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WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

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Auch der Wildauer

Auch der Wildauer Bürgermeister Dr. Uwe Malich hat an das Klubhaus an der Dahme in dieser Hinsicht ganz spezielle Erinnerungen. „Wir haben hier als Mitglieder des Wildauer Handballvereins mitten im Sommer Karneval gefeiert. Wir haben getanzt und durchgefeiert, bis im Osten die Sonne aufging. Hier war vieles möglich.“ „Chef von‘s Janze“ war lange Zeit Kurt Cordes. „Kurt Cordes war der alleinige Leiter oder Verwalter - eher ein Hausmeister - des Klubhauses“, berichtet Ortschronistin Irmgard Hornung, „und bewohnte anfangs im Klubhaus oben eine eigene Wohnung.“ Später bezog er einen Bungalow in der benachbarten Kleingartenanlage. Wo der Blick von diesem Bungalow zur Dahme dem Vernehmen nach durch zwei große Flügeltüren zur Wasserseite eröffnet wurde. Nach dem Auszug von Kurt Cordes gab es in der zweiten Etage einen kleinen Saal und weitere Zimmer, die unter anderem vom Schach-Club und vom Briefmarkenverein genutzt wurden. Kurt Cordes blieb als sehr strenger Herr in Erinnerung, der dafür sorgte, dass im Klubhaus alles exklusiv ablief. Irmgard Hornung: „Ohne Krawatte kam man bei Cordes nicht ins Klubhaus. Wenn jemand betrunken war, setzte Cordes diesen Gast an die Luft. Hier durfte man nur gesittet Bier trinken. Da legte Cordes Wert drauf.“ Deshalb blieb das Klubhaus auch „superschick“ und war beliebter Ort für exklusive Veranstaltungen, aber auch für Familienfeiern, wie zum Beispiel Jugendweihen. Auch Familie Weber war hier zu Gast. „Ein Cousin meines Mannes hat hier seine Hochzeit gefeiert“, erzählt Irma Weber. „Zum Familienfoto mussten wir uns alle auf der Eingangstreppe aufstellen. Dann wurde im Saal gefeiert. Das Essen wurde angeliefert.“ Nicht zuletzt das Interieur trug zur Exklusivität des Hauses bei. Im Klubhaus gab es einen Flügel, dessen Holz im gleichen Muster gemasert war wie die Wandtäfelung. „Dieser Flügel war besser als jener im Kulturhaus“, hebt Irmgard Hornung hervor. An der linken Seite des Saales im ersten Obergeschoss hing ein großes, circa zwei mal zweieinhalb Meter großes Metallrelief mit dem Titel „Die Badenden“. Dieses Relief sorgte mit den dargestellten nackten Frauen bei vielen Gästen auch für Irritationen. Relief und Flügel sind in den Wirren der politischen Wende spurlos verschwunden. Cooler Typ, der Kurt. Ohne Helm und ohne Gurt. Aber auf die Krawatte hat er geachtet, wie Chronisten wissen. Ich habe immer ein bisschen gepoltert, da war er abgelenkt, und ich konnte reinschlüpfen – Richtung Bar. Auch ohne Schlips. Wer hier Haute cuisine erwartet hat, war fehl am Platze. Gehobene Küche ging nun mal nicht in einem Haus, das die Altvorderen einst als Wassersporthaus errichtet hatten. Außerdem mangelte es im sozialistischen Teil Deutschlands zumeist an den dafür nötigen Ingredienzien. Satt geworden sind sie hier meistens aber doch. Apriko – ich krieg Kohldamp. Wenn man so viel Dummtüch übers Essen klönt. Mal sehen, ob meine Bockwurst schon warm ist. 20 Köpffchen - Sonderausgabe 2016

