wird“, um Steuern und Sozialabgaben

zu vermeiden, Mindeststandards

und/oder umständliche

Verwaltungsprozesse zu umgehen.

Dass dies in dem genannten Umfang

möglich ist, führt der Wissenschaftler

darauf zurück, dass nach jüngsten

Untersuchungen für 64 % der

deutschen Bevölkerung Schwarzarbeit

ein Kavaliersdelikt ist.

Baugewerbe mit Spitzen -

postition bei Schwarzarbeit

Vor diesem Hintergrund differenzierte

Professor Schneider seine aktuellen

Analysen unter Berücksichtigung von

erlaubter Nachbarschaftshilfe und

des ebenfalls legalen Do it yourself-

Bereichs. Ohne diese Faktoren sind

das Baugewerbe und die Handwerksbetriebe

2016 mit 127,7 Mrd. € an erster

Stelle illegal dabei gewesen.

Gemessen am Bruttoinlandsprodukt

(BIP) brachte es die gesamte Schattenwirtschaft

im vergangenen Jahr auf

11,6 %. (Vgl. Tabelle)

Die Botschaft der Forumsveranstaltung:

Je geringer die staatlich

verordneten Belastungen sind und

je weniger kompliziert die entsprechenden

Verfahren ausfallen, umso

erfolgreicher kann der Kampf gegen

Schwarzarbeit geführt werden. 2

Quelle: Bundesvereinigung Bauwirtschaft

Nr. Sektor-Variable 2012 2013 2014 2015 2016 2012-2016

(1) Baugewerbe u. Handwerksbetriebe 130,7 129,6 128,8 128,8 127,7 129,1 (38 %)

(2) Andere Gewerbe- und Industriebetriebe 58,3 58,0 57,6 57,6 57,1 57,7 (17 %)

(3) Dienstleistungsbetriebe 58,3 58,0 57,6 57,6 57,1 57,7 (17 %)

(4) Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche 44,6 44,3 44,1 44,1 43,7 44,2 (13 %)

(5) Sonstige und haushaltsnahe Dienstleistungen 51,5 51,2 50,9 50,9 50,4 51,0 (15 %)

(6) Gesamte Schattenwirtschaft 343 341 339 339 336 339,6

(in % des BIP) Summe aus (1) b. (5) (12,5) (12,1) (11,6) (11,2) (10,8) (11,6)

Entwicklung der

Schattenwirtschaft

in Deutschland

2012 bis

2016 in Mrd. €.

Stahlreport 7/8|17

59


Verbände und

Politik

Schwerpunkt Bauwirtschaft

Basis für den aktuellen

Optimismus am

Bau: die Konjunkturdaten

für das erste

Quartal 2017.

Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

Umsatz

im Bauhauptgewerbe, in % zum Vorjahreszeitraum, nominal

+11,6%

Jan.–März 2017

März 2017

+18,2%

Auftragseingang

im Bauhauptgewerbe,

in % zum Vorjahreszeitraum,

nominal

Die Bauwirtschaft ist im Aufwind

Jahresprognose angehoben

Die Baukonjunktur entwickelt sich derzeit so gut, dass der HDB zeitlich passend zum Branchentreffen

Anfang Juni seine Jahresprognose auf der Basis der Zahlen des ersten Quartals (vgl. Abb.) angehoben

hat: von 5 % auf 6 %. Angesichts dieser Umstände sah sich Bundesminister Alexander Dobrindt auf dem

Tag der Deutschen Bauindustrie 2017 gar veranlasst, dafür einen ausdrücklichen Dank zu formulieren.

Wieder gliederten sich die entsprechenden Angaben

des Verbands in Daten für den Wohnungsbau, den

Öffentlichen Bau und den Wirtschaftsbau. Der Trend dieser

Zahlen wurde im Übrigen inzwischen auch für die

neuesten Monatsangaben bestätigt (vgl. S. 27). Und außerdem

wagte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

(HDB) auch für 2018 schon eine positive Prognose.

Wohnungsbau

Treiber der Baukonjunktur bleibe auch 2017 der Wohnungsneubau,

erwartet Peter Hübner, Präsident des HDB.

Fertigungszahlen von bis zu 400.000 Einheiten pro Jahr

ließen sich nach den langen Jahren der Krise im Wohnungsneubau

aber nicht von heute auf morgen realisieren.

Auch die Bauwirtschaft brauche Zeit, ihre Kapazitäten

an das stark steigende Nachfrageniveau anzupassen.

Der HDB rechne deshalb zwar für 2017 mit einem weiteren

Anstieg der Fertigstellungszahlen auf 320.000 Einheiten,

erst 2018 werde aber mit etwa 350.000 Fertigstellungen

die Untergrenze des Bedarfs erreicht. Die Umsätze

im Bauhauptgewerbe würden entsprechend 2017 um 7,5 %,

2018 um 7 % zunehmen.

