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Missionsmagazin 4-5/2014

Voice of Hope Magazin

Lettland Das evangelium

Lettland Das evangelium hinter mauern Gottesdienste und Gespräche über die Bibel in Rigas Hochsicherheitsgefängnis Mauern, Stacheldraht, mehrfache Zäune, vergitterte Fenster – zu dritt stehen wir (Niko Derksen, Andy Ped, und Leo Schmidt aus Oberwiehl) vor einem Hochsicherheitsgefängnis in Lettland, etwa 100 Kilometer entfernt von Riga. Ein Entkommen aus diesem trostlosen Ort ist undenkbar. Doch trotz widriger äußerer Umstände öffnet Gott auch hier Türen für das Evangelium. Bruder Kolja (Leiter einer Ortsgemeinde in Riga) durfte das in seiner langjährigen Arbeit bereits mehrfach erfahren. Er hat die Genehmigung, die Häftlinge zu besuchen, doch kann er nicht oft zu ihnen fahren. Mehrmals hat er erlebt, wie Gott die scheinbar unerreichbaren Herzen der Gefängnisinsassen öffnet und rettenden Glauben bewirkt. Seit 20 Jahren sucht Bruder Kolja regelmäßig Kontakt zu den Gefangenen, um mit ihnen Gespräche zu führen und das Evangelium zu erklären. Mit knapp 700.000 Einwohnern ist Riga, die Hauptstadt Lettlands, Heimat von etwa 32 % der gesamten Bevölkerung Lettlands. Das Land kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit und überfüllten Gefängnissen. Auf 100.000 Einwohner kommen etwa 312 Häftlinge (zum Vergleich: in Deutschland sind es etwa 88) – damit hat Lettland eine der höchsten Kriminalitätsraten in der EU. „Dann werden Ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir (…) Dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu Dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, Ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen Meinen geringsten Brüdern, das habt ihr Mir getan.” Mt. 25,37-40. Geschwister einer Ortsgemeinde in Riga, mit der Andy schon lange in gutem Kontakt steht, hatten uns um Unterstützung bei der Gefängnisevangelisation gebeten. Besonders in der biblischen Lehre Unterstützung. Da Jesus Seine Jünger genau damit beauftragt hat, wollten wir dieser Bitte gerne nachkommen. Dafür baten wir den Herrn um Seinen Segen, Gnade und Beistand. Trotz des streng bewachten Zugangs gewannen wir Vertrauen der Beamten, weil sie wussten, dass wir Christen sind. Normalerweise werden für einen offiziellen Besuch maximal 1½ Stunden genehmigt.Fast sechs Stunden durften wir mit den Häftlingen über das Evangelium reden, zusammen mit dem lettischen Bruder Kolja. Am nächsten Tag konnten wir für fünf Stunden zu den Häftlingen. Dankbar sehen wir, dass das ausgestreute Wort auf fruchtbaren Boden fällt. Ein Gefangener namens Kostja, der seit etwa sieben Jahren inhaftiert ist, kam vor etwa zwei Jahren zum lebendigen Glauben. Er merkte, dass er vor Gott ein verlorener Sünder und ein Staubkorn war und nur durch Gottes Liebe errettet werden konnte. Erfreulicherweise hat die Gefängnisleitung Kostja einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem er mit den anderen Gefangenen Gottesdienste durchführen und seelsorgerliche Gespräche führen kann. Dem jungen Christen fehlt es zwar noch an Bibelwissen, doch hält er dort jeden Tag eine Bibelstunde ab, wo alle hinkommen können, die eine Genehmigung von der Gefängnisleitung haben. Sogar ein Klavier steht in diesem Raum, das aber nicht zu gebrauchen war, bis es von Leo gestimmt wurde. Niko setzte sich an das Instrument, Leo ergriff seine Gitarre, Andy seine Panflöte, und gemeinsam spielten sie einige Lieder. Von der Musik angelockt, gesellten sich weitere Gefangene dazu und lauschten neugierig den Zeugnissen und dem gepredigten Wort. Anschließend führ- 8 Voice of Hope Nr. 4+5/2014

