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WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

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Nachdem die Waffen

Nachdem die Waffen schwiegen: Das Klubhaus als Heimstatt sowjetischer Kommandanten, junger Künstler – und erneut der Ruderer Den Ersten Weltkrieg habe ich hier am Dahme-Ufer noch nicht miterlebt. Da stand ja auch mein heutiges Domizil noch gar nicht. Aber das Ende des Zweiten Weltkrieges habe ich hautnah mitgekriegt. Worauf ich – Brackwasser und Seetang noch mal – liebend gern verzichtet hätte. Am Morgen des 24. April 1945 bereitete ein Granatwerfer-Trommelfeuer den Infanterieangriff der Roten Armee über die Dahme auf Wildau vor. Am Nachmittag schwiegen die Waffen. Die sowjetischen Soldaten zogen weiter nach Berlin, berichten Zeitzeugen im zweiten Teil des „Wildauer Heimatbuches“ aus dem Jahr 2001. Das Wassersporthaus wurde zeitweilig zum Sitz des sowjetischen Ortskommandanten. Die Mannschaften waren kurzzeitig nebenan auf dem Gelände des heutigen Wassersportclubs untergebracht, ehe sie in die seit dem 2. Mai 1945 im Eckhaus Friedrich-Engels-/Freiheitsstraße befindliche Kommandantur umzogen. Der Kommandant blieb bis 1947 im Wassersporthaus, bis die sowjetischen Truppen ihre Zelte in Zeesen aufschlugen. Neben dem militärischen zog aber auch wieder ziviles Leben ins Wassersporthaus, das nun zum Klubhaus wurde, ein. Bis etwa 1950/1951 hatten Pioniere, die Wildauer Antifa-Jugendgruppe und die Freie Deutsche Jugend (FDJ) hier ein Domizil. Dann wurde das Wassersporthaus von der LOWA, der am 1. Juli 1948 in Görlitz gegründeten und im Januar 1949 nach Wildau übergesiedelten Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) des Lokomotiv- und Waggonbaus, wieder als Klubhaus genutzt. Sinnbild für diesen Wechsel ist ein Mosaik im Verbundsteinpflaster vor den einstigen Bootshallen. Ursprünglich war dieses Mosaik in Anlehnung an den Wimpel des Wassersportvereins Schwartzkopff gepflastert worden. Ein solcher mit einem umkränzten „S“ für Schwartzkopff füllte die Wildauer Vereinsflagge aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Mitarbeiter der LOWA dieses Vereinslogo vor den Bootshallen neu gelegt oder es repariert. Anstelle des „S“ pflasterten sie jedoch ein großes, geschwungenes „L“, das für LOWA stand. „Dieses gepflasterte Emblem vor den Rudergaragen hat mich als Kind fasziniert“, erinnert sich die Ur-Wildauerin Christiane Görlitz, der in jenen Tagen ein solcher Straßenbelag nicht fremd war. „Wir haben ja sonst auch auf dem granitgrauen Pflaster der Schwartzkopff-Siedlung Hopse gespielt.“ 12 Köpffchen - Sonderausgabe 2016

20. mitte Jahrhundert Wird ja auch Zeit, dass mir mal einer erklärt, was es mit dem gepfl asterten „S“ und „L“ vor den Bootshallen eigentlich so auf sich hat. Ich Dösbaddel habe Stunden hier gesessen, auf die Dahme geguckt und mir die Rübe zermartert, was diese Buchstaben bedeuten. Ich bin zwar ein bisschen bräsig im Kopp, aber da hätte ich auch allein drauf kommen können! „Vor dem ehemaligen Wildauer Bootshaus an der Dahme lagen einige zerschossene Ruder- Vierer;“, schreibt Werner Schiller im Kapitel „Kriegsende und Neuanfang“ im bereits erwähnten „Wildauer Heimatbuch“ über die Antifa-Jugendgruppe, „unserer Jugendgruppe wird gestattet, sie zu reparieren, die Räumlichkeiten zu renovieren und das Haus sinnvoll zu nutzen. Im Frühjahr 1946 fahren wir mit zwei Booten die erste Regatta.“ Am 27. Juli 1948 erteilte das „Referat Volkskunst in der Abteilung Kunst beim Minister für Volksbildung, Wissenschaft und Kunst der Landesregierung Brandenburg“ einem jungen Mann aus Wildau die Genehmigung, die Laienkunstgruppe „Wildauer Märchenkinder“ zu gründen. Harry Hanisch, der in Wildau in der damaligen Blankstraße 6 (heute Friedrich- Engels-Straße) zu Hause war, scharte Wildauer Kinder um sich und übte mit ihnen, auch im Saal des Klubhauses, Märchenspiele ein. Deren Aufführungen wurden ein voller Erfolg. Was sich schnell herumsprach und zu Auftritten auch in Mittenwalde, Miersdorf oder Schulzendorf führte. Später komplettierten Instrumentalisten diese Gruppe, sodass auch ein kleines Orchester gegründet wurde. Im und am Bootshaus wurde in jenen Jahren jedoch nicht nur gesungen, gespielt, getanzt und gerudert. Die LOWA nutzte ihr Klubhaus auch ganz profan – für die Berufsausbildung. Karl-Heinz Petzold, erster Leiter der 1949 gegründeten Betriebsfachschule Wildau der LOWA, erinnert sich: Da diese Schule, die spätere Ingenieurschule Wildau, kein eigenes Gebäude besaß, fanden die Lehrveranstaltungen anfangs in verschiedenen Räumen des LOWA-Gebäudes, im Klubhaus der LOWA an der Dahme und in verschiedenen Kabinetten der ebenfalls im Aufbau begriffenen Lehrwerkstatt des Betriebes statt. Da kann ich vor Anerkennung nur meinen Südwester ziehen. Chapeau! So viel Enthusiasmus und Hoffnung in Zeiten realer und seelischer Trümmer ringsum! In „mein“ Wassersporthaus, das fortan nun Klubhaus genannt wurde, zog wieder Leben ein. Endlich für mich auch wieder Gelegenheit zum Klabautern. Denn die folgenden vier Jahrzehnte wurden hier an der Dahme wieder vor allem von Menschen mit Booten dominiert. Was will man denn mehr in meinem Job? Also Kinnings, wir sind schon mittenmang im nächsten Kapitel. Auf zu den Ruderern der BSG Motor Wildau. Köpffchen - Sonderausgabe 2016 13

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