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WIWO Koepffchen Sonderausgabe 2016

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3kapitel Erzählt von

3kapitel Erzählt von wilden Wendezeiten, roten Lichtern und wie auch diese dann endgültig ausgingen. HeiSSe Girls und eisige Zeiten So, ’t geiht mi beter. Ich fühle mich wohler. War ja auch nur wenig Wasser im Rum. Nun kann de Geschicht wiedergahn. Also weiter! Klaus Kuhnert war acht Tage vor der Maueröffnung am 1. November 1989 zum Leiter der Sektion Rudern in der BSG Motor Wildau gewählt worden – und auch nach der Wende für das Klubhausgebäude noch technisch verantwortlich. In der ersten Zeit nach der Wende sei vom Unternehmen auch noch ein bisschen Geld für die Ruderer geflossen, erinnert er sich. Bei einer Versammlung der Sektionsleiter des Sportvereins wurde die Frage diskutiert: Wollt Ihr denn weitermachen? Nicht alle wollten. Segler und Radfahrer verließen als Erste die BSG Motor Wildau. Die Ruderer machten weiter. Aber unter immer schwierigeren Bedingungen. Der Winter 1990-1991 war in Westeuropa ein besonders kalter. Die Wetterstation im brandenburgischen Lindenberg verzeichnete in jenem Winter 25 Dauerfrost-Tage - Tage mit einer Höchsttemperatur unter 0,0°C. Was auch im Klubhaus nicht ohne Folgen blieb, wo sämtliche Wasserleitungen einfroren. „Als das Wasser aus den defekten Rohren aus den Bootshallen lief und dann gefror, ließen sich die Bootshallentore nicht mehr schließen“, beschreibt Monika Kuhnert das Chaos. Der Einer ihres Mannes lag draußen irgendwo auf dem Eis der Dahme. Sie hatte 1990 hier, wo sie Jahrzehnte zuvor schon ihren Abiball erlebt hatte, mit rund 50 Ruderern ihren 50. Geburtstag gefeiert. Das Klubhaus war schon zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Bruchbude. Vandalen hatten ihre Spuren hinterlassen. „Für meine Geburtstagsfeier hatten wir deshalb Fischernetze an die Decke gehängt. Zur Beleuchtung dienten Kerzen, weil kein elektrisches Licht mehr vorhanden war. Das war auch gut so“, meint Monika Kuhnert, „da hat man den Dreck nicht gesehen.“ 1991 wurden sowohl das Kulturhaus Wildau als auch das Klubhaus an der Dahme geschlossen. Es begannen wilde Jahre, die dem Klubhaus gar nicht so recht bekamen. In Wildau ging das Gerücht um, dass sich in seinen Mauern ein Bordell etabliert habe und wilde Sexpartys gefeiert würden. Gleich nach der Wende seien „komische“ Autos vorgefahren, denen junge Frauen entstiegen seien, berichtet Ortschronistin Irmgard Hornung. „Die Polizei ist eingeschritten, der neue Klubhaus-Besitzer ist verschwunden und war nicht mehr auffindbar.“ „Uns haben Wassersportler aus Berlin, die damals hier auf der Dahme vorbeigefahren sind, erzählt“, blickt Monika Kuhnert zurück, „dass nackte Frauen auf den Bootsstegen getanzt hätten.“ Die Ruderer betrieben trotz aller Widrigkeiten bis 1997 hier noch Leistungs- und Breitensport. „In den kalten, unbeheizten Bootshallen haben 22 Köpffchen - Sonderausgabe 2016

wir Krafttraining gemacht“, erzählt Manuela Wendisch, heute 2. Vorsitzende des Wassersportvereins Königs Wusterhausen, damals junge Athletin bei Motor Wildau. „Angesichts der neuen Nutzung des Hauses hatten wir jungen Ruderinnen aber vom Trainer damals das strikte Verbot, im Klubhaus die Toiletten zu nutzen.“ Der Trainingsbetrieb der Ruderer fand fünf Jahre lang ohne Sanitäreinrichtungen statt. Es gab nur Chemieklos für den Notfall. Mannomann, war das eine Kälte damals. Mir ist fast der Achtersteven auf meinem Fass angefroren. Und dann musste unsereins ganz schnell wieder die Gefühle wechseln. Denn die nackichten jungen Deerns waren auch für’n ollen Klaubauterer ein Hingucker. Aber Sie wissen ja schon: Der Gentleman genießt und schweigt. Was man übrigens bis heute in Wildau über diese Ära tut. Viele wissen angeblich viel über jene Zeiten, doch sie hüllen sich in beredtes Schweigen. Köpffchen - Sonderausgabe 2016 Bis 1993 musste Klaus Kuhnert öfter Kaufinteressenten durch das Klubhaus führen. Das hatte in diesen Zeiten letztlich drei neue Eigentümer, Pächter oder Mieter. Genau lässt sich das heute nicht mehr nachvollziehen. Mit dem letzten dieser Eigentümer, der angeblich wegen nicht gezahlter Pacht an das Wasser – und Schifffahrtsamt die Steganlage abreißen musste, zogen dem Vernehmen nach auch viele Katzen ins Klubhaus ein. Inklusive ihrer Hinterlassenschaften. Weshalb später Mitarbeiter des Wildauer Bauhofs das völlig verdreckte Gebäude reinigen mussten. „1993 fand eine Inventur statt, dann übernahm die Treuhandanstalt das Klubhausgebäude“, berichtet Klaus Kuhnert. Die Ruderer hatten zwar auch ein Konzept für den Weiterbetrieb des Klubhauses entwickelt, mit Gastronomie und in den oberen Räumen Übernachtungsmöglichkeiten. „Gerade für die Westberliner Ruderer war es ein Erlebnis, jetzt bis in den Spreewald rudern zu können. Was aber nicht an einem Tag zu schaffen ist. Daher waren Übernachtungsmöglichkeiten gefragt“, beschreibt Monika Kuhnert dieses Konzept. Was letztlich jedoch auf taube Ohren stieß. Schließlich endete 1997 ein gut siebenjähriger Kleinkrieg um Pacht, Mitbenutzung und Verkauf des Klubhauses an der Dahme. Eine von der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft eingereichte Räumungsklage besiegelte nach 76 Jahren das Schicksal des traditionsreichen Wildauer Rudersports zum 31. Dezember 1997. Unter dem Namen „Wassersportverein Königs Wusterhausen“ fanden die Wildauer Ruderer in der Nähe des Neue Mühler Strandbades eine neue Heimstätte im benachbarten Königs Wusterhausen. Tjä, das – Brackwasser und Seetang nochmal - waren bewegte Zeiten. Und nicht unbedingt die schönsten. Unterlagen und Pokale vom einstigen Ruder-Trainingszentrum Wildau wurden nach dem Rauswurf der Ruderer in einem Überseecontainer zwischengelagert. Und schließlich entsorgt. Schade drum. Das Klubhaus an der Dahme versank für mehr als 13 Jahre in einen Dornröschenschlaf. Kinnings, was war mir da laaaaaaaaangweilig!!!!!! Keiner da, den man hätte ein bisschen ärgern können. Keiner da, den man mit Poltern und Hämmern hätte erschrecken können. Was mir als Klabautermann blieb, waren die Lastkähne und die Boote, die vor meiner Nase auf der Dahme vorbeizogen. Da habe ich schon manches Mal an mir und meinem Job gezweifelt. So wahr ich Käpt’n Williwo heiße. 23

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