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WIWO Koepffchen 2 2016

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Der „Alte Campus“

Der „Alte Campus“ zwischen Bahngelände und Friedrich-Engels-Straße aus der Vogelperspektive. Foto: WiWO „Die Gebäude der einzelnen Fabrikbereiche blieben, soweit sie nicht demontagebedingt beschädigt werden mussten, als Bauhüllen erhalten. Sie waren, bis auf wenige Ausnahmen, meist Zweckbauten ohne Zwischendecken, nicht unterkellert, unbeheizbar, meist nur mit Pappdächern versehen und in einem altersbedingt schlechten Zustand“, schreibt Harry Pech im Wildauer Heimatbuch, Teil II. „Dennoch zwangen die Nachkriegsverhältnisse zur Nachnutzung durch unterschiedliche Bedarfsträger: Magazin für die Rote Armee, Zement-Dachstein-Fabrikation, Handelszentralen für landwirtschaftlichen Bedarf, Reparaturbetriebe, Klempnerei, Tischlerei und andere.“ Lehranstalt für Ingenieure, Techniker und Meister Nur wenige Jahre später erlangte dieser „campus“ eine völlig neue Bedeutung. Nicht mehr die seines lateinischen Ursprungs. Sondern jene, die in den USA seit dem 18. Jahrhundert die außerhalb der Stadt errichteten und von parkähnlichen Anlagen umgebenen Gebäude einer Universität bezeichnen. Am 1. Juli 1948 wurde in Görlitz die Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) des Lokomotiv- und Waggonbaus (LOWA) gegründet. Im Januar 18 1949 siedelte sie nach Wildau über, wo noch im selben Jahr eine LOWA- Betriebsfachschule gegründet wurde. Zunächst besaß diese Schule kein eigenes Gebäude, sodass anfangs die Lehrveranstaltungen in verschiedenen Räumen der LOWA-Zentralverwaltung (heute Technologie- und Gründerzentrum in der Freiheitsstraße 124 – 126), im Klubhaus der LOWA an der Dahme und in verschiedenen Kabinetten der ebenfalls im Aufbau begriffenen Lehrwerkstatt des Betriebes stattfinden mussten. Anfang 1950 wurden der Fachschule das Gefolgschaftshaus der HIAG als erstes eigenes Schulgebäude (Haus 2) sowie ein großer Teil des Werksgeländes dieses ehemaligen Chemiebetriebes an der Friedrich-Engels-Straße, der zuletzt von 1940 bis 1945 als „DEGUSSA Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt vormals Roessler Hiagwerk Wildau“ firmierte, zur ständigen Nutzung übergeben. Mehrere Gebäude auf dem Gelände an der Friedrich-Engels-Straße mussten erst noch für Lehrzwecke um- und ausgebaut werden, so auch das spätere Haus 4. 1953 wurde die Schule in „Fachschule für Schwermaschinenbau“, 1955 in „Ingenieurschule für Schwermaschinenbau“ (ISW) umbenannt. Im September 1953 fand die Einweihung des ersten, seit 1951 errichteten Schulneubaus statt. Dieses „Haus 1“ unmittelbar an der Friedrich-Engels- Straße beherbergte acht Seminarräume, einen Hörsaal mit 70 Plätzen, moderne Laborräume für Experimentalphysik und Chemie, ein Lehrerzimmer, eine Bibliothek sowie Räume für die Schulleitung und -verwaltung. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Einführung einer praxisnahen Ausbildung war der Umbau der ehemaligen Hexa- Versandhalle (Haus 4 – an der Seite zum Bahn- Köpffchen - Ausgabe 02. 2016

