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WIWO Koepffchen 1 2016

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Gründerzeit trifft

Gründerzeit trifft moderne Die Sanierung des Flächendenkmals schwartzkopff-siedlung Der 10. Januar 2012 war vorläufiger Endund Höhepunkt eines zwei Jahrzehnte währenden Mammut-Bauprojektes, das in dieser Art in der Region rund um Berlin und darüber hinaus bis heute seinesgleichen sucht. An jenem Januar-Tag wurden im Rahmen der 25. Internationalen Baufachmesse DEUBAU in Essen die Gewinner des Deutschen Bauherrenpreises 2011 geehrt. Für das Projekt Schwartzkopff-Siedlung unter dem Motto „Gründerzeit trifft Moderne: Modernisierung einer denkmalgeschützten Arbeitersiedlung“ ging der Sonderpreis „Denkmalschutz im Wohnungsbau“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an das Team von WiWO Wildauer Wohnungsbaugesellschaft als Bauherr und Eigentümer, die Senator. Project Management Service GmbH Dresden/Berlin (Entwurf und Planung), an das Ingenieurbüro für Landschafts- und Freiraumplanung Ahner Brehm aus Königs Wusterhausen (Freiraumplanung), die BGT Bau- und Gebäudetechnik GmbH Berlin (Haustechnik) und die Berliner Specht, Kalleja und Partner GmbH (Statik). Die zwischen dem Modernisierungsstart im Juni 1992 und der Auszeichnung in Essen liegenden 20 Jahre hatten es in sich. Zwischen 1898 und 1924 war die Schwartzkopff-Siedlung als Arbeiterkolonie für die gleichnamige, damals drittgrößte deutsche Lokomotivfabrik in zwei Bauphasen auf der „grünen Wiese“ beiderseits der heutigen Karl-Marx- und Friedrich-Engels-Straße entstanden. Eine bandförmige Siedlung entlang der Verkehrswege mit allen Versorgungseinrichtungen, mit Fest- und Sportplatz, Badeanstalt und Wassersporthaus. Ihre Bauten wurden zum Teil zeilenförmig angeordnet, teils zu Höfen gruppiert, inmitten von Gärten zur Selbstversorgung. Gegliedert durch Putzflächen und Klinkerverblendmauerwerk werden die meist zweigeschossigen Bauten der ersten Phase durch aufwendiges neugotisches Dekor und risalithafte Treppenhäuser mit Blendgiebeln charakterisiert. Die in der zweiten Phase entstandenen dreigeschossigen Mietshäuser wurden zurückhaltender gestaltet. Die Wohnungen waren abgestuft nach dem sozialen Stand der Bewohner - vom Arbeiter- oder Beamtenhaus bis zum Betriebsingenieur und Direktor. Das geschlossene Gesamtbild der Siedlung macht deutlich, dass der damalige Bauherr eine einheitliche Gestaltung der Fabrikanlage und der Arbeiterkolonie anstrebte. Was die WiWO ein knappes Jahrhundert später, zwei Weltkriege und ein 40-jähriges „Mauerblümchen-Dasein“ in der DDR inklusive, vor ein höchst anspruchsvolles Projekt stellte. „Das Ziel war es, neues Wohnen mit konservativen Lösungen zu ermöglichen und das Denkmal erlebbar, darstellbar und in seiner Funktion verständlich zu erhalten. Das betrifft den Siedlungsgrundriss, die umliegenden Freiflächen sowie die 10 Köpffchen - Ausgabe 01. 2016

Die Schwartzkopff-Siedlung von oben. Foto: WiWO Außenhülle der Gebäude“, charakterisierte Martina Schrepper von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Dahme- Spreewald diese Aufgabe. Dem Projekt gingen eine umfassende Bestandsanalyse, die Vermessung und ein restauratorisches Gutachten für die zu sanierenden Wohnungen voraus. Im Sommer 1992 begann die Modernisierung, ehe sie nach dreieinhalb Jahren auf Grund von Restitutionsansprüchen der Jewish Claims Conference und der Deutsche Industrieanlagengesellschaft (DIAG) Anfang 1996 gestoppt wurde. Mehr als fünf Jahre später nahm die Jewish Claims Conference im November 2001 den bezüglich ihres Restitutionsanspruches gemeinsam mit Rechtsanwalt Dr. Peter Danckert ausgehandelten Vergleich an und zog die Klage beim Verwaltungsgericht Potsdam zurück. Der Deal mit der Jewish Claims Conference kostete die Wildauer Wohnungsbaugesellschaft 150 000 Mark. Ab August 2003 ging es mit der komplexen Modernisierung von 396 Schwartzkopff-Wohneinheiten weiter. Im November 2010 waren die Arbeiten an allen 99 Gebäuden der rund 40 Hektar großen Siedlung abgeschlossen. Modernisiert wurden bis dahin insgesamt 930 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 52 000 Quadratmetern. Die Baukosten betrugen brutto 40 Millionen Euro. 17 Jahre dauerte der Wandel vom Schandfleck zum Schmuckkästchen. 17 Jahre, in denen die 930 Wohnungen nach modernsten Gesichtspunkten saniert und die Grünflächenstruktur wie in den alten Plänen von 1900 erhalten wurde. In die Mietergärten wurden neue Parkflächen und Terrassen eingefügt. Befunduntersuchungen zu Beginn der Sanierung ergaben unter anderem Erkenntnisse über frühere Farbfassungen und -systeme von Fassaden und Treppenhäusern, die Zusammensetzung des Mörtels sowie die Farbgebung der Fenster und Türen. Besonderes Augenmerk lag in der Erhaltung aller historischen Hauseingangstüren. Deren damalige Gestaltung und Farbgebung richtete sich nach der Bauzeit und der sozialen Struktur des Gebäudes und seiner Bewohner. Die Fenster waren seinerzeit als Doppelkastenfenster eingebaut beziehungsweise die Küchen- und Badfenster mit Einfachverglasungen versehen worden. Die Aufgabe bestand nun darin, die Fenster zu erhalten oder wesentliche Details in die neuen Fenster aufzunehmen, um zu verhindern, dass die Proportionen der Fassade „auseinanderlaufen“. Insgesamt wurden für die Häuser über 2200 Fenster nachgebaut. Mit vielfältigen innovativen Einzellösungen glückte der Spagat zwischen den historischen Anforderungen des Denkmalschutzes, der hohen Akzeptanz bei den Mietern und bestmöglicher Wärmedämmung. Köpffchen - Ausgabe 01. 2016 11

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