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WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

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Wenn man das Haus

Wenn man das Haus betreten hat, sei das immer ein bisschen „ehrwürdig“ gewesen, sagt Christiane Görlitz. „Gleich neben dem Eingang war das Vereinszimmer der Ruderer mit Wimpeln und Bildern und Fenstern mit buntem Glas.“ An der Außentreppe des Klubhauses gab es anfangs kein Treppengeländer, erzählt Ortschronistin Irmgard Hornung. „Nachdem ein Betrunkener dort zu Tode gestürzt war, wurde ein Geländer angebracht. Es wurde von Vietnamesen quasi als ‚Gesellenstück‘ gefertigt und angebaut.“ Seit den 1970er Jahren erhielten im Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ auch junge Leute aus Entwicklungsländern eine berufliche Ausbildung. Sie kamen aus Laos, Angola, Sambia, der Mongolei und eben auch aus Vietnam. Außerdem war to höörn, dass das Klubhaus nicht nur von den Ruderern, sondern auch von anderen Sportlern der BSG Motor Wildau genutzt wurde. Zum Beispiel von den Schach- oder Tischtennisspielern. Andere Motor-Sektionen hielten in diesen Mauern Versammlungen ab. Ganz schön Betrieb hier, nöch‘? Ab 1985 wurde das Klubhaus sportlich nur noch von den Ruderern genutzt. In jenem Jahr 1985 war Klaus Kuhnert gemeinsam mit seiner Frau Monika Mitglied dieser Sportgemeinschaft geworden. Beruflich war er als Leiter der Bauinstandhaltung im Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ tätig - und der letzte Sektionsleiter Rudern der BSG Motor Wildau. Das Klubhaus wurde eine seiner Baustellen und die Sportler profitierten davon, dass Klaus Kuhnert auf dem Sessel des Bauleiters saß. Zwischen 1985 und 1990 wurden am Klubhaus das Dach und die Fassade völlig neu gemacht. SMB-Bauleute gossen den Beton für die Treppenstufen. Die Fassade wurde teilweise mit gelben Klinkern verklinkert, weil es rote nicht gab. Duschen wurden rekonstruiert. Die Zimmer im Obergeschoss wurden auch noch 1985 über den Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ vermietet. Im Betrieb existierte eine Klubleitung, die sowohl für das Kulturhaus, das heutige Volkshaus, als auch für das Klubhaus an der Dahme zuständig war und unter anderem vom SMB- Direktor für Kader und Bildung Ulrich Muschwitz geleitet wurde. Die Ruderer verfügten über Bootsräume im Untergeschoss, ihr Sektionszimmer und Toiletten. Wenn im Klubhaus Führungskräfte der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Maschinenbau, zu der der Schwermaschinenbau „Heinrich Rau“ gehörte, tagten, durften die Ruderer nicht trainieren. 18 Köpffchen - Sonderausgabe 2016

Danz op de Deel Nun wurde in „meinem“ Klubhaus aber nicht nur getagt und trainiert, sondern hier war Danz op de Deel, wurde geschwoft, gegessen, getrunken. Apropos: Mein Kaffee ist alle. Zeit für einen frischen. Dann vertelle ich Ihnen, was in diesen Mauern noch so alles abging. Denn noch immer gilt: Feste feiern ist besser als feste arbeiten. Köpffchen - Sonderausgabe 2016 „Die Küche war gut“, erinnert sich Bernd Schust, „Essen und Bier haben geschmeckt. Ein Bier hat 51 Pfennige gekostet.“ Der in Senzig geborene frühere Kraftfahrer bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) des Malerhandwerks Wildau ging nach seiner Lehre ab 1967 gern „auf den Drall“. Mit Freunden kam er aus Senzig mit dem Fahrrad oder auch per Boot nach Wildau. „Hier gab es Veranstaltungen zu Fasching und Himmelfahrt, Pfingstkonzerte, Weihnachts- und Silvesterfeiern. Für Silvesterfeiern musste man sich ein Jahr vorher anmelden.“ Auch Betriebsfeste „seiner“ Maler-PGH fanden hier statt. Ende der 1970er Jahre feierte Christiane Görlitz hier Silvester. „Es war eine tolle Feier. Das Publikum war übersichtlich, nur etwa 100 Personen. Und da war es schon eng. Viele kannten sich untereinander. Sie kamen entweder aus der SMB-Betriebsleitung oder von den Ruderern. Insofern war das schon ein elitärer Kreis.“ Bei derartigen Festen wurde die Musik von Bands live gespielt. Christiane Görlitz: „Diese Live-Musik war das Tolle. Dazu das ein bisschen andere Ambiente im Vergleich zum Kulturhaus.“ In der Bar habe es richtige Cocktails gegeben. „Cocktails, die man vorher gar nicht gekannt hatte. Im Kulturhaus hat man sich dagegen bei solchen Anlässen Sekt mit Ananas geholt.“ Das Silvesterfeuerwerk wurde unten vor der Treppe abgefeuert – mit schönem Blick übers Wasser nach Niederlehme. Uwe Bohm von den Wildauer Ortschronisten hat 1989 die letzte Silvesterfeier in der gerade beginnenden gesellschaftlichen Wende in Deutschland erlebt. „Es war eine prunkvolle Feier im gerade neu renovierten Haus.“ Zum Beispiel war das Parkett neu und die Bar modern gestaltet worden. „Die Bar war in einer Nische wie ein bisschen eingekuschelt“, hat Bernd Schust in Erinnerung. „Sie erinnerte an ein Schiffsheck.“ Für ihn waren die Tanzabende in den Mai das Schönste. „Ich habe viel getanzt.“ Ebenfalls zur Live-Musik, meist von einer Drei-Mann-Kapelle. „Die Gäste kamen von überall aus der Umgebung.“ Da sind mir immer Tränen der Freude in die Augen gestiegen, wenn ich die tolle Bar gesehen habe. Und mich wie am Heck eines Dreemasters bei Windstärke Neun festgehalten habe. Wobei ich dabei oft in guter Gesellschaft war – aber darüber breitet der Gentleman den Mantel des Schweigens. Gebaut hat die Schiffsheck-Bar übrigens, so schnacken Eingeweihte, einst Günther Herbst, heute Chef eines Wildauer Party-Services. Und was über den Tresen ging, war schon was Besseres, für die besseren Kreise. Eben Käpt’n-gemäß. 19

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