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TEXT: FLORIAN WARUM

TEXT: FLORIAN WARUM FOTO: MARTIN GUGGENBERGER ES IST ALLES EINE FRAGE DES WETTERS UND DER PASSION ZU BESUCH IM BRENNKELLER VON HANSI KEILER Ein einziger Blick genügt. Dann kann er sie beim Namen rufen. Zugegeben, mit zehn Kühen und sechs Stück Jungvieh hat er auch nicht allzu viele. Trotzdem ist es ein Beweis für die Liebe zur Landwirtschaft. Hansi Keiler betreibt auf dem Erbhof in Bruck am Ziller mit viel Leidenschaft außerdem eine kleine Abfindungsbrennerei. 20 Zillachtolarin BRUCK AM ZILLER. Kaum zu übersehen war er, und daher eine gute Orientierungshilfe: Der Kamin beim „Seppenhof“ in Bruck am Ziller. Den Hof gibt es seit dem Jahr 1709 in ununterbrochener Reihenfolge, den Kamin seit Sommer in dieser Form nicht mehr. Am frühen Abend eines wunderschönen Oktobertages stehe ich vor dem Hof. Apfelbäume weisen den Weg. An einigen hängt mittlerweile nur noch das Laub an den Ästen, bei einem kleineren sind es nur mehr Äpfel. „Wie war die heurige Ernte?“, frage ich den 63-jährigen im ‚Meran von Nordtirol’ (wie das Dorf am Eingang des Zillertals im Volksmund der vielen Sonnenstunden wegen oft genannt wird). „Ähnlich wie im letzten Jahr“, meint er, „also nicht gerade berauschend.“ Ob er demnach dieses Jahr denn gar nicht brennen könne, frage ich weiter. „Nein, nein. Das ist nicht der Fall. Aber ich hab halt einges zukaufen müssen. Äpfel und Birnen. Aber ich war vermutlich nicht der Einzige in Tirol.“ Der Ertrag wäre zu gering gewesen, um im Spätherbst seine Stammkundschaften beliefern zu können. Besonders der kalte, nasse September sei „alles andere als erntefreundlich“ gewesen.

Hondgmocht Im Brennkeller knistert das Holz „Wenn das Vieh im Sommer auf der Alm ist, bin ich zusammen mit meiner Familie immer mal zum „Modang“ auf der Aste. Aber wir kommen immer wieder heim, schlafen nicht oben.“ Schließlich gäbe es rund um den Hof auch viel zu tun. Sobald er sich dann im Spätherbst nicht mehr im Freien herumtreibe, wüssten Freunde und Kollegen haargenau, was Sache sei und würden ihn dann im Brennkeller besuchen. „Mit Schulkollegen lassen wir die gemeinsame Zeit in der Schule aufleben und erinnern uns an den einen oder anderen Jugendstreich. Rund um den Tisch am Brennkeller ist dann kaum mehr Platz, es ist ein beliebter Treffpunkt im Spätherbst. Der Schwiegervater meines Sohnes nimmt dann seine Steirische Harmonika mit und spielt auf. Während des Brennens ist genügend Zeit für ‚an Kochta’. Oder für alle möglichen Gespräche.“ Die jetzige Brennanlage sei im Übrigen gleich alt wie er selbst. Aus 1954. „Reich wird man mit Schnapsbrennen nicht“, so Hansi Keiler, „aber deshalb mach ich es ja auch nicht. Es ist ein schönes Hobby und hat für mich sehr viel Meditatives. Da kann ich richtig schön runterkommen. Das fängt schon beim Einheizen des Ofens für die Brennerei an. Das Holz stammt aus dem eigenen Wald.“ Scheit für Scheit gibt er mit Respekt in den Ofen. Jedes einzelne Stück erinnere ihn an die Holzarbeit. Wenn er im Brennkeller sei, dann müsse auch das Rundherum passen. Unvorstellbar sei beispielsweise das Brennen bei schönem Wetter. „Kalt und unwirtlich muss es sein.“ Der Kamin der Brennerei heize dann wie ein Ofen das gesamte Haus und es ist angenehm warm. „Da kommt sogar die Anni (seine Frau, Anm.) runter, wenn ihr kalt ist. Sie strickt, ich lese ein gutes Buch. Oder plane meine nächste Skitour.“ Ja, Berg- und Skitouren seien wie das Schnapsbrennen ebenso Steckenpferde für den vierfachen Familienvater und dreifachen Opa. Natürlich dürfe dann der Flachmann mit dem selbstgebrannten Schnaps von der Williams-Birne nicht fehlen. „Bevor der Winter kommt, ist aber erst einmal wieder Nachwuchs angesagt. Es dauert nicht mehr lange und Enkelkind Nummer vier kommt zur Welt.“ Aber wieder zurück zum Schnaps: Hansis Brennerei basiert auf einem historischen Recht. Konkret handelt es sich um das kleine Brennrecht von Kaiserin Maria Theresia. Ein Hofeigentümer konnte damit schlecht verwertbares Obst aus eigenem Anbau doch noch einigermaßen gut verarbeiten – zu Schnäpsen oder Einreibungen. Außerdem sei es ein schönes Zubrot gewesen. Hierbei unterscheidet man kleines oder großes Brennrecht. Dieses Recht ist immer an den Hof gebunden, es geht also immer auf den jeweiligen Eigentümer über. Der Unterschied liegt einzig in der Menge: Entweder 300 l oder 600 l Alkohol aus selbst erzeugten oder zugekauften Rohstoffen. Hansi Keiler kann sich noch gut erinnern: Seine Großmutter sei es gewesen, „die den Ofen geheizt hat. Sie hat das Obst eingemaischt und Schnaps gebrannt.“ Ob er sich nicht irre und er den Großvater meine, frage ich ungläubig nach. „Nein, nein. Das Schnapsbrennen war in unserer Familie Zillachtolarin 21

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