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HessenJäger 02/2018 Kleinanzeigen

Monatlich aktueller Kleinanzeigenmarkt für Jäger, Förster und Revierinhaber.

Lernort Natur 34

Lernort Natur 34 HessenJäger Ausgabe 02/18 Vom Verliebtsein und dem Abschiedsschmerz Kalt ist es geworden. Seit vier Wochen hält der Winter sein strenges Regiment in dem Landstrich, auf dem der Jägerhof liegt, dem Hof, der für Felix zu einem sicheren Zuhause geworden ist. Unser Jungfuchs hat sich prächtig entwickelt. Sein Winterbalg ist dicht und glänzend, er ist gewachsen und kräftig geworden. Aber da ist noch mehr als nur der im Herbst einen Win- Der Fuchs beginnt neue schicke Winterpelz, der ihn schmückt: Felix trägt jetzt ein Halsband! Da er terbalg zu entwickeln. Bevor es dann richtig nun seine Streifzüge immer weiter ausdehnt und den Hof inzwischen jede Nacht kalt wird, spätestens verlässt, hat ihm seine Ziehmutter eines genäht, damit er zumindest von Jägern Anfang November, und Autofahrern schneller erkannt wird. Es reflektiert und ist dank seiner orangen ist der Winterpelz Signalfarbe schon von Weitem zu sehen. Zum Glück scheint es Felix nicht zu stören, denn er kann damit alles machen, was er ohne auch gemacht hat, und es ist die Füchse auch bei fertig gereift und hält elastisch. Und sollte er damit hängenbleiben, kann er es mit einem festen Ruck frostigen Temperaturen abreißen, denn es ist mit Klett verschlossen. schön warm. Füchse sind hauptsächlich dämmerungsund nachtaktiv. Trotzdem weiß seine Ziehmutter, dass sie ihren kleinen Fuchs nicht vor allen Gefahren da draußen schützen kann, aber das will sie im Grunde auch gar nicht, denn sie ist stolz darauf, wie selbstständig er sich entwickelt hat. Inzwischen versorgt er sich komplett alleine. Doch jeden Morgen, wenn sie zum Füttern aus der Hintertür auf den Hof kommt, wartet Felix auf sie. Er lässt sich dann ausgiebig streicheln und begleitet sie in den Stall. Für beide ist es eine liebgewonnene Routine geworden. Nach dem Füttern verkriecht sich Felix ins Stroh und verschläft den Tag. Erst abends – pünktlich zum Füttern – ist er wieder an der Seite seiner Ziehmutter und es ist ebenso zur Routine geworden, dass sie Felix vor seinem Aufbruch in die nächtlichen Abenteuer ein Stück auf die Wiese hinter dem Hof begleitet. Felix verweilt dann noch eine Zeit in ihrer Nähe, schnürt schließlich in die Dämmerung und verschwindet. „Bis morgen, Felix, gib auf dich acht“, flüstert seine Ziehmutter ihm nach. Dann ist er auch schon aus ihren Augen verschwunden und von der Dunkelheit verschluckt. Felix hat wohl nie die Worte gehört, die seine Mutti ihm so leise mit auf den Weg gibt, doch den Ruf der Natur hat er ganz deutlich vernommen. Es zieht ihn jede Nacht weiter vom Hof fort und so kommt es, dass er in dieser Nacht das heisere Rufen einer Fähe vernimmt. Felix legt den Kopf schief und lauscht. Dann antwortet er ihr. Flink huscht er über die Felder, den Berg rauf, Richtung Wald. Dort trifft er sie: Eine zierliche junge Fähe! Sofort beginnen beide ein wildes Spiel. Recht grob sieht es aus, aber es ist kein böser Wille dabei. Sie rennen miteinander, stellen sich auf die Hinterläufe, raufen. Felix ist hin und weg und vom ersten Moment an weiß er, dass er bei ihr sein möchte. Beide Füchse streifen gemeinsam über die schneebedeckten Felder. Quelle: Fotolia- schaef Die Paarungszeit der Füchse wird Ranzzeit genannt. Die Nacht wird zum Tag und dann auch wieder zur Nacht. Felix folgt der Fähe auf Schritt und Tritt. Fast hat er den Hof und seine Ziehmutter vergessen. Irgendwann hetzt plötzlich ein Hund aus dem Dorf auf beide Füchse zu. Wo um Himmelswillen kommt der denn her? Ranzzeit heißt die Paarungszeit bei Füchsen. Sie findet einmal im Jahr in den Monaten Januar und Februar statt. Die Füchse finden sich durch das markante Fuchsbellen und die Duftbotschaften, die sie hinterlassen.