Köpffchen - Sonderausgabe 2016 Im Klubhaus gab es nur eine kleine Küche. Deshalb wurde hier kein Mittagessen zubereitet, sondern das im Kulturhaus gekochte nur aufgewärmt. Auch die Büffets für Feierlichkeiten wurden vom Kulturhaus angeliefert. Irma Weber hat in dieser Küche, etwa zu Beginn der 1970er Jahre, zeitweise gearbeitet. Angestellt war sie im Kulturhaus in der Abwaschküche. „Wenn hier viel Betrieb war, habe ich in der Klubhaus-Küche ausgeholfen.“ Die Küche ging vom Flur in der 1. Etage links ab, mit Blick in Richtung Kleingärten. „Zwischen den Fenstern stand ein großer Kühlschrank. Andere Kühlmöglichkeiten gab es nicht.“ Zur Kücheneinrichtung gehörten außerdem ein Herd, das Abwaschbecken und eine Fritteuse. Zwischen Küche und Tresen stand ein verglaster Grill, in dem sich die Broiler drehten. Ansonsten war das Speisenangebot überschaubar: Bockwurst, Leber, Kartoffelsalat, Bratkartoffeln. Und eben Broiler. „Außerdem wurde sehr viel Kaffee getrunken.“ Kurt Cordes sei ein angenehmer Chef gewesen, betont Irma Weber. „Hin und wieder hat er uns in der Küche ein Bier spendiert.“ Zum damaligen Klubhaus-Kollektiv gehörten, so Irma Webers Erinnerung, neben Kurt Cordes ein aus Berlin stammender Ober namens Peter, eine Köchin aus Groß Köris, eine weitere Köchin oder Küchenhilfe namens Wilma sowie eine Barfrau Lauretta, die zu den Bar- Öffnungszeiten vorrangig am Wochenende bei Vergnügen gearbeitet hat. Diese waren in der Regel Veranstaltungen des Schwermaschinenbaus „Heinrich Rau“. Für bestimmte dieser Feste im Klubhaus wurden auch Spitzenkünstler der DDR engagiert. Unter anderem trat hier Kammersänger Rainer Süß auf. Oder Solisten des Balletts vom Berliner Friedrichstadt-Palast, die sehr häufig in Wildau waren. Sie absolvierten oft erst einen Auftritt in Berlin und kamen dann zur Nachtvorstellung ins Klubhaus zu Veranstaltungen der Werksleitung, aber auch von Brigaden, die sich das leisten konnten. Bei aller Exklusivität war das Klubhaus auch für die Öffentlichkeit zugänglich. An Sonntagnachmittagen traf man sich hier zur Kaffeemusik, die zum Beispiel von einer kleinen Combo gespielt wurde, deren Pianist Siegfried Vogel hieß. Ein beliebter Spruch der Besucher für Vogel war: „Nun hau doch mal richtig in die Tasten.“ Stets hatte auch das Auge des Gesetzes das Klubhaus im Blick. Irma Weber: „Die Dorfpolizisten, einer hieß im Volksmund ‚Der lange Fritz‘, liefen hier oft nachts Streife.“ Tjä, Kinnings, das klingt nach Glanz und Gloria. Klein, aber fein präsentierte sich mein Wassersport-, ähm, mein Klubhaus an der Dahme. Doch in Deutschland brachen 1989 und 1990 neue Zeiten an und für mein Zuhause die vermutlich dunkelsten Jahre seiner Geschichte. Wenn ick so torüch denke, die dunkelsten auch für mich. Es gab nichts mehr zu klabautern. Die Ruderer waren noch da, aber irgendwie nur noch so halb. Mysteriöse Menschen kamen und verschwanden wieder. Die Lichter gingen aus und dem Klubhaus drohte der Verfall. Düre Tieden, wahre Notzeiten brachen an. Ich wisch‘ mir mal ein Tränchen aus dem Augenwinkel und stopf‘ mir meine Pfeife. Und brauche diesmal ‘nen richtig steifen Grog. Bis gleich! 21

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