Öffentlicher Bau

Im Öffentlichen Bau werde die deutsche Bauwirtschaft in

den nächsten zwei Jahren von der Investitionswende im

Verkehrswegebau des Bundes profitieren, ist Hübner überzeugt.

Bis 2018 würden die Verkehrswegeinvestitionen

des Bundes auf knapp 14 Mrd. Euro steigen. Erstmals

dürfe die Bauwirtschaft aber darauf hoffen, dass sich der

Investitionshochlauf über die Legislaturperiode hinaus

fortsetzt.

Die Bauindustrie erwarte für den öffentlichen Sektor in

2017 ein Umsatzplus von 6 %, für 2018 von 4 %.

Wirtschaftsbau

Der Wirtschaftsbau wird 2017 den Anschluss an den allgemeinen

Bauaufschwung schaffen, glaubt Hübner. Die Zuwanderung

in die Ballungszentren habe nicht nur eine erhöhte

Wohnungsbaunachfrage, sondern auch eine steigende Nachfrage

nach Büroarbeitsplätzen und damit nach Büroraum

ausgelöst. Gleichzeitig profitiere der Wirtschaftsbau von

der Investitionsoffensive der Deutschen Bahn AG. Als weiterer

Impuls komme hinzu, dass nach der Frühjahrsumfrage

des Instituts der Deutschen Wirtschaft 44 % der Industriefirmen

2017 ihre Investitionen am Standort Deutschland ausweiten

wollen. Der HDB habe deshalb seine Umsatzprognose

für 2017 von 3 % auf 4 % erhöht. Für 2018 erwarte die

Branche ein weiteres Umsatzplus in dieser Sparte von 5 %.

„Die Baukonjunktur läuft besser als zu Beginn des

Jahres erwartet. Wir haben uns deshalb entschlossen,

unsere Jahresauftaktprognose über die Entwicklung der

baugewerblichen Umsätze im Bauhauptgewerbe nominal

von 5 auf 6 % anzuheben (real: 4 %).

Weitere Aussichten

Nach nunmehr 6 % Zuwachs in 2017 rechnet der HDB für

2018 mit einem weiteren Umsatzplus von 5,5 %.

Der Bau sei damit weiter eine der Stützen der gesamtwirtschaftlichen

Konjunktur. Wie im Vorjahr gebe es zwei

Sondereffekte, welche die Bauwirtschaft ankurbeln: Zum

einen der weiterhin akute Bedarf an zusätzlichem Wohnraum,

zum anderen die öffentliche Investitionswende, die

inzwischen auch den kommunalen Bereich erfasst habe.2

60 Stahlreport 7/8|17


Verbändebündnis

Mehr und besser bauen

Das Prinzip „Gemeinsam Größer“ praktiziert das „Verbände -

bündnis Wohnungsbau“ bereits zum dritten Mal in einem

Bundestagswahlkampf und nutzte am 22.6.17 die sozialen

Implikationen seines Themas für einen erfolgreichen Lobbyauftritt

in Berlin. Führende Vertreter aller im Deutschen Bundestag

vertretenen Parteien sowie der FDP, vor allem aber die Sozial -

demokraten, stellten sich hinter die Forderungen u.a. des BGA:

Es muss mehr und besser gebaut werden, denn die Wohnungsnot

ist mitten in der Gesellschaft angekommen.

Nachdruck erhielt diese nachhaltige

Ansage vor allem durch eine

aktuelle Studie: Die neue Wohnungsknappheit

hat demnach mittlerweile

138 Städte und Kreise erreicht – und

damit ein Drittel der Kommunen. Dort

können sich selbst die mittleren Einkommensklassen

kaum noch die für

ihre Haushaltsverhältnisse erforderlichen

Wohnraumquadratmeter mieten

– und das bei einem Einkommensanteil

von 35 % für die Warmmiete.

Dies gelte insbesondere für Familien

und in Ballungsräumen (vgl. Abbildung),

erläuterten auf dem Wohnungsbautag

Tobias Koch und Dr. Oliver

Ehrentraut von der Prognos AG.

Mieten und Einkommen haben

sich demnach entkoppelt. Konkret

haben die Wissenschaftler errechnet,

dass bundesweit das mittlere Haus-

haltsnettoeinkommen von 2.168 € pro

Monat mittlerweile nur noch ausreicht,

um eine durchschnittliche

Wohnung von 77 m 2 zu mieten.

Grundlage ist hierbei eine Miet-Obergrenze

von 759 € pro Monat.