Missionseinsatz – Riga (Lettland) Leo, Andy, Kostja und Niko in Riga ten wir persönliche Gespräche in Kleingruppen von je 20-30 Minuten Dauer. Viele waren offen und fragend. Manche meinten, sie hätten sich zwar schon bekehrt, seien aber immer wieder in Sünde gefallen, weshalb sie meinten, sich wieder neu bekehren zu müssen. Doch was ihnen wirklich fehlte, war die rettende, befreiende Botschaft – das Evangelium der Gnade Gottes in Jesus Christus. Während wir diese Botschaft bezeugten, wurden einige Herzen geöffnet und zu Jesus gezogen. Den Interessierten wurden Neue Testamente angeboten. Viele nahmen sie gerne an. Ein Gefangener galt vor seiner Bekehrung unter seinen Mithäftlingen als der „Boss”. Was er sagte, wurde gemacht. Durch seine hohe Stellung genoss er besondere Privilegien, wie beispielsweise eine Einzelzelle, während andere mit ca. 30 anderen Männern in einem Raum schliefen. Seine Macht besaß er unter anderem deshalb, weil er Boxer war und seine Kraft auch zu gebrauchen wusste. Doch durch die Gnade Gottes hörte er das Evangelium und wurde ein Kind Gottes. Weil er jetzt dem Herrn Jesus Christus gehörte, der sich erniedrigt hatte, konnte und wollte er als Sein Nachfolger die körperliche Kraft nicht mehr gebrauchen, um Macht auszuüben. Er wandte sich den Geringen unter den Gefangenen zu, sprach freundlich mit ihnen, half ihnen und erniedrigte sich in ihre unterste „Kaste”, was jene völlig erstaunte; viele dachten, er sei verrückt geworden. „Ihr glaubt nicht, was das manchmal für eine Überwindung kostet”, gestand er, „ich hatte vorher alle im Griff und sie gehorchten mir. Sie haben immer noch großen Respekt vor mir, aber ich möchte sie zu Jesus führen und verleugne deshalb mein altes, gewalttätiges und jähzorniges Ich-Wesen.” 2011 wurde erstmals in der Geschichte des Gefängnisses eine Taufe durchgeführt – draußen, in einer Regentonne. Die Täuflinge waren Bruder Kostja und Bruder Janis, der einige Tage nach seiner Taufe entlassen wurde. Für Kostja hingegen begann eine schwere Zeit mit vielen Anfechtungen und Schwierigkeiten. Aber Gott sei Dank, die Schläge und Demütigungen haben seinen Glauben nur noch mehr gefestigt. Betet bitte für Ihn! Außerdem ist er ständig auf der Suche nach Menschen, mit denen er sich per Briefkontakt austauschen kann. 2012 ergaben sich, bedingt durch eine Öffnung zum Westen, gemäßigtere Bedingungen im Strafrecht, so dass viele Gefangene durch eine Amnestie entlassen werden konnten. Kostja, der damals schon ein Kind Gottes war und sich deshalb durch gutes Betragen auszeichnete, hatte gehofft, ebenfalls freizukommen, was aber nicht geschah. Auf seine Frage, warum dies so sei, legte der Gefängnisdirektor den Arm um seine Schultern und antwortete: „Kostja, wie soll es hier werden ohne dich?! Wir brauchen dich doch hier!” – Sein größtes Problem besteht darin, dass ihn selbst noch viele ungelöste Fragen beschäftigen. Er benötigt dringend biblische Unterweisung – wie auch die anderen Häftlinge. Ihre geistliche Not liegt uns jetzt allen auf dem Herzen. Möge der Herr hier Abhilfe schaffen! Ebenso braucht die Gemeinde in Riga biblische Unterweisung und Ermutigung, damit ihr Glaube auf Gottes Kraft beruht (1.Kor. 2,5). Bitte betet auch für den Gefängnisprediger Kolja und seine Familie, die diesen wichtigen Dienst unter den Häftlingen mitträgt. Einige der bekehrten Gefängnisinsassen bekamen nach ihrer Freilassung die Möglichkeit, bei Bruder Kolja zu wohnen und ihm bei seiner Landund Hauswirtschaft zu helfen. Unterstützen Sie mit Gebeten und Gaben den evangelistischen Dienst unter den Häftlingen in Riga! Es sind weitere Einsätze geplant. • Lettland 9

Das kraftvolle Evangelium – John MacArthur
Das Evangelium Jesu Christi – Paul Washer
Voice of Hope Magazin 3-2017