Im September 1991 wurde das neue Lehrgebäude mit großem Hörsaal übergeben. Foto: Lothar M. Peter Gelände gelegen) im Jahre 1955 zu einer leistungsfähigen Lehrwerkstatt. Diese wurde später zu Laboratorien für Werkzeugmaschinen, Umformtechnik, Schweißtechnik, Klebetechnik, Oberflächenveredlung, Gießereitechnik und Experimentalphysik umgestaltet. Der Flachbau parallel zur Friedrich- Engels-Straße, einst Holzgeist- und Acetonschuppen der Fabrik, heute das Gebäude 7, wurde in den 1960er Jahren umgebaut. Es entstanden mehrere Unterrichtsräume, eine vergrößerte Bibliothek, ein Messtechniklabor, ein Konstruktionssaal und ein Sprachlabor. Eine leer stehende Fabrikhalle, das ehemalige „CH-Gebäude“ der HIAG- Werke, wurde 1968 provisorisch zur Turnhalle (Haus 6) umfunktioniert. Dieses Provisorium hat bis zum heutigen Tag Bestand. Das Gebäude wird weiterhin als Sporthalle genutzt. Die Häuser 5 und 8 im nördlichen Teil des Campus-Areals, unmittelbar an der Ortsgrenze zu Zeuthen, wurden zwischenzeitlich fast vollständig abgerissen. Im ehemaligen Laborgebäude Haus 5 war 1970 im Keller ein Zeiss-Großrechner des Typs ZRA 1 installiert worden. Der ZRA 1 war der erste industriell hergestellte Rechner der DDR, von dem 15 Computer an Akademie- und Forschungsinstituten, zehn an Hochschulen und sieben in der Industrie zum Einsatz kamen. Haus 8 war ein Versorgungsund Wirtschaftsgebäude mit Heizhaus. Im Jahr 1988 wurde die Genehmigung zur Planung eines neuen Lehrgebäudes mit großem Hörsaal erteilt. Noch im selben Jahr startete der Bau von Haus 3, das auf dem Gelände einer durch Kriegseinwirkungen und anschließenden Leerstand stark beschädigten dreischiffigen Fabrikhalle entstand. Fertiggestellt und offiziell übergeben wurde es nach der gesellschaftlichen Wende im September 1991. Da waren sowohl die DDR als auch die Ingenieurschule Wildau schon Geschichte. Die ISW führte die bereits begonnenen Studiengänge noch zu Ende. 1993 hörte sie mit der Exmatrikulation der letzten Studentinnen und Studenten auf zu existieren. Insgesamt wurden hier in 34 Jahren 5259 Ingenieurinnen und Ingenieure, 410 Techniker und 1141 Meister ausgebildet. Am 22. Oktober 1991 wurde die Technische Fachhochschule Wildau gegründet. Der langjährige ISW-Direktor Kurt Rabes fungierte bis zum 1. Dezember 1991 als Gründungsbeauftragter. Einen Tag später wurde Prof. Wilfried Arlt, früherer Rektor der Hochschule Bremerhaven, zum Gründungsrektor bestellt. Der Studienbetrieb begann im Wintersemester 1991/1992 auf dem Gelände der ehemaligen Ingenieurschule mit dem Studiengang „Maschinenbau“. Die damaligen Planungen des Landes sahen vor, bis zu 1645 Studierende in verschiedenen Fachbereichen auszubilden. Für den schrittweisen Ausbau der Technischen Fachhochschule wurden zunächst drei Varianten ins Auge gefasst: • Gelände Friedrich-Engels-Straße, zuzüglich der Fläche des ehemaligen Kraftverkehrs auf der gegenüberliegenden Straßenseite, • Gelände auf dem jetzigen A10-Center („Grüne Wiese“), • Gelände Friedrich-Engels-Straße zuzüglich Teilfläche des Nordgeländes des ehemaligen Schwermaschinenbaus (heute Fläche des Technologie- und Gründerzentrums Wildau). Die Geschichte jedoch brachte eine andere Lösung. Nach langwierigen Verhandlungen wurde am 22. Dezember 1994 ein Vertrag über den Kauf von circa 31 000 Quadratmetern des ehemaligen Lokomotivbau- und Schwermaschinenbaugeländes einschließlich der Gebäude Haus 13, Halle 14 und Haus 100 sowie der Drehscheibe an die TFH Wildau abgeschlossen. Am 1. Juli 2008 hatte die TFH Wildau das Gelände an der Friedrich-Engels-Straße endgültig freigezogen und an das Land Brandenburg übergeben. ♦ Köpffchen - Ausgabe 02. 2016 19

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