Dies berge auch sozialpolitisch

Konfliktpotenzial, so das Prognos-

Institut in seiner Analyse. Der entscheidende

Grund für den Wohnungsmangel

sei, dass seit Jahren zu wenig,

am Bedarf vorbei und meist auch zu

teuer gebaut werde. Allein in den vergangenen

acht Jahren sei eine Wohnungsbaulücke

von 1 Mio. Wohneinheiten

entstanden.

Verbändebündnis stellt

Forderungskatalog auf

Die Prognos-Studie war vom Verbändebündnis

Wohnungsbau beauftragt

worden. In dem Bündnis haben

sich Organisationen und Verbände

der beteiligten Branchen zusammengeschlossen.

Ihnen angeschlossen

hat sich über die Aktion

„Impulse für den Wohnungsbau“

auch der Bundesverband Großhandel,

Außenhandel, Dienstleistungen

(BGA), der u.a. den Produktionsverbindungshandel

vertritt, für den die

Baubranche eine wichtige Zielgruppe

darstellt. So gehört dem Verbändebündnis

auch der vom BGA

als Dachverband vertretene Bundesverband

Deutscher Baustoff-Fachhandel

(BDB) an.

Vor diesen Hintergründen hat das

Verbändebündnis anlässlich der

bevorstehenden Bundestagswahl

einen Forderungskatalog erstellt –

u.a.:

q

Quelle: Prognos AG

Wohnraumbedarfe und deren Finanzierungsmöglichkeiten

qm

140

130

120

110

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Deutschland

Berlin

Düsseldorf

Frankfurt

Hamburg

Köln

München

Stuttgart

70 qm

40 qm

alle Haushalte Singles Familien

110 qm

Begrenzte Wohnkaufkraft

bis hinein

in die mittleren Einkommensgruppen:

ein Ergebnis der

neuesten Prognos-

Studie

Stahlreport 7/8|17

61


Verbände und

Politik

Schwerpunkt Bauwirtschaft

q z Neubau von 80.000 zusätzlichen Sozialmietwohnungen

pro Jahr. Deshalb müsse

der Bund seine Zahlungen für die Wohnraumförderung

– auch nach 2019 – fortsetzen.

z Darüber hinaus sei es dringend erforderlich,

bessere steuerliche Anreize für mehr

bezahlbaren Wohnungsbau zu schaffen:

Eine von 2 % auf 3 % erhöhte AfA sei schon

deshalb notwendig, um der – durch immer

mehr Anlagentechnik – verkürzten Nutzungsdauer

von Wohngebäuden gerecht

zu werden.

z Zudem soll es für Regionen mit angespannten

Wohnungsmärkten wahlweise eine

befristete Sonderabschreibung oder Investitionszulagen

für den Neubau bezahlbarer

Mietwohnungen geben.

z An die Adresse von Bund, Ländern und

Kommunen appelliert das Verbändebündnis

Wohnungsbau ferner, Bauland

verbilligt bereitzustellen und nicht länger

– wie häufig praktiziert – im Höchstpreisverfahren

anzubieten.

z Eine weitere Botschaft des Wohnungsbau-

Tages richtet sich an Politik und Verwaltung:

Der Staat dürfe nicht durch immer

neue Gesetze und Normen die Baukosten

in die Höhe treiben. Er solle stattdessen

den Kosten-Nutzen-Aspekt stärker im Blick

haben.

z Darüber hinaus sei eine deutliche Erhöhung

der KfW-Förderung für die altersgerechte

und energetische Gebäudesanierung

notwendig.

z In diesem Zusammenhang fordert das

Verbändebündnis Wohnungsbau die Bundesregierung

auch auf, den Gebäudebereich

nicht ungleich stärker als andere

Segmente – wie beispielsweise den Verkehr

oder die Landwirtschaft – zu belasten,

wenn es darum geht, gesteckte Klimaschutzziele

zu erreichen.

Angesichts der angesprochenen nachhaltigen

Themen mit ihren ökonomischen, ökologischen

und sozialen Implikationen war

dies eine Steilvorlage vor allem für die beiden

ersten Redner des Wohnungsbautages:

Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks

(SPD), die unter Hinweis auf den Zeitbedarf

der Entwicklungen auf den Baumärkten

eine positive Bilanz ihrer Amtszeit zog, und

für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz:

„Wohnraum statt Wohntraum!“ 2

[ Info ]

Der nächste und damit zehnte

Wohnungsbautag findet am 1.3.2018

ebenfalls in Berlin statt.

Deutsche Bauindustrie

Gute Nachrichten aus dem Ausland

Zu den guten Konjunkturnachrichten

aus der deutschen Bauindustrie gehört

auch, dass die Branche ebenso im Ausland

sehr erfolgreich gewesen ist und sein wird.

