Aufrufe
vor 4 Monaten

WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

2kapitel Erzählt von

2kapitel Erzählt von einem halben Jahrhundert, in dem sich das Klubhaus an der Dahme zu einem beliebten Treffpunkt für Schwermaschinenbauer, Wildauer, Ruderer und viele andere Gäste entwickelt hat. Rudern, feiern, tanzen und Bockwurst mit Kartoffelsalat Brackwasser und Seetang, da bin ich wieder. Und Sie ja auch - immer noch. Üss ja dull, as dat den Anschien hett, die Schose tut Ihnen toseggen. Ach, dat deit mi Leed – Entschuldigung! Sie haben‘s ja mit Plattdüütsch nicht so. Also: Schön, dass Ihnen die Geschichte anscheinend gefällt. Wo war ich stehengeblieben? Richtig, bei den Ruderern. Im Jahr 2000 wurde eine Festschrift aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Sportgemeinschaft Motor Wildau herausgegeben. Darin habe ich ein bisschen geschnökert und werde Ihnen nun davon - und was ick sonst noch so besinnen tu - berichten. Im Mai 1950 als Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Lowa“ gegründet, wurde der Verein 1952 in die Sportvereinigung „Motor“ aufgenommen, schreibt der heutige Sportverein Motor Wildau auf seiner Internetseite. Die ersten Sportsektionen waren Wassersport, Fußball, Rudern, Handball, Tischtennis und Radsport. Einige interessierte Wassersportler und Angehörige des Betriebes aktivierten bei den Ruderern das Sektionsleben. Das erste brauchbare Bootsmaterial waren zehn Holzpaddelboote, gelb und in Bananenform, die im Waggonbau Bautzen gebaut wurden. Diese recht leichten Boote wurden an Wochenenden für 50 Pfennige an Vereinsmitglieder und auch Nichtmitglieder ausgeliehen. Nach zwei Jahren konnten die ersten reparierten Ruderboote benutzt werden. Ende 1952 erwarb der Schwermaschinenbau-Betrieb bei der Yachtwerft Berlin den ersten Rennvierer. Zur gleichen Zeit fanden sich von der Wildauer Ingenieurschule wieder interessierte Jungingenieure im Bootshaus zusammen. Walter Grießing, Werner Hielscher, Harry Beyer und Werner Möhn legten den Grundstein der langjährig erfolgreichen Rennruderei, neben dem Wanderrudern das wesentliche sportliche Angebot der Rudersektion. Mit Horst Kuhlke als Übungsleiter und Steuermann belegte dieser Vierer 1954 völlig überraschend bei der Internationalen Grünauer Ruderregatta den ersten Platz. Daraufhin erhielt die Sektion große Unterstützung sowohl vom Trägerbetrieb und der Betriebssportgemeinschaft als auch vom Deutschen Rudersportverband. Unter tatkräftiger Mitarbeit der Ruderer wurden Steganlagen, Bollwerk, Umkleideräume und vieles mehr in Ordnung gebracht oder neu geschaffen. Das nötige Bootsmaterial sowie neue Boote konnten finanziert werden, so dass nun auch Kinder- und Jugendruderer ausgebildet wurden. Übungsleiter und Schiedsrichter wurden ausgebildet. Ab 1966 war Wildau Trainingszentrum für talentierten Nachwuchs. Das war schon ‘ne tolle Schinderei, damals beim Training. Da ist mir manchmal vor Staunen die Piep im Mund kalt geworden. Ich habe mich gar nicht mehr getraut, mal so richtig zu klabautern. Die Ruderer waren ja so schon tüchtig platt. Aber es hat sich gelohnt. Wie hier zu lesen ist, wenn Sie mal ein geneigtes Auge auf die Erfolgsbilanz werfen wollen. 14 Köpffchen - Sonderausgabe 2016

Seit der Gründung des Vereins 1950 errangen Wildauer Ruderer 21 internationale Siege. Beispielsweise wurde Andreas Herschel 1972 Junioren-Weltmeister. Mario Minge kam zu Weltmeisterehren im Vierer mit Steuermann. Viermal stand Anita Kuhlke zwischen 1966 und 1972 bei Europameisterschaften ganz oben auf dem Treppchen. Ein Vize-Europameistertitel und zwei Bronzemedaillen komplettieren ihre Erfolgsbilanz. Ulf Timmermann ging nach seiner Zeit in der Sektion Rudern zur Leichtathletik und wurde ein international erfolgreicher Kugelstoßer. Monika, Martina und Christiane – drei Wildauerinnen und das Klubhaus in ihrer Kindheit und Jugend Ich erinnere mich noch ganz genau. Ende 2015 war das. Ich hatte gerade mein Mittagsschläfchen beendet, saß auf der Bank am Kamin und schlürfte einen Topp Kaffee. Dann kam Monika ins wieder fein gemachte Klubhaus. Das schicke Restaurant hatte schon geöffnet, auch wenn hinter den Kulissen noch immer nicht alles fertig war. Das kennt man ja. Termine festlegen – und dann nicht einhalten. Und keiner will es dann gewesen sein. O jeh, Williwo, Du bist en olle Quetelbüx, ein alter Schwätzer. Ich Dussel komme vom Thema ab: Monika. Monika kam ins Restaurant und staunte Bauklötzer. Sie kannte das Klubhaus nämlich aus ihrer Kindheit und Jugend und konnte davon ‘ne ganze Menge vertellen. Monika Weber und Martina Mielke besuchten gemeinsam die 1. Polytechnische Oberschule Wildau, die 1967 den Namen „Heinrich Rau“ bekam. Die Schulfreundschaft der beiden in Wildau aufgewachsenen Damen hat bis heute Bestand. Gemeinsam begannen beide 1965 oder 1966 als Zehn- oder Elfjährige bei der BSG Motor Wildau mit dem Rudern. Für Martina Mielke wurde dieses sportliche Engagement nur ein halbjähriges Intermezzo, das durch ein väterliches Veto mit Blick auf schulische Leistungen beendet werden musste. Monika Weber blieb dem Rudersport bis zu ihrem 17. Lebensjahr treu. Dann gingen beide jungen Frauen nach dem Abschluss der Schule zur Schiffbau- Lehre nach Rostock. „Angefangen haben wir in großen Booten, zum Beispiel in Gigs“, erinnert sich Monika Weber. Moment, Kinnings. Hier kann ich mit meinem maritimen Grundwissen glänzen. Ganz ohne Wikidings. Ein Gigruderboot - kurz Gig - ist ein deutscher Ruderbootstyp für das Wanderrudern und die Ruderausbildung. Gigs sind im Vergleich zu Rennruderbooten stabiler und robuster, aber auch schwerer und langsamer. Toll, was der alte Käpt’n Williwo so alles weiß? Doch nun weiter im Text. 15

WIWO Koepffchen 3 2016
WIWO Koepffchen 1 2015
WIWO Koepffchen 3 2015
WIWO Köpffchen 2 2017
WIWO Koepffchen 1 2017
WIWO Koepffchen 1 2016
WIWO Koepffchen 2 2016
WIWO Köpffchen 3 2017
WIWO Koepffchen 2 2015
Sonderausgabe - Wohnen in Wildau