Lernort Natur Keiner der beiden Füchse hatte ihn vorher bemerkt. Jetzt rennen beide um ihr Leben und werden getrennt. Der Hund hat sich an Felix‘ Fersen geheftet und beide liefern sich ein Rennen um Leben und Tod auf dem verschneiten Feld. Felix ist schnell, aber der Hund lässt nicht nach. Erst in einer Schlehenhecke gelingt es Felix, ihm zu entkommen. Mit pochendem Herzen verkriecht er sich und wartet, bis die Luft wieder rein ist. Dann beginnt er, seine Fähe zu suchen und ruft nach ihr, doch in dieser Nacht bleibt sein heiseres Bellen unbeantwortet. Streuendende Hunde sind für alle Wildtiere eine Gefahr, auch wenn der Hund das Wildtier oft gar nicht fängt, so bedeutet die Beunruhigung hohen Stress. Auch kann es zu tragischen Verkehrsunfällen kommen, wenn Wild, in Panik versetzt, über Straßen flüchtet. möchte, entwindet er sich ihr jedoch. Es hat sich verändert. Er ist an diesem Tag ein Stückchen wilder zurückgekehrt. Den ganzen Tag bleibt Felix nun in der Nähe seiner Ziehmutter, selbst ins Haus möchte er ihr folgen. Das hatte er schon lange nicht mehr gemacht. Seine Ziehmutter genießt den Tag mit ihrem Fuchs. Sie glaubt, er sei einfach froh, wieder zu Hause zu sein. Sie irrt sich. Füchse suchen sich mit Beginn der Geschlechtsreife eigene Reviere und verlassen den elterlichen Schutz. Felix macht sich auf den Weg zurück zum Hof. Drei Tage und Nächte war er nicht mehr hier. Jeden Tag ist seine Ziehmutter zu seinem Lieblingsversteck gegangen, um zu schauen, ob er dort schläft. Traurig stellte sie jedoch fest, dass sein Nest unberührt war. Doch als sie heute nachsieht, macht ihr Herz einen kleinen Luftsprung. Felix schläft tief und fest auf seinem Platz. „Felix“, entfährt es ihr glücklich. Sofort ist Felix hellwach. Schrill keckernd begrüßt es seine Mutti und stupst sie mit dem Fang an. Als sie ihn auf den Arm nehmen Felix hat sich entschieden. Er verlässt den Hof, die Menschen, und lebt fortan als wilder Fuchs weiter. Eine Handaufzucht ist gelunden! Doch das wird sie erst einige Zeit später verstehen. Felix und seine Ziehmutter füttern abends wie gewohnt zusammen die Tiere. Es schneit leise als die beiden die Wiese hinterm Hof betreten, doch dann klart der Himmel auf und es wird noch kälter. Sie hinterlassen ihre Spuren im Schnee, als sie den Bachlauf entlangschlendern. Felix‘ Ziehmutter zieht die Jacke enger um sich, sie friert. Der volle Mond lässt nun den Schnee glitzern. Es ist eine wunderschöne Nacht. Felix kommt zu seiner Ziehmutter und springt an ihr hoch. Sie streichelt seinen Kopf und krault sein dichtes Winterfell. Dann löst sich Felix von ihr, er bleibt noch einmal auf der Wiese stehen und dreht sich zu seiner Mutti um. Es ist ein wunderschönes Bild, wie er da so im glitzernden Schnee auf der vom Mondlicht erhellten Wiese steht. „Gib auf dich acht“, flüstert seine Ziehmutter. „Bis morgen.“ Doch morgen wird Felix nicht wieder an seinem Platz schlafen. Der junge Fuchs wendet den Blick ab und schnürt selbstbewusst hinaus in die Nacht. Er hat Abschied genommen und jagt nun mit wild klopfendem Herzen den Berg rauf, zur Wiese am Waldrand. Da ist sie! Sie scheint auf ihn gewartet zu haben. Seine zierliche hübsche Fähe, seine Feline. Quelle: Fotolia_ kichigin19 Füchse führen lebenslange Partnerschaften. 35 HessenJäger Niko Fux Ausgabe • www.niko-fux.de 02/18