„Die deutsche Bauindustrie hat sich 2016 in

einem schwierigen weltwirtschaftlichen

Umfeld behauptet und den Auftragseingang

aus dem Ausland um 10 % auf 27,2 Mrd. €

gesteigert. Für das laufende Jahr sind wir

zuversichtlich, diesen Wert nochmals zu übertreffen.“

Mit diesen Worten kommentierte im

Juni Dip.-Ing. Hans-Joachim Bliss, Vorsitzender

des Auslandsbau-Ausschusses im Hauptverband

der Deutschen Bauindustrie, die Vorlage

der Auslandsbaustatistik für das Vorjahr.

Die Erfolge führt Bliss vor allem auf zwei

Faktoren zurück:

z „Zum einen sind die deutschen Auslandsbaufirmen

und ihre ausländischen Tochterund

Beteiligungsgesellschaften bei komplexen

Infrastrukturvorhaben im Verkehrsbereich,

im Spezialtiefbau, im gewerblichen

Hochbau sowie zunehmend auch im

Paradigmenwechsel

Impulse für die Infrastruktur

Die Interessenverbände jubilieren:

Mit der Gründung der Infrastrukturgesellschaft

Verkehr ist ein Wandel in der Verkehrspolitik

eingeläutet worden. Er ist Teil

eines umfassenderen Paradigmenwechsels.

„Der Übergang zur Infrastrukturgesellschaft

ist ein richtiger Schritt in eine zukunftsorientierte

Verkehrspolitik. Der Systemwechsel

hin zu einer einheitlichen Planung aus

einem Guss bietet eine echte Chance, um

die marode und überlastete Infrastruktur

wieder auf Vordermann zu bringen.“ Dies

erklärte Carsten Taucke, Vorsitzender des

Verkehrsausschusses im Bundesverband

Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen

(BGA).

„Endlich kann das Management von

Deutschlands Autobahnen in einer Hand

gebündelt und eine ganzheitliche Netzbewirtschaftung

angegangen werden. Dies ist

auch ein Erfolg für Bundesverkehrsminister

Dobrindt!“ Mit diesen Worten kommentierte

Zukunftsmarkt des nachhaltigen und umweltfreundlichen

Bauens gut aufgestellt.

z Zum anderen macht sich die klare Fokussierung

der internationalen Aktivitäten auf die

Industrieländer bezahlt“.

Die Aktivitäten deutscher Baufirmen im

Ausland erstreckten sich vom Umbau einer

Kupfermine über Gründungsarbeiten für

Offshore Windfarmen, das Design, den Bau

und den Betrieb von Autobahnstrecken über

die Trinkwasserversorgung von Großstädten

bis hin zu klassischen Aufgaben – wie dem

schlüsselfertigen Bau eines Hotelkomplexes

mit einem Wohnturm und einem Konferenz -

zentrum sowie innerstädtischen S-Bahn-

Netzen.

Die Bauleistung im Ausland sei zwar 2016

leicht auf 24,8 Mrd. € zurück gegangen, vor

dem Hintergrund des deutlich gestiegenen

Auftragseingangs erwartet Bliss aber für das

laufende Jahr bei der Bauleistung ein Wachstum

von rund 10 %; auch das Auftragsvolumen

dürfte demnach weiter steigen.

der Präsident des Hauptverbandes der

Deutschen Bauindustrie, Dipl.-Ing. Peter

Hübner, ebenfalls Anfang Juni das positive

Votum des Deutschen Bundestags zum

Abschluss der Bund-Länder-Finanzbeziehungen

und zur Gründung der Infrastrukturgesellschaft

Verkehr.

Unterdessen hat Bundesverkehrsminister

Alexander Dobrindt eine Bilanz zur gesamten

Verkehrsinfrastrukturpolitik der 18.

Legislaturperiode des Deutschen Bundestages

gezogen und den tiefgreifenden Paradigmenwechsel

deutlich gemacht: Zentrale

Erfolge seien die massive Steigerung der

Investitionsmittel, die Verabschiedung eines

neuen Verkehrswegeplans, der Systemwechsel

von der steuerfinanzierten zur nutzerfinanzierten

Infrastruktur, die neue

Generation Öffentlich-Privater Partnerschaften,

der Masterplan Bauen 4.0, die Vorstellung

einer Strategie zur Planungsbeschleunigung

sowie: die Gründung einer

Bundesautobahngesellschaft.

62 Stahlreport 7/8|17


Seriell und modular

Schnelle Bauweisen

Die Wohnungsmärkte vieler Groß- und Universitätsstädte

in Deutschland entwickeln sich aufgrund eines starken

Einwohnerzuwachses dynamisch. Die Folge sind Engpässe

beim Wohnungsangebot sowie steigende Bau- und

Wohnkosten. Ein Hauptgrund für den Wohnungsmangel: Der

Bau neuer Wohnungen dauert immer noch zu lange. Deshalb

sollte es nach Meinung eines Akteursverbundes mehr um

serielle und modulare Bauweisen gehen.

