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Baugewerbe Unternehmermagazin 1-2/2018

44 \\ XXX betonbAu \\

44 \\ XXX betonbAu \\ XXX\\ Stampfbeton Dienatürlicheund lebendige Struktur desStampfbetons harmoniertgutmit der historischen Mauer.Die Verdichtung desStampfbetons istarbeitsintensiv,dasie in Handarbeit durchStampfen erfolgt. In der Planungsphasezog man die Berater vomInformationszentrumBeton zur technischen Unterstützung hinzu. Beide Fotos: SirkaEggers Nachhaltig bauen mit Beton STAMPFBETON \\ DiekatholischenKirchengemeinde Herbolzheim-Rheinhausen setzt miteinem neuenpfarrsaal einZeichenfür StandfestigkeitinbewegtenZeitensowie das nachhaltigebauen mitbeton:Die Innenwände deseingeschossigen neubaus sind in Sichtbeton erstellt unddie außenfassadebesteht aus Stampfbeton,was ihr eine warmeund natürliche anmutungverleiht. DenK9architekten istesgelungen, altund neueinfühlsamzuverbinden undmoderne architektur im besten Sinnezuerschaffen. \\ HolgerKotzan Durch seine eingeschossige Bauweise passt sichder Pfarrsaalideal dem Geländeund der Bestandsbebauung an. Das schlicht­elegante Polygon wirkt wieeineoptischeVerlängerungder Friedhofsmauer.„Dieser Eindruckentstehtvor allem durch die Stampfbetonfassade mit ihrenvielfältigen Farbpigmentierungenin variierenden Lagenhöhen. Dasergibteine lebendige und natürliche Struktur, die sehr gut mit der historischen Mauer harmoniert. Da Neubau,barocke Kirche und denkmalgeschützter Altbau ein stimmiges Ensemble bilden sollen, waruns eineFassade wichtig, die mitihrer warmen Farbgebung einerseitszurückhaltend wirkt, aber gleichzeitig eine gewisse Ausdrucksstärke besitzt“, erklärtMarcLösch,Geschäftsführerbei K9 Architekten. ARchAiScheSmAteRiAl mitchARme Stampfbeton–das klingt nach Vergangenheit und großem Aufwand. Tatsächlich gehört der Baustoff zu den ältestenBetonartenund geht zurückauf dasAnfang des 17. Jahrhunderts in Frankreichpraktizierte Pisé­Verfahren, beidem Lehm zu Wänden gestampft wurde. Beim Stampfbeton hingegen wird unbewehrter Beton auf Basisvon Natursteinen undZementdurch Druckstöße verdichtet. Bis indie zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Material wegenseiner Dauerhaftigkeit und Druckfestigkeitfür den Baugroßer Fundamente und Brückenpfeiler eingesetzt. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Ära des Stahlbetons begann, geriet Stampfbetonin Vergessenheit.Seiteinigen Jahren erlebt er eineArt Renaissance, weil dasschichtweise Betonieren undVerdichten einebesondereÄsthetik ermöglicht. StAmpFbetonbAuWeiSeeRFoRDeRt eRFAhRunG unD pRÄziSion Arbeitsintensiv lief es bei dem neuen Gemeindezentrum in Herbolzheim ab: Der Stampfbeton wurde auf der Baustelle (geringer Wasserzementwert, C25/30, Farbpigmente) angemischt und inerdfeuchter Konsistenz schichtweise indie Schalung eingebracht. „Die Verdichtung erfolgt in ‚Handarbeit’ bzw. über arbeitsintensives Stampfen. Am Ende erhält man eine sehr dauerhafte und druckfeste Konstruktion mit einer markanten Oberfläche, bei der die Schichten ablesbar bleiben“,sagt Marc Lösch. 1-2 \2018

