Aufrufe
vor 7 Monaten

Norderland Ausgabe 01 | 2018

NORDERLAND OSTFRIESLAND

NORDERLAND OSTFRIESLAND VIETNAM Jedes Objekt in der Ausstellung erzählt eine Geschichte: Die Oma- und Opa-Becher sind Geschenke von Vietnamesen, die in Norden eine neue Heimat und neue Familienmitglieder gefunden haben. Der Spiegel rettete eine Familie auf der Flucht. Gebetbücher und Gottvertrauen haben viele im Gepäck. Das Taschenmesser zum 15. Geburtstag war für einen Jungen aus Vietnam das Zeichen für sein Ankommen in Deutschland. Das neue Kleid für Silvester symbolisierte für eine junge Syrerin die Hoffnung auf einen Neuanfang. Die Reisedokumente von einst bewahren viele der Geflüchteten wie einen Schatz. Entstanden ist die Ausstellung als Gemeinschaftsprojekt mit der Conerus-Schule Norden. Lehrerin Cornelia Kruse setzte sich mit Schülern des Beruflichen Gymnasiums intensiv mit den Themen Flucht und Vertreibung auseinander. Die Elftklässler erarbeiteten Fragebögen für die Interviews, führten die Zeitzeugengespräche und schnitten das umfangreiche Filmmaterial mit Unterstützung vom Medienzentrum Norden. Reduziert auf fünfeinhalb Stunden ist das Videomaterial nun an den Mediastationen im Teemuseum zu sehen und zu hören. Schwere Kost. „Es war nicht einfach, Gesprächspartner zu finden“, erzählt Matthias Stenger. Weil viele sich scheuten, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, oder den Kontext Museum nicht recht einordnen konnten. Und weil sie ihre traumatischen Erinnerungen seit Jahren in den hintersten Winkel des Bewusstseins gedrängt hatten. Umso dankbarer ist der Museumsleiter, dass sich am Ende doch so viele Vietnamesen bereit erklärten, zu erzählen, was manche nie zuvor erzählt hatten. „Es sind Geschichten, die nahe gehen. Und besonders für Jugendliche, die vorher nicht mit dem Thema in Berührung gekommen sind, ist es wichtig, sie zu hören.“ Was kann man nun lernen aus dem Vergleich der Vietnamesen mit den Flüchtlingen der letzten beiden Jahre? Denn das ist erklärtes Ziel der Ausstellung: Anregungen bieten, wie man aktuellen Herausforderungen begegnen kann. Aber kann man die beiden Gruppen überhaupt miteinander vergleichen? „Gemeinsamer Nenner ist die Flucht übers Meer. Die Bilder ähneln sich auf erschreckende Art und Weise – Menschen sterben auf See, ertrinken zu Tausenden, weil ihre überladenen Fischerboote kentern.“ Und heute wie damals kommen Menschen ins Land, die aus Not ihre Heimat verlassen haben. Deutlich unterscheiden sich die Dimensionen: Aus Vietnam 54 Ostfriesland Magazin · Dezember 2017 Viele der Interviewten kamen zur Ausstellungseröffnung im Teemuseum. Van Nam Hong kam 1982 mit seinem Sohn nach Norden, drei Jahre später konnte seine Frau über den Familiennachzug nach Deutschland einreisen. Mit seinem Sohn hatte er vor der Ausstellung nie über die Flucht gesprochen. 6