Das Bundesbauministerium und der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft

gehen gemeinsam mit Partnern aus dem

Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen neue Wege, um

den Bau preisgünstiger Wohnungen in hoher Qualität zu

beschleunigen. Dazu starten die Akteure ein europaweites

Ausschreibungsverfahren zur Entwicklung mehrgeschossiger

Wohngebäude in serieller und modularer Bauweise. Gesucht

werden neue, innovative Konzepte des Wohnungsbaus, die in

wenigen Monaten bereits in Deutschlands Städten für zeitgemäßen

Wohnraum und eine Marktentlastung sorgen können.

Welche innovativen Ideen dazu gefragt sind, welches Potenzial

sie für den Wohnstandort Deutschland haben bzw. wie

schnelles und gleichzeitig qualitätsvolles Bauen gelingen soll

– dazu haben die Projektpartner bei einer gemeinsamen Veranstaltung

Ende Juni in Berlin Auskunft gegeben.

Wasserbau

Neue Bundesfachabteilung

Mit der Gründung der BFA Wasserbau durch die Bauindustrie

hat die technisch-politische Interessenvertretung des

Wasserbaus mit seinen vielfältigen Aufgaben an Küsten, Flüssen

und Kanälen eine neue Grundlage erhalten.

Als Ansprechpartner für Politik und Verwaltung soll die Bundesfachabteilung

(BFA) Wasserbau den Dialog mit dem Bundesverkehrsministerium

sowie der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung

des Bundes, aber auch mit privaten

Auftraggebern über aktuelle Herausforderungen des Wasserbaus

suchen. Erste inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit dürften

die Reduzierung des Planungsdefizits sowie die

Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren

im Wasserstraßenbereich, ferner in der Kommentierung von

neuen technischen und umweltrechtlichen Vorschriften

sowie der Mitarbeit bei der Nachwuchsgewinnung sein.

Die Mitgliederversammlung des Hauptverbandes der Deutschen

Bauindustrie hatte am 1.6.17 die Gründung der neuen

Bundesfachabteilung beschlossen. Die BFA Wasserbau

ergänzt die bereits im Verkehrsbereich bestehenden Bundesfachabteilungen

Straßenbau und Eisenbahnoberbau. Bislang

sind 30 Unternehmen in der BFA Wasserbau organisiert, die

zur konstituierenden Sitzung am 18.9.17 in Duisburg zusammenkommen.

Edelstahl Rostfrei in modernisierten Heizungen

Umweltfreundliche Wärme

Zeitlich passend zu der nun zu Ende gegangenden Heizperiode,

was Umbaumaßnahmen erlaubt, ist dem Warenzeichenverband Edelstahl

Rostfrei aufgefallen: Deutschlands Heizungen sind mit einem

Durchschnittsalter von knapp 17 Jahren technisch nicht mehr auf der

Höhe. Wer seine Anlage kosten-, wärme- und umwelttechnisch auf den

neuesten Stand bringen will, kann seit 2016 von zwei Förderprogrammen

der Bundesregierung profitieren – und vom technischen Potenzial

in Sachen Edelstahl Rostfrei, etwa bei Pumpen.

Eine entscheidende Rolle in ebenso effizienten wie umweltfreundlichen

Heizungsanlagen spiele Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel. Denn der

korrosions- und temperaturbeständige Werkstoff bedeute an vielen Stellen

im Heizungssystem unverzichtbare Sicherheit. Zudem stünden seine

jahrzehntelange, wartungsfreie Lebensdauer und hundertprozentige

Recyclingfähigkeit für günstige Lebenszykluskosten sowie ökologische

Nachhaltigkeit. So argumentiert der Warenzeichenverband Edelstahl

Rostfrei, der seit 1958 das entsprechende Markenzeichen an Verarbeiter

und Fachbetriebe vergibt. Diese derzeit über 1.000 Mitgliedsunternehmen

verpflichten sich zum produkt- und anwendungsspezifisch korrekten

Werkstoffeinsatz und zur fachgerechten Verarbeitung.

Innovationsspektrum

Das Innovationsspektrum insgesamt ist groß: Ob zur Optimierung alter

Heizungsanlagen durch hocheffiziente Pumpen für Heizung und Warmwasser,

hydraulischen Ab gleich und begleitende Maßnahmen oder zum

Einbau von stationären Brennstoffzellen-Heizungen: Bis zu 30 %

Zuschuss von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und dem Bundesamt

für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) können diese

Modernisierungsmaßnahmen auch mit Blick auf die Kosten so reizvoll

machen wie nie zuvor. Dies zeige sich beispielhaft bei den Pumpen.

