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Baugewerbe Unternehmermagazin 1-2/2018

26 \\ management \\

26 \\ management \\ Schwerpunkt ItamBau BIM-Leuchtturmprojekt in Berlin:Die Steinmetzarbeiten am Berliner Schloss wurden mitHilfe der Software MWM-Liberoexakt abgerechnet. Die Datender Figuren können direktvor Orteingegeben werden. Fotos: MWM Barockfassade, BIM undein Roboterkollege BIM \\ Washaben SteinmetzarbeitenanSchlössernund Software zurMengenermittlung undAbrechnunggemeinsam?Auf denerstenBlick nichtviel. Aber beiden umfangreichenNatursteinarbeitenamBerlinerSchloss schon. Dort setztedie Dresdner Schubert Steinmetz- undSteinbildhauerGmbHdas Programm MWM-Libero zwecks Mengenermittlung undAbrechnungseiner erbrachten Leistungen an derNatursteinfassade ein. \\ HeikeBlödorn Einer vonsechs Meistern undSteintechnikern der Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH auf der Berliner Baustelle ist Jan Leistner. Das Unternehmen beschäftigt 25 Mitarbeiter und war an zahlreichen renommiertenNatursteinprojektenwie der Universitätsbibliothek in Leipzig, den Fassaden des Dresdener Landgerichtesund am Schweriner Schloss beteiligt. Allerdings ist einer der Kollegen von Jan Leistner kein Mensch,sondernein Roboter. Dieser unterstützt die Firma Schubert –gefüttert mit 3D-Daten aus dem Computer. Der Roboter erstellt vorgefräste Rohlinge, die von Steinmetzen und Bildhauern fertiggestellt werden. Die groben Tätigkeiten macht der Roboter, die filigrane Kleinstarbeit der Mensch. DerUmfang der Natursteinarbeiten am Schlossist gigantisch.Rekonstruiertwerden drei Außenfassaden unddie Kuppel.Über 8.000 Kubikmeter Sandstein wurden fürdie drei historischenBarockfassaden verarbeitet. Neben 3.000 Schmuckelementen sind dies auch Fensterstürze,Säulen undUnterzüge. Für diese Arbeiten sind Kosten von 105 MillionenEuroveranschlagt. dasberlinerschloss – eine gigantische baustelle Bauherrin war die Stiftung „Förderverein Berliner Schlosse.V.“ unddas Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung war für dasBaumanagement zuständig.Esvergab im Auftragder Bauherrindie Bauleistungenwie die historischenFassadenarbeiten losweise. ImRahmen der Ausschreibungenhaben die Dresdner Steinmetze mehrere Aufträge erhalten. Unter anderem arbeiten sie am Außenportal II der Südfassade. Damit die Arbeiten an diesem gigantischen Projekt optimal vonstatten gehen, sei laut Jan Leistner ein filigranes Zusammenspiel aller Beteiligten –Meister, Poliere, Programmierer, Maschinisten, Steinmetze –notwendig. Auf die am Außenportal errichteten vier Säulenbasen werden 14 Meter hohe Kolossalsäulen, die jeweils 56Tonnen auf die Waagebringen, aufgestellt. DerDurchmesser einer Säule –sie besteht aus acht Teilen, Säulentrommelngenannt –beträgt 1,47 Meter. Das verarbeitete Material 1-2 \2018