NORDERLAND kamen in zwei Jahrzehnten rund 40 000 Menschen nach Deutschland, 2015 waren es 890 000 Flüchtlinge in einem Jahr. „Ganz entscheidend für die gelungene Integration der Boatpeople waren natürlich die Rahmenbedin g- ungen“, sagt Stenger. Als Kontingentflüchtlinge erhielten die Vietnamesen uneingeschränkte Aufenthalts- und Arbeits erlaubnis, staatliche Förderung in Form von Deutsch unterricht, Umschulungen, Ausbildungen oder Stipendien. Und schließlich wurde Familiennachzug großzügig gewährt – wohl der wichtigste Faktor für ein echtes Ankommen in der Fremde. „Diese Menschen waren traumatisiert, vom Krieg, von Flucht und Entwurzelung. Aber es wurden ihnen alle Rechte gewährt, die notwendig sind, damit ein Mensch sich in der Fremde einleben und wohlfühlen kann.“ Und heute? „Die Flüchtlinge werden hier erstmal geduldet, leben oft jahrelang mit der Ungewissheit, ob sie Asyl bekommen oder nicht“, macht Matthias Stenger deutlich. Wie soll man ankommen, wenn man auf eine dauerhafte Bleibe nur hoffen darf? Auch diese Frage ist Thema im Teemuseum – zwischen den Zeilen. Vier Interviews mit jungen Geflüchteten aus Syrien, Eritrea und dem Irak vervollständigen die Ausstellung und schlagen den Bogen in die heutige Zeit. Museumsleiter Matthias Stenger hofft, dass die Auseinandersetzung mit den vielen Beispielen gelungener Integration als Impulsgeber und Motivation verstanden wird. Auch will er mit der Ausstellung zur Versachlichung der Debatte um Flüchtlinge in der Bundesrepublik beitragen: „Wir haben als Museum einen politischen Bildungsanspruch. Indem wir aufklären, wollen wir deutlich machen, wie grundfalsch jegliche Verallgemeinerung ist. Besonders wichtig war es, das an die Jugendlichen weiterzugeben, die in diesem Jahr zum ersten Mal wählen durften.“ So wie viele der Schüler von Cornelia Kruse, die an der Ausstellung mitgearbeitet haben. „Ich habe das Gefühl, sie sind gestärkt aus dem Projekt rausgegangen und viel offener geworden“, sagt die Lehrerin. Einige haben sogar angeboten, Besucher durch die Ausstellung zu führen. Und neulich im Unterricht sollten die Jugendlichen selbst auf den Punkt bringen, was die Projektarbeit ihnen gebracht hat. „Es macht mehr Spaß, die Vergangenheit kennenzulernen, wenn sie emotional von Zeitzeugen erzählt wird“, schreibt eine Schülerin. Eine andere stellt fest: „Die Gespräche haben mir gezeigt, dass ich mein eigenes Leben schätzen sollte und dankbar sein kann, für das, was ich besitze und was mir widerfährt.“ Zum Beispiel dafür, keine Fluchttasche packen zu müssen. Info: „Von Vietnam nach Ostfriesland – Ankunft und Aufnahme der Boatpeople in Norden-Norddeich“ Die aktuelle Sonderausstellung ist bis zum 8. April 2018 im Ostfriesischen Teemuseum Norden zu sehen. Sie ist in Zusammen arbeit mit der Conerus-Schule Norden entstanden und ist Teil der Gemeinschaftsausstellung 2017 „unnerwegens“ des Museums verbundes Ostfriesland sowie des Norder Themen jahres 2017/2018 „Lebenswege – Flucht und Neubeginn“. Alter Fischerspfad 5 · 26506 Norden-Norddeich Telefon (0 49 31) 8204075 · Mobil 01 52 54 08 24 41 https://www.facebook.com/vermietung.norddeich Für einen gelungenen Urlaub ist aber nicht nur der Urlaubsort ausschlaggebend, sondern vor allem das Ferienhaus oder die Ferienwohnungen. Wir bieten als etablierte und kompetente Vermietagentur Wohlfühlquartiere – und das im besten Sinne des Wortes. Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, sind unsere Ferienimmobilien in zentraler und dennoch ruhiger Lage angesiedelt und verfügen über eine überdurchschnittliche komfortable Ausstattung. Das Meer, der Hafenbereich, der Strand sowie das Zentrum von Norddeich sind bei fast allen Objekten bequem fußläufig erreichbar. (Wohnbeispiele) www.vermietung-norddeich.de info@vermietung-norddeich.de Ostfrieslands große Design-Vinyl-Ausstellung Außerdem: Bodenbeläge aller Art – Sonnenschutz – Insektenschutz – Gardinen – auf über 800 m² Ausstellungsfläche!!! Vinyl / Parkett / Teppichböden Gardinen / Heimtextilien Markisen / Plissee / Sonnenschutz Insektenschutz / Pollenschutz Rollläden / Polsterei / u. v. m. Gefördert wird die Ausstellung von der Sparkassenstiftung Aurich-Norden, der Ostfriesischen Landschaft und dem Freundes kreis Norder Museen. Das Museumsteam bietet Führungen durch die Sonderausstellung speziell für Schulklassen an. Weitere Informationen und Kontakt unter: Ostfriesisches Teemuseum Am Markt 36, 26506 Norden, Tel. (0 49 31) 1 21 00 E-Mail: info@teemuseum.de, www.teemuseum.de Wir freuen uns auf Ihren Besuch! Ihr Raumausstatter Hauptstraße 14 · 26524 Hage Tel. 04931/7242 · Fax 76155 www.gerken-raum.de info@gerken-raum.de 7

Norderland
NORDERLAND
Norderland 1 | 2014
Heimatverein Norderland e. V. - Tee Museum
Norden-Norddeich Reisejournal 2018
Exposé | Wohnpark "Wohnen am Meer" in Norddeich
Si.Ma - Das Sindelfingen Magazin | Ausgabe 01/2018
PREGARTEN präsent Ausgabe 01/2018