Stampfbeton \\ 45 Foto:Leopold Piribauer So ohne weiteres umsetzbar war die traditionelle Stampftechnik beim Gemeindesaal aber nicht: Zunächst mussten K9 ArchitekteneineRohbaufirma finden, die sich indas heute wenig verbreitete Verfahren einarbeiten wollte. Die Kalt­Massivbau GmbH ausLahrerwies sichals der geeignete Partner. In deren Betonlabor wurden zunächst mehrere Musterwände erstellt und die endgültige Betonrezeptur festgelegt. „Außerdem war eine spezielle Schalung erforderlich, damit später keine Ankerlöcher inder Oberfläche zu sehen sind. Die Schichthöhen haben wir vordefiniert und bei den Arbeitsabschnitten mussten die angrenzenden Schichthöhen exakt wieder aufgenommen werden. Insgesamt war das alles eine ziemliche Herausforderung, die die ausführende Firma aber wunderbar gemeistert hat“, sagt ArchitektinSirka Eggers.Auchdie Druckfestigkeit musste im Vorfeldnachgewiesen werden und die Probewürfel erreichten sogareinen höherenWertals gefordert. In der Planungsphasehatte sichSirka Eggers mit der Bitte umtechnische Unterstützung andas InformationsZentrum Beton gewendet. „Während der Beratungen war ich wirklich beeindruckt, mit welch professionellem Engagement ein so besonderes Projektangegangenund vorbereitet wurde.Die Gemeinschaft aussorgfältiger, kluger Planung und engagierter Ausführung durch den Bauunternehmer war ein großer Glücksfall.“, sagt Martin Peck, der die Planungenberatend unterstützt hat. RoteRSichtbeton Setzt Akzente im innenbeReich Die Stahlbetonwand imSaal ist als Verlängerung der alten Friedhofmauer in rot pigmentiertem Sichtbeton (C25/30) ausgeführt. Ursprünglich sollte die Wand gestockt werden, um eine ähnliche Oberflächenwirkung zu erzielen wie bei den Stampfbetonwänden. „Dem Bauausschuss gefiel die rote, glatte Wand im Gemeindesaal jedoch sogut, dass auf das Stocken verzichtet wurde. Interessant ist hier, wie viel Wirkungdie Einfärbunghat.Bei einer grauen Sichtbetonwand wäre die Entscheidung vielleicht anders ausgefallen“, meint SirkaEggers. nAch DenkmAlSchutzkRiteRien nAch DenkmAlSchutzkRiteRien SAnieRt Im Rahmen des Projekts wurde auch ein denkmalgeschützter Altbau aus dem Jahr 1791 umgebaut, saniert und barrierefrei erschlossen. In dem einstigen Schulgebäude sind das Pfarramt, ein Mehrzweckraummit Bibliothek undzweiWohnungen untergebracht. Das Haus erhielt einen Aufzug und eine neue Fassade. Ein weißer Anstrich der Gewände undGesimse sowie die hellgraue Putzfläche sorgen für ein frisches Erscheinungsbild. Innen kamen Eichenholzparkett, Naturstein undLinoleum in warmen Farbtönenzum Einsatz. AusGründen des Denkmalschutzes wurden lediglichdie Deckedes oberstenGeschossesund der Boden des Erdgeschosses gedämmt. DerneuePfarrsaal mitder Außenfassade ausStampfbeton passtsichideal demGelände und derBestandsbebauungan. Im Inneren desPfarrhauses wurden die Wände mitrot pigmentiertemSichtbeton ausgeführt. Währendder gesamten Projektverlaufs warenVertreter der katholischen Kirchengemeinde regelmäßig vor Ort und haben den Baufortschritt mit großem Interesse und viel Vorfreude auf ihre neue Begegnungsstätte verfolgt. „Die Resonanz war durchweg sehr gut. Besonders herausgestellt wurde, dass die rötlich getönte Stampfbetonfassade an die Farbe der Erdschichten erinnert, die während der archäologischen Grabungen freigelegt waren. So stellt die Fassade einen weiterenBezug zum Ortdar“, sagt SirkaEggers. GRoSSeS SpektRum An GeStAltunGSmöGlichkeiten Obwohl K9 Architekten bei ihren Projekten auch andere Materialien als Beton einsetzen, ist der Baustoff für die Planer wegen seiner konstruktiven, natürlichen und flexiblen Eigenschaften sehr reizvoll. „Die unterschiedlichen Gesteinskörnungen, Farbgebungenund Oberflächenbehandlungen bieten ein umfangreiches Spektrum an Gestaltungsmöglichkeitund Individualität. Entscheidend ist aber stets ein materialgerechter Umgang in Kombination miteiner sorgfältigen Planungund Detaillierung, um eine hohe Nachhaltigkeit mit geringen Folgekosten zugewährleisten“,betont Marc Lösch. Die Faszination der Architekten für dieses Material zeigt sich jetzt eindrucksvoll amBeispiel des fertiggestellten katholischen Gemeindehauses in Herbolzheim. \\ Foto:Leopold Piribauer www.baugewerbe-magazin.de

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