Schwerpunkt ItamBau \\ 27 gewinnen die Steinmetze aus sächsischen Steinbrüchen. Sven Schubert beschäftigt einen eigenen Geologen und arbeitet mit einer aufden Transport vonNatursteinen spezialisiertenSpedition zusammen. Diese bringt just-in-timedie vorgefertigten Elementevon Dresden aufdie Baustelle. Die bildhauerischen Arbeiten der Dresdner sind überaus detailgetreu und mit großer Präzision nach den alten Vorlagengestaltet. Dabeiist zu bedenken, dass der Betrachter diese Meisterleistung später kaum würdigen kann, denn sie ist in über 21 Metern Höhe an der Außenfassade angebracht. Nicht selbstverständlich für eine solche Großbaustelle sind laut Jan Leistner die hervorragenden Planungsunterlagen und die perfekte Logistik. Die Ausführungszeichnungen für die anspruchsvollen Natursteinarbeiten der historischenBarockfassade können daher fürdie Abrechnung alsGrundlage dienen. SteintechnikerJan Leistner am Berliner Schloss:Erfreut sich, dass ihmdie IT die Abrechnungsarbeiten erleichtert. säule, Quader,löwe, adler– abgerechnet wird zumschluss Allerdings müssen die Leistungen der Steinmetzfirmen auch abgerechnet werden. Grundlage dafür ist die VOB Teil C Natursteinarbeiten. Die Abrechnungsbasis für das BIM-Leuchtturmprojekt sind die Regelungenfür die ElektronischeBauabrechnung REB 23.003. Diese beschreiben die Berechnungsmethoden und Methoden zum Austausch von Daten zur Mengenermittlung. Dazu erhält die Firma Schubert die Leistungsverzeichnisse als GAEB-Datei vom Vertreter des Bauherren, dem BBR. Indiese werden die einzelnen Aufmaße den Positionen entsprechend eingegeben und die abzurechnenden Leistung oder die Mengenermittlung anschließendals DA11-Datei mitden Rechnungenübertragen. Dazu setzt Jan Leistner auf der Baustelle das Programm MWM-Libero des Bonner Softwarehauses MWM Software &Beratung GmbH ein. Die Abrechnung der komplexen Baukörper wie Figuren, Löwen, Adler etc. erfolgt pro Stück, die entsprechende Anzahl der Position trägt der Steinmetz insLVein. Fürdie anderen Elementewie Säulen, Quader aber auch Mauerwerksarbeitenund Abdichtungsarbeiten überträgt erdie Werte aus den Zeichnungen inMWM-Libero. Kann er die Informationen ausder Zeichnungnicht entnehmen wie zum Beispiel bei komplizierten aufwändigen Anschlüssen, misst Leistner die Positionen perHandauf. dokumentation der leistungen inklusivefoto Der Einsatz der Software vor Ort bringt vieleVorteile, denn es können Unklarheiten direkt auf der Baustelle beseitigt und mit Fotos dokumentiert werden. Auch können die Beteiligten komplexe Sachverhalte, die aus der Zeichnung nicht ersichtlich sind, vor Ort betrachten und somit nachvollziehen. Neben der einfachen Erfassung der Mengendienen Fotos, die Leistner von den Elementen macht, zur Dokumentation für den Ausführenden undden Prüfer.Darüber hinaus stellt das Austauschformat DA 11 eine enorme Erleichterung für die Prüfung von Baumaßnahmen dar, daeine manuelle Prüfung der Berechnung, wie zum Beispiel das Nachrechnen des Aufmaßes mit dem Taschenrechner,damit entfallen kann. Für Jan Leistner ist die Software ein großer Gewinn: „Ich gebe die Maße am Laptop ein, drucke dann das Aufmaß im Baubüro aus, das mir der Auftraggeber unterschreibt. Ich habe die Daten sofort in meiner Mengenermittlung drin und muss diesenicht noch einmal zusätzlichin irgendein Programm eingeben. Darüber hinaus hat man immer ein Leistungsverzeichnis mit Langtexten zur Verfügung.“ Das bedeutet eine Fehlerminimierung sowieeineZeitersparnisimGegensatz zur herkömmlichen Methode. Zwecks Erstellung der Schlussrechnungschickt Leistner die Daten dann per DA 11 in die hausinterneSoftwarezur Abrechnung. Fazit: Eine Reise zum Berliner Schloss lohnt sich auf jeden Fall, spannt das Bauwerk doch einen Bogen von der spätmittelalterlichen handwerklichen Baukunst zum heutigen digitalen BIM-Zeitalter. UndMWM-Liberoist Teil davon. \\ + weitereinfos Über dasBerlinerSchloss DasBerlinerSchloss wurde1443als hohenzollernresidenz gegründet. 1950 beschloss die SeDdas im Zweitenweltkriegzum größten teil ausgebrannte Bauwerk zu beseitigen.an derStelleentstand1973der palastder republik, derzwischen2006und 2009 abgerissen wurde. unterVerwendungrekonstruierter wesentlicher Fassaden-und Gebäudeteiledes ehemaligen Berliner Stadtschlosses wird seit der Grundsteinlegungam12. Juni 2013 an ursprünglicher Stelle einneubau errichtet. Der wiederaufbau derbarocken Fassaden wird durchprivate Spendengelder finanziert. nach der Fertigstellung sollder Gebäudekomplex das künftige humboldtforum beherbergen. Dieeröffnungist fürden 14.September 2019 geplant. DasStadtschloss sollmit außereuropäischen Sammlungenund ausstellungen sowieals Veranstaltungsort die Berliner museumsinsel ergänzen. www.baugewerbe-magazin.de

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