Bis 2020 sollen jedes Jahr zwei Millionen Pumpen ausgetauscht und

zusätzlich 200.000 Heizungsanlagen durch hydraulischen Abgleich

optimiert werden. Die Bundesregierung will mit der Förderung dieser

Maßnahmen den Energieverbrauch in deutschen Haushalten deutlich

senken und so bis zu 1,8 Mio. t CO2-Emissionen vermeiden. Der erste

Blick des Heizungsfachmanns sollte sollte deshalb den Umwälzpumpen

für Heizung und Warmwasser gelten. 25 Millionen dieser Pumpen sind

in Deutschland im Einsatz, etwa jede zweite von ihnen gilt als Stromfresser.

Je nach Größe der Heizung und Pumpe kommen dafür in einem

Einfamilienhaus jährlich schnell 100 bis 150 € an unnötigen Stromkosten

zustande. Die Investitionskosten für Kauf und Einbau einer neuen

Pumpe betragen jedoch nur wenige hundert Euro.

Entsprechende Modelle aus Edelstahl Rostfrei mit Qualitätssiegel

böten jahrzehntelangen Schutz gegen Korrosion in häuslichen Warmwassersystemen

und Heizungsanlagen. In die Umwälzpumpe integrierte

Elektronik ermögliche zudem eine kompakte Bauweise, sodass

auch bei wenig vorhandenem Platz eine einfache Installation realisierbar

ist.

Dank des Förderprogramms der Bundesregierung kommen Gebäudeeigentümer

besonders günstig in den Genuss dieser Vorteile. Denn wer

sich für eine Hocheffizienzpumpe mit einem Energieeffizienz-Index von

≤0,20 entscheidet, erhält einen Zuschuss von 30 % zu Kaufpreis, Montage

und Durchführung eines hydraulischen Abgleichs.

Stahlreport 7/8|17

63


Lifesteel

Berichte/Nachricht

Durch Corten-Stahl gegliederte Rasenlandschaft in einem der „Gärten der Welt“.

Der Wuhlesteg ermöglicht es den

IGA-Besuchern, über’s Wasser zu gehen.

Stahl auf der IGA in Berlin

Masse statt Klasse

Stahl spielt auf der Internationalen Gartenausstellung, zu der in diesem Sommerhalbjahr in Berlin

rund 2 Mio. Besucher erwartet werden, eine große Rolle. Die ist jedoch vorwiegend quantitativ

definiert und betrifft die Menge des auf dem Gelände verwendeten Materials. Der qualitative Aspekt

des Themas, also die Nachhaltigkeit, bleibt dagegen weitgehend im Verborgenen: Eine verpasste

Chance für ein umfassendes Werkstoffmarketing, meint Dr. Ludger Wolfgart.

[ Info ]

Ein Beispiel dafür ist der Wolkenhain,

die zentrale Aussichtsplattform

auf dem Ausstellungsgelände

im Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf.

„200 Tonnen Stahl wurden zur Konstruktion

verbaut.“ „15 Stahlstützen

tragen den Wolkenhain.“ In großen

Lettern prangen diese und weitere

Informationen auf dem Bauwerk.

Was das für die Ökologie bedeutet,

neben Ökonomie und Sozialem die

dritte Säule der Nachhaltigkeit, darüber

findet der naturliebende Besucher

keine Angaben – nicht zur CO 2

-

Einsparung, nicht zu den Recyclingmöglichkeiten.

Sichtbar dagegen wird sehr schön,

welche optische und damit soziale

Bereicherung Stahl bietet – etwa in

den „Gärten der Welt“, die in die

Internationale Gartenausstellung

(IGA) integriert und dafür erweitert

worden sind: Geländer aus Corten-

Stahl leiten sicher durch die durch

das selbe Material gegliederte Rasenlandschaft,

entsprechende Gitter

bieten Blumentöpfen Halt. Und

dann das Belvedere: Ein 3,5 x 18 m

großer stählerner Rahmen mit seinen

warmen Brauntönen lenkt vom

südlichen Eingangsbereich aus den

Blick wie durch ein Fenster auf das

Ausstellungsgelände.

Und dann natürlich die technisch

beeindruckenden Aspekte: Angefangen

mit dem 280 m langen Wuhle-

Weitere Informationen

gibt es auf der

IGA-Internetseite:

www.iga-berlin-

2017.de.

Fotos, 3: Wolfgart

Bildet einen Rahmen für den Blick

auf das Ausstellungsgelände und seine

Umgebung: das Belvedere.

64 Stahlreport 7/8|17


Foto: Nava Rapacchietta

Catellani & Smith: Uomo della Luce

steg, der – ebenso wie die Tälchenbrücke

– als vorgefertigter Stahlbau

einen Weg über Wasserlandschaften

im Berliner Osten ermöglicht,

über die einzige Kabinenseilbahn

Berlins mit ihren tonnenschweren

Stahlseilen bis hin zu den konstruktiven

Stahlknotenverbindungen, welche

die Konstruktion des Wolkenhains

auf dem Kienberg erst

ermöglicht haben.

Und weitgehend verborgen bleibt

schließlich auch, welche Bedeutung

das Element Eisen für das Wachstum

und die Ausprägungen der und in der

Natur hat, die in den zahlreichen

Themenbereichen auf dem hügeligen

Ausstellungsgelände zu bewundern

sind. Da muss sich der Besucher

bei den Naturliebhabern, die

zahlreiche Projekte betreuen, schon

aufwändig durchfragen.

Die neu entstandene Parklandschaft

mit etwa 100 ha Fläche im

Bezirk Marzahn-Hellersdorf, der

schon allein etwa 250.000 Einwohner

hat, liegt in einem reizvollen Landschaftsraum

mit bewaldetem Kienberg

und Teilen des wasserreichen

Wuhletals. Vor der Silhouette einer der

größten Plattenbautensiedlungen

Europas feiert die Millionenmetropole

Berlin 186 Tage lang (13.4.17 bis

15.10.17) ein Festival der internationalen

Gartenkunst – unter dem Motto

„Ein MEHR aus Farben“. 2

Transparenz

Ein Blick auf Stahl und Aluminium auf der Möbelmesse Mailand

Die Möbelmesse in Mailand gilt als

einer der weltweit wichtigsten Ausstellungen

dieser Art. Für Peter Becker war das

Grund, sich in diesem Jahr in der norditalienischen

Metropole genau umzusehen – und

nach besonders verarbeiteten Metallen zu

fahnden. Dabei ging es in besonderer Weise

um den Durchblick.

Eine Ikone unter den Lampen ist „Fil de Fer“

der italienischen Firma Catellani & Smith.

Bei ihr ist ein Aluminiumdraht zu einer

Kugel oder ähnlichen Formen verwoben, in

deren Innerem LED-Leuchten als Lichtquelle

fungieren. Zum „Salone del Mobile“

zeigte die Firma diesmal ihr Produkt nicht

nur zum Hängen oder Hinlegen, sondern

auch mit einem Ständer darunter. Klar, dass

es sich um etwas Besonderes handeln

musste, und so hatte der Designer Enzo

Catellani den „Uomo della Luce“ entworfen,

eine kräftige Männergestalt, welche die

Lampe in den Himmel reckt. Die Figur ist

aus gewachstem Roheisen gefertigt. Für die

Verwendung als Tisch- oder Stehlampe gibt

es unterschiedliche Größen.

www.catellanismith.com

Ungewöhnlich war der Auftritt der italienischen

Firma Rimadesio: Eine Seite des

Messestands bestand aus senkrecht

gestellten Betonstahlmatten, wie man sie

verrostet von jeder Baustelle kennt. In die-

Foto: Rimadesio

sem Fall waren ein paar solcher Matten mit

Mattlack gestrichen und versetzt hintereinander

platziert. Der Effekt war sozusagen

vielschichtig. Rimadesio ist ein Hersteller

von Schiebetüren, Regalwänden, begehbaren

Kleiderschränken und mehr, dessen

Motto „die Transparenz“ ist.

www.rimadesio.com

Betonstahlmatten als Dekoration am Stand der

Firma Rimadesio

Stahlreport 7/8|17

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Lifesteel

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Impressum

STAHLREPORT

Das BDS-Magazin für die Stahldistribution

Stahlhandel | Stahlproduktion |

Stahlverarbeitung

Offizielles Organ des BDS-Fernstudiums

Herausgeber:

Bundesverband Deutscher Stahlhandel

Max-Planck-Straße 1

40237 Düsseldorf

Fotos: Takraf & RWE Power AG

Tabelle der zehn weltweit größten Bagger.

Monströse Maschinen

Die zehn größten Bagger

Sie sind bis zu 96 m hoch und bis zu

14.200 t schwer: Die 10 größten Bagger der

Welt können begeistern. Nur wenige Hersteller

weltweit stellen solche Maschinen her.

Vom elektrischen Seilbagger bis zum Hochlöffelbagger

ist in den Top 10 alles dabei. Der

Online-Marktplatz www.maschinensucher.de

hat eine Bildergalerie der monströsen Maschinen

zusammengestellt.

Kaum vorstellbare 45 m 3 fasst der Hochleistungstieflöffel

des Liebherr Minenbaggers

R 9800. Das entspricht dem Inhalt

von 400 herkömmlichen Badewannen.

Der Maschinenriese kann einen großen

Muldenkipper in drei Arbeitsgängen komplett

beladen. Sein Einsatzgewicht von

810 t reicht aber nur zu Platz 6 der größten

Bagger der Welt.

An der Spitze der Tabelle steht eine Eigenanfertigung

von MAN und Takraf für die

RWE Power AG zur Braunkohleförderung.

Der Schaufelradbagger RB293 hat rund

6.745 PS. Das entspricht der Leistung von

sieben Formel 1-Rennwagen. Sein Einsatzgewicht

liegt bei 14.200 t – und das bedeutet

Platz 1 im Ranking.

Der RB293 ist so schwer wie 25 Passagierflugzeuge und so hoch wie ein Wolkenkratzer. Die größte

Maschine der Welt hat 6.745 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 10 m/min. Er wird von der RWE

Power AG zur Braunkohleförderung eingesetzt.

Redaktion:

Dr. Ludger Wolfgart (Chefredakteur)

Telefon (02 11) 8 64 97-11

E-Mail: Wolfgart-BDS@stahlhandel.com

Markus Huneke

Telefon (02 11) 8 64 97-24

E-Mail: Huneke-BDS@stahlhandel.com

Anzeigen:

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Verlag:

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Max-Planck-Straße 1

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Telefax (02 11) 8 64 97-22

Layout:

auhage|schwarz, Leichlingen

Druck:

Hellendoorn, Bad Bentheim

Erscheinungsweise: monatlich (10 Hefte/Jahr)

Bezugspreis:

Jährlich 65 € im Inland und 70 € im Ausland

zuzüglich Versandspesen und Mehrwertsteuer.

Abbestellungen sind lediglich unter Einhaltung

einer dreimonatigen Kündigungsfrist zum Jahres -

ende möglich. Für die Mitglieder des BDS und die

Teilnehmer im BDS-Fernstudium ist der Bezug

eines Exemplars der Fachzeitschrift „Stahlreport

im Mitgliedsbeitrag bzw. in der Studien gebühr

enthalten. Ein Nachdruck ist nur mit ausdrücklicher

Genehmigung der Redaktion gestattet.

Anzeigenpreis: Zur Zeit gilt die Preisliste Nr. 35.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte oder

Fotos übernehmen Herausgeber, Redaktion und

Verlag keine Gewähr. Namentlich oder mit Initialen

gekennzeichnete Beiträge vertreten eine vom

Herausgeber unabhängige Meinung der Autoren.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird mitunter

auf die gleichzeitige Verwendung mänlicher

und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche

Personenbezeichnungen gelten gleichwohl

für beiderlei Geschlechter.

Außerdem bittet die Redaktion um Verständnis,

dass insbesondere Firmennamen je Artikel in der

Regel nur einmal in ihrer werbeorientierten Form

verwendet und entsprechende Begriffe häufig

eingedeutscht werden.

International Standard Serial Number:

ISSN 0942-9336

Diese Zeitschrift wurde aus umwelt schonendem

Papier hergestellt.

Beilagenhinweis:

Dieser Ausgabe liegen Beilagen vom Bundesverband

Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.

(BME) und BDS AG Bundesverband Deutscher

Stahlhandel bei.

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BDS-Berufsbildung

Seminare und sonstige (BDS-)Veranstaltungen

2017

Seminarthema Termin Tagungsort

Stahlkunde (Seminar) 22.-24.08. Gröditz

Neue A-Kunden gewinnen und Anfragen

professionell managen (Verkauf I) (Seminar) 18.-19.09. Norderstedt

Verkauf (Lernteam) 20.09. Norderstedt

Stahleinkauf (Seminar, Kooperation) 19.-20.09. Duisburg

Stahlhandelstag 28.09. Darmstadt

Rohre aus Edelstählen (Seminar) 09.-10.10. Monschau

Nichtrostende Stähle (Seminar) 16.-17.10. Aachen

Mehr Aufträge durch professionelle Angebotsverfolgung

und effektive Preisverhandlung

(Verkauf II) (Seminar) 25.-26.10. Nürnberg

Betonstahl (Seminar) 07.-08.11. Kehl

Stahlkunde (Seminar) 06.-08.12. Gengenbach

Diese Übersicht gibt den Stand der Planungen für Lernteam- und Seminarveranstaltungen

und zum Fernstudium sowie zu entsprechenden Kooperationen wieder.

Änderungen jeder Art sind vorbehalten, vor allem Ergänzungen. Über weitere Details sowie zu

den Anmeldemöglichkeiten informieren Sie sich bitte im Internet (www.stahlhandel.com) oder

wenden sich telefonisch bzw. elektronisch an den

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